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Hunger

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12.06.2020
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Hunger

Ich enthüllte meinen schweren, trägen, vollen Körper.
Ich blickte in den Spiegel und sah meine Brust an. Das Auge, eingerahmt von Rosen, starrte alles an außer mich.
Ich ging in die hintere Ecke, in die dunkle, reinigende Höhle.
Ich stieg hinein in die Höhle, hob das eine Bein, das andere folgte. Meine Hand öffnete den Hahn, es lief, schloß die Tür. Ich fühlte mich wohl, so allein in der dunklen Ecke, als sei ich wieder in der Geborgenheit meiner Mutter. Ungestört, unbekannt und unberührt. Ich sehnte mich danach.
Die kleinen Küsse prasselten auf meinen schweren, trägen, vollen Körper, sie wärmten ihn. Sie umarmten ihn und nahmen bei jeder Berührung etwas von ihm mit. Stück für Stück sammelten sie etwas auf, die Wärme gelang bis ins Innerste. Alles löste sich, lief herunter wie dicker, schwarzer Sirup. Der Abfluss fing jeden Tropfen auf, trank genüsslich. Ich wartete in der Hoffnung, dass ich mich auflöse, dass mich der Abfluss aufnimmt, ich für eine Zeit verdünnisiert bin und ich wieder zu mir werde.
Alles, was mich füllte, wurde mitgenommen, umarmt von der Wärme, berührt von den Küssen. Das vertraute aber entfernte und unerreichbare Gefühl erreicht mich wieder in der Leibesmitte meiner liebenden Hälfte zu sein. Eingenommen von der Liebe, genährt von der Liebe, alleine mit der Liebe im Schoße meiner Mutter. Es herrscht aber kein Gefühl von Liebe in mir, alles wurde weggespült. Ich suchte nach etwas, fand aber nichts.
Ich trocknete mich in weißer Baumwolle, hüllte mich in weißem Frottee, benutze weiße Creme. Das Auge auf meiner Brust, eingehüllt von Weiß, erblickte mich noch immer nicht. Leere und Sehnsucht überkam mich. Ich sehnte mich nach seinem Blick, nach seinem wachenden, liebkosenden Blick.
Mein Körper war leicht, leer und warm. Er musste gefüllt werden.
Ich lag auf weißem Leinen, schaute an die Decke, Hunger machte sich breit. Ich schlug das Buch auf, suhlte mich auf den Seiten in den Absätzen, Zeilen, Sätzen, Wörtern, Buchstaben. Der Hunger wurde gesättigt, die Sattheit reichert sich an. Goldener Honig füllte mich, genau wie das goldene Licht neben mir, welches den Raum füllte. Umhüllt und gefüllt von Gold aber nicht von Liebe. Der Schlaf übermannte mich, legte seine großen Händen über mich, drückte mich ins Weiß. Ich fiel ins Schwarze.

Meine Hände gruben sich in ihn hinein, in die zähe, schwere Masse. Ich gab Liebe dazu. Die Masse wurde voller, gewann an Fülle, wurde zäher. Die Fülle blieb an mir haften, durchnässt von Liebe, gierig nach Liebe. Ich wollte mich von ihm lösen.
Tobsucht kam aus dem Innersten, aus dem hintersten, tiefsten Winkel. Ich wollte ihn loslassen, ihm die Liebe entziehen, vor ihm flüchten. Das, was mein war, wollte ich zurück, für mich, nur für mich.
Meine Hände wollten los, weg von ihm. Sie gruben sich mehr und mehr hinein, er grub sich mehr und mehr in mich hinein. Die Tobsucht von ihm bedeckt, erstickt, abgewürgt.
Ich gab mehr Liebe dazu, er füllte sich, umarmte meine Arme, umarmte mich. Die Tobsucht wird zu Wollust.
Er ummantelte mich, umarmte mich, küsste mich, roch mich, schmeckte mich, drang in mir ein; er liebte mich. Er berührte mich, schaute mich an.
Er erkannt ihn, mich.
Die Liebe, die ich ihm gab, gab er mir zurück.
Das, was mein war, was wieder mein sein sollte, war nun für ihn.
Er nährte mich, ich nährte ihn.
Er füllte mich, ich füllte ihn.
Er erkannte mich, ich erkannte ihn.

Die Sonne brach durch die weißen Tücher, übergoß mich mit ihren Liebkosungen. Mein Körper hatte ihre Wärme aufgenommen und löste ein Gefühl von Wonne aus.
Ihre Wärme gesellte sich zu seinen Überresten. Ich wollte ihn wieder zurück, ihm wieder Liebe geben, die ich nicht hatte. Ich wollte seine Liebe, die er nicht hatte, die es nicht gab.
Wo ist er?
 

MRG

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12.03.2020
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95
Hallo @schoele,

herzlich Willkommen hier im Forum. Ich habe deinen Text nicht verstanden und mir ist nicht ganz klar, was das Thema ist. Es kommt mir vor, als wäre dir beim Schreiben der rote Faden abhanden gekommen. Ich fühle mich als Leser nicht abgeholt und verstehe nicht, was du mir mit deinem Text sagen willst.

