Was ist neu

Don´t mess around with art critics

Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
119
Zuletzt bearbeitet:

Don´t mess around with art critics

Eingereicht.

 
Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
119

Hallo zusammen, zunächst muss ich zu dieser Geschichte einige Dinge voranstellen. Bisher wurde ich unter anderem für meine ausufernden Satzkonstruktionen und meine (zugegeben) mangelhafte Zeichensetzung kritisiert. Daher habe ich mich dieses Mal wirklich darum bemüht, die Sätze einfacher und vor allem kürzer zu gestalten. Mit Sicherheit befinden sich dennoch noch einige Zeichenfehler im Text. Das ist einfach eine meiner großen Schwächen. Aber auch hier habe ich versucht, Fehler so gut es geht zu vermeiden. Ich hoffe, die Geschichte ist dieses Mal lesbarer und freue mich über Kritik. Viele Grüße, Habentus

 
Monster-WG
Beitritt
10.07.2020
Beiträge
144
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @Habentus,

vielen Dank für diese Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe! Den Zusatz in deinem Kommentar bräuchte es, finde ich, gar nicht: Die Story ist sehr gut verständlich und die Sprache ist so gelassen-ironisch, das erinnert mich ein bisschen an Joseph Roth.

Das Sujet ist offensichtlich: moderne Kunst, abstrakte Malerei, was-will-der-Künstler-uns-damit-sagen usw. usf. Da muss man aufpassen, dass man nicht ins Klamaukige, Mario-Barth-hafte verfällt, und ich finde, das tust du wirklich gut. Die Story ist kein "Moderne Kunst, was soll der Quatsch?"-Scherz, erlaubt sich aber doch das eine oder andere Augenzwinkern - das Durch-die-Beine-Schauen fand ich super! Auch die 49-Tage-Absurdität ist schön. Davon dürfte es gerne noch etwas mehr geben.

Ein paar Kürzungen wären sicher angebracht, in kürzerer Form würde diese Story, glaube ich, stärker wirken.

Das Ende würde, finde ich, eine kleine Pointe vertragen: Es gibt ja nun diejenigen, die sagen, dass ein Kunstwerk das Produkt eines Prozesses ist - das Gemälde, die Skulptur, die Partitur usw. - und es gibt diejenigen, die sagen, dass ein Kunstwerk der Schaffensprozess selbst ist, und das Produkt ist dann quasi ein Epi-Phänomen. (D.h.: Nicht "Die Nachtwache", wie sie im Museum hängt, ist das Kunstwerk, sondern Rembrandts Schaffen der "Nachtwache".) Der Direktor könnte an dieser Stelle natürlich auch hingehen und verkünden, dass nicht zwei Kunstwerke zerstört, sondern, dass zwei Kunstwerke vollendet worden sind.

PS. -- Hoppla, völlig übersehen: Warum der englische Titel?

Hatte Spaß:

Christophe

 
Monster-WG
Beitritt
10.07.2020
Beiträge
144
Zuletzt bearbeitet:

Hi @Habentus,

noch eine kleine inhaltliche Sache:

„Und bis vor Kurzem war er sich relativ sicher gewesen, bald zum inhaltlichen Kern des Kunstwerks durchzubrechen. Zum Wesen dessen, was der Künstler hinter diversen Schichten Farbe vor dem ungeschulten Auge der breiten Masse verborgen hielt.“

Ich war nur mal am Rand mit moderner Kunst und Kunstgeschichte befasst — das Folgende ist also eher eine Vermutung als eine Gewissheit: Aber ich glaube nicht, dass Kunsttheoretiker bei aktuellen Sachen von einem („objektiven“) inhaltlichen Kern ausgehen würden. Siehe Umberto Ecos Offenes Kunstwerk und dann die komplette Postmoderne. Das heißt: Dein Kritiker sucht vermutlich, das ja! - aber nicht nach einen inhaltlichen Kern.

Ohgott, das klingt so abgehoben, sorry!

Christophe

 
Monster-WG
Beitritt
02.05.2020
Beiträge
142

Aber ich glaube nicht, dass Kunsttheoretiker bei modernen Sachen von einem („objektiven“) inhaltlichen Kern ausgehen würden.
Eigentlich schon.
Michael Stitz beschrieb das so, bei einem Werk Kandinskys (vgl Wikipedia) :
„Das Musikalische seiner Malerei ist bei der Betrachtung der Werke gar nicht zu überschätzen. Kandinsky hörte die Farben.[5] Titel wie ‚Komposition VIII‘ sind nicht Verlegenheitsbeschriftungen, sondern Hinweis auf das Streben Kandinskys das ‚Geistige in der Kunst‘ zu malen. Geradezu zwangsläufig mussten sich dabei die Gegenstände auflösen, führte der Weg in die Abstraktion.“

Als ehemalige Kunst-LK-Teilnehmerin erinnert mich die Reinsteigerung in seine Wut sehr an meinen damaligen Lehrer. Die weiteren Erinnerungen erspare ich jetzt mal dem Internet.

