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Der Weg zum Erfolg

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Der Weg zum Erfolg

Herr Heider von der Agentur gab mir die Hand und führte mich zu einem Stuhl. Nachdem er mir gegenüber Platz genommen hatte, betrachtete er mich einen Augenblick. Dann sagte er:
„Sie sind zu dick, Herr Wehner.“
Ich war baff. Nicht eine Spur von Feindseligkeit oder Ironie lag in seiner Stimme. Sein sachlicher Ton passte ganz und gar zu dem Konferenzraum, in dem wir uns befanden.
„Manche meinen ja, Zucker sei tödlicher als Kugeln.“ Er hob die Hände und lächelte. „Nageln Sie mich nicht fest. Wahrscheinlich gibt’s zu dieser Behauptung gar keine verlässlichen Zahlen. Aber Sie? Haben vermutlich seit längerem Probleme mit ihrem Gewicht, nehme ich an? Eine erfolglose Diät nach der anderen?“
Ich setzte zu einer Antwort an. „Ist das ihre Art, in Gespräche einzusteigen?" Mein Herzschlag beschleunigte sich und ich bemerkte, wie sich meine Hände verkrampften. Dieser Heider hatte vielleicht Nerven. „Oder ist das eine Masche? Muss man hier erst gestehen, wie erbärmlich man ist, um den nächsten Schritt gehen zu dürfen? So Phönix-aus-der-Asche-mäßig?"
„Ich wollte Sie nicht beleidigen, sicher nicht", antwortete Heider in ruhigem Ton. „Aber alleine der Umstand, dass sie mir gegenübersitzen, ist für mich Grund genug, anzunehmen, dass Sie es ernst meinen, Herr Wehner. Sonst wären Sie doch gar nicht hier. Und da sie nun mal offensichtlich mit Übergewicht zu kämpfen haben“, er machte eine Geste in Richtung meines nicht zu leugnenden Bauchansatzes, „hielt ich es für angemessen, damit unser Gespräch zu eröffnen.“ Heider lächelte mich höflich an. Seine blauen Augen aber, lächelten nicht. „Mit vierzehn macht man sich über so was wie Herzanfälle und Diabetes Typ 2 wohl noch keine Gedanken, aber ...", er machte eine Pause und überlegte. „Wie alt sind sie, Herr Wehner? Dreißig, fünfunddreißig Jahre?“
„Zweiunddreißig“, hörte ich mich zu meiner eigenen Überraschung mit belegter Stimme antworten.
„Wunderbar, dann ist es ja noch lange nicht zu spät. Sehen sie, wir arbeiten hier mit Wegmarken. Stepstones, kleine Schritte zum Erfolg, wenn sie so möchten. Sie sind zu dick. Gewichtsreduktion wäre so ein erster Schritt.“
Ich fragte mich, ob es nicht besser wäre, einfach aufzustehen und nach Hause zu gehen. Andererseits hatte er recht. Es hatte mich Überwindung gekostet, überhaupt hierherzukommen. Eine Internetseite ohne Möglichkeit der Kontaktaufnahme hatte mich auf die Agentur aufmerksam gemacht. Keine Werbevideos erfolgreicher Teilnehmer, kein Newsletter oder sonst irgendwelche Informationen. Nur eine Adresse und ein Slogan. Der Weg zum Erfolg beginnt in ihrem Kopf. Wir helfen dabei, die ersten Schritte auf diesem Weg zu gehen. Ich hatte die Seite wieder geschlossen. Zwei Wochen später erwischte ich mich in der Mittagspause dabei, die Adresse der Agentur bei Google-Maps einzugeben. Das war vor vier Tagen gewesen.

„Wie sieht Erfolg für Sie aus? Gewichtsreduktion haben wir schon mal. Was möchten Sie noch erreichen?“, fuhr Heider unbeirrt fort.
Ich sah ihn böse an. „Nun, viel Geld und eine Chefposition wären für den Anfang nicht schlecht“, antwortete ich gereizt.
„Keine Experimente, wie?“ Heiders Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen. „Kleiner Scherz, ist nur so, dass es bei den meisten unserer Klienten in eben diese Richtung geht. Aber macht ja nichts. Legen wir uns also fest. Gewichtsreduktion, Einkommenssteigerung und beruflicher Aufstieg, richtig?“
Ich nickte. Eine Frau in einem schlichten Kostüm kam herein und legte einen Ordner auf den Glastisch vor uns. Herr Heider würdigte sie keines Blickes und griff nach den Papieren.
„Ich will Sie nicht belügen Herr Wehner. Unsere Agentur hat eine Erfolgsquote von fünfzig Prozent. Nicht viel würde man vielleicht meinen. Aber, und das garantiere ich Ihnen, damit liegen wir um ein Vielfaches höher als die Konkurrenz.“ Er nahm einen Schluck Wasser. „Bei uns schafft es jeder zweite unserer Klienten. Wenn Sie möchten, dass sich etwas Entscheidendes in ihrem Leben verändert, probieren Sie es mit uns. Es ist im Prinzip ähnlich, wie eine Münze zu werfen. Fünfzigprozentige Chance auf Erfolg. Der entscheidende Unterschied ist, dass wir den Faktor Glück eliminiert haben.“ Er machte eine Pause und sah mich durchdringend an. „Wir haben andere Methoden.“
„Sie sagen mir also, dass ich mit ihrem Programm eine fünfzigprozentige Chance habe, abzunehmen und reich zu werden? Sogar ein beruflicher Aufstieg ist drin?“ Ich nickte anerkennend, versuchte meine Nervosität zu überspielen. „Das scheint mir ja ein nahezu perfektes Angebot zu sein. Wo ist der Haken? Wie viel würde mich das Ganze denn kosten?“
„Nach Ablauf einer Frist, zahlen Sie uns eine Summe von 50.000 Euro, wenn … “
Ich stand auf und griff nach meiner Jacke. „Halten Sie mich für bescheuert? 50.000 Euro? Sie haben sie ja nicht alle.“
„Ich bin weit davon entfernt, Sie überreden zu wollen, Herr Wehner. Aber lassen Sie es mich erklären. Sie bezahlen die Summe in zwei Jahren. Und Sie bezahlen nur dann, wenn Sie den Vertrag, den wir schließen werden, als erfüllt betrachten.“ Er schob einige der Papiere auf dem Tisch in meine Richtung. „Das Urteil dabei liegt einseitig bei Ihnen. Sie entscheiden, ob sie das Ergebnis unserer Zusammenarbeit als Erfolg betrachten. Das werden wir genauso festhalten. Wenn Sie möchten, nehmen Sie den Vertrag mit nach Hause und lesen ihn sich in Ruhe durch. Oder lassen Sie ihn meinetwegen begutachten, wenn Sie mir nicht vertrauen. Bei uns gibt es keine Fallstricke. Das haben wir nicht nötig. Ich kann Ihnen nur sagen, bisher haben alle bezahlt, die den Weg zum Erfolg bis zum Ende gegangen sind. Und verändert hat es das Leben jedes einzelnen Teilnehmers. Diese Garantie gebe ich Ihnen.“ Heider lehnte sich zurück und schaute mich unvermindert lächelnd aus kalten Augen an.

