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Das Weihnachtsgeschenk

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Anmerkungen zum Text
Beschreibung des Ortes. Beschreibung und Wortfindung einer Stimmung oder einer Situation.

Das Weihnachtsgeschenk

Es war in einer Nacht, in der das silberne Licht des tief stehenden Vollmondes die weißen Kristalle des Pulverschnees zum Leuchten brachte. Die Sterne funkelten wie geschliffene Diamanten am Firmament. Kein Wölkchen dämpfte das Spiel der Lichter, das die Eiszapfen zum Glühen brachte. Es war klirrend kalt, selbst der kleine Tümpel versteckte sich unter einer dicken, spiegelnden Eisschicht. An dessen flach auslaufenden Ufersaum ragte steif gefrorenes, zum Teil abgeknicktes Schilfgras in den Lichtern nächtlichen Himmel empor. Nahe am Teichufer, an dem sich ein ausgetretener Wanderpfad schlängelte, stand eine alte Holzbank, auf der ein junger Mann Platz genommen hatte. Sein Atemnebel und Zigarettenrauch, hüllten ihn zuweilen so ein, dass sein Gesicht nicht mehr zu erkennen war. Er stand auf und begann schnell und ruckartig auf der Stelle zu laufen. Seinen Zigarettenstummel schnippte er in weitem Bogen hinter sich in den Schnee, und dann stellte er seinen Mantelkragen über seine kalten, roten Wangen auf. Die schwarze Pudelmütze zog er sich tiefer in die Stirn. Daraufhin schlug er sich mit den Händen kräftig gegen die Oberarme.
Neben ihm auf der Sitzbank lag eine große, graue Leinentasche, die stark ausgebeult war und einen Gegenstand enthielt. Obenauf lag ein kleines Sträußchen bunter Blumen. Er schlüpfte mit steifen Fingern in seine Lederhandschuhe und setzte sich. Er schaute auf eine silberne Armbanduhr.
Danach wanderte sein Blick den schmalen Pfad entlang bis zur alten knorrigen Weide, die ihn dann die weitere Sicht auf die Wegbiegung verwehrte.
"Wann kommt sie endlich?", flüsterte er.
Noch einmal stand er auf und spähte mit zusammengekniffenen Augen in Richtung der Weide. Und aus dem breiten Schatten des Baumes löste sich eine Gestalt, die sich immer schneller werdend auf den wartenden Mann zubewegte. Es war ein Mädchen in seinem Alter mit kunstvoll geflochtenem Haaren. Sie war ganz in Weiß gekleidet und trug Ohrenschützer aus weißem Fell. Ein gleichartig gearbeiteter weißer Muff verbarg ihre Hände. Als sie den Mann erreicht hatte, umarmte er sie und ihre Lippen berührten sich.
"Hast du meine Überraschung dabei?", fragte sie.
"Aber natürlich mein Liebes."
"Wundervoll, ich fühle mich hier wie die Schneekönigin im Märchen."
Er lächelte. Daraufhin öffnete er die Leinentasche und dabei fielen ihm die Blumen hinab in den Schnee. Mit einer schnellen Bewegung hob er diese auf und überreichte diese dem Mädchen, das anfing zu lachen, als sie das inzwischen gefrorene Sträußchen entgegennahm.
Der Mann setzte sich wieder und schlüpfte aus seinen Schuhen, um sich schwarz glänzenden Schlittschuhe anzulegen, die er aus der Leinentasche entnommen hatte. Kaum waren diese fest an seinen Füßen und die Schnürsenkel straff gebunden, forderte er das Mädchen auf.
"Komm setze dich, ich helfe dir."
Das Mädchen setzte sich auf die Bank und der junge Mann griff zum wiederholten Mal in seine Leinentasche und beförderte daraus ein zweites Paar Kufen hervor, die aus weißem Leder gearbeitet waren. Das Mädchen entfernte ihre Schuhe und er zog ihr die Schlittschuhe über ihre Füße. Danach stand sie auf und er nahm ihre Hand und storchbeinig tippelten beide zum Eisspiegel des Teiches. Dort angekommen, griff der Mann in seine Jackentasche und entnahm daraus ein kleines Musikgerät. Er stellte es auf das Eis und brachte es zum Spielen.
"Schwanensee von Peter Tschaikowsky" jauchzte sie, "mein Weihnachtsgeschenk mit dir tanzend im Mondschein auf dem Eis. Welch wundervolle Idee. Ich liebe dich."
 
