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Der Misanthrop

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09.02.2016
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Der Misanthrop

Ich hasse Menschen. Sie sind ein Plage. Eine Krankheit, die die Erde befallen hat und sich einfach nicht vernichten lässt. Alles Parasiten... Wenn ich in die Gesichter hier um mich blicke, dann kriege ich das Kotzen... Nur Fassaden... Guck dir das an, nach außen hin sind sie alle am lächeln… Tun so als gäbe es eine heile Welt, aber eigentlich sind sie doch alle Schweine. Denken nur an sich…Ich bin der einzige, der das verstanden hat… Vielleicht bin ich ja das Heilmittel, um die Welt wieder erträglich zu machen… Ich werde meinen Beitrag leisten, damit diese traurigen Gesichter endlich verschwinden. Täglich muss ich diese Menschen um mich ertragen… Ich hasse es täglich in diesem Bus zu sitzen. Sieh dir doch nur mal die Leute an, die hier drin mitfahren… die asozialen Jugendlichen da im hinteren Teil, die ihre dreckige Musik so laut hören, als sollte es jeder mithören… Stellt das aus, verdammt! Oder dann diese Business-Typen… Scheiß Yuppies… Tippen auf ihren Laptops und denken sie wären was Besseres… Fahren mit dem Bus, weil sie damit ja angeblich die Umwelt schützen, aber dann durch ihren Job Regenwälder abholzen und ganze Länder ausbeuten. Aber am schlimmsten sind diese dicken Muttis… Wie die Oma, die sich so feist einfach neben mich gesetzt hat… Ich hatte noch extra meinen Koffer auf den Platz gestellt, aber sie hat ihn einfach zur Seite geschoben… Zum Glück hat sie nicht gesehen, was sich darin befindet… Dann bedankt sie sich nicht einmal… Ich hasse Bus fahren. Es sind noch 30 Minuten, bis zu meinem Ziel… Wenn ich könnte, würde ich schlafen… Ich bin so verdammt müde. Aber der Bus ist so am schwanken und rütteln… Wo hat der Fahrer eigentlich seinen Führerschein gewonnen?! Hätte ich doch bloß ein Auto, dann wäre die Strecke jetzt entspannter… Aber nein, dafür werde ich zu schlecht bezahlt. Ich bin nur der Mann für die schmutzige Arbeit, den Job, den keiner machen will… Jetzt schon seit 20 Jahren mache ich das… Lasse Leute verschwinden und so weiter… Als ob das dann noch Spaß macht… Immer dieses Gekreische dabei, ich krieg es nicht aus den Ohren… Und wenn dann einmal etwas nicht rund läuft, bin ich direkt der Gepeitschte… Da kommt es dann einmal zu einer Schlacht und meine Kunden machen eine Sauerei, wer darf dann alles wieder in Ordnung bringen? Natürlich ich... Während meine Bosse sich nicht die Hände schmutzig machen, aber sich die Taschen mit Geld vollstopfen… Diese Bonzen von meiner Agentur bekommen die dicken Schecks und fahren Porsche, weil sie ja so unglaublich viel Verantwortung tragen… Ohne Profis wie mich wären die doch komplett aufgeschmissen… Haben null Erfahrung, wie es wirklich auf den Straßen ist… Wo bleibt mein Anteil von dem Kuchen?... Seit Jahren bin ich schon bei der Agentur und muss trotzdem noch die kleinen Aufträge abschließen… Ich will endlich mal die dicken Fische… Ich hasse es für die Wichser die Drecksarbeit zu machen. Was starrt mich denn jetzt dieses Frau da vom Sitzplatz gegenüber an?... Fährt wahrscheinlich gerade mit dem Bus zu ihrem feinen Arbeitsplatz… Warte nur, bis du mal im wirklichen Leben angekommen bist, Kleine…Was soll das? Sie fixiert mich immer noch… Hmm, hab ich sie nicht