Was ist neu

Gebote

MRG

Mitglied
Beitritt
12.03.2020
Beiträge
159

Gebote

Männer sprechen nicht über Gefühle. Wenn sie es doch tun, sind sie eben keine echten Männer. Ich hatte einen Arbeitskollegen, Noah, der das beste Beispiel für solch einen Waschlappen war. Kleiner Typ, nicht mal 1,75 Meter groß, trug eine Hornbrille und bezeichnete sich doch tatsächlich selbst als "hochsensibel".

Ich erinnere mich an diesen Samstag bei der Arbeit als Noah in mein Büro kam. Sein Blick wanderte unruhig von links nach rechts und ständig fuhr er sich über den Brustkorb. „Jens, ich fühl mich nicht so gut“, sagte er.
„Haste wieder einen deiner Anfälle? Mensch reiß dich doch mal zusammen!“
„Ich kann nicht, ich hab so eine Angst. Mein Gott, was soll ich machen?“
Seine Stimme klang hektisch, fast hysterisch. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich hab das Gefühl vor Angst zu ersticken.“
Als er das sagte, tippte er mit seinem Lederschuh an das Bein meines Schreibtisches. Das Geklapper störte mich. „Jetzt beruhig dich doch mal und hör auf mit dem Fuß da“, sagte ich. Er hörte sofort damit auf, nur um sich nervös durch die Haare zu streichen. Noah hatte dicke, braune Haare, die für einen Mann viel zu lang waren.
„Du steigerst dich da unnötig rein. Komm mal runter, du hast einen Job zu erledigen.“
Sein Blick erinnerte mich an ein gehetztes Tier.
„Ich …, tut mir leid.“
Es herrschte einen Moment lang eine Stille, die nichts Gutes versprach.

Noah schluckte einmal, dann ein zweites Mal – trocken. Er drückte mit beiden Händen auf seine Brust, machte einen kleinen Hüpfer und atmete viel zu tief ein. Ich hatte den Eindruck, als hätte er mit Absicht die Luft angehalten. Was für eine Dramaqueen, unglaublich.
„Jens, Jens! Ich kann nicht schlucken! Hilf mir, bitte.“
Langsam wurde es mir wirklich zu viel.
„Stell dich doch nicht so an. Und jetzt raus!“
Er erstarrte, seine Augen wurden leer. Als die Tür hinter ihm zu fiel, verspürte ich Erleichterung. Es war das letzte Mal, dass ich ihn sah.

Seit diesem Vorfall sind 66 Tage, 3 Stunden und 27 Minuten vergangen.
Mit einer geübten Bewegung öffne ich das nächste Bier. Herrlich, wie das zischt und dieses Ploppen klingt wie Musik in meinen Ohren. Es gibt doch nichts über ein eiskaltes Flens.
Ich nehme einen tiefen Schluck. Dann mache ich den Fernseher an. Es dauert lange, bis ich mich für einen Film entschieden habe. Nach einer halben Stunde beginne ich mit einem japanischen Kriegsfilm, den ich schon nach fünfzehn Minuten wieder abbreche. Wieder erklingt dieses wohlige Ploppen und ich entscheide mich für meinen Lieblingsfilm – Rambo 1. Doch irgendetwas ist anders als sonst, die Szenen weniger faszinierend. Meine Fingernägel tippen unwillkürlich gegen die Flasche. Das Geräusch stört mich. Schnell stehe ich auf, drücke auf Pause und gehe in die Küche. Dort öffne ich einen Schrank, der sich in etwa auf Kopfhöhe befindet. Darin stehen Schnapsflaschen. Ich greife nach einem Laphroaig. Der Eiswürfel klirrt leise, als ich ihn in mein Glas gebe. Immer wieder staune ich, wie schön es aussieht, wenn die Flüssigkeit auf das Eis fließt.

Zurück auf dem Sofa, drücke ich auf die Fernbedienung und genieße den ersten Schluck. Der Laphroaig ist eine Geschmacksexplosion, die sich nicht in Worte fassen lässt. Mich überkommt es eiskalt, wenn Leute von einem torfigen Geschmack reden. Da ist noch so viel mehr versteckt, es gibt so viele Schichten, die sich darin abbilden. Ich schüttele den Kopf, so ein Unsinn. Schichten lassen sich nicht abbilden, es sind einfach nur unterschiedliche Geschmacksaromen. Ich hasse diese philosophischen Gedanken bei anderen und wenn ich sie selbst denke, wird mir ganz anders. In mir steigt etwas hoch, ganz langsam baut es sich auf wie eine Riesenwelle. Je mehr ich dagegen ankämpfe, desto schlimmer wird es. So eine Scheiße. Ich drehe den Ton des Films immer lauter, doch es hilft nicht. Ruckartig stehe ich auf, mein Glas fällt auf den Boden. Ich mache einige große Schritte auf den Fernseher zu, hole mit meinem Bein aus und trete mitten in den Bildschirm. Unwillkürlich streiche ich mir nervös durch die Haare. Immer und immer wieder.

