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Endstation 7

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23.02.2026
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Endstation 7

Es war ein üblicher Arbeitsmontag im Krankenhaus. Wir saßen zum Dienstbeginn im kahlen Aufenthaltsraum. Emma war mir zugeteilt als Partnerin.

Das Diensthandy klingelte. Ein Patient musste zu einer Untersuchung gebracht werden. Ich notierte die Daten auf meinem Notizblock, trank meinen Kaffee aus und Emma checkte noch ihre E-Mails. Anschließend nickte sie mir zu und wir verließen das Zimmer. Auf dem langen Korridor des Krankenhauses herrschte Ruhe. Um diese Zeit ist hauptsächlich die Pflege auf den Gängen.

„Beim Kickboxen ist es wichtig, den Gegner zu lesen.“, sagte sie. „Ungefähr so.“ Sie posierte breitbeinig auf dem Flur, dann kickte sie ihren Fuß über den Kopf. Zwischen Pflegepersonal und Sterilium. Während sie noch am kämpfen war, tat sich in meinem Kopf eine Wolke auf. „Das wird ein Schub“, dachte ich. Die Realität wandelte sich. Der Flur wurde dunkler. Die Lichter gedimmt. Ich erkannte Emma als Dämon. „Alles ok bei dir?“, fragte er mich „Du siehst so niedergeschlagen aus.“ Der Abstieg nahm seinen Lauf. Der Dämon verspottete mich. Er wusste, dass ich ihm unterlegen war. Sein Lächeln strahlte Zufriedenheit aus. Seine Worte waren wie gut platzierte Schläge. Sie gingen tief unter die Haut. Er legte seinen dünnen Arm um meinen Hals und fragte mich: „Was hast du denn?“ „Nichts.“ Der Versuch, mich aus seinem Würgegriff zu befreien, scheiterte. „Du siehst so deprimiert aus.“ Das traf mich. Ich taumelte, wie ein Boxer nach einem Volltreffer. Mein Kopf war ungedeckt, so dass er ein leichtes Ziel war. „Was hast du vor?“ rätselte er. „Nichts“ wiederholte ich, nach den Seilen tastend. „Ist wirklich alles ok?“ Er prügelte auf mich ein. Es machte ihm sichtlich Spaß. Hilflos sah ich ihm dabei zu. „Lach‘ doch mal n bisschen.“ Es schnürte mir die Luft ab. „Ich hab grad andere Sorgen.“, wehrte ich mich. Mein Mund wurde trocken. Das Reden viel mir schwer. „Du bist viel zu ernst.“, lachte er. „Tja.“ meine Deckung fiel. „Dann heul‘ doch einfach“, sagte er und tänzelte leichtfüßig um mich herum. „Lass‘ doch einfach gut sein.“, schnaufte ich. In der Hoffnung, er hätte Erbarmen. Dem war nicht so. „Ich will ja nur, dass es dir gut geht.“ „Ich will das aber nicht.“, brach es aus mir heraus. Überrascht über meine Aussage, starrte ich den Dämon an. Er zuckte mit den Achseln. „Wie du willst.“ Dann holte er aus. Dunkle Nebelschwaden taten sich auf. Mir wurde schummrig. Das Leben verließ meine Augen. Ich ging zu Boden.

