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Im Moor

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Im Moor

Zahniges Schilf schabt an der Wange. Ich schließe die Augen und lasse es geschehen. Stillhalten und eintauchen in den Sumpf. Die Sonne nähert sich dem Untergang. Geboren mit rosiger Unschuld und hinaufgestiegen in den Himmel, nur, um mit versengten Flügeln abzustürzen. So wie ich. Die Schatten werden länger, bedecken mich mit tröstlicher Dunkelheit. Wenn ich mich nicht rühre, lässt sich sogar die Nässe ertragen.
Ich höre Getrappel, Dreckklumpen prasseln auf fauliges Wasser. Über das Moor gellen scharfe Rufe, werden verschluckt vom Bodendunst. Fackeln tunken sandige Grasinseln in flackerndes Licht, holen sie einen Moment aus der Schwärze, bevor sie zurücksinken in den Orkus des Moors. Vereinzelt schlagen Vorderhufe in finsteren Morast, hörbar nervöses Tippeln von Fluchttieren. Aufgeblähte Nüstern, die ihn durch den Gestank wittern. Ihn, den Rächer aus dem Marschland, in dem sich die Erinnerung so taufrisch windet.

Die Ketten ziehen an den Händen, ich schmecke das Eisen, gallig und schal wie Blut. Oft schon habe ich mir vorgestellt, eine flache Kuhle aus dem Torf zu stechen, mich hinein zu betten und zu warten, bis das Moor mich einatmet, damit endlich Frieden herrscht. Doch etwas hält mich davon ab. So leicht will ich es ihm nicht machen. Ich weiß, was noch zu tun ist.
Eine Mücke landet auf meiner Stirn, sticht mehrfach den Saugrüssel in die Kruste aus Dreck, will sich gütlich tun am vergifteten Blut. Ich stelle mir vor, ihre Nachkommen wären ebenso verdorben wie ich. Durch mein bitteres Lächeln spannt der angetrocknete Schlamm auf meinen Wangen. Die Tarnung bröckelt und das wird bestraft.
Etwas fällt auf mich, das noch dunkler ist als die Schatten ringsum. Mir gelingt es, mich zur Seite zu winden, bevor die Spitze aus blankem Stahl dort niederrauscht, wo vor Bruchteilen von Sekunden noch mein Kopf lag. Tief steckt die Sense im Schlick.
Der Schlamm gibt mich schmatzend frei. Mich, die wandelnde Moorleiche. Lässt zu, dass ich auf die Beine springe und aus der Drehung heraus die schnurrende Kette an seine Schläfe klatschen lasse, was den Bauernvasallen aus den Stiefeln fegt.

Mit scharfem Gerassel und aufgeregtem Gebrüll kommt die Gefolgschaft des Landvogts zum Stehen, doch bis die Pferde auf dem schmalen Weg gewendet sind, bin ich längst abgetaucht. Habe jetzt einen blauen, stählernen Zahn mehr. Einen gierigen Hauer aus kalter Schärfe mit zwei Griffen, der in meinen Händen nach dem Herrn von Lobenfels schreit – nebenbei ein niedlicher Name für einen Schänder, wie es im Marschland nie zuvor einen gab.

Auf dem Rücken der Pferde explodieren rote Funken, schicken ihre bleiernen Grüße wie zynische Handküsse herüber. Einige lassen Moder aufspritzen, andere schlagen im Körper des Mannes ohne Sense ein, der das Stöhnen eingestellt hat und stattdessen still vor sich hin blutet. Zu spät bemerken sie, dass nicht ich es bin, der dort liegt, sondern einer der Ihren. Gezischte Flüche und weitere ungezielte Schüsse in die Dunkelheit folgen. Das ist gut, sehr gut, denn ich weiß, blinde Wut vernebelt den Verstand.
Jetzt tränken sie den gestochenen Torf mit Öl, zünden es an und halten mit strengen Gesichtern Ausschau. Sinnlos, der Rauch verdeckt mehr, als das Feuer zeigt.

Ein Schwarm Krähen zieht aufgescheucht seine Bahnen, landet in einem der kahlen Bäume, die den schmalen Pfad säumen, lässt dem toten Holz schwarze Flügel wachsen. Die Luft ist gesättigt mit Schwarzpulver, Fäule und Angst. Ich halte die Nase in den Dunst, sauge den rauchigen Odem des Moores bis in die tiefsten Verästelungen meiner Lungen. Schmecke rostiges Eisen und eine Spur von Salz. Krieg und Gemetzel. Beides habe ich im Gepäck. Beides werde ich zu ihm tragen.
Will nicht mehr bleiben auf dieser Welt, die für mich ausgehöhlt ist und kalt, seit sie mir die Liebste genommen haben. Geschändet von der ansehnlichen Hülle des Landvogts, die bis zum Stehkragen angefüllt ist mit Unrat, Talern und erträumter Allmacht.
Doch nun hat sich das Blatt gewendet. Jetzt trieft ihm die Furcht aus den Poren. Zu Recht, denn er weiß, er wird meinen Hass nicht überleben. Den kalten Ingrimm, der mir die Kraft gab, die Schinderei in den Gräben seiner Ländereien durchzustehen. Niemals hätte Lobenfels mich entkommen lassen dürfen. Niemals und er weiß es.

