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Der Fengg

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12.01.2019
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Anmerkungen zum Text

Der Hochsommer des Jahres 1320 in Kajataris (Nordlande) und später dem Nordnorden; ein Trockenjahr.

Der Fengg

I​

Um einen Fengg zu jagen brauchte es Fachmänner. Oder Wahnsinnige.
Der Pelzerlehrling gestand sich seine Angst nicht ein. Sein ganzes Leben hatte er in dem Eckhaus in der stinkenden Gerbergasse am Fluss verbracht, wo er sich ruhelos im Bett umher wälzte. In dieser Gasse, unweit von dem Eckhaus, gab es eine Kaschemme, deren Schild schon seit vielen Jahren vergilbt war und deren zugenagelte Fenster vom Pogrom des letzten Jahres zeugten. Dort trank der Söldner ein letztes Bier mit seinen Waffenbrüdern, die ihn aus Furcht oder Vernunft nicht begleiten wollten. Bog man von dort rechts in die Schusterstraße und dann links in das Viertel der Schiffsbauer, so gelangte man zum Seilertor, durch das der Student ritt. Er kam aus dem Süden und fror sich jetzt im Hochsommer eines Trockenjahres den Arsch ab. Oder war das die Angst?
Pelzerlehrling, Söldner und Student trafen sich am nächsten Tag im Kontor der Hugenheim-Gesellschaft an einem leeren, übergroßen Schreibtisch. Ihnen gegenüber saß ein parfümierter Mann in schwarzem Rock und legte einen dicken Papierstapel vor. Mit der Hand ‒ er hatte davon nur eine ‒ deutete er auf eine leere Stelle und sagte freundlich: »Hier unterschreiben bitte.«
Der Pelzerlehrling zögerte nicht. Ick bin icke, beruhigte er sich. Mit seinen schulterlangen, schneeweißen Haaren und dem hageren Körper glich der Asenbursche einer begehrten Jungfrau.
»Ich muss das erst lesen«, sagte der Student und kratzte sich am Kinn. Er musste Norwelsch sprechen, was ihm missfiel. Auch er war ein Asenjüngling, doch Student in Mentrich und Sohn eines Bürgermeisters, da gab er schrecklich viel drauf. Er war pummelig, hatte graues Haar und trug einen Reisemantel, von dem der Reichtum aufstieg wie Mief von der Kuhscheiße.
»Da steht nichts wichtiges«, sagte der Einarmige an den Studenten gerichtet, dann wandte er sich an alle: »Die Bezahlung ist hoch.«
»Wie viel?«, fragte der Söldner.
»Eintausend Taler für jeden.«
»Eiserne?«, staunte der Söldner. Er hatte mit fürstlicher Bezahlung gerechnet, aber das war eines Kaisers würdig!
»Aye.«
»Das is ja schön«, sagte der Pelzerlehrling munter und reichte Papierstapel und Feder dem Söldner, der beides entgegennahm und zögerte. »Kann man das denn überleb'n?«
»Natürlich«, versicherte der Einarmige
Unsinn, dachte der Söldner. Er war ein bulliger Mensch mit nur einem Auge und einer Narbe auf der Backe. Die Geschichten hatte er alle gehört ‒ eine Jagd nach der anderen war spurlos verschwunden oder desertiert, Freiwillige fanden sich keine mehr und geschulte Krieger wollte niemand vergeuden. Doch eintausend Eiserne? Der Söldner setzte ein krickeliges Kreuz.
Der Einarmige lächelte.
Im Papierstapel herumblätternd dachte der Student nach. Das klang alles gefährlich, aber die Geschichten mussten übertrieben sein, das wusste er. Menschen übertrieben gerne, dumm wie sie waren, und außerdem tat er es für die Wissenschaft. Sein Kreuz, das er schwungvoll auf das Papier setzte, bestand aus mehreren verschlungenen Buchstaben, die für Söldner und Pelzer keinerlei Sinn ergaben. Der Pelzer war mächtig beeindruckt, der Söldner schüttelte bloß den Kopf.
Der Einarmige ließ die Zettel in einer Schublade verschwinden. »Die Hugenheim-Gesellschaft bedankt sich für eure Mitarbeit. Nur eine Sache noch.« Aus der Schublade zog er einen faustgroßen, flachen Stein und warf ihn auf den Tisch. Eine orangene Rune leuchtete darauf.
Magie, unglaublich!, staunte der Pelzerlehrling. Der Söldner musterte die Rune skeptisch, er hasste Magie. Nur der Student konnte sie entziffern: modern, aber wenig verlässlich.
»Wir können euch jederzeit orten. Wenn ihr den Fengg erlegt habt, legt den Finder zur Leiche, ritzt hier eine Kerbe ein und kehrt nach Kajataris zurück. Wir übernehmen den Rest.«
»Sehr schön«, sagte der Lehrling und stand auf.
»Wann kann's losgeh'n?«
»Morgen früh. Wir haben alles für euch vorbereitet.«

Der Gasthof zum Nordtor bot vornehme Zimmer und Essen, raffinierte Schaumbäder und hübsche Huren. Im Stall machte der Söldner gerade sein Pferd startklar und genoss die Einsamkeit, als der Student vom Hauptgebäude her kam. Er hatte ein langes, schwarzes Paket in der Hand. »Morgen«, murmelte er. Sein Pferd war bereits gesattelt worden.
Asenschnösel, verfluchte der Söldner ihn. Ein Mann sollte so etwas selbst tun. »Wo bleibt der And're?«
»Woher soll ich das wissen?«
»Hat die ganze Nacht gesoffen, glaub' ick.«
»Und es überrascht mich, dass du nicht bei ihm warst.«
Gekränkt schnaubte er. »Nur ein Narr zecht vor'm Kampf. Was habt Ihr gemacht, gestern?«
»Geschlafen«, log der Student. »Und gelesen.« Das zumindest stimmte. Während er sprach, befestigte er das Paket am Sattel.
Der Pelzerlehrling hatte tatsächlich gesoffen und wie er nun mit dröhnendem Kopf auf den Stall zulief, bereute er es ein wenig. Aber was soll's, sagte er sich. Sein Pferd war schon fertig, mit einem »Guten Morgen!« begrüßte er die Kameraden, dann klemmte er das geliehene Schwert an den Sattel. Ein Schießeisen hatte man ihm nur gegen Gebühr geben wollen, ein Pelzermesser hielt er in seinem Mantel verborgen. »Wie heißt ihr eigentlich?«, fragte er. »Ick bin Manhardt.«
»Lars«, grummelte der Söldner.
»Kastro von Abtenau. Für dich Monsieur Kastro, elender Säufer.«
»Es gab Freibier, da konnt' ick nich widerstehen«, verteidigte er sich. »Und das Mäd'l wollt' auch kein Gold.« Er grinste breit.
»Saufen und Ficken kannst'e nach der Jagd.«
»Geht auch vor der Jagd. Sag nich, du hast brav gepennt.«
»Ick hab' gefastet und gebetet, wie's sich gehört. Du stimmst die Götter gegen uns.«
»Ach, scheiß doch auf die Götter.« Die schockierten Blicke amüsierten ihn. Er wandte sich an Kastro: »Und du?«
Der Student funkelte ihn kalt an. »Ich bin adligen Blutes, für dich heißt es Ihr
Schmunzelnd stieg Manhardt auf sein Pferd. Ein wenig Angst hatte er, wenn er ganz ehrlich war, aber was sollte schon passieren? Sterben würde er nicht, das wäre lachhaft. Ick bin Icke.
»Also los«, sagte Lars, als auch Kastro aufgestiegen war.
Der junge Student ritt gehobenen Hauptes voran. »Ich führe euch.«
»Unsinn.«
»Das ist mein Recht, Säufer.«
Manhardt schüttelte den Kopf, Lars schnaubte und dachte: Grüne Jungs, alle beide ... Was man nich für eintausend Eiserne tut.

II
Das Tal, in dem Kajataris lag, war breit und grün und flach. Dahinter erstreckte sich die weite Steppe des Nordens: seichte Hügelberge, trockenes Gras und Felsen, die dastanden wie steinerne Wächter. Die Trockenzeit hatte die Flüsse ausgetrocknet und es gab mehr Ruinen als Dörfer. Die Zivilisation verblasste, bis sie irgendwann im Niemandsland standen. Es war kalt und mit jedem Schritt wurde es kälter.
Knapp vier Tage waren sie unterwegs, da verschwanden die Berge plötzlich und es offenbarte sich eine weite, weiße Ebene: Schnee. Im Hochsommer. In einem Trockenjahr. Kein einziger Baum wuchs auf der Fläche, die bis weit in den Horizont reichte. Eiskalter, salziger Wind schlug ihnen ins Gesicht. Sie zogen ihre Mäntel enger und trieben die Pferde auf die Ebene, die sie bald Nord, Süd, Ost und West einschloss wie ein gewaltiges Meer.
Lars ritt vorweg, denn er wollte alleine nachdenken und seinen Plan vollenden. Den Wasserfall des Geschwafels, der stetig aus Manhardts Mund floss, trieb ihn in den Wahnsinn: War dem Burschen denn die Ernsthaftigkeit dieser Reise gänzlich entgangen?
»Ick frag' mich ...«, sagte Manhardt, der weiter hinten neben Kastro ritt, »welche Legende wahr ist: So groß wie'n Pferd, 'n Baum oder gleich ne Scheune?«
»Gar keine davon.« Er war sich sicher. »Alles ersponnen.« In den Bibliotheken von Mentrich, Abtenau und Fürstenau hatte er nichts gefunden als Legenden. Aber Legenden waren nicht brauchbar für die Wissenschaft, also hatte er beschlossen, für seine Meisterarbeit einen eigenen Bericht zu liefern. Die Welt würde sich ewig an ihn erinnern.
»Unsinn«, plapperte Manhardt nur. »Zwanzig Ellen groß, Buckel, riesige Stoßzähne, Haare bis zum Boden, Menschen fressend ...«
»Warum sollte ein Menschenfresser hier leben?«
»Hm«, machte Manhardt. Er war irre gespannt auf den Fengg; ihm war flau im Magen, seit zwei Tagen hatte er Dünnschiss und er konnte seinen Mund nicht vom Reden abhalten. Gerade wollte er fortfahren, da sagte Kastro: »Überhaupt gibt es hier nichts zu Essen für irgendein Tier. Étrange
»HALT!«, rief plötzlich Lars. »Hier is was.« Er saß ab und fügte nach einer Weile hinzu: »Götter!«
Manhardt und Kastro schlossen zu ihm auf und fügten ebenso hinzu: »Götter!« und »Seigneur
Da waren Spuren im Schnee. Der Schnee war bloß eine dünne Sommerdecke, doch die Spuren pressten sich tief in die gefrorene Erde. Lars stellte sich in den Fußstapfen und streckte die Arme aus; bis zum Knöchel reichte er ihm und er konnte die Enden nicht fassen. Was für'n Biest ...
Es gab noch mehr Spuren, das Wesen musste zwei Beine haben und von Westen nach Osten oder andersherum gelaufen sein. Genau konnte man das nicht sagen, denn die Stapfen waren Ovale, mehr nicht.
»Is das der Fengg?«
»Was soll's'n sonst sein?«, erwiderte der Söldner.
»Ne Scheunen also ...«
»Riesig isses jedenfalls, das Drecksvieh. Und es latscht nach Westen.«
»Woher willst du das wissen?«
»Das sieht man doch.«
»Das sind Kreise.«
»Aye, aber ick kenn' mich aus mit sowas.«
»Lass uns lieber ne Münze werfen«, schlug Manhardt vor. »Der Herr hat doch sicher eine, oder?«, fragte er Kastro, doch der starrte nur kreidebleich in die Ferne. Die Ebene reichte, so weit das Auge reichte, der Himmel war ein helles blau und wolkenlos und ein eiskalter Wind umfegte sie. Der Student drückte seinen Reisemantel an sich.
»Was los, Herr? Kackt'a Euch ein?« Der Söldner kletterte aus dem Loch hervor und stieg wieder auf sein Pferd, Manhardt tat es ihm gleich.
»Wir müssen umkehren.«
Lars lachte laut. Ja, hau doch ab. Auch Manhardt schmunzelte: »Habt Ihr etwa wirklich Angst?« Seine eigene Angst hing an ihm wie eine lästige Zecke.
»Schau dir doch die Spuren an.«
»Wir ham nen Vertrach unterschrie'm und den halt'n'wa ein«, meinte Lars.
»Also, habt Ihr ne Münze?«
»Nach Westen«, grummelte Lars.
Manhardt seufzte. »Na gut.« Wie konnte man denn so grämlich sein? Aber der Mann hatte Erfahrung, er würde ihn brauchen. »Also, kommt Ihr mit?«, fragte er Kastro. Den würde er sicher nicht brauchen.
Kastro wollte nicht sterben. Konnten die Legenden wirklich wahr sein? Er dachte an die warmen Gärten und Parks von Abtenau, an die Alleen der Universität Mentrich und die rote Brücke der Weltakademie in Fürstenau. Würde er all das jemals wiedersehen? Wenn er umkehrte schon. Und doch ... ein Ase hielt sein Wort, das hatte Vater immer gesagt. Er seufzte und trieb sein Pferd voran. Für die Wissenschaft ...