Dann schaue ich auf meine digitale Uhr.
 
Zuletzt bearbeitet:

AWM

Mitglied
Beitritt
26.03.2018
Beiträge
426
Servus @MRG ich finde die Idee deiner Geschichte gut. Über weite Strecken hast du das auch gut geschrieben. Ich würde an manchen Stellen das Überdeutliche herausnehmen. Habe dir unten paar Beispiele geschrieben und auch gekürzt. Ist aber sicher auch Geschmackssache. Ich habe die Geschichte so gelesen, dass dein Prota seit diesem Vorfall, für den er sich die Schuld gibt, arbeitsunfähig ist, sich das aber nicht eingestehen kann, weil er eben einem Männlichkeitsbild anhängt, das keine Gefühle zulässt. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Empathie für Noah, die dein Prota ja verdrängt, die aber hier und da durchscheinen könnte.

Männer sprechen nicht über Gefühle. Wenn sie es doch tun, sind sie eben keine echten Männer. Ich hatte einen Arbeitskollegen, Noah, der das beste Beispiel für solch einen Waschlappen war. Kleiner Typ, nicht mal 1,75 Meter groß, trug eine Hornbrille und bezeichnete sich selbst als hochsensibel. Ich erinnere mich an einen Tag bei der Arbeit, kurz vor meiner Auszeit, als Noah in mein Büro kam. Sein Blick wanderte unruhig von links nach rechts und ständig fuhr er sich über den Brustkorb. Mir kam es damals so vor, als würde eine Tunte vor mir stehen. Welcher echte Mann lässt sich denn so von seinen Gefühlen überwältigen?
Ich würde da ein wenig die Überdeutlichkeit herausnehmen und zwar so:
Ich hatte einen Arbeitskollegen, Noah, der war das beste Beispiel für einen Waschlappen. Klein, nicht mal 1,75 Meter groß, Hornbrille. Ich erinnere mich an diesen Samstag (würde ich schon konkret werden, weil er ja auch genau weiß, wie viel Tage das her ist) bei der Arbeit, kurz vor meiner Auszeit, als Noah in mein Büro kam. Sein Blick wanderte unruhig von links nach rechts und ständig fuhr er sich über den Brustkorb.
„Was ist denn los mit dir! Kommst hier rein wie die größte Pussy, erzählst mir was von Angst und hältst dann die Luft an, nur um Aufmerksamkeit von mir zu bekommen. Du hast echt gar keine Eier. Und jetzt raus mit dir!“
Auch hier würde ich kürzen.
"Stell dich nicht an! Und jetzt raus!"
Mit einer geübten Bewegung öffne ich das nächste Bier. Herrlich, wie das zischt und dieses Ploppen klingt wie Musik in meinen Ohren. Es gibt doch nichts über ein eiskaltes Flens. Der Noah vertrug bestimmt gar nichts, kippte nach einem Bier schon um.
Ich öffne das nächste Bier. Es geht doch nichts über ein eiskaltes Flens. Noah vertrug bestimmt gar nichts, wäre nach einem Bier umgekippt.
Rambo 1. Bei dem Film hätte Noah vor Angst mit den Zähnen geklappert. Er war wirklich das Gegenteil von mir.
Das ist auch so überdeutlich und die einzige Stelle, die sich auch irgendwie kindisch liest. Rambo als Lieblingsfilm, bei dem Noah die Zähne geklappert hätten. Und dann noch die Betonung, dass er das Gegenteil war.
sagte ich streng
Würde streng" streichen. Möglichst selten Adverbien nutzen.

Insgesamt hat es mir aber gefallen und du bist auf einem guten Weg.
Gruß
AWM
 

MRG

Mitglied
Beitritt
12.03.2020
Beiträge
159
Guten Abend @AWM,

vielen Dank für deine schnelle Rückmeldung, das hat mich gefreut.

Über weite Strecken hast du das auch gut geschrieben. Ich würde an manchen Stellen das Überdeutliche herausnehmen.
Interessant, ich hatte vorher sogar noch mehr erklärt und das dann in der Überarbeitung rausgestrichen. Deine Rückmeldung ist daher für mich ziemlich wertvoll, weil es mir zeigt, dass ich meinen Lesern noch mehr vertrauen kann. Tue mich da manchmal schwer, diese Mitte zu finden, zwischen zu viel erklären und zu wenig. Ist ein guter Punkt.

Habe dir unten paar Beispiele geschrieben und auch gekürzt. Ist aber sicher auch Geschmackssache.
Du hast da viele interessante Impulse gegeben. Ich werde eine Nacht darüber schlafen. Gerade die Punkte zu den Dialogen finde ich anregend. In meinen Augen zeigt es die Charaktere und daher tue ich mich gerade schwer mit dem Gedanken, das zusammen zu streichen. Auf der anderen Seite kann ich sehr wohl den Punkt sehen, dass es irgendwo auch ein wenig redundant ist.

