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Ein Kästchen voller Hass

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24.03.2015
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Ein Kästchen voller Hass

Erna Goschinski hasste ihren Mann.
Nun genügte es ihr allerdings mitnichten, diesen Hass für sich zu behalten, sich dann und wann an ihm zu nähren und ihn, wenn ein Tag besonders öde und leer war, hervorzuholen und ihn ein wenig zu betrachten um sich einen Moment der Erfülltheit zu bescheren; nein, sie war eine Frau der es nicht möglich war, guten Gewissens nur an sich selbst zu denken. Erna Goschinski teilte ihren Hass.
Sie bewahrte den Hass in einem kleinen, hölzernen Kästchen auf, ein ganz liebreizend verziertes Stück, mit filigran eingravierten Gallenblasen, verzerrter Fratzen und - dies war ihr ein besonders gern gesehener Augenschmaus - einer überaus detailreichen Szene der Ermordung eines buckligen, dürren Wesens durch eine muskulöse, grimmig wirkende Hexe auf der Rückseite.

Eines Morgens - ihr Mann war schon auf der Arbeit - stand sie nach einer qualvollen, unruhigen Nacht voller absonderlicher Träume von großen Säälen, in denen Menschen an rießigen, runden Tischen saßen und Gespräche führten, vor eben jenem Behältnis in dem sie ihren Hass aufbewahrte und war im Begriff sich an ihm zu ergötzen, um den Schrecken der Nachtruhe zu entfliehen. Ein breites, seltsam schwammiges Lächeln begann sich auf ihrem aufgedunsenen Gesicht zu entfalten, als sie ihre klobigen Finger an den Verschluss des Kästchens führte. Mit der Absicht, ein anständig bemessenes Stückchen Hass heraus zu nehmen und damit zu Rosella Müller-Dietrich, ihrer Nachbarin, herüber zu gehen um mit ihr gemeinsam ein wenig davon zu inhalieren, öffnete sie die Truhe mit einem beherzten Zug an dem güldenen Verschluss.
Unmöglich, den Ausdruck in ihrem Antlitz zu beschreiben, der sich formte, als ohne jegliche Vorwarnung ein Geschrei ertönte, das in Lautstärke und Penetranz alles überbot was Erna Goschinksi bis zu diesem Tag an Geschrei vernommen hatte.
Zutiefst erschrocken schlug sie den Deckel zu.
Das Geschrei verstummte augenblicklich.
Am ganzen Körper bebend stand Erna im Raum, in Schockstarre, unfähig sich zu rühren. Es brauchte gewiss zwei Minuten, bevor sie sich überwand ihre Hand zu heben, und, langsam, sehr langsam, in Richtung des Kästchens zu führen, wo sie sie auf dem Deckel ruhen ließ. Schweiß stand ihr auf der Stirn, ihre kleinen, glasigen Augen zuckten nervös hin und her, als sie sich, die Hand regungslos auf dem Behälter, zu dem Fenster hindrehte um zu sehen ob womöglich die Nachbarn etwas von dem entsetzlichen Geschrei gehört und sich nun neugierig an ihre Fensterbänke gelehnt hätten, um zu sehen was da vor sich ginge. Niemand war zu sehen.
Gewiss hätte sie nun auch nach dem Kind gesehen, welches oben in seiner Krippe lag, wenn es denn einen driftigen Grund dafür gegeben hätte, doch als sie auch nach mehrsekündigem Lauschen kein Tönchen aus dem oberen Stockwerk vernehmen konnte, seufzte sie erleichtert auf und widmete sie sich wieder ihrem Hass.
Langsam, fast unmerklich, begann sie, den Deckel zu lüften. Erst ein Milimeter, dann zwei, immer weiter, zögernd, fürchtend, drei Milimeter, vier, ein Tropfen schweiß stand kurz davor ihr über die Augenbraue zu treten, als sie, fünf Milimeter, ein Geräusch aus dem Kästchen vernahm, das innerhalb von einem Nichts anschwoll, sich wimmernd aufbaute und ...
Sie schlug den Deckel zu.

