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Das Hotel

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Das Hotel

Wie aus einem grausamen Alptraum entrissen, wuchte ich mich mit einem tiefen Röcheln nach vorne. Eisiges Wasser umgibt meinen nackten, zitternden Körper. Mit aller Kraft zerre ich mich aus der Wanne und stürze zu Boden, meine Beine geben einfach nach. Mein Gesicht verzieht sich vor Schmerz, als ich mich langsam aufrichte. Sitzend an die Wand gelehnt ringe ich nach Luft und spüre, wie kalte Wassertropfen aus meinem Haar über meinen Oberkörper perlen.
»Wo bin ich?«, frage ich mich, während ich mit aufgerissenen Augen den Raum betrachte und langsam etwas mehr Klarheit erlange.
Erst jetzt bemerke ich das leichte Flackern der Spiegelleuchte. Das schwache Licht, welches einige Insekten anzieht, offenbart ein wüstes Badezimmer. Schwarzer Schimmel ziert zahlreiche Fugen der hellgrau gemusterten, mit Kalk befleckten Marmorfliesen, die sich bis zur unteren Hälfte des Raumes erstrecken. Die feuchte Badematte zwischen meinen Zehen fühlt sich schleimig an. Als würde ich auf einem verwesenden Tier sitzen. Auf der Toilette liegt ein zerknülltes, weißes Badetuch. Zaghaft greife ich danach, reibe mich gründlich ab und werfe es wieder zurück auf den Toilettendeckel.
Mit Mühe richte ich mich auf und gerate ins Wanken. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er jeden Moment explodieren. Benommen taumle ich zum Spiegel und wage einen kurzen Blick hinein. Mein blasses, eingefallenes Gesicht verrät das Ausmaß meiner Erschöpfung und Verwirrung.
»Was ist mit mir passiert?«, frage ich mich, während ich mit den Fingerspitzen durch mein Gesicht fahre und in meine geröteten Augen blicke.
Schließlich begebe ich mich wankend aus dem Badezimmer und betrete einen dunklen Raum. Beim Abtasten der Wand betätige ich einen Lichtschalter und kann nun erkennen, dass ich mich in einem Schlafzimmer befinde. Es ist altmodisch eingerichtet, mit kastanienbraunen Tapeten und einem etwas helleren Parkettboden. Auf dem kleinen Nachttisch neben dem Bett steht eine silberne Schirmlampe und ein rotes Wählscheibentelefon. Vor dem Bett befindet sich ein etwas größerer, dunkelbrauner Holztisch mit einem alten Röhrenfernseher. Die orangefarbenen, karierten Vorgänge sind zugezogen. In der Ecke des Zimmers erblicke ich staunend eine große Standuhr mit einem goldenen Pendel. Sie sieht sehr hochwertig aus und muss uralt sein.
Diese Art der Einrichtung erinnert mich an ein Hotelzimmer. Jedoch kann ich mich weder daran erinnern, wie ich hergekommen, noch seit wann ich hier bin.
Grübelnd wandere ich durch den Raum und versuche, zumindest einen Teil meiner Erinnerungen wiederzuerlangen, als ich einen hölzernen Kleiderschrank erblicke. Ich öffne ihn in der Hoffnung, meine Kleidung zu finden und habe Glück. Es sind einige Hemden, Anzughosen und Sakkos vorhanden. Dazu genügend Unterwäsche und Socken. Offenbar habe ich einen längeren Aufenthalt geplant.
Endlich wieder bekleidet beschließe ich, bei der Rezeption anzurufen und setze mich auf das Bett. Vielleicht kann mir dort jemand weiterhelfen. In der kleinen Schublade des Nachttisches finde ich ein Kärtchen auf einer Bibel.
»Willkommen im Matt-Hew-Hotel. Die Durchwahl der Rezeption lautet 8-12. Gerne kümmern wir uns um Ihr Anliegen.«
»Matt-Hew-Hotel …? Der Name ist mir fremd.«
Nervös lege den Hörer an mein Ohr und gebe die Durchwahl über die Wählscheibe ein.
Schließlich erklingt eine angenehm warme, dunkle Stimme.
»Guten Abend Sir, wie kann ich Ihnen helfen?«
»Guten Abend Mr. …«
»Abaddon«
»Mr. Abaddon, bitte verzeihen Sie. Es mag zwar verrückt klingen, … aber ich leide vermutlich an einer Art Amnesie. Ich … Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wie ich hergekommen bin. Haben Sie eventuell Informationen darüber, wann ich eingecheckt bin?«
»Ah Mr. Charon! Natürlich, wir hatten bei Ihrer gestrigen Ankunft eine äußerst nette Unterhaltung. Sie sind hier in Las Vegas auf Geschäftsreise und haben wichtige Termine bei mehreren großen Kunden. Sie arbeiten für eine Bank und es ginge um Kreditverträge oder ähnliches. Ihre Aufenthaltsdauer ist nicht näher definiert. Sie sagten, Sie möchten auschecken, wenn das Geschäftliche erledigt ist.«
Mir wird klar, dass auch diese Erinnerungen vollständig fehlen. Selbst mein Vorname fällt mir nicht mehr ein.
»Mr. Charon? Geht es Ihnen gut? Haben Sie sich vielleicht den Kopf gestoßen?«
»Nein … oder ich weiß nicht. Er schmerzt ziemlich.«
»Keine Sorge Mr. Charon, ich ordere den Pagen. Er wird sich unverzüglich auf den Weg machen und Ihnen etwas gegen Ihre Schmerzen bringen.«
»Vielen Dank Mr. Abaddon, das würde mir sehr helfen.«
»Sehr gerne Mr. Charon. Ich wünsche Ihnen weiterhin einen angenehmen Aufenthalt und gute Besserung.«
Ernüchtert hänge ich den Hörer auf und lasse mich nach hinten fallen. Womöglich muss ich nur eine gewisse Zeit abwarten und meine Erinnerungen kehren von selbst wieder zurück. Ich hoffe nur, dass ich die Kundentermine einhalten kann. Schließlich möchte ich meinen Job nicht verlieren.
Während ich im Bett liege und meine Stirn reibe, erlangt das Gold gerahmte Bild über dem Bett meine Aufmerksamkeit. Ein alter, nackter Mann, bedeckt mit einem weißen Schleier in einem kleinen Holzboot. Er befindet sich auf einem schmalen Fluss und steuert das Boot mit einem Holzruder. Eine weitere Person ist an Bord. Auf der linken Seite des Flusses erkennt man friedvolles, grünes Land, bestückt mit zahlreichen Bäumen und weiteren Flussläufen. Auf der rechten Seite hingegen ein in Dunkelheit und Chaos gestürztes Land. Ein wirklich bemerkenswertes Bild.
Gedankenversunken starre ich auf das Bild, das eine magische Wirkung auf mich zu haben scheint, als es plötzlich klopft und ich zusammenzucke. Vermutlich der Page. Erleichtert begebe mich zur Tür und blicke durch den Türspion. Eine freundlich lächelnde Gestalt in roter Uniform.
»Hallo, Mr. Charon? Ich bringe Ihnen wie gewünscht eine Tablette gegen Ihre Kopfschmerzen und etwas Wasser dazu.«
Ich öffne die Tür und der Page strahlt mich an, während er mir das Medikament und das Glas Wasser überreicht.
»Vielen lieben Dank, Sie sind meine Rettung.«, entgegne ich und setze mit Mühe ebenfalls ein freundliches Gesicht auf.
»Gerne Mr. Charon. Rufen Sie mich, falls Sie noch etwas benötigen.«
»Danke, das werde ich.«
Nach einer freundlichen Verabschiedung schließe ich die Tür und nehme die Tablette zu mir. Hoffentlich wirkt sie schnell. Aber was nun? Ich stelle das Glas auf den Nachttisch ab und bemerke darunter einen kleinen Safe. Vermutlich sind dort meine Wertsachen enthalten, mein Portemonnaie mit meinem Ausweis. Oder ein Hinweis bezüglich der Kundentermine. Aufgeregt beuge ich mich herunter und ziehe an dem Griff. »Verdammt, er ist verschlossen.« Wäre ja auch zu schön gewesen.
Am besten rufe ich noch mal bei der Rezeption an. Mr. Abaddon findet bestimmt eine Lösung.
Erneut greife ich zum Hörer und wähle die Nummer. Es klingelt eine Weile, aber niemand hebt ab. Ich blicke zur Pendeluhr und stelle fest, dass es schon fast Mitternacht ist. Morgen ist sicher wieder jemand erreichbar.