Ich habe die Geschichte so gelesen, dass dein Prota seit diesem Vorfall, für den er sich die Schuld gibt, arbeitsunfähig ist, sich das aber nicht eingestehen kann, weil er eben einem Männlichkeitsbild anhängt, das keine Gefühle zulässt.
Ja, ganz genau. Eigentlich denkt er über nichts anderes mehr nach und zeigt sehr wohl Gefühle für Noah, aber wie du schon geschrieben hast, kann er das nicht zulassen. Das würde sein gesamtes Selbstkonzept sprengen.

Was mir ein bisschen fehlt, ist die Empathie für Noah, die dein Prota ja verdrängt, die aber hier und da durchscheinen könnte.
Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Finde, dass das eine weitere Anregung ist, über die ich reflektieren möchte. In meinen Augen zeigt der Prota auf seine Art und Weise schon Bedauern. Denn der ganze Vorfall setzt ihm ja doch stark zu und sorgt für seine Auszeit, bzw. psychische Krise. Aber ja, vielleicht wäre es gar nicht so schlecht das noch etwas mehr anzudeuten, um den Prota menschlicher zu machen.

Insgesamt hat es mir aber gefallen und du bist auf einem guten Weg.
Vielen Dank, bedeutet mir schon etwas! :-)


Schönen Abend und beste Grüße
MRG
 
Zuletzt bearbeitet:
Team-Bossy a.D.
Senior
Beitritt
23.02.2005
Beiträge
5.529
Hallo MRG,

die Idee gefällt mir sehr gut, aber wie AWM schon angedeutet hat, wären mir etwas mehr subtilere Anzeichen auch lieber gewesen.
Trau dem Leser mehr zu! Durch die Aussage, dass der Prot ihn das letzte Mal gesehen hatte, ist ja klar, dass er übern Jordan ging, Herzinfarkt oder sowas.
Dann braucht es meiner Meinung nach nicht in er Reflexion noch ein zusätzliches Reinschlagen mit den Aussagen wie:
Der Noah vertrug bestimmt gar nichts, kippte nach einem Bier schon um.
Ich fände es intensiver, wenn du nach dem Abgang vom Noah nur beim Erzähler bleibst. Es braucht den Verstärker von den anscheinenden Schwächen Noahs nicht.

Noch im Detail:

Ich erinnere mich an einen Tag bei der Arbeit, kurz vor meiner Auszeit, als Noah in mein Büro kam.

Das finde ich chronologisch falsch - oder ich verstehe den Text falsch.
Dieser Satz impliziert, dass die Auszeit NICHTS mit dem Wegbleiben von Noah zu tun hat. Das ist der Moment, in dem du den Leser überforderst, denn der kann da noch nicht wissen, dass der Erzähler die Zusammenhänge seines Burnouts negiert. Solche indirekten Infos solltest du mMn erst nach dem Wegbleiben von Noah preisgeben - wenn überhaupt.

Viele Grüße
bernadette
 
Zuletzt bearbeitet:
Senior
Monster-WG
Beitritt
10.09.2014
Beiträge
1.732
Hola @MRG,

da hast Du einen Spitzen-Titel kreiert! Etwas Hehres würde ich erwarten, mit großem Anspruch – schließlich ist Männlichkeit ein großes Ding – oder eine Glosse zu Zeiten, in denen die Männlichkeit und besonders, mit Recht, die “Männlichkeit“ demontiert wird, mit Augenzwinkern oder ohne.

Schon beim Überfliegen war ich erstaunt, mit wie wenig Text dieses Wahnsinnsthema abgehandelt werden soll. Na ja, vielleicht wird‘s Satire – aber dann fehlte der tag.
Jedenfalls taucht Noah auf, ich lese:
...ständig fuhr er sich über den Brustkorb.
Was sagt mir das? Juckt ihn das Brusthaar, spürt er eine Brust wachsen? Keine Ahnung.

Mir kam es damals so vor, als würde eine Tunte vor mir stehen.
Diese Feststellung sollte unterfüttert werden. Der Satz, so wie er ist, genügt nicht, dem Leser ein einigermaßen anschauliches Bild zu liefern.

Welcher echte Mann lässt sich denn so von seinen Gefühlen überwältigen?
Ich kann nicht erkennen, inwieweit Noah von Gefühlen ‚überwältigt‘ wird. Das müsstest Du schon zeigen. Dieser Satz klingt eher nach Versatzstück, einfach so hingeworfen, weil er irgendwie zum Thema zu passen scheint. Sehr unbefriedigend.

Als er das sagte, tippte er mit dem rechten Absatz seines Lederschuhs an die Kante meines Schreibtisches.
Wie ich es auch drehe – es will sich kein Bild einstellen. Auch passt die übergenaue, aber unnütze Beschreibung ‚rechter Absatz seines Lederschuhs‘ nicht zum übrigen, recht flott (vielleicht in wenigen Stunden?) geschriebenen Text. Zumindest habe ich diesen Eindruck.

Und jetzt schon kommt Enttäuschung auf, weil der großartige Titel nicht hält, was er (mir) verspricht.

