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Der alte Straßenkehrer auf dem Spielplatz

CoK

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Der alte Straßenkehrer auf dem Spielplatz

Theo nimmt den verwelkten Strauß aus der Vase, schüttet die stinkende Brühe weg und füllt mit der Gießkanne frisches Wasser nach. Es ist Mitte Oktober und ihre Lieblingsblumen blühen noch immer. Die hochstieligen Sonnenblumen mit den herzförmigen Blättern und den leuchtend gelben Blüten bilden einen schönen Kontrast zu der weißen Granitplatte. Weiß und gelb - katholisch, Hannelores Kirchenfarben. Sein Blick wandert zum Grabstein mit dem Flügelrelief eines Engels. Ein Hauch von Blütenstaub hängt in den filigran gehauenen Federn. Von den Brennnesseln am Bahndamm, denkt er. Theo nimmt die Gießkanne und lässt Wasser über den weißen Granit laufen. Ockerfarbene Rinnsale fließen aus den Steinfedern, sammeln sich zu einem trüben See auf der Grabplatte. Glitzernde Wassertropfen bleiben in der bronzenen Beschriftung hängen. Er nimmt ein Tuch und trocknet sorgsam Buchstabe für Buchstabe.

Hannelore Lasser
12.03.1959 - 28.9.2011

Anschließend wischt er die Grabplatte mit dem Lappen trocken. Zufrieden verabschiedet er sich: „Bis bald meine Liebe."
Mit ausholenden Schritten läuft er über den Kiesweg zum Ausgang.

Dreißig Jahre lebten sie miteinander. Nach der Silberhochzeit der Befund - Multiple Sklerose. Hanne tröstete ihn. „Es gibt Menschen, die MS haben und trotzdem alt werden." Sie gehörte nicht zu ihnen. Die Schübe wurden von Mal zu Mal heftiger. Die Entzündung schritt schnell voran. Sie wurde immer weniger. Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schieben musste. Ihr geschwächter Körper verlor den Kampf gegen eine Lungenembolie.

Sorgsam schließt er das schmiedeeiserne Friedhofstor, holt den Autoschlüssel aus der Hosentasche und verstaut Gießkanne und Putzeimer im Kofferraum. Kurz denkt er daran, nach Hause zu fahren, um den Rasen zu mähen. Doch die Lust, an diesem schönen Spätsommertag einen Spaziergang zu machen, ist stärker. Die Gartenarbeit muss warten.
Er läuft über den Marktplatz, sein Blick bleibt an den achtlos weggeworfenen Kippen hängen, die auf dem Kopfsteinpflaster liegen.

Wie oft hat er hier mit Schaufel und Besen den Platz gekehrt und zwischen den Steinen die Zigarettenstummel herausgepult? Theo erinnert sich … an seinen ersten Arbeitstag. Um sechs Uhr hieß es anfangen. Der Chef drückte ihm eine Holzschippe in die Hand und er schaufelte Parkbuchten und Bushaltestellen frei. Zu der Zeit gab es noch viel Schnee. Wenn die Buben mittags von der Schule kamen, bauten sie Iglus in die zur Seite geräumten Schneemassen.
Gedankenversunken geht er weiter. Links, in der Parkbucht, sieht er einen Bauwagen stehen. Theo denkt an die vielen Stunden, die er mit seinen Kollegen darin verbrachte. Immer, wenn das Wetter stürmisch wurde und der Regen kübelweise vom Himmel fiel, saßen sie im Bauwagen.
„Bei Sauwetter", so hatte der Chef erklärt, „lieber ein paar Stunden nix tun, als krank werden!“ Ja, dachte Theo, der war halt selbst auf dem Bau, nicht wie heut, da sind das lauter Studierte.
Sein Kollege und er waren froh, einen solchen Chef zu haben. Theo seufzt bei dem Gedanken an den alten Kumpel. Vierzig Jahre hatten sie zusammengearbeitet. Zwei Wochen, nachdem sein Freund in den Ruhestand ging, half er dem Schwiegersohn auf der Baustelle. Dabei fiel er kopfüber vom Gerüst. Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.

Genug der trüben Gedanken, mahnt sich Theo. Er umrundet die hohe Thujahecke, die den Spielplatz umschließt. Vor langer Zeit hatten seine Kinder hier herumgetollt. Damals war der Platz erfüllt von Geschrei, Lachen und den besorgten Rufen der Mütter. Jetzt ist es still. Er schaut sich um. Alles wurde erneuert. Da ist eine größere Schaukel. Die alte Rutsche ist weg, an ihrer Stelle steht jetzt ein Holzturm Sein Blick bleibt an dem Sandkasten hängen, der sich noch an der gleichen Stelle befindet wie damals. Theo freut sich darüber, setzt sich auf eine Bank in der Nähe. Ein einzelnes Kind kniet zwischen Eimern und Förmchen im Sand.
„Viola! Der Papa kommt gleich und holt uns ab." Die junge Mutter sitzt auf einer Bank gegenüber.
Theo hebt grüßend die Hand. Die Frau beachtet ihn nicht. Ihr Blick ist auf das Mädchen gerichtet. Die Kleine nickt als Zeichen, dass sie ihre Mutter verstanden hat. Voller Eifer und mit geröteten Wangen backt sie einen Sandkuchen nach dem andern. Sie erinnert Theo an seine Tochter Lara. Wie sie Förmchen um Förmchen füllte. Den ganzen Nachmittag konnte sie im Sandkasten verbringen. Das kleine Mädchen hat die gleichen blonden Locken wie Lara, als sie in dem Alter war. Ihm fällt auf, dass die junge Frau ihn mustert. Ihr Blick ist auf seine Knie gerichtet, nein … zwischen seine Beine! Theo folgt ihrem Blick, sein Reißverschluss steht offen. Langsam werde ich senil, denkt er. Peinlich berührt zieht er den Hosenladen zu. Aus den Augenwinkeln sieht er, wie die Frau auf ihn zukommt. Theo hebt den Kopf, als sie vor der Bank steht. Ihr Gesicht macht ihm Angst.
Ihre Augen sind weit aufgerissen, mit starrem Blick schaut sie auf ihn hinunter.
"Hau bloß ab!", schreit sie. "Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen."
Entsetzt starrt Theo die Frau an. Warum ist sie so wütend auf ihn? Er steht auf. Nur weg von dieser hysterischen Furie.
„Papi, Papi!"
Die Frau dreht sich um. Auch Theo sieht jetzt den Vater, der mit großen Schritten den Spielplatz überquert.
„Gut, dass du da bist. Dieser alte Perverse hat gerade seine Hose zugemacht. Er hat die ganze Zeit unsere Tochter beobachtet."
Der Mann verstellt Theo den Weg.
„Ich, ich …" Theo weiß nicht, was er sagen soll.
„Er soll verschwinden! Typen, wie der haben auf dem Spielplatz nichts zu suchen", sagt die Frau und stemmt die Hände in die Hüften.
„Geh mit Viola ins Auto", unterbricht sie der Mann. „Ich regle das hier schon."
Seine Augen sind zu Schlitzen zusammengepresst. Theo ist wie gelähmt vor Angst, starrt auf die Schlagadern am Hals des Mannes, die eisblau hervortreten.
„Verschwinde! Sofort! Und wenn ich dich noch einmal hier sehe, dann prügle ich dich windelweich." Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, gibt der Mann Theo einen Stoß, dass dieser nach hinten fällt und hart mit dem Kopf auf der Bank aufschlägt.

