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Eine gewöhnlich seltsame Wand oder eine seltsam gewöhnliche Wand?

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03.05.2021
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Eine gewöhnlich seltsame Wand oder eine seltsam gewöhnliche Wand?

Sie starrte an die Wand. Nicht, dass es da etwas zu sehen gab. Es war schließlich nur eine Wand. Eine graue Wand mit gelblichem Stich. Keine sonderlich schöne Wand. Sie starrte also nicht in der Erwartung an die Wand, dort etwas zu entdecken, sondern einfach so. Sie starrte einfach so an jene Wand, an die sie schon seit einer guten halben Stunde starrte. Sie starrte unbewusst an diese Wand, welche ebenso ein gewöhnlicher Kaffeespender hätte sein können. Die Wand hatte also keine Bedeutung in irgendKeiner Hinsicht. Es war eine gewöhnliche Wand, sowie sie nun mal in Gebäuden vorkommt.
Er hingegen, (so seltsam es auch klingen mag, das war sein wirklicher Name „Er“) beobachtete nicht die Wand. Es war schließlich nur eine gewöhnliche Wand. Wieso sollte man denn eine graue Wand mit gelblichem Stich beobachten?, fragte Er sich. Er jedoch beobachtete, wie bereits erwähnt nicht die Wand, sondern die Frau, die jene Wand eben seit gut einer halben Stunde anstarrte. Er fand das ziemlich seltsam. Gar noch seltsamer als seinen eigenen Namen. „Er“.
Er beobachtete die Frau noch eine ganze Weile, wie sie die gewöhnliche, graue Wand mit gelblichem Stich beobachtete.
Dann ging er wieder zu seinen goldenen Fischen.

 
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06.02.2021
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Hi @Marc Hermann

Deine Wand hat mich amüsiert. Auch wenn Du vielleicht das Wort Wand in einigen Fällen streichen solltest. Denn bald wusste ich dass Du von einer Wand redetest.

Er jedoch beobachtete, wie bereits erwähnt nicht die Wand, sondern die Frau, die jene Wand eben seit gut einer halben Stunde anstarrte. Er fand das ziemlich seltsam. Gar noch seltsamer als seinen eigenen Namen. „Er“.
Diese Wendung hat mir in deiner sehr kurzen Geschichte gefallen. Und ohne dem Beobachter wäre ja gar keine Substanz in dem was Du erzählst. Doch durch den Beobachter entsteht ein Bild.
Danke für das malen dieses Bildes. Ich sehe dahinter die Leere. Ein Bild der Leere.

Ich wünsche Dir einen tollen Abend

G.

 
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09.12.2019
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Hallo @Marc Hermann ,

ich habe vor einigen Jahren mal Kurzgeschichten von Michael Ende gelesen, auch bei ihm hatte ich nach dem Lesen schon mal viele Fragezeichen ... so auch bei deinem kurzen Text, aber das wird dich ja vermutlich nicht wundern.

Da komme ich mir als Kunstunwissender vor wie vor einem abstrakten Gemälde und frage mich:
Hat sich der Künstler wirklich bei allem etwas gedacht, oder testet er einfach, was die Leute so denken, wenn er spontan etwas malt/schreibt?

Eine Frau starrt immer weiter auf eine Wand, die für sie keine Bedeutung hat. Also vielleicht ein Ausdruck innerer Lehre, die die teils unerfüllbaren Anforderungen des Lebens hervorbringen kann?

Daneben "Er", dem es nicht so geht, er wundert sich demnach über das seltsame Verhalten der Frau. Und sein Name für die Anonymität in der Gesellschaft?

Am Ende interessiert ihn die Frau und ihre möglichen Probleme nicht, er wendet sich ab und lieber seinen Fischen zu.

Wie auch immer, es wäre interessant, deine Intention zu diesem Text zu erfahren!

Viele Grüße,
Rob

 
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01.04.2019
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Irgendwie mag ichs.

Für mich funktioniert die "Geschichte" mehr wie ein Gedicht. Oder ein Gemälde mit Worten (oder in diesem Fall Wänden.). Es trägt natürlich ein Mysterium in sich, weil jeglicher Kontext fehlt. Für manche vielleicht ein billiger Trick, in mir erzeugt es Neugierde.

Mich würde interessieren, was für eine Geschichte sich hinter diesem Gemälde verbirgt @Marc Hermann !

 
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03.05.2021
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Hi @Rob F

ich freue mich wirklich, dass meine Geschichte bei dir so einen Eindruck hinterlassen hat. Denn genau das war meine eigentliche Intention.