Als sie den Wald erreichten, dämmerte es. Die Bäume sahen sie schon aus weiter Ferne. Sie stachen in den Himmel dick wie die Türme einer Burg und weiß wie Schnee, ihre braunen Nadeln hingen in unerreichbarer Höhe, der Boden war weiß und glatt, kein Strauch wuchs.
Kastro trug eine Rune bei sich, mit der sie ein Feuer entzündet hatten, das jedoch kaum Wärme spendete. Sie kauten auf ledrigem Trockenfleisch, während Manhardt palaverte und Kastro genervte Bemerkungen einwarf und Lars nichts sagte.
Erst als selbst Manhardt die Worte ausgingen, sagte der Söldner: »Also, ick hab'n Plan.«
»Der da wäre?« Kastro war noch immer bleich wie Milch und schien in eine Ferne zu schauen, die direkt vor ihm lag und nur er sehen konnte. In dieser Ferne sah er Maleen. Ich hätte sie heiraten können. Wäre er doch nur in Abtenau geblieben und nicht zur Uni gegangen ‒ der letzte Kuss war so kurz gewesen. Und jetzt sterbe ich im verdammten Nordnorden.
»Nu, das Vieh is groß«, erklärte der Söldner und starrte ins Feuer, »und große Viecher sind betulich. Dat dauert, bis der in Gang kommt. Also müss'n'wa uns beeil'n. Also icke. Ihr lockt es an und ick hocke auf nem Baum und spring' drauf und dann, zack, ham'wa's geschafft.«
»Das ist dein Plan?«, fragte Kastro, doch Manhardt nickte und sagte: »Und'n guter isses. Nur gefällt mir meine Rolle nich.«
»Der Plan ist Mist«, sagte der Student. »Ich werde mich nicht als Köder missbrauchen lassen.«
»Zu mehr seid'a doch eh nich zu gebrauchen.«
»Vorsicht, Balourd
»Pah!« Lars kannte das Wort nicht, aber wie Lars das sagte, klang es nicht freundlich. Er sprang empört auf, warf den Rest seines Fleisches ins Feuer. Es zischte. »Ihr seid Dösköppe, alle beide!«
»Beruhig dich«, befahl Kastro. »Ich führe diese Exkursion und ich verlange Ordnung.« Die Worte klangen nicht so mächtig, wie sie sollten, merkte er.
Der Söldner spuckte.
»Wir müss'n zusammenhalten.« Manhardt hatte lange geschwiegen. Die Angst, die Zecke, hatte sich festgebissen und saugte an ihm. Ick bin Icke, versuchte er, sich zu beruhigen. Er durfte Lars nicht verlieren.
»Steck dir dein Ex-iwas in Arsch, Ase«, sagte der Söldner zu Kastro. Manhardt funkelte er nur böse an und stapfte dann zu den Pferden.
Eiskalte Fingerkuppen streichelten über Kastros Rücken. Er schüttelte das Gefühl ab. »Du kannst nicht gehen«, brachte er nur hervor.
»Warum nich?«
»Ich ... Ich verbiete es.«
»Ihr könnt mir nix verbiet'n«
»Dann komm' ick aber mit!«, rief Manhardt. Lieber Lars als Kastro.
»Pah! Piss dich!«, knurrte der Söldner nur, dann ritt er davon, tief in den Wald hinein und war froh, endlich allein zu sein.
»Alea iacta est«, murmelte Kastro. Er wollte umkehren, doch sein Stolz verbot es. Aber früher oder später würde Manhardt weiche Knie bekommen, da war er sich sicher.
Manhardts Knie waren Butter, als er am nächsten Morgen aufs Pferd stieg. Schweigend ritt er hinter Kastro her. Sie folgten noch immer den Spuren, die durch eine Schneise im Wald führten: Die weißen Mammutbäume waren hier abgeknickt wie Grashalme, der Boden tiefgetreten wie ein Flussbett. Das musste ein Trampelpfad sein ‒ der eines Fengg.

Es ging stetig bergauf, dann war da eine Klippe ‒ beinahe wäre Kastro hinabgestürzt. Einhundert oder mehr Schritt unter ihnen erstreckte sich ein Meer bis in die Ewigkeit: ein tiefes Blau, beinahe Schwarz, gesprenkelt mit dem Weiß flacher Eisschollen. War dies das Ende Arglons? Eine eigenartige Beklemmnis packte ihn und auch um Manhardts Hals legte sich ein raues Seil.
Die Fußstapfen endeten an der Klippe.
»Is das Viech Baden gegangen, oder was?«
Kastro schwieg.
»Was jetz'?«
»Sei still.«
Widerwillig leistete er folge und sah: Auf einer Eisscholle bewegte sich etwas. Etwas Riesiges. Und Weißes. Das Biest musste so groß sein wie die Mammutbäume des Waldes und trug auf dem Kopf ein mächtiges Elchgeweih. Der Fengg sprang ins Wasser und watete gemächlich davon.
Manhardt wurde blass. Angestreng versuchte er, gleichgültig gen Horizont zu schauen. Ick bin Icke, sagte er, doch die Worte wollten nicht recht wirken. Zum ersten Mal in seinem Leben betete er.
Kastro trieb sein Pferd herum, um das blasse Gesicht zu verbergen. Ich habe mein Ziel erreicht ‒ es gibt die Fenggen. Ich sollte nach Hause zurückkehren. Aber er wollte es nicht zugeben. Schon einmal hatte er schändlich Schwäche gezeigt, dabei musste ein Ase stark sein. Auch das hatte Vater einst gesagt.
»Und jetzt?«, brachte Manhardt hervor.
»Also ich ...«
»Wir könn' ja wohl nicht umkehr'n«
»Natürlich nicht«, stimmte Kastro zu.
Also trieb Manhardt sein Pferd voran.

Der Plan war erbärmlich einfach: Ernst von Augustburg schrieb einst, ein Fengg werde von verbranntem Rybel angelockt, also hatte Kastro welches aus dem Süden mitgebracht. Dass von Augustburg den Fengg als schwarzhaarig und pferdegroß beschrieb, machte Kastro ein wenig Hoffnung: Vielleicht würde Manhardt ja aufgeben, wenn das Biest nicht auftauchte.
Das Rybel lag noch unverbrannt neben ihnen, das Feuer knisterte schon. Für Kastro duftete es nach Festmahl und zu Hause; er sah sich mit Maleen über die Tanzfläche gleiten. Er liebte sie, das merkte er jetzt. Manhardt erinnerte das Kraut aus dem Süden an nichts, aber er mochte den Geruch.
Den Schwertgriff fest umklammert stand Manhardt da. Er hatte nie jemanden geliebt, also dachte er an niemanden.
Kastro lud das Schießeisen, das in dem länglichen, schwarzen Paket gewesen war: eine edle Waffe mit der geschwungenen Aufschrift von Abtenau. »Sei ehrlich«, sagte der Student und überaschte damit Manhardt genauso wie sich selbst. »Hast du Angst? ‒ Ich schon.«
Ick töte ihn sowieso, dachte Manhardt und sagte: »Ja. Aber mir wird nichts geschehen.«
»Wie kannst du dir so sicher sein?«
»Ick bin Icke.« Er hatte das noch nie zu jemandem außer sich selbst gesagt.
»Was soll das heißen?«
»Glaubt Ihr an die Götter?«
»Natürlich.«
»Glaubt Ihr an nen Sinn? Hinter all dem hier?«
»Natürlich.«
»Könnt Ihr denken?«
»Natürlich.«
»Beweist es mir.«
Der Student schaute ihn nur irritiert an.
»Ick kann denken, aber Ihr könnt's nich. Euch gibt's nich und die Götter und nen Sinn auch nicht.« Manhardt stand auf und zerschlug mit dem Schwert die Luft. Er hatte noch nie mit einem Schwert gekämpft, nur mit der Faust, aber das durfte ja nicht viel anders sein.
»Was willst du mir damit sagen?«, fragte Kastro nach einigem Überlegen. Was für ketzerischer Unsinn, so was hatte er noch nie gehört.
»Das Leben«, begann Manhardt, »ist ein Spiel. Und ick bin der Spieler, weil ick denken kann. Weil ick icke bin.« Er fuchtelte ungeübt mit dem Schwert herum. »Und ick will gewinnen.«
Kastro schüttelte nur den Kopf. So ein Unsinn. Der Bursche hielt sich wohl für unglaublich schlau.
»Also, kann's losgeh'n, das Spiel?«, fragte Manhardt. Seine Angst war fort, die Zecke endlich abgefallen.
Wortlos schmiss Kastro das Rybel ins Feuer und nahm seine Büchse auf den Arm. Seine Hose war feucht und er schwitzte wie verrückt, während um ihn herum der Wind den Schnee aufwirbelte. Sie saßen auf einer kleinen Lichtung inmitten der weißen Mammutbäume. Zur Heiligen Mutter betete er für Maleen und zum Heiligen Vater für sich selbst. Manhardt betete für nichts zu niemandem.​


III
Der Fengg wurde nicht von dem Rybel angelockt. Er stolperte zufällig über die Jäger.

