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Herbstferien

Seniors
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Herbstferien

In diesen wenigen Herbstwochen verloren wir unsere Abenteuerlust.
Eigentlich hätte Tante Sanna uns – meine kleine Schwester Annikki und mich – zu ihrem Sommerhaus in den Wäldern von Kuhmo mitnehmen sollen. Fischen, Schwimmen, Beerenpflücken. Aber erst würden wir ein Wochenende in der Wildnis verbringen: Die Hütte eines Kollegen winterfest machen, der sich dieser Tage zu krank und schwach fühlte. Ihm gehörte eines der alten Blockhäuser, ungestrichen und so weit von der nächsten Ansiedlung entfernt, dass die unbefestigte Straße kilometerweit davor aufhörte und man stundenlang durch den Wald dorthin wandern musste. Die Einkäufe würden wir später erledigen, und so nahmen wir nur das Notwendigste aus dem Auto mit. Den Einritzungen auf meinem Ast zufolge war das vor sechzehn Tagen.

Nach dem Regen riecht der Wald nach dunkler Erde und verrotteten Blättern. Annikki und ich sammeln Pilze, so weit vom Haus entfernt wie wir uns zutrauen – aber alles in der Nähe haben wir bereits abgeerntet. Die Morgensonne scheint durch die Fichtenzweige und meine kleine Schwester hat noch nicht angefangen zu nörgeln. Es ist schwieriges Terrain für ihre acht Jahre und unser Sechsjahresabstand bedeutet, dass wir häufig Pausen einlegen müssen.
“Hey ...” Annikki zeigt auf eine Ansammlung roter Tupfen im Unterholz.
“Gut gemacht!” Ich war in Gedanken versunken und hätte die Preiselbeeren fast übersehen. Endlich Frühstück. Die Beeren haben eine bittere Süße, einige in der die Farbe von dunklem Purpur – diese sind die reifsten, süßesten – andere sind strahlender rot mit einigen fahlen Stellen: Diese packen wir in die Tasche und wärmen sie später in unserem kleinen Saunahaus auf. Wir lassen die Beeren am Gaumen zerplatzen, ihre leckere Bitterkeit weckt unsere Lebensgeister. Annikki, munter geworden, plappert von den Ponys, die sie reiten will, und von den Spielzeugautos, die sie bekommen wird, wenn wir wieder zurück zu Hause in Kajaani sind. Wo man sich Lebensmittel aus gut gefüllten Regalen holen und sie dann auf dem Elektroherd kochen kann. Sechzehn Tage und es fühlt sich ewig vergangen an, nur noch eine vage Erinnerung. Meine Beine fangen an zu kribbeln, ich stopfe mir eine Handvoll Preiselbeeren in den Mund, ihr roter Geschmack explodiert auf meiner Zunge, erfüllt mich mit plötzlichem Glück. Von einer jungen Tanne breche ich einige Zweige ab und kaue die weichen Spitzen. Ihr Harzgeschmack mischt sich mit dem bittersüßen Saft der Beeren. Ich biete Annikki einige an, aber sie schüttelt den Kopf, lächelt mit rot verschmierten Lippen.
“Naa, man kann keine Bäume essen”, stellt sie in ihrer besten Nachahmung eines Erwachsenen fest.
“Ach, komm, Schwesterchen. Unsere Spielregel ist doch, dass wir alles Essbare, das wir finden, auch essen müssen.”
Annikki schaut mich aus verengten Augen an.
“Denk gar nicht dran, jetzt rumzunörgeln”, sage ich. Aber liebevoll, mit einem Lächeln.
Sie nimmt die Fichtenspitzen an und kaut, ohne den Blick von mir abzuwenden. Dann strecke ich ihr die Wasserflasche entgegen. “Hier. Spül nach, wenn du's eklig findest.”
Als wir schließlich eine kleine Lichtung erreichen, glüht die Sonne schon rosa-golden. Mein Rücken schmerzt – Annikki hat sich Huckepack tragen lassen, ist von Zeit zu Zeit eingeschlafen und hing wie ein Bleisack an mir. Ich lasse sie zu Boden gleiten. “Abendessen!”
Hier wachsen fette Trompetenpfifferlinge und Reizker im Schatten der Birken, beinahe unter den gelben Blättern verborgen. Annikki darf die Pilze nicht selbst pflücken. Für sie werden alle gleich lecker aussehen: die essbaren wie die giftigen. Also darf sie sie unter den nassen Blättern und Zweigen ausgraben. Ich pflücke einige und putze die mit meinem T-Shirt-Ärmel, die man gleich roh verzehren kann. Wenn man eine Weile keinen Zucker gegessen hat, schmecken selbst Pilze überraschend süß. Ihr erdiges Butteraroma lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hätte es nicht geregnet, könnten wir ein Lagerfeuer anzünden. Die Pilze rösten und ihren Nussgeschmack genießen. Aber so werden wir sie später auf dem Saunaofen erhitzen. Jedes Mal, wenn wir das Mitternachtsessen ausfallen ließen, waren wir mit schmerzhaft knurrendem Magen aufgewacht.

Wir kehren im Halbdunkel zurück. Nicht geleitet von meinem zweifelhaften Orientierungssinn, sondern einem alten Großvater-Kompass, den wir im Haupthaus gefunden haben. Am Ankunftstag, als wir es noch betreten konnten.
Das Blockhaus wirft einen massiven Schatten auf den überwucherten Rasen. Die ungestrichenen Stämme sind aschgrau, Moos und Flechten wachsen an ihrer östlichen Wetterseite. Die Fenster düstere, blinde Löcher. Kein Rauch steigt vom gebrochenen Schornstein auf. Es fühlt sich an, als ob das Gebäude Wellen von nasser Kälte ausstrahlte.
Annikki verweilt zwischen der Hütte und dem Saunahäuschen, tritt von einem Bein aufs andere. “Warum können wir nicht …” fängt sie an, vollkommen übermüdet.
“So sind die Spielregeln, weißt du noch?”, frage ich und gebe ihr die Tasche voller Pilze, Fichtenzweige und Preiselbeeren. “Geh schon mal vor, ich hack noch ein bisschen Holz. Besser, wir brauchen nicht gleich den ganzen Stapel auf und kommen später nicht hinterher, wenn es kälter wird.”
Annikki ist trotzig, aber hat – in nur zwei Wochen – gelernt, dass eine Weigerung zu nichts führt.
Nur zögernd nähere ich mich der finsteren Hütte. Obwohl an allen Türen Schlösser sind, haben wir nirgends Schlüssel gefunden. Der alte Mann brauchte sie wahrscheinlich nicht, aber jetzt ist das eine ganz andere Sache. Jetzt könnte Annikki entscheiden, dass sie von unseren Spielregelen die Nase voll hat und es einfach wagt, ins Haus vorzustoßen. Wo es ein richtiges Bett gäbe, ein Sofa, einen holzbefeuerten Herd oder einfach ein bisschen mehr Platz. Sie könnte genug haben von unserer Saunabank mit den hastig zusammengesuchten Kissen und Wolldecken. Aber sie darf niemals entdecken, was ich fand, an diesem ersten dunklen Abend, als Tante Sanna offensichtlich mit dem Putzen, Rumwerkeln, aufgehört hatte und die Hütte verdächtig still geworden war.

Ich stelle den ersten Holzscheit auf den Block und hebe die schwere Axt. Meine Arme schmerzen schon jetzt – davon, dass ich meine kleine Schwester kilometerweit durchs Unterholz trug. Bald werde ich die Winterjacke ausziehen müssen und den Dampf von meinem Körper in die knackig kalte Herbstluft aufsteigen sehen. Es kommt mir vor, als ob die Hütte ihre Finsternis über den Freiplatz hin ausatmen würde und vermeide, zu ihren Fenstern zu sehen. Ich weiß, dass diese Balance nicht viel länger aufrecht erhalten werden kann. Die letzten Beeren werden gepflückt sein, die übersehenen Pilze verrottet. Die Wärme der Sonne wird den Waldboden nicht mehr erreichen. Wir werden den ersten Schnee riechen und unser kleiner Saunaofen wird nicht mehr ausreichen. Dies sollte ein zehntägiger Urlaub werden und wir haben nicht mal richtige Winterstiefel eingepackt. Niemand erwähnte, wo der nächste Nachbar wohnt und selbst wenn, führte uns der Weg auch durch die Nacht und das würde Annikki nicht überleben.
Die Axt spaltet mit trockenem Knall einen weiteren Klotz. Instinktiv horche ich auf, dass ich unter dem Schlag kein anderes Geräusch überhörte. Die Hütte steht schweigend da, beherbergt etwas Kaltes, Stilles, das nicht dort sein sollte.

 
Seniors
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Liebe Leute,

um mal wieder neue Gesichter zu sehen und das Geschichtenschreiben auf Englisch anzukurbeln, hab ich einen Creative Writing Kurs angefangen. (Die anderen bislang vier Teilnehmer da schreiben alle fiktionalisiert Biografisches, es soll aber wohl eine Fantasy-Frau dazukommen.)

Mit diesem kleinen Doodle versuche ich mich an typisch finnischem spekulativen Realismus, bei dem die Grenzen oft recht weit in Richtung Realität verschoben sind bzw. nix offensichtlich Paranormales vorkommt.

Vorgabe war: Max. 1,5 Seiten und Stichwort "Delicious Autumn" :hmm::dozey:. Ich hatte denen "Ooooh, Highsmith ist ja soooooo gruselig" eigentlich versprochen, in meinen Stories niemanden umzubringen, aber bei der süßlichen Steilvorlage ... :D

Meine Vierzehnjährige klang auf Englisch nur ziemlich reif, in der Übersetzung bin ich irgendwie bissl ins 19.-Jahrhunderterwachsene gerutscht. Also jetzt eher eine spekulative "Vierzehnjährige". *duck*

Lieben Dank für jede Rückmeldung,
Katla

Und: Mit dem Einstellen hier schummle ich nicht, die Hausaufgabe ist schon eingereicht.

 
Seniors
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In diesen wenigen Herbstwochen verloren wir unsere Abenteuerlust.
Eigentlich hätte Tante Sanna uns – meine kleine Schwester Annikki und mich – zu ihrem Sommerhaus in den Wäldern von Kuhmo mitnehmen sollen. Fischen, Schwimmen, Beerenpflücken

Hallo,

ich finde, du verrätst am Anfang zuviel. Da steckt schon alles drin, wobei ich den ersten Satz sehr mag, aber damit nimmst du dem Text die Möglichkeit, sich zu entfalten. Es können jetzt im Grunde nur noch Lösungen präsentiert werden, wie das alles geschieht. Was geschieht, scheint schon fast klar.

Aber erst würden wir ein Wochenende in der Wildnis verbringen: Die Hütte eines Kollegen winterfest machen, der sich dieser Tage zu krank und schwach fühlte. Ihm gehörte eines der alten Blockhäuser, ungestrichen und so weit von der nächsten Ansiedlung entfernt, dass die unbefestigte Straße kilometerweit entfernt aufhörte und man stundenlang durch den Wald dorthin wandern musste.

Damit würde ich beginnen. Das ist ja auch der Beginn der Reise für alle Protagonisten, es scheint eine Nebensächlichkeit zu sein, ein Einstieg, dann kommt es aber anders. Klassisch falsch abgebogen. Ist jetzt Ansichtssache, aber ich denke, hier wäre mehr Show gut, auch rein aus atmossphärischer Sicht - die Landschaft verändert sich, da steckt ja eine Menge Symbolkraft drin. Also kurz gesagt: diese Entfernung zur Zivilisaton einfach verdeutlichen. Natürlich schwierig auf der angegebenen oder angestrebten Seitenzahl.

Sechszehn Tage und es fühlt sich ewig vergangen an, ein entferntes Konzept.

Das ist vom Ton her schon recht weit weg. "Ein entferntes Konzept" klingt eher wie Pro-Seminar. Ich denke sowieso, hier wäre eine andere Perspektive vielleicht lohnender. Personaler Erzähler, da wäre auch die Distanz eine andere, es wirkt alles direkt etwas seltsamer, obskurer, dadurch aber auch ergreifender. Finde ich jedenfalls. Das klänge dann vielleicht wie ein finnischer Cormac McCarthy, was ja geil wäre.

Hier wachsen fette Trompetenpfifferlinge und Edel-Reizker im Schatten der Birken, beinahe von den gelben Blättern verborgen
Auch hier, diese Naturbeschreibungen sind okay, wenn sie Wendell Berry wäre, aber für eine 12 Jährige muss ich einen Grund finden, warum sie sich so gut auskennt: ihr Vater ist Förster, Prepper oder Emerit, oder so. Ich finde die Beschreibungen gut, ich finde gutes Nature Writing immer eine feine Sache, sie verleihen dem Text auch eine gewisse Autorität. aber hier wirkt sie nicht deckungsgleich auf mich.

Ich habe auch ein Verständnisproblem. Was genau ist in der Hütte passiert? In meiner Lesart hat die Erzählerin ihrer Tante den Kopf abgehackt. Mir kommt die Axt am Ende so präsent vor, wie ein implementiertes Symbol. Es kann aber auch so ein Blair Witch Project Ding sein, die Hütte ist einfach verwunschen und alles Leben wird darin aufgesaugt, keine Ahnung. Ich fände es hier gut, wenn du diesen Twist organisch mit dem Text sich entfalten lässt, du kannst das Mysterium ja wahren, es nicht verraten, nur einfach anders platzieren. Vielleicht musst du auch gar nicht viel erklären sondern steigst in media res ein, gibst das Wissen nur so stückweise Preis, erhöhst dadurch nochmal die Spannung auf eine andere Art und Weise. Ist natürlich alles auch abhängig vom Format. 1.5 Seiten, das ist natürlich sportlich. Vielleicht würde ich mich auch auf eine Tätigkeit konzentrieren, wie das Holzhacken oder das Pilze suchen, etwas, das verdeutlicht, in welcher Situation sie sich tatsächlich befinden, und die Hütte nur so beiläufig am Rand erwähnen, so dass sich der Leser fragt - warum gehen die nicht einfach in die Hütte? So ein kleiner mindfuck.

Ich bin gespannt, wie du mit dem Text noch weiter umgehst.

Gruss, Jimmy

 
Monster-WG
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Guten Morgen @Katla

ich schließe mich @jimmysalaryman an bei der Frage, was genau in der Hütte passiert ist. Hab die Geschichte eben zum zweiten Mal gelesen und werde nicht recht schlau aus ihr. Der Text ist flüssig geschrieben, es entsteht Kopfkino, wirft aber bei mir sehr viele Fragen auf.

Die Einkäufe würden wir danach erledigen, und so nahmen wir nur das Notwendigste aus dem Auto mit. Den Einritzungen auf meinem Ast zufolge war das vor sechszehn Tagen.

Also ich komm schon am Anfang irgendwie nicht klar. Sie steigen aus nem Auto aus. Zu dem Zeitpunkt müsste ja die Tante noch da sein.
Bei der Erwähnung dachte ich zunächst, die Mädels haben sich im Wald verirrt.

Hätte es nicht geregnet, könnten wir ein Lagerfeuer anzünden. Die Pilze rösten und ihren Nussgeschmack genießen. Aber wir werden sie später auf dem Saunaofen anwärmen. Jedes Mal, wenn wir das Mitternachtsessen ausfallen ließen, waren wir mit schmerzhaft knurrendem Magen aufgewacht.

Ich frag mich ständig, warum dürfen 2 kleine Mädels alleine im Wald herumlaufen? Klar, wenn die Tante wirklich mit der Axt erledigt wurde, ergibt das Sinn, aber so wirklich klar ist es für mich trotzdem nicht.

Wir kehren im Halbdunkel zurück. Nicht geleitet von meinem zweifelhaften Orientierungssinn, sondern einem alten Großvater-Kompass, den wir im Haupthaus fanden. Am Ankunftstag, als wir es noch betreten konnten.

Und warum kann man es jetzt nicht mehr betreten? Ist auch nicht klar für mich. Vielleicht steh ich auch einfach auf dem Schlauch.

Aber sie darf niemals entdecken, was ich fand, an diesem ersten dunklen Abend, als Tante Sanna offensichtlich mit dem Putzen, Rumwerkeln, aufgehört hatte und die Hütte verdächtig still geworden war.

Das hier ist sehr mysteriös. Hier glaub ich eher nicht, dass sie die Tante mit der Axt erschlagen hat. Denke da eher an was Gespenstisches.

Wir werden den ersten Schnee riechen und unser kleiner Saunaofen wird nicht mehr ausreichen. Dies sollte ein zehntägiger Urlaub werden und wir haben nicht mal richtige Winterstiefel eingepackt. Niemand erwähnte, wo der nächste Nachbar wohnt und selbst wenn, führte uns der Weg auch durch die Nacht und das würde Annikki nicht überleben.

