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Ihr Name war Emma (1. Überarbeitung)

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23.02.2026
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Ihr Name war Emma (1. Überarbeitung)

Es war ein üblicher Arbeitsmontag im Krankenhaus. Wir saßen zum Dienstbeginn im kahlen und in Kälte gehüllten Aufenthaltsraum. Emma war mir zugeteilt als Partnerin.

Das Handtelefon klingelte und der erste Auftrag kam herein. Ein Patient musste mit dem Bett in das CT gebracht werden. Ich notierte die Daten auf meinem Notizblock, trank meinen Kaffee aus und Emma checkte noch eben ihre Emails auf dem Handy. Anschließend nickte ich ihr zu und wir gingen los. Auf dem langen Korridor des Krankenhauses herrschte Ruhe. Um diese Zeit sind hauptsächlich nur die Schwestern und Pfleger auf den Gängen zu sehen. Emma ist eine Frohnatur. Sie ist immer gut gelaunt. Sie selbst bezeichnet sich lieber als verrückt. Doch ihre Mitmenschen beschreiben sie gerne als liebenswerte Optimistin. Man muss an der Stelle erwähnen, dass es schier unmöglich ist, bei Emma zu Wort zu kommen, wenn sie nicht gerade eine ihrer Fragen stellt. Und Emma stellt viele Fragen. Was denkst du gerade? Was meinst du, ist die Rolle der Frau in der modernen Familie? Kennst du schon die neue Klasse in Baldur‘s Gate 3? Ist nur ein Auszug aus ihrem farbenfrohen Repertoire an Fragen. Sie erzählte also. Vom Judo, wie man seine Gegner richtig wirft und was das Besondere an asiatischen Kampfkünsten sei. Während sie von ihren Abenteuern sprach, bemerkte ich, wie sich in meinem Kopf eine dunkle Wolke anbahnte. Ich wusste genau: Das wird ein Schub. Solche Schübe sehen in der Regel so aus, dass ich langsam beginne, Realität und Fiktion nicht mehr voneinander trennen zu können.

Wir fuhren also unseren ersten Patienten in das veraltete CT und im weiteren Verlauf des Tages stiegen Emma‘s Erzähldrang und mein Realitätsverlust Hand in Hand bergauf. Es gab einen Moment, als Emma mich lächelnd fragte, was los sei. Ich sähe so niedergeschlagen aus. Dieser Moment sollte eine mentale Lawine bei mir auslösen. Paranoid, wie ich bei einem Schub bin, war ich überzeugt davon, dass Emma der personifizierte Teufel sein muss. Der mich mit seinem schelmischen Lächeln verspottet. Der mir bewusst Fragen stellt, die mich wie Nadelstiche treffen und der meine Hilflosigkeit genießt. Und er, der Teufel, weiß, dass er mir überlegen ist. Er kennt meine Antworten schon längst und stellt mir die Fragen nur, um mich wissen zu lassen, dass ich ahnungslos bin. Um mich in Widersprüche zu verknüpfen. Um mich bloßzustellen. Auf diese Kampfansage wollte ich kontern. Scheiterte aber. Seine Fragen führten in ein gedankenloses Vakuum in die dunklen Tiefen meines Kopfes. Keine Antwort. Keine zündende Idee, um Paroli zu bieten. Also verstummte ich einfach. Sah ihn mit leerem Blick an. Sein Lächeln strahlte Frieden aus. Es schien fast, als würde er mich auslachen.

Die nächsten Tage verliefen gleich. Schübe kamen regelmäßig. Und ich verlor mich in den Versuchen, Emma's Lächeln zu entzaubern. Ich sah es als Fassade. Ihr wahres Ich konnte nicht so sorglos sein. Ich versuchte ihr die Augen zu öffnen. Ich versuchte ihr zu erklären, dass das Leben nunmal nicht auf Watte gebaut sei. Wahrscheinlich habe ich versucht, sie zu enttäuschen. Nur, um nicht allein im Schatten zu stehen. Sie nahm sich meiner Probleme an wie immer. Indem sie einfach mit Optimismus dagegen hielt. Sie forderte mich auf, die Dinge nicht immer so schwarz zu sehen. Auch mal über etwas lachen zu können. Ich wäre immer viel zu ernst.

