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Drei Tage

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26.06.2015
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Drei Tage

Drei Tage danach.
Marie öffnete den obersten Knopf ihrer verschwitzten Bluse und lehnte sich im Bürostuhl zurück. Dann füllte sie zum dritten Mal das Glas zwei Finger breit mit Single Malt und kippte sich die bernsteinfarbene Flüssigkeit hinunter, ohne das Gesicht zu verziehen. Ihre Armbanduhr zeigte Viertel vor zwei Uhr nachts. Marie konnte kaum noch atmen, die stickige Luft in ihrem kleinen Büro verursachte ihr Kopfschmerzen. Sie riss das Fenster auf und setzte sich auf das Fensterbrett. In der linken Hand hielt sie eine Akte, die vom ständigen Durchblättern zerknittert war, mit der rechten zündete sie sich eine Marlboro Light an und blies den Rauch in die Dunkelheit.
„Irgendwo da draussen versteckst du dich“, murmelte sie, während gleichzeitig ein Schwall Rauch aus ihrem Mund strömte. „Wir werden dich finden! Und dann kriege ich dich dran, darauf kannst du Gift nehmen!“
Seit drei Tagen hatte Marie kein Auge mehr zugetan. Als sie das Vibrieren ihres Diensthandys hörte, liess sie sich vom Fensterbrett gleiten, die Kippe zwischen den Zähnen.
„Verdammt, wo ist denn jetzt dieses Scheissteil“, zischte Marie vor sich hin, tastete im Chaos von Papieren und Büchern nach ihrem Telefon, bis sie es schliesslich unter einem leeren Pizzakarton fand.
Marko leuchtete auf dem Display auf, daneben ein Herz. Sie drückte ihn weg. Kaum aus der Hand gelegt, klingelte das Handy erneut. Diesmal war es der Chefermittler der Polizei. Nervös nahm sie den Anruf entgegen.


Drei Tage zuvor.
„Staatsanwaltschaft“, sagte Marie knapp, bevor man das Absperrband zur Seite schob und sie in das Wohnzimmer eintreten konnte. Eine Person lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Teppich, eine zweite befand sich in sitzender Position auf dem dunkelgrünen Sofa, den Kopf unnatürlich nach hinten geknickt. Bevor Marie regelmässig an Tatorte ausrücken musste, war ihr nicht bewusst gewesen, dass Blut stank. Ja, in der ganzen Wohnung stank es nach Blut und Tod und Verzweiflung. Sie kniete sich neben die Leiche auf dem Teppich, in deren Hinterkopf gut sichtbar ein Einschussloch prangte. Es war eine junge Frau in ihrem Alter, vielleicht Mitte Dreissig. Der Typ auf dem Sofa war etwas älter und trug einen teuren Anzug von Baldessarini. Wäre sein weisses Hemd nicht blutdurchtränkt gewesen, hätte man glauben können, dass er nach einer durchzechten Nacht eingeschlafen sei.
Marie hielt sich den linken Arm vor Mund und Nase, damit der Geruch ihren Verstand nicht vernebelte. Die Spurensicherung war bereits bei der Arbeit. Es gab keine durchwühlten Schränke und keine Unordnung, was einen Raubmord unwahrscheinlich erscheinen liess. Alles sah nach einem Verbrechen aus Leidenschaft aus. Kurz notierte sich Marie einige Details, besprach sich mit dem Chefermittler der Polizei. Sie wusste, was ein Doppelmord bedeutete – schlaflose Nächte, ein pausenlos klingelndes Diensthandy und kein Privatleben, bis der Täter gefasst war.
Als Marie endlich ins Freie trat und die Nachtluft einatmete, standen bereits ein Dutzend Journalisten mit Kameras vor dem Gebäude, bereit, die Sensationsgier der Leute zu stillen und die Zeitung des nächsten Tages mit Neuigkeiten zu füllen. Sie drängte sich an ihnen vorbei und flüchtete um die Ecke in eine Seitenstrasse, wo ihr schwarzer Audi stand. Mit einem Bein auf dem Fahrersitz kniend, suchte sie im Handschuhfach nach ihrer zerknautschten Packung Marlboro Light, steckte sich eine Kippe in den Mund. Für einen Moment lehnte sie sich gegen die Motorhaube und lauschte dem beruhigenden Knistern, wenn die Zigarette aufglomm.


