Was ist neu

Der Weg zum Erfolg

Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148
Zuletzt bearbeitet:

Der Weg zum Erfolg

Herr Heider von der Agentur gab mir die Hand und führte mich zu einem Stuhl. Nachdem er mir gegenüber Platz genommen hatte, betrachtete er mich einen Augenblick. Dann sagte er:
„Sie sind zu dick, Herr Wehner.“
Ich war baff. Nicht eine Spur von Feindseligkeit oder Ironie lag in seiner Stimme. Sein sachlicher Ton passte ganz und gar zu dem Konferenzraum, in dem wir uns befanden.
„Manche meinen ja, Zucker sei tödlicher als Kugeln.“ Er hob die Hände und lächelte. „Nageln Sie mich nicht fest. Wahrscheinlich gibt’s zu dieser Behauptung gar keine verlässlichen Zahlen. Aber Sie? Haben vermutlich seit längerem Probleme mit ihrem Gewicht, nehme ich an? Eine erfolglose Diät nach der anderen?“
Ich setzte zu einer Antwort an. „Ist das ihre Art, in Gespräche einzusteigen?" Mein Herzschlag beschleunigte sich und ich bemerkte, wie sich meine Hände verkrampften. Dieser Heider hatte vielleicht Nerven. „Oder ist das eine Masche? Muss man hier erst gestehen, wie erbärmlich man ist, um den nächsten Schritt gehen zu dürfen? So Phönix-aus-der-Asche-mäßig?"
„Ich wollte Sie nicht beleidigen, sicher nicht", antwortete Heider in ruhigem Ton. „Aber alleine der Umstand, dass sie mir gegenübersitzen, ist für mich Grund genug, anzunehmen, dass Sie es ernst meinen, Herr Wehner. Sonst wären Sie doch gar nicht hier. Und da sie nun mal offensichtlich mit Übergewicht zu kämpfen haben“, er machte eine Geste in Richtung meines nicht zu leugnenden Bauchansatzes, „hielt ich es für angemessen, damit unser Gespräch zu eröffnen.“ Heider lächelte mich höflich an. Seine blauen Augen aber, lächelten nicht. „Mit vierzehn macht man sich über so was wie Herzanfälle und Diabetes Typ 2 wohl noch keine Gedanken, aber ...", er machte eine Pause und überlegte. „Wie alt sind sie, Herr Wehner? Dreißig, fünfunddreißig Jahre?“
„Zweiunddreißig“, hörte ich mich zu meiner eigenen Überraschung mit belegter Stimme antworten.
„Wunderbar, dann ist es ja noch lange nicht zu spät. Sehen sie, wir arbeiten hier mit Wegmarken. Stepstones, kleine Schritte zum Erfolg, wenn sie so möchten. Sie sind zu dick. Gewichtsreduktion wäre so ein erster Schritt.“
Ich fragte mich, ob es nicht besser wäre, einfach aufzustehen und nach Hause zu gehen. Andererseits hatte er recht. Es hatte mich Überwindung gekostet, überhaupt hierherzukommen. Eine Internetseite ohne Möglichkeit der Kontaktaufnahme hatte mich auf die Agentur aufmerksam gemacht. Keine Werbevideos erfolgreicher Teilnehmer, kein Newsletter oder sonst irgendwelche Informationen. Nur eine Adresse und ein Slogan. Der Weg zum Erfolg beginnt in ihrem Kopf. Wir helfen dabei, die ersten Schritte auf diesem Weg zu gehen. Ich hatte die Seite wieder geschlossen. Zwei Wochen später erwischte ich mich in der Mittagspause dabei, die Adresse der Agentur bei Google-Maps einzugeben. Das war vor vier Tagen gewesen.

„Wie sieht Erfolg für Sie aus? Gewichtsreduktion haben wir schon mal. Was möchten Sie noch erreichen?“, fuhr Heider unbeirrt fort.
Ich sah ihn böse an. „Nun, viel Geld und eine Chefposition wären für den Anfang nicht schlecht“, antwortete ich gereizt.
„Keine Experimente, wie?“ Heiders Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen. „Kleiner Scherz, ist nur so, dass es bei den meisten unserer Klienten in eben diese Richtung geht. Aber macht ja nichts. Legen wir uns also fest. Gewichtsreduktion, Einkommenssteigerung und beruflicher Aufstieg, richtig?“
Ich nickte. Eine Frau in einem schlichten Kostüm kam herein und legte einen Ordner auf den Glastisch vor uns. Herr Heider würdigte sie keines Blickes und griff nach den Papieren.
„Ich will Sie nicht belügen Herr Wehner. Unsere Agentur hat eine Erfolgsquote von fünfzig Prozent. Nicht viel würde man vielleicht meinen. Aber, und das garantiere ich Ihnen, damit liegen wir um ein Vielfaches höher als die Konkurrenz.“ Er nahm einen Schluck Wasser. „Bei uns schafft es jeder zweite unserer Klienten. Wenn Sie möchten, dass sich etwas Entscheidendes in ihrem Leben verändert, probieren Sie es mit uns. Es ist im Prinzip ähnlich, wie eine Münze zu werfen. Fünfzigprozentige Chance auf Erfolg. Der entscheidende Unterschied ist, dass wir den Faktor Glück eliminiert haben.“ Er machte eine Pause und sah mich durchdringend an. „Wir haben andere Methoden.“
„Sie sagen mir also, dass ich mit ihrem Programm eine fünfzigprozentige Chance habe, abzunehmen und reich zu werden? Sogar ein beruflicher Aufstieg ist drin?“ Ich nickte anerkennend, versuchte meine Nervosität zu überspielen. „Das scheint mir ja ein nahezu perfektes Angebot zu sein. Wo ist der Haken? Wie viel würde mich das Ganze denn kosten?“
„Nach Ablauf einer Frist, zahlen Sie uns eine Summe von 50.000 Euro, wenn … “
Ich stand auf und griff nach meiner Jacke. „Halten Sie mich für bescheuert? 50.000 Euro? Sie haben sie ja nicht alle.“
„Ich bin weit davon entfernt, Sie überreden zu wollen, Herr Wehner. Aber lassen Sie es mich erklären. Sie bezahlen die Summe in zwei Jahren. Und Sie bezahlen nur dann, wenn Sie den Vertrag, den wir schließen werden, als erfüllt betrachten.“ Er schob einige der Papiere auf dem Tisch in meine Richtung. „Das Urteil dabei liegt einseitig bei Ihnen. Sie entscheiden, ob sie das Ergebnis unserer Zusammenarbeit als Erfolg betrachten. Das werden wir genauso festhalten. Wenn Sie möchten, nehmen Sie den Vertrag mit nach Hause und lesen ihn sich in Ruhe durch. Oder lassen Sie ihn meinetwegen begutachten, wenn Sie mir nicht vertrauen. Bei uns gibt es keine Fallstricke. Das haben wir nicht nötig. Ich kann Ihnen nur sagen, bisher haben alle bezahlt, die den Weg zum Erfolg bis zum Ende gegangen sind. Und verändert hat es das Leben jedes einzelnen Teilnehmers. Diese Garantie gebe ich Ihnen.“ Heider lehnte sich zurück und schaute mich unvermindert lächelnd aus kalten Augen an.

Ich unterschrieb. Im Anschluss kam ich mir vor, wie eine Kuh, die soeben die eigene Schlachtung vertraglich geregelt hatte. Ich versuchte mich zu beruhigen. Ich konnte immer noch nach Hause gehen, wenn mir das Ganze zu abgedreht wurde. Mit zittrigen Händen nahm ich einen Schluck von dem Kaffee, den mir die Dame in dem Kostüm vor einigen Minuten hingestellt hatte.
„Was ist die stärkste Antriebskraft des Menschen, Herr Wehner?“
Ich überlegte. „Nennen Sie mich einen Romantiker, aber ich sage die Liebe“, antwortete ich bemüht scherzhaft nach einigen Augenblicken.
Diesmal lächelte Heider nicht. Meine Antwort schien ihn zu ärgern. „Die Liebe mag eine Antriebskraft sein, sicherlich. Aber die Stärkste? Wohl kaum. Die richtige Antwort lautet Angst.“
Ich starrte ihn an. Etwas in meinem Bauch verkrampfte sich und ich stellte die Tasse zurück auf den Tisch.
„Der Mensch an sich ist schwach und faul. So schwach und faul wie sie, Herr Wehner. Aber in jedem von uns ruht eine Kraft, die uns im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen lässt. Angst spaltet Atome, lässt uns Kriege gewinnen, Weltreiche errichten, Feinde ausrotten, ja sogar den Weltraum erobern. Angst lässt die Menschen an alles Mögliche glauben. An Ideologien, die Hölle und sogar an sich selbst." Heiders Blick verlor sich. „Haben Sie schon mal von der Schlacht von Pharsalos gehört?“, fuhr er aufgeräumt fort.
Ich schüttelte den Kopf. Die Stimme in meinem Kopf, die mich dazu animieren wollte, aufzustehen und zu gehen, wurde lauter.
„Julius Cäsar stand in Griechenland mit seinen Legionen der Senatsarmee von Pompeius Magnus gegenüber. In einem Verhältnis von eins zu vier. Cäsar obsiegte. Warum? Weil es keine Alternative gab. Nur Sieg oder Vernichtung. Die Angst vor der eigenen Auslöschung gab ihm und seinen Soldaten, sagen wir, den nötigen drive.“ Heider pausierte und sah mich mitleidig an. Er schüttelte den Kopf. „Sie können mir nicht folgen. Entschuldigen Sie, kommen wir zur Sache. Wir haben ein Toxin entwickeln lassen, dass sich unbemerkt im menschlichen Körper verteilt.“ Er machte eine Geste in Richtung meiner Kaffeetasse und fuhr fort.
„Nach vier Tagen ist ein bestimmter Kipppunkt überschritten. Gegenmittel würden dann nicht mehr in der Lage sein, den Prozess aufzuhalten.“
„Von was reden Sie da? Was für ein Prozess?“
„Ein Prozess des körperlichen Verfalls. Das Toxin greift die Organe im Körper an. Es dauert unterschiedlich lange. Bei Ihnen würde ich sagen ...“ Heider machte eine Pause und betrachtete mich abschätzig. „Da Sie nicht gut in Form sind, sagen wir, vier Monate. Aber das ist kein Problem. Wir können Ihnen besagtes Gegenmittel rechtzeitig verabreichen.“
Mein Mund wurde trocken. Der Mann musste scherzen. „Ich werde jetzt gehen“, sagte ich und stand auf.
„Tun Sie das“, antwortete Heider beinahe gelangweilt. „Ich habe für Donnerstag einen neuen Termin vorgemerkt. Das ist in zwei Tagen. Bis dahin werden Sie fünf Kilogramm abgenommen haben. Mein Team wird ihren Fortschritt begutachten. Im Anschluss erhalten Sie eine Dosis des Antitoxins. Uns beiden ist wohl völlig klar, dass so kein nachhaltiges Abnehmen funktionieren kann. Nein, das ist nur ein erster Beweis dafür, dass Sie, wenn sie es nur wirklich wollen, zu Bemerkenswertem in der Lage sind, Herr Wehner.“
Auf zittrigen Beinen stolperte ich in Richtung der Tür. Schweiß lief mir am ganzen Körper herab.
„Erfolg beginnt im Kopf, Herr Wehner, denken Sie daran. Auf Wiedersehen.“

