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Der alte Straßenkehrer auf dem Spielplatz

CoK

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24.08.2020
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Der alte Straßenkehrer auf dem Spielplatz

Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase, schüttet die stinkende Brühe weg und füllt mit der Gießkanne frisches Wasser nach. Es ist Mitte Oktober und ihre Lieblingsblumen blühen noch immer. Die hochstieligen Sonnenblumen mit den herzförmigen Blättern und den leuchtend gelben Blüten bilden einen schönen Kontrast zu der weißen Granitplatte. Weiß und gelb - katholisch, Hannelores Kirchenfarben. Sein Blick wandert zum Grabstein mit dem Flügelrelief eines Engels. Ein Hauch von Blütenstaub hängt in den filigran gehauenen Federn. Von den Brennnesseln am Bahndamm, denkt er. Theo nimmt die Gießkanne und lässt Wasser über den weißen Granit laufen. Ockerfarbene Rinnsale fließen aus den Steinfedern, sammeln sich zu einem trüben See auf der Grabplatte. Glitzernde Wassertropfen bleiben in der bronzenen Beschriftung hängen. Er nimmt ein Tuch und trocknet sorgsam Buchstabe für Buchstabe.

Hannelore Lasser
12.03.1959 - 28.9.2011

Anschließend wischt er die Grabplatte mit dem Lappen trocken. Zufrieden verabschiedet er sich: „Bis bald meine Liebe."
Mit ausholenden Schritten läuft er über den Kiesweg zum Ausgang.

Dreißig Jahre lebten sie miteinander. Nach der Silberhochzeit der Befund - Multiple Sklerose. Hanne tröstete ihn. „Es gibt Menschen, die MS haben und trotzdem alt werden." Sie gehörte nicht zu ihnen. Die Schübe wurden von Mal zu Mal heftiger. Die Entzündung schritt schnell voran. Sie wurde immer weniger. Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schieben musste. Ihr geschwächter Körper verlor den Kampf gegen eine Lungenembolie.

Sorgsam schließt er das schmiedeeiserne Friedhofstor, holt den Autoschlüssel aus der Hosentasche und verstaut Gießkanne und Putzeimer im Kofferraum. Kurz denkt er daran, nach Hause zu fahren, um den Rasen zu mähen. Doch die Lust, an diesem schönen Spätsommertag einen Spaziergang zu machen, ist stärker. Die Gartenarbeit muss warten.
Er läuft über den Marktplatz, sein Blick bleibt an den achtlos weggeworfenen Kippen hängen, die auf dem Kopfsteinpflaster liegen.

Wie oft hat er hier mit Schaufel und Besen den Platz gekehrt und zwischen den Steinen die Zigarettenstummel herausgepult? Theo erinnert sich … an seinen ersten Arbeitstag. Um sechs Uhr hieß es anfangen. Der Chef drückte ihm eine Holzschippe in die Hand und er schaufelte Parkbuchten und Bushaltestellen frei. Zu der Zeit gab es noch viel Schnee. Wenn die Buben mittags von der Schule kamen, bauten sie Iglus in die zur Seite geräumten Schneemassen.
Gedankenversunken geht er weiter. Links, in der Parkbucht, sieht er einen Bauwagen stehen. Theo denkt an die vielen Stunden, die er mit seinen Kollegen darin verbrachte. Immer, wenn das Wetter stürmisch wurde und der Regen kübelweise vom Himmel fiel, saßen sie im Bauwagen.
„Bei Sauwetter", so hatte der Chef erklärt, „lieber ein paar Stunden nix tun, als krank werden!“ Ja, dachte Theo, der war halt selbst auf dem Bau, nicht wie heut, da sind das lauter Studierte.
Sein Kollege und er waren froh, einen solchen Chef zu haben. Theo seufzt bei dem Gedanken an den alten Kumpel. Vierzig Jahre hatten sie zusammengearbeitet. Zwei Wochen, nachdem sein Freund in den Ruhestand ging, half er dem Schwiegersohn auf der Baustelle. Dabei fiel er kopfüber vom Gerüst. Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.

Genug der trüben Gedanken, mahnt sich Theo. Er umrundet die hohe Thujahecke, die den Spielplatz umschließt. Vor langer Zeit hatten seine Kinder hier herumgetollt. Damals war der Platz erfüllt von Geschrei, Lachen und den besorgten Rufen der Mütter. Jetzt ist es still. Er schaut sich um. Alles wurde erneuert. Da ist eine größere Schaukel. Die alte Rutsche ist weg, an ihrer Stelle steht jetzt ein Holzturm Sein Blick bleibt an dem Sandkasten hängen, der sich noch an der gleichen Stelle befindet wie damals. Theo freut sich darüber, setzt sich auf eine Bank in der Nähe. Ein einzelnes Kind kniet zwischen Eimern und Förmchen im Sand.
„Viola! Der Papa kommt gleich und holt uns ab." Die junge Mutter sitzt auf einer Bank gegenüber.
Theo hebt grüßend die Hand. Die Frau beachtet ihn nicht. Ihr Blick ist auf das Mädchen gerichtet. Die Kleine nickt als Zeichen, dass sie ihre Mutter verstanden hat. Voller Eifer und mit geröteten Wangen backt sie einen Sandkuchen nach dem andern. Sie erinnert Theo an seine Tochter Lara. Wie sie Förmchen um Förmchen füllte. Den ganzen Nachmittag konnte sie im Sandkasten verbringen. Das kleine Mädchen hat die gleichen blonden Locken wie Lara, als sie in dem Alter war. Ihm fällt auf, dass die junge Frau ihn mustert. Ihr Blick ist auf seine Knie gerichtet, nein … zwischen seine Beine! Theo folgt ihrem Blick, sein Reißverschluss steht offen. Langsam werde ich senil, denkt er. Peinlich berührt zieht er den Hosenladen zu. Aus den Augenwinkeln sieht er, wie die Frau auf ihn zukommt. Theo hebt den Kopf, als sie vor der Bank steht. Ihr Gesicht macht ihm Angst.
Ihre Augen sind weit aufgerissen, mit starrem Blick schaut sie auf ihn hinunter.
"Hau bloß ab!", schreit sie. "Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen."
Entsetzt starrt Theo die Frau an. Warum ist sie so wütend auf ihn? Er steht auf. Nur weg von dieser hysterischen Furie.
„Papi, Papi!"
Die Frau dreht sich um. Auch Theo sieht jetzt den Vater, der mit großen Schritten den Spielplatz überquert.
„Gut, dass du da bist. Dieser alte Perverse hat gerade seine Hose zugemacht. Er hat die ganze Zeit unsere Tochter beobachtet."
Der Mann verstellt Theo den Weg.
„Ich, ich …" Theo weiß nicht, was er sagen soll.
„Er soll verschwinden! Typen, wie der haben auf dem Spielplatz nichts zu suchen", sagt die Frau und stemmt die Hände in die Hüften.
„Geh mit Viola ins Auto", unterbricht sie der Mann. „Ich regle das hier schon."
Seine Augen sind zu Schlitzen zusammengepresst. Theo ist wie gelähmt vor Angst, starrt auf die Schlagadern am Hals des Mannes, die eisblau hervortreten.
„Verschwinde! Sofort! Und wenn ich dich noch einmal hier sehe, dann prügle ich dich windelweich." Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, gibt der Mann Theo einen Stoß, dass dieser nach hinten fällt und hart mit dem Kopf auf der Bank aufschlägt.

Sandra Nolke schlägt die Tageszeitung auf. Sie erschrickt, als sie den Polizeibericht liest.
Für den Vorfall, der sich letzte Woche auf dem Kinderspielplatz in der Hahngasse ereignet hat, werden Zeugen gesucht. Ein 69-jähriger Rentner wurde von einem Mann (ca. 40 Jahre, braunes Haar, ca. 1,85 m groß, Brillenträger) gestoßen und hat infolge des Sturzes schwere Kopfverletzungen erlitten. Wer Angaben machen kann …
Sandra lässt die Zeitung sinken.
Das kann doch nicht wahr sein. Marco hat diesem Pädophilen doch nur klargemacht, dass er auf dem Spielplatz nichts verloren hat. Geschieht dem doch ganz recht, dass er verletzt ist. Sandra steht auf, läuft unruhig hin und her. Sucht die Polizei schon nach Marco? Hat jemand die Szene auf dem Spielplatz beobachtet? Nein, sagt sie sich. Nein. Da war niemand. Vielleicht hinter einem der Fenster des Wohnblocks? Das wäre möglich. Oh Gott! Verzweiflung steigt in ihr auf. Was, wenn es zu einem Prozess kommt und ihr Mann wegen Körperverletzung verurteilt wird? Bei dem Gedanken wird ihr übel. Dann ist Marco mit Sicherheit seinen Job los. Am Ende sperren die ihn noch in den Knast. Nein. Da war nur eine Platzwunde an seinem Kopf. Harmlos. Wieso schreiben die in der Zeitung — bewusstlos und schwer verletzt? Beruhige dich, mahnt sich Sandra. Denk nicht daran. Denk da jetzt nicht dran! Zwei Schritte und sie steht am Fenster, blickt durch die zugezogene Gardine auf die Straße. Ist die Polizei schon da? Verzweifelt läuft sie ins Schlafzimmer, um auf der anderen Straßenseite nachzuschauen. Nein, es ist kein Streifenwagen, der in die Straße einbiegt. Wütend wirft sie die Lapislazuli-Obelisken um. Die Deko landet krachend auf dem Boden. Was hatte Mama gesagt: „Sie sollen alle Sorgen vertreiben und dich beschützen." Verzweifelt schlägt sie beide Hände vors Gesicht, atmet tief ein. Sie muss zu dem Alten gehen, mit ihm reden. Ihn davon überzeugen, dass Marco ihm nur Angst einjagen wollte.
Sandra hetzt zurück ins Wohnzimmer, greift nach der Zeitung. Hier steht es: Der Mann wurde ins Krankenhaus eingeliefert.
Wie gut, dass heute Oma-Tag ist. Ihre Mutter bringt Viola erst um 18:00 Uhr nach Hause. Bis dahin ist Sandra wieder zurück.

Als Theo wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seinen Kopf.
Eine Krankenschwester stand an seinem Bett. „Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen? Der Arzt wird gleich kommen, und die Polizei hat ein paar Fragen an Sie."
Theo spürte einen pochenden Schmerz am Hinterkopf und sein Rücken tat weh. So viele Bilder in seinen Gedanken: Das Kind im Sandkasten, die wütende Frau, der Mann, der ihn gestoßen hat. Die Angst war wieder da.
„Soll ich Ihnen ein Schmerzmittel bringen?“, fragte die Krankenschwester.

Theo hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Platzwunde am Hinterkopf und Prellungen an der linken Schulter und dem Handgelenk.
So die Diagnose des Arztes. Von den beiden Polizisten erfuhr er: „Zwei Kinder fanden Sie auf dem Spielplatz. Die Eltern hatten uns und den Notarzt verständigt."
Ihm war übel, er musste sich übergeben. Die beiden Polizisten würden wiederkommen.

Ein Klopfen an der Tür lässt Theo aufschrecken. „Herein!" Zu seiner Überraschung waren es nicht die Polizisten, sondern die junge Frau vom Spielplatz, die jetzt eintrat.
„Was wollen Sie hier?", fragt er verständnislos.
„Ich möchte Sie …", setzt die Frau an. Theo sieht sie schlucken und wie sie nervös ihre Hände knetet. „Ich möchte Sie bitten, meinen Mann nicht anzuzeigen", bringt sie den Satz schließlich zu Ende.
Sie war so leise, dass Theo genau hinhören muss, um ihre Worte zu verstehen.
Er versucht sich im Bett aufzusetzen, was ihm Schmerzen bereitet. „Junge Frau, ich bin kein Perverser oder Pädophiler, für was auch immer Sie mich halten. Ich war auf dem Spielplatz, weil meine Kinder dort gespielt haben. Es ist ein Ort der Erinnerung für mich. Ihr Lachen, ihr Spiel. Sie vermitteln so viel Lebensfreude. Meine Tochter und mein Enkelkind leben im Ausland."
„Und warum war dann ihre Hose auf?“, flüstert die Frau.
Theos Lippen verziehen sich zu einem verlegenen Lächeln. „Ein Missgeschick. Ich werde langsam schusselig da oben." Er tippt sich an die Stirn.
Theo sieht, wie erst ihre Lippen, dann der ganze Körper zu zittern beginnen, wie ihr Tränen in die Augen steigen.
„Darf ich mich setzen?"
Seine Hände verkrampfen sich in der Bettdecke. Am liebsten würde er sie über den Kopf ziehen. Stumm blickt er auf das Beben ihrer Schultern, wie sie die Hände auf den Mund presst, um das Schluchzen zu unterdrücken. Haltsuchend lehnt sie sich gegen die Wand. Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen.