Ich schlage einen langen Bogen zurück zur richtigen Stelle, halte die Kette kurzgefasst, die Sense unter den Arm geklemmt. Gespenstgleich husche ich von Schatten zu Schatten. Niemand sieht mich im kärglichen Mondlicht. Dann, als ich dort bin, lasse ich mich auf den Sumpf sinken, tauche in die Oberfläche. Ich kann sie spüren, meine Liebste, sie liegt unter mir. Ich rede tröstend auf sie ein, nicht mehr lange, Liebste, es dauert nicht mehr lange.

Langsam quält sich der Tross den Weg zurück. Müde Gestalten, schmutzig, durchnässt und satt von der finsteren Nacht. Ich höre ihr Zögern, ihr Zaudern, ihre Vorsicht. In mir wächst Zuversicht. Es wird nicht genügen, sie können ihn nicht schützen, nicht vor mir.
Ich erkenne sein Pferd, es ist das größte, springe auf die Füße, hole dabei aus. Schwinge die Sense wie Gevatter Tod und sehe in seinen Augen: Genau das bin ich für ihn. Die Sense vollendet einen Halbkreis durch den Nachthimmel, kurz erhellt vom Fackelschein, bevor sie niedersaust. Unaufhaltsam schlägt sie durch Handgelenk, Oberschenkel und Gemächt, bevor der Sattel sie schluckt. Das Tier steigt hoch, wirft ihn rittlings ab.
Es bricht die Hölle los. Die anderen Pferde scheren aus und gehen durch. Ich knie mich ins Moor und warte. Die Arme ausgebreitet. Meine Ohren werden taub von seinem kindlichen Geschrei. Erneute Feuerküsse strecken mich nieder, lassen den groben Stoff aufplatzen und Dreck herausrinnen. Stumm und gerne nehme ich sie auf, heiße sie willkommen.
Schlamm zu Schlamm. Über mir ziehen die Krähen Achten. Das Moor atmet aus, begrüßt mich. Ich sinke hinein, werde eins, alles ist an seinem Platz. Die letzte Nacht ist angebrochen.
 
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Und es geht gleich weiter!

Diese Geschichte wurde von einem Autor geschrieben, der hier im Forum angemeldet ist, es für diese Geschichte aber bevorzugt hat, eine Maske zu tragen.
Der Text kann, wie jeder andere Text im Forum, kommentiert werden, nach zehn Tagen wird die Identität des Autors enthüllt.

Als Kritiker kann man bis dahin Vermutungen über die Identität des Autors anstellen. Damit man anderen mit einem schlüssigen Rateversuch nicht den Spaß raubt, sind Spekulationen und Vermutungen bitte in Spoiler-Tags zu setzen.

*Beispiel *
Ich vermute, dass der Autor der Geschichte Rumpelstilzchen ist. Der schreibt doch auch immer von güldenem Haar und benutzt so viele Ausrufezeichen!

Schreibweise:
[spoiler]Ich vermute, dass der Autor der Geschichte ... [/Spoiler]
Die eckigen Klammern setzt ihr mit der Tastenkombination Alt-gr+8 bzw. Alt-gr+9.

Da dies jedoch kein Ratespiel ist, sind Beiträge ohne Textarbeit, also reine „Vermutungen“, nicht erwünscht.

Viel Spaß beim Kommentieren und Raten!

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Alles weitere rund um den Maskenball findet ihr hier.
 
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Liebe Maske,

ich mach mal den Anfang, weil ich ne Eingebung hatte.

Ich musste direkt an linktofink denken. Das sind mir nämlich zu viele Umgebungsbeschreibungen und Adjektive. Erinnert mich an Nacimiento del mal und Fagus Sylvatica – obwohl diesmal der Titel bedeutend einfacher ist.

Ich habs ja nicht so mit Adjektiven. Versuche eigentlich drauf zu verzichten, wenn man sie nicht braucht. Ich finde den ersten Satz außerdem etwas unpersönlich. So fände ich es schöner:
Schilf schabt an meiner Wange.
Das Adjektiv braucht es nicht, weil sich Schilf eben so anfühlt.

Die Sonne nähert sich ihrem Untergang. Geboren mit rosiger Unschuld und hinaufgestiegen in den Himmel, nur, um mit versengten Flügeln abzustürzen. So wie ich.
Für mich ist das zu abgehoben. Ich wünsche mir, dass etwas passiert.

