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Die graue Rampe

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11.02.2021
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Anmerkungen zum Text
Die Definition eines lebensrettenden Zufalls

Die graue Rampe


Es gibt einen Grund dafür, warum ich mir stets zuerst meinen linken Schuh anziehe, warum ich immer auf der linken Straßenseite entlanglaufe und warum ich immer mit dem linken Bein aus dem Bett steige.​

Immer wenn ich schwarz-weiß Aufnahmen aus einer längst vergangen Zeit sehe, stelle ich fest, dass grau damals die allgegenwärtige Farbe war. Obwohl meine Augen durchaus in der Lage waren Farben zu erkennen, sah ich in diesen drei Jahren meines Lebens immer nur grau. Graue Wände, graue Wege, graue Kleidung, graue Haut sowie grauen Rauch aus grauen Schornsteinen.

Ich liebte Züge, die schweren dampfenden Lokomotiven beeindruckten mich, doch dass eine Zugfahrt mein Leben und das von Millionen anderen derartig verändern würde, darauf war ich nicht gefasst. Wie Schweine auf ihrem letzten Weg zum Schlachter wurden wir in kalte, graue Viehwagons verfrachtet. Männer, Frauen mit Kindern, Greise, alle mussten wir stundenlang stehend in der Kälte ausharren. Es gab weder Sitzgelegenheiten noch Toiletten, dafür viel Ungewissheit. Viele von uns überlebten die Zugfahrt nicht, die anderen waren der Meinung das Schlimmste überstanden zu haben.

Wir waren Hunderte die nun auf dem grauen Bahnsteig warteten. Wir alle hatten unser eigenes Schicksal, das uns dorthin gebracht hatte, an einen Ort den wir nicht kannten. Ich bereue nicht, dass ich in einem grauen, kalten Kellerlokal illegal Kinder unterrichtet hatte und ich verzeihe auch dem Vater des einen Kindes, der mich angezeigt hatte.

Ich war damals froh darüber, dass ich alleine war. Ich war froh darüber, dass ich damals noch keine Frau und keine Kinder hatte. Ich sah die Schicksale, die über die Familien hereinbrachen. Trennungen von Mann und Frau, von Frauen und ihren Kindern. Traurige, herzzerreißende Szenen im grauen Nebel. Ich war noch nie so glücklich darüber alleine zu sein.

Ich lebte die nächsten drei Jahre in einem bösen Traum. Krankheiten, Ungeziefer, Schmutz und der Tod waren allgegenwärtig. Mit jedem Tag in diesem Albtraum sank meine Hoffnung auf Freiheit. Ich hatte so viele Pläne, doch mit jedem Tag in dieser Hölle, verblassten sie immer mehr.

Doch mit der Zeit veränderte sich das Lager. Immer mehr Häftlinge verließen diesen schrecklichen Ort. Über ihren Verbleib konnte ich nichts sagen, doch der stetige Rauch der aus den Schornsteinen der Krematorien kam und der beißende Geruch, verhießen nichts Gutes. Dann war sie aber da, die Nacht des langen Marsches im Jahr 1945, zurück in die nicht mehr für möglich gehaltene Zivilisation. Leider waren es nicht mehr viele, die sich mit uns auf den Weg machen konnten, zu viele von uns ließen ihr Leben im Lager und ihre verbrannten Körper färbten den Himmel über Polen in den letzten Jahren grau ein.

Zwei Jahre nach der Befreiung, lernte ich meine Frau Agnes kennen. Sie schenkte mir zwei Kinder und ein erfülltes Leben. Leider starb meine Frau vor einigen Jahren, aber ich bin glücklich, dass ich so großartige Jahrzehnte mit ihr teilen durfte. Viele der Menschen, die ich in meinem bösen Traum kennengelernt hatte, hatten leider nicht so viel Glück wie ich.

So sitze ich nun auf meiner kleinen Terrasse und denke oft an die vergangene Zeit. Mittlerweile sind seit der Befreiung 75 Jahre vergangen. Dass ich diese 75 Jahre gemeinsam mit meiner Frau und meinen Kindern verbringen durfte, verdanke ich nur einem Zufall.

Bei meiner Ankunft an der grauen Rampe des Bahnsteigs im Vernichtungslager Birkenau im Jahr 1942 entschied ein Mann in grauer Uniform, dass ich nach links gehen sollte. Und nicht nach rechts.
 