Ich unterschrieb. Im Anschluss kam ich mir vor, wie eine Kuh, die soeben die eigene Schlachtung vertraglich geregelt hatte. Ich versuchte mich zu beruhigen. Ich konnte immer noch nach Hause gehen, wenn mir das Ganze zu abgedreht wurde. Mit zittrigen Händen nahm ich einen Schluck von dem Kaffee, den mir die Dame in dem Kostüm vor einigen Minuten hingestellt hatte.
„Was ist die stärkste Antriebskraft des Menschen, Herr Wehner?“
Ich überlegte. „Nennen Sie mich einen Romantiker, aber ich sage die Liebe“, antwortete ich bemüht scherzhaft nach einigen Augenblicken.
Diesmal lächelte Heider nicht. Meine Antwort schien ihn zu ärgern. „Die Liebe mag eine Antriebskraft sein, sicherlich. Aber die Stärkste? Wohl kaum. Die richtige Antwort lautet Angst.“
Ich starrte ihn an. Etwas in meinem Bauch verkrampfte sich und ich stellte die Tasse zurück auf den Tisch.
„Der Mensch an sich ist schwach und faul. So schwach und faul wie sie, Herr Wehner. Aber in jedem von uns ruht eine Kraft, die uns im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen lässt. Angst spaltet Atome, lässt uns Kriege gewinnen, Weltreiche errichten, Feinde ausrotten, ja sogar den Weltraum erobern. Angst lässt die Menschen an alles Mögliche glauben. An Ideologien, die Hölle und sogar an sich selbst." Heiders Blick verlor sich. „Haben Sie schon mal von der Schlacht von Pharsalos gehört?“, fuhr er aufgeräumt fort.
Ich schüttelte den Kopf. Die Stimme in meinem Kopf, die mich dazu animieren wollte, aufzustehen und zu gehen, wurde lauter.
„Julius Cäsar stand in Griechenland mit seinen Legionen der Senatsarmee von Pompeius Magnus gegenüber. In einem Verhältnis von eins zu vier. Cäsar obsiegte. Warum? Weil es keine Alternative gab. Nur Sieg oder Vernichtung. Die Angst vor der eigenen Auslöschung gab ihm und seinen Soldaten, sagen wir, den nötigen drive.“ Heider pausierte und sah mich mitleidig an. Er schüttelte den Kopf. „Sie können mir nicht folgen. Entschuldigen Sie, kommen wir zur Sache. Wir haben ein Toxin entwickeln lassen, dass sich unbemerkt im menschlichen Körper verteilt.“ Er machte eine Geste in Richtung meiner Kaffeetasse und fuhr fort.
„Nach vier Tagen ist ein bestimmter Kipppunkt überschritten. Gegenmittel würden dann nicht mehr in der Lage sein, den Prozess aufzuhalten.“
„Von was reden Sie da? Was für ein Prozess?“
„Ein Prozess des körperlichen Verfalls. Das Toxin greift die Organe im Körper an. Es dauert unterschiedlich lange. Bei Ihnen würde ich sagen ...“ Heider machte eine Pause und betrachtete mich abschätzig. „Da Sie nicht gut in Form sind, sagen wir, vier Monate. Aber das ist kein Problem. Wir können Ihnen besagtes Gegenmittel rechtzeitig verabreichen.“
Mein Mund wurde trocken. Der Mann musste scherzen. „Ich werde jetzt gehen“, sagte ich und stand auf.
„Tun Sie das“, antwortete Heider beinahe gelangweilt. „Ich habe für Donnerstag einen neuen Termin vorgemerkt. Das ist in zwei Tagen. Bis dahin werden Sie fünf Kilogramm abgenommen haben. Mein Team wird ihren Fortschritt begutachten. Im Anschluss erhalten Sie eine Dosis des Antitoxins. Uns beiden ist wohl völlig klar, dass so kein nachhaltiges Abnehmen funktionieren kann. Nein, das ist nur ein erster Beweis dafür, dass Sie, wenn sie es nur wirklich wollen, zu Bemerkenswertem in der Lage sind, Herr Wehner.“
Auf zittrigen Beinen stolperte ich in Richtung der Tür. Schweiß lief mir am ganzen Körper herab.
„Erfolg beginnt im Kopf, Herr Wehner, denken Sie daran. Auf Wiedersehen.“