Ich blickte auf die Anzeige. Eine seltsame Ruhe hatte mich erfasst. Vielleicht kam das von der Erschöpfung? Seit zwei Tagen hatte ich nichts mehr gegessen. Stattdessen hatte ich Unmengen an Wasser getrunken. Ich hatte recherchiert, dass das die Nierenaktivität anregen soll. Dadurch und durch exzessives Schwitzen könne man in kürzester Zeit extrem viel an Gewicht verlieren, las ich. Weight Cut wurde so etwas genannt. Also zog ich alle Klamotten an, die ich finden konnte. Mehrere Hosen, verschiedene Paar Socken, Pullover und meine Daunenjacke, ließ die Rollläden herunter und begann, Hampelmänner zu machen. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Mir taten die Knie weh, ich war ja kein sportlicher Mensch. Also drehte ich die Heizung auf und joggte in gemächlichem Tempo um meinen Küchentisch herum. Immer wieder. Bis mir schlecht wurde und ich mich übergeben musste. Auch nicht verkehrt, dachte ich.
Das zog ich zwei Tage lang durch. Dann fuhr ich wie in Trance zur Agentur, stellte mich in einem sterilen Raum auf eine Waage und blickte zu einem großen Bildschirm an der Wand.
Es fehlten zweihundertachtundfünfzig Gramm.
Ein Angestellter der Agentur trat neben mich.
„Tja, Herr Wehner, das war wohl ziemlich knapp, wie? Aber das Wichtigste ist, dass sie erkennen konnten, zu was sie in der Lage sind. Kommen Sie mit.“
Wir gingen aus dem Raum mit der Waage und ich folgte dem Mann einen Gang entlang.
„Werden Sie mir das Mittel trotzdem geben?“, fragte ich tonlos.
„Nein, das wäre nicht richtig. Ein falsches Signal.“ Er öffnete eine Tür. „Aber wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, ihr Zwischenziel noch zu erreichen.“ Der Raum war leer. Nur ein kleiner viereckiger Tisch stand in der Mitte. Darauf lagen ein weißes Handtuch, Desinfektionsmittel und ein Messer.
„Ein Finger oder zwei Zehen dürften reichen“, sagte er und schloss die Tür hinter mir.

Nach zwölf Monaten sind meine Muskeln härter und definierter denn je. Ich habe über zehn Kilogramm abgenommen, treibe viel Sport und auch beruflich läuft es bestens. Ich konnte mich gegen mehrere Mitbewerber um den Posten zur Bereichsleitung durchsetzen.
Alle vier Wochen hole ich mir das Antitoxin ab. Die Dosis wurde mittlerweile so angepasst, dass ich nicht mehr alle drei Tage bei der Agentur auftauchen muss.
„Das haben Sie sich erarbeitet, Herr Wehner. Vergessen Sie das nicht“, erklärte mir Heider.
Tue ich nicht, denn ich bin wirklich Stolz auf das, was ich erreicht habe.
Ich habe begonnen, mit Aktien zu spekulieren und in Immobilien zu investieren. Die Agentur hatte das empfohlen. Ich musste mir natürlich zunächst das nötige Startkapital besorgen. Zu dieser Zeit lag mein Vater nach einem schweren Unfall im Sterben. Noch während er im Krankenhaus an den Schläuchen hing, kam es zu Erbstreitigkeiten zwischen mir und meiner Familie. Die Agentur half mir dabei, verwies mich an einen Juristen. Danach gabs keinerlei Probleme mehr. Der Kontakt mit meiner Familie ist leider nahezu vollständig abgebrochen. Auf der Beerdigung habe ich sie noch mal getroffen. Ich sah gut aus in meinem Anzug. Gesprochen haben wir nicht miteinander.
„Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne“, meint Herr Heider.
Ich denke, dass er recht hat.

„Sehen Sie sich an, was Sie erreicht haben, Herr Wehner! Sie sind ein neuer, ein besserer Mensch. Und die Angst? Die haben Sie verloren, habe ich recht?“
Es stimmte. Angst verspürte ich seit Monaten nicht mehr. Im Gegenteil, ich fühlte mich beschwingt, motiviert, dazu bereit, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Die Frau mit dem Kostüm betrat den Raum, beugte sich zu Heider und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Heider wies mich an, aufzustehen und ihm zu folgen. Im Vorbeigehen zwinkerte ich ihr zu.
„Es ist an der Zeit, Herr Wehner. Wir sind beinahe durch mit unserem Programm. Nur noch eine Sache steht an. Der letzte und gleichzeitig wichtigste Schritt zum Erfolg."
Wir kamen vor einer Tür zum Stehen. Er legte mir seine Hand auf die Schulter, sah mich ernst an und sagte: „Vergessen Sie nicht, Sie können alles schaffen, wenn Sie nur das richtige Durchsetzungsvermögen mitbringen.“ Dann schob er mich in einen gekachelten Raum und schloss die Tür.

Mir gegenüber stand ein Mann, ungefähr in meinem Alter. Ansonsten war der Raum leer. Wir sahen uns an.
„Hallo,“ sagte der andere freundlich.
„Hallo,“ erwiderte ich. Mein Magen zog sich zusammen.
„Nun, mir wurde gesagt, hier würde ich endlich das Gegenmittel bekommen. Ihnen auch?“
Ich antwortete nicht. Mir war soeben klar geworden, warum die Agentur eine Erfolgsquote von fünfzig Prozent aufweisen konnte. Langsam ging ich auf den Mann zu.

 
Mitglied
Beitritt
05.03.2015
Beiträge
172
Zuletzt bearbeitet:

Hi @Habentus.

Hmmm, also wenn eine Story schon eines meiner guilty pleasures im Titel trägt, muss ich natürlich das kohlenhydrat- und fettreiche (!) Abendessen samt Glas Wein noch kurz verschieben, um sie zu lesen. Fazit: Schwierig. Warum? Naja, ich sags mal so: Wenn einen der inhaltliche Fachexkurs übers Bodybuilding nicht weiter interessiert, weil man das alles selbst weiss, was den Exotik-Faktor auslöscht wie Cortison die gains, dann bleibt einfach wirklich gar nichts an der Story übrig. Sorry, aber so hart muss ich das sagen. Ein Typ erzählt kurz the same old story über seine Motivation (war dick, wurde verprügelt, hab keine abbekommen ...) und verleibt sich dann als Beweis seiner Krassheit(?), seines Willens (?), seiner Verrücktheit(?) menschliches Fleisch ein - was biologisch ja vollkommen sinnfrei ist, und was er, seinen Ausführungen nach zu urteilen, auch selbst weiss/wissen müsste. Somit ergibt das alles nicht den geringsten Sinn, weder aus dem Text selbst heraus, noch objektiv. Jedenfalls ist das mein - wie immer subjektiver - Leseeindruck.

VG, HK

 
Mitglied
Beitritt
26.08.2002
Beiträge
556

@Habentus Hello!!

Kurzer-knackiger Text, gut geschrieben, straff und spannend, gratuliere!
Schön die skurrile Situation hingeworfen :)

Nun zum Einzelnen:

Denn Bodybuilding ist Krieg. Permanent und erbarmungslos geführt gegen deinen Körper, gegen die äußeren Umstände und,“
Komma <-> "

Als wolle er fragen, „Meine Güte, wem glaubst du, erzählst du das eigentlich gerade?“ Aber er kann es nicht fragen. Ich habe ihn mit einer Socke und grauem Panzertape geknebelt.
Das kommt gut. Überraschend, wie ein Schlag.
:thumbsup:


„Die Leute wissen ja gar nicht, was wir alles auf uns nehmen. Denken, es reicht aus, ein paar Mal in der Woche Gewichte zu stemmen. Sich in Schale schmeißen und für Fotos posieren. Ich sag dir, die haben keine Ahnung. Davon, wie es ist, eine Woche vor dem Wettkampf alles an Wasser aus dem Körper zu pressen. Weil das alle so machen und du ansonsten keine Chance hast. Sich alle zwanzig Minuten mit Proteinen vollzustopfen zu müssen. Am Tag auf einen Kalorienüberschuss von mindestens 500 zu kommen, trotz des Trainings. Von den Drogen, die unsere Körper ficken und uns irgendwann unweigerlich in die Depression treiben werden, fang ich gar nicht erst an.“
Bei diesen Dialogstellen entdecke ich eine Schwäche - es wird 'nicht-authentisch'.
Was ich damit meine? Der Protagonist redet hier zu mir, dem Leser. Mir könnte er das so mit diesen Formulierungen erklären - ist auch schön erklärt, keine Frage - nur kann ich mir nicht vorstellen, dass er das so in dieser Situation dem gefangenen Opfer erklärt.
1. weil der Klaus das alles weiß 2. weil das Motiv fehlt, so lang zu erklären 3. weil die Art zu reden - dieses Salbadern - in der Situation falsch klingt.
"Von den Drogen, die unsere Körper ficken und uns irgendwann unweigerlich in die Depression treiben werden, fang ich gar nicht erst an".
Das klingt nicht 'echt'. Wahrscheinlich würd er direkter mit ihm reden.
z.B. "Hast du etwa den Scheiß nicht satt, den wir uns reintun müssen? Der uns fertig macht?"

Mit Mitte dreißig. Die Shows kleiner, die Schulden größer. Und irgendwann als Türsteher im Kinki-Klub enden statt als angehender Mister Universum. Ich sag dir, nachdem man über die Jahre so viel geopfert hat, fühlt sich eine solche Aussicht einfach falsch an.“
Trotz der Angst nickt Klaus mir zu. Er kann nicht anders. Ihm würde es genauso gehen.
Hier ebenso.

"Ich bin jetzt 30 - was kann ich sonst machen? Den Türsteher vor'm Kinki? Statt Mr Universum? Ohne mich! Ich hab viel geopfert, das kommt nicht in die Tüte, Kumpel, das wär einfach falsch. Stimmt doch, oder?"
Trotz der Angst nickt Klaus mir zu. Er kann nicht anders. Ihm würde es genauso gehen.

Hoffe das ist verständlic, was ich meine.

„Du bist eben was du isst, nicht wahr Klaus?“
Hammerharter Satz.
:thumbsup:

Ob das jetzt sinnvoll ist, was der Prota versucht, kann ich nicht beurteilen - glaube jedoch, was ein Irrer für sinnvoll hält, kann ja noch mal was anderes sein als du und ich für möglich halten.

Gruß

nw-ms-ova

 
Seniors
Beitritt
01.05.2009
Beiträge
2.166

Hallo @Habentus ,

ich muss leider sagen, die Geschichte zündet bei mir nicht.

Das liegt einerseits an dem zu Tode gerittenen Klischeeplot "jemand hält jemanden gefangen und quatscht irgendwas, um den anderen dann umzubringen". Oft in einem Keller stattfindend.
Andererseits stehen da zwei Themenblöcke in dem Text, die ziemlich real, aber vollständig unspektakulär sind und dafür aber zu übererklärt: ungesundes Essen und ungesundes Krafttraining. Beides ist nicht so unbekannt, dass es im Detail als Plotersatz geschildert werden müsste.
Alles hat bisher in einer realen Welt stattgefunden, ganz am Ende bietest du aber einen - übrigens leider sehr vorhersehbaren - "Dreh", der plötzlich paranormal ist. Das Menschenfleisch hat andere Wirkung, als es tatsächlich haben dürfte. Das finde ich massiv ungünstig, denn du musst die Gesetze deiner fiktiven Welt brechen, damit du deine Pointe anbringen kannst. Schlauer wäre es, einen Dreh zu bringen, der mit deiner Welt, wie sie bis dahin präsentiert wird, funktionieren kann und den Leser mit etwas Unerwartetem überrascht.

Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass Menschen, die an Bulemie (Fress-Kotz-Sucht) leiden, nicht fett, sondern mager sind, weil sie ja eben nix verdauen. Den Erzähler ggfs. besser nicht alles auskotzen lassen.

Kinki-Klub
Kinky-Club (oder -Klub, sieht dann aber eher komisch aus in diesem Engl/Dt-mix).
Ich schüttele den Shaker in meiner Hand.
„Du bist eben was du isst, nicht wahr Klaus?“
Wörtliche Rede gehört angeschlossen, weil ja kein Sprecherwechsel stattfindet.

Bei den Tags finde ich Humor passender als Horror, weil das eigentlich gar nix mit dem Genre zu tun hat, egal, ob es nun paranormal gedacht ist oder realistisch.
Insgesamt ist mir die Geschichte zu seicht und zu ausgelutscht, sorry.

Hoffe, du kannst mit meiner Rückmeldung etwas anfangen, auch wenn es viel Kritik war.

Herzlichst,
Katla

 
Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148

Hallo @Henry K. , @FlicFlac und @Katla
freut mich, dass ihr meine kleine Geschichte gelesen habt, auch wenn sie wohl eher durchwachsen bei euch ankam.
Ich gehe mal der Reihe nach auf eure Kommentare ein:

dann bleibt einfach wirklich gar nichts an der Story übrig. Sorry, aber so hart muss ich das sagen.
Uff, harte Worte. Ich versuche mal auf so eine Fundamentalkritik einzugehen. Zunächst, ein wirklich großer Wurf ist der Text nicht. War aber auch nicht mein Anliegen. Mir ging es um den Versuch, in einem möglichst kurzen Text eine gewisse Stimmung zu erzeugen, ohne mich allzu lange aufzuhalten. Das mag bei dir und @Katla so leider nicht funktioniert zu haben, was schade ist. Mir gefällt meine Geschichte trotzdem. Auch wenn ich Probleme sehe, was den Aufbau, die Monologe und die Auflösung angeht.
was biologisch ja vollkommen sinnfrei ist, und was er, seinen Ausführungen nach zu urteilen, auch selbst weiss/wissen müsste
Nun, du bist ja, wie du schreibst, gewissermaßen vom Fach im Gegensatz zu mir. Ich mache zwar Sport, kenne mich aber mit Muskelaufbau und Bodybuilding nicht wirklich aus, mal von den absoluten Basics abgesehen. Die Grundstory sollte natürlich nicht allzu ernst genommen werden. Wer isst schon Menschenfleisch? Vermutlich hat Menschenfleisch auch einen geringeren Eiweißgehalt, als, sagen wir Fisch oder Beef-Jerky. Aber insgesamt ist es doch schon so, dass Muskelfleisch einen hohen Proteingehalt hat oder nicht? Ist es dann so vollkommen abwegig, dass der Protagonist sich am Muskelfleisch von Menschen vergreift? Zumal er dadurch ja auch seine Konkurrenz dezimiert.
Klar sollte der Konsum von Menschenfleisch (da kenne ich mich nicht aus ;) ) dazu führen, dass die Muskeln schwinden ist das natürlich ein großes Problem für die Story insgesamt.
Somit ergibt das alles nicht den geringsten Sinn, weder aus dem Text selbst heraus, noch objektiv.
Sehe ich ein wenig anders. Ob das jetzt ernährungstechnisch das sinnvollste ist, Muskelfleisch von Menschen zu essen, sei dahingestellt. Aber aus dem Text ergibt sich ja, dass er einerseits nicht von seinem Ziel abrücken will, andererseits aber eben kein tierisches Eiweiß mehr verträgt. Und da die Geschichte nun mal unter Horror getaggt ist, liegt der Schluss zum Kannibalen zu werden, nun nicht so fern. Vielleicht ja sogar zu nahe, wie @Katla kritisiert.

Kurzer-knackiger Text, gut geschrieben, straff und spannend, gratuliere!
Schön die skurrile Situation hingeworfen :)
Freut mich, dass der Text bei dir einigermaßen funktioniert hat!

Bei diesen Dialogstellen entdecke ich eine Schwäche - es wird 'nicht-authentisch'.
Was ich damit meine? Der Protagonist redet hier zu mir, dem Leser.
Da hast du recht. Ein Problem, dass ich noch nicht richtig lösen konnte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich eventuell die Perspektive noch mal wechseln sollte. Oder ob ich den Protagonisten einfach von Beginn an zum Leser sprechen lasse. Wobei das natürlich auch so seine Tücken hat. Schwierig. Zumal es ja eben kein Dialog, sondern ein Monolog ist. Ich habe noch keine Lösung. Die Stellen aber umzuschreiben und in ein "echtes Gespräch" zu verwandeln, ist für mich ebenfalls keine gute Lösung. So auf authentisch gemachte Dialog/Monolog-Szenen haben, wie ich finde, oft das Problem nicht sonderlich interessant für den Leser zu sein. Finde, dass das ganz oft nicht gut funktioniert. Ein Gegenbeispiel sind da zum Beispiel die Drehbücher von Quentin Tarantino und den Coen-Brüdern. Da funktionieren die Dialoge nicht nur im Film, sondern auch geschrieben ganz wunderbar, wie ich finde und behalten trotzdem einen authentischen Klang.

Das liegt einerseits an dem zu Tode gerittenen Klischeeplot "jemand hält jemanden gefangen und quatscht irgendwas, um den anderen dann umzubringen"
Sehe ich ein. Hatte nicht die Ambitionen, da jetzt einen sonderlich ausgefeilten, noch nie da gewesenen Plot zu erstellen. Mir ging es darum, eine möglichst kurze und straffe Geschichte zu schreiben. Hat bei dir nur eben nicht funktioniert. Schade.
Andererseits stehen da zwei Themenblöcke in dem Text, die ziemlich real, aber vollständig unspektakulär sind und dafür aber zu übererklärt
Tja, was ist dein Vorschlag? In irgendeinen Kontext muss ich den Protagonisten und die Geschichte ja setzen. Hier nun eben Ernährung und Sport, beides in ungesündester Ausprägung. Nur weil diese Themen auch schon oft in anderen Texten verhandelt wurden, sollte ich sie nun meinerseits nicht mehr verwenden? Oder nur dann, wenn ich etwas absolut Neuartiges dadurch auszusagen habe?

Beides ist nicht so unbekannt, dass es im Detail als Plotersatz geschildert werden müsste.
Verstehe hier auch nicht, warum das ein Plotersatz sein soll?

"Dreh", der plötzlich paranormal ist
Mmh, auch hier verstehe ich nicht so ganz, was daran denn nun paranormal sein soll? Habe ich in meinem Kommentar weiter oben ja bereits angedeutet, dass ich mich da zu wenig mit auskenne. Sollte es also völlig abwegig sein, dass durch menschliches Muskelfleisch ein Effekt erzielt werden kann, klärt mich bitte auf. Dass er aber im Gegenschluss nicht sofort alle Muskeln verliert, weil er auf tierisches Eiweiß verzichtet, ist ja nun auch naheliegend.

Das Menschenfleisch hat andere Wirkung, als es tatsächlich haben dürfte.
Wieso das? Er wird ja nun nicht plötzlich zum Hulk. Das wäre paranormal. Nein, er geht wieder mit einer anderen Einstellung an die Sache, hat seine Konkurrenz "im Griff" und bildet sich zumindest ein, dass Menschenfleisch ein Ersatz für tierisches Eiweiß sein kann. Ich sehe das Paranormale nicht.

übrigens leider sehr vorhersehbaren - "Dreh"
Absolut. Habe versucht, dass durch die sehr kurze Länge wenigstens ein bisschen zu umgehen. Scheint aber nicht zu klappen. Schade.

Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass Menschen, die an Bulemie (Fress-Kotz-Sucht) leiden, nicht fett, sondern mager sind, weil sie ja eben nix verdauen. Den Erzähler ggfs. besser nicht alles auskotzen lassen.
Das verstehe ich nun wieder nicht. Klar, der Protagonist scheint ein massives Problem mit seiner Ernährung zu haben. Das zieht sich schon durch den Text. Allerdings ist Bulimie nicht das Thema. Er kotzt ein einziges Mal als vierzehnjähriger. Sozusagen als symbolischer Akt, bevor er mit dem Training und der Ernährungsumstellung anfängt.
Und später bekommt er tierisches Eiweiß nicht mehr runter. Vermutlich, weil er es damit einfach über die Jahre übertrieben hat. Aber das ist ja keine Bulimie.

Kinky-Club
Ändere ich.

Bei den Tags finde ich Humor passender als Horror, weil das eigentlich gar nix mit dem Genre zu tun hat, egal, ob es nun paranormal gedacht ist oder realistisch.
Mmh, ich tu mir ja schon oft recht schwer mit diesen Tags. Aber Humor ist es meiner Meinung nach ja nun nicht. Ich habe nicht versucht, das besonders lustig darzustellen. Auch wenn vielleicht ein,/ zwei Schmunzler drin sind. Horror hat für mich deshalb gepasst, weil ich die Vorstellung, seinem Körper jahrelang einer solchen Tortur auszusetzen und dann auf die Idee zu kommen, die Konkurrenz zu verspeisen, schon recht horrormäßig finde. Das ist dann wohl auch das Problem der Geschichte. Statt mich auf dieses Kannibalen-Ding zuzubewegen, sollte ich vielleicht besser den Werdegang als Bodybuilder beschrieben. Würde dem Charakter dann vielleicht dadurch auch noch notwendige Tiefe verleihen. Ich werde es mal ausprobieren.

Danke euch für eure ehrlichen Worte!
Viele Grüße
Habentus

 
Mitglied
Beitritt
05.03.2015
Beiträge
172
Zuletzt bearbeitet:

Hi @Habentus,

ich gehe mal aus fachlicher Sicht auf deine Antworten ein, damit du die Story dahingehend verbessern kannst, wenn dir daran liegt.

Zunächst hierzu:

Henry K. schrieb:
Somit ergibt das alles nicht den geringsten Sinn, weder aus dem Text selbst heraus, noch objektiv.
Sehe ich ein wenig anders. Ob das jetzt ernährungstechnisch das sinnvollste ist, Muskelfleisch von Menschen zu essen, sei dahingestellt. Aber aus dem Text ergibt sich ja, dass er einerseits nicht von seinem Ziel abrücken will, andererseits aber eben kein tierisches Eiweiß mehr verträgt. Und da die Geschichte nun mal unter Horror getaggt ist, liegt der Schluss zum Kannibalen zu werden, nun nicht so fern. Vielleicht ja sogar zu nahe, wie @Katla kritisiert.

Deiner Einschätzung muss ich hier noch mal widersprechen: Wenn der Erzähler tief in der Materie drinsteckt - und so positioniert ihn die Story nun mal - bringt er Fachwissen mit. Und dann weiss er, dass sein Plan biologischer Unsinn ist. Zudem ist es völlig widersprüchlich, dass er Menschenfleisch essen soll, weil er "kein tierisches Eiweiss" mehr verträgt. Was ist denn Menschenfleisch, wenn nicht tierisches Eiweiss?

Aber egal, ich werde dir am Ende einen zumindest halbwegs plausiblen Ausweg zeigen, der dein Szenario eventuell retten kann - dazu muss der Protagonist aber noch eine deutliche Spur irrationaler werden.

