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Hochu naiti

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21.03.2026
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Hochu naiti

Ich hatte gestern einen Traum. Wie in all meinen schlechten Träumen, bin ich wieder Teenager und lebe bei meiner Familie. Ein Zimmer; mein Platz; alles andere gehört den anderen. Wie oft im echten Leben sind meine Tante und mein Onkel zu Besuch in Deutschland. Meine Tante ist allgegenwärtig; am Reden, am Lachen. Mein Onkel ist im Bad und rasiert sich. Ich frage meine Tante aus, wann mein Onkel rauskommt, um mit mir zu sprechen. Sie vermeidet die Antwort. Ich höre, wie aus dem Bad gesungen wird. Eine männliche Stimme summt Volkslieder. Nicht die Stimme meines Onkels. Ich frage meine Tante immer und immer wieder, wann er rauskommt. Endlich gibt sie nach und antwortet, dass er gar nicht hier ist. Er ist nicht in Deutschland, er wurde am Flughafen in Petersburg aufgehalten, weil etwas mit seinen Papieren nicht stimmt.

Das Abbild meiner Tante ist verflogen, weg, ich bin angespannt. Ich stehe vor der Badezimmertür. Ich öffne sie. Dahinter ein zweifellos russischer Mann mit rasierter Glatze und speckigen, weißen Oberarmen, doch nicht mein Onkel. Er summt Alla Pugatschowa. Ich öffne meine Augen.

Ich schaue an die Decke. Ich bin nicht abergläubisch, und ich glaube nicht an Sternzeichen oder Omen. Trotzdem überwältigt mich das Gefühl, instrumentalisiert zu werden. Hoffnung macht passiv. Vielleicht gibt es ein Zeichen, nicht nur die Monotonie eines Bewusstseins, das den Zufall strukturiert. Vielleicht ist das Schicksal wirklich da; ein Weg, mit mir zu sprechen. Dann werde ich wach und die Einfältigkeit verfliegt.

Wie immer nach dem Aufwachen schnappe ich mein Handy, doch diesmal öffne ich Telegram statt TikTok. "Xotschu naiti Bot" – "Ich will ihn finden Bot". Der letzte Eintrag ist über 3 Monate her. Eine automatisierte Antwort auf eine automatisierte Anfrage. "Ihre Vermisstenanzeige eines Evgenij Tscharkov betreffend gibt es keine neuen Daten. Bitte sehen Sie davon ab, duplizierte Anzeigen zu veröffentlichen, das vergrößert nur die Bearbeitungszeit."

Ich drücke auf "Status erneuern" und beobachte das Textfenster dabei, wie es die selbe Antwortnachricht in den Verlauf einreiht. Keine neuen Daten.

Heute gibt es Thunfisch UND Hühnchen. Ein guter Tag, ich bin im Training. Seit Neujahr habe ich deutlich abgenommen und an Muskelmasse zugelegt. Mein Onkel hat mir beigebracht, wie wichtig es für einen Mann ist, zu trainieren, fit zu sein, an die Grenzen zu gehen. Wäre er doch nur zuhause geblieben, statt in den Krieg zu ziehen. Wir würden jetzt zusammen sein, statt uns zu schämen, für einander.

 

Hallo @NeuroticPic

Ich weiss, wie nervig das ist, wenn man refresh drückt und immer noch 0 Kommentare. Dann will ich dich mal erlösen.

Leider will deine kleine Episode – Geschichte würde ich es nicht nennen – bei mir nicht so richtig zünden. Am Ende bleiben mir zuviele Fragen offen.

Nachdem ich den Titel gegoogelt habe, stiess ich auf die ukrainische Suchmaschine für russische Armeeangehörige. Dein Text greift ihn dann leider nicht selber auf, bzw. verwendet einen anderen Weg über den Telegramm Messenger, was mich etwas verwirrte. Aber der Reihe nach.

Ich hatte gestern einen Traum. Wie in all meinen schlechten Träumen, bin ich wieder Teenager und lebe bei meiner Familie.
Mit einem Traum zu beginnen finde persönlich heikel, aber mal schauen, was daraus wird.

Mein Onkel ist im Bad und rasiert sich. Ich frage meine Tante aus, wann mein Onkel rauskommt, um mit mir zu sprechen. Sie vermeidet die Antwort. Ich höre, wie aus dem Bad gesungen wird. Eine männliche Stimme summt Volkslieder. Nicht die Stimme meines Onkels. Ich frage meine Tante immer und immer wieder, wann er rauskommt. Endlich gibt sie nach und antwortet, dass er gar nicht hier ist. Er ist nicht in Deutschland, er wurde am Flughafen in Petersburg aufgehalten, weil etwas mit seinen Papieren nicht stimmt.
Er wünscht sich, mit dem Onkel zu reden. Über was eigentlich? Und sein Unterbewusstsein erzeugt eine Geschichte, dass der Onkel in St. Petersburg aufgehalten wurde und nicht hier sein kann. Aber wo ist 'hier'?
Russland oder ein anderes Land?