Ich blickte auf die Anzeige. Eine seltsame Ruhe hatte mich erfasst. Vielleicht kam das von der Erschöpfung? Seit zwei Tagen hatte ich nichts mehr gegessen. Stattdessen hatte ich Unmengen an Wasser getrunken. Ich hatte recherchiert, dass das die Nierenaktivität anregen soll. Dadurch und durch exzessives Schwitzen könne man in kürzester Zeit extrem viel an Gewicht verlieren, las ich. Weight Cut wurde so etwas genannt. Also zog ich alle Klamotten an, die ich finden konnte. Mehrere Hosen, verschiedene Paar Socken, Pullover und meine Daunenjacke, ließ die Rollläden herunter und begann, Hampelmänner zu machen. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Mir taten die Knie weh, ich war ja kein sportlicher Mensch. Also drehte ich die Heizung auf und joggte in gemächlichem Tempo um meinen Küchentisch herum. Immer wieder. Bis mir schlecht wurde und ich mich übergeben musste. Auch nicht verkehrt, dachte ich.
Das zog ich zwei Tage lang durch. Dann fuhr ich wie in Trance zur Agentur, stellte mich in einem sterilen Raum auf eine Waage und blickte zu einem großen Bildschirm an der Wand.
Es fehlten zweihundertachtundfünfzig Gramm.
Ein Angestellter der Agentur trat neben mich.
„Tja, Herr Wehner, das war wohl ziemlich knapp, wie? Aber das Wichtigste ist, dass sie erkennen konnten, zu was sie in der Lage sind. Kommen Sie mit.“
Wir gingen aus dem Raum mit der Waage und ich folgte dem Mann einen Gang entlang.
„Werden Sie mir das Mittel trotzdem geben?“, fragte ich tonlos.
„Nein, das wäre nicht richtig. Ein falsches Signal.“ Er öffnete eine Tür. „Aber wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, ihr Zwischenziel noch zu erreichen.“ Der Raum war leer. Nur ein kleiner viereckiger Tisch stand in der Mitte. Darauf lagen ein weißes Handtuch, Desinfektionsmittel und ein Messer.
„Ein Finger oder zwei Zehen dürften reichen“, sagte er und schloss die Tür hinter mir.

Nach zwölf Monaten sind meine Muskeln härter und definierter denn je. Ich habe über zehn Kilogramm abgenommen, treibe viel Sport und auch beruflich läuft es bestens. Ich konnte mich gegen mehrere Mitbewerber um den Posten zur Bereichsleitung durchsetzen.
Alle vier Wochen hole ich mir das Antitoxin ab. Die Dosis wurde mittlerweile so angepasst, dass ich nicht mehr alle drei Tage bei der Agentur auftauchen muss.
„Das haben Sie sich erarbeitet, Herr Wehner. Vergessen Sie das nicht“, erklärte mir Heider.
Tue ich nicht, denn ich bin wirklich Stolz auf das, was ich erreicht habe.
Ich habe begonnen, mit Aktien zu spekulieren und in Immobilien zu investieren. Die Agentur hatte das empfohlen. Ich musste mir natürlich zunächst das nötige Startkapital besorgen. Zu dieser Zeit lag mein Vater nach einem schweren Unfall im Sterben. Noch während er im Krankenhaus an den Schläuchen hing, kam es zu Erbstreitigkeiten zwischen mir und meiner Familie. Die Agentur half mir dabei, verwies mich an einen Juristen. Danach gabs keinerlei Probleme mehr. Der Kontakt mit meiner Familie ist leider nahezu vollständig abgebrochen. Auf der Beerdigung habe ich sie noch mal getroffen. Ich sah gut aus in meinem Anzug. Gesprochen haben wir nicht miteinander.
„Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne“, meint Herr Heider.
Ich denke, dass er recht hat.

„Sehen Sie sich an, was Sie erreicht haben, Herr Wehner! Sie sind ein neuer, ein besserer Mensch. Und die Angst? Die haben Sie verloren, habe ich recht?“
Es stimmte. Angst verspürte ich seit Monaten nicht mehr. Im Gegenteil, ich fühlte mich beschwingt, motiviert, dazu bereit, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Die Frau mit dem Kostüm betrat den Raum, beugte sich zu Heider und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Heider wies mich an, aufzustehen und ihm zu folgen. Im Vorbeigehen zwinkerte ich ihr zu.
„Es ist an der Zeit, Herr Wehner. Wir sind beinahe durch mit unserem Programm. Nur noch eine Sache steht an. Der letzte und gleichzeitig wichtigste Schritt zum Erfolg."
Wir kamen vor einer Tür zum Stehen. Er legte mir seine Hand auf die Schulter, sah mich ernst an und sagte: „Vergessen Sie nicht, Sie können alles schaffen, wenn Sie nur das richtige Durchsetzungsvermögen mitbringen.“ Dann schob er mich in einen gekachelten Raum und schloss die Tür.

Mir gegenüber stand ein Mann, ungefähr in meinem Alter. Ansonsten war der Raum leer. Wir sahen uns an.
„Hallo,“ sagte der andere freundlich.
„Hallo,“ erwiderte ich. Mein Magen zog sich zusammen.
„Nun, mir wurde gesagt, hier würde ich endlich das Gegenmittel bekommen. Ihnen auch?“
Ich antwortete nicht. Mir war soeben klar geworden, warum die Agentur eine Erfolgsquote von fünfzig Prozent aufweisen konnte. Langsam ging ich auf den Mann zu.

 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Habentus

Das hab ich nicht verstanden. Warum soll er es wissen? Er ahnt es ja allenfalls. Und wenn mir jemand erzählen würde, dass er mich soeben aus irgendwelchen Gründen vergiftet hat, wäre mein erster Impuls vermutlich ebenfalls zu denken, dass mein Gegenüber scherzt. Oder es zumindest zu
Dieser Mann tritt ihm als ernster abgebrühter Coach entgegen.
Er selbst hat Angst, beginnt zu schwitzen möchte am liebsten vor ihm davon laufen. Der Mann erklärt ihm unter anderem:
Nur Sieg oder Vernichtung. Die Angst vor der eigenen Auslöschung gab ihm und seinen Soldaten, sagen wir, den nötigen drive.“
Ich denke nicht dass er glaubt dieser Mann scherzt.
Natürlich kannst du es trotzdem deinen Prota denken lassen.


Verstehe, was du meinst. Muss ich umformulieren. Aber warum ein Stuhl und ein Seil? Er soll sich selbst einen Finger abschneiden. Da braucht es weder Stuhl noch Seil, denke ich.
Ich war der Meinung ihm würde etwas abgeschnitten. (Wäre nie auf den Gedanken gekommen er macht das selbst.) Klar, dann braucht es kein Seil.
Kennst du das: Wenn du eigentlich fest vorhast, dich (aus unterschiedlichen Gründen) einem Gespräch zu entziehen und dann plötzlich - ist dir eine Antwort herausgerutscht und du bist selbst überrascht.
Ja, das kenne ich.
Jedoch nicht wenn ich nach meinem Alter gefragt werde. Zum einen ist es ja wirklich ein Automatismus, dass man da antwortet und zum anderen gibt es keinen Grund nicht zu antworten.