Fackeln tunken sandige Grasinseln in flackerndes Licht, holen sie einen Moment aus der trüben Schwärze, bevor sie sie zurücksinken lassen in den schlammigen Orkus.
Vier Adjektive in einem Satz. Tut mir leid, aber das funktioniert für mich gar nicht. Wirkt überladen. Orkus musste ich googlen und den Satz zweimal lesen um zu sortieren.

hörbar nervöses Tippeln von Fluchttieren
Hmm, das Tippeln kann ich mir nicht so Recht vorstellen. Da es dort so nass und schlammig ist, würde ich eher an ein Schmatzen denken.

Ihn, den Rächer aus dem Marschland, in dem sich die Erinnerung so taufrisch windet.
Mir ist nicht klar, wer der Rächer ist und wie dieser mit dem Erzähler zusammenhängt.

Ich könnte noch weiter durch den Text gehen, aber ich denke meine Kommentare würden ähnlich sein. Das ist einfach nicht mein Text. Ich finde, es anstrengend zu lesen, weil du sehr viel beschreibst, die Atmosphäre, die Geräusche, die Umgebung, alles beschreibst, aber kaum etwas passiert. Ich muss zugeben auch nicht alles verstanden zu haben.
Wenn du der bist, der ich denke, dann hast du deine Fans und die werden deine Geschichte bestimmt besser zu würdigen wissen. Ich denke nicht, dass der Text schlecht ist, er trifft einfach nicht meinen Geschmack.

Liebe Grüße,
NGK
 
Wortkrieger-Team
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Hallo, Unbekannter

Mann, das geht ja Schlag auf Schlag. Bin ganz happy, auf der anderen Seite zu stehen.

Anmerkungen ganz nah am Text, notiert beim zweiten Lesen (übrigens, ein Mehrmalslesen lohnt sich):

Die Ketten ziehen an den Händen, ich schmecke das Eisen, bitter und schal wie Blut.

Hier dachte ich kurz: Hoppla, ein Perspektivwechsel. Aber der Ich-Erzähler war ja vorher schon da, hat sich nur im Satz hier direkt davor in der dritten Person beschrieben. In diesem Sinne finde ich das …

Ihn, den Rächer aus dem Marschland, in dem sich die Erinnerung so taufrisch windet.

… nicht besonders gelungen.

–nebenbei ein niedlicher Name für einen Schänder, wie es im Marschland nie zuvor einen gab.

Hier fehlt das Leerzeichen nach dem Gedankenstrich.

Auf dem Rücken der Pferde explodieren rote Funken, schicken ihre bleiernen Grüße wie zynische Handküsse herüber.

Ich störe mich an dem bildhaften Gedöns, das einen wirklich zwingt, langsam zu lesen, nicht so sehr wie NGK, aber dieser Satz ist wirklich zu viel. Da sind drei komplett unterschiedliche Vergleiche drin: explodierende Funken = Mündungsfeuer, bleierne Grüße = Kugeln, zynische Handküsse = kein so netter Kontakt). Und das alles in einem Satz. So schnell kommt selbst mein Hirn nicht hinterher.

Einige lassen Moder aufspritzen, andere schlagen im Körper des Mannes ohne Sense ein, der das Stöhnen eingestellt hat und stattdessen still vor sich hin blutet.

Ich glaube, hier wird die Sense das erste Mal erwähnt. Deshalb … wusste ich bisher nur von Männern ohne Sense und konnte damit nicht viel anfangen.

Ein Schwarm Krähen zieht aufgescheucht seine Bahnen, landet in einem der kahlen Bäume, die den schmalen Pfad säumen, lässt dem toten Holz schwarze Flügel wachsen.

Ich würde vielleicht insgesamt mit Adjektiven sparsamer umgehen. Das ist schon wieder so viel davon. Dass der Pfad schmal ist, ist z.B. relativ überflüssig zu sagen, schwarze Flügel, na ja, die Farbe kommt davon selbst mit kahl und tot. Da stelle ich mir nichts Buntes vor.

Meine Liebste heben sie mir genommen.

„haben“ statt „heben“.

Geschändet von der ansehnlichen Hülle des Landvogts, die bis zum Stehkragen angefüllt ist mit Unrat, Talern und erträumter Allmacht.

Das habe ich nicht verstanden. „ansehnliche Hülle“? Was zur Hölle ist damit gemeint? Sein Gewand? Warum nur das? Ist der Typ tot? Hat er keine Seele? Warum denn ansehnlich? Nee. Ich check's nicht.

Dann, als ich dort bin, lasse ich mich auf den Sumpf sinken, tauche in die Oberfläche.

Lässt man sich nicht „in den Sumpf“ sinken und taucht „unter die Oberfläche“?

Schlamm zu Schlamm. Über mir ziehen die Krähen Achten. Das Moor atmet ein, heißt mich willkommen. Ich sinke hinein, werde eins, alles ist an seinem Platz. Die letzte Nacht ist angebrochen.

Das finde ich ziemlich stark.

Zusammenfassend gesagt: Ich finde die Bilder, die Du zeichnest, tatsächlich sehr reizvoll. Alles ist düster und ziemlich eklig, das passt zu einem … nun ja … mehr oder weniger historischem Text. Das fand ich eindrucksvoll, hat bei mir tatsächlich gut funktioniert.