Fünf Minuten später stand Frau Goschinksi, das Kästchen in der Hand, in ihrem Schlafzimmer im oberen Stockwerk vor dem Ehebett. Vor ihr türmten sich ganze sieben Wolldecken auf, zusammen mit einem dicken Daunenkissen und dem alten Seemannssack, den sie von ihrem Großvater - Gott hab' ihn selig - geerbt hatte.
Eine Decke um die andere breitete sie auf dem Bett aus, legte sie fein säuberlich übereinander, unterbrach die Arbeit gar einmal um sich selbst zur Ordnung zu rufen, sie möge trotz aller Aufregung Bedacht walten lassen, und die schäbigste der Decken an die unterste Stelle zu verlegen, wo man sie nicht gut sehen konnte. Schließlich stellte sie das Kästchen in die Mitte der improviserten Polsterung, bedeckte es mit dem Kissen und schlug die Decken so eng wie möglich darum. Zum Schluss nahm sie unter nicht unerheblichen Mühen ihre Konstruktion auf beide Arme und versuchte sie in den alten Seemannssack zu zwängen, was ihr schließlich nach einigen Versuchen und etlichen unchristlichen Flüchen auch gelang.
Sie war sich sicher, auf diese Weise konnte sie es riskieren.
Die Hände im Inneren des monströsen Schalldämpfers, erfühlte sie den Verschluss des Kästchens, öffnete ihn, und begann den Deckel zu heben, diesmal - überzeugt von der Effizienz ihrer Anfertigung - etwas forscher als zuvor.
Tatsächlich! Es funktionierte! Das Gebrüll war noch immer gewaltig, Erna fühlte die Decken vibrieren, doch der Ton wurde so stark gedämpft, dass es ihr möglich war zu lauschen was da eigentlich vonstattenging. Sie konzentrierte sich, wollte erkennen wer oder was da schrie, sie lüftete das Kissen ein wenig mit ihren Armen um gar ein wenig mehr vom Schall nach draußen zu lassen. Jetzt erkannte sie ein Wimmern, ein jämmerliches Klagen, das ...
Himmel, Herrgott, Sakrament! Jetzt fing auch noch das Baby nebenan zu weinen! Es muss wach geworden sein durch das Geschrei, dachte Erna bei sich. Langsam wurde sie ärgerlich! Seit über vierzig Minuten unternahm sie Anstalten, sich an ihrem Hass zu laben, mittlerweile kam es ihr vor als wäre es eine Ewigkeit her, dass sie ihn zuletzt gesehen hatte. Sie brauchte ihn, er lenkte sie ab, half ihr, sich zu beruhigen. Sie wollte ihn jetzt! Genau jetzt!
Wütend schlug sie das Kästchen zu und setzte sich in Bewegung um zum Kinderzimmer zu gehen, als ihr auf halbem Wege auffiel, dass das Baby still geworden war. Kurz hielt sie inne, setzte ihren Weg dann aber fort und stieß die Tür zum Schlafzimmer des Kindes mit solcher Wucht auf, dass diese gegen die Wand knallte und zurückfederte. Das Baby erschrak, gab einen kurzen Laut von sich und blickte seine Mutter aus seinen großen, braunen Augen an.
»Keinen Mucks mehr!«, forderte die Frau von ihrem Sprössling, bevor sie auf dem Absatz umdrehte und, ohne die Tür zu schließen, wieder zum Schlafzimmer marschierte. Und in der Tat, das Kind blieb still.
Zurück im Schlafzimmer verlor Erna Goschinski keine Zeit mehr. Sie langte in den Sack, tastete nach dem Kästchen, öffnete den Deckel und ...
Sie vernahm zwei Dinge. Zwei Dinge, die eigentlich Eins waren, Ernas Ohren aber in zwei Versionen, von zwei Standpunkten aus erreichten. Kaum hatte sie den Deckel aufgeklappt, wurde das markerschütternde, ohrenbetäubende Geschrei aus dem Inneren des Kästchens begleitet von dem zaghaften, wimmernden Klagens des Kindes nebenan. Die gleichen Töne die das Baby von sich gab, drangen, hundertfach verstärkt, auch aus der Dose voller Hass, die Erna Goschinksi in ihren Händen hielt. Ungläubig schaute sie in den Sack, dann herüber zu der Türe, wieder zurück und noch einmal umgekehrt. Sie zog die Decken enger, klappte das Kästchen zu - und das Kind verstummte. Sie öffnete es und im gleichen Augenblick war das Geräusch wieder zu hören. Erna stand buchstäblich der Mund vor Staunen offen.

