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Geschichten aus Be-Erde

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Geschichten aus Be-Erde

Geschichten aus Be-Erde

»Hanns Martin, Hanns Martin,
Hanns Martin liegt im Kofferraum,
der Kopf ist ab, er atmet kaum ...«
11.11.1977​


„Ein Revolver und eine Pistole des legendären
Gangsterpaares Bonnie und Clyde haben für gut
eine halbe Million [US-]Dollar (393.000 Euro)
den Besitzer gewechselt. Laut CNN handelt es sich um …“
ARDtext Seite 147 vom 1.10.2012, 13:50 MESZ​

Die Schreibwerkstatt der Volkshochschule zu O wurde zur Jahresversammlung des Verbandes der Deutschen Schriftsteller in A eingeladen, vor den versammelten städtischen Bediensteten eine Lesung abzuhalten. Während einer nach dem andern der geladenen Gäste der Stadt A einen Text las, wurde der junge Bursche links außen auf der Bühne immer nervöser. Um alles in der Welt säße er zum ersten Male in seinem Leben lieber rechts als hier und hätte seinen Auftritt schon hinter sich. Doch bevor der Kreislauf noch rebellierte, und wär’s nur, um die Lesung abbrechen zu können, ereilte ihn das Schicksal und er las das erste Mal in seinem Leben vor hunderten von Leuten und mit jedem Wort seiner Rede wurde die Stimme fester:

Wir Städter

sind arme Luder.
Wohin wir schauen, autoimmobiler Verkehr potentieller Leichenwagen.
Wir essen, was durch die Hände des Handels gewiss nicht saub’rer wird.
Wir hausen in Schubladen;
jeder ein kleiner Patriarch.

Jeder ist dem ander’n ein and’rer und verhält sich, wie er glaubt, dass der andere glaube, dass jeder sich also verhalten müsse. Und jeder hat nur insofern was gegen den ander’n, als dieser was gegen ihn haben könnte. So ist denn der eine dem ander’n einer zu viel: schutzbedürftig zieht jeder sich in seine Höhle zurück.

Nachbarn lassen einander am Wohlstand teilhaben: Klavier – Musiktruhe – Fernseher.

Wir üben, hören, leiden mit.

Quecksilbrig plärren

Mainzelmänner wider den populären Lungentod. Bleierne Gedanken erdrücken den, der nicht mitmacht beim Eiertanz um Götzen Lebensstandard. Stickige Luft stinkt zum Himmel. Mieten stinken nicht.

In solchem Klima gedeiht Bodenspekulation: lohnende Metaphysik. Preisgegeben dem freien Markt sammeln sich Grund und Boden unterm Finanzstarken: Macht macht Macht. Und wer Macht hat, leistet sich auf dem Lande ein Häuschen mit Garten, Gärtner und andern haushaltsnahen Beschäftigten etc.

Hilflose Alte werden in den Acker getan: dem wertvollen Boden ein preiswerter Dünger.
Lärmend geben Aschenmänner den Städtern geleerte Urnen zurück.

Stickige Luft steigt zum Himmel, dass Gottvater sich die Nase zuhält.
Es füllen sich die Opiumhöhlen und die Taschen des Grashandels.

Leute hüllen -

erstens - ihre Kinder in Cellophan und behaupten, ihre Kinder zu lieben.

Und in der Tat: die lieben Kleinen behaupten nichts Gegenteiliges.
Doch wird ihnen vorher das Maul mit süßlichem Leukoplast verklebt.

Leute fahren -

zwotens - Fettklößchen, die sie Kinder heißen, in feinen Staatskarossen durch Beerde und krähen:

schaut her, wir sind’s!, so sind wir zu unser’n kindern: -

werden sie’s uns jemals danken?

Stolz zeigt –

drittens - eine jugendliche Frau ihr schönes neues Gebiss,
nimmt’s heraus,
reicht’s herum und
lässt’s bewundern.

Fürwahr: da ist kein Makel an ihm.

Die Leute

sind hier arm.
Ihrer sei das Himmelreich!
Blasse Kinder haben comicsüchtige Stielaugen. Großmütter und Enkel bilden eine gleichförmige Masse, die Bild bildet. Darum ist Springer ihr Wohltäter. Ein christlicher Hirt’ unter blökender Herde.
Also ist Gleichheit verwirklicht.
Wer anders fühlt, gehört ins Irrenhaus.
Ein Stück Verfassungswirklichkeit.

„Mitbürger!

Mitbürgerinnen!

Anarchie ist ausgebrochen. Und wer ist dran schuld? Die vaterlandslosen linken Linken. Darum wählt:
Springer!“

Und die Herde wählt an Kiosken.

Anarchisten

zu jagen wird in.
Jeder ist verdächtig;
jeder verdächtigt jeden;
jedermann ein potentieller Anarchist:
Theorie des Marketing.

Es soll, so hört man, mehr Anarchisten als Einwohner geben.

Ein Hubertusjünger erschießt ein Pferd auf der Weide und entschuldigt sich: er habe das Pferd für ein Wildschwein gehalten.

Erste polizeiliche Erfolgsmeldung:
verdächtiges Schwein erlegt.
Die vorgefundene Hundemarke weist den Erlegten als Verfassungsschützer aus.
Irren ist menschlich.

Le petit Fouché

spielt große Oper:
Ärmel auf- und’s Leben umgekrempelt.
Ouvertüre:
Leichenwagen rollen heran, verbarrikadieren Straßen.
Wachhunde der Nation bellen den Radikalismus aus.

Fouché bläst Blech.
Es wagnert ein wenig.

Horch, man marschiert wieder und geht fremd.

Einige

sterben früher, alle andern später.
Bei einigen wird nachgeholfen.

Fouchés Wachhunde kreisen ein verdächtiges Subjekt ein.
Sie sehen: Bart und Mähne,
hände hoch!

Der Bart gehorcht.
Welch ein Fehler!
Wachtmeister Y reflektiert und ballert.
ich hab’ gedacht ...
Er dachte recht trefflich.

Also ist der liebe Gott den Heldentod gestorben.
Und der Leibhaftige sitzt derzeit ein.

Merke: es stirbt sich schnell auf beerd’schen Straßen.

Die liberale Presse liefert Nachrufe.

Was war

gescheh’n in Beerde?

Der Feineleutegegend entsprungen machten sich auf Bonnie & Kleid, ein großes Werk zu schaffen.

Er war ein ganzer Kerl, Kraft- und Sexprotz und imponierend als Versager, der ihr im Bett nichts versagte.

Gepackt von Lust verwandelten sie’s Mobiliar Beerdes in Brennholz:
und siehe, es brannte einmalig.

Konsequent gingen Bonnie & Kleid daran, gesellschaftliche Maximen zu vollstrecken: warfen ihr Leben weg, um eine bombige Aktion der ander’n folgen zu lassen –
im ganzen also zwo.
Vom Katzenjammer erwischt, reißen die Helden ihre Mäuler auf und schrei’n.

Der Sexprotz entpuppt sich als Schlappschwanz.

Staatsanwälte

haben ein Interesse daran, Beschuldigte hineinzulegen. ’s ist ihr Beruf. Sie machen damit Karriere. Springer aber erhebt sich zum Anwalt des Staats.

Jedermann sein eigener Rechts- wie Staatsanwalt.

Horch: wir leben in einem Rechtsstaat.

Derweil

lebt unauffällig unter seinen Leuten der wahre Revolutionär und spricht:
[vas nytst mi:ɐ ’ɔpo’zitsįo:n?
vas taugt ’ɔfnə ’rebelįo:n?
ɪç hap ’ainən bə’ru:f, klait mɪç ’al’tæglɪç mit dem ’faign’blat de:ɐ ʊn’aʊf’fællɪgkait,
das mɪç ’ni:mant e:ɐ’kɛnə.]

Im Urlaub erwirbt er sich Bräune,
in der Freizeit sieht er fern,
während der Arbeitszeit leistet er Durchschnittliches gleich den meisten Leuten,
die um ihn herum leben.

So lebt unter Seinesgleichen der Revolutionär und denkt:
[’di:zɐ ʃtɑ:t ɪst nɪçt main ʃtɑ:t.
kain ʃtɑ:t ɪst ’ybɐhaupt main ʃtɑ:t.
mɪt mi:ɐ ɪst kain ʃtɑ:t tsu ’maxn.
ɪç lep ɪn ’ainɐ ’ʃup’lɑ;də,
di: mi:ɐ nɪçt gə’hœrt.
ɪç lep ɪn ’ainɐ vɛlt,
di: mi:ɐ nɪçt gə’hœrt.
’mainə vɛlt gə’hœrt ’fɛtn ’gɛlt’zækn.
nu:ɐ main laip ɪst main ’aigənɐ.
also bɪn ɪç ’laip’aignɐ.]

Eigentumspolitik.

Aschenmänner

kommen und räumen den Müll weg.
Für Sekunden herrscht das Klappern der Abfalleimer.

„Welch ein gutes Publikum“, dachte der Vorleser ob der gespannten Ruhe, um dann die Furcht aufkommen zu lassen in der alternierenden Frage, „oder schläft es?“, als ein ebenso junger Mann wie der Vorleser selbst inmitten der Leute aufstand und rief: „Versteh ich nicht!“, was vom vielstimmigen Gemurmel um ihn herum verstärkt wurde – als der Vorleser seinerseits schnoddrig murmelte „Man muss auch nicht alles verstehn …“, was die Leute von A deutlich verstanden und den Leuten aus O die Leviten lasen.