Die Handlung ist relativ einfach gestrickt, was super ist. In komplexer Handlung vergisst man sich ja so gerne. So wird mir alles recht schnell klar, und ich kann die Beweggründe Deines Prots nachvollziehen. Ich frage mich nur an manchen Stellen, wer ihn denn zu so einem Badass-Killer gemacht hat. Das wirkt ja schon ziemlich actionmäßig.

Allerdings würde ich Dir auch raten, das ein bisschen zurückzunehmen. Du pflegst eine sehr bildhafte Sprache, die mit vielen Assoziationen arbeitet, allerdings würde ich, wenn ich mal so absolutistisch sein darf: Zwei Vergleiche und fünf Adjektive in einem Satz sind dann auch mal genug. Mehr muss es wirklich nicht sein.

Und das Raten …

Ha, Nichtgeburtstagskind, GENAU das habe ich auch gedacht. Hier:

Fackeln tunken sandige Grasinseln in flackerndes Licht, holen sie einen Moment aus der trüben Schwärze, bevor sie sie zurücksinken lassen in den schlammigen Orkus.

Da dachte ich: Das kommt mir bekannt vor. Und dann dachte ich: linktofink. Danach habe ich den ganzen Text als linktofink gelesen, kriege jetzt auch keine/n andere/n Autoren/Autorin vors innere Auge. Nee. Totaler linktofink. Wenn dem wirklich so ist, und was anderes will mir nicht einfallen, dann weißt Du ja, es gibt Dinge an Deinen Geschichten, mit denen ich in der Vergangenheit leben musste, ohne sie zu mögen. Und vermutlich, wenn ich nicht die ganze Zeit an Dich gedacht hätte, hätte ich dieses Bildergemetzel nicht so toleriert. So weiß ich oder glaube ich zu wissen, dass das eben voll Dein Ding ist. Und ich fand das schon recht atmosphärisch, habe alles in schwarzweiß gesehen.

Bestimmt liege ich gerade richtig daneben und jemand anderes amüsiert sich total. Na ja. Ich kriege meine Gedanken aber nicht mehr davon weg.

Schlammige Grüße,
Maria
 
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01.07.2016
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Liebe Maske,

Zahniges Schilf
Wie kann Schilf zahnig sein?

Stillhalten und eintauchen in den Sumpf.
Eww

Geboren mit rosiger Unschuld
Ich finde, dass "rosig" hier nicht passt. Wirkt klischeehaft.

lässt sich sogar die Nässe ertragen.
Du kannst du Nässe ausführlicher beschreiben: Dass sich zum Beispiel ihre Kleidung kalt anfühlt.

fauliges Wasser
Woran erkannt der Prot, dass das Wasser faulig ist? Riecht es sauer?

. Ich stelle mir vor, ihre Nachkommen wären ebenso verdorben wie ich
Hier scheint Handlung aufzukommen.

was den Bauernvasallen aus den Stiefeln fegt.
Interessant.

Meine Liebste heben sie mir genommen.
haben. Ansonsten entwickelt sich die Geschichte in eine interessante Richtung.

Es bricht die Hölle los.
Dieser Satz ist sehr klischeehaft und du kannst das ruhig rauslassen.

Der Text ist sehr verwirrend und dir scheint offensichtlich der Fokus eher auf der Sprache zu liegen als auf der Handlung.

Ich schließe mich den Anderen an. Der Text erinnert mich echt an linktofink … oder an jemanden, der versucht, linktofink nachzuahmen. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe das Gefühl, dass NGK versucht hat, linkto nachzuahmen und jetzt eine falsche Fährte zu legen! Ist aber nur eine Vermutung. :D
Ich gehe trotzdem von linktofink aus.
 
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Hallo,

Will nicht mehr bleiben auf einer Welt, die das Recht der ersten Nacht gewährt. Meine Liebste heben sie mir genommen. Geschändet von der ansehnlichen Hülle des Landvogts, die bis zum Stehkragen angefüllt ist mit Unrat, Talern und erträumter Allmacht.
Wenn du mich als Probeleser nimmst, ist mein subjektiver Eindruck: Einerseits finde ich die Langsamkeit und Wucht deiner Bilder, die Intensität wirklich stark und hat mich wirklich eingenommen. Ich finde die Dosierung der Adjektive, Beschreibungen usw. auch auf einer Seite passend, mir kam der Text so vor, als ob da jemand ist, der weiß, was er mit seiner Sprache tut, als ob da jedes Wort an der richtigen Stelle sitzt. Andererseits bin ich als Leser gezwungen, sehr langsam zu lesen, Wort für Wort, weil da sehr vieles auf mich einprasselt. Das ist auch in Ordnung für die Länge. Aber, und das ist jetzt die Kehrseite, ich kann mich dadurch schlecht auf den Plot konzentrieren. Ich habe mich ungefähr in der Mitte des Textes auch gefragt: Um was geht es hier eigentlich?, und musste mich dann parallel praktisch auf Handlungsebene und gleichzeitig das Dechiffrieren der pompösen Sprache konzentrieren, und das nahm mir etwas den Drive beim Lesen: Es ist zu viel - zumindest für mich, der sicher nicht er elitärste Leser ist. Ich hätte mir gewünscht, dass du den Plot leichter verständlich, viel weniger verschachtelt an mich als Leser herangetragen bzw. ihn mir offenbart hättest, als auf die Art, wie du es hier getan hast. Ich hab dann schon verstanden, der Landvogt hat seine Frau genommen, und er will sich rächen. Aber entweder - und das ist mein persönlicher Leseeindruck - kann ich mich auf die krasse Sprache einlassen, oder auf einen mir verschachtelt scheibenweise gelüfteten Plot. Zumindest ist das hier so, und das ist ein Schwachpunkt, den ich beim Text sehe. Aber, zu guter Letzt, die Sprache ist schon krass intensiv, Hut ab dafür. Wieso denke ich die ganze Zeit an Valhalla Rising?

