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Dieser verdammte Stein

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05.09.2020
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Dieser verdammte Stein

Ich schließe ab, gehe zwei Schritte rückwärts auf den Gehweg und fahre vor Schreck zusammen.
»Mensch, passen se doch auf wo se hinlatschen!«
»Ups, sorry!«, antworte ich und trete zur Seite. Der Mann in seinem elektrischen Rollstuhl fährt kopfschüttelnd weiter. Ich sehe ihm nach und denke, musst du hier aufm Fußgängerweg rumrasen?, fühle mich aber sofort schlecht, weil ich gehen kann und er nicht. Währenddessen knallt die Sonne auf mich runter, das Shirt klebt noch stärker an meiner Haut als vorher.
Im nächsten Augenblick kehrt die gute Laune zurück – vor mir die breite Fensterfront, darüber der Name: Happa Happa. Mein bester Kumpel und neuerdings Geschäftspartner André lachte mich für den Vorschlag aus.
»Boa, Harm ey, das klingt echt total bescheuert! Da kannste direkt noch ’n Foto vom Hipp-Opa daneben kleben ... Slogan kennste ja. Tja, du lachst!«
Am Ende fand er auch, dass ein bisschen Humor nie schaden kann, wir die Leute damit anlocken und dann mit unserem guten Essen zu Stammkunden machen würden.
Nachdem wir wochenlang praktisch im Restaurant gelebt haben, ist gestern endlich alles fertig geworden. Ein freies Wochenende wollten wir uns vor der Eröffnung noch gönnen.
»Echt bewundernswert, Harm, ohne Scheiß.«
»Was’n?«
»Na ja, dass du die letzten freien Tage deines Lebens ...«, er zwinkerte mir übertrieben zu, »mit deinem Neffen verbringst. Ich werd mich mit Pizza und Bier eindecken und nicht mehr vom Sofa aufstehen.«
»Ach, ja, klingt echt verlockend. Aber du weißt ...«
»Klar, weiß ich doch. Bist ’n guter Onkel.«
»Und Patenonkel!«
»Jo! Wird echt Zeit, dass du dir ’ne Perle zulegst und eigene machst.«
»Tss … Perfekter Zeitpunkt grade.«
Das ist knappe neun Stunden her.
Ich vergewissere mich nochmal, dass ich den Stein im Rucksack verstaut habe. Mein Blick folgt der ruhigen Straße, in der Ferne biegt der Rollstuhlfahrer in eine Seitengasse ein. Dahinter, über den Dächern der Kleinstadt, die Wölbung der Erde Richtung Himmel, die Blätter der Bäume zu einer grellgrünen Fläche verschmolzen. Dazwischen und darüber das Braungrau der Felsen. Als würden sie es nicht dulden, dass etwas auf ihnen wächst.
Ich sehe mich schon mit meinem Neffen dort oben herumkraxeln, bei dem Gedanken fällt mir das Atmen schwerer. Vielleicht sollten wir stattdessen zum See fahren. Na ja, immerhin ist es im Wald schattig, mit etwas Glück weht da oben sogar ein Lüftchen.

»Wann gehen wir denn los, Onkel Harm?« Wilko steht am offenen Fenster meiner Dachgeschosswohnung und guckt Richtung Wald. Er sieht aus, als käme er grade aus dem Globetrotter, wo ihn seine Eltern einmal nackt ausgezogen und mit Outdoor-Klamotten wieder eingekleidet hätten. Als könnte man ohne das richtige Outfit nicht in die Natur gehen. Andererseits bekomme ich in dem Laden auch immer große Augen.
»Onkel Harm?«
»Hm? Ähm, na ja. Ich glaub ich muss noch ehm kurz das Essen verdauen – oder zumindest ’n Teil davon. Sonst komm ich da nicht hoch. Und ’ne Tasse Tee, die brauch ich auch noch. Willste auch eine?«
»Nee, lieber was Kaltes! Aber dann gehen wir los, oder?«
»Dann gehen wir los, versprochen!« Anfang dreißig und schon am Schwächeln, Mann Mann Mann, denke ich, und beweise mir selbst, dass ich noch aus dem Sessel hochkomme, um in der offenen Küche den Wasserkocher anzustellen. Ist sicher die harte Arbeit der letzten Wochen, die mir in den Gliedern steckt.
Das Geräusch eines Rasenmähers irgendwo aus der Siedlung erinnert mich daran, dass Samstagnachmittag ist, mitten im Juli. Ein wohliges Gefühl macht sich in mir breit, eine entfernte Assoziation mit der Kindheit, draußen spielen mit meinem Bruder, grillen im Garten mit unseren Eltern, danach wieder auf den Bolzplatz oder in den Wald, bis es dunkel wird. Dann pausiert der Rasenmäher und mit ihm meine Gedanken. Der Kopf freut sich über die Stille, bis die ersten Wassermoleküle im Kocher zu Gas werden und beim Aufsteigen implodieren. Total praktisch, so ein Physikstudium, besonders wenn man nach einem gefühlten Jahrhundert feststellt, dass man viel lieber mit seinem Kumpel ein Restaurant eröffnet.
Ich stelle eine mit Kondenswasser beschlagene Karaffe auf den Tisch, lasse mich wieder in den Sessel fallen und beobachte meinen Outdoor-Neffen, wie er auf dem Sofa kniet und raussieht.
»Onkel Harm«, flüstert Wilko und dreht sein Gesicht zu mir, »die Nachbarin singt wieder.«
Während ich ihm ein Glas Wasser einschenke, grinsen wir uns an. Mir war das Summen von Frau Marquardt gar nicht aufgefallen, erst jetzt merke ich die beruhigende Wirkung, die es immer auf mich hat. Von mir aus könnte sie den ganzen Tag lang im Garten Wäsche aufhängen oder im Beet rumwühlen.

Ich spüre, wie unter mir der Beton in Waldboden übergeht, sich meine Füße von Schuhen und Socken befreien wollen, um wie früher die Schichten aus Laub und lockerer Erde zu fühlen. Wir tauchen ein in den Schatten des Waldes.
»Wusstest du, dass ich hier immer mit deinem Vater gespielt hab? Als ich so in deinem Alter war?«
»Echt?«
»Ja, echt! Manchmal waren Opa und Oma auch dabei. Wir sind dann zum Wasserfall hoch und haben ein Picknick gemacht, so wie wir heute.«
»Können wir im Wasserfall baden?«
»Klar! Wobei – kann auch gut sein, dass der ausgetrocknet ist. Gucken wir dann.« Sieht alles ziemlich trocken aus hier. Bis auf die leuchtenden Blätter der Bäume, die sich das Wasser tief aus dem Boden ziehen.
»Okay. Habt ihr auch Edelsteine gesammelt?«
»Edelsteine? Nee. Gibt’s hier überhaupt so was?«
»Na ja, ich denke schon.«
»Vielleicht findste ja einen später.«
»Auja, das wäre cool!« Die Steigung nimmt langsam zu, der Weg schlängelt sich zwischen den Bäumen hindurch nach oben. »Weißt du, wie alt Edelsteine sein können?«
»Nee. Du?«
»Also die meisten sind viele Millionen Jahre alt. Manche sogar Milliarden Jahre, kannst du dir das vorstellen, Onkel Harm?«
»Kein Stück.«
»Ich auch nicht. Ich kann kaum glauben, dass Opa und Oma schon über siebzig sind. Und ich bin erst zehn! Wie soll ich mir dann Millionen vorstellen? Oder Milliarden … Oder, Onkel Harm?«
»Tja, weiß ich auch nicht. Glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich Menschen solche Zahlen vorstellen können, nicht mal Millionäre.«
»Ich auch nicht.«
»Ist denn deine Sammlung in den letzten Wochen gewachsen?«
»Nö, der letzte war der Amethyst, der lilane. Ich wünsch mir ja einen Neuen!«
»Ach wirklich? Was‘n für einen?« Mein Körper gewöhnt sich an die Anstrengung, die Bewegung und die Waldluft tun gut.
»Lapislazuli heißt der.«
»Was’n abgefahrener Name!«
»Ja, das heißt blauer Stein. Und Blau ist ja auch meine Lieblingsfarbe, Himmelblau. Aber da sind noch so kleine goldene Punkte drin. Pyrit ist das. Sieht ein bisschen aus wie die Erde nachts, also – das hat mir Papa letztens gezeigt – wenn man die Erde aus dem Weltall anschaut, weißt du?«
»Klingt schön.«
»Ja, finde ich auch. Und weißt du was?«
»Nee?«
»In der Totenmaske des Tutanchamun waren auch Lapislazulis drin. Das ist nämlich ein magischer Stein!«
»Ach was, magisch! Vielleicht findest du ja hier so einen.«
»Also, ich glaube die gibt’s in Deutschland eigentlich nicht, Onkel Harm.«
»Wer weiß …«

In der Nähe der Stelle angekommen gebe ich vor, mal pinkeln zu müssen und verlasse den Weg, der uns links weiter den Hang hinaufführen würde. Rechts gehe ich auf einem Boden aus Blättern zwischen Büschen, Farnen und Buchen hindurch, bis der Hang steiler wird. Ein Pfad führt zu einer kleinen Fläche, die nach rechts hin offen ist wie eine Terrasse, mit Blick auf den Ort, zur anderen Seite an eine Felswand grenzend: Zerklüfteter Sandstein mit vielen Spalten und Einbuchtungen – das unbewachsene Braungrau. Schnell hole ich den Stein aus meinem Rucksack, suche eine passende Stelle im Felsen, verstecke ihn unterm Geröll und eile zurück zu Wilko.
»Sag mal, hast du auch Lust auf ’ne kleine Pause? Da vorne hat man ’nen super Ausblick!«
»Na gut.«
»Da sind auch interessante Felsformationen, vielleicht kannst du da was finden …«
»Auja!«
Während Wilko sich auf die Suche macht, nehme ich eine der Trinkflaschen, lege den Rucksack auf den Boden und gehe zum Vorsprung. Unter mir sind es mehrere Meter bis zum nächsten, der allerdings um einiges schmaler ist und in ein steiles Gefälle übergeht. Hinter mir ist Wilko auf der richtigen Spur.
»Hm, irgendwie glaube ich, dass man hier vielleicht Werkzeug braucht.«
»Also in Österreich hab ich schon mal schöne Steine gefunden, die lagen auch einfach im Geröll rum.«
Meine Augen finden den Bahnhof mit seinen Gleisen in der Ferne. Wie bei einem Muskel verlaufen zu beiden Seiten Stränge, die sich bündeln und immer schmaler werden. Ein Zug fährt gerade in den Muskel. Ein paar hundert Meter östlich davon erkenne ich die St. Georg-Kirche. Eine Straße weiter ist die rote Fassade der Unverwechsel-Bar und da … ja, das muss es sein: das Happa Happa. Eine Mischung aus Stolz und Vorfreude erfüllt mich bei dem Anblick, Montag ist es endlich so weit …
»Onkel Harm! Onkel Harm! Hier ist was! Ich hab was gefunden! Ob du’s glaubst oder nicht!« Wilko kommt zu mir gerannt.
»Hey, hey, nicht so stürmisch, ist nicht ganz ungefährlich hier, okay?«
»Sieh mal, Onkel Harm!«
»Oh, wow! Ist das so ein Lappi…«
»Ja, ein Lapislazuli!« Mit seinem Shirt befreit er ihn vom Staub.
»Ist ja unglaublich! Ein schöner Stein. Du hast da ’nen Riecher für, was?«
Wilko lacht, ist vollkommen aus dem Häuschen. Falls ihm auffällt, dass er gerade einen perfekt geschliffenen Edelstein aus dem Schutt da geholt hat, lässt er es sich nicht anmerken. Ein schönes Alter, alles ist aufregend und spannend und neu. Bei mir aber auch, denke ich, und sehe nochmal zum Restaurant. Während der Junge seinen Stein bewundert, zwischendurch vom Fieber gepackt weiterbuddelt, suche ich mir ein schattiges Plätzchen am Rand der relativ ebenen Fläche und setze mich. Ich schließe die Augen, atme tief durch. Im Rucksack finde ich Tabak mit Blättchen und Filtern, und beginne, mir eine zu drehen. Ich merke, dass ich mich das erste Mal seit langem richtig entspanne.

Dann plötzlich das Geräusch von rutschendem Gestein. Keine Sekunde später Wilkos Stimme auf maximaler Lautstärke. Ruckartig schaue ich rüber, sehe, wie er am hinteren, schmalen Ende der Ebene taumelt. Mit den Armen rudert er in der Luft – in der einen Hand der blaue Stein – bevor er kopfüber hinterm Hang verschwindet.
Ich springe auf, meine Stimme außer Kontrolle. Meine Füße fliegen über den felsigen Grund die Wand entlang, zum Vorsprung. Beinahe wäre ich hinterher gesprungen, kann grade noch stoppen. Meine Augen sehen, was mein Hirn nicht begreift: Mein Neffe hat den unteren Felsvorsprung hinter sich gelassen, rauscht den Hang runter. Er schreit nicht mehr.
»Wilko!«, brülle ich nach unten, meine Stimme bereits auf dem Weg zur Heiserkeit.
Sofort setze ich zum Sprint an, zurück zum Pfad, folge ihm nach unten. In meinem Kopf das Bild von Wilkos zerschmettertem kleinen Körper. Mein Körper bewegt sich noch schneller – wo ist er? Ich schreie weiter, rufe seinen Namen, als könnte meine Stimme ihn noch retten.
Sobald der Hang es zulässt, renne ich nach links in den Wald. Jeder Schritt ist ein Sprung. Da ist er!
»Wilko! Wilko! Fuck!«
Wie er daliegt, das sieht nicht gut aus.
»Wilko? Hey, Wilko?«
Keine Antwort. Ich nehme all meinen Mut zusammen. Halte zwei Finger an seinen Hals, bringe mein Ohr an seinen Mund: Puls und Atmung sind da! Ruf den Notarzt!, schießt es in meinen Kopf. Ich fühle in meinen Taschen nach meinem Handy – keins da! Scheiße, wo ist es? Oben im Rucksack? Soll ich zurückrennen? Aber ich kann Wilko hier nicht liegen lassen, oder? Nein, auf keinen Fall! Ich nehme ihn ganz vorsichtig auf den Arm und gehe so schnell wie möglich zum Weg und Richtung Tal. Sein Gesicht bleibt leblos, ist mit Schmutz und Blut verschmiert. Ich will rennen, kann aber nicht, darf ihn nicht zu sehr bewegen.
»Wilko! Scheiße, Scheiße, verdammte Scheiße!«
Eine Bilderflut überschwemmt mein Hirn: der schüttelnde Kopf eines Arztes, mein Bruder und seine Frau, am Boden zerstört bei Wilkos Beerdigung. Irgendwann kommen mir zwei Wanderer entgegen, ein Mann und eine Frau. Ich rufe ihnen bereits von Weitem zu, sie bleiben stehen, treten zur Seite.
»Hilfe! Ich brauch ‘n Krankenwagen!« Meine Panik spiegelt sich in ihren Gesichtern.
»Na, was ist denn passiert, um Himmels Willen? Ist der Junge gestürzt?«
»Ja! Gestürzt!« Ich will weiterlaufen, meine Beine können kaum stillhalten.
Schon hat die Frau ein Handy am Ohr.
»Wir werden ihn unten zum Parkplatz schicken lassen«, sagt der Mann, und ihr Nicken ist das Signal für meine Füße.
»Tausend Dank Ihnen!«, sage ich, schon wieder unterwegs.
Wie weit ist das denn noch, verdammt? Während ich weiter vor mich hin fluche und flehe, komme ich endlich zum Waldeingang, dann zur Straße. Kein Krankenwagen. Hab ich die Wanderer wirklich getroffen? Hatten sie vielleicht keinen Empfang? Wie lang ist es her? Hätte ich bei ihnen warten sollen? Scheiße! Ich stehe da mit dem Jungen im Arm, ohne Plan, was ich tun soll.
»Wilko? Wilko, hey!« Seine Augen bleiben geschlossen, der Mund halb geöffnet, als schliefe er tief und fest. Oh Mann, Wilko, bitte bitte wach doch auf. Plötzlich Sirenen, endlich! Wir sind gerettet, du bist gerettet! Ich laufe weiter, dem schönen Lärm entgegen, mein Puls am Anschlag, meine Lungen zu klein, aber das könnte nicht egaler sein.

An die Fahrt erinnere ich mich kaum. Als ich im Krankenhaus zum Warten gezwungen werde, wird mir klar, dass ich wohl noch nie wirklich Angst hatte. Bis jetzt. So fühlt es sich wahrscheinlich an, wenn man ununterbrochen in eine Steckdose fasst. Kein Gedanke ist greifbar, im Kopf tobt ein Gewitter.
»Harm!«
Mein Bruder und seine Frau kommen durch den Flur auf mich zugelaufen, ihre Gesichter bleich. Ich stehe auf, ergebe mich. Während ich rede, hebe ich automatisch die Arme. Sie scheinen mein Gestammel nicht zu verstehen – rede ich Unsinn? Hanno ist sprachlos, Jutta sieht mich an mit einem Ausdruck, der mich foltert, ihre Augen bereits blutunterlaufen.
»Ich ... es tut mir so leid ...«
»Mein armer Junge, mein armer Wilko! Wie konntest du das zulassen? Wie konntest du nur?« Sie schluchzt, ringt nach Luft. »Wie konntest du ... oh Wilko!«
Wieder hebe ich die Hände, ihre Worte tun weh. Hilflos sehe ich zu meinem Bruder. Der nimmt schließlich die heulende, protestierende Jutta in seine Arme, dämpft ihren Heulkrampf.

Irgendwann kommt eine Ärztin auf uns zu. Mein Magen macht einen Satz, wie beim freien Fall. Ihre Worte kommen gestückelt bei mir an, bei jeder Diagnose zieht sich in mir alles zusammen: innere Verletzungen, Gehirnerschütterung, Brüche, Arm, Beine … Glück, wahrscheinlich nie wieder …
Nie wieder. Ich setze mich, starre an die gegenüberliegende Wand. Nie wieder werde ich eine Zigarette anrühren. Im Hintergrund Jutta, deren Reaktion mir den Rest gibt. Jeder Ton von ihr ist wie ein Stoß in meine Rippen. Die Tränen fließen wie ein Wasserfall. Was ist mit dem oben auf dem Berg? Da wollten wir doch hin …
»Der Junge schläft jetzt«, spricht die Ärztin weiter. »Wir werden ihn auf ein Zimmer bringen, wo Sie dann zu ihm können, im dritten Stock. Das Pflegepersonal dort wird Ihnen sagen, welches Zimmer. Am Montag wird er nochmal operiert.«
»Danke«, sagt Hanno, und der weiße Kittel der Ärztin schwebt davon.
Viel zu lange stehen wir da, ich fühle mich wie gelähmt, nutzlos, störend, während Jutta ihre Heulkrämpfe an Hannos Brust auslässt und er sein Gesicht in ihren Haaren vergräbt.
»Das tut mir so leid«, erkläre ich irgendwann Wand und Boden, woraufhin sich Jutta erneut zu mir wendet und mich anschreit.
»Warum hast du nicht aufgepasst? Warum? Du hättest besser aufpassen müssen! Was …? Was zum Teufel hast du denn da oben gemacht?« Kurz holt sie Luft, blickt auf den Boden. Plötzlich ballt sie ihre Fäuste, geht einen Schritt auf mich zu. »Über dein bescheuertes Restaurant nachgedacht? Dein bescheuertes Happa Happa? Hä? Ich dachte, wir können dir vertrauen!«, schießt es aus ihr heraus. »Mein armer Junge, mein armer, kleiner Junge ...«
Hanno nimmt sie wieder in den Arm. »Es war nicht Harms Schuld, Liebes. Es war nicht seine Schuld«, sagt er.
Seine Worte gehen mir direkt ins Mark, ein Schimmer Hoffnung. Für einen Moment vergesse ich alles, meine Augen fixiert auf Hannos Gesicht: Hat er das ernst gemeint? Glaubt er das wirklich? Er wendet seinen Blick von mir ab und sieht zu Boden, und ich lese in seinem Ausdruck, hinter dieser Fassung, die ich so gut kenne, wie sehr auch er um seinen Sohn bangt.
Sie gehen ein paar Schritte den Gang entlang. Weiter hinten im Flur sieht ein älteres Paar zu uns rüber. Ihnen gegenüber turnt ein kleines Kind auf den Sitzgelegenheiten. Ein kleiner, gesunder Junge.
Ich weiß nicht, was ich machen soll, will aufstehen und weggehen, mich nie wieder blicken lassen, doch es geht nicht, ich kann mich nicht bewegen, kann nur sitzen bleiben. Es fühlt sich an, als müsste ich eine Lösung finden für ein Problem, das größer ist als meine Vorstellungskraft, das meinen Verstand lahmlegt, und welches mich ab jetzt für immer begleiten wird.