Es sollte die gesamte Woche dauern, bis ich schließlich aufgab. Ich realisierte, dass ich ihr nicht die Augen öffnete, sondern sie mir. Nicht sie war es, deren Realität verzerrt war. Die eine scheinheilige Blase ihre Welt nannte, wie ich es im Laufe der Woche einmal gesagt hatte. Sondern ich war das Problem. Meine Welt war ein dunkles Verlies, in das ich mich zurückgezogen hatte. In dem nichts und niemand einen Platz finden konnte. Schon gar kein Licht.

 

Willkommen @Sam O. bei uns Wortkriegern,

vorweg noch ein kleiner Hinweis: Sicherlich hast du dich schon etwas hier umgeguckt und gemerkt, dass wir keine reine Leseseite sind, immerhin steht ja auch in deinem Profil, dass du gerne Feedback zu deinen Geschichten haben möchtest.
Genau darum geht es hier. Wir geben uns gegenseitiges Feedback und da kann sich jeder einbringen, der Geschichten schreibt, denn bevor man einen Text aufsetzt, macht man sich ja Gedanken darüber, was eine gute Geschichte ausmacht.
Du hast hier gleich zwei Geschichten reingesetzt, was mich schon ein wenig überrascht, denn du wirst deine Zeit schon für eine Geschichte benötigen, um sie zu verbessern und ausserdem wirst du ja sicherlich auch anderen etwas durch deine Feedbacks zurückgeben wollen.

Und nun geht's los:
Ich finde deine Geschichte hat Potential. Sie ist jedoch, so wie sie da jetzt steht, noch ziemlich im Rohbau.
Und das hat mit der Gewichtung zu tun.
Mir gefällt die Idee, zu beschreiben, wie jemand, der völlig charakterlich anders gestrickt ist, einen anderen Menschen quasi mitreißen kann in eine verbesserte Version seiner selbst. Das ist ein angenehmer Grundgedanke in deiner Geschichte.

Und da dies für mich der wichtige Kern deiner Aussage ist, solltest du dem Protagonisten und seiner quasi Gegenspielerin deutlich mehr Raum geben.
Mir fehlt mehr Innenleben deines Protagonisten. Was fühlt er, wenn diese Emma alles weglächelt, was denkt er und was genau tut Emma? In diesen Punkten würde ich mich weiter ausbreiten und das zeigen, mir Leser also die Bilder zeigen und die Gedanken schildern.

In deiner Geschichte wird ganz viel einfach nur im Rückblick zusammengefasst und dem Leser wie ein dickes Paket vor die Tür geschoben. Aber als Leser würde ich gerne zusammen mit den Figuren in das Paket reingucken wollen.
Sei also deutlich detaillreicher, um den Vorgang zu schildern, wie es Emma gelingt, den Protagonisten zu verwandeln.
In deinen Schilderungen ist Emma eigentlich nur diejenige, die lächelt. Sollte das so bei dem Leser ankommen oder mogelst du dich um das genauere Aufzeigen herum? Hat sie nur das getan und damit den Protagonisten überzeugt? Oder hatte sie auch verbale Argumente?Ich würde diese interessante Frau gerne besser kennenlernen wollen.

Dann bereitest du die Geschichte recht umständlich vor, in dem du eine Art Vorspann schreibst und obendrein eine Art Nachspann. So hat man um 1900 geschrieben, aber heute macht man das nicht mehr und du verlierst garantiert auch einige Leser gleich am Anfang, weil die sich fragen, was jetzt die ganzen Ausführungen sollen und sie werden dir am Ende aussteigen, weil ja die Geschichte auserzählt ist und nur noch der resümierende Nachspann kommt.
Ich würde diese beiden Teile restlos streichen, weil die Geschichte auch ohne sie lässig auskommt.