 
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18.11.2020
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Hallo @CoK,

ich denke, deine Geschichte hat sehr viel Potenzial, welches du leider nichts ausschöpfst.
Ich habe mich von dem Ende etwas überrumpelt gefühlt, hatte noch nicht damit gerechnet, dass es das schon war. Ehrlich gesagt, war ich von den letzten Sätzen auch etwas enttäuscht. Dass die Frau selbst schlimme Erfahrungen gemacht hat, kam mir fast schon klischeehaft vor. Denn auch ohne eine solche Erfahrung, wäre ihr Verhalten nachvollziehbar. Man hört und liest so viel über Pädophilie und fragwürdiges Verhalten in der Nähe von Kindern, dass sicherlich viele Mütter ein Grundmisstrauen gegen fremde Männer auf Spielplätzen hegen. Spannend fände ich es, wenn du das Ende so ausbaust, dass die Frau einsieht, in dieser Situation überreagiert zu haben, aber gleichzeitig weiterhin misstrauisch sein wird. Du also die Frage offen lässt, ob sie beim nächsten Mal anders reagieren oder zum Schutz ihres Kindes erneut einen harmlosen Mann verdächtigen würde.

Was du ebenfalls noch ausbauen solltest, sind die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere, insbesondere deren Begegnung auf dem Spielplatz. Das kommt mir alles ein wenig zu kurz und bevor man sich wirklich in die Charaktere hineinversetzen kann, ist die Geschichte schon wieder vorbei.

Sprachlich finde ich den Text solide, nur die Zeiten haben mich etwas irritiert. Die Übergänge zwischen Gegenwart und Erinnerungen solltest du besser markieren.
Außerdem passt die Rückblende zu Theos erstem Aufwachen im Krankenhaus nicht wirklich dazu. Sonst hast du schließlich auch keine Rückblenden. Meiner Meinung nach könntest du dir den Absatz sogar komplett sparen und die lieber die Szene am Spielplatz und die Begegnung mit der Mutter im Krankenhaus noch ausbauen.

Zuletzt ist mir noch aufgefallen, dass du deinen Protagonisten nur einmal als Straßenkehrer bezeichnest. Da es in diesem Moment aber keine große Enthüllung ist, dass er als Straßenkehrer gearbeitet hat, wirkt das etwas willkürlich. Entweder, du baust das 2-3x in deiner Geschichte ein oder du lässt das Wort komplett raus.
Theos Vergangenheit als Straßenkehrer spielt ohnehin keine erkennbare Rolle. Das könntest du vielleicht auch noch ausbauen: vielleicht hat er früher während der Arbeit schon immer gerne mit Kindern an der Bushaltestelle herumgealbert oder er hat sogar den Verkehr für sie aufgehalten, damit sie sicher über die Straße gehen konnten, nachdem sie aus dem Bus ausgestiegen sind. Alle Kinder haben den netten Straßenkehrer gekannt und geliebt. Oder das genaue Gegenteil: als Straßenkehrer hat er viel Ablehnung erfahren. Eltern haben ihre Kinder von ihm ferngehalten, weil er immer dreckig war oder weil sie nicht wollten, dass ihre Kinder ebenfalls als Straßenkehrer enden. Davon könntest du dann den Bogen zur jetzigen Situation spannen. Er erwartet, dass die Kinder auf dem Spielplatz ihn ebenfalls lieben werden, oder das aggressive Verhalten der Eltern ist nur eine Fortsetzung der Ablehnung, die er bereits sein gesamtes Leben erfahren hat.
Aktuell sehe ich jedenfalls keinen Zusammenhang zwischen seiner Identität als Straßenkehrer und der Handlung.


Noch ein paar Kleinigkeiten, die mir im Text aufgefallen sind:

Weiß und gelb - katholisch, Hannelores Kirchenfarben.
Als Nicht-Katholik ist mir nicht klar, was du hiermit sagen willst. Werden jedem Gläubigen Farben zugewiesen? Das müsstest du genauer erklären oder streichen.

Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schob.
Der Satz klingt unschön. Mein Vorschlag: 'dass er sie in ihrem Rollstuhl schieben musste'.

Er läuft über das Kopfsteinpflaster am Marktplatz. Wie oft hat er hier mit Schaufel und Besen den Platz gekehrt und zwischen den Steinfugen die Zigarettenkippen herausgepult? Theo erinnert sich an seinen ersten Arbeitstag. Um sechs Uhr hieß es anfangen. Der Chef drückte ihm eine Holzschippe in die Hand und er schaufelte Parkbuchten und Bushaltestellen frei. Zu der Zeit gab es noch viel Schnee. Wenn die Schulbuben mittags von der Schule kamen, bauten sie Iglus in die zur Seite geräumten Schneemassen.
Gedankenversunken geht er weiter. Links, in der Parkbucht, sieht er einen Bauwagen stehen. Theo denkt an die vielen Stunden, die er mit seinen Kollegen darin verbrachte. Immer, wenn das Wetter stürmisch wurde und der Regen kübelweise vom Himmel fiel, saßen sie zusammen im Bauwagen.
Hier ist mir nicht klargeworden, ob er immer noch als Straßenkehrer arbeitet oder ob er inzwischen in Rente ist.

Er umrundet die hohe Tujahecke, die den Kinderspielplatz umschließt. Vor langer Zeit spielten seine Kinder hier. Damals war der Platz erfüllt von Kindergeschrei, Kinderlachen und den besorgten Rufen der Mütter. Jetzt ist es still. Er schaut sich um. Überall neue Spielgeräte. Eine Holzschaukel, auf der drei Kinder gleichzeitig schaukeln können.
Hier wiederholen sich sehr häufig die Wörter 'Kinder' und 'spielen'.

Außerdem: warum geht er ausgerechnet heute zu dem Spielplatz? Tut er das häufiger oder gibt es einen bestimmten Grund?

Theo hebt den Kopf, als sie vor der Bank steht. Ihr Gesicht macht ihm Angst. Die Augen der Frau sind weit aufgerissen und mit starrem Blick schaut sie auf ihn herunter.
Sie schreit: „Hau bloß ab! Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen?"
Sehr gute Wendung. Damit habe ich nicht gerechnet.

Ein 69jähriger Rentner wurde von einem Mann
Warum schreibst du 'wurde' kursiv?

Wütend wirft sie die Lapislazuli Obelisken um.
Was sind Lapislazuli Obelisken?
Das wirkt wie eine sehr erzwungene Bezeichnung, nur um 'Lapislazuli' einzubauen.

Die beiden würden wiederkommen, wenn es ihm besser ginge.
Besser 'die Polizisten'. Mir war nicht ganz klar, wen du mit 'die beiden' meinst. Du sprichst ja auch von einem Arzt und einer Krankenschwester. Und die Eltern vom Spielplatz erwähnst du in dem kurzen Absatz ebenfalls.


Ich hoffe, meine Kommentare haben dir geholfen.

Liebe Grüße,
Nele Marie

 

MRG

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12.03.2020
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Guten Abend @CoK,

schön, dass du auch bei der Challenge mitmachst. Ich wollte sowieso einen Text von dir kommentieren, also nichts wie los.
Dein Text lässt mich schwermütig zurück, traurig. Theo muss ja einen Rückschlag nach dem anderen in Kauf nehmen. Verliert seine Frau an MS, wird als Perverser beschimpft, wacht verletzt im Krankenhaus auf und dann prasseln die Sorgen der Mutter auf ihn ein am Ende.
Unabhängig vom Inhalt musste ich mich bei deinem Text stark konzentrieren, es war etwas anstrengend ihn zu lesen. Ich denke, dass es die zum Teil sehr kurzen Sätze sind, die dafür gesorgt haben. Ansonsten hatte ich von dem Ende erwartet, dass Theo nicht überlebt. Sozusagen als Höhepunkt seiner Schicksalsschläge. Ich gehe in meinem Leseeindruck detaillierter darauf ein:

Die hochstieligen Sonnenblumen mit den herzförmigen Blättern und den leuchtend gelben Blüten bilden einen schönen Kontrast zu der weißen Granitplatte.
Ich finde das gut geschrieben, du zeigst den Kontrast zwischen Blumen, Leben, und der Granitplatte, Tod. Der Einstieg ist dir meiner Meinung nach gelungen und berührt mich als Leser.

Die hochstieligen Sonnenblumen mit den herzförmigen Blättern und den leuchtend gelben Blüten bilden einen schönen Kontrast zu der weißen Granitplatte. Weiß und gelb - katholisch, Hannelores Kirchenfarben. Sein Blick wandert zum Grabstein mit dem Flügelrelief eines Engels.
Ich finde, du hast das Wort Flügel hier gut eingebaut, finde ich eine ausgesprochen kreative Verwendung.

Hannelore Lasser
12.03.1959 - 28.9.2011
Anschließend wischt er mit dem Lappen die Grabplatte trocken. Alles wieder schön. Zufrieden verabschiedet er sich: „Bis bald meine Liebe."
Theo wird für mich hier als einen liebevollen alten Herrn charakterisiert, der noch immer seine verstorbene Frau liebt. Dass er so viele Schicksalsschläge erleben muss, das ist schon bitter.

Hanne tröstete ihn. „Es gibt Menschen, die MS haben und trotzdem alt werden." Sie gehörte nicht zu ihnen.
Eine der stärksten Passagen meiner Meinung nach. Erst baust du eine leise Hoffnung auf (auch für mich als Leser) und dann zerschlägst du sie in tausend Stücke. Das trägt dazu bei, dass dein Text funktioniert und bedrückend wird. Gut geschrieben.

Die Schübe wurden von Mal zu Mal heftiger. Die Entzündung schritt schnell voran. Immer weniger wurde sie. Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schob. Den Kampf mit einer Lungenembolie verlor ihr geschwächter Körper.
Ich finde das ist in meinen Augen eine zentrale Stelle. Ich glaube, ich hätte mir hier eine etwas ausführlichere Darstellung gewünscht. Wie er sich um sie kümmert, sie versorgt und für sie da ist. Hier lässt du meiner Einschätzung nach Potential liegen, um deinen Prota weiter als liebevollen alten Herrn zu charakterisieren.

Wie oft hat er hier mit Schaufel und Besen den Platz gekehrt und zwischen den Steinfugen die Zigarettenkippen herausgepult? Theo erinnert sich an seinen ersten Arbeitstag. Um sechs Uhr hieß es anfangen. Der Chef drückte ihm eine Holzschippe in die Hand und er schaufelte Parkbuchten und Bushaltestellen frei.
Ich musste schon bei deiner Überschrift an Beppo den Straßenkehrer denken und das hat deinen Protagonisten für mich noch sympathischer gemacht.

Zwei Wochen nachdem sein Freund in den Ruhestand ging, half er dem Schwiegersohn auf der Baustelle. Dabei fiel er kopfüber vom Gerüst. Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.
Das trägt auch zu der bedrückenden Stimmung deines Textes bei, so viel Leid, so viel Tod. Ich habe mich gefragt, ob das nicht etwas zu viel ist? Ich bin mir als Leser nicht sicher, hätte mir manchmal etwas mehr Hoffnung und Liebe als Gegengewicht gewünscht.

„Gut, dass du da bist. Dieser alte Perverse hat gerade seine Hose zugemacht. Er hat die ganze Zeit unsere Tochter beobachtet."
Der Mann verstellt Theo den Weg.
„Ich, ich …" Theo weiß nicht, was er sagen soll.
„Verschwinde! Sofort! Und wenn ich dich noch einmal hier sehe, dann prügle ich dich windelweich." Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, gibt der Mann Theo einen solchen Stoß, dass dieser nach hinten fällt und hart mit dem Kopf auf der Bank aufschlägt.
Und schon wieder ist das Schicksal gegen ihn. Er hat aber auch ein Pech, tut mir leid dein Prota.

Ein 69jähriger Rentner wurde von einem Mann (ca. 40 Jahre, braunes Haar, ca. 1,85 m groß, Brillenträger) gestoßen und hat infolge des Sturzes schwere Kopfverletzungen erlitten. Wer Angaben machen kann …
Ich hatte gedacht, dass er sterben würde. Du startest ja den Text mit dem Grab seiner Frau und dann dachte ich hier, dass es jetzt als nächstes um sein Grab gehen würde. Ich war daher etwas erstaunt, als du dann die Perspektive der Frau eingenommen hast. Das hat mich etwas rausgeworfen, aber nicht so sehr, dass ich nicht weiterlesen wollte.

Verzweiflung steigt in ihr auf. Was, wenn es zu einem Prozess kommt und ihr Mann wegen Körperverletzung verurteilt wird?
Das ist Motiv, um zu ihm zu gehen. Ja, das funktioniert für mich. Wie schon oben beschrieben, hatte ich etwas anderes erwartet, was aber ja kein Problem ist.

„Darf ich mich setzen?"
Die Situation überfordert ihn. Stumm blickt er auf das Beben ihrer Schultern, wie sie die Hände auf den Mund presst, um das Schluchzen zu unterdrücken. Haltsuchend lehnt sie sich gegen die Wand.
Ich finde das Ende nicht optimal. Ich finde, du fängst so bedrückend und schwermütig an und dann zeigst du einen Schicksalsschlag nach dem anderen für Theo auf, die sich immer weiter steigern. Und dann wird am Ende auf einmal alles wieder gut? Sie entschuldigt sich, schüttet ihm sein Herz aus. Ich war mir da nicht ganz sicher, aber ist nur mein subjektives Empfinden.

Insgesamt hat mich dein Text berührt, er entfaltet seine Wirkung und bis auf das Ende finde ich es gut gelungen.