Mir gefällt die Geschichte gut, trotz der zwiespältigen Erinnerungen und kam auch flüssig durch den Text.
Schachtelsätze sind mir nicht negativ aufgefallen, Kommas überlasse ich anderen :shy:
In der Mitte wurde es mir lediglich kurz ein bisschen lang, du erzählst die Reinsteigerung in die Schuld des Künstlers schon sehr ausführlich, mein Lehrer war da schneller im Umschwung :Pfeif:

 
Monster-WG
Beitritt
10.07.2020
Beiträge
144
Zuletzt bearbeitet:

Hi @feurig,

Danke für den Hinweis — ich kenne mich da nicht wirklich gut aus, du hast sicher recht. :Pfeif:

Viele Grüße

Christophe

 
Mitglied
Beitritt
05.07.2020
Beiträge
119

Zunächst einmal vielen Dank an @Christophe und @feurig für eure Kommentare! Hat mich wirklich sehr gefreut! Nun also der Reihe nach:

Die Story ist sehr gut verständlich und die Sprache ist so gelassen-ironisch, das erinnert mich ein bisschen an Joseph Roth.
Das ist wirklich ein Kompliment, das ich sehr gerne annehme!

Die Story ist kein "Moderne Kunst, was soll der Quatsch?"-Scherz, erlaubt sich aber doch das eine oder andere Augenzwinkern
Es ging mir zum einen, wie du schon sagst genau darum, moderne Kunst mal in den Fokus zu stellen. Da gibts ja durchaus unterschiedliche Meinungen zu 😉 Aber tatsächlich ist sowas ähnliches wohl wirklich mal passiert. Also ein Bild wurde in einem Museum verkehrt herum aufgehängt und erst Wochen später korrigiert. Ob es zu ähnlichen Reaktionen kam, ist mir allerdings unbekannt... Ich fand die Vorstellung aber einfach witzig und wollte da eine kleine Geschichte draus machen.

Ein paar Kürzungen wären sicher angebracht, in kürzerer Form würde diese Story, glaube ich, stärker wirken.
Ja, da hast du vermutlich recht. Ich bin aber noch unsicher, an welcher Stelle eine Kürzung sinnvoll ist. Tipps?

Es gibt ja nun diejenigen, die sagen, dass ein Kunstwerk das Produkt eines Prozesses ist - das Gemälde, die Skulptur, die Partitur usw. - und es gibt diejenigen, die sagen, dass ein Kunstwerk der Schaffensprozess selbst ist, und das Produkt ist dann quasi ein Epi-Phänomen.
Ich fand deine und auch die Gedanken von @feurig zum Thema wirklich interessant. Ehrlich gesagt bin ich beim Schreiben nicht ganz so tief ins Thema eingetaucht. Auch deshalb habe ich deine vorgeschlagene Pointe am Schluss so nicht benutzt. Alles in allem wäre das aber auch eine Möglichkeit ein Ende zu finden. Vlt. setze ich mich da nocheinmal dran.

Ohgott, das klingt so abgehoben, sorry!
Überhaupt nicht! Im Gegenteil freue ich mich, wenn sich aufgrund einer kleinen Geschichte Menschen finden und sich gedanklich mit dem Thema weiter beschäftigen! Danke dafür!

Als ehemalige Kunst-LK-Teilnehmerin erinnert mich die Reinsteigerung in seine Wut sehr an meinen damaligen Lehrer. Die weiteren Erinnerungen erspare ich jetzt mal dem Internet
Ja, auch ich kann mich an exzentrische Kunstlehrer und Lehrerinnen erinnern... :)

In der Mitte wurde es mir lediglich kurz ein bisschen lang, du erzählst die Reinsteigerung in die Schuld des Künstlers schon sehr ausführlich, mein Lehrer war da schneller im Umschwung :Pfeif:
Das fällt mir auch auf, allerdings bin ich nicht sicher was konkret gekürzt werden könnte. Auch weil die Geschichte an sich ja schon relativ kompakt ist. Aber ich werde noch überlegen.