So und nun komme ich zu dem, was mir innerhalb des Textes aufgefallen ist.

Zunächst, ich habe mir die Zeit dafür nicht genommen, ist anzumerken, dass du jede Menge Kommas nicht gesetzt hast. Ich lasse dir symbolisch ein ganzes Kilo Kommas da, bitte geh selbst nochmals genauer drüber, nutze Schreibprogramme, den Duden, du weißt schon.

Es war ein üblicher Arbeitsmontag. Ich hatte einen starken mentalen Schub, da ich meine Anti-Depressiva nicht eingenommen hatte.
Exakt hier wäre für mich der Anfangssatz. Alles, was du vorher geschrieben hast, ist komplett überflüssig.
. Auf dem langen Korridor des Krankenhauses herrschte ein ruhiges Treiben.
Ruhiges Treiben? Das Wort "Treiben" ist für mich ein Begriff von Aktion, Bewegung, Mobilität und somit passt es nicht in Kombination mit "ruhig". Würde ich ändern.
Emma ist eine Frohnatur.
Das behauptest du. Und damit zwingst du den Leser in eine Situation, die er nicht möchte, du übrigens auch nicht. Du befiehlst mir sozusagen, es entweder zu glauben und dann ist es Fakt oder ich lasse es mir nicht befehlen und suche dann innerhalb der Geschichte laufend nach Beweisen, dass deine Behauptung stimmt. So entsteht aber zwischen dir als Autor und mir als Leserin ein recht kritisches Verhältnis.
Das kannst du umgehen, indem du es nicht einfach behauptest, dass Emma eine Frohnatur ist, sondern indem du mir lauter Bilder beschreibst, woran ich das erkennen kann.
was das besondere an
das Besondere
Ich wusste genau: Das wird ein Schub.
Ab hier erfährt der Leser, dass es ein Schub wird, oben beim Beginn der Geschichte, also wo sie aus meiner Sicht überhaupt erst beginnt, kündigst du ihn bereits so an, als steckte der Protagonist schon in einem Schub. Ich würde ihn da am Anfang vielleicht noch gar nicht erwähnen, sondern es wirklich erst hier zeigen.
Das Vorwegnehmen von Geschehnissen ist leider ein häufiger Anfängerfehler, haben wir also alle schon mal gemacht.
Aber stell dir mal vor, du wüsstest z.B. bei einem Märchen bereits am Anfang das, was am Ende passiert.