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28.12.2009
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Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Das ist falsch auf so vielen Ebenen. Und dann das Foto dazu, so als Cover, das ist der absolute Gipfel der Geschmacklosigkeit.
 
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11.02.2021
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kannst du vielleicht auch näher erklären, warum es falsch ist. Was kann daran falsch sein, 75 Jahre später auf Unmenschlichkeit aufmerksam zu machen. Ich gebe dir Recht, das Foto ist geschmacklos, die ganze damalige Zeit war geschmacklos, aber darf man deswegen keine Fotos von bestehenden Gebäuden verwenden, darf man deswegen keine Geschichten über diese Zeit schreiben. Dürfen Geschichten, Büchern nur von Leuten geschrieben werden, die dabei waren. Ich nehme mir gerne deine Kritik zu Herzen, aber du musst sie mir bitte näher erklären.
Da ich aber niemanden zu nahe treten will, habe ich umgehend das Foto gelöscht.
 
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28.12.2009
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Trennungen von Mann und Frau, von Frauen und ihren Kindern. Traurige, herzzerreißende Szenen im grauen Nebel. Ich war noch nie so glücklich darüber alleine zu sein.
Das ist einfach Kitsch. In diesem Zusammenhang das Allerschlimmste, denn es berührt den Kern der Sache überhaupt nicht.

Krankheiten, Ungeziefer, Schmutz und der Tod waren allgegenwärtig
Kein Wort über die NS-Schergen, als seien die da irgendwie nur durch eine unglückliche Verwechselung hineingeraten.

Ich lebte die nächsten drei Jahre in einem bösen Traum.
Es war ja eben kein böser Traum.

Über ihren Verbleib konnte ich nichts sagen, doch der stetige Rauch der aus den Schornsteinen der Krematorien kam und der beißende Geruch, verhießen nichts Gutes.
Dein Text ist einfach distanzlos. Du erzählst da über den Mord an Millionen Unschuldiger mit so einer Beiläufigkeit, wie in so einem lapidaren Nebensatz, "Uli kochte Kaffee."

Was kann daran falsch sein, 75 Jahre später auf Unmenschlichkeit aufmerksam zu machen.
Falsch ist daran nichts. Aber man sollte sich über die Erzählposition schon Gedanken machen. Wenn das in so einem Tonfall daherkommt, wie "Hannis Ferien im KZ", dann sollte man eben mit Konsequenzen rechnen.

Dass du die NS-Zeit als Allererstes "geschmacklos" nennst, nicht etwa menschenverachtend, grausam etc., da solltest du eventuell auch mal drüber nachdenken.
 
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11.02.2021
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Eigentlich hatte ich gehofft, dass dies passiert. Das zeigt doch, dass man sich mit der Thematik auseinandersetzt. Ich wählte bewusst eine nüchterne Erzählform eines Überlebenden, der danach sein Leben gelebt hatte, um die Wirkung (obwohl es nicht notwendig ist - da gebe ich dir recht) zu verstärken. Das die Zeit menschenverachtend war, darüber brauchen wir gar nicht diskutieren, das Wort Geschmacklos war noch aus deinem ersten Post geschuldet und übernommen. Dafür entschuldige ich mich.
Dass das NS Regime für die Krankheiten, Ungeziefer, den Tod verantwortlich war, sollte auch nicht zur Diskussion stehen, ich dachte das ist aus dem Zusammenhang klar ersichtlich, scheinbar ist dem nicht so. Nehme ich gerne zur Kenntnis und werde ich ggf. nacharbeiten.
Inspiration zu dieser Geschichte fand ich aus einem Buch, das ich vor kurzem gelesen hatte und das mich wieder verstärkt zum Nachdenken brachte.
Die Szenen mit der Trennung von Familien kann man als Kitsch ansehen, man kann sie aber auch als geschehen ansehen und versuchen sich in die Menschen hineinzuversetzen. An Kitsch dachte ich beim Verfassen jedenfalls nicht. Das wäre für mich beispielsweise unerträglich damals gewesen, deswegen auch der Hinweis , dass er damals alleine lebte.