***

Die aber soeben lauthals zur Ordnung gerufen haben und nun Anweisungen geben, sind gleichermaßen Repräsentanten des gastgebenden A wie Vorgesetzte des Publikums, das anderthalb Stunden vorm regulären Ende der Dienstzeit seinen Arbeitsplatz verlassen durfte, sofern es an dieser kulturellen Veranstaltung teilnehme. Allein die Aussicht eines vorzeitigen Feierabends hat das Publikum in den Saal gelockt, das sich nun mit der Wortmeldung seines jungen Kollegen um diese Hoffnung gebracht sieht. So schlägt das Murmeln um in Murren, dass der Levitikus der Bosse unerhört im orkanartig aufbrausenden Getöse verhallt.

Im Radau wird beiden Helden flau: Dräu’n dem im Publikum Harndrangsale, rutscht dem auf der Bühne das Herz in die Hose und bevor die Wutwelle auf die Bühne überschwappt, um volkstümlich wie handfeste die paar Leutchen aus O zu feiern, türmen der Vorleser da oben wie der Zurufer da unten mit einem solidarischen „Ach leck(t) mich doch …!“ allsogleich im Duett, wenn auch wortlos, die Treppe hinab in den Keller, galoppieren zu den Wasch- und Aborträumen der mannhaft Bediensteten der Stadt A und verschwinden: der Vorleser in einer Kabine, der Rufer an einem Becken.
Kurz: ein jeglicher an seinem Ort!

Da sitzt nun der verstummte Vorleser und hat sich eingeschlossen, als wäre nicht in unserer strahlend hellen Zeit ein offener Stuhlgang wie der öffentliche Fick ebenso demokratisch-chic wie eine öffentliche Hinrichtung in finstersten Zeiten! Das Häufchen Elend verflucht sein eigenes, lockeres Mundwerk und fragt sich, ob es wieder so weit wäre, dass um des lieben Friedens willen Verhältnisse hingenommen würden, die nur wenige Nutznießer fänden, denen Missbrauch und Nießbrauch nicht nur ähnlich klängen, sondern ein und dasselbe bedeuteten. Da wäre es nur konsequent, dass die Kunde über die Verhältnisse Empörung auslöste, die sich gegen den Überbringer schlechter Nachricht richtete – und wäre es wegen des Verstoßes wider Rechtschreibung und guten Geschmack, wenn schon eine Klage wider die poetische Gefährdung einer allzu prosaischen Welt keine Aussicht auf Erfolg nach der Sprachprozessordnung wie dem Infotainment verspräche.

Wie ihm also jammert, pocht’s heftig am Kämmerlein und eine Stimme schnarrt: „Autor wie Vorleser der Kakophonie aus b’Ärde stelle sich der hohen Sprachgerichtsbarkeit zu A!“, als auch schon die Klotür ausgehebelt wird durch ein gertenschlankes, zackiges t und ein dickarschiges, wenn auch nur wenig behäbiges d. Ein o, das für gewöhnlich zwischen den beiden als Reifen hin und her gerollt wird, wird von d als Halsschmuck getragen.
Wie das t bellt: „Stehn S’e auf, Mann!-
Woll’n wer sein und bleiben doch ein Niemand!“,
säuselt das o-geschmückte d: „Mein lieber Herr Gesangverein –
wie sehn Sie denn aus? –
Würden Sie bitte den Lümmel abtrocknen und Ihr Allerwertestes putzen?“
Doch die Lautstärke des t übertönt das säuselnde d: „Wie sehn S’e überhaupt aus! -
Schämen S’e sich nich’?! –
Wär’n solcher Aufzug der Würde eines Gerichts angemessen? –
Nee, sag ich! –
Is’ dat der Aufzug, in dem man heut ungestraft vor Gericht erscheinen darf? –
Nee!, schleuder ich Ihnen entgegen. –
Unwürdig wie Ihr Vergehen“, während es gleichzeitig aus dem andern Munde beschwichtigt: „Nun aber rasch, mein Lieber! –
Geben Sie sich keine Blöße und lassen Sie sich nicht vom Kollegen t allzu sehr einschüchtern! –
Jeder tut nur seine Pflicht, so gut er kann.“
Und als der Kollege t einmal still ist, flüstert’s: „Würden Sie bitte Ihre Blöße bedecken!?“, als t wieder bellt: „Hose hoch!, oder mein’S’e, dat’n ordentlich’ Gericht nix gegen Pornografiker oder Exhibitionisten hätt?“
Aber unser junger Freund scheint nichts gelernt zu haben, denn abermals reitet ihn der schnoddrige Teufel, wenn er den Kunzelmann gibt mit einem „Wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient!“

Und also geschehe, was geschehen muss!, denkt sich der weniger allmächtige, denn beschissene Schöpfer dieser Zeilen und unser Antiheld wird von t und d in die Mitte genommen und vor der Haute-Cleauture aufgestellt.

Im mittleren Pinkelbecken sitzt im Talare ihrer Verbeamtung die Liebe seiner pubertären Jahre – er erkennt sie an dem Teleskophals, wie ihn der begnadete John Tenniel verewigt hat. Zu drei Seiten wird der Giraffenhals durch eine mehr als barocke Allongeperücke aus Pferdehaar verdeckt. Keiner merkt, wie’s Herz bibbert, wie heiß dem Jüngling wird und wie schwach im Knie und weitaus schlimmer noch im Kopf … Dazu köchelt’s da vorn vor Arbeit.

Das kann dauern!
Das wird dauern!
Es dauert mich. –

Was aber Leser wie Hörer schaudern lässt: Drei – oder wären’s vier?, ein Problem für einen, der gerade eben nur noch bis drei zählen kann – Fälle drängeln sich vor unserm Trio in den bis zum letzten Platz gefüllten Wasch- und Aborträumen der manniglich Bediensteten der Stadt A - nur freigehalten durch einige Schüsseln mit Buchstabensuppe der freundlichen Tafel zu A für die armen Leute vor Ort.

Unser junger Freund ist noch zu weit weg, um den laufenden Verfahren folgen oder gar Rückschlüsse auf sein eigenes künftiges Verhalten ziehen zu können. Vor ihm stehen, von vier Vertretern der Familie Kreuz (Andreas, Anton, Schächer und der immer auf dem Kopf stehende Peter) bewacht ein großes kurvenreiches S, ein eckiges und zugleich zackiges Z – zackiger als ein t je sein könnte! - und, direkt vor unserm Helden - er riecht es, und es riecht ihm gut, dass er weiter an ihm schnuppern muss - ein kleines, offensichtlich eingeschüchtertes und – erkennt man nicht das Bäuchlein? - schwangeres ß! Unser Held empfindet es als den schönsten Buchstaben, den er je gesehen hätt’, nur noch vergleichbar dem jüngeren @ und dem uralten Þ, das schnöde schon vor Zeiten mit dem th einem schlichteren Formwillen angepasst wurde und verkommen ist und in seiner Muttersprache als ausgestorben gilt.

’s duftet appetitlich, dass ihm nach dem ß hungert. Wie er aber gerade zu träumen beginnt, rückt der Zug einen Fall vorwärts und ein Kreuz stößt ihn an, so dass er stolpert, sich am ß festhält und mit zu Boden reißt. Das ß flüstert ihm mit einer warmen Stimme zu, die ihn schaudern lässt. Der Wunsch kommt auf, ewig und drei Tage mit dem ß zusammen zu bleiben und weniger mit der Liebe seines pubertären Vorlebens. ’s ist aber ein Hilferuf, den ß ihm flüstert: „Rette mich, Menschenkind! Meine Eltern wollen mich abschaffen durch kurzrichterlichen Beschluss.“
Petrus Kreuz aber – eben der, der immer auf dem Kopf steht - grinst die beiden auf dem Boden an und befiehlt zu schweigen, mault, „husch husch!“, wieder aufzustehn, was dann auch mit freundlicher Hilfe von t und d geschieht, während Andreas, Anton und Schächer Kreuz grinsend zuschau’n.

Nur langsam nähert sich der Zug der richterlichen Schüssel. Schließlich steht die Gruppe der s-Laute vorm Richterstuhl und endlich (!) kann man in dem Trubel dem Geschehen folgen.