schon mal irgendwo getroffen? Hat sie mich vielleicht mal bei meiner Arbeit gesehen und erkennt mich wieder?... Bitte erkenn mich nicht wieder oder sprich mich auf meinen Job an… Darauf hätte ich jetzt gar keine Lust… Naja, wenn es sein muss, dann hab ich in meinem Koffer noch ein paar Tricks auf Lager, um sie loszuwerden… Man muss immer ein Ass im Ärmel haben. Aber der Typ zwei Reihen vor mir dreht sich auch immer zu mir um… Das kann ich gar nicht ab… Wahrscheinlich gucken sie auf meinen Anzug und den großen Koffer, den ich mitschleppen muss… Das ist leider Pflicht… Alles Vorschriften der Agentur… Ich hab denen doch gesagt, das ist zu auffällig… So will ich nicht die ganze Zeit rumlaufen, wenn ich noch nicht bei meinem Ziel angekommen bin, meinte ich… Aber das ist gut für die Agentur, meinten die, es spiegele das Image wieder. Ach Scheiß drauf… Scheiß auf deren Firmenpolitik und Scheiß auf die Leute, die so dümmlich starren müssen… Die sind irgendwann auch dran. Endlich, da ist ja meine Haltestelle… Jetzt sind es noch 15 Minuten Fußweg bis zum Treffpunkt… Und das durch die Stadt… Auch so viele hässliche Untermenschen da.
Der Mann erhebt sich langsam von seinem Platz. Seine Knochen machen knackende Laute. Ein Zeichen der schweren Arbeit von vielen Jahren. Ein kleines Mädchen lächelt ihm freundlich zu, als er an ihr vorbeigeht. Ohne sie zu beachten verlässt der Mann den Bus. Der kalte Wind schlägt ihm ins Gesicht.
Bestimmt bekomm ich noch eine Erkältung… Das würde zum heutigen Tag passen. Mit steinerner Miene schreitet er durch die Innenstadt, den Koffer hinter sich her schleifend. Vorbei an den Kiosks und Buden des Hauptbahnhofs, vorbei an den Junkies und Pennern in den dunklen Ecken. Hoffentlich labert mich keiner von denen an… So ‘nem Gammler geb ich bestimmt kein Geld… Das hab ich hart verdient und ihr kauft damit bestimmt nur Bier und Drogen… Guckt euch an, Spastis, die essen, was ich wegwerfe… Der Mann guckt auf die Uhr und zündet sich eine Zigarette an. Sein Blick wird immer finsterer, je näher er seinem Ziel kommt.
Wie bin ich nur in diesen Job reingerutscht?... Naja, ich musste damals viele Schulden abzahlen und ich hab das Angebot einfach angenommen…Ohne nachzudenken… Aber jetzt komm ich da nicht mehr raus. Ich hätte das Studium abschließen sollen… Dann hätte ich jetzt einen soliden Bürojob… Ich müsste hier nicht für einen Hungerlohn durch den Winter laufen. Und meine Frau würde endlich aufhören zu meckern… Such dir einen richtigen Job, sagt sie immer, einen Job von dem du auch mal in der Öffentlichkeit erzählen kannst… All die Männer von ihren Freundinnen haben ja so tolle Jobs und sind ja so erfolgreich… Meine Arbeit dagegen wäre so schrecklich, die Menschen gruseln sich davor… Soziale Ächtung nennt meine Alte das, eine Demütigung für sie. Deshalb will sie keinem von meinem Beruf erzählen. Die ständige Geheimhaltung macht sie fertig. Was soll ich denn sagen?! Einer muss ja das Geld ranschaffen und Leute verschwinden lassen ist das Einzige, was ich gut kann. Sie wusste, dass sie keinen Millionär heiratet… Meine Frau sollte selber arbeiten gehen, wenn sie unbedingt mehr will. Hängt sonst eh nur zu Hause rum und macht nichts… Früher was sie irgendwie anders… Ach Scheiße, da ist ja das Haus. Jetzt muss die Vorstellung beginnen…
