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Dorfkinder

Senior
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01.09.2005
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Dorfkinder

Marco fiel sofort auf, wie misstrauisch Strebost sie musterte, als sie aus dem Auto stiegen. Wahrscheinlich wollte er prüfen, ob sie eine Fahne hatten. Zwei Jungen und ein Mädchen, zu alt und gleichzeitig zu jung fürs Maislabyrinth. Keine Kinder mehr und noch keine eigenen Kinder. Lust auf Blödsinn nach ein paar Bier.
Strebost hielt die Hand auf, schwielig von der Feldarbeit.
„Fünfzig Cent pro Nase.“

Sie waren auf dem Weg nach Hannover gewesen. Lisas beste Freundin war in eine neue WG gezogen. Marco fuhr und hatte gerade erst an der Tankstelle angehalten. Lisa und Tim hatten einen Sechserträger Beck's Lemon und zwei Dosen Jim-Beam-Cola zum Vorglühen gekauft. Als ihre Finger an die Verschlüsse gingen und Marco gerade fragen wollte, ob die Dosen auch nicht geschüttelt waren, dass er nicht gleich alles auf den Sitzen hatte, zeigte Lisa aus dem Fenster und rief: „Alter, ein Maislabyrinth!“
Sie meinte ein Schild am Straßenrand. „Strebost's Maislabyrinth“ stand darauf.
Tim räusperte sich auf dem Rücksitz. „Geil.“
Lisa drehte sich mit strafendem Blick zu ihm um. „Ich hab Maislabyrinthe geliebt als Kind. In der Nähe von unserem Haus gab es sogar zwei.“
Tim zuckte die Schultern. „Jetzt sei doch nicht gleich so angepisst.“
„Du bist wahrscheinlich noch nie in einem Maislabyrinth gewesen.“
„Bin Stadtkind.“
Dass er da immer noch drauf bestand, dachte Marco. Tim war zwölf gewesen, als seine Eltern aus der Nähe von Köln hergezogen waren. Sein Vater war bei der Bundeswehr. Marschbefehl, vielleicht weil sie dachten, wenn es nochmal Krieg gab, dann gegen Kühe.
Es war kurz vor acht und gleich wurde es dunkel. Der Sommer ging zuende. Marco sah in den Rückspiegel. Hinter ihnen war nichts los. Mitten auf der Bundesstraße hielt er an.
Tim hatte die Finger gerade wieder am Verschluss seiner Dose. „Was soll das denn werden?“
Marco drehte den Kopf zu Lisa. „Wollen wir zurück und reingehen?“
Lisa streckte die Arme so weit, wie das Autodach es zuließ. „Jippie!“ Sie wollte wohl wie ein Kind klingen, eine Parodie, aber Marco sah, dass sie sich wirklich freute.
„Bitte was?“ Tim legte die Dose neben sich auf den Sitz. Seine Hände krallten sich in die Rückenlehnen der Vordersitze. „Ey, ich hab ganz neue Nikes, ich stapfe doch jetzt nicht über einen Acker.“
Lisa stöhnte. „Zieh sie eben aus und geh barfuß.“ Sie knibbelte am Muttermal links über ihrer Oberlippe. Meist tat sie das, wenn jemand ihre Geduld auf die Probe stellte.
„Das mache ich mit Sicherheit nicht“, protestierte Tim. „Ich warte im Auto.“
Gute Idee, dachte Marco. Stadtkind.

Dreimal fünfzig Cent. Ein Fünfziger, viermal zwanzig und zweimal zehn, Wechselgeld von der Tanke, Lisa gab einen aus. Strebost zählte nach und wünschte ihnen mit abgelenkter Stimme viel Spaß.
„Ihr seid die letzten heute.“ Er sah zum Himmel. „Wird dunkel. Habt ihr was zum Leuchten dabei?“
Lisa zog ihr Telefon aus der Hose. Sie machte die Taschenlampe an. Strebost nickte und warf die Münzen in das Sparschwein auf dem Picknicktisch, an dem er gesessen hatte, als sie vorgefahren waren. Darauf stand auch die rausgerissene Wand eines Kartons. Mit Filzstift war darauf gekritzelt: Raus in <20min = Geld zurück.
„Hey“, sagte Lisa und tippte das Schild an wie die Klingel an einer Rezeption. „Sie wissen doch noch gar nicht, ob wir das schaffen.“
Strebost schüttelte den Kopf. „Das schaffen die Dorfkinder, die jedes Jahr ein paar Mal durchlaufen. Ihr kommt nicht mal von hier. Sehe ich an eurem Nummernschild.“
Lisa verschränkte die Arme vor der Brust. „Wir sind aber auch Dorfkinder.“
„Die beiden.“ Tim blickte voller Sehnsucht zur Bundesstraße. „Ich nicht.“
Lisa schlug ihm mit der flachen Hand auf den Hinterkopf und küsste ihn auf die Wange. Marco versuchte, woanders hinzusehen, aber es ging zu schnell.
Lisa packte Tim bei der Hand und zog ihn auf die Lücke im Mais zu, neben der noch ein Stück Karton mit der Aufschrift Eingang an einen Pfahl genagelt war, der im Boden steckte. Etwas weiter links kennzeichnete ein weiteres Schild eine weitere Lücke als „Ausgang“.
Lisa stoppte abrupt, als sie schon in den Stauden stand, und drehte sich zu Tim um. „Willst du die Schuhe jetzt ausziehen?“
Er zeigte ihr einen Vogel. „Nein. Sind ja nur knalleweiß, was soll passieren?“
„Wart doch echt im Auto“, schlug Marco vor. „Spart fünfzig Cent. Bei Penny ist das ein halber Liter.“
Tim winkte ab, ohne sich zu ihm umzudrehen. „Ist egal.“
Er wurde in den Mais gezogen, in dem Lisa bereits verschwunden war. „Marco, komm!“, rief sie. Ihre Stimme klang so fern, dass Marco sich fragte, wie weit sie in ein oder zwei Sekunden gekommen war.
Er blieb allein vor dem Eingang zurück. Scheißegal. Eigentlich hatte er sowieso keine Lust mehr.
Du wolltest im Auto warten. Du und deine neuen Nikes.

Strebost räumte den Picknicktisch ab. Er hielt das Plastikschwein mit Sparkassenlogo in beiden Händen und sah davon zu Marco hoch. „So ist Troja untergegangen.“
Marco fuhr zusammen. Er hatte Strebost tatsächlich kurz vergessen. „Was?“
Strebost nickte in Richtung Mais. „Zwei Mann, eine Frau.“
Marco wollte fragen, was ihn das anging.
„Du musst hinterher.“ Strebost zeigte auf den Eingang. „Sonst sind sie weg.“
Blöder Bauer. Marco trat in den Mais und war überrascht, wie hektisch sich das anfühlte. Wie schnell er plötzlich sein wollte. Als ginge es hier um etwas. Fünfzig Cent haben oder nicht haben. War ja nicht mal sein Geld.
Sonst sind sie weg.

Wenn er sprang, bekam er den Kopf über den Mais. Er sprang höher als andere, hatte dieses Talent aber nie einem Ziel zuordnen können. Für Basketball fehlten Reaktionsschnelle und Kondition, außerdem konnte er nicht dribbeln. Mädchen damit zu beeindrucken, schien abwegig.

Ein Hüpfer reichte nicht, er musste in die Knie gehen und sich anstrengen. Gleich am Anfang hatte er es ein Mal ausprobiert. Er sah das Auto. Irgendwo meckerte Tim etwas mit seinen Schuhen. Lisa kicherte.
„Könnt ihr vielleicht mal warten?“

Wie weit ihre Stimmen schon weg waren. Rannten sie durch die beknackten Maisstauden?
Wieder ihr Lachen. Nur seinetwegen hatte Lisa diesen Spaß. Es wäre kindisch gewesen, darauf hinzuweisen, noch dazu auf diese Art, es durch den Mais zu rufen. Trotzdem zog er es kurz in Betracht.
Natürlich würde er es nicht tun. Er hatte ihnen auch noch nie die Feier zu seinem vierzehnten Geburtstag vorgehalten, ohne die sie sich nicht kennengelernt hätten. Auch darüber dachte er machmal nach. Das zu sagen. Vor allem betrunken. Deshalb fuhr er lieber.


Er kam auf eine T-Kreuzung zu und blickte links und rechts die Pfade hinunter.
„Wo seid ihr lang?“
„Marco?“
Lisas Stimme. Das war links gewesen. Oder? Er sprang hoch. Durch zehn oder mehr Reihen Maisstauden ging es zurück in Richtung Ausgang. Oder Eingang. Oder zumindest zum Parkplatz. Vielleicht doch in eine Sackgasse? Die Stimme. Das war links gewesen.
„Lisa?“
„Komm!“
„Ja!“ Tims Stimme. „Der Scheiß hier war quasi deine Idee, jetzt mach auch!“
Marco ballte die Faust. „Vielleicht bleibt ihr einfach mal kurz stehen? Dann müssen wir nicht durch den scheiß Mais schreien!“
Es kam nichts zurück. Marco stapfte nach links. Zum Fahren war er gut genug. Er war doch kein Idiot.
Doch, bist du. Sie haben einen gesucht und du hast gesagt: Hier bin ich.

Er hatte ein paar mal Gras geraucht, mit fünfzehn, sechzehn. Das und Dosenstechen, viel mehr gab es nicht, solange man dort, wo er aufgewachsen war, noch kein Auto hatte.
Gras hatte ihm nie viel gegeben. War auch zu teuer. Mit dem Geld für ein Gramm konnte man bei Penny eine Palette kaufen. Und die Wirkung erst. Der eklig trockene Mund, die weichen Beine ... Auf dem Fahrrad verloren die schnell ihren Unterhaltungswert. Dann dieses dämliche Gefühl: Habe ich das gerade gesagt oder nur gedacht?
So fühlte er sich jetzt. Als hätte er gekifft.
Du hast gesagt: Hier bin ich.
Hatte er das gedacht oder hatte es jemand gesagt? In seinem Kopf? Im Mais?

Er kam auf die nächste Kreuzung zu. Diesmal ging es außer rechts und links auch geradeaus weiter.
„Das wäre auch eine scheiß Idee gewesen, hier zu warten“, sagte Marco. „Ich hätte sonst wissen können, wo ihr lang seid, ihr Vollpfosten.“
Es gab Fußabdrücke in der Erde, aber es waren zu viele. Und ob sie nun gerade erst gemacht worden oder ein paar Stunden alt waren, wie sollte er das wissen? Er war ja kein Indianer.
Vielleicht wollen sie gar nicht, dass du hinterherkommst. Schon mal drüber nachgedacht, du Vollpfosten?
Diesmal fuhr er herum. Eigentlich nur, um sich zu vergewissern, dass da niemand war. Aber tatsächlich bewegte sich etwas auf dem Boden. Marco machte einen Satz zurück.
„Scheiße!“
Der Igel stoppte, als hätte jemand die Pause-Taste gedrückt. Vielleicht wartete er auf einen Angriff. Als nichts geschah, tippelte er weiter, verschwand zwischen den Stauden.
Marco rieb sich die Brust. Er hätte jetzt gern eine Zigarette gehabt, aber die Schachtel lag auf dem Rücksitz.
„Sieh zu, dass du weg bist, wenn die Mähdrescher kommen.“ Der Igel ließ sich kein zweites Mal beirren. „Aber musst du wissen.“
Marco stand jetzt mitten auf der Kreuzung. Nicht mal mehr ihre Stimmen konnte er hören. Langsam wurde es dunkel. Wie früh es jetzt wieder dunkel wurde. Wo waren die langen Tage hin, wo waren der Mai und der Juni geblieben? Ganz zu schweigen von seinen Freunden? Wo waren die?
„Ey!“
Toller Abend. Hätte er Lisa nicht einen Gefallen tun wollen ...
Das war's mit Gefallen. Er beschloss das, hier und jetzt. Dennis Heine hatte es vor zwei Jahren zu ihm gesagt, bei der Sportwerbewoche, nach vier Fanta-Korn: „Man sieht das schon, dass du ihr hinterherläufst. Und das ja auch nicht erst seit gestern. Seit der Grundschule? Überleg mal. Tausend Jahre. Und jetzt mit Tim, die kommen ja schon ganz gut miteinander aus. Um nicht zu sagen, du weißt, was ich meine. Knick, knack. Irgendwann siehst du wie der letzte Affe aus. Aber musst du wissen.“

