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Der makkabäische Bär

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03.10.2020
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Anmerkungen zum Text

Geplant ist ein Bestiarium kurzer, auf 500–700 Worte verdichteter Geschichten zwischen Horror, Weird Fiction, Science Fiction und weiteren Zutaten. Jede Erzählung trägt den Namen eines fiktionalen Tieres und bewegt sich in einer eigenen Welt, mit eigenem Stil und Genremix.

Der makkabäische Bär ist der zweite Teil der Serie.

Zum ersten Teil: Der Geigenvogel

Der makkabäische Bär

Ich will sein Blut am Stahl meines Hammers sehen. Wie es in dicken Klumpen kleben bleibt, mit seinem Haar daran, und vom Kopf auf das Metallfeld tropft, in einer unregelmäßigen Spur, wenn ich ihn durch den Ring verfolge und er vor mir kriecht und winselt.
Sein Fell soll über meinem Bett hängen. Ich will es ansehen, während ich wegdämmere, den Geschmack von Rost noch auf der Zunge. Ich lecke mir über die salzigen Lippen und meine Finger wollen sich in das Fell krallen, das er auch auf den Händen trägt und in dem ich mich so oft schon verbissen habe.
Was uns unterscheidet, schmilzt zusammen, wenn ich den Hammer vom Sockel nehme, sein Gewicht fühle, ihn ausbalanciere für den perfekten Schwung.
Die Garderobe ist zu grell. Kühle der Katakomben legt sich auf meine Haut. Das Dröhnen der Klimaanlage reicht bis tief in das hinein, zu dem ich geworden bin. Ich schnaufe schwer, kneife die Augen zu.
Auf meiner Netzhaut bleibt der Umriss des Exoskeletts als Lichtbild. Ein kalter Blitz auf der Halterung aus Stahl. Chirurgische Widerhaken, die mein Fleisch durchdringen und auseinanderziehen. Der Injektor pendelt hin und her, wartet auf die neuronale Verbindung.
Ich rieche Sterilisierungsmittel, das auf den Boden tropft. Der Geruch erinnert mich an die Klinik, in der meine Mutter verendet ist. Am selben Ort, an dem ich geboren worden bin. Heute habe ich Linie null erreicht.
Der Manager klatscht in die Hände. Ich höre, dass sie feucht sind, und sein Hemd ist steif vor Stärke. Unter der Operationsleuchte wirkt er bleich. Wenn er sich bewegt, läuft weißes Licht über das Chrom in seinen Schläfen.
»Du hast deinen Davidstern vergessen.«
Ich blicke ihn nur an.
»Bist du sicher, dass du das tun willst?«, fragt er.
»Was tun?«
»Ihn herausfordern.«
»Red keinen Scheiß!«
Er sieht mich nicht an und zeigt die Handflächen. Eine Geste so unterwürfig, wie ich sie mir von meinem Gegner erzwingen werde. Bevor ich ihm mit dem Hammer das Skelett aufspalte und die Knochen einzeln aus dem Fleisch treibe. »Nenn ihn bei seinem Namen.«
Er dreht sich zu der Aufhängung des Exoskeletts, tut so, als würde er die Vitalwerte prüfen. Sein Gestank wird verwirbelt, macht mich klamm vor Wut.
»Nenn ihn bei dem, was er ist«, verlange ich.
Er blickt mich von der Seite an. »Der makkabäische Bär.«
Ich presse eine Fingerspitze gegen die Nadel des Injektors und schüttle den Kopf. »Ich mach’s!«
Ich sehe es an seiner Körperhaltung, am Rotieren der Sensorlinsen seiner Augen, dass er die Kontrolle zurückgewinnt, dass seine Schwäche nur eine Täuschung war. Teil dieses Geschäfts. Ich wittere meine Angst, so sauer wie Urin.
»Erkenne deine Aufgabe«, sagt er.
Ich schließe die Augen, während er nach dem Kabelstrang des Injektors greift. Das Summen der Klimaanlage erfüllt die Luft und ich spüre Taubheit an meinem Rückenmark. Die Magnetkrallen zischen, als der Manager den Druck aus ihnen entlässt. Mein Rücken öffnet sich zu einem Schnitt dampfender Kälte. Die Haltegabel des Exoskeletts klickt, während er es nach vorne zieht. Ich stoße Luft aus, bis mein Brustkorb taub wird, dann reiße ich den Atem scharf zurück.