Hier nun erst mal "ein paar" Worte zu der ganzen Biologie (sorry, war ne Steilvorlage):

Henry K. schrieb:
was biologisch ja vollkommen sinnfrei ist, und was er, seinen Ausführungen nach zu urteilen, auch selbst weiss/wissen müsste
Nun, du bist ja, wie du schreibst, gewissermaßen vom Fach im Gegensatz zu mir. Ich mache zwar Sport, kenne mich aber mit Muskelaufbau und Bodybuilding nicht wirklich aus, mal von den absoluten Basics abgesehen. Die Grundstory sollte natürlich nicht allzu ernst genommen werden. Wer isst schon Menschenfleisch? Vermutlich hat Menschenfleisch auch einen geringeren Eiweißgehalt, als, sagen wir Fisch oder Beef-Jerky. Aber insgesamt ist es doch schon so, dass Muskelfleisch einen hohen Proteingehalt hat oder nicht? Ist es dann so vollkommen abwegig, dass der Protagonist sich am Muskelfleisch von Menschen vergreift? Zumal er dadurch ja auch seine Konkurrenz dezimiert.
Klar sollte der Konsum von Menschenfleisch (da kenne ich mich nicht aus ;) ) dazu führen, dass die Muskeln schwinden ist das natürlich ein großes Problem für die Story insgesamt.

Wir müssen hier zwei Fragen auseinanderhalten:
1. Wie wichtig ist die Eiweisszufuhr überhaupt für den Muskelaufbau?
2. Wie wichtig ist dann wiederum die Qualität einzelner Eiweissquellen?

Zu 1.:

Je nach Quellenlage wird in einer Aufbauphase eine tägliche Eiweissaufnahme von 1 bis 2 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht als ausreichend angesehen. Ein 100 Kilo schwerer Mann muss also täglich 100 bis 200 Gramm Eiweiss verzehren, was - und da gebe ich dir recht - bereits zur Qual werden kann. Zudem gilt die Schwelle von 2 g / kg KG als sicher, was negative Auswirkungen von zu viel Eiweiss angeht, sprich bis zu dieser Schwelle sind Nierenschäden u. Ä. praktisch auszuschliessen - wenn man 2 bis 3 Liter Wasser pro Tag trinkt.

Kann man mehr Eiweiss essen und ist das nützlich? Ja, kann man. Und: Nein. Konsumiertes Eiweiss, das der Körper nicht zur eigenen Proteinsynthese verwendet, wird zu Kohlenhydraten bzw. Glucose umgewandelt und "verbrannt". Mit anderen Worten: In Hinblick auf den Muskelaufbau verpufft es. Das ist übrigens auch der Grund, warum Low-Carb-Diäten, die eine Ketose auslösen sollen, zu 85 bis 90 % aus Fettkalorien bestehen: Nur so wird der Körper gezwungen, in einem unergiebigen Prozess Fett in Ketonkörper umzuwandeln, die anders als Fett und Eiweiss die Blut-Hirn-Schranke passieren können - was wiederum überlebenswichtig ist, weil wir für unser Hirn eigentlich mindestens 120 g Glucose pro Tag brauchen. Würde man statt Fett mehr Eiweiss essen, würde der Körper sich die Ketose sparen und stattdessen das Protein verstoffwechseln.

Fazit: Ist ein bestimmtes, nicht allzu hohes Mass erreicht, ist eine weitere Proteinzufuhr unsinnig. (Das wichtigste anabole Hormon ist übrigens Insulin und das wird bekanntlich am besten durch die Aufnahme von schnellen Kohlenhydraten oder "Zucker" getriggert. Insulin "schliesst die Muskelzellen auf", wie man sagt, und setzt damit den Muskelaufbau überhaupt erst in Gang. Wenn man überhaupt "alle 20 Minuten" etwas zu sich nehmen sollte, dann wäre es Zucker, um den Insulinspiegel hochzuhalten. Wird von einigen Spinnern tatsächlich so ähnlich gemacht, sie nennen diese Taktik "grasen").

Zu 2.:

So, wenn man schon nicht allzu viel und dauernd Protein braucht, dann doch wohl das "beste"! Auch Fehlanzeige - ab hier übernimmt nämlich das Marketing. Nahrungsproteine bestehen aus Aminosäuren. Davon sind acht essentiell und zwei semi-essentiell, das heisst, der Körper kann sie nicht selbst aus anderen Aminosäuren herstellen. Die Proteinqualität bemisst sich einzig und allein am Vorhandensein aller essentiellen Aminosäuren. Bietet ein Lebensmittel sie alle, spricht man von einem "kompletten Protein". Bietet ein Lebensmittel nicht alle essentiellen Lebensmittel, ist es für den Muskelaufbau nutzlos, da hier ein "Alles-oder-nichts-Prinzip" gilt.

An diesem Punkt mag man denken: Also ist die Proteinqualität doch entscheidend. Und in gewisser Weise stimmt das. Wer nur nicht-komplette Proteine zu sich nimmt, bekommt ein Problem (wie manche Veganer). Aber die Natur hat natürlich mal wieder mitgedacht, denn es zählen nicht die einzelnen Elemente einer Mahlzeit, sondern natürlich die gesamte Mahlzeit. Wobei auch das ungenau ist - zwischen dem Verzehr der einzelnen Nahrungsmittel können bis zu vier Stunden liegen. Das bedeutet: Man kann relativ einfach komplette Proteine erzeugen, indem man bestimmte Lebensmittel kombiniert, weswegen clevere Veganer nach der Faustregel leben: a Grain, a Green and a Bean.

Das "Green" vergessen wir mal und schauen uns die anderen beiden Dinge an, ein Korn und eine Bohne (=Hülsenfrucht). Hülsenfrüchte sind entgegen ihrem Ruf für sich genommen keine guten Proteinquellen, denn ihnen fehlt eben eine Aminosäure: Methionin. Diese ist "limitierend". Dafür bieten Hülsenfrüchte reichlich Lysin, was wiederum Getreide fehlt. Ergo: Zusammen ist alles da. Man sieht, es ist kein Zufall, dass viele "ursprüngliche" Gerichte etwa im arabisch-indischen Raum Weizen und Hülsenfrüchte kombinieren. (Veganer bekommen trotzdem ein Problem beim Bodybuilding, weil diese beiden Nahrungsmittelgruppen in nicht getrockneter Form max. 10 % Protein, aber über 60 % Kohlenhydrate haben. Man muss also täglich kiloweise Bohnen und Brot essen kann, um auf seine absolute Eiweissmenge zu kommen, was dann auch die Mitmenschen vertreibt ;-)

So, jetzt zur Frage, welche Nahrungsmittel komplette Proteine darstellen. Kurz: Eier, Milchprodukte, Soja, Fisch und Fleisch. That's it. Ist aber ja kein Problem, wie eben beschrieben.

Doch wie wird die Proteinqualität überhaupt ermittelt? Und hier sind wir nun vollends in problematischem Fahrwasser, denn es gibt zwei Methoden, die beide am Ende unbefriedigend sind.

Bei Methode eins wurde tatsächlich empirisch untersucht, welche Menge Körpereiweiss aus einer gegebenen Menge Nahrungsprotein synthetisiert wurde. Ich bin allerdings nicht mehr sicher, ob hier nicht sogar mit Tierversuchen gearbeitet wurde. So oder so, hat man hier das Hühnerei als Referenz genommen und diesem den Wert 100 zugewiesen. Dieser Wert wurde dann im Grunde nur von Nahrungsmittelkombinationen getoppt und die allerbeste "biologische Wertigkeit", so der Name dieses Wertes, wurde von einer bestimmten Kombination von Kartoffel- und Eiprotein erreicht (nicht Kartoffeln und Ei - Kartoffelprotein und Eiprotein). Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Soja schnitten schlechter als das Hühnerei ab, sodass zu mutmassen wäre, dass Menschenfleisch auch schlechter abschneidet. Man muss ja zum Beispiel noch den Faktor Verdaulichkeit berücksichtigen.

Das Problem an dieser Methode ist, dass sie natürlich auf Experimenten beruht und entsprechend fehleranfällig ist. Ausserdem wurden diese Experimente meines Wissens nach kaum repliziert und ausserdem wurden nur wenige Nahrungskombinationen geprüft. Es bleiben also grosse Fragezeichen.

Die Alternativmethode, der "Chemical Score", ermittelt die Proteinqualität rein rechnerisch, indem das menschliche Muskelprotein entschlüsselt und die Verteilung der einzelnen Aminosäuren dann mit der in den Nahrungsmitteln verglichen wird. Hier ergibt sich dann das Kuriosum, dass viele Nahrungsproteine "mehr menschlichen Muskel" enthalten, als dieser selbst, um es mal bildlich auszudrücken, was natürlich nicht sein kann. Entsprechend fraglich ist auch hier, welchen Aussagewert der CS hat (nicht zuletzt die Verdaulichkeit bleibt ja hier wieder komplett aussen vor). Die Industrie hingegen liebt den CS, da sie damit irgendeinen scheusslichen Quatsch besser verkauft bekommt.

Fazit: Solange man alle essentiellen Aminosäuren zu sich nicht, ist alles tutti. Nach dem "besten" Protein zu suchen, ist totaler Quatsch. Generell ist es immer am besten, viele verschiedene Nahrungsquellen zu kombinieren und sich abwechslungsreich zu ernähren, allein schon, weil wir über die Gefahren und Wirkungen von Nahrungsmitteln tatsächlich gar nicht so viel wissen. Man streut also dadurch auch sein Krankheitsrisiko.

Finally - dein schmaler Ausweg!

Ich bin tatsächlich mal in einem Buch über Sporternährung über ein abschliessendes Kapitel mit "Super Foods" gestolpert. Darin wurden Lebensmittel aufgeführt, die angeblich eine leistungssteigernde "Wirkung" haben sollen. Das Ganze hat natürlich allerhöchstens anekdotische Evidenz, wenn es nicht blanker Aberglaube ist. Neben "lebenden" Dingen wie Kresse und Hafer als Kraftquelle, die nicht nur Pferde antreibt, wurde dort auch Rindfleisch genannt, dem eine aggressiv machende Wirkung nachgesagt wirkt, weswegen auch Boxer ja gerne Steaks essen würden.

Der Rest des Buches war wissenschaftlich fundiert, eine Art Standardwerk, darum ist das hier kein Blödsinn. Und diese Liste wurde auch schon als nicht durch Studien unterfüttert dargestellt. Aber dieses "Wissen" scheint in der Praxis ja Anwendung zu finden, darum könntest du hier ansetzen und deinen Protagonisten vielleicht noch stärker in diese okkulte Ecke stellen. Dafür müsste er aber dann eben nicht das tierische Eiweiss satt haben, vielmehr müsste er an eine Grenze gelangt sein, wo sich nur noch mit kleinsten Anpassungen Verbesserungen erzielen lassen. Da ist dein Protagonist nicht, er ist ja seinem Konkurrenten noch deutlich unterlegen. Er müsste besser schon auf Augenhöhe sein, vielleicht schon gleichauf, sodass ihm nur noch das letzte Fitzelchen fehlt. Weisst du, was ich meine? Auch die Begründung wäre anders: Ihm ginge es nicht um die Muskeln, sondern die Energie, den "Geist".

Naja, ich höre jetzt mal auf. Ich hoffe, mein Exkurs hat einen Mehrwert für dich (und andere).