Sandra Nolke schlägt die Tageszeitung auf. Sie erschrickt, als sie den Polizeibericht liest.
Für den Vorfall, der sich letzte Woche auf dem Kinderspielplatz in der Hahngasse ereignet hat, werden Zeugen gesucht. Ein 69-jähriger Rentner wurde von einem Mann (ca. 40 Jahre, braunes Haar, ca. 1,85 m groß, Brillenträger) gestoßen und hat infolge des Sturzes schwere Kopfverletzungen erlitten. Wer Angaben machen kann …
Sandra lässt die Zeitung sinken.
Das kann doch nicht wahr sein. Marco hat diesem Pädophilen doch nur klargemacht, dass er auf dem Spielplatz nichts verloren hat. Geschieht dem doch ganz recht, dass er verletzt ist. Sandra steht auf, läuft unruhig hin und her. Sucht die Polizei schon nach Marco? Hat jemand die Szene auf dem Spielplatz beobachtet? Nein, sagt sie sich. Nein. Da war niemand. Vielleicht hinter einem der Fenster des Wohnblocks? Das wäre möglich. Oh Gott! Verzweiflung steigt in ihr auf. Was, wenn es zu einem Prozess kommt und ihr Mann wegen Körperverletzung verurteilt wird? Bei dem Gedanken wird ihr übel. Dann ist Marco mit Sicherheit seinen Job los. Am Ende sperren die ihn noch in den Knast. Nein. Da war nur eine Platzwunde an seinem Kopf. Harmlos. Wieso schreiben die in der Zeitung — bewusstlos und schwer verletzt? Beruhige dich, mahnt sich Sandra. Denk nicht daran. Denk da jetzt nicht dran! Zwei Schritte und sie steht am Fenster, blickt durch die zugezogene Gardine auf die Straße. Ist die Polizei schon da? Verzweifelt läuft sie ins Schlafzimmer, um auf der anderen Straßenseite nachzuschauen. Nein, es ist kein Streifenwagen, der in die Straße einbiegt. Wütend wirft sie die Lapislazuli-Obelisken um. Die Deko landet krachend auf dem Boden. Was hatte Mama gesagt: „Sie sollen alle Sorgen vertreiben und dich beschützen." Verzweifelt schlägt sie beide Hände vors Gesicht, atmet tief ein. Sie muss zu dem Alten gehen, mit ihm reden. Ihn davon überzeugen, dass Marco ihm nur Angst einjagen wollte.
Sandra hetzt zurück ins Wohnzimmer, greift nach der Zeitung. Hier steht es: Der Mann wurde ins Krankenhaus eingeliefert.
Wie gut, dass heute Oma-Tag ist. Ihre Mutter bringt Viola erst um 18:00 Uhr nach Hause. Bis dahin ist Sandra wieder zurück.

Als Theo wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Tastend fühlten seine Hände nach dem Verband um seinen Kopf.
Eine Krankenschwester stand an seinem Bett. „Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen? Der Arzt wird gleich kommen, und die Polizei hat ein paar Fragen an Sie."
Theo spürte einen pochenden Schmerz am Hinterkopf und sein Rücken tat weh. So viele Bilder in seinen Gedanken: Das Kind im Sandkasten, die wütende Frau, der Mann, der ihn gestoßen hat. Die Angst war wieder da.
„Soll ich Ihnen ein Schmerzmittel bringen?“, fragte die Krankenschwester.

Theo hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Platzwunde am Hinterkopf und Prellungen an der linken Schulter und dem Handgelenk.
So die Diagnose des Arztes. Von den beiden Polizisten erfuhr er: „Zwei Kinder fanden Sie auf dem Spielplatz. Die Eltern hatten uns und den Notarzt verständigt."
Ihm war übel, er musste sich übergeben. Die beiden Polizisten würden wiederkommen.

Ein Klopfen an der Tür lässt Theo aufschrecken. „Herein!" Zu seiner Überraschung waren es nicht die Polizisten, sondern die junge Frau vom Spielplatz, die jetzt eintrat.
„Was wollen Sie hier?", fragt er verständnislos.
„Ich möchte Sie …", setzt die Frau an. Theo sieht sie schlucken und wie sie nervös ihre Hände knetet. „Ich möchte Sie bitten, meinen Mann nicht anzuzeigen", bringt sie den Satz schließlich zu Ende.
Sie war so leise, dass Theo genau hinhören muss, um ihre Worte zu verstehen.
Er versucht sich im Bett aufzusetzen, was ihm Schmerzen bereitet. „Junge Frau, ich bin kein Perverser oder Pädophiler, für was auch immer Sie mich halten. Ich war auf dem Spielplatz, weil meine Kinder dort gespielt haben. Es ist ein Ort der Erinnerung für mich. Ihr Lachen, ihr Spiel. Sie vermitteln so viel Lebensfreude. Meine Tochter und mein Enkelkind leben im Ausland."
„Und warum war dann ihre Hose auf?“, flüstert die Frau.
Theos Lippen verziehen sich zu einem verlegenen Lächeln. „Ein Missgeschick. Ich werde langsam schusselig da oben." Er tippt sich an die Stirn.
Theo sieht, wie erst ihre Lippen, dann der ganze Körper zu zittern beginnen, wie ihr Tränen in die Augen steigen.
„Darf ich mich setzen?"
Seine Hände verkrampfen sich in der Bettdecke. Am liebsten würde er sie über den Kopf ziehen. Stumm blickt er auf das Beben ihrer Schultern, wie sie die Hände auf den Mund presst, um das Schluchzen zu unterdrücken. Haltsuchend lehnt sie sich gegen die Wand. Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen.

 
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Ein alter Mann, der langsam senil wird und sich unter anderem daraus diese
schlimme Situation entwickelt, kein Mitleid?
Ein alter Mann, der langsam senil wird und dadurch in eine schlimme Situation kommt, kann natürlich auch in mir Mitleid erzeugen. Dazu muss ich ihn aber auch in dieser Situation richtig miterleben in meinem Kopf. Leider erschwert mir die Geschichte das, so wie ich sie lese, und das muss natürlich nicht die Lesart sein, die du im Sinne gehabt haben magst.

Dann möchte ich meinen Vorschlag etwas abwandeln, so dass am Ende deine Geschichte rauskommt, nicht meine: Eine Erinnerung an seine Zeit mit seiner Frau, als er einmal außer sich geraten war, da sich ein Dritter dämlich/daneben/debil benommen hat und er einen falschen Schluss daraus gezogen hatte. Diese Erinnerung sollte im ersten Teil behandelt werden und könnte durchaus etwas mit Grabpflege zu tun haben. So bezöge sich der erste Teil auf den zweiten und die beiden wären nicht mehr so zusammenhanglos. Diese Erinnerung würde sozusagen auf sein eigenes Debakel vorausweisen, ohne dass du aber notwendig diesen Zusammenhang explizit machen musst, du kannst das dem Leser überlassen.

 

CoK

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Liebe @Silvita

Danke fürs noch mal vorbeischauen und die Nachkorrektur.
Ich freue mich, wenn ich lesen darf das dir meine Art zu schreiben gefällt.