Haben die Mädels nur die Tante? Was ist mit den Eltern? Werden sie nicht irgendwann vermisst? Würde niemand nach ihnen suchen?

Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita

 
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Hallo @Katla ,

habe schon ein bisschen bei Jimmy reingesneakt :D aber nicht viel. Das ist also ein frischer Leseeindruck. Erst einmal eine kleine Schelte (weil ich gerne gemein bin). Keine richtige Schelte, eher Verwunderung. Da sind auf wenig Zeilen viele Flüchtigkeiten und Fehler (vor allem Modus der Verben) drin, finde ich. Macht aber nix; irgendwie schiebe ich es darauf, dass du einfach seit Langem (so denke ich) Sprachüberschneidungen mit dem Finnischen bewältigst und dass das daher kommt. Inhaltlich schreibe ich hinterher was.

entfernt, dass die unbefestigte Straße kilometerweit entfernt aufhörte

noch nicht angefangen, zu nörgeln

Komma kann weg

Die Beeren haben eine bittere Süße, einige in der die Farbe von dunklem Purpur – diese sind die reifesten, süßesten – andere sind strahlender rot mit einigen fahlen Stellen

Hier stimmt irgendwas nicht. Und auch das nachfolgende "andere sind strahlender rot" ist eher seltsam (also der Komparativ). Einfach "strahlend rot" reicht vollkommen, finde ich.

und wärmen sie in unserem kleinen Saunahaus auf

das ist interessant. Wozu machen sie das?

plappert von den Ponys, die sie reiten will KOMMA und von den Spielzeugautos

das "und" schließt an "plappern" an, nicht an die "Ponys".

wenn wir wieder zurück zu Hause in Kainuu sind. Wo man sich Lebensmittel aus gutgefüllten Regalen holen und sie dann auf dem Elektroherd kochen kann

gut gefüllt (auseinander)

Außerdem ist der Punkt zwischen "... sind. Wo ..." etwas deplaziert. Eigentlich ein Komma, aber du willst die Syntax ja scheinbar etwas stutzen; deswegen würde ich hier Semikolon empfehlen.

ein entferntes Konzept

fällt für mich auch raus.

Von einer jungen Tanne breche ich einige Zweige ab und kaue die hellgrünen Spitzen. Ihr Harzgeschmack mischt sich mit dem bittersüßen Saft der Beeren.

Sowas mag ich (wie auch die anderen Beschreibungen von Geschmäckern, Gerüchen und anderen Sinneseindrücken im Wald)

“Ach, komm, Schwesterchen. Das ist doch unser Futtersuche-Spiel. Und die erste Regel ist, dass wir alles Essbare, das wir finden, auch essen müssen.”

Das ist zu viel erzählt. Wird implizit genauso eindeutig.

Aber liebevoll, mit einem Lächeln dabei.

Das Komma kannst du weglassen, glaube ich. Das "dabei" würde ich streichen.

Für sie müssen sie alle gleich lecker aussehen: die essbaren wie die giftigen

Du hast in diesem und dem nächsten Satz vier mal "sie" in enger Abfolge. Hier ist es außerdem völlig entbehrlich.

Also darf sie sie unter den nassen Blättern und heruntergefallenen Zweigen hervor ausgraben

"hervor ausgraben" ist kein Verb bzw. "hervor" keine Erläuterung zu "ausgraben".

das zweite "sie" könntest du auch durch "Pilze" ersetzen oder ein anderes Wort.

Du kannst z. B. "hervorholen" verwenden oder einfach "pflücken" oder eben genau erläutern, fänd ich gar nicht schlecht, welche Pflücktechnik hier verwendet wird. Werde die Pilze abgeknipst (mit Fingernägeln etc.) damit sie weiter aussporen können (besteht dieses Wissen bei den Figuren?).

essen kann. Wenn man eine Weile keinen Zucker gegessen hat

Moos und Flechten wachsen an ihrer östlichen Wetterseite

eigentlich an der nördlichen, dort wo kein Licht hinfällt, oder?

Besser, wir brauchen nicht gleich den ganzen Stapel auf und kommen später nicht nach

das ist wahrscheinlich Regional; aber doch ein recht irreführender Ausdruck, weil es nach "nachkommen" im Sinne von "später zur Party etc. kommen" klingt.
"hinkommen" würde man eigentlich, ich denke, Hochdeutsch sagen.

Jetzt könnte Annikki entscheiden, dass sie genug von den Spielen hat und es einfach wagt, ins Haus vorzustoßen. Wo es ein richtiges Bett gäbe

auch das klingt ein bisschen nach Übersetzung aus dem ... Finnischen?? :D so ruckelig und etwas ungelenkt.

Abgesehen davon stimmt das mit den Konjunktiv-Formen nicht so ganz.

könnte entscheiden = Möglichkeit die unwahrscheinlich ist --> da stimmt Konjunktiv II

dann: "dass sie genug von den Spielen hat und es einfach wagt" – hier benutzt du Indikativ, könntest oder solltest dann aber eigentlich folgerichtig im Konjunktiv bleiben und zwar im Konjunktiv I, weil du – wenngleich eine fiktive – eine indirekte Rede wiedergibst. Also:
dass sie genug von den Spielen habe und es einfach wage, ins Haus vorzustoßen.

Dann benutzt du wieder Konjunktiv II "wo es ein richtiges Bett gäbe". Hier gehört aber der Konjunktiv I hin, weil das kein 'Irrealis' ist. Nutzt du Konjunktiv II, dann bedeutet das, die Erzählerin stellt es in Zweifel, dass es dort ein Bett gibt.
Es müsste also wieder Konjunktiv I sein: "Wo es ein richtiges Bett gebe." – allerdings nur, wenn das das ist, was Annikki sagt (also wenn es eine Art indirekte Rede ist). Wenn das allerdings eine Erklärung der Erzählerin in Ergänzung der indirekten Rede Annikkis ist, dann kannst du auch einfach Indikativ nutzen: Wo es ein richtiges Bett gibt.

Ich hoffe, ich habe alles richtig dargestellt. Wenn ja, dann will ich jetzt den Konjunktiv-Orden von @Friedrichard ! :lol:

Es kommt mir vor, als ob die Hütte ihre Finsternis über den Freiplatz hin ausatmen würde

sehr schön

Niemand erwähnte, wo der nächste Nachbar wohnt und selbst wenn, führte uns der Weg auch durch die Nacht und das würde Annikki nicht überleben.

hier stimmt was nicht. Im Grunde auch Konj. II im PQP, denke ich: "hätte geführt"

Instinktiv horche ich auf, dass ich unter dem Schlag kein anderes Geräusch überhörte

ist nicht die richtige Zeitform. Einfach wäre Perfekt "überhört habe" – ist ja nah am Präsens. Präteritum klingt zu weit entfernt.


So, genug Oberlehrer gespielt :D
Ich mag die Atmosphäre, die das hat. Den Handlungsbogen am Ende verstehe ich nicht so richtig. Auch nicht so ganz die Ausgangslage: Klar, Ferien – aber wie alt sind die beiden und was ist das für ein Hintergrund, woher haben sie dieses Wissen und in welcher Zeit spielt das dann, und warum sind sie allein? Ich finde, diese vielen Fragen muss der Text natürlich nicht beantworten. Aber etwas stehe ich auf dem Schlauch. Da gibt es einen "Kollegen" dessen Haus winterfest gemacht werden muss (klingt nach >20) und eine kleine Schwester, die herumgetragen wird (klingt nach <7)
Jetzt lese ich nochmal kurz bei den anderen rein ...

...

Warum man später einsteigen sollte, wie Jimmy schreibt, verstehe ich auf kognitiver Ebene noch nicht so ganz – klar, es wird etwas zu viel verraten; aber das ist ja nur der Preis; auf der anderen Seite wird ja dadurch Spannung aufgebaut – doch es stimmt schon, besser und roher klingt es, wenn du an der späteren Stelle einsteigst.

Personaler Erzähler finde ich keine schlechte Idee; aber hier und da so ein bisschen würde mir schon reichen.

Das mit dem abgehackten Kopf habe ich nicht rausgelesen :lol: aber ich habe auch schon oft erwähnt, dass ich dafür keine Antennen habe. Ich sehe mich nicht als Unschuldslämmchen, aber implizite brutale Ebenen übersehe ich manchmal einfach, wenn keine explizite "Blutspur" da ist.

Auch Silvitas Fragen teile ich fast alle.

So. Ich bin auch gespannt, was du daraus noch machst. Grundsätzlich gefällt es mir das gut.
Lieben Gruß
Carlo

 
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Schau morgen hier vorbei, muss gleich weg, bis dahin wird der Orden wider alle konjunktiefen Untiefen an Carlo II. verliehen.

Tusch!

Bis bald

Friedel

 
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Hi @Katla

Lange nicht mehr von dir kommentiert. Ich versuche, dir ein paar Anregungen mitzugeben: nimm, was du brauchst.

In diesen wenigen Herbstwochen verloren wir unsere Abenteuerlust.
Ein bisschen ein Satz, der eine Menge For-Shadowing zu einem Geschehen enthält, was dann aber im Verlauf nur angedeutet wird, der Spannungsaufbau nach meinem Gefühl nicht ganz auf ein Ziel hin führt. Mag an der 1500-Wörter Vorgabe liegen.
Ihm gehörte eines der alten Blockhäuser, ungestrichen und so weit von der nächsten Ansiedlung entfernt, dass die unbefestigte Straße kilometerweit entfernt aufhörte und man stundenlang durch den Wald dorthin wandern musste.
ach je, ich kenne solche Hütten in Finnland, einsam, am besten an einem kleinen See, wo man Eisangeln kann.
Nach dem Regen riecht der Wald nach dunkler Erde und verrotteten Blättern.
ich mag den Vergleich, gerade wegen der dunklen Erde
Diese packen wir in die Tasche ein und wärmen sie in unserem kleinen Saunahaus auf. Wir lassen die Beeren an unseren Gaumen zerplatzen, ihre leckere Bitterkeit weckt unsere Lebensgeister.
mm, das haben wir als Kinder auch gemacht und heute noch mit Granatäpfelbeeren
Wo man sich Lebensmittel aus gutgefüllten Regalen holen und sie dann auf dem Elektroherd kochen kann.
den Vergleich mag ich auch sehr
“Nah, man kann keine Bäume essen”, stellt sie in ihrer besten Nachahmung eines Erwachsenen fest.
und doch führt der Hunger dazu, dass Menschen es probieren. Während des Dreißigjährigen Krieges müssen ganze Wälder entrindet worden sein, weil die Menschen aus Hunger die Rinde gekaut haben.
Hier wachsen fette Trompetenpfifferlinge und Edel-Reizker im Schatten der Birken, beinahe von den gelben Blättern verborgen.
mm, spätestens hier sehe ich ein Problem mit der Perspektive: das Mädchen ist 14 und kennt die genauen Pilzbezeichnungen, echt jetzt? Ist ja im Grunde gut, in naturnahen Texten mehr als eine Gattungsbezeichnung zu verwenden, aber es pass mMn nicht mit der Perspektive zusammen.
Ich suche sie aus, pflücke sie und putze die mit meinem T-Shirt-Ärmel,
ok, und woher weiß sie, welche nicht giftig sind? Besser wäre evtl eine Szene, in der sie der Schwester erklärt, woran man essbare erkennt.

Moos und Flechten wachsen an ihrer östlichen Wetterseite. Die Fenster düstere, blinde Löcher.
hier dasselbe: eine vierzehnjährige, die sich damit auskennt, wo Moose wachsen?
Sie könnte genug haben von unserer Saunabank mit den hastig zusammengesuchten Kissen und Wolldecken. Aber sie darf niemals entdecken, was ich fand, an diesem ersten dunklen Abend, als Tante Sanna offensichtlich mit dem Putzen, Rumwerkeln, aufgehört hatte und die Hütte verdächtig still geworden war.
sehr viel Geraune, aber wozu?
Die Axt spaltet einen mit trockenem Knall einen weiteren Klotz.
einen was spaltet die Axt?
Die Hütte steht schweigend da, beherbergt etwas Kaltes, Stilles, das nicht dort sein sollte.
würde mich jetzt interessieren, was, klingt nach Horror, aber dann werden LeserInnen alleine gelassen.

Liebe Grüße
Isegrims

 
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Monster-WG
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Moin, moin @Katla,

wie schön, was neues von Dir und dann noch mit dem spannenden Vergleich WK versus Schreibkurs, ich bin gespannt. Gelesen habe ich gestern Abend und zeitgleich herauskopiert, kann also einiges doppeln mit den ja schon tollen Kommentaren hier.

Der Einstieg hat bei mir so funktioniert, wobei ich eher zu Jimmys Version tendiere, es bleibe mehr offen.

Die Hütte eines Kollegen winterfest machen
Hier hat mich der Kollege irritiert, wessen Kollegen ist ja so ohne genaue Kenntnisse der Prots noch offen. Vielleicht etwas konkreter?

so weit von der nächsten Ansiedlung entfernt, dass die unbefestigte Straße kilometerweit entfernt aufhörte
:Pfeif:

Den Einritzungen auf meinem Ast zufolge war das vor sechszehn Tagen.
Generell gefällt mir die Idee, so schonmal zu klären, das sie sich mit ungewöhnlichen Hilfsmitteln zurechtfinden müssen, macht auch neugierig, warum. Aber irgendwie war der Übergang ... holprig?

so weit vom Haus entfernt wie wir uns zutrauen – aber alles in der Nähe haben wir bereits abgeerntet.
kompliziert ausgedrückt, ich tippe mal auf die hin- und her Übersetzerei ...

Es ist schwieriges Terrain für ihre acht Jahre und unser Vierjahresabstand bedeutet, dass wir häufig Pausen einlegen müssen.
Uff, ich mag Deine ungewöhnliche Art, Infos einzubauen, aber sowas wie Vierjahresabstand ist schon seltsam. In welcher Sprache wird es verwendet?

Diese packen wir in die Tasche ein und wärmen sie in unserem kleinen Saunahaus auf.
Spannend, ich mag ja dieses Rätseln. Was ist ein Saunahaus und warum sind sie dort. Also mir gefällt das allmähliche dichter kommen und enträtseln, aber ob es optimal ist? Ich wäre gespannt auf eine andere Version, mag diese aber schonmal sehr.
Ach so, nur wegen der Genauigkeit: Pilze aufwärmen bringt nix, richtig garen ist der Trick, roh sind nur Steinpilz und Champignon und Trüffel gesund, der Rest macht Bauchweh.

Sechszehn Tage und es fühlt sich ewig vergangen an, ein entferntes Konzept.
Ah, das ist wohl der Abrutscher in eine andere Zeit. Würde mir als Erzählsprache auch sehr gefallen, aber irgendwie ist es die einzige Stelle, die ich so "verorte".

ihr roter Geschmack explodiert auf meiner Zunge, erfüllt mich mit plötzlichem Glück.
Dieser Meckerer ist nur der obergenauen WK-Erziehung geschuldet - kann man Farbe schmecken? Aber ich mag die Kombination, vor allem mit der Ergänzung des Glückes.

Von einer jungen Tanne breche ich einige Zweige ab und kaue die hellgrünen Spitzen.
Wenn ich richtig liege, bist Du in den Herbstferien, ne, da ist eigentlich nix mit frischen Trieben, oder?

“Denk gar nicht dran, jetzt Rumzunörgeln”, sage ich. Aber liebevoll, mit einem Lächeln dabei.
Sie nimmt die Fichtenspitzen an und kaut, ohne den Blick von mir abzuwenden.
Das ist meine Lieblingsstelle, Du zeigst wunderbar das Verhältnis der Schwestern.

Dann strecke ich ihr die Wasserflasche entgegen. “Hier. Spül nach, wenn du den Geschmack eklig findest.”
Hier gleich nochmal.

Ich suche sie aus, pflücke sie und putze die mit meinem T-Shirt-Ärmel, die man gleich roh essen kann.
Wie gesagt, arges Bauchweh!

Am Ankunftstag, als wir es noch betreten konnten.
Für mich ist das ein guter Spannungsaufbau, allerdings bin ich ja auch ziemlich genrefremd.

Die Hütte wirft einen massiv wirkenden Schatten auf den überwucherten Rasen.
Ich würde das etwas "kürzen", nur massiver Schatten, ohne die Einschränkung oder der Schatten wirkt massiv, so finde ich es zu lastig ..