Was er jetzt wissen musste, war, wo es aus diesem scheiß Feld rausging. Er erinnerte sich an einen Schüleraustausch nach London. Big Ben und die Türme von irgendwelchen Banken. Wenn man einen solchen Punkt fixierte, konnte man sich gar nicht wirklich verlaufen, egal, wie verwinkelt die Gassen waren. Merkt euch das, hatte der Lehrer gesagt. Nur für den Fall.
Marco sprang wieder, warf einen verwackelten Blick auf endlosen Mais. Das war diese Richtung. Er räusperte das Erschrecken weg. Lachte, obwohl nichts lustig war. Kalt war es gewesen im Nacken, kurz.
Er hatte mit dem vorderen Teil gerechnet, Ein- und Ausgang, sein Auto. Sein Big Ben. In weiterer Entfernung jetzt, aber noch da. Stattdessen sah er Mais, nichts als Mais. Somit war das Labyrinth eben besser, als er zunächst gedacht hatte. Wer wusste, wie oft er hier drin schon die Richtung gewechselt hatte, ohne es zu merken? Er drehte sich um neunzig Grad und sprang.
Mais. Überall und endlos. Die Sonne würde gleich darin versinken.
Neunzig Grad und der nächste Sprung. Wieder nichts als ...
Der Kopf, der über den Stauden schwebte, war weit weg. Deshalb sprang Marco noch mal. Es konnte schließlich kein Kopf sein. Er wollte wissen, was es wirklich war. Was da ausgesehen hatte wie der Kopf eines Mannes mit langen Haaren, die ihm wild ins Gesicht hingen.
Aber beim nächsten Sprung war er war immer noch da. Er schwebte auch nicht, er steckte auf einem Körper, so groß, dass er ihn über die Stauden hinweghob. Was bedeutete, wenn Marco mit seinen knapp über zwei Metern springen musste ...
Der Kopf näherte sich. Auch deshalb hatte Marco ihn beim zweiten Sprung ein bisschen besser erkannt. Ein Mann bewegte sich auf ihn zu. Ein fast drei Meter großer Mann kam auf ihn zu.
Big Ben, schoss es Marco durch den Kopf.
Ein Riese wie im Märchen. Jack und seine Kletterpartie die Bohnenranke hinauf hatten ihn als Kind Wochen an Schlaf gekostet. Fee! Fie! Foe! Fum!
Ich rieche Menschenfleisch!
Er wusste sowieso nicht mehr, wo es lang ging. Nur die Richtung, aus der Big Ben kam, hatte er sich gemerkt. Der Mais dort hinten raschelte, ganz ohne Wind. Das Rascheln wurde lauter.
Marco lief in die entgegengesetzte Richtung. Ob tiefer in den Mais oder näher an den Parkplatz, war jetzt erst mal egal.

Nach einer Weile stoppte er. Nein, er musste stoppen, weil seine Lungen sich anfühlten, als atmete er Zitronensäure. Lange dauerte es bis dahin nicht. Scheiß Zigaretten. Er versuchte, leise zu atmen und auf das Rascheln im Mais zu hören. Es war still. Er hatte Big Ben abgehängt. Den Riesen aus dem Labyrinth. Wahrscheinlich war es ein Freund von Strebost auf Stelzen. Eine kleine Dreingabe für ein bisschen mehr Nervenkitzel.
Er hat sich nicht bewegt, als wäre er auf Stelzen.
Marco ging ein Stück. Langsam, um wieder Luft zu bekommen. Er spuckte aus. Speichel hatte sich in seinem Mund gesammelt. Er dachte an die kalte Cola, die er bei der Party trinken wollte, und wie er lachen würde über das hier, in der hellen, lauten Küche mit all den Leuten und Musik.
Aber noch war es still und dämmerig und die nächste T-Kreuzung lag vor ihm. Wieder fühlte sich nach links richtig an. Warum auch immer. Sein innerer Kompass war ein Fall für Ebay, mit dem Vermerk „Defekt, nur für Bastler“. Als er um die Ecke bog, dachte er gerade daran, er könnte im Wissen um seinen nutzlosen Orientierungssinn auch einfach nach rechts gehen, da sah er ihn und der Anblick pustete die Gedanken aus seinem Kopf wie ein Laubbläser die Blätter von der Straße.
Big Ben stakste über eine Kreuzung in zehn oder zwanzig Metern Entfernung. Marco presste die Lippen aufeinander, um nicht aufzuschreien. Da waren keine Stelzen, keine Tricks, kein doppelter Boden. Der Riese war ein Riese war ein Riese. Was jetzt, Jack?
Er schlich rückwärts wieder um die Ecke, und das letzte, was er sah, war der von wirren Haaren umhangene Kopf, der sich in seine Richtung drehte.
Aber das war nur Einbildung gewesen. Es musste so sein, denn es kamen keine Schritte näher. Big Ben war weitergegangen. Sonst würde er auch schon den Kopf über den Stauden sehen.
Es schien wirklich ein Bauer zu sein, ein Freund von Strebost. Marco hatte eine grüne Latzhose erkannt und Gummistiefel. Die Beine waren viel zu lang und die Arme gingen ihm bis zu den Knien. Die Hose hatte Hochwasser. Wen die Natur so gebaut hatte, der hatte keine Wahl. Tagsüber Landwirt, abends Erschrecker im Mais-Labyrinth.
Das reichte jetzt. Musste er sich denn wirklich von allem und jedem verarschen lassen? Nicht mehr.
Marco machte entschlossene Schritte wieder zurück zur Ecke. Wenn er dahinter den Riesen auf sich zukommen sah, sollte es so sein. Wahrscheinlich hatte der Depp sich albern geschminkt oder trug eine Maske. Ein kurzes Buh! und dann lachten sie zusammen und dann war dieser Mist vorbei.
Trotzdem hatte Marco eine Bassbox in der Brust und sein Mund war trocken wie beim Kiffen und er schrie, als er um die Ecke trat und jemand auf ihn zulief und dabei zurücksah und ihn deshalb umrannte.

Lisa schrie auch, als sie auf ihm lag. Schrie und schlug nach ihm und erwischte ihn im Gesicht mit dem Schuh, den sie umklammert hielt. Er bekam ihre Arme zu fassen.
„Lisa!“
Ihre Augen. Sie trug wenig Make-up und das bisschen war verschmiert. Sie hatte geweint.
„Ich bin's!“
Sie drehte sich um, in die Richtung, aus der sie gekommen war. Jetzt fiel Marco der Geruch auf, der ihr anhaftete. Auf ihrer Jeans prangte ein Fleck im Schritt.
Ihr Kopf fuhr wieder herum zu Marco. „Hast du ihn gesehen?“
Marco drückte sie sanft von sich, stand auf und half ihr hoch. „Den großen Typen?“
Jetzt erkannte er, was sie da fest umklammert hielt. Ein weißer Nike. Dreckig, aber neu.
„Wo ist Tim?“
Der Schuh in ihrer Hand zitterte. Sie sah ihn an und wieder zu Marco. „Er hat ihn in den Mais gezogen. Ich hab ihn an den Beinen gehalten, aber er war zu stark.“ Sie schluchzte. „Er hat so geschrien.“
Warum habe ich das nicht gehört?
„Hast du sein Gesicht gesehen? Von dem großen Typen?“
Sie nickte erst und schüttelte dann den Kopf. „Er guckt ganz freundlich, die ganze Zeit. Sogar, als Tims Arm geknackt hat.“
Schock. Es gab keinen Sinn, weiter zu fragen. „Lass uns raus und die Polizei rufen.“
Sein Handy lag im Handschuhfach. „Oder warte, du hast dein Telefon doch mit reingenommen!“
Lisa schüttelte den Kopf. „Es gibt hier keinen ...“
Sie zog es aus der Tasche und zeigte es ihm. „Es gibt Empfang, aber wenn ich Polizei wähle, sagt eine Frau, die Nummer gibt es nicht.“
Marco dachte, er hätte sich verlesen. Er machte die Augen auf und wieder zu. Wo Vodafone stehen sollte, stand Minokom.
Er wählte 110. Hörte, was Lisa gehört hatte. Er gab ihr das Telefon zurück. An dieser Stelle kamen sie nicht weiter. Minokom?
„Habt ihr mich nicht rufen hören?“
„Du klangst, als wären wir unter Wasser. Ich hab was im Mais gesehen und es Tim gesagt und er meinte nur Blödsinn und ist da hin. Er hat geschrien und ich war sauer, weil ich dachte, er verarscht mich und tut so, als würde er in den Mais gezogen. Aber er wurde wirklich reingezogen. Von diesem großen Kerl. Der hockte da, als würden wir verstecken spielen.“
Marco nahm ihre Hand. „Lass uns raus. Wir finden Tim. Und den Strebost draußen nehmen wir uns auch vor.“
„Du glaubst, er lebt noch?“, fragte sie. „Tim?“
Marco zog sie vorwärts, in irgendeine Richtung, Hauptsache weg. „Lass uns.“

Sie fanden Tim nicht. Marco verlor den Glauben daran auch sehr schnell. Er spürte Lisas Hand in seiner zittern und er roch ihre Angst. Sie hatte sich bepinkelt wie ein Kleinkind, als Big Ben Tim geholt hatte. Er wollte zurück auf die Straße und nie wieder im Leben Mais sehen. Er würde auch keinen mehr essen. Etwas von Tim musste jetzt in diesem Mais sein, aufgesogen vom Boden und von da in die Wurzeln. Die Frage war, ob die Körner nun nach Stadt- oder nach Dorfkind schmeckten.
„Scht“, machte Lisa, stoppte und hielt ihn fest.
Marco drehte sich um. Lisa sah nach oben, zu den Spitzen der Stauden.
„Ich höre ihn“, flüsterte sie.
„Es ist ein bisschen windig geworden“, sagte er. „Das raschelt. Das ist er nicht.“
Er fragte sich, wie lange sie schon durch dieses Feld liefen. Eine Stunde, zwei? „Hast du genug Akku? Wir brauchen gleich irgendwann die Taschenlampe in deinem Handy.“
Lisa schüttelte den Kopf. „Das sieht er doch.“
Marco atmete ungeduldig ein. „Ein bisschen haben wir ja noch, bis es ganz dunkel ist. Wir beeilen uns.“

Das bisschen, das sie hatten, war schnell aufgebraucht. Kurz vorher war Marco noch einmal gesprungen. Da war nur Mais gewesen, der ganze Planet bestand jetzt daraus. Dunkler Mais. Die Sonne war weg.
Lisa schluchzte wieder. In der Zeit vor diesem Feld hätte Marco alles gegeben, um so lange ihre Hand zu halten, wie er es heute Abend getan hatte. Jetzt brannte ihr gelber Gestank in seiner Nase. Wie sollte er sich so konzentrieren?
„Hör auf“, sagte er.
Sie schluchzte weiter.
„Bitte.“
Er ließ ihre Hand los. „Lisa, hör auf. Das hilft jetzt nicht. Außerdem hört er dich vielleicht.“
Sie schüttelte den Kopf. „Ist mir egal.“
Ein Feuer brannte Marcos Eingeweide hinauf bis in die Augen. „Ist dir egal? Und was ist mit mir?“
Sie machte einen Schritt zurück. „So habe ich das nicht gemeint.“
Er atmete jetzt durch den Mund, um sie nicht zu riechen. „Ich weiß“, sagte er. „Tut mir leid. Aber du wolltest unbedingt ...“
Der Rest des unfertigen Satz rauschte ihm über die Lippen wie ein ICE über die Gleise, wenn man im kleinen Bahnhof ihrer kleinen Stadt stand, wo ein ICE nicht hielt. Man konnte nur dastehen und zugucken. Rumms, und es war passiert. Lisas Kinnlade klappte nach unten, wie bei einer Schlange, die sich den Kiefer ausrenkt, um eine Maus zu fressen.
„Du ...“
„Warte“, sagte er. „Lisa. Ich-“
Ein Schrei. Es klang gar nicht so weit weg, aber es klang nicht menschlich. Jedenfalls in seinen Ohren.
„Das war Tim!“, sagte Lisa.
Marco schüttelte den Kopf. „Das war eine Krähe oder sowas.„
„Spinnst du?“Lisa schlug ihm gegen die Brust. „Das war Tim!“
„Lisa, Tim ...“
Tim was? Er wusste es nicht, fürchtete aber, dass es noch dem ersten Knack noch ein paar mehr gegeben hatte. Knick, knack.
Lisa sah ihn an, als säßen sie im Matheunterricht. Als wäre der Groschen gefallen.
„Du willst ihm nicht helfen“, flüsterte sie. „Darum sind wir hier. Du wusstest, dass das passiert.“
„Was?“ Marco legte seine Hand auf ihre Schulter. Sie zog zurück.
„Lisa, ich glaube, es ist das Feld. Du würdest das sonst nicht sagen. Ich denke auch die ganze Zeit Sachen ...“
Ein zweiter Schrei. Diesmal klang es nicht wie eine Krähe, nicht mal mit viel Fantasie. Es klang nach Stadtkind.
Lisa schrie Tims Namen und lief mitten ins Feld.
„Lisa!“ Marco umklammerte zwei Stauden wie ein Sträfling die Gitterstäbe seiner Zelle. „Komm zurück, bitte!“
Anstelle einer Antwort kamen weitere Schreie, diesmal von ihr. Marco wollte gerade loslaufen, auf die Schreie zu, da verstummten sie. Stattdessen kamen jetzt Schritte durch den Mais auf ihn zu. Schnelle, weite Schritte. Er musste nicht springen, um zu wissen, wer das war. Er drehte sich um und rannte auf der anderen Seite des Labyrinthweges in den Mais.