Er drückte mit beiden Händen auf seine Brust, machte einen kleinen Hüpfer ...
… er machte einen Hüpfer? Aus dem Stand oder wie? Und wozu, warum??
Sehr komisch, beinahe ärgerlich. Der Text macht einen unfertigen Eindruck, da fehlt die Nachpolitur.

Was ist denn los mit dir! Kommst hier rein wie die größte Pussy, erzählst mir was von Angst und hältst dann die Luft an, nur um Aufmerksamkeit von mir zu bekommen. Du hast echt gar keine Eier. Und jetzt raus mit dir!“
Der Dialog der beiden wirkt auf mich furchtbar hölzern, da verspüre ich Nullnull beim Lesen – statt Emotionen leider Frust.

Seit diesem Vorfall sind 66 Tage, 3 Stunden und 27 Sekunden vergangen.
Hätte der Text etwas Reifezeit gehabt, wäre Dir das Unnütze dieser pingeligen Zeitangabe sicherlich selbst aufgefallen – so fällt es jedoch dem Leser auf … (der schon verstanden hat, was Du sagen willst, allerdings nicht sehr geschickt). Im Doppel nicht besser:
66 Tage, 4 Stunden und 20 Sekunden.
Dass bei ihm sogar Sekunden eine Rolle spielen, halte ich für unglaubwürdig.

Ich sag euch, dieser Noah war echt das Gegenteil von einem echten Mann.
Mit einer geübten Bewegung öffne ich das nächste Bier. Herrlich, wie das zischt und dieses Ploppen klingt wie Musik in meinen Ohren. Es gibt doch nichts über ein eiskaltes Flens. Der Noah vertrug bestimmt gar nichts, kippte nach einem Bier schon um.
Tja, MRG, das ist sehr (zu) plump. So viel Holzhammer braucht kein Mensch.
Vielleicht Flash Fiction, aber Kurzgeschichte?
Dafür ist es mir zu wenig. Nicht fein genug ausgearbeitet, gefühlt ruckzuck runtergeschrieben.

Beispiel: Nach dreißig Minuten beginne ich mit einem japanischen Kriegsfilm, den ich schon nach fünfzehn Minuten wieder abbreche.
Ja, verstanden – trotzdem zu viele Zeitangaben. Es gäbe Tausende Wörter …

Und für denjenigen, der es immer noch nicht kapiert hat, nochmals im KLARTEXT:
Er war wirklich das Gegenteil von mir.
Aua.

Lieber MRG, statt ‚gern gelesen‘ kann ich heute leider nur sagen, dass mir dieser Text überhaupt nicht gefallen hat.

Könnte ich auch alles für mich behalten, doch wir sind Schreibende, die peu à peu immer ein bisschen besser schreiben wollen. Und sachlich auf Textmängel hinzuweisen, ist dabei unabdingbar.

José
 
Wortkrieger-Team
Senior
Monster-WG
Beitritt
19.05.2015
Beiträge
2.188
Hi @MRG

nur ein paar kurze Anmerkungen. Ich habe ein paar deiner Texte gelesen und kann sie doch nicht ganz fassen. Du transportierst ein gesellschaftliches Phänomen - hier Homophobie - und bastelst eine Szene daraus. Was mir ziemlich gut gefällt. Trotzdem lassen mich die Figuren als Leser ziemlich unberührt zurück. (ging mir auch bei der Holden Caulfield Geschichte so, wie der Literaturbezug zwar hergestellt, aber nicht vertieft wurde, nicht geklärt wurde, warum er sich an den Fänger im Roggen erinnert.)

Warum? Ich erfahre nichts über den Protagonisten, weiß nicht, wie seine Einstellung entstanden ist, ob er eine Dumpfbacke ist, die homophobes Gerede ebenso wie anderes Geschwätz einfach nachplappert, ob es Gründe gibt, die in seiner Vergangenheit liegen, ob er selbst zB vor einem Coming-Out steht, sexuelle Probleme hat, was auch immer.
Auch das Zählen der Uhrzeit seit dem Tod könntest du mMn besser bzw. breiter aufzeigen.

Aus eigener Erfahrung: die Idee zu einem Text entsteht bei mir meist aus einer Szene heraus, aus einer Nachricht, die ich lese, einer Beobachtung im real life. Heute habe ich zB von Agafja Lykowa gehört. die seit 69 Jahren als Einsiedlerin in der sibirischen Taiga lebt, nur gelegentlich und äußerst selten in einer Stadt war. Sie hält Barcodes für Zeichen des Teufels, liest täglich in de Bibel. Um zu verstehen, wie sie dazu kommt, muss ich Agafja verstehen, muss mir klar werden, in welcher inneren Welt sie lebt. Das speist sich aus Erfahrungen und Erinnerungen.
Wenn du diese verarbeitest, einfügst, reicherst du den Text an, daraus lässt sich ein feiner Text gestalten. Jedenfalls einer, der mehr von dem transportiert, was du vermutlich transportieren willst. (Ist natürlich Mutmaßung). Du brauchst dann etwas mehr Platz, etwas mehr Text, aber es lohnt sich, meine ich.