Es fühlt sich an, als ob das Gebäude Wellen von nasser Kälte ausstrahlte.
Sehr schön, meine Gänsehaut ist im Anmarsch.

Aber sie darf niemals entdecken, was ich fand, an diesem ersten dunklen Abend
Auch spannend, wobei ich hier jetzt anfange, auf wenigstens einen Ansatz von Erklärung zu warten.

Meine Arme schmerzen schon jetzt, davon, dass ich meine kleine Schwester kilometerweit durchs Unterholz trug.
Ne, komm, das geht besser. Holperige Übersetzung?
Vielleicht: Meine Arme schmerzen. Ich trug meine kleine Schwester kilometerweit durchs Unterholz.

Die Hütte steht schweigend da, beherbergt etwas Kaltes, Stilles, das nicht dort sein sollte.
Also, zugegeben, ich kann mit der offenen Variante leben, finde sie angemessen unheimlich. Aber es bleiben schon ein paar offene Fäden: Eltern? Tante? Was ist im Haus? Wie geht es weiter? - Vielleicht ein paar zu viele.

Generell sehr gerne gelesen, ich bin dicht bei, trotzdem der Erzähler darüber schwebt, das machen sicherlich die wunderbaren Beschreibungen. Perspektivwechsel? Interessanter Gedanke, aber irgendwie eine andere Geschichte. Das Ende? Ja, ich hätte gerne einen Hinweis mehr, so umschiffst Du ja nur Happyend oder doch noch alle tot?

Mal sehen, ob Du noch was drehst, auf alle Fälle weiterhin viel Spaß beim Kurs, las mal hören, was es dort für Kritik bzw. Lobansätze gab.
Beste Wünsche
witch

 
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@jimmysalaryman , @Silvita , @Carlo Zwei

Hallo ihr Lieben, wie cool! Ich tagge euch erst mal alle, weil ihr die gleichen Fragen hattet, unten dann auch persönliche Antworten. Ich freue mich riesig über eure Eindrücke und den Tadel - letztlich bin ich froh, dass für euch alle wohl dieselben Dinge unklar sind. Das waren teils auch die, von denen ich ahnte, dass es zu vage ist. Dies ist beruhigender, als wenn ihr alle gegengleich verschiedene Dinge verstehen bzw. nicht verstehen würdet.

Ich sehe, mein Plan ging teils auf (Eindrücke der Natur, Atmosphäre generell), teils gar nicht (Plot: WTF ist passiert und was bedeutet das, und dann die Sache mit der Axt).

Zuerst die Axt. :bonk::drool: Das bin ich schrecklich naiv angegangen und hatte selbst nicht im Blick, dass ich sonst oft Gewalt völlig im Off erzähle. Gewalt/Mord wollte ich damit nicht andeuten, sondern hab wirklich ganz naiv einen Grund gesucht, aus dem das Mädchen überhaupt so nah ans Haupthaus geht. (Saunahäuser liegen 20-50 m davon entfernt.) Der einzige Grund wäre das größere Holzlager gewesen, das meist an der Hauswand und nicht am Saunahaus aufgeschichtet wird. Sowohl das kleingeschlagene Holz / Scheite wie auch die Stammabschnitte, die man dann auf dem Block zerkleinert. :shy:
Gruselig fand ich, dass Holzhacken ja Krach macht und ich wollte eine Szene, in der sie Angst hat, sie könnte Geräusche aus dem Haupthaus überhören. Das war der Grund für die Axt. Da war ich ja reichlich blind meiner eigenen Symbolik gegenüber, was sicher daher kommt, dass ich schon in Sommerhäusern Holz gehackt hab und das hier echt ganz unschuldig als normales Werkzeug eingesetzt hab. Ich hoffe sehr, das löst sich auf, wenn ich besser andeute / anerzähle, was passiert ist.

Der Plot. Mein Plan war relativ undramatisch:
Zwei Kids fahren mit der Tante aufs Sommerhaus der Familie. Weil ja aber bekannt wäre, wo das ist, und jemand die Kids suchen würde, wenn sie nach der Woche Herbstferien nicht nach Hause kämen, dachte ich, die Tante könnte von einem Kollegen (den ich mir im Fast-Rentenalter dachte, was ich nicht so erwähnte, weil ich alt schon beim Haus hatte) gebeten worden sein, auf dem Weg sein eigenes Haus herzurichten. Die Entfernung zwischen den Häusern könnte groß, also eine Tagesfahrt, sein.

Das würden die - in meiner Familie zumindest wäre das so gelaufen - nicht unbedingt an die Eltern kommunizieren, weil es ja erst mal nix Besonderes zu sein scheint. Damit sind die drei (Tante + beide Kids) ohne Auto, ohne Handyempfang und ohne großartig Lebensmittel dort beim Haus des Kollegen. Niemand sonst weiß, dass sie dort sind. Dann bekommt die Tante entweder einen Herzinfarkt oder stürzt beim Werkeln und stirbt also eines (semi)natürlichen Todes. Das ältere Mädchen findet sie.
Hier wollte ich mit dem Spekulativen ansetzen: So, wie Kinder / Teens Sachen, die die Eltern nicht sehen sollen, unter dem Bett oder der Matratze verstecken, holt die Erzählerin nur schnell das Nötigste, macht die Haustür zu und erklärt das Haus quasi zur No-Go-Zone.
Ich hab nicht direkt daran gedacht, aber etwas Ähnliches wird ja durchaus mit kleinen Mädchen in chinesischen Waisenhäusern gemacht: Dort gibt es diese "Todesräume", in denen die Babies und Kleinkinder einfach unter die Matratze oder Deckenberge gesteckt werden, dann wird die Tür zugemacht und gewartet, bis sie gestorben sind. So explizit gibt aber niemand vom Personal das zu - und so handhabt das auch meine Teenage-Erzählerin mit der Tante.
Und weil ich mir das extrem gruselig vorstelle, wird das Haus dadurch zu einer Art Geisterhaus, ohne, dass es dort - spekulativ gesehen - tatsächlich spukt.
Spekulativ ist eben, dass das Mädchen kaum rationale Pläne schmiedet und kaum natürliche Emotionen hat (eben, wie angemerkt: Sehnsucht nach den Eltern etc.).

Realistisch dürfte sein, dass das Mädel es nicht aus einer Kraft schaffte, ein Grab auszuheben (ich wollte das erst andeuten, dass sie eine kleinere Grube schaufelt, wie für eine hockende Person, das hätte aber gehießen, sie nähme sich des Problems an, das passte mir dann nicht mehr).
Rational ist die Idee, dass die kleine Schwester keine Nachwanderung überleben würde, zumal sie nicht wüßten, wo sie hingehen sollten, da die Region extrem dünn besiedelt ist.

Was ich - offenbar viel simpler, als die Leseerwartung ist - machen wollte, war, diesen etwas gruseligen, spekulativen Zwischenzustand beleuchten. Ich hatte tatsächlich handschriftlich gegen Ende eine ganze Passage, die einiges davon erklärt - aber das hätte ich ja im Text leisten müssen, nicht so platt hinterhergeschoben bringen. Daher hab ich das gar nicht erst abgetippt. Irgendwie müsste ich - wenn ich mir eure Vermutungen / Fragen ansehe - die Tatsache des tödlichen Unfalls doch reinbringen, und sei es nur angedeutet. Vermutlich am besten recht weit am Anfang, oder?

Hallo @jimmysalaryman ,

ich freue mich riesig, dass du den Finger auf ein paar Wunden legst, und dass du auch ein paar Dinge siehst, die dir - zumindest potentiell - gefallen (könnten). Beides ist sehr hilfreich.

ich finde, du verrätst am Anfang zuviel. Da steckt schon alles drin, wobei ich den ersten Satz sehr mag, aber damit nimmst du dem Text die Möglichkeit, sich zu entfalten. Es können jetzt im Grunde nur noch Lösungen präsentiert werden, wie das alles geschieht. Was geschieht, scheint schon fast klar.
Da muss ich glatt ein paar Tage drüber nachdenken (über das sich-nicht-entfalten-können).
Ich dachte, es kann ja viel passieren: die Schwester, nicht die Tante, könnte verletzt / getötet werden. Z.B. auch von einem Bären oder einem Fremden (-> Morde am Bodom See). Eine der drei oder alle könnte/n Opfer sexueller Gewalt werden (dann bedeutete das Intro eher "gewaltsam Unschuld verlieren"). Daher hoffte ich, dass Leser nicht gleich das ganze Folgende erwarten würden.
Damit würde ich beginnen. Das ist ja auch der Beginn der Reise für alle Protagonisten, es scheint eine Nebensächlichkeit zu sein, ein Einstieg, dann kommt es aber anders. Klassisch falsch abgebogen.
Als ich mit dem Prosa-Schreiben anfing, wollte ich erst mal alles allein rausfummeln: Aufbau, Stil, Erzählstimme. Jetzt meine ich, halbwegs zu wissen, wie ich was will, und schaue mit großem Interesse, was die Profis raten. Jeff VanderMeer schreibt in seinem wirklich wunderbaren Wonderbook, dass man am besten so spät wie möglich in eine Geschichte ein- und so früh wie möglich aussteigt. Das stützt deine Ansage. Und das wäre auch eine gute Möglichkeit.

Ich mag es allerdings auch gern, wenn ein Erzähler zu Anfang eine ganz klare Ansage macht: so und so ist es gerade / so ist es zu der Lage gekommen, in der ich/wir jetzt sind. So, als trete man erst mal einen Schritt von dem Bild zurück, bevor man sich reinstürzt. Ich mag das auch als Klammer, wenn man die dann im letzten Bild wieder schließt - was ich hier nicht gemacht hab, aber in einem anderem Text kürzlich.

Offline nehme ich das Intro mal raus und schaue, wie mir das gefällt - egal, womit ich ende, ist das aber ein extrem hilfreicher, und sehr interessanter Vorschlag.

Ist jetzt Ansichtssache, aber ich denke, hier wäre mehr Show gut, auch rein aus atmossphärischer Sicht - die Landschaft verändert sich, da steckt ja eine Menge Symbolkraft drin. Also kurz gesagt: diese Entfernung zur Zivilisaton einfach verdeutlichen. Natürlich schwierig auf der angegebenen oder angestrebten Seitenzahl.
Ja, ich weiß, was du meinst, die Idee mag ich auch - wobei da oben in Kainuu der Übergang zwischen Stadt/Kleinstadt und Wildnis nicht halb so auffällig ist, wie z.B. in Deutschland. Das wird sich über eine realistische Beschreibung (Straße mit Wiesen & Wald -> dirt road mit Wald und -> kein Weg und viel Wald) vermutlich gar nicht vermitteln lassen. Ortschaften und Dörfer sind hier viel auseinandergezogener mit vielen versprengselten Häusern.
Das ist vom Ton her schon recht weit weg. "Ein entferntes Konzept" klingt eher wie Pro-Seminar.
Ja, das ist völliger Quark. :lol: War schon dabei, das gestern zu kicken und wollte dann schauen, ob es wirklich so aufstößt. Mal schauen, was besser passt: gar nix, 'vage Idee' oder sowas.
Ich denke sowieso, hier wäre eine andere Perspektive vielleicht lohnender. Personaler Erzähler, da wäre auch die Distanz eine andere, es wirkt alles direkt etwas seltsamer, obskurer, dadurch aber auch ergreifender. Finde ich jedenfalls.
Sehr gute Frage, mein 'default' ist ja ein Icherzähler (die Vorliebe teile ich mir offenbar mit den meisten oder zumindest sehr vielen finnischen Buchautoren), und ich möchte demnäxt sogar mal wieder personal-auktorial probieren.

Hier eher nicht. Da du ja (glaube ich) oft personal schreibst, eine Frage: Gegengleich zum Icherzähler ist ja wohl nur Deep Point of View, eine extreme Form der Rollenprosa. Deep PoV gefällt mir allerdings nicht.
Löse ich das personal oder personal-auktorial (das dürfte die meistverbreitete Erzählstimme sein, oder?), stellt sich mir die Frage, warum es keine 1.Personstimme ist, wenn der Erzähler extrem eingeschränkt sein muss - und ist er nicht eingeschränkt, könnte ich mein älteres Mädchen nicht so ins Spekulative driften lassen. Dann wüßte der Erzähler ja mehr, als das Mädel zugeben will.
Lieber in der 3. Person lese ich auktorial mit personalen Einschüben, womit ich das Problem aber erst recht hätte. Ich meine ja, hier ginge eigentlich nichts anderes als Icherzähler.

Auch hier, diese Naturbeschreibungen sind okay, wenn sie Wendell Berry wäre, aber für eine 12 Jährige muss ich einen Grund finden, warum sie sich so gut auskennt: ihr Vater ist Förster, Prepper oder Emerit, oder so. Ich finde die Beschreibungen gut, ich finde gutes Nature Writing immer eine feine Sache, sie verleihen dem Text auch eine gewisse Autorität. aber hier wirkt sie nicht deckungsgleich auf mich.
Ich hatte das Mädchen erst als Vierzehnjährige, das hab ich jetzt dahin zurückgeändert und das dürfte einiges entschärfen. Ansonsten bin ich ehrlich: Es ist durchaus offensichtliche Fiktion mit einem offensichtlichen Erzähler, d.h. ich möchte natürlich sowas wie "das Konzept" vermeiden, also alles, das raussticht wie ein 'sore thumb'. Anderes, das nicht so stark ins Auge springt, aber vllt. nicht der Durchschnitts-Teenie ist, kann für meinen Geschmack bleiben (Teens kenne ich von den Segelschiffen besser als Kinder, das gibt es alle möglichen intellektuellen und kindlichen Ausprägungen im gleichen Alter).

Ich verstehe deinen Einwand aber durchaus, da muss ich mal gucken, wie eine Balance finden.

Ich habe auch ein Verständnisproblem. Was genau ist in der Hütte passiert? In meiner Lesart hat die Erzählerin ihrer Tante den Kopf abgehackt. Mir kommt die Axt am Ende so präsent vor, wie ein implementiertes Symbol.
Da hab ich mir wohl voll einen Knieschuß verpasst ... :aua:
Dass man das so lesen kann, seh ich erst jetzt (und überdeutlich *gn*).
die Hütte ist einfach verwunschen und alles Leben wird darin aufgesaugt, keine Ahnung. Ich fände es hier gut, wenn du diesen Twist organisch mit dem Text sich entfalten lässt, du kannst das Mysterium ja wahren, es nicht verraten, nur einfach anders platzieren. Vielleicht musst du auch gar nicht viel erklären sondern steigst in media res ein, gibst das Wissen nur so stückweise Preis, erhöhst dadurch nochmal die Spannung auf eine andere Art und Weise.
Sehr guter Punkt, danke!
Das war sogar mein Ursprungsplan: dass die Kids öfter mal in den Wald Essen suchen gehen und zurückkommen und jedes Mal wird das Haus unheimlicher und da sollte das erst langsam deutlich werden, dass die da nicht reingehen, es meiden.
Mehr Entwicklung und mehr Gegensatz Natur & Saunahaus vs Blockhütte. Dann wurde mir klar, dass das über die vorgegebene Strecke nur geht, wenn ich Details kicke und das hätte imA dem Text geschadet.
Ich hab jetzt einen anderen Drive drin, aber schaue mal (offline, handschriftlich), ob ich das noch mal entfusselt bekomme, denn der Text hier ist ja an kein Zeichenlimit gebunden.
Vielleicht würde ich mich auch auf eine Tätigkeit konzentrieren, wie das Holzhacken oder das Pilze suchen, etwas, das verdeutlicht, in welcher Situation sie sich tatsächlich befinden, und die Hütte nur so beiläufig am Rand erwähnen, so dass sich der Leser fragt - warum gehen die nicht einfach in die Hütte?
Das war im Ursprungsplan eher so. Allerdings ist mir durchaus wichtig, dass die Hütte der zentrale (wenn auch quasi 'verdrängte') Punkt in der Geschichte ist. Sonst wäre es letztlich gar nicht mehr spekulativ, selbst nicht in der dezenten finnischen Variante, die ich hier versucht hab.

Herzlichen Dank Jimmy, das waren wichtige Punkte - egal, ob ich sie hier umsetze oder im Kopf behalte. (Mache ich oft, Tipps in den näxten Text ziehen, weil ich das dann gleich in der Konzeption beachten kann.)