Ich tippe auf Katla. Die Sprache, die Art des Entlüftens des Plots hat mich stark an seinen Schwarzen Schnee erinnert. Da hatte ich ein sehr ähnliches Leseerlebnis.

Beste Grüße
zigga
 
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31.01.2016
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Herrje, du maskierter Geschichtenschreiber,

du rührst mich zu Tränen und dass, obwohl du das ruhige Tempo, die gewählte Wortwahl, die schöne, klare unaufgeregte Sprache bis zuletzt beibehältst.
Was musste und muss dieser arme arme Mann durchstehen. Ich habe nichts, rein gar nichts an deinem Text auszusetzen. Ich will nicht mehr aber auch nicht weniger wissen.
Ich brauche gar nichts. Eben auch wegen des Endes. Mit seinem Tod ist alles andere unwichtig geworden. Mich interessiert nicht, wer sie war, die das berühmte Fass zum Überlaufen brachte, will nicht wissen, wer er war, will nicht wissen, wann und wo sich dieses Moor auftut.
Du schaffst eine atmosphärische Dichte, die mich vom ersten bis zum letzten Satz gefangen hält, du drängst mir nichts auf, ich bin frei und lausche dieser Geschichte, muss nichts denken.
Der tragische Held berührt mich mit seinem festen Charakter, mit seiner Intelligenz, seiner Ruhe und seiner romantischen Melancholie.

Wäre sie nicht so tragisch, wäre sie wundervoll.

Ich wünschte so sehr, ich wüsste, wer du bist (und zum Glück werde ich bald erfahren), aber auch das spielt für mich in diesem Moment keine Rolle.
Du bist sicher männlich, warum ich das annehme, möchte ich lieber nicht öffentlich kundtun :D, du bist ein sprachgewandter und geübter Mann, also ein Fortgeschrittener und ich vermute, ein wenig Forumsaktiver in Bezug auf Kommentare. Ach, ich habe keine Ahnung und würde man mich zwingen, einen Namen zu nennen, wäre es vermutlich

carlozwei oder Geschichtenwerker und über jeden anderen freue ich mich bei auch ;)

Ich bin mega gespannt, wer dahinter steckt und grüße erstmal freundlich, Kanji
 
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14.08.2012
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... nein, nicht ich. :D
Ich schreib nur noch schnell einen Kommentar:


Also das nenn ich mal einen wortgewaltigen Maskenballtext.
Ich könnte den Text natürlich auch abfällig einen adjektivischen Amoklauf nennen, aber ich muss zugeben, dass mich der Stil, also wie da sprachlich aus dem Vollen geschöpft wird, beim Lesen mehr und mehr vereinnahmt hat. Der wuchtige Stil passt einfach zur Atmosphäre des Settings, bzw. erschafft überhaupt erst diese Atmosphäre.

Schilf schabt an der Wange. Ich schließe die Augen und lasse es geschehen. Stillhalten

scharfe Rufe, werden verschluckt

trübe Schwärze … schlammiger Orkus. Vereinzelt schlagen Vorderhufe

die ihn durch den Gestank wittern. Ihn, den Rächer aus dem Marschland, in dem sich die Erinnerung so taufrisch

Schlamm gibt mich schmatzend frei.

usw. usw.
Allein nur diese auffällig häufige Verwendung von sch-Lauten, stellenweise sogar alliterativ, scheint mir nicht zufällig zu sein, zieht sie sich für mein Gefühl doch durch den gesamten Text. Und dass sich durch diesen phonetischen Kunstgriff automatisch Assoziationen zu Schmerz (und Schlimmerem) einstellen wollen, lag wohl in deiner Absicht.
Aber egal, ob Absicht oder nicht, mir hat das Lesen echt getaugt. Du schaffst da stellenweise wirklich tolle Formulierungen und Sprachbilder, also man spürt da schon, dass du genau gewusst hast, wie die Sprache klingen soll.

