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Dschingis Khan fährt Achterbahn

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Lev

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06.02.2007
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Dschingis Khan fährt Achterbahn

So soll, so muss das sein. Insekten und Würmer, die ihr da seid. Zermalmen werde ich euch. Dröhnendes Lachen löst sich aus meinem siegesgewiss verzerrten Mund.
Alles habe ich bedacht, jeden Schritt wohl überlegt. Die Zeit war auf meiner Seite. Ich beobachte, lerne und lauere. Unter Furcht einflößendem Geschrei, die Arme im Triumph hochgerissen, jage ich den Berg hinunter – ich natürlich voran, doch meine getreuen Krieger unmittelbar hinter mir.

Anfangs hatte das niemand erwartet. Auf einem schaukelnden Kamel wurde ich an den Grenzen entlang geführt. Das war mir zwar gar nicht recht, doch leider konnte ich nichts dagegen tun. Ich war ein Gefangener der Umstände, ein unterdrückter Sklave anderer. Aber ich wusste selbst diese so erniedrigende Situation für mich zu nutzen. Ich sah weit über die Grenzen hinaus, erahnte meine glorreiche Zukunft und gemeinsam mit meinem langweiligen Reittier spuckte ich auf alles und jeden.

Der Wind pfeift durch mein Haar und dem meiner brüllenden Gefolgschaft. Wir ducken uns geschickt an jedem Widerstand vorbei, der auf unserer Strecke ist.

Danach war es ein edles Ross, ein Vollblut gar, welches mich festlich geschmückt durch die Arena trug. Zu meinem Bedauern eher eitles Stolzieren, denn wilder Ritt.
Aber noch immer war ich nicht frei. Mit gierigem Falkenblick wurde jeder Schritt meines Pferdes beobachtet und kam es mal aus dem Tritt, folgte erbostes Geschrei der Wüstenvögel. Lächerliches Gehabe vermeintlich Wissender.

Selbst, als wir kopfüber unter den Bäuchen unserer Transporttiere hängen, kann das nicht unseren nahenden gewaltigen Erfolg schmälern. Wir sind die Eroberer. Wir sind die Kämpfer, die alles überstehen. Wir sind eine, nein, die wildeste aller Jagden.

Sogar auf Schiffen probierte ich mich. Obwohl die nicht so meines waren. Ich bin kein Sohn des Wassers oder des Windes, obwohl ich beide als die Gewalten schätzte, die sie waren. Doch es gab auch Gutes an diesen und an anderen Versuchen.
Sie hielten Abstand – diese Feiglinge – diese Kinder vorzeitlicher Tage.

Einen Berg hinauf, einen Hügel runter, scharf links in nahezu beängstigender Lage geht der wilde Ritt dahin. Kein Gipfel, der nicht bezwungen und kein Tal, das nicht in hohem Tempo durchquert wird.
Gut, manchmal muss man fester in die Zügel greifen, doch ist das erlaubt, wenn man den Sieg vor Augen hat.

Niemand konnte behaupten, dass ich Angst habe, denn welch gewaltigen Gegnern musste und hatte ich mich nicht schon entgegengestellt.
Ich schlich durch die finstersten Jurten, immer kampfbereit – verjagte Gespenster, Ungeheuer und Gesindel gleichermaßen.
Meine Pfeile flogen mit tödlicher Genauigkeit ins Ziel und so erlegte ich manch seltsames Wesen oder wildes Tier.
Ich irrte durch gläserne Labyrinthe, überwand tückische Fallen und blieb dennoch immer heil und unbesiegt.
Zusammenstöße mit anderen Kriegern in gepanzerten Pferden lachte ich im Aneinanderprallen einfach weg.

Sie ergeben sich. Verbeugen sich und helfen unserem Tross, bringen die dampfenden Pferde in Stallungen.
Auch die zwei Uralten sehe ich. Mit Tränen in den Augen staunen sie ehrfürchtig. Ha!

 

Tja... so ganz schlau werde ich aus diesem Text nicht. Ist es eine Parodie auf historische Machtfantasien? Es ist eine Abfolge von Szenen und da entsteht kein eigenes Bild, vielleicht weil ich mir den inneren Monolog von Dschingis Khan so ähnlich vorstelle?! Immerhin habe ich gelernt, das er Sklave war.

 

Hallo @Lev

Ich habe deine Kindergeschichte gerne gelesen. Auf jeden Fall hat sie einen ganz eigenen Stil und das hat mir gut gefallen! Zum Glück, so vermute ich zumindest, hast Du den Schlüssel zum Text im Titel 'versteckt'. Beim ersten Lesen war ich zugegeben ziemlich ahnungslos, was mir der Text sagen will. Aber ich denke, hier wird der Besuch eines Freizeitparks mittels heroischer Überhöhung und an Dschingis Khan angelehnter Schlachtmetaphern geschildert. Das finde ich originell! Ausserdem hat der Text für mich eine ansprechende Komik, das lockert ihn auf.

Allgemein denke ich, könntest Du den Text stellenweise bei den besonders heroischen Ausrufen etwas zuspitzen, bzw. klarer markieren, bspw. hier:

So soll, so muss das sein. Insekten und Würmer, die ihr da seid. Zermalmen werde ich euch. Dröhnendes Lachen löst sich aus meinem siegesgewiss verzerrten Mund.
Wieso kein Ausrufezeichen bei Zermalmen werde ich euch? Ich finde, es würde sich anbieten und den Text (noch) lebendiger machen.

Ich war ein Gefangener der Umstände, ein unterdrückter Sklave anderer.
Vielleicht lese ich zu stark durch die Brille eines Erwachsenen, aber hier finde ich das Gestrichene redundant: Ein Sklave ist immer unterdrückt, sonst wäre er keiner, und ein Sklave 'gehört' immer irgendjemandem, oder? Aber ja, es passt eigentlich auch zum pathetischen Ton des Erzählers.

Mit gierigem Falkenblick wurde jeder Schritt meines Pferdes beobachtet und kam es mal aus dem Tritt, folgte erbostes Geschrei der Wüstenvögel.
Hier habe ich wegen dem Falkenblick und den Wüstenvögeln die Verbindung zur Freizeitpark-Metapher etwas verloren.

Auch die zwei Uralten sehe ich. Mit Tränen in den Augen staunen sie ehrfürchtig. Ha!
Ich habe es so gelesen, dass die zwei Uralten die Eltern des Kindes sind :-)

Etwas unsicher bin ich mir bezüglich deiner Altersangabe, verstehen Kinder den Text? Vielleicht müssen sie das aber auch gar nicht, auf jeden Fall weckt der Text die Freude an der Sprache, ich finde, das merkt man ihm deutlich an.

Beste Grüsse,
d-m

 

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