Drei Tage danach.
„Treffer!“
Nachdem Marie die Worte des Chefermittlers hörte, nahm sie nichts mehr wahr, griff nur noch instinktiv nach ihrem Blazer, der über der Stuhllehne hing, und stürmte aus dem Büro. Als sie den langen Flur zum Verhörraum entlangschritt, umgab sie die gewohnte grosse Leere, die sie immer spürte, kurz bevor sie einen Beschuldigten vernehmen musste. Es war keine Nervosität, sondern vielmehr absolute Fokussierung auf ihre Arbeit, die sie liebte. Kurz liess sie ihre Hand auf der kalten Metallklinke ruhen, bevor sie eintrat. Das war ihr Ritual. Drei Mal einatmen, drei Mal ausatmen. Eintreten. Erst als sie sich gegenüber der von Polizisten bewachten Person an den Tisch setzte, blickte sie ihr zum ersten Mal in die Augen – und erschrak.
Damit hatte sie nicht gerechnet.


Drei Tage zuvor.
Nach dem letzten Zug von ihrer Zigarette schnippte Marie die Kippe weg und stieg in ihren Audi, um nach Hause zu Marko zu fahren. In der Küche brannte Licht, obwohl es schon ziemlich spät war. Sie warf ihren Autoschlüssel auf den Küchentisch. Dann sah sie ihren Ehemann.
„Marko“, sagte sie. Das war alles.
„Verdammt, Marie, was machst du denn schon hier!“ Marko sprang vom Sofa auf, und mit ihm die höchstens fünfundzwanzigjährige Nachbarstochter.
Marie wartete auf die berühmten Worte, aber den Beteiligten war klar, dass hier alles genau so war, wie es aussah. Sie starrte die beiden an und schwieg.
Das war ein verdammter Tatort, und sie war einmal mehr mittendrin.


Drei Tage danach.
Vor ihr sass eine Frau in Handschellen.
Konzentrier dich, verdammt. Marie spürte ein Rinnsal aus Schweiss über ihren unteren Rücken perlen, während sie durch die Papiere blätterte, die auf dem Tisch im Verhörzimmer bereitlagen, um ihr die nötigen Informationen zu liefern.
„Rahel Tannenberg, Sie werden verdächtigt, am 21. Juli 2017 in die Wohnung ihrer Nachbarin eingebrochen und diese sowie ihren Ehemann mit mehreren Schüssen getötet zu haben. Was sagen Sie dazu?“ Marie war ungewohnt unsicher, und das machte ihr Angst.
Die Beschuldigte legte die Hände auf den Tisch, ohne den Blick von Marie abzuwenden.
„Ja“, sagte sie nur. „Ja, das habe ich, und dieser Mistkerl hat es verdient!“
Marie schwitzte, in diesem Raum schien es unerträglich heiss. „Schildern Sie, was an jenem Abend passierte“, forderte sie bestimmt, aber sie spürte, dass ihre Stimme zitterte.
„Er betrog mich mit dieser Schlampe von nebenan, ich habe ihm immer wieder verziehen, doch es hörte nicht auf, es hörte nie auf! Die ganzen Lügen machten mich krank. Er hat mein Leben zerstört, mein Vertrauen, einfach alles!“
„Ich verstehe“, erwidert Marie. Jetzt sollte sie die Beschuldigte am Reden halten, ihr jegliche Details entlocken, um einen klaren Fall für eine klare Anklage zu bekommen. Aber es ging nicht. Da war plötzlich dieses Verständnis für die Frau, die ihr in Handschellen gegenübersass.
Marie stand auf.
„Einen Moment bitte“, sagte sie und verliess den Raum. Draussen lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die kühle Backsteinwand. Die Bluse klebte an ihrem Körper. Mit zittrigen Fingern kramte sie ihr Smartphone hervor und wählte Markos Nummer.
„Verschwinde aus meinem Haus, Marko, verschwinde aus meinem Leben! Ich will nichts mehr von dir und deinem Kram sehen, wenn ich nach Hause komme!“
Ohne eine Antwort abzuwarten, legte sie auf.