Ja, das kann ich verstehen, wobei es wirklich nicht nötig wäre, sorgsam und leise zu benutzen. Er agiert alles in allem so liebevoll, dass es mir als Leser total klar ist.
Ich lasse ihn jetzt das Friedhofstor sorgsam zumachen.
Das habe ich sehr gerne gemacht und habe grad auch nochmal die Überarbeitung gelesen. Einige Stellen wie die mit der Obelisken-Deko sind noch gleich, das hat mich etwas irritiert. Aber vielleicht gehst Du da noch mal ran.
CoK schrieb:
Das sind sehr schöne Dekosteine. In Form eines Obelisken aus Lapislazuli.
Ich kann nicht ganz verstehen, warum das erzwungen wirkt.
Wenn Bambus anstatt Lapislazuli verlangt gewesen wäre, hätte ich geschrieben, dass ich eine Wand im Schlafzimmer mit Bambus bemalt habe. Wahrscheinlich hätte ich das gleiche Problem gehabt und ich habe wirklich eine Wand mit Bambus bemalt.
Ich habe mir hier die unterschiedlichsten Variationen überlegt und ich will keine Kette und ich möchte auch nicht irgendwas war schon ein paarmal geschrieben wurde. Für mich ist das eine schöne Idee.
Bei den Rückblenden würde ich einen Absatz machen.
Gemacht
Zigarettenkippen herausgepult?
Kennst du das nicht? Bis jetzt bist du die Einzige! Sollten es noch mehr werden, die nicht wissen, was es ist, werde ich es umschreiben.
Theo erinnert sich ...
… gemacht
Hier steht immer noch es. Das passt nicht.
Sie
Er erinnert sich ja nicht allein an das Mädchen, sondern an Sandkuchen backen … Es erinnert ihn an die Situation.
Lässt Du die Stelle so oder wird das noch überarbeitet?
Ich hatte zu Anfang gedacht sie hat nur die Farben im Kopf. Nicht das Wort Streifenwagen. Da du es noch mal schreibst habe ich mir überlegt, daß Streifenwagen ja auch anders aussehen können und habe dein Vorschlag übernommen.👍
Oma-Tag
Gemacht-
Auch bleiben noch Fragen offen, wie z.B. warum lässt der Vater den Mann einfach auf der Bank
Hier müsste ich noch mal eine neue Perspektive aufzeigen die des Vaters. Das ist aber nicht meine Ambition.

Der Zeitenwechsel. - Ist doch ein anderer Zeitpunkt.


Lieben Dank für deine Zeit und deine tollen Vorschläge.

Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende
Liebe Grüße CoK


Lieber @rainsen

ich freue mich dass du eine Geschichte gelesen hast.

Da er den Bauwagen ja kennt, könntest du das auch so schreiben (zB "...steht der Bauwagen
Ich weiß ja nicht ob es die gleiche Bauwagen ist.
zwischen
Verbessert
bäckt hab ich noch nie gehört - ist das Dialekt?
🧐Vielleicht weiß es Friedl?
Müsste eigentlich ein Bindestrich rein, also "69-jähriger Rentner"
Gemacht-
Das Apostroph kann laut Duden weg (vors statt vor's, so wie auch aufs, ins, etc)
Verbessert
dass heute Oma-Tag ist.
-Gemacht
Hier würde ich keinen Zeilenbruch reinmachen, das gehört ja zusammen.
OK
Der Satz sollte in der Gegenwart geschrieben sein: ....ist....muss...
Ok
Ich finde es würde echter wirken, wenn sie sagte: "Und warum war dann ihre Hose auf?"
Außerdem könnte ich mir eher vorstellen, dass sie hier nicht flüstert, sondern mit etwas Nachdruck fragt, da sie ihn ja (auch wenn sie ein schlechtes Gewissen haben mag) auch nach lesen des Artikels noch als Pädophiler bezeichnet. Da könnte ich mir also vorstellen, dass dieses Gefühl noch in ihr lodert. "...flüstert die Frau" wirkt dagegen so sanft.
Habe ich übernommen. Die Frau flüstert weil sie am liebsten nicht dort wäre am liebsten würde sie in ein Mauseloch kriechen und sich unsichtbar machen.
Little Children" mit Kate Winslet gut dargestellt, wie ich finde.
Kenne ich nicht. Habe es auf meine Film-Liste geschrieben.

Lieben Dank für deine Zeit und deine Korrektur, du hast mir wie immer geholfen.

Liebe Grüße aus dem Schwabenländle
CoK

Hallo @Kanji

Wie schön das du meine Geschichte auch gelesen hast, dass freut mich.

Einen Bezug zum Titel als Straßenkehrer verläuft sich leider etwas.
Ich hatte die Berufsbezeichnung Straßenkehrer nochmal im Text. Wirkte da etwas verloren und ist deshalb nur noch im Titel.
Ich hätte mir gewünscht, dass du dir mehr Zeit gelassen hättest. Du erzählst doch so schön. ;)Mein erster Gedanke nach Beendigung des Lesens war: wäre es interessant gewesen, wenn es Parallelerzählstränge gegeben hätte? Dann wäre zum Beispiel der Dialog über den geöffneten Reißverschluss nicht nötig gewesen. Oder das Mädchen hätte nicht zufällig seiner Tochter geähnelt. Der Lapislazuli hätte einen besonderen Stellenwert für Sandra erhalten.
Ich weiß dass die Geschichte noch viel länger hätte sein können und noch viel mehr dazu Parallelstränge usw. Doch das wäre dann nicht mehr meine Geschichte gewesen und auch nicht meine Ambition.
In der Eile der Erzählung war ich nicht so gut in der Lage mitzufühlen, ich konnte es zur Kenntnis nehmen, wie ich es bei einem Artikel der Zeitung kann und denken: Sachen gibt’s. :shy:
Jetzt kannst du meinen Leseeindruck zur Kenntnis nehmen. Achselzuckend, wenn du willst. :D
Vielleicht ist es dem Umstand geschuldet dass mir noch die nötige Erfahrung fehlt. Eines kann ich versichern in Eile geschrieben ist diese Geschichte nicht.
Der Leseeindruck tut mir leid. Kein Achselzucken.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
Lieber Gruß CoK


Hallo @wörtherr

Nochmal ein Kommentar.
Dankeschön.

Dann möchte ich meinen Vorschlag etwas abwandeln, so dass am Ende deine Geschichte rauskommt, nicht meine: Eine Erinnerung an seine Zeit mit seiner Frau, als er einmal außer sich geraten war, da sich ein Dritter dämlich/daneben/debil benommen hat und er einen falschen Schluss daraus gezogen hatte. Diese Erinnerung sollte im ersten Teil behandelt werden und könnte durchaus etwas mit Grabpflege zu tun haben. So bezöge sich der erste Teil auf den zweiten und die beiden wären nicht mehr so zusammenhanglos. Diese Erinnerung würde sozusagen auf sein eigenes Debakel vorausweisen, ohne dass du aber notwendig diesen Zusammenhang explizit machen musst, du kannst das dem Leser überlassen.
Das wäre eine andere Geschichte und hätte mit meiner nichts zu tun.
Ich empfinde meine Geschichte nicht als Zusammenhanglos.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
CoK

 
Monster-WG
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04.03.2018
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Liebe @CoK,

So jetzt komme ich zu Deinem Kommentar. Erst mal: schön, dass Du mit dabei bist. Eine melancholische, nachdenkliche Geschichte hast Du geschrieben, liebe CoK. Auch ein Text über Verluste im Alter, über ein beinahe tragisches Missverständnis und auch über die Zeichen der Zeit. War es früher normal, sich bei Regen mal in den Bauwagen zu setzen, wird da heute von oben was anderes diktiert.
Den Protagonisten hast du gut getroffen, ein friedfertiger, einfacher Mann, der den Großteil seines Lebens gelebt hat, der einige Menschen schon verabschieden musste, der in Erinnerungen schwelgt.
Was ihm widerfährt, entsteht aus dem Nichts, schaukelt sich hoch aus einem dummen Missverständnis, gefolgt von einem Schubser mit unglücklichen Ausgang. Da steckt was drin an Ungeduld, an kurzer Lunte, die bei einigen Zeitgenossen zu beobachten ist und hier trifft es den Theo. Immerhin besitzt Sandra den Anstand, zu Theo ins Krankenhaus zu gehen, und darum zu bitten, dass er ihren Mann nicht anzeigt. Sympathisch wird sie mir nicht, dafür ist sie zu schnell mit massiven Unterstellungen bei der Hand. Dabei hat sie nur gesehen, wie er seine Hose zumachte.