Ich wünschte ich könnte dir versichern, die Geschichte hätte einen tieferen Sinn. Aber den hat sie nicht. Jedenfalls nicht durch mich als Verfasser. D.h. ich wollte, dass dieser Text seine Leser durch die merkwürdigen (im Sinne von "des Merkens würdig") "Stilmittel" verwirrt, sie nachdenken lässt und, dass die Leser evtl. der Geschichte einen ganz individuellen "Sinn" geben (sofern sie wollen).
Und wenn du diesen Text als Gesellschaftskritik siehst, ist das vollkommen legitim.

Viele Grüße
Marc

 
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01.05.2009
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Hallo @Marc Hermann ,

und erst mal herzlich willkommen hier. :)

Also, um es mal so knapp zu sagen, wie dein OP ist: das war wohl nix. Kein Plot, keine Geschichte, keine Entwicklung und ganz vor allem: keine Prämisse. Letzteres bricht dem kleinen Textchen echt das Genick.

D.h. ich wollte, dass dieser Text seine Leser durch die merkwürdigen (im Sinne von "des Merkens würdig") "Stilmittel" verwirrt
Auf welches Stilmittel beziehst du dich hierbei?
sie nachdenken lässt und, dass die Leser evtl. der Geschichte einen ganz individuellen "Sinn" geben (sofern sie wollen).
Hm, also, wenn ich morgens meinem Wasserkocher beim Wasserkochen zuschaue, kann es auch passieren, dass mir irgendwelche Gedanken und Ideen kommen. Anders gesagt: wer kein Analphabet ist, wird in der Lage sein, ein paar Sätze aneinenaderzureihen. Und - rein über willkürliche Assoziationen - können sich Leser auch bestimmt damit irgendwas halbwegs Fantasievolles, Geistreiches zusammenschustern. Aber eine Geschichte - Flash Fiction oder was Längeres - ist doch wesentlich sinnvoller, wenn der Schreibende einen individuellen Gedanken in individuelle Worte fasst und das Ganze mit zuallermindest einer Prämisse plant, die dann einen Anreiz zum Nachdenken gibt. Sonst kann ich blind in die Tasten hauen und den Lesern anbieten, sich aus dem Chaos intuitiv irgendwas zusammenzuassoziieren. Oder?

Ohne das unfreundlich zu meinen: Ich rate zu einem Neustart mit bissl Idee dabei. :)

Unter deinem ersten Text stehen übrigens zwei unbeantwortete Kommentare.

Ich wünsche dir noch viel Spaß hier, herzlichst,
Katla

 
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Natürlich hat @Katla Recht, wenn man bedenkt, dass „Geschichte“ nichts anderes ist als eine substanrtivierte Partizipbildung des Verbs „geschehen“, das in Deinem kleinen Text bestenfalls in den Köpfen der Starrenden und des beobachtenden „Er“ stattfindet (bekanntermaßen lässt Joyce die Molly des Ulysses zuletzt kapitellang ohne Punkt und Komma monologisierend träumen, und wer wagte zu behaupten, Träume wären kein Geschehen),

lieber Marc Hermann!

Das zwote ist das Geheimnis des Titels, der in der Position der Attribute „gewöhnlich“ (das tatsächlich auch „nur“ ein Partizip des „wohnens“ ist– als betrieben wir hier nur Partizipienreiterei, wobei man bedenken muss, dass Partizipien zu Adjektiven wie „ein kurz- oder langweilender Mensch“ wie auch der „gelangweilte Mensch“ schon unterschiedliches Geschehen, quasi geronnenes Geschehen wie die Geschichte als Historie beschreibt). Wäre ein Komma gesetzt, wären beide Adjektive gleichberechtigt, ohne aber verstärkt das erstgenannte das zweite, also „gewöhnlich seltsam“ ist nicht identisch mit „seltsam gewöhnlich“ (ich werd den Teufel tun, dem Leser – also auch Dir, das Denken abzunehmen. Hinzukommt, dass ich selbst in meinen hieisigen Anfängen in „Wand und Wandel“ [Wand & Wandel] eine „gewandt gewändete“ Wortspielerei zum Besten gab. Ich denk Mal - das was anderes ist als ein Denkmal - dass wir noch einigen Spass oder besser korrekter Spaß haben werden - und damit erst einmal

welcome to the Pleasurdome!, ausm Pott vonnet

Dante Friedchen

 
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Lieber Friedel, :gelb:

ich verlasse mal den slippery slope der Etymologie ...