Als ich auf einem anderen Stuhl aufwache, ist es draußen dunkel, eine Ecke des Zimmers schwach beleuchtet. Mein Nacken und mein Oberkörper schmerzen beim Versuch, mich gerade hinzusetzen. Vor mir liegt Wilko im Bett, an mehrere Geräte und einen Tropf angeschlossen. Auf dem freien Bett liegt Jutta und schläft, dazwischen sitzt mein Bruder auf einem Stuhl. Er merkt, dass ich wach bin, kommt rüber und setzt sich neben mich. Wir flüstern.
»Hanno. Ich …«
»Ich weiß, Harm.«
»Das tut mir so leid. Ich … ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Ich hab nur kurz nicht hingesehen, und plötzlich ist er da direkt am … Ich konnte nichts machen. Hatte ihn doch gewarnt … ich hatte ihn doch gewarnt, Hanno …«
»Ist schon okay, Harm. Ich weiß, dass du nichts machen konntest, mach dir keinen Kopf. Hab nochmal mit jemandem gesprochen. Ein Arzt oder Pfleger, keine Ahnung. Meinte, es kommt drauf an, wie die OP am Montag läuft. Mit etwas Glück könnte er wieder gehen. Die Ärztin wollte uns wohl keine falsche Hoffnung machen. Ansonsten hat er wohl richtig Glück gehabt. Ich mein, er hätte auch … lieber nicht drüber nachdenken.«
»Ich …« Mein Kopf ist leer, was kann ich noch sagen?
»Harm. Das hätte jedem von uns passieren können. Er ist ja keine vier mehr. Das war vielleicht einfach Pech.«
Seine Worte sind wie ein Bett, in das ich mich verkriechen, unter dessen Decke ich mich verstecken will, aber die Decke fehlt. Ich fühle ein leichtes Stechen um meine Augen, dann fließt es aus ihnen heraus. Hanno umarmt mich im Sitzen. Es ist das erste Mal seit dem Unfall, dass sich etwas halbwegs gut anfühlt.
»Geh doch nach Hause, du musst mal schlafen. Ich leg mich zu Jutta und hoffe, dass wir keinen Ärger bekommen. Ist ja nicht unser Bett.« Hanno versucht zu lächeln.
»Okay«, sage ich artig und stehe auf. Er stellt sich neben mich, legt seine rechte Hand auf meine Schulter. Ich blicke zu beiden Betten, beide noch da, gehe raus und laufe wie in Trance den Gang runter. Ich soll nach Hause? Jetzt? Zu meiner Rechten ist ein kleiner Wartebereich mit gepolsterten Stühlen ohne Armlehnen. Ich gehe rein, lege mich hin und schlafe ein.

Als ich aufwache, steht ein Mann im Bademantel unweit von mir vor einem Getränkeautomaten und guckt mich an. Auf mir liegt eine babyblaue Decke. Mein Kopf schmerzt, ich leg ihn wieder aufs Polster und schließe die Augen. So kommt der Traum zurück in mein Bewusstsein und ich denke: Flügel. Wir sind auf dem Felsvorsprung. Wilko nimmt Anlauf und macht einen Köpper den Hang runter, ruft mir lachend zu, ich solle es ihm nachmachen. Aber das ist doch gefährlich, Wilko!, rufe ich ihm zu, doch plötzlich hat er Flügel und segelt über die Wipfel der Bäume, und so überwinde ich meine Angst, renne los und springe ihm nach, und ich spüre die Flügel an meinem Rücken und wir fliegen durch die Lüfte, genießen den Wind, fliegen bis zum neuen Restaurant, wo André uns ein Festessen bereitet hat, und wo Hanno und Jutta schon warten und Wilko ihnen stolz seinen blauen Stein zeigt. Der ist magisch, sagt er mit großen Augen.
»Harm?« Ich öffne die Augen. Es ist mein Bruder. »Hast du hier etwa gepennt? Die ganze Nacht?«
»Hmjo«, krächzt es aus meinem Mund. Mit einem Räuspern richte ich mich auf, Hanno setzt sich dazu. »Hab geträumt, dass er Flügel hat.« Wir tauschen Blicke aus, das zaghafte Lächeln von gestern auf seinen Lippen.
»Er ist wach. Hat schon nach dir gefragt. Und nach einem Stein.« Ich schaue ihn an, dann wieder auf den Boden. »Ist ganz gut drauf, den Umständen entsprechend«, lässt er mich wissen. »Er war ja schon immer hart im Nehmen. Weißt du noch, wie er bei Mama und Papa im Flur auf dem Teppich ausgerutscht ist und voll mit dem Kopf gegen die Ecke von der Wand? Die Fliesen sind zerbrochen und haben ein Loch in der Wand hinterlassen … er hatte nicht mal Kopfschmerzen.«
»Ja, ich erinner mich.«
»Willste was trinken?« Er deutet auf den Automaten.
»Jo. Gerne.«
Nachdem wir einen Kakao getrunken haben, fahren er und Jutta nach Hause. Duschen, essen, Sachen für Wilko holen. Ich gehe ins Zimmer.

Bei Tageslicht sieht er noch schlimmer aus. Sein Kopf ist bandagiert, Pflaster kleben im Gesicht, sein linker Arm und die linke Hand sind in Weiß eingebettet, der Rest liegt unter einer dünnen Bettdecke mit blassen blauen Streifen. Es tut weh, ihn so zu sehen. Aber Hanno hat recht, er ist merklich gerädert und trotzdem gut drauf.
»Wo ist er?«, fragt Wilko, nachdem wir ein paar Worte ausgetauscht haben.
»Wer?«
»Na, der Lapislazuli.«
Dieser verdammte Stein. Ohne ihn wäre das nie passiert, was für eine bescheuerte Idee. Warum konnte ich ihm den scheiß Stein nicht einfach so geben, wie jeder andere normale Mensch es getan hätte?
»Er hat mir das Leben gerettet, Onkel Harm.«
»Was?«
»Na, der Lapislazuli. Ohne ihn wäre sicher Schlimmeres passiert … Onkel Harm? Weinst du?«
»Nee … Ja …« Ich sitze da, wo Hanno letzte Nacht saß. Jetzt hat Wilko seine gesunde Hand auf meine gelegt. Sollte nicht ich ihn trösten? »Hast du gar keine Schmerzen, Kleiner?«
»Hm, doch. Geht aber.«
»Das … das ist gut.«
Eine Weile schweigen wir, ich beobachte den Bildschirm mit seinen Zahlen und Kurven, die Wilkos Körper unwissend auf ihm malt. Unter dem Infusionsbeutel wächst ein Tropfen, wird so groß, dass die Gravitationskraft die Oberflächenspannung der Lösung übertrifft, er schließlich fällt und sich zu seinen Vorgängern in die kleine Kammer überm Schlauch gesellt, bereit für Wilkos Adern. Schon formt sich der nächste … Der Junge hat die Augen geschlossen, doch als spürte er meinen Blick, öffnet er sie wieder.
»Onkel Harm?«
»Ja, Wilko?«
»Bringst du mir den Stein?«
»Ich soll …?«
»Ja. Für die OP morgen früh. Als Glücksbringer.«
»Ach so … hm. Na ja … Okay.«

Als Hanno und Jutta wieder da sind, trotte ich durch die weißen Gänge nach draußen. Die Sonne blendet, aber das ist gut, je mehr, desto besser. Auch die Hitze ist gut, ich schwitze schon ordentlich. Ich muss den Stein finden, muss den Stein finden. Den Weg nach Hause lege ich zu Fuß zurück. Wie viele Schritte sind das? Viele. Ich laufe die Hauptstraße entlang, in der Sonne. Beim Anblick der Berge hinterm Ort fällt mir auf, dass ich vor Durst sterben könnte. Beim Kiosk hole ich mir Wasser, trinke, gehe weiter. Ich muss da hoch, muss zum Stein, ihn finden, sonst läuft die OP schief und er kann nie wieder gehen. Ob ich sie heut Abend für ein paar Stunden ablösen könne, hat Hanno gefragt. So lange sollte es nicht dauern.

Ich gehe nicht nach Hause, nehme den direkten Weg in den Wald. Niemand hier außer mir, viel zu heiß zum Wandern. Das ist gut. Wo sind die beiden Wanderer von gestern, die den Krankenwagen gerufen haben? Sicher machen sie sich einen schönen Tag im Garten oder am See. Wieso sind wir nicht zum See gegangen? Dann läge Wilko jetzt nicht im Krankenhaus. Ich folge weiter dem Weg. Irgendwo hier ist Hanno mal vom Baum gefallen. Ist weich gelandet, nichts passiert. Seine Worte gehen mir durch den Kopf: Das hätte jedem von uns passieren können … vielleicht einfach Pech. War er früher auch schon so? Vielleicht schon, ja. Ich war achtzehn, da hat er mir sein Auto geliehen. Sind zu viert zum See gefahren, in zwei Wagen, wir Idioten. Ich und André den beiden anderen Kumpels hinterher, Musik auf Anschlag, Billy Talent, mitgrölend, rumzappelnd, bescheuert. Billy Untalented hat mein Zivi-Kollege immer gesagt. Beim nächsten Blick auf die Straße Panik: Die andern beiden stehen vor uns, warten vor einer alten Zugbrücke, die nur einspurig befahrbar ist. Adrenalin, Vollbremsung, ABS − gereicht hat’s nicht. Ich dachte, mein Bruder würde mich fertigmachen, ausrasten, aber das tat er nicht. Er sah sich den Astra an, fragte, ob sonst was passiert sei, nein. Seine Ruhe überraschte mich. Zu der Zeit war das mit Jutta noch ganz frisch, vielleicht liegt es am Verliebtsein, dachte ich damals, das weiß ich noch.
Kurze Zeit später bin ich da: Hier muss er gelegen haben. Blätter, junge Bäume, Farne und Gräser und Blumen, eine heile Welt. Den finde ich nie, den verdammten Stein, denke ich, und da sehe ich ihn schon. Einen Moment lang möchte ich ihn einfach nur wegschmeißen, mit voller Kraft. Stattdessen nehme ich ihn mit nach Hause, dusche und esse was. Auf dem Wohnzimmertisch liegt mein Handy − ich werde es wohl nie wieder liegenlassen ... Ich schreibe André, dass wir die Eröffnung verschieben müssen, bevor ich wieder ins Krankenhaus gehe.

Wilko schläft. Ich lege den Stein auf seinen Nachtschrank, mache selbst auf dem freien Bett die Augen zu, nachdem mein Bruder und Jutta gegangen sind.
Ich schlafe durch bis zum nächsten Morgen, träume den Traum vom Fliegen.
»Danke für den Stein, Onkel Harm«, sagt Wilko zur Begrüßung.
Ausnahmsweise darf er den Stein mit in den OP-Saal nehmen, versichert ihm die Schwester mit einem Augenzwinkern, bevor es losgeht.

Ich warte beim Getränkeautomaten, wo mir wieder die Augen zufallen. Irgendwann weckt mich mein Bruder und reicht mir einen Becher mit Kakao.
»Danke. Wie spät haben wir‘s, ist es schon vorbei?«
»Ja. Ist gut gelaufen. Der Arzt ist wohl ein Spezialist auf seinem Gebiet. Er sagt, Wilko müsse auf jeden Fall eine Weile im Rollstuhl bleiben, aber dass er höchstwahrscheinlich wieder gehen wird. Vielleicht nicht wie früher, aber wer weiß, meinte der Arzt, er hat schon vieles gesehen.«
»Okay.« Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Als ich wieder zu Hanno sehe, gleiten ein paar Tränen seine Wangen hinab. Diesmal bin ich es, der seinen Arm um ihn legt.
»Weißt du, was Wilko im Aufwachraum gesagt hat?«, fragt er. »Der Lapislazuli sei der einzige Zeuge gewesen, hat er gesagt.«
»Zeuge?«
»Ja. Davon, wie der Unfall passiert ist, und dass du nicht schuld warst.«
Ich sehe ihm ins Gesicht, da ist wieder das zaghafte Lächeln.
Eine ganze Weile sitzen wir so da.


Drei Monate später stehe ich schwitzend in der saunaartigen Küche des Happa Happa und kippe einen ordentlichen Schuss Rotwein in die große Pfanne vor mir. Automatisch lehne ich mich zurück, bevor die rote Flüssigkeit auf das heiße Öl trifft, schlagartig verdampft und dabei das Öl in die Luft wirbelt, welches sofort mit Sauerstoff reagiert und in einer beeindruckenden Stichflamme verbrennt. In dem Moment kommt Vanessa, unsere Kellnerin, durch die Schwingtür herein und produziert so einen angenehmen Luftzug.
»Das Chili Sin Carne ist fertig«, lässt unser kürzlich eingestellter Koch sie wissen. Sie schnappt sich den Teller und ich freue mich auf den erneuten Luftaustausch.
Unser Plan ist tatsächlich aufgegangen: Der bescheuerte Name hat viele Leute neugierig gemacht, so sehr, dass wir bereits um zwei Mitarbeiter gewachsen sind. Wieder geht die Tür auf.
»Jo Harm, dein Neffe ist da!« Es ist die Stimme von André.
Ich drehe mich um und sehe sein vorfreudiges Lächeln. Ich versuche, es ihm nachzumachen, schaffe es nicht ganz. Meine Nervosität hat André mit seiner Ankündigung vervielfacht. Sein Gesicht verrät, dass er meine Gedanken kennt: Bisher hat mich Jutta gemieden, langsam habe ich es akzeptiert. Heute wird sie dabei sein, bei diesem Essen in unserem Laden, das eine kleine Feier ist – Wilko trainiert seit kurzem mit seinen neuen Krücken, heute ist er damit das erste Mal unterwegs.
Die Eröffnung war für mich wie einige der Vorlesungen während meines Studiums: eine Pflichtveranstaltung. Beinahe hätte ich mich ausgeklinkt, konnte keine Motivation finden. Hab’s letztendlich für André gemacht. Bereut habe ich es nicht, denn die Arbeit war genau die Ablenkung, die ich brauchte. Oft hab ich Wilko besucht, immer noch ist es mir ein Rätsel, wie sich Jutta jedes Mal rar gemacht hat. »Sie braucht Zeit«, war Hannos Erklärung. Ich konnte und kann es ihr nicht verübeln.
»Willst du sie nicht begrüßen?«, reißt mich André aus meinen Gedanken. »Ich übernehm das Essen.«
»Ja. Dank dir.«
Ich drücke ihm meine Schürze in die Hand, trinke einen Schluck Wasser und halte vor der Tür inne. In Wilkos Alter hab ich mal in einem Theaterstück mitgespielt, unfreiwillig. Ungefähr so fühlte es sich an, bevor ich auf die Bühne musste. Ich stoße die Tür auf und bahne mir meinen Weg durch die vielen besetzten Tische hindurch zu dem, an welchem meine Familie Platz genommen hat. Alle erheben sich, um mich zu begrüßen, außer Wilko.
»Hallo, Onkel Harm!« Er strahlt.
»Hey, Wilko! Wow, schöne Teile hast du da, deine Lieblingsfarbe, was?« Ich geh vor ihm in die Hocke und lege eine Hand auf seine Schulter.
»Ja, ich kann schon richtig gut damit laufen.«
»Das freut mich so was von, mein Kleiner, das glaubst du gar nicht. Musst du mir gleich mal zeigen.«
»Klar!«
Nachdem ich Hanno umarmt habe, stehe ich vor Jutta. Wir sehen uns kurz in die Augen, dann kündigt ihr Gesicht Tränen an und sie drückt mich an sich. Es fühlt sich gut an. Bevor sie sich wieder setzt, glaube ich in ihrem Gesicht so etwas wie Entspannung zu erkennen.
»Was wollt ihr denn trinken?«, frage ich in die Runde. »Geht natürlich alles aufs Haus! Wilko?«
Bevor er antworten kann, sehe ich etwas in seinen Händen, die unterm Tisch auf seinem Schoß liegen. Sofort weiß ich, was es ist: Der Stein, dieser verdammte Stein.

 
Verwendete Wörter
Kopfüber • Lapislazuli • Flügel • Rollstuhl • Zeuge

CoK

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24.08.2020
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Hallo @rainsen

Aus Zeitmangel nur ein kurzer Gegenbesuch. Doch ein paar Gedanken zu Deiner Geschichte wollte ich dir schreiben.
Ich mag deine Art zu erzählen und die Idee mit dem Onkel und Neffen finde ich super.
Doch ich denke die Erzählung ist zu lang. Kürze so gewinnt die Geschichte.
nicht nur an Lesern sondern auch an Intensität.

Wir tauchen ein in den Schatten des Waldes.
Ich würde erst an dieser Stelle anfangen. Denn was du vorher schreibst, ist zwar nett geschrieben, hat aber mit der Geschichte wie ich finde gar nichts zu tun.
. Jetzt habe ich den Stein, den ich im Restaurant hatte liegenlassen, im Rucksack verstaut.
?????
Ich spüre, wie unter mir Beton zu Waldboden wird, sich meine Füße von Schuhen
Schön geschrieben aber mal ganz ehrlich Beton der zu Waldboden wird und …

OK. Habt ihr auch Edelsteine gesammelt
Ich tue mich mit dieser Edelsteingeschichte ganz schön schwer. Denn ich denke der Neffe wird verarscht: Das er in Deutschland so ein Stein findet und ich als Leser, dass er in einem Wald so einen kleinen Edelstein findet.

Warum denn nicht vorher erzählen, dass ihr so eine Art Schatzsuche macht und du denn Schatz, einen Edelstein, den er sich schon lange wünscht versteckt hast. Das Gebiet somit auch einkreisen kannst und heiß oder kalt rufen.

Gucken
schauen

»Ich auch nicht. Ich kann kaum glauben, dass Opa und Oma schon über siebzig
Ich glaube nicht dass ein Zehnjähriger wie in dem Abschnitt spricht.
nämlich
könntest du weglassen.
eigentlich
kannst du auch weglassen.
OK. Habt ihr auch Edelsteine gesammelt?«
»Edelsteine? Nee. Gibt’s hier überhaupt sowas?«
»Naja, ich denke schon.«
»Vielleicht findste ja einen, später.«
Wie gesagt finde ich nicht so gut.( Es ist deine Geschichte)
Mir ist schon klar, wenn man gut schreiben kann, schreibt man auch gern viel. Lies es dir trotzdem noch mal durch und nimm heraus, was du nicht unbedingt brauchst für deine Geschichte.
Schön die Flügel in dem Traum und den Rollstuhl hast du ja später auch noch einmal. Mir hat viel an deiner Geschichte gefallen, zu einem anderen Zeitpunkt gerne mehr.


Wünsche dir ein schönes Wochenende

Lieber Gruß CoK

 
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18.11.2020
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Hallo @rainsen,

mir hat deine Geschichte wirklich sehr gut gefallen. Eine tolle Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Die Beziehung zwischen Onkel und Neffe fand ich auch toll ausgearbeitet.

Mein Hauptkritikpunkt ist der Fokus auf das Restaurant zu Beginn. Du verbringst sehr viel Zeit damit dem Leser Details über das Restaurant und seinen Kumpel zu erzählen, die für die Handlung aber nicht relevant sind. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass du irgendwie den Bogen wieder zu der Eröffnung spannst. Da solltest du dir am Ende noch etwas einfallen lassen oder du kürzt bei deinem Anfang einiges. Ich persönlich würde dir letzteres empfehlen. Obwohl dein Einstieg unterhaltsam war, kann ich mir nicht vorstellen, wie du das noch weiter einbauen willst.

Ich sehe ihm kurz nach und denke, musst du hier aufm Fußgängerweg rumrasen?, fühle mich aber sofort schlecht, weil ich gehen kann und er nicht. Dabei knallt die Sonne auf mich runter, das Shirt klebt noch stärker an meiner Haut als vorher.
Hier bin ich etwas über das 'dabei' gestolpert. Das hat im ersten Moment Rollstuhlfahrer und Sonne in meinem Kopf verbunden und ich habe mich gefragt, was die beiden miteinander zu tun haben. Ich würde es einfach weglassen: 'Die Sonne knallt auf mich herunter...'