Ich beschließe, die Nacht im Hotel zu verbringen, da ich ohnehin nichts tun kann und nicht weiß, wo ich sonst hin soll. Gähnend und mit halb geöffneten Augen begebe ich mich zum Fernseher. Vielleicht sehe ich dort etwas, das mir hilft. So ein altes Gerät habe ich jedoch noch nie bedient. Ich drücke zufällig auf einige der Knöpfe, bis einer davon einrastet. Ein rauschendes Bild leuchtet auf. Genervt klopfe ich mit geballter Faust gegen den Fernseher, doch ohne Erfolg. »So eine alte Schrottkiste.« Ich schalte ihn wieder aus und beschließe, mich dann doch schlafen zu legen. Kaum weggedreht, höre ich plötzlich, wie sich jemand hinter mir unterhält. Ich blicke erneut zum Fernseher und sehe Figuren aus einem Schwarz-Weiß-Film. »Komisches Gerät.«, denke ich mir und beschließe, es besser nicht mehr anzurühren.
Im Bett liegend verfolge ich gespannt die Dialoge des Films. Es geht um einen Detektiv, der gerade einen Mord aufklärt und die Verdächtigen vernimmt. Der Film ist wirklich gut gemacht. Ich habe das Gefühl, bei den Vernehmungen mit eingebunden zu werden. Es wirkt fast so, als würde der Detektiv mit mir kommunizieren. Er sieht mich regelmäßig an, nickt dabei kurz und wirft mir ab und an ein Lächeln zu. Schon fast unheimlich.
Langsam merke ich, wie meine Augenlider schwerer werden. Die Dialoge des Films wandern tiefer in mein Unterbewusstsein. Sie rücken immer weiter in die Ferne und verschwinden schließlich komplett …
»Mr. Charon!«
Ich schrecke auf und blicke verwirrt um mich.
»Mr. Charon, hier drüben!«, ruft jemand eindringlich.
Noch immer ist mir nicht klar, wo die Stimme herkommt. Dann bemerke ich, dass der Fernseher noch läuft und sehe den Detektiv im Bild, wie er besorgt in die Kamera schaut.
»Sie müssen aufwachen, Mr. Charon!«
Ich starre wie eingefroren in das Gesicht des Detektives und verspüre ein unangenehmes Gefühl.
»Was zum …?«
»Es wird nun Zeit.«
Redet er mit mir? Wie ist das möglich?
Nach kurzem Zögern beschließe ich, ihm zu antworten.
»… Zeit für was?«, flüstere ich und kann nicht glauben, dass ich mit dem Fernseher rede.
Er lächelt nun, als wenn ihm meine Reaktion gefiele.
»Zeit für Ihre Arbeit!«
Seine Worte ergeben für mich keinen Sinn. »Das muss doch ein Traum sein …«, denke ich mir und reibe mir die Augen. Doch als ich sie wieder auf den Bildschirm richte, ist der Fernseher ausgeschaltet. Ich sitze in völliger Dunkelheit.
Nach einigen Sekunden der Stille neben mir laute Schritte.
»MR. CHARON!«
Ein wütendes, hell aufflackerndes Gesicht direkt vor meinem. Ich falle zusammen mit Kissen und Decke schreiend aus dem Bett, stehe sofort wieder auf und laufe zur Eingangstür. Ich stürze auf den Flur und blicke auf dem Boden kauernd in das Zimmer zurück. Doch ich sehe die Gestalt nicht mehr. Erst jetzt wird mir mein panisches Atmen und mein hämmernder Herzschlag bewusst. »Was war das gerade!?«