Die Richterin stellt sich vor und rattert wie ein Maschinengewehr: „Mein Name ist Lord, -
Sie haben richtig gehört! - ich betone ausdrücklich:
Lord Chief Justice Alice Pleasance Liddell, einen Namen, den ein jeder kennen mag und um den gar niemand wissen muss! Ich bin bestellt ans Schnellgericht zu A und ich bedarf eigentlich nicht innert dieses Sprachgerychts nach der tiutschenglischen Sprachgerychtsordnung der weiblichen Endung“ – und summt auf eine bekannte Melodie „ob Männchen oder Weibchen, weiß Papagena nich’“ – um dann zu brüllen, „wofern einer nicht blind ist! –
Sieht doch jeder, was ich bin!“, um wieder ruhig fortzufahren: „Sie dürfen mich getrost Euer Ehren nennen.
Tun Sie das nicht, werd ich Ihnen einige Unehre verschaffen und Sie werden begreifen, warum ich keine Lady bin!“

Ew. Ehren wendet sich nun an die s-Laute inmitten der Kreuze: „ Nun zu unserm letzten Fall für heute als Schnellgericht! -
Sie sind die Familie der s-Laute“, und als die zustimmend nicken: „Was ist ihr Begehr?“

S klagt, dass das gemeinsame Kind immer seltener Verwendung finde und derzeit mit knapp drei je Tausend einen Tiefstand erreicht habe. Somit sei abzusehen, dass es durch Nichtgebrauch abgeschafft werde. Also hielten sie es, die Eltern des Beklagten, für ein Gebot der Vernunft, das gemeinsame Kind per richterlichen Beschluss aus dem Alphabet zu streichen, statt zu warten, bis es nicht mehr verwendet werde und dann nicht mehr zu gebrauchen sei. „Was soll die Gemeinschaft aller Buchstaben und Laute mit einem nutzlosen Balg?“, schließen die Ältern.
Da lächelt Ihre Lordschaft und sagt streng: „Ich rate Ihnen, fassen Sie sich kurz, denn wir haben keine Zeit und wenn hier einer Reden schwingt, dann bin ich das! –

Nun zu Ihrem Fall:
Es kann sein, dass Sie recht haben. -
Es muss aber nicht sein.
Es kann sein, dass Sie unrecht haben. -
Das sollte aber in Ihrem eigenen Interesse nicht sein.
Wie dem auch sei, der eine muss, der nächste soll, ein anderer kann – oder, wie meine Mutter selig immer so trefflich sagte: der eine so, der andere so! –

Sehen Sie, wenn schon ein großer Schriftsteller und nobler Preisträger“ – die erste Silbe spricht sie wie in Verachtung stumpf und unbetont – „in seinem Geburtsnamen das ß durch doppel-s ersetzt, spricht das für Ihr Argument, wiewohl die Namensumwandlung in seiner Muttersprache wie in seinem Vaterland einen bitter’n Beigeschmack erzeugen muss aufgrund historischer Ereignisse, über die wir hier nicht zu befinden haben.
Aber selbst dem Sprachgesetzgeber gelingt im Gebrauch des verdoppelten Konsonanten unliebsamere Erinnerungen wachzurufen, mehr als das bloß kirchliches Sante und Santi“, um mit einem „Aber“, einen Haken zu schlagen im Angesicht der Familie Kreuz vom Thema weg zu einem andern Problem, „aber, meine Lieben, ist denn das Z mit seiner einskommadreizehn prozentigen Häufigkeit so viel besser dran als sein Kind?“

S und Z schauen sich betroffen an.
Die Kreuze müssen sich das Grinsen verkneifen.
Sollte der Antrag zurückfallen aufs z?
Da, seh’n Sie nur!, ist es nicht ganz klein geworden vor ahnungsvoller Furcht?
Ew. Ehren fährt fort und fragt: „Schaffen wir dann auch die oder das Q ab, egal – ich hab hier nicht über Ihre grammatische Geschlechtertrennung oder Gleichstellung zu befinden – ein Buchstabe also, der doch nur zu nullkommazwo Promille verwendet wird?“
S und z – beide nun klein und ehrfürchtig - schweigen betreten, als Alice fortfährt: „Aber lassen Sie mich das Publikum fragen:
gibt es unter Ihnen hier im Raume jemand, der zu sagen vermag, ob das ß eine Zukunft habe?“

Das ist die Chance des Vorlesers und –
er nutzt sie! Der Vorleser wird zum Zurufer, als er meint, um die Zukunft des ß zu wissen.
„Euer Ehren, durch die modernen Kommunikationsmittel wie Handy…“

Belustigt unterbricht Ew. Ehren den Fürsprecher: „Tiutschiu sind kuriose Völkchen. Meckern über Anglizismen und schaffen ein Kunstenglisch, wie’s ein handling nimmer werden kann“, und in ihrer Muttersprache “hoi polloi needs a littel horse sense!“
Nach einem Lachanfall Ew. Ehrens kann der Fürsprecher fortfahren: „Also: Computer und mobiles Telefon führen dazu, dass das ß für das Doppel-s eingesetzt wird, um Platz und Zeit beim Schreiben einer SMS oder einer e-Mail zu gewinnen …“
„Sie meinen also, dass die Namensendung des besagten Schriftstellers und Nobelpreisträgers durch technische Entwicklung in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werde?“, fragt Ew. Ehren, und als der junge Mann und Verteidiger nickt, fällt Ew. Ehren aus allen Wolken und –

kann sich nur mit Mühe in seiner richterlichen Schüssel halten: „Was ist das?, gibt’s das ß nur kleinbuchstäblich?!“, ruft Ew. Ehren außer sich: „Das ist ja wie ein unzulässiger Vorgriff auf den nächsten Fall. –
Welcher Flachkopf hat denn den Plan für heute aufgestellt?!
Darf denn solches sein?“, um sich wieder zu beruhigen und wie ein Kätzchen milde zu lächeln.
Ew. Ehren wird zur Grinsekatze, schnurrt und spricht das Urteil: „Im Namen des gesunden Menschenverstandes und der Sprachgerychtsbarkeit zu A wird die Klage der Familie der s-Laute abgewiesen! –
Zum einen hat die Sprachgesetzgebung gerade erst in ihrem § 25 der amtlichen Regelung das ß festgeschrieben - wenn auch gegenüber früheren Regelungen eingeschränkt –
zum andern kann nicht die Aufgabe eines beliebigen Gerichtes sein, über Geschichte an sich und die Schöpfungsgeschichte im Besonderen zu befinden.
Ich rate Ihnen darum, das uralte Gebot zu beherzigen, Vater und Mutter zu ehren!, da haben sich die Alten schon etwas bei gedacht.
Aber alle Regelung entfaltet sich erst in der logischen Umkehrung. –
Was wäre denn diese Regelung wert, wenn Vater und Mutter das Kind weniger ehrten als sie von ihm verlangen und erwarten? -
Nichts!, so viel und so wenig darf ich Ihnen verraten. –
Das Schnellgericht ist geschlossen! –
Suppenküche und Tafel bitte ich abzubauen!

Kurze Unterbrechung bis zum Fall ‚ter Jung gegen de Jong’!“, und als sie mit einem mürrischen „mus’ ma’ eben!“ durch die endzeitlichen Folgen ihrer Anweisungen die Damentoilette aufsucht, erscheint am andern Ende dieser kleinen Welt ein wundersames Quartett gepanzerter Reiter – Schimmel und Rappen mit den Herrenreitern beins und geins wie gacht und bacht, die tragen an ihren vier Enden eine unbedachte Sänfte mit einem Fasan als Stuhlherrn. Der sitzt in dem QP sanft gestimmt und siegessicher – im gegenteiligen Falle, was jederzeit geschehen kann, hieße das QP nicht Sänfte, sondern Härte und Strenge (manchmal sogar umgelautet zum Strang). Und noch bevor Ew. Ehren zurückkehrt, Suppenküche und Tafel aufgehoben sind, steigt der Pv herab von seinem Thrönchen. Da steht nun der große Hühnervogel und schlägt ein Rad mit seinem prächt’gen Schwanze, dass, wenn schon nicht alle Welt, so doch die kleine Welt der Wasch- und Aborträume der mannhaft Bediensteten der Stadt A die zahllosen, wundervollen Augen des Argos in seinem Gefieder bewundern können, derweil t und d dem Spieltrieb folgen und das o schwindlig rollen.

Schlagartig ist der Jahrmarkt vorbei!
Ein jeder steht an seinem Platz, d und t (das o ziert nun seinen Kopf) mit dem beklagten Vorleser und Zurufer in ihrer Mitte vorm mittleren Pinkelbecken, denn:
Ihre Lordschaft kehrt entlastet zurück!

Mit den Worten „Warum haben wir uns hier zusammengefunden?“ lässt sich Ew. Ehren an ihrem Platz nieder, hält eine Akte hoch und bellt „ter Jung gegen de Jong steht an!“, schaut triumphierend nach rechts und links auf d und t.
„Sie vertreten Klage wie Verteidigung?“
Als die drei nicken, fährt Ew. Ehren fort: „Machen wir es einfach: Ich trag kurz die Klage vor, wie ich sie verstehe, und Sie korrigieren mich, sollte es anders gemeint sein. –

Sind Sie einverstanden, dass wir so verfahren?“
T und d sind einverstanden, Vorleser wie Zurufer weiß nicht so recht.
„Machen Sie sich mal keine Sorgen – wir kennen uns doch von gerade eben, Herr Zurufer“, spricht die alternde Liebe seiner jungen Jahre, „doch sagen Sie mir bitte, sind Sie mehr ter Jung oder doch eher de Jong?“
Was antwortet der zum Zurufer mutierte Vorleser da!
„Ik moet mij mond houden.”
„Aber Sie sind doch von tiutschem Blut, gelt, und verstehn mich gut?”
„Ik beheers de Duitse taal, maar het Duitse gehoorzamt me niet“, was niemand vor Klagen schützt, zu dem Ew. Ehren nur murmelt „da hätten wir also ein Adjektiv mit Großbuchstaben …“
Aber so beginnt Ew. Ehren für aller Ohr: „Die Klagevertreter halten es mit ihrem Verständnis an sich mit dem Erzähler aus O, der hier als Beklagter steht, wollen aber keineswegs durch die Verständnisfrage das Kernproblem verdrängen: der Text des Beklagten sei weniger Kurzgeschichte als Lyrik, die den Status wahre durch – ich zitiere‚ ‚minimalst einen Plot, einen Prot und seinen Konflikt’. Wie nebenbei fragen Sie sich und auch eher rhetorisch, ob Lyrik überhaupt eines Umbruchs und des Reimes bedarf.
Gleichwohl verzichten Sie aufs Autodafé, greifen aber auf ein m. E. starkes Geschütz zurück, ich zitiere wiederum, ‚wir verkaufen nur saubere Ware’ – was wohl eher auf eine Aussage im beklagten Text gemünzt ist als auf die Klage selbst. Sie meinen, die Groß- und Kleinschreibung werde – ich zitiere, ‚zu unrecht außer acht gelassen’ und das werten Sie als Regelverstoß, was selbst einem literarischen Laien wie mir zunächst mal einleuchten will. Hieraus erwachse Ihnen aus örtlichem Recht die Macht, den Text in ein Korrekturcenter zu verbannen, mit der Auflage, Groß- und Kleinschreibung binnen vier Wochen zu überarbeiten, Sie wollen sagen: zu korrigieren“, als beins schlafmützig vom Pferd fällt und in dem Versuch, sich festzuhalten, geins mitreißt, dass das QP zu Boden kracht und Pv auf seinem Schwanz schmerzhaft zu sitzen kommt und gackert. Die gefallenen Ritter landen kopfüber auf den Topfhelmen, stehn verkehrt herum im Raum und rudern mit den Beinen in der Luft. Aber Peter – das Kreuz, das immer auf dem Kopf steht - trifft sich mit ihnen auf dem Boden mit den Worten: „Was sucht Ihr hier auf Eurem Kopf, hochwohlgebor’ne edle Leute?“, worauf beins antwortete:
„Wir suchen hier, Du armer Tropf, den Silberfisch nebst seinem Weib und machen reiche Beute“, dass geins einstimmt, „entblößen beider dürren Leib von seinem reichen Silberkleid“, bacht und gacht aber heulen: „Was wär’ daran verkehrt? - Verzärteln wir das Krabbeltier, dann schmeckt es gut verzehrt“, dass Ew. Ehren ob des Tumultes hochfährt und Ruhe! anmahnt und ersatzweise die Räumung der Aborträume androht.

