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En prakdische Mensch (Eberstädterisch)

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En prakdische Mensch (Eberstädterisch)

En prakdische Mensch

„‚Ach wisse se, isch bin en prakdische Mensch. Mir Ewwerschder sin doch all prakdische Leid, gell?’ Seggt die oald Fraa Rischder wie isch se heidt uff de Kerb getroffe hab, und schubst mich uffs Trottewaa nuff.
‚Mer koann nedd uff de Stroos stehe un schwätze, die fohrn wie die Henker, die Drecksei. Also - dess Dorsche hot mer erzähld, dass se e Problem mit ihrm Monn hodd, der wor nedd mer zufriedde mit ihrner Eh, dobei sin die schunn finfundzwanzisch Johr verheierd. Sie wor jetzt beim Psyscholgh, der hodd se noch zehemohl bestelld, die Stund for sechzisch Euro. Des hätt se sich spohrn kenne, weil, jetzd is se trotzdem geschiede. Wer die zu mir kumme, hätt isch er glei gesachd, wo dess Problem mit Mann und Fraa liggt. Wisse se, isch bin en prakdische Mensch, die Sach is nämlich die - die Männer wisse nedd wonn se sich um die Fraae kimmern solle, und die Fraae nedd wonn se die Männer in Ruh loasse solle. Mer is do nedd.’
Ja, die Rischdern koann ihr Schlappmaul gud uffreisse, ehrwie nedd gibt die oh, wie e Dudd voll Migge, awwer die is doch selwer geschiede! He, Vadder, hersdt du mir iwwerhabdt zu ... ?“


Übersetzung:

Ein unkompliziert denkender Mensch

„‚Ach wissen Sie, ich bin ein praktischer Mensch. Wir Eberstädter sind doch alle praktische Leute, stimmt es?’ (Das) sagte die alte Frau Richter als ich sie heute auf der Kirchweih getroffen habe, und schubst mich auf den Bürgersteig hoch.
‚Man kann nicht auf der Straße stehen und (sich) unterhalten, die fahren wie die Henker, diese Drecksäue. Also - die Dorothee hat mir erzählt, dass sie ein Problem mit ihrem Mann hat, er war nicht mehr zufrieden mit ihrer Ehe, dabei sind die (Beiden) schon fünfundzwanzig Jahre verheiratet. Sie war jetzt beim Psychologen, der hat sie noch zehnmal bestellt, die Stunde für vierzig Euro. Das hätte sie sich sparen können, denn, sie ist jetzt trotzdem geschieden. Wäre sie zu mir gekommen, hätte ich ihr gleich gesagt, wo das Problem zwischen Mann und Frau liegt. Es ist nämlich folgendermaßen - die Männer wissen nicht wann sie sich um die Frauen kümmern sollen, und die Frauen nicht, wann sie die Männer in Ruhe lassen sollen. Mehr ist da nicht dran (= so einfach ist das’).
Ja, die (Frau vom Herrn Richter, der Familie Richter) Richtern kann ihr geschwätziges Mundwerk leicht aufreißen, eher als nicht (also mit großer Wahrscheinlichkeit) gibt sie an, wie eine Tüte voll Mücken, dabei ist sie doch selbst geschieden! Hallo, Vater, hörst du mir überhaupt zu ... ?“
 
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04.01.2002
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Hallo, Wolto!

Juppiduu! Ich konnte den von Dir benutzten Dialekt auch ohne Übersetzung (außer "Ewwerschder") verstehen!
Entweder ist er irgendwo in meinen Genen latent vorhanden, oder ich habe direkten Zugriff auf ein linguistisches Kollektivbewußtsein (ei isch glaub isch habb e matschische Bern, schreibt mer "Bewußtsein" net annersch?).

Eine sehr schöne, humorvolle Geschichte, welche die Haupt-Problematik zwischen Mann und Frau treffend und humorvoll behandelt, ist Dir da gelungen.
Die alte Frau Richter ist wirklich ein praktischer Mensch! :D

Hab´s gern gelesen!