Wenn du und andere sagen, so kann man, so darf man die Geschichte nicht schreiben, dann lösche ich diese umgehend. Ich wollte damit in keinster Weise jemanden beleidigen oder gar etwas verharmlosen, das Gegenteil war gewollt.
 
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28.12.2009
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Wenn du und andere sagen, so kann man, so darf man die Geschichte nicht schreiben, dann lösche ich diese umgehend. Ich wollte damit in keinster Weise jemanden beleidigen oder gar etwas verharmlosen, das Gegenteil war gewollt.

Nein, was ich sage, ist nur meine persönliche Meinung. Ich spreche für niemand anderes. Es geht auch nicht um Beleidigungen oder sonst etwas, es geht um die Art, wie man solche Geschichten erzählt, ohne etwas von der Historizität zu nehmen, von der Wucht der Ereignisse. Es geht um eine gewisse Seriösität in der Darstellung, einen Ton, den man trifft.
 
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11.02.2021
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Dann danke ich dir recht herzlich für deine ehrliche Meinung. Da es sich dabei um meine erste Geschichte handelt, habe ich auch keine Erfahrung damit, wie sich meine Gedankengänge in anderen Köpfen anfühlen. Deswegen nochmals vielen Dank, das eine oder andere werde ich womöglich tatsächlich ändern. Ich lasse mir deine Anmerkungen durch den Kopf gehen, bin aber dennoch noch auf andere Meinungen gespannt. Schlimmer kann es ja nicht mehr kommen;).
 
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Ich liebte Züge, die schweren dampfenden Lokomotiven beeindruckten mich, doch dass eine Zugfahrt mein Leben und das von Millionen anderen derartig verändern würde, darauf war ich nicht gefasst.

Nur ganz kurz, später - vllt.noch heute abend ein längerer Beitrag von mir,

@CanisLibrum,

denn bereits im März 1933 wurde das Konzenetrationslager Dachau "eröffnet" und selbst Helmut Schmitt, ehem. Kanzler unserer schönen Republik, leugnete bis zuletzt, dass man in Hamburg von dem KZ, damals gewusst habe.

Dem widerspricht schon der gesunde Menschenverstand, denn von der Erziehungsanstalt über Gefängnis und Zuchthaus inc. Arbeitslager und Konzentrationslager haben alle Haftanstalten eine "abschreckende" Funktion, was nicht funktionieren kann, wenn man die Anstalten "geheim" hält.

Loriot - der Name dürfte auch jüngeren Leute bekannt sein - erzählte mal, dass sein Vater ihm eine geknallt habe, als er als Junge das Problem dieser "Anstalten" ansprach. Man wusste darum und - schwieg am besten.

Und ein weiteres Beispiel: Wie würdestu Dir das Tagebuch der Anne Frank erklären? Fiktion? Verfolgungswahn?

Und dennoch - herzlich willkommen hierorts,

Friedel
 
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Das wird der Schwere des Themas nicht gerecht. Da möchte ich auch nicht über ästhetisches Für und Wider sprechen, insofern wirst du von mir dazu kein Feedback erhalten. Deine Haltung, dich mit diesem Thema auch mit diesen Bildern auseinanderzusetzen, finde ich gut. Es bedeutet ja auch, hinzuschauen, etwas zu erinnern. Ich finde, du solltest weiter über das Thema nachdenken, deine Haltung dazu auch hinterfragen. Ist dein (Mit-)Leid, das Leid von den Menschen, über die du schreibst. Das musst du unterscheiden. Wo hat deine Empathie ihren Platz? Das finde ich eine wichtige Frage. Ich brauche diesen Text von dir nicht. Vielleicht brauchst du ihn für dich. Das ist okay. Wie gesagt, ich will dich ermutigen, weiter über das Thema nachzudenken oder hier darüber zu sprechen.
 
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10.02.2000
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Oha, @CanisLibrum,

ich respektiere deine Ambition, diesem Thema einen Text zu widmen, darüber zu lesen, dir Gedanken zu machen. Du möchtest auf diese unsägliche Ära hinweisen.

Aber so wie du es umsetzt, ist es nichts weiter als ein "müder Abklatsch", denn in dieser oberflächlichen Form hat man es schon vor 50 Jahren betrachtet. Historiker, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler sind seit gut 20 Jahren schon um Lichtjahre tiefer eingedrungen. Das Zauberwort ist: Details.