Die Erde bebte. Manhardt hatte keine Angst ‒ steif wie eine Säule stand er da und hielt sein Schwert vor sich, atmete ein, aus, ein, aus. Das war nichts anderes als all die Schlägereien, die er in der alten Kneipe durchgemacht hatte. Selten aus echten Gründen, meist aus Spaß. Und er hatte immer gewonnen. Meistens. Auch diesmal würde er gewinnen. Ick bin Icke. Mir kann nix passieren.

Die Erde bebte. Kastros Herz fiel hinab in die Hose, die Nass war. Es stank nach Pisse. Und roch nach frischem Schnee, nach Terpentin, nach Meer und Wald und eiskaltem Wind. Er betete. Für seine Eltern und Maleen und am allermeisten für sich selbst. Fest umklammert hielt er das Schießeisen und zielte zitternd. Hätte er noch Pisse übrig gehabt, hätte er sich erneut eingenässt. Oh Vater, bitte, lass mich leben!
Die Erde bebte. Und dann kam durch den Wald etwas gestapft, etwas Weißes, Träges, Riesiges.
Zwei Scheunen, korrigierte Manhardt seine letzte Schätzung.
Oh Scheiße, dachte Kastro.
Das Vieh war riesengroß, weiß geborstet vom Fuß bis zum Schädel, der auf Höhe der Baumwipfel thronte und dem eines Elches glich: die Schnauze lang gezogen, die Nüstern breit und tief und die Augen nachtschwarze Kohlen. Auf dem Haupt trug der Fengg das Geweih eines mächtigen Elchbullen, das über den Bäumen tanzte. Die Bestie ging gebückt und trug auf dem Rücken einen Buckel, groß wie ein Hügel. Man hätte einen Wachturm darauf bauen können.
Und es gab keinen Plan. Keinen verdammten Plan.
Kastro schoss. Es knallte, rauchte, stank nach Magie, scharf und stechend. Seine Finger hatten von selbst abgedrückt. Als Manhardt schreiend auf den Fengg losrannte und wild mit dem Schwert herumwedelte, dachte Kastro noch: Wir schaffen das nicht, und fummelte unbeholfen mit der Büchse und dem Schießpulver herum. Fehlschuss. Falsch geladen. Scheiße. Laden, Fehlschuss. Hände zu schwitzig, zittrig, Fehlschuss. Dann ein Knall, Rauch, Gestank. Aber ins Leere. Der Fengg war längst fort.
Wie besessen schlug Manhardt auf den großen, ovalen Fuß des Fengg ein, bis dickes, rotes Blut hervorquoll und das Biest aufheulte ‒ tief und rau und lang.
Der Fengg schlug um sich.
Er flog weit, sah Erde, Schnee, Blut, Erde, Schnee, Himmel, Erde ‒ dann war Stille. Dann ein Schuss. Er rappelte sich auf. Die Zecke hatte sich wieder festgebissen.
In Abtenau hatte Kastro gerne Hasen gejagt mit seinem Vater. Er hatte ein Spiel daraus gemacht und die Hasen rennen lassen, bis sie erschöpft zusammenbrachen. Das würde er nie wieder tun, schwor er sich. Nie wieder. Denn jetzt wusste er, wie der Hase sich fühlte. Und wie der Hase rannte auch er.
Der Bastard rennt, fluchte Manhardt. Der Fengg humpelte hinterher. Die Erde bebte wie noch nie.
Kastro rannte. Oh Vater bitte bitte oh bitte ich flehe dich an oh Vater. Die Erde bebte hinter ihm. Er rannte, wie er nie gerannt war und schaute sich nicht um. Er sah deswegen nicht, wie der Fengg ihn packte und zerquetschte. Herr Kastro von Abtenau würde nie wieder Hasen jagen.
Der Fengg schüttelte die Leiche und betrachtete sie eingehend, schmiss sie dann lustlos fort und suchte Manhardt, doch der kauerte hinter einem Mammutbaum. Er könnte fliehen. Und dann? Bis er alt und runzelig war in der Gerbergosse Felle schneiden? Wenn man ihn nicht als Deserteur hängen würde. Nein. Er konnte sein Leben nicht so vergeuden und außerdem würde ihm nichts passieren. Das Schießeisen lag dreißig Schritt entfernt im roten Schnee, er musste es wagen.
Manhardt atmete tief ein und aus, sagte laut »Ick bin Icke« und rannte von Stamm zu Stamm. Der Fengg humpelte wütend und verwirrt umher und schrie erneut. Die weißen Borsten seines linken Fußes waren rot, seine Augen glühten wütend. Doch das Biest sah Manhardt nicht, er war zu geschickt.
Endlich war er bei der Büchse, die geladen war. Ein Schuss also. Er schlich sich näher.
Der Fengg hechelte schwer. Die Verfolgung musste ihn erschöpft haben. Zu Manhardts Glück blickte das Biest sich nicht mehr um, sondern stand bloß da und schaute in die Ferne. Hören konnte es ihn auch nicht, dafür war es viel zu groß ‒ für eine solche Bestie glichen Manhardts Schritte dem Schlag eines Schmetterlingsflügels. Jedenfalls sagte er sich das, während er näher schlich; Ick bin icke ick bin icke ... Da war Angst, eine unergreifbare Furcht, die er nicht abschütteln konnte, doch er schubste sich vorwärts, immer näher auf das Monster zu.
Der Schuss ging gezielt in den Schritt, der Fengg bäumte sich auf, schrie und hielt mit den überlangen Armen die wunde Stelle. Es starb nicht, aber damit hatte Manhardt auch nicht gerechnet. Um sich schlagend wuchtete es Bäume aus und schrie, doch er war längst wieder verschwunden, und als das Monster endlich der Wut müde war und davonhumpelte, zog es eine Blutspur hinter sich her.
Einen Fengg zu töten war gar nicht schwer, so ohne Angst, stellte er bald fest. Wenn man nicht wahllos drauf losschoss, sondern die Sache ordentlich durchdachte, dann nützte dem Vieh auch seine Größe nichts. Er war der Blutspur bis in eine monströse Eishöhle gefolgt und hatte die Bestie dort im Schlaf überrascht, den Runenstein platziert, die Kerbe eingeritzt und wanderte jetzt zurück nach Süden.


IV
Am dritten Tag seiner Reise fand er den Söldner Lars an einem Lagerfeuer sitzen und Hasen braten. Den Hasen roch Manhardt schon bevor er das Feuer sah und er ahnte, wer da um das Feuer saß, bevor er Lars sah. Und Lars sah glücklich aus.
»Guten Tag«, grüßte Manhardt.
Lars erschrak und fluchte innerlich. Warum war der Bursche nicht tot? »Tag«, sagte er knapp. »Was willst'e?«
»Bist also geflohen, was? Feigling.«
»Ick wa' vernünftig, das'is alles. Erzähl nich, du hätt'st das Vieh erledigt, glaubt dir sowieso keiner.«
Manhardt lächelte nur und umgriff sein Pelzermesser. Er hätte den Mann ja am Leben lassen können, eine wirkliche Gefahr stellte er schließlich nicht dar, aber er hatte so schrecklich Lust auf Hasen und so schrecklich wenig Lust auf ein Gespräch.​

 
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03.10.2020
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Hallo @Manfred Deppi

Fantasy liest man hier eher selten, deshalb habe ich mich nach dem Anklicken deiner Geschichte über diesen "Tag" gefreut. Deine Story lässt sich gut lesen, Du hast einen angenehmen Stil, der nicht zu ausschweifend ist und ich konnte mir (fast) alles gut vorstellen. Teilweise hast Du es etwas mit den Fluchwörtern übertrieben, es gab ein paar Stellen, wo ich aufgrund dessen aus der Geschichte gerissen wurde, es gibt dem Text stellenweise auch etwas Klamaukiges. War das beabsichtigt?

Dein Fengg hat mich an etwas erinnert, ich bin mir gerade nicht mehr sicher, an was genau, könnte aber aus Dark Souls (einem Boss aus dem ersten Teil) sein. Der Fengg in deiner Geschichte bricht erheblich mit der Beschreibung von Wikipedia: Fengg – Wikipedia :D Finde ich aber nicht schlimm, wollte nur mal kurz googeln, um zu sehen, ob Du dich vielleicht an einer "realen" Sagengestalt oder so orientiert hast. EDIT: Wie ich gerade sehe, ist dem wohl tatsächlich so, hätte nur einen Link weiterklicken müssen.

Es fiel mir ein bisschen schwer, deine Charaktere ernst zu nehmen. Die wirken alle ein wenig überzogen, aber vielleicht war das ja genau deine Absicht. Im Großen und Ganzen hat mir deine Geschichte aber soweit gefallen und ich habe sie gerne gelesen.

Nachfolgend noch ein paar Anmerkungen/Genörgel, meist Kleinkram:

Mit seinen schulterlangen, schneeweißen Haaren und dem hageren Körper glich der Asenbursche einer begehrten Jungfrau.
Bei diesem Vergleich musste ich schmunzeln. Ich persönlich würde schneeweißes Haar nicht mit einer begehrten Jungfrau assoziieren, sondern eher mit einer alten, weisen Frau, aber vielleicht ist ja genau das der Witz?

Er war pummelig, hatte graues Haar und trug einen Reisemantel, von dem der Reichtum aufstieg wie Mief von der Kuhscheiße.
Ich finde den Vergleich unpassend bzw. das Bild geht für mich hier nicht auf. Wie kann Reichtum aus einem Mantel aufsteigen?

»Da steht nichts wichtiges«, sagte der Einarmige, »Die Bezahlung ist hoch.«
Punkt anstelle Komma nach Einarmige.

Die Geschichten hatte er alle gehört — eine Jagd nach der anderen war spurlos verschwunden oder desertiert, Freiwillige fanden sich keine mehr und geschulte Krieger wollte niemand vergeuden.
Hier stolperte ich über das Unterstrichene. Sagt man das so?

Das klang alles beinahe gefährlich, aber die Geschichten mussten übertrieben sein, das wusste er.
Wieso klang es denn nur beinahe gefährlich? Aber ist eh ein Füllwort, würde ich killen.

Sein Kreuz bestand aus mehreren geschlungenen Buchstaben, die für Söldner und Kürschner keinerlei Sinn ergaben.
Was sind geschlungene Buchstaben? Darunter kann ich mir irgendwie nicht viel vorstellen. Vielleicht (ineinander) verschlungene Buchstaben schreiben? Oder geschwungene Buchstaben.

Die Hugenheim-Gesellschaft bedankt sich für die Mitarbeit. Nur eine Sache noch.«
Bedankt sich für Ihre Mitarbeit?

Der Gasthof zum Nordtor bot vornehme Zimmer und Essen, raffinierte Schaumbäder und hübsche Huren.
Unter raffinierten Schaumbädern kann ich mir so gar nichts vorstellen. Wie soll so ein raffiniertes Schaumbad denn aussehen bzw. sich anfühlen?