Der Mann ist bei seinem Ziel angekommen, ein nettes kleines Reihenhaus in der Vorstadt. Er öffnet die Zauntür und geht langsam durch den hübsch dekorierten Vorgarten. Der Rasen ist frisch geschnitten und zwei Gartenzwerge begrüßen den Mann auf seinem Weg zur Haustür. Verschissene Spießer… Warum muss ich immer zu solchen Typen?... Der Mann klingelt und eine genervte Frau öffnet ihm die Tür. „Da sind Sie ja endlich! Ich warte schon ewig. Die Zeit rennt uns davon.“ Der Mann entschuldigt sich emotionslos und tritt ein. „Ihre Agentur sagte mir am Telefon Sie hätten einige Tricks drauf. Welche Fähigkeiten besitzen Sie denn?“ Die Frau spricht in einem aufgeregten Ton. Der Mann antwortet: „Das Standardprogramm. Aber wenn Sie wollen, kann ich die Zielperson auch in zwei Teile sägen. Ich werde schon was aus dem Hut zaubern.“ Sie mustert ihn kritisch. „Ok, das wird schon passen. Es soll ja kurz und schmerzlos sein. Sagen Sie, Sie sehen eigentlich nicht wie so jemand aus, der sonst diesen Job macht.“ „Der Anblick täuscht manchmal“, antwortet der Mann patzig, „Wo soll das Ding denn steigen?“ „Ihr Ziel wartet im Garten. Da läuft gerade die Party, also ist er abgelenkt. Es wäre gut, wenn Sie ihn überraschen könnten!“, fordert die Frau. Der Mann nickt mürrisch. „Ich muss mich noch ein wenig vorbereiten. Gibt es hier vielleicht einen Raum, wo ich das ungestört machen kann?“ „Ja, gleich dahinten“, sagt die Frau, „Aber beeilen Sie sich. Ich kann es kaum erwarten, dass die Sache endlich vorbei ist!“ Ohne Antwort beendet der Mann das Gespräch und begibt sich zu dem kleinen Zimmer. Die Frau ruft ihm hinterher: „Und wie steht es mit der Bezahlung? Soll ich das Geld an ihre Agentur überweisen, wenn der Auftrag erledigt ist?“ „Nein“, sagt er im Weggehen, „Geben Sie es mir in bar, wenn es vorbei ist. Ich muss ungemberkt durch die Hintertür verschwinden!“ Sie winkt ab. Der Mann hört noch, wie sie ihm leise einen Fluch hinterher wirft. Aber so ist das wohl in dem Job. Als er in seinem improvisierten Vorbereitungsraum eingetroffen ist, schließt er die Tür hinter sich und öffnet seinen großen Koffer. Der Mann atmet tief durch.
Was denkt sich diese Schlampe eigentlich?... Will mir wohl erzählen, wie ich meinen Beruf machen soll. Die hat doch null Plan vom Leben. Denkt wahrscheinlich, ich sei so ein Scheiß Amateur. Die sollte mal mehr Respekt vor mir haben. Fette Kuh, noch schlimmer als meine Frau… Aber gut, jetzt muss ich mich konzentrieren. Darf es nicht versauen. Bei den Bossen bin ich eh schon in Ungnade gefallen… Also, was brauche ich?... Ja. Im Koffer sind alle Mittel, die ich brauche… Ein bisschen Schminke auftragen, dann erkennt mich keiner… Noch die Perücke und die Verkleidung ist fertig… Jetzt ist die Tarnung perfekt… Und als die Letztes die Pistole. Das ist das Wichtigste. Wie ich dieses Ding doch liebe… Ich muss sie nur auffüllen und voll machen. Damit überrasche ich den kleinen Pisser auf jeden Fall… Jetzt ist alles bereit für meinen Auftritt.
Ich schleiche mich mal langsam in den Garten… Ah, da sitzt ja die Zielperson. Dann hoch mit der Pistole. Und gut zielen! Ich darf nicht zögern… Komm schon, ich schaff das!... Jetzt hab ich dich genau im Visier!... Und los geht’s mit der Show… Feuer!