Anfang dreißig und schon am Schwächeln, Mann Mann Mann, denke ich, und beweise mir selbst, dass ich noch aus dem Sessel hochkomme, um in der offenen Küche den Wasserkocher anzustellen.
Hier musste ich wirklich schmunzeln. :)

beobachte meinen Outdoor-Neffen, wie er auf dem Sofa kniet und raussieht.
»Onkel Harm«, flüstert Wilko und dreht sein Gesicht zu mir, »die Nachbarin singt wieder.«
An der Stelle habe ich mich gefragt, wie alt der Neffe eigentlich ist. Habe ich das irgendwo überlesen?

»Nein, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben nicht. Der letzte war ein Amethyst, dieser Lilane, den kennst du ja schon. Ich wünsch mir ja einen neuen.«
»Achja? Was‘n für einen?« Mein Körper gewöhnt sich an die Anstrengung, die Bewegung und die Waldluft tun gut.
»Lapislazuli heißt der.«
»Ist ja ’n abgefahrener Name!«
»Ja, das heißt blauer Stein. Und Blau ist ja auch meine Lieblingsfarbe, Himmelblau.
Bei Umgangssprache lasse ich Wiederholungen auch gerne einmal durchgehen, aber hier waren es mir dann doch ein paar 'ja' zu viel ;).

Schnell hole ich den Stein aus meinem Rucksack, suche eine passende Stelle im Felsen, verstecke ihn unterm Geröll und eile zurück zu Wilko.
Toller Onkel, habe ich an der Stelle gedacht. So jemanden wünscht man sich als Kind.

Wie bei einem Muskel verlaufen zu beiden Seiten Stränge, die sich bündeln und immer schmaler werden. Ein Zug fährt gerade in den Muskel.
Super Vergleich. Darauf wäre ich niemals gekommen, finde es aber tatsächlich passend.

Keine Antwort. Sofort schnapp ich ihn mir, nehme ihn auf den Arm und renne so schnell es geht zum Weg und Richtung Tal. Er ist bewusstlos, hat Schmutz und Blut im Gesicht. Ich rase, vom Adrenalin getrieben.
Sollte er nicht wenigstens kurz innehalten, um zu prüfen, ob das Kind noch lebt?
Ich hatte fast damit gerechnet, dass die Notärzte nur noch den Tod feststellen.

So fühlt es sich wahrscheinlich an, wenn man ununterbrochen in eine Steckdose fasst. Kein Gedanke ist greifbar, im Kopf tobt ein Wirbelsturm.
Beide Sätze alleinstehend finde ich gut, um seine Emotionen zu beschreiben. Allerdings passen sie meiner Meinung nach nicht wirklich zusammen. In eine Steckdose zu fassen würde ich nicht mit einem Wirbelsturm gleichsetzen. Eher ein Gewitter vielleicht.

Er wird für immer im Rollstuhl sitzen!
Ich finde es spannend wie hier plötzlich der Bogen zu der völlig belanglosen Begegnung mit dem Rollstuhlfahrer am Anfang gespannt wird.

Wir sind auf dem Felsvorsprung. Wilko nimmt Anlauf und macht einen Köpper den Hang runter, ruft mir lachend zu, ich solle es ihm nachmachen. Aber das ist doch gefährlich, Wilko!, rufe ich ihm zu, doch plötzlich hat er Flügel und segelt über die Wipfel der Bäume, und so überwinde ich meine Angst, renne los und springe ihm nach, und ich spüre die Flügel an meinem Rücken und wir fliegen durch die Lüfte, genießen den Wind, fliegen bis zum neuen Restaurant wo André uns ein Festessen bereitet hat, und wo Hanno und Jutta schon warten und Wilko ihnen stolz seinen blauen Stein zeigt.
Toll. Das gibt ein richtig gutes Kopfkino und bringt für einen kurzen Moment wieder etwas Leichtigkeit und Optimismus in die Geschichte.

Unter dem Infusionsbeutel wächst ein Tropfen, wird so groß, dass die Gravitationskraft die Oberflächenspannung der Lösung übertrifft, er schließlich fällt und sich zu seinen Vorgängern in die kleine Kammer überm Schlauch gesellt, bereit für Wilkos Adern.
Ich finde es super, wie du das Physikstudium in seiner Gedankenwelt immer wieder aufgreifst. Damit schaffst du einen Charakter mit einer eigenen Sprache und eröffnest dir die Möglichkeit, Dinge auf eine eher untypische Art zu beschreiben. Das gefällt mir richtig gut.

»Weißt du, was Wilko im Aufwachraum gesagt hat?«
»Nein?«
»Der Lapislazuli sei der einzige Zeuge gewesen, hat er gesagt.«
»Zeuge?«
»Ja. Davon, wie der Unfall passiert ist, und dass du nicht schuld warst.«
Ich sehe ihm ins Gesicht, sehe sein zaghaftes Lächeln, weniger zaghaft als gestern. Dann legt er mir einen Arm um die Schultern und zieht mich zu sich.
Eine ganze Weile sitzen wir so da.
Ein sehr schönes Ende. Ich hätte es fast dramatischer gefunden, wenn Wilko im Rollstuhl bleiben würde, aber gegen einen glücklichen Ausgang habe ich auch nie etwas einzuwenden :).


Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, deine Geschichte zu lesen.

Liebe Grüße,
Nele

 
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09.12.2019
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Hallo @rainsen ,

ich finde es immer ein Wagnis, eine Geschichte aus der Ich-Perspektive zu schreiben, es schränkt einen ja schon ein, was man alles erwähnen kann auf die Wahrnehmung des Protagonisten.

Ist dir aber m.E. hierbei gut gelungen! Und die Beziehung zwischen Onkel und Neffe bringst du sehr menschlich und nachfühlbar rüber.

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn ein Text nicht 100% stringent auf die Haupthandlung fixiert ist, aber ich schließe mich den vorherigen Kommentaren an, die Geschehnisse dennoch mehr darauf auszurichten, gerade am Anfang. Sonst beginnt irgendwann das Querlesen, der ein oder andere Leser steigt ggf. aus ...

Und mal ein Happy End, das gibt es ja nicht in jeder Geschichte! :)

Also insgesamt gerne gelesen, auch für mich würde die Geschichte nach dem Motto "weniger ist mehr" noch gewinnen.

Viele Grüße,
Rob

 
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05.09.2020
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Hey @CoK, @Nele Marie Scambalo und @Rob F,

erstmal besten Dank euch fürs Lesen und Kommentieren!

Ein geteilter Punkt ist, dass ihr den Anfang kürzen würdet, speziell was das Restaurant angeht. Wenn ihr das so empfindet, dass euch das zu viel ist, kann ich das natürlich nicht leugnen - will ich auch gar nicht. Interessant finde ich, dass dieser Part wirklich nicht so lang ist im Vergleich zum Rest der Geschichte. Das ist ein Grund, warum ich zögerlich bin, da etwas zu kürzen. Der zweite Grund ist, dass ich generell nicht finde, dass Kurzgeschichten immer super komprimiert auf die eigentliche Handlung sein müssen. Sicherlich komprimiert man mehr, als in einem Roman. Hier finde ich es allerdings nicht unbedingt ausschweifend - ich habe die Anfangsszene nicht einfach so geschrieben: Sie zeigt die Ausgangssituation des Protagonisten, Harm, und hat demnach mMn einen nicht unerheblichen Effekt auf den Rest der Geschichte. Klar könnte ich in einem Satz irgendwo reinsetzen, dass er gute Laune hat, weil er nächste Woche ein Restaurant eröffnen wird. Ich möchte aber zeigen, à la show don't tell, was bei Harm grade im Leben passiert, möchte zeigen, warum er so gute Laune hat. Ich greife ja später auch mehrmals auf das Restaurant zurück, auf seinen Kumpel André, darauf, was es für ihn bedeutet. Als dann der Unfall passiert, rückt das komplett in den Hintergrund - er schreibt irgendwann nebenbei André eine Nachricht, dass die Eröffnung verschoben werden muss - ansonsten denkt er nichtmal an das Restaurant. Damit zeige ich ja grade erst, wie stark dieser Unfall Harm beeinflusst. Ich weiß nicht, ob dieser Effekt so gut rüberkommen würde, wenn ich zB das mit dem Restaurant nur irgendwo im Nebensatz erwähne.
Dann ist dieser Part, wie gesagt, auch eigentlich gar nicht so lang - es geht in ein paar Zeilen ums Restaurant, dann kommt schon die Ausgangslage, dass sie noch ein freies Wochenende haben (eben weil sie am Restaurant gearbeitet haben und nach dem WE eröffnen wollen) das er eben mit seinem Neffen verbringen will, weil er ihn schon so lange nicht gesehen hat.
Bei flash fiction hätte ich euch sofort zugestimmt, hätte sicherlich erst gar nicht eine solche Szene eingebaut, mich auf einen Nebensatz beschränkt.

Allerdings will ich eure Eindrücke natürlich nicht ignorieren oder runterspielen - das ist nur mein eigener Eindruck - und deshalb beschäftige ich mich ja damit. Aber ich will mal sehen, ob andere es auch so empfinden. Wenn ich in ein paar Stunden mal eine Zeit nichts mit der Geschichte zu tun hatte, les ich sie mir nochmal durch und achte nochmal mehr auf den ersten Part, um zu sehen, ob ich doch denke, dass es zu lang ist.

So, und jetzt zu den Einzelheiten:

Ich mag deine Art zu erzählen und die Idee mit dem Onkel und Neffen finde ich super.
Danke, das freut mich :)

?

Ich tue mich mit dieser Edelsteingeschichte ganz schön schwer. Denn ich denke der Neffe wird verarscht: Das er in Deutschland so ein Stein findet und ich als Leser, dass er in einem Wald so einen kleinen Edelstein findet.
Hm, also ich weiß schon was du meinst. Aber er will ihn ja nicht verarschen. Die beiden sind ja recht eng, sehen sich normalerweise häufig. Der Onkel will ihm ja nur eine Freude machen, und ich finde die Idee, ihm den Stein nicht einfach in die Hand zu drücken, sondern ein kleines Abenteuer draus zu machen, ganz nett. Wenn ich mit meinen Neffen spiele, dann ist auch vieles ausgedacht, hanebüchen könnte man sagen, aber das ist ja eben grade das Schöne - die Phantasie, das Fiktive...ähnlich finde ich es auch hier - der Neffe ist 10 Jahre alt, und sicherlich wird er wissen, dass da so ein Stein nicht einfach rumliegt. Aber das macht doch nichts - selbst wenn er weiß, dass der Onkel ihn da hingelegt hat, ist es ein Spiel und das gefällt ihm.

Gucken
schauen
Ist ja wörtliche Rede, und ich zB würde nie sagen "Schauen wir mal", sondern verwende eben das Wort "Gucken". Demnach lasse ich es so.

»Ich auch nicht. Ich kann kaum glauben, dass Opa und Oma schon über siebzig
Ich glaube nicht dass ein Zehnjähriger wie in dem Abschnitt spricht.
Also mein ältester Neffe ist grade 7 geworden und der würde sowas ohne zu zögern sagen ;)

nämlich
könntest du weglassen.
eigentlich
kannst du auch weglassen.
Auch hier finde ich die Wörter passend, denn so redet man doch, man verwendet solche Wörter - gut, manche vielleicht nicht, aber ich finde es dennoch realistisch und passend.

Lies es dir trotzdem noch mal durch und nimm heraus, was du nicht unbedingt brauchst für deine Geschichte.
Werde ich definitiv machen.

Schön die Flügel in dem Traum und den Rollstuhl hast du ja später auch noch einmal. Mir hat viel an deiner Geschichte gefallen, zu einem anderen Zeitpunkt gerne mehr.
Danke!

__________________________

mir hat deine Geschichte wirklich sehr gut gefallen. Eine tolle Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Die Beziehung zwischen Onkel und Neffe fand ich auch toll ausgearbeitet.
Das freut mich wirklich sehr, vor allem, weil ich den Text erst gar nicht hochladen wollte...

Du verbringst sehr viel Zeit damit dem Leser Details über das Restaurant und seinen Kumpel zu erzählen, die für die Handlung aber nicht relevant sind.
Siehe oben. So viel Zeit ist es mMn nicht, aber ich werde da nochmal drüber gucken, und auch sehen, ob alle Leser*innen es so empfinden. Danke jedenfalls für den Hinweis!

Hier bin ich etwas über das 'dabei' gestolpert.
Habe ich geändert, danke!

Hier musste ich wirklich schmunzeln.
Das finde ich gut :)

An der Stelle habe ich mich gefragt, wie alt der Neffe eigentlich ist. Habe ich das irgendwo überlesen?
Jo, er ist 10. Das sagt er selbst, als es um das Alter von Edelsteinen (und das seiner Großeltern) geht.

Bei Umgangssprache lasse ich Wiederholungen auch gerne einmal durchgehen, aber hier waren es mir dann doch ein paar 'ja' zu viel ;).
Hehe, jo, da muss ich dir zustimmen ;) Habe ich geändert!

Toller Onkel, habe ich an der Stelle gedacht. So jemanden wünscht man sich als Kind.
Schön, dass dir die Idee mit dem Stein-Verstecken gefällt :)

Super Vergleich. Darauf wäre ich niemals gekommen, finde es aber tatsächlich passend.
Cool :)

Sollte er nicht wenigstens kurz innehalten, um zu prüfen, ob das Kind noch lebt?
Ich hatte fast damit gerechnet, dass die Notärzte nur noch den Tod feststellen.
Haste vollkommen recht! Habe ich mit eingebaut - danke!

Beide Sätze alleinstehend finde ich gut, um seine Emotionen zu beschreiben. Allerdings passen sie meiner Meinung nach nicht wirklich zusammen. In eine Steckdose zu fassen würde ich nicht mit einem Wirbelsturm gleichsetzen. Eher ein Gewitter vielleicht.
Das war mir so nicht aufgefallen - habe jetzt erstmal das Gewitter übernommen, muss ich mir nochmal durchlesen, ob das so passt - danke!

Ich finde es spannend wie hier plötzlich der Bogen zu der völlig belanglosen Begegnung mit dem Rollstuhlfahrer am Anfang gespannt wird.
Finde ich auch! Rückblickend ist es ja fast wie ein schlechtes Omen, dass er kurz innerlich über den Rollstuhlfahrer flucht, dann aber direkt das schlechte Gewissen bekommt, da er laufen kann und der Rollifahrer nicht. Also: Im Nachhinein vielleicht gar nicht so belanglos ;) Und eben das meine ich oben in meiner Erklärung, warum ich finde, dass der Restaurant-Part eben auch eine Bedeutung hat...

Toll. Das gibt ein richtig gutes Kopfkino und bringt für einen kurzen Moment wieder etwas Leichtigkeit und Optimismus in die Geschichte.
:)

Ich finde es super, wie du das Physikstudium in seiner Gedankenwelt immer wieder aufgreifst. Damit schaffst du einen Charakter mit einer eigenen Sprache und eröffnest dir die Möglichkeit, Dinge auf eine eher untypische Art zu beschreiben. Das gefällt mir richtig gut.
Danke, das freut mich!

Ein sehr schönes Ende. Ich hätte es fast dramatischer gefunden, wenn Wilko im Rollstuhl bleiben würde, aber gegen einen glücklichen Ausgang habe ich auch nie etwas einzuwenden :).
Tja, das kann man natürlich so oder so machen - ist ja schon hart genug, finde ich, dass er sicherlich keinen normalen Sport machen kann etc...

Schön, dass es dir gefallen hat, wie gesagt, das freut mich!

____________________________

Ist dir aber m.E. hierbei gut gelungen! Und die Beziehung zwischen Onkel und Neffe bringst du sehr menschlich und nachfühlbar rüber.
Das freut mich!

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn ein Text nicht 100% stringent auf die Haupthandlung fixiert ist, aber ich schließe mich den vorherigen Kommentaren an, die Geschehnisse dennoch mehr darauf auszurichten, gerade am Anfang. Sonst beginnt irgendwann das Querlesen, der ein oder andere Leser steigt ggf. aus ...
Hast du denn quergelesen? Hast du während des Lesens gedacht, hey, wann kommt denn das mit dem Restaurant wieder?

Also nochmal vielen Dank euch allen, sehr hilfreich eure Kommentare!
Das mit dem Kürzen lasse ich mir nochmal durch den Kopf gehen...

Schönen Sonntag noch,
rainsen

 
Seniors
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Hallo @rainsen ,

ich habe jetzt deinen Text das zweite Mal durchgelesen und kann dir von daher nun meinen Eindruck dazu auch konkret darlegen:

Ein lange, flüssig zu lesende Geschichte ist dir da gelungen. Schreiben kannste.

Ich finde auch die Idee gut, es ist Dramatisches und Erlösendes enthalten, aber und das empfinde ich als störend, es fehlt mir eine konsequente Gewichtung in der Erzählung.

Du beginnst mit dem Restaurant und dem durchaus spannendem Thema des Neuanfangs beruflicher Art. Da bin ich komplett dabei und erwarte nun, dass es hier in dieser Richtung weiter geht, ich also nun zu diesem Thema etwas lese.
Dann schwenkst du zu dem Neffen und dem gemeinsamen Vorhaben und ich verabschiede mich
zusammen mit dir von dem Restaurantthema, denn je weiter deine beiden Protagonisten wandern, desto spannender entwickelt sich die Handlung.
Aber du lässt sie leider an keiner Stelle explodieren. Der Neffe stürzt und am Ende löst du es sehr schnell auf. Sicherlich ist in deinem Kopf viel mehr Dramatik gewesen, aber jetzt, wenn ich es lese, wirkt es fast harmlos.
Ich könnte mir vorstellen, dass du einerseits in der Interaktion zwischen dem Onkel und seinem Neffen noch mehr Drama reinschreiben könntest und/oder beim Onkel noch mehr Hindernisse aufbauen könntest.
In deiner Geschichte meldet sich das Kind ja nicht mehr und hier müsste dann, wenn du dabei bleiben möchtest, sich der Onkel auf jeden Fall noch mehr die Kehle aus dem Leib gröhlen, verbinden mit der Panik, in der er sich da befindet.
Und obendrauf satteln würde ich, dass er auf dem eiligen Weg zu dem Kind, selbst hinfällt, sich verletzt, verstaucht, prellt, nicht mehr so schnell voran kommt, du weißt schon, da findet sich jede Menge Möglichkeit. Also nicht das Schema: Unfall-Rettung, sondern Unfall-Rettungsversuch, der scheitert (kann sogar noch schlimmer werden)und dann erst Rettung.

So ist es auch im Krankenhaus. Die sind da alle so zivilisiert (bis auf Jutta, aber darauf komm ich noch) und reden so wohl dosiert. Bei solch einer Ausnahmesituation ist es nicht ganz ungewöhnlich, wenn auch in der wörtlichen Rede alles entgleist. Da könntest auch im Krankenhaus mehr Wucht reinschreiben.

Für mich stellt sich also die Frage bzw. sie stellt sich dir: den Text ausführlicher zu gestalten und dann kann er auch so breit angelegt gut funktionieren oder aber, ihn sehr stark zu raffen, um ihm dadurch mehr Knackigkeit zu geben.
Ich hoffe, du kannst irgendwie nachvollziehen, wie ich es meine.