Hallo Silvita, auch dir lieben Dank für die schöne Rückmeldung.

ich schließe mich @jimmysalaryman an bei der Frage, was genau in der Hütte passiert ist. Hab die Geschichte eben zum zweiten Mal gelesen und werde nicht recht schlau aus ihr.
Mein Fehler. Ich dachte mir schon, dass es nicht gut austariert sein könnte, implizit vs explizit, aber da ich ja weiß, was ich wollte, musste ich hier auf die Rückmeldungen warten.
Der Text ist flüssig geschrieben, es entsteht Kopfkino, wirft aber bei mir sehr viele Fragen auf.
Das erste ist sehr gut, uff; das zweite selbstverständlich nicht ...
Und warum kann man es jetzt nicht mehr betreten? Ist auch nicht klar für mich. Vielleicht steh ich auch einfach auf dem Schlauch.
Nein, da hab ich wohl zu wenig angedeutet und dann (mit der Axt) das falsche Symbol in den Mittelpunkt gerückt, das ja gar kein Hinweis auf eine Tat bzw. die Auflösung sein sollte. Nrgh.
Das hier ist sehr mysteriös. Hier glaub ich eher nicht, dass sie die Tante mit der Axt erschlagen hat. Denke da eher an was Gespenstisches.
Jein, aber immerhin bin ich beruhigt, dass es nicht 100%ig und zweifelsfrei nach Mord riecht.
Haben die Mädels nur die Tante? Was ist mit den Eltern? Werden sie nicht irgendwann vermisst? Würde niemand nach ihnen suchen?
Die haben Eltern, aber dass die Szenen im Wald (bei mir gedacht: nach dem Tod der Tante) so entrückt sind, sollte ein Teil des Spekulativen sein.
Ich bin sehr, sehr gespannt, ob das - was absolut und sehr gut sein kann - bei Finnen genauso wenig fluppt wie bei euch. Eigentlich ist dies die typische Variante des Spekulativen hier: eine seltsame Entwicklung, bei der nicht immer Paranormales auftritt, die so nah an der Realität ist, dass man nicht den Finger drauflegen kann, was nun wirklich seltsam und was alltäglich sein soll.

Deine Fragen zum WTF-passiert-da-denn? hab ich eingangs mitbeantwortet. Nun muss ich noch einen Weg finden, die Antwort im Text, und nicht nur im Komm unterzubringen.
Dir auch ganz herzlichen Dank!

Hallo @Carlo Zwei ,

wie schön, dass du auch vorbeischaust!

Keine richtige Schelte, eher Verwunderung. Da sind auf wenig Zeilen viele Flüchtigkeiten und Fehler (vor allem Modus der Verben) drin, finde ich.
Ich traue mich kaum, das anzubringen, aber nach dem Plotten und am Tag, an dem ich schreiben wollte, ist ein mir sehr nahestehendes Familienmitglied gestorben. (Was wir seit zwei Jahren - nach einer nichtheilenden OP-Wunde - erwarteten, aber was meinen Kopf wohl mehr aus der Bahn warf als ich beim Schreiben bzw. Übersetzen annahm.)

irgendwie schiebe ich es darauf, dass du einfach seit Langem (so denke ich) Sprachüberschneidungen mit dem Finnischen bewältigst und dass das daher kommt.
Das würde ich gern abnicken, aber der Kurs und das Original hier sind auf Englisch. Auf Finnisch Briefe schreiben und small talk oder segeln ist möglich, Prosaschreiben definitv nicht. Leider, denn auf Finnisch gibt es an der VHS einen Creative Writing Kurs für Spekulative Fiction (den ein befreundeter finnischer Autor unterrichtet) und einen weiteren für SF.
Aber ich hab teils echt Probleme im Deutschen mit Konjunktionen etc, inzwischen. :shy:
Komma kann weg
Muss aber nicht, oder? Ich finde immer, es sieht ohne nicht so hübsch aus.
das ist interessant. Wozu machen sie das?
Weil ich sicher bin, dass da Pilze bei sind, die man nicht roh essen kann. Und sie haben im Saunahaus ja nur den Saunaofen, keinen Ofenherd bzw. Kochplatten.
das "und" schließt an "plappern" an, nicht an die "Ponys".
Ich Schussel, das ist ja wohl ein Einschub, danke!
Sowas mag ich (wie auch die anderen Beschreibungen von Geschmäckern, Gerüchen und anderen Sinneseindrücken im Wald)
Oh, sehr fein, das freut mich.
Das ist zu viel erzählt. Wird implizit genauso eindeutig.
Das freut mich auch, ich hatte da selbst schon ein Auge drauf, ich kicke das gern.
"hervor ausgraben" ist kein Verb bzw. "hervor" keine Erläuterung zu "ausgraben".
:aua: Glaubs mir oder nicht, ich habs selbst gesehen und mir fiel nicht ein, wie man das auf Deutsch richtig sagt ... Mit einem Tag Abstand dürfte es fluppen, ich ändere das.
eigentlich an der nördlichen, dort wo kein Licht hinfällt, oder?
Nee, tatsächlich an der östlichen, weil hier der Wind in 80% der Zeit von Osten kommt und damit schlägt dann von dort auch der Regen gegen.
das ist wahrscheinlich Regional; aber doch ein recht irreführender Ausdruck, weil es nach "nachkommen" im Sinne von "später zur Party etc. kommen" klingt.
"hinkommen" würde man eigentlich, ich denke, Hochdeutsch sagen.
Ah ja, mag sein. Ich kenne 'mit etwas nicht nachkommen = nicht hinterherkommen', was auch Regionales sein kann. Ändere ich.
auch das klingt ein bisschen nach Übersetzung aus dem ... Finnischen?? :D so ruckelig und etwas ungelenkt. Abgesehen davon stimmt das mit den Konjunktiv-Formen nicht so ganz. könnte entscheiden = Möglichkeit die unwahrscheinlich ist --> da stimmt Konjunktiv II
... dem Englischen. Dass da was ruckelt hab ich schon befürchtet.

Die Konjunktive ... ich dachte an: Es wäre, wenn. Das wenn tritt (noch) nicht ein, aber viellleicht dann, wenn man es täte. Ich könnte ja schwören, meine engl. Version davon müsste stimmen, und das bestimmte auch die Übersetzung. Ich schaue da noch mal drauf!

ist nicht die richtige Zeitform. Einfach wäre Perfekt "überhört habe" – ist ja nah am Präsens. Präteritum klingt zu weit entfernt.
Aber es ist doch vollständig abgeschlossen (weil sie grad nix mehr hört), müsste das nicht korrekt sein?
Da gibt es einen "Kollegen" dessen Haus winterfest gemacht werden muss (klingt nach >20) und eine kleine Schwester, die herumgetragen wird (klingt nach <7)
Jetzt lese ich nochmal kurz bei den anderen rein ...
Der Kollege war faktisch als (älterer) Arbeitskollege gedacht. Ist "Kollege"bei euch ein Begriff für junge Leute? Dann kenne ich das nicht. Mir fällt leider nix Gleichwertiges ein, was wird denn dann gesagt, wenn man einen älteren Arbeitskollegen meint?
Warum man später einsteigen sollte, wie Jimmy schreibt, verstehe ich auf kognitiver Ebene noch nicht so ganz – klar, es wird etwas zu viel verraten; aber das ist ja nur der Preis; auf der anderen Seite wird ja dadurch Spannung aufgebaut – doch es stimmt schon, besser und roher klingt es, wenn du an der späteren Stelle einsteigst.
Okay, sehr interessant, du scheinst es dann eher in meinem Sinne gelesen zu haben.
Also, an "roh" bin ich nicht so interessiert.
Personaler Erzähler finde ich keine schlechte Idee; aber hier und da so ein bisschen würde mir schon reichen.
Was ab & zu ein bisschen? Personal mit 1.Person mixen meinst du nicht, oder? Sorry, hier stehe ich bissl auf dem Schlauch. :shy:
Das mit dem abgehackten Kopf habe ich nicht rausgelesen :lol: aber ich habe auch schon oft erwähnt, dass ich dafür keine Antennen habe. Ich sehe mich nicht als Unschuldslämmchen, aber implizite brutale Ebenen übersehe ich manchmal einfach, wenn keine explizite "Blutspur" da ist.
Ah nein, das ist jetzt für mich durchaus gut, deine fehlenden Horror-Antennen. Hier hab ich selbst recht 'harmlos' gedacht. Aber ich denke, ich hab das wohl trotzdem suboptimal aufgzogen.

Ganz herzlichen Dank für die tollen Anmerkungen, morgen mache ich mich ans Korrigieren und beantworte auch die weiteren Kommentare, für die ich mich schon mal begeistert bedanke.
:gelb: Liebe Grüße, Katla

 
Seniors
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Daher hoffte ich, dass Leser nicht gleich das ganze Folgende erwarten würden.

Das tut man auch nicht, ich jedenfalls nicht. Es ist aber ein wenig ein überhängender Schatten, man weiß nicht genau, was passiert, aber dass irgendetwas Fieses passiert oder passiert ist. Das ist halt auch eine Frage, wie man in die Geschichte einsteigt, aus welcher Erzählposition - richte ich mich so aus, dass ich eine Art Axiom setze und sage: Das ist passiert und der Text liefert dir vielleicht ein paar Antworten, oder: Ich werfe dich in dieses Szenario und dann passieren ein paar Dinge, nach und nach. Hier bietet es sich mMn an, den Text unschuldig bzw unschuldiger beginnen zu lassen, und (egal was in der Hütte passiert sein mag, muss der Leser auch nicht so genau wissen, finde ich), die Hütte als Symbol für ein unterschwelliges Grauen etablieren. Da fragt man sich dann als Leser: Was ist mit der Tante? Warum gehen die nicht in die Hütte?

Gegengleich zum Icherzähler ist ja wohl nur Deep Point of View, eine extreme Form der Rollenprosa. Deep PoV gefällt mir allerdings nicht.

Ich kannte den Begriff nicht, hab ihn gegoogelt. Ich denke, es ist doch hier eher eine schon noch personale Form des Erzählens gemeint, nur wird fast vollständig auf den Erzähler verzichtet, also auf so Filterworte, die klarmachen, das überhaupt erzählt wird, ich nehme mal an, so soll die Distanz zum Leser verringert werden. Ich kann das nachvollziehen, so zu schreiben, denn ich arbeite auch viel mit sensorischen Textelementen, die aber ihre Intensität mMn verlieren, wenn sie durch einen externen Erzähler vermittelt werden. Naja, egal, ist auch eine Frage des Geschmacks, ich lese halt viel Amis, die haben mich versaut, das ist meine Ausrede. Ich denke, hier in deinem spezifischen Text könntest du einen neutralen Erzähler verwenden, objektiv fast, der wie eine Kamera draufsieht, und den Rest über knappe Dialoge zwischen den Schwestern erzählen, so eine zweite narrative Spur aufmachen. Weil es ist so: Denken sie wirklich so? Wie denkt eine 12 Jährige in einer solchen Situation? Ist ein wenig wie Deliverance oder The Road, so ein Survivalszenario, oder? Da kann man nichts Genaues sagen, finde ich, deswegen würde ich auch auf einen Innenansicht verzichten, oder nur wirklich wenig zeigen. Zum Beispiel die Szene, wo sie die Beeren an den Gaumen zerplatzen lassen, die ist super - aber würde die so wirklich passieren? Vielleicht, weil ihre Schwester sie ablenken will, weil es langweilig wird und etwas geschehen muss, damit die Stimmung nicht kippt, und dann sagt sie: Komm, wir lassen die Beeren zerplatzen, als eine Art Spiel. Das ist dann eine Motivation, die erhöht auch den Druck auf die Figuren. Und eine Erinnerung an die Zivilisation, sage ich mal, die wäre doch auch konkreter: Die kleine Schwester denkt an ihr Bett, an ihre Stofftiere oder Haustiere, an banale Dinge wie eine Zeichnung am Kühlschrank, die noch nicht fertig ist etc. Da könntest du noch einmal tiefer rein, das Ganze irgendwie anders individualisieren, aber ich denke, dann kommen da 20 Normseiten raus, haha. Ist schon Stoff für einen Roman und schwierig, sich zu entscheiden, wenn es so kurz sein muss. Puh!

Naja, das sind so meine weiteren Gedanken.

Gruss, Jimmy

 
Seniors
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Hoppela, bei der 14jährigen Erzählerin und der 8jährigen

… für ihre acht Jahre und unser Sechsjahresabstand ...

bin ich gleich - wenn auch aus anderen Gründen - satte 60 Jahre zurück, einerseits als Wölfling und dann als Jungpfadfinder, wenn in den Wäldern des nördlichen Ruhrgebietes die Kote errichtet wurde und selbst der Wölfling mit einem älteren Mitreisenden des Nachts das Feuer im Zelt (mit)hüten und gruselige „Schattenspiele“ erleben durfte und doch nicht die Abenteuerlust verlor … - selbst als bei einem Stammestreffen in einer Sandgrube bei Wesel eine Kote abbrannte ... Aber: Alles schon gesagt – und doch nicht alles, denn was noch gar nicht angesprochen wurde, ist die Zahl „16“ in Deiner Schreibweise, die ausgesprochen auch für Psychoklempner interessant wäre (Du merkst schon, ich hab vor Grusel keinen Respekt ...)
sechszehn
was lautsprachlich der Sexszen' nahekommt (

Die Morgensonne scheint durch die Fichtenzweige und meine kleine Schwester hat noch nicht angefangen, zu nörgeln.
Komma weg, es zerschlägt das (komplexe) Prädikat „zu nörgeln anfangen“

Die Beeren haben eine bittere Süße, einige in der die Farbe von dunklem Purpur – diese sind die reifesten, süßesten – andere sind strahlender rot mit einigen fahlen Stellen:
nee, nicht „reif“ wie „süß“ steigern, der Superlativ ist schlicht „(am) reifsten“

Hier weiß ich nicht so recht

Meine Beine fangen an zu kribbeln, ich stopfe mir eine Handvoll Preiselbeeren in den Mund, ihr roter Geschmack explodiert auf meiner Zunge, erfüllt mich mit plötzlichem Glück.
wie Geschmack und Farbe zusammenhängen ...

Nah, man kann keine Bäume essen”, stellt sie in ihrer besten Nachahmung eines Erwachsenen fest.
Ich vermute mal ein [na:], ein gedehntes „na“ hinter der mutmaßlich gedehnten Aussprache und keineswegs die "Nähe"

Wir kehren im Halbdunkel zurück. Nicht geleitet von meinem zweifelhaften Orientierungssinn, sondern einem alten Großvater-Kompass, den wir im Haupthaus fanden.
Hm, besser die zeitliche Einheit wahren "gefunden haben"

Annikki verweilt zwischen der Hütte und dem Saunahäuschen, tritt von einem Bein aufs andere. “Warum können wir nicht …”KOMMA fängt sie an, vollkommen übermüdet.

Jetzt könnte Annikki entscheiden, dass sie genug von den Spielen hat und es einfach wagt, ins Haus vorzustoßen. Wo es ein richtiges Bett gäbe, ein Sofa, einen holzbefeuerten Herd oder einfach ein bisschen mehr Platz.
Warum der eher nicht notwendige Anflug des Konj. irrealis (könnte)
, wenn die binäre Wertigkeit des Verbs "können" eh nur zwo Lösungen zulässt, man kann etwas oder eben nicht, wo jeder Hand- oder Kopfwerker im Falle, dass einer etwas nur halb kann oder weiß eben von nicht wissen/können globalisierend ausgeht.

Wie viel Ungemach Irrglaube derzeit anrichtet, wissen wir doch alle ... da kommt jetzt gerade aktuell die Nachricht, dass die Generalität dem Trump den Griff zur Atombombe zugetraut habe ...

Ach ja, das "gäbe" kann ruhig bleiben, weil weder Leser noch Annikki wissen, wie's da um Bett und Sofa steht.

Tschüssikowski aus'm Pott vonnet

Dante Friedchen

 

MRG

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Hallo @Katla,

ich komme auf einen Gegenbesuch vorbei und möchte dir meinen subjektiven Leseeindruck dalassen:

Nach dem ersten Lesen, war ich von dem düsteren Ende erstaunt. Der Beginn hat sich für mich leicht und eher unbeschwert angehört und dann kommen immer mehr Schatten in das Bild. Der harte Winter und die Axt kommen ins Spiel und ich als Leser registriere erst jetzt den Ernst der Lage. Es handelt sich gar nicht um zwei unbeschwerte Kinder, die miteinander spielen, nein, nein, sie kämpfen ums Überleben.

Ansonsten war ich sehr angetan von den Namen, die du ausgewählt hast. Das gibt deinem Text etwas authentisches, finde ich oder besser: etwas glaubwürdiges. Ich konnte mich als Leser daher auch gut auf die Welt einlassen. In Kombination mit dem guten Lesefluss hätte ich noch deutlich länger lesen können und war auch etwas traurig, dass es schon zu Ende ist. Ich hätte mir da noch mehr gewünscht. Sollte es eine Fortsetzung geben, bin ich gespannt darauf.