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Liebe Billi,

hier gehen die Kommata auch spazieren. Schau mal hier. Gib deinen Text in Abschnitten (man darf nur begrenzt Zeichen eingeben bei der kostenlos Variante) ein, das sollte Dir sehr helfen.

Ich habe mal deinen ersten Absatz eingefügt und danach sah er so aus:

Es war in einer Nacht, in der das silberne Licht des tief stehenden Vollmondes die weißen Kristalle des Pulverschnees zum Leuchten brachte. Die Sterne funkelten als geschliffene Diamanten am Firmament. Kein Wölkchen hemmte das Spiel der Lichter, das die Eiszapfen zum Glühen brachte. Es war klirrend kalt, selbst der kleine Tümpel versteckte sich unter einer dicken, spiegelnden Eisschicht. An dessen flach auslaufenden Ufersaum ragte steif gefrorenes, zum Teil abgeknicktes Schilfgras in den Lichtern nächtlichen Himmel empor. Nahe am Teichufer, an dem sich ein ausgetretener Wanderpfad schlängelte, stand eine alte Holzbank, auf der ein junger Mann Platz genommen hatte.

Es würde sich auf alle Fälle lohnen. Wobei funkelten + Lichter leider nicht erkannt wurden. Die gebe ich Dir noch mit.

Beste Grüße, Fliege
 
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CoK

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Hallo @Billi

was möchtest du mit deinem Text sagen?
Ich vermisse Spannung !

Leider bin auch ich kein Profi im Schreiben, mich bringt das Lesen der anderen Beiträge und die anschließenden Korrekturen ein Stück weiter.

Lieber Gruß
CoK
 
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Hallo @Billi,

alsooooo ... wenn ich mal so lange wie gerade überlegen muss - und dann DOCH kommentieren möchte - dann hast du mich schon mal erreicht. Wie das? Dein Text hat mich an meine ersten Schreibversuche erinnert. Das war schön damals, weil ich mich frei fühlte beim Schreiben. Als drehte sich nun die Welt anders herum.

Du hast zudem zwei Tags verwendet, die mich normalerweise schreiend wegrennen lassen. "Weihnachten" und "Romantik".

Was ist mir nun aufgefallen, an deinem Werk? ZU VIEL Information in zu WENIG Text. Wenn du mal durch ein Museum gehst und Bilder betrachtest, detailreiche Bilder, und sie versuchst in allen Einzelheiten zu beschreiben, dann wirst du schnell müde. In deinem Kopf bekommst du die Details nicht zusammen. Gehst du mal ein paar Meter weg und betrachtest den Gesamteindruck, etwa Rembrandts "Nachtwache", dann fühlst du dich mittendrin. Weil dich das Bild in seine "Realität" zieht. Oder betrachte "Die Wolgatreidler" von Ilja Repin. Je näher du herangehst, desto weniger wirkt die Mächtigkeit der realistischen Detailverliebtheit. Je weiter du dich entfernst, umso beeindruckender wird es, weil sich die Wirkung des Bildes in deinem Kopf etabliert, manifestiert, als überwältigendes Gefühl von Realität.

Wenn du also schreibst, dann entsteht die Vervollständigung auch im Kopf des Lesers. So wie ein Mensch aus unvollständigen Linien auch Buchstaben erkennen kann. Des Menschen Vorstellungskraft und Fantasie haben vielleicht im Smartphone-Zeitalter ein wenig gelitten, aber man muss den Leser fordern. Zu viele Details, deren geschriebenes Bild ich im Kopf habe, lenkt mich vom nächsten Bild ab, denn wir lesen ja immer ein Stück "in der Zukunft". Das Auge ist dem Hirn immer voraus. Und wenn zu viel am Auge ankommt, stolpert das Hirn.

Weniger ist also mehr. Und vor allem ... Romantik ist immer individuell. Lass die Romantik IM Kopf des Lesers entstehen, verwende nur wenige Gewürze und die sparsam.

Was mir noch aufgefallen ist:
zum Leuchten brachte. Die Sterne funkelten als geschliffene Diamanten am Firmament. Kein Wölkchen hemmte das Spiel der Lichter, das die Eiszapfen zum Glühen brachte.