VG, HK

 
Seniors
Beitritt
01.05.2009
Beiträge
2.166
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @Habentus ,

danke sehr für deine Antwort. :-)

Wer isst schon Menschenfleisch?
Kannibalen? :D
Ob das jetzt ernährungstechnisch das sinnvollste ist, Muskelfleisch von Menschen zu essen, sei dahingestellt. Aber aus dem Text ergibt sich ja, dass er einerseits nicht von seinem Ziel abrücken will, andererseits aber eben kein tierisches Eiweiß mehr verträgt.
Naja, wir sind Mischesser (zumindest unserem Gebiß nach). Hier gibt es auch ein paar Eindrücke, warum man seine Spezies-Genossen anknabbern mag. Super Buch, obwohl mich das Thema gar nicht übermässig interessiert.
Dass Menschen auch Säugetiere sind, ist aber schon klar, oder? Sorry, falls das frech klingt, aber du bringst das mehrmals so an, als wäre das nicht so,
Oder ob ich den Protagonisten einfach von Beginn an zum Leser sprechen lasse.
Strenggenommen tust du es bereits. Du wählst zwar nicht die 2. Person, aber ein Monolog ist es auch nicht, ein Dialog erst recht nicht und im Grunde würde er all diese Dinge auch niemandem (nämlich dem entführten Konkurrenten) erzählen, der sich ja selbst um Körperbilder und Training etc. kümmert - da erzählt er ihm nix Neues. Also erzählt er es eh nur dem Leser. ImA würde das am Text nix ändern.
Hatte nicht die Ambitionen, da jetzt einen sonderlich ausgefeilten, noch nie da gewesenen Plot zu erstellen.
Ach so. Warum eigentlich nicht? Mich als Leser reißt es nicht vom Hocker, Aufgewärmtes und Klischeebilder zu lesen. Warum sollte das interessieren?
In irgendeinen Kontext muss ich den Protagonisten und die Geschichte ja setzen.
Ja, selbstverständlich. Irgendeiner bedeutet aber auch, dass du als Ersteller jegliche Freiheit hast, dein Thema in eine Geschichte zu kleiden. Du kannst Genre, Setting, Figuren wählen, kannst das in der Historie oder in der Zukunft spielen lassen, auf der Erde, einem fremden Planeten in einer vollständig fiktionalen Welt. Es klingt fast, als hätte dir jemand eine Waffe an die Stirn gedrückt und dich zu diesen Figuren, Setting, Plot gezwungen und du hättest dir nicht anders zu helfen gewusst, als es eben so zu lösen.
Nur weil diese Themen auch schon oft in anderen Texten verhandelt wurden, sollte ich sie nun meinerseits nicht mehr verwenden? Oder nur dann, wenn ich etwas absolut Neuartiges dadurch auszusagen habe?
Ja, nur dann. Sonst sind es nur 10.000 Zeichen in einem Textfeld mehr, aber soll das ein Schreibziel sein?
Verstehe hier auch nicht, warum das ein Plotersatz sein soll?
Weil kaum etwas in Form eines Plots erzählt wird. Du hast einen Textblock, in dem ein Prot über seine Fehlernährung redet. Nahezu direkt daran schließt ein Textblock an, in dem der Prot über Training redet. Das ist kein Plot, selbst wenn es dabei auch die Vergangenheit des Protas mitbeleuchtet - aber so als ungebrochene, nicht-in-Szene-gesetzte Textblöcke, wo einfach nur etwas von A nach Z durchberichtet wird, sehe ich nicht als Plot, nicht mal eigentlich als Handlung.
Dazwischen ist ein Plot-Funke: Da ist ein Gefangener und ein Entführer. Okay. Was passiert zwischen den beiden? Nix. Weil der eine keine Artikulationsmöglichkeit hat und zudem nicht im Fokus des Erzählers steht.
Dann passiert etwas: Der Gefangene wird getötet und gegessen. Die Handlung in diesen beiden kurzen Sequenzen reicht nicht mal zur Flash Fiction und das können die beiden referierten Themenblöcke weder auffangen, noch ersetzen oder verschleiern.

Plotzersatz, weil da durch die Anzahl der Wörter eine Geschichte vorgegeben wird, wobei aber im Grunde nix erzählt wird.

Sollte es also völlig abwegig sein, dass durch menschliches Muskelfleisch ein Effekt erzielt werden kann, klärt mich bitte auf. Dass er aber im Gegenschluss nicht sofort alle Muskeln verliert, weil er auf tierisches Eiweiß verzichtet, ist ja nun auch naheliegend.
Erm ... :susp:
Die Aufklärung hat wohl Henry bereits übernommen.
bildet sich zumindest ein, dass Menschenfleisch ein Ersatz für tierisches Eiweiß sein kann.
:Pfeif: Dein Prota ist aber nicht die brightest bulb in the row, oder?
Gerade, da in den vergangenen zwei Jahren die bescheuertsten Konspirationstheorien öffentlich wurden, die die Menschheit je gesehen hat, wäre es doch ein Leichtes, deinem Prota einen "richtigen" Grund zu geben. Ich meine, wenn reale Leute glauben, sie würden mit 5G injiziert, damit Bill Gates / Mark Zuckerberg / die zionistischen Illuminati sie tracken und kontrollieren können, welcher Leser würde dir Übertreibung in so einer Geschichte vorwerfen können?
Nein, er geht wieder mit einer anderen Einstellung an die Sache, hat seine Konkurrenz "im Griff"
Dein Text ist aus zwei Gründen spekulativ: zum einen über die "Theorie" mit dem Fleisch. Dass dein Prota ein Psycho (und damit ein unzuverlässiger Erzähler) ist, wird nirgends angedeutet. Ich ging also davon aus, dass er ein zuverlässiger ist und ich als Leser das, was beschrieben wird für die textimmanente Realität halten soll.

Der zweite spekulative Aspekt: In deiner Welt kann es keine Polizei geben.
Der Prota bewegt sich in einer relativ kleinen Szene, die Opfer stehen in Beziehung zu ihm, sind obendrein die schärfsten Konkurrenten. Er achtet nicht darauf, Spuren zu vermeiden oder zu verwischen (wenn man zu Hause in der Pfanne Teile von Leuten brät, dürfte das auch recht schwierig werden). Er sagt selbst, er sei "erfolgreich" damit. Das geht nur in einer spekulativen Welt, zumindest, wenn ich nicht mehr Infos bekomme, warum da nicht ermittelt wird.

Allerdings ist Bulimie nicht das Thema. Er kotzt ein einziges Mal als vierzehnjähriger. Sozusagen als symbolischer Akt, bevor er mit dem Training und der Ernährungsumstellung anfängt.
Du erzählst 25+ Jahre im Zeitraffer - da muss ich als Leser doch annehmen, dass eine Handlung / Szene symbolisch für die erzählte Zeit zu sehen ist. Wenn er ein einziges Mal kotzt und das eher Zufall ist, sollte es vllt. besser gestrichen werden. (Faktisch kann es ja nicht vom tierischen Eiweiß kommen ... du weißt. Sonst würde der Erzähler den Leser obendrein noch anlügen.)
Und später bekommt er tierisches Eiweiß nicht mehr runter.
Biologie: 6. Setzen. :D
Horror hat für mich deshalb gepasst, weil ich die Vorstellung, seinem Körper jahrelang einer solchen Tortur auszusetzen und dann auf die Idee zu kommen, die Konkurrenz zu verspeisen, schon recht horrormäßig finde.
Horror ist allerdings ein Genre, nicht etwas, was man im Alltag unangenehm findet. Dazu gehören zwar auch realistische Plots (durchaus auch Serienmörder und / oder Kannibalen), aber zumindest ich kann keine Horrormomente entdecken, weil es so klamaukig ist. Es ist ja kein sauberes Psychogramm.
Statt mich auf dieses Kannibalen-Ding zuzubewegen, sollte ich vielleicht besser den Werdegang als Bodybuilder beschrieben
Und dann? Hast du den zweiten Textblock nur verlängert oder aber: Textblock I (Ernährungsstörungen), Textblock II (Werdegang Bodybuilder) und Textblock III (Training). Damit löst du mAn nicht das Plotproblem. Halte ich für kontraproduktiv.

Herzliche Grüße,
Katla

 
Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148

Hallo @Henry K. und @Katla
und erneut Danke für euere ziemlich ausführlichen Kommentare.
Zunächst zu deinem Kommentar @Henry K. Auch wenn ich dir nicht in einer ähnlichen Ausführlichkeit antworten werden kann, schätze ich die Mühe, die du dir offensichtlich bei deinem Kommentar gegeben hast. Liest sich interessant und sollte ich die Geschichte mit ein wenig Abstand noch einmal versuchen, in eine andere Richtung zu bauen, wird mir dein Fachwissen an dieser Stelle auf jeden Fall weiterhelfen. Deshalb Danke dir dafür. Nur noch zwei kleine Anmerkungen.

Zudem ist es völlig widersprüchlich, dass er Menschenfleisch essen soll, weil er "kein tierisches Eiweiss" mehr verträgt. Was ist denn Menschenfleisch, wenn nicht tierisches Eiweiss?
Sehe ich nicht und ich fürchte, mein Punkt wurde einfach immer noch nicht richtig klar. Es geht dem Protagonisten ja nicht darum, dass er kein tierisches Eiweiß in seiner Gänze mehr verträgt. Bisher hat er ja nun mal nur das tierische Eiweiß von Geflügel, Rind und Fisch zu sich genommen. Das (ebenfalls tierische) Eiweiß vom Menschen hat er bisher ja nicht gegessen. Hat deshalb auch keine Überempfindlichkeit demgegenüber entwickelt.
Fisch, Rind, Hühnchen, – ich krieg das nicht mehr runter. Simple Abwehrreaktion.
Eben weil er Fisch, Rind und Hühnchen in großen Mengen und über einen größeren Zeitraum vertilgt hat, bekommt er es nun nicht mehr runter. Ergo sucht er sich Alternativen, kommt auf Menschenfleisch und dezimiert dadurch auch gleich noch seine Konkurrenz. So einfach.
Ernährungstechnisch, auch aus sportlicher Sicht heraus, offensichtlich Käse. Hatten wir geklärt und hast du ja nun auch dankenswerterweise noch einmal in aller Ausführlichkeit dargestellt. Dass es ihm aber nicht generell um tierisches Eiweiß in seiner Gänze geht (Menschen sind Säugetiere usw.) sondern eben um jenes, das er bisher in Hohen Dosen zu sich genommen hat - darum ging es in der Geschichte.
Ich hoffe, mein Exkurs hat einen Mehrwert für dich (und andere).
Hat er auf jeden Fall. Danke dir für deine Zeit und deine Mühe :)

Nun zu deinem Kommentar @Katla. Auch dir Danke für die Zeit, die du investierst, um mir aufzuzeigen, woran meine Geschichte schwächelt.