Als der Tumult sich wieder gelegt hat, fasst Ihre Lordschaft die Klage in einem einzigen Satz trocken und nüchtern zusammen: grobfahrlässig werde gegen die Großschreibung gemäß Absatz D der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung verstoßen, wie sie in den §§ 53 ff. festgelegt sei. „Die Klage ist insofern berechtigt, oder, wie es die Fachleute sagen, dass nicht genüge, den Sinn des Geschriebenen gerade noch erkennen zu können. Und Sie und die Grammatiker dürfen Einigkeit mit mir erwarten, dass einer erst dann richtig schreibe, wenn er richtig schreibt. – Aber es gibt schon hier einen kleinen Einwand von mir:
Wer vermag zu erkennen, ob einer in korrekter Groß- und Kleinschreibung spreche oder gar denke? –
Ich vermag es nicht. Ich bin aber auch ein Laie und insofern inkompetent, dass ich einen zweiten Einwand heranziehen muss, wobei ich auf die Aussage der Grammatiker zurückgreife:
Wird denn der Kläger den genannten Paragraphen gerecht? Heißt es nicht in eben der zitierten amtlichen Regelung gem. § 59 ausdrücklich, ich zitier, ‚Eigennamen schreibt man groß’, Zitat Ende –
da kann ich die Klage doch nur abweisen, insofern der Klagevertreter aus eigenem Entschluss und wissentlich mit seiner Namensschreibung gegen die Regel verstößt“, – wahrscheinlich – wie Ew. Ehren weiter vermutet, unterm Mäntelchen ortseigener Regelungen, die päpstlicher erscheinen als das strengste Kirchenrecht überhaupt und zugleich und willkürlich ausgelegt werden können. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass selbst die Kirche der Verfassung gemäß eigenes Recht sprechen darf, soweit sie nicht gegen das allgemeine Recht verstoße.
Also greift Ew. Ehren die abschließende Bemerkung des Schnellgerichtes auf und formuliert um: „Was wäre denn eine Regelung wert, wenn die Ordnungsmacht eine Regel weniger ehrt, als sie von andern verlangt und erwartet?
Die Sitzung ist geschlossen!“

Als aber Ew. Ehren die Wasch- und Aborträume der mannhaft Bediensteten der Stadt A verlässt, trifft Ihre Lordschaft auf der Treppe den Zurufer aus A auf dem Weg nach oben zu seiner Arbeitsstätte, um im Tageblatt zu A einen Bericht über die Ereignisse einzubringen. Wie nebenbei erfährt Miss Liddell, dass der junge Mann eigentlich Musikkritiker sei. Gleichwohl werde er über die Versammlung des Verbandes deutscher Schriftsteller berichten müssen, vor allem aber eine Kritik der Lesung verfassen. Da werde allein das groteske Be-Erde gut wegkommen und Alice weiß auch schon den entscheidenden Grund: Wozu sollte ein tauber Musikkritiker denn sonst noch taugen? Wie heißt’s doch in Be-Erde: „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.“

Zehn Jahre aber bevor Bonnie & Kleid sich selbst richteten, verehrte Hollywood sie als Helden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Senior
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15.03.2008
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Hallo Friedrichard,

so mag den Vor- und Laut-Leser, der ja eingangs recht nervös scheint, beim ersten nach-textlichen Gedanken, der ist die Wortwerdung einer bis dahin heimlichen Hoffnung auf ein gespanntes Publikum, das (möglicherweise) ganz still war, um ja kein absichtsvoll verschlucktn Ton zu verpassen, Freude erfasst haben über das eigene Werk, dem er bis dahin keinen größeren Wert beimaß, von dem er wenigstens nicht glaubte, dass er dafür Applaus oder immerhin Aufmerksamkeit bekommt. Und keiner schnarchte! Und niemand lachte!
Doch das erledigte sich schnell. "Versteh ich nicht!" - der erlösende Satz, auf dass zurückgeschnoddert werden kann. Wobei das ja eigentlich nicht vorwurfsvoll gemeint sein muss, allein verstehen lässt's sich leicht auf diese Weise. Und meistens ist's wohl so gemeint.

Kleid ist klasse umgeformt. Doch warum heißt du sie nicht Pony?
wenn man das mal laut vor sich her sagt, sind Bonnie und Clyde immer noch ganz nah.
"Pony & Kleid erobern Holywood", und sei's für eine Nacht. und sei's drum.

und die Schriftstehler verstehen deutlich, dass es nichts zu verstehen gibt und lesen den Volkshochschülern, die das Nichtverstehen erregt, die Leviten? warum gleich zwei Schubladen öffnen, wenn man doch eine große haben kann, in der die ganze Welt Platz findet? die kann man dann öffnen, und alles reintun, und da ist alles drin!

großartig fand ich den heimlichen Revoluzzer, der in einer Welt aufwuchs, in der Che Guevaras Fell-Fresse das meistgedruckte Motiv überhaupt ist - nach dieser Vereinnahmung des linken Helden durch den alles auflösenden und sich einverleibenden Kapitalismus, dachte er sich: Ich nicht.
Und schwamm mit dem Strom, kleidete und verhielt sich unauffellig - Bürgerlichen-Mimikry, um im entscheidenden Moment zuzuschlagen? Vielleicht ist er ein Schläfer? Und hofft (natürlich heimlich) dass ihm bei all dem Allerwelts-Einerlei nicht auch ein Allerwelts-Herz wachse. Oder vielleicht müssen wir das für ihn hoffen und ihm sagen. Halt dein Herz hoch, auf dass niemand drauf trete!

Bleierne Gedanken erdrücken den, der nicht mitmacht beim Eiertanz um Götzen Lebensstandard.

Ich will dagegen reden. Es ist schon so und bleibt aktuell, gewiss, aber außerdem möchte ich beifügen, dass es unglaublich viele Nischen gibt, in denen man von Menschen umgeben ist, die sicher auch ihre Macken haben, aber die heißen nicht iPhone, SUV und TV.

Es füllen sich die Opiumhöhlen und die Taschen des Grashandels.

Für mich zur Zeit das schlimmste daran ist die Vorstellung, wofür die Pusher wiederum das sauer gestohlene Geld ausgeben. Da schließt sich ein Kreis aufs Teuflischste.

Stolz zeigt –

drittens - eine jugendliche Frau ihr schönes neues Gebiss,

was ist denn für dich eine jugendliche Frau - und warum hat die ein Gebiss?

Also ist Gleichheit verwirklicht.
Wer anders fühlt, gehört ins Irrenhaus.

Unterschied von Gleichmacherei und Gleichheit - immerhin ist es eines der Wörter, mit denen die Franzosen ihre Revolution machten, es lässt sich leichter anders verstehen, als wie es gemeint ist.

ich habe letztens übers Verrücktwerden nachgedacht. das Wort ist ungenügend. das klingt ja, als sei der Verrücktwerdende eine Figur, die von außen am Schopf gepackt und zwei Meter neben der Rennbahn abgesetzt wird, wo sie dann zwar weiterläuft, aber dem Rattenrennen keine überprüfbaren Ergebnisse mehr liefern kann. gibt es sicherlich.
aber was ist mit demjenigen, der mit voller Absicht und gegen alle inneren und äußeren Widerstände sich selbst verrückt? "Der ist verrückt geworden" heißt es nur - wie oft ist da einer Lebensleistung schon Unrecht getan worden und niemand kümmert's, weils keiner sieht? "da hat sich einer verrückt." müsste ebenfalls gesagt werden.

Anarchisten

zu jagen wird in.

aber auch einer zu sein: Die Wendemenschen. Außen Anarchistenjäger, innen Anarchist. sind wir nicht alle ein bisschen revolutionär und anarchisch veranlagt?

Le petit Fouché

spielt große Oper:

der kann nur große Oper, oder? als wäre er ein Zeichensetzer! ist's der Polizeichef aus dem Hugo? der Die Elenden im Zaum halten will, vollendetes Produkt der Exekutive, lebt er um zu dienen, der Werkzeug.