„Hier, trink das.“ Emma hielt mir ein Glas Wasser vor das Gesicht. „Was ist denn los mit dir? So kenn‘ ich dich garnicht.“, fragte sie. Noch auf dem Boden sitzend lehnte ich mich an die Wand auf dem Flur. Das Herz raste. Kleine, leuchtende Würmchen durchquerten meine Sicht. „Keine Ahnung, war wohl gerade etwas Zuviel für mich.“, antwortete ich und trank einen Schluck. Die Realität bahnte sich langsam ihren Weg zurück. Zwei Assistenzärzte räumten dem Szenario bei. „Was hat er denn?“, fragte einer der Beiden.“Den Kopf nicht bei der Sache.“, lachte Emma. „Ah, Ganz übel sowas“, sagte der Andere. „Immer die Augen offen halten.“, sagte der Eine. „Ich hab’s genau gewusst“, rief ich. Die Realität schwand erneut. „Ihr seid alle gleich.“ Emma und die Ärzte schauten sich irritiert um. „Ihr wollt mich alle nur abzocken.“, stammelte ich erregt. „Aber ich lass mich nicht verarschen.“ Ein Professor kam hinzu. „Geht’s eigentlich noch?“ „Ich glaub er dreht grad durch.“, sagte Emma mit tellergroßen Augen.“Kommen Sie erst mal wieder hoch.“, sagte der Professor zu mir und griff nach meinem Arm. Als ich daraufhin handgreiflich wurde, sagte er zur Schwester: „Fixierung. Schnell“. Die Krankenschwester eilte in den Geräteraum. Währenddessen hielten mich zwei Ärzte, drei Pfleger, zwei Schwestern und Emma am Körper und warfen mich auf ein Krankenbett. Ich zappelte und schrie. Als das nichts brachte, drohte ich ihnen. „Ich verklag‘ das ganze verdammte Haus.“ Die Schwester kam mit der Fixierung aus dem Geräteraum. Sie streckten meine Gliedmaßen, wie bei einer Räderung. Dann legten sie die Manschetten der Fixierung um meine Gelenke. Anschließend verankerten sie die Manschetten mit Bändern am Bettrand. Ich wandte mich, wie ein Fisch, der aus dem Wasser gezogen wurde. Ich versuchte, mich gegen mein Schicksal zu wehren. Eine weitere Pflegerin kam im Eilschritt mit einer blauen Pille in der Hand. „Nehmen Sie das“, befahl sie mir „Tavor. Das hilft.“ „Hilf dir selber“ Der Fisch zuckte noch. Man zwang mich, das blaue Übel zu schlucken. Ich weigerte mich, spuckte allerlei Schimpfwörter in die Runde, biss den Kiefer zusammen und biss mir anschließend die Zunge blutig. Ich gab irgendwann kraftlos auf. Schlief vor Erschöpfung ein. Der Fisch konnte jetzt filetiert werden.

Als ich wieder wach wurde, fühlte ich die Blöße in mir. Noch immer ans Bett fixiert schaute ich mich um. Emma stand da. „Na, du Randalierer?“, sagte sie. „Kann man schon wach sein?“ Ich entschuldigte mich bei ihr für mein Verhalten. Was war nur in mich gefahren? Ich, der sonst so Ruhige, hatte eine Stunde lang eine komplette Station allein beschäftigt. Und das im Frühdienst. Wo die Zeit sowieso schon rar ist. Emma stupfte mir auf die Stirn mit dem Zeigefinger. „Hallo.“ Ich schaute sie an. Sie hatte Recht. Ich denke zu viel. „Wie geht’s jetzt weiter?“, fragte ich sie. „Musst du die Ärzte fragen“, sagte sie. „Glaubst du, die werfen mich jetzt raus?“ „Ich weiß nicht. Es war schon n bisschen psycho, was du da gemacht hast.“ „Scheisse“, fluchte ich leise. Eine Ärztin betrat das Zimmer. Sie kam mit der Belegschaft zur Visite. „Guten Morgen, Herr Ostermann. Schön, dass sie wach sind. Wie geht’s Ihnen denn heute?“ Ich erklärte ihr die ganze Geschichte und wie es dazu kam. Von meinem Blackout, dem Dämon und wie ich der Überzeugung war, dass der Professor versuchte, mich zu bestehlen. Die Ärztin stellte noch ein paar Routinefragen, dann verließ sie das Zimmer wieder, mit der Belegschaft im Schlepptau. Emma und ich unterhielten uns noch ein bisschen, dann ging auch sie wieder auf ihre Station zurück. Ich lag in meinem Bett auf Station Sieben. Fixiert. Dann schlief ich wieder ein.