Es ist leider so, dass der Standard-Leser sich nichts aus vom Weltall betrachteten Bildern macht. Die Tiefe eines Unglücks kommt nicht aus der fernen Betrachtung. Sie lebt und atmet mit dem Detail. Denn nur das Detail in bspw. einer zwischenmenschlichen Beziehung können wir uns vorstellen, weil wir analog dazu erleben.

Wenn Zeitzeugen*innen davon erzählen, geben sie den Personen Namen, erzählen, dass sie aus bestimmten Gründen selektiert wurden, etwa weil sie dem Kommandanten mit der Violine vorspielen mussten, und dabei entdeckten, dass er klassische Musik liebt und dabei ein ganz weicher Mensch wird.

Du musst darstellen, WIE die Grenze vom Normalen zum kafkaesken Unmenschlichen verlief und wer sie wie überschritten hat. Das Monster im Menschen beschreiben. Das kann über Dialoge sehr gut funktionieren.

Dein Text funktioniert in keinster Weise. Denn wir wissen alle, WAS passiert ist. Dein Text hilft uns aber nicht zu erfahren, WIE es passiert ist.

Grüße
Morphin
 
Wortkrieger-Team
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08.01.2002
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Hallo @CanisLibrum ,

Du bist neu hier, daher heiße ich dich hier willkommen bei uns Wortkriegern.

Deine erste Geschichte hat mir leider gar nicht gefallen.
Sehr Vieles hat dir bereits jimmysalaryman schon gut erklärt, dem kann ich mich uneingeschränkt anschließen und erspare mir und dir Wiederholungen.
Ich möchte nur noch einen weiteren Gedanken anfügen: glaubst du wirklich, dass jemand, der all das erlebt hat, mit einer derartigen Distanzlosigkeit über sein Leben berichten würde?
Es plätschert alles so dahin, mal ist sein Leben schlimm, mal wieder gut und so weiter.
Ich bin mir sicher, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, für Menschen, die den Holocaust überlebt haben, damit umzugehen: entweder sie schweigen, finden keine Worte, die die Wuchtigkeit dieser erlebten Grausamkeiten irgendwie darzustellen vermögen, sie verstummen, meiden vielleicht sogar die Erinnerungen, weil sie nur Schmerzen verursachen, mit anderen Worten, sie sprechen nicht darüber oder aber sie berichten und das mit all der Leidenschaft, mit all dem Schmerz, der Pein, die sie erfahren haben. Sie durchleben das alles in ihren Berichten nochmals und werden von der nie aufhörenden Wucht dieser unfassbaren Geschehnisse in ihren Erzählungen mitgerissen und sind von ihnen durchdrungen.
Dazwischen, also zwischen diesem Schweigen aus Selbstschutz und den wegen ihrer Ungeheuerlichkeit kaum zu ertragenden Berichten der Überlebenden gibt es hochwahrscheinlich nichts an Darstellung.

Dein Text wirkt auf mich so , als wolltest du im Schnelldurchgang ein ganzes Leben darstellen, so in der Art: und dann machte er dies und dann machte er das und dann geschah dies und später das.
So funktioniert es nicht, es lässt einen kalt als Leser und da du zudem ein sehr wichtiges Thema erwählt hast, wirkt das alles noch obendrein, als wolltest du verhöhnen. Ich gehe davon aus, dass du genau das nicht erreichen wolltest mit dieser Geschichte.

Sicherlich ist es keine leichte Aufgabe, aber um das Thema aufzugreifen wäre es eine Idee, wenn du nur eine Szene aus dem Leben deines Protagonisten schilderst, nämlich seine Deportation, angefangen mit der Abholung und endend mit der Einteilung auf die linke Seite.
Und das geht nicht, ohne seine Gefühle darzustellen. Was geht in ihm vor? Seine Befürchtungen, Ahnungen, Ängste, Hoffnungen, was löst das alles in ihm aus, was so um ihn herum geschieht.
Wie geht er mit sich um, um das alles zu ertragen?

Und da reicht wirklich nicht so ein lapidarer Satz, dass er sich glücklich geschätzt hatte, Single zu sein, weil er sich somit nicht mit dem Trennungsschmerz auseinander setzen musste. Das wirkt sehr hohl.