Dieser alte Perverse hat gerade seine Hose zugemacht. Er hat die ganze Zeit unsere Tochter beobachtet.
Sie ist diejenige, die den Stein ins Rollen bringt, ihren Mann erst auf Theo "ansetzt". Wo kommt das her? Was ist das? Übersteigerte Missbrauchssensibilität? Warum redet man nicht mehr miteinander? Und warum lässt der Mann ihn bewusstlos liegen? Wenn das Gebilde so zerbrechlich ist, dass alles zusammenzustürzen droht:
Oh Gott! Verzweiflung steigt in ihr auf. Was, wenn es zu einem Prozess kommt und ihr Mann wegen Körperverletzung verurteilt wird? Bei dem Gedanken wird ihr übel. Dann ist Marco mit Sicherheit seinen Job los. Am Ende sperren die ihn noch in den Knast.
Gerade dann sollte ich doch eigentlich zurückhaltend sein? Unrealistisch ist das nicht, manche Menschen ticken anders, reagieren impulsiv, haben sich nicht im Griff.
Was ich nicht verstehe, ist das Ende. Was beginnt sie Theo zu erzählen? Ich habe keinen Schimmer. Ich sehe auch diese persönliche Ebene, die zum Austausch einladen würde, nicht gegeben. Du sagst ja auch, Theo sei überfordert. Also muss der Druck, etwas loszuwerden schon sehr groß sein, ich kann aber nur spekulieren.

Textkram:

Voller Eifer und mit geröteten Wangen bäckt sie einen Sandkuchen nach dem andern.
backt.
Es erinnert Theo an seine Tochter Lara.
Sie
Nein, es ist kein Streifenwagen, das in die Straße einbiegt.
der
Wieso schreiben die in der Zeitung - bewusstlos und schwer verletzt?
Der richtige Strich ist der hier: – , das andere ist ein Minus.
Bis dahin bin ich wieder zurück.
Da wechselst Du in die Ich-Perspektive. Bis dahin ist sie wieder zurück.
„Ich möchte Sie", setzt die Frau an.
Wenn Du den Satz abbrichst, besser drei Punkte setzen. „Ich möchte Sie ...", setzt die Frau an.
Theo sieht sie schlucken und wie sie nervös ihre Hände knetet.
Besser: Theo sieht sie schlucken und nervös ihre Hände kneten.

Schönen Abend noch, peace, l2f

 
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09.12.2019
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Hallo @CoK ,

Weil es in der Vergangenheit war.

dieser Inhalt wurde ja auch in anderen Kommentaren aufgegriffen, daher nur noch kurz:

Ich habe auch nach einem erneuten Lesen nicht verstanden, warum du nicht konsequent dabei bleibst, in der Gegenwart zu schreiben. Es ist auch so natürlich formal alles korrekt, aber welchen Grund hast du hierfür?

Es unterbricht schon etwas den Lesefluss, da fängt man halt an zu überlegen, warum sich nun die Zeit ändert, ob man etwas übersehen hat. Auch deswegen, da die Handlung ja dennoch von Absatz zu Absatz voranschreitet.

Viele Grüße,
Rob

 
Monster-WG
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20.08.2019
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Guten Morgen @CoK

Danke fürs noch mal vorbeischauen und die Nachkorrektur.
Ich freue mich, wenn ich lesen darf das dir meine Art zu schreiben gefällt.

Gern geschehen.
Das ist schön :)

Ich lasse ihn jetzt das Friedhofstor sorgsam zumachen.

:thumbsup:

Das sind sehr schöne Dekosteine. In Form eines Obelisken aus Lapislazuli.
Ich kann nicht ganz verstehen, warum das erzwungen wirkt.
Wenn Bambus anstatt Lapislazuli verlangt gewesen wäre, hätte ich geschrieben, dass ich eine Wand im Schlafzimmer mit Bambus bemalt habe. Wahrscheinlich hätte ich das gleiche Problem gehabt und ich habe wirklich eine Wand mit Bambus bemalt.
Ich habe mir hier die unterschiedlichsten Variationen überlegt und ich will keine Kette und ich möchte auch nicht irgendwas war schon ein paarmal geschrieben wurde. Für mich ist das eine schöne Idee.

Also die Deko an sich wirkt nicht erzwungen. Ich hab schon verstanden, was das ist.
Aber ich denke, das Ziel der Challenge ist, dass man die Worte möglichst geschickt einbaut, so dass sie praktisch kaum auffallen. Das ist Dir bei den anderen Wörtern super gelungen. Nur das mit der Deko, das springt halt mega ins Auge. Dadurch wirkt es irgendwie erzwungen.
Aber ich kann natürlich verstehen, wenn Du es so lassen möchtest.

Zigarettenkippen herausgepult?
Kennst du das nicht? Bis jetzt bist du die Einzige! Sollten es noch mehr werden, die nicht wissen, was es ist, werde ich es umschreiben.

Mh. Hatte ich das zitiert? Kann mich gar nicht erinnern. Doch - ich weiß, was Zigaretten herauspulen ist. Falls ich das zitiert hab, tut es mir leid. Dann wars ein Missverständnis.

Er erinnert sich ja nicht allein an das Mädchen, sondern an Sandkuchen backen … Es erinnert ihn an die Situation.

Ach so. Dann vielleicht .. Die Szene erinnert ihn ...?

Ich hatte zu Anfang gedacht sie hat nur die Farben im Kopf. Nicht das Wort Streifenwagen. Da du es noch mal schreibst habe ich mir überlegt, daß Streifenwagen ja auch anders aussehen können und habe dein Vorschlag übernommen

Das ist schön.

Hier müsste ich noch mal eine neue Perspektive aufzeigen die des Vaters. Das ist aber nicht meine Ambition.

Ok. Das kann ich verstehen.

Der Zeitenwechsel. - Ist doch ein anderer Zeitpunkt.


Lieben Dank für deine Zeit und deine tollen Vorschläge.

Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende


Das hab ich jetzt auch kapiert. Für mich hat sich das so fortlaufend gelesen.

Gern geschehen.

Vielen Dank! Hab einen schönen Sonntag.

Liebe Grüße,
Silvita

 
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12.04.2007
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@rainsen

bäckt hab ich noch nie gehört - ist das Dialekt?

🧐Vielleicht weiß es Friedl?

Was meinstu,

lieber rainsen,

wie der „Bäcker“ entstanden ist?

Nee, ist kein Dialekt, sondern Hochsprache

backt/bäckt – backte/buk (- „buk“, veraltend“ lt. Duden, werd ich aber zeitlebens bevorzugen weil der Konjunktiv irrealis – „büke“ – bei mir allemal den Vorrang hat vor „backte“, also leichter zu erkennen ist.)

Tschüss und schönen Restsonntag ausm Pott

Friedel

 

CoK

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24.08.2020
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Lieber @linkoflink

herzlichen Dank, dass du meine Geschichte gelesen, kommentiert und korrigiert hast.