Lass dich aber nicht vom Schreiben abhalten durch eine Kritik wie meine. Du bist auf dem Weg. Und der ist das Ziel.

Griasle
Morphin
 
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@Morphin

Vielen Dank für deine Mühe. Du hast recht ich habe erst seit kurzem ein Volkshochschulkurs hinter mir. (Kreatives schreiben) Ich will es einfach versuchen und bin auch deshalb Wortkrieger geworden. Die ersten Gehversuche, du verstehst. Mir ist die Stimmung im Text wichtig gewesen und weniger die Spannung. Wortfindung war mein Ziel. Ich muss mich in meinem Thema noch finden, und es soll Spaß machen. Ich würde gerne ein Hobby daraus machen. Dazu seit ihr mir wichtig. Danke.

Meinst du mit zu wenig Text zu wenig Handlung? Oder müsste die Geschichte länger sein?

@CoK

Stimmt schon, statt Spannung ist Romantik angesagt. Danke für's lesen.

@Fliege

Du bist und bleibst die Beste. Danke.
 
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Mahlzeit @Billi,

zu viel Information in zu wenig Text ... also wenn deine Lieblingstante klingelt, durch deinen Flur in die Küche stürzt und ohne Luft zu holen das komplette Alte Testament in 10 Minuten runterrattert, und wieder abzieht, DANN hast du ZU VIEL Text in ZU WENIG Zeit.

Das bringt dir nicht die Handlung näher, nicht die Charaktere, nicht die Bilder, die zwischen den Worten entstehen. Denn die entstehen ja IM LESER. Wir als Leser sollen das Bild sehen, dass du mit Worten zu uns transportierst. Und wir müssen zwischendrin mal Luft holen. Auch geistig.

Kreativ schreiben ist ja nicht die wahnsinnige Ausschmückung einer Winterlandschaft. Vergleiche es mal mit einem 5-Sterne-Essen. Da findest du auf dem Teller Akzente. In Farben, Formen und dem Arrangement und natürlich auf der Zunge. Weniger ist mehr für den Eindruck (mal unabhängig vom Grad der Sättigung).

Die Geschichte muss nicht länger sein. Aber du gibst uns Lesern die Romantik vor, die Fantasie vor. Wir haben gar keine Möglichkeit all das zu entdecken.

Was ist mehr Horror? Denk an Alien, Teil 1. Im langen, dunklen Gang. Man sieht und hört nur Ripley. Wir WISSEN, das Alien ist da irgendwo, aber wir sehen es nicht. Doch unser Hirn arbeitet bereits an den Bildern. In deinem Text gibst du uns die Bilder vor.

Kreatives Schreiben ... ich will mal sagen, kreatives Schreiben ist die Kunst, mit wenigen Worten die Kreativität BEIM LESER zu wecken.

Griasle
Morphin
 
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Hallo Billi!
Du bist noch ganz neu und ich würde viel lieber schreiben, dass mir deine Geschichte super gefallen hat. Hat sie leider noch nicht. Ich probiere dir aber einen kurzen Eindruck da zu lassen, warum mich deine Geschichte nicht gepackt hat.

Es war in einer Nacht, in der das silberne Licht des tief stehenden Vollmondes die weißen Kristalle des Pulverschnees zum Leuchten brachte. Die Sterne funkelten als geschliffene Diamanten am Firmament. Kein Wölkchen hemmte das Spiel der Lichter, das die Eiszapfen zum Glühen brachte. Es war klirrend kalt, selbst der kleine Tümpel versteckte sich unter einer dicken spiegelnden Eisschicht. An dessen flach auslaufenden Ufersaum, ragte steif gefrorenes, zum Teil abgeknicktes Schilfgras in den lichten, nächtlichen Himmel empor. Nahe am Teichufer, an dem sich ein ausgetretener Wanderpfad schlängelte, stand eine alte Holzbank, auf der ein junger Mann Platz genommen hatte. Sein Atem gefror zu Nebel
Puh. Nenn mich unromantisch. Aber hier kann ich schon nicht mehr. Das ist ja fast Romantik-Kirmes ;) ... Liebe Billi, ich find das echt zu viel.
Er stand auf und begann schnell und ruckartig auf der Stelle zu laufen.
Das ist gut. Das kauf ich ihm ab. Ihm ist scheißekalt. So romantisch es da auch aussieht
Die schwarze Pudelmütze zog er sich tiefer in die Stirn. Daraufhin schlug er sich seine beiden Hände über Kreuz haltend kräftig an die gegenüberliegenden Oberarme.
Auch das finde ich echt und ich seh den armen Kerl da vor sich hintrippeln und klopfen.
Er schlüpfte mit steifen Fingern in seine Lederhandschuhe
Warum dieses niedlich-elegante "schlüpfte"? Zumal seine Finger ja steif sind. Da wird in meinen Augen nicht geschlüpft.
"Wann kommt sie endlich?", flüsterte er erwartungsvoll.
Erwartungsvoll find ich zu dick.
Es war ein Mädchen in seinem Alter
Also eine junge Frau?
Mit einer schnellen Bewegung hob er diese auf und überreichte diese dem Mädchen, das anfing zu lachen, als sie das inzwischen gefrorene Sträußchen entgegennahm.
Das klingt steif. Generell verwendest du häufiger dieses sperrige "diese".
Das Mädchen entfernte ihre Schuhe und er zog ihr die Schlittschuhe über ihre Füße. D
Ich ziehe meine Schuhe immer aus. Selbst wenn ich `nem Mann gefallen will:)