Mitten durch. Die Blätter der Maispflanzen peitschten sein Gesicht. Einmal schnitt er sich sogar. Hinter sich hörte er die Schritte. Der Kopf über dem Mais, der alles in seinem freundlichen Blick behielt. Hatte er Lisa wirklich zurückgelassen?
Hast du.
Er wollte schreien, lass mich in Ruhe, und er meinte Big Ben damit, aber auch sich selbst, die Stimme im Mais, die Stimme in seinem Kopf. Es spielte keine Rolle, er bekam die Luft zum Schreien ohnehin nicht zusammen. Big Ben war schnell. Marco hörte ihn jetzt atmen. Er spürte eine Hand in seinem Rücken. Trotz all der fehlenden Luft und der Schmerzen in der Brust schaffte er es jetzt. Er schrie.


Strebost kratze sich am Hinterkopf. „Alles in Ordnung?“
Marco drehte sich um. Er war ein paar Meter neben dem Eingang aus dem Feld gekommen.
„Bist du mitten durch gelaufen?“ Strebost schürzte die Lippen. „Das ist geschummelt.“
Marco ging rückwärts, behielt das Feld im Blick.
„Der Riesenkerl“, sagte er. „Meine Freunde sind noch drin.“
Strebost kniff die Augen zusammen. „Du hast da drin doch kein Hasch geraucht oder sowas?“
Zur Antwort sah Marco ihn nur an. Strebost zuckte die Schultern.
„Jedenfalls haben die anderen beiden fair gespielt. Die sind nicht mitten durch. Wenn ihr gewettet habt, hast du verloren.“
Er zeigte zum Auto. Dort standen sie. Lisa winkte Marco ran.
Er ging hin, ohne sich von Strebost zu verabschieden. Der Mais hatte ihn verarscht. Er sah jetzt aus wie der letzte Affe.
„Du hast ewig gebraucht“, sagte Tim. „Und beschissen hast du auch.“
„Können wir?“, meinte Lisa.
Marco sah zum Feld, zum Himmel, auf seine Schuhe. Er lachte.
„Alles okay?“, fragte Lisa.
„Kein Stück“, sagte er. „Aber ist egal.“
Er stieg ein, wartete auf die anderen beiden und startete den Wagen.

Sie fuhren eine Weile schweigend durch die junge Nacht. Marco bog ab auf die A2.
„Warum so still?“, fragte Lisa.
„Nichts.“ Im Rückspiegel traf sein Blick den von Tim. Er drehte den Spiegel so, dass das Augenpaar daraus verschwand.
„War doch supi.“ Lisa ließ die Hände auf die Schenkel klatschen. „Oh! Du blutest.“ Sie strich sich mit dem Finger über die Wange und knibbelte bei der Gelegenheit kurz an ihrem Muttermal.
„Nicht schlimm“, sagte Marco.
Er drückte das Gaspedal durch und zog von der Überholspur rüber, tunkte den Finger ins Blut an seiner Wange und betrachtete das Ergebnis. Nicht viel zu erkennen in der Dunkelheit.
Lisas Muttermal. Er wollte es noch ein Mal ansehen, zwang sich sich aber, es nicht zu tun.
Es war rechts über der Oberlippe.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
Beitritt
02.09.2015
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807
Hallo @Proof ,

ach, hmm, tja. Jetzt habe ich vor der Romanrunde noch schnell einen Proof-Text lesen wollen und ehrlich gesagt, habe ich ihn nur zu Ende gelesen, weil Horror bzw. Proof drüber stand und ich die ganze Zeit dachte, da passiert noch etwas Überraschendes. Aber irgendwie war das nicht der Fall. So richtig wollte sich bei mir die Spannung nicht auftun und ich weiß auch warum. Horror kommt aus der Situation, von Außen, aber Dein Text erschöpft sich größtenteils in einem inneren Monolog über das unglückliche Dreiecksverhältnis Deines Protas, dem fünften Rad am Wagen. Und dann läuft da noch ein menschenfressender Riese rum. Von dem bekomme ich aber kein Bild, außer, dass ihm die Haare im Gesicht hängen. Damit ist er ebenso Horrorgestalt wie ich nach dem Aufstehen.
Bis auf den Igel, passiert im Labyrinth eigentlich nichts, was Spannung aufbaut. Die Stelle dann, an der Lisa auftaucht, ist dann auch sehr verwirrend. So richtig bekomme ich da nicht die Rollen zugeordnet.

Noch ein paar Einzelheiten:

Gleich zu Beginn fällt mir auf, dass der Anfang sich etwas schwerfällig liest. Die Wortwiederholungen sollen Nachdruck verschaffen und doch fühle ich mich etwas verloren in der Szenerie, auch wegen des Perspektivwechsels auf Marco inmitten des Absatzes. Mein Vorschlag wäre das etwas zu straffen:

Misstrauisch musterte Strebost die drei Gestalten, die aus dem Auto stiegen. Zwei Jungen und ein Mädchen, zu alt und gleichzeitig zu jung für’s Maislabyrinth.
»Fünfzig Cent pro Nase.« Strebost hielt die Hand auf, schwielig von der Feldarbeit, als die Drei vor ihm standen. Keiner von ihnen hatte getrunken. Noch nicht.


Das mit dem Alkohol kommt dann später auch gar nicht mehr so richtig vor. Dabei hat das Potenzial. Realität oder Rausch?

Die Drei waren auf dem Weg nach Hannover gewesen …

oder um das »gewesen« zu vermeiden. Eigentlich wollten sie nach Hannover.

Im Folgenden vermengst Du auch die Vorvergangenheit mit der Vergangenheit, sodass ich darüber stolpere, z. B. »Tim hatte die Finger gerade wieder am Verschluss seiner Dose gehabt. »Was …« Marco drehte …

Warum nicht »Tim hatte die Finger gerade wieder am Verschluss der Dose.«? Vielleicht würdest Du Dich auch leichter tun, wenn Du die Strebost-Szene im Präsens und den Rest im Imperfekt schreiben würdest. Gerade im Horror kann das Präsens Tempo und Unmittelbarkeit reinbringen.

Strebost schüttelte den Kopf. „Das schaffen die Dorfkinder, die jedes Jahr ein paar Mal durchlaufen. Ihr kommt nicht mal von hier. Sehe ich an eurem Nummernschild.“ Er zeigte auf das Nummernschild. (Nur ein Vorschlag)

Pfiffig
passt nicht in die Situation. Wollte noch etwas kontern?

Er sinniert mir außerdem zu lange über das Hüpfen.

Ich würde beim erstem Mal "Maisstaude" schreiben. Staude kann auch etwas anderes sein.


Ich hoffe, Du kannst etwas mit meinem Genörgel anfangen. So ein Maislabyrinth hat Potenzial. Da kann viel passieren. Wildschweine mögen die Felder auch sehr gerne. Straffe vielleicht ein bisschen den Monolog und schaffe mehr äußere Reize. Dass das eine unglückliche Dreierbeziehung ist, merkt man ja schon recht am Anfang. Die vielen Hintergrundinfos vom vermeintlichen Kioskräuber, den Parties mit 15 etc., das brauche ich eigentlich alles nicht.

Bin gespannt, was die anderen so sagen.

Liebe Grüße
Mae
 
Mitglied
Beitritt
10.07.2020
Beiträge
124
Hi @Proof!

Uhh, ein Maislabyrinth, drei verlorene Teenies, ein Vogelscheuchen-artiger Riese - das macht Spaß, da blitzen ganz viele Inspirationen durch, von Children of the Corn und In the Tall Grass über Scary Stories to tell in the Dark und Roald Dahl bis zu Jeepers Creepers. Hab mir ein Dosenbier geschnappt und munter losgelesen. Drei Anmerkungen zur ersten Version:

1. Die drei Hauptfiguren und ihren Konflikt finde ich ziemlich gut. Sie sind dreidimensional. Dadurch verhinderst du, dass die Story zu einer Geisterbahnfahrt wird. Ich würde @Maedy zustimmen, dass sie vermutlich nicht ganz so viel Hintergrund brauchen, wie du ihnen gibst. Marcos "Emanzipation" von seiner Verknalltheit in Lisa und seine Obsession mit Lisa/Tim funktioniert vermutlich auch mit weniger Side-Stories. Eine ganz konkrete Idee: Dieser Stadtkinder-Dorfkinder-Kontrast. Ich sehe, ehrlich gesagt, nicht richtig, wie der auf die Story einzahlt (vielleicht übersehe ich auch etwas?); möglicherweise kann man darauf sogar verzichten.

2. Sprachlich ist der Text verdammt gut. Die einzigen Stolpersteine, aus meiner Sicht, sind die bisschen verspielten Bilder wie "Bassbox in der Brust", "der Igel stoppte, als hätte jemand die Pausetaste gedrückt" oder "sein Orientierungssinn war ein Fall für ebay" - die sind nämlich so gut, dass sie aus dem übrigen Textfluss deutlich herausstechen. Mich holt sowas aus der Erzählung raus.

3. Der Horror - ich finde, du schwankst zwischen einem naturalistischen Das-Ding-im-Maisfeld-Ansatz und einer eher surrealistischen, alptraumartigen Story (die z.B. durch die Gliederung des Textes und die Wendung am Ende verstärkt wird). Beides ist möglich, ich glaube, der Text könnte profitieren, wenn du dich für einen Sound entscheidest. Die Pointe finde ich übrigens richtig geil, ich hätte sie fast überlesen, aber, uaaargh!

Ich guck nochmal ein bisschen in den Text:

Strebost musterte die drei Gestalten, die aus dem Auto stiegen. Musterte sie misstrauisch. Atmete durch die Nase. Wahrscheinlich, dachte Marco, wollte er prüfen, ob sie eine Fahne hatten. Zwei Jungen und ein Mädchen, zu alt und gleichzeitig zu jung fürs Maislabyrinth. Keine Kinder mehr und noch keine eigenen Kinder. Lust auf Blödsinn nach ein paar Bier beim Erntefest, wie Jugendliche, die sich nachts angeschossen auf die Pferde und Feuerwehrwagen eines Karussells setzten.
„Fünfzig Cent pro Nase.“ Strebost hielt die Hand auf, schwielig von der Feldarbeit.
Sie hatten vor seinem prüfenden Auge bestanden. Zu Recht. Keiner von ihnen hatte getrunken. Noch nicht.

Beim ersten Lesen musste ich diesen Absatz zweimal durchgehen, weil mir nicht gleich klar war, dass du hier aus Marcos Perspektive erzählst. Dass die komplette Story mit "Strebost musterte ..." startet, verleitet zu der Annahme, dass hier aus Strebosts Sicht erzählt wird.

Lisa und Tim hatten einen Sechserträger Beck's Lemon und zwei Dosen Jim-Beam-Cola zum Vorglühen gekauft.
Sagt ihr da oben wirklich Sechsterträger?

„Du klangst, als wären wir unter Wasser. Erst habe ich mir nichts dabei gedacht. Vielleicht einfach einfach die Akustik im Feld. Manchmal ist das so. Dann habe ich andere Stimmen nach mir rufen hören. Ich glaube, eine davon war meine Mutter.“
Würde sie in diesem Zustand so erzählen?