Der Mann drückt den Abzug von der Pistole. Ein Strahl schießt in Richtung der Zielperson. Er ist getroffen. Die Menge um ihn herum kreischt laut auf. Der Mann springt aus seinem Versteck in den Garten. Er schreit: „Hey, hey, Kinder! Ich bin es! Der große Clown Pagliacci! Ich bin heute extra in der Stadt, um hier bei der Geburtstagsparty vom kleinen Kevin aufzutreten. Wo ist denn das glückliche Geburtstagskind? Haha, da hab ich dich doch tatsächlich mit meiner Wasserpistole getroffen. Eine nette Dusche, oder? Hab ich dich überrascht, Kevin?“ Der Mann geht auf den kleinen Jungen zu, um ihm zu gratulieren. Die vollgeladene Wasserpistole lässt er auf seinem großen bunten Clowns-Koffer liegen. Auf einem Tisch im Garten stehen viele Geschenke und eine Torte mit dem Namen Kevin und zehn Kerzen. Um den Tisch stehen viele kleine Stühle für alle Partygäste und ein großer Thron für das Geburtstagskind. Überall auf dem Rasen liegen Spielsachen verstreut. Der Mann stolpert fast über einen Fußball. In seinen großen Clownsschuhen kann er nur sehr ungelenk gehen. Eine Horde von zwölf Jungen und Mädchen schart sich um den Mann. Alle tragen Partyhüte auf dem Kopf und haben bemalte Gesichter. Die Gruppe Kinder zieht an dem Mann und schreit ihn von allen Seiten an. „Hey, ein Clown! Wie cool ist das denn?!“ „Ich hoffe, meine Mutter holt auch einen Clown für meinen Geburtstag!“ „Können Sie auch zaubern, Mister?“, hallt es im Chor quäkender Kinderstimmen. Der Mann ist gereizt, aber muss gute Miene zum bösen Spiel machen. Er sagt: „Kinder, beruhigt euch doch! Alles Gute zum Geburtstag, Kevin. Und jetzt kann die Show beginnen. Aber nicht zu lang! Deine Mutter hat schon gedrängt. Sie will wohl auch ihre Ruhe.“ Er starrt in die Runde von erwartungsvollen Blicken. „Was für Tricks wollt ihr denn sehen, Kinder?“, fragt der Mann, „ Ich kann einen Hasen aus dem Hut zaubern oder euch mit einer Zaubersäge in zwei Teile schneiden. Oder soll ich einen Freiwilligen mit meiner magischen Box auf mysteriöse Art und Weise verschwinden lassen. Leute wegzaubern kann ich am besten! Ich hab alles in meinem Zauberkoffer. Aber keine Tortenschlacht, Leute. Wenn ihr den Kuchen werft, muss ich alles wegmachen“ Die Kinder lachen und schreien in ohrenbetäubender Lautstärke. Sie freuen sich riesig über Pagliacci, den Harlekin und Zauberer. Der Mann geht zu seiner lustig bemalten aber abgenutzten Kiste, um seine Tricks vorzuführen. Sein Clownsanzug, den er die ganze Zeit über schon tragen musste, ist ihm zu groß und die hellen Farben sind verwaschen. Die grüne Lockenperücke sitzt ihm schief auf dem Haupt und die weiße und rote Schminke auf seinem Gesicht verschmiert langsam. Er sieht lächerlich aus in der Kasperuniform, die ihm die der Clown-Buchungsservice gegeben hat. Aber die Agentur zwingt den Mann das Kostüm anzuziehen. Ein finsterer Ausdruck legt sich auf sein Gesicht, als er den Kindern den Rücken zudreht, um in dem Koffer zu suchen. Ich halt dieses Kindergekreische echt nicht mehr aus… Es brennt mir in den Ohren… Mit der Verkleidung erkennt mich hoffentlich keines der Kinder wieder auf der Straße, wie die Frau heute im Bus. Das wäre so peinlich… Und das Alles für den billigen Lohn. Meine Bosse kriegen ja das ganze Honorar… Ich schäme mich unglaublich. Kein Wunder, dass meine Frau keinem erzählt, dass ich ein Clown von Beruf bin… Aber immerhin bringe ich Leute zum Lachen. Haha, Bullshit!... Heute gibt es keine Zugabe. Ich will nur schnell nach Hause auf die Couch… Irgendwann werden es diese Pisser schon sehen. Alle Menschen sind verlogene Ficker… Ich hasse Menschen.