Beste Grüße
MRG

 
Monster-WG
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20.08.2019
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Liebe @CoK

schön, dass Du auch bei der Challenge dabei bist. Ich habe Deine Geschichte sehr gerne gelesen. Dein Prota ist mir sehr sympatisch, ich fühle mit ihm. Er hat viel erlitten, das Leben geht nicht gerade gütig mit ihm um. Du erzeugst Nähe, ich fiebere mit, als er auf dem Spielplatz geschlagen wird. Das Ende fand ich etwas zu kurz abgehandelt und was mich irritiert hat im Text, war, dass Du immer wieder die Zeiten gewechselt hast. Ich würde den Text nochmal durchgehen und die Zeiten prüfen.

Anbei ein paar Anmerkungen:

Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase und schüttet die modrig, stinkende Brühe aus. Mit der Gießkanne füllt er frisches Wasser nach. Es ist Mitte Oktober und ihre Lieblingsblumen blühen noch immer.

Würde den ersten Teil verbinden.
Vorschlag: Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase, schüttet die modrige Brühe aus und füllt frisches Wasser mit der Gießkanne nach.
"stinkend" würd ich streichen, ist unnötig. Mit modrig drückst Du schon aus, dass es nicht gut riecht.

Statt ihre Lieblingsblume, würde ich hier an der Stelle gleich ihren Namen nennen.

Anschließend wischt er mit dem Lappen die Grabplatte trocken. Alles wieder schön.

Satzbau.
Vorschlag: Anschließend wischt er die Grabplatte mit dem Lappen trocken.
Den hinteren Teil würd ich streichen, denn das zeigst Du schon in den Handlungen.

Mit ausholenden Schritten läuft er über den Kiesweg zum Ausgang. Dreißig Jahre lebten sie miteinander.

Wenn Du mit den Rückblenden beginnst, würde ich jeweils einen Absatz machen, genauso, wenn die Rückblenden wieder aufhören.

Immer weniger wurde sie. Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schob. Den Kampf mit einer Lungenembolie verlor ihr geschwächter Körper.

Das klingt holprig.
Vorschlag: Sie nahm immer mehr ab. Es war, als würde sie dahinschwinden. Zum Schluss war sie so schwach, dass er sie im Rollstuhl schieben musste. Dann verlor ihr Körper den Kampf gegen die Lungenembolie.

Sorgsam leise schließt er das schmiedeeiserne Friedhofstor. Aus der Hosentasche holt Theo den Autoschlüssel. Gießkanne und Putzeimer werden im Kofferraum verstaut.

Das klingt holprig.
Vorschlag: Leise schließt er das schmiedeeiserne Friedhofstor, holt den Autoschlüssel aus der Hosentasche und verstaut Gießkanne und Putzeimer im Kofferraum.

Wie oft hat er hier mit Schaufel und Besen den Platz gekehrt und zwischen den Steinfugen die Zigarettenkippen herausgepult? Theo erinnert sich an seinen ersten Arbeitstag.

Ich finde die Passage aus der Vergangenheit und seiner Arbeit gelungen. Hab auch überlegt, wie wichtig das für die Geschichte ist, aber durch die Rückblenden lerne ich ihn besser kennen, erfahre, wer er war und wer er ist.

Zwei Wochen nachdem sein Freund in den Ruhestand ging, half er dem Schwiegersohn auf der Baustelle. Dabei fiel er kopfüber vom Gerüst. Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.

Das finde ich sehr abgehackt. Hier würde ich mir wünschen zu erfahren, wie es Theo dabei ging.

Er umrundet die hohe Tujahecke, die den Kinderspielplatz umschließt. Vor langer Zeit spielten seine Kinder hier. Damals war der Platz erfüllt von Kindergeschrei, Kinderlachen und den besorgten Rufen der Mütter. Jetzt ist es still. Er schaut sich um. Überall neue Spielgeräte. Eine Holzschaukel, auf der drei Kinder gleichzeitig schaukeln können. Die alte Rutsche ist weg. An ihrer Stelle steht jetzt ein Holzspielturm. Für die Kleineren sieht er eine Schaukel, die wie ein Nest aussieht. Sein Blick schweift weiter, bleibt an dem Sandkasten hängen. Der ist an der gleichen Stelle wie vor dreißig Jahren, freut sich Theo und setzt sich auf eine Bank in der Nähe. Ein einziges Kind spielt auf dem Platz, es kniet zwischen Eimern und Förmchen im Sand.

Zu viel Kind, zu viel Spiel, zu viel Schaukel.

Vorschlag: Er umrundet die hohe Tujahecke, die den Spielplatz umschließt. Vor langer Zeit hatten seine Kinder hier herumgetollt. Damals war der Platz erfüllt von Geschrei, Lachen und den besorgten Rufen der Mütter. Jetzt ist es still. Er schaut sich um. Alles wurde erneuert. Da ist eine Holzschaukel. Die alte Rutsche ist weg, an ihrer Stelle steht jetzt ein Holzturm. Sein Blick schweift weiter, bleibt an dem Sandkasten hängen, der sich noch an der gleichen Stelle befindet wie damals. Theo freut sich darüber, setzt sich auf eine Bank in der Nähe. Ein einzelnes Kind kniet zischen Eimern und Förmchen im Sand.

Voller Eifer und mit geröteten Wangen bäckt sie einen Sandkuchen nach dem andern. Es erinnert Theo an seine Tochter Lara. Wie sie Förmchen um Förmchen mit Sand füllte. Den ganzen Nachmittag konnte sie im Sandkasten verbringen.

Sie

Die Augen der Frau sind weit aufgerissen und mit starrem Blick schaut sie auf ihn herunter.
Sie schreit: „Hau bloß ab! Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen?"

Das klingt abgehackt.
Vorschlag: Ihre Augen sind weit aufgersissen, mit starrem Blick schaut sie auf ihn herunter.
"Hau bloß ab!", schreit sie. "Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen."

Ich kann ihre Reaktion verstehen. Der Hosenschlitz ist offen, er mustert die Tochter. Sie fühlt sich und ihre Familie bedroht.

Seine zu Schlitzen zusammengepressten Augen blicken in die angstvoll geweiteten Augen von Theo. Eisblau sieht er am Hals des Mannes die Schlagadern hervortreten. Sein Entsetzen lähmt ihn.

Könnte man etwas geschmeidiger formulieren.
Vorschlag: Seine Augen sind zu Schlitzen zusammengepresst. Theo ist wie gelähmt vor Angst, starrt auf dei Schlagadern am Hals des Mannes, die eisblau hervortreten.

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, gibt der Mann Theo einen solchen Stoß, dass dieser nach hinten fällt und hart mit dem Kopf auf der Bank aufschlägt.

Ich würde hier Theo in den Vordergrund rücken.
Vorschlag: Theo will einfach nur weg. Doch der Mann lässt sich nicht beirren, versetzt ihm einen harten Stoß, sodass er nach hinten kippt. Er spürt noch, wie sein Kopf hart auf der Bank aufschlägt.

Sandra Nolke schlägt die Tageszeitung auf. Sie erschrickt, als sie den Polizeibericht liest.
Für den Vorfall, der sich letzte Woche auf dem Kinderspielplatz in der Hahngasse ereignet hat, werden Zeugen gesucht. Ein 69jähriger Rentner wurde von einem Mann (ca. 40 Jahre, braunes Haar, ca. 1,85 m groß, Brillenträger) gestoßen und hat infolge des Sturzes schwere Kopfverletzungen erlitten. Wer Angaben machen kann …
Sandra lässt die Zeitung sinken.
Das konnte doch nicht wahr sein.

Den Zeitungsbericht würde ich kursiv schreiben.

Das kann doch nicht wahr sein.
(das ist so ein Zeitenwechsel, den ich nicht verstehe. Du schreibst im Präsens und die Gedanken plötzlich in der Vergangenheit? - Das ergibt keinen Sinn.)

Das konnte doch nicht wahr sein. Marco hatte diesem Pädophilen doch nur klargemacht, dass der auf dem Spielplatz nichts verloren hat. Geschah dem doch ganz recht, dass er sich verletzte.

Präsens verwenden.

Sandra steht auf, unruhig läuft sie hin und her.

Satzbau.
Vorschlag: Sandra steht auf, läuft unruhig hin und her.

Suchte die Polizei schon nach Marco? Hatte sie jemand beobachtet?

Sucht die Polizei schon nach Marco? Hat jemand die Szene auf dem Spielplatz beobachtet?

Ihr wird übel bei dem Gedanken.

Bei dem Gedanken wird ihr übel.

Denk nicht daran. Denk da jetzt nicht dran!

Einmal würde reichen.

Nein, es ist kein blau-silbernes Auto, das in die Straße einbiegt?

ich würde Streifenwagen schreiben

Wütend wirft sie die Lapislazuli Obelisken um. Die Deko landet krachend auf dem Boden. Was hatte Mama gesagt: „Sie sollen alle Sorgen vertreiben und dich beschützen."

Diese Szene passt überhaupt nicht. Da schließ ich mich den oberen Kommentaren an. Es liest sich, als hättest Du verzweifelt versucht "Lapislazuli" unterzubringen. Das kannst Du besser!

Vielleicht lässt Du sie mit einer Kette spielen, einem Lapislazuli Anhänger? Dabei denkt sie zurück an die Vergangenheit. Hier könntest Du z.B. subtile Andeutungen geben.

Verzweifelt schlägt sie beide Hände vor's Gesicht, atmet tief ein.

"atmet tief ein" hattest Du grad weiter oben schon

Sie musste zu dem Alten gehen, mit ihm reden. Ihn davon überzeugen, dass Marco ihm nur Angst einjagen wollte.

muss

Als Theo wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seinem Kopf.

Hier verstehe ich den Zeitenwechsel auch nicht. Müsste m.E. Präsens sein.

Theo spürte einen pochenden Schmerz am Hinterkopf und sein Rücken tat weh.
Es sind so viele Bilder in seinen Gedanken: Das Kind im Sandkasten, die wütende Frau, der Mann, der ihn gestoßen hat. Die Angst war wieder da.

Auch hier Präsens.

Von den beiden Polizisten erfuhr er: „Zwei Kinder fanden Sie auf dem Spielplatz. Die Eltern hatten uns und den Notarzt verständigt."
Ihm war übel geworden, er musste sich übergeben. Die beiden würden wiederkommen, wenn es ihm besser ginge.

Ich versuche mir, die Szene vorzustellen. Der Mann schlägt ihn, er knallt hart mit dem Kopf auf die Bank.

Und dann? Sind die Eltern mit der Tochter einfach abgehauen, haben ihn liegen lassen? Das erscheint mir nicht realistisch.

Auch wie die Polizei das abhandelt, finde ich zu abgehackt. Würde einen Dialog verwenden. Sie sollten auch fragen, was der Auslöser war.

Der alte Straßenkehrer versucht sich im Bett aufzusetzen, was ihm Schmerzen bereitet. „Junge Frau, ich bin kein Perverser oder Pädophiler, für was auch immer Sie mich halten. Ich war auf dem Spielplatz, weil meine Kinder dort gespielt haben. Es ist ein Ort der Erinnerung für mich. Es gibt nichts Schöneres als Kinder. Ihr Lachen, ihr Spiel. Sie vermitteln so viel Lebensfreude."

Er

Zu viel Kinder, zu viel Spiel.

„Darf ich mich setzen?"
Die Situation überfordert ihn. Stumm blickt er auf das Beben ihrer Schultern, wie sie die Hände auf den Mund presst, um das Schluchzen zu unterdrücken. Haltsuchend lehnt sie sich gegen die Wand. Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen: Von ihren schmerzhaften Erfahrungen, von der Angst um ihre Tochter …

Das geht mir zu schnell.
Und auch ein wenig unrealistisch.
Ich fände es besser, wenn sie sich einfach entschuldigen würde. Ihm klarmachen, dass da draußen so viel Gefahr lauert für die Kinder, so viele Pädophile unterwegs sind.
Ich bin mir sicher, er hat dafür Verständnis, so wie Du seinen Charakter beschreibst.

Ich wünsche Dir einen sonnigen Tag und sende Dir ganz liebe Grüße,
Silvita

 
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Hallo liebe @CoK,

ich fang mal mit den Flusen an ;)

Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase und schüttet die modrig, stinkende Brühe aus.
Kein Komma hinter modrig, da sich das "modrig" auf "stinkend" bezieht, somit beschreibend und nicht aufzählend ist.

Anschließend wischt er mit dem Lappen die Grabplatte trocken. Alles wieder schön. Zufrieden verabschiedet er sich: „Bis bald meine Liebe."
Streichkandidat

Doch die Lust, an diesem schönen Spätsommertag, einen Spaziergang zu machen, ist stärker
Kein Komma hinter Spätsommertag

Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen: Von ihren schmerzhaften Erfahrungen, von der Angst um ihre Tochter …
Ich würde nach "erzählen" aufhören.

Der erste Teil der Geschichte gefiel mir am besten. Das ist dicht, man ist nah bei Theo, fühlt die Vergänglichkeit, die Melancholie, aber auch eine gewisse Ruhe, die durch die Erinnerungen - entweder an seine Frau, Arbeit oder Tochter - in ihm ausgelöst werden. Ich bin da ganz klar bei ihm.
Die Passagen von Sandra lassen mich ehrlich gesagt ziemlich kalt. Kann dir nicht genau erklären, woran das liegt, nur mein Leseempfinden.

Ich glaube, der Text könnte gut ohne die Perspektivwechsel auskommen, also stringent bei Theo bleiben, die Infos zwischendrin rauslassen, die beiden (Theo und Sandra) im Krankenhaus ohne viel Vorerklärungen aufeinandertreffen lassen, alles ein bisschen offener gestalten, Luft geben. Ich glaube, dann hätte das noch mehr Intensität.