Abschließend möchte ich noch loswerden, dass es mir als Leser gut gefallen hat, wie du meine Sinne angesprochen hast. Es liest sich total natürlich, ohne, dass es irgendwie aufgezwungen wirkt und ich genieße es, wenn Texte riechen und schmecken. Ich gehe im Detail auf meinen Leseeindruck ein:

Eigentlich hätte Tante Sanna uns – meine kleine Schwester Annikki und mich – zu ihrem Sommerhaus in den Wäldern von Kuhmo mitnehmen sollen.
Hier ist ein Beispiel für die Namen, mir hat das gefallen, weil es nicht die klassischen Namen sind, die ich schon häufiger in Geschichten gelesen habe. Zudem deutest du hier schon an, dass etwas Schlimmes passiert ist. Allerdings habe ich das als Leser beim ersten Lesen nicht so aufgenommen. Beim zweiten Lesen ist es mir dann klar aufgefallen und damit macht auch der erste Satz für mich noch mehr Sinn. Es handelt sich eben nicht um eine Kindergeschichte, sondern es ist sehr ernst und gefährlich dort.

Nach dem Regen riecht der Wald nach dunkler Erde und verrotteten Blättern.
Hier ein Beispiel dafür, wie du meine Sinne angesprochen hast. Ich habe das exemplarisch rauskopiert, denn es gibt noch weitere Stellen, wo du beispielsweise auch Geschmäcker einführt. Finde ich gut gelungen, das hat deinen Text für mich lebendiger gemacht. Ich lese so etwas gerne, wenn es gut gemacht ist und nicht zu sehr als Effekthascherei verwendet wird. Den Eindruck hatte ich bei deinem Text nicht.

Annikki, munter geworden, plappert von den Ponys, die sie reiten will, und von den Spielzeugautos, die sie bekommen wird, wenn wir wieder zurück zu Hause in Kajaani sind.
Diesen Satz finde ich sehr stark, gerade wenn man die Geschichte noch einmal liest. Hier wird einem als Leser dann dieser Kontrast klar: Annikki kann die Bedrohung nicht wahrnehmen, aber die Finsternis und das Dunkle ist kurz davor, sie zu verschlucken. Das ist mir dann aber auch erst am Ende klargeworden.

“So sind die Spielregeln, weißt du noch?”, frage ich und gebe ihr die Tasche voller Pilze, Fichtenzweige und Preiselbeeren.
Die Spielregeln fand ich einen guten Einfall. Es bringt einerseits die kindliche Leichtigkeit von Annikki zum Vorschein und andererseits ist es so der Kontrast zu dem düsteren Ende. Mir hat das gut gefallen und die Überraschung am Ende verstärkt.

Die Wärme der Sonne wird den Waldboden nicht mehr erreichen. Wir werden den ersten Schnee riechen und unser kleiner Saunaofen wird nicht mehr ausreichen. Dies sollte ein zehntägiger Urlaub werden und wir haben nicht mal richtige Winterstiefel eingepackt. Niemand erwähnte, wo der nächste Nachbar wohnt und selbst wenn, führte uns der Weg auch durch die Nacht und das würde Annikki nicht überleben.
Das meinte ich mit dem Düsteren. Damit hat sich die gesamte Geschichte in meinem Kopf gewandelt und ich habe sie beim zweiten Lesen ganz anders wahrgenommen. Genau so sollte es sein, finde ich.

Insgesamt finde ich, dass du gut schreiben kannst, das fließt richtig und zusätzlich habe ich vor allem die Gerüche sehr genossen. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und schaue mal, was du sonst noch so für Geschichten geschrieben hast.

Beste Grüße
MRG

 
Seniors
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So, endlich komme ich in Ruhe zu einer Antwort - nicht hilfreich fürs Korrigieren / Reagieren, wenn ich jeden Abend mit meiner lieben Mutter telefoniere. (Was aber auf seine Art wichtig ist, grad, sorry!)

Hallo @Isegrims ,

ganz herzlichen Dank für deinen Besuch!

Ein bisschen ein Satz, der eine Menge For-Shadowing zu einem Geschehen enthält, was dann aber im Verlauf nur angedeutet wird, der Spannungsaufbau nach meinem Gefühl nicht ganz auf ein Ziel hin führt. Mag an der 1500-Wörter Vorgabe liegen.
Ach, wenn das nicht gut gemacht ist, würde ich nicht die Vorgaben ins Feld führen, dann ist es generell nicht optimal gelöst. Ich hab funktionierende Geschichten schon auf kürzerer Strecke hinbekommen, da muss ich hier noch mal gucken.

Eine Idee habe ich: Sonst schreibe ich und kürze dann (journalistisch, also mehr Wort für Wort, Zeichen für Zeichen), hier habe ich sofort stark reduziert geschrieben und - fast zu meinem Erschrecken - gemerkt, dass ich nicht so arg viel kürzen kann. (Oder ich sehe das noch nicht, Wald vor Bäumen und so ...).

Auch @jimmysalaryman (zu deinem Punkt, wie man in Geschichten einsteigt, wenn da so ein "Schatten drüberhängt"): Ich hab da an Foreshadowing gedacht, das mir gefällt, allerdings einen Mittelweg / Bastard genommen: In meinen Beispielen ist das Foreshadowing recht harsch bzw. direkt und verrät schon sehr viel, wenn nicht alles. Dann liest man quasi rückwärts, wie es dazu kam. Dabei sind aber - in z.B. Romanen - sonst mehrere sehr überraschende Twists in der Geschichte oder aber viele Details, die das Bild abrunden und mit denen man nicht rechnen konnte. Was ich hier hab: Foreshadowing als beinahe verratenes Ende, dann aber die Auflösung nur angedeutet und keine weiteren Twists. Das mag eine sehr ungünstige Kombi sein. Höchstens - und da hoffte ich, es reichte - die Überraschung, dass die da nicht rauskommen werden und alles nicht der Beginn einer Lösung ist, sondern der Anfang vom Ende. Das Konzept werde ich hier nicht ändern können, aber das, was ihr angesprochen habt, ist ein wirklich guter Punkt, der mir generell sehr hilft!

ach je, ich kenne solche Hütten in Finnland, einsam, am besten an einem kleinen See, wo man Eisangeln kann.
:herz: Klasse, dass dir das Setting vetraut ist!
Eisangeln kannst du tatsächlich auch mitten in Helsinki auf dem zugefrorenen Meer. ;) Es heißt hier ja, man ginge nicht wegen der Fische zum Eisangeln, sondern weil man da in Ruhe trinken kann und nicht (ggfs. von der Ehefrau) angesprochen wird.
Diese Hütten bzw. Sommerhäuser sind so klasse, besonders die, an die man nur per Boot kommt. Die Finnen haben gar keine Idee, was für ein Luxus das ist.
mm, das haben wir als Kinder auch gemacht und heute noch mit Granatäpfelbeeren
Cool, als ich Kind war, sind wir auch immer raus und haben Beeren gepflückt, weil meine Oma eine grandiose Marmeladen- und Geleeköchin war.
und doch führt der Hunger dazu, dass Menschen es probieren. Während des Dreißigjährigen Krieges müssen ganze Wälder entrindet worden sein, weil die Menschen aus Hunger die Rinde gekaut haben.
Ja, das hatte ich auch mal gelesen. Schrecklich.
mm, spätestens hier sehe ich ein Problem mit der Perspektive: das Mädchen ist 14 und kennt die genauen Pilzbezeichnungen, echt jetzt? Ist ja im Grunde gut, in naturnahen Texten mehr als eine Gattungsbezeichnung zu verwenden, aber es pass mMn nicht mit der Perspektive zusammen.
Hm, also ich hab immer ein Problem mit der Frage nach der Wahrscheinlichkeit, ehrlich gesagt. Eigentlich geht es doch darum, ob es möglich ist. Und das ist es auf jeden Fall. Nicht nur wegen meinem finnischen Setting.
Bei der Frage nach der Wahrscheinlichkeit in Fiktion ist es doch so: wie hoch müsste die sein, dass man das schreiben 'darf'? 10 Personen von 100? 1.000? 100.000? Was für eine Ratio sollte gefordert werden? Ich meine, so kann das nicht funktionieren.
Klingt es derart an den Haaren herbeigezogen, dass es komplett unmöglich erscheint, ist es ein handwerklicher Fehler. Bei allem anderen hoffe ich einfach, dass mir Leser da vertrauen (gut, wenn ich zweimal sechzehn falsch schreibe, kann das mit dem Vertrauen schwierig werden :sick:, aber vllt. weißt du, was ich meine ...).

Zum einen klingen - das hilft mir hier für den Text natürlich nix - die Pilznamen auf Finnisch nicht so gestelzt, das klänge sicher wahrscheinlicher. Dann hat mein Opa meiner Mutter zu Kinderzeit alle Baumnamen beigebracht, ich kannte - wie Millionen anderer Kids heute noch - ein Dutzend Dinosauriernamen auf Lateinisch, und ganz vor allem, wohl nahezu alle existierenden Pferderassen, auch die englischsprachigen (weil die auf den Kartons meiner Spielzeugpferde standen), die ich mit unter-zwölf gar nicht richtig aussprechen konnte. Dazu wußte ich alle Fellfarben und - zeichnungen, ab wann Weiß an den Beinen "Strümpfe" sind, und worin sich ein Knabstrupper von einem Appaloosa unterscheidet. Da war ich unter 12, weil ich noch nicht mal selbst geritten bin. Sobald ich Pferde auf der Weide sah, hab ich angefangen zu raten, welche Rasse das ist (mir konnte niemand helfen, sonst interessierte sich keiner dafür *gn*). Dagegen finde ich eigentlich - zumal Pilzepflücken hier echt ein Volkssport ist - das Wissen in dem Alter um die essbaren Pilze da nicht so arg eigen.

ok, und woher weiß sie, welche nicht giftig sind? Besser wäre evtl eine Szene, in der sie der Schwester erklärt, woran man essbare erkennt.
Hm auch hier - ich hab ja nicht behauptet, sie würde der Schwester diese Unterscheidungsmerkmale vorenthalten. Aber gerade weil sie meint, die Pilze könnten für eine Achtjährige zu leicht zu verwechseln sein, dürfte die Kleine die auf keinem Fall selbst pflücken. Sondern eben nur draufzeigen.
Das ist sogar in meiner Kindheit so gewesen, als ich mit einer Freundin und deren Vater Pilzesuchen waren. Hallimash - den Namen hab ich dabei gelernt. Sonst kannte ich nur Fliegenpilze, und dass man die nicht anfassen darf.
Klar, es spricht auch nichts gegen die Erweiterung der Szene um das, was du vorschlägst, andererseits - gehe ich davon aus, dass jeder Satz die Erzählung vorantreiben soll - bringt es mAn nur eine längere Szene, aber nicht unbedingt 'Treibendes'.
hier dasselbe: eine vierzehnjährige, die sich damit auskennt, wo Moose wachsen?
Das müsste man letztlich nicht wissen, man müsste einfach nur hingucken (vorausgesetzt, sie könnte einen Kompass lesen, was sie kann: Pfadfinderorganisationen sind immer noch recht beliebt).
Daher meine Frage: Hälst du das für vollkommen, nachweislich ausgeschlossen?
sehr viel Geraune, aber wozu?
Naja ... Damit etwas indirekt erzählt wird. Das scheint bei dir nicht gefunzt zu haben. Mag auch an dem Aufbau liegen, wie du eingangs sagtest, kann ich durchaus nachvollziehen.
Die Axt spaltet einen mit trockenem Knall einen weiteren Klotz.
einen was spaltet die Axt?
Wie, was? Holzklotz. Ein größeres Stück als einen Scheit. So weit hab ich Deutsch jetzt aber nicht verlernt, oder? Oder übersehe ich was?
würde mich jetzt interessieren, was, klingt nach Horror, aber dann werden LeserInnen alleine gelassen.
Ja, das Alleinlassen war schon mein Plan. Aber wenn ich die allermeisten Rückmeldungen ansehe, ist es wohl bis dahin nicht optimal eingefädelt (was vermutlich - wie ich in der ersten Antwort schon sagte - daran liegt, dass ich doch zu wenig Infos an die Hand gebe, was da eigentlich passierte. Da sitze ich grad dran, das kann noch ein paar Tage dauern).

Liebe Witch,
ganz herzlichen Dank auch für deinen Besuch! :-)

und dann noch mit dem spannenden Vergleich WK versus Schreibkurs, ich bin gespannt.
Ich auch!
Der Einstieg hat bei mir so funktioniert, wobei ich eher zu Jimmys Version tendiere, es bleibe mehr offen.
Ich hatte den offline mal rausgenommen, aber das gefällt mir nicht so gut - wobei ich das in ein paar Wochen anders sehen kann, vllt. hab ich auch nur zu sehr meine Intention im Kopf, die ich aber vllt. nicht gut umgesetzt bekommen hab.
Hier hat mich der Kollege irritiert, wessen Kollegen ist ja so ohne genaue Kenntnisse der Prots noch offen. Vielleicht etwas konkreter?
Arbeitskollege würde aber nicht helfen, weil man dann immer noch nicht weiß, es kann nicht einer der Schwestern sein. "ihres Kollegen" könnte ich sagen, aber klingt das nicht fürchterlich protokolliert? Ich gucke mal, ob ich einen :idee: kriege.
Generell gefällt mir die Idee, so schonmal zu klären, das sie sich mit ungewöhnlichen Hilfsmitteln zurechtfinden müssen, macht auch neugierig, warum. Aber irgendwie war der Übergang ... holprig?
Ja, ersteres war genau mein Plan, das ist ja klasse.
Holprig ... Wegen dem "zufolge"? Ich wollte eigentlich, dass es sich ziemlich 'offiziell' anhört. Klingt das überbürokratisch? Ansonsten finde ich das nicht so arg problematisch.
kompliziert ausgedrückt, ich tippe mal auf die hin- und her Übersetzerei ...
Es gibt nur eine: Englisch -> Deutsch.
Bei der Anmerkung stehe ich jetzt auf dem Schlauch, sorry. :shy:
Uff, ich mag Deine ungewöhnliche Art, Infos einzubauen, aber sowas wie Vierjahresabstand ist schon seltsam. In welcher Sprache wird es verwendet?
Wie, in welcher Sprache? Ist das kein deutscher Begriff? Ich hab da jetzt ne Weile dran nachgedacht, aber alle Alternativen klingen wie furchtbarer Infodump, weil das dann ganze Halbsätze statt einem Wort sind.
Spannend, ich mag ja dieses Rätseln. Was ist ein Saunahaus und warum sind sie dort. Also mir gefällt das allmähliche dichter kommen und enträtseln, aber ob es optimal ist?
Erm ... das kann ich nicht beantworten. Besser geht selbstverständlich immer, aber was wäre eine Alternative, die du lieber gelesen hättest? Das würde glatt helfen, weil ich grad am Rumfusseln bin, um welche Szenen sich die Geschichte noch ausbauen ließe (und ab wo sich der Plot heillos zerfasert).
Ach so, nur wegen der Genauigkeit: Pilze aufwärmen bringt nix, richtig garen ist der Trick, roh sind nur Steinpilz und Champignon und Trüffel gesund, der Rest macht Bauchweh.
Oh, ich dachte, ich käme mit den Pfefferlingen durch, die gibt es hier nämlich (in Essig?) eingelegt, auch in Salaten.
Aber grad bei Kids: lassen die nicht oft Ursache und Wirkung unbeachtet? Kirschen essen und drauf trinken? Wenn Kids wirklich Hunger haben, würden die denn nicht Bauchschmerzen in Kauf nehmen, wenn sie was zu Essen fänden? Einen Teil der Pilze nehmen sie ja mit, aber was sollen die tun? Morgens um sieben mit Hunger loslaufen, brav alle Pilze einpacken, ein paar Beeren essen und abends um fünf erst die Pilze essen? Das kann ich mir nun wieder nicht vorstellen.
Ah, das ist wohl der Abrutscher in eine andere Zeit. Würde mir als Erzählsprache auch sehr gefallen, aber irgendwie ist es die einzige Stelle, die ich so "verorte".
Das 'enfernte Konzept' war einfach Quark, hab ich schon geändert. :)
Dieser Meckerer ist nur der obergenauen WK-Erziehung geschuldet - kann man Farbe schmecken? Aber ich mag die Kombination, vor allem mit der Ergänzung des Glückes.
Ich möchte fast behaupten, die Verknüpfung von Geschmack und Farbe sei fast zwangsläufige Assoziation. Auch ohne Synästesie. Verrückter fand ich eine Freundin, die bei klassischen Konzerten Farben hörte.
Wenn ich richtig liege, bist Du in den Herbstferien, ne, da ist eigentlich nix mit frischen Trieben, oder?
Nee, is auch nix.Verdammt, ich wollte das schon rausnehmen, weil ich wußte, mir haut das jemand um die Ohren. :lol: Ich mach da 'weich' draus.
Das ist meine Lieblingsstelle, Du zeigst wunderbar das Verhältnis der Schwestern.
Das ist klasse, da hab ich schon befürchtet, dass man das wie einen Character-Infodump lesen könnte. Ich freue mich wirklich sehr, wenn das fluppt.
Für mich ist das ein guter Spannungsaufbau, allerdings bin ich ja auch ziemlich genrefremd.
Das ist aber umso spannender für mich: bei genre-affinen Lesern könnte vllt. zu viel analog gedacht werden und Dinge gelesen, die ich gar nicht selbst geleistet hab.
Ich würde das etwas "kürzen", nur massiver Schatten, ohne die Einschränkung oder der Schatten wirkt massiv, so finde ich es zu lastig ..
Jup, danke. Dabei hatte ich auch Zahnschmerzen. Eigentlich passt mir 'massiv' auch nicht, aber es gibt doch solche fast körperlich wirkende Schatten (grad bei Gebäuden, auch in der Natur), die alles niederderzudrücken scheinen. "Schlagschatten" trifft es nicht genau, klänge auch zusätzlich technisch - vllt. fällt mir noch das richtige Wort ein.
Ne, komm, das geht besser. Holperige Übersetzung?
Vielleicht: Meine Arme schmerzen. Ich trug meine kleine Schwester kilometerweit durchs Unterholz.
Hm, öh, also da sehe ich jetzt kein Problem.
Also, zugegeben, ich kann mit der offenen Variante leben, finde sie angemessen unheimlich. Aber es bleiben schon ein paar offene Fäden: Eltern? Tante? Was ist im Haus? Wie geht es weiter? - Vielleicht ein paar zu viele.
Ja, ich versuche das zu lösen, obwohl ich noch nicht sicher bin, wo genau ich die Infos einbaue. Die Eltern / die Sehnsucht nach den Eltern etc. möchte ich nicht drinhaben, weil ich die Geschichte als spekulative sehe. Ab einem Punkt laufen die Reaktionen / Betrachtungen nicht mehr nach realistischen, alltäglichen. Das soll eben so ein Gefühl des Unwirklichen geben, das nicht eigentlich paranormal ist, sondern nur weird.
Aber der Plot muss klarer, damit das nicht versehentlich wirkt. Mal schauen, ob ich das hinkriege.
Generell sehr gerne gelesen, ich bin dicht bei, trotzdem der Erzähler darüber schwebt, das machen sicherlich die wunderbaren Beschreibungen. Perspektivwechsel? Interessanter Gedanke, aber irgendwie eine andere Geschichte. Das Ende? Ja, ich hätte gerne einen Hinweis mehr, so umschiffst Du ja nur Happyend oder doch noch alle tot?
Ja, ein Perspektivwechsel wäre eine andere Geschichte, ich meine, dann müsste auch ein ganz anderer Plot her. Dann ginge das evt. nur spekulativ, wenn etwas Paranormales auftreten würde, was ich hier nicht möchte.
Und ja, letzteres: Alle sind (projiziert in die nähere Zukunft) tot.
Würde es jemand so lesen, dass die Tante tot und die Kinder Geister sind, würde mich das auch nicht stören, auch wenn es nicht meine Intention war.