Der Söldner sattelte gerade im Stall sein Pferd und genoss die Einsamkeit, als der Student vom Hauptgebäude her kam.
Finde die Satzstellung bzw. der Aufbau nicht ganz rund. Vielleicht: Im Stall sattelte der Söldner gerade sein Pferd und genoss die Einsamkeit, als [...] oder Der Söldner sattelte gerade sein Pferd und genoss die Einsamkeit des Stalls (oder auch "im Stall"), als [...]

Sein Pferd war bereits gesattelt worden.
gesattelt oder satteln hattest Du gerade kurz vorher schon mal drin, Wortwiederholung.

Sein Pferd war schon fertig, mit einem: »Guten Morgen!«, begrüßte er die Kameraden, dann klemmte er das geliehene Schwert an den Sattel.
Würde Doppelpunkt und Komma nach "Guten Morgen!" aus dem Satz entfernen, braucht es meiner Meinung nach nicht.

»Wie heißt ihr eigentlich?«, fragte er, »Ick bin Manhardt.«
Hier wieder: Punkt nach er, kein Komma.

»Es gab Freibier, da konnt’ ick nich widerstehen«, verteidigte er sich, »Und das Mäd’l wollt’ auch kein Gold.«
Dasselbe hier. Kein Komma nach sich, sondern ein Punkt. Das hast Du später auch immer wieder drin, ich merke es ab hier nicht mehr extra an.

Dahinter erstreckte sich die weite Steppe des Nordens: seichte Hügelberge, trockenes Gras und Felsen, die aus dem Boden sprossen wie graue Bäume.
Felsen, die aus dem Boden sprossen wie graue Bäume? Ein etwas schräges Bild. Ich kann mir diese Felsen, die aussehen sollen wie Bäume, auch nicht so recht vorstellen. Das Wort sprießen passt für mich auch nicht zu den Felsen, sondern eher zu Pflanzen. Aber vielleicht nur persönlicher Geschmack, schließlich ist das ja eine Fantasy-Geschichte ;)

Die Trockenzeit hatte die Flüsse gedorrt und es gab mehr Ruinen als Dörfer.
Gedorrt passt meiner Meinung nach nicht. Das passt eher wieder zu einer Pflanze. Ich verstehe schon, Du konntest nicht ausgetrocknet schreiben, weil es sonst eine Wortwiederholung wäre. Vielleicht fällt Dir ja noch was besseres ein.

Es war kalt und mit jedem Schritt wurde es kälter.
Wortwiederholung: Zweimal kalt im selben Satz.

Den Wasserfall des Geschwafels, der stetig aus Manhardts Mund fiel, trieb ihn in den Wahnsinn: War dem Burschen denn die Ernsthaftigkeit dieser Reise gänzlich entgangen?
Wieso nicht floss anstelle von fiel? Finde, die Worte fließen aus dem Mund besser als dass sie aus dem Mund fielen. Geschmackssache.

In den Bibliotheken von Mentrich, Abtenau und Fürstenau hatte er nichts gefunden als Legenden. Aber Legenden waren nicht brauchbar für die Wissenschaft, also hatte er beschlossen, für seine Meisterarbeit einen eigenen Bericht zu liefern.
Wortwiederholung. Vielleicht aber an dieser Stelle gewollt? Trotzdem bin ich kein Fan davon und würde das umschreiben.

Die Ebene reichte, so weit das Auge reichte, der Himmel war ein helles blau und wolkenlos und ein eiskalter Wind fegte über die Ebene.
Unschöner Satz. Zwei Wortwiederholungen. Du neigst außerdem dazu, das Wörtchen und exzessiv zu verwenden. Vielleicht an der ein oder anderen Stelle mal ein Komma setzen?

Als sie den Wald erreichten, dämmerte es. Die Bäume tauchten unerwartet auf und stachen in den Himmel wie die Schwerter eines Riesen, dick wie die Türme einer Burg und weiß wie Schnee. Ihre braunen Nadeln hingen in unerreichbarer Höhe, der Boden war weiß und glatt, kein Strauch wuchs.
Das Bild geht für mich an dieser Stelle wieder nicht ganz auf. Zuerst dachte ich: Wieso können sie in dieser weitläufigen Ebene bzw. auf diesem Schneefeld die Bäume nicht schon von weitem sehen? Dann: Aha! Die sind voller Schnee, deshalb "verschmelzen" die mit dem Untergrund. Dann aber plötzlich die braunen Nadeln? Was denn nun? Sind die Bäume voller Schnee oder nicht?

Kastro trug eine Feuerrune bei sich, mit der sie ein Feuer entzündet hatten, das jedoch kaum Wärme spendete.
Zweimal Feuer.

Sie kauten auf ledrigem Trockenfleisch, während Manhardt palaverte und Kastro genervte Bemerkungen einwarf und Lars nichts sagte.
[...] und Lars schwieg. (?)

Kastro war noch immer bleich wie Milch und schien in eine Ferne zu schauen, die direkt vor ihm lag und nur er sehen konnte.
Eine Ferne, die direkt vor ihm liegt? Dann ist es ja keine Ferne ;) Vielleicht starrt er ins Leere, oder so etwas ähnliches?

Und jetzt sterbe ich im verdammten Nordnorden.
Sie haben den Fengg bisher noch nicht zu Gesicht gekriegt, aber er denkt schon ans Sterben? Heftig. Erstaunt mich, das er sich überhaupt auf die Jagd eingelassen hat, so ängstlich wie er hier wirkt.

Die Worte klangen nicht so mächtig, wie sie sollten, merkte er.
Woran merkte er das denn?

Die Angst, die Zecke, hatte sich fester gebissen und saugte an ihm.
Vorschlag: Die Angst, die Zecke, hatte sich festgebissen und saugte an ihm.

Manhardt pisste sich ein.

Kastros Hose wurde nass.
Der Fengg entfernt sich von ihnen, watet durch's Wasser. Das sich gleich beide einnässen finde ich extrem übertrieben, auch wenn es ängstliche Charaktere sind. Ich musste lachen, aber eher auf eine Weise, die Du wohl nicht beabsichtigt hattest. Was machen die erst, wenn der Fengg vor ihnen steht? Kacken, pissen und kotzen gleichzeitig, während sie sich in Embryonalstellung in den Schnee legen und zitternd nach ihren Müttern rufen? Sorry, bitte nicht persönlich nehmen. Ich will damit nur ausdrücken, wie übertrieben ich diese Stelle fand.

Manhardt erinnerte das Kraut aus dem Süden an nichts, aber er mochte den Geruch.
Wenn ihn der Geruch an nichts erinnerte, wieso muss das extra erwähnt werden? Weiß schon, im nächsten Satz erinnert der Geruch einen anderen Charakter an etwas, deshalb hast Du das hier so eingebaut, es klingt aber seltsam und ist meiner Meinung nach überflüssig.

Manhardt stand auf und zerschlug mit dem Schwert die Luft.
Die Luft kann man nicht zerschlagen. Vielleicht zerschnitt er die Luft mit seinem Schwert? Das klingt in meinen Ohren besser.

Er hatte noch nie mit einem Schwert gekämpft, nur mit der Faust, aber das durfte ja nicht viel anders sein.
Oh, wie er sich da täuscht! Das ist ja wirklich ein Riesen-Greenhorn! Unglaublich.

Seine Angst war fort, die Zecke endlich abgefallen.
Wieso ist die Angst so plötzlich weg? Wo ist die denn hin? Die Aufgabe hat ja gerade erst begonnen und das Schwierigste steht erst noch bevor. Sollten sich die Angst und die Nervosität nicht stetig steigern, je näher sie dem Höhepunkt ihrer Mission kommen?

Der Fengg wurde nicht von dem Rybel angelockt. Er stolperte zufällig über die Jäger.
Das geht mir etwas zu plötzlich. Also das der Fengg einfach so aus dem Nichts auftaucht. Wieso wird er nicht vom Rybel angelockt?

Das war nichts anderes als all die Schlägereien, die er in der alten Kneipe durchgemacht hatte.
Ich nehme an, dass sagt er zu sich selbst, um sich zu beruhigen? Denn es ist ja definitiv nicht das Gleiche, gegen ein aggressives Riesenvieh zu kämpfen als gegen ein paar Betrunkene in einer Kneipe, oder? :D

Die Erde bebte.
Das hast Du genau gleich ein paar Sätze zuvor schon drin. Würde es hier rausnehmen.

Es stank nach Pisse. Und nach frischem Schnee, nach Terpentin, nach Meer und Wald und eiskaltem Wind.
Das geht für mich nicht auf. Es stinkt also nach Pisse, nach frischem Schnee, nach Terpentin, nach Meer, Wald und eiskaltem Wind? Merkst Du was? Ich finde, es kann nach Pisse und Terpentin stinken, ja. Aber zumindest ich würde behaupten, es riecht nach Meer, außer das Meer ist eine Kloake :shy: Salzige Luft stinkt meiner Meinung nach nicht. Ebenso beim Wald. Der stinkt doch in den allermeisten Fällen nicht. Auch das der eiskalte Wind stinkt, finde ich seltsam, weil halt nicht erläutert wird, wie oder nach was der denn stinkt ... Frischer Schnee, würde ich mal behaupten, ist geruchlos.

Hätte er noch Pisse übrig gehabt, hätte er sich eingenässt.
Ich dachte, er hat sich schon eingenässt, weil zuvor steht, seine Hose ist nass. Habe ich aber wohl falsch interpretiert.

Zwei Scheunen, korrigierte Manhardt sich.
Ich finde das etwas unpassend, weil es so klingt, als hätten sie sich erst vor Kurzem darüber unterhalten, wie groß der Fengg ist. Das liegt im Text aber schon eine ganze Strecke zurück, deshalb stockte ich hier kurz, bis mir in den Sinn kam, dass sie das Vieh wohl von der Höhe oder Größe mit einer Scheune verglichen hatten.

Das Vieh war riesengroß, weiß geborstet vom Fuß bis zum Schädel, der auf Höhe der Baumwipfel war und dem eines Elches glich: die Schnauze lang gezogen, die Nüstern breit und tief und die Augen nachtschwarze Kohlen.
An sich eine schöne Beschreibung des Fengg, das gefällt mir! Vielleicht kriegst Du es noch hin, eines der beiden war's zu elimieren bzw. gegen ein majestätischeres Wort auszutauschen :)

Auf dem Haupt trug der Fengg das Geweih eines mächtigen Elchbullen, das nun über den Bäumen tanzte. Sein Gang war gebückt und der Buckel groß wie ein Hügel. Man hätte einen Wachturm darauf bauen können.
Auch hier, finde ich eine tolle Beschreibung. Als sie den Fengg das erste Mal bei den Eisschollen sehen, hast Du aber fast eine identische Beschreibung schon drin, deshalb war es für mich an dieser Stelle eher eine Wiederholung.

In Abtenau hatte Kastro gerne Hasen gejagt mit seinem Vater. Er hatte ein Spiel daraus gemacht und die Hasen rennen lassen, bis sie erschöpft zusammenbrachen. Das würde er nie wieder tun, schwor er sich. Nie wieder. Denn jetzt wusste er, wie der Hase sich fühlte. Und wie der Hase rannte auch er.
Eigentlich eine schöne Idee, aber das inmitten einer Actionszene zu bringen, nimmt abrupt die Geschwindigkeit raus. Vielleicht das Detail mit der Hasenjagd irgendwo früher bringen und dann hier nur noch: Jetzt wusste er, wie sich der Hase fühlen musste, während er gejagt wurde. Irgend sowas.