Er atmete jetzt durch den Mund, um sie nicht zu riechen. „Ich weiß“, sagte er. „Tut mir leid. Aber du wolltest unbedingt ...“
Der Rest des unfertigen Satz rauschte ihm über die Lippen wie ein ICE über die Gleise, wenn man im kleinen Bahnhof ihrer kleinen Stadt stand, wo ein ICE nicht hielt. Man konnte nur dastehen und zugucken. Rumms, und es war passiert. Lisas Kinnlade klappte nach unten, wie bei einer Schlange, die sich den Kiefer ausrenkt, um eine Maus zu fressen.
Jetzt blamiere ich mich, aber: Wie lautet der Rest des unfertigen Satzes?

Nicht mal, als er Lisas Mutter in die Arme lief. Er schubste sie weg und lief und sie fragte, ob alles in Ordnung sei. Bei ihr war das nicht der Fall. Das rechte Hosenbein hatte sie hochgekrempelt, damit die Fahrradkette den Stoff nicht mit Öl verschmiert. Ihr Kopf sah aus, als hätte jemand versucht, ihn in eine zu kleine Kiste zu stopfen und es schließlich aufgegeben.
Waaaaa! Das habe ich beim ersten Lesen glatt verpasst. Geil!

Insgesamt: Eine beeindruckende Horrorstory, die dem Maisfeld-Setting über den sehr gut dargestellten Dreier-Konflikt eine neue Facette abgewinnt. Chapeau!

Christophe
 
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Moin,

@linktofink:

Ein Euro zehn?
Danke, John Nash. Ich wusste, dass das in die Hose geht.


@Maedy:

Dein Text erschöpft sich größtenteils in einem inneren Monolog über das unglückliche Dreiecksverhältnis Deines Protas,
Ich versuche mal, das ein bisschen auszugleichen und die Schere anzusetzen. Die Figuren haben mich schon interessiert, aber manchmal ignoriere ich, dass die Leute bestimmte Erwartungen haben, wenn ein Genre angegeben ist.

Von dem bekomme ich aber kein Bild, außer, dass ihm die Haare im Gesicht hängen.
Hatte mit einigen Missbildungen und Monstergesichtern experimentiert. Irgendwie kam ich auf weniger ist mehr. Hab die Suppe vielleicht zu arg verdünnt.

Bis auf den Igel, passiert im Labyrinth eigentlich nichts, was Spannung aufbaut.
Das ist ein bisschen unfair. Er verirrt sich da im Feld, läuft vor Big Ben weg, du hörst Tims Knochen knacken (wenn auch nicht onscreen, sozusagen). Missverhältnis innerer Monolog/Action ok, aber das finde ich drüber.

auch wegen des Perspektivwechsels auf Marco inmitten des Absatzes.
Den Gedanken hatte ich auch. Dachte, es wäre okay, weil der Wechsel gleich in den ersten Sätzen passiert. Naja, eigentlich habe ich mich selbst mit Gewalt davon überzeugt. Ich ändere es mal.

Dabei hat das Potenzial. Realität oder Rausch?
Aber nicht mit Alk. Das ist so ein Ding aus Filmen und Serien, dass Betrunkene quasi halluzinieren oder glauben, es zu tun. Genau wie Träume, die 1:1 die Realität wiedergeben. Träume sind Chaos. Und Bier und Schnaps reichen nicht für Hallus. Dass die Figuren auf dem Weg zu einer Feier sind und im Auto vorsaufen, ist für mich einfach nur Prolog, Grundsituation.

Im Folgenden vermengst Du auch die Vorvergangenheit mit der Vergangenheit,
Ein Satz PQP, um zu zeigen, wann wir sind, dann Prät, weil's schöner ist. Aber an der Stelle mit dem Finger an der Dose ist's wirklich überflüssig.

Er sinniert mir außerdem zu lange über das Hüpfen.
Auch das ging mir eine Weile im Kopf rum. Nicht nur, weil ich in Maisfeldern die Probe gemacht und dabei gedacht habe, man muss schon wirklich groß sein und echt einen Satz machen, um da was zu erkennen. Sondern auch, weil ich dachte: Das merkt man sich, aber merkt man es sich vielleicht, weil es einfach zu bescheuert ist? Kannst du dich an die Story mit dem Typen erinnern, der so unheimlich gut hüpfen kann? Grandiose Charakterisierung. Mir fällt gerade auf, es könnte auch am Wort liegen. Springen? Aber die Sache bleibt ja gleich. Ich glaube, ich habe eine Idee, aber das wird etwas aufwendiger zu ändern.

vermeintlichen Kioskräuber,
Ein Räuber bedroht dich und sagt "Hergeben!" Deshalb dachte ich erst, du verwechselst zwei Storys.


@Christophe:

Von den genannten hatte ich keine einzige bewusst im Kopf, allerdings habe ich Scary Stories tatsächlich gerade erst gelesen und gesehen. Kinder des Zorns, klar, wer ist into Horror und denkt bei Grusel aus'm Maisfeld nicht als erstes daran? Irgendwas mit Maislabyrinth wollte ich tatsächlich schon seit Jahren machen, hatte aber nichts Konkretes im Sinn und habe dann irgendwann beschlossen, einfach ein paar Leute loslaufen zu lassen und zu schauen, was passiert. Irgendwas passiert da bei mir immer. Also kein Konzept, und wie du gleich noch anmerkst, merkt man das wohl auch ein bisschen.

Dieser Stadtkinder-Dorfkinder-Kontrast. Ich sehe, ehrlich gesagt, nicht richtig, wie der auf die Story einzahlt
Lose und kurz hatte ich die Idee, dass die Dorfkinder Monster im Maisfeld sind. Es tut aber auch einen Teil zur Dreiecksbeziehung. Warum das Stadtkind, wir zwei sind uns doch viel näher? Vor allem aber müsste ich mir einen neuen Titel ausdenken, wenn ich's ganz rausnehme.

die sind nämlich so gut, dass sie aus dem übrigen Textfluss deutlich herausstechen. Mich holt sowas aus der Erzählung raus.
Ist das ein Diss von hinten durch die Brust ins Auge?

ich finde, du schwankst zwischen einem naturalistischen Das-Ding-im-Maisfeld-Ansatz und einer eher surrealistischen, alptraumartigen Story
Das meinte ich mit dieser gewissen Konzeptlosigkeit. Irgendwann kam mir beim Schreiben diese Pointe, der letzte Satz: Er hatte das Mädchen und den Jungen in seinem Auto noch nie gesehen. Das habe ich noch ein bisschen verpackt, aber die Grundidee ist geblieben. Irgendwie musste ich horrormäßig da hin kommen. Zuerst der Riese. Dann dieses Ist-halt-ne-andere-Dimension-da-geht-grundsätzlich-erstmal-alles-Ding, mit dem ich selbst nicht ganz glücklich bin. Speziell die Begegnung mit Lisas toter Mutter scheint mir sehr dran gepappt. Ach, ich muss da nochmal etwas großflächiger bei.

weil mir nicht gleich klar war, dass du hier aus Marcos Perspektive erzählst.
s. o.

Sagt ihr da oben wirklich Sechsterträger?
Da ist der Slang hier, ja.

Würde sie in diesem Zustand so erzählen?
Good point.

Jetzt blamiere ich mich, aber: Wie lautet der Rest des unfertigen Satzes?
Du wolltest unbedingt ins Maislabyrinth (ist also deine Schuld, das alles hier). Stimmt nicht ganz, fällt mir gerade auf.

Vielen Dank euch allen, auch für die Buchprüfung. Sorry, ich brauche immer etwas länger. Markiere euch, wenn die Änderungen drin sind.

Viele Grüße
JC
 
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Hi @Proof,

die sind nämlich so gut, dass sie aus dem übrigen Textfluss deutlich herausstechen. Mich holt sowas aus der Erzählung raus.
Ist das ein Diss von hinten durch die Brust ins Auge?

Argh, nein! Sorry, das habe ich nicht gut ausgedrückt. Für mein Empfinden (!) passen diese Bilder nicht zum übrigen Text, weil sie nicht zur Sprache des übrigen Textes passen. Du arbeitest mit einem personalen Erzähler und die Sprache des Textes - einfach, geradeaus, manchmal etwas umgangssprachlich („Frage nicht nach Sonnenschein“) passt sehr gut, finde ich. Bloß diese Bilder - die passen nicht so recht in die Sprache dieses Protagonisten. Aber das ist ein winziger Aspekt, vielleicht bin ich gerade über-penibel ...

Mais nur aus der Dose:

Christophe
 
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Hi Proof,

hier ein paar Anmerkungen.

Atmete durch die Nase.

Vielleicht meinst du eher "atmete geräuschvoll ein" oder so was?

Keine Kinder mehr und noch keine eigenen Kinder. ...

Ich nehme an, wir sind in Marcos Perspektive, aber ist das dann nicht etwas hochreflexiv?! Oder wechselst du zu Strebost?

Sie waren auf dem Weg nach Hannover gewesen.

Okay, eine Rückblende, muss vielleicht nicht hier schon sein (weil es die Handlung bremst), finde ich aber auch nicht verkehrt.

Marco fuhr und hatte gerade erst an der Tankstelle angehalten.

Ich war hier erst etwas verwirrt, weil ich dachte, dass Strebost eine Tankstelle führt.

„Sie wissen doch noch gar nicht, ob wir das schaffen.“

Mein Vorschlag: "Vielleicht schaffen wir es ja."

Scheißegal. Eigentlich hatte er sowieso keine Lust mehr.

Für mich könntest du etwas klarer machen, dass Marco zunächst nicht in den Mais geht, das war ein kurzer Stolperer

Strebost nickte in Richtung Mais. „Zwei Mann, eine Frau.“

Wofür ich den Text mag, sind diese netten kleinen Sprüche, die lockern das Ganze auf.

Er sprang höher als andere, hatte dieses Talent aber nie einem Ziel zuordnen können.

Das ist auch schön, wie du zeigst, dass Marco ein kleiner Loser ist, der aber auch seine Stärken hat.

Der Igel stoppte, als hätte jemand die Pause-Taste gedrückt.

Cool.

Der Kopf, der über den Stauden schwebte, war weit weg.

Die Kombination, die du in dieser Story wählst, ist Dreiecksbeziehung + Survival Horror mit einem Beast. Das halte ich für wahnsinnig anspruchsvoll und schwer umzusetzen, und ich bin auch nicht sicher, ob du die optimale "Lösung" wählst. Die Episode mit dem Beast ist spannend, spannender als viele Horrorgeschichten hier im Forum, doch leidet darunter wieder die Menage a trois, die etwas kurz kommt. Ich habe auf Anhieb keine Idee, wie man das "verbessern" könnte; eventuell wäre es sinnvoll, das Beast wegzulassen und den Horror aus Maisfeld + eskalierender Menage a trois entstehen zu lassen? Sorry, das sind sehr weitgehende Vorschläge, die mir als Leser eigentlich nicht zustehen, ich versuche nur darauf hinzuweisen, wo es haken könnte.

Nicht mal, als er Lisas Mutter in die Arme lief.

Ich nehme an, das ist eine weitere Steigerung im traumhaften Erleben, dennoch ziemlich verwirrend an dieser Stelle.

Hum, du hast dir wahnsinnig was vorgenommen und das Resultat ist auch absolut nicht schlecht, aber möglicherweise tust du dir einen Gefallen, wenn du etwas vereinfachst. Auch die Rückblenden könnten leicht gekürzt werden.

Ich hoffe, dir hilft das irgendwie ...

M.
 
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Aloha Proof,

über den Igel musste ich herzlich lachen, weil ich öfters, wenn es dunkel ist, auf dem Feld trainiere und mir so ein kleiner Racker auch schon einen kleinen Schock eingejagt hat. Ist verdammt unheimlich, wenn sich raschelnd im hohen Gras was auf dich zubewegt, du aber nicht nicht siehst was.
Auch die Beschreibung der Dreien von Marco hat mir ein breites Grinsen verpasst.
Bezüglich des Horrors haben jetzt schon einige etwas geschrieben und ich würde dem gerne noch hinzufügen, dass Marco mir persönlich ein bisschen zu viel denkt und zu wenig fühlt.
EDIT: Die Kritik geht vermutlich in die gleiche Richtung, wie die von @Maedy

Beispiel:
Er wusste sowieso nicht mehr, wo es lang ging. Nur die Richtung, aus der Big Ben kam, hatte er sich gemerkt. Der Mais dort hinten raschelte, ganz ohne Wind. Das Rascheln wurde lauter.
Marco lief in die entgegengesetzte Richtung. Ob tiefer in den Mais oder näher an den Parkplatz, war jetzt erst mal egal.