Tut mir leid, dass du jetzt von mir und von praktisch allen Seiten den Wind von vorne bekommst, aber dein Text ist so wie er da steht, einfach eine Katastrophe.

Lieben Gruß

lakita
 
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11.02.2021
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Ich danke euch allen für euer Feedback. Da ist scheinbar mächtig was schief gelaufen. Ich werde mir eure Kritiken sehr zu Herzen nehmen und das nächste Mal eine andere Thematik behandeln. Vielleicht hattet ihr Recht und ich brauchte den Text mehr als irgend jemand anders. Ich versuche mich auch jetzt gar nicht mehr in irgendeiner Form rechtzufertigen. Ich wüsste auch gar nicht mehr, wo ich anfangen sollte. Der Versuch war in euren Augen Mist und das kann ich jetzt leider nicht ändern.
Ich möchte noch betonen, dass jeder einzelne von euch recht hat, mit euren Anmerkungen mir ist aber sehr wohl bewusst, dass in den drei Jahren in der Gefangenschaft viele Dinge stattgefunden haben, die wir uns in keiner Phantasie vorstellen könne, dennoch finde ich eine oberflächliche Kurzgeschichte zu diesem Thema besser als Schweigen.
 
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24.02.2005
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Wow, da hast du ja was losgelöst @CanisLibrum
also ich habe das Foto nicht gesehen....dein Text klingt nach einem etwas unbeholfenen Zeitzeugenbericht...wenn es nicht deine Lebensgeschichte ist, wovon ich ausgehe, täuschst du uns Leser mehr oder weniger bewusst.....

aber nicht verzagen, noch mal wagen :)

BG
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11.02.2021
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Wow, da hast du ja was losgelöst @CanisLibrum
also ich habe das Foto nicht gesehen....dein Text klingt nach einem etwas unbeholfenen Zeitzeugenbericht...wenn es nicht deine Lebensgeschichte ist, wovon ich ausgehe, täuschst du uns Leser mehr oder weniger bewusst.....

aber nicht verzagen, noch mal wagen :)

BG
N
Danke für deine Kritik, wobei ich auch hier nicht ganz schlau daraus werde. Nein, ich bin kein Zeitzeuge, impliziert deine These, dass nur Zeitzeugen über dieses Thema schreiben dürfen? Ich finde auch nicht, dass ich irgendjemand damit täusche, das Lager gab es, es gab Selektionen und es gab für die Betroffenen den Zufall, ob sie die Ankunft überleben oder nicht.
Vielleicht verstehe ich auch deinen Kommentar völlig falsch, aber das liegt dann wohl heute an der Summe der negativen Resonanz. Wie gesagt, über die Schreibweise und über die Wörter in der Geschichte kann man durchaus diskutieren, aber aus meiner Sicht nicht über den Inhalt. Ich hätte auch eine viel detailliertere Geschichte daraus machen können, mein Fokus bei dieser Geschichte war aber ein alter Mann, der sein Leben gelebt hatte und ihn der Zufall vor vielen Jahren gerettet hatte. Ich bestreite hier keine einzige Grausamkeit, im Gegenteil, ich wollte nur darauf aufmerksam machen. Aber man kann naütlich darüber diskutieren, ob Sätze hohl sind, ob meine Geschichte ein kitschiger Abklatsch ist.
Das mein Text unbeholfen klingt, nehme ich aber gerne zur Kenntnis, ist ja auch erst meine erste Geschichte, wahrscheinlich aber meine letzte, die ich öffentlich teile.
 
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10.02.2000
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Hi @CanisLibrum,

verständlich, dass du es momentan so absolut siehst. Unsere Worte haben einen engen Tunnel um deine Sichtweise auf dich und deinen Text geformt. Aber dieser Tunnel wird sich wieder auflösen mit der Zeit. Ich behaupte mal, dass viele von uns diesen Anfängerfehler gemacht haben. Den Fehler, etwas zu beschreiben, ohne wirklich nahe dran oder mittendrin zu sein. Und zwar erst mal unabhängig vom Thema. Bei deinem Text kam aber dazu, dass dies ein sehr komplexes Thema ist, über dessen kaum überschaubare Details selbst die Wissenschaft erst in den letzten 20 Jahren mehr und mehr zutage fördert. Das hat dich in den Kritikertunnel förmlich katapultiert.