auf alle Fälle weiterhin viel Spaß beim Kurs, las mal hören, was es dort für Kritik bzw. Lobansätze gab.
Danke, die Leute sind sehr nett und ich bin super gespannt, wie ehrlich oder wie vorsichtig-freundlich da Kritik geübt wird. Jedenfalls war die Lehrerin froh, als ich meinte, ich sei wegen Kritik dort und die bräuchten sich nicht zurückhalten.


Hallo Jimmy, lieben Dank, dass du ein paar Punkte vertiefst, das sind ja grundsätzlich essentielle Punkte bei Schreiben (und auch 'nur' beim Lesen) überhaupt.

Das tut man auch nicht, ich jedenfalls nicht. Es ist aber ein wenig ein überhängender Schatten, man weiß nicht genau, was passiert, aber dass irgendetwas Fieses passiert oder passiert ist. Das ist halt auch eine Frage, wie man in die Geschichte einsteigt, aus welcher Erzählposition - richte ich mich so aus, dass ich eine Art Axiom setze und sage: Das ist passiert und der Text liefert dir vielleicht ein paar Antworten, oder: Ich werfe dich in dieses Szenario und dann passieren ein paar Dinge, nach und nach. Hier bietet es sich mMn an, den Text unschuldig bzw unschuldiger beginnen zu lassen, und (egal was in der Hütte passiert sein mag, muss der Leser auch nicht so genau wissen, finde ich), die Hütte als Symbol für ein unterschwelliges Grauen etablieren. Da fragt man sich dann als Leser: Was ist mit der Tante? Warum gehen die nicht in die Hütte?
Ja, das ist eine super Analyse. Dazu hab ich dich auch oben bei Isegrims getaggt.
Ein Intro mit physischer Bewegung drin als Einstieg ist sicher auch smooth. Ich mag es durchaus, wenn es erstmal so eine Feststellung gibt, was Sache ist, und dann wird langsam entwirrt, wie es dazu kam. Aber - das sehe ich jetzt etwas klarer - eigentlich entwirre ich wenig, sondern lasse sehr Vieles im Unklaren. Ich frickel grad an weiteren Szenen, ob ich das rekonstruiert bekomme, wie ich es erst dachte (als ich noch nicht merkte, dass das für die Vorgabe zu lang würde). Hab heute im Café schon einen kleinen Plan gemacht. Es mag aber gut sein, dass ich den Text damit nur verlängere, ohne das Problem zu lösen, ich bin selbst gespannt.

Ich schaue mir noch mal an, was mir als Vorbild diente (Tiina Raevaaras Erstlingsroman, leider nicht übersetzt, und sowas schaffe ich nicht in 100 Jahren). Lustigerweise wollte ich etwas verlinken mit der Anmerkung "hier funktioniert das" - las es aber noch mal und sah, dass der Einstieg dort ganz anders ist als ich in Erinnerung hatte. Nämlich so, wie du oben schreibst: ein allmählicher, bei dem der Leser mitgeführt wird. Nur mit ziemlichem Abstand, was ich sehr mag. (Antoine Volodine als Lutz Bassmann: We Monks & Soldiers, das ich absolut bewundere.)

Naja, egal, ist auch eine Frage des Geschmacks, ich lese halt viel Amis, die haben mich versaut, das ist meine Ausrede. Ich denke, hier in deinem spezifischen Text könntest du einen neutralen Erzähler verwenden, objektiv fast, der wie eine Kamera draufsieht, und den Rest über knappe Dialoge zwischen den Schwestern erzählen, so eine zweite narrative Spur aufmachen. Weil es ist so: Denken sie wirklich so? Wie denkt eine 12 Jährige in einer solchen Situation? Ist ein wenig wie Deliverance oder The Road, so ein Survivalszenario, oder?
Ja, das mit der Geschmacksache stimmt sicher - und ich lese durchaus auch Amis: Alan Dean Foster und Crichton können bzw. konnten super spannende, gute Unterhaltung schreiben. Gemma Files, Steve Rasnic Tem und vor allem Joel Lane (der könnte dir vielleicht gefallen EDIT: Mennö, der war Brite - könnte dir aber trotzdem gefallen) dann aktueller sind grandios. Dabei bin ich allerdings kein Fan von der Kamera-auf-der-Schulter-Sicht (nicht mal der neutraleren Vorform, Fliege-an-der-Wand), weil ich mehr Abstand zum Erzähler brauche. Wenn mir das 'Leser mitnehmen-Prinzip' auffällt, steige ich als Leser emotional aus. Das steht mir auch bei McCarthy im Weg, wie auch bei Stieg Larsson und sogar Ligotti (der dieses Prinzip evt. gar nicht zugeben würde *gn*).
Das ist aber - wie du sagst - Geschmacksache.

Ja, es sollte ein Survival-Szenario sein, aber quasi der Moment davor. Diese Balance, bevor es - erzählerisch - in die offensichtliche Katastrophe / Notsituation kippt, in der die Figuren faktisch ja bereits sind. So eine spekulative Leugnung der Situation. Wenn das gut gemacht ist - und ich sehe, dass es das hier bei mir nicht ist, was aber ein guter Ansporn ist - bringt das allein Spannung, ohne weitere Plotmomente. Das wäre typische subtile finnische speculative fiction.

Da kann man nichts Genaues sagen, finde ich, deswegen würde ich auch auf einen Innenansicht verzichten, oder nur wirklich wenig zeigen. Zum Beispiel die Szene, wo sie die Beeren an den Gaumen zerplatzen lassen, die ist super - aber würde die so wirklich passieren?
Da gehe ich wohl lieber von Innen nach außen als umgekehrt.
Oh, das mit den Beeren war gar nicht literarisch gedacht, das mache ich selbst so. Es ist ja grad Saison: die Cranberrys, die man auf dem Markt / im Supermarkt kauft, sind zu hart, da muss man einmal draufbeissen vorher. Aber wenn ich die vom Zweig pflücke, esse ich die selbst so, weil man dann am meisten schmeckt.
Das hatte ich auch mit dem Gedanken an GULAGs geschrieben: die eine Scheibe Brot, die die Gefangenen vor dem Zwölfstundentag bekamen, wurde hastig runtergeschluckt, wenn die ihm jemand aus der Hand reißen könnte. War das nicht zu befürchten, kauten die Gefangenen so lang auf einem Bissen wie möglich, weil das subjektiv den Hunger verringerte. Ich dachte mir dazu, die Mädels hätten das auch herausgefunden, und wollte das aber eben so leicht erzählen lassen, als wäre das Vergnügen, nicht Not.
Vielleicht, weil ihre Schwester sie ablenken will, weil es langweilig wird und etwas geschehen muss, damit die Stimmung nicht kippt, und dann sagt sie: Komm, wir lassen die Beeren zerplatzen, als eine Art Spiel. Das ist dann eine Motivation, die erhöht auch den Druck auf die Figuren.
Ja ganz genau, das auch. Wenn das so anklang, hat zumindest das gefunzt, das freut mich sehr.
Und eine Erinnerung an die Zivilisation, sage ich mal, die wäre doch auch konkreter: Die kleine Schwester denkt an ihr Bett, an ihre Stofftiere oder Haustiere, an banale Dinge wie eine Zeichnung am Kühlschrank, die noch nicht fertig ist etc. Da könntest du noch einmal tiefer rein, das Ganze irgendwie anders individualisieren, aber ich denke, dann kommen da 20 Normseiten raus, haha. Ist schon Stoff für einen Roman und schwierig, sich zu entscheiden, wenn es so kurz sein muss. Puh!
*gn* Ja, das wäre sportlich auf 1,5 Seiten.
Allerdings ist das auch genau das (Sehnsucht nach Eltern, Erinnerung ans Zuhause, Schule, Restfamilie ...), das ich mit einem spekulativen Ansatz ausklammern wollte. Als spielte das alles nicht nur geografisch weit ab von allem, sondern auch emotional und kognitiv. Das bringt sicher viel Distanz zu den Figuren, was ich mag, aber Leser davon abhalten kann, einzusteigen und mitzufühlen.
Ich probiere es mal in den nächsten Tagen, mehr Szenen einzubauen und mehr Szenenwechsel Natur/Haus zu bekommen. Mit dem Plot lässt sich das sicher nur unwesentlich verlängern (ich bin nicht Tiina Raevaara, die das locker über 150 Seiten ziehen kann, bei denen ich vor Spannung fast einen Herzkasper bekomme, obwohl kaum was passiert). Mal schauen. Jedenfalls super Punkte, ich freue mich riesig über deine Anmerkungen!


Lieber Friedel,
wie schön, dass dich meine verlassenen Mädels nicht abgeschreckt haben.:)

bis dahin wird der Orden wider alle konjunktiefen Untiefen an Carlo II. verliehen.
:thumbsup:
und gruselige „Schattenspiele“ erleben durfte und doch nicht die Abenteuerlust verlor … - selbst als bei einem Stammestreffen in einer Sandgrube bei Wesel eine Kote abbrannte ...
Oh weia!!
denn was noch gar nicht angesprochen wurde, ist die Zahl „16“ in Deiner Schreibweise, die ausgesprochen auch für Psychoklempner interessant wäre
Da fug ... Was mache ich denn da?! :silly: Es war allerdings kein freudscher Vertipper, sondern die Idee, dass es doch ein zusammengesetztes Wort ist und das erste ein -s braucht. Herrje, ich schreibe schon Zweitsprachendeutsch. Es wird sicher nicht helfen, dass ich grad anfange, Polnisch zu lernen ... :lol::bonk: Mir kam es zwar komisch vor, aber ohne -s- eben ... noch komischer.
wie Geschmack und Farbe zusammenhängen ...
Ganz einfach. Auch ohne Synästesie.
Ich vermute mal ein [na:], ein gedehntes „na“ hinter der mutmaßlich gedehnten Aussprache und keineswegs die "Nähe"
Genau. Ein kurzes wäre "na", wie in "na, also". Streichst du mir das Dehnungs-h als Fehler an? Nee, oder? :shy:
Hm, besser die zeitliche Einheit wahren "gefunden haben"
Ich erwarte erst mal, dass mir das wg. Hilfsverb rausgestrichen wird, daher so. Ich kanns aber gerne dahin ändern; es ist ja auch etwas, das noch anhält bzw. Auswirkungen ins Jetzt hat.
Warum der eher nicht notwendige Anflug des Konj. irrealis (könnte)
, wenn die binäre Wertigkeit des Verbs "können" eh nur zwo Lösungen zulässt, man kann etwas oder eben nicht, wo jeder Hand- oder Kopfwerker im Falle, dass einer etwas nur halb kann oder weiß eben von nicht wissen/können globalisierend ausgeht. (...) Ach ja, das "gäbe" kann ruhig bleiben, weil weder Leser noch Annikki wissen, wie's da um Bett und Sofa steht.
:sconf: Binäre Wert...
K II müsste stimmen, da wollte ich meine Aussage von der Grammatik unterstützen lassen: irrealis, um auszudrücken, dass die kleine Schwester eben nicht ins Haus gehen darf/wird. Da ist zwar faktisch ein Sofa etc., aber für das Mädchen ist es nicht möglich, die zu nutzen (gehe ich von der Haltung meiner Erzählerin aus).

Ansonsten, lieber Friedel, hoffe ich, wir treffen uns bald ... am Rhein? Ich verlege die Katalaunischen Felder auf das Areal zwischen Rheingau und Taunus. Und hatte wirklich selten einen so kindischen Spaß beim Plotten. Bin sehr gespannt, was du machst!

Hallo MRG,

klasse, dass du gleich auf einen Gegenbesuch kommst, ich freue mich! Der kürzlich rausgenommene Werwolf-Berserker-Vikingtext wäre vllt. was für dich gewesen. ;)

Diesen Satz finde ich sehr stark, gerade wenn man die Geschichte noch einmal liest. Hier wird einem als Leser dann dieser Kontrast klar: Annikki kann die Bedrohung nicht wahrnehmen, aber die Finsternis und das Dunkle ist kurz davor, sie zu verschlucken. Das ist mir dann aber auch erst am Ende klargeworden.
Ach, sehr cool, genauso hab ich mir das erhofft. Das ist eine super Rückmeldung, weil ich hier sowohl meine Zweifel bestätigt bekomme (Dinge, die nicht gut ausgearbeitet waren) wie auch mein Konzept. Dann bekomme ich einen guten Eindruck von den Grenzen, in denen diese Geschichte funktioniert bzw. funktionieren könnte.
Die Spielregeln fand ich einen guten Einfall. Es bringt einerseits die kindliche Leichtigkeit von Annikki zum Vorschein und andererseits ist es so der Kontrast zu dem düsteren Ende. Mir hat das gut gefallen und die Überraschung am Ende verstärkt.
Auch das freut mich - ja, das war der Versuch zur finnischen spekulativen Literatur, dieser sehr schmale Grat zwischen Normalität / Leichtigkeit und (relativ vagem, undefinierbarem) Schrecken bzw. Härte.
Das meinte ich mit dem düsteren. Damit hat sich die gesamte Geschichte in meinem Kopf gewandelt und ich habe sie beim zweiten Lesen ganz anders wahrgenommen. Genau so sollte es sein, finde ich.
Oh, ich freue mich, das scheint bei dir ja wirklich aufgegangen zu sein. Ein sehr guter Ansporn (ich frickel an diesem Text noch weiter).
Nach dem ersten Lesen, war ich von dem düsteren Ende erstaunt. Der Beginn hat sich für mich leicht und eher unbeschwert angehört und dann kommen immer mehr Schatten in das Bild. Der harte Winter und die Axt kommen ins Spiel und ich als Leser registriere erst jetzt den Ernst der Lage. Es handelt sich gar nicht um zwei unbeschwerte Kinder, die miteinander spielen, nein, nein, sie kämpfen ums Überleben.
Ja, genau. Und wie die liebe @greenwitch meinte, werden sie den Kampf (im Off, später) verlieren. In meinem Plot-Plan ging das ursprünglich nicht in einer Linie von spielerisch nach düster, sondern im Wechsel. Mal schauen, ob ich das rekonstruiert geschrieben bekomme, und wenn ja, ob ich es verbessere oder verschlimmbessere.