Zum ersten Mal befinde ich mich auf dem Flur und schaue mich um, während mir Schweiß über die Stirn läuft. Die Tapeten sind Beige und mit einem Pflanzenmuster versehen. Sie wirken verschmutzt und beschmiert mit etwas, das wie Ruß aussieht. Genau wie der rote Teppichboden.
Ich schaue in den schmalen Gang hinein und sehe, wie einige Zimmer weiter der Page vor einer Tür steht. Die kleinen Schirmlampen an der Wand werfen ein schwaches Licht, sodass ich Mühe habe, ihn aus der Ferne zu erkennen. Er bewegt sich nicht und wirkt so, als wenn er mich nicht gesehen oder gehört hätte. Ich stehe langsam auf und zucke zusammen, als ich einen Knall höre. Erneut richte ich meinen Blick auf den Pagen und mir stockt der Atem. Er schlägt seinen Kopf wieder und wieder gegen die Tür, vor der er steht. – Was zur Hölle ist hier los?
»Hallo? Sind Sie okay?«, rufe ich besorgt und hoffe, dass ich mir das nur einbilde.
Als er langsam seinen Kopf zu mir dreht, stockt mir der Atem. Ein blutüberströmtes, kreidebleiches Gesicht kommt zum Vorschein. Seine Augen vollkommen weiß. Sein Atmen schwer und keuchend. Doch anstatt zu antworten, bewegt er sich langsam in meine Richtung. Eines seiner Beine schleift er hinter sich her, als wäre es gebrochen. Aus seinem offenen, nach Luft ringenden Mund rinnt eine blutverschmierte, zähflüssige Speichelmasse und hinterlässt am Boden ihre Spuren.
Je näher er mir kommt, desto schneller und aufgeregter wird er.
Ein schwerer Kloß bildet sich in meinem Hals und ich schüttele ungläubig den Kopf. Der Page hat mich fast erreicht, da setzt endlich mein Fluchtinstinkt ein. Ich laufe in die entgegengesetzte Richtung an einigen Zimmern vorbei, doch es ist kein Fahrstuhl oder Treppenhaus in Sicht. Meine Beine fühlen sich noch immer sehr träge an und ich gerate immer wieder ins Wanken. Der dunkle Gang wirkt endlos und ich höre das bedrohliche Schleifen und Keuchen des Pagen hinter mir. Als ich einen Blick zur Seite wage, erkenne ich aus dem Augenwinkel, dass er ganz dicht hinter mir ist. Dabei stürze ich zu Boden und schürfe mir das Gesicht auf. Das Adrenalin in meinem Blut lässt mich sofort wieder aufspringen und ich laufe hektisch atmend weiter. Da spüre ich, wie mich etwas an der Schulter packt. Ich schreie und reiße mich los. »Jetzt werde ich sterben!«, denke ich. Doch dann erblicke ich eine offene Zimmertür. Ich eile hindurch und schlage sie hinter mir zu. Völlig außer Atem und mit dem Rücken an die Tür gelehnt sinke ich zu Boden.
Nur wenige Sekunden vergehen, da klopft es.
»Mr. Charon, ist alles in Ordnung?«
Ich presse meine Hand gegen den Mund, um mein lautes Atmen zu unterdrücken.
»Haben Sie sich verletzt, als Sie aus dem Zimmer gestürzt sind? Ist denn etwas vorgefallen? Mr. Charon?«
Traumatisiert versuche ich einen klaren Gedanken zu fassen. War das alles womöglich nur Einbildung oder eine Halluzination? Ich muss nachdenken. Nach einer Weile richte ich mich langsam wieder auf und blicke durch den Türspion. Ich sehe den Pagen, sein Gesicht ist jedoch wieder vollkommen normal. Er lächelt genauso freundlich, wie bei unserer ersten Begegnung.
Etwas erleichtert, aber dennoch misstrauisch, rufe ich durch die Tür mit unsicherer Stimme:
»Alles in Ordnung, machen Sie sich keine Sorgen! Mir geht es gut!«
Der Page reagiert nicht auf meine Worte. Noch immer durch den Spion blickend sehe ich, wie er nur dasteht und lächelnd auf die Tür starrt. Verunsichert gehe ich einige Schritte zurück in den dunklen Raum hinein und stolpere. Ich falle zu Boden und lande auf etwas Weichem.
»Warum liegen hier Kissen und Decke auf dem … Bin ich etwa …?«
Durch den unteren Türschlitz kann ich den Schatten des Pagen erkennen. Noch nie habe ich mich von etwas so bedroht gefühlt. Ich schlage meine Hände zusammen und bete, dass er mich endlich in Ruhe lässt. Es vergeht etwas Zeit, da höre ich wieder seine Stimme:
»Rufen Sie mich, falls Sie noch etwas benötigen, Mr. Charon.«
Anschließend wandert sein Schatten langsam zur Seite. Endlich ist er weg.

Noch immer am Boden sitzend kaue ich nervös meine Nägel, während ich wippe und versuche, mich wieder zu beruhigen. Ein lautes Klingeln durchbricht die Stille und ich zucke schreiend zusammen. Es dauert einige Momente, bis ich realisiere, dass ich rangehen sollte. Mit zittrigen Händen greife ich nach dem Hörer und führe ihn langsam an mein Ohr. »H…Hallo?«
Ein Rauschen ertönt, gemischt mit einer dissonanten, verzerrten dunklen Stimme. Ich kann nichts verstehen und muss schlucken. Es schmerzt ein wenig, da mein Mund völlig ausgetrocknet ist. Die Geräusche werden allmählich etwas klarer und es formen sich einige Worte.
»…bring…sie…!?«
Doch dann hallt der Schrei einer Frau aus dem Badezimmer. Mir fällt der Hörer aus der Hand und ich stehe zaghaft auf. »Was erwartet mich als nächstes?«, denke ich und bleibe wie versteinert stehen. Ein weiterer Schrei. »Verdammt, ich muss etwas tun!«
Ich löse mich von meiner Starre, laufe los und stoße die Badezimmertür auf. Die Tür knallt dabei gegen die Wand und reißt leicht ein. Es ist jedoch niemand zu sehen. Wieder eine Halluzination? Ich sinke zu Boden und lasse mein Gesicht in meine Hände fallen. »Gott, ich werde noch wahnsinnig!« Doch dann höre ich ein lautes Plätschern und Röcheln. Etwas schießt aus der Badewanne. Ich falle nach hinten, als mir einige der Wassertropfen ins Gesicht spritzen. Eine alte Frau, die schwer nach Luft ringt. Sie bemerkt mich und starrt mich an, während sie sich angestrengt am Badewannenrand stützt. Ihr Gesicht ist kreidebleich und ihre Lippen pechschwarz. In ihrem Haar stecken einige Blätter und ihre Nägel sind verdreckt, als hätte sie in Erde gewühlt. Mein Herz beginnt erneut zu toben und ich mache mich bereit, zu fliehen, als sie plötzlich etwas von sich gibt.
»Bitte! … helfen … Sie mir!«, stammelt sie, während sie Wasser aus ihrer Lunge hustet.
Mein Instinkt sagt mir, dass ich ihr besser nicht trauen sollte. Jede einzelne Körperzelle in mir schreit „Flieh!“, als aus ihrem Mund eine goldene Münze herausfällt, die geradewegs auf mich zurollt und kurz vor mir zum Erliegen kommt. Ich starre sie an. Meine Augen sind wie gebannt. Mein Geist beruhigt sich. Meine Muskeln entspannen. Ich fühle mich wie hypnotisiert. Genau wie bei dem goldgerahmten Bild über dem Bett. Allmählich erlange ich wieder mehr Klarheit, stehe langsam auf und begebe mich zu der alten Frau.
»Was ist mit Ihnen passiert?«, furchtlos packe ich sie am Arm und helfe ihr aus dem Wasser. Sie ist ganz kalt und trägt ein weißes Kleid. »Keine Sorge, ich bringe Sie zu einem Arzt.«
Jedoch wirkt sie geistig völlig abwesend, flüstert etwas vor sich hin und zittert stark. Ich habe Schwierigkeiten, sie aus dem Bad zu führen. Plötzlich wird sie unruhig und hält mich fest,
während sie mit aufgerissenen Augen nahe an mein Gesicht kommt. »Die Münze! … Ihre Münze!«
Ich blicke auf den Boden und sehe, dass wir bei der Münze stehengeblieben sind. Ihr scheint es wohl sehr wichtig, dass ich sie an mich nehme.
»Wir haben keine Zeit, junge Dame! Die Münze ist jetzt egal. Sie müssen schnell in ein Krankenhaus.«
Doch sie besteht darauf und geht wieder einige Schritte zurück zur Badewanne. Ich seufze und mir wird klar, dass ich wohl keine andere Wahl habe. »Na schön, aber dann kommen Sie mit mir!«
Kopfschüttelnd bücke ich mich, um die Münze aufzuheben. Als ich sie berühre, schießen tausende Gedanken durch meinen Kopf, als würde mich ein Blitzschlag treffen. Ich zucke vor Spannung, ein lauter Schrei hallt in mir und vibriert durch meinen gesamten Körper. Dann wird mir alles klar.
»Kommen Sie nun schnell, es bleibt nicht mehr viel Zeit!«, sage ich besorgt. Die alte Frau nickt und scheint mir jetzt vollkommen zu vertrauen. Sie wirkt beruhigt und folgt mir bedingungslos in den Flur, während ich sie an der Hand halte.
»Wir müssen zum Fahrstuhl!« Genau in dem Moment geht der Feuermelder los. Aus den Türen der anderen Zimmer dringt schwarzer Rauch. Gemeinsam laufen wir durch den immer heißer werdenden Flur. Die Luft wird immer stickiger, während wir in Richtung Fahrstuhl eilen. Dieses Mal kenne ich den Weg und wir erreichen ihn schließlich. Er ist jedoch außer Betrieb. Das Feuer hat sich mittlerweile auch im Flur ausgebreitet.
»Das Treppenhaus!«, rufe ich, während die Sicht immer trüber wird.
Sie nimmt mich jedoch kaum wahr und schaut geistesabwesend um sich.
Ich nehme sie wieder an die Hand und ziehe sie durch das Treppenhaus Richtung Erdgeschoss. Der Weg nach unten findet jedoch kein Ende. Plötzlich regnet es brennende Teile herab und treffen mich. Meine Kleidung fängt Feuer. Doch ich kann mich rechtzeitig von ihr befreien und trage ein paar kleinere Verbrennungen davon. Auf die noch brennende Kleidung trete ich solange ein, bis das Feuer erlischt. »Ich brauche unbedingt die Münze!«
Unbeirrt laufen wir die endlosen Treppen weiter hinunter. Die alte Frau bricht schließlich erschöpft zusammen. Es bleibt mir keine andere Wahl, als sie den Rest des Weges auf dem Rücken zu tragen. Nach einer Weile geben auch meine Beine vor Erschöpfung nach.
Völlig unverhofft kommen wir vor einer Tür zum Erliegen, gekennzeichnet mit einem grün leuchtenden „Exit“-Schild. Endlich haben wir es geschafft.