So gesehen denke ich, dass der Schluss eigentlich schon ganz gut passt. Zumindest meiner Sicht auf die Geschichte nach bezogen. Dass das Ende bei dir aber anscheinend so gar nicht nicht funktioniert, macht mich unsicher. Ich werde mir überlegen, ob ich das Ende besser rausstellen kann. Grundsätzlich ändern werde ich es aber aus genannten Gründen nicht.
Ja, ich verstehe, warum der Schluss für dich passt.
Nur wenn man von einem Coaching ausgeht und es normal ist, eine hohe Erfolgsquote anzustreben, passt es für mich nicht.
Hier soll sich die Hälfte umbringen und man verzichtet auf die Provision.
Davon abgesehen wäre auch die Polizei schon im Spiel.
Ich habe für deinen Horrortrip einfach zu realistisch überlegt.
Es ist deine Geschichte, dein Schluss.

Eine Geschichte die mir gut gefallen hat. (Trotz des Schlusses)

Liebe Grüße CoK

 
Seniors
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01.05.2009
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Hallo @Habentus ,

ja, der Text ist besser, die Stimme nicht so klamaukig, der Icherzähler klingt erwachsen und man kann ihn jetzt ernst nehmen. Und das macht es einfacher, auch dem Plot zu folgen.

Mir ist der Großteil der Geschichte ein bissl zu wortreich. Ich verstehe, dass du ein Setting und die Atmosphäre beschreiben willst und eben nicht schnell abhaken. Aber so fand ich, dass zu viel Details kommen, die man sich denken kann, weil die Situation und das Setting ja nicht extrem komplex sind und großartig Erklärungen / Weltenbau benötigten.

Zwei Fehler noch:

„Wie sieht Erfolg für Sie aus? Gewichtsreduktion haben wir schon mal. Was möchten Sie noch erreichen?“, fuhr Heider unbeirrt fort.
Ich sah ihn böse an.
„Nun viel Geld und eine Chefposition wären nicht schlecht,“ antwortete ich gereizt. Das Ganze war eine schlechte Idee gewesen.
Wenn eine Figur etwas macht und dann etwas sagt oder umgekehrt, gehören wörtliche Rede + Redebegleitsatz + Handlungen jeweils in einen Absatz. Erst, wenn es einen Sprecherwechsel oder (bevor jemand redet) Fokus auf eine andere Figur gibt, wird eine Zeilenschaltung bzw. ggfs. ein Absatz gemacht. Ausnahme (was ich hier im Text nicht sehe, nur generell): Wenn eine Person so viel redet oder tut, dass es einen massiven Textblock - von, ich sag mal, 30 Zeilen oder so - ergeben würde, dann kann man fürs leichtere Lesen inhaltspassende Zeilenumbrüche setzen.

Für das rausgepickte Beispiel also:
„Wie sieht Erfolg für Sie aus? Gewichtsreduktion haben wir schon mal. Was möchten Sie noch erreichen?“, fuhr Heider unbeirrt fort.
Ich sah ihn böse an. „Nun[Komma] viel Geld und eine Chefposition wären nicht schlecht,“ antwortete ich gereizt. Das Ganze war eine schlechte Idee gewesen.

Da könntest du den Text noch mal nach durchgehen, es irritiert beim Lesen, weil man erwartet, dass jemand anderes was sagt und muss dann immer den Eindruck nachjustieren. Stört einfach den Lesefluss.

Und du verwendest die englische Version der wörtlichen Rede: soundso," sagt ... anstelle von soundso", sagt. ;)
Punkt jeweils am Satzende der wörtlichen Rede raus, z. B.:

Vergessen Sie das nicht.“, erklärte mir Heider.
„Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne.“, meint Herr Heider. [neue Zeile, da es mit einer anderen Figur - dem Erzähler - weitergeht]Ich denke, dass er recht hat.
Ein Satzzeichen am Ende von wörtlicher Rede wird nur bei ! und ? gesetzt; zusätzlich zum abschließenden Komma. (Das hast du richtig.)

Das Ende hat mich wirklich überrascht, das hat mir total gut gefallen. Es ist kurz, knackig, es ist eine gradlinige Konsequenz aus dem Plot vorher und dem gesamten Thema, ohne, dass es voraussehbar ist. und öffnet im letzten Augenblick eine weitere Ebene. Das würde ich jedenfalls weder ausbauen, erklären, herleiten noch sonstwie ändern. Im genau richtigen Moment rausgegangen.
Nach der eher niedrigen Spannungskurve der Geschichte ist das ein tolles Open End mit einer Implikation, an der der Leser über die Geschichte hinaus nachdenken kann - der Leser erzählt sich quasi die Geschichte selbst zuende und das empfinde ich immer als ideal. (Was macht der Prota, was würde passieren, wenn er aussteigt, wollte er aussteigen oder ist das für ihn eine Art positiver Abschluss seines "Gesundheits-Regimes": eher Auszeichnung als angstbesetzt ..?).
Wirklich guter Abschluss, weil du eben nicht die Klammer um den Text ganz zumachst, sondern den Leser ermunterst, sich über den Prota Gedanken zu machen. Ganz klassisches offenes Ende.

Wenn man an diese durchgeknallten Lifestyle- / Selbstentwicklungskulte denkt - man muss gar nicht zu Big Bad Scientology, nimm mal NXIVM - ist das nicht mal so arg weit hergeholt. Das fängt auch mit Seminaren an und geht teils ins extrem Körperliche, da wäre ein Mord nur ein kleiner Schritt. Die Frage nach der Polizei ist in dieser Version der Geschichte letztlich nicht mehr relevant, weil die Organisation glaubhafter ist und das alles kann ja erst kürzlich begonnen haben, und du endest an dem Punkt vor einer möglichen Konsequenz für zumindest diesen Täter.
Also finde ich auch diesen Aspekt besser gelöst als in der Vorversion.

Finde gut, dass du den Text bearbeitet hast, noch bissl Schleifen & aufs Wesentliche Streichen, dann ist da wirklich was draus geworden.

Viele Grüße,
Katla

 
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13.07.2018
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Hallöchen @Habentus,

zuallererst einmal ein grober Leseeindruck. Mit dem Tag Horror hattest du mich ja direkt am Hacken, neugierig wie ich war las ich kurz rein und dann war ich schon am Ende.
Komfort ist der ultimative Produktivitätskiller.
Hat mich sofort gepackt!