Das Abbild meiner Tante ist verflogen, weg, ich bin angespannt. Ich stehe vor der Badezimmertür. Ich öffne sie. Dahinter ein zweifellos russischer Mann mit rasierter Glatze und speckigen, weißen Oberarmen, doch nicht mein Onkel. Er summt Alla Pugatschowa. Ich öffne meine Augen.
So, immer noch das Verlustgefühl, Sehnsucht nach dem Onkel, dessen Wesen sich zwar in dem fremden Russen manifestiert, aber eben nicht der Onkel selbst ist. Soweit so gut.

Trotzdem überwältigt mich das Gefühl, instrumentalisiert zu werden. Hoffnung macht passiv. Vielleicht gibt es ein Zeichen, nicht nur die Monotonie eines Bewusstseins, das den Zufall strukturiert. Vielleicht ist das Schicksal wirklich da; ein Weg, mit mir zu sprechen.
Dieser ganze Abschnitt sagt mir nichts:
Instrumentalisiert zu werden von wem?
Was ist ein Zeichen, das den Zufall strukturiert?
Das Schicksal spricht mit ihm?
Nein, das ergibt für mich einfach keinen Sinn. Er wacht auf, sieht an die Decke und ordnet seinen Traum ein. Da müsstest du mir griffigere Bilder präsentieren. Erinnerungen an den Onkel, mögliche Szenarien, was mit dem Onkel inzwischen passiert sein könnte, irgendwie so was.

Dann werde ich wach und die Einfältigkeit verfliegt.
Wie das? Er hatte doch bereits die Augen geöffnet. Oder gehörte das auch noch zum Traum?

Eine automatisierte Antwort auf eine automatisierte Anfrage. "Ihre Vermisstenanzeige eines Evgenij Tscharkov betreffend gibt es keine neuen Daten.
Aha, er hatte eine Suchmeldung auf einer (ukrainischen) Seite abgesetzt und bisher keine Nachricht über seinen Onkel erhalten. War er denn vorher in Kontakt mit ihm? Da erfahre ich nichts darüber.

Ich drücke auf "Status erneuern" und beobachte das Textfenster dabei, wie es die selbe Antwortnachricht in den Verlauf einreiht. Keine neuen Daten.
Das fand ich gut. Das drückt seine innere Unruhe und Verzweiflung aus.

Heute gibt es Thunfisch UND Hühnchen. Ein guter Tag, ich bin im Training. Seit Neujahr habe ich deutlich abgenommen und an Muskelmasse zugelegt. Mein Onkel hat mir beigebracht, wie wichtig es für einen Mann ist, zu trainieren, fit zu sein, an die Grenzen zu gehen.
Auch hier frage ich mich, wo befinden wir uns? In einem Ausbildungscamp? Zu Hause, wo immer das ist? Bei der Tante? Leider bleibt mir dein Protagonist unnahbar, so dass ich nicht mit ihm mitfühlen kann.

Wäre er doch nur zuhause geblieben, statt in den Krieg zu ziehen. Wir würden jetzt zusammen sein, statt uns zu schämen, für einander.
Wofür schämen sie sich? Und zuhause bleiben hiesse dann wohl Kriegsdienstverweigerung, oder?

Fazit: Ich erkenne einigermassen deine Intention, das Aufzeigen des Verlustschmerzes über den vermissten Onkel, aber für die kurze Szene habe ich zuwenig Hintergrundwissen, und so gehe ich aus der Geschichte raus wie ich reinkam, es gibt für mich keine Entwicklung und es bleiben wie oben erwähnt zuviele offene Fragen.

Aber auch wenn das nun hartes Gemäkel von mir war und andere Leser das vielleicht ganz anders sehen, so empfehle ich dir, dich hier umzulesen, wie andere Geschichten bezüglich Handlung und Erzählstruktur funktionieren. Lasse dem oder der Autorin auch einen Kommentar da, so bekommst auch du mehr LeserInnen.

Viel Spass noch und liebe Grüsse
dotslash

 
Zuletzt bearbeitet:

Auch @NeuroticPic ,

ich wollte auch was schreiben, sorry, bin aber grad zu sehr eingespannt, um das anständig zu machen.