Mir kam es damals so vor, als würde eine Tunte vor mir stehen. Welcher echte Mann lässt sich denn so von seinen Gefühlen überwältigen?
Wann wurde er jemals von seinen Gefühlen überwältigt?

Noah hatte dicke, braune Haare, die für einen Mann viel zu lang waren.
mm, na ja, die langen Haare tragen auch echtere Männer


viele Männer-sind-ja-auch-nur-Männer-Grüße
Isegrims
 

MRG

Mitglied
Beitritt
12.03.2020
Beiträge
159
Guten Abend @bernadette,

vielen Dank für deinen Besuch und deinen Kommentar. Da sind gute Punkte drin, hat mich gefreut:

die Idee gefällt mir sehr gut, aber wie AWM schon angedeutet hat, wären mir etwas mehr subtilere Anzeichen auch lieber gewesen.
Trau dem Leser mehr zu! Durch die Aussage, dass der Prot ihn das letzte Mal gesehen hatte, ist ja klar, dass er übern Jordan ging, Herzinfarkt oder sowas.

Finde es cool, dass dir die Idee gefallen hat. Tatsächlich hatte ich in meiner ersten Version noch mehr Erklärungen drin (habe da noch ganz genau geschildert, was mit Noah passiert ist). Habe ich dann rausgestrichen. Ich nehme für mich mit, dem Leser mehr zu vertrauen.

Ich fände es intensiver, wenn du nach dem Abgang vom Noah nur beim Erzähler bleibst. Es braucht den Verstärker von den anscheinenden Schwächen Noahs nicht.
Eine interessante Idee. Ich hatte nur die Befürchtung, dass das Konzept dann nicht ganz aufgeht. Denn mir ist schon wichtig, dass ganz klar wird, dass der Protagonist ja doch sehr wohl Gefühle hat, die er stark verdrängt, da er die ganze Zeit über an Noah denkt. Sein Geist dreht sich nur noch darum.

Das ist der Moment, in dem du den Leser überforderst, denn der kann da noch nicht wissen, dass der Erzähler die Zusammenhänge seines Burnouts negiert.
Habe das angepasst, danke!

Vielen Dank für deinen schönen Kommentar, hat mir weitergeholfen.
Wünsche dir noch einen schönen Abend.


Beste Grüße
MRG



Guten Abend @josefelipe,

vielen herzlichen Dank für deine ehrliche Kritik. Schade, dass es für dich nicht funktioniert hat, allerdings sind solche Rückmeldungen ausgesprochen wichtig, damit ich mich weiter verbessern kann. Ich versuche etwas ausführlicher auf deine Punkte einzugehen:

da hast Du einen Spitzen-Titel kreiert! Etwas Hehres würde ich erwarten, mit großem Anspruch – schließlich ist Männlichkeit ein großes Ding
Ich befürchte, dass ich damit tatsächlich falsche Erwartungen bei dir geweckt habe. Allerdings war mir das Thema doch sehr wichtig. Ich finde es ganz merkwürdig, welche Schubladen für Männer gelten (für Frauen gilt das natürlich auch). Inspiration für die Geschichte hat mir ein Interview von Ferdinand von Schirach nach einer seiner Lesungen gegeben. Er geht darauf ein, dass es so viele Gebote in der Welt gibt: so viele "sollen" und "müssen". Daher kommt dann auch der Titel.

Juckt ihn das Brusthaar, spürt er eine Brust wachsen? Keine Ahnung.
Noah hat eine Panikattacke. Dabei ist es oft so, dass sich viel zu viel Energie im Körper ansammelt. Und da er das ganze nicht herausschreien kann, muss er die auf andere Art und Weise externalisieren. Daher streicht er sich nervös über die Brust, was dann von dem Protagonisten verurteilt wird. Das war die Idee dahinter, schade, dass es für dich nicht funktioniert hat. Ich nehme das zur Kenntnis und versuche mich zu verbessern.

Diese Feststellung sollte unterfüttert werden. Der Satz, so wie er ist, genügt nicht, dem Leser ein einigermaßen anschauliches Bild zu liefern.
Ja, das ist ein guter Punkt. Ich nehme an, dass diese kurzen Behauptungen bei dir den Eindruck erweckt haben, dass das eine nicht besonders gut ausgearbeitete Geschichte ist (wobei gebe dir da recht, es ist wirklich mehr Flash Fiction als Kurzgeschichte). Das muss ich so akzeptieren.

Ich kann nicht erkennen, inwieweit Noah von Gefühlen ‚überwältigt‘ wird. Das müsstest Du schon zeigen. Dieser Satz klingt eher nach Versatzstück, einfach so hingeworfen, weil er irgendwie zum Thema zu passen scheint.
Meinst du mit zeigen, dass die innere Welt von Noah dargestellt werden sollte? Mein Grundansatz war es, die körperlichen Reaktionen von Noah darzustellen. Das Steichen über die Brust, das Klopfen mit dem Absatz und der Hüpfer.

Und jetzt schon kommt Enttäuschung auf, weil der großartige Titel nicht hält, was er (mir) verspricht.
Ja, schade!