Ich schließe ab, gehe zwei Schritte rückwärts auf den Gehweg und fahre vor Schreck zusammen.
Guter Anfang, in medias res sozusagen.
: Happa Happa. M
Echt, dieser Name gefällt mir irre gut, aber leider stirbt die Sache mit dem Restaurant ja in der Geschichte, sie ist nur Nebennebenschauplatz...schade irgendwie.
»Naja, dass du die letzten freien Tage deines Lebens«, er zwinkerte mir übertrieben zu, »mit deinem Neffen verbringst. Ich werd mich mit Pizza und Bier eindecken und nicht mehr vom Sofa aufstehen. Ist immer ein Platz für dich frei!«
Würde ich streichen, weil es die Handlung nicht voran bringt.
»Naja, dass du die letzten freien Tage deines Lebens«, er zwinkerte mir übertrieben zu, »mit deinem Neffen verbringst. Ich werd mich mit Pizza und Bier eindecken und nicht mehr vom Sofa aufstehen. Ist immer ein Platz für dich frei!«
»Ach, ja … Klingt echt verlockend. Aber du weißt −«
»Klar, weiß ich doch. Ist ja auch cool! Ich mag ihn auch, und er wird sich freuen. Bist ’n guter Onkel.«
»Und Patenonkel!«
»Und Patenonkel! Wird echt Zeit, dass du dir mal ’ne Perle zulegst und Eigene machst.«
»Tss … Perfekter Zeitpunkt grade.«
»Ja, ja. Hast ja noch ’n paar Jahre.«
Ich fürchte, wenn du diesen gesamten Absatz weglässt, vermisst ihn für die Handlung keiner.
Probier doch mal bitte aus.
Jetzt habe ich den Stein, den ich im Restaurant hatte liegenlassen, im Rucksack verstaut.
Unwichtig. Der Stein ist wichtig.
Mit dem Rücken zur Fensterfront folge ich mit meinem Blick der ruhigen Straße, sehe in der Ferne den Rollstuhlfahrer in eine Seitengasse einbiegen. Dahinter, über den Dächern der Kleinstadt, die Wölbung der Erde Richtung Himmel, die Blätter der Bäume zu einer grell grünen Fläche verschmolzen. Dazwischen und darüber das Braungrau der Felsen. Als würden sie es nicht dulden, dass etwas auf ihnen wächst.
Erst wollte ich dir schreiben: wieso Rücken zu Fensterfront? Da sieht er ja nun das alles nicht.
Aber dann wurde mir klar, er steht draußen.
Was dir aber einwandfrei gelungen ist, ist diese Landschaftsschilderung. Perfekten Film hab ich jetzt vor Augen.
Er sieht aus, als käme er grade aus dem Globetrotter, wo ihn seine Eltern einmal nackt ausgezogen und mit Outdoor-Klamotten wieder angezogen hätten.
Herrlich humorig, davon hätte ich gern mehr.
Die Ohren freuen sich über die Stille, bis die ersten Wassermoleküle im Kocher zu Gas werden und beim Aufsteigen implodieren.
Ja, besser kann man das nicht sagen! Ich erinnere mich an eine Arbeit in Physik in der Schule. Thema "Es kocht". Schätze meine Note wäre deutlich besser geworden, wenn ich nur diesen einzigen Satz geschrieben hätte.
Aber hier gibst du deiner Geschichte derartig viel Raum, dass es eine Überlegung wert wäre, ihr noch mehr Raum zu geben.
Denn sei mal ehrlich: ist für den weiteren Sachverhalt und den Fortgang der Geschichte dieser zwar Satz erforderlich? Er ist genial, gar keine Frage, aber vielleicht solltest du ihn in einer anderen Geschichte unterbringen.
Total praktisch, so ein Physikstudium, besonders wenn man nach einem gefühlten Jahrhundert an der Uni feststellt, dass man viel lieber mit seinem Kumpel ein Restaurant eröffnet.
Ich liebe diese Sorte von Selbstironie sehr. Davon noch mehr bitte!
Ich spüre, wie unter mir Beton zu Waldboden wird, sich meine Füße von Schuhen und Socken befreien und wie früher die Schichten aus Laub und lockerer Erde fühlen wollen.
Läuft er da barfuß? Bestimmt hab ich es wo überlesen. Wenn er barfuß läuft, zieht er dann später die Stiefel oder so wieder an? Oder wie gelingt es ihm, ohne die Dinger zu laufen.
Und genau hier würde mir eine Idee kommen: du könntest ihn tatsächlich barfuß laufen lassen, dann passiert das Unglück und nun? Nun muss er sich entscheiden, weil Eile geboten ist. Mit Schuhen zu laufen, die müsste er sich dann aber mühselig erstmal anziehen, zubinden etc. Quälend lange Zeit vergeht damit. Oder er läuft gleich barfuß und jeder Leser weiß, dass das nicht gut gehen wird. Damit! kann man Spannung erzeugen.
»Sollen wir einen Krankenwagen rufen?«
Wieso tut er es nicht? Oder anders gefragt, wieso hat er es noch nicht getan? Empfang? Oder?
, Jutta ballt ihre Hände zu Fäusten und hämmert gegen meine Brust.
Obwohl ich anfänglich von dir eine Menge mehr an Dramatik einklage, finde ich exakt an dieser Stelle, dass du zuviel Hollywood schreibst. Wir Frauen sind keine Männer :D bevor wir zuschlagen, müssen uns erstmal die Worte fehlen. Jutta würde also erst dann gewalttätig werden, wenn sie merkt, dass ihre Verbalattacken nichts fruchten. Ich fürchte, du wirst dir ein paar Beleidigungen ausdenken müssen, die Jutta Harm entgegen schleudert und zwar so heftig, dass ihr Mann da eingreifen muss. Vielleicht geht sie auch böse Worte ausspuckend bedrohlich auf Harm noch zu, stoppt dann aber vorher ab.

Ich weiß nicht, was ich machen soll, will weg, aber wo soll ich hin?
Hier verstehe ich seinen Gedankengang nicht. Er ist ja bestimmt kein Obdachloser mit einem Restaurant. Du willst sagen, dass er genau weiß, zu Hause fällt ihm die Decke auf den Kopf, da müsste er geduldig still warten, das hält kaum einer aus, der sich solche Sorgen macht. Da bleibt man lieber nahe beim Unglück.
»Na, der Lapislazuli. Ohne ihn wäre sicher Schlimmeres passiert … Onkel Harm? Weinst du?«
Woher nimmt der Neffe diese Erkenntnis und welcher Sachverhalt wird mir da vorenthalten. Ich hatte gehofft, dass der Stein wirklich noch eine besondere Bedeutung entwickelt und war gespannt und habe dann doch nichts weiter dazu erfahren.
Hier setzt du nämlich mit genau diesem Satz wieder mit einem Spannungsbogen an.
Der Junge muss etwas erlebt haben, was direkt mit dem Stein zu tun hat.
Unter dem Infusionsbeutel wächst ein Tropfen, wird so groß, dass die Gravitationskraft die Oberflächenspannung der Lösung übertrifft, er schließlich fällt und sich zu seinen Vorgängern in die kleine Kammer überm Schlauch gesellt, bereit für Wilkos Adern.
Chapeau! Wieder so ein Satz wie aus dem Bilderbuch, besser kann man so etwas nicht schildern. Du hast echt Talent in diesen winzigen Dingen.
Der Arzt ist wohl ein Spezialist, Orthopäde. Er sagt, Wilko müsse auf jeden Fall eine Weile im Rollstuhl bleiben, aber dass er möglicherweise wieder gehen wird. Nicht wie früher, aber wer weiß, meinte der Arzt, er hat schon vieles gesehen.«
»OK.« Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Himmel, das kommt hier so lapidar. Und zwar diese Formulierung hier: "...dass er möglicherweise!!!!!..."
Und was wenn nicht? Das gibt es doch nicht, dass du hier einfach so drüber erzählst. Es besteht also immer noch die Gefahr, dass das Kind im Rollstuhl bleiben muss. Weißt du und wenn es nur 1% Chance sind, dass so etwas passiert, für alle, die das Kind lieben, also auch deinen Protagonisten ist das so schlimm als hätte man 100% gesagt. Davon lese ich aber nichts.
Hier muss viel mehr Verzweiflung, bitteres Bangen, Flehen, Mitfiebern hinein. Hier muss mehr Text rein. Woanders kannst du ihn einsparen.

Ich hoffe, du fühlst dich jetzt nicht von mir in der Luft zerrissen. Ich finde deine Geschichte kann noch viel mehr Wucht vertragen und auch mehr Geheimnis, wie z.B. weshalb der Lapislazuli dem Neffen das Leben gerettet hat.

Lieben Gruß

lakita

 
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09.12.2019
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Hast du denn quergelesen? Hast du während des Lesens gedacht, hey, wann kommt denn das mit dem Restaurant wieder?
Hallo @rainsen ,

hierbei habe ich es nicht, was auch an deiner Erzählweise liegt. Es ist ja manchmal nicht ganz einfach zu beschreiben, aber es kommt schon rüber, dass du Spaß am Schreiben hast und die Geschichte so erzählen wolltest.

Also zum Querlesen ist es nicht gekommen, aber ich habe schon ab und zu gedacht, dass die Handlung etwas schneller voranschreiten könnte.

Und bezogen auf das Restaurant habe ich mir hauptsächlich zum Ende hin gedacht, dass eine abschließende Szene im Restaurant doch ganz gut passen würde, um den Bogen zu schlagen. Vielleicht wenn Wilko zwar noch wackelig auf den Beinen ist, aber doch mit Krücken schon wieder etwas gehen kann.

Viele Grüße,
Rob

 

CoK

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Hallo @rainsen

wie schon geschrieben, ich finde deine Geschichte gut. Deinen Humor toll, deinen Prota liebenswert.
Am Anfang verliere ich mich in die Idee mit dem Restaurant, (dessen Namen Happa, Happa ich super finde. Auch andere humorvolle Stellen)
Da würde ich noch gerne mehr über das Restaurant erfahren. Doch das ist ja nicht deine Geschichte und meiner Meinung nach zieht es das in die Länge und deine Geschichte verliert somit an Spannung. Außerdem schreckt die Länge der Geschichte Leser ab.

Jetzt habe ich den Stein, den ich im Restaurant hatte liegenlassen, im Rucksack verstaut.
?????
Was für einen Stein warum erwähnst du das hier?
Darum würde ich es weglassen!
Wilko steht am offenen Fenster meiner zum Glück im Schatten liegenden Dachgeschosswohnung und guckt Richtung Wald.

Gucken wir dann.«

Als ich aufwache, steht ein Mann in Bademantel unweit von mir vor einem Getränkeautomaten und guckt
Ich kann mich mit dem gucken nicht anfreunden, auch wenn es in im Duden steht. Ich finde es klingt nicht schön. Klar kann man es verwenden.
auch nicht. Ich kann kaum glauben, dass Opa und Oma schon über siebzig sind. Und ich bin erst zehn! Wie soll ich mir dann Millionen vorstellen? Oder Milliarden … Oder, Onkel Harm?«
»Tja, weiß ich auch nicht. Glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich Menschen solche Zahlen vorstellen können, nicht mal Millionäre.«
»Glaub ich auch nicht.«
»Ist denn deine Sammlung in den letzten Wochen gewachsen?«
»Nein, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben nicht. Der letzte war ein Amethyst, dieser Lilane, den kennst du schon. Ich wünsch mir ja einen neuen.«
»Ach wirklich? Was‘n für einen?« Mein Körper gewöhnt sich an die Anstrengung, die Bewegung und die Waldluft tun gut.
»Lapislazuli heißt der.«
»Was’n abgefahrener Name!«
»Ja, das heißt blauer Stein. Und Blau ist ja auch meine Lieblingsfarbe, Himmelblau. Ist aber nicht nur blau, sondern da sind noch so kleine goldene Punkte drin. Pyrit ist das. Sieht ein bisschen aus wie ein Sternenhimmel. Oder wie die Erde, wenn man sie bei Nacht aus dem Weltraum betrachtet, wenn die beleuchteten Städte wie helle Punkte aussehen.«
»Klingt schön.«
»Ja, finde ich auch. Und weißt du was?«
»Nee, was denn?«
»In der Totenmaske des Tutanchamun waren auch Lapislazulis drin. Das ist nämlich ein magischer Stein!«
»Das wird ja immer besser. Vielleicht findest du ja hier so einen.«
»Also, ich glaube die gibt’s in Deutschland eigentlich nicht, Onkel Harm.«
»Wer weiß …«
Ich war über lange Jahre Betreuerin bei einer Stadtranderholung und war viel mit Kindern dieses Alters im Wald. Entschuldige bitte, jedes Kind ist anders und dein Neffe, der erzählt davon. Die Erfahrung von mir ist eine andere. Aber die Kinder haben sich sicher auch im Laufe der Jahrzehnte verändert. Trotzdem finde ich auch diesen Abschnitt zu lang und hätte mir gewünscht, Wilko benennt nur kurz die schützende Wirkung des Lapislazuli.

»Also, ich glaube die gibt’s in Deutschland eigentlich nicht, Onkel Harm.«
eigentlich und nämlich sind Verben, die man vermeiden sollte, so habe ich es hier im Forum gelernt.

Er hat mir das Leben gerettet, Onkel Harm.«
»Was?«
»Na, der Lapislazuli. Ohne ihn wäre sicher Schlimmeres passiert … Onkel Harm? Weinst du?«
Hier sprichst du die beschützende Wirkung des Steins an.
Ich muss da hoch, muss zum Stein, ihn finden, sonst läuft die OP schief und er kann nie wieder gehen.
Kann mir nicht vorstellen dass der Onkel das wirklich so denkt. Aber dass der Junge glaubt dass der Stein ihn beschützt das kann ich mir vorstellen.
Ich muss da hoch, muss den Stein finden für Wilko als Talisman.
( Wenn du wirklich dazu etwas schreiben willst. Es ist ja klar, dass der Onkel den Stein für seinen kleinen Neffen sucht)
Ich warte beim Getränkeautomaten, wo mir wieder die Augen zufallen
mir fallen die Augen zu. Finde ich klingt besser.;)

Ich habe deine Geschichte sehr gerne gelesen, sie hat mir gefallen. Schön, dass du sie für die Challenge eingestellt hast.
Jeder Leser hat einen anderen Geschmack, Schwerpunkt usw …

Du kannst meine Gedanken auch alle in die Tonne klopfen. Es ist Deine
Geschichte. ( eine schöne Geschichte )

Ich wünsche dir eine schöne Woche
Lieber Gruß CoK

 
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05.09.2020
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Hey @lakita,

wow, zweimal gelesen, diesen langen Text, dafür verdienst du schon einen riesen Dank!

Ein lange, flüssig zu lesende Geschichte ist dir da gelungen. Schreiben kannste.
Schon verrückt, wie einen so ein paar Worte glücklich machen können ;) Danke.

Dann schwenkst du zu dem Neffen und dem gemeinsamen Vorhaben und ich verabschiede mich
zusammen mit dir von dem Restaurantthema, denn je weiter deine beiden Protagonisten wandern, desto spannender entwickelt sich die Handlung. Aber du lässt sie leider an keiner Stelle explodieren.
Klar, ich fange natürlich anders an, als es dann weitergeht, aber - und da bin ich oben schonmal ausführlicher drauf eingegangen - ich will halt eine Geschichte aus dem Leben erzählen, die so passieren könnte, und da kann es nunmal so sein, dass es von einem (schönen) Thema zu einem ganz anderen schwenkt. Klar kann ich trotzdem deinen Punkt verstehen.
Was heißt, ich lasse sie nicht explodieren? Wie soll denn so eine Explosion aussehen? Ich muss hier stark an jimmysalaryman denken, dem ich letztens einen leicht voreiligen Kommentar dagelassen habe, und zwar mit ähnlichen Argumenten. Eigentlich wusste ich es schon vorher, nur habe ich es im Austausch mit ihm nochmal deutlicher realisiert: Dass in einer Geschichte nicht immer etwas explodieren muss. Sicherlich ist das geschmackssache, und meine Geschichte ist auch relativ lang, zumindest was Wortkrieger-Verhältnisse angeht. Von daher weiß ich schon was du meinst, allerdings finde ich den Sturz des Junge schon recht, wie soll ich sagen, nicht spektakulär, aber heftig. Wenn sowas im echten Leben passiert, dann ist das schon scheiße (wie du ja weiter unten selbst schreibst).

Ich habe aber auf deinen Kommentar hin ein paar Änderungen vorgenommen, zB in der Szene, als er ihn findet (er will nen Krankenwagen rufen, findet sein Handy nicht...). Dramatischer will ich es da gar nicht machen, mit Hinfallen oder so, fühlt sich für mich irgendwie drüber an... Im KH habe ich auch ein paar Dinge geändert, aber dazu gleich mehr.

Echt, dieser Name gefällt mir irre gut, aber leider stirbt die Sache mit dem Restaurant ja in der Geschichte, sie ist nur Nebennebenschauplatz...schade irgendwie.
Hehe, schön, dass er dir gefällt! Tja, das Restaurant... Einerseits gut, dass dich das so reinsaugt, denn dann sollte der Effekt der Wende (Wilkos Sturz etc) ja umso stärker sein. Andererseits wünscht du dir eine andere Geschichte - vielleicht ein anderes Mal ;)
Aber: Ich habe, statt zu kürzen, noch ein neues Ende geschrieben :D Damit spanne ich wieder den Bogen zum Anfang, zum Restaurant, was mir selbst sehr gut gefällt. Vielleicht tröstet dich das ja ein wenig!!

Ich fürchte, wenn du diesen gesamten Absatz weglässt, vermisst ihn für die Handlung keiner.
Probier doch mal bitte aus.
Klar wird ihn keiner vermissen, wenn er gelöscht ist kann man ihn ja nicht mehr lesen :P Aber wenn ich alles streiche, was die Handlung nicht direkt voranbringt, dann verliert die Geschichte doch ihre Seele - findste nicht? Hier lernt man Harm doch kennen, und dazu noch die Umstände, die Ausgangssituation. Vor allem sind es ja nun auch nicht 100 Zeilen. Du merkst, ich weigere mich hier ein wenig... Mal sehen obs sich noch ändert.

Jetzt habe ich den Stein, den ich im Restaurant hatte liegenlassen, im Rucksack verstaut.
Unwichtig. Der Stein ist wichtig.
Verstehe ich nicht. Ist doch nur ein Nebensatz, ein organischer kleiner Teil, der den Stein einleitet. Kann man auch anders schreiben, aber ich finds irgendwie passend, natürlich.

Erst wollte ich dir schreiben: wieso Rücken zu Fensterfront? Da sieht er ja nun das alles nicht.
Aber dann wurde mir klar, er steht draußen.
Was dir aber einwandfrei gelungen ist, ist diese Landschaftsschilderung. Perfekten Film hab ich jetzt vor Augen.
Naja, er hat ja den Laden abgeschlossen und war schon auf dem Bürgersteig, also isser draußen.
Freut mich, dass dir das mit der Landschaft gefällt!

Er sieht aus, als käme er grade aus dem Globetrotter, wo ihn seine Eltern einmal nackt ausgezogen und mit Outdoor-Klamotten wieder angezogen hätten.
Herrlich humorig, davon hätte ich gern mehr.
:)

Ja, besser kann man das nicht sagen! Ich erinnere mich an eine Arbeit in Physik in der Schule. Thema "Es kocht". Schätze meine Note wäre deutlich besser geworden, wenn ich nur diesen einzigen Satz geschrieben hätte.
Aber hier gibst du deiner Geschichte derartig viel Raum, dass es eine Überlegung wert wäre, ihr noch mehr Raum zu geben.
Denn sei mal ehrlich: ist für den weiteren Sachverhalt und den Fortgang der Geschichte dieser zwar Satz erforderlich? Er ist genial, gar keine Frage, aber vielleicht solltest du ihn in einer anderen Geschichte unterbringen.
Das ist ein richtig cooles Kompliment, danke :) Schön auch, dass es ein paar fiese (aber retrospektiv ja auch nette) Erinnerungen an die tolle Schulzeit hervorgerufen hat.
Ich kann ja in anderen Geschichten noch mehr so Sachen schreiben ;-P Ich liebe so Beobachtungen!

Ich spüre, wie unter mir Beton zu Waldboden wird, sich meine Füße von Schuhen und Socken befreien und wie früher die Schichten aus Laub und lockerer Erde fühlen wollen.
Läuft er da barfuß?
Nee. "...sich meine Füße...befreien und...fühlen...wollen." Impliziert ja, dass er Schuhe anhat.
Cool, dass du da viele Ideen hast - einige hab ich ja auch umgesetzt, ein bisschen zumindest. Lass ich mir nochmal durchn Kopf gehen, das mit dem Barfußgehen.

»Sollen wir einen Krankenwagen rufen?«
Wieso tut er es nicht? Oder anders gefragt, wieso hat er es noch nicht getan? Empfang? Oder?
Jo - hier hab ich dran gefeilt, etwas Dramatik reingebracht (findet sein Handy nicht, überlegt ob er hochrennen soll etc). Wahrscheinlich nicht ganz dramatisch genug für dich, aber zumindest ein bisschen, und ich danke dir für den Denkanstoß!

Obwohl ich anfänglich von dir eine Menge mehr an Dramatik einklage, finde ich exakt an dieser Stelle, dass du zuviel Hollywood schreibst. Wir Frauen sind keine Männer :D bevor wir zuschlagen, müssen uns erstmal die Worte fehlen.
Hahaha, herrlich. Danke für diese Lektion! Nee, im Ernst, stimme ich dir 100% zu, das ist total kitschig (und ich stehe überhaupt nicht auf Hollywood-Kram) und unrealistisch - hab ich umgeschrieben!