An diesem Abend kam Werner Goschinski von einer besonders harten Schicht im Büro in sein Zuhause. Er trat durch die Haustür, hörte schon im Flur die Stimme seiner Frau und jene dieser furchtbaren Person von nebenan, der Müller-Dietrich, die, so schien es, heiterer Stimmung im Esszimmer zusammen saßen. Er hörte wie sein Name fiel, seine Frau erzählte von seinen Unzulänglichkeiten bezüglich der Verbesserung seiner kargen Karriereaussichten. Er seufzte.
Er zog seine Schuhe aus, hing seinen Mantel an den Haken und schlurfte gemächlich die Treppe zum oberen Stockwerk hinauf, wo er die Tür zum Kinderzimmer unverschlossen vorfand. Er warf einen kurzen Blick hinein, fand das Zimmer leer vor und schloss daraus dass das Kind wohl unten bei der Mutter und der Nachbarin sitzen musste. Im Schlafzimmer angekommen staunte er nicht schlecht über den vollgestopften Seemannssack auf seiner Seite des Bettes. Er trat heran, blickte in den Sack und steckte, nachdem er in der Dunkelheit nichts erkennen konnte, seine Hand hinein.

Als dreißig Minuten später seine Frau von mehreren Beamten in den Streifenwagen begleitet wurde, saß Werner Goschinski mit weit aufgerissenen Augen und unverständliche Worte vor sich hinstammelnd auf dem Boden des Schlafzimmers, wo ein Arzt gerade den Todeszeitpunkt des in dem Sack gefundenen Kindes feststellte. Er konnte durch das offene Fenster hören wie seine Frau mit energisch-dominanter, aber gefasster Stimme immer und immer wieder versicherte, dass sie die einzig mögliche Lösung zu ihrem Dilemma ohne jede böse Absicht herangezogen habe.
 
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Hallo Donald, willkommen zurück. Und das ausgerechnet an meinem Geburtstag, da muss ich ja fast schon die Geschichte lesen und einen Kommentar schreiben.
Was mir gefällt, damit fang ich mal an, das ist die gesamte Idee: eine Frau, die zu ihrer Beruhigung täglich an ihrem Hasskästchen nascht. Und diesen reizenden Genuss dann auch noch großzügig mit ihrer ebenso versauten Nachbarin teilt. Das ist einfach eine schöne Umschreibung für die elenden Hasstiraden von Leuten, die sich über andere beschweren und nur schlecht über diese denken und reden. Da hast du auch ganz schöne Bilder für entwickelt, wie sie es öffnet, wie es aussieht usw. Auch der Sprachstil gefiel mir dazu, denn es entwicklet dadurch einen Reiz als übersteigerte groteske Idee. Dass diese Frau die Vielschichtigkeit eines Blattes Papier hat, ist dir vermutlich eh klar, aber den Fokus wolltest du sicherlich auch nicht auf einer gut entwickelten Geschichten über einen bestimmten Menschen legen, sondern einer grotesken Idee Raum geben.