Auf diese Kampfansage wollte ich kontern. Scheiterte aber.
Auch hier schreibst du narrativ. Deine Leser möchten aber genauer wissen, was für eine Kampfansage das gewesen ist und wie der Protagonist scheiterte. Die beiden Sätze sind nur Behauptungen, sie mögen stimmen, aber das möchte ich als Leser selbst erkennen und nicht vorgeschrieben bekommen. Ich hoffe, du verstehst, was ich zu bemängeln habe.
Vergebens war die Mühe, ihr zu erklären, dass das Leben nunmal kein Ponyhof sei.
Will ein Leser das lesen? Es ist so ein ausgelutschter Satz, der zudem, als er das erste Mal aufkam, noch nicht einmal gut war. Erfinde eine neue Formulierung, wie dein Protagonist der Emma klarmacht, dass das Leben hart ist und bitter.
. Sie nahm sich meiner Probleme an wie immer.
Wie muss ich mir das vorstellen? Wie nimmt sich jemand der Probleme anderer an? Behaupte es nicht einfach, schildere es im Detail. Sind es tröstende Worte, erklärende gar oder sind es Lebensweisheiten, ein liebevolles Streicheln über die Wange, den Kopf, ist es Mut zusprechen, mit welchen Worten? Du hast unendlich viele Möglichkeiten, deine Version als Autor zu erschaffen, wie so ein Verhalten aussieht.
Durch Emma habe ich gelernt was Licht ist und wie du es in dir erleuchten kannst.
Ein salbungsvoller Satz, der bereits komisch wirkt, weil er in seinem Fazit, obwohl sicherlich richtig, so abgehoben wirkt. Für meinen Geschmack wirkt er sogar peinlich kitschig. Bitte streichen.
Die Formel ist so einfach wie genial. Versuche positiv zu sein. Denke optimistisch. Selbst wenn die Aussichten noch so düster sind. Nutze Worte, die für etwas sprechen anstatt dagegen. Und wenn du das Gefühl hast, das Licht blendet dich jetzt zu sehr, dann wechsel für eine Zeit die Seiten. Spiel für das andere Team. Setz dich im Schatten ab. Wer zu lange in der Sonne steht bekommt einen Sonnenbrand. Es sei denn, man heißt Emma und ist Asiatin. Der passiert das nicht. Aber wir normal Sterblichen müssen ab und an auch mal im Schatten parken, um ein bisschen abzukühlen. Aber vergiss nicht daraus wieder herauszutreten bevor du unterkühlst. Balance ist das Gleichgewicht des Lebens.
Sicherlich wirst du dir bereits denken können, weshalb ich diesen Absatz zitiert habe. Er kann komplett verschwinden und gelöscht werden, er ist überflüssig. Die Geschichte ist schon längst zu Ende, wer will das jetzt noch lesen? Entweder habe ich Leser bereits diese Erkenntnisse, die du da noch aufzeigst, bereits durch deine Geschichte selbst erworben oder aber ich konnte es nicht, warum auch immer. Dann würdest du mich an dieser Stelle auch nicht vom Gegenteil überzeugen können.

Ich hoffe, ich habe dich mit meiner Kritik nicht restlos entmutigt, an dieser Geschichte noch intensiv zu arbeiten. Es gibt dazu übrigens den Bearbeitungsbutton unten links.
Viel Erfolg!

Lieben Gruß

lakita

 
Zuletzt bearbeitet:

Vielen Dank für dein Feedback Iatika und dass du dir auch die Mühe gemacht hast. Ich muss deinen Aussagen sogar zustimmen, denn du hast mir gezeigt, dass ich einfach zu bequem war, an manchen Stellen genauer in die Tiefe zu gehen. Ich habe den Leser mit ein paar einfachen Sätzen abgestempelt.

Auch den letzten Absatz zu streichen, ist eine gute Empfehlung. Deine Argumente sprechen dafür. Denn wahrscheinlich war es auch der Absatz, der mich hat zögern lassen, die Geschichte überhaupt zu veröffentlichen. Ich finde du hast recht. Wer bin ich, dem Leser erklären zu wollen, wie die Welt vermeintlich funktioniert? Und doch habe ich es versucht. :)

Aber es ist meine erste Geschichte. Man soll es mir verzeihen. 😉

Danke fürs Fehleraufzeigen! Falls ich nochmal die Muße habe, werde ich die Stellen ausarbeiten.

Grüße Sam

 

Hallo @Sam O. ,

freut mich, dass du mit meiner Kritik etwas anfangen kannst.

Aber es ist meine erste Geschichte. Man soll es mir verzeihen. 😉
Ach was, das ist keine Frage des Verzeihens. Wir alle haben mal angefangen und jede Menge Fehler begangen. Sie sind ja auch dazu da, um zu lernen. Und genau deswegen haben wir uns hier zusammengefunden.
Und ja, lass ruhig erstmal sacken und dann ran an die Verbesserungen.
Mir geht es immer so, dass ich einen zeitlichen Abstand zu meinen Geschichten benötige, bevor ich sie konstruktiv überarbeiten kann.
Dieser zeitliche Abstand ist deswegen wichtig, um die eigene Geschichte wie ein Fremder, also ein Leser, der sie das erste Mal liest, lesen zu können.

Lieben Gruß
lakita

 

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