Hier einige Textstellen, die mir aufgefallen sind:

Ich enthüllte meinen schweren, trägen, vollen Körper.
Meiner Meinung wäre hier Präzision von Vorteil, die Aufzählung gefällt mir als Leser nicht so gut. Vielleicht kannst du die Schwere und Trägheit durch ein Bild oder eine Beschreibung umsetzen? Die Aufzählung hat bei mir den Eindruck hinterlassen, als hättest du dich nicht entscheiden können.

Meine Hand öffnete den Hahn, es lief, schloß die Tür.
Ich verstehe diesen Satz nicht. Müssten das nicht zwei Sätze sein? Also: Dann schloss ich die Tür.

ich für eine Zeit verdünnisiert bin und ich wieder zu mir werde.
Ich bin über das Wort "verdünnisiert" gestolpert und die Logik hinter diesem Satz ergibt wenig Sinn für mich. Wenn ich verschwinde, dann werde ich wieder mehr zu mir selbst? Meinst du das aus einem buddhistischen Standpunkt oder wie ist das zu verstehen? Falls ja, dann wäre es ja eher so, dass sich das Ego auflöst.

Das vertraute aber entfernte und unerreichbare Gefühl erreicht mich wieder in der Leibesmitte meiner liebenden Hälfte zu sein.
Diesen Satz finde ich zu kompliziert geschrieben, hat für mich nicht funktioniert.

Der Hunger wurde gesättigt, die Sattheit reichert sich an.
Diese Formulierung hat mir nicht gefallen. Für mich liest sich das merkwürdig, wird Hunger nicht gestillt und kann sich eine Sattheit anreichern? Ich weiß ja nicht.

kam aus dem Innersten, aus dem hintersten, tiefsten Winkel.
Hier wieder die Aufzählung, meiner Meinung nach wäre hier eine Entscheidung für ein Adjektiv angebracht.

drang in mir ein
Drang in "mich" ein.

Wo ist er?
Ich habe mich gefragt, wo der rote Faden ist?


Insgesamt hat mir deine Geschichte nicht so gut gefallen, mir hat es an Klarheit gefehlt und ich fühle mich als Leser verwirrt, nachdem ich deinen Text gelesen habe. Bleib weiter dran und ich bewundere es immer, wenn man seine Texte veröffentlicht und einer Kritik aussetzt.


Viele Grüße,
MRG
 
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12.06.2020
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5
Hallo @MGR,

vielen Dank für dein Kommentar und Feedback :)
Zu deiner ersten Anmerkung, dass der Text dem Leser kein Zugang bietet: Das hilft mir sehr weiter, dass du das angemerkt hast, weil es zeigt, wie sehr der Text an mich angepasst ist und wie er, momentan noch, eine innere Reflexion ist, die nur niedergeschrieben wurde. Also werd ich mich ranmachen, einen Zugang zu schaffen, die Motive zu konkretisieren und die Gefühle, die der Text veranschaulichen und übermitteln soll, besser zu beschreiben.

Ich bin jemand, der tatsächlich Aufzählungen als rhetorisches Mittel mag, weil es irgendwie eine Unmittelbarkeit wiedergibt. Ich finds tatsächlich ziemlich schwer Analogien, Metaphern, Allegorien oder andere Sachen, die zur Verbildlichung dienen, zu finden. Aber ich werd mir nochmal Gedanken, ob mir an einigen Stellen vielleicht doch ein Vergleich oder so zielführender ist.

Zu deinem zweiten Zitat: ich hab einfach darauf verzichtet zwei Sätze daraus zu machen, und einfach die Sätze mithilfe von Kommas aneinanderzureihen. Sollte einfach die direkte Abfolge dieser drei Dinge wiedergeben.

Zu dem dritten Zitat: Dieser Satz würde mehr Sinn ergeben, wenn ich ein „dann“ nach dem „ich“ gesetzt hätte. In dem Satz ging es darum zu verschwinden, nach einer Zeit wieder zu kommen und bereit zu sein wieder man selbst zu sein. Dahinter steckt ein psychoanalytisches Motiv; der Text hat generell psychoanalytische Ansätze. (Wie ich schon oben erwähnt hab, werd ich versuchen diese ersichtlicher zu machen.)

Zu dem vierten Zitat: Bei der Formulierung war ich mir selber unsicher, aber danke, dass du die Schwachstelle auch erkannt hast :)

Zu guter Letzt: Ich hab ein mir- und mich-Problem, weil ich Berliner :)

Vielen lieben Dank nochmal für deine Kritik.

Viele Grüße,
schoele
 
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01.05.2009
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1.925
Hallo schoele,

herzlich willkommen im Forum!