Und jetzt kommen die kleinen Abers dahergerollt: Nicht immer fand ich den Stil ganz passend, manchmal hast du es einfach überzockt. Ich nenn dir mal paar Beispiele.

Ein breites, seltsam schwammiges Lächeln begann sich auf ihrem aufgedunsenen Gesicht zu entfalten, als sie ihre klobigen Finger an den Verschluss des Kästchens führte.
Hier ist sie mir zu sehr zur Karikatur geworden. Und zu keiner gut gezeichneten. Ich find das viel zu sehr Ansammlung von Hässlichkeiten, selbst wenn ich nicht auf Ambivalenz bei einer Figur achten will, das hier ist einfach too much. Macht sie nicht nur gemein, was sie eh schon ist, sondern auch noch einfach stinkehässlich. Ich hätts viel besser gefunden, diese geifernde Dame, deren bösartige Aktionsradius du ja nie zeigst, man sieht sie nie (oder erst gegen Ende) mit Mann und Kind, wie sie da agiert, würde sich durch das Öffnene des Kästchens verschönern.
Also zwei Sachen hier:
- Zeig sie wenigstens ein bisschen mehr noch angedeutet in ihrer Aktion mit Mann oder Kind. Damit es nicht alles eine Behauptung bleibt.
- Mach sie nicht einfach nur hässlich, wenn sie das Kästchen öffnet, sondern lass sie das genießen, sie beschert sich doch Erfüllung. Eigentlich müsste das die Züge glätten.


Erna Goschinski hasste ihren Mann.
Nun genügte es ihr allerdings mitnichten (warum nicht einfachnur nicht?), diesen Hass für sich zu behalten, sich dann und wann an ihm zu nähren und ihn, wenn ein Tag besonders öde und leer war, hervorzuholen und ihn ein wenig zu betrachten KOMMA um sich einen Moment der Erfülltheit zu bescheren; nein, sie war eine Frau KOMMAder es nicht möglich war, guten Gewissens nur an sich selbst zu denken. Erna Goschinski teilte ihren Hass.
Den ersten Satz find ich gut. Den letzten auch. Beide machen nicht viel Aufhebens, gehen gleich ans Eingemachte.
Ich find das richtig, bei einem solchen Schreibstil trotzdem auf abwechselnde Satzlängen zu achten.
Die Wörter oder Teile, die ich einfach zuviel find, die hab ich gefettet.

Sie bewahrte den Hass in einem kleinen, hölzernen Kästchen auf, ein ganz liebreizend verziertes Stück, mit filigran eingravierten Gallenblasen, verzerrter Fratzen und - dies war ihr ein besonders gern gesehener Augenschmaus - einer überaus detailreichen Szene der Ermordung eines buckligen, dürren Wesens durch eine muskulöse, grimmig wirkende Hexe auf der Rückseite.
es muss verzerrten Fratzen heißen
vielleicht könnt/sollt man auch bei den Attributen noch mal gucken, denn liebreizend verziert, filigran eingraviert, das ist so ziemlich ähnlich und Fratzen sind eh immer verzerrt.
Ich find die Fülle von Attributen einfach zu dominant.

Eines Morgens - ihr Mann war schon auf der Arbeit - stand sie nach einer qualvollen, unruhigen Nacht voller absonderlicher Träume von großen Säälen, in denen Menschen an rießigen, runden Tischen saßen und Gespräche führten, vor eben jenem Behältnis KOMMAin dem sie ihren Hass aufbewahrte und war im Begriff KOMMAsich an ihm zu ergötzen, um den Schrecken der Nachtruhe zu entfliehen.
Du pflegst die ganze Zeit einen eher altväterlichen Sprachgebrauch und dann schreibst du "auf der Arbeit". In jedem normalen Text hätt ich da nichts eingewendet, aber das ist so umgangssprachlich, es wär doch eine Möglichkeit, die Arbeitsstelle zu nennen: in seinem Büro, im Laden etc, du findest bestimmt schönere Beispiele, das konkretisiert es ein wenig und macht es nicht so neudeutsch.
Mehrzahl von Saal: die Säle
riesig