Als wir durch die Tür hindurchgehen, finden wir uns in der Dunkelheit wieder. Man kann nichts erkennen. Die alte Frau klammert sich an mich und zittert am ganzen Körper.
Plötzlich höre ich jemanden in die Hände klatschen.
»Sehr schön, Mr. Charon! Ich wusste doch, dass Sie es wieder schaffen.«
Das Licht geht an. Wir befinden uns in einer Schwimmhalle mit einem großen Pool in der Mitte. Er ist bis zur Hälfte mit goldenen Münzen gefüllt. Ein Mann steht auf der anderen Seite des Pools und schaut mich erheitert an. Er ist apart gekleidet, mit schwarzem Anzug und roter Krawatte. Sein schwarzes Haar ist nach hinten gegelt und er trägt weiße Samthandschuhe.
»Abaddon …«
»Sie sind wahrlich ein Künstler, Mr. Charon! Die Leute liegen Ihnen wie gewohnt völlig zu Füßen!«, ruft er mit etwas Hohn in seiner Stimme.
Ich hole die goldene Münze hervor und schnipse Sie in den Pool.
»Lass das dumme Theater. Wenn du mir nicht jedes verdammte Mal Steine in den Weg legen würdest, würde das Ganze wesentlich schneller ablaufen.«
Er lacht und breitet seine Arme aus, während die alte Dame sich von mir löst und wie hypnotisiert zu ihm wandert, sich neben ihn stellt und auf etwas zu warten scheint.
»Aber aber, Mr. Charon. Wo bliebe denn dann der ganze Spaß?«
Er zieht einen seiner Handschuhe aus und greift in das Gesicht der alten Frau. Sie fängt an zu zucken und versucht sich loszureißen. Doch vergeblich. Ihre Haut wird grau und beginnt zu welken. Sie strampelt und zieht, bis ihre Kräfte sie verlassen und sie schließlich zu Asche zerfällt. Nur ihr weißes Kleid bleibt übrig und gleitet sanft zu Boden. Dann richtet er wieder seinen Blick zu mir.
»Bereit, um wieder auszuchecken? Bis du deine Schuld beglichen hast.«, sagt er nun in einem ernsteren Ton.
»Tu, was du nicht lassen kannst, du Mistkerl.«
Seine Miene verfinstert sich und er hält nun seine Hand dicht vor seinem Gesicht.
»Werd bloß nicht frech, du kleine Made. Ich kann die Sache auch erheblich qualvoller gestalten.«
Mit einem schmerzhaft lauten Knall schnipst er mit seinem Finger und hinter mir öffnet sich eine Aufzugstür. Ein Tsunami aus Wasser schießt heraus und schleudert mich mit Wucht in den Pool hinein. Dabei stoße ich mir den Kopf und alles wird schwarz, bis ich vom Todesstrudel umhergewirbelt völlig das Bewusstsein verliere.

Wie aus einem grausamen Alptraum entrissen, wuchte ich mich mit einem tiefen Röcheln nach vorne …

 
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28.08.2016
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Hallo @Krolloks,

ich finde deine Erzählweise grundsätzlich angenehm. In der Geschichte stecken einige interessante Ansätze, besonders am Ende. Leider sind hier auch viele Klischees, die mich mit einem schlechten Gesamteindruck zurückgelassen haben:

  • Der Hauptcharakter kann sich an nichts erinnern
  • Der Handlungsort ist ein gruseliges, altmodisches Hotel
  • Halluzinationen tauchen auf, dann ist plötzlich wieder alles normal
Einzeln betrachtet finde ich diese Punkte nicht so schlimm, aber in Summe wirkt es ein wenig einfallslos. Besonders das hier:
hinter mir öffnet sich eine Aufzugstür. Ein Tsunami aus Blut schießt aus ihr heraus
Diese Anspielung passt nicht wirklich zum Rest, ich würde stattdessen eine eigene Idee verwenden.