Drei Tage zuvor.
„Ich liebe dich, Marie“, flehte Marko sie an. „Das war der grösste Fehler meines Lebens, das schwöre ich dir!“
Sie erwiderte nichts, stand nur da. Das war eine dieser Situationen, deren Ausgang hätte klar sein müssen, die sich aber in Wirklichkeit ganz anders abspielten. Sie warf ihn nicht raus. Sie brauchte ihn, auch wenn das bedeutete, dass sie es nicht mehr ertragen würde, sich selbst im Spiegel zu betrachten.
„Ich hasse dich“, sagte sie leise, und es stimmte. „Ich hasse dich!“
Mit der flachen Hand schlug Marie gegen Markos Brust, schreiend und weinend, bis sie in seinen Armen zusammenbrach.
Marko hielt sie fest. „Verzeih mir“, flüsterte er, und es war keine Bitte. Es war ein Befehl.


Drei Tage danach.
Das Verhör dauerte drei Stunden. Als Marie endlich zu Hause ankam und den Schlüssel in das Schloss ihrer Haustüre steckte, fühlte sie sich befreit. Im Innern war es dunkel und still. Erleichtert ging sie in die Küche, um sich kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. Mit den Unterarmen auf den Chromstahl gestützt stand sie am Spülbecken und liess den Kopf sinken. Plötzlich hörte sie leise Schritte.
„Marko, nein!“, schrie sie, aber da drückte er ihr bereits mit beiden Händen die Kehle zu und stiess sie gegen die Wand, die sie bei ihrem Einzug gemeinsam eierschalenfarben gestrichen hatten.
„Du wirst mich nicht verlassen!“ Seine Stimme klang fremd. Er drückte noch fester zu, um sie dann fallen zu lassen. Marie sank röchelnd neben seinen Füssen zu Boden und schluchzte.

 

Hallo

Nur ganz kurz und, weil es ja zur Geschichte gehört, nicht ganz OT:

Bitte keine Markennamen verwenden.

Warum? Ich finde Markennamen eine elegante Möglichkeit, Zeit und Ort des Geschehens, oder auch Herkunft und soziale Schicht von Figuren zu bestimmen. Es macht einen grossen Unterschied, ob eine Figur Marlboro oder Parisienne raucht. Was spricht dagegen?
Ich hab ein wenig recherchiert und eine Abhandlung zum Thema gefunden, wo der Verfasser in einem Text von Kracht Jever durch Flaschenbier usw. ersetzt hat. Klingt furchtbar. (Was der Verfasser auch zeigen wollte.)

Lieber Gruss
Peeperkorn

 

Hey ThomasQu

Erstmal vielen Dank, dass du einen Kommentar dagelassen hast!

dass sich die Staatsanwaltschaft in Mordermittlungen einmischt und Verdächtige verhört, ist mir in Deutschland nicht bekannt, aber du kommst ja aus Zürich, in der Schweiz könnte es natürlich anders sein.

In der Schweiz ist das völlig normal, dass Verdächtige von der Staatsanwaltschaft befragt werden, es ist sogar notwendig - kann mir nicht vorstellen, dass die Staatsanwaltschaft in Deutschland keine Einvernahmen mit Verdächtigen durchführt?

Bitte keine Markennamen verwenden.

Falls Markennamen hier tatsächlich verpönt sind, so tut es mir leid, das wusste ich nicht.

Das Dilemma beginnt für mich, als die Staatsanwältin die Mordverdächtige sieht und erschrickt. Damit baust du Spannung auf und zwei Absätze später ist das nur eine belanglose, fremde Person. Die Spannung verpufft.

Wahrscheinlich klingt das jetzt wie eine Ausrede, aber es war nicht meine Intention, Spannung aufzubauen. Die Staatsanwältin erschrickt deshalb, weil sie, nachdem sie diesen Tatort gesehen hat, damit rechnete, es mit einem Mann zu tun zu haben. Als sie diese Frau sieht, wird ihr bewusst, dass genau sie selbst diese Frau sein könnte. Wenn ich das jetzt aber so erklären muss, ist mir klar, dass die Geschichte bzw. meine Erzählweise nicht funktioniert.

Auch der Schluss, in dem die Staatsanwältin selber umgebracht wird, ist nicht sonderlich packend. Es wirkt auf mich, als wäre das dein Notausgang gewesen, um aus der Handlung wieder herauszukommen.