Ganz herzlichen Dank an alle, ich freue mich riesig über all die tollen Gedanken und schäme mich ne Runde für die ... Sechser. :schiel:
Herzliche Grüße und euch ein entspanntes Wochenende,
Katla

 
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Hallo @Katla

Hier ist sie also, deine tragische Geschichte um zwei Geschwister, die in der Finnischen Wildnis durch ein unglückliches Ereignis gestrandet und auf sich alleine gestellt sind.

Vieles, was mir beim Lesen durch den Kopf ging, wurde bereits in den vorherigen Kommentaren erwähnt. Allerdings stieg ich durch unsere im Vorfeld ausgetragene Diskussion über Distanzbewältigung von Kindern, und das dabei erhaltene Wissen über deinen Plot, leicht voreingenommen in den Text, weshalb ich den Schatten, der sich nach und nach über die Geschwister legt bereits vor Augen hatte.

Was mir sehr gut gefallen hat, ist das Setting. Ich mag es in fremde Gegenden versetzt zu werden und sie durch die Schilderung förmlich riechen und schmecken zu können. Da geht es mir wie MRG, das hast du gut rübergebracht. Auch das deine Erzählerin nun sechzehn Jahre alt ist, das erhöht die Glaubwürdigkeit und dieses Coming Age feeling, ungefragt Verantwortung übernehmen zu müssen.

Ihm gehörte eines der alten Blockhäuser, ungestrichen und so weit von der nächsten Ansiedlung entfernt, dass die unbefestigte Straße kilometerweit davor aufhörte und man stundenlang durch den Wald dorthin wandern musste. Die Einkäufe würden wir danach erledigen, und so nahmen wir nur das Notwendigste aus dem Auto mit.
Ich las das so, als würden sie nach der Wanderung zum Blockhaus ihre Einkäufe erledigen, was ja Quatsch ist. Da ich nun beim zweitenmal Lesen erneut stutzte, erwähne ich es hier.
Vorschlag: "Die Einkäufe würden wir auf der Rückfahrt/Weiterfahrt nach Kuhoni erledigen, ..." o.ä.
Aber möglicherweise bin ich ja der einzige, der sich da im Wald verirrt hat. :D

Ich war in Gedanken versunken und hätte die Preiselbeeren übersehen.
habe
Präsens, denn Sie hat die Beeren ja bereits übersehen, oder täuscht mich mein Sprachgefühl, @Friedrichard ?

Diese packen wir in die Tasche und wärmen sie später in unserem kleinen Saunahaus auf. Wir lassen die Beeren an unseren Gaumen zerplatzen, ihre leckere Bitterkeit weckt unsere Lebensgeister.
Das zweite unseren darf mMn weg.

... ihr roter Geschmack explodiert auf meiner Zunge, erfüllt mich mit plötzlichem Glück.
Da gings mir zuerst wie @greenwitch, roter Geschmack – geht das?
Aber isst das Auge nicht mit? Und wenn ich eine reife rote Erdbeere sehe, weckt das in mir die Erwartungshaltung nach diesem roten Erdbeergeschmack. Poetisch allemal.
“Nah, man kann keine Bäume essen”, stellt sie in ihrer besten Nachahmung eines Erwachsenen fest.
Nah – ein finnischer Ausdruck?
Dazu fällt mir noch eine Episode von "Wer weiss denn sowas" ein, wie man aus der feingeschnittenen Innenrinde von Birken Spaghetti zubereiten kann.

“Hier. Spül nach, wenn du den Geschmack eklig findest.
Is implizit in "Spül nach" enthalten. ;)

Hier wachsen fette Trompetenpfifferlinge und Reizker im Schatten der Birken, beinahe von den gelben Blättern verborgen.
Ich stolperte zweimal über dieses beinahe, deshalb erwähne ich es.
..., kaum sichtbar unter gelben Blättern versteckt.

Annikki darf die Pilze nicht selbst pflücken. Für sie werden alle gleich lecker aussehen: die essbaren wie die giftigen.
Sie pflückten ja schon Pilze in der näheren Umgebung des Hauses, somit passt hier eher Präsens: Für sie sehen alle gleich lecker aus.

Hätte es nicht geregnet, könnten wir ein Lagerfeuer anzünden.[, die] Die Pilze rösten und ihren Nussgeschmack genießen. Aber wir werden sie später auf dem Saunaofen erhitzen.
Lesefluss: Mit Komma zu einem Satz verbinden.
Mich stört dieses "Aber", denn es gehört eher zu "Aber es hat geregnet", was jedoch die Einleitung bereits vorausschickt. Wie wär's mit "So werden wir sie ..."

“So sind die Spielregeln, weißt du noch?”, frage ich und gebe ihr die Tasche voller Pilze, Fichtenzweige und Preiselbeeren.
Feiner Satz. Absolut authentisch, willst du einem Kind den Schrecken vorenthalten, den es sowieso nicht einordnen kann, mach ein Spiel daraus.

Besser, wir brauchen nicht gleich den ganzen Stapel auf und kommen später nicht hinterher, wenn es kälter wird.”
Wie Carlo ist mir das nicht Hinterherkommen aufgestossen, allerdings eher im Kontext ihrer Bedenken: Wieso kann man kein Holz mehr hacken, wenn es kälter wird?
Oder meintest du, sie sollten generell das Holz einteilen, da es ja irgendwann zur Neige gehen könnte?

Aber sie darf niemals entdecken, was ich fand, an diesem ersten dunklen Abend, als Tante Sanna offensichtlich mit dem Putzen, Rumwerkeln, aufgehört hatte und die Hütte verdächtig still geworden war.
Die zentrale Stelle, die erstmals erwähnt, was uns die Einleitung prophezeite. Etwas ist geschehen im Haus. Etwas, dass mit Tante Sanna zu tun hat. Und da drängt sich nun bei mir die Logikfrage auf, was hat die Erzählerin ihrer Schwester gesagt, dass sie bereits 16 Tage die Hütte nicht mehr betreten durften? Und würde sie nicht öfter fragen, wo Tante Sanna ist? Ich ahne es natürlich, ein Unfall mit Todesfolge? Aber nein, du tackerst "Seltsam", also war es etwas Dunkles, dass Tante Sanna auf dem Gewissen hat. Und Annikkis Schwester hat es/Es gesehen.
Ab da begann ihr Spiel ums Überleben ...

Die Axt spaltet einen mit trockenem Knall einen weiteren Klotz. Instinktiv horche ich auf, dass ich unter dem Schlag kein anderes Geräusch überhörte. Die Hütte steht schweigend da, beherbergt etwas Kaltes, Stilles, das nicht dort sein sollte.
- zwei einen sind eines zuviel
- kein anderes Geräusch überhörte -> doppelte Verneinung, irgendwie.

Den Schlussakkord, die Aussichtslosigkeit widerspiegelnd, würde ich ganz leicht straffen.
"Mit einem trockenen Knall spaltet die Axt einen weiteren Klotz. Instinktiv horche ich auf. Doch die Hütte steht schweigend da, beherbergt etwas Kaltes, Stilles, das nicht dort sein sollte."
Nur so als Idee.

Fazit:
Hier und da holpert es noch etwas im Gehölz, aber du bist ja schon fleissig am Feilen.
Auch wenn das Rätsel nicht gelöst werden konnte und offen bleibt, ob es die beiden schaffen, oder das Böse sich vielleicht auch noch Annikki holt :baddevil:, so habe ich es genossen für einen Moment in die Finnische Wildnis abzutauchen und rohe Pilze mit Buttergeschmack zu essen.

Liebe Grüsse,
dot

 
Seniors
Beitritt
12.04.2007
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Lieber Friedel,
wie schön, dass dich meine verlassenen Mädels nicht abgeschreckt haben.

Ich vermute mal ein [na:], ein gedehntes „na“ hinter der mutmaßlich gedehnten Aussprache und keineswegs die "Nähe"
Ich war in Gedanken versunken und hätte die Preiselbeeren übersehen.
@dotslash:
Präsens, denn Sie hat die Beeren ja bereits übersehen, oder täuscht mich mein Sprachgefühl, @Friedrichard ?
Ich seh da mehr als eine „Möglichkeit“,

a) wie dot vorschlägt, aber auch
b) den Konj. in etwas abgeänderter Form, wie einer mal eben so sagt „dass hätt ich nicht gedacht“, also für besagten Satz

„Ich war in Gedanken versunken und hätte die Preiselbeeren fast übersehen.“


Genau. Ein kurzes wäre "na", wie in "na, also". Streichst du mir das Dehnungs-h als Fehler an? Nee, oder?

Das musstu selbst entscheiden,

Katla,

aber „nah“ kann auf jeden Fall für Verwirrung sorgen, und da sach ich ma’ na und? – wat is mit „naa"?

Was die Zweiwertigkeit betrifft, so sind es zumeist Modalverben (wie können, mögen, sollen, werden …), die zumeist mit einem zwoten Verb verbunden sind, wie in zB Gesetzgebung.
Selbst das Gebot „Du sollst nicht töten“ lässt ja das Türchen offen wie etwa zur Selbstverteidigung.

Ansonsten, lieber Friedel, hoffe ich, wir treffen uns bald ... am Rhein? Ich verlege die Katalaunischen Felder auf das Areal zwischen Rheingau und Taunus. Und hatte wirklich selten einen so kindischen Spaß beim Plotten. Bin sehr gespannt, was du machst!
Ja, erste Gedanken hab ich schon und ich fang da an, wo ich mich auskenn, in Xanten, um auch gleich Troja mitverwursten zu können … Versteht wieder keiner - aber man nehme den Namen der römischen Gründung ...

Jetzt bistu aber gespannt wie’n Flitzebogen …

So, bis die Tage, jetzt gleich nachgeholte Kommunion in Hagen und morgen Theater …

FRiedel

 
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01.05.2009
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Zuletzt bearbeitet:

Lieber dot, mein Kinderleistungsbeauftragter,

wie schön, dass du auch die Geschichte gelesen hast, ich freue mich echt. :gelb:

Was mir sehr gut gefallen hat, ist das Setting. Ich mag es in fremde Gegenden versetzt zu werden und sie durch die Schilderung förmlich riechen und schmecken zu können. Da geht es mir wie MRG, das hast du gut rübergebracht.
Ah, sehr schön. Ich meine, das sei wohl tatsächlich eine Sache, die ich wohl im Griff hab: Setting, Sensorik, Haptik. Das ist gut, denn zu lernen gibt es ja unendlich viel.
Auch das deine Erzählerin nun sechzehn Jahre alt ist, das erhöht die Glaubwürdigkeit und dieses Coming Age feeling, ungefragt Verantwortung übernehmen zu müssen.
Vierzehn, sechzehn Tage sind sie dort. Ja, zwölf war wohl bissl jung, obwohl es schon Teenageschwangerschaften und Komasaufen in dem Alter gibt. Aber vielleicht nicht in Kajaani.
Sechzehn wäre mir zu alt. Mit vierzehn hab ich angefangen, schwarz zu tragen, Gothbands zu hören und Erwachsenencomix spannend zu finden (obwohl, ein Vampirella-Heft fand ich mit elf auf der Straße, das fand ich seeeehr interessant und hab es heute noch). Mit zwölf hab ich Alien im Kino gesehen und war auf meinem ersten Indie/Wave-Konzert (Japan), mit Muttern. *gn* Ich denke, in der Pubertät - eigentlich auch schon mit Vierzehn - spielt auch viel hormonbedingte Aggression und Distanzierung von anderen eine Rolle, und je älter sie ist, umso weniger würde sie sie vielleicht als Einheit mit der kleinen, kindlichen Schwetser fühlen, sondern möglicherweise diese stärker von sich wegstossen, auch in dieser Hilflosigkeit.
That said bin ich aber sehr froh, dass es jetzt für dich mehr funzt. Wenn ich von all den Teens verschiedenster sozialer HIntergründe ausgehe (auch finnischen), mit denen ich auf Segelschiffen zu tun hatte, kann man bestimmtes Verhalten bzw. Entwicklungsschritte wirklich nicht auf zwei oder vier Jahre festlegen. Manche spielen noch mit Actionfigurines und küssen in den Pausen Jungs oder die beste Freundin.
Ich las das so, als würden sie nach der Wanderung zum Blockhaus ihre Einkäufe erledigen, was ja Quatsch ist. Da ich nun beim zweitenmal Lesen erneut stutzte, erwähne ich es hier.
Vorschlag: "Die Einkäufe würden wir auf der Rückfahrt/Weiterfahrt nach Kuhoni erledigen,
Ja, das ist echt immer noch ungeschickt, daran hatte och sogar schon vor dem Einstellen gedreht. Ich hab jetzt einfach 'später' draus gemacht, das müsste okay sein, weil ich ja grad erst von einem Ortswechsel nach dem ersten Wochenende sprach.
Präsens, denn Sie hat die Beeren ja bereits übersehen, oder täuscht mich mein Sprachgefühl,
Das ist auch schief, da hab ich auch vorher verschiedenes probiert und verworfen, aber Präsens geht nicht, weil ihr ja nicht im Moment des Übersehens auffallen kann, dass sie sie übersieht. Ich habs nach Friedels Option gelöst, den Spruch hatte ich nämlich im Kopf dabei.
Das zweite unseren darf mMn weg.
Ist weg. :) Ich und meine WWs, mennö.
Und wenn ich eine reife rote Erdbeere sehe, weckt das in mir die Erwartungshaltung nach diesem roten Erdbeergeschmack.
That's the spirit! Ich fange noch mal an zu recherchieren, ob das nicht eh im Hirn automatisch verknüpft wird, das kommt mir tatasächlich so vor, nur, dass es uns nicht bewusst auffällt. Vielleicht spinne ich auch.
Nah – ein finnischer Ausdruck?
Dazu fällt mir noch eine Episode von "Wer weiss denn sowas" ein, wie man aus der feingeschnittenen Innenrinde von Birken Spaghetti zubereiten kann.
Hm, gibts doch nicht, da fällt wohl allen auf. Finnisch nicht (no niin würden wir wohl sagen), aber vermutlich - weil ich das schon gedruckt gesehen hab - Englisch. Ich habs auf Naa geändert, obwohl das imA aussieht wie Comixsprak. Aber stolpern soll ja auch keiner.

Wie geil, Spaghetti aus Birken! Das müsste man mal probieren - ich liebe aber Birkensaft und -tee, Ringe, Armbänder und Haarspangen und überhaupt. Mjam.