Na ja, und die Handlung? Ist halt so ein Sumpf-und-Moor-Exploitationding, der radikale Gegenentwurf quasi zur idyllischen Naturbeschreibung.
Kann man mögen. Muss man aber nicht. In diesem Fall mag ich es.

Eine Kleinigkeit hat mich gestört:

Eine Mücke landet auf meiner Stirn, sticht mehrfach den Saugrüssel in die Kruste aus Dreck,
Schon klar, dieses Detail brauchst du, um diese Gedanken des Prot

will sich gütlich tun am vergifteten Blut. Ich stelle mir vor, ihre Nachkommen wären ebenso verdorben wie ich.
… vorzubereiten. Allein, ich glaub das nicht. Also dass der Typ die Landung einer Mücke auf seiner dreckverkrusteten Stirn wahrnehmen kann. Und wie weiß er um die mehrmaligen Versuche der Mücke, durch die Dreckkruste zu stechen? Sehen kann er das ja wohl kaum. Ist strenggenommen also ein Perspektivfehler.

Wäre er noch im Forum, hätte ich wohl auf Bas getippt.
Natürlich könnte es auch von Katla sein. Die scheißt sich bei der Wahl ihrer Sujets in aller Regel ja auch so ziemlich nix. Und auch stilistisch wäre ihr das durchaus zuzutrauen.
 
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Wortkrieger-Team
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Monster-WG
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04.03.2018
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Ein schlammiger Gruß, liebe Wortkrieger,

puh, das waren zehn harte Tage in der Fangopackung aus verordnetem Phlegma, gepaart mit stillschweigender Freude über das Lesen eurer tollen Komms.

Zunächst mal vorab:

Ursprung des Ganzen war ein Song von „The Smiths“ aus dem Jahr 1983, der sich damals in mein jugendliches Hirn bohrte und seitdem dort verweilte. „Suffer little Children” heißt dat Dingen und beginnt so:

“Over the moor, take me to the moor
Dig a shallow grave
And I'll lay me down”

Und später:

“Fresh lilaced moorland fields
Cannot hide the stolid stench of death.”

Vor kurzem ploppte das wieder an die Oberfläche und das war der Ursprung der Moorstory.
Mein Versuch war, die Atmosphäre, das Setting durch die Sprache so dicht zu stricken, dass der Leser das Versinken im Moor, diese unglaubliche Schwere, die Trägheit und die Abwesenheit von Hoffnung nachempfindet.



Danke Nichtgeburtstagskind für deinen Eisbrecher-Komm.

Und schwupps, war ich schneller enttarnt, als ich „piep“ sagen konnte!

Bitte mit einem Augenzwinkern um Verzeihung für die Adjektivdusche. ;)

Du schreibst:
Ich könnte noch weiter durch den Text gehen, aber ich denke meine Kommentare würden ähnlich sein. Das ist einfach nicht mein Text. Ich finde, es anstrengend zu lesen, weil du sehr viel beschreibst, die Atmosphäre, die Geräusche, die Umgebung, alles beschreibst, aber kaum etwas passiert.
Jo, das deckt sich mit dem, wie ich es angelegt habe.

Vielen Dank für deine Rückmeldung, auch wenn es nix für dich war.



Oye TeddyMaria,

haha, mich im Discord auf die Maske hinweisen, hmmmm? :D Schon klar!!!

Neben dem üblichen Textgemecker ist vor allem dein Spoiler für mich sehr interessant:
Ha, Nichtgeburtstagskind, GENAU das habe ich auch gedacht. Hier:
Fackeln tunken sandige Grasinseln in flackerndes Licht, holen sie einen Moment aus der trüben Schwärze, bevor sie sie zurücksinken lassen in den schlammigen Orkus.
Da dachte ich: Das kommt mir bekannt vor. Und dann dachte ich: linktofink. Danach habe ich den ganzen Text als linktofink gelesen, kriege jetzt auch keine/n andere/n Autoren/Autorin vors innere Auge. Nee. Totaler linktofink. Wenn dem wirklich so ist, und was anderes will mir nicht einfallen, dann weißt Du ja, es gibt Dinge an Deinen Geschichten, mit denen ich in der Vergangenheit leben musste, ohne sie zu mögen. Und vermutlich, wenn ich nicht die ganze Zeit an Dich gedacht hätte, hätte ich dieses Bildergemetzel nicht so toleriert. So weiß ich oder glaube ich zu wissen, dass das eben voll Dein Ding ist. Und ich fand das schon recht atmosphärisch, habe alles in schwarzweiß gesehen.

Bestimmt liege ich gerade richtig daneben und jemand anderes amüsiert sich total. Na ja. Ich kriege meine Gedanken aber nicht mehr davon weg.
Natürlich lagst du goldrichtig (wie so oft) und natürlich freut mich das ungemein, dass du dich trotz der Adjektiv- und Assoziationsschwemme darauf eingelassen hast und final dem Ganzen doch etwas abgewinnen konntest. Das nenne ich wahre Kameradschaft. :lol:

Schlammige Grüße zurück, sésata


Ronja,

auch du hast in deinem letzten Komm. richtig vermutet, also noch einmal liebe Grüße aus dem Moor zur Endstation.