Der Fengg schmiss den Studenten fort und suchte Manhardt, doch der kauerte hinter einem Mammutbaum.
Das Unterstrichene klingt unfreiwillig komisch, als würde der Fengg den Studenten in einem Abfalleimer entsorgen oder so. Ich bin mir sicher, Dir fällt etwas Treffenderes ein.

Der Fengg humpelte wütend und verwirrt umher und schrie tief und rau.
Das er tief und rau schreit, ist eine Wiederholung. Hattest Du vorher schon drin. Vielleicht schreit er einfach erneut?

Endlich war er bei der Büchse, die geladen war.
Endlich erreichte er die geladene Büchse?

Er schlich sich näher.
Weg mit dem sich, habe ich so noch nie gelesen.

Der Fengg stand gegen einen Baum gelehnt und hechelte schwer.
Ich stellte mir das Vieh grösser als einen Baum vor ... Knickt der Baum nicht um, wenn der Fengg dagegen lehnt mit seinem immensen Gewicht?

Der Schuss ging gezielt in den Schritt, der Fengg sträubte sich auf, schrie und hielt mit den überlangen Armen die wunde Stelle.
Sträubte sich auf? Noch nie gehört. Vielleicht: bäumte sich auf.

Um sich wütend wuchtete es Bäume aus und schrie, doch er war längst wieder verschwunden, und als das Monster endlich der Wut müde war und davonhumpelte, zog es eine Blutspur hinter sich her.
Um sich wütend kenne ich ebenfalls nicht. Um sich schlagend? Tretend?

Er hätte den Mann ja am Leben lassen können, eine wirkliche Gefahr stellte er schließlich nicht da, aber er hatte so schrecklich Lust auf Hasen und so schrecklich wenig Lust auf ein Gespräch.
stellte er schließlich nicht dar

Ich hoffe, das war jetzt nicht allzu pingelig! Vielleicht kannst Du mit der ein oder anderen Bemerkung meinerseits etwas anfangen. Danke für die Geschichte, ich habe sie sehr gerne gelesen.

Beste Grüsse,
DM

 
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Hey Manfred,

gefällt mir, wie du schreibst. Ich hab dir ja schon dargelegt, dass ich nicht wirklich zur Zielgruppe gehöre, aber wie du das machst, gefällt mir das auch. Ich bin noch nicht über den ersten Abschnitt (bis »Morgen früh. Wir haben alles für euch vorbereitet.«) hinaus und konzentriere mich auf den. Da gibt es viel Gutes und einige Stellen, wo ich dir einen kritischen Leseeindruck gebe.

Kürschnerlehrling

Ich kenne dieses Wort eigentlich nur von damals (ja, fürs Protokoll) von World of Warcraft. Wenn das auch bei dir der Fall ist, würde ich mir da Gedanken machen. Sonst auch. Wer das nicht vom Gaming kennt, kennt diesen Begriff wahrscheinlich auch so nicht. Er könnte gut ein Pelzer sein oder wenns wirklich fremd klingen soll ein Grauwerker. Beides alte Begriffe für den Kürschner. Irgendwie störe ich mich an diesem Begriff :D vielleicht bin ich damit ja auch allein.

stinkenden Gerbergasse
Kaschemme
Waffenbrüdern
Schusterstraße
Seilertor

das sind keine Clichés, zum Glück, aber es sind mindestens Archetypen. Da baust du sehr auf bereits vorhandenen Bildern bei deiner Leserschaft auf. Das kann man schon so machen. Es hat aber auch schnell den Beigeschmack des Billigen, weil eben auf die genaue Beschreibung und Charakterisierung verzichtet wird. Meisterhaft geht David Lynch in der Serie Twin Peaks mit solchen Archetypen um. Die Nähe zum Cliché ist da natürlich allgegenwärtig. Aber das ist schon mal etwas sehr Positives in meinem Leseeindruck, dass ich finde, du rutscht hier eben nicht ins Cliché, das ist was wert.

Er kam aus dem Süden und fror sich jetzt im Hochsommer eines Trockenjahres den Arsch ab.

Diesen Satz mochte ich sehr sehr gerne. Damit brichst du ganz geschickt mit diesem (etwas künstlich wirkenden) Fantasy-Mittelaltersprech. Das braucht es hier unbedingt, finde ich. Und deshalb ist dieser Satz so gut. Weil er mir als Leser schon recht früh zeigt: der Autor hat das auf dem Schirm. Der weiß mit dieser mitunter triefend romantischen Sprache zu brechen. Daniel Kehlmann macht das.

Mit der Hand ‒ er hatte davon nur eine ‒ deutete er auf eine leere Stelle und sagte freundlich: »Hier unterschreiben bitte.«

auch ein sehr sehr schöner Satz finde ich. Vor allem dieser Zusatz "er hatte davon nur eine", das ist wunderbar stumpf. So was mag ich. Ich würde solche Einschübe immer mit Halbgeviertstrich (–) machen, nicht Viertelgeviertstrich (-) wie bei dir.

Ick bin icke, beruhigte er sich.

Super!! Das ist so gemeint, dass er seine Gedanken mit dieser Art tautologischen Feststellung beruhigt oder? (Falls nicht, muss ich mein Lob leider wieder zurückziehen :lol:)
Die Dinge sind nicht mehr als das was sie sind – keine Angst haben! Das Ding ist das Ding.
Das hat etwas Philosophisches und ist ein Zugeständnis an das Milieu. Da spricht jemand Dialekt und ist eben nicht einfach der Dumme, obwohl es erstmal für manche Ohren so klingen mag. Es ist eine einfache Weisheit, aber auch eine schlaue. Er ist er, daran ändert etwas Äußerliches nichts. Natürlich beruhigt dieser Gedanke.

glich der Asenbursche einer begehrten Jungfrau

heheh

Er musste Norwelsch sprechen, was ihm missfiel. Auch er war ein Asenjüngling, doch Student in Mentrich und Sohn eines Bürgermeisters, da gab er schrecklich viel drauf.

Hier dachte ich zuerst, dass das der parfümierte Mann sagt. Du hast hier ein kleines Problem: Du stellst gleich zu Anfang einen Haufen Personal vor. Da ist Verwirrung vorprogrammiert. Ich würde dem parfümierten Mann mehr Gesicht, vielleicht einen Namen geben. Zuerst dachte ich beim normal schnellen Lesen, der Parfümierte und der Student wären dieselbe Person.

nichts wichtiges

nichts Wichtiges

analog zu bspw. etwas Lustiges, nichts Unübliches

Sie trafen sich

Der erste Absatz mit seinen vielen Figuren hat für mich weiter das Problem, dass ich als Leser hier noch nicht wissen kann, wie du als Autor vorgehst. Viele zeichnen am Anfang erstmal ein größeres Bild. Dass deine archetypischen Figuren nicht einfach nur Statisten sind, kann ich da noch nicht wirklich wissen; genausowenig dass du hier einen Personalen Erzähler mit Einsichten in mehrere Figuren hast. Deswegen habe ich 'Sie trafen sich' als das Treffen zweier Personen gelesen. Da würde Klarheit meines Erachtens sehr gut tun. Ich würde das 'Sie' einfach explizieren.

»Da steht nichts wichtiges«, sagte der Einarmige, »Die Bezahlung ist hoch.«

Hier verschwimmt aufgrund der langen Charakterisierung, zu wem der Einarmige das jetzt sagt. Würde ich dazuschreiben.

»Eiserne?«, staunte der Söldner. Er hatte mit fürstlicher Bezahlung gerechnet, aber nicht damit.

Klang für mich so, als wäre er enttäuscht. Eisen klingt nicht so geil wie Gold. Klar, das Staunen ist schon eher positiv, aber ich würde das hier kurz klären. Vielleicht: "..., aber das überstieg selbst seine Vorstellungen"

Sein Kreuz bestand aus mehreren geschlungenen Buchstaben, die für Söldner und Kürschner keinerlei Sinn ergaben.

Das Kreuz ist hier syntaktisch, find ich, nicht optimal platziert. Du kannst auf den Wortwitz absichtlich raus (dass man an das Rückenkreuz denkt, weil er der Bullige ist), aber das hat mich beim Lesen kurz verwirrt. Ich würde irgendwie nochmal die Bewegung erwähnen (das Kreuz, das er in das vorgesehene Feld setzt, dergleichen)

außerdem: verschlungen (hab den Kommentar gelesen und denke das auch)

Der Kürschner war mächtig beeindruckt, der Söldner schüttelte bloß den Kopf.

Um mal rauszuschreiben, warum ich finde, dass du gut schreibst. Das sind solche Sätze und der ist wirklich recht willkürlich rausgepickt. Da ist Rhythmus drin. Wen du unbedingt auch mal auschecken solltest (neben den bereits in der PN empfohlenen) hier im Forum ist 'Bas' und von ihm die Geschichten, in denen es um den Protagonisten Gustaf geht (Halm, Im Hinterland). Bas hat eine sehr poetische Sprache, viel Witz und ist trotzdem ganz klar (auch in der Handlung). Dort ist es ein historisches Setting, phantastisch allemal, aber nicht 'Fantasy'. Kann ich nur empfehlen.

Wir können euch jederzeit orten

Sehr gut, wie du da mit deiner Fantasy schaffst, Bezüge zum Heute herzustellen. Das erdet. Gibt dem nicht gleich den Anschein, dass hier alles völlig overpowert ist. Vielleicht gibt es hier Magie oder so etwas. Aber es muss dann nicht unbedingt die Magie eines Smartphones übersteigen. Finde ich gut.

Also so weit so gut erstmal. Vielleicht gehe ich noch auf den übrigen Text ein. Ansonsten eben erstmal ein etwas längerer Eindruck zum ersten Abschnitt.

Beste Grüße
Carlo

 
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Hallo Manfred,

Ich hab deine Geschichte sehr gern gelesen! Sie erinnert mich, vor allem zu Beginn, an eine Pen & Paper Geschichte. 3 unterschiedliche Charaktere werden zusammen auf eine Mission geschickt. Ich mag deinen Schreibstil mit seinen Details, ohne sich dabei zu sehr in verwinkelten Umschreibungen zu verlieren. Ich kann dir trotz der drei wechselnden Perspektiven gut folgen und alle Figuren bekommen eine gut eingewebte Tiefe.