storchbeinig tippelten beide zum Eisspiegel des Teiches.
Das find ich herrlich. Echt!
"Schwanensee von Peter Tschaikowsky", jauchzte sie, "mein Weihnachtsgeschenk mit dir tanzend im Mondschein auf dem Eis. Welch wundervolle Idee. Ich liebe dich."
Gut. Höchste Romantik-Eskalationstufe. Dann Ende.

Hier wäre allerdings auch eine Möglichkeit gewesen, der ganzen Geschichte eine Wendung zu geben. Irgendwas zu zeigen, was jetzt mal nicht zum Romantik-Arrangement passt. Sie können ja später immer noch Schwanensee tanzen. Aber davor müsste noch irgendwas passieren, was es nicht so aalglatt macht. Weißt du, was ich meine?

Ich hoffe du nimmst mir meine Kommentare nicht übel. Es gilt ja eh: Nimm mit, womit du was anfangen kannst, den Rest ignoriere:)
Was ich deiner Geschichte anerkenne ist, dass du scheinbar sehr viel Liebe reingesteckt hast, ein romantisches Setting zu schaffen. Ich glaube aber, dass es dafür gar nicht soviel Offensichtliches braucht.

Liebe Grüße vom Lotterlieschen
 
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Hallo Billi
Du hast ja schon viel feedback bekommen, da möchte ich nur noch zwei Punkte beleuchten.

forderte er das Mädchen auf, "komm setze dich, ich helfe dir."
Mädchen auf: "Komm setze dich, ich helfe dir."

Er schaute auf eine silberne Armbanduhr, die sein Handgelenk schmückte.
Das ist ein schönes Beispiel, was @Morphin mit folgender Aussage meint:
Wenn du also schreibst, dann entsteht die Vervollständigung auch im Kopf des Lesers.

Zur Verdeutlichung, was beim Leser entsteht:
"Er schaute auf (s)eine silberne Armbanduhr"
- Ich sehe sofort ein Handgelenk mit Uhr, da braucht es keine zusätzliche Beschreibung.

Beispiel: Was siehst du vor deinem inneren Auge, wenn ich schreiben würde:
"Er schaute auf seine silberne Taschenuhr."
Genau.

So kannst du nun deine Sätze analysieren, bei welchen beim Lesen bereits das Bild im Kopf entsteht, ohne dass du es zusätzlich noch beschreiben müsstest.

Viel Erfolg und liebe Grüsse
dot
 
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Vielen dank für eure mühe. Ich werde immer unsicherer. Ist das normal?
 
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Liebe @Billi !
Ich wollte dich mit meinem Kommentar sicher nicht verunsichern. Er war stellenweise vielleicht etwas flapsig formuliert. Wenn das dazu geführt hat, tut es mir leid!
Aber wenn du dich ein bißchen umguckst, wirst du merken, dass hier nur wenige nur mit Applaus durchgewunken werden. Und die sind oft schon jahrelang dabei.
Mir hat die Kritik hier jedenfalls bisher sehr geholfen. Auch wenn ich wesentlich lieber gelobt, als getadelt werde:).

Liebe Grüße nochmal vom Lotterlieschen!
 