Mit scharfem Gerassel und aufgeregtem Gebrüll kommt die Gefolgschaft des Landvogts zum Stehen, doch bis die Pferde auf dem schmalen Weg gewendet sind, bin ich längst abgetaucht.
Hier gefällt mir, dass die Anfangsbuchstaben identisch sind, das gibt dem Satz eine schöne Melodie. Davon gibt es mehrere Beispiele im Text.
Jo, die Alliterationen sollen dem Text einen bestimmten Rhythmus verleihen. Eine kurzzeitige Beschleunigung.

Zu deinem "es bricht die Hölle los". Du hast recht, da werde ich nach einem Austauschpartner suchen. Alexei hat es auch bemängelt.

Insgesamt schließe ich mich den Vorkommentatoren an. Ich finde auch, dass weniger mehr ist. Du hast originelle Bilder kreiert. Dafür hast du ein Händchen. Aber sparsamer eingesetzt, wirken sie mMn mehr. Dies gilt auch für die Adjektive. Aber sicher Anssichtssache. Sprachlich schimmert für mich viel Kreativität durch ...
Merci, ich bin nicht ganz sicher, ob ich darauf verzichten kann (/will), denn die Anhäufung der Adjektive trägt wesentlich bei zu dem Sog des Moors, der hoffentlich spürbar wird.

Deinen noch nicht erwähnten Textvorschläge stehe ich unentschlossen gegenüber. Da erbitte ich mir Bedenkzeit.

alexei,

Wie kann Schilf zahnig sein?
Schilfblätter sind etwas gezackt/gezahnt, wodurch sie ins Fleisch schneiden können.

Ich finde, dass "rosig" hier nicht passt. Wirkt klischeehaft.
Jo, da hast du vermutlich recht.

Es bricht die Hölle los.
Dieser Satz ist sehr klischeehaft und du kannst das ruhig rauslassen.
Hat auch schon Ronja angemerkt, da muss ich mal den Wortgenerator anwerfen.

Der Text ist sehr verwirrend und dir scheint offensichtlich der Fokus eher auf der Sprache zu liegen als auf der Handlung.
Die Sprache soll die Handlung eindicken und verlangsamen, wie Schlamm.

Auch du hast mich enttarnt … Für mich ist das erstaunlich - und schön.



Lieber zigga,

Wenn du mich als Probeleser nimmst, ist mein subjektiver Eindruck: Einerseits finde ich die Langsamkeit und Wucht deiner Bilder, die Intensität wirklich stark und hat mich wirklich eingenommen. Ich finde die Dosierung der Adjektive, Beschreibungen usw. auch auf einer Seite passend, mir kam der Text so vor, als ob da jemand ist, der weiß, was er mit seiner Sprache tut, als ob da jedes Wort an der richtigen Stelle sitzt.
WOW, das nehme ich dankend auf. Da ich viel dran geschnitzt habe, freu es mich, wenn die Spracharbeit durchschimmert.

Andererseits bin ich als Leser gezwungen, sehr langsam zu lesen, Wort für Wort, weil da sehr vieles auf mich einprasselt. Das ist auch in Ordnung für die Länge. Aber, und das ist jetzt die Kehrseite, ich kann mich dadurch schlecht auf den Plot konzentrieren. Ich habe mich ungefähr in der Mitte des Textes auch gefragt: Um was geht es hier eigentlich?, und musste mich dann parallel praktisch auf Handlungsebene und gleichzeitig das Dechiffrieren der pompösen Sprache konzentrieren, und das nahm mir etwas den Drive beim Lesen: Es ist zu viel - zumindest für mich, der sicher nicht er elitärste Leser ist.
Ähnliches schriebst du schon bei Nacimiento del Mal, auch dort hatte der Text für dich bei der Gewichtung Sprache/ Plot Schlagseite. Bei beiden Texten ist das auch so, ganz eindeutig. Ausgehend von dem Sumpf, den ich zeigen will, finde ich das in dem Fall jedoch adäquat - abgesehen davon, dass ich grundsätzlich dazu neige.

Aber entweder - und das ist mein persönlicher Leseeindruck - kann ich mich auf die krasse Sprache einlassen, oder auf einen mir verschachtelt scheibenweise gelüfteten Plot. Zumindest ist das hier so, und das ist ein Schwachpunkt, den ich beim Text sehe. Aber, zu guter Letzt, die Sprache ist schon krass intensiv, Hut ab dafür.
Ich sehe den Schwachpunkt, nehme ihn in kauf und freue mich dennoch extrem über dein Lob der Sprache.