Dass Menschen auch Säugetiere sind, ist aber schon klar, oder? Sorry, falls das frech klingt, aber du bringst das mehrmals so an, als wäre das nicht so,
Ist mir klar, danke. Und habe ich in meiner obigen Antwort ausgeführt. Das war auch nicht der Punkt in der Geschichte und auch für den Protagonisten ging es nicht darum.
lso erzählt er es eh nur dem Leser. ImA würde das am Text nix ändern.
Da hast du recht.
Ach so. Warum eigentlich nicht? Mich als Leser reißt es nicht vom Hocker, Aufgewärmtes und Klischeebilder zu lesen. Warum sollte das interessieren?
Nun, ich versuche mich im Moment eben am Schreiben. Bisher habe ich die Wortkrieger als Schreibwerkstatt wahrgenommen. Eure Kommentare sind da ja auch ein sehr gutes Beispiel für. Ihr führt auf, warum dieser Text zum Beispiel für euch nicht funktioniert und bietet neben eurer Kritik auch Möglichkeiten an, was evtl. besser gemacht werden könnte. Darum geht es mir hier. Ich möchte in einen Austausch geraten, meine Texte einem kritischen Blick zur Verfügung stellen und dadurch langfristig besser werden. Im Sinne einer Werkstatt.
Versteh mich nicht falsch, ich mag meinen Text, obwohl ich die Schwächen nun sehr deutlich sehe. Für mich muss auch nicht jeder Text und jede Geschichte alles neu machen. Ich komme gut damit klar, auch "Aufgewärmtes", wie du es nennst, zu lesen, wenn es gut gemacht, sprachlich gut geschrieben oder anderweitig interessant ist. Dass mir das ebenfalls nicht gelungen zu sein scheint, ist dann eine andere Sache. Dass es dich als Leser nicht vom Hocker reißt, kann ich ebenfalls verstehen. Das muss es aber ja auch nicht. Mich reißt ja auch nicht jeder Text vom Hocker. Ich erkenne aber die Mühe, die dahinter steckt an und sehe die allermeisten Texte (unabhängig von der Qualität) auch als einen Versuch an, besser zu werden, um dann ggf. irgendwann auch Texte schreiben zu können, die dich und andere eben doch vom Hocker reißen. Wenn ich hier nur noch Texte veröffentlichen würde, bei denen ich mir hundertprozentig sicher bin, dass sie mir absolut geglückt sind und keinerlei Schwächen haben - nun dann würde ich hier nichts mehr veröffentlichen und hätte keine Chance auf einen Austausch.
Mir ging es eben auch darum, wie der Text wirkt. Das habe ich nun recht eindrücklich zurückgemeldet bekommen, was ja gut ist, weil ich dadurch sicherlich wieder einiges für mich mitgenommen habe

:Pfeif: Dein Prota ist aber nicht die brightest bulb in the row, oder?
Ich habe weiter oben alles dazu gesagt.

Gerade, da in den vergangenen zwei Jahren die bescheuertsten Konspirationstheorien öffentlich wurden, die die Menschheit je gesehen hat, wäre es doch ein Leichtes, deinem Prota einen "richtigen" Grund zu geben. Ich meine, wenn reale Leute glauben, sie würden mit 5G injiziert, damit Bill Gates / Mark Zuckerberg / die zionistischen Illuminati sie tracken und kontrollieren können, welcher Leser würde dir Übertreibung in so einer Geschichte vorwerfen können?
Sicherlich, das wäre eine Möglichkeit. Dann hätte meine Geschichte aber nichts mehr mit der Grundidee zu tun und wäre schlicht eine andere Geschichte. Ich werde wahrscheinlich versuchen, den Text umzubauen und versuchen, eure Kritikpunkte einzubauen. Die komplette Grundidee auszuwechseln sehe ich aber im Moment nicht.

Irgendeiner bedeutet aber auch, dass du als Ersteller jegliche Freiheit hast, dein Thema in eine Geschichte zu kleiden. Du kannst Genre, Setting, Figuren wählen, kannst das in der Historie oder in der Zukunft spielen lassen, auf der Erde, einem fremden Planeten in einer vollständig fiktionalen Welt. Es klingt fast, als hätte dir jemand eine Waffe an die Stirn gedrückt und dich zu diesen Figuren, Setting, Plot gezwungen und du hättest dir nicht anders zu helfen gewusst, als es eben so zu lösen.
Auch das ist ja völlig klar. Nicht klar ist mir, was du mir damit sagen willst? Dass du meine Geschichte als grundsätzlich nicht gelungen ansiehst, kam deutlich heraus. Nun empfiehlst du mir also, einfach etwas anderes zu schreiben, weil ich ja die freie Wahl habe, was Genre, Setting und Figuren angeht? Nun danke für den Hinweis. Ich werde sicherlich auch noch die eine oder andere Geschichte in einem anderen Setting und mit anderen Figuren verfassen. Nun habe ich aber eben nun einmal DIESE Geschichte mit DIESER Figur und DIESEM Setting geschrieben. WIE ich es gemacht habe, mit allen Fehlern und Problemen, hatten wir ja bereits angeschnitten.

Ja, nur dann. Sonst sind es nur 10.000 Zeichen in einem Textfeld mehr, aber soll das ein Schreibziel sein?
Hatte ich oben etwas zu gesagt und sehe ich grundsätzlich anders.

Dein Text ist aus zwei Gründen spekulativ: zum einen über die "Theorie" mit dem Fleisch. Dass dein Prota ein Psycho (und damit ein unzuverlässiger Erzähler) ist, wird nirgends angedeutet. Ich ging also davon aus, dass er ein zuverlässiger ist und ich als Leser das, was beschrieben wird für die textimmanente Realität halten soll. Der zweite spekulative Aspekt: In deiner Welt kann es keine Polizei geben.
Der Prota bewegt sich in einer relativ kleinen Szene, die Opfer stehen in Beziehung zu ihm, sind obendrein die schärfsten Konkurrenten. Er achtet nicht darauf, Spuren zu vermeiden oder zu verwischen (wenn man zu Hause in der Pfanne Teile von Leuten brät, dürfte das auch recht schwierig werden). Er sagt selbst, er sei "erfolgreich" damit. Das geht nur in einer spekulativen Welt, zumindest, wenn ich nicht mehr Infos bekomme, warum da nicht ermittelt wird.
Das stimmt auf jeden Fall. Werde ich für mich mitnehmen. Danke dir dafür. Habe ich beim Schreiben zu wenig bedacht.

Biologie: 6. Setzen. :D
Meine Güte, ich konkretisiere: Er bekommt das tierische Eiweiß von Geflügel, Rind und Fisch nicht mehr runter. Das ebenfalls tierische Eiweiß vom Menschen hat er zu diesem Zeitpunkt doch noch gar nicht gegessen. Ich weiß nicht, ob diese Art des Kommentierens sonderlich zielführend ist. Mich ärgert es an dieser Stelle zumindest.

Und dann? Hast du den zweiten Textblock nur verlängert oder aber: Textblock I (Ernährungsstörungen), Textblock II (Werdegang Bodybuilder) und Textblock III (Training). Damit löst du mAn nicht das Plotproblem. Halte ich für kontraproduktiv.
Hast recht, ich sehe den Punkt.

Viele Grüße und Danke für eure Anmerkungen, die mir tatsächlich weiterhelfen und mir inhaltlich auf jeden Fall etwas geben!
Viele Grüße
Habentus

 
Mitglied
Beitritt
05.03.2015
Beiträge
172
Zuletzt bearbeitet:

Hi @Habentus,

Nur noch zwei kleine Anmerkungen.

Henry K. schrieb:
Zudem ist es völlig widersprüchlich, dass er Menschenfleisch essen soll, weil er "kein tierisches Eiweiss" mehr verträgt. Was ist denn Menschenfleisch, wenn nicht tierisches Eiweiss?
Sehe ich nicht und ich fürchte, mein Punkt wurde einfach immer noch nicht richtig klar. Es geht dem Protagonisten ja nicht darum, dass er kein tierisches Eiweiß in seiner Gänze mehr verträgt. Bisher hat er ja nun mal nur das tierische Eiweiß von Geflügel, Rind und Fisch zu sich genommen. Das (ebenfalls tierische) Eiweiß vom Menschen hat er bisher ja nicht gegessen. Hat deshalb auch keine Überempfindlichkeit demgegenüber entwickelt.

@Katla hat recht: Du willst diese Idee wirklich nicht aufgeben, wie? :-D Eine "Überempfindlichkeit" kann zwei Dinge heissen: Der Körper verträgt etwas nicht, oder man hat etwas über. Im ersten Fall ist Menschenfleisch keine Lösung, weil es eben tierisches Eiweiss ist. Im zweiten Fall muss man fragen: Was meinst du denn, wie Menschenfleisch schmeckt? Doch wohl ähnlich wie Rind oder Schwein - wir sind ja genetisch praktisch Schweine. Oder eben wie irgendein anderes Fleisch. Der P kann ja auch erst mal Strauss, Büffel, Hirsch, Krokodil oder Schlangenfleisch essen, wenn er Abwechslung braucht - oder wie die Internet-Legende Markus Rühl, der manchmal keine süssen Proteinshakes mehr runterkriegt, Thunfisch mit Wasser mixen und trinken. Er kann auch geschmackloses Proteinpulver verwenden oder klare Proteingetränke mit Maracuja-Geschmack oder Pillen mit Aminosäuren. Oder, oder, oder. Die Proteinherleitung ist einfach blanker Unsinn, sieh es doch ein! Jetzt lass ich es aber auch gut sein, man kann ja nicht jeden vor sich selbst schützen :-P

Hier noch zwei Buchtipps: "Ego" von John von Düffel. Ich habe das Buch zwar vor zwanzig Jahren gelesen und weiss daher nicht mehr, wie "gut" es nach meinem heutigen Massstab geschrieben ist. Aber da ich auch deine Story mit den Business-MMA-Kämpfen gelesen hab, könnte das was für dich sein. Es geht um einen Business-Typen, der besessen von seinem Aussehen ist.

Und wenn du das Thema Selbstbild von Bodybuildern in einer richtig fundierten Recherche besser verstehen willst, kann ich dir (und so gut wie jedem Mann) das hier empfehlen: "Der Adonis-Komplex: Schönheitswahn und Körperkult bei Männern" von Harrison G. Pope.

VG, HK

[edited]

 
Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148

Oder, oder, oder. Die Proteinherleitung ist einfach blanker Unsinn, sieh es doch ein! Jetzt lass ich es aber auch gut sein, man kann ja nicht jeden vor sich selbst schützen :-P
Aber das bestreitet doch kein Mensch. Dass der P offensichtlich nicht ganz rund läuft, weil er eben statt auf die soeben aufgezählten Akternativen, auf Menschenfleisch zurückgreift, ist das eine. Dass die Geschichte nicht gut funktioniert, weil der Plot keiner ist, die Auflösung Quatsch und der Chrakter als Psycho nicht nachvollziehbar ist, sehe ich doch ein. Ich versuche doch gar nicht etwas zu verteidigen, was nicht zu verteidigen ist. Dass mir die Geschichte dennoch irgendwie etwas bedeutet und ich nach Möglichkeiten suche, sie evtl. zu verbessern sollte aber doch ebenso legitim sein.
Danke für die Buchtipps! Ich werds mir ansehen.

Viele Grüße
Habentus

 
Mitglied
Beitritt
05.03.2015
Beiträge
172

@Habentus

Ok, jetzt hab ich das Problem verstanden: Du denkst, der P könnte diesen Fehler machen. Kann er aber nicht. Wenn er Bühnenbodybuilder ist, hat er Training und Ernährung studiert. Das geht gar nicht anders. Es ist also praktisch ausgeschlossen, dass er erfolgreicher Bodybuilder und gleichzeitig fachlich unbedarft ist. Das schrieb ich schon anfangs. Und darum ist der Text eben in sich nicht schlüssig.

Ich würde das Bodybuilding-Thema in diesem Kontext fallenlassen und einen anderen kompetitiven Sportler zum Kannibalen machen, der sich dann eben den "Kampfgeist", das Talent oder irgendwelchen anderen Fertigkeiten eines Konkurrenzen einverleibt/einverleiben will.

Dann hast du das Grundmotiv erhalten, hast Kannibalismus und kannst dich mit Vodoo-Zauber austoben. Das löst alle Probleme des Texts.

VG, HK

 
Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148

Ergo sucht er sich Alternativen, kommt auf Menschenfleisch und dezimiert dadurch auch gleich noch seine Konkurrenz. So einfach.
Ernährungstechnisch, auch aus sportlicher Sicht heraus, offensichtlich Käse.
Das schrieb ich schon anfangs. Und darum ist der Text eben in sich nicht schlüssig.
Absolut. Sehe ich ein und behaupte auch nicht das Gegenteil. Die Geschichte funktioniert nicht. Daher werde ich sie entweder komplett überarbeiten müssen oder schlicht als Erfahrung wie es nicht geht, für mich abschließen. So nun aber genug damit.