Wachhunde der Nation bellen den Radikalismus aus.

und wer ist hier gut, und wer böse?

Was war

gescheh’n in Beerde?

gut, widmen wir uns der Textarbeit.

also bis dahin hast du in seltener Klarheit, dem Leser freundlich zugeneigt, das Szenarium Spektakulum beschrieben: Wo's spielt, wer's spielt, wo die Gräben aufklaffen, welcher Hund den Sprung drüber schafft, wer angekläfft und niedergerissen wird, komplett mit Hundemarke, das arme wilde Schwein. und wird's danach zum Überfluss in Minzsauce begraten?
und jetzt erklärst du es noch mal, rückblickend wird rekapituliert. was war geschen? und was zur Gabel ist eine Be-Erde? "da kann ich mir keinen Reim drauf machen!"

Kraft- und Sexprotz und imponierend als Versager, der ihr im Bett nichts versagte.

das ist er. und setzt man ein nicht davor, dann ist ers nicht. und vertauschte man zwei Buchstaben, so wär Clyde dem Versager schon fast das Vergaser-Kleid nicht weit. aber für diese Transvestie war die Verbrecherwelt noch nicht bereit. sie ist's noch nicht, so weit ich das von meinem Balkon aus überblicke.

Der Sexprotz entpuppt sich als Schlappschwanz.

das könnte auf den ersten Blick schlicht das übliche Spiel von Anspannung und Entspannung sein. aber ist wohl nicht so gemeint, weil so prominent und isoliert platziert!

lebt unauffällig unter seinen Leuten der wahre Revolutionär und spricht:
was nützt mir opposition?
was taugt offne rebellion?
ich hab einen beruf, kleid mich alltäglich mit dem feigenblatt der unauffälligkeit,
dass mich niemand erkenne.

Im Urlaub erwirbt er sich Bräune,
in der Freizeit sieht er fern,
während der Arbeitszeit leistet er Durchschnittliches gleich den meisten Leuten,
die um ihn herum leben.

So lebt unter Seinesgleichen der Revolutionär und denkt:
dieser staat ist nicht mein staat.
kein staat ist überhaupt mein staat.
mit mir ist kein staat zu machen.
ich leb in einer schublade,
die mir nicht gehört.
ich leb in einer welt,
die mir nicht gehört.
meine welt gehört fetten geldsäcken.
nur mein leib ist mein eigner.
also bin ich leibeigner.

find' ich großartig!

Zehn Jahre aber bevor Bonnie & Kleid sich selbst richteten verehrte Hollywood sie als Helden.

Zehn Jahre bevor das Pony und sein Kleid nach dem heiligen Wald ritten, da verehrte man sie und ließ sie melden.

"Ich verstehe sie nicht. Aber sie ist gut", wie einer in einer KG von Thomas Bernhard sagte.

Grüße
Kubus
 
Senior
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Halle Friedel

Schmunzeln musste ich über das Weltbild deines jungen Referenten, ein Klischee zwar, aber durchaus das Vorrecht der Jugend, sich über vermeintliche Ungerechtigkeiten zu erregen und vermutete Wahrheiten als fixe Tatbestände wahrzunehmen.

Wodurch mir das Humorvolle daran noch mehr gewann, er wirkt modern, der Text. Spontan trat da Horst Bienek in mein Gedächtnis. Doch wahrscheinlich war seine Schreibe anders, es ist Jahrzehnte her, dass ich ihn damals las.

Du hast da mal wieder eine Mischform im Erzählstil gewählt, der mir weniger die Frage des Verstehens aufwirft, als die des Deutens. Meint der junge Mann, er sei nun Revolutionär, da er gesellschaftskritische Texte verfasst, die er einer lüstern-feudalen Herrschaft verkaufen will, von deren Geld er lebt? Es gibt mir die Vision, auf dem Totenbett denke er dann eines Jahres zurück, an seine Jugend, sein Referat.
Der Regenbogen, den er nun erblicken mag, wird ihm spät aber doch noch die Erkenntnis bringen: Rot ist die Farbe des Neids, da es das Gesicht vor Zorn rötet. Weiss die Hautfarbe der Arroganz, da der sie trägt über allem steht. Grün reflektiert den Rasen, ein künstliches Totenbett, da manche glauben, die Natur warte auf sie und erschaffe sich nicht selbst immer wieder neu. Doch da ist auch Schwarz, die Farbe jener Melancholiker, die sich zu Lebzeiten schon selbst beerdigen, da die Welt nicht nach ihrer Vorstellung funktioniert. Im Regenbogen erkennt er nun die Vielfalt, das Spektrum, welches er erst jetzt erblickt, da er gehen muss. Doch ob er wirklich die Einsicht gewinnt, in die Natur der Dinge wie sie sind, bleibt ja dahingestellt.

Es war mir ein vergnügliches Lesen, die Verbindung von Bakunin zu Bonnie und Clyde, eine satirische Gesellschaftskritik, deren Ernst ob dem Humor ich nicht weiter ergründen will, ein Lesestück, das so gefällt.

Schöne Grüsse

Anakreon
 
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Hallo,

ihr zwo,

ich dank euch fürs Lesen und erste Kommentare, will aber im einzelnen auf die Beiträge drauf eingehn, was hier vor Ort - Vorfreude auf UEFA-Festspiele hier im Internetcafé - dass die Konzentration gleich weg sein wird. Da würd ich wieder vierzig Jahre jünger und schnoddrig ...

Ich komm also morgen, spätestens übermorgen darauf zurück.

Dank Euch und bis demnächst, sagt der

Friedel
 
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Hallo Friedrichard

Also, ich halte es mit dem Erzähler aus O, der da murmelt "Man muss auch nicht alles verstehn ..."
und verdrängen schon gar nicht.
So halte ich mich denn an den Textaufbau und erkenne minimalst einen Plot, einen Prot und seinen Konflikt. Der Vortrag des jungen Schreibhandwerker war mir zu schwurbelig, als dass ich die richtigen Schlüsse daraus ziehen konnte.

Gerafft sieht's für mich etwa so aus:

Die Schreibwerkstatt der V zu O wurde zur Jv des Vs in A eingeladen, [...] eine Lesung abzuhalten. Während einer nach dem andern [...] der Stadt A einen Text las, wurde der junge Bursche links außen auf der Bühne immer nervöser. [...] er las das erste Mal in seinem Leben vor hunderten von Leuten und mit jedem Wort seiner Rede wurde die Stimme fester:

"Wir Städter sind arme Luder. [...] <B & C blabla> [...] Für Sekunden herrscht das Klappern der Abfalleimer."

„Welch ein gutes Publikum“, dachte der Vorleser, [...] „oder schläft es?“, als ein ebenso junger Mann wie der Vorleser selbst inmitten der Leute aufstand [...]
„Versteh ich nicht!“ [...]
„Man muss auch nicht alles verstehn …“, was die Leute von A deutlich verstanden und den Leuten aus O die Leviten lasen.

und damit bastelts du dir ganz frech den Rahmen, um einen lyrischen Monolg, (eine Variation von Wortspielereie(r)n, deren Interpretation ganz dem Leser obliegt,) an die KGde Gemeinde zu bringen.

Hm, wieviel Lyrik verträgt eine Geschichte um hier die Absolution erteilt zu bekommen?
Mich hats eher verwirrt zurückgelassen, aber vielleicht wohne ich ja auch in A.

Gruss dot
 
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Lieber Friedel,

meine welt gehört fetten geldsäcken
und auch ein bisschen den fetten Schreibern des Verbandes Deutscher Schriftsteller aus A

- das zumindest ist es, was ich da heraus zu lesen meine.
Da sind die Alpha-Schreiber und die Omega-Schreiber ... nur wer ist wer? Von Ortskürzeln sollte man sich da nicht in die Irre leiten lassen, wenn der Anfang zum alten, lahmen Ende und das Ende zum neuen, frischen Anfang wird - und das Uniforme der stillen Revolution am Ende - HA! - die Leviten liest.

Verkehrte Welt, dachte ich, als ich das las. Und doch so - real.

Ich mag es, wie du den - doch recht starren - Begriff der Kurzgeschichte nimmst und drehst und wendest und etwas ganz Unerwartetes kreirst. Das gefällt mir. Und es beeindruckt mich. Sehr.

Staunend,
PSS
 
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Spontan trat da Horst Bienek in mein Gedächtnis …

„War einmal ein Fensterputzer,
nebenbei noch Revoluzzer …“​
beginnt ein Gedicht von Erich Mühsam, der die Münchener Räterepublik im Gegensatz zu seinem Freund Landauer überlebte, um anschließend eine Karriere in Weimarer Gefängnissen zu machen und letztlich im KZ Oranienburg umgebracht zu werden, der genauso hineinreicht in diese Geschichte wie Horst Bienek, der seine Gefangenschaft in seinem Werk verallgemeinerte, insofern eine scheinbare Fortsetzung des Ikarus, der in einer Schublade abgeladen wird. Die in der Geschichte vorgetragene Geschichte selbst ist aber weit vorm Ikarus geschrieben und schmorte halt – bis zur Nachricht der Versteigerung der Mordswaffen am Montag – vor sich hin und ließe sich bis in die Zeiten der deutschen BMW-fahrenden Royal Air Force zurückverfolgen. Da hastu,

lieber Anakreon,

ein feines Gespür. Aber Deine Einleitung,

lieber Kubus,

ist ihrerseits großartig!, beispielsweise - wenn Schlinks Bernhard das gewusst hätte, wie hieße dann sein Romänchen?! -
Vor- und Laut-Leser –
wozu dann sicherlich der
Schriftstehler
passen würde, wie der Lürikvorwurf,

lieber dot,

der bei mir so alt ist wie das Taufwasser - wenn Umbrüche Lürik wären, wäre Lyrik einfacher zu gestalten als ein Polizeibericht.