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04.12.2020
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Sehr Lieb von dir, werds überleben. Ich denke Verunsicherung gehört zum Lernen dazu. Ich habe mir halt solche Mühe gegeben. Romantik und so. Ich denke, das nächste Mal mach ich etwas Lustiges und dann lasse ich mal Blut fliesen. Nur mal so zum Probieren. Also bis zum nächsten Mal. Merci.
 
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Hallo Billi,
Ich denke Verunsicherung gehört zum Lernen dazu.
Auf jeden Fall.

Was da sicher gegen hilft: eigene Kommentare schreiben. An Fremdtexten sieht man sehr viel schneller und leichter, was für einen funktioniert und was nicht. Vor allem erkennt man manchmal Dinge, die man selbst so verwendet hat und merkt, dass das vllt. gar nicht so ideal war wie man annahm. Sowas ist außerhalb der eigenen Schreibe einfach viel leichter zu sehen.

Dabei bietet sich an, wirklich ein bissl in die Textarbeit zu gehen. Einfach kritische, konstruktive Eindrücke schildern, das übt auch Sicht auf Texte. Man fabriziert schon genug Fehler, aber man muss nicht wirklich jeden selbst machen.
Wenn du dabei deine Sicht begründest, machst du auch dir selbst nochmal Dinge klarer. Das funktioniert am besten, wenn man nicht mit einem Dreizeiler antwortet, und auch, wenn man einen längeren Komm schreibt (durchaus länger als ich es hier tue).

Und ganz schlicht geht es auch um Geben & Nehmen.

Zu dem Text (das ist so absolut nicht mein Genre) kann ich nur sagen: Wenn du einen Stil verwendest, der irgendwo zwischen dem Pathos des 17. Jahrhunderts und der Keuschheit der Nachkriegszeit schwankt, rate ich, den stärker zu verorten. Ich habe die allergrößte Mühe, dir die Figuren als Menschen abzunehmen, die im Hier & Jetzt agieren.

Du könntest auch überlegen, ob solche hehren, reinen, erhabenen Gefühle alles sind, was eine Geschichte tragen sollte. Geschichten leben von einem Konflikt (das gilt sogar oft als ein Erkennungsmerkmal der Kurzgeschichte). Und die entstehen, wenn Figuren Ecken und Kanten haben, Gutes & 'Schlechtes', Fehler, Dinge, die wir nicht sehen oder zugeben wollen. Dann entsteht Reibung und das wird spannender, als wenn sich zwei Liebende anjauchzen.

In dem Text sind z. Zt. noch recht viele Kommafehler, das erschwert das Lesen.

Mir fiel noch auf:
Die Sterne funkelten als geschliffene Diamanten am Firmament.
wie
Ansonsten sagst du, dass die Sterne faktisch zu Diamanten wurden, was physikalisch unmöglich ist. Geschliffene Diamanten könntest du in der Besonderheit einer Schleiftechnik auch Brillanten nennen. Damit würdest du auch gleich ein Adjektiv umgehen.
Neben ihm auf der Sitzbank lag eine große graue Leinentasche, die stark ausgebeult war und ein Gegenstand zu enthalten schien.
anscheinend .... enthielt
Schien bedeutet, dass es so wirkt, aber nicht so ist. Anscheinend sagt man, wenn man sich aufgrund einer Beobachtung sicher ist, aber noch keinen "Beweis" hat. Das würde ich eh streichen. dein Erzähler weiß doch sehr gut, was da drin ist.

Übrigens: gefrostete Blumen / Pflanzen werden schlapp und feucht-schmierig. Das würde so nicht klappen.

Noch einmal stand er auf und spähte mit leicht zusammengekniffenen Augen in Richtung der Weide
Wenn er noch spähen kann, sind ja logischerweise nicht stark / vollständig zusamengekniffen.
Kein Wölkchen hemmte das Spiel der Lichter,
Dämpfte, verdunkelte ... Hemmen ist einfach das falsche Wort.

Mit etwas Abstand fällt es dir sicher leichter, auf diese Weise deinen eigenen Text kritisch durchzugehen.

Viel Spaß noch hier, herzliche Grüße,
Katla
 
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Ich Danke dir. Du hast ja recht.

Gern geschehen. Noch eine Frage: Gibt es einen Grund, aus dem du die Fehler unverbessert lässt?