Noch ein paar Gedanken:

Der Kürschnerlehrling gestand sich seine Angst nicht ein. Sein ganzes Leben hatte er in dem Eckhaus in der stinkenden Gerbergasse am Fluss verbracht, wo er sich nun ruhelos im Bett umher wälzte. In ebendieser Gasse, unweit von dem Eckhaus, gab es eine Kaschemme, deren Schild schon seit vielen Jahren vergilbt war und deren zugenagelte Fenster vom Pogrom des letzten Jahres zeugten. Dort trank gerade der Söldner ein letztes Bier mit seinen Waffenbrüdern, die ihn aus Furcht oder Vernunft nicht begleiten wollten. Bog man von dort rechts in die Schusterstraße und dann links in das Viertel der Schiffsbauer, so gelangte man zum Seilertor, durch das der Student ritt.​
Zu Beginn bin ich etwas gestolpert, habe nicht gleich verstanden, dass hier die drei Protagonisten vorgestellt werden. Vielleicht wäre ein Satz zu Anfang gut, der die Lesenden einweiht. Irgendetwas, dass einen schnell greifbaren Zusammenhang zwischen den Dreien schaufft. (Etwas nach dem Prinzip: "Die Abendsonne senkte sich über die Leben dreier Männer, deren Schicksal schon bald miteinander verwoben werden sollte")

Er war der Blutspur bis in eine Eishöhle gefolgt ‒ die ganze Burg von Kajataris hätte hier wohl hineingepasst ‒ und hatte die Bestie dort im Schlaf überrascht, den Runenstein platziert, die Kerbe eingeritzt und wanderte jetzt zurück nach Süden.​

Hier würde ich mir noch ein bisschen mehr Fülle wünschen. Das Finale mit dem Fengg ist für mich nahezu beiläufig kurz.

Manhardt lächelte nur und umgriff sein Kürschnermesser. Er hätte den Mann ja am Leben lassen können, eine wirkliche Gefahr stellte er schließlich nicht da, aber er hatte so schrecklich Lust auf Hasen und so schrecklich wenig Lust auf ein Gespräch.​

Das kommt mir etwas plötzlich. Wie kommt er darauf, spontan einen Mann zu töten? Hat er eine Mordlust entwickelt, "Blut geleckt"? Ich mag das Ende, aber auch hier würde ich ein paar mehr Worte dazu gut finden.

Liebe Grüße,
Caja

 
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Es fiel mir ein bisschen schwer, deine Charaktere ernst zu nehmen. Die wirken alle ein wenig überzogen, aber vielleicht war das ja genau deine Absicht.
Das war keine Absicht. Aber verdammt, jetzt lache ich über meine eigene Geschichte. Wirkt ja doch ein bisschen unfreiwillig komisch das Ganze.

Aber der Reihe nach!

Vielen Dank @DissoziativesMedium,

für deinen Kommentar.

Dein Fengg hat mich an etwas erinnert, ich bin mir gerade nicht mehr sicher, an was genau, könnte aber aus Dark Souls (einem Boss aus dem ersten Teil) sein. Der Fengg in deiner Geschichte bricht erheblich mit der Beschreibung von Wikipedia: Fengg – Wikipedia :D Finde ich aber nicht schlimm, wollte nur mal kurz googeln, um zu sehen, ob Du dich vielleicht an einer "realen" Sagengestalt oder so orientiert hast. EDIT: Wie ich gerade sehe, ist dem wohl tatsächlich so, hätte nur einen Link weiterklicken müssen.
Dark Souls habe ich nie gespielt. Da würde ich mich wohl ähnlich kompetent anstellen wie der Student. Aber von dem Wikipedia-Fengg habe ich mich tatsächlich inspirieren lassen. Interessant, dass du das nachgeschaut hast :D.

Der Fengg entfernt sich von ihnen, watet durch's Wasser. Das sich gleich beide einnässen finde ich extrem übertrieben, auch wenn es ängstliche Charaktere sind. Ich musste lachen, aber eher auf eine Weise, die Du wohl nicht beabsichtigt hattest. Was machen die erst, wenn der Fengg vor ihnen steht? Kacken, pissen und kotzen gleichzeitig, während sie sich in Embryonalstellung in den Schnee legen und zitternd nach ihren Müttern rufen? Sorry, bitte nicht persönlich nehmen. Ich will damit nur ausdrücken, wie übertrieben ich diese Stelle fand.
Musste hier laut lachen, danke.
Is halt schon groß das Ding. Und sie gehen direkt drauf zu, wollen dagegen kämpfen. Für Kastro wird die ganze Idee, all die Sagen seien Unsinn, hier endgültig zerschlagen und Manhardt ... ja der sollte eigentlich nicht so dolle Angst haben und auch allgemein schreibeich die Szene vielleicht um. Mal schauen, vielleicht beschränke ich mich auf Blasse Gesichter.

Freut mich aber, dass die Geschichte dir gefallen hat. Da sind ne Menge Anmerkungen dabei, die ich bei der nächsten Bearbeitung berücksichtigen werde. Stellenweise hast du aber auch Sachen etwas falsch verstanden, wobei ich mich da natürlich auch fragen muss, ob das nicht an meinem Text liegt. Ich werde versuchen, diese Sachen etwas klarer herauszuarbeiten. Hier nur kurz zwei drei Erläuterungen:

Mit seinen schulterlangen, schneeweißen Haaren und dem hageren Körper glich der Asenbursche einer begehrten Jungfrau.
Bei diesem Vergleich musste ich schmunzeln. Ich persönlich würde schneeweißes Haar nicht mit einer begehrten Jungfrau assoziieren, sondern eher mit einer alten, weisen Frau, aber vielleicht ist ja genau das der Witz?
Die Asen sind eine (von mir erdachte) Rasse, die von Natur aus weiße oder pechschwarze, selten graue und ganz selten rote Haare hat. Weil das alles hier aber nicht wichtig ist, wollte ich es nicht weiter erläutern. Manhardt und Kastro müssen aber aus worldbuildingtechnischen Gründen Asen sein. Die Welt Arglon ist größer, als diese Geschichte.

Dahinter erstreckte sich die weite Steppe des Nordens: seichte Hügelberge, trockenes Gras und Felsen, die aus dem Boden sprossen wie graue Bäume.
Felsen, die aus dem Boden sprossen wie graue Bäume? Ein etwas schräges Bild. Ich kann mir diese Felsen, die aussehen sollen wie Bäume, auch nicht so recht vorstellen. Das Wort sprießen passt für mich auch nicht zu den Felsen, sondern eher zu Pflanzen. Aber vielleicht nur persönlicher Geschmack, schließlich ist das ja eine Fantasy-Geschichte ;)
Das ist ein etwas unsinniger Vergleich, den ich wohl rausnehmen werde. Die Felsen sollen nicht aussehen wie Bäume. Ich wollte nur den Zustand des Herumstehens etwas poetischer gestalten. Bin da jetzt auch nicht mehr glücklich mit.

Als sie den Wald erreichten, dämmerte es. Die Bäume tauchten unerwartet auf und stachen in den Himmel wie die Schwerter eines Riesen, dick wie die Türme einer Burg und weiß wie Schnee. Ihre braunen Nadeln hingen in unerreichbarer Höhe, der Boden war weiß und glatt, kein Strauch wuchs.
Das Bild geht für mich an dieser Stelle wieder nicht ganz auf. Zuerst dachte ich: Wieso können sie in dieser weitläufigen Ebene bzw. auf diesem Schneefeld die Bäume nicht schon von weitem sehen? Dann: Aha! Die sind voller Schnee, deshalb "verschmelzen" die mit dem Untergrund. Dann aber plötzlich die braunen Nadeln? Was denn nun? Sind die Bäume voller Schnee oder nicht?
Das ist hier eine fiktionale Baumart, die weiß ist wie Schnee, nicht wegen dem Schnee und braune Nadeln hat. Aber du hast recht, das mit dem plötzlich auftauchen geht nicht ganz auf.

Und jetzt sterbe ich im verdammten Nordnorden.
Sie haben den Fengg bisher noch nicht zu Gesicht gekriegt, aber er denkt schon ans Sterben? Heftig. Erstaunt mich, das er sich überhaupt auf die Jagd eingelassen hat, so ängstlich wie er hier wirkt.
Am Anfang erfährt man ja, dass es zahlreiche Legenden über die Biester gibt. Das ist sozusagen ein Kinderschreck, auch wenn er eigentlich ganz lieb ist, ein Pflanzenfresser sogar. Aber halt groß und grässlich anzuschauen. Naja, auf jeden Fall lässt Kastro sich auf die Jagd ein, weil er all die Schauergeschichten nicht glaubt und das jetzt beweisen möchte. Und jetzt hat er die Fußstapfen gesehen und plötzlich hat er doch Angst.

Seine Angst war fort, die Zecke endlich abgefallen.
Wieso ist die Angst so plötzlich weg? Wo ist die denn hin? Die Aufgabe hat ja gerade erst begonnen und das Schwierigste steht erst noch bevor. Sollten sich die Angst und die Nervosität nicht stetig steigern, je näher sie dem Höhepunkt ihrer Mission kommen?
Seine eigene (etwas merkwürdige) Philosophie laut auszusprechen, das hat ihm die Angst genommen. Jetzt ist sein Glaube an diese Philosophie fester, wo vorher Zweifel war. Arbeite ich genauer aus, glaube ich.

Der Fengg wurde nicht von dem Rybel angelockt. Er stolperte zufällig über die Jäger.
Das geht mir etwas zu plötzlich. Also das der Fengg einfach so aus dem Nichts auftaucht. Wieso wird er nicht vom Rybel angelockt?
Das mit dem Rybel ist ja eine dieser Legenden. Ernst von Augustburg hat da Unsinn geschrieben, wahrscheinlich rückte die Deadline für sein Buch immer näher und da musste er sich schnell was ausdenken. Prüft ja sowieso keiner, dachte der gute Mann wohl. Der Fengg latscht dann aber doch zufällig durch den Wald, wo die gerade ihr nutzloses Rybel verbrennen. Er taucht aber nicht aus dem Nichts aus.

Das war nichts anderes als all die Schlägereien, die er in der alten Kneipe durchgemacht hatte.
Ich nehme an, dass sagt er zu sich selbst, um sich zu beruhigen? Denn es ist ja definitiv nicht das Gleiche, gegen ein aggressives Riesenvieh zu kämpfen als gegen ein paar Betrunkene in einer Kneipe, oder? :D
Grüne Burschen, alle beide, wie Lars recht am Anfang feststellt.

Vielen Dank nochmal für den Kommentar. Das gibt mir ne Menge Denkstoff für die nächste Überarbeitung!

Grüße!

----

Lieber @Carlo Zwei,

Vielleicht gehe ich noch auf den übrigen Text ein.
das würde mich sehr freuen! Aber auch dein jetziger Kommentar ist schonmal sehr hilfreich, dafür ganz herzlichen Dank.

Ich kenne dieses Wort eigentlich nur von damals (ja, fürs Protokoll) von World of Warcraft. Wenn das auch bei dir der Fall ist, würde ich mir da Gedanken machen. Sonst auch. Wer das nicht vom Gaming kennt, kennt diesen Begriff wahrscheinlich auch so nicht. Er könnte gut ein Pelzer sein oder wenns wirklich fremd klingen soll ein Grauwerker. Beides alte Begriffe für den Kürschner. Irgendwie störe ich mich an diesem Begriff :D vielleicht bin ich damit ja auch allein.
WoW habe ich nie gespielt. Woher ich den Kürschner kenne, weiß ich nicht mehr, aber ich mag das Wort irgendwie. Grauwerker gefällt mir auch, Pelzer auch. Ich denke darüber nach, aber wahrscheinlich werde ich es doch so lassen. (Obwohl Pelzer eigentlich echt besser passen würde ... hmm)

Ich würde solche Einschübe immer mit Halbgeviertstrich (–) machen, nicht Viertelgeviertstrich (-) wie bei dir.
Hast recht. Vorher hatte ich fälschlicherweise den Geviertstrich verwendet, wegen meiner Software Scrivener, jetzt habe ich das mühselig angepasst und der kopiert mir nicht mehr den richtigen Strich mit raus. Doof. Dann muss ich das wohl manuell nochmal anpassen.