»Heute wird mein Vater fallen.«

 

Hallo @deserted-monkey
ich finde die Idee eines Bestiariums super! Kann mir auch vorstellen, dass du da noch einige Schmankerl abliefern wirst und sich das Ganze dann zusammen gesehen zu etwas noch viel Besserem entwickelt, sich sozusagen weiter aufwertet.

Nun aber mal zu diesem Text:

Ich will sein Blut am Stahl meines Hammers sehen.
Sein Fell soll über meinem Bett hängen. Ich will es ansehen, während ich wegdämmere, den Geschmack von Rost noch auf der Zunge.
Ich finde den Anfang saustark!
Gerade deswegen finde ich es aber schade, dass der Text (für mich) danach inhaltlich abfällt und du dich teilweise wieder in einigen (für mich sehr schwer zu entschlüsselnden) Teilen verlierst. Ich hätte es sehr begrüßt, wenn du den Stil des Anfangs beibehalten hättest. Sprich die Perspektive des Jägers (seine Wunschvorstellungen) und seine Beweggründe beibehalten und klarer gezeichnet hättest, dabei gerne auch mit einer erdige, roughen Sprache. Aber das mag anderen Lesern anders gehen und ist am Ende Geschmackssache.

Der Geruch erinnert mich an die Klinik, in der meine Mutter verendet ist. Am selben Ort, an dem ich geboren worden bin. Heute habe ich Linie null erreicht.
Das meine ich: Wo kommt die her? Spielt die später noch eine Rolle? Auch den Vater baust du später in Verbindung mit dem Bären (?) auf, aber da fehlt mir dann die weitere Ausführung. Das müsstest du gar nicht haarklein ausbuchstabieren, aber ein klein wenig mehr inhaltliche Hilfestellung wäre für mich notwendig, so dass es nicht einfach hingeworfen wirkt.

»Du hast deinen Davidstern vergessen.«
Ein Bezug zum Titel, ok. Aber wirkt für mich noch zu wenig eingebettet. Müsste für mich noch etwas mehr dazu (auch zum Bären, der zugegebenermaßen wirklich sehr cool klingt!). Andererseits muss ich zugeben, dass mir hier das historische Wissen fehlt, auf das evtl. Bezug nimmst. Vielleicht ist es auch klarer, wenn man weiß, auf was hier Bezug genommen wird.

Ich wittere meine Angst, so sauer wie Urin.
Sagt er das so? Nimmt man das so wahr, um es in Worte fassen zu können in einer solchen Situation? Passt für mich nicht.

Abschließend: Ich finde den Anfang Bombe! Die Idee finde ich auch gut, würde mir aber eine etwas andere, etwas klarere, vielleicht an der einen oder anderen Stelle sogar etwas weniger generische (weißes Licht auf Schläfen, Chrom, Exoskelett, Sensorlinsen usw. -> sind für mich ein wenig so die kassischen SciFi-Formulierungen) Umsetzung wünschen. Aber die Kritik ist auf hohem Niveau - der Text hat Qualität und ich bin sehr gespannt auf weitere Teile deines Projekts!

Beste Grüße
Habentus

 

Hallo @Habentus

Als erstes wie immer meinen herzlichen Dank an Dich fürs Lesen und Kommentieren, für deine Zeit, die Du für den Text investiert hast. Ich sehe, Du hast dich ernsthaft mit der Story befasst und das ist wirklich grossartig, sehr hilfreich. Dass die Idee des Bestiariums bei Dir gut ankommt, ist schon mal super, das freut mich. Der angedachte Titel für die Serie ist momentan noch ein Arbeitstitel, soll aber so in Richtung 'Die Liturgie der Tiere -- Ein Bestiarium' gehen. Was Du zum Anfang des Bären schreibst, dazu will ich gar nicht viel sagen, ausser, dass ich das natürlich sehr gerne gelesen habe und es runter ging wie Öl. Nun zu deinen kritischen Punkten, die, soviel sei gesagt, ich allesamt sehr gut nachvollziehen kann.

Gerade deswegen finde ich es aber schade, dass der Text (für mich) danach inhaltlich abfällt und du dich teilweise wieder in einigen (für mich sehr schwer zu entschlüsselnden) Teilen verlierst. Ich hätte es sehr begrüßt, wenn du den Stil des Anfangs beibehalten hättest. Sprich die Perspektive des Jägers (seine Wunschvorstellungen) und seine Beweggründe beibehalten und klarer gezeichnet hättest, dabei gerne auch mit einer erdige, roughen Sprache.
Ja, ich glaube, der Text arbeitet weniger über klare Motivführung als über Verdichtung und Andeutungen. Vielleicht hast Du eine direktere Jäger-/Arena-/Gewalt-Geschichte erwartet. Ich habe bei dieser Geschichte hier darauf geachtet -- im Vergleich zum Geigenvogel -- dass sie stärker narrativ gebunden und konkreter geführt ist. Aber, ich sehe deinen Punkt durchaus, nehme ihn mir auch für zukünftige Teile mit, jedoch ist es mir wichtig, nicht alles zu klar auszuformulieren, das kann schnell 'platt' wirken.