Lieben Gruß
Antonia
 
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18.04.2002
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Hallo Antonia,

juppiduhh - isch werd verstanne!Isch hab schunn gedacht, dass mich niemand hier aufstöbert, auf der Seite geht`s ja recht ruhig zu. Mich hat es sehr in den Fingern gejuckt, die Geschichte in Philo zu veröffentlichen, als Pendant zu meiner ersten Philo-Story.
Das Verrückte ist nur, wenn man sich mal so in der Bekanntschaft umsieht, findet man `die Rischdern´ immer wieder bestätigt...
Dein Kollektivbewußtsein geht nach meinen Erfahrungen aber weit über das intuitive Verständnis einer Subkategorie des Hessischen. Also bei Schwäbisch hätte ich keine Chance.

Herzlichen Dank für Deine Anmerkung,

liebe Grüße,

tschüß... Woltochinon
 
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26.10.2001
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Alla hopp, Wolddo, des war garnet emol so schleschd, aweer isch wees immer noch nedd, was du do jetzad gschwetzd hosch, war des jetzat Monnemerisch, odder Kurpälzisch, odder war des am end ewwer Pälzisch?
Konnsch misch emol uffläre, odder weesch des selwert net so genau unn hoschs im tran gschriwwe?
Awwer sunscht wars net iwwel!!
De Gelbfießler- Lord:D :D :cool:
 
Senior
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18.04.2002
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Hallo Lord,

Du, Gelbfüßler? Prima!
Natürlich weiß ich genau, welchen Dialekt ich darstellen wollte. Eberstadt (südlich von Darmstadt) hat eine Mundart zwischen Frankfurter und Bergsträßer Herkunft. Letzteres hat bei Dir (gut beobachtet!)
die Assoziation zu `südlicheren´ Dialekten geweckt.
Interessant, dass in dieser Sprachecke das `B´ so oft zum Doppel- `W´ wird.
Hob isch Disch jetzd uffgeglärd?

Vielen Dank für Deine Anmerkung,
bis bald,

tschüß... Woltochinon
 
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30.09.2002
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Hi Woltochinon!

Zuerst einmal: ich bin stolz auf mich, dass ich in der Platt-Version deiner Story fast alles verstanden habe (für mich Hochdeutsche eine Leistung, find ich ;) ).

Inhaltlich gesehen fand ich deine Geschichte auch gelungen. Du führst das Problem, was zwischen Männern und Frauen besteht, gut auf.

Greetinx
Alisha
 
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18.04.2002
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Hallo Alisha Devils,

hat mich gefreut, ausgerechnet auf dieser Seite eine Rückmeldung von einer `Unbekannten´zu erhalten. Ja, es ist eine Leistung, dieses dem Nuscheln verwandte Idiom zu verstehen (habe mich auch erst spät daran gewöhnt).
Eigentlich schade, dass der Inhalt zutrifft...

Alles Gute,

tschüß... Woltochinon
 
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30.09.2002
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Hmm... von einer 'Unbekannten'? :susp:

Naja... Männer und Frauen können ja mit Sicherheit einiges unternehmen, damit der Inhalt nicht zutrifft, find ich :)

Greetinx
Alisha
 
Senior
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18.04.2002
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Hallo Alisha,

`Unbekannt` bezieht sich darauf, dass ich noch nichts von Dir gelesen habe (wird sich gleich ändern), Du schreibst halt in Rubriken, die ich selten besuche.

Was die `Gegenmaßnahmen´ betrifft: Vielleicht ist das Erkennen des Problems der Anfang einer Verhaltensänderung.

Liebe Grüße,

tschüß... Woltochinon
 
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26.10.2001
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Hea Wolddo, dann sollde mer uns emol treffe, vielleischt mit ere Bib zusomme, weil des is jo alles net weit aussenanner, odder??? Un Heidelberg is aa grad soo schää, im Friehling.
Isch däd misch do oobiede, fär de Woi unn die Wohnung.
Was määnsch? wann d´willsch, konnsch mer jo mol ä PM schigge.

Lord:D ;)
 
Senior
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18.04.2002
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Hallo Sighard,

habe Deine Anmerkung nicht ganz verstanden, der Text war doch von Anfang an in `Mundart´ gepostet.
Was den `Wahrheitsgehalt´ der Geschichte angeht: Ich finde es manchmal schon erschreckend, wie viele Partnerschaftsprobleme sich auf das Statement des `prakdische Mensche´ reduzieren lassen.
Vielen dank für Deine Anmerkung!

Liebe Grüße,

tschüß... Woltochinon
 

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