 

CoK

Neues Mitglied
Beitritt
24.08.2020
Beiträge
314
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @Habentus

du willst den Text überarbeiten, finde ich gut. Erlaube mir trotzdem einen kleinen Gegenbesuch und einen kurzen Leseeindruck.

Zucker ist tödlicher als Kugeln, sagt man. Global gesehen. Keine Ahnung, ob das stimmt. Für mich kann ich das rückblickend aber unterschreiben. Ich war nicht pummelig oder dick. Ich war fett. Wenn mich etwas traurig machte, ging ich los, um mich mit Glukose-Fructose-Sirup und Natriumsalzen vollzupumpen.
mMn ein guter Anfang, er hat mich neugierig gemacht …
Meine Welt bestand aus Essen. Und irgendwo am Horizont aus Mädchen, Freunden und dem Wunsch nach Anerkennung. Wenn die Sehnsucht bedrohliche Ausmaße annahm, aß ich ein Stück Kuchen. Manchmal zwei.
Um seine Gefühle zu betäuben wird er esssüchtig.
Meine Neugier blieb …
. Es machte klick. Wie betäubt saß ich da. Eine Viertelstunde vielleicht. Dann stand ich auf und schlurfte zum Kühlschrank. Griff mir eine Literpackung Schokomilch und trank alles aus. Nahm alle Mini-Salamis und schlürfte dazu die übrig gebliebene Bratensoße vom Vortag. Vertilgte drei hartgekochte Eier, aß vier Scheiben Weißbrot und löffelte ein komplettes Nuss-Nougat-Glas.
Auch hier typisches Suchtverhalten, alles muß weg … Ich will ganz neu anfangen.
Nach dem Klick also die Laufbahn zum Bodybuilding.
Schnell ohne Rückfall, ohne Mädchengeschichten, ohne …
Dann ist er Psychopath!?

Bin gespannt auf deine Überarbeitung.
Liebe Grüße CoK

 
Mitglied
Beitritt
05.03.2015
Beiträge
172
Zuletzt bearbeitet:

@Habentus

Ja, genug jetzt. Du machst das schon. Abschließend von meiner Seite noch eine letzte bestärkende Bemerkung, das Thema Bodybuilding weiterzuverfolgen:

Ich persönlich kenne nichts, was so sehr dem Schreibprozess ähnelt wie das Bodybuilding: Erst muss man quälend langsam und unter Mühen Material aufbauen, wobei es 1000 Dinge zu beachten gibt. Die Geduld und Ausdauer, die man dafür braucht, sind teilweise kaum zu stemmen.

Und wenn man dann endlich am Ziel ist, muss man auf dem Absatz kehrt machen, und sich mit schier unmenschlicher Disziplin wieder Material abtrainieren, was einen von Tag zu Tag mehr schwächt. Und dabei geht unweigerlich auch Substanz verloren, die man gar nicht opfern will, die man also völlig umsonst aufgebaut hat.

Und während diesem ganzen Prozess muss man in einer Tour in den Spiegel schauen und sich dazu von aussen begutachten lassen, da man sonst nicht einschätzen kann, wo auf seinem Weg man steht.

Und wofür das alles? Um sich letztendlich vollends auf der Bühne nackig zu machen und praktisch die gesamte Wertung des eigenen Tuns ans Publikum und an eine Jury von Experten zu übertragen, die einen entweder küren oder verdammen kann.

Aber damit immer noch nicht genug. Ob Erfolg oder Misserfolg, kurz nach der Show steht man vor dem Nichts und muss sich irgendwie alleine aufraffen, all das erneut zu durchlaufen, und erneut, und erneut.

Ist das nicht ein herrliches Leben? 😁

 
Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148

Hallo @Henry K. @FlicFlac @Katla und @CoK

ich habe versucht, eure Kritikpunkte umzusetzen. Nach kurzer Zeit wurde mir dann aber klar, dass das mit der ursprünglichen Geschichte nicht gelingen würde. Also habe ich eine neue Geschichte inklusive anderem Titel geschrieben. Dabei habe ich aber versucht, einiges von dem, was ihr angemerkt hattet (Plot, keine reinen Textblöcke usw.) umzusetzen. Ich bin einigermaßen zufrieden, würde aber gerne eure Meinungen zu dem neuen Text hören. Sicherlich gibt es auch hier noch einiges anzumerken.

Ich habe einige wenige Textstellen übernommen. Daher habe ich den Text nicht als neue Geschichte gepostet, sondern schlicht den alten Text ersetzt. Auch deshalb, weil ja schlussendlich eure Kommentare dafür gesorgt haben, überhaupt noch mal drüber zu gehen. Der Tag Horror ist geblieben. Auch wenn es sicherlich keine reine Horror-Geschichte geworden ist. Die Thematik ist für mich der Horror. Ob es den Text deshalb für den tag Horror qualifiziert, weiß ich nicht.

Lasst mich gerne eure Meinungen hören, wenn ihr die Zeit dazu finden solltet.
Viele Grüße
Habentus

 
Mitglied
Beitritt
05.03.2015
Beiträge
172

Hallo @Habentus,

also von mir gibt's zwei Daumen hoch. Das ist viel besser als die erste Version, ja, ich fand es geradezu spannend zu lesen - was ich hier nur selten erlebe. Hat mich direkt an den Film "The Game" erinnert. Und ich könnte mir auch die Story gut "in Spielfilmlänge" vorstellen, mit einem Spannungsbogens, der früher ansetzt und einen erst mal miterleben lässt, warum er zu der Agentur geht.

Ansonsten fand ich die Dialoge eingangs etwas sperrig und mir ist eine Tautologie aufgefallen, "finanzielle Gehaltserhöhung" oder so ähnlich.

Das Ende fand ich clever, aber auch nicht ganz passend. Denn das gibt dem Ganzen dann einen stark unrealistischen Touch, was der Story für mich an Drastik nimmt. Denn so ein Toxin wäre theoretisch wahrscheinlich denkbar und die Maßnahmen sind gar nicht so unüblich: Ich hab mal von einem Fitnesstrainer gehört, der den ersten Termin grundsätzlich um 4 oder 5 Uhr morgens macht, um zu prüfen, ob die Leute auch wirklich motiviert sind.

Und ich kenne einen Alkoholiker, der sich in Polen was hat injizieren oder einsetzen lassen, das ihn körperlich ziemlich fertig macht, wenn er schon kleine Mengen Alkohol trinkt. (Jetzt, wo ich das aufschreibe, kommt mir das selbst sehr seltsam vor, aber so wurde es mir erzählt.) Das ist zwar nicht ganz so wie in der Story, aber geht ja schon stark in die Richtung.

Ich belasse es mal bei diesem eher generellen Feedback, weil ich am Handy schreibe. Aber wie gesagt, hab auch nicht viel auszusetzen. Der eher berichtende, nüchterne Stil passt auch gut zu dem behandelten Milieu.

VG, HK

 
Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @Henry K.

freut mich sehr, dass dir der aktuelle Text besser gefällt. Nicht zuletzt auch wegen deiner Anmerkungen habe ich mich da noch mal dran gesetzt. Danke dir dafür!
Der Anfang ist an der einen oder anderen Stelle vielleicht tatsächlich noch etwas sperrig. Gibt auch sonst glaube ich noch ein paar Stellen, die noch nicht so richtig rund sind. Da werde ich mich noch drum kümmern.

mir ist eine Tautologie aufgefallen, "finanzielle Gehaltserhöhung" oder so ähnlich.
Ändere ich.

Das Ende fand ich clever, aber auch nicht ganz passend. Denn das gibt dem Ganzen dann einen stark unrealistischen Touch, was der Story für mich an Drastik nimmt.
Ja, ich sehe, was du meinst. Auf der anderen Seite wollte ich das Ganze ja auch bewusst überspitzen. Beim Schreiben stand für mich eigentlich von Anfang an, dass es am Ende um den Vernichtungswillen gegenüber der Konkurrenz gehen muss. So als letztes Einlassen um des Erfolges wegen. Das ist ja auch so eine Thematik, die bei so Erfolgs- und Durchsetzungsseminaren vermittelt wird. Sich durchsetzen lernen, keine Gefangenen machen, sich selbst der Nächste sein und ähnlicher Unsinn. Ist natürlich drüber, aber das war die Stelle mit dem Finger ja vermutlich auch schon. Aber klar, realistisch ist das dann an der Stelle nur noch so halb. In der Logik der Geschichte funktioniert es für mich aber.

Und ich kenne einen Alkoholiker, der sich in Polen was hat injizieren oder einsetzen lassen, das ihn körperlich ziemlich fertig macht, wenn er schon kleine Mengen Alkohol trinkt.
Hui, klingt auch ziemlich abenteuerlich, sich sowas einpflanzen zu lassen!

Ich belasse es mal bei diesem eher generellen Feedback, weil ich am Handy schreibe. Aber wie gesagt, hab auch nicht viel auszusetzen.
Danke dir dafür!

Viele Grüße
Habentus

 

CoK

Neues Mitglied
Beitritt
24.08.2020
Beiträge
314

Hallo @Habentus

mit Neugierde habe ich deine überarbeitete Geschichte gelesen.
Mir hat diese Version und die Idee mit einem Erfolgscoach besser gefallen.

Nicht eine Spur von Feindseligkeit oder Ironie lag in seiner Stimme.
Warum sollte er feindselig sein? Er ist froh über neue Kunden!
Nicht eine Spur von Überheblichkeit oder Ironie lag in seiner Stimme.
Er hob die Hände und begann zu lächeln.
Wie beginnt man zu lächeln? Er hob die Hände und lächelte!
Zweiunddreißig“,( hörte ich mich zu meiner eigenen Überraschung mit belegter Stimme antworten.)
Warum ist er überrascht wenn er auf eine Frage antwortet?

Das Ganze war eine schlechte Idee gewesen.
Ich frage mich wo hier die schlechte Idee war? Bekommt er Angst vor seinem gegenüber Angst vor der eigenen Courage. Angst vor Veränderung. Entweder würde ich den Satz streichen oder beschreiben was eine schlechte Idee war.
Und Sie bezahlen nur dann, wenn Sie den Vertrag, den wir schließen werden, als erfüllt betrachten.“
Glaube nicht, dass er so überheblich ist und den Vertrag schon als geschlossen ansieht.
Das Urteil dabei liegt einseitig bei Ihnen. Sie entscheiden, ob sie bezahlen möchten oder nicht.
Die Entscheidung dabei liegt bei Ihnen. Sie urteilen ob sie bezahlen oder nicht. Ich würde es drehen.
Wenn Sie möchten, nehmen Sie den Vertrag mit nach Hause und lesen ihn (sich) in Ruhe durch.

Bei uns gibt es keine Fallstricke.(Glauben Sie mir), das haben wir nicht nötig.
„Glauben“ sagt kein guter Coach.
Und verändert hat es das Leben jedes (einzelnen) Teilnehmers.

Und kam mir sofort danach bereits vor, wie eine Kuh, die soeben die eigene Schlachtung vertraglich geregelt hatte.
Was denn nun sofort? danach? bereits.
Vorschlag: Ich kam mir vor wie eine Kuh die soeben die eigene Schlachtung vertraglich geregelt hatte.
Das war vor vier Tagen (gewesen.)