Ich habe das jetzt noch mal nachgelesen bäckt, ist anscheinend veraltet.
Silvita und rainsen hatten das auch schon markiert. Ich habe es jetzt geändert.
Geändert
Geändert
Der richtige Strich ist der hier: – , das andere ist ein Minus
Geändert in Halbgeviertstrich
Da wechselst Du in die Ich-Perspektive. Bis dahin ist sie wieder zurück
Geändert
Wenn Du den Satz abbrichst, besser drei Punkte setzen. „Ich möchte Sie ...", setzt die Frau an.
… Eingefügt
Du sagst ja auch, Theo sei überfordert. Also muss der Druck, etwas loszuwerden schon sehr groß sein, ich kann aber nur spekulieren.
Findest Du es schlimm falsch, wenn ich Fragen unbeantwortet lasse?

Ich habe mich über Deine Hilfe gefreut.

Wünsche Dir einen schönen Abend
Liebe Grüße CoK

Hallo @ RobF

Ich habe auch nach einem erneuten Lesen nicht verstanden, warum du nicht konsequent dabei bleibst, in der Gegenwart zu schreiben. Es ist auch so natürlich formal alles korrekt, aber welchen Grund hast du hierfür?
Vergangenheit, — als Theo erwacht im Krankenhaus zu sich kommt. Besuch der Polizei.
Dann klopft es an der Tür und Sandra kommt — Gegenwart
Sorry, wenn es bei Dir den Lesefluss unterbricht. Für mich hat sich das richtig angefühlt.

Ich wünsche dir einen schönen Abend
Lieber Gruß CoK

 
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10.02.2021
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Liebe @CoK ,

herzlichen Dank für diese Geschichte. Du machst ein Thema auf, das wirklich außerordentlich die Gemüter zu bewegen vermag.

Mir kam auch gleich ‚The children‘ in den Sinn. Nur kann ich kaum empfehlen den Film anzusehen. Er verspricht eine verkorkste romantische Geschichte und ist in Wahrheit ein tragisches Drama um einen Pädophilen. Das erwähne ich, da ich meine, dass deine Geschichte den Konflikt der Situation um einen Mann auf dem Spielplatz ganz anders aufgreift und behandelt. Meines Erachtens: Deutlich nachvollziehbarer für missbrauchssensible Menschen.

Zu Deiner Geschichte: Mir geht es ähnlich wie den Anderen, die bereits Kommentare formuliert haben. Der Protagonist geht mir ans Herz und ich wünsche mir sehr, dass die Situation auf dem Spielplatz sich ohne physische Gewalt löst. Das ist leider nicht der Fall und mit Erschrecken folge ich Sandra beim Lesen und Verstehen des Ausmaßes der Konsequenzen ihres Verhaltens. Danach wird mir die Geschichte auch zu hastig und ich bin enttäuscht über das offene Ende.

Du schreibst, dass das offene Ende intendiert ist. Ich bin allgemein kein Freund von dieser Variante eine Geschichte zu beenden. Wenn Du das aber schon machen möchtest, geht die Frage, was Sandra wohl erlebt haben mag, meines Erachtens am Konflikt Deines Plots vorbei. Wie bereits von Anderen geschrieben: Ihre Überreaktion und die Eskalation ist auch ohne dramatische Kindheit plausibel bzw. das erschließe ich mir aus dem Kontext. Eine viel interessantere Frage wäre für mich, ob sie bereit ist dem vermeintlich Pädohilen zuzuhören und damit das Risiko einzugehen, dass ihr Weltbild Risse bekommt.

Zudem steht für mich die Frage im Raum, ob er bereit ist seinen Angreifern zu verzeihen. Sein Missgeschick ist ihm peinlich, er leidet und hat Schmerzen. Reicht seine Menschenfreundlichkeit aus, das er ihr die Hand zur Versöhnung reicht? Das würde ich als Deine Leserin schon wirklich gerne wissen oder ich würde wenigstens gerne eine Idee der Lösung bekommen. Andernfalls lässt mich die Geschichte mit Fragen zurück, die um Stilfragen und -mittel von Kurzgeschichten drehen anstatt um den Inhalt. Und ich denke, das ist nicht der Sinn von Deinem offenen Ende, oder?

Viele Grüße
Die chrio

 

CoK

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24.08.2020
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Liebe @Chrio

herzlichen Dank, dass du meine Geschichte gelesen hast.

Eine viel interessantere Frage wäre für mich, ob sie bereit ist dem vermeintlich Pädohilen zuzuhören und damit das Risiko einzugehen, dass ihr Weltbild Risse bekommt.
ich denke sie hat ihm zugehört.
Junge Frau, ich bin kein Perverser oder Pädophiler, für was auch immer Sie mich halten. Ich war auf dem Spielplatz, weil meine Kinder dort gespielt haben. Es ist ein Ort der Erinnerung für mich. Es gibt nichts Schöneres als diese Kleinen. Ihr Lachen, ihr Spiel. Sie vermitteln so viel Lebensfreude."
„Und warum war dann ihre Hose auf?“, flüstert die Frau.
Theos Lippen verziehen sich zu einem verlegenen Lächeln. „Ein Missgeschick. Ich werde langsam schusselig da oben." Er tippt sich an die Stirn.

Zudem steht für mich die Frage im Raum, ob er bereit ist seinen Angreifern zu verzeihen. Sein Missgeschick ist ihm peinlich, er leidet und hat Schmerzen. Reicht seine Menschenfreundlichkeit aus, das er ihr die Hand zur Versöhnung reicht? Das würde ich als Deine Leserin schon wirklich gerne wissen oder ich würde wenigstens gerne eine Idee der Lösung bekommen
Ich kann dir deine Frage nicht beantworten, weil ich die Antwort nicht kenne Ich habe das bei einem anderen Kommentator schon einmal angeführt.
Es gibt so viele Möglichkeiten, wie diese Geschichte ausgehen kann. Meine Erzählung sollte davon handeln, wie schnell gerade Männer in eine Situation geraten können, mit der sie nie gerechnet haben.
Zum anderen, wie schnell wir alle bereit sind zu beurteilen und zu verurteilen.
Gerade Mütter aus Sorge und Angst.
Es tut mir leid wenn ich deinen Erwartungen nicht gerecht werden.

Ich wünsche dir einen schönen Abend
Liebe Grüße CoK

 
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Beitritt
09.09.2015
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412

Hallo @CoK,

ist ja mächtig was los unter deiner Geschichte, und wie ich beim Überfliegen der Kommentare sah, gibt es zu einigen Aspekten konträre Meinungen. Super!

Nachdem die erste Verunsicherung überwunden ist, hat man nämlich als Autor Motiv und Chance noch mal extra tief in den Text einzutauchen und sich zu entscheiden – will ich verändern oder liegt mir gerade dies und das besonders am Herzen und sich vor allem fragen: Warum ist das so. Auch wenn's ab und an weh tun kann, man kommt aus dem Prozess gestärkt und klüger heraus. :lol:
Was für ein ausschweifender, umständlicher Einstieg, dabei bin nur gekommen, um dir zu sagen, dass ich es klasse finde, dass du in deinen Geschichten den einfachen Leuten ein Gesicht gibst. Ich mag den Straßenkehrer nämlich. Anfänglich nehme ich ihn als stillen, leidgeprüften, einfühlsamen Mann wahr (Die Szene auf dem Friedhof ist stark, atmosphärisch dicht und stellt den Charakter gut vor.) Später kommt er mir recht naiv, sogar ein bisschen einfältig vor, aber er bleibt sympathisch, gerade wegen seiner Hilflosigkeit.