Sie wird nicht umgebracht - oder hast du schonmal eine schluchzende Leiche gesehen?;) Es sollte somit kein Notausgang sein, sondern eher ein offenes Ende. Dass du es so empfunden hast, tut mir leid.

Ich danke dir für deine Anmerkungen, ich werde wohl nochmals über die Bücher gehen müssen:)

Liebe Grüsse
nevermind

 

Hallo nevermind,

mir hat der Aufbau deiner Geschichte an sich gut gefallen.

An einigen Stellen hättest du die innere Gefühlswelt von Marie vielleicht etwas ausführlicher schildern können. Gerade in der Situation, als sie ihren Lebensgefährten mit der Nachbarin erwischt.

Nach dem letzten Zug von ihrer Zigarette schnippte Marie die Kippe weg und stieg in ihren Audi

Du hattest bereits vorher erwähnt, dass Marie einen schwarzen Audi fährt. Hier reicht es aus meiner Sicht, den Markennamen wegzulassen, da es sonst eher aufdringlich wirkt.
Generell habe ich überhaupt nichts dagegen, dass du Markennamen verwendest, im Gegenteil. Zu wissen, welches Automodell sie fährt und welche Zigaretten sie raucht, kann viel über Marie aussagen.
Es einmal zu erwähnen genügt, damit der Leser sich durch diese Informationen ein Bild von der Figur macht. (Zumindest in solch kurzen Texten)

Das Dilemma beginnt für mich, als die Staatsanwältin die Mordverdächtige sieht und erschrickt. Damit baust du Spannung auf und zwei Absätze später ist das nur eine belanglose, fremde Person. Die Spannung verpufft.

Da stimme ich ThomasQu zu.

Vielleicht überlegst du dir ja noch einmal, wie man die beiden Zeitebenen mit zusätzlichen Storyelementen weiter verweben kann, um mehr Spannung zu erzeugen. Denn in dieser Erzählstruktur liegt einiges an Potential.

Lieber Gruß,

Dave

 

Lieber Dave A

An einigen Stellen hättest du die innere Gefühlswelt von Marie vielleicht etwas ausführlicher schildern können. Gerade in der Situation, als sie ihren Lebensgefährten mit der Nachbarin erwischt.

Da gebe ich dir Recht. Irgendwie wollte ich die Wechsel zwischen "Drei Tage zuvor/danach" immer kürzer halten, je näher die Story dem Ende kommt. Aber das funktioniert wohl nicht, weil sie allgemein kurz ist ...

Nach dem letzten Zug von ihrer Zigarette schnippte Marie die Kippe weg und stieg in ihren Audi
Du hattest bereits vorher erwähnt, dass Marie einen schwarzen Audi fährt. Hier reicht es aus meiner Sicht, den Markennamen wegzulassen, da es sonst eher aufdringlich wirkt.

Stimmt, werde ich ändern.

Vielleicht überlegst du dir ja noch einmal, wie man die beiden Zeitebenen mit zusätzlichen Storyelementen weiter verweben kann, um mehr Spannung zu erzeugen. Denn in dieser Erzählstruktur liegt einiges an Potential.

Das werde ich auf jeden Fall tun! Ich werde versuchen, die Story noch auszubauen. Ich stimme dir zu, die Spannung ist tatsächlich verschenkt. Die Verknüpfung sah ich darin, dass Marie einerseits eine starke Position innehat (Staatsanwältin), dass sie andererseits aber verletzlich ist, und dass sich diese beiden Positionen so lange annähern, bis sie selbst sich in der Opferrolle befindet. Vielleicht muss ich aber wirklich noch mehr Storyelemente einbauen, damit das funktioniert.

Vielen Dank für deine konstruktive Kritik, Dave!

Liebe Grüsse
nevermind

 

Hallo Nevermind,

ich sollte schonmal vorab erwähnen, dass das mein erster Kommentar ist. Sieh es mir nach, wenn das mit dem Zitat nicht so ganz hinhaut.

Auch ich finde das da eine schöne Idee in deinem Text steckt. Der Wechsel zwischen den Zeitangaben weckt von Anfang an eine gewisse Spannung, allerdings lässt du da einiges an Potenzial liegen, da einige Stellen auf mich nicht zu 100% authentisch wirken.