I heard joke once: Man goes to doctor. Says he's depressed. Life seems harsh, and cruel. Says he feels all alone in threatening world. Doctor says: "Treatment is simple. The great clown - Pagliacci - is in town. Go see him. That should pick you up." Man bursts into tears. "But doctor..." he says "I am Pagliacci." Good joke. Everybody laugh. Roll on snare drum. Curtains.
-Rorschach​

 

Hallo Rick!

Willkommen bei den Wortkriegern!

Ich gebe dir erstmal Tipps zur besseren Lesbarkeit von Texten, denn in der bisherigen Form schreckt dein Text voraussichtlich viele potentielle Leser ab.

Setze mehr Zeilenumbrüche und Absätze. Auch wenn dein Protagonist alles ohne Punkt und Komma denkt, lesen kann man das nur schwer. Also, Zeilenumbrüche rein, wo immer sich eine sinnvolle Möglichkeit ergibt.

Unbedingt auch Zeilenumbrüche im Dialog, immer, wenn der Sprecher wechselt.
Sieh dir auch die Zeichensetzungsregeln im Umfeld der Dialoge an.

Die drei Auslassungspünktchen ... solltest du nur einsetzen, wenn es wirklich, wirklich nötig tut. Mach dir ein paar Gedanken zum Satzbau. Was ist gut lesbar, was nicht? Denn du willst doch Leser anlocken, oder?
Außerdem werden die Auslassungspünktchen mit einem Leerzeichen vom (vollständigen) Wort getrennt.

Und wenn du schon mal beim Verbessern bist: Zahlen werden in literarischen Texten ausgeschrieben.

Grüße,
Chris

 

Lieber Rick,

die Grundidee deines Textes finde ich sehr gut. Eine schöne Neufassung von Molières grandioser Komödie mit einem Clown als Protagonisten, das ist eine herrliche Idee und irgendwie passend, wenn man sich den Clown einmal als melancholischen Einzelgänger vorstellt.
Irritiert hat mich vor allem der mehrmalige Wechsel der Erzählperspektive in der Mitte. Der Sprung vom Ich-Erzähler zu einer externen Erzählinstanz hat auf mich nicht wirklich passend gewirkt.
Auch solltest du deinen Text eventuell noch einmal auf Kommasetzung und Rechtschreibfehler durchgehen.
Hier nur zwei Beispiele:

Ich hasse es*,* täglich in diesem Bus zu sitzen.

Und
Während meine Bosse sich nicht die Hände schmutzig machen* aber sich die Taschen mit Geld vollstopfen

Herzliche Grüße
Johannes Kreisler

 