Folgende Formulierungen sind außerdem ziemlich abgedroschen:

Vor Schreck falle ich zusammen mit Kissen und Decke nach hinten aus dem Bett, rapple mich direkt wieder auf und laufe panisch zur Eingangstür.
Ich erstarre und mir wird klar
Nach kurzem Überlegen rapple ich mich langsam auf
Plötzlich klingelt das Telefon und ich schrecke auf.
Doch dann hallt wie aus dem Nichts
Reflexartig springe ich auf und stürme
Doch dann schießt etwas aus dem Wasser.
eine gefühlte Ewigkeit
Mit einem ohrenbetäubenden Knall
Wie wäre es mit kreativeren Formulierungen? Oder du verzichtest einfach auf Füllwörter und übermäßig viele Adjektive und Adverbien.
Allgemein: Versuche mal, Sätze umzuformulieren, die mit Plötzlich, Als, Doch und Schließlich beginnen. Sonst wirkt es nach einiger Zeit etwas eintönig.

Besonders am Anfang, aber auch später sind mir Passagen aufgefallen, die sehr detailreich beschrieben werden:

Das schwache, weiße Licht, welches von einigen wenigen kleinen Insekten befallen ist, offenbart ein wüstes und verdrecktes Badezimmer. Schwarzer Schimmel ziert zahlreiche Fugen der hellgrau gemusterten, mit Kalk befleckten kleinen Marmorfliesen, die sich bis zur unteren Hälfte des Raumes erstrecken. Die füllige, feuchte Badematte zwischen meinen Zehen erweckt den Eindruck, auf einem toten, pelzigen Tier zu rasten. Auf der Toilette, welche sich in meiner Reichweite befindet, bemerke ich ein verschmutztes, zerknülltes weißes Badetuch.
Sind wirklich alle fett gedruckten Infos notwendig? Das ist für meinen Geschmack zu viel.
Dann die ausführliche Beschreibung des Schlafzimmers, wo ich mir ebenfalls mehr Tempo gewünscht hätte. So nahe am Anfang einer Geschichte kann das abschreckend und langweilig wirken.

Auf Zeichensetzung und Zeitformen habe ich nicht geachtet, mir ist nur ein fehlendes Komma aufgefallen:

Sitzend an der Wand angelehnt[,] ringe ich panisch nach Luft.

Ich hoffe, meine Vorschläge waren hilfreich.

Viele Grüße
Michael

 
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Hallo Michael,

vielen lieben Dank für die ausführliche Kritik!
Du hast leider recht, meine Story ist relativ klischeehaft. Mein Ziel war es, sie möglichst spannend zu erzählen, was leider durch die abgedroschenen Formulierungen nicht ganz geklappt hat. Zusätzlich ist noch eine biblische Anspielung vorhanden, die jedoch nicht jeder erkennen kann. Hatte gehofft, dass das die Story etwas aufpeppt.
Und halt der Endlosloop.
Habe grundsätzlich noch Probleme, Sätze vernünftig zu formulieren und Wörter wie "Plötzlich" zu ersetzen. Bei den Adjektiven denke ich mir immer, dass sie für ein besseres Kopfkino sorgen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand eine richtig gut geschriebene Geschichte weiterempfehlen könnte. Glaub das würde mir auch sehr helfen.

Diese Anspielung passt nicht wirklich zum Rest, ich würde stattdessen eine eigene Idee verwenden.
Welche Idee hast du für diesen Part?

LG Krolloks

 
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Moin @Krolloks,

wie schön ein bisschen Horror, darüber freue ich mich doch immer. Inhaltlich hat mir deine Geschichte gut gefallen, besonders die Stelle mit dem Pagen.
Mein Problem mit der Geschichte ist aber, dass du mMn. zu viel erklärst und für den Leser mitdenkst.

Einige Beispiele:

Der natürliche Drang, sich der Kälte zu entziehen, lässt mich mit einem Satz aus der Wanne springen.
Du hast vorher erwähnt, dass das Wasser kalt ist und ich weiß, dass man da nicht drinnenbleiben möchte. Ich sprang aus der Wanne würde reichen.

Auf der Toilette, welche sich in meiner Reichweite befindet, bemerke ich ein zerknülltes weißes Badetuch. Zaghaft greife ich danach, reibe meinen noch immer zitternden Körper damit ab und werfe es wieder zurück auf den Toilettendeckel.
Wäre die Toilette nicht in Reichweite könnte der Prota schlecht danach greifen, genauso ist es nicht super relevant wohin das Handtuch geworfen wird.

Bedroht von seinem Anblick und seinem Verhalten
Tatsächlich, der Zombiehafte Page wirkt bedrohlich auf deinen Prota, wäre ich selber nicht gekommen :D

Das Feuer hat sich mittlerweile auch im Flur ausgebreitet und droht, uns zu verschlingen.
Meine Kleidung fängt Feuer und die Flammen drohen mich zu verschlingen.
Wiederholung fast direkt hintereinander und beides offensichtlich.

Das waren jetzt nur ein paar Beispiele. Ich würde an deiner Stelle den Text nochmal genau durchlesen und gucken welche Worte/Erklärungen wirklich notwendig sind. Mein Motto ist immer sowenig wie Möglich, soviel wie nötig wenn der Text fertig ist.

Trotzdem habe ich mehr sehr über etwas Grusel gefreut und gerne gelesen.

LG Plutenstuff

 
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@Krolloks
Zu diesem Punkt:

Habe grundsätzlich noch Probleme, Sätze vernünftig zu formulieren und Wörter wie "Plötzlich" zu ersetzen. Bei den Adjektiven denke ich mir immer, dass sie für ein besseres Kopfkino sorgen.
Es gibt einen weit verbreiteten Schreibtipp, der sich Show, don't tell nennt. Die Idee dahinter ist, dass man das Geschehen einer Geschichte nicht wie einen Bericht nacherzählt, sondern anhand von Gesichtsausdrücken, Körpersprache usw zeigt.
Wenn du Wörter wie panisch, entschlossen oder besorgt verwendest, gibst du eine eindeutige Emotion vor und lässt wenig Spielraum für andere Interpretationen. Plutenstuff hat dir auch schon Tipps gegeben, weniger zu erklären.
Dass man Adjektive und Adverbien gar nicht verwenden soll, verlange ich selbstverständlich nicht. Ich verwende sie auch gerne, bin aber gerade dabei, sie sparsamer einzusetzen. Wenn du bei deinem nächsten Text schon von Anfang an auf die Auswirkungen dieser Wörter achtest, fällt es dir vielleicht leichter. Keine Ahnung, probiere es mal - ich kann nur meine eigenen Erfahrungen wiedergeben. Schreibe so, wie es für dich passt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand eine richtig gut geschriebene Geschichte weiterempfehlen könnte.
Zum Thema Horror fällt mir Der dicke Hermann von Proof ein, den Text habe ich gut in Erinnerung. Du kannst auch mal bei den Empfehlungen hier im Forum vorbeischauen.