Viele Grüße
RinaWu

 
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Hallo @CoK

los geht's:

Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase und schüttet die modrig, stinkende Brühe aus.

'modrig' umschreibt hier das Adjektiv 'stinkend' näher, daher kein Komma, meine ich. Andernfalls wäre es modrige, stinkende Brühe.

„Bis bald meine Liebe."

Komma zuwenig

Doch die Lust, an diesem schönen Spätsommertag, einen Spaziergang zu machen, ist stärker.

Komma zuviel

Ihm fällt auf, dass die junge Frau ihn mustert. Ihr Blick ist auf seine Knie gerichtet, nein … zwischen seine Beine! Theo folgt ihrem Blick, sein Reißverschluss steht offen. Langsam werde ich senil, denkt er. Peinlich berührt zieht er den Hosenladen zu. Aus den Augenwinkeln sieht er, wie die Frau auf ihn zukommt. Theo hebt den Kopf, als sie vor der Bank steht. Ihr Gesicht macht ihm Angst. Die Augen der Frau sind weit aufgerissen und mit starrem Blick schaut sie auf ihn herunter.
Sie schreit: „Hau bloß ab! Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen?"
Entsetzt starrt Theo die Frau an. Warum ist sie so wütend auf ihn? Er steht auf. Nur weg von dieser hysterischen Furie.

Wirkt sehr konstruiert auf mich.

Das konnte doch nicht wahr sein. Marco hatte diesem Pädophilen doch nur klargemacht, dass der auf dem Spielplatz nichts verloren hat.

Wenn er schwere Kopfverletzungen erliiten hat, dann müssen Marco und Sandra doch vor Ort schon etwas bemerkt haben. Mich wundert daher ihre Überraschung. Haben sie ihn einfach liegen gelassen?

Da war nur eine Platzwunde an seinem Kopf.

Nur eine Platzwunde am Kopf eines 69-Jährigen?!?

Fazit: Sprachlich in Ordnung, manchmal wird der Lesefluss unterbrochen. Insgesamt erscheint mir die Geschichte als viel zu konstruiert, vor allem die Szene nach dem Sturz wirft Fragen auf, die du unbeantwortet lässt? Sind Marco und Sandra einfach abgehauen? Das wirft ein noch schlechteres Licht auf die beiden und macht die Szene am Ende unglaubwürdig. Die Wörter hast du gut untergebracht, sie sind mir nicht aufgefallen. Ausnahme: Lapislazuli. Meine persönliche Meinung: Das Wort ist zu besonders, als dass man es in einem Nebensatz verstecken könnte. Ergo: es benötigt eine prominente Rolle im Text.

Insgesamt: da ist noch viel Luft nach oben.

LG,

HL

 
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Die Geschichte hat gute Ansätze. Auch ich finde den ersten Teil besser als den zweiten. Der zweite wirkt etwas lieblos heruntergeschrieben. Ich hatte das Gefühl, du weißt dich nicht recht aus deiner selbst verzapften ethischen Bredouille zu befreien und wolltest den Text halt irgendwie »auf Teufel komm raus« beenden. Für die These spricht auch das explizit offene Ende mit der Ellipse.

Mich würde echt interessieren, wie ein Gerichtsprozess abgehen würde in diesem Fall. Bin kein Jurist (wär ger ach nix :Pfeif: ), aber die Sache wäre möglicherweise nicht ganz so einfach gelagert, da die Gegenseite auf »im Affekt zur Gefahrenabwehr für eine Schutzbefohlene begangene unbewusste Fahrlässigkeit« plädieren könnte, oder so. Mann, du, der neue Grisham ist schon so gut wie geschrieben, darf ich den Plot klauen? ;) Zu dumm, bin ja kein Jurist.

Dass ein einzelner Mann ohne Kinder sich nicht an Spielplätzen, wo Kinder gerade drin sind, »nur zum Gucken« aufhalten und schon gar nicht an seiner Hose nesteln sollte, versteht sich irgendwie von selbst, und der Mann muss schon etwas auf Alltagsintelligenz verzichtet haben, dass ihm das nicht bewusst ist. Stichwort Verhaltenspragmatik. Mindestens wäre zu erwarten, dass ein Mann bei halbwegs Verstand (muss ich auch immer von mir ausgehen, tsts) den Ort des Geschehens und der peinlichen Erkenntnis schnellstens unauffällig verlässt und ein öffentliches WC oder einen toten Winkel aufsucht oder so. Und komme mir niemand mit einem hypothetischen Beobachter, aus dessen Sicht dadurch gerade unvorteilhafte Schlüsse provoziert würden.
Ja, du erahnst es, aus welchem Kopf könnten solche Gedanken sonst stammen: Mir ist es auch schon passiert. Zwar nicht ausgerechnet vor Kinderspielplätzen (womöglich stilecht mit langem Mantel und so :D), aber hey, ein gequäktes »Guck mal Mama, der Mann da hat einen offenen Hosenlatz« wirkt überall auf amüsante Weise, lässt nämlich alle umstehenden Männer sofort nach einem kleinen ausgestreckten Zeigefinger Ausschau halten oder erschreckt an sich runtersehen, und einer hat dann halt einfach mal die Arschkarte gezogen. Heute kann ich drüber lachen. Du siehst aber an meinem Sermon, dass das mal raus musste. Diese ungezogenen Bengel! Diese Welt ist an sie Geschenk genug, bruharharhar. Schade, noch mal Kind müsste man sein und sowas einfach mal in einer Fußgängerzone rufen aufs Geratewohl, irgendeiner wird bestimmt rot. ;)

Zurück zum Text: Dass ihm daraus Probleme erwachsen, versteht sich für mich somit ebenfalls von selbst. Will sagen: Hier wird der Plot banal und der Prot kann nicht auf mein Mitleid zählen. Mein Mitgefühl, eigenen Erlebnissen geschuldet, bleibt indes davon unabhängig. Genauso hätte er aber auch, ohne nach rechts und links zu gucken, bei Rot über die Ampel gehen und prompt angefahren werden können. Teil 1 hat somit auch nichts mehr mit Teil 2 zu tun, denn das kann jedem »Schussel« passieren, dazu braucht es keine an MS verstorbene Frau, verstehst du? Die Kausalkette des Plots ist hier recht dünn, ja, fadenscheinig. Wie auch in einer musikalischen Komposition ein Folgeteil in einem Stück Motive aus vorhergehenden Teilen wiederaufnehmen und sie weiterentwickeln sollte, damit aus ihren Teilen ein Ganzes wird.

Ganz anders wäre es zum Beispiel, wenn er sich im Nachgang erinnert, dass seine Frau ihn zu ihren Lebzeiten schon hin und wieder dabei ertappt hatte, wie er fremde Kinder länger ansah, ohne dass er aus dem Situationskontext Grund dazu gehabt hätte. Das muss ja erst mal nix heißen. Diese – wie soll man es nennen? – Verhaltensdevianz in Verbindung mit Unsicherheiten in der sexuellen Präferenz, Bindungsproblematik usw. hat zudem verschiedene Grade der Abstufung. Geringere Grade sind harmlos, ab wann nicht mehr? Darüber kann der Leser nachdenken oder nicht. Wenn dann auch noch aus der Innensicht des Protas hervorgeht, dass sexuelle Vorstellungen in dem Fall keine Rolle spielen, dann wäre das dramaturgisch schon mal eine echt feine Sache. Auf jeden Fall wären die Teile in sich stärker gebunden, die ganze Sache konsistenter. Der erste Teil hätte etwas mehr mit dem zweiten Teil zu tun, er hätte einen Zweck, man könnte ihn nicht streichen, ohne dass die Geschichte mehr verlieren würde als Figurenzeichnung. Ohne seine Erinnerungen an die Frau, ohne die Grabpflege, würde ich ohne den ersten Teil kritisieren, warum seine verstorbene Frau zufällig auch noch MS gehabt haben soll, wenn der Prot sich damit herausredet, woher er gerade kam und so weiter, das wäre dann wieder etwas dick aufgetragen. Mit beiden Teilen so zusammenhängend ausgeführt hätte die Geschichte aber diesen gewissen Drall, den sie spannend macht und es lohnenswert, darüber auch nach dem Lesen nachzudenken.

Ich mag Geschichten, die mich über knifflige ethische Probleme nachdenken lassen. Zumindest, wenn ich dem Autor oder der Autorin nicht vorwerfen kann, da irgendwas konstruiert zu haben, scheinbar im Bemühen, der Geschichte irgendeinen Sinn zu geben.

„Er soll verschwinden! Typen wie der haben auf dem Spielplatz nichts zu suchen", sagt die Frau und stemmt die Hände in die Hüften.
„Geh mit Viola ins Auto", unterbricht sie der Mann.
Stimmt gar nicht. Die Frau konnte den Satz einwandfrei beenden.

Wütend wirft sie die Lapislazuli Obelisken um.
Spiel mal kurz den allwissenden Autor aller Autoren: CoK so beim Schreiben: »Hm, Lapislazuli, ach fuck, ganz vergessen, wo bring ich den denn noch schnell unter ...« – ;) :p Lass doch das Kind auf dem Spielplatz einen Lapislazuli-blau schimmernden Anorak tragen, ganz den, den seine Tochter einst trug. Das wäre auch ein ganz passabler Grund, warum sein Blick an ihm haften blieb und er könnte später im Krankenhaus davon erzählen, um blöde Verdächtigungen zu zerstreuen.

Sandra hetzt zurück ins Wohnzimmer, greift nach der Zeitung. Hier steht es: Derzeit befindet sich der Mann in der St. Anna Klinik.
Hast du jemals Polizeiberichte in der Zeitung gelesen und daraufhin näher angeschaut, welche Art von Angaben gemacht und welche nicht (dürfen)? Die Klinik, in der der Mann liegt, darf natürlich keine Erwähnung finden von wegen Datenschutz und so. Wenn der Ort eher klein ist und nur ein Provinzkrankenhaus hat, braucht es das auch nicht, aber wie erfragt sie das Zimmer? »In welchem Raum liegt der Mann, der in diesem Artikel erwähnt wird, ich muss ihn überzeugen, dass es keine gute Idee ist, meinen Mann anzuzeigen, denn sonst lass ich meine Freunde Igor und Luigi mit ihrem Pitbull Hasso auf ihn los, was er einsehen wird, nachdem ich ihm meine tragische Lebens- und Leidensgeschichte beigebracht habe.« – Sorry, leider hab ich keine Idee, wie du dieses Loch im Plot umgehen oder überbrücken könntest.

Und wo bringt sie das Kind derweil unter? Mutter mit Kleinkind kann nicht so einfach ins Krankenhaus jemanden besuchen, um einer Anzeige ihres Gatten zuvorzukommen.

Nein, der zweite Teil ist wirklich noch ausbaufähig.

 
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Hey @CoK ,

ich glaube, wir kenne uns noch nicht. Freut mich. Kleinkram:

Hannelore Lasser
12.03.1959 - 28.9.2011

Würde ich kursiv schreiben, um zu betonen, dass er es liest.

Immer weniger wurde sie.

Was willst du sagen? Ich glaube nicht, dass jemand weniger werden kann. Was weniger?

Gießkanne und Putzeimer werden im Kofferraum verstaut.

Warum Passiv? Schreib es doch um in "Er veraut Gießkanne und Putzeimer im Kofferraum".

Wenn die Schulbuben mittags von der Schule kamen

Buben statt Schulbuben reicht, denke ich. Erklärt sich von selbst, dass sie von der Schule kommen.

Sein Kollege und er waren froh, einen solchen Chef zu haben.

Gehabt zu haben? Er hat den Chef ja nicht mehr, wenn ich es richtig verstehe.

Zwei Wochen nachdem sein Freund in den Ruhestand ging,

Komma nach Wochen.

Lapislazuli Obelisken

Was soll das sein, ein Obelisk aus Lapislazuli? Dann würde ich beide Begriffe mit einem Bindstrich verbinden.

Als Theo wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seinem Kopf.
Eine Krankenschwester stand an seinem Bett. „Gut, dass Sie aufgewacht sind. Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen? Der Arzt wird gleich kommen, und die Polizei hat ein paar Fragen an Sie."
Theo spürte einen pochenden Schmerz am Hinterkopf und sein Rücken tat weh.
Es sind so viele Bilder in seinen Gedanken: Das Kind im Sandkasten, die wütende Frau, der Mann, der ihn gestoßen hat. Die Angst war wieder da.
„Soll ich Ihnen ein Schmerzmittel bringen?“, fragte die Krankenschwester.
Theo hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Platzwunde am Hinterkopf und Prellungen an der linken Schulter und dem Handgelenk.
Von den beiden Polizisten erfuhr er: „Zwei Kinder fanden Sie auf dem Spielplatz. Die Eltern hatten uns und den Notarzt verständigt."
Ihm war übel geworden, er musste sich übergeben. Die beiden Polizisten würden wiederkommen, wenn es ihm besser ginge.

Ist das Absicht, dass der gesamte Absatz in Präteritum geschrieben ist, obwohl du sonst den Text über im Präsens bleibst? Wenn nicht, würde ich die Zeiten anpassen.