Zum Beispiel:

Er betrog mich mit dieser Schlampe von nebenan, ich habe ihm immer wieder verziehen, doch es hörte nicht auf, es hörte nie auf! Die ganzen Lügen machten mich krank. Er hat mein Leben zerstört, mein Vertrauen, einfach alles!“

Das wirkt auf mich etwas zu selbstgerecht und mutig. Wäre es nicht passender, wenn sie eingeschüchtert und nicht ganz so ausfallend reagieren würde? Zumal aus dem Text nicht hervorgeht, dass sie Erfahrung mit Verhören oder ähnlichem hat.
Das würde vielleicht auch das Einfühlen deiner Anwältin leichter machen und der Szene Tiefe geben.
Dazu kommt, dass du mehr auf die Gefühle der Protagonistin eingehen könntest, aber das nur am Rande, wurde ja auch schon genannt.

Was mir allerdings gut gefällt, ist die düstere Atmosphäre. Die Nacht, der ständige Schweiß, Zigaretten (wenn auch klischeebeladen) passen gut zu dieser sehr dunklen Geschichte.

Hoffentlich konnte ich helfen.

Liebe Grüße
Karjala

 

Hallo nevermind,

mir hat deine Geschichte gefallen, ich habe sie gerne gelesen und stimme in den meisten Punkten mit den Vorkommentatoren überein.

Eine Sache, die mich stört, sind die Zeitangaben der beiden Zeitstränge.

Drei Tage danach.
Drei Tage zuvor.

Anfangs dachte ich, es gibt einen Tag 0 an dem etwas entscheidendes passiert, z.B. der Mord. Dieser findet allerdings „drei Tage zuvor“ statt.
Für mich liegen zwischen den beiden Überschriften 6 Tage. Man erfährt aber aus dem Text, dass es nur drei sind.

Seit drei Tagen hatte Marie kein Auge mehr zugetan.

Für mich würde es mehr Sinn machen die Überschriften so zu nennen:

Heute.
Drei Tage zuvor.

Dann könnte man bei „Heute“ auch in der Gegenwart schreiben.

Aber vielleicht stört das ja auch nur mich. ;)

Viele Grüße,
Nichtgeburtstagskind

 

Hallo nevermind!

Ja, drei Tage davor und drei Tage danach macht nach Adam Riese sechs Tage.

Noch ein Punkt, über den ich gestolpert bin:

„Er betrog mich mit dieser Schlampe von nebenan"
=> Aber da steht doch, dass die beiden Nachbarn verheiratet waren: "in die Wohnung ihrer Nachbarin eingebrochen und diese sowie ihren Ehemann"
=> Nicht nur das Anrede-Sie, auch das -Ihren muss groß geschrieben werden.

"Ich werde versuchen, die Story noch auszubauen."
=> Ja, das solltest du tun. Besonders um die Marie solltest du dich bemühen (Charakter, Innenleben ...) Sie ist deine Hauptperson, sie hat den Konflikt, aber sie kommt zu kurz. Rahel und ihre Tat sind ja nur ein Vehikel, um Maries Konflikt zu befördern. Das nimmt im Verhältnis zu viel Platz ein.

Grüße,
Chris

 

Hey Karjala

Ich danke dir für deinen Kommentar. Das mit dem verschenkten Potential ist natürlich bitter, aber ich gebe dir bzw. euch absolut Recht. Ich bin gerade die dabei, die Story nochmals komplett zu überarbeiten.

Das wirkt auf mich etwas zu selbstgerecht und mutig. Wäre es nicht passender, wenn sie eingeschüchtert und nicht ganz so ausfallend reagieren würde? Zumal aus dem Text nicht hervorgeht, dass sie Erfahrung mit Verhören oder ähnlichem hat.
Das würde vielleicht auch das Einfühlen deiner Anwältin leichter machen und der Szene Tiefe geben.
Dazu kommt, dass du mehr auf die Gefühle der Protagonistin eingehen könntest, aber das nur am Rande, wurde ja auch schon genannt.

Dass ich noch mehr auf die Gefühle von Marie eingehen sollte, stimmt. Was die Verhörsituation betrifft, so habe ich mittlerweile, nachdem ich selbst bei einigen Verhören dabei war, feststellen müssen, dass diese Selbstgerechtigkeit tatsächlich nicht selten vorkommt. Wahrscheinlich ist es auch eine Art Abwehrreaktion, wenn man in einer Verhörsituation quasi an den Pranger gestellt wird.