Hier merkt Marco, dass irgendetwas nicht stimmt, nicht so läuft, wie es laufen sollte. Da hat man meistens irgendeine Stressreaktion nach dem Prinzip fight or flight. Einige Sachen merkt man nicht, andere Sachen schon. Körpertemperatur steigt, Herzfrequenz geht schneller, möglicherweise schnellere Atmung, oder das flaue Gefühl im Magen.

In dem Moment, wo er vor dem Riesen wegrennt, bekommt man die Angst schon eher zu spüren, aber davor fehlt mir ein wenig der Aufbau.

Andere Kleinigkeit:
Er schubste sie weg und lief und sie fragte, ob alles in Ordnung sei. Bei ihr war das nicht der Fall.

Über diesen Satz bin ich ein wenig gestolpert. Er schubst sie und läuft? an ihr vorbei? einfach nur weiter? Und sie fragt ihn dann, ob alles in Ordnung sei? Aus dem Satz könnte man ruhig 2 machen. Laufen empfinde ich hier auch ein wenig schwach. Wenn ich laufe, dann jogge ich gemütlich.

Ich habe auf jeden Fall mit Marco mitgefiebert und muss @Cristophe zustimmen: Ich fand die Pointe auch recht gelungen.

LG Eldras
 
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@Christophe:

Bloß diese Bilder - die passen nicht so recht in die Sprache dieses Protagonisten.
Ach so. Das ist ein Punkt, kann ich nachvollziehen. Darum hat Foer das Kind in "Extrem laut ..." hyperschlau gemacht, damit er da nicht drauf zu achten brauch. Könnte ich mir jedenfalls vorstellen.


@Manlio:

Vielleicht meinst du eher "atmete geräuschvoll ein" oder so was?
Bei mir atmen oft Leute durch die Nase, ich meine so dieses ungeduldige Schnaufen.

Oder wechselst du zu Strebost?
Marco denkt, dass Strebost das denkt. Guck mal jetzt (ab 27.), ich steig jetzt bei der Perspektive gleich mit Marco ein.

Okay, eine Rückblende, muss vielleicht nicht hier schon sein (weil es die Handlung bremst), finde ich aber auch nicht verkehrt.
Ich könnte auch mit der Szene im Auto anfangen. Die Ankunft beim Feld kam mir so ... intuitiv.

Ich war hier erst etwas verwirrt, weil ich dachte, dass Strebost eine Tankstelle führt.
Ich mache noch einen kleinen Einschub.

Für mich könntest du etwas klarer machen, dass Marco zunächst nicht in den Mais geht,
Einschub-Time, Einschub-Time, 'cross USA, Einschub-Time, Einschub-Time - hey, hey, hey!

das Beast wegzulassen und den Horror aus Maisfeld + eskalierender Menage a trois entstehen zu lassen?
So wie Harpoon? Oder Zombiefilme, in denen es darum geht, wie Menschen sich gegenseitig das Leben schwer machen und die Zombies nur so den Rahmen stellen?

Ich nehme an, das ist eine weitere Steigerung im traumhaften Erleben, dennoch ziemlich verwirrend an dieser Stelle.
Ich hab das rausgenommen.


@Eldras:

weil ich öfters, wenn es dunkel ist, auf dem Feld trainiere
Was ... machst 'n du da?

Er schubst sie und läuft? an ihr vorbei?
Sie ruft ihm hinterher. Ist jetzt eh raus.


Vielen Dank euch allen! Ich werde morgen eine Version hochladen, die noch nicht alle Änderungen enthält, die mir vorschweben, aber zumindest schon mal ein bisschen gestrafft ist.
Schönes Wochenende!
 
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03.10.2020
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Hi Proof,

Habe mir deine Geschichte durchgelesen. Den Anfang fand ich noch recht interessant, deine Schreibe passt da auch recht gut. Als dann aber das Maisfeld erstmal erwähnt wurde, dachte ich nur noch: Achso, wieder so eine Geschichte mit 'nem Maisfeld. Jetzt gehen die da rein und irgendwas Unheimliches passiert. Entweder finden sie nicht mehr raus oder werden von irgendeinem irren Killer verfolgt.

Trotzdem habe ich weitergelesen, um zu sehen, ob Du auf die abgegriffene Prämisse vielleicht einen interessanten Twist als Antwort zu bieten hast. Dem war leider nicht wirklich so. Der Riese wirkte auf mich nicht bedrohlich, dafür waren die Ängste und Gedanken der Protagonisten viel zu wenig ausgearbeitet oder teilweise zu linkisch formuliert.

Die Dialoge zwischen den Charakteren funktionieren am Anfang noch einigermassen gut, sobald sie im Maisfeld sind und die Situation aus dem Ruder zu laufen droht, werden sie aber zunehmend schlechter. Es gelingt Dir meiner Meinung nach nicht allzu gut, realistische Dialoge zwischen deinen Protas aufzubauen. Sie reagieren oft sehr eindimensional und somit nicht wirklich wie Menschen.

Am meisten vermisst habe ich aber den Horror, den weder deine Charaktere zu fühlen scheinen und der auch sonst schlichtweg zu kurz kommt. Entweder schockst Du den Leser direkt mit einer hässlichen Beschreibung des Riesen und ballerst aus allen Kanonen, oder Du verheimlichst dem Leser den Grossteil und lässt ihn durch seine eigene Vorstellungskraft das Grauen spüren (wobei letzteres der elegantere Weg ist). Du hast hier einen Mittelweg gewählt, der zumindest für mich nicht funktioniert hat.

Was hier und weiter unten steht, ist natürlich alleine meine subjektive Wahrnehmung. Ich hoffe aber, dass etwas dabei sein könnte, was Dir weiterhilft. Meine Zitate sollen auch meine Aussagen von oben zusätzlich unterstreichen, damit Du besser nachvollziehen kannst, wieso ich so über deine Geschichte denke.

Ich lasse einfach mal los (dies wurde alles direkt während dem Erstlesen deiner Geschichte aufgeschrieben):

Keine Kinder mehr und noch keine eigenen Kinder.
Das holpert ein wenig und ich finde es ist unschön formuliert, da zweimal Kinder im selben (kurzen) Satz. Vorschlag: Keine Kinder mehr und noch keine Eltern. Ist jetzt auch nicht so das Wahre, aber vielleicht fällt Dir ja noch was besseres ein.

Sechserträger
Noch nie gehört, diesen Ausdruck. Sechserpack? Oder gar Sixpack?

Als ihre Finger an die Verschlüsse gingen und Marco gerade fragen wollte, ob die Dosen auch nicht geschüttelt waren, dass er nicht gleich alles auf den Sitzen hatte, zeigte Lisa aus dem Fenster und rief: „Alter, ein Maislabyrinth!“
Würde ich streichen. Überflüssige Information, die der Leser nicht braucht, um die Absicht hinter Marcos Frage zu verstehen. Ausserdem liest sich der Satz ohne diese Info flüssiger.

„Jippie!“ Sie wollte wohl wie ein Kind klingen, eine Parodie, aber Marco sah, dass sie sich wirklich freute.
Vorschlag: Sie wollte wohl ein Kind parodieren, aber Marco sah, dass sie sich wirklich freute. Liest sich meiner Meinung nach besser.

Seine Hände krallten sich in die Rückenlehnen der Vordersitze. „Ey, ich hab ganz neue Nikes, ich stapfe doch jetzt nicht über einen Acker.“
Wieso krallt er sich an den Vordersitz? Liest sich seltsam, da er nicht in Panik o.ä. ist und der Fahrer auch nicht wie ein Irrer zu rasen scheint.

Strebost zählte nach und wünschte ihnen mit abgelenkter Stimme viel Spaß.
Abgelenkte Stimme? Klingt wieder seltsam, das habe ich noch nie gehört.

Lisa packte Tim bei der Hand und zog ihn auf die Lücke im Mais zu, neben der noch ein Stück Karton mit der Aufschrift Eingang an einen Pfahl genagelt war, der im Boden steckte. Etwas weiter links kennzeichnete ein weiteres Schild eine weitere Lücke als „Ausgang“.
Konsequenterweise müsste Eingang hier auch in Anführungs- und Schlusszeichen stehen.

Tim winkte ab, ohne sich zu ihm umzudrehen. „Ist egal.“
Wieso sind ihm seine neuen Sneaker plötzlich einfach egal? Zumindest könnte er sich noch etwas vehementer gegen das Betreten des Maisfeldes wehren.

Er wurde in den Mais gezogen, in dem Lisa bereits verschwunden war.
Das liest sich beim ersten Mal komisch und ich stockte etwas im Text. Natürlich verstehe ich schon, das er von Lisa in das Feld gezogen wird, trotzdem fände ich eine andere Wortwahl besser. Villeicht einfach: Lisa zog ihn hinter sich her in den Mais hinein.

„Marco, komm!“, rief sie. Ihre Stimme klang so fern, dass Marco sich fragte, wie weit sie in ein oder zwei Sekunden gekommen war.
Mmmh, das geht besser. Vielleicht klingt ihre Stimme durch den Mais seltsam gedämpft oder so? Ausserdem: Zweimal kommen. Vorschlag: Ihre Stimme klang durch den Mais auf seltsame Weise gedämpft, als wäre sie schon Dutzende Meter weit in das Feld gelaufen.

Er sprang höher als andere, hatte dieses Talent aber nie einem Ziel zuordnen können.
Das passt wieder nicht ganz. Das Talent einem Ziel zuordnen? Vorschlag: Er sprang höher als andere, hatte dieses Talent aber nie richtig einsetzen / für was Anständiges gebrauchen können.

Gleich am Anfang hatte er es ein Mal ausprobiert. Er sah das Auto.
Das hat mich etwas rausgerissen. Wieso hat er es gleich am Anfang ausprobiert und macht es nicht einfach genau jetzt?

Es wäre kindisch gewesen, darauf hinzuweisen, noch dazu auf diese Art, es durch den Mais zu rufen.
Ein Stolperer. Vorschlag: Es wäre kindisch gewesen, ihr diese Feststellung durch den Mais nachzurufen.

Er hatte ihnen auch noch nie die Feier zu seinem vierzehnten Geburtstag vorgehalten, ohne die sie sich nicht kennengelernt hätten. Auch darüber dachte er machmal nach. Das zu sagen. Vor allem betrunken. Deshalb fuhr er lieber.
Verwirrend geschrieben. Den ersten Satz verstehe ich nicht bzw. weiss nicht, was Du damit aussagen willst. Und dann: Was zu sagen? Über was dachte er manchmal nach? Das Lisa nur wegen ihm Spass hat, sich also quasi über ihn lustig macht? Sorry, kapiere es nicht ganz. Greifst Du das später im Text nochmal auf? Ansonsten würde ich es hier ersatzlos streichen.

Nachtrag: Ah, jetzt verstehe ich es! Musste den Abschnitt aber zweimal lesen. Sie waren damals beide eingeladen, haben sich also dort kennengelernt und Marco regt sich darüber auf. Mmmh, bin wohl etwas schwer von Begriff ... Das er aber nur deshalb lieber fuhr, damit er nicht betrunken irgendeine Bemerkung diesbezüglich fallen liess, finde ich wieder etwas seltsam.

Auf dem Fahrrad verloren die schnell ihren Unterhaltungswert.
Was verlor auf dem Fahrrad den Untehaltungswert? Die Wirkung des THCs?

Dann dieses dämliche Gefühl: Habe ich das gerade gesagt oder nur gedacht?
So fühlte er sich jetzt. Als hätte er gekifft.
Ein Leser, der noch nie gekifft hat, kann seinen Gemütszustand hier nur schwer nachvollziehen. Finde ich ausbaufähig, diese Stelle.

Hatte er das gedacht oder hatte es jemand gesagt? In seinem Kopf? Im Mais?
Langsam scheint er verwirrt. Es funktioniert so auch einigermassen, mir ist es jedoch etwas zu platt, dieses In seinem Kopf? Im Mais?. Villeicht könntest Du ihn hier schon stärker die sich ankündende Kifferparanoia spüren lassen.