Glauben Sie es oder nicht.
Natürlich soll er es glauben. Ich würde das weglassen.
Seine Augen aber blieben eiskalt.
Aktiv würde es mir besser gefallen: Ich blickte in seine eiskalten Augen.
Mich davon zu überzeugen, das keinerlei finanzielles Risiko für mich bestand. Alles kein Problem also.
Weglassen. Diese Doppelung bräuchte es für mich nicht.
Diesmal lächelte Heider nicht. Mir schien, als ob meine Antwort ihn ärgerte.
Kürzer würde es mir besser gefallen: Er lächelte nicht. Meine Antwort schien ihn zu ärgern.

Der Mensch an sich ist schwach und faul. So schwach und faul wie sie, Herr Wehner.

Sie schon mal von der Schlacht von Pharsalos gehört?“, fuhr er aufgeräumt fort.
Wieso aufgeräumt?
Alles in mir schrie danach, einfach aufzustehen und zu gehen. Aber etwas hielt mich zurück.
Würde ich weglassen, ist klar.
„Sie können mir nicht folgen. (Entschuldigen Sie. Lassen Sie uns gleich zur Sache kommen.)Wir haben ein Toxin entwickeln lassen, dass sich unbemerkt im menschlichen Körper verteilt.“
Würde ich auch weglassen.
Mein Mund wurde trocken. (Der Mann musste scherzen.)
Ich denke er weiß, dass dieser Mann nicht scherzt.
Auf zittrigen Beinen stolperte ich in Richtung der Tür. (Schweiß lief mir am ganzen Körper herab.)
Auch hier würde mir kürzer besser gefallen: Ich schwitzte.
(Also) zog ich alle Klamotten an, die ich finden konnte. Mehrere Hosen, verschiedene Paar Socken, Pullover und meine Daunenjacke.
mMn benützt du zu viele Füllwörter. Ich zog alle Klamotten an, die ich fand.
Der Raum war leer. Nur ein kleiner viereckiger Tisch stand in der Mitte.
Entweder der Raum war leer oder es stand ein Tisch darin. wahrscheinlich auch einen Stuhl und ein Seil zum festbinden.
Ich habe über zehn Kilo(gramm) abgenommen,

Ich bin (wirklich) stolz auf mich.

Neben der Arbeit habe ich damit begonnen, in Aktien und Neubau-Immobilien zu investieren. Die Agentur hatte das empfohlen.
Hier würde es mir kürzer besser gefallen: Ich investierte in Aktien und Neubau-Immobilien.
Der Kontakt mit meiner Familie ist leider fast vollständig abgebrochen.
Fast oder vollständig? Der Kontakt mit meiner Familie ist abgebrochen.
Auf der Beerdigung habe ich sie ( noch mal) getroffen. Ich sah gut aus in meinem Anzug

Wo gehobelt wird, da fallen (eben) Späne.“, meint Herr Heider. Ich denke, dass er recht hat.

Mir gegenüber stand ein Mann, ungefähr in meinem Alter. Ansonsten war der Raum leer. Wir sahen uns an.
„Hallo,“ sagte der andere freundlich.
„Hallo,“ erwiderte ich. Mein Magen zog sich zusammen.
„Nun, mir wurde gesagt, hier würde ich endlich das Gegenmittel bekommen. Ihnen auch?“
Ich antwortete nicht. Mir war soeben klar geworden, warum die Agentur eine Erfolgsquote von fünfzig Prozent aufweisen konnte. Langsam ging ich auf den Mann zu.
Dein Schluss überzeugt mich nicht.

Wie wäre es denn, wenn Herr Heider sagen würde: „Ich war nicht ehrlich zu Ihnen, unsere Erfolgsquote liegt bei 100 % und hier sehen Sie, was mit dem 1 % passiert, das „noch“ nicht bezahlen will …Dass mit dem Toxin war ebenfalls eine Lüge.

Dir wird sicher noch ein besserer Schluss einfallen.
Ich fand die Idee deiner Geschichte gut und habe sie gerne gelesen.
Vielleicht kannst du ja etwas von meinen Vorschlägen gebrauchen.

Liebe Grüße und einen schönen Tag.
CoK

 
Neues Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
148

Hallo @CoK

freut mich sehr, dass du dir die Zeit nimmst und noch mal bei mir vorbeischaust! Einige der Dinge, die du angemerkt hast, werde ich umsetzen. Bin ich weiter unten näher drauf eingegangen. Danke für die vielen Hinweise und Anmerkungen :)

Allerdings muss ich zugeben, dass mich dein Kommentar auch ein wenig verunsichert hat. Insbesondere dein Hinweis zum Ende der Geschichte lässt mich nachdenklich zurück. Aber das ist ja nicht verkehrt, sondern im Gegenteil was Gutes. Dann muss ich mir Gedanken machen und überlegen, warum gerade das Ende bei dir nicht funktioniert hat. Ich versuche trotzdem mal aus meiner Sicht auf das Ende der Geschichte einzugehen:

Wie wäre es denn, wenn Herr Heider sagen würde: „Ich war nicht ehrlich zu Ihnen, unsere Erfolgsquote liegt bei 100 % und hier sehen Sie, was mit dem 1 % passiert, das „noch“ nicht bezahlen will …
Das würde meiner Meinung nach den kompletten Kern der Geschichte wegwischen. Der Twist ist ja eben, dass nur die Hälfte bestehen kann, da am Ende dieses Erfolgscoachings eine letzte Prüfung darin besteht, sein Gegenüber auszuschalten. Das ist (natürlich überspitzt) dem Umstand geschuldet, dass viele dieser sogenannten Erfolgscoachings ja tatsächlich darauf beruhen, den Teilnehmern einzubläuen, sich allen Umständen zum Trotz durchzusetzen, keine Gefangenen zu machen, zu bestehen und die Konkurrenz auszustechen. Eben möglichst brutal und rücksichtslos auf eine gewisse Art und Weise zu agieren. Ich habe diese Wertevermittlung in meiner Geschichte einfach in die Realität umgesetzt. Die Agentur nimmt das eben wörtlich. Am Ende dieses (neoliberal aufgeladenen) Coachings steht daher als logische Konsequenz die Vernichtung der Konkurrenz. Ergo bestehen nur 50 % der Teilnehmer.
Es geht also überhaupt nicht um das Bezahlen. Kern ist, den Teilnehmern neben dem Dogma, das alles zu schaffen sei, wenn man nur wirklich möchte (unter völliger Ausblendung der Umstände und strukturellen Bedingungen) eben auch einen Vernichtungswillen gegenüber Konkurrenten zu vermitteln. Das ist hier der Weg zum Erfolg. Wie gesagt, ich habe es ziemlich überspitzt. Ein anderes Ende würde an dieser Stelle für mich aber keinen Sinn machen.
Dir wird sicher noch ein besserer Schluss einfallen.
So gesehen denke ich, dass der Schluss eigentlich schon ganz gut passt. Zumindest meiner Sicht auf die Geschichte nach bezogen. Dass das Ende bei dir aber anscheinend so gar nicht nicht funktioniert, macht mich unsicher. Ich werde mir überlegen, ob ich das Ende besser rausstellen kann. Grundsätzlich ändern werde ich es aber aus genannten Gründen nicht.

Weitere Stellen:

Warum sollte er feindselig sein? Er ist froh über neue Kunden!
Er steigt zuallererst mit dem (problematischen) Gewicht seines Gegenübers ein. Ich denke, dass das für viele Menschen etwas Feindseliges hat. In diesem Moment ist es das aber nicht, es ist eben kalt. Also ohne eine Emotion und schlicht feststellend. Ich wollte an dieser Stelle andeuten, wie der Heider tickt und sich verhält. Das tue ich ja auch an späterer Stelle noch ein paar Mal.
Wie beginnt man zu lächeln? Er hob die Hände und lächelte!
Ich kenne die Formulierung beginnt zu lächeln. Hast aber recht, ist umständlich. Werde ich ändern.
Warum ist er überrascht wenn er auf eine Frage antwortet?
Kennst du das: Wenn du eigentlich fest vorhast, dich (aus unterschiedlichen Gründen) einem Gespräch zu entziehen und dann plötzlich - ist dir eine Antwort herausgerutscht und du bist selbst überrascht.
Angst vor Veränderung. Entweder würde ich den Satz streichen oder beschreiben was eine schlechte Idee war.
Er hadert zu Beginn ja damit, überhaupt zu einer solchen Agentur gegangen zu sein. Daher die Formulierung. Muss ich aber wohl noch ein wenig besser herausstellen.
Glaube nicht, dass er so überheblich ist und den Vertrag schon als geschlossen ansieht.
Das habe ich wohl nicht so ganz richtig dargestellt. Heider ist sich ab dem allerersten Moment absolut sicher, dass ein Vertrag zustande kommt. Eben weil der Protagonist überhaupt aufgetaucht ist. Trotz keiner sonstigen Infos. Evtl. muss ich das noch deutlicher machen.
„Glauben“ sagt kein guter Coach.
Stimmt. Streiche ich.
Was denn nun sofort? danach? bereits.
Vorschlag: Ich kam mir vor wie eine Kuh die soeben die eigene Schlachtung vertraglich geregelt hatte.
sofort nachdem ich den Vertrag unterzeichnet hatte. Ist das nicht eine gängige Formulierung? Aber ja, streiche ich.
Natürlich soll er es glauben. Ich würde das weglassen.
Stimmt, muss raus
Wieso aufgeräumt?
Hätte auch schreiben können, gut gelaunt. Meint an dieser Stelle dasselbe.

Ich denke er weiß, dass dieser Mann nicht scherzt.
Das hab ich nicht verstanden. Warum soll er es wissen? Er ahnt es ja allenfalls. Und wenn mir jemand erzählen würde, dass er mich soeben aus irgendwelchen Gründen vergiftet hat, wäre mein erster Impuls vermutlich ebenfalls zu denken, dass mein Gegenüber scherzt. Oder es zumindest zu hoffen ...
Entweder der Raum war leer oder es stand ein Tisch darin. wahrscheinlich auch einen Stuhl und ein Seil zum festbinden.
Verstehe, was du meinst. Muss ich umformulieren. Aber warum ein Stuhl und ein Seil? Er soll sich selbst einen Finger abschneiden. Da braucht es weder Stuhl noch Seil, denke ich.

Fast oder vollständig? Der Kontakt mit meiner Familie ist abgebrochen.
Ja ist nicht richtig formuliert. Ich meinte, dass der Kontakt eben nicht vollständig zum Erliegen gekommen ist. Vermutlich musste (wegen Erbe, Beerdigung usw.) noch ein paar Dinge geklärt werden. Alle anderen Bindungen sind aber abgerissen. Aber muss ich umformulieren.

Danke für deine Anmerkungen, die mich zum Nachdenken gebracht haben!
Viele Grüße
Habentus

 
Monster-WG
Beitritt
02.05.2020
Beiträge
180

Hallo @Habentus ,

ich finde beeindruckend, was du aus der ersten Version gemacht hast und finde die Geschichte wirklich gut. Ich kann mich dem Kommentaren zum großen Teil anschließen, deswegen möchte ich nur auf den Schluss eingehen, denn ich auch ein wenig schwierig finde, auch wenn ich den Ansatz absolut nachvollziehen kann.

Du meintest

Am Ende dieses (neoliberal aufgeladenen) Coachings steht daher als logische Konsequenz die Vernichtung der Konkurrenz.
Aber die anderen gecoachten sind nicht seine Konkurrenz. Er beweist damit eigentlich nur, dass er blind seinen Coachinginhalten nachläuft. Wenn da sein Vorgesetzter stehen würde, dessen Position er haben will, wäre ich bei dir, aber so ist es ein bisschen (vom Autor) gewollt.

Grüße
Feurig

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Anfang Bottom