Ich bin ein wenig unschlüssig darüber, welche Geschichte du mir jetzt eigentlich erzählen willst. Ich lese keine Aussage, kein generelles Thema raus außer, dass der Tod überall liegen kann und plötzlich ist. Im ersten Teil schwebt dein Theo in Nostalgie und Gedanken, lässt mich teilhaben an seinem Leben; und dann? Warum erzählst du mir all das, wenn es dann doch darum geht, dass man ihn für eine Pädophilen hält und er im Krankenhaus liegt? Mir fehlt die Brücke. Der erste Teil rechtfertigt für mich nicht die Existenz vom zweiten, um es so zu sagen. Mein Vorschlag: Sieh dir an, welche Aspekte du z.B. im ersten Teil aufgreifst: unheilbar kranke Frau, plötzlich verstorbener Kumpel, generell das Bild vom (mitunter unvorhersehbaren) Tod. Und auf den Tod baust du plötzlich was mit Pädophilie. Das passt nicht. Überleg dir doch mal, wohin es stattdessen gehen könnte, wenn du dich eher darauf einlässt, worauf du den Text sowieso ausgerichtet hat.

Liebe Grüße
Meuvind

 

CoK

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Hallo @Nele Marie Scambalo

Schön das du meine Geschichte gelesen hast, ich habe mich über deinen Kommentar gefreut. Ja, ich konnte mir auch einiges mitnehmen.

Als Nicht-Katholik ist mir nicht klar, was du hiermit sagen willst. Werden jedem Gläubigen Farben zugewiesen? Das müsstest du genauer erklären oder streichen
Es sind die Farben der katholischen Kirche. Theo ist ein besonders liebevoller Ehemann der daran denkt.

Hier ist mir nicht klargeworden, ob er immer noch als Straßenkehrer arbeitet oder ob er inzwischen in Rente ist.
Ich dachte, es würde reichen, wenn ich das etwas weiter unten erwähne.
t. Ein 69jähriger Rentner wurde von einem Mann (ca. 40 Jahre, braunes Haar, ca. 1,85 m groß, Brillenträger)

Der Satz klingt unschön. Mein Vorschlag: 'dass er sie in ihrem Rollstuhl schieben musste'.
Habe ich geändert.
Hier wiederholen sich sehr häufig die Wörter 'Kinder' und 'spielen
Habe ich geändert.
Außerdem: warum geht er ausgerechnet heute zu dem Spielplatz? Tut er das häufiger oder gibt es einen bestimmten Grund?
Ist das wichtig?
Warum schreibst du 'wurde' kursiv?
War mir auch schon aufgefallen, hatte ich schon geändert.
Was sind Lapislazuli Obelisken?
Das wirkt wie eine sehr erzwungene Bezeichnung, nur um 'Lapislazuli' einzubauen.
Das sind sehr schöne Dekosteine. In Form eines Obelisken aus Lapislazuli.
Ich kann nicht ganz verstehen, warum das erzwungen wirkt.
Wenn Bambus anstatt Lapislazuli verlangt gewesen wäre, hätte ich geschrieben, dass ich eine Wand im Schlafzimmer mit Bambus bemalt habe. Wahrscheinlich hätte ich das gleiche Problem gehabt und ich habe wirklich eine Wand mit Bambus bemalt.

Besser 'die Polizisten'. Mir war nicht ganz klar, wen du mit 'die beiden' meinst. Du sprichst ja auch von einem Arzt und einer Krankenschwester. Und die Eltern vom Spielplatz erwähnst du in dem kurzen Absatz ebenfalls.
Ich habe jetzt Polizisten geschrieben.

Danke für deine Gedanken zu meine Geschichte, für deine Zeit und die Korrektur.

Lieber Gruß CoK


Hallo @MRG

Wie schön das du meinen Text gelesen hast. Am allergrößten für mich ist, dass er dir gefallen hat. Bis auf den Schluss ich weiß.

Ansonsten hatte ich von dem Ende erwartet, dass Theo nicht überlebt. Sozusagen als Höhepunkt seiner Schicksalsschläge. Ich gehe in meinem Leseeindruck detaillierter darauf ein:
Ich wollte dir doch auch eine positive Perspektive anbieten.
Ich finde das ist in meinen Augen eine zentrale Stelle. Ich glaube, ich hätte mir hier eine etwas ausführlichere Darstellung gewünscht. Wie er sich um sie kümmert, sie versorgt und für sie da ist. Hier lässt du meiner Einschätzung nach Potential liegen, um deinen Prota weiter als liebevollen alten Herrn zu charakterisieren.
Weißt du, dann hätte ich meiner Meinung nach zu viel vorne weg geschrieben und zu wenig meinem Hauptteil gewidmet. Das ist nun mal, wie schnell man Unschuldiger in eine Sache hinein gerät, mit der man nie gerechnet hätte.
Dann Sandra, wie leicht man sich irren kann.
Ich hatte gedacht, dass er sterben würde. Du startest ja den Text mit dem Grab seiner Frau und dann dachte ich hier, dass es jetzt als nächstes um sein Grab gehen würde. Ich war daher etwas erstaunt, als du dann die Perspektive der Frau eingenommen hast. Das hat mich etwas rausgeworfen, aber nicht so sehr, dass ich nicht weiterlesen wollte.
Ich denke mal darüber nach ob ich ihn noch sterben lassen.
Ich finde das Ende nicht optimal. Ich finde, du fängst so bedrückend und schwermütig an und dann zeigst du einen Schicksalsschlag nach dem anderen für Theo auf, die sich immer weiter steigern. Und dann wird am Ende auf einmal alles wieder gut? Sie entschuldigt sich, schüttet ihm sein Herz aus. Ich war mir da nicht ganz sicher, aber ist nur mein subjektives Empfinden.
Ich habe doch gar nicht geschrieben dass alles wieder gut wird.


Lieben Dank für deinen Kommentar ich habe mich darüber gefreut.

Gruß CoK

Liebe @Silvita

Wie schön, dass du meine Geschichte gelesen hast. Ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Korrektur. Du weißt ja, ich freue mich immer, wenn du meinen Text korrigierst.
Super toll, daß du die Geschichte gern gelesen hast.


Würde den ersten Teil verbinden.
Vorschlag: Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase, schüttet die modrige Brühe aus und füllt frisches Wasser mit der Gießkanne nach.
"stinkend" würd ich streichen, ist unnötig. Mit modrig drückst Du schon aus, dass es nicht gut riecht.
Gemacht
Anschließend wischt er die Grabplatte mit dem Lappen trocken.
Den hinteren Teil würd ich streichen, denn das zeigst Du schon in den Handlungen.
Gestrichen
Wenn Du mit den Rückblenden beginnst, würde ich jeweils einen Absatz machen, genauso, wenn die Rückblenden wieder aufhören.
Absatz eingefügt.
schwach, dass er sie im Rollstuhl schieben musste
Geändert.
Leise schließt er das schmiedeeiserne Friedhofstor, holt den Autoschlüssel aus der Hosentasche und verstaut Gießkanne und Putzeimer im Kofferraum.
Ich habe das sorgsam gelassen, weil es mir wichtig ist. Es zeigt, dass er Ehrfurcht vor diesen Ort hat, die Ruhe nicht stören will.
Zu viel Kind, zu viel Spiel, zu viel Schaukel.

Vorschlag: Er umrundet die hohe Tujahecke, die den Spielplatz umschließt. Vor langer Zeit hatten seine Kinder hier herumgetollt. Damals war der Platz erfüllt von Geschrei, Lachen und den besorgten Rufen der Mütter. Jetzt ist es still. Er schaut sich um. Alles wurde erneuert. Da ist eine Holzschaukel. Die alte Rutsche ist weg, an ihrer Stelle steht jetzt ein Holzturm. Sein Blick schweift weiter, bleibt an dem Sandkasten hängen, der sich noch an der gleichen Stelle befindet wie damals. Theo freut sich darüber, setzt sich auf eine Bank in der Nähe. Ein einzelnes Kind kniet zischen Eimern und Förmchen im Sand.

Ich danke dir für den Vorschlag fand ihn sehr gut.
re Augen sind weit aufgersissen, mit starrem Blick schaut sie auf ihn herunter.
"Hau bloß ab!", schreit sie. "Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen."
Übernommen
Seine Augen sind zu Schlitzen zusammengepresst. Theo ist wie gelähmt vor Angst, starrt auf dei Schlagadern am Hals des Mannes, die eisblau hervortreten.
Geändert
Den Zeitungsbericht würde ich kursiv schreiben
Ich habe in kursiv geschrieben
Diese Szene passt überhaupt nicht. Da schließ ich mich den oberen Kommentaren an. Es liest sich, als hättest Du verzweifelt versucht "Lapislazuli" unterzubringen. Das kannst Du besser!
Werde ich ändern.
Geändert
atmet tief ein" hattest Du grad weiter oben schon
Ich habe es einmal entfernt
Vielleicht werde ich Straßenkehrer noch mal einführen, dann ändere ich es noch einmal.
Zu viel Kinder, zu viel Spiel
Kleinen geschrieben.

Ich möchte dir für die Zeit danken, die du dir genommen hast, für deine tollen Vorschläge.

Ganz liebe Grüße an dich
CoK


Liebe @RinaWu

Wie schön, dass du meine Geschichte gelesen hast.

Kein Komma hinter modrig, da sich das "modrig" auf "stinkend" bezieht, somit beschreibend und nicht aufzählend ist.
Ich hab modrig weggelassen.
Streichkandidat
—gestrichen
Streichkandidat
—gestrichen
Kein Komma hinter Spätsommertag
ist weg
Ich würde nach "erzählen" aufhören
Ja, habe ich auch gemacht.
Ich glaube, der Text könnte gut ohne die Perspektivwechsel auskommen, also stringent bei Theo bleiben, die Infos zwischendrin rauslassen, die beiden (Theo und Sandra) im Krankenhaus ohne viel Vorerklärungen aufeinandertreffen lassen, alles ein bisschen offener gestalten, Luft geben. Ich glaube, dann hätte das noch mehr Intensität.
Ich denke darüber nach.

Lieben Dank für Korrektur und Vorschläge.

Beste Grüße CoK


Hallo @HerrLehrer

Wie schön das du meine Geschichte auch gelesen hast.

Nur eine Platzwunde am Kopf eines 69-Jährigen?!?

Theo hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Platzwunde am Hinterkopf und Prellungen an der linken Schulter und dem Handgelenk.

Wenn er schwere Kopfverletzungen erliiten hat, dann müssen Marco und Sandra doch vor Ort schon etwas bemerkt haben. Mich wundert daher ihre Überraschung. Haben sie ihn einfach liegen gelassen?

Zwei Kinder fanden Sie auf dem Spielplatz. Die Eltern hatten uns und den Notarzt verständigt."

Lapislazuli. Meine persönliche Meinung: Das Wort ist zu besonders, als dass man es in einem Nebensatz verstecken könnte. Ergo: es benötigt eine prominente Rolle im Text.
Ja das werde ich noch ändern.
t: da ist noch viel Luft nach oben.
Die gibt es immer. Zugegeben bei mir etwas mehr.

Liebe Grüße aus dem Schwabenländle
CoK

Hallo @wörtherr

Teufel komm raus« beenden. Für die These spricht auch das explizit offene Ende mit der Ellipse.
Ich habe noch mal am Ende gestrichen. Ich wollte ein offenes Ende du kannst dir denken was immer du willst was jetzt passiert ob er der Frau verzeiht oder nicht ob sie sich entschuldigt oder nicht ob sie sich an den Hals gehen oder nicht …
Hier wird der Plot banal und der Prot kann nicht auf mein Mitleid zählen.
Ein alter Mann, der langsam senil wird und sich unter anderem daraus diese
schlimme Situation entwickelt, kein Mitleid?
Ganz anders wäre es zum Beispiel, wenn er sich im Nachgang erinnert, dass seine Frau ihn zu ihren Lebzeiten schon hin und wieder dabei ertappt hatte, wie er fremde Kinder länger ansah, ohne dass er aus dem Situationskontext Grund dazu gehabt hätte
Weißt du das wäre deine Geschichte gewesen ist ja auch okay. Meine Geschichte ist, dass ein alter Mann in eine Situation gerät die er nicht verdient hat. Das eine junge Frau überreagiert und nun die Folgen tragen muss.
. Zumindest, wenn ich dem Autor oder der Autorin nicht vorwerfen kann, da irgendwas konstruiert zu haben, scheinbar im Bemühen, der Geschichte irgendeinen Sinn zu geben.
Jeder darf anders denken nur manchmal tut das weh.
Lass doch das Kind auf dem Spielplatz einen Lapislazuli-blau schimmernden Anorak tragen, ganz den, den seine Tochter einst trug. Das wäre auch ein ganz passabler Grund, warum sein Blick an ihm haften blieb und er könnte später im Krankenhaus davon erzählen, um blöde Verdächtigungen zu zerstreuen.
Die Idee mit dem Anorak ist gut.Ich denke darüber nach.
Hast du jemals Polizeiberichte in der Zeitung gelesen und daraufhin näher angeschaut, welche Art von Angaben gemacht und welche nicht (dürfen)? Die Klinik,
Du hast recht, ich dachte ich hätte schon mal Sankt Anna Klinik gelesen. Es wurde nur Klinik geschrieben. (Ich habe jemals einen Zeitungsbericht gelesen.)
Und wo bringt sie das Kind derweil unter? Mutter mit Kleinkind kann nicht so einfach ins Krankenhaus jemanden besuchen, um einer Anzeige ihres Gatten zuvorzukommen.
Die Oma hat das Kind.