Das meine ich: Wo kommt die her? Spielt die später noch eine Rolle? Auch den Vater baust du später in Verbindung mit dem Bären (?) auf, aber da fehlt mir dann die weitere Ausführung. Das müsstest du gar nicht haarklein ausbuchstabieren, aber ein klein wenig mehr inhaltliche Hilfestellung wäre für mich notwendig, so dass es nicht einfach hingeworfen wirkt.
Hingeworfen ist natürlich hart :D Nein, alles gut, es gibt schon einen Grund, warum die Mutter da ist. Sie ist der Auslöser, bzw. ihr Verenden in der Klinik. Deshalb erst erreicht der Erzähler auch Linie null, wie er selbst sagt. Ich merke, ich beginne den Text zu erklären, weshalb ich es mal dabei belasse. Was Du zum Bären schreibst, zu der Verbindung, das ist super, ich sehe, Du hast (zumindest ungefähr) erkannt, wobei es mir darum ging.

Ein Bezug zum Titel, ok. Aber wirkt für mich noch zu wenig eingebettet. Müsste für mich noch etwas mehr dazu (auch zum Bären, der zugegebenermaßen wirklich sehr cool klingt!). Andererseits muss ich zugeben, dass mir hier das historische Wissen fehlt, auf das evtl. Bezug nimmst.
Ich verstehe deinen Kritikpunkt. Habe das auch ausprobiert, bin jedoch zum Schluss gekommen, dass diese Andeutungen eigentlich reichen müssten. Für mich funktionieren diese Andeutungen eher als eine Art Erdung der Geschichte, nicht unbedingt weil ich da einen grösseren, historischen Kontext öffnen möchte. Mehr davon würde den Flow der Geschichte zu stark aufbrechen, habe ich das Gefühl. Der Davidstern und der Begriff 'Makkabäer' (bezogen auf den Bären) sind natürlich in der Geschichte verfremdet. Jedenfalls hier ein Zitat von Google, einfach, weil es Dich zu interessieren scheint, nicht als Besserwisserei oder so gemeint:
Die Makkabäer waren eine jüdische Freiheitskämpfergruppe im 2. Jh. v. Chr., die unter Führung von Judas Makkabäus („der Hammer“) einen erfolgreichen Aufstand gegen die hellenistischen Seleukiden anführte.
Vielleicht ist jetzt auch klarer, woher das mit dem Hammer kommt :-)

Sagt er das so? Nimmt man das so wahr, um es in Worte fassen zu können in einer solchen Situation? Passt für mich nicht.
Ja, ich denke, es passt schon, wenn der Kontext hinzugenommen wird. Der Erzähler fühlt, riecht und nimmt ja eigentlich gar nicht mehr wahr, wie ein Mensch das tun würde, seine Wahrnehmung kippt bereits ins Animalische. Diese unterschwellige Animalität zieht sich meiner Meinung nach durch den gesamten Text. Genau das kommt hier zum Ausdruck, es kulminiert sozusagen in diesem einen Satz.

an der einen oder anderen Stelle sogar etwas weniger generische (weißes Licht auf Schläfen, Chrom, Exoskelett, Sensorlinsen usw. -> sind für mich ein wenig so die kassischen SciFi-Formulierungen) Umsetzung wünschen
Das finde ich einen sehr legitimen Punkt. Auch daran habe ich überlegt. Das würde dem Text mehr Eigenständigkeit geben, wenn ich da keine bekannten Begrifflichkeiten verwenden würde. Allerdings: Du siehst ja, es ist bereits jetzt nicht so ganz einfach, dem Text zu folgen, zumindest entnehme ich das deinem Feedback, wenn ich da jetzt noch technische Begriffe einstreue, die ich dem Leser auch noch erklären muss, dann bremst das den Text enorm aus. Zumindest nach meinem Gefühl. Weshalb ich da eher zu bekannten Dingen gegriffen habe. Aber: Man kann auch sagen, das ist jetzt eine Ausrede des Autors! Jedenfalls danke vielmals für den Gedankenanstoss. Ich denke weiter darüber nach, und vielleicht ist es für mich ja dann auch klarer, wenn mehr Meinungen zum Text existieren.