Danke für deine Anmerkungen!

 
Seniors
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
6.110

«O, suprême Clairon plein de strideurs étranges,
Silences traversés des Mondes et des Anges:
– O l'Oméga, rayon violet de Ses Yeux!»
aus: Rimbaud «Voyelles»​

Wenn er es nicht besser wüsste, würde er beinahe so weit gehen und behaupten, dass dieses blaue Unwerk nur aus einem einzigen Grund erschaffen worden war. Nämlich um ehrlichen Kunstkritikern wie ihm das Leben schwer zu machen.

Gibt
… es überhaupt etwas Edleres als den Angegriffenen, der sich mutig und entschlossen zur Wehr setzt?
Die Zitate passen irgendwie auf Deinen Rückblick,
bester Habentus weit und breit:
Bisher wurde ich unter anderem für meine ausufernden Satzkonstruktionen und meine (zugegeben) mangelhafte Zeichensetzung kritisiert,
einzugehen, denn wie könnte einer, der schon selbst eine ganze Geschichte in einen Satz verpackte und ein Kleistverehrer ist, was gegen längere bis lange Satzkonstruktionen haben, solange ihr Schöpfer nicht selbst die Übersicht verliert?
Also, nicht jammern, was gegen unternehmen und sei‘s Kommaregeln lernen. Ansonsten Schwamm drüber!, und auf ein Neues!, wobei ich mir sicher bin, dass Dein Projekt „Schreiben“ gelingen wird – was immer Du Dir dazu vorgenommen hast. ‘n gewisses Maß an Sturheit gehört dazu, wie Du an meiner hiesigen Vergangenheit feststellen kannst!
Fehler machen wir alle. Der größte aber wäre, sich für unfehlbar zu halten.

Aber zu Deinem neuen Werk über die Unzulänglichkeit der Kritik und in der Folge vor allem des Publikums - „Bartavi“ ist ja beides zugleich, dass ich ihn als „teilnehmende/n Beobachter“ begleite. Immerhin versteigt er sich nicht zu den Worten des berühmten „kleinen“ Mannes, „dat kann ich auch“ (und warum tut ers dann nicht?).

Aber wie viel Kunst steckt z. B. im Werk eines Jeff Koons‘?

Dass es ein hervorragender Geschäftsmann ist, beweisen ja die Preise seiner Figurinen. Panamarenko hab ich hierorts eines meiner ersten Werke gewidmet, Beuys hab ich – lange, bevor eine Putzfrau zu Wuppertal ihrem Stande gemäß „seine“ Badewanne schrubbte und putzte - erlebt, als ich die Bewerbungsmappe (Grafik) einreichen wollte. Leider so, wie ich es einige Jahre später bei meinem Arbeitgeber erlebte: In D‘dorf wandelte eine Korona hinter dem Halbgott in Fliegerjacke wie hernach im Jupphotel in Weiß - und lauschte andächtig.

Schon der Titel ist zwodeutig, wie ich es mag: “to mess around“ also zwischen Pfusch / Murks und Albernheit, (was mich zu der ausufernden Einleitung verführt hat), (womit auch „short people“ i. S. eines Randy Newman ihren Ort finden, "Kunst" usupierend „so wat kann ich auch!“, spätestens, wenn tapeziert und ggfs. angestrichen wird – wobei seine Kunst allgemein bis zum nächsten Termin zählt. Das muss man anerkennen, denn das Wort Kunst kommt ja tatsächlich vom Verb können, so beherrscht jeder, der was kann, seine Kunst. Und war es nicht vordem schon Schiller, der in den ästhetischen Briefen jedermann die Fähigkeit zusprach, Kunst zu können?

Herr Bartavi aber scheint – wenn schon nicht nach großen Zahlen, so doch zu größeren Zahlen zu neigen, zumindest wenn er exakte sieben Wochen als „geschlagene 49 Tage“ bezeichnet (ja gut, 7 mal 7 verdoppelt die heiligeZahl) und zudem ist das bewunderte Kunstwerk blau, also in der Farbe, die gar nicht so häufig in der Natur gefunden wird, wie man so für sich meint, weil die Lichtbrechung uns was vorgaukelt über Himmel und Meer. Das Wasser im Hallenbad zu Sankt Erkrath leiht sich die Farbe von den gefliesten Beckenseiten und dem Boden.