Ich will dir nicht verschweigen, dass ich auch denke, dass Teil A der KG (Friedhof, aus dem Leben gerissen werden, Schicksalsschläge) und Teil B (Pädophilie, billigende Inkaufnahme der Körperverletzung sogar Tod, nicht zu seiner Schuld stehen wollen) keine wirkliche Verbindung haben, abgesehen davon, dass der Straßenkehrer das Verbindungsglied ist, der sich erinnert oder die Erlebnisse hat. Mir erscheinen die Ereignisse zufällig aneinandergefügt. Kann sein, dass ich zu engstirnig bin, dass ich mich von schlauen Theorien bezüglich der Anforderungen an Geschichten beeindrucken lasse. Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, deine Geschichte noch ein bisschen sacken zu lassen und vielleicht gelingt es mir, die Geschichte so zu beurteilen, wie es @Fliege tut. Das hat nämlich auch was, dieser Wechsel des Blickwinkels.
Und dann sag ich mir: Warum soll man eigentlich nicht mal aus der Reihe tanzen?

Ein paar Erbsen hab ich gezählt. Hier sind sie. Alles nur Anregungen, meiner Harmoniesucht entsprungen.

Kurz denkt er daran, nach Hause zu fahren, um die Bäume und Sträucher zu schneiden. Doch die Lust, an diesem schönen Spätsommertag einen Spaziergang zu machen, ist stärker. Die Gartenarbeit muss warten.
Noch mal Glück gehabt, der Theo. Bäume und Sträucher schneidet man in der Regel im zeitigen Frühjahr. Ich kenne nur den japanischen Ahorn, der im Juli/August einen Schnitt verlangt.
Vllt. könnte Theo sich vor Rasenmäharbeiten drücken?

Er läuft über das Kopfsteinpflaster am Marktplatz.
Hört sich etwas ungelenk an. Worüber sollte er sonst laufen, wenn da nun mal Kopfsteinpflaster liegt.
Vllt: Er läuft über den Marktplatz, mustert/inspiziert/betrachtet das Kopfsteinpflaster. Alles beim Alten.
Da hättest du den Übergang zu den Kippen. Theo könnte sich auch eine Zigarette anzünden, oder ist er Nichtraucher?
Möglicherweise hast du eine bessere Lösung.
Wie oft hat er hier mit Schaufel und Besen den Platz gekehrt und zwischen den Steinfugen die Zigarettenkippen herausgepult?
aus den Fugen oder zwischen den Steinen herausgepult

„Bei Sauwetter", so hatte der Chef erklärt, „lieber ein paar Stunden nix tun, als krank werden!“ Ja, dachte Theo, der war halt selbst auf dem Bau, nicht wie heut, da sind das lauter Studierte.
Schick, dieser Einblick in Theos Kopf.

Genug der trüben Gedanken, mahnt sich Theo. Er umrundet die hohe Tujahecke,
Thujahecke

Da ist eine Holzschaukel. Die alte Rutsche ist weg, an ihrer Stelle steht jetzt ein Holzturm.
kein Beinbruch, müsste aber nicht sein, die Doppelung

Sein Blick schweift weiter, bleibt an dem Sandkasten hängen, der sich noch an der gleichen Stelle befindet wie damals.
Ich denke, man kann den Blick nur schweifen lassen.

Theo hebt grüßend die Hand. Die Frau beachtet ihn nicht.
Ach, der Theo. Ist schon ein feiner Kerl. Hätte die Mutter einen Blick für ihn gehabt, hätte sie ihn möglicherweise anders eingeschätzt.

„Er soll verschwinden! Typen wie der haben auf dem Spielplatz nichts zu suchen",
Typen KOMMA wie der

Wie gut, dass heute Oma-Tag ist. Ihre Mutter bringt Viola erst um 18:00 Uhr nach Hause. Bis dahin ist sie wieder zurück.
Besser Sandra, weil das sie sich auf Viola bezieht

Ihm war übel, er musste sich übergeben. Die beiden Polizisten würden wiederkommen, wenn es ihm besser geht.
Das geht ist Vorschlag von @Friedrichard, der ist ja in G/RS sehr sattelfest. Trotzdem Frage: Müsste das nicht ging heißen, um in der Zeitform zu bleiben?

„Ich möchte Sie …", setzt die Frau an. Theo sieht sie schlucken und wie sie nervös ihre Hände knetet. „Ich möchte Sie bitten, meinen Mann nicht anzuzeigen", bringt sie den Satz schließlich zu Ende.
Heikle Sache. Ich behaupte ja, dass Theo keinen Einfluss darauf hat. Das entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob Anklage oder nicht. Theo kann nur sagen: „Nein, das ist nicht der Mann. Der mich geschubst hat, sah anders aus.“ Aber sollte es andere Zeugen geben, wird's eng für den Papa.

Es gibt nichts Schöneres als diese Kleinen. Ihr Lachen, ihr Spiel. Sie vermitteln so viel Lebensfreude."
Sei mir nicht böse, aber ich finde den Satz aus dem Mund von Theo einfach übertrieben schmalzig.

Die Situation überfordert ihn. Stumm blickt er auf das Beben ihrer Schultern, wie sie die Hände auf den Mund presst, um das Schluchzen zu unterdrücken. Haltsuchend lehnt sie sich gegen die Wand. Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen.
Ich mag das Ende, es ist offen und lässt hoffen: Worauf? Auf gegenseitiges Verstehen und spätere Versöhnung.

Liebe CoK,
danke für die Geschichte.
Liebe Grüße von peregrina

 
Seniors
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MuttertexT:
Ihm war übel, er musste sich übergeben. Die beiden Polizisten würden wiederkommen, wenn es ihm besser geht.
Das geht ist Vorschlag von @Friedrichard, der ist ja in G/RS sehr sattelfest. Trotzdem Frage: Müsste das nicht ging heißen, um in der Zeitform zu bleiben?bemerkt @peregrina
kann man, muss man aber nicht.
Warum, fragt

ihr zwo

sicherlich.
a) ist "würde" inzwischen selbst beim Duden im schlichten Futur I neben dem eigentlich korrekteren "Die beiden Polizisten werden wiederkommen, wenn ..." angekommen (Sprachwandel ist gelebte Demokratie) und
b) setzt das "wenn" eine Bedingung (eben, dass es dem Manne besser geht) und "ging" ist Indikativ, das klangvollere "ginge"Konj. irrealis, braucht es aber nicht wegen des Konditionals "wenn, dann ..." und hat die Wirkung eines historischen Futurs, das man übrigens insgesamt einsetzen kann etwa der Art "die beiden Polizisten kommen wieder, wenn es ihm besser geht, wobei das "wenn" zugleich temporal wirkt.

Wenn noch fragen sind, keine Scheu,

meint der

Friedel

 

CoK

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Liebe @peregrina

es freut mich, dass du meine Geschichte gelesen hast. Lieben Dank für deinen Kommentar und deine Korrektur.

Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, deine Geschichte noch ein bisschen sacken zu lassen und vielleicht gelingt es mir, die Geschichte so zu beurteilen, wie es @Fliege tut. Das hat nämlich auch was, dieser Wechsel des Blickwinkels.
Vielleicht hast du ja mal Zeit und Muße, mir mitzuteilen,wie du über die Geschichte denkst, nach dem sacken lassen.
Es würde mich interessieren, nachdem mich die Kommentare doch verunsichern.
Noch mal Glück gehabt, der Theo. Bäume und Sträucher schneidet man in der Regel im zeitigen Frühjahr. Ich kenne nur den japanischen Ahorn, der im Juli/August einen Schnitt verlangt.
Vllt. könnte Theo sich vor Rasenmäharbeiten drücken?
Wir müssen unsere Bäume und Sträucher zweimal im Jahr schneiden und aus gegebenen Anlässen leider auch oft schon im Oktober.
Dass der Theo das natürlich anders machen kann, ist mir erst klar geworden, nachdem du es geschrieben hast. Er mäht jetzt den Rasen.
aus den Fugen oder zwischen den Steinen herausgepult
aus.
Thujahecke
Ich wusste doch, dass an der Hecke was nicht stimmt
Typen KOMMA wie der
Gemacht
Besser Sandra, weil das sie sich auf Viola bezieht
Ich habe Sandra geschrieben.
Das geht ist Vorschlag von @Friedrichard, der ist ja in G/RS sehr sattelfest. Trotzdem Frage: Müsste das nicht ging heißen, um in der Zeitform zu bleiben?
Der Satz ist weg.:)
Heikle Sache. Ich behaupte ja, dass Theo keinen Einfluss darauf hat. Das entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob Anklage oder nicht. Theo kann nur sagen: „Nein, das ist nicht der Mann. Der mich geschubst hat, sah anders aus.“ Aber sollte es andere Zeugen geben, wird's eng für den Papa.
Ja, das weißt Du und ich weiß es auch aber Sandra weiß es nicht. Sie ist einfach nur durch den Wind und muss etwas tun.
Sei mir nicht böse, aber ich finde den Satz aus dem Mund von Theo einfach übertrieben schmalzig.
Na ja ich mag’s ja schmalzig. Muss aber nicht übertrieben sein, deshalb habe ich es geändert.
kein Beinbruch, müsste aber nicht sein, die Doppelung
Ich habe jetzt große Schaukel geschrieben.
Kopfsteinpflaster liegt.
Vllt: Er läuft über den Marktplatz, mustert/inspiziert/betrachtet das Kopfsteinpflaster. Alles beim Alten.
Da hättest du den Übergang zu den Kippen. Theo könnte sich auch eine Zigarette anzünden, oder ist er Nichtraucher?
Möglicherweise hast du eine bessere Lösung.
Er läuft über den Marktplatz, sein Blick bleibt an den achtlos weggeworfenen Stummeln hängen, die auf dem Kopfsteinpflaster liegen.
Es freut mich, dass Du meinen Straßenkehrer magst.

Lieben Dank für Deine Zeit und Hilfe.

Ich wünsche dir einen schönen Nachmittag

Liebe Grüße
CoK

 
Wortkrieger-Team
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Guten Abend @CoK

ich lese eine melancholische Geschichte von einem Mann, der in seinen Erinnerungen versunken ist, fast paralysiert angesichts seiner Einsamkeit und der Trauer über den Tod seiner Frau. Das ist schon berührend, eigentlich ausreichend um einen Text zu tragen.
Was dann passiert, der Padovorwurf, der Unfall, ändert den Fokus, bringt ein Thema in den Vordergrund, das nicht sehr viel mit dem zunächst angeschnittenen zu tun hat, das ich auch nicht sehr gut einordnen kann, weil es doch ein relevantes Thema ist, eins, über das man auch andere Geschichten erzählen könnte. Die Verbindung wird mir nicht ganz klar, auch nicht, was die Mutter des Kindes ihm am Ende erzählen will.
Ich glaube, es kann eine guter Text entstehen, wenn du daran arbeitest, dir überlegst, wo der Fokus liegt, was du erzählen willst.

Paar Stellen:

Die hochstieligen Sonnenblumen mit den herzförmigen Blättern und den leuchtend gelben Blüten bilden einen schönen Kontrast zu der weißen Granitplatte.
gibts auch Sonnenblumen, die nicht hochstierig sind?
Die Entzündung schritt schnell voran. Sie wurde immer weniger. Zum Schluss war Hanne so schwach, dass er ihren Rollstuhl schieben musste. Ihr geschwächter Körper verlor den Kampf gegen eine Lungenembolie.
ziemlich viel tell, das würde ich kürzen, vielleicht nur andeuten
Theo seufzt bei dem Gedanken an den alten Kumpel. Vierzig Jahre hatten sie zusammengearbeitet. Zwei Wochen, nachdem sein Freund in den Ruhestand ging, half er dem Schwiegersohn auf der Baustelle. Dabei fiel er kopfüber vom Gerüst. Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.
bisschen over the top, trostlos, dass der Chef dann gleich stirbt, aber kann natürlich passieren
Peinlich berührt zieht er den Hosenladen zu. Aus den Augenwinkeln sieht er, wie die Frau auf ihn zukommt. Theo hebt den Kopf, als sie vor der Bank steht. Ihr Gesicht macht ihm Angst.
Ihre Augen sind weit aufgerissen, mit starrem Blick schaut sie auf ihn hinunter.
"Hau bloß ab!", schreit sie. "Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen."
ist natürlich der Klassiker: die Tochter einer Nachbarin hat sehr früh ein Kind bekommen und kürzlich hat sie über whattsapp vor einem Typen gewarnt, der in der S-Bahn Kinder anstiert, richtig mit Steckbrief, dabei weiß man nicht, wie harmlos Blicke sein können
Wütend wirft sie die Lapislazuli-Obelisken um. Die Deko landet krachend auf dem Boden. Was hatte Mama gesagt: „Sie sollen alle Sorgen vertreiben und dich beschützen." Verzweifelt schlägt sie beide Hände vors Gesicht, atmet tief ein. Sie muss zu dem Alten gehen, mit ihm reden. Ihn davon überzeugen, dass Marco ihm nur Angst einjagen wollte.
okay, der Lapislazuli, der muss ja rein, da könnte der Bezug zu ihrem Handeln deutlicher werden
Die Situation überfordert ihn. Stumm blickt er auf das Beben ihrer Schultern, wie sie die Hände auf den Mund presst, um das Schluchzen zu unterdrücken. Haltsuchend lehnt sie sich gegen die Wand. Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen.
erzählt sie ihm was oder bittet sie ihn, ihren Mann nicht anzuzeigen?

viele Grüße und einen sonnenreichen Sonntag
Isegrims

 

CoK

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24.08.2020
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Guten Abend @Isegrims

Schön, dass du meinen Text gelesen hast.

ich lese eine melancholische Geschichte von einem Mann, der in seinen Erinnerungen versunken ist, fast paralysiert angesichts seiner Einsamkeit und der Trauer über den Tod seiner Frau. Das ist schon berührend, eigentlich ausreichend um einen Text zu tragen.
Ich habe kein Wort von Trauer geschrieben. Seine Frau ist schon einige Jahre tot und es ist ein ganz gewöhnlicher Besuch auf dem Friedhof für ihn.
Ich glaube, es kann eine guter Text entstehen, wenn du daran arbeitest, dir überlegst, wo der Fokus liegt, was du erzählen willst.
Das Gegenteil von guter Text ist schlechter Text. Ich frage mich also, was kann ich tun, dass daraus ein guter Text wird.
Der Fokus für mich lag darin, über einen Mann zu schreiben, der einen ganz gewöhnlichen Tag hat und in eine ungewöhnliche Situation gerät.

gibts auch Sonnenblumen, die nicht hochstierig sind?
Auf dem Friedhof habe ich die Wahl die Blumen abzuschneiden oder sie hochstielig zu lassen.
bisschen over the top, trostlos, dass der Chef dann gleich stirbt, aber kann natürlich passieren
Mein Großvater ist bei dem Hausbau meiner Eltern abgestürzt und tödlich verunglückt.
erzählt sie ihm was oder bittet sie ihn, ihren Mann nicht anzuzeigen?
Vielleicht Beides. Ich wollte den Schluß offen lassen.

