Dschingis Khan fährt Achterbahn
So soll, so muss das sein. Insekten und Würmer, die ihr da seid. Zermalmen werde ich euch. Dröhnendes Lachen löst sich aus meinem siegesgewiss verzerrten Mund.
Alles habe ich bedacht, jeden Schritt wohl überlegt. Die Zeit war auf meiner Seite. Ich beobachte, lerne und lauere. Unter Furcht einflößendem Geschrei, die Arme im Triumph hochgerissen, jage ich den Berg hinunter – ich natürlich voran, doch meine getreuen Krieger unmittelbar hinter mir.
Anfangs hatte das niemand erwartet. Auf einem schaukelnden Kamel wurde ich an den Grenzen entlang geführt. Das war mir zwar gar nicht recht, doch leider konnte ich nichts dagegen tun. Ich war ein Gefangener der Umstände, ein unterdrückter Sklave anderer. Aber ich wusste selbst diese so erniedrigende Situation für mich zu nutzen. Ich sah weit über die Grenzen hinaus, erahnte meine glorreiche Zukunft und gemeinsam mit meinem langweiligen Reittier spuckte ich auf alles und jeden.
Der Wind pfeift durch mein Haar und dem meiner brüllenden Gefolgschaft. Wir ducken uns geschickt an jedem Widerstand vorbei, der auf unserer Strecke ist.
Danach war es ein edles Ross, ein Vollblut gar, welches mich festlich geschmückt durch die Arena trug. Zu meinem Bedauern eher eitles Stolzieren, denn wilder Ritt.
Aber noch immer war ich nicht frei. Mit gierigem Falkenblick wurde jeder Schritt meines Pferdes beobachtet und kam es mal aus dem Tritt, folgte erbostes Geschrei der Wüstenvögel. Lächerliches Gehabe vermeintlich Wissender.
Selbst, als wir kopfüber unter den Bäuchen unserer Transporttiere hängen, kann das nicht unseren nahenden gewaltigen Erfolg schmälern. Wir sind die Eroberer. Wir sind die Kämpfer, die alles überstehen. Wir sind eine, nein, die wildeste aller Jagden.
Sogar auf Schiffen probierte ich mich. Obwohl die nicht so meines waren. Ich bin kein Sohn des Wassers oder des Windes, obwohl ich beide als die Gewalten schätzte, die sie waren. Doch es gab auch Gutes an diesen und an anderen Versuchen.
Sie hielten Abstand – diese Feiglinge – diese Kinder vorzeitlicher Tage.
Einen Berg hinauf, einen Hügel runter, scharf links in nahezu beängstigender Lage geht der wilde Ritt dahin. Kein Gipfel, der nicht bezwungen und kein Tal, das nicht in hohem Tempo durchquert wird.
Gut, manchmal muss man fester in die Zügel greifen, doch ist das erlaubt, wenn man den Sieg vor Augen hat.
Niemand konnte behaupten, dass ich Angst habe, denn welch gewaltigen Gegnern musste und hatte ich mich nicht schon entgegengestellt.
Ich schlich durch die finstersten Jurten, immer kampfbereit – verjagte Gespenster, Ungeheuer und Gesindel gleichermaßen.
Meine Pfeile flogen mit tödlicher Genauigkeit ins Ziel und so erlegte ich manch seltsames Wesen oder wildes Tier.
Ich irrte durch gläserne Labyrinthe, überwand tückische Fallen und blieb dennoch immer heil und unbesiegt.
Zusammenstöße mit anderen Kriegern in gepanzerten Pferden lachte ich im Aneinanderprallen einfach weg.
Sie ergeben sich. Verbeugen sich und helfen unserem Tross, bringen die dampfenden Pferde in Stallungen.
Auch die zwei Uralten sehe ich. Mit Tränen in den Augen staunen sie ehrfürchtig. Ha!