Als ich die ersten Kommentare gelesen hatte war ich ehrlich gesagt ein wenig irritiert und fragte mich , ob ich überhaupt die selbe Geschichte gelesen habe. Stellte sich raus habe ich nicht, vielleicht wäre es klug gewesen dieser gelungenen Geschichte einen eigenen Thread zu gewähren um neuere Leser nicht zu verwirren.

Ein paar inhaltliche Kleinigkeiten:

Das Toxin ergibt für mich wenig Sinn. Ich studier Bio und bin wahrscheinlich ein hartes Publikum :D aber ein Gift, dass über Monate im Körper aktiv bleibt und nur durch regelmäßige Antigiftdosen zurückgehalten wird funktioniert mMn. nicht. Vielleicht könntest du das so lösen: Im Kaffe war ein Betäubungsmittel und dem Prota wurde ein Zeitgeschaltetes Implantat eingesetzt, welches nach Ablauf der Zeit Cyanid freisetzt und die Zeit wird durch Erfüllen von Zielen erhöht.

Beim Ende weiß ich auch nicht ob es mir gefällt, einfach weil es für die Agentur doch wenig Sinn ergibt die Hälfte so spät zu töten. An dem Punkt sind die Subjekte doch fast alle soweit, dass sie bezahlen würden, ist doch ein Verlustgeschäft.

Trotzdem eine schöne Geschichte.

LG
Plutenstuff

 
Monster-WG
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10.07.2019
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Hallo @Habentus =)

Auf mich wirkte deine Geschichte wie ein spannendes Schachspiel, bei dem nach zwanzig, dreißig Zügen beide Spieler entscheiden, Mensch-ärger-dich-nicht zu spielen. Aber, hey, ein rein subjektiver Eindruck. Rein subjektiv! Ich versuche mal, meine Eindrücke zu systematisieren:

Vielleicht bin ich auch nicht wirklich dein Zielpublikum, da ich Horror selten lese. Ich glaube, dein Horror wünscht sich eine klinische, psychologische Reinheit. Der Mensch, der einer klinischen, psychologischen Intelligenz ausgeliefert ist. Quasi der Horror einer "anatomischen Untersuchung" ohne Narkose in einem hell erleuchteten, weißen Raum. Aber wirklich "Horror" fand ich deine Geschichte jetzt nicht. Und dass nicht, weil sie schlecht wäre, sondern weil ich deine Story nicht als Horrorgeschichte empfand. Mehr als die Hälfte der Geschichte reduzierst du die Handlung und Situation auf den Dialog zwischen Herrn Heider und Herrn Wehner. Herr Wehner will Erfolg und Leistung und Herr Heider hat die Mittel oder zumindest die Ideen, wie er das erreichen könnte. Herr Heider scheint in psychologischer Manipulation ein Experte zu sein und Herr Wehner will das auch. Du schaffst ein, so empfinde ich das, realistisches Setting und stellst beide in Form einer Abhängigkeit. Ich nehme dir jeden Satz von Herrn Heider ab. Leistung, Coaching, mental mind, NLP, "drive" und vibe, gerne begründet mit einem römischen Feldherren, um Tiefe und Geschichtlichkeit vorzutäuschen. Das habe ich sehr, sehr gerne gelesen.

Aber dann, jetzt beginnt das Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel, führst du das Toxin ein. Ich verstehe nicht, warum sich Herr Wehner in diese extreme Abhängigkeit begibt. Aber noch weniger verstehe ich, warum die Story mit diesem realistischen Szenario bricht, kurze Zeitsprünge macht und Herrn Wehner zum Schluss in eine Dead-or-alive-Situation zwingt. Das sieht selbstverständlich jeder irgendwo anders, verstehe mich da nicht falsch. Ist wirklich nur mein Eindruck. Aber warum wird das Toxin erst so spät erwähnt? Oder: Warum wird es überhaupt erwähnt?

Zu dieser Zeit lag mein Vater nach einem schweren Unfall im Sterben. Noch während er im Krankenhaus an den Schläuchen hing, kam es zu Erbstreitigkeiten zwischen mir und meiner Familie.
Das erwähnst du sehr kurz, baust es ein und ich verstehe auch die Idee: Du willst die Auswirkungen des Toxins auf Herrn Wehners Leben zeigen. Man könnte jetzt begründen, dass sich auch Sprache des Ich-Erzählers ändert, seine Wahrnehmung, seine emotionale Reaktion. Aber nach dem reduzierten, einführenden Dialog finde ich mich hier in einem ganz anderen Story-Drive. Oh man, ich klinge jetzt so schrecklich nölig und kritisch, dabei bin ich nur sehr subjektiv und ehrlich. Aber ich verstehe nicht, was diese Information bringen soll. Du hast ja zu Beginn definiert, was Herr Wehner will. Da stelle ich mir als Leser die Frage: Okay, erreicht er das oder nicht. Hat das Auswirkungen. Ändert sich was, an dem, was ist. Er macht ja keine Therapie. Er stärkt nicht seine kognitive Technik für psychisch belastende Situationen, Herr Wehner will einfach: Erfolg. Punkt.

Ich hoffe, lieber @Habentus , ich war nicht zu kritisch und aus den anderen Kommentaren wird ja deutlich, dass die Story ja funktioniert. Ganz, ganz subjektiv, das Ganze :-) Lass dich durch mich nicht verunsichern.

Lg aus Frostleipzig,
kiroly

 
Neues Mitglied
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05.07.2020
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Hallo zusammen,

da sind ja noch einige Kommentare zusammengekommen, vielen Dank dafür! Ich gehe der Reihe nach darauf ein:

Hallo @feurig

ich finde beeindruckend, was du aus der ersten Version gemacht hast und finde die Geschichte wirklich gut.
Danke, das freut mich! Die erste Version war nichts. Wurde mir zum Glück recht deutlich gemacht.
Aber die anderen gecoachten sind nicht seine Konkurrenz. Er beweist damit eigentlich nur, dass er blind seinen Coachinginhalten nachläuft. Wenn da sein Vorgesetzter stehen würde, dessen Position er haben will, wäre ich bei dir, aber so ist es ein bisschen (vom Autor) gewollt.
Mmh, ich verstehe, was du meinst. In der Logik dieser Seminare, in denen ALLE deine Konkurrenz sind. Zumindest im Sinne von: Lerne dich durchzusetzen, deine Mitmenschen in der Regel erst mal als potenzielle Konkurrenten zu sehen, die du ausstechen können solltest ja schon.
Außerdem stehen die beiden hier ja ganz grundsätzlich sogar in tatsächlicher Konkurrenz zueinander. Denn nur einer wird da lebend rauskommen und nur einer wird das Gegenmittel bekommen. Das ist also schon ein echter Konkurrenzkampf. Vielleicht habe ich das aber nicht deutlich genug gemacht?
Danke @feurig für deinen Kommentar!