Was aber Kubus abgeliefert hat kann's eigentlich keine bessere Zusammenfassung geben - wenn auch das Referat bald jeden Satz auf links zu drehen versucht.

Aber jetzt der Reihe nach:

Kleid ist klasse umgeformt. Doch warum heißt du sie nicht Pony?
Der angloamerikanische Klang wurde schlicht und einfach in die deutsche Lautsprache übersetzt. Da wäre die Schreibweise Clyde zwischen [’klí:də / ’kly:də] geworden, Bonnie ist aber (lautsprachlich identisch) geblieben. Als Pony hinwiederum wär’s zur spätdeutschen Lautumwandlung gekommen und das weiche b zum harten p zurückgeformt und Bonnie zur Pawnee ['pɔ:ni]. Als Caddo (wie die Pawnees sich selbst bezeichnen) könnt ich mir die bezaubernde Faye Dunaway überhaupt nicht vorstellen … schon gar nicht vor 40 und mehr Jahren – und stünde einem/-r Pony/Bonnie nicht ein mehr oder weniger hübschen Kleid gut?

großartig fand ich den heimlichen Revoluzzer, ….
Als ich auch einmal in unserem neuen aufregenden Jahrtausend in einer Filiale eines größeren Konzerns einkaufen ging, saß an der Kasse eine üppige junge Frau, die trug auf dem t-shirt
Che Guevaras Fell-Fresse

Als ich sie fragte, ob sie wisse, wen sie da auf dem Balkon trage, schüttelte sie verlegen den Kopf. Es lag mir auf der Zunge, Jesus zu sagen, und sagte doch John Lennon – sie müsse mal dessen Musik hören - nicht, dass es mir heute leidtäte.

Freiheit ist heut die Qual der Wahl unter 256 Joghurts einen auszuwählen. Und so verhält’s sich auch mit den ungezählten Nischen- und Subkulturen, wo ja auch jede Firma ihre eigene Kultur und Philosophie pflegt - und jeder hierorts wahrscheinlich seine eigene Vorstellung, was eine Kurzgeschichte sei, vor allem aber, nicht sein dürfe - und daran glaubt. Da kann jeder wie ein ordentlich gebügelt und geweißtes Hemd in eine Schublade gelegt werden. Die „ganze Welt“ in eine oder mehrere Schubladen zu stecken würde schon sehr, sehr eng – und wer wollte schon unter hübsch Gestylten und Deodorierten einen haben, der wie ein Hund stänke, der sich gerade im Dünnpfiffi eines Joggers gewälzt hätte, der seine Darmtätigkeit nicht mehr im Griff hat?
Ich weiß, dass das misslänge – und Angst, auch vor natürlichen Gerüchen, stammt nicht ohne Grund etymologisch von der Enge ab.

Zitat:
Stolz zeigt –

drittens - eine jugendliche Frau ihr schönes neues Gebiss,
was ist denn für dich eine jugendliche Frau - und warum hat die ein Gebiss?
Wenn man als 62-jähriger durch Fahrradstürze und echtes Lakritz nur noch 29 eigene Zähne hat, staunt man schon über die montierten hübschen weißen, schön gleichmäßigen Zähne bei manchem jungen Ding … Auch im Maul wird der Mensch zum Prothesengott.

Zitat:
Le petit Fouché

spielt große Oper:
der kann nur große Oper, oder? als wäre er ein Zeichensetzer! ist's der Polizeichef aus dem Hugo? der Die Elenden im Zaum halten will, vollendetes Produkt der Exekutive, lebt er um zu dienen, der Werkzeug.
Ja, Fouché ist das politische Aufstehmännchen vor, während und nach der 1789er Revolution. Kurz: der begnadete Politiker überhaupt. Der hätte auch dem Dritten Reich wie seinen Nachfolgestaaten gedient.

was zur Gabel ist eine Be-Erde?
Das überrascht mich. Es ist Tiu-Tschiulant, abgekürzt auf seine Staatsform. Und wem’s noch nicht genügt: Vokale weg!

Meint der junge Mann, er sei nun Revolutionär, …
& doch zuvor
durchaus das Vorrecht der Jugend, …
Wer in jungen Jahren nicht revolutionär war (oder doch zumindest revoltierte, dass Camus auch mal durchscheine) ist wahrscheinlich schon als konservativer Alter geboren worden, das ist gebisslich wahr (wenn’s Horkheimer auch anders gesagt hat). Dabei hat die Farbsymbolik, die Anakreon aufstellt, durchaus ihren Reiz. Aber auch Kubus’
ich habe letztens übers Verrücktwerden nachgedacht. das Wort ist ungenügend
wie alle Wörter unpräzise sind (wir treiben ja keine Mathematik), die sogar ihr Gegenteil bezeichnen können, denn es ist schon ein Unterschied, ob man verrückt wird und dann verrücktist oder ob man wie ein Stück Möbel verrückt wird und sich dann verstellt wiedefindet.

Aber Dank muss ich auch sagen wegen
Zehn Jahre aber bevor Bonnie & Kleid sich selbst richtetenKOMMA verehrte Hollywood sie als Helden.
Ohne nachtragend zu sein wurde’n „,“ nachgetragen …

Gruß & Dank an Euch drei vom

Friedel
 
Beitritt
06.09.2012
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Lieber Friedel,

noch ein Nachtrag.

Derweil

lebt unauffällig unter seinen Leuten der wahre Revolutionär und spricht:
was nützt mir opposition?
was taugt offne rebellion?
ich hab einen beruf, kleid mich alltäglich mit dem feigenblatt der unauffälligkeit,
dass mich niemand erkenne.

Im Urlaub erwirbt er sich Bräune,
in der Freizeit sieht er fern,
während der Arbeitszeit leistet er Durchschnittliches gleich den meisten Leuten,
die um ihn herum leben.

So lebt unter Seinesgleichen der Revolutionär und denkt:
dieser staat ist nicht mein staat.
kein staat ist überhaupt mein staat.
mit mir ist kein staat zu machen.
ich leb in einer schublade,
die mir nicht gehört.
ich leb in einer welt,
die mir nicht gehört.
meine welt gehört fetten geldsäcken.
nur mein leib ist mein eigner.
also bin ich leibeigner.

Eigentumspolitik.

Die Rebellion und spitzfindige Analyse des Schreibers aus O. wird ja dann doch von ihm selbst relativiert. Es liest sich, als habe er sich selbst aus Versehen in die Resignation geschrieben. Oder anders: Er schreibt sich versehentlich in Richtung A-Riege. Zwar noch mit enttäuschtem Unterton, jedoch schon recht kapitulierend.
Wenn man das so sagen kann.

Vielleicht dichte ich da eine verzweifelte Vielschichtigkeit und Verschnurbelung hinein. Sollte es so sein, dann möge man mir vergeben. :)
Das A<>O lässt mir örngdwie keine Wahl.

Immer noch verblüfft,
PSS
 
Senior
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12.04.2007
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Staunend, ....
Immer noch verblüfft,

ja, aber was erwartestu von mir,

liebe PSS?

Schön, dass Du mich mal besuchen kommst. Aber - um auch das zu klären - der VS tagte in A (es war ja auch seine Anfangszeit und er ging gerade in der entsprechenden Gewerkschaft auf, denn für sich allein genommen hätte der VS (Verband dt. Schriftsteller angekürzt) nix bewegt, außer wie der PEN Teil des Gewissens der Nation zu werden ... Die meisten Dichter / Schriftsteller sind Hungerleider. Mit A und O sind schon reale Orte gemeint, die aber sinnigerweise im übertragenen Sinn Anfang und Ende (O wäre dabei die griechischste Stadt BRDs neben Hagen, ist also so gut wie am Ende und mancher Ort in unserer östlichen Kolonie) bezeichnen - was Du auch erkannt hast.

Da sind die Alpha-Schreiber und die Omega-Schreiber ... nur wer ist wer?
Allein der Vorleser ist als Schreiber benannt, die Leute aus A sind ganz normale Bürger / Angestellte der Stadt A, die für diese kulturelle Veranstaltung wahrscheinlich vorzeitig freibekamen - vorausgesetzt, sie nahmen an der Veranstaltung teil.
Verkehrte Welt, dachte ich, als ich das las. Und doch so - real.
Ja, so ist es wohl. Wenn ich das mal so einfach sagen darf ...

Wie ist das mit der Vorstellung, dass der Revolutionär der Geschichte in der Geschichte schon als Konservativer geboren wurde?

Aber auch das wäre nur eine Lesart. Ich liebe mehrdeutige Geschichten, die sogar - wie jedes Wort - auch ihr Gegenteil bedeuten können ...

Nun ja, ich hab mich sehr gefreut, dass ich heute trotz des Sauwetters hier vor Ort zu Dir gefunden hab ...

Gruß & dank fürs Lesen & kommentieren! 's freut mich sehr.

Schönes Wochenende wünscht der

Friedel
 
Wortkrieger-Globals
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Monster-WG
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*** aus Gesellschaft ***


passen würde, wie der Lürikvorwurf,

lieber dot,

der bei mir so alt ist wie das Taufwasser - wenn Umbrüche Lürik wären, wäre Lyrik einfacher zu gestalten als ein Polizeibericht.