wenn man bedenkt, dass „Geschichte“ nichts anderes ist als eine substanrtivierte Partizipbildung des Verbs „geschehen“, das in Deinem kleinen Text bestenfalls in den Köpfen der Starrenden und des beobachtenden „Er“ stattfindet
... und gebe nur kurz zu bedenken, was ich grad in der #3 des Speculative North las:
"Writers don't describe. Writers render experiences by filtering them through a narrative lens. (...) A scene cannot be described without knowing who is telling the story, or what kind of story it is meant to be. To properly render a scene, you need a narrative lens." (David F. Shultz)

Ein Geschehen zu schreiben kann Polizeibericht, Zeitungsartikel, Blog oder Prosa sein. Da greift die Definition über die Etymologie zu kurz, wenn man sich Techniken der Erzählung anschauen will.

bekanntermaßen lässt Joyce die Molly des Ulysses zuletzt kapitellang ohne Punkt und Komma monologisierend träumen
Selbstverständlich können Träume Handlung sein. Ob sie auch gute Plots hervorbringen, steht aber auf einem anderen Blatt.
Und hier sehe ich keinen inneren Monolog wie bei Joyce (Gedanken, die vom Autor geführt sind und einem Plot dienen); und auch kein automatisches Schreiben aus dem 'Unterbewusstsein' wie bei den Surrealisten, dafür werden zu auffällig Stilmerkmale versucht, z.B. diese Wiederholungen.

Hierbei nehme ich an, dass sich das auf Oscar Wildes [Edit mit Dank an Jellyfish: Spruch von Gertrude Stein, aber Rose war Wildes Lebenspartner] berühmten Ausspruch beziehen soll: "A Rose is a Rose is a Rose". Anders als oft gedacht, ist aber nicht die Blume gemeint, sondern ein Freund des Autors namens Rose. Dieser hatte einen exzentrischen Charakter, weswegen er - zumindest laut Wilde - nur mit sich selbst verglichen werden kann. Es ist also nicht eine Art bewusst-witziger Tautologie, wie meist (fälschlich) damit assoziiert. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Missverständnis auch hier zu dem Titel und dem Motiv der Wand / Tapete führte. Vllt. bin ich mit der angenommenen Intention aber auch auf dem Holzweg.

Ganz liebe Grüße,
Katla

 
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Man kann in alles etwas hineininterpretieren, wenn man will und sei es noch so sinnentleert. Ich sehe hier weder Plot noch plastische Figur, noch Dialog, noch tiefere Aussage, noch irgendetwas, worüber es sich m.A.n. lohnen würde, nachzudenken.
Sorry, Marc Hermann, dies Textchen is nix für mich.
Ach ja, bevor ich geh', ein herzlich Servus möcht ich noch entbieten!

 
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07.05.2021
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Hallo@Marc Hermann,

ich mag Deinen Text und habe mich beim Lesen gut amüsiert. Er ist skurril, aber unterhaltsam.

Nur der Einschub...“wie bereits erwähnt“ ...hat mich rausgebracht und deshalb gestört.

Beste Grüße
Lunamar

 
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03.05.2021
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Hi @Katla ,

ich freue mich zunächst einmal, dass du meine kleine Geschichte überhaupt gelesen hast. Auf der anderen Seite bin ich natürlich ein wenig enttäuscht darüber, wie dir meine Geschichte (nicht) gefallen hat.

Wenn ich dich richtig verstanden habe siehst du zwei Kritikpunkte in meinem Text.
1. Sie hat keine wirkliche Substanz (Plot, usw.)
2.das fehlen einer Prämisse,die zum Nachdenken anregt.

Dem ersten Punkt kann ich nur zustimmen. Die Geschichte hat weder "gescheite" Entwicklung, noch Plot. Allerdings sehe ich genau das als etwas positives. Denn wer sagt denn, eine Kurzgeschichte muss einer strikten Entwicklung nachgehen. Sind Kurzgeschichten nicht sogar meist kleine Szenen aus dem Alltag eines Menschen, die oftmals dort enden wo sie angefangen haben und demnach keine Entwicklung zu einem bestimmten Ziel hin haben. Ich würde sagen meine Geschichte versucht genau das auf die Spitze zu treiben. Denn im Wesentlichen stellt die Kurzgeschichte lediglich einen Gedanken, eine kurze Beobachtung über wenige Sekunden hinweg dar und keinen stundenlangen Akt.

Zu deinem zweiten Kritikpunkt:

Erneut gebe ich dir Recht, die Geschichte hat keine Prämisse. Aber ist denn eine Prämisse eine notwendige Bedingung für einen Anreiz zum Nachdenken? Ich denke nicht. Schließlich fanden andere meine Geschichte durchaus gut und du selbst wurdest zum Nachdenken animiert. Ansonsten hättest du schließlich keine jritik hinterlassen oder?