Ich weiß nicht, was ich machen soll, will weg, aber wo soll ich hin?
Hier verstehe ich seinen Gedankengang nicht.
Du verstehst es ja, aber ich verstehe, was du meinst. Habe ich auch umgeschrieben, hoffentlich etwas deutlicher.

»Na, der Lapislazuli. Ohne ihn wäre sicher Schlimmeres passiert … Onkel Harm? Weinst du?«
Woher nimmt der Neffe diese Erkenntnis und welcher Sachverhalt wird mir da vorenthalten. Ich hatte gehofft, dass der Stein wirklich noch eine besondere Bedeutung entwickelt und war gespannt und habe dann doch nichts weiter dazu erfahren.
Hmm tja. Er ist ja nunmal ein Kind, und Kinder haben ja manchmal noch etwas mehr an Phantasie, glauben an bestimmte Dinge etc. Und genau das ist hier auch der Fall - er sagt ja beim Hochgehen schon ganz leidenschaftlich, dass der Lapislazuli eine magische Wirkung hat etc.
Ich sehe deinen Punkt, und man könnte hier sicherlich was einbauen. Momentan sprengt das aber meinen Rahmen für die Geschichte (und ich finde, dass es auch so funktioniert).

Chapeau! Wieder so ein Satz wie aus dem Bilderbuch, besser kann man so etwas nicht schildern. Du hast echt Talent in diesen winzigen Dingen.
Wieder freue ich mich wie ein Kind :-)

Himmel, das kommt hier so lapidar. Und zwar diese Formulierung hier: "...dass er möglicherweise!!!!!..."
Und was wenn nicht? Das gibt es doch nicht, dass du hier einfach so drüber erzählst. Es besteht also immer noch die Gefahr, dass das Kind im Rollstuhl bleiben muss. Weißt du und wenn es nur 1% Chance sind, dass so etwas passiert, für alle, die das Kind lieben, also auch deinen Protagonisten ist das so schlimm als hätte man 100% gesagt. Davon lese ich aber nichts.
Hatte zuerst "höchstwahrscheinlich" stehen, was ich jetzt wieder benutzt hab, statt möglicherweise. Könnte ich sicherlich dramatischer schreiben, aber es gibt Menschen, die sind eben nicht so. Und der Hanno, also der Bruder vom Prot, ist eben genauso ein Mensch - er ist ja die ganze Zeit so ruhig, war es auch damals mit dem Auto (ok, soll jetzt kein Vergleich zum Unfall mit dem Junge sein, einfach nur diesen Charakterzug verdeutlichen), und ich kenne solche Menschen, die so undramatisch sind.
Was natürlich nicht heißen soll, dass es ihn nicht berührt, er nicht traurig ist - und deshalb habe ich deinen Rat befolgt und diese Gefühle gezeigt, in der Änderung (allerdings im Rahmen, der zu seinem Charakter passt).

Ich hoffe, du fühlst dich jetzt nicht von mir in der Luft zerrissen.
Nene, ich finde deinen Kommentar wirklich richtig gut! Habe ein paar Dinge gelernt, und auch wenn ich viielleicht jetzt nicht alles umgesetzt habe, so behalte ich das sicherlich im Kopf.

Also wirklich vielen Dank dir, das war für mich super hilfreich!

_____________________

Hey @Rob F,

und danke fürs erneute Rückmelden.

es kommt schon rüber, dass du Spaß am Schreiben hast und die Geschichte so erzählen wolltest.
Das macht mich sehr froh :-)

Also zum Querlesen ist es nicht gekommen, aber ich habe schon ab und zu gedacht, dass die Handlung etwas schneller voranschreiten könnte.
Ok, danke für deine Antwort.
Tatsächlich fand ich die Idee mit dem Bogen zum Restaurant so gut, dass ich ein neues Ende angehängt habe. Gefällt mir selbst ziemlich gut, hoffe, dass es so ein wenig die Geschichte erweitert und das "angerissene" Restaurant-Thema abrundet.
Also ganz vielen Dank für diesen Eindruck und Hinweis, das hat mir wirklich geholfen.

______________________

Liebe @CoK,

vielen Dank für den erneuten Besuch!

Ich habe das Restaurant-Thema jetzt nochmal am Ende aufgegriffen und somit in der Geschichte abgerundet. Gekürzt habe ich nichts, sorry :), aber ich nehme deinen Eindruck zur Kenntnis und werde weiterhin drüber nachdenken.

Was für einen Stein warum erwähnst du das hier?
Darum würde ich es weglassen!
Aber der Stein ist doch der Kern der Geschichte. Klar kann ich ihn auch später erst einbringen, aber ich möchte es hier schon andeuten, denn hier geht es ja darum, was Harm am Wochenende geplant hat, und da passt es mMn perfekt rein.

Ich kann mich mit dem gucken nicht anfreunden, auch wenn es in im Duden steht. Ich finde es klingt nicht schön. Klar kann man es verwenden.
Ich mag es offenbar lieber als du. Vielleicht liegt es an der regional gesprochenen Sprache.

Ich war über lange Jahre Betreuerin bei einer Stadtranderholung und war viel mit Kindern dieses Alters im Wald. Entschuldige bitte, jedes Kind ist anders und dein Neffe, der erzählt davon. Die Erfahrung von mir ist eine andere. Aber die Kinder haben sich sicher auch im Laufe der Jahrzehnte verändert. Trotzdem finde ich auch diesen Abschnitt zu lang und hätte mir gewünscht, Wilko benennt nur kurz die schützende Wirkung des Lapislazuli.
Mein 7-jähriger Neffe hört sehr viele Hörspiele, aber auch sowas wie Was ist was. Ich bin immer wieder verblüfft, wie er spricht, denn weder ich noch seine Eltern sprechen so. Kann gut sein, dass andere Kinder nicht so sprechen, viel mehr Erfahrung hab ich nicht. Wobei ein Freund des Neffen, der noch jünger ist, auch schon ähnlich redet. Vielleicht also eine neue Entwicklung.

Kann mir nicht vorstellen dass der Onkel das wirklich so denkt.
Naja, nicht wirklich, das stimmt. Allerdings ist er ja in einem ziemlich krassen Zustand, geschockt. Daher auch zB die Wiederholungen ("Ich muss den Stein finden, muss den Stein finden.") - so denkt/redet er ja normalerweise auch nicht. Demnach ist auch diese Aussage nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, sondern soll seinen Zustand betonen.

Ich habe deine Geschichte sehr gerne gelesen, sie hat mir gefallen. Schön, dass du sie für die Challenge eingestellt hast.
Jeder Leser hat einen anderen Geschmack, Schwerpunkt usw …
Freut mich, dass dir der Text dennoch gefallen hat. Und danke nochmal für deine Motivation, das hat offebar gewirkt :)
Ich bin dir für deine Kommentare dankbar, denn auch wenn ich ein paar Dinge anders sehe und nicht ändere (kann ja sein, dass ich es morgen anders sehe und denke, man, vielleicht muss ich doch was kürzen), bringst du mich zum Nachdenken und Hinterfragen. Und das gilt ja nicht nur für diese Geschichte, sondern auch für zukünftige.

Ich wünsch dir auch ne schöne Woche!

Vielen Dank nochmal euch allen für eure Hilfe!!
Gruß,
rainsen

 
Seniors
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08.01.2002
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Hallo @rainsen,

ich hab grad deine Erwiderungen auf meine Kritik gelesen und möchte dazu auch noch anmerken, vorweg muss ich dir aber leider sagen, dass ich mir im Moment nicht die Zeit nehmen werde, deine Geschichte nochmals wegen der vorgenommenen Veränderungen zu lesen, es stehen noch so viele andere Kritiken aus und die Zeit ist so knapp bis 16.

Was heißt, ich lasse sie nicht explodieren?
Ich hab das etwas plakativ geschrieben. Ich meinte damit, dass du mehr Spannungsbogen hättest reinschreiben können.
Dramatischer will ich es da gar nicht machen, mit Hinfallen oder so, fühlt sich für mich irgendwie drüber an...
Ich schreibe es gleich nochmals. Du musst nicht das tun, was ich oder die anderen von dir verlangen. Wenn es dir zuviel ist oder wie du schreibst, "drüber" ist, ist es vollkommen in Ordnung. Du bist der Regisseur deines Werkes! Nicht die Wortkrieger, die man eh nie alle unter einen Hut gepackt bekommt. :D
Vor allem sind es ja nun auch nicht 100 Zeilen. Du merkst, ich weigere mich hier ein wenig... Mal sehen obs sich noch ändert.
Ist völlig in Ordnung, dass du dich weigerst. Das nehme ich dir bis in alle Ewigkeit übel, dass du ...hihi...du weißt schon, es ist deine gute Entscheidung, ich habe nichts gefordert, sondern angeregt und sonst nichts. Es gibt keine Verpflichtung, etwas hier zu übernehmen.
Ich rege oft einiges an, weil meine Phantasie manchmal bei manchen Texten auch mit mir durchgeht, zum Leidwesen des Autoren. Aber das sind alles nur Angebote, Anregungen, Ideen halt.
Wie so ein Bauchladen mit diversen Waren darin. Man bedient sich oder nimmst nix. Alles gut.
Ich finde, dass durch dieses, ich sag mal Kopfladen-Angebot (der Bauch kann ja nicht denken) der jeweils Angesprochene in der Lage ist, es zu durchdenken. Er beschäftigt sich automatisch mit seinem Text, wägt ab, probiert aus und entwickelt meist auf diese Weise seine eigenen Ideen.
Dazu finde ich solche Kritiken auch verdammt wichtig. Sie schieben etwas an und wenn es etwas ist, was nicht im Mindesten mit der Kritik überein geht, dann ist es doch ebenfalls richtig gut.
Wir sprechen hier ja nicht von Tipp- oder Grammatikfehlern, sondern von inhaltlichen Dingen.


Und genau das ist hier auch der Fall - er sagt ja beim Hochgehen schon ganz leidenschaftlich, dass der Lapislazuli eine magische Wirkung hat etc.
Ich sehe deinen Punkt, und man könnte hier sicherlich was einbauen. Momentan sprengt das aber meinen Rahmen für die Geschichte
Verstehe. Mir hatte der Neffe zu wenig Feuer gefangen. Also du hast da Leidenschaft gesehen, ich noch nicht.
Nene, ich finde deinen Kommentar wirklich richtig gut! Habe ein paar Dinge gelernt, und auch wenn ich viielleicht jetzt nicht alles umgesetzt habe, so behalte ich das sicherlich im Kopf.
Aufatme. Ja und das mit dem Umsetzen hab ich ja oben ausführlich geschrieben, wie ich das betrachte.

Lieben Gruß

lakita

 
Mitglied
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10.09.2016
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Hey @rainsen ,

war neugierig, was bei dir so passiert. Mir geht es, was die Länge des Textes anbetrifft, anders als anderen KommentatorInnen hier. Ich finde das gut. Das bekommt dadurch eine ganz andere Gravität. Gerade bei der Dramatik brauchst du das, finde ich. Insofern halte ich den Text für ausgewogen. Ich denke aber auch, dass der Text fokussierter sein müsste. Du hast gute Dialogsituationen und machst das auch gut mit der erlebten Rede bzw. dem inneren emotionalen Erzählbereich deines Protas bzw. Ich-Erzählers. Aber was noch fehlt, ist die Power dahinter. Es ist schwer, da genau den Finger drauf zu legen und vielleicht auch nicht nötig. Es wirkt einfach etwas lasch, finde ich. Ich frage mich da, wo steckt hier genau rainsens Leidenschaft, was an diesen Inhalten ist ihm wichtig, wo merke ich das, was gehört zu ihm? Für mich ist das nicht dieser Tonfall des Protagonisten und nicht diese Story vom verunglückten Jungen. Es ist diese Beziehung zwischen Onkel und Neffen. Etwas Psychologisches im Grunde. Und ich denke, da müsstest du hin. Du hast super viel Dialog, aber Vieles ist halt nicht wirklich kräftig, sondern mehr so eine Gesprächigkeit. Krass wird es erst, wenn die Figuren Dinge sagen, aber eigentlich ganz andere Dinge meinen. Und wenn ich das als Leser spüre. So etwas hast du auch drin. Diese Bewunderung, die da beim Neffen anklingt. Oder dieses Joviale des Onkels. Aber es ist halt noch nicht wirklich mit Power. Ich weiß nicht, wie du schreibst (also in was für einer Stimmung und unter welchen Bedingungen). Aber ich denke immer mehr, dass es sehr wichtig ist, ganz wach, aufmerksam und fokussiert beim Schreiben zu sein, weil sich das wie nichts anderes im fertigen Text widerspiegelt.

Kurze Rückmeldung :)
Beste Grüße
Carlo

 
Mitglied
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Moin @Carlo Zwei,

freue mich über deinen Besuch! Hab ich neugierig gelesen, deinen Eindruck. Spannend auf jeden Fall, deine Einschätzung meiner Leidenschaft, und ganz falsch liegst du mit Sicherheit nicht ;)
Dein Punkt, wach und aufmerksam zu schreiben, ist ein sehr guter, den werde ich mir definitiv beim nächsten Text immer wieder bewusst machen. Natürlich, wenn man gerne schreibt, macht es beim ganzen Text Spaß zu schreiben. Wenn ich jetzt retrospektiv überlege, was mir am wichtigsten ist bei dieser Geschichte, dann ist es wohl der Protagonist selbst, und zwar wie er aus seiner guten Laune heraus in diese üble Situation gerät, was dabei mit ihm passiert und wie sein Umfeld mit ihm interagiert. Klar, das ist im Prinzip der ganze Text... Du sagst, er ist dir nicht fokussiert genug. Das ist sicher auch Teil der Eindrücke von ein paar Vorkommentator*innen, und schön, dass du das nochmal aus deiner Sicht selbst so fokussiert hast.

Sicherlich könnte ich die Interaktionen mehr in den Fokus rücken, zB mit dem Neffen. Was mich auch fasziniert, ist der Charakter seines Bruders, der kein Stück verurteilend ist, sondern sehr gelassen und, vielleicht könnte man sagen, fair, trotz des Unfalls. Auch Vergebung reiße ich an (am Ende mit Jutta), aber das habe ich alles nicht in den Fokus gerückt.
Daher verstehe ich deinen Eindruck total. Ist sicherlich nicht einfach, das in dieser Geschichte einzubauen, ohne sie komplett zu ändern. Du bringst mich zum Nachdenken, und ich habe das ständig im Hinterkopf, während ich andere Dinge mache(n muss).

Also vielen Dank erstmal für deinen guten Kommentar.
Ich werde da drüber grübeln, während ich die ganzen anderen Texte lese und nebenbei solchen Sachen nachgehe, die man macht, wenn man grade nicht im Forum abhängt ;)

Lieben Gruß,
rainsen

 
Wortkrieger-Team
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07.09.2014
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Hallo rainsen,
eine beeindruckende Geschichte. Und eine sehr gute Entscheidung, das "Happa Happa" am Anfang nicht zu kürzen, sondern mehr einzubinden. Das Ganze hat Zug und Intensität. Vor allem, wie das Leben von einer zur anderen Sekunde von dem gutgelaunten Ausflug in die Katastrophe kippt, das hast du eindringlich dargestellt.

Wilko steht am offenen Fenster meiner zum Glück im Schatten liegenden Dachgeschosswohnung und guckt Richtung Wald.
Das Fette würde ich weglassen, das macht den Satz sehr umständlich.
Er sieht aus, als käme er grade aus dem Globetrotter, wo ihn seine Eltern einmal nackt ausgezogen und mit Outdoor-Klamotten wieder angezogen hätten.
Schön. Ein gut behütetes Kind.
Anfang dreißig und schon am Schwächeln, Mann Mann Mann, denke ich, und beweise mir selbst, dass ich noch aus dem Sessel hochkomme, um in der offenen Küche den Wasserkocher anzustellen.
Die Sprache und die Dialoge funktionieren gut
»Onkel Harm«, flüstert Wilko und dreht sein Gesicht zu mir, »die Nachbarin singt wieder.«
Während ich ihm ein Glas Wasser einschenke, grinsen wir uns an. Mir war das Summen von Frau Marquardt gar nicht aufgefallen, erst jetzt merke ich die beruhigende Wirkung, die es immer auf mich hat. Von mir aus könnte sie den ganzen Tag lang im Garten Wäsche aufhängen oder im Beet rumwühlen.
Auch das finde ich eine sehr schöne Szene, die die Vertrautheit zwischen Onkel und Neffen gut zeigt. Wie der Junge ganz andere Dinge wahrnimmt und der Harm darauf einsteigt.
»Ich auch nicht. Ich kann kaum glauben, dass Opa und Oma schon über siebzig sind. Und ich bin erst zehn! Wie soll ich mir dann Millionen vorstellen? Oder Milliarden … Oder, Onkel Harm?«
»Tja, weiß ich auch nicht. Glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich Menschen solche Zahlen vorstellen können, nicht mal Millionäre.«
Toller Dialog, den Jungen habe ich genau vor Augen. So'n altkluges Kerlchen.
»Das wird ja immer besser. Vielleicht findest du ja hier so einen.«
»Also, ich glaube die gibt’s in Deutschland eigentlich nicht, Onkel Harm.«
»Wer weiß …«
Und kein Baby mehr.:D
Ein Zug fährt gerade in den Muskel. Ein paar hundert Meter östlich davon erkenne ich die St. Georg-Kirche. Noch eine Straße weiter, da ist die rote Fassade der Unverwechsel-Bar und da … ja, das muss es sein: das Happa Happa. Eine Mischung aus Stolz und Vorfreude erfüllt mich bei dem Anblick, Montag ist es endlich so weit …
Der "Zug im Muskel" zeigt jetzt eher die verspielte Seite des Onkels für mich. Und die Idee mit dem Stein. Auch ein Punkt, wo die beiden sich treffen. Jetzt kommt noch der Traum vom eigenen Restaurant, schön, dass du das hier auch noch einmal aufgreifst. Und dann eine ganz normale Situation, wie sie meistens gut geht. Und diesmal eben nicht.
Ich schnapp ihn mir, nehm ihn vorsichtig auf den Arm und renne so schnell es geht zum Weg und Richtung Tal.
"renne" klingt so leicht, er ist im Wald oder? "Kämpfe mich durch" "strauchel" oder so etwas?
An die Fahrt erinnere ich mich kaum. Als ich im Krankenhaus zum Warten gezwungen werde, wird mir klar, dass ich wohl noch nie wirklich Angst hatte.
Toll!
Es fühlt sich an, als müsste ich eine Lösung finden für ein Problem, das größer ist als meine Vorstellungskraft, das meinen Verstand lahmlegt, und welches mich ab jetzt für immer begleiten wird.
Die ganze Szene, sein Leiden, seine Verzweiflung, das ist dir sehr eindringlich gelungen, da leide ich echt mit.
Seine Worte sind wie ein Bett, in das ich mich verkriechen, unter dessen Decke ich mich verstecken will, aber die Decke fehlt. Ich fühle ein leichtes Stechen um meine Augen, dann fließt es aus ihnen heraus. Hanno umarmt mich im Sitzen. Es ist das erste Mal seit dem Unfall, dass sich etwas halbwegs gut anfühlt.
Ja, da passiert etwas zwischen den Brüdern, etwas Gutes. Eigentlich eine Geschichte, die von sehr viel guten Beziehungen handelt. Auch die Mutter fängt sich am Ende.
Eine Weile schweigen wir, ich beobachte den Bildschirm mit seinen Zahlen und Kurven, die Wilkos Körper unwissend auf ihm malt.
tolles Bild

Du lässt dir Zeit, den Verlauf zu beschreiben, den verzweifelten Zustand, in den der Bruder und dann Wilko mit seiner Art etwas Linderung bringen. Die Challenge-Worte bindest du toll ein. (Okay, der Stein als "Zeuge", aber doch, es passt auch zu Wilko) Und du gönnst uns ein gutes Ende mitsamt Feier im Restaurant. Ich weiß das zu schätzen. :)

Liebe Grüße von Chutney

 
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Monster-WG
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20.01.2018
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Hey @rainsen ,

ich glaube, wir kennen uns noch nicht. Freut mich. Interessante Geschichte. Definitiv gerne gelesen. Ich sehe es aber ähnlich wie Carlo, mir fehlt noch was. Es fühlt sich an, als hättest du für nen Salat eingekauft und gute Zutaten mitgebracht; mich stört ein wenig die Verteilung. Weniger Mayo, Essiggurken gerne raus, dafür mehr von den Tomaten und warum zur Hölle ist da Spitzkohl drin?