Lieber Friedrichard,
nachdem ja nun ein paar Tage ins Land gezogen sind, so manch Kritiker Gefallen bezeugte, und dazu auch viel Interpretationen die Runde machte, möchte ich dich an deiner eignen Kleinkrämerseele kitzeln und frage dich im Gegenzug sogleich:
Brauchen Lyrische Texte denn überhaupt Umbrüche, geschweige denn muss Poesie sich reimen? Mitnichten, und das Regelwerk in diesem Forum ist Gesetz.

Ich lasse dir den Text (nur) durchgehen, da du ihn - gar wissentlich? - in einen, wie bereits erwähnt, minimalen Erzählrahmen gesteckt hast.

Allerdings, und da nehme ich gerne wieder das Kleingekrämerschild hervor: Wir verkaufen nur saubere Ware.
Die Gross-/Kleinschrift wird hier meiner Meinung nach zu unrecht ausser acht gelassen und das sehe ich somit als Verstoss gegen die Regeln.

Als Beispiel sei nachfolgender Text angeführt
[...]
Derweil

lebt unauffällig unter seinen Leuten der wahre Revolutionär und spricht:
was nützt mir opposition?
was taugt offne rebellion?
ich hab einen beruf, kleid mich alltäglich mit dem feigenblatt der unauffälligkeit,
dass mich niemand erkenne.
[...]
dessen Verbesserung in keiner Weise etwas der revolutionären Aussage nehmen wird!

Sollte damit ein Gedankengang gekennzeichnet sein, so eignet es sich auch vortrefflich, den Text Kursiv zu stellen:

Derweil

lebt unauffällig unter seinen Leuten der wahre Revolutionär und spricht:
Was nützt mir Opposition?
Was taugt offne Rebellion?
Ich hab einen Beruf, kleid mich alltäglich mit dem Feigenblatt der Unauffälligkeit,
dass mich niemand erkenne.


Somit verschiebe ich den Text ins Korrekturcenter, dort hast du vier Wochen Zeit die Gross/Kleinschreibung zu überarbeiten. Wenn du fertig bist, schreibe Makita oder Tserk eine PM, sie schieben ihn dir dann wieder zurück nach Gesellschaft.

Gruss dot
 
Beitritt
06.09.2012
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Hallo dotslash,

ich verstehe das nicht. Ins Korrektur-Center? Im Ernst?

Es handelt sich doch eindeutig um ein Stilmittel, das so deutlich gesetzt wurde, dass es unmöglich nicht als solches zu erkennen wäre.

Ich habe eben nach einer Geschichte gesucht, ich weiß ihren Titel nicht mehr, auch nicht mehr die Kategorie, aber ich glaube, der Titel hieß Hruargh oder so ähnlich, ich kann sie nicht finden. Darin "spricht" ein Dämon, der im Laufe der Geschichte merkt, dass er mit Gott spricht. Als er es merkt, wird er immer kleinlauter. Der Autor (wer war das denn?) hat dabei zum gleichen Stilmittel gegriffen, so etwa:

GLAUB MIR, ICH WOLLTe DOcH gAR NichTS BöseS, dAs lieGt halT in mEiner Natur, und überhaupt bist du doch der größte, und ich geh jetzt lieber.

Das war ein perfektes, legitimes Stilmittel, das man natürlich nicht beanstandete.
Und Friedel macht doch nichts anderes.
Der Revolutionär denkt es ganz leise und heimlich und gar nicht überzeugt vielleicht. Es sticht dadurch heraus.

Also ich denke, du verlangst zu viel.

Gruß,
PSS
 
Mitglied
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30.12.2008
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:lol::lol:

Du traust Dich, dot! Den Friedel einfach so ins Korrekturcenter stecken! Was kommt als nächstes?
Ne echt, das ist wirklich dreist! Ich brech ab!
Gib's zu, dass ist ein versuchter Mordanschlag - der arme Friedrichard kriegt doch nen Herzkasper, wenn er sieht was Du getan hast. Also ich mein, ich trau mich nicht mal seine Geschichten zu kritisieren, weil ich immer das Gefühl hab, dass mir was entgangen ist, und was machst DU!?
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
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23.05.2005
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Offtopic gelöscht. Friedrichard kann sicher für sich selbst sprechen und das via PN mit dot klären.
Das KC ist nicht für Diskussionen da.
 
Beitritt
06.09.2012
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Lieber Tserk,


bedeutet das: Sobald ein Text im KC steht, ist von jedweder Frage hinsichtlich Stil, Inhalt etc. abzusehen?
Diese Frage ist ernst gemeint, denn das war bis jetzt nicht so.


Ich jedenfalls sitze nun hier und muss mich ganz allein fragen, wer entscheidet, wann ein Stilmittel ein Stilmittel ist - und wann nicht.

Ich dachte bis jetzt - und der Eindruck war bis heute nicht unbegründet, wie ich in meinem leider gelöschten Kommentar auch begründete - dass der Autor diese Entscheidung trifft.

Ich brauche eine Antwort auf diese Frage.
Für mich.

PSS

P.S.:
Ich bin ja noch nicht lange dabei, aber wenn ich eins schon gemerkt habe, dann: Friedrichard braucht niemanden, der für ihn spricht.
Das tun seine Texte.
 
Senior
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28.01.2008
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Hey Friedrichard,

ich schieb jetzt Deine Geschichte zurück, die hier unter Umständen gelandet ist, über die ich den Mantel der Barmherzigkeit breiten möchte. Näheres entnimmst Du Deinem Postfach, und dann am besten verdrängen, das Ganze. Oder lyrisch aufarbeiten. :silly:

Ein schönes Wochenende wünsch ich Dir!
Makita.
 
Senior
Beitritt
12.04.2007
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Dank Dir, Makita,

für die Freisetzung,

Dank Euch, PSS und Mothmann (werd doch einfach mal'n Träudchen),

aber auch danke an den gestrengen Tserk und den anregenden dot, der mich weniger aufregte - zu behaupten, er täte nur seine Pflicht wäre dumm, denn es gab ganz andere, die auch "nur" ihre Pflicht erfüllten - als anregte. Tiutschiulant wird also in seiner Geschichtsschreibung wachsen - aber heute nicht mehr, obwohl eine Idee in mir erste Keime geschlagen hat. Hätte einer was anderes erwarten dürfen/können?

Wer nun das Geschreibsel nicht sofort erkennt und Schwierigkeiten beim Lesen hat: Es ist Lautschrift, wenn auch nicht unbedingt die offizielle des Dudens und anderer Wörterbücher, dazu sind die Mittel hier im Internetcafé zu begrenzt. Wer Lautschrift niocht lesen kann, der findet die schreibschriftliche Übersetzung nicht nur bei meinen Kritikern ...

Jetzt wünsch ich Euch allen ein schönes Wochenende und geh ein' trinken. Vielleicht mit Jean Paul, Gottfried Keller oder Karl Kraus. Den Kollegen Torberg hab ich ja gerad zu Haus.

Gott schütze und verhüte Euch!

Friedel
 
Zuletzt bearbeitet:
Senior
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15.03.2008
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... war doch prima weitergedacht von dotslash! ...
(dass er dem heimlichen Revoluzzer durch das Aufstellen eines Schreibgesetzes immerhin eine kleine Revolte ermöglichte)

Zitat CIGAM: Aussage, die du tarnsportierst-

.... Sprechen = Tarnsport ....
 
Senior
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12.04.2007
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Schöne Vorstellung, dass BRD kollektiviert wird. Wer hätte das vor zwanzig Jahre, ja vorgestern noch geglaubt!

Dank Euch beiden,

und ich freu mich auf Deinen Beitrag,

lieber CIGAM!

Gruß

Friedel
 
Mitglied
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30.12.2008
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Lieber Friedel

Ich trau mich und zitiere den mutigen Mann aus dem Publikum, der da aufstand und schrie: „Versteh ich nicht!“
Die Sympathie wird geweckt durch selbiges Empfinden, womit ich es jetzt bewenden lassen könnte; hat sich doch gezeigt, dass ich nicht zur schweigenden Mehrheit gehöre, sondern stattdessen aufstehe und sage, was ich denke.
Aber, irgendwie wäre das nur eine andere Art des Versteckens. Sich auf dem Nicht-Verstehen auszuruhen hieße ja immer noch zu scheitern. Wenngleich es heldenhaft wirkt, verkündet man seine Ignoranz mit stolzgeschwellter Brust vor versammelter Mannschaft. Denn zu verstehen hieße ja, man wäre kein Held mehr!

Also wage ich mich ganz unheldenhaft ans Verstehen und schau mal wohin das führt. ;)

Be-Erde / Beerde / B-Erde?
Hat mit Mittelerde wohl weniger zu tun. Und ob es eine A-Erde gibt, wage ich zu bezweifeln. Was also verbirgt sich dahinter?
In Belgien gibt es ein Weerde. Was ich mir auch nix sagt und ich damit ignoriere.
Der Duden hingegen kennt ein beerden und spricht davon, Pflanzen mit Erde zu versehen – was mir hinsichtlich der Geschichte auch nicht weiterhilft.
Vielleicht bedeutet es so viel wie „Butter bei die Fisch“. Vielleicht geht’s auch allgemein um den Sinn von allem, dem Leben und dem Rest – womit ich bei der 42 wäre – doch da mag ich jemanden hören, der sich im Grabe umdreht und jammert: „Beerden Sie mich!“ – als ob er selbst eine Pflanze wäre, der Herr Adams.