Nach wie vor finde ich meine Geschichte wirklich gut. Sie ist abstrakt zeigt keine wirkliche Entwicklung und will bewusst verwirren. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Liebe Grüße
Marc

 
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01.05.2009
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Hallo Marc,

Wenn ich dich richtig verstanden habe siehst du zwei Kritikpunkte in meinem Text.
1. Sie hat keine wirkliche Substanz (Plot, usw.)
2.das fehlen einer Prämisse,die zum Nachdenken anregt.
Da hast du mich missverstanden. Eine Kurzgeschichte braucht - wie Prosa überhaupt - eine Prämisse, um überhaupt als Erzählung zu funktionieren. Das ist so eine Basis-Sache, da sind wir noch lange nicht beim Nachdenken.
Sind Kurzgeschichten nicht sogar meist kleine Szenen aus dem Alltag eines Menschen, die oftmals dort enden wo sie angefangen haben und demnach keine Entwicklung zu einem bestimmten Ziel hin haben. (...) Denn im Wesentlichen stellt die Kurzgeschichte lediglich einen Gedanken, eine kurze Beobachtung über wenige Sekunden hinweg dar und keinen stundenlangen Akt.
Nein, eher nicht bzw. in den meisten Fällen gar nicht. Ich vetraue dir, dass du selbst genug solide Quellen findest, um dir das Thema bei Bedarf anzusehen.
Aber ist denn eine Prämisse eine notwendige Bedingung für einen Anreiz zum Nachdenken?
Nachdenken ist nicht der Punkt. Ein Text braucht eine Prämisse um zu einer Kurzgeschichte zu werden. Prosa ist mehr als eine sinnlose Aneinanderreihung von Szenen.
du selbst wurdest zum Nachdenken animiert. Ansonsten hättest du schließlich keine jritik hinterlassen oder?
Nein, dein Text hat mich nicht zum Nachdenken gebracht, ich hab hier simple Textarbeit gemacht. Für das 'Nachdenken', das du sicher meinst, brauchts etwas mehr Gehalt auf allen Ebenen, sorry.
Nach wie vor finde ich meine Geschichte wirklich gut.
Das ist doch schön. Wo kämen wir hin, wenn wir die eigenen Texte schlecht fänden?
Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Na dann.

Viele Grüße und noch viel Spaß hier,
Katla

 
Monster-WG
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10.07.2019
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Hallo @Marc Hermann,

Nach wie vor finde ich meine Geschichte wirklich gut. Sie ist abstrakt zeigt keine wirkliche Entwicklung und will bewusst verwirren. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Ich bin über die Kommentare zu deinem sehr kurzen - vielleicht eher in der Kategorie FlashFiction passenden - Text gelandet. Texte, die ein wenig experimenteller, schräger, abstrakter und seltsamer sind, lese ich ganz gerne. Ich kann deiner eigenen Einschätzung zum Text nicht zustimmen. Ich hoffe, ich klinge nicht zu hart.

1. Ich lese hier keinen abstrakten Text. Was ich aber lese, ist der Versuch einer Abstraktion durch Reduktion der beiden Charaktere auf das biologische Geschlecht. Sie und Er. Sie wirken anonym, aber nicht abstrakt. Wenn ich deinen Text zusammenfasse -

Eine Frau starrt auf eine Wand und ein Mann starrt auf die Frau, steht auf und geht zu goldenen Fischen

- bin ich deinem Text sehr, sehr nahe. Für mich (subjektiv, klar) ist das schon seltsam, dass ich einen abstrakten Text in einem einzigen Satz so leicht und textnah zusammenfassen kann.

2.

Die Wand hatte also keine Bedeutung in irgendKeiner Hinsicht. Es war eine gewöhnliche Wand, sowie sie nun mal in Gebäuden vorkommt.
Solltest du deinen Text tatsächlich so bewusst geschrieben haben, wie ich aus deinen Kommentaren entnehme - die in den Kommentaren anderer Nutzer:innen geschilderte Einschätzung des Textes entspricht exakt dem, was du als Autor erreichen wolltest - verstehe ich nicht, warum ich einen solchen Rechtschreibfehler lese.

3.