Nein Spaß, so schlimm ist es nicht. Die Szene, wo dein Prot. nach dem Unfall den Stein holen geht, würde ich noch ein mehr straffen. Alles andere gefällt mir von der Gewichtung. Ich denke eher, dass die Sätze selbst ein wenig, hmm, überladen sind. Das ist natürlich auch bockschwer; aus der Ich-Perspektive glaubwürdig zu schreiben, gleichzeitig aber nicht zu sehr abzuschweifen. Ich denke, allein Füllwörter zu entfernen könnte eine Menge für den Salat bringen. Wie gesagt; Spitzkohl raus.

Erstmal Kleinkram.

Der Mann in seinem elektrischen Rollstuhl fährt kopfschüttelnd weiter. Ich sehe ihm kurz nach und denke, musst du hier aufm Fußgängerweg rumrasen?

Würde Fußgängerweg streichen. Erwähnst du schon vorher.

wir die Leute damit anlocken

Würde ein wie vor wir ergänzen.

Mit dem Rücken zur Fensterfront folge ich mit meinem Blick der ruhigen Straße,

Dieser Satz ist vielleicht ein gutes Beispiel; mit meinem Blick der ruhigen Straße folgen. Würde etwas vorschlagen wie: Mein Blick folgt der Straße. Einfach fokussierter, wenn du verstehst.

Als würden sie es nicht dulden, dass etwas auf ihnen wächst.

Den Satz verstehe ich zwar bildlich, aber ich kann ihn nicht mit dem Beispiel davor verknüpfen? Warum? Wer wächst auf wem? Ich raffe es einfach nicht.

Ich sehe mich schon mit meinem Neffen dort oben herumkraxeln, bei dem Gedanken fällt mir das Atmen direkt schwerer.
Naja, immerhin ist es im Wald schattig, mit etwas Glück weht da oben sogar ein Lüftchen.

Streichkandidaten.

wo ihn seine Eltern einmal nackt ausgezogen und mit Outdoor-Klamotten wieder angezogen hätten.

Würde aus- und wieder angezogen vorschlagen.

draußen spielen mit meinem Bruder, grillen im Garten mit unseren Eltern, danach wieder auf den Bolzplatz oder in den Wald bis es dunkel wird

Spielen und Grillen groß, Komma nach Wald.

otal praktisch, so ein Physikstudium, besonders wenn man nach einem gefühlten Jahrhundert an der Uni feststellt, dass man viel lieber mit seinem Kumpel ein Restaurant eröffnet.

Würde hier beide Sätze trennen. Punkt nach Physikstudium, dann neuer Satz mit Komma nach besonders.

»Ja, echt!

Für mich auch ein Streichkandidat.

Weißt du wie alt Edelsteine sein können?«

Komma nach du.

Hey, hey, nicht so stürmisch, ist nicht ganz ungefährlich hier, OK?«
»Der Lapislazuli sei der einzige Zeuge gewesen, hat er gesagt.«
»Zeuge?«
»Ja. Davon, wie der Unfall passiert ist, und dass du nicht schuld warst.«

Zeuge fühlt sich für mich ein wenig untergemogelt an. Alle anderen Begriffe sind gut drin, aber an dem hier würde ich nochmal arbeiten.

Du siehst, meine Kritik ist mehr textbezogen als inhaltlich. Auf der zweiten Ebene gefällt mir der Text sehr gut, die Geschichte zieht. Was mir fehlt, ist der Schliff an der Sprache. Einfach ausmisten, ausmisten, ausmisten.

So viel von mir. Gerne gelesen.

Liebe Grüße
Meuvind

 
Monster-WG
Beitritt
20.08.2019
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Hallo @rainsen

ich habe Deine Geschichte sehr gerne gelesen. Der Text hat anfangs ein recht gemächliches Tempo, ich lerne den Protagonisten kennen, etwas später seinen Enkel. Dann baust Du Spannung auf und hältst sie. Was hab ich mitgefiebert. Der Text ist flüssig geschrieben, ich war beim Lesen im Fluß, konnte mir alles bildlich vorstellen. Einige sehr herzerweichende Stellen drin, ein wenig Drama und ein schönes Happy End. Hat mir gut gefallen. Auch ist immer mal wieder eine Prise Humor zwischen den Zeilen, das mag ich sehr. Die Challenge-Wörter hast Du sehr geschickt eingebaut.

Hier ein paar Anmerkungen:

Ich schließe ab, gehe zwei Schritte rückwärts auf den Gehweg und fahre vor Schreck zusammen.
»Mensch, passen ’se doch auf wo ’se hinlatschen!«
»Ups, sorry!«, antworte ich und trete zur Seite. Der Mann in seinem elektrischen Rollstuhl fährt kopfschüttelnd weiter. Ich sehe ihm kurz nach und denke, musst du hier aufm Fußgängerweg rumrasen?, fühle mich aber sofort schlecht, weil ich gehen kann und er nicht.

Die Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen, auch das schlechte Gewissen. Ich finde den Einstieg gelungen, auch die Szene mit dem Rollstuhlfahrer, da nach Wilkos Unfall der Rollstuhl erstmal eine Rolle spielt. Eine gute Verknüfpung.

Im nächsten Augenblick kehrt die gute Laune zurück – vor mir die breite Fensterfront, darüber der Name: Happa Happa. Mein bester Kumpel und neuerdings Geschäftspartner André lachte mich für den Vorschlag aus.

Da hab ich gelacht. Lustige Idee mit dem Namen.

»Wann gehen wir denn los, Onkel Harm?« Wilko steht am offenen Fenster meiner zum Glück im Schatten liegenden Dachgeschosswohnung und guckt Richtung Wald. Er sieht aus, als käme er grade aus dem Globetrotter, wo ihn seine Eltern einmal nackt ausgezogen und mit Outdoor-Klamotten wieder angezogen hätten. Als könnte man ohne das richtige Outfit nicht in die Natur gehen.

Ergibt lustiges Kopfkino. :)

»Hm? Ähm, naja. Ich glaub ich muss noch ehm kurz das Essen verdauen – oder zumindest ’n Teil davon. Sonst komm ich da nicht hoch. Und ’ne Tasse Tee, die brauch ich auch noch. Willste auch eine?«
»Nee, lieber was Kaltes! Aber dann gehen wir los, oder?«

Kicher. Dein Prota kommt ein wenig faul rüber. Das macht ihn sympathisch.

Das ist knappe neun Stunden her. Jetzt habe ich den Stein, den ich im Restaurant hatte liegenlassen, im Rucksack verstaut.

Das klingt bisschen holprig.
Vorschlag: Jetzt hab ich den Stein, den ich im Restaurant vergessen hatte, im Rucksack verstaut.

Dahinter, über den Dächern der Kleinstadt, die Wölbung der Erde Richtung Himmel, die Blätter der Bäume zu einer grell grünen Fläche verschmolzen. Dazwischen und darüber das Braungrau der Felsen. Als würden sie es nicht dulden, dass etwas auf ihnen wächst.

Sehr schöne Szene.

»Dann gehen wir los, versprochen!« Anfang dreißig und schon am Schwächeln, Mann Mann Mann, denke ich, und beweise mir selbst, dass ich noch aus dem Sessel hochkomme, um in der offenen Küche den Wasserkocher anzustellen. Ist sicher die harte Arbeit der letzten Wochen, die mir in den Gliedern steckt.

Auch das macht ihn sympathisch.

»Wusstest du, dass ich hier mit deinem Vater immer spielen war? Als ich so in deinem Alter war

Vorschlag: "Wusstest du, dass ich hier mit deinem Vater immer gespielt hab? Als ich so in deinem Alter war."

»Ich auch nicht. Ich kann kaum glauben, dass Opa und Oma schon über siebzig sind. Und ich bin erst zehn! Wie soll ich mir dann Millionen vorstellen? Oder Milliarden … Oder, Onkel Harm?«

Bei dem 10-Jährigen hatte ich bisschen Probleme. Er kam in den Dialogen deutlich älter rüber. Redet so ein 10-Jähriger?

»Ja, das heißt blauer Stein. Und Blau ist ja auch meine Lieblingsfarbe, Himmelblau. Ist aber nicht nur blau, sondern da sind noch so kleine goldene Punkte drin. Pyrit ist das. Sieht ein bisschen aus wie ein Sternenhimmel. Oder wie die Erde, wenn man sie bei Nacht aus dem Weltraum betrachtet, wenn die beleuchteten Städte wie helle Punkte aussehen.«

Das ist sehr schön ausgedrückt, aber irgendwie too much für so nen kleinen Jungen.

Schnell hole ich den Stein aus meinem Rucksack, suche eine passende Stelle im Felsen, verstecke ihn unterm Geröll und eile zurück zu Wilko.

Die Stelle hat mir gut gefallen. Das ist herzallerliebst.

»Oh, wow! Ist das so ein Lappi…«
»Ja, ein Lapislazuli!«
»Ist ja unglaublich! Ein schöner Stein. Du hast da ’nen Riecher für, was?«

Da hab ich mich mitgefreut.

Ruckartig schaue ich rüber, sehe wie er am hinteren, schmalen Ende der Ebene taumelt, mit den Armen in der Luft rudert, in der einen Hand der blaue Stein, und er kopfüber hinterm Hang verschwindet.

Das klingt ein wenig holprig, reißt aus dem Lesefluss.
Vorschlag: Ruckartig schaue ich rüber, sehe, wie er am hinteren, schmalen Ende der Ebene taumelt. Mit den Armen rudert er in der Luft, in der einen Hand der blaue Stein. Und dann ... Verschwindet er kopfüber hinterm Hang.

Sofort setze ich zum Sprint an, zurück zum Weg, folge ihm nach unten. In meinem Kopf Terror. Meine Beine rennen so schnell es geht – wo ist er? Ich schreie weiter, rufe seinen Namen, als könnte meine Stimme ihn noch retten.

Super Spannung aufgebaut. Das gemächliche Tempo wird richtig rasant. Super beschrieben. Ich hab mitgefiebert.

In meinem Kopf Horrorszenarien, das Schlimmstmögliche. Irgendwann kommen mir zwei Wanderer entgegen, ein Mann und eine Frau. Ich rufe ihnen bereits von Weitem zu, sie bleiben stehen, treten zur Seite.

Ich fühle total mit. Und war erleichtert, als die Wanderer auftauchten.

Kein Krankenwagen. Hab ich die Wanderer wirklich getroffen? Hatten sie vielleicht keinen Empfang? Wie lang ist es her? Hätte ich bei ihnen warten sollen? Scheiße! Ich stehe da mit dem Jungen im Arm, ohne Plan, was ich tun soll.

Alles sehr glaubwürdig. Super gemacht.

»Mein armer Junge, mein armer Wilko! Wie konntest du das zulassen? Wie konntest du nur? Hast du wieder nur an dein bescheuertes Restaurant gedacht, dein bescheuertes Happa Happa? Hä?«
Wieder hebe ich die Hände, ihre Worte tun weh. Hilflos sehe ich zu meinem Bruder. Der nimmt schließlich die heulende, protestierende Jutta in seine Arme, dämpft ihren Heulkrampf.
»Es war nicht Harms Schuld, Liebes. Es war nicht seine Schuld.«

Oh, was hab ich mitgelitten. Kann alle Beteiligten verstehen. Sehr glaubwürdig.

Glück, wahrscheinlich nie wieder
Nie wieder. Ich setze mich, starre an die gegenüberliegende Wand. Nie wieder werde ich eine Zigarette anrühren. Im Hintergrund wieder Jutta, deren Reaktion mir den Rest gibt.

Zu viel wieder.

Ich weiß nicht, was ich machen soll, will aufstehen und weggehen, mich nie wieder blicken lassen, doch es geht nicht, ich kann mich nicht bewegen, kann nur sitzen bleiben. Es fühlt sich an, als müsste ich eine Lösung finden für ein Problem, das größer ist als meine Vorstellungskraft, das meinen Verstand lahmlegt, und welches mich ab jetzt für immer begleiten wird.

Sehr gut beschrieben. Absolut nachvollziehbar. Du brinst seine Zerrissenheit super rüber.

Ich soll nach Hause? Jetzt? Alleine? Es übersteigt meine Vorstellungskraft, überfordert mich. Zu meiner Rechten ist ein kleiner offener Wartebereich mit gepolsterten Stühlen ohne Armlehnen. Ich gehe rein, lege mich hin und schlafe ein.

Und auch da bin ich ganz bei ihm.

Eine Weile schweigen wir, ich beobachte den Bildschirm mit seinen Zahlen und Kurven, die Wilkos Körper unwissend auf ihm malt.

Das klingt irgendwie total komisch.

»Ich soll …?«
»Ja. Für die OP morgen früh. Als Glücksbringer.«
»Ach so … hm. Naja … OK.«

Das ist so süß. Was für ein tapferer kleiner Junge. Hier passt es zu seinem Alter.

Das hätte mit jedem von uns passieren können … vielleicht einfach Pech.

Streichkandidat.

Danke für den Stein, Onkel Harm«, sagt Wilko zur Begrüßung.
Ausnahmsweise darf er den Stein mit in den OP-Saal nehmen, versichert ihm die Schwester mit einem Augenzwinkern, bevor es losgeht.

Auch das fand ich sehr herzerweichend. Ich wurde als 9-jährige mal operiert, und durfte meine Stoffkuh mitnehmen :)

»Jo Harm, dein Neffe ist da!« Es ist die Stimme Andrés.

Klingt komisch.
Vorschlag: Es ist die Stimme von Andrés.

Nachdem ich Hanno umarmt habe, stehe ich vor Jutta. Wir sehen uns kurz an, dann kündigt ihr Gesicht Tränen an und sie drückt mich an sich. Es fühlt sich gut an. Bevor sie sich wieder setzt, glaube ich in ihrem Gesicht so etwas wie Entspannung zu erkennen.

Schön, dass es zur Versöhnung kommt.

Bevor er antworten kann, sehe ich etwas in seinen Händen, die unterm Tisch auf seinem Schoß liegen. Sofort weiß ich, was es ist: Der Stein, dieser verdammte Stein.

Ein tolles Ende.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita

 
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Hey @rainsen,

ja, ein langer Text. Aber ganz ehrlich, ich finde, der braucht die Strecke auch. Und es ist schön, dass Du Dir (und damit auch mir als Leser) den Raum lässt. Gelangweilt habe ich mich jedenfalls an keiner Stelle, dafür passiert zu viel. Die Geschichte unterhält mich und wenn das dein Ziel ist, dann sage ich Chapeau. Wirklich an die Nieren geht sie mir nicht, dafür plätschert die Situation im Krankenhaus, seine gefühlte Schuld und das Verhalten der Eltern zu sehr an der Oberfläche. Das ist so schwarz-weiß, so erwartbar und ja, ich weiß nicht, ob Du je eine ähnliche Erfahrung gemacht hast, aber aus dem Text lese ich das nicht, ich lese eher einen Text, wo ich denke, so stellt man sich das vor, sowas würde ich (vielleicht) denken. Ist aber auch sau schwer, sich in diese Situation hineinzuversetzen. An solchen Szenen trennt sich der Literat vom Bestsellerautor der Unterhaltung. Es ist aber auch überhaupt nichts verkehrtes daran, ein Bestsellerautor für Unterhaltung zu sein. Die Kohle wird auf dieser Seite des Ufers verdient, weil die Leserschaft/Zielgruppe auch einfach ungleich größer ist. Also, ich möchte das dem Text jetzt gar nicht vorwerfen. Ist halt wirklich eine Frage der Zielgruppe und der Intention.

Ich sehe ihm kurz nach und denke, musst du hier aufm Fußgängerweg rumrasen?, fühle mich aber sofort schlecht, weil ich gehen kann und er nicht.
auf'm
Das fand ich gut. Ist tatsächlich so. Darf man das überhaupt? Weil, der hat ja ... der ist doch. Das wurde uns echt geimpft. Aber ein Arsch ist ein Arsch und im Zweifelsfall eben auch ein Arsch im Rollstuhl. Die soll es echt geben. Ich kenne jedenfalls einen und erwische mich doch immer wieder dabei, eben netter zu sein, als er es verdient hätte. Und dann hasse ich mich dafür. Eigentlich auch ein eigenes Thema für eine Geschichte. Tut für deine nix zur Sache, aber ich hänge mich halt gern an so Sätzen auf, wo man denkt, ja, da ist ne Schieflage angesprochen worden.

»BoaKOMMA Harm ey, das klingt echt total bescheuert! Da kannste direkt noch ’n Foto vom Hipp-Opa daneben kleben und Dafür stehe ich mit meinem Namen drunterschreiben. Ja, du lachst!«
Hehe. Und einfach so stehen lassen, nicht kaputt machen. Beim Hipp-Opa denkt man automatisch an den Slogan und lachen tut man auch. Hier ist weniger wirklich mehr.

»Naja, dass du die letzten freien Tage deines Lebens«, er zwinkerte mir übertrieben zu, »mit deinem Neffen verbringst. Ich werd mich mit Pizza und Bier eindecken und nicht mehr vom Sofa aufstehen. Ist immer ein Platz für dich frei!«
Dialoge nicht zerfranseln, die verlieren dann ganz schnell an Kraft. Und Na + ja sind zwei Worte. Einmal durch Suche und Ersetzen jagen.

»Klar, weiß ich doch. Ist ja auch cool! Ich mag ihn auch, und er wird sich freuen. Bist ’n guter Onkel.«
»Und Patenonkel!«
»Und Patenonkel! Wird echt Zeit, dass du dir mal ’ne Perle zulegst und Eigene machst.«
»Tss … Perfekter Zeitpunkt grade.«
»Ja, ja. Hast ja noch ’n paar Jahre.«
Mal so als Vorschlag ...

Jetzt habe ich den Stein, den ich im Restaurant hatte liegenlassen, im Rucksack verstaut.
Ja, wo ist der Stein jetzt? Im Restaurant liegengelassen - oder im Rucksack. Und er steht ja noch direkt da? Das macht gar kein Sinn dieser Satz. Ein wirklicher, wirklicher Streichkandidat. Oder eben - Der Stein ist im Rucksack. Ende.

Ich springe mit dem Komm mal zu der Stelle im Krankenhaus, damit ich eventuell noch etwas verdeutlichen kan, was ich eingangs meinte. Sonst sitze ich hier morgen noch dran ;).

Sobald der Hang es zulässt, renne ich nach links in den Wald. Unter mir knistern Blätter und knacken Zweige, jeder Schritt ist ein Sprung. Da ist er! Ich sehe ihn, werde noch schneller.
Dafür hat man in dieser Situation gar keinen Sinn. Und Du nimmst mit solchen Sätzen die Dramatik raus, bremst den Text. Panik pur - aber erst mal nett die Natur beschreiben ;).

Ich fühle in meinen Taschen nach meinem Handy – keins da! Scheiße, wo ist es? Oben im Rucksack?
Später liegt es bei ihm auf dem Wohnzimmertisch. Wie kommt es dahin?

Ich schnapp ihn mir, nehm ihn vorsichtig auf den Arm und renne so schnell es geht zum Weg und Richtung Tal. Sein Gesicht bleibt leblos, ist mit Schmutz und Blut verschmiert. Ich rase, vom Adrenalin getrieben.
Der Junge ist bewusstlos ja? Und nach einem Sturz - Wirbelsäulenarlam. Wenn er da nicht mal wirklich am Ende Schuld ist, wenn der Junge nie wieder laufen kann. So nach dem Motto, was der Sturz nicht geschafft hat, mache ich jetzt. Weiß nicht, was ich darüber denke.

»NaKOMMA was ist denn passiert, um Himmels Willen? Ist der Junge gestürzt?«

»Ich ... es tut mir so leid ...«
»Mein armer Junge, mein armer Wilko! Wie konntest du das zulassen? Wie konntest du nur? Hast du wieder nur an dein bescheuertes Restaurant gedacht, dein bescheuertes Happa Happa? Hä?«
Stammeln ja.
Wut auf Harm - sicher auch. Aber ich schätze, vor allem Sorge ums Kind. Das sie in diesem Moment auch nur einen Gedanken ans Restaurant verschwendet Kaufe ich auf keinen Fall.

»Es war nicht Harms Schuld, Liebes. Es war nicht seine Schuld.«
Der ist mir für die Situation auch viel zu reflektiert und korrekt. Das kaufe ich nicht. Nicht jetzt schon. Später ja, aber hier noch nicht.

Irgendwann kommt eine Ärztin auf uns zu. Mein Magen macht einen Satz, wie beim freien Fall. Ihre Worte kommen gestückelt bei mir an, bei jeder Diagnose zieht sich in mir alles zusammen: innere Verletzungen, Gehirnerschütterung, Brüche, Arm, Beine … Glück, wahrscheinlich nie wieder …
Das dagegen klingt für mich echt.