Hallo @CoK, freut mich, dass du erneut vorbeischaust!

Ich denke nicht dass er glaubt dieser Mann scherzt.
Natürlich kannst du es trotzdem deinen Prota denken lassen.
Ist natürlich ein wenig die Frage. Ab wann glaubt er das? Ab wann ahnt er, dass sein Gegenüber keine Scherze macht? Zu Beginn hatte ich noch überlegt, eine längere Stelle einzubauen, in der der Protagonist zu Hause überlegt, ob er jetzt wirklich vergiftet worden ist, oder ob das alles großer Quatsch ist und er sich überhaupt keine Sorgen zu machen braucht. Habe das dann aufgrund der Länge und weil es den Fluss stören würde, wieder verworfen. Aber geht ja dann vermutlich ein wenig in die Richtung von dem, was du anmerkst. Ich bin mir einfach unsicher, ab wann der Protagonist dem Heider abnimmt, was da gerade passiert. Zumal er ja keinen Beweis hat, dass er wirklich irgendetwas zu sich genommen hat. Nur Heiders Worte. Und die könnten theoretisch ja auch einfach dahergeschwätzt sein ... Schwierig.
Jedoch nicht wenn ich nach meinem Alter gefragt werde. Zum einen ist es ja wirklich ein Automatismus, dass man da antwortet und zum anderen gibt es keinen Grund nicht zu antworten.
Klar ist erst mal ein Automatismus. An dieser Stelle ist er aber ja sauer, aufgrund der in seinen Augen übergriffigen Art seines Gegenübers, das Gespräch zu führen. Daher will er vermutlich nicht einfach auf irgendwelche Fragen antworte. Aber vielleicht hast du recht, und ich muss an die Stelle noch mal dran.
Nur wenn man von einem Coaching ausgeht und es normal ist, eine hohe Erfolgsquote anzustreben, passt es für mich nicht.
Ist halt die Frage. Worin wird hier der Erfolg der Agentur bemessen? In dieser Geschichte besteht der Erfolg für die Agentur ja darin, die Leute auf den Weg des Erfolgs zu bringen. Dazu gehört hier eben nicht nur das mindset (Kannst alles schaffen, wenn du es nur wirklich willst-blabla) sondern auch der absolute Wille, sprich im Zweifelsfall die Konkurrenz auszuschalten. Im Prinzip hast du natürlich recht. Eine solche Agentur würde den eigenen Erfolg einzig und alleine an der wirtschaftlichen Rentabilität messen. Heißt: Je mehr Klienten bezahlen, desto besser. Ergo: schlechte Idee, die eigenen Kunden sich gegenseitig umbringen zu lassen.
Im Sinne einer überspitzten Horrorstory (mehr will es ja nicht sein) funktioniert es aber trotzdem für mich.
Davon abgesehen wäre auch die Polizei schon im Spiel.
Ich habe für deinen Horrortrip einfach zu realistisch überlegt.
Schon klar. Aber die Polizei habe ich da jetzt einfach mal rausgelassen. Weiß nicht, ob das legitim ist?
Eine Geschichte die mir gut gefallen hat. (Trotz des Schlusses)
Vielen Dank @CoK für deine Kommentare, die mir auf jeden Fall dabei geholfen haben, dass ich mir Gedanken über die Geschichte mache!


Hallo @Katla freut mich sehr, dass du dem Text noch eine Chance gibst, nachdem du die Vorversion ja (zurecht) sehr harsch kritisiert hattest. Danke dafür auch noch mal! Denn es hat mich dazu gebracht, mich noch ein mal mit dem Text auseinander zu setzen.

ja, der Text ist besser, die Stimme nicht so klamaukig, der Icherzähler klingt erwachsen und man kann ihn jetzt ernst nehmen. Und das macht es einfacher, auch dem Plot zu folgen.
Das freut mich :)
Mir ist der Großteil der Geschichte ein bissl zu wortreich.
Das verstehe ich. Ich bin gerade auch dabei, den Text zu kürzen. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade der erste Teil (Dialog zwischen den beiden) vielleicht ein wenig zu ausführlich geworden ist. Bin mir aber noch etwas unsicher, wo Streichungen Sinn machen.
Wenn eine Figur etwas macht und dann etwas sagt oder umgekehrt, gehören wörtliche Rede + Redebegleitsatz + Handlungen jeweils in einen Absatz. Erst, wenn es einen Sprecherwechsel oder (bevor jemand redet) Fokus auf eine andere Figur gibt, wird eine Zeilenschaltung bzw. ggfs. ein Absatz gemacht. Ausnahme (was ich hier im Text nicht sehe, nur generell): Wenn eine Person so viel redet oder tut, dass es einen massiven Textblock - von, ich sag mal, 30 Zeilen oder so - ergeben würde, dann kann man fürs leichtere Lesen inhaltspassende Zeilenumbrüche setzen.
Das ist sehr hilfreich für mich! Ich versuche, das im Text zu ändern. Das habe ich wohl bisher nahezu immer falsch gemacht ...
Das Ende hat mich wirklich überrascht, das hat mir total gut gefallen. Es ist kurz, knackig, es ist eine gradlinige Konsequenz aus dem Plot vorher und dem gesamten Thema, ohne, dass es voraussehbar ist. und öffnet im letzten Augenblick eine weitere Ebene. Das würde ich jedenfalls weder ausbauen, erklären, herleiten noch sonstwie ändern. Im genau richtigen Moment rausgegangen.
Das freut mich sehr! Denn das Ende wirkt ja offensichtlich unterschiedlich. Ich finde es prinzipiell auch passend und dein Kommentar ermutigt mich nun, es tatsächlich so zu lassen (oder vielleicht nur geringfügig zu ändern).
Finde gut, dass du den Text bearbeitet hast, noch bissl Schleifen & aufs Wesentliche Streichen, dann ist da wirklich was draus geworden.
Danke dir @Katla !