Zwei Jahre, eine Therapie und keinen Anfall später arbeite ich noch immer im Krankenhaus. Ich rauche jetzt kein Gras mehr. Wie wir festgestellt haben, könnte das der Auslöser für meine Schübe gewesen sein. Da ich inzwischen unkündbar bin und weil das Krankenhaus eine soziale Einrichtung ist, wurde ich versetzt in das Archiv. Der stressfreie Alltag ist eine spürbare Verbesserung für mich und mein Handicap. Manchmal treffe ich Emma auf dem Flur. Es gibt immer etwas zu erzählen in einem Krankenhaus, aber die Geschichte von meinem Aussetzer ist immer noch eine unserer liebsten Anekdoten.

 

Willkommen @Sam O. bei uns Wortkriegern,

vorweg noch ein kleiner Hinweis: Sicherlich hast du dich schon etwas hier umgeguckt und gemerkt, dass wir keine reine Leseseite sind, immerhin steht ja auch in deinem Profil, dass du gerne Feedback zu deinen Geschichten haben möchtest.
Genau darum geht es hier. Wir geben uns gegenseitiges Feedback und da kann sich jeder einbringen, der Geschichten schreibt, denn bevor man einen Text aufsetzt, macht man sich ja Gedanken darüber, was eine gute Geschichte ausmacht.
Du hast hier gleich zwei Geschichten reingesetzt, was mich schon ein wenig überrascht, denn du wirst deine Zeit schon für eine Geschichte benötigen, um sie zu verbessern und ausserdem wirst du ja sicherlich auch anderen etwas durch deine Feedbacks zurückgeben wollen.

Und nun geht's los:
Ich finde deine Geschichte hat Potential. Sie ist jedoch, so wie sie da jetzt steht, noch ziemlich im Rohbau.
Und das hat mit der Gewichtung zu tun.
Mir gefällt die Idee, zu beschreiben, wie jemand, der völlig charakterlich anders gestrickt ist, einen anderen Menschen quasi mitreißen kann in eine verbesserte Version seiner selbst. Das ist ein angenehmer Grundgedanke in deiner Geschichte.

Und da dies für mich der wichtige Kern deiner Aussage ist, solltest du dem Protagonisten und seiner quasi Gegenspielerin deutlich mehr Raum geben.
Mir fehlt mehr Innenleben deines Protagonisten. Was fühlt er, wenn diese Emma alles weglächelt, was denkt er und was genau tut Emma? In diesen Punkten würde ich mich weiter ausbreiten und das zeigen, mir Leser also die Bilder zeigen und die Gedanken schildern.

In deiner Geschichte wird ganz viel einfach nur im Rückblick zusammengefasst und dem Leser wie ein dickes Paket vor die Tür geschoben. Aber als Leser würde ich gerne zusammen mit den Figuren in das Paket reingucken wollen.
Sei also deutlich detaillreicher, um den Vorgang zu schildern, wie es Emma gelingt, den Protagonisten zu verwandeln.
In deinen Schilderungen ist Emma eigentlich nur diejenige, die lächelt. Sollte das so bei dem Leser ankommen oder mogelst du dich um das genauere Aufzeigen herum? Hat sie nur das getan und damit den Protagonisten überzeugt? Oder hatte sie auch verbale Argumente?Ich würde diese interessante Frau gerne besser kennenlernen wollen.

Dann bereitest du die Geschichte recht umständlich vor, in dem du eine Art Vorspann schreibst und obendrein eine Art Nachspann. So hat man um 1900 geschrieben, aber heute macht man das nicht mehr und du verlierst garantiert auch einige Leser gleich am Anfang, weil die sich fragen, was jetzt die ganzen Ausführungen sollen und sie werden dir am Ende aussteigen, weil ja die Geschichte auserzählt ist und nur noch der resümierende Nachspann kommt.
Ich würde diese beiden Teile restlos streichen, weil die Geschichte auch ohne sie lässig auskommt.

So und nun komme ich zu dem, was mir innerhalb des Textes aufgefallen ist.