Diese Anspielung passt nicht wirklich zum Rest, ich würde stattdessen eine eigene Idee verwenden.
Welche Idee hast du für diesen Part?
Tut mir leid, aber das finde ich witzig: Ich schlage dir vor, selbst etwas auszudenken und du fragst dann mich nach einer Idee?
Du hast ja schon Ansätze in der Schwimmhalle, die du ausbauen könntest. Den Pool, die Goldmünzen, den Mann und die von ihm verursachte Endlosschleife. (Ich würde übrigens das Wort Ende am Schluss entfernen, das ist erstens nicht notwendig und passt zweitens nicht zur Endlosschleife, die ja kein Ende hat)
Vielleicht ist der Mann ein Ameisenflüsterer und aus dem Aufzug strömt ein Meer aus Ameisen? Oder Meerwasser? Smarties? 500.000 DVDs mit The Shining? Es ist deine Geschichte, sei kreativ!

Viele Grüße
Michael

 
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27.04.2022
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Nabend @Plutenstuff und @Michael Weikerstorfer ,

ich danke euch für euer Feedback!

Mein Problem mit der Geschichte ist aber, dass du mMn. zu viel erklärst und für den Leser mitdenkst.
Danke dir für den Hinweis und die Beispiele, das ist noch eine Sache, die ich mir abgewöhnen muss. Werde nochmal meinen kompletten Text durchgehen und unnötige Erklärungen streichen. Solche Tipps helfen mir aber sehr.
Trotzdem habe ich mehr sehr über etwas Grusel gefreut und gerne gelesen.
Das freut mich! Genau das möchte ich auch erreichen. :)

Wenn du Wörter wie panisch, entschlossen oder besorgt verwendest, gibst du eine eindeutige Emotion vor und lässt wenig Spielraum für andere Interpretationen.
Das klingt auf jeden Fall einleuchtend. Habe dann nur wieder das Gefühl, dass meine Figuren zu theatralisch wirken, wenn sie zu viel rumhampeln. Muss da noch einen Mittelweg finden.
Zum Thema Horror fällt mir Der dicke Hermann von Proof ein, den Text habe ich gut in Erinnerung. Du kannst auch mal bei den Empfehlungen hier im Forum vorbeischauen.
Danke dir für den Tipp, werde mich da mal durchforsten und mir die Geschichte durchlesen.
Tut mir leid, aber das finde ich witzig: Ich schlage dir vor, selbst etwas auszudenken und du fragst dann mich nach einer Idee?
Nein, ich nahm an, dass du deine eigene Idee damit meintest und etwas vorschlagen wolltest. Das mit dem Blut aus dem Aufzug war aber tatsächlich etwas zu viel des klischeehaften, daher habe ich mich für Wasser umentschieden.
500.000 DVDs mit The Shining?
xD ja von da hab ich das wohl mit dem Blut aus dem Aufzug.

Ich danke euch für die wertvollen Tipps und werde diese auch in dieser Story schon umsetzen.

LG Krolloks

 
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20.05.2022
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Das schwache Licht, welches von einigen wenigen Insekten befallen ist ...

Hier würde ich das „befallen“ ändern. Es passt irgendwie nicht so recht, erzeugt bei mir kein Bild, das ich nachvollziehen könnte.

Schließlich begebe ich mich wankelmütig ...

Wankelmütig ist ein lustiges Wort, es klingt so altbacken. Das vielleicht austauschen? Denn hier musste ich unfreiwillig schmunzeln ;)

An sich habe ich die Geschichte genossen. Ja, sie arbeitet mit Klichees, aber meiner Meinung nach, ist dir durchaus eine spannende Geschichte gelungen. Ich kann das deswegen sagen, weil ich mich beim Lesen nicht gelangweilt habe.

Allerdings hat mich das Ende dann nicht überzeugt. Es kam zu rasch und ließ zu viele Fragen offen. Wer ist Abaddon? Was ist diese Schuld? Klar; ich kann verstehen, wenn du die Geschichte möglichst offen lassen wolltest für Interpretation, aber so wirkt es etwas unausgegoren. Ich habe den Eindruck du wolltest bloß ein Horroszenario schildern. Da hätte man, glaube ich, mehr draus machen können. Aber nichtsdestotrotz, es hat mir gefallen!

LG
Patrick

 
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27.04.2022
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Hi @Nadir ,

danke dir für deinen Kommentar!

Das schwache Licht, welches von einigen wenigen Insekten befallen ist ...

Hier würde ich das „befallen“ ändern. Es passt irgendwie nicht so recht, erzeugt bei mir kein Bild, das ich nachvollziehen könnte.

Schließlich begebe ich mich wankelmütig ...

Wankelmütig ist ein lustiges Wort, es klingt so altbacken. Das vielleicht austauschen? Denn hier musste ich unfreiwillig schmunzeln ;)
Ich könnte auch "umgeben" schreiben, und statt wankelmütig "nachdenklich" oder "verstimmt". Schmunzeln soll man ja nicht bei meiner Story. :D
An sich habe ich die Geschichte genossen. Ja, sie arbeitet mit Klichees, aber meiner Meinung nach, ist dir durchaus eine spannende Geschichte gelungen. Ich kann das deswegen sagen, weil ich mich beim Lesen nicht gelangweilt habe.
Das freut mich zu lesen. Die Klischees habe ich tatsächlich in Kauf genommen, da ich auf sie stehe und sie unbedingt in einer eigenen Story verwursten wollte.
Ich werde die Geschichte jedoch noch etwas aufpeppen, da ich einige Szenen etwas spannender gestalten könnte, wie z.B. die Flucht vor dem Pagen.
Allerdings hat mich das Ende dann nicht überzeugt. Es kam zu rasch und ließ zu viele Fragen offen. Wer ist Abaddon? Was ist diese Schuld? Klar; ich kann verstehen, wenn du die Geschichte möglichst offen lassen wolltest für Interpretation, aber so wirkt es etwas unausgegoren. Ich habe den Eindruck du wolltest bloß ein Horroszenario schildern. Da hätte man, glaube ich, mehr draus machen können. Aber nichtsdestotrotz, es hat mir gefallen!
Da steckt doch noch etwas mehr dahinter. Jedoch kommt nicht jeder drauf, den versteckten Hinweisen nachzugehen.
Charon ist eine mythologische Figur, die für eine Goldmünze die Toten ins Reich des Hades bringt: https://de.wikipedia.org/wiki/Charon_(Mythologie)
Hier habe ich eine Anspielung auf das erste Bild in meiner Story gemacht.
Auch das Matt-Hew-Hotel mit der Durchwahl 8-12 ist ein Hinweis auf einen Abschnitt in der Bibel: https://www.bibleref.com/Matthew/8/Matthew-8-12.html
Warum Charon eine Goldmünze nimmt, wird jedoch nicht näher beschrieben. Daher habe ich diese "Schuld" gegenüber Abaddon, der ebenfalls eine mythologische Figur ist, eingebaut. Er hat mit dem Totenreich zu tun und ist eine Art Engel des Abgrunds oder ein Ort der Bestrafung: https://de.wikipedia.org/wiki/Abaddon#:~:text=Abaddon (hebräisch אֲבַדּוֹן , von hebr,und Ps 88,11).
Welche Schuld er letzten Endes begleicht, soll jeder für sich selbst entscheiden.