Das beziehe ich auf faktische, grammatikalische bzw. semantische Fehler, die also keine Geschmackssache oder Stilfrage sind.

Von meinem gestrigen Komm auf heute würde ich gar nicht drängeln, aber Fliege hat sich vor ein paar Tagen schon die Mühe gemacht, dir das Intro komplett zu verbessern, und da sind immer noch die gleichen Fehler. Findest du grad nur die Zeit für Einzeiler-Antworten und sonst nichts? Soll da jeder Leser aufs Neue drüber stolpern? (Es gibt Kommentierende, die keinen der vorherigen Komms lesen, die können also nicht wissen, dass dir das schon gesagt wurde.)

Nicht unfreundlich gemeint, allerdings wird hier schon erwartet, dass angemerkte RS- und Zeichensetzungsfehler zeitnah korrigiert werden. Du brauchst ja nicht mal selbst nachdenken, die Korrekturen stehen in den Komms. (Nachdenken wäre natürlich sinnvoll, soll nicht jeder Text die gleiche Fehlerdichte haben.)

Wie gesagt, absolut nicht unfreundlich gemeint und ich wünsche dir noch viel Spaß mit deinem neuen Hobby. :-)
Herzlichst,
Katla
 
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Ich bin Berufstätig und muß des öffteren aufhören zu Schreiben. Arbeitszeit ist bei mir flexibel. Nochmal vielen Dank. Ich finde die Seite hier Klasse. Das einzige was mich unsicher macht sind diese vielen verschiedene Schreibstile. Z.B. ich habe noch nie eine Geschichte gelesen mit so wenig beschreibungen. Wie ein Telegrammstiel, abgehackt und direckt.
 
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Ich bin Berufstätig und muß des öffteren aufhören zu Schreiben.
Also, du bist berufstätig und so stark eingespannt, dass du es nicht schaffst, fünf Kommas und drei Wörter auszubessern? :susp:

(Damit meine ich die Fehler, die dir korrigiert wurden, nicht die, die sich noch darüberhinaus im Text finden.)

Keine Ahnung, aber warum genau postest du dann hier?

Naja, egal, ich bin draußen. Waren nur Tipps.
 
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Liebe Billi,

ich kann mir gut vorstellen, dass alles ziemlich viel ist, wenn man hier neu ankommt. Das ging allen so, wobei dem einen mehr, dem anderen weniger. Aber wenn die ersten Kommentare so flott und vielfältig auf einen hereinpurzeln, das ist schon nicht einfach. Manchmal hilft es, eine Nacht darüber zu schlafen. Wichtig ist nur, man darf das nicht allzu persönlich nehmen. Es geht in erster Linie um den Text, und das sind Buchstaben auf dem Papier. Klar, die Texte sind unsere Babies, aber am Ende eben doch nur Buchstaben. Jetzt hast Du es bisschen schwer, weil Dir die Rechtschreibung schwer fällt. Aber auch damit bist Du nicht allein, da gibt es hier ebenfalls viele andere, die genauso wie Du damit kämpfen.

Das einzige was mich unsicher macht sind diese vielen verschiedene Schreibstile.

Ja, es gibt so viele wie es Menschen gibt. Was der eine mag, gefällt dem anderen nicht. Ist wie mit Spinat. Der eine liebt ihn, der andere hasst ihn. Und ist doch gut, wenn nicht alles gleich klingt. Und wenn Du gern viele Beschreibungen und Ausschmückungen magst, dann ist dem so. Es sind ja auch nur Vorschläge, keinen davon musst Du für Dich annehmen, wenn es Dir nicht gefällt. Du bist der Chef für deinen Text.

Und jetzt machen wir noch bisschen Textarbeit ;).

An dessen flach auslaufenden Ufersaum(,) ragte steif gefrorenes, zum Teil abgeknicktes Schilfgras in den Lichtern nächtlichen Himmel empor.
Komma weg.

Sein Atem gefror zu Nebel
Wie genau sieht gefrorener Nebel aus? Ich glaub, der kann gar nicht gefrieren ;). Vielleicht anders formulieren. Vorschlag:
Sein Atemnebel und der Zigarettenrauch hüllten ihn zuweilen so ein, dass sein Gesicht nicht mehr zu erkennen war.