… er machte einen Hüpfer? Aus dem Stand oder wie? Und wozu, warum??
Er macht sich selbst absolut verrückt, es herrscht absolutes Chaos in seinem Inneren. Er fühlt sich überwältigt, muss sich bewegen, um dieses Gefühl wieder loszuwerden. Und wieder verurteilt ihn der Protagonist, ganz ohne ihn zu verstehen oder sich auch nur zu fragen, was denn wohl mit Noah los sein könnte?

Der Dialog der beiden wirkt auf mich furchtbar hölzern, da verspüre ich Nullnull beim Lesen – statt Emotionen leider Frust.
Mist, da muss ich wirklich noch weiter dran arbeiten. Habe einige von AWMs Vorschlägen aufgenommen und die Dialoge gekürzt.

Hätte der Text etwas Reifezeit gehabt, wäre Dir das Unnütze dieser pingeligen Zeitangabe sicherlich selbst aufgefallen – so fällt es jedoch dem Leser auf … (der schon verstanden hat, was Du sagen willst, allerdings nicht sehr geschickt).
Tatsächlich hatte der Text mehr Reifezeit, als man vielleicht auf den ersten Blick annehmen würde. Ich habe lange überlegt, ob ich den überhaupt einstellen soll. Meine erste Leserin war meine Mutter, die auch radikal mit dem Rotstift drangegangen ist. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht genau, wie ich das hätte geschickter machen können. Mir war es wichtig, zu zeigen, dass er an nichts anderes mehr denken kann und eine Obsession entwickelt hat (daher finde ich die Sekundenangabe doch schon passen und ist mir wichtig gewesen).

Tja, MRG, das ist sehr (zu) plump. So viel Holzhammer braucht kein Mensch.
Vielleicht Flash Fiction, aber Kurzgeschichte?
Es war wirklich nicht als Holzhammer gedacht. Vielmehr sollte es eine kleine, feine Geschichte sein, die den Finger auf die Verurteilung von Menschen mit Panikattacken legt. Das ist mir bei dir offensichtlich nicht gelungen, wahrscheinlich fehlt es hier noch an Tiefe.

Ja, verstanden – trotzdem zu viele Zeitangaben. Es gäbe Tausende Wörter
Habe ich angepasst, danke für die Beobachtung.

Könnte ich auch alles für mich behalten, doch wir sind Schreibende, die peu à peu immer ein bisschen besser schreiben wollen. Und sachlich auf Textmängel hinzuweisen, ist dabei unabdingbar.
Ja, vielen Dank! Ich habe deinen Kommentar auch getrennt von meiner Person gesehen, also da musst du dir absolut keine Sorgen machen. Ich schätze diese ehrlichen Worte und denke intensiv über deine Worte nach

Vielen Dank für deine Zeit und ich wünsche dir noch einen schönen Abend.


Beste Grüße
MRG



Hallo @Isegrims,

dein Kommentar ist der Hammer! Du hast da etwas angesprochen, was richtig ins Schwarze getroffen hat. Genau das fällt mir noch so schwer, diese Verbindung zu meinen Protagonisten, diese Nähe. Ich finde deinen Hinweis auch echt hilfreich. Vielen Dank für diesen Wahnsinnskommentar, hilft mir wirklich weiter.

Was mir ziemlich gut gefällt.
Danke für deine ermutigenden Worte am Anfang, hat mich gefreut.

Trotzdem lassen mich die Figuren als Leser ziemlich unberührt zurück. (ging mir auch bei der Holden Caulfield Geschichte so, wie der Literaturbezug zwar hergestellt, aber nicht vertieft wurde, nicht geklärt wurde, warum er sich an den Fänger im Roggen erinnert.)
Das ist ein guter Punkt. Wenn ich Texte von mir lese, dann fehlt mir da immer etwas und so richtig kann ich noch nicht sagen, was es ist. Denke, dass du da mit diesen Sätzen ziemlich genau ins Schwarze triffst.

Ich erfahre nichts über den Protagonisten, weiß nicht, wie seine Einstellung entstanden ist
Ich fühle mich da oft überfordert, weißt nicht wo ich ansetzen kann, um diese Einstellung und sein Innenleben zu zeigen. Das ist mir auch bei "Durch die Kälte" aufgefallen, ich hatte dieses Ziel unbedingt Nähe herstellen zu wollen und das ist mir aber nicht gelungen.

Auch das Zählen der Uhrzeit seit dem Tod könntest du mMn besser bzw. breiter aufzeigen.
Ja, da gebe ich dir recht. Die Uhrzeit an sich ist mir schon ganz wichtig, doch an der Ausarbeitung und Verfeinerung werde ich weiter arbeiten. Ich überlege mir gerade, wie ich da am besten vorgehe.