Zunächst, ich habe mir die Zeit dafür nicht genommen, ist anzumerken, dass du jede Menge Kommas nicht gesetzt hast. Ich lasse dir symbolisch ein ganzes Kilo Kommas da, bitte geh selbst nochmals genauer drüber, nutze Schreibprogramme, den Duden, du weißt schon.

Es war ein üblicher Arbeitsmontag. Ich hatte einen starken mentalen Schub, da ich meine Anti-Depressiva nicht eingenommen hatte.
Exakt hier wäre für mich der Anfangssatz. Alles, was du vorher geschrieben hast, ist komplett überflüssig.
. Auf dem langen Korridor des Krankenhauses herrschte ein ruhiges Treiben.
Ruhiges Treiben? Das Wort "Treiben" ist für mich ein Begriff von Aktion, Bewegung, Mobilität und somit passt es nicht in Kombination mit "ruhig". Würde ich ändern.
Emma ist eine Frohnatur.
Das behauptest du. Und damit zwingst du den Leser in eine Situation, die er nicht möchte, du übrigens auch nicht. Du befiehlst mir sozusagen, es entweder zu glauben und dann ist es Fakt oder ich lasse es mir nicht befehlen und suche dann innerhalb der Geschichte laufend nach Beweisen, dass deine Behauptung stimmt. So entsteht aber zwischen dir als Autor und mir als Leserin ein recht kritisches Verhältnis.
Das kannst du umgehen, indem du es nicht einfach behauptest, dass Emma eine Frohnatur ist, sondern indem du mir lauter Bilder beschreibst, woran ich das erkennen kann.
was das besondere an
das Besondere
Ich wusste genau: Das wird ein Schub.
Ab hier erfährt der Leser, dass es ein Schub wird, oben beim Beginn der Geschichte, also wo sie aus meiner Sicht überhaupt erst beginnt, kündigst du ihn bereits so an, als steckte der Protagonist schon in einem Schub. Ich würde ihn da am Anfang vielleicht noch gar nicht erwähnen, sondern es wirklich erst hier zeigen.
Das Vorwegnehmen von Geschehnissen ist leider ein häufiger Anfängerfehler, haben wir also alle schon mal gemacht.
Aber stell dir mal vor, du wüsstest z.B. bei einem Märchen bereits am Anfang das, was am Ende passiert.

Auf diese Kampfansage wollte ich kontern. Scheiterte aber.
Auch hier schreibst du narrativ. Deine Leser möchten aber genauer wissen, was für eine Kampfansage das gewesen ist und wie der Protagonist scheiterte. Die beiden Sätze sind nur Behauptungen, sie mögen stimmen, aber das möchte ich als Leser selbst erkennen und nicht vorgeschrieben bekommen. Ich hoffe, du verstehst, was ich zu bemängeln habe.
Vergebens war die Mühe, ihr zu erklären, dass das Leben nunmal kein Ponyhof sei.
Will ein Leser das lesen? Es ist so ein ausgelutschter Satz, der zudem, als er das erste Mal aufkam, noch nicht einmal gut war. Erfinde eine neue Formulierung, wie dein Protagonist der Emma klarmacht, dass das Leben hart ist und bitter.
. Sie nahm sich meiner Probleme an wie immer.
Wie muss ich mir das vorstellen? Wie nimmt sich jemand der Probleme anderer an? Behaupte es nicht einfach, schildere es im Detail. Sind es tröstende Worte, erklärende gar oder sind es Lebensweisheiten, ein liebevolles Streicheln über die Wange, den Kopf, ist es Mut zusprechen, mit welchen Worten? Du hast unendlich viele Möglichkeiten, deine Version als Autor zu erschaffen, wie so ein Verhalten aussieht.
Durch Emma habe ich gelernt was Licht ist und wie du es in dir erleuchten kannst.
Ein salbungsvoller Satz, der bereits komisch wirkt, weil er in seinem Fazit, obwohl sicherlich richtig, so abgehoben wirkt. Für meinen Geschmack wirkt er sogar peinlich kitschig. Bitte streichen.
Die Formel ist so einfach wie genial. Versuche positiv zu sein. Denke optimistisch. Selbst wenn die Aussichten noch so düster sind. Nutze Worte, die für etwas sprechen anstatt dagegen. Und wenn du das Gefühl hast, das Licht blendet dich jetzt zu sehr, dann wechsel für eine Zeit die Seiten. Spiel für das andere Team. Setz dich im Schatten ab. Wer zu lange in der Sonne steht bekommt einen Sonnenbrand. Es sei denn, man heißt Emma und ist Asiatin. Der passiert das nicht. Aber wir normal Sterblichen müssen ab und an auch mal im Schatten parken, um ein bisschen abzukühlen. Aber vergiss nicht daraus wieder herauszutreten bevor du unterkühlst. Balance ist das Gleichgewicht des Lebens.
Sicherlich wirst du dir bereits denken können, weshalb ich diesen Absatz zitiert habe. Er kann komplett verschwinden und gelöscht werden, er ist überflüssig. Die Geschichte ist schon längst zu Ende, wer will das jetzt noch lesen? Entweder habe ich Leser bereits diese Erkenntnisse, die du da noch aufzeigst, bereits durch deine Geschichte selbst erworben oder aber ich konnte es nicht, warum auch immer. Dann würdest du mich an dieser Stelle auch nicht vom Gegenteil überzeugen können.