Hallo Rick Rauch,
Deine Geschichte beginnt mit einem inneren Monolog und fährt dann mittendrin urplötzlich aus der eingefahrenen Perspektive heraus, was sehr drastisch wirkt, weil die Gedankenarbeit zunächst sehr krass und hart im Urteil ist und dann Deine Figur einen Bruch erhält durch den gewaltsamen Schwenk. Diesen sehr abrupten Wechsel, der unten noch öfter auftritt, empfinde ich als nicht schlüssig im Erzählstrom.
Interessant finde ich das Verwirrspiel mit der Profession. Ist er nun Profikiller, der ungeliebte Ehemänner beseitigt, oder Zauberer? Allerdings erscheint mir dann die Fährte, die gelegt wird, nämlich, dass er Menschen verschwinden lässt, im Nachhinein zu künstlich. Seine erste Aufgabe als Clown ist ja, Leute zu bespaßen, sekundär sind Zaubertricks. Aber als Zauberer würde der Kontrast Beruf-Privatperson nicht funktionieren, klar. So aber wirkt die Irreführung konstruiert, was aber erst im Nachhinein klar wird, wie gesagt.
Ich dachte mir allerdings, dass es eine sehr schöne surreale Geschichte wäre, tatsächlich den Beruf eines Killers zu erzählen, der einem ganz normalen Gewerbe nachgeht. Frauen, die ihrer Männer überdrüssig wären, könnten ihn engagieren, er müsste ganz normal seine Steuererklärung einreichen und würde beim Hausbesuch angewiesen, wie er vorgehen solle. Er würde im Vorgespräch wesentliche Details klären, die Beseitigung des Opfers und so weiter. Was wäre das ein herrlich absurdes Spektakel. Dann würde aber der schon erwähnte Kontrast wegfallen. Ich schreibe das nur, weil ich zunächst dachte, Deine Geschichte läuft darauf hinaus, was mir gut gefallen hätte. So, wie Loriots Adventgedicht.
Sprachlich finde ich den Text gewandt geschrieben.
So beginnen im unteren Abschnitt etliche Sätze:

Der Mann
Das scheint mir zu erklärend und nimmt die Unmittelbarkeit der Party und seine Anspannung aus dem Spiel. Vielleicht lässt man ihn etwas machen, damit man es nachvollziehen kann.
Der Mann ist gereizt, aber muss gute Miene zum bösen Spiel machen.
Das weiß ich schon, weil Du es vorher im Detail beschrieben hast.
Er sieht lächerlich aus
Ja, als große Abschlussrakete. Aber schon ein starkes Stück.
verlogene Ficker
Mich irritiert der Ausdruck "Untermenschen", der aus dem propagandistischen Sprachgebrauch der Nationalsozialisten stammt. Das ist mir zu krass und dadurch wird für mich die Spannung zwischen professioneller Oberfläche und Persönlichkeit zu stark polarisiert und das ist ja auch nicht Thema des Textes. Dann müsste es für mich eine anders orientierte Figur sein, die mehr aus diesem gesellschaftspolitischen Feld her begründet ist und bräuchte eine andere Einbettung. Aber das allein kann für mich nicht so stehen.
Insgesamt habe ich Deine Geschichte vor allem in der Figurenaufstellung interessant gefunden, habe gerne das Verwirrspiel mitgelesen, das angestellt wird. Mit den genannten Einschränkungen, die ich beschrieben habe. Die sprachliche Direktheit hat mir gefallen.
Herzliche Grüße
rieger

 

Hallo Leute,

erstmal möchte ich mich bedanken für eure Kritik. Das ist der erste Text, den ich veröffentlicht habe und hoffe auch was daraus zu lernen.
Vielleicht ein bisschen zum Hintergrund: Die Idee hatte ich von einem lustigen Bilderchen aus dem Internet (http://9gag.com/gag/2961140/vinnie-the-clown-wait-what) und ich fand dieses Verwirrspiel ganz interessant. Dabei kam mir auch direkt der Comedian aus watchmen in den Sinn. Die Geschichte ist dann über den Zeitraum von einem Jahr entstanden. Ich habe immer mal wieder weitergeschrieben, weshalb der Text auch nicht so stringent wirkt.

Aber zu eurer Bewertung: Die Geschichte sollte extra in einer Art Bewusstseinsstrom verfasst sein und deshalb in einem Block stehen, aber es stimmt die fehlenden Absätze machen das ganz schwer zu lesen. Da werde ich bei der nächsten Verwendung so eines Stilmittels drauf achten.

Der Wechsel zu einer Art auktorialem Erzähler war für mich nur ein Notnagel. Ich dachte, sonst hätte ich manche Sachverhalte und besonders die Auflösung nicht angemessen präsentieren können. Aber ich sehe auch selbst ein, dass das sonst nicht so in den Text passt.

Vielen Dank nochmal für eure Worte. Ich hoffe, den Lesern hat es trotzdessen Freude bereiet. Vielleicht werde ich in Zukunft noch mehr veröffentlichen.

Liebe Grüße

 

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