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen: dies klingt nicht wie Prosa / Literatur, sondern wie ein Tagebucheintrag. Etwas, das du selbst in Erinnerung behalten willst, aber nicht etwas, das du Fremdlesern zugänglich machst. (Keine Unterstellung, selbstverständlich, sondern mein Leseeindruck!) Was fehlt sind - bei aller Betonung auf das Assoziative, Unmittelbare - ein Plot und Figurenzeichnung bzw. Charakterisierung. Da kann ich nur raten, nochmal ordentlich zu planen und zu strukturieren, so sehe ich das als maximal eine grobe Skizze, eine Art Text-Doodle, aber nicht als Geschichte.

Ich enthüllte meinen schweren, trägen, vollen Körper.
Was denkst du, warum heißt ein berühmter Roman Der Schimmelreiter, nicht Ein Mann, der auf einem weißen Pferd reitet? Weil 'Schimmel' weißes Pferd meint, und man mit einem einzigen Substantiv nicht nur ein Bild, sondern eine ganze Szene vor Augen hat. Das ist der Grund, aus dem Präzision, wie MRG anmerkte, so enorm sinnvoll ist. Bzw. warum Sprache auf diese Weise nicht nur auf kurzer Strecke mehr vermittelt, sondern auch unendlich viel eleganter ist. Zu viel an Drumrumgerede, wie du es noch tust, bringt man schnell mit Ironie und Humor in Verbindung. Z.B. ein Film (oder auch Buch?) namens Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam ... da erwartet wohl niemand ein komplexes, psychologisches Drama. Danach klingt dein Text aber momentan. Es braucht auch ewig, bis man diese Sätze entfusselt hat, und bis dahin ist jeder Eindruck verloren gegangen.
Ich bin jemand, der tatsächlich Aufzählungen als rhetorisches Mittel mag, weil es irgendwie eine Unmittelbarkeit wiedergibt.
Eine Reihung irrelevanter, unpräziser Adjektive ist kein rhetorisches Mittel, sondern handwerklich-stilistisches Unvermögen, das Gedachte adäquat auszudrücken, sorry.

Ich jedenfalls möchte dich nicht bei der mühsamen Begriffsuche (schwer, träge, voll ...) begleiten, sondern lesen, zu welchem Schluß du gekommen bist, welche Formulierungen das, was du sagen willst, am besten ausdrücken. Vielleicht etwas zu übereilt gepostet?
Also werd ich mich ranmachen, einen Zugang zu schaffen, die Motive zu konkretisieren und die Gefühle, die der Text veranschaulichen und übermitteln soll, besser zu beschreiben.
Bitte nicht noch mehr Gefühle beschreiben, das hilft nix. Wenn du gut durchkonzipierte Figurenzeichnungen, Plot und Handlung hast, und ein erkennbares Thema / Problematik, dann brauchst du gar keine Emotionen zu schildern, die fühlt der Leser dann ganz von selbst.

Ich hoffe, du kannst mit den Anmerkungen etwas anfangen, ist nicht unfreundlich gemeint, aber so fluppt das einfach (noch) nicht. Lies dich hier um und kommentiere selbst, das ist der beste Weg, dich zu verbessern.

Herzliche Grüße,
Katla
 
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12.06.2020
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5
Hallo Katla,

vielen lieben Dank erstmal für dein Feedback :)
Hat und wird mir sehr helfen beim ausarbeiten dieser Skizze, die ich hochgeladen hab, und zeigt mir auch selbst, dass ich mich besser reflektieren muss bevor ich einen Text poste. Das Fehlen an Reflektieren, wenn’s um fiktive Text geht, fehlt mir leider komplett, da ich mehr nicht-fiktive Texte lese (Klingt wie eine Rechtfertigung, ist es auch aber nicht als eine gedacht). Als auch das Wort „Tagebucheintrag“ gefallen ist, ist es mir selber aufgefallen, dass das, was ich geschrieben hab, noch weit entfernt ist von einer Kurzgeschichte :)

Zu dem Punkt Eleganz und Präzision kann ich dir vollkommen zu stimmen und hätte das überprüfen sollen, ob einige Formulierungen eleganter gewesen wären als die gewählte Formulierung.
Tatsächlich ging es mir nicht darum, etwas komplexes, psychologisches darzustellen sondern ging es eigentlich nur um infantile (und primitive) Triebe, die jeder hatte und hat. Wie zum Beispiel unbewusster Kannibalismus (klingt irgendwie sehr pathetisch, aber so sind Psychoanalytiker halt); das Aufnehmen einer geliebten Person oder zum Beispiel ein Baby, welches seine Mutter mit den Mund, wenn es von der Brust trinkt, liebt (oral Phase). Gehört alles mehr oder weniger zum alten psychoanalytischen Vokabular und Lehre.
Ich drifte ab, ich wollte nur etwas offenlegen, welche Symbolik oder Motive ich gewählt hab.

Weiterhin denk ich, dass ich zu übereilt und zu blind gepostet gepostet hab, um halt einfach zu sehen, was andere Leute zu sagen haben und mir somit auf die Sprünge helfen.

Jedenfalls, nochmal vielen lieben Dank für deine Anmerkungen :)

Viele Grüße,
Schoele
 
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