Danke dir!

Liebe Grüsse
nevermind

Hey Nichtgeburtstagskind

ine Sache, die mich stört, sind die Zeitangaben der beiden Zeitstränge.

Drei Tage danach.
Drei Tage zuvor.


Das stimmt absolut. Werde diesen Input von dir gerne aufnehmen.

Aber vielleicht stört das ja auch nur mich.

Nein - jetzt stört es mich auch:lol:

Danke für deine Hilfe und liebe Grüsse
nevermind

Hey Chris Stone

„Er betrog mich mit dieser Schlampe von nebenan"
=> Aber da steht doch, dass die beiden Nachbarn verheiratet waren: "in die Wohnung ihrer Nachbarin eingebrochen und diese sowie ihren Ehemann"
=> Nicht nur das Anrede-Sie, auch das -Ihren muss groß geschrieben werden.

Richtig, entschuldige bitte, es handelt sich hier um einen Tippfehler. Die Regel der Höflichkeitsform ist mir selbstverständlich bekannt.

a, das solltest du tun. Besonders um die Marie solltest du dich bemühen (Charakter, Innenleben ...) Sie ist deine Hauptperson, sie hat den Konflikt, aber sie kommt zu kurz.

Absolut, da muss ich noch viel mehr reinstecken, das ist mir jetzt klar. Bin gerade dabei, die Story komplett zu überarbeiten, wobei sie dadurch wohl eine völlig andere Richtung bekommen wird. Ich würde mich sehr freuen, wenn du nach meiner Überarbeitung irgendwann Zeit findest, dir das nochmals anzuschauen:thumbsup:

Vielen Dank für deine Inputs!

Liebe Grüsse,
nevermind

 

Hallo nevermind!

Ich schreibe mal direkt beim Lesen mit.

Marie konnte kaum noch atmen, die stickige Luft in ihrem kleinen Büro verursachte ihr Kopfschmerzen.
Das ist schon okay, das so zu formulieren, aber als Anstoß: Probiere doch mal noch einen Schritt näher an deine Prot zu gehen, und keine Zustände zu sagen ("Die stickige Luft in ihrem Büro verursachte ihr Kopfschmerzen"), sondern zu beschreiben, wie sich das Ganze für die Prot anfühlt: Die Luft war stickig und sie sah die engen, beklemmenden Wände in ihrem Büro, und als sie sich wieder zu ihren Akten beugte, blitzte ein stechender Schmerz durch ihren Hinterkopf.
Das sieht jetzt nach kleinkrämerischem Genörgel aus, aber wenn du Zustände tatsächlich nicht bloß sagst, sondern beschreibst, wie sich das anfühlt, ist man als Leser direkt viel tiefer drin im Text, und spürt das mit, man leidet mehr mit und freut sich mehr etc.

In der linken Hand hielt sie eine Akte, die vom ständigen Durchblättern zerknittert war, mit der rechten zündete sie sich eine Marlboro Light an und blies den Rauch in die Dunkelheit.
Ich finde, hier traust du deinen Lesern zu wenig zu. Könntest du getrost streichen und es einfach eine "zerknitterte Akte" nennen - man kann sich schon denken, wieso sie zerknittert ist: Viel durchgeblättert.

Bevor Marie regelmässig an Tatorte ausrücken musste, war ihr nicht bewusst gewesen, dass Blut stank. Ja, in der ganzen Wohnung stank es nach Blut und Tod und Verzweiflung.
Ist mir wieder zu viel gesagt, ohne zu beschreiben. Wie riecht denn Blut? Metallisch? Säuerlich? Das würde ich beschreiben, ansonsten habe ich als Leser kein Geruch in der Nase und bin demnach auch nicht so tief in der Story drin. "Tod und Verzweiflung" würde ich streichen, das ist too much; erstens, weil man es klar nicht riechen kann (außer du beschreibst Verwesungsgeruch) und zweitens solltest du lieber beschreiben, weswegen es hier so verzweifelt aussieht, anstatt das einfach so in den Raum zu stellen - wird eine ganz andere Wirkung beim Leser entfachen