LG Krolloks

 
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Das freut mich zu lesen. Die Klischees habe ich tatsächlich in Kauf genommen, da ich auf sie stehe und sie unbedingt in einer eigenen Story verwursten wollte.
Ich werde die Geschichte jedoch noch etwas aufpeppen, da ich einige Szenen etwas spannender gestalten könnte, wie z.B. die Flucht vor dem Pagen.

Ja klar! Verbessern geht schließlich immer. Die Flucht vor dem Pagen hat schon fast mehr als gute Ansätze, ich empfand sie beinahe schon als "fertig". Sofern eben Texte je fertig sind ;)

Deine Anspielungen sind jetzt klar, peinlich! Eigentlich müsste gerade ich besser hinsehen, denn das war relativ offensichtlich. Es tut mir leid, ich bin im Grunde noch neu und ziemlich unerfahren im Kommentieren von Geschichten. Also verzeiht mir, wenn es ab und an Qualitätsmängel aufweist. Ich werde daran arbeiten ;)

LG
Patrick

 
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Ja klar! Verbessern geht schließlich immer. Die Flucht vor dem Pagen hat schon fast mehr als gute Ansätze, ich empfand sie beinahe schon als "fertig". Sofern eben Texte je fertig sind ;)
Ja ich finde immer etwas, das sich verbessern lässt beim erneuten durchlesen. Das kann genau wie in meiner Story endlos so weitergehen. :D
Deine Anspielungen sind jetzt klar, peinlich! Eigentlich müsste gerade ich besser hinsehen, denn das war relativ offensichtlich. Es tut mir leid, ich bin im Grunde noch neu und ziemlich unerfahren im Kommentieren von Geschichten. Also verzeiht mir, wenn es ab und an Qualitätsmängel aufweist. Ich werde daran arbeiten ;)
Ist doch keine Problem. Ich war mir nicht sicher, ob überhaupt jemand die Hinweise bemerkt. Bin auch noch relativ unerfahren (sowohl beim Schreiben, als auch beim Lesen) und mir wärs vermutlich auch nicht aufgefallen.

LG Krolloks

 
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Mahlzeit @Krolloks,

hm ... also ich habe nicht alles gelesen, weil ich es nicht schaffte. Dauernd blieb ich hängen. In deinem Text finden sich einer Situation falsch zugeordnete Wörter. Aber erst mal ein paar Zitate:

Mit einem Satz springe ich aus der Wanne und stürze zu Boden, meine Beine geben einfach nach
Eine Wanne ist tief. Ob mit oder ohne Wasser, ein wenig sportlich muss man sein, um da einfach so - hepp - rauszuspringen, also so eine Hand auf dem Beckenrand. Man überwindet aus dem halbliegenden oder sitzenden Zustand eine ca. 60 cm hohe Hürde und muss die Arme verbiegen dabei. Aber offenbar kannst du deine Beine nicht zu Hilfe nehmen, da sie einfach nachgeben. Also packst du das nur mit Armen und Hüftschwung. Das will ich sehen.

Sitzend an der Wand angelehnt
Sitzend an die Wand gelehnt

Das schwache Licht, welches von einigen Insekten befallen ist
Eine der völlig falschen Vokabeln. Schimmel kann Gegenstände befallen. Insekten (wie auch immer man sie einzeln benennt) werden vom (schwachen) Licht angezogen, surren oder summen andauernd dagegen, wie auch immer.

Auf der Toilette bemerke ich ein zerknülltes weißes Badetuch
entdecke, sehe oder gar nichts davon. Auf der Toilette liegt ein ... damit hast du es ja entdeckt.

reibe mich gründlich damit ab
damit kann weg, denn einen Halbsatz vorher schreibst du schon, WOMIT

Benommen durch den Schmerz schlendere ich zum Spiegel
Niemand schlendert benommen zum Spiegel. Jemand schlendert ungezwungen und fröhlich pfeifend durch den frühlingshaften Park. Schlendern beinhaltet Entspanntheit. Benommen tapse ich ... tapsen beinhaltet eine Unbeholfenheit.

Schließlich begebe ich mich wankelmütig aus dem Badezimmer
Jemand ist wankelmütig, ein wankelmütiger Charakter, er kann sich nicht entscheiden, ob er den gelben oder den roten Porsche nimmt, bucht nach Mallorca und in den nächsten zwei Wochen zwanzig Mal um und wieder zurück. Schwankend, dein Prot schwankt wie ein Schiff auf der Dünung. Du kannst auch wanken/wankt nehmen, was aber ohne das mütig eine ganz andere Bedeutung hat.

finde ich einen Lichtschalter und kann nun erkennen, dass ich mich in einem Schlafzimmer befinde
Er findet einen Lichtschalter und erkennt, dass er sich im Schlafzimmer befindet? Und wenn die Sicherung raus ist? Dann findet er den Lichtschalter und ...

weder daran erinnern, wie ich herkommen
hergekommen

und bemerke einen hölzernen Kleiderschrank
sehe, entdecke, fällt mir auf

Also das Einbauen von Hinweisen auf griechische oder biblische Mythologien mag ja klassisch sein im Horrorbereich, aber zuvor kommt der Wortschatz. Das A und O des Handwerks. Niemand von uns Autor:innen kennt alle Vokabeln, weswegen es ein stetes Dazulernen ist (bin ich nicht ausgenommen). Das heißt: lesen, lesen, lesen und Worte nachschlagen, deren Bedeutung oder Mehrfachbedeutung im Kontext nachspüren. Das ist extrem wichtig. Sprache ist das, was uns aus der Höhle gebracht hat. Dazu gehört auch, dass man sich dauernd selbst überprüft. Ist dieses Wort richtig? Nachschauen. Nicht einfach verwenden.

Grüße
Morphin

 
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Hey @Morphin ,

danke dir vielmals für die Hinweise. Für solche Feinheiten bin ich noch zu unerfahren, das muss ich wohl zugeben. Gerade bei meinen eigenen Texten bin ich praktisch blind und überlese solche Fehler ungewollt. Bin aber zuversichtlich, dass ich das mit der Zeit hinkriege.
Besonders mit so einer tollen Unterstützung, die man von euch bekommt.