Vielen Dank für die Beschäftigung mit dem Text und es freut mich, dass Du auf weitere Teile der Serie gespannt bist!

Beste Grüsse,
d-m

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @deserted-monkey ,

es ist bei Geschichten ja unter anderem die Frage, welche Motivation die Protagonisten haben, was sie antreibt. Du erwähnst hierbei zum einen die Mutter des Prota, die bereits gestorben ist. Und im letzten Satz den Vater, der heute im Kampf fallen soll.

Das sind für mich als Leser wenige Informationen, um mir etwas zu den Hintergründen zusammen zu reimen. Eine Möglichkeit wäre, dass der Zorn des Prota durch den Tod der Mutter entstanden ist und er dafür den Vater verantwortlich macht, er ihn daher im Kampf vernichten will. Warum er den Vater verantwortlich macht, bliebe dann jedoch offen.

Bei deinen Schilderungen der Geschehnisse ist mir nicht klar, was davon tatsächlich passiert und was nur in den Gedanken des Protagonisten. Weiterhin wo es geschieht (Garderobe?) und wann. Liegt der Proto ggf. im sterben und es sind seine letzten Gedanken? Oder wird er tatsächlich zu etwas transformiert (Exoskelett)?

Ich lecke mir über die salzigen Lippen und meine Finger wollen sich in das Fell krallen, das er auch auf den Händen trägt und in dem ich mich so oft schon verbissen habe.
Ich würde nach "Lippen" einen neuen Satz beginnen, danach weiter mit "Meine Finger ...". Trägt der Gegner Fell auf seinen Händen? Ggf. eher an den Händen, oder seine Hände sind pelzig?
Am Ende des Absatzes schreibst du, dass der Prota sich schon oft darin verbissen hat. Im weiteren Verlauf scheint er aber so einen Kampf das erste Mal zu wagen?

Die Garderobe ist zu grell.
Die einzige Verortung. Ich hätte ehrlich gesagt eher einen Operationssaal erwartet.

Auf meiner Netzhaut bleibt der Umriss des Exoskeletts als Lichtbild. Ein kalter Blitz auf der Halterung aus Stahl. Chirurgische Widerhaken, die mein Fleisch durchdringen und auseinanderziehen. Der Injektor pendelt hin und her, wartet auf die neuronale Verbindung.
"als Lichtbild" kann ggf. entfallen. Und das alles passiert in einer Garderobe?

Der Manager klatscht in die Hände. Ich höre, dass sie feucht sind, und sein Hemd ist steif vor Stärke. Unter der Operationsleuchte wirkt er bleich. Wenn er sich bewegt, läuft weißes Licht über das Chrom in seinen Schläfen.
Ein Manager und kein Arzt? Ist es für die Handlung wichtig, dass auch er auf irgendeine Art und Weise transformiert ist?

Ich finde den Text grundsätzlich interessant, aus den genannten Gründen bleibt mir jedoch zu viel im Unklaren. Zu wenige Anhaltspunkte, um mir ein Bild von Hintergründen und Handlung zu machen.

Mal angenommen, der Text beinhaltet 30 % der möglichen Informationen, vielleicht erhöhst du auf 50 %?

Viele Grüße, Calmer

 

Hallo @Calmer

Vielen Dank für dein Feedback, deine Zeit und die Auseinandersetzung mit dem Bären. Hat mich sehr gefreut, von Dir zu lesen! Ich sehe, Du hast Dich ernsthaft mit dem Text beschäftigt und das rechne ich Dir hoch an. Du hast versucht, Zusammenhänge herzustellen, die Welt zu verstehen, Motive zu entschlüsseln, Figurenbeziehungen einzuordnen. Dass Du dich so intensiv damit beschäftigt hast, bestärkt mich darin, mit solchen Texten den richtigen Weg zu beschreiten.