Seinen Zigarettenstummel schnippte er in weitem Bogen hinter sich in den SchneeKOMMA und dann stellte er seinen Mantelkragen hoch über seine kaltenKOMMA roten Wangen.
Und da ich hier aufstellen richtiger finde als hochstellen, habe ich noch einen Vorschlag für Dich:
Seinen Zigarettenstummel schnippte er in weitem Bogen hinter sich in den Schnee, und dann stellte er seinen Mantelkragen über seine kalten, roten Wangen auf.

Daraufhin schlug er sich seine beiden Hände über Kreuz haltend kräftig an die gegenüberliegenden Oberarme.
Versuche das mal, wenn Du nur die Hände kreuzt ;). Mit gekreuzten Armen hättest Du vielleicht eine Chance, aber nicht mit gekreuzten Händen. Und da es eh anders nicht geht, kannst du es auch so schreiben:
Daraufhin schlug er sich mit den Händen kräftig gegen die Oberarme.
Jeder kennt die Bewegung, jeder hat sie selbst tausendmal ausgeführt. Das muss man nicht näher erklären. Wenn ich aber deinen Satz lese, dann ist das so umständlich erklärt, das muss ich erst im Kopf sortieren, was Du mir da zeigen willst - und dann bin ich raus aus dem Text - und das ist immer ein Nachteil für den Text. Das sind aber Dinge, das ist Handwerk, das muss man üben und ausprobieren, wann ist es gut, wann eher nicht. Und deswegen, andere Texte lesen, weil man es bei denen eben leichter sieht, weil man in die eigenen immer ganz schrecklich verliebt ist und Liebe macht bekanntlich blind. Kennen wir alle.

Beispiel: Mit dem mittleren Finger meiner rechten Hand tippte ich fünfmal in die Mitte meiner Stirn. Oder: Ich zeigte ihm einen Vogel.
Bei welchem Satz hast Du schneller ein genaues Bild vor Augen? Darum geht es - Bilder im Kopf des Lesers erzeugen. Schnell und präzise. Und wenn das gelingt, läuft im Kopf des Lesers ein Film ab. Und ganau dieser Film sorgt dafür, dass wir in Texte eintauchen, sie miterleben, dabei sind. Und das ist dann ein Qualitätsmerkmal.

Neben ihm auf der Sitzbank lag eine großeKOMMA graue Leinentasche, die stark ausgebeult war und ein+en Gegenstand enthielt.

So, reicht für heute. Ich mach weiter, wenn Du ein Zeichen gibst, dass Du für mehr bereit bist.

Einen schönen Abend,
Fliege
 
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Wie genau sieht gefrorener Nebel aus? Ich glaub, der kann gar nicht gefrieren ;).
Liebe Fliege, ich will wirklich nicht spammen, aber: Nebel entsteht durch Feuchtigkeit in der Luft, und die (Feuchtigkeit) kann flüssig oder gefroren sein. Er heißt dann auch Eisnebel. Es sieht absolut schön aus, wir haben das ein, zwei Mal im Jahr auch in Helsinki. Hier ist ein Bild aus DE (3. von oben). Dabei entstehen auch schöne Eisnadeln an den Pflanzen.

Wenn es genügend kalt ist (ab ca. -40°C), gefriert kochendes Wasser in der Luft zu Nebel, wenn man es z.B. aus einer Schüssel hoch in die Luft schüttet.

Ob solche Temperaturen für diese Geschichte sinnvoll sind, lasse ich aber mal dahingestellt. Für gefrierenden Atem braucht man so ab -20°C. Bei nur wenigen Graden weniger hab ich in Nordkarelien meine Kompaktkamera gefetzt, weil mein Atem hoch in das kleine Objektiv kondensierte und dort gefror; seitdem schnarrt das Objektiv beim Ausfahren und richtig toll funktioniert es auch nicht mehr.

Cheers & viele Grüße,
Katla
 
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04.12.2020
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Ich habe den Text so oft durchgelesen, dass es mir schwummrig vor den Augen wurde. Satz für Satz. Ich habe ihn in den Duden eingegeben und kontrollieren lassen. Es ist zum Mäuse melken, ich sehe diese Fehler einfach nicht. Du hast unglaublich viel Geduld und ich bedanke mich dafür. Es ist wirklich keine Schlamperei von mir, das solltest du nur wissen. Mein Lehrer hat früher, einmal zu mir gesagt ich solle Chinesisch lernen. Die schreiben von oben nach unten und da würde es keine Satzzeichen geben.
 

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