Es war eine junge Frau in ihrem Alter, vielleicht Mitte Dreissig. Der Typ auf dem Sofa war etwas älter und trug einen teuren Anzug von Baldessarini.
Das ist eine kleine perspektivische Unsauberkeit. Bis jetzt hat dein Erzähler nur das gewusst, was auch Marie weiß - aber in dem Augenblick, als Marie das Zimmer betritt, kann sie noch nicht wissen, was für eine Marke das ist - außer, du schreibst dazu, dass Marie das Emblem schon von weitem erkennt oder sowas. Aber so kommt da plötzlich ein auktorialer Erzähler ins Spiel - ist nur eine Kleinigkeit, haut aber ein wenig raus

Wäre sein weisses Hemd nicht blutdurchtränkt gewesen, hätte man glauben können, dass er nach einer durchzechten Nacht eingeschlafen sei.
Ja, hm ... es bringt einen als Leser einfach aus dem Text, wenn man dem Erzähler ab und an nicht zu 100% glauben kann. Ich glaube hier nicht, dass er aussehen würde, als wäre er eingeschlafen. Wenn du einen Text über Morde usw. konzipierst, würde ich ein wenig recherchieren - Leichen haben sehr blasse Haut, v.a., wenn sie viel Blut verloren haben. Also, ich glaube einfach an der Stelle nicht, dass er wie eingeschlafen aussehen würde.

Also, gelesen. Also für mich ist das noch ein wenig zu skizzenhaft, zu unauserzählt. Gerade, was die Figuren angeht: Wieso handeln sie so, wie sie handeln? Gerade was einen Mord, Fremdgehen oder das Angekrochenkommen von Maries Mann angeht, da fehlen mir Motivationen, weswegen sie das tun. So wirken die Figuren relativ eindimensional. Ich denke, dass du durch Ausweitung der Story da noch Nachholen könntest - stelle mir deine Prots vor, zeige mir, was sie sich wünschen, wie sie ticken, lass mich Empathie zu ihnen aufbauen und verstehen, wieso sie handeln, wie sie handeln. Ist ein hoher Anspruch, ist mir klar, aber so ist mir das noch ein wenig zu wenig.

Zu den Markennamen: Ich finde das albern, dass hier gefordert wird, man solle die weglassen. So ein Blödsinn, lass sie drinnen. Natürlich sollte man das nicht übertreiben, aber wenn jemand einen schwarzen Audi fährt charakterisiert es die Figur tausend mal mehr, als wenn sie einen schwarzen Honda oder Lupo fährt.

Also ich würde dir empfehlen, dich damit auseinanderzusetzen, was gute, spannende Figuren sind und wie man diese aufbaut, das ist eine ganze Wissenschaft für sich. Gib ihnen zum Beispiel ein Ziel, lass sie alle etwas wünschen: Die Ermittlerin will wieder eine Beziehung wie am Anfang der Ehe mit ihrem Mann, der Mann sehnt sich nach Abenteuer, irgendwas eben, sie brauchen Motivationen für die Handlungen, die sie tun, ansonsten kann man als Leser ihre Handlungen nicht nachvollziehen und das ist dann das, was man "puppenhaft" oder "aufgesetzt" nennt.

Bleib am Ball! Hoffe, ich motiviere dich, Gas zu geben, und ziehe dich mit meinem Kommentar nicht runter. Nicht persönlich nehmen.


Alles Gute
zigga

 

Hey zigga

Vielen herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Klar ist es schwer, Kritik nicht persönlich zu nehmen und sich nicht runterziehen zu lassen - dennoch verstehe ich jeden einzelnen Kritikpunkt, den du aufgeführt hast. Ich habe die Story wohl zu vorschnell runtererzählt und dabei zu wenig investiert. Wie ich in den vorherigen Kommentaren erwähnte, bin ich dabei, die Geschichte zu überarbeiten. Mir ist klar geworden, dass es viel mehr braucht, um sich in die Personen hineinversetzen zu können, um die Story lebendig zu machen. Ich wollte es reduziert halten, doch das funktioniert nicht, nicht in dieser Form.

Es würde mich sehr freuen, wenn du nochmals vorbeischaust, wenn die Überarbeitung fertig ist.

Herzlich,
nevermind

 

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