LG Krolloks

 
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Hallo,
grundsätzlich ist der Text in einer gut lesbaren Sprache geschrieben. Allerdings sind - wie bereits von einigen Kritikern gesagt - viele Klischees enthalten. Eine nette Idee, auf Stephen Kings Shining anzuspielen, aber es sollte auch zur Geschichte passen. Des Weiteren habe ich mich mit den Ereignissen etwas überrumpelt gefühlt, sodass ich an manchen Stellen die Handlung nicht mehr überblickt habe. Vielleicht solltest du einigen Szenen mehr Raum geben, damit sich der Leser tiefgründiger in die einzelnen Handlungsstränge einfinden kann. Womöglich habe ich aber auch nur eine zu geringe Auffassungsgabe, da würde ich mich dann auf die Mehrzahl der Kritiker verlassen ...
Was ich ebenfalls ändern würde, ist die Sache mit den Monologen/Gedankenreden. Kursivschrift halte ich hier für angebrachter; Anführungszeichen stehen grundsätzlich für wörtliche Rede, Zitate usw.

Grüße
Bastian

 
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»Was ist mit mir passiert?«, frage ich mich, während ich mit den Fingerspitzen durch mein Gesicht fahre und in meine geröteten Augen blicke.

Sie ist ganz kalt und trägt ein weißes Kleid.

Weiß als Farbe der Trauer -
aber bis zum Tsunami am Ende ist ist der Fährmann mit sich selbst beschäftigt und ich hab direkt die erste Frage,

liebe/r @Krolloks,

Sitzend an die Wand gelehnt, ringe ich nach Luft und spüre, wie kalte Wassertropfen aus meinem Haar über meinen Oberkörper perlen.
warum das erste Komma? Aber egal, ob Du da nach Atem ringst oder auch nicht, weg mit ihm und soll es eine gedankliche Pause signalisieren, nimm den Gedankenstrich – dafür ist er ja da!

Als würde ich auf einem verwesenden Tier rasten.
Da drückt sich einer gewählt würde-voll aus ...

Auf der Toilette liegt ein zerknülltesKOMMA weißes Badetuch.
Beide Adjektive/Attribute sind gleichrangig – eine Gegenprobe mit „und“ widerspricht dem nicht … Hier zeigstu übrigens, dass Du es korrekt kannst, wenn es bei Dir heißt
Mein blasses, eingefallenes Gesicht verrät das Ausmaß meiner Erschöpfung und Verwirrung.
& hier
Schließlich erklingt eine angenehm warme, dunkle Stimme.

Mit Mühen richte ich mich auf und gerate ins Wanken.
Das pluralistische Problem bei der Frage „haben Sie Kinder“, wo die Einkindfamilie getrost „nein“ sagen kann.
Ist denn nicht erst einmal eine Mühe genug?
Hier ebenso
»Vielen lieben Dank, Sie sind meine Rettung.«, entgegne ich und setze mit Mühen ebenfalls ein freundliches Gesicht auf.

Grübelnd wandere ich durch ich den Raum und versuche, …
(fällt Dear selbst auf )

Ich wünsche Ihnen weiterhin einen angenehmen Aufenthalt und gute Besserung.«
Klingt doch nach anderem als einer bloßen Aussage.
Oder?!

Am besten rufe ich nochmal bei der Rezeption an.
„noch mal“, auseinander, weil ein verkürztes „noch einmal“

Ich beschließe, die Nacht im Hotel zu verbringen, da ich ohnehin nichts tun kann und nicht weiß, wo ich sonst hinsoll.
Besser auseinander „hin soll“

Ich starre wie eingefroren ich in das Gesicht des Detektives und verspüre ein unangenehmes Gefühl.
kommentarlos

Sie wirken verschmutzt und mit etwas, das wie Ruß aussieht, beschmiert.
Unschöne sehr schwache Klammer, warum nicht
„Sie wirken verschmutzt und beschmiert mit etwas, das wie Ruß aussieht.“
?

»Hallo? Sind Sie ok?«, rufe ich besorgt u…
Was hat denn Oklahoma (gebräuchlichste Abkürzung OK, aber auch ok oder Ok) hier zu suchen? Im Deutschen sind natürlich Punkte zu setzen der Art O. K., da kann man bei fünf Zeichen (zwei Buchstaben getrennt durch ein Leerzeichen und zwo Punkte = fünf Zeichen für ein Wort aus vier Zeichen von Abkürzung sprechen?

Eines seiner Beine schleift er hinter sich her, als sei es gebrochen.
Vermutung – also besser Konjunktiv II, wäre

War das alles womöglich nur Einbildung, oder eine Halluzination?
Komma weg!

»Was erwartet mich als nächstes?«, denke ich mir und bleibe wie versteinert stehen.
Wem denn sonst? Weg mit „mir“!

»Was ist mit Ihnen passiert?«KOMMA furchtlos packe ich sie am Arm und helfe ihr aus dem Wasser.
...
Völlig unverhofft kommen wir vor einer Tür zum Erliegen, gekennzeichnet mit einem grün leuchtenden „Exit“-Schild. Endlich haben wir es geschafft.
Sollen wir den Totengräber besorgen?

Wie aus einem grausamen Alptraum entrissen, wuchte ich mich mit einem tiefen Röcheln nach vorne…
Warum die Auslassungspunkte direkt am Wort? Da bedeutet an sich, dass da wenigstens ein Buchstabe fehle … aber da fällt mir keiner ein.

Und damit herzlich willkommen hierorts durch

Friedel

 
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Zuletzt bearbeitet:

@Bastianwys und @Friedrichard

vielen Dank für eure Kritik und das Aufdecken der Fehler, die sich noch in der Geschichte versteckten!

Vielleicht solltest du einigen Szenen mehr Raum geben, damit sich der Leser tiefgründiger in die einzelnen Handlungsstränge einfinden kann.
Die Szenen ab dem Zombie-Pagen sind schon sehr eng aneinandergereiht, das stimmt wohl. Hier könnten kleine Pausen nicht schaden. Wollte jedoch dem Protagonisten keine Ruhe lassen und ihn etwas quälen.
Kursivschrift halte ich hier für angebrachter; Anführungszeichen stehen grundsätzlich für wörtliche Rede, Zitate usw.
Das mit der Kursivschrift bei Gedankengängen habe ich bisher noch nie gehört, werde mich da aber mal schlau machen.

Weiß als Farbe der Trauer
Weiß als Farbe der Auferstehung. Wird bei einer Bestattung eher favorisiert.
Sollen wir den Totengräber besorgen?
Das verstehe ich nicht so ganz, da "zum Erliegen kommen" ja auch bedeutet, dass etwas zum Stillstand kommt. Z. B. der Straßenverkehr kam zum Erliegen.

Ansonsten habe ich die übrigen Fehler dank deiner Hilfe alle beseitigt. Da muss ich wohl noch bei meinen eigenen Texten genauer hinsehen.

Danke und LG Krolloks

 
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Nix zu danken, Krolloks

Deine Worte

Völlig unverhofft kommen wir vor einer Tür zum Erliegen, gekennzeichnet mit einem grün leuchtenden „Exit“-Schild. Endlich haben wir es geschafft.​
verführten mich zur flaxigen Anmerkung
Sollen wir den Totengräber besorgen?
also nicht allzu viel Tiefsinn darin vermuten!

Tschüss

Friedel

 

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