Danke für dein lesen und für die Kommentare, die mir geholfen haben.

Hallo @Meuvind

schön das du meine Geschichte gelesen hast.

Würde ich kursiv schreiben, um zu betonen, dass er es liest

Was willst du sagen? Ich glaube nicht, dass jemand weniger werden kann. Was weniger?
Heißt, das sie einmal mehr war. Physisch , psychisch …
Buben statt Schulbuben reicht, denke ich. Erklärt sich von selbst, dass sie von der Schule kommen.
Ältere Männer habe ich schon oft von Schulbuben sprechen hören. Ich finde das schön.
Gehabt zu haben? Er hat den Chef ja nicht mehr, wenn ich es richtig verstehe
Ich finde gehabt zu haben klingt nicht gut.
Komma nach Wochen.
Gemacht
Was soll das sein, ein Obelisk aus Lapislazuli? Dann würde ich beide Begriffe mit einem Bindstrich verbinden.
Ich habe ein – gemacht aber ich werde das höchstwahrscheinlich sowieso ändern.
Ist das Absicht, dass der gesamte Absatz in Präteritum geschrieben ist, obwohl du sonst den Text über im Präsens bleibst? Wenn nicht, würde ich die Zeiten anpassen.
Ja. ( Vielleicht ändere ich es trotzdem)
d. Und auf den Tod baust du plötzlich was mit Pädophilie. Das passt nicht. Überleg dir doch mal, wohin es stattdessen gehen könnte, wenn du dich eher darauf einlässt, worauf du den Text sowieso ausgerichtet hat
Ich habe den Text darauf ausgerichtet, dass ein netter alter (etwas seniler) Witwer ohne Verschulden in eine schlimme Situation gerät und eine junge Frau überreagiert und nun mit den Folgen leben muss.

Ich danke dir für deine Vorschläge und deine Korrektur.
Liebe Grüße CoK

 
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Hallo @CoK ,

da arbeitest du sprachlich sehr sauber, auch die abwechslungsreichen Satzanfänge finde ich sehr gelungen!

Insgesamt eine schön-traurige Geschichte, die ja scheinbar doch noch auf ein versöhnliches Ende hinausläuft. Nicht ganz klar ist mir der Schwerpunkt der Handlung, ist es eher die Trauer um seine Frau? Oder wie schnell jemand unverschuldet und ungerecht an den Pranger gestellt wird?

In jedem Fall habe ich Sympathie für den Protagonisten, finde ich eine insgesamt gelungene Erzählung!

Noch ein paar Details:

Ein Hauch von Blütenstaub hängt in den filigran gehauenen Federn. Der kommt von den Brennnesseln am Bahndamm, denkt er.
"Der kommt" könntest du streichen.

Zufrieden verabschiedet er sich: „Bis bald meine Liebe."
Komma nach "bald", glaube ich ...

Mit ausholenden Schritten läuft er über den Kiesweg zum Ausgang.
Das wirkt auf mich seltsam, nach einem Besuch des Grabes seiner verstorbenen Frau ...

Doch die Lust, an diesem schönen Spätsommertag einen Spaziergang zu machen, ist stärker. Die Gartenarbeit muss warten.
Der abschließende Satz kann m.E. entfallen, da hast du ja zuvor schon geschrieben.

Wenn die Schulbuben mittags von der Schule kamen, bauten sie Iglus in die zur Seite geräumten Schneemassen.
Ich würde nur "Buben" schreiben, dann hast du nicht zweimal "Schule".

Links, in der Parkbucht, sieht er einen Bauwagen stehen. Theo denkt an die vielen Stunden, die er mit seinen Kollegen darin verbrachte. Immer, wenn das Wetter stürmisch wurde und der Regen kübelweise vom Himmel fiel, saßen sie zusammen im Bauwagen.
Den abschließenden Nebensatz könntest du streichen, das hast du zuvor ja schon erwähnt.

Wie sie Förmchen um Förmchen mit Sand füllte. Den ganzen Nachmittag konnte sie im Sandkasten verbringen.
Hier muss du m.E. nicht nochmal "mit Sand" erwähnen, das Wort kommt ja auch danach nochmal.

Sandra Nolke schlägt die Tageszeitung auf.
In diesem Absatz wechselst du die Perspektive. Das könntest du z.B. vermeiden, in dem du sie und den alten Mann im letzten Absatz ausführlicher miteinander sprechen lässt.

Was, wenn es zu einem Prozess kommt und ihr Mann wegen Körperverletzung verurteilt wird? bei dem Gedanken wird ihr übel.
Bei

Nein, es ist kein blau-silbernes Auto, das in die Straße einbiegt?
Punkt statt Fragezeichen

Bis dahin bin ich aus dem Krankenhaus wieder zurück.
Hier könntest du "aus dem Krankenhaus" streichen.

Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seinem Kopf.
Warum wechselst du in diesem Absatz in die Vergangenheitsform?

Eine Krankenschwester stand an seinem Bett. „Gut, dass Sie aufgewacht sind. Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen? Der Arzt wird gleich kommen, und die Polizei hat ein paar Fragen an Sie."
Der erste Satz hört sich etwas seltsam an, könntest du m.E. streichen.

Theo hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Platzwunde am Hinterkopf und Prellungen an der linken Schulter und dem Handgelenk.
Wer genau erzählt das? So genau kann Theo das ja noch nicht wissen.

Ihm war übel geworden, er musste sich übergeben.
Vorschlag: "Ihm wurde übel, er musste sich übergeben."

Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen:
. statt :

Viele Grüße!
Rob

 
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24.01.2009
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Liebe @CoK,

mir gefällt sehr viel, sehr gut an deiner Geschichte. Doch, die hat was. Ich mochte deinen alten Straßenkehrer, der da einsam und allein durch den Tag schlendet und mir gefällt auch der Bruch, wenn die Perspektive auf Sandra wechselt.

Ein Hauch von Blütenstaub hängt in den filigran gehauenen Federn. Der kommt von den Brennnesseln am Bahndamm, denkt er. Theo nimmt die Gießkanne und lässt Wasser über den weißen Granit laufen. Ockerfarbene Rinnsale fließen aus den Steinfedern, sammeln sich zu einem trüben See auf der Grabplatte.
Gefällt mir sehr gut. Sehr schöne Details.

Hanne tröstete ihn. „Es gibt Menschen, die MS haben und trotzdem alt werden." Sie gehörte nicht zu ihnen. Die Schübe wurden von Mal zu Mal heftiger. Die Entzündung schritt schnell voran. Immer weniger wurde sie. Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schieben mußte. Den Kampf mit einer Lungenembolie verlor ihr geschwächter Körper.
musste

So schnell ändert sich das Leben. Du gehst zum Arzt und mit der Diagnose ist nichts mehr, wie es vorher war. Immer weniger wurde sie - das finde ich im doppelten Sinn gut. Zum einen die physische Situation von Hanne, wenn ihr Körper mager und kraftlos wird, zum anderen zeigt es auch so ein - aus dem Leben schleichen - irgendwie.

Doch die Lust, an diesem schönen Spätsommertag einen Spaziergang zu machen, ist stärker. Die Gartenarbeit muss warten.
Ja, so kleine Entscheidungen können schwere Folgen haben. Für ihn, und später für die junge Familie.

„Bei Sauwetter", so hatte der Chef erklärt, „lieber ein paar Stunden nix tun, als krank werden!“ Ja, dachte Theo, der war halt selbst auf dem Bau, nicht wie heut, da sind das lauter Studierte.
Auch das mochte ich sehr gern. Weil es so ein schönes Zeitzeugnis ist irgendwie. Die Zeit heute wird immer hektischer, in der Arbeitswelt findet man mehr Ökonomie als Menschlichkeit. Das der Chef selbst vom Bau kam, weiß, was er seinen Leuten abverlangt - und heute sind es eben die Studierten, die selbst im warmen Büro sitzen, nie das geleistet haben, was sie nun von Leuten verlangen. Ist auch ein Thema für sich schon - aber hier in der Kürze für mich gut auf den Punkt gebracht.

Zwei Wochen, nachdem sein Freund in den Ruhestand ging, half er dem Schwiegersohn auf der Baustelle. Dabei fiel er kopfüber vom Gerüst. Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.
Noch so ein kleiner Moment, der das Leben verändert, es sogar sofort beendet. Unfälle, Krankheiten, im weiteren Text eine Fehlentscheidung - auch ein Unfall, denn es war sicher nicht die Absicht des Vaters, aber ja, passiert, und dann hat man auf einmal Post vom Staatsanwalt und die kann auch Leben verändert. Irgendwie ist das für mich so der rote Faden in deiner Geschichte. Die kleinen Momente mit den großen Auswirkungen.

Ihm fällt auf, dass die junge Frau ihn mustert. Ihr Blick ist auf seine Knie gerichtet, nein … zwischen seine Beine! Theo folgt ihrem Blick, sein Reißverschluss steht offen. Langsam werde ich senil, denkt er. Peinlich berührt zieht er den Hosenladen zu.
Oh, weh! Ja, das darf ein Mann nicht. Ein Mann darf sich nicht auf eine Spielplatzbank setzen und Kindern beim Spielen zuschauen. Klar gibt es Pädophile und die will man da nicht haben. Aber wie viele Männer sind pädophil, und wie viele mögen einfach gern Kinder - ohne sexuellem Interesse? Und weil die Gesellschaft halt sagt, Mann auf Spielplatz gleich böse! - darf da jetzt keiner mehr hin. Das sein Hosenstall offensteht, ist natürlich ein unglücklicher Umstand, und ja, hier dahte ich, jetzt wird es spannend, hier öffnet sich er Konflikt.

"Hau bloß ab!", schreit sie. "Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen."
Ja genau, die Situation lässt natürlich nur diesen einen Schluss zu. Jetzt kenne ich Theo durch den Vorlauf im Text ja schon sehr gut, weiß, es handelt sich um unglückliche Umstände, die Mutter kennt Theo nicht und ja, es kommt, wie es kommen muss.

Seine Augen sind zu Schlitzen zusammengepresst. Theo ist wie gelähmt vor Angst, starrt auf die Schlagadern am Hals des Mannes, die eisblau hervortreten.
Oh je, ich verstehe ihn so gut, ich spüre seine Angst förmlich.

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, gibt der Mann Theo einen Stoß, dass dieser nach hinten fällt und hart mit dem Kopf auf der Bank aufschlägt.
War sicher so nicht gewollt. Aber wieder so ein Moment, der Leben verändert.

Sandra Nolke schlägt die Tageszeitung auf. Sie erschrickt, als sie den Polizeibericht liest.
Ja, damit hat sie wohl nicht gerechnet. Und dann beginnt das Kopfkino ... Und da jetzt der Konflikt sozusagen auf Sandra übergesprungen ist, finde ich den Perspektivwechel nur folgerichtig.

Hat jemand die Szene auf dem Spielplatz beobachtet? Nein, sagt sie sich. Nein. Da war niemand. Vielleicht hinter einem der Fenster des Wohnblocks? Das wäre möglich. Oh Gott! Verzweiflung steigt in ihr auf. Was, wenn es zu einem Prozess kommt und ihr Mann wegen Körperverletzung verurteilt wird? bei dem Gedanken wird ihr übel. Dann ist Marco mit Sicherheit seinen Job los. Am Ende sperren die ihn noch in den Knast. Nein. Da war nur eine Platzwunde an seinem Kopf. Harmlos. Wieso schreiben die in der Zeitung - bewusstlos und schwer verletzt? Beruhige dich, mahnt sich Sandra. Denk nicht daran. Denk da jetzt nicht dran! Zwei Schritte und sie steht am Fenster, blickt durch die zugezogene Gardine auf die Straße. Ist die Polizei schon da?
Ja, dieses Kopfkino hätte für mich gern doppelt oder dreimal so lang sein können. In dieser Situation geht einem eine Menge durch den Kopf und wenn man sich die Konsequenzen ausmalt, dann fällt das eigene Leben gerade wie ein Kartenhaus zusammen.

Was hatte Mama gesagt: „Sie sollen alle Sorgen vertreiben und dich beschützen."
Ja, die stehen da jetzt wie pure Ironie.

Sie muss zu dem Alten gehen, mit ihm reden. Ihn davon überzeugen, dass Marco ihm nur Angst einjagen wollte.
Sie kann das Schicksal ja kaum abwenden, aber in solchen Momenten greift man nach Strohhalmen. Oder sie ist tatsächlich unwissend, dass der Fall nicht mehr in den Händen von Theo liegt, sondern in denen der Staatsanwaltschaft. Wie auch immer, dass sie in dieser Situation nicht mehr klar denkt, sondern nur von dem Gedanken getrieben wird, ihre kleine, heile Welt zu retten, finde ich sehr menschlich.

Als Theo wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seinem Kopf.
Eine Krankenschwester stand an seinem Bett. „Gut, dass Sie aufgewacht sind. Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen? Der Arzt wird gleich kommen, und die Polizei hat ein paar Fragen an Sie."
Weil es in den Kommentaren angesprochen wurde, ich fand den Zeitenwechsel ins Präteritum hier richtig, weil sein Erwachen ja nun bereits zurückliegt. Und irgendwie war ich erlöst zu wissen, wie es um ihn steht.