Das ist aber nicht das Ende, es ist der Anfang von Etwas, und zwar ein besserer Anfang. Sieh es positiv. Denn du interessierst dich für dieses Thema, möchtest es literarisch erarbeiten, dich ihm widmen, und das ist in diesen Zeiten sehr wichtig.

Dabei sind aber eben zwei Dinge zu berücksichtigen:
1. Bisher ist kein Meister vom Himmel gefallen (wir alle mussten und müssen noch lernen).
2. Ein Buch lesen genügt nicht, um sich in diese Untiefen zu wagen.

Bei beiden Punkten können die Menschen hier aber helfen. Das erfordert einfach nur Geduld. Mit sich und natürlich mit uns.

Schreiben ist wichtig. Dieses Thema ist wichtig. Gib dir Zeit. Es hilft viel, wenn du bspw. hier in den Empfehlungen blätterst und beobachtest, wie sich Autor*innen Personen, Situationen, Zwischenmenschlichem nähern. Nimm einfache Themen und arbeite parallel an diesem wichtigen Projekt. Es hat dich emotional aufgewühlt. Aber mit zu viel Emotionen trifft man schlechte Entscheidungen.

Also, auf ein Neues.
Grüße
Morphin
 
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24.02.2005
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Moinsen @CanisLibrum,

du darfst das alles nicht so persönlich nehmen....dass Du hier zerfleischt wurdest, hat etwas mit der sensiblen Thematik zu tun und nicht mit dir oder deinem Schreibstil...

um mein Kommentar verständlicher zu machen: Jeder darf natürlich über dieses Thema schreiben...
du schreibst halt so als wärst du ein Zeitzeuge....und auch das ist erlaubt...aber dann musst du halt in die Tiefe gehen, eine echte Story entwickeln usw...

deinen Einstieg finde ich übrigens gut..dein Sprachstil ist auch nicht übel..es fehlt eigentlich nur eine Handlung...

also, nicht entmutigen lassen und wie gesagt, das Thema hat diese Reaktionen hervorgerufen...

BG
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11.02.2021
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@Morphin danke für deinen Kommentar, damit kann ich etwas anfangen. Liebe Grüsse.

@Nicolaijewitsch
Nach einer Nacht Abstand, geht es jetzt wieder. Auch dir danke für dein Feedback. Werde mich zukünftig an andere Themen vorerst wagen.
Aber nur um es besser verstehen zu können, ich lese gerade das Buch von Pieter Webeling "Die Stunde des Schmetterlings". Die Geschichte spielt während des ersten Weltkrieges und natürlich war Pieter Welbing noch nicht auf der Welt. Geschildert wird das Buch aber aus der Sicht des jungen Julius, also aus der Sicht eines Zeitzeugens. Ich weiß schon ich bin kein Autor, de Vergleich hinkt gewaltig, ich werde auch keiner mehr werden, aber wo machst du hier den Unterschied, oder wäre die Kritik komplett anders ausgefallen, wenn ich ein 92 jähriger Überlebender wäre. Ich möchte, da jetzt gar nicht weiter herumhacken darauf, ich versuche nur zu verstehen.
Danke Dir und dann gebe ich auch schon Ruhe.
 
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@CanisLibrum,

beantworte dir selbst zwei Fragen zu diesem Text:
1. Was möchte ich erreichen?
2. Wen möchte ich erreichen?

Dein Text ist kürzer als ein Referat zu diesem Thema (9. - 10. Klasse, Realschule). Er ist in etwa das, was wir in den 70ern zum Komplex innerhalb von 2 Wochen erfahren haben (schnell durchgerutscht). Es hat uns - je nach Persönlichkeit - mehr oder weniger berührt. Manche mehr, die meisten weniger. Warum? Dazu: Wie begreift der Mensch? Er begreift über Bilder. Wirkliche Bilder (Fotos) oder persönliche Wortbilder, Metaphern. Er vergleicht sie - wenn es geht - mit eigenem Erlebten. Je weniger Bilder, je weiter weg ein Ereignis, desto eher wird es vergessen. Ist es der Sinn, zu vergessen? Deiner Intention nach: nein.