So, ab hier lass ich es dann mal mit der Sprache.
Ich habe ein bisschen gebraucht, um zu verstehen, wessen Stimme es ist, die sie da hört. Ich finde das hättest du ein bisschen deutlicher und klarer entwickeln können. Ich finde es zwar gut, dass sie es anfangs noch nicht weiß oder hört, aber mir war es trotzdem in der Entwicklung ein bisschen zu unklar.
Vielleicht hab ich einfach heute Morgen noch nicht genug Kaffee getrunken und steh noch auf dem Schlauch, kannst ja mal schauen, ob noch jemand das so sieht wie ich.
Also, interessante, fiese und skurrile Idee, die du auch größtenteil schön umgesetzt hast.
Viele Grüße von Novak
 
Wortkrieger-Team
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05.01.2015
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Erna Goschinski hasste ihren Mann.

So schreibt man einen Einstieg. Man klopft bei jemanden an, wartet bis er die Tür aufmacht und drückt ihn eine Pistole an die Schläfe, die mit Fakten schießt. Ich hab nen Hook, sofort ein Bild von dem, was mich erwarten könnte und Interesse, weiterzulesen. Sauber! So, here goes nothing.

Ein breites, seltsam schwammiges Lächeln begann sich auf ihrem aufgedunsenen Gesicht zu entfalten, als sie ihre klobigen Finger an den Verschluss des Kästchens führte.

Das gefällt mir richtig gut. Du zeichnest die Frau etwa nicht als Opfer, sondern als hässliches Wesen - zumindest tut mein Kopf das, also lege ich dir mal lieber keine Worte in den Mund. Ihre Verachtung wird nicht als total gerechtfertigt dargestellt, sondern als etwas widerliches und das äußert sich für mich in den paar Zeilen. Aber es ist ja noch ne weite Strecke bis zum Ende und ich greife vermutlich vor.

Langsam, fast unmerklich, begann sie, den Deckel zu lüften. Erst ein Milimeter, dann zwei, immer weiter, zögernd, fürchtend, drei Milimeter, vier, ein Tropfen schweiß stand kurz davor ihr über die Augenbraue zu treten, als sie, fünf Milimeter, ein Geräusch aus dem Kästchen vernahm, das innerhalb von einem Nichts anschwoll, sich wimmernd aufbaute und ...
Sie schlug den Deckel zu.

Ich habe hier im Forum bereits viele Geschichten gelesen, die sich selbst als "Horror" getaggt haben und einfach nicht gruselig sein wollten. Deine Geschichte ist als "Seltsam" getaggt, sehr passend, aber diese Stelle ist verdammt unheimlich - und das ohne auf Schockfaktor zu bauen.

Sie brauchte ihn, er lenkte sie ab, half ihr, sich zu beruhigen.

Oh, the Irony!

»Keinen Mucks mehr!«, forderte die Frau von ihrem Sprössling, bevor sie auf dem Absatz umdrehte und, ohne die Tür zu schließen, wieder zum Schlafzimmer marschierte.

Auch das gefällt mir. Erna bleibt eine hässliche Person, innen wie außen.

***

Mit dem Ende habe ich irgendwie gerechnet. Der Wahnsinn, der sich im Laufe der Geschichte entwickelt hat, hat zielstrebig auf so etwas zugearbeitet und wirklich überrascht hat es mich nicht.

Viel bleibt von meiner Seite aus nicht zu sagen, außer das es mir gefallen hat.