„Sieh zu, dass du weg bist, wenn die Mähdrescher kommen.“ Der Igel ließ sich kein zweites Mal beirren. „Aber musst du wissen.“
Wer sagt das, der Igel?

Nicht mal mehr ihre Stimmen konnte er hören.
Dafür aber jede Menge andere Stimmen, oder zumindest zwei: Die in seinem Kopf und die des Igels. ;-)

Langsam wurde es dunkel. Wie früh es jetzt wieder dunkel wurde.
Erster Satz streichen, Wiederholung.

Ganz zu schweigen von seinen Freunden? Wo waren die?
Braucht es nicht, der Leser weiss bereits, das er seine Freunde sucht. Würde ich streichen.

Was er jetzt wissen musste, war, wo es aus diesem scheiß Feld rausging.
Dieses ,war , finde ich schrecklich. Eleganter formulieren. Vielleicht reicht auch einfach: Er musste jetzt wissen, wo es aus diesem Scheissfeld rausging!

Big Ben und die Türme von irgendwelchen Banken.
Die Türme von Banken finde ich nicht so zutreffend. Wenn, dann: Big Ben und die turmhohen Gebäude von irgendwelchen Banken.

Marco sprang wieder, warf einen verwackelten Blick auf endlosen Mais. Das war diese Richtung. Er räusperte das Erschrecken weg. Lachte, obwohl nichts lustig war. Kalt war es gewesen im Nacken, kurz.
Was Du mit dem durchgestrichenen Satz sagen willst, verstehe ich während dem Lesen leider nicht recht. Deshalb würde ich ihn rausstreichen. Hier die sich anschleichende Angst greifbarer machen, z.B. so: Er räusperte das Erschrecken weg und lachte nervös (das nichts lustig ist, weiss der Leser). Eine kalte Hand strich vom Nacken seine Wirbelsäule entlang nach unten und liess ihn trotz der noch warmen Temperaturen frösteln. Irgendwie sowas, ist jetzt nicht sehr kreativ, das überlasse ich Dir ;-)

Somit war das Labyrinth eben besser, als er zunächst gedacht hatte.
Ach, mit dieser trockenen Erklärung gibt er sich einfach mal so schnell zufrieden? Hier wird meiner Meinung nach einiges an Potential verschwendet. Zumindest ein paar mehr Gedanken zu seiner momentanen Situation sollte er sich schon machen müssen.

Wer wusste, wie oft er hier drin schon die Richtung gewechselt hatte, ohne es zu merken? Er drehte sich um neunzig Grad und sprang.
Mais. Überall und endlos. Die Sonne würde gleich darin versinken.
Neunzig Grad und der nächste Sprung. Wieder nichts als ...
Der Kopf, der über den Stauden schwebte, war weit weg. Deshalb sprang Marco noch mal. Es konnte schließlich kein Kopf sein. Er wollte wissen, was es wirklich war. Was da ausgesehen hatte wie der Kopf eines Mannes mit langen Haaren, die ihm wild ins Gesicht hingen.
Aber beim nächsten Sprung war er war immer noch da. Er schwebte auch nicht, er steckte auf einem Körper, so groß, dass er ihn über die Stauden hinweghob. Was bedeutete, wenn Marco mit seinen knapp über zwei Metern springen musste ...
Der Kopf näherte sich. Auch deshalb hatte Marco ihn beim zweiten Sprung ein bisschen besser erkannt. Ein Mann bewegte sich auf ihn zu. Ein fast drei Meter großer Mann kam auf ihn zu.
Big Ben, schoss es Marco durch den Kopf.
Ein Riese wie im Märchen. Jack und seine Kletterpartie die Bohnenranke hinauf hatten ihn als Kind Wochen an Schlaf gekostet. Fee! Fie! Foe! Fum!
Ich rieche Menschenfleisch!
Er wusste sowieso nicht mehr, wo es lang ging. Nur die Richtung, aus der Big Ben kam, hatte er sich gemerkt. Der Mais dort hinten raschelte, ganz ohne Wind. Das Rascheln wurde lauter.
Marco lief in die entgegengesetzte Richtung. Ob tiefer in den Mais oder näher an den Parkplatz, war jetzt erst mal egal.
Macht sich Marco nicht fast in die Hose? Seine Angst ist für mich als Leser weit entfernt, ich spüre sein Entsetzen nicht, vor allem, als er diesen Riesenmann entdeckt. Da muss mehr kommen, damit es mich mitreissen kann. Sonst denke ich wie Marco hier: Kein Plan, einfach mal loslaufen, egal. Die fett markierte Wiederholung soll wohl diese Angst beim Leser schüren, das ist aber ein zu einfaches Mittel. Jo, ist halt ein Riesenkerl, aber was soll's? ;-) Mich als eingefleischten Horrorfan lässt Du hier im Regen stehen. Dann noch: Wort streichen, zweimal war.

Nein, er musste stoppen, weil seine Lungen sich anfühlten, als atmete er Zitronensäure.
Säure ist was Flüssiges, oder? Wie kann man das einatmen, habe ich mich gefragt. Vorschlag: In seinen Lungen fühlte er ein Stechen, als wären sie mit Nägeln gefüllt.

Er hatte Big Ben abgehängt. Den Riesen aus dem Labyrinth.
Streichen. Der Leser weiss längst, wer hier mit Big Ben gemeint ist.

Wahrscheinlich war es ein Freund von Strebost auf Stelzen. Eine kleine Dreingabe für ein bisschen mehr Nervenkitzel.
Er hat sich nicht bewegt, als wäre er auf Stelzen.
Marco ging ein Stück.
Der schräggestellte Satz ist ein Gedanke Marcos. Musst Du nicht machen, aber ich hebe das jeweils gerne hervor, indem ich Gedanken der Charaktere mit Schrägstellen vom Rest des Textes abhebe und es so dem Leser "einfacher mache".

Sein innerer Kompass war ein Fall für Ebay, mit dem Vermerk „Defekt, nur für Bastler“.
Hey, das gefällt mir sehr gut!

Big Ben stakste über eine Kreuzung in zehn oder zwanzig Metern Entfernung. Marco presste die Lippen aufeinander, um nicht aufzuschreien. Da waren keine Stelzen, keine Tricks, kein doppelter Boden. Der Riese war ein Riese war ein Riese. Was jetzt, Jack?
Er schlich rückwärts wieder um die Ecke, und das letzte, was er sah, war der von wirren Haaren umhangene Kopf, der sich in seine Richtung drehte.
Aber das war nur Einbildung gewesen. Es musste so sein, denn es kamen keine Schritte näher. Big Ben war weitergegangen. Sonst würde er auch schon den Kopf über den Stauden sehen.
Es schien wirklich ein Bauer zu sein, ein Freund von Strebost. Marco hatte eine grüne Latzhose erkannt und Gummistiefel. Die Beine waren viel zu lang und die Arme gingen ihm bis zu den Knien. Die Hose hatte Hochwasser. Wen die Natur so gebaut hatte, der hatte keine Wahl. Tagsüber Landwirt, abends Erschrecker im Mais-Labyrinth.
Die Begegnung mit Big Ben ist mir zu harmlos. Marco fasst danach ja auch wieder neuen Mut, aber hier hätte ich doch ein gewisses Grauen erwartet und vor allem eine intensivere Beschreibung des Riesen. Nun sieht ihn Marco ja aus der Nähe. Was für Merkmale hat sein Gesicht? Stechende Augen, Narben, schiefe Nase? Gib mir irgendwas, damit Big Ben für mich als Leser gefährlicher/erschreckender erscheint.

Trotzdem hatte Marco eine Bassbox in der Brust und sein Mund war trocken wie beim Kiffen und er schrie, als er um die Ecke trat und jemand auf ihn zulief und dabei zurücksah und ihn deshalb umrannte.
Hoppla, jetzt geht's aber rund! Fünfmal und in einem Satz! Krass. Ich weiss, Du willst hier das Tempo erhöhen. Geht aber zum Beispiel auch mit ganz kurzen Sätzen. Das Konstrukt hier holpert mir zu stark und es passiert viel zu viel in einem einzigen Satz.

Lisa schrie auch, als sie auf ihm lag. Schrie und Sie schlug nach ihm und erwischte ihn im Gesicht mit dem Schuh, den sie umklammert hielt.
Mir fällt auf, dass Du gerne Worte oder Satzteile wiederholst, um ihnen Ausdruck zu verleihen. Das kann man als Stilmittel gebrauchen, wenn es zu oft angewendet wird, nutzt es sich allerdings schnell ab. Deshalb habe ich oben als Vorschlag was gestrichen. Ausserdem liest sich der zweite Satz deutlich besser, wenn Du ihn etwas umstellst, etwa so: Sie hielt einen Schuh umklammert und schlug ihm damit ins Gesicht.

„Den großen Typen?“
Marco hat wirklich keine Angst vor dem Riesen ;-) Schon allein wenn er diesen Teil hier flüstern würde, gibt das doch dem Leser schon eine ganz andere Stimmung mit.

„Er hat ihn in den Mais gezogen. Ich hab ihn an den Beinen gehalten, aber er war zu stark.“ Sie schluchzte. „Er hat so geschrien.“
Sorry, hier musste ich lachen. Vor allem bei: Er hat so geschrien. Schreibst Du nicht viel Horror? Das hier ist blutigstes Anfängerniveau, bitte sei mir nicht böse. Wie hat er denn geschrien? Lass das Grauen in ihren Worten mitschwingen, welches sie gefühlt haben muss.

Schock.
Wieder: Hier beschreibst Du das Gefühl mit nur einem einzigen Wort. Das lässt mich als Leser einfach kalt.

Sie zog es aus der Tasche und zeigte es ihm. „Es gibt Empfang, aber wenn ich Polizei wähle, sagt eine Frau, die Nummer gibt es nicht.“
Okay, das könnte unheimlich sein, ist es aber nicht. Lass Lisa kurz erzählen, wie sie panisch versucht hat die Polizei anzurufen und nur eine völlig gefühlskalte Stimme ans Telefon rangegangen ist, die ihr erklärt hat, unter dieser Nummer gäbe es keinen Anschluss. Verstehst Du, worauf ich hinauswill? Oder spätestens hier müsste mehr kommen, damit ich als Leser der Szene nicht einfach ohne Regung beiwohne:
Er wählte 110. Hörte, was Lisa gehört hatte. Er gab ihr das Telefon zurück.

„Du glaubst, er lebt noch?„, frage sie. „Tim?“
Die falschen Schlusszeichen nach der Frage. Bei fragte gehört ein t hin.

Sie fanden Tim nicht. Marco verlor den Glauben daran auch sehr schnell.
Nee, ist klar. Wieso erklärst Du das dem Leser, der soll es doch selber merken. Ist spannender.

Er spürte Lisas Hand in seiner zittern und er roch ihre Angst. Sie hatte sich bepinkelt wie ein Kleinkind, als Big Ben Tim geholt hatte. Er wollte zurück auf die Straße und nie wieder im Leben Mais sehen. Er würde auch keinen mehr essen. Etwas von Tim musste jetzt in diesem Mais sein, aufgesogen vom Boden und von da in die Wurzeln. Die Frage war, ob die Körner nun nach Stadt- oder nach Dorfkind schmeckten.
Das ist eher amüsant, als es das Grauen schürt. Was hast Du hier beabsichtigt? Das sie sich bepinkelt hat, hast Du zuvor bereits geschrieben, ist wieder eine Wiederholung ...

„Ein bisschen haben wir ja noch, bis es ganz dunkel ist. Wir beeilen uns.“
Beeilen wir uns. Das andere klingt komisch.

Jetzt brannte ihr gelber Gestank in seiner Nase. Wie sollte er sich so konzentrieren?
Auch das hat mich eher belustigt, als etwas anderes in mir ausgelöst. Ich weiss natürlich, was Du mit gelbem Gestank meinst, aber irgendwie finde ich es nicht ganz passend. Vielleicht: Jetzt brannte der Gestank ihrer durchnässten Hose in seiner Nase.

Ein Feuer brannte Marcos Eingeweide hinauf bis in die Augen.
Wieder eine reichlich seltsame Formulierung. Wieso bis in die Augen? Weint er gleich los?