Die selben Fragen wie Dot stellten sich mir anfangs auch (in welchem Land sind wir, Deutschland oder Orkland - von wo nach wo etc.). Aber dann verdichtet sich der Text ganz schön und ich mochte dieses leicht Fragmentarische, Verlorene (aber inhaltlich mehr als strukturell - falls du weisst was ich meine, also nicht unbedingt als Fehler/Unsicherheit).

Das Ende fand ich dann richtig, richtig gut - aber ich sehe grad, dass ich es missverstanden haben mag. Jedenfalls gibt es ja so eine Linie von Saboteur innerhalb Orklands (Atesh) & Überläufer auf die ukrainische Seite (da gibt es ja Erfolgsgeschichten wie die Stunts mit Denis Kapustin oder Arkady Babchenko), dann die Handvoll Orks, die eingezogen wurden oder gezwungen, ohne eigentlich Krieg zu wollen, und dann die riesige Masse der leidenschaftlichen Unterstützer des Krieges bzw. freiwillige Soldaten bis hin zu denen, die sich mit Kriegsverbrechen verlustieren, einfach unsanktioniert ihren Sadismus ausleben, der nichts mehr mit Krieg zu tun hat (Bucha, Kherson und Tausend andere Orte ...)

Ich hab das Ende so gelesen ...

Wofür schämen sie sich? Und zuhause bleiben hiesse dann wohl Kriegsdienstverweigerung, oder?
dass der imA russische Prota im eigenen Land ist, wohl (bald oder aktuell) selbst Soldat, aber eigentlich zu den stillen Kriegsgegenern gehört. Sich dabei schämt, nicht in die Verweigerung / den Untergund oder gar zu den Partisanen zu gehen. Er aber - immerhin - dennoch hofft, der ganze Krieg fände nicht statt.
Das finde ich zwar in der Realität immer unbefriedigend (weil es nie aufhört, wenn sich in Orkland niemand stärker dran stört), aber für eine Geschichte perfekt, weil es eigentlich hier kein Happy End geben kann - stilles Schämen ist etwas, aber nicht genug, und ich lese es so, dass der Prota das eigentlich auch weiß.

Ich sehe die Tragik hier (und das wäre sehr gut gemacht), dass der Prota trotz Einsicht nicht den Mut zum Ausbrechen findet - und diese Tragik wird es geben, auch wenn offensichtlich die Mehrheit den Krieg stark unterstützt. Das ist nämlich im Endeffelt nicht nur die Tragik für die eine Figur, sondern für alle, die jetzt unter dem Krieg leiden: Die Ukraine extrem, aber auch andere freie Länder, die wegen der irren quasi-sowjet Imperialisten unumgängliche Ausgaben haben, die sie aber eigentlich besser woanders einsetzten könnten. Das ganze Feld würdest du mit dem Schlusssatz wirklich sehr elegant abdecken, gesetzt, ich hab es nicht missinterpretiert.

Klar schaut er auf ukrainischen Seiten, denn die Orks erklären viele Tote und Verletzte als vermisst, damit sie um die Entschädigungen an die Familien rumkommen. Und es werden Soldaten auch zum Suizid angeleitet bzw. von den Kameraden erschossen, bevor sie zur Ukraine überlaufen und auch diese Schicksale finden sich nur auf ukrainischen, nicht ruzzischen Kanälen.

Ich denke es würde sich lohnen, den Text auszuarbeiten und zu schleifen. Nicht unbedingt im Sinne von 1000 Backstories aus dem Familienleben, aber insgesamt bissl flüssiger gestalten, gerade was die Verortungen & Zugehörigkeiten angeht. Ich mag mich auch massiv geirrt haben mit meiner Leseweise. Grad bei einem Kriegstext sollte man das nicht ermöglichen - weil die Seiten nicht austauschbar sind, nicht zu universalisieren als dasselbe Schicksal auf jeder Seite.

p.s. Das mit dem refresh des Protas fand ich auch sehr gut - das könntest du direkt als Aufbau verwenden, durchgehend. Dann hast du Spannung und eine Art Countdown-Struktur. Nicht zu oft, vielleicht ein oder zwei Mal mehr, sonst wirkt es vllt. platt, aber an sich passte es imA gut.

Alles Liebe und sorry, für einen richtigen Komm am Text lang fehlt mir leider grad die Zeit.Ganz herzlich willkommen im Forum und ja, lass andere doch auch wissen, was du zu ihren Texten denkst. Dann kommen auch mehr zu dir.

:-) Katla

 

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