Danke für deinen Kommentar
Ich wünsche Dir einen schönen Abend
Liebe Grüße CoK

 
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17.08.2016
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Hallo @CoK,
Eine Geschichte durchzogen von Melancholie. Das machst du sehr schön, vom Ton, von den Beschreibungen. Auch und gerade die Wortwahl, ein, so habe ich es empfunden, etwas "altmodischer" Schreibstil (bitte nicht falsch verstehen!), lassen diesen Text auf der einen Seite schwermütig erscheinen. Aber ich finde, gerade dadurch muss man Theo auch einfach liebgewinnen. Bei mir hast du jedenfalls sehr viel Sympathie für ihn erzeugt. Und somit war jeder, der ihm Übles will, sofort mein Feind ;-) Nein, im Ernst, das war gut gemacht, wie ich finde.

Weiß und gelb - katholisch, Hannelores Kirchenfarben.
So was hier meine ich, das ist so angenehm altmodisch (ich finde gerade kein besseres Wort dafür), also für mich zumindest. Dadurch kann ich ihn mir und seine Welt gut vorstellen.
Mit ausholenden Schritten läuft er über den Kiesweg zum Ausgang.
Hm, ausholende Schritte hätte ich mir bei ihm allerdings nicht vorgestellt, eher einen bedächtigen Gang.

Dreißig Jahre lebten sie miteinander. Nach der Silberhochzeit der Befund - Multiple Sklerose. Hanne tröstete ihn. „Es gibt Menschen, die MS haben und trotzdem alt werden." Sie gehörte nicht zu ihnen. Die Schübe wurden von Mal zu Mal heftiger. Die Entzündung schritt schnell voran. Sie wurde immer weniger.
Das ist schlimm.

„Bei Sauwetter", so hatte der Chef erklärt, „lieber ein paar Stunden nix tun, als krank werden!“ Ja, dachte Theo, der war halt selbst auf dem Bau, nicht wie heut, da sind das lauter Studierte.
Damals stimmte der Ethos noch. Es liest sich zwar ein wenig wie "früher war alles besser", aber irgendwie stimmt es oft ja auch.

Nicht ein einziges Mal hielt er seine Rente in den Händen.
Die Melancholie steigert sich. Noch ein Todesfall. Noch ein Mensch, der zu früh gegangen ist.

Ihre Augen sind weit aufgerissen, mit starrem Blick schaut sie auf ihn hinunter.
"Hau bloß ab!", schreit sie. "Was fällt dir ein, meine Tochter so anzuglotzen."
Nicht mal Siezen kann sie ihn. Aber das passt zur heutigen Zeit.

Sandra Nolke schlägt die Tageszeitung auf. Sie erschrickt, als sie den Polizeibericht liest.
Heißt das heute noch so: Polizeibericht?

Theo hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Platzwunde am Hinterkopf und Prellungen an der linken Schulter und dem Handgelenk.
So die Diagnose des Arztes. Von den beiden Polizisten erfuhr er: „Zwei Kinder fanden Sie auf dem Spielplatz. Die Eltern hatten uns und den Notarzt verständigt."
Ihm war übel, er musste sich übergeben. Die beiden Polizisten würden wiederkommen.
Da haben scheinbar beide Angst vor der Polizei, Sandra und er. Bei ihr kann ich es verstehen. Aber warum er? Denkt er, die halten ihn für einen Pädophilen?

Die Situation überfordert ihn.
Lieber zeigen. Wie sieht Überforderung bei ihm aus? Leckt er sich über die Lippen, atmet er schneller, macht er fahrige Bewegungen mit der Hand?

Stumm blickt er auf das Beben ihrer Schultern, wie sie die Hände auf den Mund presst, um das Schluchzen zu unterdrücken. Haltsuchend lehnt sie sich gegen die Wand. Nach einem letzten tiefen Ausschnaufen beginnt sie zu erzählen.
Ein offenes Ende. Man ahnt, was sie ihm erzählen will. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob ich das Ende in der Art mag.

Ich habe die Geschichte gern gelesen, sie wird getragen von einer sauberen, leicht altmodisch-verschnörkelten Sprache, die aber für mich gut zum Inhalt und zur Person des Theo passt. Gern hätte ich noch erfahren, worüber Sandra und er reden, was zwischen den beiden passiert, aber du hast dich entschieden, hier die Geschichte enden zu lassen.
Hat mir insgesamt gut gefallen.

Beste Grüße,
Fraser

 

CoK

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24.08.2020
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Zuletzt bearbeitet:

Hallo @Fraser

Lieben Dank fürs Lesen und kommentieren meiner Geschichte.

Auch und gerade die Wortwahl, ein, so habe ich es empfunden, etwas "altmodischer" Schreibstil (bitte nicht falsch verstehen!), lassen diesen Text auf der einen Seite schwermütig erscheinen. Aber ich finde, gerade dadurch muss man Theo auch einfach liebgewinnen.
Theo gehört der älteren Generation an. Ich fasse das mal als Kompliment auf.
Hm, ausholende Schritte hätte ich mir bei ihm allerdings nicht vorgestellt, eher einen bedächtigen Gang.
Theo trauert ja nicht mehr. Weißt du, er ist ein Straßenkehrer von der alten Sorte. Das nächste Vorhaben wartet schon auf ihn.
Damals stimmte der Ethos noch. Es liest sich zwar ein wenig wie "früher war alles besser", aber irgendwie stimmt es oft ja auch.
Zumindest war es anders besser.
Heißt das heute noch so: Polizeibericht
Also, bei uns in der Kleinstadt spricht man von Polizeibericht.
Da haben scheinbar beide Angst vor der Polizei, Sandra und er. Bei ihr kann ich es verstehen. Aber warum er? Denkt er, die halten ihn für einen Pädophilen?
Möglich.
Lieber zeigen. Wie sieht Überforderung bei ihm aus? Leckt er sich über die Lippen, atmet er schneller, macht er fahrige Bewegungen mit der Hand?
Seine Hände verkrampfen sich in der Bettdecke. Am liebsten würde er sie über den Kopf ziehen.
Ein offenes Ende. Man ahnt, was sie ihm erzählen will. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob ich das Ende in der Art mag.
Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich das Ende gestalte.
Kann gut verstehen, dass du dir Gedanken darum machst, ob Du das Ende magst. Ich bin Liebhaber von Geschichten mit happy end.
Das wäre allerdings zu unrealistisch gewesen. Theo wird wahrscheinlich ein Heftblatt an die Innenseite seiner Haustür hängen, auf dem steht: Nachsehen, ob der Hosenladen zu ist. Er wird sich auf keinen Spielplatz mehr setzen. Wer weiß, ob Sandra nicht ausflippt, wenn sie hört, dass ihr Besuch bei Theo gar nicht soviel bringt. Denn der Staatsanwalt wird auf jeden Fall Strafantrag wegen Körperverletzung stellen. Theo wird vielleicht auf Schmerzensgeld verzichten.
Open end, vieles ist möglich …

Ich wünsche einen schönen Nachmittag.
Liebe Grüße aus dem nasskalten Schwabenländle
CoK

 

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