Aber ist denn eine Prämisse eine notwendige Bedingung für einen Anreiz zum Nachdenken? Ich denke nicht. Schließlich fanden andere meine Geschichte durchaus gut und du selbst wurdest zum Nachdenken animiert.
Es gibt aber einen Unterschied zwischen Nachdenken, Aufmerksamkeit und den Eindruck, den ich als Leser aus dem Nachdenken ziehe. Dein Text erhielt Aufmerksamkeit, okay. Es gab Kommentare, gut. Das ist ja auch die Idee dieses Forums. Im Grunde lese ich "zum Nachdenken animieren" als das kleinstmögliche Ziel, das an einen Text gestellt werden kann. Das Forum ist ein geschützter Raum; ich frage mich, ob dein Text außerhalb des Forums eine Überlebenschance hat, ob das Mindestziel, das du formulierst, überhaupt erreicht werden kann.

Leider hat der Text für mich einen unbefriedigenden Eindruck hinterlassen. Da ist keine Wirkung, da ist nichts, was auf Abstraktion hindeutet, da passiert zu wenig. Mag sein, dass das dein Ziel ist. Nur warum sollte ich als Leser dann einen weiteren Text von dir lesen? Klingt hart, ist hart, ich weiß.

4. Sprachlich ...

Sie starrte einfach so an jene Wand, an die sie schon seit einer guten halben Stunde starrte. Sie starrte unbewusst an diese Wand, welche ebenso ein gewöhnlicher Kaffeespender hätte sein können.
Klar, du wolltest verwirren, aber dein Text enthält sehr wenige Details und du als Autor erklärst. Du erklärst die Wand "schön". An der Wahrnehmung von "Sie" bin ich als Leser kaum beteiligt. Außer Starren ist da nicht viel.

Eigentlich ist das Wenige, was in deinem Text passiert, eine schöne Blaupause für sprachliche Innovation oder für Experimentelles, Kreatives. Das leistet dein Text leider nicht. Er deutet es an ("irgendKeiner"), aber diese Andeutung wirkt im Textgefüge recht einsam und, aus meiner Sicht, unpassend.

Ich hoffe, ich klang nicht zu hart.

Lg
kiroly

 
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03.05.2021
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Hi @kiroly

ich muss gestehen deine Argumentation gefällt mir wirklich sehr gut. Und
Nebenbei möchte ich mich korrigieren und meinen Text nicht in die Kategorie klassische Kurzgeschichte oder so packen und möchte mich an dieser Stelle bei @Katla "entschuldigen", da ich wohl sehr uneinsichtig war und nun katlas Argumentation besser verstehe (jedenfalls ein Teil davon). Wie dem auch sei, ich verstehe deinen Punkt, kiroly. Die Geschichte ist wirklich verdammt kurz und Details gibt es kaum.

Wobei ich dir allerdings wirklich widersprechen muss, ist, dass der Text nicht abstrakt sei, weil er in einem Satz zusammengefasst werden kann.
Wenn man ein berühmtes abstraktes Gemälde, wie Piet Mondrian: Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1926, ginge das auch in einem Satz: Farbige Rechtecke, werden durch schwarze horizontale und vertikale Linien getrennt.
( Nicht das ich mich auf eine ebene mit Mondrian stellen würde)

Du meintest außerdem dass in meiner Geschichte nichts passiere. Dem kann ich nur zustimmen und das war aber auch so gewollt. Allerdings verstehe ich es auch dass die Geschichte dadurch langweilig wirkt und einen Faden Geschmack hinterlässt.

Ich denke ich schließe damit ab, indem ich sage, dass der Text schlichtweg nicht jedem gefällt, u.a. weil er vermutlich sehr ungewöhnlich ist und wie katlas schon gesagt hat keine Substanz und Prämisse, usw. Enthält.

Liebe Grüße,
Marc

 
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12.04.2007
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Wobei ich dir allerdings wirklich widersprechen muss, ist, dass der Text nicht abstrakt sei, weil er in einem Satz zusammengefasst werden kann.
Wenn man ein berühmtes abstraktes Gemälde, wie Piet Mondrian: Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1926, ginge das auch in einem Satz: Farbige Rechtecke, werden durch schwarze horizontale und vertikale Linien getrennt.
( Nicht das ich mich auf eine ebene mit Mondrian stellen würde)

Moin, ihr lieben,

Marc und @kiroly,

interessante Haltung und in der Tat hat eine Erzählung und sei’s eine „Kurzgeschichte“ nix mit ihrer Länge und schon gar nix mit der Zahl der darin verwendeten Sätze zu tun und dass sie auch hierorts funktioniert, belegt aus meiner Anfangszeit hierorts Einsatzgeschichte | Wortkrieger – ein Knæckebrœdkrimi – der natürlich auch zunächst Aufregung erregte.

Schönen Restsonntag und Gruß aus’m Pott vom

Friedel

 

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