Um zu verstehen, wie sie dazu kommt, muss ich Agafja verstehen, muss mir klar werden, in welcher inneren Welt sie lebt. Das speist sich aus Erfahrungen und Erinnerungen.
Wenn du diese verarbeitest, einfügst, reicherst du den Text an, daraus lässt sich ein feiner Text gestalten.
Ja, es sind die Erfahrungen und Erinnerungen, stimmt. Nach deinem Kommentar hatte ich dieses Bild, dass ein Charakter aus vielen verschiedenen Schichten besteht, die mit den beschriebenen Erfahrungen aufgebaut werden. Interessant, so richtig verstanden habe ich das aber immer noch nicht. Oder präziser: Ich habe es intellektuell verstanden, aber noch nicht verinnerlicht. Das wird wohl noch ein paar Jährchen dauern.

Jedenfalls einer, der mehr von dem transportiert, was du vermutlich transportieren willst. (Ist natürlich Mutmaßung).
Ja, da hast du absolut recht. Der Kommentar von Jose hat mir das auch noch mal gut verdeutlicht. Das Thema lag und liegt mir noch immer am Herzen. Und ich habe auch das Gefühl, dass da eine Geschichte ist, die ich ausdrücken will. Aber so richtig, kriege ich das noch nicht auf das Papier.

Wann wurde er jemals von seinen Gefühlen überwältigt?
Habe ich rausgenommen, da habe ich mehr vorausgesetzt, als ich eigentlich geschrieben habe. In meinem Kopf war das ganz offensichtlich, dass Noah gerade eine Panikattacke hat. Das kann man aber als Leser oder Leserin gar nicht so nachvollziehen.

mm, na ja, die langen Haare tragen auch echtere Männer
Ja, genau und wieder sind wir bei einem (vermeintlichem) Gebot, von dem ich wenig halte.


Vielen Dank für diesen schönen Kommentar. Das ist einer meiner persönlichen Favoriten, was Kommentare angeht. Ich habe das Gefühl, dass du meine momentane Situation sehr gut erfasst hast.

Wünsche dir noch einen schönen Abend.


Beste Grüße
MRG
 
Zuletzt bearbeitet:
Senior
Monster-WG
Beitritt
10.09.2014
Beiträge
1.732
Hola @MRG,

für die ausführliche Beantwortung meines Komms danke ich Dir. Kommentare sind eben nur Privatansichten mit den Möglichkeiten unsachlicher Interpretation des Textes oder gar völlig unrecht zu haben.
Hier geht‘s mir nur um ein kleines Missverständnis:
da hast Du einen Spitzen-Titel kreiert! Etwas Hehres würde ich erwarten, mit großem Anspruch – schließlich ist Männlichkeit ein großes Ding
MRG: Ich befürchte, dass ich damit tatsächlich falsche Erwartungen bei dir geweckt habe.
Gott bewahre! Der Satz geht doch noch weiter:
– oder eine Glosse zu Zeiten, in denen die Männlichkeit und besonders, mit Recht, die “Männlichkeit“ demontiert wird, mit Augenzwinkern oder ohne.

Die „Männlichkeit“ in Gänsefüßchen ist die Variante von Rambo, Deinem Prota und anderen Dummköpfen. Deshalb gutes und dankbares Thema für eine Glosse.

Über echte Männlichkeit würde ich jedoch nie Witze machen, das ist eine ganz andere Disziplin.

Interessant finde ich Deine Erklärung:
Inspiration für die Geschichte hat mir ein Interview von Ferdinand von Schirach nach einer seiner Lesungen gegeben. Er geht darauf ein, dass es so viele Gebote in der Welt gibt: so viele "sollen" und "müssen". Daher kommt dann auch der Titel.
Ich fürchte, Dir nicht folgen zu können. Im Text erkenne ich nicht, dass der Prota in irgendeiner Form etwas zu tun haben könnte mit einem Gebot. Sollte der sich so blöd benehmen, weil er einem Idol, einem Gebot folgen will? Das glaube ich nicht – der lässt sich doch von seinen Steinzeit-Aversionen treiben, dass es einen graust. Leider bezieht er daraus ein Überlegenheitsgefühl, und das ist für so eine hohle Nuss etwas Schönes.

Lieber MRG, mir imponiert, wir gründlich Du Dich dem Schreiben näherst und ich wünsche Dir Beharrlichkeit und letztlich den verdienten Erfolg!

José
 
Zuletzt bearbeitet:

MRG

Mitglied
Beitritt
12.03.2020
Beiträge
159
Guten Abend @josefelipe,

ich befürchte, dass mir nicht so ganz klar ist, was du mit einer Glosse meinst?
In meinem Kopf war der Protagonist eigentlich ein ganz armes Würstchen, gefangen in dem Wunsch jemand zu sein, der er gar nicht ist. Dementsprechend auch der Gedanke mit den Geboten. Er orientiert sich an seinen Vorbildern, hat keinen guten Selbstzugang und leidet massivst unter den Konsequenzen von Noahs Tod.