Das Edna wie eine Karikatur rüberkommt, stört mich nicht. Ich finde, es passt zu dieser surrealen Situation, in die der Leser geworfen wird. Mich stört auch nicht, dass sie abseits ihrer Hässlichkeit keine weiteren Persönlichkeitsmerkmale hat, die hätten nämlich auch nicht in den Kontext gepasst. Was hätten wir z.B. mit der Information "Sie mag Apfelsinen" anfangen sollen? So kriegt man eine Frau getunnelt, die man einfach nicht mögen kann - auch wenn ich vermutlich nicht clever genug bin, um zu verstehen, was da eigentlich GENAU vor sich ging.

Für mich war's eine unheimlich atmosphärische Kurzgeschichte, die ich sehr gern gelesen habe.
 
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27.12.2014
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135
Lieber Donald,

ich finde deine Geschichte toll!! Diese spießbürgerliche Verbitterung, eheliches Gift-und-Galle-spucken und sich in Hass zu ergehen, anstatt produktiv die Initiative zu ergreifen und etwas zu ändern, um glücklich glücklich zusein anstatt im Unglück und dessen Verbreitung eine orgasmusartige, verdrehte Freude zu haben ... Das alles beschhäftigt mich ebenfalls oft und du hast es SO SUPER umgesetzt! :) Deine "Bilder" - die Kiste, die Frau, die Angst von den Nachbarn bemerkt zu werden, als die Kiste schreit, die Art, wie sie die Decken darum wickelt (die schäbigste so, dass man sie nicht sieht, haha, das ist echt sooo super!) ... Ich bin begeistert.
Mir fehlt leider in meinem jugendlichen Hirn noch die Distanz, literarisch so damit umzugehen, aber ich hoffe, irgendwann kann ich es.

Kann es sein, dass du den ersten Satz geändert hast? Als ich es gestern las, klang er noch sperrig - zu auseinander gezogen. Aber nun ist es so, wie ich dir auch vorgeschlagen hätte, ihn aufzubauen. XD
Als du das Kind erwähnt hast, war ich zunächst etwas perplex - ich hatte mir Erna als ältere Frau vorgestellt. Und kinderlos.
Ich war gespannt zu erfahren, wie sie mit dem Kind umgeht - und es passt echt super ins Bild! (Man kann sich vorstellen: Sie hat eben Mann und Kind, weil es gesellschaftlich vorgegeben ist, obwohl man es eigentlich nicht von sich aus wollte ... und dann wird eine Erna aus einem!). Auch das Ende hat mich analysieren lassen. Wie das Kind zu Tode kam. Und die Einordnung der Kiste als übernatürliches Element. Ob es "tatsächlich übernatürlich", etwas Übertragenes war etc.
Das ist kafkaesk, wenn ich mich dieses Wortes bedienen darf. :)

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, hab ich das schon erwähnt?

Liebe Grüße
Tell
 
Mitglied
Beitritt
24.03.2015
Beiträge
15
Hallo ihr lieben Leute,

Euch allen vielen Dank für eure Kritik und Kommentare.

36 Stunden später hat sich die spontan entstandene und konzeptfrei niedergeschriebene Story etwas gelegt und ich sehe sie aus kritischem Blickwinkel.

Wenn auch ich, genau wie NWZed, finde, dass das karikaturhafte Auftreten von Erna durchaus stimmig und passend ist, so muss ich Novak doch zustimmen dass ich hier und da ein wenig überzogen, und Attribute nur um ihrer selbst willen eingebaut habe.
Die Komma und Flüchtigkeitsfehler wären gut zu vermeiden gewesen, vielen Dank für das Aufzeigen von eben diesen :)

Ich bin froh dass die Geschichte insgesamt gut und atmosphärisch angekommen zu sein scheint; 'kafkaesk' nehme ich überschwänglich gerne als großes Kompliment an!

Würde ich sie nochmals schreiben, so würde ich einige Details mehr einbauen, die Erna als Charakter ein wenig mehr Tiefgang verleihen und den roten Faden durch die Geschichte etwas dicker weben.

... Wer weiß, vielleicht schlägt die Muse ja noch einmal zu.
 

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