Im Hintergrund wieder Jutta, deren Reaktion mir den Rest gibt. Jeder Ton von ihr ist wie ein Stoß in meine Rippen.
Ja, in der Unterhaltung wird das so im Satz erzählt, aber eigentlich sind genau das die psychologisch, brenzligen und damit spannenden Szenen.

»Das tut mir so leid«, erkläre ich Wand und Boden, woraufhin sich Jutta erneut zu mir wendet und mich anschreit.
»Warum hast du nicht aufgepasst? Warum? Du hättest besser aufpassen müssen! Was …? Was zum Teufel hast du denn da oben gemacht?« Kurz holt sie Luft, ein Blick auf den Boden, setzt dann erneut an. »Er wird für immer im Rollstuhl sitzen! Wolltest du das? Ist es das, was du wolltest?«, schießt es aus ihr heraus, jedes einzelne Wort nur dafür gemacht, meine Trommelfelle zum Platzen zu bringen.
Jetzt kaufe ich ihre Wut schon eher. Jetzt ist dafür Raum. Sie weiß, wie es um ihren Jungen steht. Den ersten Teil finde ich auch glaubwürdig, den fett markierten teil schon eher wieder nicht. Natürlich wollte er das nicht und das weiß sie auch. Es ist albern. Na gut, in solchen Situationen ist man vielleicht nicht ganz real und objektiv, aber das Unterbewusstsein ist ja nicht per se tot. Ich würde bei den Vorwürfen bleiben, vielleicht sich selbst gegenüber auch, wir hätten ihn nicht mit dir gehen lassen sollen, nicht allein. Oder so richtig Dampf ablassen und dann zusammenfallen. Diese Hilflosigkeit, dieses nichts tun können, das ist ja auch eine unglaubliche Belastung die zu der Angst in dieser Situation dazukommt und alle drei schwer belastet.

Ich höre an dieser Stelle mal auf, ich schätze, es wird deutlich, in welche Richtung ich denke. Der Bruder ist mir zu emotionslos, zu richtig, zu korrekt. Harm ist eigentlich nur noch ein Schatten seiner selbst - das kommt schon gut raus und die Mutter, die ist ein Wrack, die ist völlig überfordert und da hast Du eigentlich alle Freiheiten, die Figur zu füllen mit Ängsten und Wut und Muttergefühlen bis hin zum Hass. Richtigen, bitterbösen Hass. Deiner steckt noch in den Windeln ;). Aber wie gesagt, für Unterhaltung ist das völlig okay.

Ja, habe ich gern gelesen. Hat mir gefallen.
Beste Grüße, Fliege

 
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Hi @Chutney,

und danke dir für deinen tollen Kommentar! Es freut mich total, dass dir der Text gefällt und auch das mit dem Restaurant (und der Länge des Textes). Schön, dass das alles bei dir funktioniert hat.

Wilko steht am offenen Fenster meiner zum Glück im Schatten liegenden Dachgeschosswohnung und guckt Richtung Wald.
Das Fette würde ich weglassen, das macht den Satz sehr umständlich.
Gut, dass du das sagst - da war ich schonmal kurz davor, das zu löschen...jetzt hab ichs gemacht.

Toller Dialog, den Jungen habe ich genau vor Augen. So'n altkluges Kerlchen.
Freut mich sehr, dass dir die Dialoge und die Sprache gefallen, die Beziehung zwischen Onkel und Neffen. Genau davon hat er auf jeden Fall ne dicke Scheibe abbgekommen, dem Altklugen ;)

"renne" klingt so leicht, er ist im Wald oder? "Kämpfe mich durch" "strauchel" oder so etwas?
Haste recht - hab einfach "gehe (so schnell es geht)" draus gemacht, auch auf Flieges Kommentar hin bzgl der Wirbelsäule. Danke für den Hinweis!

An die Fahrt erinnere ich mich kaum. Als ich im Krankenhaus zum Warten gezwungen werde, wird mir klar, dass ich wohl noch nie wirklich Angst hatte.
Toll!
:)

Die ganze Szene, sein Leiden, seine Verzweiflung, das ist dir sehr eindringlich gelungen, da leide ich echt mit.
Freut mich total, dass dir die Szene gefällt!

Ja, da passiert etwas zwischen den Brüdern, etwas Gutes. Eigentlich eine Geschichte, die von sehr viel guten Beziehungen handelt. Auch die Mutter fängt sich am Ende.
Stimmt, und die waren mir auch wichtig, die Beziehungen.

Eine Weile schweigen wir, ich beobachte den Bildschirm mit seinen Zahlen und Kurven, die Wilkos Körper unwissend auf ihm malt.
tolles Bild
Danke :)

Du lässt dir Zeit, den Verlauf zu beschreiben, den verzweifelten Zustand, in den der Bruder und dann Wilko mit seiner Art etwas Linderung bringen. Die Challenge-Worte bindest du toll ein. (Okay, der Stein als "Zeuge", aber doch, es passt auch zu Wilko) Und du gönnst uns ein gutes Ende mitsamt Feier im Restaurant. Ich weiß das zu schätzen.
Echt cool, dass es dir so gefallen hat! Ja, das mit dem Zeugen sehe ich genauso, hätte ich höchstwahrscheinlich ohne das Wort als Vorgabe nicht so geschrieben, aber ich finde es passt total zu Wilko.
Hat sehr viel Spaß gemacht, dein Kommentar, danke dir dafür :)

___________________________________

Tach @Meuvind,

ich glaube, wir kennen uns noch nicht. Freut mich.
Das stimmt, und es freut mich auch :) Danke für deinen Kommentar!
Deine Salat-Metapher hat mich zum Lachen gebracht, das haste ziemlich gut ausgedrückt!

Alles andere gefällt mir von der Gewichtung. Ich denke eher, dass die Sätze selbst ein wenig, hmm, überladen sind. Das ist natürlich auch bockschwer; aus der Ich-Perspektive glaubwürdig zu schreiben, gleichzeitig aber nicht zu sehr abzuschweifen.
Jo, ich bin grad schon am werkeln und werde gleich nochmal gründlich komplett durchgehen und sehen, was vielleicht überflüssig ist, was gestrafft werden kann.
Ja, abschweifen... Also was mein Ziel bei diesem Text war: So nah an der Realität bleiben wie möglich. Den Verlauf der Handlung beim Prot glaubwürdig darzustellen. Aber klar, Füllwörter werde ich mir gleich mal vornehmen, bzw. es versuchen.

könnte eine Menge für den Salat bringen. Wie gesagt; Spitzkohl raus.
:D Jaja, der verdammte Spitzkohl - mag ich auch überhaupt nicht!

Der Mann in seinem elektrischen Rollstuhl fährt kopfschüttelnd weiter. Ich sehe ihm kurz nach und denke, musst du hier aufm Fußgängerweg rumrasen?
Würde Fußgängerweg streichen. Erwähnst du schon vorher.
Naja, in meiner Vorstellung (tatsächlich, fällt mir jetzt auf, Venloer Straße in Köln - unabhängig vom Rest des Settings) ist da der Gehweg, dann direkt da dran der Radweg, dann eine Abtrennung zur Straße. Hier wollte ich einfach nochmal klarstellen, dass der Rollifahrer ja aufm Radfahrweg hätte fahren können, und das funktioniert nicht so gut, wenn ich das Wort weglasse.

Mit dem Rücken zur Fensterfront folge ich mit meinem Blick der ruhigen Straße,
Dieser Satz ist vielleicht ein gutes Beispiel; mit meinem Blick der ruhigen Straße folgen. Würde etwas vorschlagen wie: Mein Blick folgt der Straße. Einfach fokussierter, wenn du verstehst.
Jo. Musste mich durch mehrmaliges Lesen selbst davon überzeugen, dass ich die Hälfte des Satzes nicht brauche; hab festgestellt, dass du recht hast ;) "Ruhig" hab ich allerdings dringelassen, weil ich so eine ruhige-Kleinstadt-am-Wochenende Atmosphäre aufbauen wollte. Vielleicht auch entbehrlich, aber ich lass es jetzt mal drin.

Dazwischen und darüber das Braungrau der Felsen. Als würden sie es nicht dulden, dass etwas auf ihnen wächst.
Den Satz verstehe ich zwar bildlich, aber ich kann ihn nicht mit dem Beispiel davor verknüpfen? Warum? Wer wächst auf wem? Ich raffe es einfach nicht.
Komisch, finde es ziemlich eindeutig: Die Felsen dulden es nicht...
Ich wollte damit so ein bisschen die "Kraft", das Raue der Felsen ansprechen, ein klein wenig in Vorbereitung darauf, dass die Felsen später ein Unglück bedingen (selbst wenn Leser das nicht bewusst verknüpfen, mag ich diese subtile Art der Beschreibung, Vordeutung).

Ich sehe mich schon mit meinem Neffen dort oben herumkraxeln, bei dem Gedanken fällt mir das Atmen direkt schwerer.
Naja, immerhin ist es im Wald schattig, mit etwas Glück weht da oben sogar ein Lüftchen.
Streichkandidaten.
Das "direkt" hab ich gestrichen, da stimme ich dir zu. Die anderen Wörter, auch wenn sie Füllwörter sein mögen, passen für mich einfach zur Ich-Perspektive. Es sind ja im Prinzip alles die Gedanken des Prot, und wenn ich zu jemandem das mit dem Lüftchen sagen würde, würd ich wohl tatsächlich sagen, "vielleicht weht da oben ja ein Lüftchen"...
Finde es auf jeden Fall interessant, dass dich das so stört ;) Da werde ich mal drauf achten, wenn ich deinen Text lese.

Und ich muss noch dazu anmerken, dass ich minimalistische Sprache teilweise richtig gut finde. Ich liebe zB Cormac McCarthy, der ja sehr rau und oft karg schreibt. Aber tja, ich glaube hier liegt es wie gesagt für mich am Ich-Erzähler.

Würde aus- und wieder angezogen vorschlagen.
Stimme ich zu, hab ich gemacht.

Spielen und Grillen groß, Komma nach Wald.
Danke.

»Ja, echt!
Für mich auch ein Streichkandidat.
Für mich Teil des realistischen Dialogs... Ich könnte "echt" streichen, nur "Ja!" schreiben, aber die andere Variante ist für mich einfach näher an der Realität.

Zeuge fühlt sich für mich ein wenig untergemogelt an. Alle anderen Begriffe sind gut drin, aber an dem hier würde ich nochmal arbeiten.
Hm, grummel grummel :P Jo haste schon recht, muss ich mir nochmal angucken, ob ich da was machen kann.

Du siehst, meine Kritik ist mehr textbezogen als inhaltlich. Auf der zweiten Ebene gefällt mir der Text sehr gut, die Geschichte zieht. Was mir fehlt, ist der Schliff an der Sprache. Einfach ausmisten, ausmisten, ausmisten.
Ja cool, freut mich wirklich, dass es dir gefällt - sprachlich guck ich nochmal genau drüber.

Vielen Dank fürs Lesen und für deinen Input, das hilft ungemein! Bin jetzt schon total gespannt auf deine Geschichte...

_________________________________

Hallo liebe @Silvita,

immer schön, wenn du vorbeischaust! Und hach, was hört man das gern, wenn die Geschichte gefällt :) Schön, dass der Text für dich funktioniert hat, genug Spannung da war und er glaubwürdig war.

Die Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen, auch das schlechte Gewissen. Ich finde den Einstieg gelungen, auch die Szene mit dem Rollstuhlfahrer, da nach Wilkos Unfall der Rollstuhl erstmal eine Rolle spielt. Eine gute Verknüfpung.
Schön, das ist natürlich einiges wert, wenn der Anfang schonmal funktioniert!
Und cool, dass du den Bogen geknüpft hast zwischen dem Rollstuhlfahrer hier und dem späteren Verlauf!

Da hab ich gelacht. Lustige Idee mit dem Namen.
:) Beruhigt mich, denn ich hatte ein bisschen Angst, dass die Leser das lächerlich finden, der Humor nicht funktionieren könnte.

Ergibt lustiges Kopfkino. :)
:)

Kicher. Dein Prota kommt ein wenig faul rüber. Das macht ihn sympathisch.
Hehe. Da könnte etwas Autobiographisches reingerutscht sein....

Das klingt bisschen holprig.
Vorschlag: Jetzt hab ich den Stein, den ich im Restaurant vergessen hatte, im Rucksack verstaut.
Die Stelle wurde auch von anderen schon erwähnt - hab ich umgeschrieben!

Sehr schöne Szene.
:gelb:

Vorschlag: "Wusstest du, dass ich hier mit deinem Vater immer gespielt hab? Als ich so in deinem Alter war."
Sehr gut - danke!

Bei dem 10-Jährigen hatte ich bisschen Probleme. Er kam in den Dialogen deutlich älter rüber. Redet so ein 10-Jähriger?
Das hatte CoK auch schon gesagt - andere wiederum nicht. Tatsächlich kann ich mir das sehr gut vorstellen, denn mein Neffe, der grade 7 geworden ist, redet wirklich auch schon so, ob du's glaubst oder nicht ;)

Das ist sehr schön ausgedrückt, aber irgendwie too much für so nen kleinen Jungen.
Ok, hier geb ich dir recht - hab ich umgeschrieben.

Die Stelle hat mir gut gefallen. Das ist herzallerliebst.
:)
Da hab ich mich mitgefreut.
Hehe, witzig wie man sich jetzt auch über diesen Lapislazuli freut, bei diesen ganzen Geschichten!

Das klingt ein wenig holprig, reißt aus dem Lesefluss.
Vorschlag: Ruckartig schaue ich rüber, sehe, wie er am hinteren, schmalen Ende der Ebene taumelt. Mit den Armen rudert er in der Luft, in der einen Hand der blaue Stein. Und dann ... Verschwindet er kopfüber hinterm Hang.
Danke für den Hinweis und Vorschlag - habe ich abgewandelt übernommen.

Super Spannung aufgebaut. Das gemächliche Tempo wird richtig rasant. Super beschrieben. Ich hab mitgefiebert.
Juhu :)

Alles sehr glaubwürdig. Super gemacht.
Cool, dass du diese Szenen glaubwürdig findest, das war mir wichtigl!

Glück, wahrscheinlich nie wieder
Nie wieder. Ich setze mich, starre an die gegenüberliegende Wand. Nie wieder werde ich eine Zigarette anrühren. Im Hintergrund wieder Jutta, deren Reaktion mir den Rest gibt.
Zu viel wieder.
Jo, das letzte ist unnötig (hab ich gelöscht), der Rest beabsichtigt. Gut gesehen!

Sehr gut beschrieben. Absolut nachvollziehbar. Du brinst seine Zerrissenheit super rüber.
Freut mich :)

Eine Weile schweigen wir, ich beobachte den Bildschirm mit seinen Zahlen und Kurven, die Wilkos Körper unwissend auf ihm malt.
Das klingt irgendwie total komisch.
Find ich interessant, dass du es komisch findest. Ich stehe auf so Dinge, so Beobachtungen, sie nebenbei einzustreuen.

Das ist so süß. Was für ein tapferer kleiner Junge. Hier passt es zu seinem Alter.
Hehe :)

Auch das fand ich sehr herzerweichend. Ich wurde als 9-jährige mal operiert, und durfte meine Stoffkuh mitnehmen
Haha :D Mega süß! War mir erst nicht sicher, ob das erlaubt ist - jetzt weiß ichs!

Klingt komisch.
Vorschlag: Es ist die Stimme von Andrés.
Ja, das wollte ich erst schreiben, dann hatte ich kurz den imaginären Friedel im Kopf (Genetiv und so...) und es gelassen - ich riskier Friedels Schelte und änder es ;)

Ein tolles Ende.
Danke danke, schön, dass du es magst!

Ganz lieben Dank für dein aufmerksames Lesen und deine Hilfe und dein Lob ;)

_____________________________

Liebe @Fliege,

ja, ein langer Text. Aber ganz ehrlich, ich finde, der braucht die Strecke auch. Und es ist schön, dass Du Dir (und damit auch mir als Leser) den Raum lässt. Gelangweilt habe ich mich jedenfalls an keiner Stelle, dafür passiert zu viel. Die Geschichte unterhält mich und wenn das dein Ziel ist, dann sage ich Chapeau.
Schön, dass du das so empfindest!
Klar hätte ich es nett gefunden, wenns dir auch an die Nieren gegangen wäre (:gelb:) - so ein Erlebnis hatte ich in der Art tatsächlich noch nicht, da hast du mich also durchschaut! Was Unterhaltung vs Literatur angeht: Ich schreibe nicht, um ein großes Publikum glücklich zu machen (dann müsste ich wohl Schund schreiben, den ich selbst hasse - oder aber so gut schreiben, dass es trotzdem viele mögen, da würde ich sicherlich nicht nein sagen). Klar will ich, wie wahrscheinlich jeder andere Autor auch, dass meine Geschichten gefallen. Aber das ist nicht der Hauptgrund - ich möchte hauptsächlich etwas schreiben, das mir am Herzen liegt, weils mir Spaß macht zu schreiben.
In diesem Fall finde ich es schon wichtig, dass die Handlung glaubwürdig ist. Und genau deshalb werde ich mir deine Punkte vorknüpfen und sehen, ob ich das noch verbessern kann.

Ich habs mal im Duden nachgeguckt - der sagt kein Komma...

Das fand ich gut. Ist tatsächlich so. Darf man das überhaupt? Weil, der hat ja ... der ist doch. Das wurde uns echt geimpft. Aber ein Arsch ist ein Arsch und im Zweifelsfall eben auch ein Arsch im Rollstuhl. Die soll es echt geben. Ich kenne jedenfalls einen und erwische mich doch immer wieder dabei, eben netter zu sein, als er es verdient hätte. Und dann hasse ich mich dafür. Eigentlich auch ein eigenes Thema für eine Geschichte. Tut für deine nix zur Sache, aber ich hänge mich halt gern an so Sätzen auf, wo man denkt, ja, da ist ne Schieflage angesprochen worden.
Ja, finde ich auch total spannend. Wie sehr wir Dinge, Konzepte von richtig und falsch im Kopf haben, und wohl nie wieder rausbekommen werden. Klar könnte der ein Arschloch sein, genau wie eine süße kleine Oma auch nicht unbedingt nett sein muss. Ist wohl auch eine Art Überkompensation, man denkt, man ist irgendwie im Vorteil, der andere im Nachteil, wofür er nichts kann (was auch nicht der Fall sein muss), und deshalb versucht man es mit einer Art Bevorzugung wettzumachen. Ähnlich geht es mir immer wieder bei anderen Randgruppen. Das ist mir so eingebrannt, das kann ich nicht loswerden (vielleicht nur, wenn ich mit jemandem dieser Randgruppe engen Kontakt hätte, dann würde es sich möglicherweise auflösen).
Definitiv Stoff für ne Geschichte - hier ist die Szene einfach ein kleines Omen für die spätere Handlung, sozusagen.

Hehe. Und einfach so stehen lassen, nicht kaputt machen. Beim Hipp-Opa denkt man automatisch an den Slogan und lachen tut man auch. Hier ist weniger wirklich mehr.
»Boa, Harm ey, das klingt echt total bescheuert! Da kannste direkt noch ’n Foto vom Hipp-Opa daneben kleben ... Slogan kennste ja. Tja, du lachst!«
Ich habs jetzt mal so hingeschrieben, überlege noch, ob das funktioniert. Aber im Grunde stimme ich dir zu, guter Tipp!

Dialoge nicht zerfranseln, die verlieren dann ganz schnell an Kraft.
Verstehe, was du meinst. Hab ich geändert!

Mal so als Vorschlag ...
Kaufe ich dir ab und habe ich größtenteils umgesetzt, danke.

Ja, wo ist der Stein jetzt? Im Restaurant liegengelassen - oder im Rucksack. Und er steht ja noch direkt da? Das macht gar kein Sinn dieser Satz. Ein wirklicher, wirklicher Streichkandidat. Oder eben - Der Stein ist im Rucksack. Ende.
Ich weiß, du verstehst den Satz, aber ich weiß auch, was du mir hier sagen willst - habe ich umgeschrieben ;)

Dafür hat man in dieser Situation gar keinen Sinn. Und Du nimmst mit solchen Sätzen die Dramatik raus, bremst den Text. Panik pur - aber erst mal nett die Natur beschreiben ;).
Wie recht du hast... Ist geändert.