Er atmete jetzt durch den Mund, um sie nicht zu riechen.
Jetzt übertreibst Du es aber etwas. Riecht das wirklich dermassen streng? Immerhin befinden sie sich draussen und nicht in einem geschlossenen Raum, da gibt es noch andere Gerüche. Ausser sein Kopf ist nur wenige Zentimeter von ihrem Schritt entfernt ... ;-)

Der Rest des unfertigen Satz rauschte ihm über die Lippen wie ein ICE über die Gleise, wenn man im kleinen Bahnhof ihrer kleinen Stadt stand, wo ein ICE nicht hielt.
Das holpert wahnsinnig. Ich würde den Rest des Satzes einfach streichen, ist unwichtig. Ein Fehler: Der Rest des unfertigen Satzes rauschte ... Ausserdem finde ich die Formulierung wieder nicht ganz korrekt, der Rest des unfertigen Satzes bekommt man als Leser gar nicht mit, gerade weil eben der Satz unvollständig ist. Oder wie darf ich das verstehen?

Lisas Kinnlade klappte nach unten, wie bei einer Schlange, die sich den Kiefer ausrenkt, um eine Maus zu fressen.
Sehr bildhaft, wirkt aber überzogen. An anderer Stelle wäre das sicher ein treffliches Bild.

„Warte„, sagte er. „Lisa. Ich-“
Schlusszeichen falsch nach Warte.

Ein Schrei. Es klang gar nicht so weit weg, aber es klang nicht menschlich. Jedenfalls in seinen Ohren.
Wiedermal so eine Stelle, wo ich Dir ans Herz legen möchte: Wie klang denn der Schrei? Unmenschlich kann alles mögliche klingen ... auch ein miauendes Kätzchen ;-) Genau bei solchen Stellen musst Du das Grauen verdichten.

„Lisa, Tim ...„
Schlusszeichen beachten.

„Du willst ihm nicht helfen“, flüsterte sie. „Darum sind wir hier. Du wusstest, dass das passiert.“
Zu platt, die Unterstellung kommt viel zu schnell und aus dem Nichts. Steigere ihr Misstrauen stetig, aber lasse es nicht einfach so plötzlich ausbrechen.

Es klang nach Stadtkind.
Schreien denn Stadtkinder anders als Dorfkinder? Einfach Es klang eindeutig nach Tim hätte hier gereicht.

Anstelle einer Antwort kamen weitere Schreie, diesmal von ihr. Marco wollte gerade auf sie zulaufen loslaufen, auf die Schreie zu, da verstummten sie.
Zweimal Schreie. Oben ein einfacher Vorschlag, wie das verhindert werden könnte.

Der Kopf über dem Mais, der alles in seinem freundlichen Blick behielt.
Der freundliche Blick passt so gar nicht in die Szene.

Strebost kratze sich am Hinterkopf. „Alles in Ordnung?“
Marco drehte sich um. Er war ein paar Meter neben dem Eingang aus dem Feld gekommen.
Abrupter Szenenwechsel. Wieso ist er jetzt plötzlich draussen? Bin erstmal verwirrt. Und wieso dreht er sich um? Steht Strebost nicht vor ihm? Ist er also schon an ihm vorbeigelaufen?

Der Mais hatte ihn verarscht. Er sah jetzt aus wie der letzte Affe.
Ist das seine Reaktion auf das Erlebte? Ist er nicht völlig durcheinander, aufgewühlt, erschrocken, vielleicht wütend?

„Kein Stück“, sagte er. „Aber ist egal.“
Das unterstreicht meine Anmerkung oben nochmal. All diese Angst, diese Panik und dann ist es ihm von einer auf die andere Minute einfach gleichgültig? Das kaufe ich Dir nicht ab.

Es war rechts über der Oberlippe.
Okay, es ist nicht mehr dieselbe Lisa. Das Feld hat sie offenbar ausgetauscht. Offenes Ende, das finde ich gut.

Ich glaube, ich habe alles gesagt, was ich loswerden wollte. Sei mir bitte nicht böse, das ich deine Geschichte "zerpflückt" habe. Ich habe sie gerne gelesen und mir deshalb auch die Mühe gemacht, eine längere Antwort darauf zu schreiben. Hoffentlich hilft's Dir was und sonst nehme ich es für mich einfach als Fingerübung mit :-)

Over and out,
DM
 
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Hallo @DissoziativesMedium,

Jetzt gehen die da rein und irgendwas Unheimliches passiert.
Das stimmt. Das stimmt aber halt auch fast immer. Die Geschichte ist mit Horror etikettiert, da gehen Leute in ein Maisfeld und dann passiert da drin was Horrormäßiges. Miss Marple kommt in dieses Landhaus und da sitzen im Wohnzimmer sieben Leute beim Fünf-Uhr-Tee und ich kann dir jetzt schon sagen, in drei Seiten ist einer davon tot und dann ist die Frage, wer von den sechs anderen es war. Es könnte auch mal was mit Außerirdischen passieren, um dieses Schema zu durchbrechen, oder die trinken da wirklich nur Tee und es geht um die Härten im Teegeschäft und wie es Familien belastet.

Entweder schockst Du den Leser direkt mit einer hässlichen Beschreibung des Riesen und ballerst aus allen Kanonen, oder Du verheimlichst dem Leser den Grossteil und lässt ihn durch seine eigene Vorstellungskraft das Grauen spüren (wobei letzteres der elegantere Weg ist). Du hast hier einen Mittelweg gewählt, der zumindest für mich nicht funktioniert hat.
Wie schon erwähnt krankt die Geschichte auch für mich rückblickend an etwas beliebig ins Feld geworfenen Horrorelementen, mit denen ich den Raum zwischen Grundidee (Maislabyrinth) und Pointe ("Er hatte den Jungen und das Mädchen in seinem Auto noch nie gesehen") gefüllt habe.

Noch nie gehört, diesen Ausdruck.
Lokalkolorit.

Wieso krallt er sich an den Vordersitz?
Ist vielleicht ein bisschen dicke.

Wieso sind ihm seine neuen Sneaker plötzlich einfach egal?
Ich wollte so darauf hinaus, dass der Willen, Lisa eine Freude zu machen, dann doch gewonnen hat. Könnte ich erklären, könnte dann aber auch übererklärend wirken.

Das er aber nur deshalb lieber fuhr, damit er nicht betrunken irgendeine Bemerkung diesbezüglich fallen liess, finde ich wieder etwas seltsam.
Sorry, wenn ich nicht auf jede einzelne Anmerkung reagiere, einiges ähnelt sich ja inhaltlich. Das hier mal exemplarisch: Besoffen sagt man manchmal Sachen, die man im Kopf hat, die aber unter Umständen das Miteinander belasten können. Alk löst die Zunge, die kann dann außer Kontrolle geraten. Darum bleibt er lieber nüchtern. Ich finde das ziemlich nachvollziehbar. Wenn jemand anders sagt, er findet das seltsam, ohne konkret zu werden, kann ich halt nur sagen: Ich nicht.

Was verlor auf dem Fahrrad den Untehaltungswert?
Die weichen Beine. Die (weichen Beine) stehen aber auch wirklich genau im Satz davor, insofern sehe ich da jetzt keine Schwierigkeiten, den Artikel zuzuordnen.

Ein Leser, der noch nie gekifft hat, kann seinen Gemütszustand hier nur schwer nachvollziehen.
Schwierig. Das erklären? Und wenn dann der Prot nach einer Flasche Tequila kotzt und der Leser hat noch nie was getrunken? Auch erklären?

Villeicht könntest Du ihn hier schon stärker die sich ankündende Kifferparanoia spüren lassen.
Er ist nicht bekifft.

Wer sagt das, der Igel?
Good one. Tatsächlich kann man das so lesen. Ich hätte jetzt gedacht, das ist klar, dass wir so weit noch nicht sind, dass die Igel sprechen.

Eine kalte Hand strich vom Nacken seine Wirbelsäule entlang nach unten
... wie die Pranke eines Predators mit Durchblutungsstörung. Vielleicht liegt es daran, dass ich viel Horror, aber eben auch viel anderes lese. Ich schreib dann lieber: Ihm war kalt. Diese Gemütszustandsbeschreibungen, die im Horror immer wieder kommen, die kalten Hände, der kalte Regen, Pott Kaffee unter der Haut, Zement im Blut ... mich haut das immer raus, weil ich denke, oh hier, da hat er lange überlegt, wie er das so formulieren kann, dass er nicht einfach schreiben muss: Ihm war kalt.

Ach, mit dieser trockenen Erklärung gibt er sich einfach mal so schnell zufrieden?
Hier ist ja noch nichts passiert, außer dass er nicht da ist, wo er sich wähnte. Aber du hast ja einige solcher Punkte und grundsätzlich stimmt das schon, die Angst zieht nicht langsam herauf, es geht an, aus, an, aus, so richtig nachvollziehbar ist das nicht.

Kein Plan, einfach mal loslaufen, egal.
Er läuft ja schon vor dem Riesen weg. Das ist jetzt erstmal Priorität eins. Bis hierher wollte er sich vielleicht nicht im Mais verlaufen, das ist plötzlich zweitrangig.

als wären sie mit Nägeln gefüllt.
Eher Nadeln. Ich habe lange überlegt, wie ich das so formulieren kann, dass ich nicht einfach schreiben muss: Er war außer Atem.

indem ich Gedanken der Charaktere mit Schrägstellen vom Rest wdes Textes abhebe
Eigentlich mache ich das auch, es sei denn, es ist ein ... indirekter Gedanke. Ich glaube, hier ist ein Stück Formatierung nicht mitgekommen. Schreibe in Textkraft, kopiere in ein Open-Office-Writer-Dokument für den Endschliff und dann hier rüber, da kommt Kursivschrift nicht mit. Ist übrigens auch der Grund für die falschen Anführungszeichen. In TK sind sie voreingestellt englisch, also am Anfang und Ende oben. Das ändere ich teils mit Suchen/Ersetzen, teils von Hand. Ist natürlich ein sehr fehleranfälliges System.

Was für Merkmale hat sein Gesicht? Stechende Augen, Narben, schiefe Nase?
Was sind stechende Augen? Gibst du's bei Google ein, bekommst du nur medizinischen Kram. Eigentlich war ich bewusst diffus geblieben. Auch, weil er ihn nicht aus der Nähe sieht. Also, nah genug, um Klamotten zu erkennen, ist ja das eine, aber Gesichtszüge? Kann aber sein, dass ich zumindest unterbewusst auch einfach faul war.

Geht aber zum Beispiel auch mit ganz kurzen Sätzen.
Und mit und!

wenn es zu oft angewendet wird, nutzt es sich allerdings schnell ab.
Irgendwie hat sich das so zu einer Marotte entwickelt, ja. Ich achte mal in Zukunft drauf, es nicht zu übertreiben.

Marco hat wirklich keine Angst vor dem Riesen
Ich verstehe zwar, was du meinst, aber wie sollte er das hier sonst formulieren? Er ist ja kein Horrorautor. Das mit dem Flüstern könnte allerdings eine Idee sein.

Schreibst Du nicht viel Horror?
Gelegentlich schon.

Wie hat er denn geschrien? Lass das Grauen in ihren Worten mitschwingen, welches sie gefühlt haben muss.
Da macht sie sich in diesem Moment Gedanken drüber, wie sie das so packen kann, dass das Grauen in ihren Worten mitschwingt?

Lass Lisa kurz erzählen, wie sie panisch versucht hat die Polizei anzurufen und nur eine völlig
s. o.

Beeilen wir uns. Das andere klingt komisch.
Ich find's ehrlich gesagt genau umgekehrt, weil "Beeilen wir uns" sehr korrekt klingt, wie aus einer Geschichte. Ich würde sagen: Komm, wir beeilen uns.

Wieso bis in die Augen? Weint er gleich los?
Wuttränen gibt's tatsächlich, auch wenn ich hier nicht daran gedacht habe.

Jetzt übertreibst Du es aber etwas. Riecht das wirklich dermassen streng?
Ungefähr zur selben Zeit habe ich eine King-Novelle gelesen, da kackt sich ein Mädchen ein und dann wird da immer wieder drauf zurückgegriffen, aber das ist natürlich eine andere Hausnummer. Vielleicht hat das da mit reingespielt. Ich wollte so auf diese Abscheu raus, wenn du mal jemanden geliebt hast und dann am Ende einen Rappel bei dem Geräusch bekommst, wenn er oder sie sich an der Wange kratzt. Diese Entwicklung, vom Bösen im Feld quasi auf Zeitraffer gestellt.