Und dass Dr. Murkes unbekanntes höhere Wesen, das wir alle irgendwie verehren, sich in die Arbeit Bartavis einmischt, lässt einen hinwiederum ans Schicksal (ein Wort, das ja tatsächlich vom „schicken“ herkommt!) glauben (hier wird der Name B.s übrigens verdreht,

Es blieb beim kläglichen Versuch und Baratvi ließ kraftlos die Schultern hängen.
Und in der Folge gerinnt er buchstäblich zum „kleinen Mann“, und man könnte erwarten, dass er selbst Hand anlege - womit wir bei einer wahrlich winzigen Flusenlese sind

Eine Freiheit, die er sich trotz absolutem Rauchverbot im Angesicht seiner vollständigen Niederlage zugestand.
i. d. R. verlangt „trotz“ traditionell den Genitiv, der Duden lässt gleichwohl für den süddeutschen (also allemannisch und bairischen Raum) den Dativ zu – zwangsläufig auch im Oberfränkischen, einem Überbleibsel der (karolingischen) rhein- oder salfränkischsprechenden Besatzungstruppen.

Resigniert blies er den Rauch aus und betrachtete die Leinwand vor sich.
Hätte er je hinten Augen gehabt?

Und nun schickte sich ein Künstler, dessen Namen er nicht einmal aussprechen konnte, an, ihn mit seinem Machwerk, …
Die schwache Klammer „schickte sich … an“ kannstu getrost auflösen und „anschicken“ wieder sich näher bringen – der Relativsatz wird immer noch direkt dem „Künstler“ zugesprochen werden

Es gab Tage, dachte er, da blieb man besser im Bett.
Entweder direkte oder indirekte Rede (nach „dachte er“) – oder Konjunktiv II, „da bliebe man besser im Bett,“ Oder ohne "denken"
"Es gab da Tage, da blieb man besser im Bett"
Übrigens gelegentlich auch mein Wahlspruch! Und geradezu wie ein von Schiller vergessener Satz aus den ästhetischen Schriften:
Gab es überhaupt etwas Edleres als den Angegriffenen, der sich mutig und entschlossen zur Wehr setzt?

Wie dem auch wird, gern gelesen vom

Friedel

 
Seniors
Beitritt
14.08.2012
Beiträge
2.351

i. d. R. verlangt „trotz“ traditionell den Genitiv, der Duden lässt gleichwohl für den süddeutschen (also allemannisch und bairischen Raum) den Dativ zu
Für alle, die’s interessiert, hier ein sehr aufschlussreicher Artikel zu dem Thema.

Gern geschehen.
offshore

 
Mitglied
Beitritt
19.05.2006
Beiträge
515

Hi Habentus!

Sorry, für's (zu) kurze Reinschneien, der Genitivlink hat mich angelockt und dabei bin ich über den zweiten Satz deiner Geschichte gestolpert.

Señor Bartavi stand in der großen Halle und betrachtete mit ernstem Blick ein Bild. Das tat er nun bereits seit geschlagenen 49 Tagen.
Tatsächlich? Permanent? Seit 49 Tagen?
Oder: Das tat er täglich, seit geschlagenen sieben Wochen.

Netten Gruß!

 
Seniors
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
6.110

„trotz“ kommt sicherlich vom Verb „trotzen“ (oder seiner Substantivierung im „Trotz“) und in der Tat berichten die Grimm-Brüder unterm Stichwort „TROTZ“
„2) jünger ist der gebrauch mit dem genitiv; er ist erst um die mitte des 18. jhs. bezeugt (s. 3) und gilt bei Adelung* und Campe* noch als unrichtig; heute hat er den dativ fast ganz verdrängt: troz unsrer unzähligen moralischen schrifften noch nicht tief genug untersucht (1765) Lichtenberg nachlasz 6;
trotz der beete voll eis lächelt der rosenstraus
dann am mieder (1771)“ (Wörterbuchnetz - Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, zitiert am 3. 9.2020

Bei der Auseinandersetzung sollte man nicht vergessen, dass der Genitiv Besitz (icke, meinet Vadders Sohn) und Zugehörigkeit meint, dass ich allemal „trotz des (oder: ihres) Pickels auf der Nase ist sie hübscher als jede Trumpl" beibehalten werde, eingedenk dessen, dass im Ruhrlatein auch das Ende des Dativs eingeläutet und -geleitet wird (kannze mich glauben!). Was braucht es der lästigen vier Fälle, wenn zwo für Kreolisch ausreichen und einer für Pidgin und SMS genügt?

Da werd ich mal in den Sudelbüchern von Lichtenberg rumblättern -

tschüss

Friedel

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Kommentare

Anfang Bottom