Später liegt es bei ihm auf dem Wohnzimmertisch. Wie kommt es dahin?
Naja, er hats da liegenlassen, hatte es nie dabei - hab ich nochmal klarer gemacht.

Der Junge ist bewusstlos ja? Und nach einem Sturz - Wirbelsäulenarlam. Wenn er da nicht mal wirklich am Ende Schuld ist, wenn der Junge nie wieder laufen kann. So nach dem Motto, was der Sturz nicht geschafft hat, mache ich jetzt. Weiß nicht, was ich darüber denke.
Hab ich ehrlich gesagt nicht dran gedacht. Er ist geschockt, hat kein Handy - wer lässt dann so einen Jungen im Wald liegen und holt Hilfe? Er könnte ja im schlimmsten Fall auch währenddessen sterben... Habe allerdings noch deutlich gemacht, dass er sehr vorsichtig ist.

Stammeln ja.
Wut auf Harm - sicher auch. Aber ich schätze, vor allem Sorge ums Kind. Das sie in diesem Moment auch nur einen Gedanken ans Restaurant verschwendet Kaufe ich auf keinen Fall.
Ja, da hast du vermutlich recht. Habe ich geändert, danke.

»Es war nicht Harms Schuld, Liebes. Es war nicht seine Schuld.«
Der ist mir für die Situation auch viel zu reflektiert und korrekt. Das kaufe ich nicht. Nicht jetzt schon. Später ja, aber hier noch nicht.
Ich hab das jetzt erstmal drin gelassen, hab aber danach noch was reingebracht, was die Betroffenheit des Vaters zeigt. Les ich mir nochmal durch, ob ichs so lasse...

UPDATE: Habe es doch geändert, auf den zweiten Wutausbruch (jetzt mit etwas mehr Wut) verschoben.

Das dagegen klingt für mich echt.
Na also.. :D

Ja, in der Unterhaltung wird das so im Satz erzählt, aber eigentlich sind genau das die psychologisch, brenzligen und damit spannenden Szenen.
Ja, haste schon recht. Ich guck mal, ob ich da noch was dran feilen kann.

Jetzt kaufe ich ihre Wut schon eher. Jetzt ist dafür Raum. Sie weiß, wie es um ihren Jungen steht. Den ersten Teil finde ich auch glaubwürdig, den fett markierten teil schon eher wieder nicht. Natürlich wollte er das nicht und das weiß sie auch. Es ist albern. Na gut, in solchen Situationen ist man vielleicht nicht ganz real und objektiv, aber das Unterbewusstsein ist ja nicht per se tot. Ich würde bei den Vorwürfen bleiben, vielleicht sich selbst gegenüber auch, wir hätten ihn nicht mit dir gehen lassen sollen, nicht allein.
Danke für deinen detaillierten Blick! Habe ich auch dran gefeilt, abgeändert.

Was den Hass der Mutter angeht, ja, da schaue ich nochmal drüber und gucke, ob ich die Windeln abbekomme ;-P

Tausend Dank jedenfalls dir für deine ausführlichen und sehr hilfreichen Eindrücke und Tipps! Davon werd ich mir was einstecken und mitnehmen, und den Text nochmal aufmerksam durchgehen, sehen, was ich noch machen kann.

Ja, habe ich gern gelesen. Hat mir gefallen.
Das höre ich verdammt gerne, freut mich :)

________________
Also vielen Dank nochmal euch allen fürs aufmerksame Lesen und Kommentieren - da lernt man doch immer wieder was!!

Noch eine schöne Mitte der Woche,
rainsen

 
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Ich muss da hoch, muss zum Stein, ihn finden, sonst läuft die OP schief und er kann nie wieder gehen.

Ja, so ist das, dass selbst ein rational denkender Mensch in mancher Situation ins magische Denken verfällt (Levi-Strauss hat es „das Wilde Denken“ genannt), eine Phase, die auch jedes Kind durchlebt. Und auch, dass es tatsächlich intakte Familien gibt, die weniger durch die Hierarchie als eine geschwisterliche Beziehung geprägt sind, selbst in schwieriger Situation. Und – mir ist’s nicht einmal als zu lang geraten vorgekommen – womit wir bei dem einzigen Problem sind, das ich hatte, die eigenwillige Apostrophierung in der Anfangsphase
»Mensch, passen ’se doch auf wo ’se hinlatschen!«
denn üblicherweise würde dort etwas Fehlendes angezeigt – wie etwa bei einem ’ne das „ei“…, wie nachher hier
Da kannste direkt noch ’n Foto vom
(alles Stand 14 Uhr und ein paar Kleine, als ich den Text runtergezogen hab), womit wir mitten in der Flusenlese sind:

Wird echt Zeit, dass du dir mal ’ne Perle zulegst und Eigene machst.«
warum die Substantivierung des Adjektivs? Kann sich eigentlich nur auf "eigene Kinder" beziehen ...

Jetzt habe ich den Stein, den ich im Restaurant hatte liegenlassen, im Rucksack verstaut.
Warum der plötzliche Gezeitenwechsel? Scheu vor einem doppelten „haben“ kanns ja nicht sein.

Hier sind die zwo (an sich gar nicht nötigen) Stellen, wo der sonst gelingende Konj. II etwas daneben geht

Als würden sie es nicht dulden, dass etwas auf ihnen wächst.
Weg mit dem „würde“, das vergleichende „als“ erledigt das Problem an sich „Als dulden sie nicht, dass etwas auf ihnen wächst.“

Er sieht aus, als käme er grade aus dem Globetrotter, wo ihn seine Eltern einmal nackt ausgezogen und mit Outdoor-Klamotten wieder angezogen hätten.
Ab „wo“ klingts doch nach realem Vorfall, also „hatten“

Ein wohliges Gefühl macht sich in mir breit, eine entfernte Assoziation mit der Kindheit, draußen spielen mit meinem Bruder, grillen im Garten mit unseren Eltern, danach wieder auf den Bolzplatz oder in den WaldKOMMA bis es dunkel wird.
Hier funktioniert's
Die Ohren freuen sich über die Stille, bis die ersten Wassermoleküle im Kocher zu Gas werden …

»OK. Habt ihr auch Edelsteine gesammelt?«
Was ist mit „Oklahoma“ (so die Abkürzung). O. k. Oder besser sogar „okay“, denn was soll das für eine Abkürzung sein aus zwei Buchstaben, zwei Punkten und einer Leerstelle, also fünf Stellen für ein ausgeschriebens Wort mit vier Buchstaben?
OK kommt einige Male vor. Musstu gucken (Suchfunktion nutzen!)

»Edelsteine? Nee. Gibt’s hier überhaupt sowas?«
eigentlich ein so (et)was, immer auseinander - ähnlich hier
»Also in Österreich hab ich schonmal schöne Steine gefunden, die lagen auch einfach im Geröll rum.«
schon mal, eigentlich ein verkürztes schon einmal

»Vielleicht findste ja einen, später.«
warum das Komma? Weg mit ihm!

»In der Totenmaske des Tutanchamun waren auch Lapislazulis drin.
Okay, wörtliche Rede – aber Du weißt, dass Ein- und Mehrzahl identisch sind ohne Endungs-s (ist selbst der Genitiv)

Mein Bruder und seine Frau kommen durch den Flur auf mich zu gelaufen, ihre Gesichter bleich.
„auf etwas zulaufen“, auch als Partizip zusammen

»Wir werden ihn auf ein Zimmer bringen, wo sie dann zu ihm können, im dritten Stock. Das Pflegepersonal dort wird ihnen sagen, welches Zimmer.
ohne Komm.

MeinteKOMMA es kommt drauf an, wie die OP am Montag läuft.
Zwo Hauptsätze – der erst Ellipse, der zwote mit dem neutralen es als Satzsubjekt

..., und ich spüre die Flügel an meinem Rücken und wir fliegen durch die Lüfte, genießen den Wind, fliegen bis zum neuen RestaurantKOMMA wo André uns ein Festessen bereitet hat, …

Sicher machen sie sich einen schönen Tag im Garten, oder am See.
Warum Komma – weg mit Ihm!

..., Musik auf Anschlag, Billy Talent, mitgröhlend, rumzappelnd, bescheuert.
grölen ohne Dehnungs-h

»Das freut mich sowas von, mein Kleiner, das glaubst du gar nicht.
s. o.

Gern gelesen vom

Friedel

 
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Lieber @Friedrichard, da hab ich doch glatt deinen Kommentar nicht bemerkt! Freue ich mich jetzt umso mehr, dass du hier warst.

»Mensch, passen ’se doch auf wo ’se hinlatschen!«
denn üblicherweise würde dort etwas Fehlendes angezeigt – wie etwa bei einem ’ne das „ei“…, wie nachher hier
Klar, haste natürlich recht - also einfach weg damit, was? Kommt mir seltsam vor, aber ist dann wohl so.

Wird echt Zeit, dass du dir mal ’ne Perle zulegst und Eigene machst.«
warum die Substantivierung des Adjektivs? Kann sich eigentlich nur auf "eigene Kinder" beziehen ...
Dann wird es in dem Fall klein geschrieben? Ich dachte wenn das dazugehörige Substantiv fehlt, wird das Adjektiv selbst zum Substantiv... Hab ich wohl falsch gelegen!

Als würden sie es nicht dulden, dass etwas auf ihnen wächst.
Weg mit dem „würde“, das vergleichende „als“ erledigt das Problem an sich „Als dulden sie nicht, dass etwas auf ihnen wächst.“
Hm... Aber es ist doch kein Vergleich, sondern ein "als ob". Und da habe ich doch vom Friedel gelernt, dass es Konjunktiv-II-er nicht geht. Denn es ist ja Quatsch, dass sie es nicht dulden - der Grund, dass auf ihnen nichts wächst, ist ja ein anderer. Oder? Oder muss dann das "wächst" auch im Konj. II sein?

»In der Totenmaske des Tutanchamun waren auch Lapislazulis drin.
Okay, wörtliche Rede – aber Du weißt, dass Ein- und Mehrzahl identisch sind ohne Endungs-s (ist selbst der Genitiv)
Ich wollte dem Jungen das "s" gönnen!

»Wir werden ihn auf ein Zimmer bringen, wo sie dann zu ihm können, im dritten Stock. Das Pflegepersonal dort wird ihnen sagen, welches Zimmer.
ohne Komm.
Oha, danke!

Anderes hat sich schon erledigt oder hab ich umgesetzt. Vielen Dank für deine Kompetenzen und fürs Lesen! Wo ist eigentlich deine Lapislazuli-Geschichte? Wird die noch nachgereicht? :)

Liebe Grüße,
rainsen

 
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Hallo @rainsen,

ich hab Deinen Text gerne gelesen, wenn auch unter Schmerzen., was einfach daran liegt, dass ich die Schuld, die der Prota auf sich lädt, nur schwer aushalte. Ich bin da eine Mimose, mich packt so was ziemlich an den Eiern. Insgesamt könntest Du straffen, einiges kürzen, um schneller zum Punkt zu kommen. Der Text macht schon große Bögen und das Volumen hält sicher manche vom Lesen ab.
Exemplarisch mal einen Absatz, den Du streichen könntest, weil er das Tempo verschleppt:

Das Geräusch eines Rasenmähers irgendwo aus der Siedlung erinnert mich daran, dass Samstagnachmittag ist, mitten im Juli. Ein wohliges Gefühl macht sich in mir breit, eine entfernte Assoziation mit der Kindheit, draußen Spielen mit meinem Bruder, Grillen im Garten mit unseren Eltern, danach wieder auf den Bolzplatz oder in den Wald, bis es dunkel wird. Dann pausiert der Rasenmäher und mit ihm meine Gedanken. Die Ohren freuen sich über die Stille, bis die ersten Wassermoleküle im Kocher zu Gas werden und beim Aufsteigen implodieren. Total praktisch, so ein Physikstudium, besonders wenn man nach einem gefühlten Jahrhundert feststellt, dass man viel lieber mit seinem Kumpel ein Restaurant eröffnet.
Gäbe noch mehr Streichkandidaten, ich würde den Text durchkämmen und ein paar unnötige Knoten rausschneiden.

»Mensch, passen se doch auf(Komma) wo se hinlatschen!«

Ich sehe ihm nach und denke, musst du hier aufm Fußgängerweg rumrasen?
Da das als Frage an den Rollifahrer ausformuliert ist, würde ich das kennzeichnen, Kursiv bspw., oder mit Apostrophen.
Eine andere Möglichkeit wäre: Ich sehe ihm nach und denke, warum muss der hier auf dem Fußgängerweg herumrasen?

darüber der Name: Happa Happa.
Wie haben sie mit dem Namen den Businessplan durchbekommen? :D

»Boa, Harm(Komma) ey, das klingt echt total bescheuert!

Ein freies Wochenende wollten wir uns vor der Eröffnung noch gönnen.
gestern fertig geworden, also Präsens, also: wollen.

»Na ja, dass du die letzten freien Tage deines Lebens (...)«, er zwinkerte mir übertrieben zu,
Da Du den Satz abrupt unterbrichst, würde ich einen Dreipunkt einfügen.

»Ach, ja … Klingt echt verlockend. Aber du weißt −«
Hier würde ich den Dreipunkt nach hinten nehmen.
Ach, ja, klingt echt verlockend. Aber du weißt ...

Das ist knappe neun Stunden her.
Na und das verdient einen Absatz.

die Blätter der Bäume zu einer grell grünen Fläche verschmolzen
grellgrünen?

Er sieht aus, als käme er grade aus dem Globetrotter, wo ihn seine Eltern einmal nackt aus- und mit Outdoor-Klamotten wieder angezogen hätten.
Stolperer, das flutscht nicht. Vorschlag: ... wo ihn seine Eltern nackt ausgezogen und mit Wanderklamotten wieder eingekleidet haben.

Anfang dreißig und schon am Schwächeln, Mann Mann Mann, denke ich,
Dieses dreimal Mann finde ich nicht gut, Vllt. schüttelt er den Kopf.

eine entfernte Assoziation mit der Kindheit,
zur?

Ich stelle eine mit Kondenswasser gesäumte Karaffe auf den Tisch,
gesäumt heißt, nur den Rand der Karaffe ist voller Kondenswasser. ich denke, Du meinst, die ganze Karaffe ist mit Kondenswasser beschlagen?

Nein, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben nicht. Der letzte war ein Amethyst, dieser Lilane, den kennst du schon. Ich wünsch mir ja einen neuen.
Manche Dialoge könnten näher an der Wirklichkeit sein, wie reden 10-jährige?
Nee, der Amethyst war der letzte. Ich wünsch mir so sehr einen Neuen ...
Am besten laut vorlesen und immer denken, wie würde meine Figur das wirklich sagen?
Auch hier bspw.
Ist aber nicht nur blau, sondern da sind noch so kleine goldene Punkte drin. Pyrit ist das. Sieht ein bisschen aus wie die Erde nachts, also – das hat mir Papa letztens gezeigt – wenn man die Erde aus dem Weltall anschaut, weißt du?«
Da wird für mich zu viel Info transportiert. Gäbe noch mehr Stellen.

Rechts gehe ich auf einem Boden aus toten Blättern zwischen Büschen, Farnen und Buchen hindurch
Das Fette macht es unnötig schwierig, Du hast ja schon Büsche, Farne und Buchen, brauchst Du das?

»Sag mal, hast du auch Lust auf ’ne kleine Pause? Da vorne hat man ’nen super Ausblick!«
»Na gut.«
»Da sind auch interessante Felsformationen, vielleicht kannst du da was finden …«
»Auja!«
Gaaanz unauffällig. :D

Dann plötzlich das Geräusch von rutschendem Gestein. Keine Sekunde später Wilkos Stimme auf maximaler Lautstärke. Ruckartig schaue ich rüber, sehe, wie er am hinteren, schmalen Ende der Ebene taumelt. Mit den Armen rudert er in der Luft – in der einen Hand der blaue Stein – bevor er kopfüber hinterm Hang verschwindet.
Für jeden, der Kinder hat, eine absolute Horrorvorstellung, hier grabscht Du meine Eier. :heul:

»Wilko! Wilko! Fuck!«
Wie er daliegt, das sieht nicht gut aus.
»Wilko? Hey, Wilko?«
Ich mach mir fast in die Hosen.

Aber ich kann Wilko hier nicht liegen lassen, oder? Nein, auf keinen Fall! Ich nehme ihn ganz vorsichtig auf den Arm und gehe so schnell es geht zum Weg und Richtung Tal.
Oje, ich sag nur, bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage

In meinem Kopf Horrorszenarien, das Schlimmstmögliche. Irgendwann kommen mir zwei Wanderer entgegen, ein Mann und eine Frau. Ich rufe ihnen bereits von Weitem zu, sie bleiben stehen, treten zur Seite.
Glück im Unglück, warum hat er sein Handy auch nicht dabei, der Dämel.

»Hilfe! Bitte helfen Sie mir!«
Ich würde sofort sagen: Rufen Sie bitte einen RTW.

An die Fahrt erinnere ich mich kaum. Als ich im Krankenhaus zum Warten gezwungen werde, wird mir klar, dass ich wohl noch nie wirklich Angst hatte. Bis jetzt. So fühlt es sich wahrscheinlich an, wenn man ununterbrochen in eine Steckdose fasst. Kein Gedanke ist greifbar, im Kopf tobt ein Gewitter.
Da würde ich tiefer reingehen, mal genau schauen, was ist das genau? Angst ist das eine, sich schuldig zu fühlen, das andere, das geht nicht so schnell weg und ist ganz anders als in eine Steckdose zu greifen, mehr so wie den Boden unter den Füßen zu verlieren.

»Mein armer Junge, mein armer Wilko! Wie konntest du das zulassen? Wie konntest du nur?« Sie schluchzt, ringt nach Luft. »Wie konntest du ... oh Wilko!«
Wirkt dezent unrealistisch. Würde sie ihn nicht anschreien und versuchen zu schlagen?

Ihre Worte kommen gestückelt bei mir an, bei jeder Diagnose zieht sich in mir alles zusammen: innere Verletzungen, Gehirnerschütterung, Brüche, Arm, Beine …
Bad feelings. :sconf:

Es fühlt sich an, als müsste ich eine Lösung finden für ein Problem, das größer ist als meine Vorstellungskraft, das meinen Verstand lahmlegt, und welches mich ab jetzt für immer begleiten wird.
Da bin ich bei Dir, Ich finde den Bruder sehr cool, so möchte ich auch reagieren können.

Wilko nimmt Anlauf und macht einen Köpper den Hang runter, ruft mir lachend zu, ich solle es ihm nachmachen. Aber das ist doch gefährlich, Wilko!, rufe ich ihm zu, doch plötzlich hat er Flügel und segelt über die Wipfel der Bäume, und so überwinde ich meine Angst, renne los und springe ihm nach, und ich spüre die Flügel an meinem Rücken und wir fliegen durch die Lüfte, genießen den Wind,
Finde ich gut, in dem ganzen Teil fängst Du viel ein an Emotionen, die Harm bewegen, auch, dass ihn das im Traum verfolgt. Gut gemacht.

»Ja, Wilko?«
»Bringst du mir den Stein?«
»Ich soll …?«
»Ja. Für die OP morgen früh. Als Glücksbringer.«
»Ach so … hm. Na ja … Okay.«
Birgt die Möglichkeit einer Wiedergutmachung, finde ich gut.

Wieso sind wir nicht zum See gegangen? Dann läge Wilko jetzt nicht im Krankenhaus.
Auch lebensnah, diese Selbstvorwürfe, das kriegst Du gut hin,

»Ja. Ist gut gelaufen. Der Arzt ist wohl ein Spezialist, Orthopäde. Er sagt, Wilko müsse auf jeden Fall eine Weile im Rollstuhl bleiben, aber dass er höchstwahrscheinlich wieder gehen wird. Vielleicht nicht wie früher, aber wer weiß, meinte der Arzt, er hat schon vieles gesehen.«
»Okay.« Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Klingt versöhnlich. Auch gut, dass nicht sofort alles aus der Welt ist, dass vielleicht was bleibt.

Nachdem ich Hanno umarmt habe, stehe ich vor Jutta. Wir sehen uns kurz in die Augen, dann kündigt ihr Gesicht Tränen an und sie drückt mich an sich. Es fühlt sich gut an. Bevor sie sich wieder setzt, glaube ich in ihrem Gesicht so etwas wie Entspannung zu erkennen.
Puh, jetzt bin ich erleichtert, auch das ist gekittet. Viel mehr kann ich gar nicht dalassen.

Deine Geschichte hat mich berührt, peace, l2f

 

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