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Die Waage
Unter mir ist raues, feuchtes Holz. Alt und geschwärzt von der Zeit. Der Himmel ist fast so dunkel wie der Abgrund zu meinen Seiten. Eine Brücke? Von weitem kann ich den Ozean hören, ein beständiges, bedrohliches Murmeln, tief unter mir.
Es ist keine Brücke. Der Boden unter meinen Füßen beschreibt eine Biegung nach Oben und bricht dann abrupt ab. Das Selbstgespräch des Wassers ist hier am Rand anders. Laut, körperhaft. Die Unruhe treibt mich zum anderen Ende, beim Gehen stelle ich mir das Konstrukt von außen vor, als einen Steg. Unwillkürlich denke ich an ein Schiff, so groß, dass es von der schwarzen Wasseroberfläche bis an das Holz reicht, Segel in alterndem Weiß, schummrige Lichter. Der Geruch von nassem Tabak.
Nicht einschlafen.
Am anderen Ende. Es ist kein Steg. Die Schwingung miteinbedacht vielleicht eine Waage, symmetrisch bis auf eine Hütte, die einsam auf dem Holz steht, es bis zum Rand ausfüllend. In einem anderen Licht würde sie einladend aussehen, am Morgen, bedeckt mit Neuschnee.
Die Tür ist nicht abgeschlossen. Ich fühle unter den Griff und erwarte das kalte Metall eines Schlosses, aber da ist nur raues, feuchtes Holz.
Unter Widerstreben stöhnend öffnet sich mir die Tür, mit dem mühsam kriechenden Licht auf ihren Schultern.
Eine Öllampe. Ein alter Mann daneben, seine trüben Augen knapp über das aufgeschlagene Buch schauend, in mein Gesicht. Seine Tochter oder seine Enkelin mit ebenso ungläubigem, fast apathischem Blick auf dem Sofa liegend, ihre blassgoldenen Haare und ihr adeliges Gesicht im Kontrast mit den Farben und den Formen, dem feuchtdunklen Holz um sie.
Sie sind fast reglos und atmen langsam und schwer. Ich schenke ihnen keine Aufmerksamkeit.
An der Wand mir gegenüber hängt ein Gemälde in schwachem Grün und leuchtendem Weiß. Eine Wüstenstadt. Ein Bauwerk aus bleichen Steinen, das wie eine Pagode aussieht, darin ein Mann mit langen Haaren und ruhigem Blick. Nächster Eingang.
Ich schlage die Augen auf und höre die Palmenblätter im Wind schwingen, ein gleichmäßiges, leises Geflüster knapp über mir.
Was nicht heißt, dass ich sie nicht verbesserungswürdig finde!
Ein schöner Traum vielleicht? Jemand läuft auf einer überdimensionalen Holzwaage, unter der sich das Meer befindet. Es ist dunkel, und irgendwo auf dieser Waage steht eine Hütte. Der Protagonist (ob jetzt männlich oder weiblich ist ja egal) betritt diese Hütte und findet einen alten Mann und ein Mädchen, sowie ein Bild. Und das Ende, ist der Prot dann in das Bild "eingestiegen"? Also, vielleicht war er erst in einem Bild gefangen und geht dann ins nächste, so wie in dieser einen Werbung, bei der aus einem Bild das nächste wird usw. Mehr kann ich daraus nicht interpretieren. Was der Mann und das Mädchen dort verloren hatten, ist mir auch ein Rätsel, sehr verwirrend. Aber das Ganze steht ja auch unter Seltsam.
Das ist es auf jeden Fall!