Mal angenommen, der Text beinhaltet 30 % der möglichen Informationen, vielleicht erhöhst du auf 50 %?
Nun, für mich beinhaltet der Text 100% der Informationen :D Natürlich werden die Geschehnisse und die Welt dem Leser nicht zu diesen 100% eröffnet, aber ich denke, es steckt da eigentlich alles bereits drin. Ich fand auch deine Fragen sehr spannend -- Alles passiert in einer Garderobe? Ein Manager und kein Arzt? etc. -- das war sehr aufschlussreich für mich. Im Vergleich zu deinem Vorkommentator liest Du viel konkreter bzw. realistischer und das ist absolut nicht falsch, aber ich sehe, dass man da ein wenig ins Trudeln kommen kann. Allerdings ist der Text tatsächlich so angelegt: Atmosphäre, Körpergefühl, Räume, Realität, das wird alles übereinandergeblendet. Auch spannend: Die Fragen, die Du gestellt hast, sind für mich alle im Text angelegt, aber eher implizit und ich glaube, wenn Du davon schreibst, die Informationsdichte auf 50% zu erhöhen, könnte das auch bedeuten, dass Du hier weniger die Informationsmenge, sondern eher sowas wie Informationssicherheit meinst. Ich merke durch die ersten Rückmeldungen, dass der Text offenbar stärker destabilisieren kann, als ich zunächst angenommen habe. Das ist schon ein wenig beabsichtigt, auch wenn ich mir gedacht hätte, dass der Bär nach dem Geigenvogel einfacher zu 'entschlüsseln' oder zu konsumieren ist. Und selbstverständlich möchte ich nicht das Gefühl von Willkürlichkeit erwecken, das wäre fatal.

Oder wird er tatsächlich zu etwas transformiert (Exoskelett)?
Für mich ist das ziemlich deutlich im Text angelegt. Ich könnte auch schreiben (im übertragenen Sinne): Der Erzähler wird zum makkabäischen Bären. Aber das würde dem Text zuwiderlaufen.

Am Ende des Absatzes schreibst du, dass der Prota sich schon oft darin verbissen hat. Im weiteren Verlauf scheint er aber so einen Kampf das erste Mal zu wagen?
Ja, wie ist das mit dem Verbeissen im Fell auf den Händen gemeint? Für mich persönlich liest es sich so, als wäre er in der Vergangenheit vom Vater erniedrigt und geschlagen worden, zumindest existiert da eine tiefergehende Rivalität.

Die einzige Verortung. Ich hätte ehrlich gesagt eher einen Operationssaal erwartet.
Es gibt ja mehrere Verortungen: Die Katakomben, die Garderobe, das Metallfeld/der Kampfring, die Klimaanlagen, die Operationsleuchte, die Aufhängung des Exoskeletts. Um ein paar Beispiele zu nennen. Deshalb schliesse ich gleich zu deinem nächsten Punkt an:
Und das alles passiert in einer Garderobe?
Du fragst nach einem Operationssaal anstelle der Garderobe: Für mich ist die Garderobe der Operationssaal. Der Raum wird vom Erzähler auch psychisch wahrgenommen, bspw. hier:
Das Dröhnen der Klimaanlage reicht bis tief in das hinein, zu dem ich geworden bin.
Ich hoffe, Du kannst bis hierhin nachvollziehen, wie ich mir den Text beim Schreiben (in etwa) gedacht habe.

Ein Manager und kein Arzt?
Der Manager steht hier für mich für die Verkörperung des Systems, das die Transformation des Erzählers verwaltet, ritualisiert und legitimiert. Es geht dabei auch um sowas wie institutionalisierte Gewalt.

Ist es für die Handlung wichtig, dass auch er auf irgendeine Art und Weise transformiert ist?
Für die Handlung nicht per se, aber für's Worldbuilding, finde ich es schon relevant. Er ist ein Spiegel zum Protagonisten und zur Welt, in der sie sich bewegen: Sein Chrom, die Sensorlinsen, die feuchten Hände, das gestärkte Hemd, der Gestank, machen ihn selbst zu einer deformierten Mischung aus Mensch, Maschine und Funktionär. Er soll wie jemand wirken, der sich dem System längst vollständig angepasst hat. Deshalb finde ich die Information wichtig.

Ich hoffe, das war soweit nachvollziehbar. Ich danke Dir jedenfalls noch einmal ganz herzlich für deine Beschäftigung mit dem Text, deine Anmerkungen und Fragen haben mir geholfen, den Text selbst genauer zu sehen. Bitte verstehe mein Feedback auf deinen Kommentar nicht als Abwehrhaltung, dein Kommentar war sehr wertvoll für mich, Du hast den Text ernst genommen und Dich eingehend damit beschäftigt, mehr kann ein Autor gar nicht verlangen. Ich sehe, dass ich mit solchen Geschichten mich wahrscheinlich auf eine schmälere Leserschaft einstellen muss, aber das ist vollkommen okay. Meine Wertschätzung für deinen Kommentar tangiert das nicht im Geringsten. Vielen Dank!

Beste Grüsse,
d-m

 

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