Is implizit in "Spül nach" enthalten.
Ja, da hast du recht. Aber es war hier nicht "Dialog als Info für den Leser "gedacht, sondern als gesprochene Sprache, und da sagt man a) viel Redundantes und b) sind solche quasi unnötigen Aussagen ein Zeichen emotionaler Zugewandtheit. Dass sie ihr nicht einfach einen kurzen Satz hinknallt, sondern sozusagen vermittelnd spricht. Das jedenfalls war die Idee. :shy:
Ich stolperte zweimal über dieses beinahe, deshalb erwähne ich es.
..., kaum sichtbar unter gelben Blättern versteckt.
Hm, da sehe ich jetzt keine Verbesserung, außer, dass da noch ein zweiteiliges Adjektiv bei wäre. ''Kaum sichtbar' sichtbar finde ich auch sehr stark, beinahe ist eben nur 'ein bisschen'. Ich hab aber ein anderes Wort da gekillt.
Sie pflückten ja schon Pilze in der näheren Umgebung des Hauses, somit passt hier eher Präsens: Für sie sehen alle gleich lecker aus.
Das würde ich beim auktorialen 3. Person-Erzähler übernehmen, aber beim Icherzähler ist wäre das ein Perpsektivfehler: sie kann ja nicht wissen, wie die Schwester das - aus Innensicht - sieht, sondern nimmt es nur als Wahrscheinlichkeit an. Und ich denke, irrealis 'würde' geht auch nicht, weil es nicht unwahrscheinlich ist.:shy:
Lesefluss: Mit Komma zu einem Satz verbinden.
Mich stört dieses "Aber", denn es gehört eher zu "Aber es hat geregnet", was jedoch die Einleitung bereits vorausschickt. Wie wär's mit "So werden wir sie ..."
Ich wollte das Kürzere eigentlich wegen der 'Dringlichtkeit', weil man unter Druck vllt. härtere, kürzere Sätze macht. Hm, kam wohl nicht so durch. :shy:
Das 'aber' gehört aber doch zum Lagerfeuer. Das sie nicht machen können. Im Sinne von: Aber wir erhitzen sie eben doch, nur eben woanders. Ich hab aber dein 'so' damit verbunden, dein Einwurf gefällt mir.
Feiner Satz. Absolut authentisch, willst du einem Kind den Schrecken vorenthalten, den es sowieso nicht einordnen kann, mach ein Spiel daraus.
Klasse, das war die Idee. :gelb:
Wie Carlo ist mir das nicht Hinterherkommen aufgestossen, allerdings eher im Kontext ihrer Bedenken: Wieso kann man kein Holz mehr hacken, wenn es kälter wird?
Oder meintest du, sie sollten generell das Holz einteilen, da es ja irgendwann zur Neige gehen könnte?
Zweiteres war ein Grund. Denn du verfeuerst ja wenns kälter wird mehr Holz, als du bei einer Holzhack-Session spaltest.
Mein Plan war noch ein anderer (das kommt wohl nicht genug durch): Je kälter es wird, desto weniger finden sie auch zu Essen. Nach Oktober ist da jedenfalls - außer tatsächlich Rinde, Fischen und ein paar Flechten - nix mehr. Das war eine kaum-eingestandene Angst, sie könnte später zu schwach zum ausgiebigen Hacken sein bzw. sollte das vermitteln. Da weiß ich aber grad nicht, wie das anders sagen, ohne, dass sie es deutlich ausspricht, was ich ja eben nicht will.
Die zentrale Stelle, die erstmals erwähnt, was uns die Einleitung prophezeite. Etwas ist geschehen im Haus. Etwas, dass mit Tante Sanna zu tun hat. Und da drängt sich nun bei mir die Logikfrage auf, was hat die Erzählerin ihrer Schwester gesagt, dass sie bereits 16 Tage die Hütte nicht mehr betreten durften? Und würde sie nicht öfter fragen, wo Tante Sanna ist?
In der Ursprungsidee fragt Annikki das auch, die Erzählerin sagt ihr dann immer, der Tante ginge es nicht gut, hätte sich hingelegt und dürfe nicht gestört werden. Das über längere Strecke so zu wiederholen, dass der Leser irgendwann merkt, dass das nicht angehen kann, funktioniert auf der kurzen Strecke nicht. Ich überlege, es mit in die Bearbeitung zu nehmen (ich schreibe grad eine vorher eingeplante Angelszene am Fluss), aber andererseits kommt mir das auch recht platt und klischeehaft vor. Ich muss mal schauen, wie das im Ganzen später wirkt.
Zum anderen ist dieser Dreh eben auch Teil meines Spekulativen, dass alles in so eine Entrücktheit driftet, ohne wirklich paranormal / halluzinatorisch zu werden.
Aber nein, du tackerst "Seltsam", also war es etwas Dunkles, dass Tante Sanna auf dem Gewissen hat. Und Annikkis Schwester hat es/Es gesehen.
Ab da begann ihr Spiel ums Überleben ...
Ah, deine Leseweise war nicht intendiert, aber der Text macht es absolut möglich und das finde ich durchaus auch cool.
Die Axt spaltet einen mit trockenem Knall einen weiteren Klotz. Instinktiv horche ich auf, dass ich unter dem Schlag kein anderes Geräusch überhörte. Die Hütte steht schweigend da, beherbergt etwas Kaltes, Stilles, das nicht dort sein sollte.
- zwei einen sind eines zuviel
- kein anderes Geräusch überhörte -> doppelte Verneinung, irgendwie.
Ups, ist gekickt.
Hm, schlag mich .. ist das echt doppelt verneint? Man sagt ja auch: "Damit ich nicht noch zu spät komme". Es ist eine negativ betrachtete Sache und eine Verneinung, meine ich. Wenn ich das 'kein' rausnehme klingt es glaube ich, als sollte es da tatsächlich ein Geräusch geben, aber da ist ja nix, das ist nur ihre Angst / Vorstellung.:drool::Pfeif:
Den Schlussakkord, die Aussichtslosigkeit widerspiegelnd, würde ich ganz leicht straffen.
"Mit einem trockenen Knall spaltet die Axt einen weiteren Klotz. Instinktiv horche ich auf. Doch die Hütte steht schweigend da, beherbergt etwas Kaltes, Stilles, das nicht dort sein sollte."
Nur so als Idee.
So ohne das gefällt es mir (noch) nicht, mag aber sein, dass ich es in einer Woche nach deinem Vorschlag ändere.
Hier und da holpert es noch etwas im Gehölz, aber du bist ja schon fleissig am Feilen.
Ja, mal gucken, wie es wird. Bei der Übersetzung meines anderen englischen Textes ins Deutsche musste ich google translate bemühen :drool::Pfeif:, um zu sehen, wie man das ungefähr sagen müsste, weil der Gedanke, das Bild einfach nicht übersprangen. Hier war ich schon stolz, dass ich ohne auskam. :D

Lieber Friedel,
Retter in der Not (auch ohne Nibelunge),

Ich seh da mehr als eine „Möglichkeit“, a) wie dot vorschlägt, aber auch
b) den Konj. in etwas abgeänderter Form, wie einer mal eben so sagt „dass hätt ich nicht gedacht“, also für besagten Satz
genau an den Spruch dachte ich auch und - auch wenn 'fast' nicht die 100% korrekte Aussage dazu ist (weil sie sie ja wohl bereits übersehen hat, bis die Schwester draufzeigt) - so nehme ich es jetzt auch.
aber „nah“ kann auf jeden Fall für Verwirrung sorgen, und da sach ich ma’ na und? – wat is mit „naa"?
Das sieht mir ziemlich comicmässig aus, aber das scheint so ungewohnt mit dem h zu sein, dass ich es jetzt als doppeltes a nehme.
Ja, erste Gedanken hab ich schon und ich fang da an, wo ich mich auskenn, in Xanten, um auch gleich Troja mitverwursten zu können … Versteht wieder keiner - aber man nehme den Namen der römischen Gründung ... Jetzt bistu aber gespannt wie’n Flitzebogen …
:deal: Bin ich auch! Romulus und Remus nicht, das sind ja zwei, nicht ein Name. Hat die Wolfsamme einen Namen? Sehr, sehr spannend. Landen wir beide doppelzeitig zusätzlich zu dem attila'schen 450 n.u.Z. noch mit einer älteren Epoche in Kombi? Du bei 750 v.u.Z. (das frischgegründete Rom) und ich 550 vor (Skythen)? Das wär ja cool. :cool:

Ganz lieben Dank euch beiden Lieben, ich hab schon das knackende und knirschende Unterholz mit eurer Hilfe etwas ausgebügelt, mal schauen, was sich noch machen lässt.
Herzliche Grüße,
Katla

 
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Eisangeln kannst du tatsächlich auch mitten in Helsinki auf dem zugefrorenen Meer. ;) Es heißt hier ja, man ginge nicht wegen der Fische zum Eisangeln, sondern weil man da in Ruhe trinken kann und nicht (ggfs. von der Ehefrau) angesprochen wird.
das ist ja das Miese am Angeln, unterhalten geht nicht, es ist kalt, also braucht man Wodka oder anderes zeig, um sich zu wärmen, andererseits hat's eben was ganz eigenartig Meditatives.
Zum einen klingen - das hilft mir hier für den Text natürlich nix - die Pilznamen auf Finnisch nicht so gestelzt, das klänge sicher wahrscheinlicher. Dann hat mein Opa meiner Mutter zu Kinderzeit alle Baumnamen beigebracht, ich kannte - wie Millionen anderer Kids heute noch - ein Dutzend Dinosauriernamen auf Lateinisch
ist ja auch eine Frage von sprachlicher "Luftigkeit": Edel-Reizkerling klingt sehr sperrig, wenn du finnische oder vielleicht sogar lateinische Begriffe verwendest, schaffst du eine andere Atmosphäre. Eine ähnliche Fragestellung hat mich in Am Yerinat beschäftigt und ich habe es mich teilweise für fremdsprachige Bezeichnungen entschieden. Aus den oben genannten Gründen.
Dagegen finde ich eigentlich - zumal Pilzepflücken hier echt ein Volkssport ist - das Wissen in dem Alter um die essbaren Pilze da nicht so arg eigen.
ok, mag sein
Das müsste man letztlich nicht wissen, man müsste einfach nur hingucken (vorausgesetzt, sie könnte einen Kompass lesen, was sie kann: Pfadfinderorganisationen sind immer noch recht beliebt).
Daher meine Frage: Hälst du das für vollkommen, nachweislich ausgeschlossen?
ist halt die Frage, ob die Information überhaupt Sinn macht, wenn man keinen inneren Kompass eingebaut hat, da wärs doch besser eine sinnlich nachvollziehbare Beschreibung zu wählen: wo die Sonne aufgeht oder so.

viele Grüße und einen schönen Sonntag
Isegrims

 
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Hallo @Isegrims ,

lieben Dank, dass du noch mal vorbeigeschaut hast. Das hab ich mir selbst zuzuschreiben, oder wie meine schlaue Oma immer sagte: "Wer lange fragt, kriegt lange Antworten."

das ist ja das Miese am Angeln, unterhalten geht nicht, es ist kalt, also braucht man Wodka oder anderes zeig, um sich zu wärmen, andererseits hat's eben was ganz eigenartig Meditatives.
Versprich mir bitte, dass du nie einen finnischen Prota mit dieser Sicht schreibst. :D

ist ja auch eine Frage von sprachlicher "Luftigkeit": Edel-Reizkerling klingt sehr sperrig, wenn du finnische oder vielleicht sogar lateinische Begriffe verwendest, schaffst du eine andere Atmosphäre.
Also, vielleicht sollte ich mal warnen, damit meine Antwort nicht unfreundlich klingt, das soll sie selbstverständlich nicht: ich stelle mich jetzt allerdings quer.
Ich hatte das Edel- schon gekickt (obwohl ich glaube, den Pilz gibt es nicht ohne), weil ja: das Wort klingt furchtbar sperrig. Allerdings ist es nicht schwierig. Wenn jemand gewohnt wäre, den Pilz zu pflücken, weil der in der Gegend wächst, käme einem das Wort vermutlich auch nicht sperrig vor.

Finnische Begriffe?! :sconf: Hier wachsen fette Suppilovahvero, verschiedene Hapero und Rousku im Schatten der Birken, beinahe unter den gelben Blättern verborgen.
Alles klar? :D
Auf Englisch hatte ich Glück, da sind das Milk Cap und sowas. Latein bei Dinos ja, dass das hier ein Teenie runterrattert (ich hatte selbst danach geschaut, die sind genausowenig simpel wie die deutschen und dazu noch zwei-wörtrig), finde ich unnatürlich. Vor allem eben, wenn die finnischen Namen für Finnen unkompliziert sind.

Ich denke, zwei Dinge sollten bei sowas möglichst stolperfrei sein: Der Klang und noch viel mehr das Bild, das Leser im Kopf haben.
Selbst wenn sie die Pilze nicht genau kennen. Die finnischen Namen vermitteln deutschen Lesern gar nix, möglicherweise wüßte man nach dem Thema 'Beeren' nicht mal, dass das überhaupt Pilze sein sollen.
Theoretisch müsste ich v.a. aber mökki sagen, nicht Sommerhaus, denn ein kesätalo ist eine andere Art von Gebäude, die ich hier nicht meine. Aber mökki kickt sicher mehr Leser raus als dass es hilft, die bestimmte Art von Hütte zu vermitteln.
Ich denke daher, in der Logik des Erzählens hier geht ausschließlich eine deutsche Bezeichnung für die Pilze, und ich kann nix dafür, dass gerade diese in der Gegend meines Settings in diesem Monat wachsen und keine Champignons. :heul:

Eine ähnliche Fragestellung hat mich in Am Yerinat beschäftigt und ich habe es mich teilweise für fremdsprachige Bezeichnungen entschieden. Aus den oben genannten Gründen.
Das mit der Atmosphäre funzt aber nur, wenn das Wort nicht aus dem Text raussticht wie ein 'sore thumb' = nicht plötzlich den Blick auf den Autor lenkt, der das fremdsprachliche Wort da reinspleißt, obwohl es ein deutsches geben würde. Das muss man sicher von Fall zu Fall entscheiden.

ist halt die Frage, ob die Information überhaupt Sinn macht, wenn man keinen inneren Kompass eingebaut hat, da wärs doch besser eine sinnlich nachvollziehbare Beschreibung zu wählen: wo die Sonne aufgeht oder so.
Sorry, Isegrims, das wird bissl absurd.
Ich habs aus einer sinnlich nachvollziehbaren Beschreibung gewählt: der Wind - und damit der Regen - kommt meist aus einer Richtung, und das weiß man daher, dass das Haus da bissl anders aussieht (wenn es so alt ist). Wenn die Kids wie Tausende andere auch mal mit den Eltern gesegelt oder sonstwie Boot gefahren sind, wissen die fast osmotisch (:D), dass der Wind meist aus Osten kommt. In der Realität sind das doch dann genau die Beobachtungen, die eben nicht so steinzeitmässig ("Ugh, Sonne, dahinten, geht auf") mühsam hergeleitet werden, sondern unbewusst sofort assoziiert. Man wüsste vielleicht gar nicht im ersten Moment, warum man zu diesem Eindruck kommt. Auch Bäume haben diese "Wetterseite", das sieht man oft.
Da kann ich echt nicht nachvollziehen, warum man über eine extra, viel abstraktere, Verkettung gehen sollte, nämlich über die Sonne, die weder mit dem Wind noch dem Regen und damit gar nicht mit dem Bewuchs da zu tun hat. Die Wand ist ja nicht ausgeblichen.

Also, ich will dich wirklich nicht abbügeln, denn jede Anmerkung ist hilfreich und ich hatte zudem nachgefragt. Mea culpa. Die Anmerkungen, warum das eine aber irgendwie wahrscheinlicher sein soll als das andere, kann ich leider an dieser Stelle nicht mehr ganz nachvollziehen, sorry.

Hab trotzdem ganz, ganz herzlichen Dank, ist wie gesagt absolut nicht unfreundlich gemeint! :gelb:
Liebe Grüße,
Katla

 
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Ich hatte das Edel- schon gekickt (obwohl ich glaube, den Pilz gibt es nicht ohne), weil ja: das Wort klingt furchtbar sperrig. Allerdings ist es nicht schwierig. Wenn jemand gewohnt wäre, den Pilz zu pflücken, weil der in der Gegend wächst, käme einem das Wort vermutlich auch nicht sperrig vor.
ne, habe ich nicht als unfreundlich empfunden: du kämpfst um und für deinen Text, das ist immer gut. Kann ich gut nachvollziehen, was du an Argumenten anführst.
Und nach meiner Erfahrung behält man für zukünftige Texte so manches im Hinterkopf.
Und immerhin hast du das Edle gekickt :D

Liebe Grüße
Isegrims

 
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Und nach meiner Erfahrung behält man für zukünftige Texte so manches im Hinterkopf.
Eben, eben. Ich verwende durchaus auch viele 'Fachbegriffe' bzw. solche in anderen Sprachen, bei den Werwölfen flog mir das ja - von einigen Lesern - fast um die Ohren.

Da gibt es auch sicher kein strenges, allgemeingültiges richtig / falsch, es muss jeweils zum Text passen. Bei etwas mit Fantasy- oder SF-Tendenz passt sicher auch besser als in einem nahezu realistischen Setting / Plot, zumindest, wenn der rural ist.
Oder eben: wenn man selbst ganz subjektiv den Eindruck hat, es ginge nicht anders. Ich würde in einem karelischen Setting auch immer Tšasouna schreiben, und nicht 'kleine Holzkapelle', weil das eine ganz bestimmte Architektur ist und nicht eben nur ne Holzkirche in klein. Selbst, wenn dann wohl 100% der deutschen Leser das erstmal googeln müssten.

Herzliche Grüße noch mal,
Katla

 

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