Ich hoffe, ich habe dich mit meiner Kritik nicht restlos entmutigt, an dieser Geschichte noch intensiv zu arbeiten. Es gibt dazu übrigens den Bearbeitungsbutton unten links.
Viel Erfolg!

Lieben Gruß

lakita

 
Zuletzt bearbeitet:

Vielen Dank für dein Feedback Iatika und dass du dir auch die Mühe gemacht hast. Ich muss deinen Aussagen sogar zustimmen, denn du hast mir gezeigt, dass ich einfach zu bequem war, an manchen Stellen genauer in die Tiefe zu gehen. Ich habe den Leser mit ein paar einfachen Sätzen abgestempelt.

Auch den letzten Absatz zu streichen, ist eine gute Empfehlung. Deine Argumente sprechen dafür. Denn wahrscheinlich war es auch der Absatz, der mich hat zögern lassen, die Geschichte überhaupt zu veröffentlichen. Ich finde du hast recht. Wer bin ich, dem Leser erklären zu wollen, wie die Welt vermeintlich funktioniert? Und doch habe ich es versucht. :)

Aber es ist meine erste Geschichte. Man soll es mir verzeihen. 😉

Danke fürs Fehleraufzeigen! Falls ich nochmal die Muße habe, werde ich die Stellen ausarbeiten.

Grüße Sam

 

Hallo @Sam O. ,

freut mich, dass du mit meiner Kritik etwas anfangen kannst.

Aber es ist meine erste Geschichte. Man soll es mir verzeihen. 😉
Ach was, das ist keine Frage des Verzeihens. Wir alle haben mal angefangen und jede Menge Fehler begangen. Sie sind ja auch dazu da, um zu lernen. Und genau deswegen haben wir uns hier zusammengefunden.
Und ja, lass ruhig erstmal sacken und dann ran an die Verbesserungen.
Mir geht es immer so, dass ich einen zeitlichen Abstand zu meinen Geschichten benötige, bevor ich sie konstruktiv überarbeiten kann.
Dieser zeitliche Abstand ist deswegen wichtig, um die eigene Geschichte wie ein Fremder, also ein Leser, der sie das erste Mal liest, lesen zu können.

Lieben Gruß
lakita

 

Hallo @Sam O.,

Du hast geschrieben:

Falls ich nochmal die Muße habe, werde ich die Stellen ausarbeiten.

Ja, wie sieht es denn aus mit der Muße? War sie schon da oder ist sie noch auf der Walz?

Lakita hat Dir ja schon sehr gute Tipps gegeben, sodass aus meiner Sicht es erst dann wieder sinnvoll ist zu kommentieren, wenn Du diese Tipps auch umgesetzt hast bzw versucht hast sie umzusetzen.