Super!! Das ist so gemeint, dass er seine Gedanken mit dieser Art tautologischen Feststellung beruhigt oder? (Falls nicht, muss ich mein Lob leider wieder zurückziehen :lol:)
Die Dinge sind nicht mehr als das was sie sind – keine Angst haben! Das Ding ist das Ding.
Das hat etwas Philosophisches und ist ein Zugeständnis an das Milieu. Da spricht jemand Dialekt und ist eben nicht einfach der Dumme, obwohl es erstmal für manche Ohren so klingen mag. Es ist eine einfache Weisheit, aber auch eine schlaue. Er ist er, daran ändert etwas Äußerliches nichts. Natürlich beruhigt dieser Gedanke.
Ähhhm ... ähm. Ich glaube, ich muss dich enttäuschen. Oder? Ich bin mir nicht ganz sicher. Das wird später geklärt, hier ist der Satz so gedacht, dass der Leser ihn noch nicht unbedingt versteht aber wissen will, was dahinter steckt. Falls du nicht die ganze Geschichte lesen willst zitiere ich hier einmal die Auflösung:

Kastro lud das Schießeisen, das in dem länglichen, schwarzen Paket gewesen war: eine edle Waffe mit der geschlungenen Aufschrift von Abtenau. »Sei ehrlich«, sagte der Student und überaschte damit Manhardt genauso wie sich selbst. »Hast du Angst? ‒ Ich schon.«
Ick töte ihn sowieso, dachte Manhardt und sagte: »Ja. Aber mir wird nichts geschehen.«
»Wie kannst du dir so sicher sein?«
»Ick bin Icke.« Er hatte das noch nie zu jemandem außer sich selbst gesagt.
»Was soll das heißen?«
»Glaubt Ihr an die Götter?«
»Natürlich.«
»Glaubt Ihr an nen Sinn? Hinter all dem hier?«
»Natürlich.«
»Könnt Ihr denken?«
»Natürlich.«
»Beweist es mir.«
Der Student schaute ihn nur irritiert an.
»Ick kann denken, aber Ihr könnt’s nich. Euch gibt’s nich und die Götter und nen Sinn auch nicht.« Manhardt stand auf und zerschlug mit dem Schwert die Luft. Er hatte noch nie mit einem Schwert gekämpft, nur mit der Faust, aber das durfte ja nicht viel anders sein.
»Was willst du mir damit sagen?«, fragte Kastro nach einigem Überlegen. Was für ketzerischer Unsinn, so was hatte er noch nie gehört.
»Das Leben«, begann Manhardt, »ist ein Spiel. Und ick bin der Spieler, weil ick denken kann. Weil ick icke bin.« Er fuchtelte ungeübt mit dem Schwert herum. »Und ick will gewinnen.«
Ob dieses Ich bin Ich da so einhunderprozentig Sinn macht, weiß ich nicht. Aber das muss es, finde ich, auch nicht. Das sind ja die Gedanken eines Menschen, die können auch komisch sein. Und mir hat mal ein Freund - schon recht tief im Glas - von einer solchen Philosophie erzählt und er hat sich da genau so oder ähnlich ausgedrückt, wenn ich mich recht erinnere. Und im übrigen steht Kastro (der Student) da vielleicht auch ein wenig für den Leser, wenn er im Anschluss denkt:

So ein Unsinn.

Ich hoffe, die Enttäuschung wiegt nicht allzu schwer. Ups.

Hier dachte ich zuerst, dass das der parfümierte Mann sagt. Du hast hier ein kleines Problem: Du stellst gleich zu Anfang einen Haufen Personal vor. Da ist Verwirrung vorprogrammiert. Ich würde dem parfümierten Mann mehr Gesicht, vielleicht einen Namen geben. Zuerst dachte ich beim normal schnellen Lesen, der Parfümierte und der Student wären dieselbe Person.
Ich denke drüber nach. Eigentlich soll er aber recht austauschbar bleiben. Ich werde das aber auf jedenfall klarer ausarbeiten!

Sie trafen sich
Der erste Absatz mit seinen vielen Figuren hat für mich weiter das Problem, dass ich als Leser hier noch nicht wissen kann, wie du als Autor vorgehst. Viele zeichnen am Anfang erstmal ein größeres Bild. Dass deine archetypischen Figuren nicht einfach nur Statisten sind, kann ich da noch nicht wirklich wissen; genausowenig dass du hier einen Personalen Erzähler mit Einsichten in mehrere Figuren hast. Deswegen habe ich 'Sie trafen sich' als das Treffen zweier Personen gelesen. Da würde Klarheit meines Erachtens sehr gut tun. Ich würde das 'Sie' einfach explizieren.
Stimmt. Auch Caja kritisiert den Anfang. Ich werde versuchen, da Klarheit zu schaffen.

Klang für mich so, als wäre er enttäuscht. Eisen klingt nicht so geil wie Gold. Klar, das Staunen ist schon eher positiv, aber ich würde das hier kurz klären. Vielleicht: "..., aber das überstieg selbst seine Vorstellungen"
Damit habe ich auch gehadert. Auf deine Idee bin ich da schlicht nicht gekommen, dabei ist die so offensichtlich. Danke.

außerdem: verschlungen (hab den Kommentar gelesen und denke das auch)
Ich meinte geschwungen, wie mir jetzt einfällt. Verschlungen geht aber auch. Danke für den Hinweis.

Wen du unbedingt auch mal auschecken solltest (neben den bereits in der PN empfohlenen) hier im Forum ist 'Bas' und von ihm die Geschichten, in denen es um den Protagonisten Gustaf geht (Halm, Im Hinterland). Bas hat eine sehr poetische Sprache, viel Witz und ist trotzdem ganz klar (auch in der Handlung). Dort ist es ein historisches Setting, phantastisch allemal, aber nicht 'Fantasy'. Kann ich nur empfehlen.
Und danke auch für die Empfehlung. Ich ertrinke hier bald in meiner Leseliste, analog wie digital. Glug, glug, Hilfe!

Und danke für den Kommentar! Das hilft mir sehr weiter. Freut mich auch richtig, dass dir der Anfang gefallen hat, auch wenn Fantasy nicht so deins ist.

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Und zu guter Letzt hey @Caja,

und auch dir vielen vielen Dank für deinen Kommentar! Mich freut, dass du die Geschichte gerne gelesen hast und die Kritik ist sehr gut, das hilft mir weiter!

Zu Beginn bin ich etwas gestolpert, habe nicht gleich verstanden, dass hier die drei Protagonisten vorgestellt werden. Vielleicht wäre ein Satz zu Anfang gut, der die Lesenden einweiht. Irgendetwas, dass einen schnell greifbaren Zusammenhang zwischen den Dreien schaufft. (Etwas nach dem Prinzip: "Die Abendsonne senkte sich über die Leben dreier Männer, deren Schicksal schon bald miteinander verwoben werden sollte")
Im Erstentwurf fing die Geschichte an mit: Um einen Fengg zu töten/jagen/erlegen (hmm) brauchte es Fachmänner. Oder Wahnsinnige. Fand ich dann irgendwann doch doof und ich bin mir unsicher, ob das mehr Klarheit schafft. Aber mal schauen. Ich denke drüber nach, danke für den Hinweis!

Hier würde ich mir noch ein bisschen mehr Fülle wünschen. Das Finale mit dem Fengg ist für mich nahezu beiläufig kurz.
Da lag ich noch vorgestern im Bett und wälzte mich umher und wurde den Gedanken nicht los: Verdammt, das Ende ist doof. Und jetzt sprichst du genau aus, was ich damit meinte. Ich werde versuchen, das noch etwas besser hinzubekommen.

Manhardt lächelte nur und umgriff sein Kürschnermesser. Er hätte den Mann ja am Leben lassen können, eine wirkliche Gefahr stellte er schließlich nicht da, aber er hatte so schrecklich Lust auf Hasen und so schrecklich wenig Lust auf ein Gespräch.​
Das kommt mir etwas plötzlich. Wie kommt er darauf, spontan einen Mann zu töten? Hat er eine Mordlust entwickelt, "Blut geleckt"? Ich mag das Ende, aber auch hier würde ich ein paar mehr Worte dazu gut finden.
Er wird ja schon vorher fast beiläufig als Mörder enttarnt:

Ick töte ihn sowieso, dachte Manhardt und sagte: »Ja. Aber mir wird nichts geschehen.«

Er ist halt ein etwas bizarrer Typ. Ihm ist das alles egal. Menschenleben haben für ihn keinen Wert, weil er ja glaubt, niemand außer er selbst könnte denken und die Welt drehe sich nur um ihn. Die Karte wollte ich hier nochmal ausspielen, aber ich sehe: Das muss ich deutlicher machen.

So, supi, vielen Dank dir nochmal!

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Schöne Grüße an euch alle,
Manfred

 

CoK

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Hallo @Manfred Deppi

Eine schöne, fantasievolle Geschichte die du hier eingestellt hast.
Ich hab sie gerne gelesen und konnte mir die Handlung vorstellen.

wo er sich nun ruhelos im Bett umher wälzte.
Mir ist aufgefallen, dass du viele Füllwörter benützt. Könntest du weglassen.
In ebendieser Gasse, unweit von dem Eckhaus, gab es eine Kaschemme, deren Schild schon seit vielen Jahren vergilbt war und
Abstand.

Er war ein bulliger Mensch, hatte nur ein Auge und eine Narbe auf der Backe. Die Geschichten hatte er alle gehört ‒ eine Jagd nach der anderen war spurlos verschwunden oder desertiert,
Vorschlag: Die Geschichten kannte er alle.
der Reichtum aufstieg wie Mief von der Kuhscheiße.
Oh er mag keinen Reichtum.
»Eiserne?«, staunte der Söldner. Er hatte mit fürstlicher Bezahlung gerechnet, aber das war eines Kaisers würdig!
In deiner Geschichte ist Eisen wohl viel wert.
Sein Kreuz, das er schwungvoll auf das Papier setzte, bestand aus mehreren verschlungenen Buchstaben, die für Söldner und Pelzer keinerlei Sinn ergaben. Der Pelzer war mächtig beeindruckt, der Söldner schüttelte bloß den Kopf.
Finde ich eine tolle Idee.