Hallo @Plutenstuff

Als ich die ersten Kommentare gelesen hatte war ich ehrlich gesagt ein wenig irritiert und fragte mich , ob ich überhaupt die selbe Geschichte gelesen habe. Stellte sich raus habe ich nicht, vielleicht wäre es klug gewesen dieser gelungenen Geschichte einen eigenen Thread zu gewähren um neuere Leser nicht zu verwirren.
Da hats du natürlich recht. Tut mir leid, wenn da Verwirrung entstanden sein sollte. Ich habe aber keinen neuen Thread eröffnet, weil die Geschichten (trotz ihrer Unterschiedlichkeit) quasi zusammengehören bzw. aus sich auseinander weiterentwickelt haben. Die erste Version wurde hier ziemlich angegangen. Das hatte seine Berechtigung. Dann habe ich versucht, die alte Version umzuschreiben und habe dann bemerkt, dass mir das nicht gelingt. Dann habe ich eine neue Version (mit einigen wenigen übernommenen Teilen) geschrieben, vor allem aber versucht, die Kritik der Kommentare umzusetzen. Deshalb wollte ich keinen neuen Thread aufmachen, weil ich mich ja schon mit der alten Version und ihren Fehlern auseinandergesetzt hatte. Ob das so richtig war, kann ich nicht sagen. Tut mir leid für die Verwirrung!
Das Toxin ergibt für mich wenig Sinn. Ich studier Bio und bin wahrscheinlich ein hartes Publikum :D aber ein Gift, dass über Monate im Körper aktiv bleibt und nur durch regelmäßige Antigiftdosen zurückgehalten wird funktioniert mMn. nicht.
Uff, da kann ich natürlich nicht gegen argumentieren :) Ehrlich gesagt, ist dieses Gift ja komplett austauschbar und nur dafür da, eine Situation zu erschaffen, in der sich der Protagonist bewegen muss. Ich überlege mal, was es für Alternativen gibt. Ein Chip oder so was müsste ja aber auch eingesetzt werden. Und dann wird so was schnell zu weit hergeholt bzw. zuu drüber, wenn du verstehst ... Aber du hast auf jeden Fall einen Punkt!
Beim Ende weiß ich auch nicht ob es mir gefällt, einfach weil es für die Agentur doch wenig Sinn ergibt die Hälfte so spät zu töten. An dem Punkt sind die Subjekte doch fast alle soweit, dass sie bezahlen würden, ist doch ein Verlustgeschäft.
Hmm, da bist du ja nicht der Einzige. Ich verweise mal dreist an meinen Kommentar, den ich weiter oben dazu geschrieben hatte. Was nicht bedeuten soll, dass ich deine Kritik am Ende nicht nachvollziehen kann!

Worin wird hier der Erfolg der Agentur bemessen? In dieser Geschichte besteht der Erfolg für die Agentur ja darin, die Leute auf den Weg des Erfolgs zu bringen. Dazu gehört hier eben nicht nur das mindset (Kannst alles schaffen, wenn du es nur wirklich willst-blabla) sondern auch der absolute Wille, sprich im Zweifelsfall die Konkurrenz auszuschalten. Im Prinzip hast du natürlich recht. Eine solche Agentur würde den eigenen Erfolg einzig und alleine an der wirtschaftlichen Rentabilität messen. Heißt: Je mehr Klienten bezahlen, desto besser. Ergo: schlechte Idee, die eigenen Kunden sich gegenseitig umbringen zu lassen.
Im Sinne einer überspitzten Horrorstory (mehr will es ja nicht sein) funktioniert es aber trotzdem für mich.

Danke dir für deinen Kommentar @Plutenstuff!


Hallo @kiroly , freut mich, dass du meine Geschichte kommentiert hast!