Wir Städter
Was bin ich froh, dass ich keiner bin. Trotzdem kann ich das Üben, Hören, Leiden gut nachfühlen.
Wer sagte noch mal: „Die Hölle sind die anderen“ – genau, der war’s.
Anmerken möchte ich aber dies:
Nachbarn lassen einander am Wohlstand teilhaben: Klavier – Musiktruhe – Fernseher.

Wir üben, hören, leiden mit.
Sehr schön formuliert! Wenngleich die Musiktruhe ein wenig deplaziert wirkt. Immerhin schallt die Musik heute eher aus Handys, Notebooks, Schlepptops, und wie die Höllenkisten noch alle heißen. Hauptsache das Ding ist flach und hat nen halben Apple drauf. Was für ein Wahnwitz!

Quecksilbrig plärren
Hilflose Alte werden in den Acker getan: dem wertvollen Boden ein preiswerter Dünger.
Lärmend geben Aschenmänner den Städtern geleerte Urnen zurück.
Da vergeht der Witz, wenn es den einen gab. Aber eine entmenschlichte Gesellschaft ist auch nicht lustig. Es ist halt einfach bitter.
Aber da fällt mir was ein. In Amerika gab’s vor ein paar Jahren (heute auch noch?) eine lustige Rechtslage. Firmen wie Monsanto, die auf Forschungsfeldern ihre genmanipulierten Produkte ausbrachten, klagten umliegende Felder ein, da diese durch Pollenflug nun ebenfalls „hochwertige“ Pflanzen hervorbrachten, die jedoch patentrechtlich Monsanto und Co gehörten. Ergo, umliegendes Land wurde von Monsanto erfolgreich eingeklagt und die Bauern gingen bankrott.
Ob man nun auf ähnliche Weise Grund einfordern könnte, wenn man Opa Karl aus der heimischen Urne im Garten des Nachbarn verstreut?

Leute hüllen -
erstens - ihre Kinder in Cellophan und behaupten, ihre Kinder zu lieben.
Versteh ich nicht. Meinst Du Eltern stecken ihre Kinder in Klamotten, die, weil billig und beliebt, aus recyceltem Alditüten bestehen und nicht selbst gestrickt sind?
Also wenn ich an meine Kindheit und an die kratzenden Pullis zurückdenke, die meine Oma gemacht hat – brrrr, da schaudert es mich heute noch.
Der Part hier leuchtet mir jedenfalls nicht ganz so ein.

Leute fahren -
zwotens - Fettklößchen, die sie Kinder heißen, in feinen Staatskarossen durch Beerde und krähen:

Beerde doch nur der Name eines kleinen Städtchens? Dann sind das alles Belgier hier? :D

Ok, ernsthaft. Dass die durchschnittlichen 1,6 Kinder pro Frau zu fett sind, ist ja allgemein bekannt. Daher ja auch die 1,6 Kinder! Wenn wir alle schlank und sportlich wären, hätte Frau wieder 1,0 Kinder wie es sich gehört.
Aber warum die in Staatskarossen rum gefahren werden, versteh ich nicht. Sama doch net bei de Belgier?


Stolz zeigt –
drittens - eine jugendliche Frau ihr schönes neues Gebiss,
nimmt’s heraus,
reicht’s herum und
lässt’s bewundern.

Fürwahr: da ist kein Makel an ihm.

Also das hier fand ich richtig gut. Total absurd möchte man meinen. Dann aber fallen einem (mir) Perücke, künstliche Wimpern, Plastikbusen und Botox ein.
Richtig krank finde ich ja das mit den „Beinen aus Kurgan“. Dort und mittlerweile auch sonst wo auf der Welt lassen sich Frauen ihre Beine verlängern. Dafür müssen zuerst die Unterschenkel gebrochen werden, bevor die Frau in einen Streckverband kommt. Die Prozedur wird wiederholt bis gewünschte Traumlänge erreicht ist. Wunderbar.


Die Leute
Fand ich interessant, dass die Armut nichts mit Hunger zu tun hat.
Sondern Armut hat was mit geringer Bildung zu tun. Und da Unwissenheit von der Obrigkeit geschätzt wird, ist Armut sogar erwünscht!
Ein interessanter Gedanke!

Mitbürger!
Und die Herde wählt an Kiosken.
Tja und das Druckmittel ist die Angst. Bleibt die Frage: Angst vor was? Nur vor der Anarchie?
Erscheint mir zu wenig.

Anarchisten
Tja, und hier wird das Schreckgespenst gejagt, wenn auch nicht gefunden. Wie auch, es existiert ja nicht.
Trotzdem finde ich den Anarchisten als Bösewicht ein wenig fadenscheinig.
Sucht man in der Aktualität: Dann würde sich ja der Islamit als Schreckgespenst eignen. Warum nicht deutlicher werden. „Springer“ als Schlagwort ist doch schon gefallen.
Warum hier das Abstrakte wählen?


Le petit Fouché
Leichenwagen rollen heran, verbarrikadieren Straßen.
Wachhunde der Nation bellen den Radikalismus aus.

Fouché bläst Blech.
Es wagnert ein wenig.

Horch, man marschiert wieder und geht fremd.

Fand ich sehr gelungen.
Obwohl mir Fouche nichts sagte und ich Wikipedia zu Rate ziehen musste.

Einige

Das hier fand ich schwächer. Da sind so ein paar Sätze drin, die man meiner Meinung nach nicht braucht.
Dieses: „Einige sterben früher, alle andern später. Bei einigen wird nachgeholfen.“
Das stimmt zu jedem Zeitpunkt der Geschichte. Es gibt Gute und Böse, Arme und Reiche, Privilegierte und Rechtlose.
Das ist mir zu allgemein.
Und dann das hier: „Der Bart gehorcht. Welch ein Fehler.“
Nee echt, das ist net meins.

Was war
Hier wird es schwer. Da wird plötzlich viel zusammengewürfelt.

Klar, Bonnie und Clyde haben auf alle gesellschaftlichen Konventionen gepfiffen, und sind schnurstracks ihren Weg gegangen. Ich denke, dass sie vor allem deshalb von vielen verehrt werden, weil sie sich für eine Freiheit frei von allen Zwängen entschieden haben. Trotz aller Konsequenzen. Ich denke, beiden war klar, dass es nicht ewig so weitergeht. Aber das war ihnen egal, und auch wenn beide Mörder waren, kann ich die Bewunderung verstehen.

Deinen Worten entnehme ich aber einen anderen Sinn: Clyde ist der Looser, der Schlappschwanz und darf noch nicht mal seinen Namen behalten. Er heißt sogar Kleid und ist somit wenig mehr als ein Accessoire von Bonnie.

Ich weiß allerdings nicht wohin dieser Gedanke führt. Bleibt mir zu nebulös. Naheliegend wäre die Aussage, dass Freiheit auf Kosten anderer immer ein Irrweg bleibt und auch nicht verehrungswürdig ist.


Staatsanwälte
Springer aber erhebt sich zum Anwalt des Staats.
Das ist eine Behauptung. Und mir in so allgemeiner Form zu dünn.
Da hätte mehr kommen müssen.


Derweil
’mainə vɛlt gə’hœrt ’fɛtn ’gɛlt’zækn.
„Meine Welt gehört jetzt Geldsäcken.“
Möchte ich glatt unterschreiben.
Ja und der Rest: Dieses Zurückweichen auf die eigenen körperlichen Grenzen. Die eigene Haut als letzte und einziges Bollwerk zu begreifen, das es zu verteidigen gilt; also Selbstverteidigung mit Revolution gleichzusetzen - das ist schon zynisch.
Zumindest begreife ich das so.


Aschenmänner
Hehe, der Schluss – auch nicht einfach.
Die Geschichte begreife ich als eine Art historisches Kaleidoskop mit dem man versucht einen Blick auf die Gesellschaft zu erhaschen. Bunte Splitter und Scherben purzeln da wild durcheinander und lassen doch mit jeder Drehung Sinn und Muster erkennen.
Ort und Zeit spielen nicht wirklich eine Rolle, da Geschichte sich wiederholt. Da könnte man das „Be-„ auch weglassen, oder durch ein „Ce-„ ersetzen. Letztlich bleiben die Geschichten wohl die gleichen.
Und wenn das Rad der Geschichte mit jeder Drehung doch nur die ewig gleiche Musik spielt, mag man sich fragen, ob Aufbegehren überhaupt noch einen Sinn macht.
Letztlich, wenn alles unnütz scheint, hält man den Kopf unten und sorgt in den eigenen vier Wänden erstmal für Ordnung

Ja, so versteh ich das und trotz allem Schalk und Wortwitz den ich aus Deiner Geschichte herauslese, bleibt der Kern doch ein düsterer.
Leicht ist der Brocken nicht zu verdauen, den Du uns da hinwirfst. Gelesen habe ich es jedoch gerne.

Viele Grüße

Mothman
 
Senior
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
5.787
Hallo Mothman,

Dank Dir fürs Lesen und ausführlich Kommentieren, worauf ich selbstverständlich ebso ausführlich antworten werde, nur gerade nicht mehr heute hier im Internetcafé. Um aber auch das einfachste Rätsel

Be-Erde ist die rechtliche und offizielle Bezeichnung Tiutschiulandes und wenn man die Vokale der "Rechtsform" weglässt, ergibt sich die Abkürzung der Bundesrepublik Deutschland, BRD, wiewohl einem vom Niederrhein das flämische weerde nicht unbekannt ist.

Aber ich komm drauf zurück!

Gruß und nochmals danke, sagt der

Friedel
 

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