Ja, der letzte Absatz ist sehr versöhnlich und er ist sehr kurz, dafür dass da in den beiden und zwischen den beiden doch recht viel passiert. Der hätte für mich auch gern viel länger sein können. Für Sandra steht viel auf dem Spiel und es ist sozusagen ihr Weg zur Lösung des Konflikts und dann erfährt sie noch, wie unnütz das Verhalten ihres Mannes war, dieser kleine Schubser, mit den fatalen Folgen. Möchte wirklich nicht an ihrer Stelle sein. Das muss ein unendlich großes Loch sein, in das sie stürzt. Und weil ich das eine psychologisch interessante Situation finde, deshalb hätte ich gern mehr gelesen. Aber auch schwierig zu schreiben, gerade aus Theos Perspektive, keine Frage.
Ich finde, im Text führt eins zum anderen. Ich habe deine Geschichte gern gelesen. Ich mochte den Bruch sehr. Klar kann man feilen, aber so vom Aufbau und der Idee her gefällt mir das.

Liebe Grüße, Fliege

 
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„Bei Sauwetter", so hatte der Chef erklärt, „lieber ein paar Stunden nix tun, als krank werden!“

„Weiser Boss“ – denk ich,

liebe CoK,

und zugleich „ist verdammt viel hierzu geschrieben“, dass ich mir die Durchsicht meiner Vorredner (das korrektere „Vorschreiber“ ist mir allzu vieldeutig) weitestgehend erspare und ich denke, über die Spannung von Missverständnis und Aggression, die heute schon im geflügelten Wort mitsamt latenter [Be-]Drohung durch eines „äh, was glotztu!“ auf der Straße mitschwingt, wird mit dem sichtlich offenen Kuhstall eines „Senioren“ am Sandkasten offensichtlich, dass ein Vater nicht einmal die Ironie seiner eigenen Kind- und Jugendzeit mehr erinnert in der Volksweisheit „mach ma’ deinen Stall zu, Pippi wird kalt!“, dass es hier einen erwischt, der – wenn schon nicht ganz unten – so doch ziemlich weit unten in der Hierarchie von der (Aus-)Bildung her steht. Da mekrt man eigentlich erst, welche soziale Funktion der Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger in der Hierarchie erfüllt, selbst wenn das in diesem individuellen Ereignis sehr verborgen mitspielt.

Aber Du weißt, liebe CoK, ich find immer noch Flusen – und das nicht zu knapp, wobei der erste Hinweis nur ein Vorschlag ist, hier

… Buchstabe für Buchstabe.
[...]
Hannelore Lasser
12.03.1959 – 28.9.2011

[...]
Anschließend wischt er …
der übersichtlichkeitshalber, ggfs. gar mit Anführungszeichen am Zitat ...


Die Entzündung schritt schnell voran. Immer weniger wurde sie.
Nix falsch dran – aber:
Warum stellstu das Satzsubjekt „sie“ der Erkrankten, der wichtigsten Person ans Ende? Als ein zusammengesetzter Satz rückte das Subjekt zwangsläufig in seiner Bedeutung nach vorne
„Die Entzündung schritt schnell voran und sie wurde immer weniger",
erst durch ein bescheiden wirkendes "doch" würde das Satzsubjekt ewas verdrängt
„Die Entzündung schritt schnell voran und doch wurde sie immer weniger" -
Einwenden kann man jedoch, dass das Personalpronomen in der Ursprungsfassung nicht für „die Entzündung“ gilt, sollte jedem Leser bewusst sein.

Hier werd ich nicht der erste sein

Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schieben mu[ss]te.
übrigens eine Änderung durch die Rechtschreibreform, die sinnvoll ist: Doppel-s ist für kurze, ß für lange Silben angedacht (Fluss und Fuß sind da das Standardbeispiel)

Kleine Flüchtigkeit

Ihre Augen sind weit aufgersissen, mit starrem Blick schaut sie auf ihn herunter.
Und besser „hinab“, denn es hat sich eingebürgert, „hin“ für einen andern und „her“ für sich selbst zu verwenden. Ist wahrscheinlich aus den Redewendungen „(Komm) her zu mir“ und „(geh) hin zu xy“ entstanden.

Was, wenn es zu einem Prozess kommt und ihr Mann wegen Körperverletzung verurteilt wird? Bei dem Gedanken wird ihr übel.

Wie gutKOMMA das heute Oma Tag ist.

Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seine[n] Kopf.
(„um“ erzwingt i. d. R. schon den Akkusativ

Den kurzen Sprung in die Gegenwart

Eine Krankenschwester stand an seinem Bett. ...
Theo spürte einen pochenden Schmerz am Hinterkopf und sein Rücken tat weh.
Es sind so viele Bilder in seinen Gedanken: Das Kind im Sandkasten, die wütende Frau, der Mann, der ihn gestoßen hat. Die Angst war wieder da.
Versteh ich nicht ... Die Gedanken als direkte Rede zu formulieren, wäre eine Lösung ...


Die beiden Polizisten würden wiederkommen, wenn es ihm besser ginge.

Warum auf einmal Konjunktiv irrealis?, wenn schon ein schlichtes „wenn“ eine Bedingung im Indikativ setzt, „wenn es ihm besser geht“.
Der Gegensatz von Konjunktiv und Indikativ ist der von Potentialität und Aktualität, Der Konjunktiv irrealis ht a) nix mit der Zeitenfolge zu tun und ist eine Art Wahrscheinlichkeitsrechnung zwischen 0 (unwirklich, Lüge) und 1 (wirklich, Wahrheit), dass 0,5 ein sowohl als auch erzeugt. Und glaube keiner, dass es im engl. Einfacher wäre. „would“ hat mehr Bedeutungen als unser schlichtes „würde“ und der Konjunktiv fängt bei denen schon in der ersten Zeile der Nationalhymne an „God save the queen“ -
wäre es Indikativ müsste dort „God saves the queen“ stehen!

Hier kommt der „Zeitenumbruch“ nun abschnittsweise

„Ich möchte Sie", setzt die Frau an. Theo sieht sie schlucken und wie sie nervös ihre Hände knetet. „Ich möchte Sie bitten, meinen Mann nicht anzuzeigen", bringt sie den Satz schließlich zu Ende.
Sie war so leise, dass Theo genau hinhören musste, um ihre Worte zu verstehen.
Er versucht sich im Bett aufzusetzen, was ihm Schmerzen bereitet.
Wobei er in der wörtl. Rede jederzeit möglich ist.

Gruß aus'm Pott vom

Friedel

 
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Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase, schüttet die stinkende Brühe aus und füllt mit der Gießkanne frisches Wasser nach.
Weil ich mir erste Sätze immer ganz genau ansehe. :)
Würde schreiben: ... schüttet die stinkende Brühe weg ...

 
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Hallo liebe @CoK,

ich möchte nur noch einmal ganz kurz auf zwei deiner Antworten eingehen.

Außerdem: warum geht er ausgerechnet heute zu dem Spielplatz? Tut er das häufiger oder gibt es einen bestimmten Grund?
Ist das wichtig?
Es spricht natürlich nichts dagegen das wegzulassen. Das ist deine Entscheidung.
Mich persönlich hätte es einfach interessiert. Man würden den Straßenkehrer durch diese Information noch ein weniger besser kennenlernen.

Das sind sehr schöne Dekosteine. In Form eines Obelisken aus Lapislazuli.
Ich kann nicht ganz verstehen, warum das erzwungen wirkt.
Wenn Bambus anstatt Lapislazuli verlangt gewesen wäre, hätte ich geschrieben, dass ich eine Wand im Schlafzimmer mit Bambus bemalt habe. Wahrscheinlich hätte ich das gleiche Problem gehabt und ich habe wirklich eine Wand mit Bambus bemalt.
Ok. Ich kannte das vorher nicht.
Ich glaube, aufgefallen ist es mir vor allem deswegen, weil du bei anderen Beschreibungen davor weniger konkret warst. Schlimm finde ich die Stelle nicht, sie ist mir nur sehr ins Auge gestochen.

LG Nele

 

CoK

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Hallo @Rob F

schön das du meine Geschichte gelesen hast.
Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass du es für insgesamt eine gelungene Erzählung hältst.

Nicht ganz klar ist mir der Schwerpunkt der Handlung, ist es eher die Trauer um seine Frau? Oder wie schnell jemand unverschuldet und ungerecht an den Pranger gestellt wird?
Meine Schwerpunkte sind: Wie du schon richtig erkannt hast, wie schnell jemand unverschuldet an den Pranger gestellt wird.
Wie schnell man jemand verurteilt und mit seiner Handlung in eine Situation gerät, die schlimm ausgehen kann.
Der kommt" könntest du streichen.
Gestrichen
Ich würde nur "Buben" schreiben, dann hast du nicht zweimal "Schule".
Ich hab nur Buben geschrieben
Den abschließenden Nebensatz könntest du streichen, das hast du zuvor ja schon erwähnt.
Gestrichen
Hier muss du m.E. nicht nochmal "mit Sand" erwähnen, das Wort kommt ja auch danach nochmal.
Okay
Groß
Punkt statt Fragezeichen
Geändert
Hier könntest du "aus dem Krankenhaus" streichen.
Gestrichen
Warum wechselst du in diesem Absatz in die Vergangenheitsform?
Weil es in der Vergangenheit war.
Wer genau erzählt das? So genau kann Theo das ja noch nicht wissen.
Ich habe zum verdeutlichen: So die Diagnose des Arztes geschrieben.
.statt :
Geändert

Vielen Dank für deine Korrektur und deine Verbesserungsvorschläge.

Liebe Grüße
CoK


Hallo@ Fliege

Vielen Dank für deinen netten, ausführlichen Kommentar.
Ich freue mich wirklich sehr, dass dir die Geschichte gefallen hat.
Es ist ein schönes Gefühl, verstanden zu werden.

musste
Verbessert
dieses Kopfkino hätte für mich gern doppelt oder dreimal so lang sein können. In dieser Situation geht einem eine Menge durch den Kopf und wenn man sich die Konsequenzen ausmalt, dann fällt das eigene Leben gerade wie ein Kartenhaus zusammen.
Ich denke mal, da sind wir alle sehr verschieden.
Auch bis wir handeln. Der eine der redet sich noch richtig ins Drama hinein während der andere schon im Auto sitzt.
beiden und zwischen den beiden doch recht viel passiert. Der hätte für mich auch gern viel länger sein können. Für Sandra steht viel auf dem Spiel und es ist sozusagen ihr Weg zur Lösung des Konflikts und dann erfährt sie noch, wie unnütz das Verhalten ihres Mannes war, dieser kleine Schubser, mit den fatalen Folgen. Möchte wirklich nicht an ihrer Stelle sein. Das muss ein unendlich großes Loch sein, in das sie stürzt. Und weil ich das eine psychologisch interessante Situation finde, deshalb hätte ich gern mehr gelesen. Aber auch schwierig zu schreiben, gerade aus Theos Perspektive, keine Frage.
Ich weiß nicht, wie es mit den beiden weitergeht.
Wird Theo nie wieder auf einen Spielplatz gehen. Immer, wegschauen wenn er kleine Kinder sieht.
Wird er der jungen Frau verzeihen können, auf ein Schmerzensgeld verzichten …
Wird die junge Frau in Zukunft nicht mehr so schnell verurteilen (Männer in Schubladen stecken) …
Ich wollte mit meiner Geschichte feinfühliger machen, für eine Situation die ganz alltäglich ist.

Vielen lieben Dank für deine Gedanken zu meiner Geschichte.

Liebe Grüße aus dem Schwabenländle
CoK


Hallo @Friedrichard

Es ist schön das du meine Geschichte gelesen hast.

der übersichtlichkeitshalber, ggfs. gar mit Anführungszeichen am
Ich habe es übersichtlicher gemacht und Abstand geschaffen.
sie wurde immer weniger",
Ich habe sie in den Vordergrund gestellt.
übrigens eine Änderung durch die Rechtschreibreform, die sinnvoll ist: Doppel-s ist für kurze, ß für lange Silben angedacht (Fluss und Fuß sind da das Standardbeispiel)
Verbessert
Und besser „hinab“, denn es hat sich eingebürgert, „hin“ für einen andern u
Verbessert

Bei deinen anderen Korrekturen hoffe ich mal ,dass ich es richtig gemacht habe.

Vielen lieben Dank für die Korrektur und deine damit verbundene Zeit. Liebe Grüße in den Pott
CoK


Hallo @Nele

Ich finde es schön, dass du mir noch mal antwortest und ich deine Gedanken besser verstehe.
Danke dafür.

Liebe Grüße
CoK

Hallo @Manuela K.

Danke

Liebe Grüße
CoK

 
Monster-WG
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20.08.2019
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Liebe @CoK

Wie schön, dass du meine Geschichte gelesen hast. Ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Korrektur. Du weißt ja, ich freue mich immer, wenn du meinen Text korrigierst.
Super toll, daß du die Geschichte gern gelesen hast.

Von Herzen gerne.
Ja und das ist schön und da freu ich mich auf.
Ich mag Deine Art zu schreiben.

Ich habe das sorgsam gelassen, weil es mir wichtig ist. Es zeigt, dass er Ehrfurcht vor diesen Ort hat, die Ruhe nicht stören will.