Lieber MRG, mir imponiert, wir gründlich Du Dich dem Schreiben näherst und ich wünsche Dir Beharrlichkeit und letztlich den verdienten Erfolg!
Vielen Dank für diesen Wunsch! Ich bin mir sicher, dass ich durch die Kommentare hier ganz viel dazu lernen kann und ich muss auch einfach sagen, dass ich Literatur liebe. Selbst, wenn ich niemals besonders gut werden sollte, finde ich das okay - solange ich gute Bücher/Texte lesen kann.

Wünsche dir eine gute Nacht und bedanke mich für deinen erneuten Kommentar.


Beste Grüße
MRG
 

MRG

Mitglied
Beitritt
12.03.2020
Beiträge
159
Text überarbeitet, hoffe es wird jetzt klarer.
 
Mitglied
Monster-WG
Beitritt
20.01.2018
Beiträge
545
Hey @MRG ,

ich hab nen Eimer voll mit Kleinkram. Hier, fang:

und bezeichnete sich doch tatsächlich selbst als "hochsensibel".

Würde "doch tatsächlich" rausnehmen. Gibt dem Text mMn. nach nichts, bläst den Satz nur auf.

Ich erinnere mich an diesen Samstag bei der Arbeit als Noah in mein Büro kam.

Komma nach Arbeit.

Mensch reiß dich doch mal zusammen!“

Komma nach Mensch.

„Ich kann nicht, ich hab so eine Angst. Mein Gott, was soll ich machen?“
Seine Stimme klang hektisch, fast hysterisch. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich hab das Gefühl vor Angst zu ersticken.“

Da Noah weiterspricht, würde ich den Umbruch wegnehmen. Also "... was soll ich machen?" Seine Stimme bla bla, you get it. Ich sehe keinen Grund für nen Umbruch, es wechselt ja nicht mal der Sprecher.

„Ich …, tut mir leid.“
Es herrschte einen Moment lang eine Stille, die nichts Gutes versprach.

Noah schluckte einmal, dann ein zweites Mal – trocken. Er drückte mit beiden Händen auf seine Brust, machte einen kleinen Hüpfer und atmete viel zu tief ein. Ich hatte den Eindruck, als hätte er mit Absicht die Luft angehalten. Was für eine Dramaqueen, unglaublich.

Hier dasselbe. Mich hat es stark verwirrt, weil ich dachte, es hätte wegen dem Absatz einen Raum- oder Zeitwechsel gegeben, den es aber gar nicht gibt. Würde den ebenfalls entfernen.

Dann schaue ich auf meine digitale Uhr.

Warum eine digitale Uhr? Was ist daran anders? Ist es einfach nur eine Referenz zu Noahs Tod?

Thema Männlichkeit und die Erwartungshaltung daran ist ne mega interessante Sache. Ich merke immer öfter, dass es verschiedenen Männlichkeitsbilder gibt, die nebeneinander existieren und dass man diese Männlichkeitsbilder in ganz unterschiedlichen Altersgruppen findet. Ich finde es beinahe schade, dass die Gegenüberstellung bei dir durch Protagonist A, männlich, und Nebenfigur B, in seinen Augen nicht männlich, geschieht. Rambo? Ich hab mich total drauf gefreut, dass der Prot. mit Bier und Schnaps in der Hand sowas wie "Stolz und Vorurteil" schaut. Das wäre für mich ein richtig schöner Bruch gewesen, wie er da mit Taschentüchern sitzt und heutl, weil sie doch noch mit Darcy zusammenkommt.
Dass der Noah verreckt ist, habe ich erst nachträglich aus den Kommentaren herausgelesen. Ich hatte es so verstanden, dass er einfach die Nerven verliert, aus der Halle stürmt und kündigt. Du hast ja geschrieben, dass du zwischendurch eine andere Version hattest. Vielleicht ist es da deutlicher gewesen, ich lese es jetzt anders.
Ich mag deinen Text, aber wenn ich ehrlich bin, stört etwas daran. Was natürlich blöd kritisiert ist, weil ich selbst nicht mit dem Finger drauf zeigen kann. Ich weiß nicht, was mich stört. Es liegt irgendwo im zweiten Teil.
Homophobie lese ich da nicht raus. Klar lebt der Prot. in seiner eigenen Blase, in der er alles auf Männlichkeit ausgelegt hat: Verhalten, Getränke, Filme. Darüber identifiert er sich so stark als männlich, nimmt seine Eigenschaften und Vorlieben als typisch männlich an, dass Noah in seinen Augen automatisch abgestuft wird.
Was mich stört, denke ich, ist, dass ich aus dem Ende nicht schlau werde. Warum zertritt er den Fernseher? Du brichst die Figur nicht auf, ja, er sitzt da und philosophiert über Schnaps, aber in meinen Augen fällt er aus der oben genannten Blase nicht heraus. Noahs Tod scheint ihn nicht kalt zu lassen, aber auch das löst in meinen Augen keinen wirklichen Bruch zur Vergangenheit aus, wodurch ich mich frage, welche Entwicklung die Figur eigentlich durchmacht. Welche Entwicklung soll die Figur in deinen Augen durchmachen? Wenn ich was überlesen habe, lass es mich wissen.

Liebe Grüße
Meuvind
 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Beiträge

Anfang Bottom