Auf mich wirkte deine Geschichte wie ein spannendes Schachspiel, bei dem nach zwanzig, dreißig Zügen beide Spieler entscheiden, Mensch-ärger-dich-nicht zu spielen. Aber, hey, ein rein subjektiver Eindruck. Rein subjektiv! Ich versuche mal, meine Eindrücke zu systematisieren:
Haha, ein guter Vergleich! Du hast recht, nach gut der Hälfte mache ich einen ziemlichen Turn bzw. das Tempo und die Art verändern sich ja komplett. Das war aber schon so gewollt. Mir geht es eher so, dass der erste Teil, also das Gespräch für mich fast ein wenig zu lange ist und ich da gerne noch ein wenig kürzen würde. Subjektiver Eindruck ist super, gerne her damit!
Aber wirklich "Horror" fand ich deine Geschichte jetzt nicht. Und dass nicht, weil sie schlecht wäre, sondern weil ich deine Story nicht als Horrorgeschichte empfand
Ja, sehe ich ein. Richtiger Horror (im Sinne von Geistern, Vampiren, namenlosem Schrecken usw.) ist das nicht. Für mich ist der Horror das Setting bzw. das, was ich mit dem Ende implizieren möchte. Unsere Gesellschaft geht in Richtung Ich und weg vom Wir. Die Menschen um uns herum sind keine Mitmenschen sondern im schlimmsten Fall Konkurrenz. Der Weg zum Erfolg bedeute: Durchsetzen. Und manchmal eben auch, der Kampf gegen die Konkurrenz. Hier wortwörtlich übersetzt in einen Kampf MIT der Konkurrenz auf Leben und Tod. Ist überspitzt und dem Thema vielleicht gar nicht angemessen, aber für mich ist diese Vorstellung der Horror.
Du schaffst ein, so empfinde ich das, realistisches Setting und stellst beide in Form einer Abhängigkeit. Ich nehme dir jeden Satz von Herrn Heider ab. Leistung, Coaching, mental mind, NLP, "drive" und vibe, gerne begründet mit einem römischen Feldherren, um Tiefe und Geschichtlichkeit vorzutäuschen. Das habe ich sehr, sehr gerne gelesen
Freut mich sehr, dass der Dialog für dich funktioniert!
Aber dann, jetzt beginnt das Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel, führst du das Toxin ein. Ich verstehe nicht, warum sich Herr Wehner in diese extreme Abhängigkeit begibt.
Hmm, er begibt sich da ja nicht rein. Er hadert ja die ganze Zeit. Es ist ihm unangenehm, wie der Heider spricht. Das Toxin wird ihm ja unwissentlich verabreicht, nachdem er unterschrieben hat. Weil eben erst da das Programm losgeht.
Das sieht selbstverständlich jeder irgendwo anders, verstehe mich da nicht falsch. Ist wirklich nur mein Eindruck. Aber warum wird das Toxin erst so spät erwähnt? Oder: Warum wird es überhaupt erwähnt?
Das Toxin kommt erst, nachdem er unterschrieben hat. Sonst würde das Programm ja nicht losgehen. So viel Ordnung muss sein :)
Erwähnen muss ich es. Es ist ja das wesentliche Mittel, im Sinne der Agentur, den Wehner zu Leistung zu animieren. Das Mittel erzeigt Angst. Die Angst, vor der eigenen Auslöschung. Hieraus folgt der Wille (in diesem sprich das mindset), welches der Heider erzeugen möchte.
Aber nach dem reduzierten, einführenden Dialog finde ich mich hier in einem ganz anderen Story-Drive.
Das stimmt total und ich kann auch absolut nachvollziehen, warum das für dich nicht zusammenpasst.
Du hast ja zu Beginn definiert, was Herr Wehner will. Da stelle ich mir als Leser die Frage: Okay, erreicht er das oder nicht. Hat das Auswirkungen. Ändert sich was, an dem, was ist. Er macht ja keine Therapie. Er stärkt nicht seine kognitive Technik für psychisch belastende Situationen, Herr Wehner will einfach: Erfolg. Punkt.
Am Ende lasse ich es schon ein wenig offen. Was wird passieren? Kämpft er mit dem anderen? Bringt er ihn um und geht den finalen Schritt auf dem Weg des Erfolgs? Oder weigert er sich, weil er das Ganze ablehnt? Wenn er es durchzieht, ist er danach zufrieden - weil erfolgreich? Hat er die Transformation zum kalten Effizienz- und Erfolgsgetriebenen Menschen komplett durchlaufen? Oder geht es ihm nahe und er verweigert sich? Das wollte ich bewusst offenlassen. Eben nur andeuten, was passiert, indem ich ihn auf den anderen zugehen lasse.
Danke für deinen Kommentar @kiroly

Viele Grüße an euch alle!
Habentus

 
Monster-WG
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02.05.2020
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180

Hallo @Habentus ,

meine "Kritik" ist ja wirklich sehr eng bemessen, denn natürlich hast du mit deinem Kommentar

Lerne dich durchzusetzen, deine Mitmenschen in der Regel erst mal als potenzielle Konkurrenten zu sehen, die du ausstechen können solltest ja schon.
völlig recht, von seinen anfänglichen Wünschen hat er ja auch bereits alles erreicht. Ansich klar, dass er da den nächsten Schritt gehen muss.

Außerdem stehen die beiden hier ja ganz grundsätzlich sogar in tatsächlicher Konkurrenz zueinander. Denn nur einer wird da lebend rauskommen und nur einer wird das Gegenmittel bekommen. Das ist also schon ein echter Konkurrenzkampf. Vielleicht habe ich das aber nicht deutlich genug gemacht?
Möglicherweise passt mir nur der Konkurrent nicht ins Bild.
Entweder er ist einer, der nicht das nötige Potential hat und daher von der Agentur geopfert wird, dann hätte er allerdings versagt und würde nicht aufs Gegengift warten. Oder er ist so weit wie dein Prot, aber dazu ist er mir zu freundlich und unwissend. Ich kann ihn da aber schwer einsortieren und das macht es mir ein wenig zu beliebig.
Deine Geschichte ist sonst sehr spezifisch und fokussiert, daher hat mich das so ein bisschen ins Schlingen gebracht. Ob es so ein Toxin geben kann oder nicht war für mich zb völlig irrelevant, weil es für die Welt der Geschichte völlig richtig erscheint (mir persönlich). Daher habe ich auch gar nicht erst darüber nachgedacht. Erst der Schluss hat bei mir so einen kurzen Moment des Schlingerns erzeugt so dass ich über die Glaubwürdigkeit der Szene nachgedacht habe.

Grüße
feurig

P. S. Kannst du mir sagen, wie du auf diese Version gekommen bist? Von der ersten hast du ja eigentlich nur die Idee übernommen "Konkurrenz durch Tod beseitigen".

 
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148

Hallo @feurig

tut mir leid, dein letzter Kommentar ist bei mir ein wenig untergegangen!

Entweder er ist einer, der nicht das nötige Potential hat und daher von der Agentur geopfert wird, dann hätte er allerdings versagt und würde nicht aufs Gegengift warten. Oder er ist so weit wie dein Prot, aber dazu ist er mir zu freundlich und unwissend. Ich kann ihn da aber schwer einsortieren und das macht es mir ein wenig zu beliebig.
Ja, ich verstehe, was du meinst. Der andere erscheint in diesem kurzen Augenblick höflich. Ich sollte vielleicht rausstellen, dass nicht nur beim Protagonisten, sondern auch bei seinem gegenüber irgendwann Klick macht, als sie sich in dem Raum treffen. Das habe ich noch nicht richtig rausgestellt.
P. S. Kannst du mir sagen, wie du auf diese Version gekommen bist? Von der ersten hast du ja eigentlich nur die Idee übernommen "Konkurrenz durch Tod beseitigen".
Puh, ich habe erst versucht, bei der vorigen Version zu retten, was zu retten war. Habe mich dann irgendwann von dem kompletten Text verabschiedet und nur zwei Formulierungen behalten. In meinem Kopf war thematisch zum einen dieses Konkurrenz/ Erfolgsding noch präsent. Zum anderen (frage nicht, warum) bleibe ich immer mal wieder bei solchen Erfolgs-, mindset-, Lifechanging-videos auf youtube hängen. Ganz schreckliches Zeugs mit erschreckend viel Resonanz. Daraus ist die Idee entstanden.

Liebe Grüße
Habentus

 

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