Ja, das kann ich verstehen, wobei es wirklich nicht nötig wäre, sorgsam und leise zu benutzen. Er agiert alles in allem so liebevoll, dass es mir als Leser total klar ist.

Ich danke dir für den Vorschlag fand ihn sehr gut.

Das ist schön und da freue ich mich.

Ich möchte dir für die Zeit danken, die du dir genommen hast, für deine tollen Vorschläge.

Das habe ich sehr gerne gemacht und habe grad auch nochmal die Überarbeitung gelesen. Einige Stellen wie die mit der Obelisken-Deko sind noch gleich, das hat mich etwas irritiert. Aber vielleicht gehst Du da noch mal ran.

Den Kampf mit einer Lungenembolie verlor ihr geschwächter Körper.

Das klingt immer noch sehr holprig.
Vorschlag: Ihr geschwächter Körper verlor den Kampf gegen eine Lungenembolie.

Sorgsam leise schließt er das schmiedeeiserne Friedhofstor, holt den Autoschlüssel aus der Hosentasche und verstaut Gießkanne und Putzeimer im Kofferraum.

Und wenn Du nur sorgsam nimmst? Diese Adjektiv-Doppelung liest sich einfach nicht schön. Und mit sorgsam drückst Du doch aus, dass er auf keinen Fall laut zuknallt.

Wie oft hat er hier mit Schaufel und Besen den Platz gekehrt und zwischen den Steinfugen die Zigarettenkippen herausgepult? Theo erinnert sich an seinen ersten Arbeitstag. Um sechs Uhr hieß es anfangen.

Bei den Rückblenden würde ich einen Absatz machen.

... Zigarettenkippen herausgepult?

Theo erinnert sich ...

Wenn die Buben mittags von der Schule kamen, bauten sie Iglus in die zur Seite geräumten Schneemassen.
Gedankenversunken geht er weiter. Links, in der Parkbucht, sieht er einen Bauwagen stehen. Theo denkt an die vielen Stunden, die er mit seinen Kollegen darin verbrachte. Immer, wenn das Wetter stürmisch wurde und der Regen kübelweise vom Himmel fiel, saßen sie im Bauwagen.

Du benutzt in den Rückblenden, bzw. in den kurzen Unterbrechungen oft "denken". Hier würde ich entweder variiieren, oder die Unterbrechungen weglassen.

„Bei Sauwetter", so hatte der Chef erklärt, „lieber ein paar Stunden nix tun, als krank werden!“ Ja, dachte Theo, der war halt selbst auf dem Bau, nicht wie heut, da sind das lauter Studierte.

Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.
Genug der trüben Gedanken, mahnt sich Theo. Er umrundet die hohe Tujahecke,

Hier würde ich auch wieder einen Absatz machen, wenn die Rückblende endet.

Voller Eifer und mit geröteten Wangen bäckt sie einen Sandkuchen nach dem andern. Es erinnert Theo an seine Tochter Lara.

Hier steht immer noch es. Das passt nicht.
Sie

Nein, es ist kein blau-silbernes Auto, das in die Straße einbiegt. Wütend wirft sie die Lapislazuli-Obelisken um.

Lässt Du die Stelle so oder wird das noch überarbeitet?

Wie gut, das heute Oma Tag ist. Ihre Mutter bringt Viola erst um 18:00 Uhr nach Hause. Bis dahin bin ich wieder zurück.

Oma-Tag

Als Theo wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seinen Kopf.

Hier immer noch Vergangenheit. Warum?
Ich verstehe den Zeitenwechsel nicht. Die ganze Szene müsste im Präsens sein.

Auch bleiben noch Fragen offen, wie z.B. warum lässt der Vater den Mann einfach auf der Bank liegen.

Ganz liebe Grüße und ein sonniges Wochenende,
Silvita

 
Mitglied
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05.09.2020
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Liebe @CoK,

da bin ich.

Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase, schüttet die stinkende Brühe weg und füllt mit der Gießkanne frisches Wasser nach. Es ist Mitte Oktober und ihre Lieblingsblumen blühen noch immer. Die hochstieligen Sonnenblumen mit den herzförmigen Blättern und den leuchtend gelben Blüten bilden einen schönen Kontrast zu der weißen Granitplatte. Weiß und gelb - katholisch, Hannelores Kirchenfarben. Sein Blick wandert zum Grabstein mit dem Flügelrelief eines Engels. Ein Hauch von Blütenstaub hängt in den filigran gehauenen Federn. Von den Brennnesseln am Bahndamm, denkt er. Theo nimmt die Gießkanne und lässt Wasser über den weißen Granit laufen. Ockerfarbene Rinnsale fließen aus den Steinfedern, sammeln sich zu einem trüben See auf der Grabplatte. Glitzernde Wassertropfen bleiben in der bronzenen Beschriftung hängen. Er nimmt ein Tuch und trocknet sorgsam Buchstabe für Buchstabe.
Der Einstieg gefällt mir sehr gut, schön ruhig, man lernt einiges über ihn und das Umfeld, ohne dass du erklärst.

Wenn die Buben mittags von der Schule kamen, bauten sie Iglus in die zur Seite geräumten Schneemassen.
Buben, gefällt mir :-)

Links, in der Parkbucht, sieht er einen Bauwagen stehen.
Da er den Bauwagen ja kennt, könntest du das auch so schreiben (zB "...steht der Bauwagen.")

Ein einzelnes Kind kniet zischen Eimern und Förmchen im Sand.
zwischen

Voller Eifer und mit geröteten Wangen bäckt sie einen Sandkuchen nach dem andern.
bäckt hab ich noch nie gehört - ist das Dialekt?

Ein 69jähriger Rentner
Müsste eigentlich ein Bindestrich rein, also "69-jähriger Rentner"

Sucht die Polizei schon nach Marco? Hat jemand die Szene auf dem Spielplatz beobachtet? Nein, sagt sie sich. Nein. Da war niemand.
Finde ich gut, wie die Geschichte die Perspektive wechselt und du hier eine gewisse Spannung aufbaust.

Verzweifelt schlägt sie beide Hände vor's Gesicht
Das Apostroph kann laut Duden weg (vors statt vor's, so wie auch aufs, ins, etc)

Wie gut, das heute Oma Tag ist.
dass heute Oma-Tag ist.

Theo hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Platzwunde am Hinterkopf und Prellungen an der linken Schulter und dem Handgelenk.
So die Diagnose des Arztes.
Hier würde ich keinen Zeilenbruch reinmachen, das gehört ja zusammen.

Sie war so leise, dass Theo genau hinhören musste, um ihre Worte zu verstehen.
Der Satz sollte in der Gegenwart geschrieben sein: ....ist....muss...

„Warum war ihre Hose auf?“, flüstert die Frau.
Ich finde es würde echter wirken, wenn sie sagte: "Und warum war dann ihre Hose auf?"
Außerdem könnte ich mir eher vorstellen, dass sie hier nicht flüstert, sondern mit etwas Nachdruck fragt, da sie ihn ja (auch wenn sie ein schlechtes Gewissen haben mag) auch nach lesen des Artikels noch als Pädophiler bezeichnet. Da könnte ich mir also vorstellen, dass dieses Gefühl noch in ihr lodert. "...flüstert die Frau" wirkt dagegen so sanft.

Also ich muss sagen, dass mir die Geschichte gefallen hat! Sehr kompakt und nachvollziehbar, gut geschrieben. Bis auf Lapislazuli ist mir kein anderer der Begriffe aufgefallen, und auch den L. finde ich gut verpackt.
Auch das Ende mag ich - es wird angedeutet, dass sie nicht ohne Grund diesen Vorbehalt gegen alte Männer auf Spielplätzen hat, ohne, dass sie es erklärt. Also ein offenens Ende, das nicht wirklich offen ist.

Viele Grüße,
rainsen

PS: Das mit dem Präteritum sehe ich genau wie @Fliege (siehe unten)...
PPS: Übrigens ein schwieriges Thema, die Pädophilie und ihre Folgen. Dass es auch eine Krankheit ist und was es für Betroffene (von beiden Seiten) heißt, wurde im Film "Little Children" mit Kate Winslet gut dargestellt, wie ich finde.

 
Wortkrieger-Globals
Wortkrieger-Team
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24.01.2009
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Hey @Silvita,

und sorry, wenn ich hier so reingrätsche. Aber ich verstehe die ganze Aufregung um den Präteritumabsatz nicht. Nach meiner Lesart trägt sich das wie folgt zu:

Hier immer noch Vergangenheit. Warum?
Ich verstehe den Zeitenwechsel nicht. Die ganze Szene müsste im Präsens sein.

Die Frau liest eine Woche nach dem Unfall die Zeitung und beschließt, Theo aufzusuchen.

Der Prät.-Absatz beschreibt, wie Theo im Krankenhaus zu sich kommt und die Polizei ihn befragt, wonach sie ja auch erst die Täterbeschreibung in die Zeitung bringen können. Sie verabschieden sich, und sagen, sie kommen noch mal wieder. Dann klopft es an der Tür (Wechsel ins Präsens) und Theo ist in Erwartung der beiden Polizisten, aber es ist Sandra, die jetzt reinkommt. Das heißt, das Erwachen liegt bereits zurück, ist also Folgerichtig im Präteritum.

Auch bleiben noch Fragen offen, wie z.B. warum lässt der Vater den Mann einfach auf der Bank liegen.

Tja, warum begehen Menschen Fahrerflucht nach Unfällen? Schätze, der Staatsanwalt wird in seiner Anklage auch den Punkt wegen unterlassener Hilfeleistung aufnehmen.

So habe ich das jedenfalls verstanden.
Liebe Grüße, Fliege

 
Monster-WG
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518

Hallo @Fliege

und sorry, wenn ich hier so reingrätsche. Aber ich verstehe die ganze Aufregung um den Präteritumabsatz nicht. Nach meiner Lesart trägt sich das wie folgt zu:

Gar kein Problem :)

Die Frau liest eine Woche nach dem Unfall die Zeitung und beschließt, Theo aufzusuchen.

Der Prät.-Absatz beschreibt, wie Theo im Krankenhaus zu sich kommt und die Polizei ihn befragt, wonach sie ja auch erst die Täterbeschreibung in die Zeitung bringen können. Sie verabschieden sich, und sagen, sie kommen noch mal wieder. Dann klopft es an der Tür (Wechsel ins Präsens) und Theo ist in Erwartung der beiden Polizisten, aber es ist Sandra, die jetzt reinkommt. Das heißt, das Erwachen liegt bereits zurück, ist also Folgerichtig im Präteritum.

Dann hattest Du es anders verstanden als ich.
Für mich ist die Krankenhausszene der weitere Verlauf der Geschichte. Ich hab jedes Mal gehakt, als da plötzlich die Vergangenheitsform stand, da der sonstige Text (bis natürlich auf die Rückblenden) im Präsens ist. Daher würde für mich Präsens besser passen, um zu beschreiben, wie Theo im Krankenhaus aufwacht und was weiter geschieht. Ist mein subjektives Empfinden. Letztendlich sind die Kommentare immer nur Vorschläge. Es ist @CoK s Geschichte und sie entscheidet ja, was sie aus den Kommentaren macht, bzw. welche Vorschläge sie annehmen möchte.

Tja, warum begehen Menschen Fahrerflucht nach Unfällen? Schätze, der Staatsanwalt wird in seiner Anklage auch den Punkt wegen unterlassener Hilfeleistung aufnehmen.

Mh. Letztendlich hab ich nur geschildert, was mir beim Lesen durch den Kopf ging, welche Fragen da aufkamen. Hier sind so viele unterschiedliche Menschen/ Leser/ Autoren/ Kommmentatoren unterwegs. Jeder empfindet anders.

So habe ich das jedenfalls verstanden.
Liebe Grüße, Fliege

Dann haben wir es unterschiedlich interpretiert. Ist doch völlig legitim :)

Liebe Grüße und ein sonniges Wochenende,
Silvita

 
Wortkrieger-Team
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Hej @CoK ,

ich bin ja nur froh, dass sich deine Geschichte nicht weiter im Netz vertwittert und einen shitstorm ausgelöst hat. :D So oder so ist das Leben, nicht wahr? Im eigenen Kopf sieht es anders aus, als es nach außen scheint. Du stellst mir Theo lang genug vor, trauernd, liebend, sich erinnernd und es musste so oder so ähnlich kommen. Einen Bezug zum Titel als Straßenkehrer verläuft sich leider etwas.

Ich hätte mir gewünscht, dass du dir mehr Zeit gelassen hättest. Du erzählst doch so schön. ;)Mein erster Gedanke nach Beendigung des Lesens war: wäre es interessant gewesen, wenn es Parallelerzählstränge gegeben hätte? Dann wäre zum Beispiel der Dialog über den geöffneten Reißverschluss nicht nötig gewesen. Oder das Mädchen hätte nicht zufällig seiner Tochter geähnelt. Der Lapislazuli hätte einen besonderen Stellenwert für Sandra erhalten.

In der Eile der Erzählung war ich nicht so gut in der Lage mitzufühlen, ich konnte es zur Kenntnis nehmen, wie ich es bei einem Artikel der Zeitung kann und denken: Sachen gibt’s. :shy:
Jetzt kannst du meinen Leseeindruck zur Kenntnis nehmen. Achselzuckend, wenn du willst. :D

Einen schönen Samstag und viel Erfolg bei der Challenge.

Kanji

 

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