Dann fehlen eindeutig Bilder. Gäbst du diesen Text als Referat deinem Geschichts- oder meinetwegen Deutschlehrer, bekämst du eine 3 oder 4, würde ich mal sagen. Die Kritik wäre: Zu wenig Inhalt, zu wenig erfahrenes, erfahrbares Leben, zu wenig Details, zu unpersönlich. Zu weit weg von den Emotionen. Nicht die Emotionen, die alle schon tausend Mal gesehen haben und natürlich über die Jahre auch abstumpfen lassen.

Es handelt sich in deinem Text um eine kurze Beschreibung eines in der Menschheitsgeschichte einmaligen, ab 1942 industriell effizient und organisatorisch effektiv durchgeführten Genozids, unter Einbindung von hunderttausenden Mitbeteiligten, innerhalb eines Systems von auf der Blaupause Dachaus erstellter Lager, die mit verschiedenen zuvor erprobten Maßnahmen (Erschießungen per Karabiner > Maschinenpistole > MG34/42 > Kohlenmonoxid-Lastwagen > Zyklon B) die Tötung so weit mechanisierten, dass jedweder Lack an Zivilisation abgefallen war. Das Erreichen einer solch exorbitanten Mordtat parallel zu einem europaweit geführten Krieg, war nur möglich, durch Einbindung aller intellektuellen Kräfte - die sich auch noch freiwillig anboten.

Die Antwort auf das WARUM, das WIE, sitzt wie eine Krake im tiefen Ozean. Wir nähern uns ihr langsam aber sicher, hunderte von Historikern, Soziologen, Soziopsychologen, Wirtschaftswissenschaftler fördern Detail um Detail zutage, verknüpfen den Kontext und bieten uns ein für viele Leute unüberschaubares Bild eines Abgrundes, den nicht wenige bis heute komplett ablehnen.

Demgegenüber stellst du einige, wenige Worte, die weder dem Komplex gerecht werden, noch deinem Charakter. Und damit erzeugst du auch keine Empathie in den Menschen, die entweder meinen, schon genug darüber zu wissen - oder die noch nichts darüber wissen.

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Frage - Antwort. Dein Protagonist kann in einem Altenheim sitzen, der Pfleger dreht durch, weil er IMMER den linken Schuh zuerst anziehen soll in seiner Zeitnot. Bis eines Tages die genervte Frage kommt: Warum eigentlich? Und deine Prot. beginnt zu weinen. Der Pfleger merkt, dass er auf eine Untiefe gestoßen ist und bringt am nächsten Tag ein Geschenk mit. Rätselheft, egal. Dein Prot. beginnt zu erzählen. Und ab da kommt es immer öfter zu Dialogen. Nach Feierabend, vor dem Waschen, bis der Pfleger eines Tages einen Spaziergang mit dem Prot. macht. Die Dialoge legen das Geschehen offen, nicht die Erzählung an sich. Der Leser kann sich nur langsam nähern, aber die Bilder bekommen Substanz und tauchen aus dem Nebel auf. Die Spannung ist da.

Wenn es dein Text am Ende schafft, dass Leser sich Zeit nehmen, und selbst zu diesem Komplex Infos googlen oder Bücher kaufen und vielleicht sogar Meinungen sich bewegen, ändern, dann ist ein Ziel erreicht > WEN willst du erreichen? WAS möchte ich erreichen?

Griasle
Morphin
 
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11.02.2021
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@Morphin
nochmals vielen Dank für deine Mühe die du dir machst. Du hast damit auch mit allem 100 % recht. Ich hatte hier auch scheinbar einen Denkfehler, weil ich diese Kurzgeschichte tatsächlich nur auf den Zufall reduziert habe. Ich wollte sich tatsächlich so kurz wie möglich halten, dass wird der Thematik aber wirklich nicht gerecht. Scheinbar ist mir das noch aus meiner lang vergangen Schulzeit hängengeblieben, je kürzer, desto weniger Rechtschreibfehler. Ich kann mir mit Hilfe deinem Input die Geschichte auch jetzt ganz anders vorstellen, wobei ich jetzt dennoch die Finger davon lassen werden. Vielleicht wage ich mich später nochmals daran und versuche es erneut. Aber ich kann heute deine Kritik verstehen, gestern hatte ich so meine Probleme damit. Nochmals vielen dank.
 

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