Wie klang denn der Schrei? Unmenschlich kann alles mögliche klingen ... auch ein miauendes Kätzchen ;-)
Hier könnte ich das Argument gelten lassen, wobei glaube ich niemand bei "Schrei" an miauende Katzen denkt. An fickende Katzen vielleicht, und das klingt schon ziemlich unangenehm.

die Unterstellung kommt viel zu schnell und aus dem Nichts.
Oder es ist das Feld.

Schreien denn Stadtkinder anders als Dorfkinder?
Offenkundig. Das ist schon ein bisschen sprachliche Spielerei, aber vielleicht ja, könnte man sich die hier schenken.

Der freundliche Blick passt so gar nicht in die Szene.
Diese Diskrepanz, dass er dir mit freundlichem Blick die Knochen bricht, sollte etwas Unwirkliches haben, das man sich merkt.

Ist das seine Reaktion auf das Erlebte? Ist er nicht völlig durcheinander, aufgewühlt, erschrocken, vielleicht wütend?
Das geht tatsächlich wohl zu schnell.

ist es ihm von einer auf die andere Minute einfach gleichgültig?
Die Figuren sagen schon auffällig oft "Ist egal", wenn es eigentlich das Gegenteil ist. Vielleicht legst du es zu wörtlich aus.

Offenes Ende, das finde ich gut.
Ist es ja nicht. Wenn er immer weiter durchs Feld läuft, in der Hoffnung, da vorne, hinter dieser Ecke, muss der verdammte Ausgang sein, das wäre offen.

Ich habe sie gerne gelesen und mir deshalb auch die Mühe gemacht, eine längere Antwort darauf zu schreiben.
Vielen Dank!

Aller Anfang ist blutig:
Proof
 
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Moin @Proof

Danke, dass Du dir die Zeit genommen hast, eine so ausführliche Antwort auf meine Rückmeldung zu verfassen. Ich habe während dem Lesen deiner Antwort ein paar Dinge lernen können, die mich als Kritiker weiterbringen.

Lokalkolorit.
Okay! :)

Wieso sind ihm seine neuen Sneaker plötzlich einfach egal?
Ich wollte so darauf hinaus, dass der Willen, Lisa eine Freude zu machen, dann doch gewonnen hat. Könnte ich erklären, könnte dann aber auch übererklärend wirken.
Ja, da bin ich bei Dir. Zu viel erklären ist auch nicht gut. Mich hat es an dieser Stelle etwas irritiert, dass er so schnell nachgibt und nicht zumindest noch etwas Theater macht. Wenn er einfach sagt: "Ok, egal." kommt das für mich halt so rüber, als wäre es ihm wirklich egal. Vielleicht schätze ich aber auch die Persönlichkeit von Tim falsch ein.

Sorry, wenn ich nicht auf jede einzelne Anmerkung reagiere, einiges ähnelt sich ja inhaltlich. Das hier mal exemplarisch: Besoffen sagt man manchmal Sachen, die man im Kopf hat, die aber unter Umständen das Miteinander belasten können. Alk löst die Zunge, die kann dann außer Kontrolle geraten. Darum bleibt er lieber nüchtern. Ich finde das ziemlich nachvollziehbar. Wenn jemand anders sagt, er findet das seltsam, ohne konkret zu werden, kann ich halt nur sagen: Ich nicht.
Dies ist eine Stelle, wo ich im Nachhinein und nach zwei-, dreimaligem Lesen finde: Du hast recht. Ich finde es jetzt auch nicht mehr so abwegig, dass er sich so verhält. Ich fand es erst übertrieben, dass er sich dermaßen einschränkt, nur um nichts Falsches rauszulassen. Denn auch in betrunkenem Zustand kann man wohl soweit seine Zunge hüten, dass man nicht einfach wild drauflos plappert ... Die Hemmschwelle, es trotzdem zu sagen, sinkt aber natürlich.
Notiz für mich selbst: Kritik schreiben, einen Tag lang liegen lassen, nochmal durchlesen/anpassen und erst danach veröffentlichen.

Was verlor auf dem Fahrrad den Unterhaltungswert?
Die weichen Beine. Die (weichen Beine) stehen aber auch wirklich genau im Satz davor, insofern sehe ich da jetzt keine Schwierigkeiten, den Artikel zuzuordnen.
Ja, habe ich soeben gesehen. Meine Mühe kommt vor allem daher, dass ich selbst 15 Jahre lang gekifft habe und nie weiche Beine bekommen habe. Haben weiche Beine denn einen Unterhaltungswert? Ist das lustig oder so? Ich konnte es irgendwie nicht zuordnen und war verwirrt, deshalb habe ich an der Stelle was angemerkt, war aber wohl zu wenig deutlich, was ich genau damit meine.

Ein Leser, der noch nie gekifft hat, kann seinen Gemütszustand hier nur schwer nachvollziehen.
Schwierig. Das erklären? Und wenn dann der Prot nach einer Flasche Tequila kotzt und der Leser hat noch nie was getrunken? Auch erklären?
Wie Du später schreibst, ist er ja nicht bekifft. Deshalb meinte ich hier vielmehr, dass Du vielleicht nicht direkt von "bekifft" schreibst, sondern das Gefühl umschreibst.

Villeicht könntest Du ihn hier schon stärker die sich ankündende Kifferparanoia spüren lassen.
Er ist nicht bekifft.
Genau, soviel habe ich schon verstanden, also das er nicht bekifft ist. Ich hätte mir hier lediglich gewünscht, dass er leicht panisch wird oder etwas paranoid. Oder ihn vielleicht einfach ein ungutes Gefühl beschleicht oder so.

Wer sagt das, der Igel?
Good one. Tatsächlich kann man das so lesen. Ich hätte jetzt gedacht, das ist klar, dass wir so weit noch nicht sind, dass die Igel sprechen.
Mmmh, wenn man die Stelle schnell liest, klingt es so, als würde der Igel sprechen ... Bin aber wahrscheinlich nur ich. Ausserdem: Ich hätte es gar nicht schlecht gefunden, wenn der Igel zu ihm spricht. ;)

Diese Gemütszustandsbeschreibungen, die im Horror immer wieder kommen, die kalten Hände, der kalte Regen, Pott Kaffee unter der Haut, Zement im Blut ... mich haut das immer raus, weil ich denke, oh hier, da hat er lange überlegt, wie er das so formulieren kann, dass er nicht einfach schreiben muss: Ihm war kalt.
Da stimme ich Dir ebenfalls zu. Ich lese auch viel Horror und da gibt es natürlich Wiederholungen. Vielleicht war auch mein Beispiel nicht gerade das Beste ... mit ein wenig Kreativität kann man da aber schon weniger ausgelutschte Formulierungen bringen. Da ich Dir aber keineswegs etwas vorkauen möchte, belasse ich es einfach bei dieser Aussage.

Was für Merkmale hat sein Gesicht? Stechende Augen, Narben, schiefe Nase?
Was sind stechende Augen? Gibst du's bei Google ein, bekommst du nur medizinischen Kram. Eigentlich war ich bewusst diffus geblieben. Auch, weil er ihn nicht aus der Nähe sieht. Also, nah genug, um Klamotten zu erkennen, ist ja das eine, aber Gesichtszüge? Kann aber sein, dass ich zumindest unterbewusst auch einfach faul war.
Das mit den Gesichtszügen war nur ein Beispiel. Ich würde allgemein mehr auf das Äußere eingehen, damit er furchteinflössender erscheint. Oder etwas an seinem Verhalten ändern, so dass er bedrohlicher wirkt. In deiner Geschichte läuft er seinen Opfern ja nur hinterher, das ist wieder etwas klischeemässig. Der Killer geht ganz gemütlich, hat alle Zeit der Welt und trotzdem kann ihm niemand entkommen.

Geht aber zum Beispiel auch mit ganz kurzen Sätzen.
Und mit und!
:dozey:

Marco hat wirklich keine Angst vor dem Riesen
Ich verstehe zwar, was du meinst, aber wie sollte er das hier sonst formulieren? Er ist ja kein Horrorautor. Das mit dem Flüstern könnte allerdings eine Idee sein.
Ich finde, er muss kein Horrorautor sein, um dies eindringlicher zu beschreiben. Vielleicht schießt ein panischer Gedanke durch seinen Kopf? Vielleicht fängt er an, wie Espenlaub zu zittern? Vielleicht bekommt er weiche Knie? Vielleicht strauchelt er, als er wieder losrennt? Vielleicht, vielleicht ... Es sind die kleinen Dinge - die feinen Details - welche die Angst spürbarer machen, finde ich.

Wie hat er denn geschrien? Lass das Grauen in ihren Worten mitschwingen, welches sie gefühlt haben muss.
Da macht sie sich in diesem Moment Gedanken drüber, wie sie das so packen kann, dass das Grauen in ihren Worten mitschwingt?
Nein, ich denke auch nicht, dass sie dafür Zeit hat ;) Nur als kleines Beispiel: "Er ... er hat geschrien wie am Spieß, als der Riese ihm das Rückgrat brach ...", stammelte sie, während die Tränen Linien auf ihre dreckigen Wangen zeichneten. "Es knackte wie trockenes Holz. Ich werde dieses Bild nie mehr aus meinem Kopf kriegen!" Sowas könnte sie doch sagen, ohne sich groß Gedanken zu machen, weil es einfach aus ihr herausbricht und der Leser denkt sich, Ui! Hässlich. Horrormässig :baddevil:Das aber nur als ganz hastig hingekritzeltes Beispiel, Du kannst das sicher viel besser.

Lass Lisa kurz erzählen, wie sie panisch versucht hat die Polizei anzurufen und nur eine völlig
s. o.
Ich finde, Du darfst bzw. Lisa darf auch hier durchaus ausführlicher schildern, was passiert ist. Soviel Zeit muss sein, ansonsten kannst Du es meiner Meinung nach gleich weglassen, weil es dem Leser sonst nichts mitgibt.

Beeilen wir uns. Das andere klingt komisch.
Ich find's ehrlich gesagt genau umgekehrt, weil "Beeilen wir uns" sehr korrekt klingt, wie aus einer Geschichte. Ich würde sagen: Komm, wir beeilen uns.
Richtig, wenn das Komm vornedran gestanden hätte, wäre ich auch nicht drauf eingegangen.

Wie klang denn der Schrei? Unmenschlich kann alles mögliche klingen ... auch ein miauendes Kätzchen ;-)
Hier könnte ich das Argument gelten lassen, wobei glaube ich niemand bei "Schrei" an miauende Katzen denkt. An fickende Katzen vielleicht, und das klingt schon ziemlich unangenehm.
:lol: Ok, das mit dem Kätzchen war definitiv zu übertrieben.

Es wurde von anderen Usern angemerkt, dass meine Kritik zu deiner Geschichte sehr herablassend formuliert ist. Ich hoffe, Du empfindest das nicht als ganz so schlimm, ansonsten tut es mir Leid. Ich werde in Zukunft meine Kritiken "gezügelter" formulieren. Ein weiterer Punkt, den ich für mich hier draus ziehen kann.

Hoffentlich nicht allzu besserwisserische Grüsse,
DM
 
Senior
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01.09.2005
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@DissoziativesMedium

Haben weiche Beine denn einen Unterhaltungswert? Ist das lustig oder so?
Für mich war Kiffen gefühlsmäßig immer relativ nah an Rotwein, diese Schwere, Müdigkeit, Faulheit, darum hab ich's auch nie gern unter Leuten gemacht oder wenn ich danach nicht auf dem Sofa sitzen bleiben konnte. Ist vllt ein bisschen schwierig, weil viele die Wirkung unterschiedlich beschreiben.

wenn man die Stelle schnell liest, klingt es so, als würde der Igel sprechen
Ist auch so. Handwerklich ist das falsch da.

Ich hätte es gar nicht schlecht gefunden, wenn der Igel zu ihm spricht
Wär mir zu bizarr. Hab gerade eine tolle Geschichte mit einer sprechenden Ratte gelesen. Also, alles an der Geschichte war toll, nur die Ratte nicht, die hat's mir echt ins Lächerliche gezogen.

Er ... er hat geschrien wie am Spieß, als der Riese ihm das Rückgrat brach
Da geht's schon los. Kein Deutsch-Muttersprachler benutzt in der gesprochenen Sprache das Präteritum, das klingt doch total künstlich. Schock verwirrt, da sagen Leute auch wirre Sachen.

Grüße
JC
 

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