Das klang alles beinahe gefährlich,
Entweder es klingt gefährlich oder nicht.
Der Einarmige ließ die Zettel in einer Schublade verschwinden. »Die Hugenheim-Gesellschaft bedankt sich für eure Mitarbeit. Nur eine Sache noch.« Aus der Schublade zog er einen faustgroßen, flachen Stein und warf ihn auf den Tisch. Eine orangene Rune leuchtete darauf
Vorschlag: Diese Kleinigkeit noch …
Wir können euch jederzeit orten. Wenn ihr den Fengg erlegt habt, legt den Finder zur Leiche, ritzt hier eine Kerbe (ein) und kehrt nach Kajataris zurück. W

Sein Pferd war (schon)fertig,

Die Trockenzeit hatte die Flüsse gedorrt
Hatte die Flüsse verschwinden lassen oder sie waren versickert …
Sie zogen ihre Mäntel enger und trieben die Pferde auf die Ebene, die sie bald Nord und Süd und Ost und West einschloss wie ein gewaltiges Meer.
Würde die „und" weglassen.
Der Schnee war bloß eine dünne Sommerdecke,
Füllwort.
Die Ebene (reichte) so weit das Auge reichte, der Himmel war ein helles blau und wolkenlos und ein eiskalter Wind umfegte sie.

wirklich Angst?« Seine eigene (Angst) hing an ihm wie eine lästige Zecke.
Vorschlag: Furcht.
Manhardt palaverte und Kastro genervte Bemerkungen einwarf und Lars nichts
Würde ein „und" streichen.
Erst als selbst Manhardt (irgendwann) die Worte ausgingen, sagte der Söldner: »Also, ick hab’n Plan.«
Schon klar, dass das irgendwann war, würde ich auch weglassen
eine Ferne zu schauen, die direkt vor ihm lag und nur er sehen
Eine Ferne die direkt vor ihm lag?

Ich werde mich nicht als Köder missbrauchen lassen.«
Gefällt mir hier nicht das „missbrauchen"
Vorschlag: Ich werde hier nicht der Köder sein..

»Is das Viech Baden gegangen, oder was?
😀
Es ging stetig bergauf, dann war da eine Klippe
Vorschlag: Sie standen vor einer Klippe oder unerwartet standen sie vor einer Klippe oder plötzlich standen sie an einer Klippe
»Sei still.«
Widerwillig war Manhardt still.
ruhig
Etwas Riesiges. Und Weißes.
Etwas riesiges, weißes.
Ernst von Augustburg hatte einmal geschrieben, ein Fengg werde von verbranntem Rybel angelockt, also hatte Kastro welches aus dem Süden mitgebracht.
Ernst von Augustburg schrieb einmal
Der Plan war erbärmlich einfach: Ernst von Augustburg hatte einmal geschrieben, ein Fengg werde von verbranntem Rybel angelockt, also hatte Kastro welches aus dem Süden mitgebracht. Dass von Augustburg den Fengg als schwarzhaarig und pferdegroß beschrieben hatte, machte Kastro ein wenig Hoffnung: Vielleicht würde Manhardt ja aufgeben, wenn das Biest nicht auftauchte.

Für Kastro duftete es nach Festmahl und zu Hause (und) er sah sich mit Maleen über die Tanzfläche gleiten. Er liebte sie, das merkte er jetzt.

Euch gibt’s nich (und) die Götter und nen Sinn auch nicht.«

Das war nichts anderes als (all) die Schlägereien, die er in der alten Kneipe durchgemacht hatte.

Hätte er noch Pisse übrig gehabt, hätte er sich eingenässt.

Oh Scheiße, dachte Kastro.
Das Vieh war riesengroß, weiß geborstet vom Fuß bis zum Schädel, der auf Höhe der Baumwipfel war und dem eines Elches glich: die Schnauze lang gezogen, die Nüstern breit und tief und die Augen nachtschwarze Kohlen. Auf dem Haupt trug der Fengg das Geweih eines mächtigen Elchbullen, das nun über den Bäumen tanzte. Sein Gang war gebückt und der Buckel groß wie ein Hügel. Man hätte einen Wachturm darauf bauen können.
Die Beschreibung gefällt mir. Ich würde aber ein „war" ändern.
Seine Finger hatten von selbst abgedrückt.

tief (und) rauh und lang.

dann war Stille. (Dann)ein Schuss.

Und wie der Hase rannte auch er.
Der Bastard rennt, fluchte Manhardt. (Und) der Fengg humpelte ihm hinterher.

Kastro rannte. Oh Vater bitte bitte oh bitte ich flehe dich an oh Vater. Die Erde bebte hinter ihm. Er rannte, wie er nie gerannt war und schaute sich nicht um. Er sah deswegen nicht, wie der Fengg ihn packte und zerquetschte. H

. Er konnte sein Leben nicht so vergeuden und außerdem konnte ihm nichts passieren.

t, er war zu geschickt.
Endlich war er bei der Büchse, die geladen war.

Und hören konnte es ihn auch nicht, dafür war es viel zu groß. Für eine solche Bestie waren Manhardts Schritte kaum mehr als der Schlag eines Schmetterlingsflügels.

Einen Fengg zu töten war gar nicht schwer, stellte er (bald) fest. Wenn man nicht wahllos drauf losschoss, sondern die ganze Sache durchdachte, (dann)nützte dem Vieh auch seine Größe nichts. Er war der Blutspur bis in eine Eishöhle gefolgt

Er hätte den Mann ja am Leben lassen können, eine wirkliche Gefahr stellte er schließlich nicht dar, aber er hatte so schrecklich Lust auf Hasen und so schrecklich wenig Lust auf ein Gespräch.
Vorschlag: Er hatte so großen Hunger auf Hasen.

So, das waren meine Gedanken und Vorschläge für deinen Text .
Vielleicht kannst du damit etwas anfangen. Ich wollte mich für deinen netten Besuch revanchieren.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
Liebe Grüße CoK

 
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12.01.2019
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Vielleicht kannst du damit etwas anfangen. Ich wollte mich für deinen netten Besuch revanchieren.
Das war eine sehr gute Revanche, denn damit kann ich definitiv etwas anfangen.

Vielen Dank, @CoK, für deinen wertvollen Kommentar!

Eine schöne, fantasievolle Geschichte die du hier eingestellt hast.
Ich hab sie gerne gelesen und konnte mir die Handlung vorstellen.
Das freut mich sehr!

Die ganzen doppelten (und dreifachen) wars und hattes versuche ich, soweit das geht, zu killen. Vielen Dank fürs rausschreiben, sowas übersehe ich schnell, leider. Bei den unds muss ich mal schauen. Bin ja etwas vernarrt in diese langen Und-Kombinationen, lese gerade viel George R. R. Martin und Tolkien, die machen das gerne. Aber ein paar kann ich da sicher auch zum Henker schicken. Der freut sich schon.

Das klang alles beinahe gefährlich,
Entweder es klingt gefährlich oder nicht.
Das wurde schonmal kritisiert und irritiert mich. Ich kenne das so. Eher umgangssprachlich, aber so als halbironischer Ausdruck. Also sowas wie: "Jaja, das könnte ja fast gefährlich/anstrengend/... sein." Und so sollte das ja hier auch gemeint sein (wobei die Ironie eher vom Erzähler ausgeht als von der Figur). Aber ich nehm's wohl trotzdem raus, wenn das irritiert.

Erst als selbst Manhardt (irgendwann) die Worte ausgingen, sagte der Söldner: »Also, ick hab’n Plan.«
Schon klar, dass das irgendwann war, würde ich auch weglassen
Auch bei den Füllwörtern werde ich nochmal mit der Sense durchgehen.

Oh Scheiße, dachte Kastro.
Das Vieh war riesengroß, weiß geborstet vom Fuß bis zum Schädel, der auf Höhe der Baumwipfel war und dem eines Elches glich: die Schnauze lang gezogen, die Nüstern breit und tief und die Augen nachtschwarze Kohlen. Auf dem Haupt trug der Fengg das Geweih eines mächtigen Elchbullen, das nun über den Bäumen tanzte. Sein Gang war gebückt und der Buckel groß wie ein Hügel. Man hätte einen Wachturm darauf bauen können.
Die Beschreibung gefällt mir.
Ai, freut mich sehr, dass dir die Beschreibung gefällt. Ich hatte irgendwie das Gefühl, sie sei etwas unterwältigend, aber dann bin ich da beruhigt. Aber ich sehe da ein nun, das meine Sense hoffentlich erwischen wird.

eine Ferne zu schauen, die direkt vor ihm lag und nur er sehen
Eine Ferne die direkt vor ihm lag?
Verdammt. Auch das habe ich schonmal gesagt bekommen, habe mich aber gesträubt, das zu ändern. Ich wollte dieses "ins Nichts starren" mal etwas anders beschreiben. Er starrt direkt vor sich, aber denkt über eine weite Ferne nach (sein Zuhause). Also schaut er in eine Ferne, die direkt vor ihm liegt.
Jagut, vielleicht ändere ich das. Muss mal schauen. Kann mich aber nur schwer davon trennen.

Er hätte den Mann ja am Leben lassen können, eine wirkliche Gefahr stellte er schließlich nicht dar, aber er hatte so schrecklich Lust auf Hasen und so schrecklich wenig Lust auf ein Gespräch.
Vorschlag: Er hatte so großen Hunger auf Hasen.
Diese Wortwiederholungen sind manchmal auch durchdacht. Sollen dann so einen Rythmus aufbauen. Ist wohl Geschmackssache, ob das einem dann gefällt. Mir gefällt's so aber, muss ich ehrlich gestehen.

Es ging stetig bergauf, dann war da eine Klippe
Vorschlag: Sie standen vor einer Klippe oder unerwartet standen sie vor einer Klippe oder plötzlich standen sie an einer Klippe
Bei solchen Sachen versuche ich immer, das Plötzliche durch die Satzstruktur darzustellen, statt durch das Wort plötzlich. Ich mag das Wort meistens nicht. Ich glaube, das werde ich also so lassen.

Und zum Abschluss nochmal ganz kurz unnötiges Wissen, weil ich mich nicht zurückhalten kann:

»Eiserne?«, staunte der Söldner. Er hatte mit fürstlicher Bezahlung gerechnet, aber das war eines Kaisers würdig!
In deiner Geschichte ist Eisen wohl viel wert.
Klingt hier zwar so, aber die Taler sind nicht aus Eisen, sondern Gold. Zu der Zeit gab es in Ostarglon, wo die Geschichte spielt, unzählige Währungen, wie das auch früher im Heiligen Römischen Reich der Fall war. Eine davon ist der Taler des Eisernen Bundes (eine mächtige Handelsorganisation, ähnlich der Hanse). Der ist wohl die wertvollste erhältliche Münze (in Konkurrenz zum kaiserlichen Taler) und umgangssprachlich unter Eiserner bekannt. Weil es eine ganze Menge verschiedene Taler gibt, fragt Lars hier nach. Sonst hätte man die drei auch übers Ohr hauen können, indem man ihnen am Ende irgendwelche Provinzialtaler von Sonstwoher gibt, die nur im Gülledorf des Grafen Karl Otto Sowieso eingelöst werden können - etwas übertrieben gesprochen.

Sorry dafür. Ich habe Worldbuilder's Disease. Das ist aber im Regelfall nicht ansteckend, also keine Sorge.

Also, nochmal ganz herlichen Dank für deinen Kommentar. Auch dir ein schönes Wochenende!
Grüße,
Manfred

 

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