Gruß
Geschichtenwerker

 

Hi @Sam O.,

von mir eher ein kurzes Feedback, da ich noch nicht so genau weiß, wohin Deine Reise hier gehen wird.

Auf der Habenseite: Beim schnellen Lesen ist mir kein Fehler aufgefallen, Du schreibst klare Sätze und man versteht auch was Du sagen möchtest. Das ist aus meiner Sicht ein sehr guter Startpunkt.

Aber auch dieser Text liest sich sehr berichtsartig. Ist das schlecht? Aus meiner Sicht ja, weil:

Als Leser möchte man in die Geschichte eintauchen, Emotionen haben, unterhalten werden, nachdenken, was auch immer, aber jedenfalls muss der vermittelte Stoff aus meiner Sicht erfahrbar werden für den Leser.

Wenn Du jetzt eine Schlagzeile liest: Mutter wirft Baby auf den Müll
Dann bist Du geschockt und liest als nächstes das Horoskop (oder was auch immer).

Damit hast Du aber nichts erfahren, Du kannst Dich nicht in die Mutter hineinversetzen, warum sie das getan hat. Selbst wenn Du den Artikel liest, wirst Du informiert, aber die Welt der Mutter wird für Dich trotzdem nicht erfahrbar sein.

Das ist aber das, was wir hier versuchen. Jeder auf seine Weise; den Stoff, die Idee, die wir haben, erfahrbar zu machen.

Dafür gibt es unendliche viele Mittel und Du kannst hier ein wenig herumstöbern, welche das sind.

Um Dir eine Starthilfe zu geben, hier drei Werkzeuge:

- "Show, don't tell": Emotionen nicht erzählen, sondern durch Handlungen erfahrbar machen. Anton war wütend ist etwas anderes als Anton hat seinen Schreibtischstuhl aus dem Fenster geworfen und den Nachbarshund dabei getötet.

- Dialoge: ich mag Dialoge sehr, weil das eine gewisse Lebendigkeit in den Text bringt und man so gut Figuren charakterisieren kann, über das Sprachregister z. B., Ausdrucksweisen, etc. Außerdem kann man Situationen gut und mit wenigen Worten darstellen:

"Der Kaffee schmeckt irgendwie metallisch heute.", sagte sie.
"Hast Du schon die Zeitung geholt?", fragte er.

- Kameraführung - je näher dran, desto intensiver, je weiter weg, desto erzählender, vielleicht so als grober Anhaltspunkt:

Die Fühler am Kopf des Marienkäfers bewegten sich genauso sanft im Wind, wie die Haarsträhe, die mir ins Gesicht viel, als ich den Käfer zurück auf das Rosenblatt des Rostenstocks setzte, den meine verstorbene Mutter so geliebt hatte.

Sie setzte den Marienkäfer auf das Blatt.

[Disclaimer: Nimm meine schnellen Beispiele bitte nicht zu ernst, sie dienen nur zur Veranschaulichung]

Damit kann man mal anfangen, denke ich. Es gibt natürlich noch viel mehr, aber aller guten Dinge sind drei (es mag aber sein, dass andere hier bessere drei Werkzeuge als Startempfehlung haben).

Das kannst Du jetzt verwenden und darüber nachdenken, ob und wo Du diese Werkzeuge in Deiner Geschichte einsetzen kannst.

Wenn Du das tun möchtest und soweit bist, kann ich gerne noch einmal reinlesen und wir arbeiten weiter daran.

Gruß

Geschichtenwerker

 

Hallo @Geschichtenwerker,

Ich danke dir für deine Ratschläge. Gerade dein Tipp, Emotionen entstehen zu lassen, statt sie einfach nur zu beschreiben ist Gold wert. Daran kann ich in Zukunft noch feilen.

Für den Anfang allerdings, bin ich mit der Geschichte soweit jetzt zufrieden. Ich kann sie vertreten, so wie sie da steht.

 

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