Auch wenn du danebenlagst, ehrt mich dein Spoiler sehr:
Ich tippe auf @Katla. Die Sprache, die Art des Entlüftens des Plots hat mich stark an seinen Schwarzen Schnee erinnert. Da hatte ich ein sehr ähnliches Leseerlebnis.
Katla ist z.Z. leider (immer noch?) auf hoher See und fernab jedes Internets. Ich vermisse ihre eindringlichen Kommentare mit Augenmaß und feiere gerade deinen (unbeabsichtigten) Vergleich.



Hej maria.meerhaba,

vielen Dank für deinen ehrlichen Geradeaus-Komm. Da war einiges Erhellendes dabei.

Ich habe nachgesehen, wie lang der Text ist. Kein gutes Zeichen. Schon nach dem dritten, vierten Satz kommt mir jeder Satz überladen vor, als wollte es nicht nur ein Bild zeichnen, sondern jede Menge, und damit komme ich nicht klar. Für eine schreckliche Leserin wie mich stoßen mich die Bilder eher ab, bauen keine Nähe auf, ich habe immer noch keine Ahnung, was hier abgeht und dabei habe ich schon die Hälfte durch. Es überreizt mein inneres Auge, so dass ich die Handbremse ziehen musste und jetzt weigert sich in mir alles, die Geschichte weiterzulesen.
Oha, ich sag mal, bei dir war es knapp! Aber ich habe ja zum Glück deinen Komm auch weitergelesen! (Meine Nerven …)

Es hat einen Klang, einen Rhythmus, einen Stil, der sicherlich für andere funktioniert, aber bei der kaputten Maria geht das einfach nicht. Trotzdem: Einatmen und weiter.
Danke fürs Durchhalten!

Ich muss es jetzt erwähnen, obwohl ich weitergelesen habe und fast durch bin, aber wenn ich es nicht loswerde, will ich nicht weiterlesen: Sobald du der Wut ein Gesicht gibst, sobald du der Geschichte einen Sinn verleihst, sehe ich sie plötzlich in einem anderen Bild. Lass es mich anders formulieren: Davor habe ich nur einen wütenden Mann gesehen, der unbedingt irgendwen morden wollte, und er war mir so ziemlich scheißegal. Ich war weit weg, saß auf meinem Sofa, trank meinen Kaffee und sah immer wieder aus dem Fenster und dachte mir nur, wann der Scheiß endlich ein Ende findet. Aber sobald du den Grund erwähnst, sobald du sagst, dass er nicht in so einer Welt leben möchte, das die erste Nacht mit seiner Geliebten für sich beansprucht, damit irgendein Lord die Jungfrau öffnen kann, da habe ich ihn verstanden, da habe ich seine Wut nachvollziehen können und wurde Feuer und Flamme mit ihm. Erst hier entfaltet sich der Effekt (anders kann ich es nicht nennen, aber für mich ist das jetzt kein negativer Effekt, sondern ein funktionierender) und der Mörder wird mir sympathisch, ich verstehe seine Motive, ich werde zu seinem Mittäter, der den Typen die Kehle aufschlitzen und zusehen möchte, wie sie an ihrem Blut ertrinken.
Puh, geschafft, Maria ist im Boot!

Und wieso behauptet die Maria, dass das Ende gut ist? Von der poetischen Sicht ist es auch, der letzte Absatz echt stark, das zeugt ein schönes Bild, das Moor wird zu seinem Freund, der ihn umschließt und es funktioniert und schließt die Geschichte auch schön ab. Aber der Moment eben, in der dein Prot ihn angreift, ruiniert für mich einfach die gesamte Vorarbeit. Sogar der Effekt mit dem Motiv verliert jegliche Kraft, nachdem er den Typen wie eine Fliege umnietet. Ein Schlag und weg issa. Neee, sorry, aber du vergeudest einfach das Potential dieser Wut, der mir deinen Prot so schnell sympathisch gemacht hat.
OK, ich verstehe deinen Punkt. Sei mir nicht böse, wenn ich das anders sehe. Für mich rein persönlich ist Gewalt, die aus dem Nichts kommt und erfolgreich ins Ziel findet, viel schockierender, als ein Kampf auf Augenhöhe.
Die Geschichte, die sich langsam verschachtelt aufbaut - beinahe zähflüssig - findet in diesem schnellen und brutalen Akt ein jähes Ende. Die Sense schnappt einmal zu, wie eine Mausfalle, und: Prot hin, Story aus, game over, Ruhe im Moor. Mir gefällt das Unausweichliche. Das ist wie der schmale Pfad durch das Moor, es gibt keine Seitenwege oder Nebenschauplätze.

Danke für deinen Komm., ich denke weiter darüber nach.


Liebe Leute, ich brauch ne Pause …
Bis bald, Peace


Ok, weiter geht´s


Hej Kanji,

du rührst mich zu Tränen und dass, obwohl du das ruhige Tempo, die gewählte Wortwahl, die schöne, klare unaufgeregte Sprache bis zuletzt beibehältst.
Wow, ich bin völlig geplättet von deiner durchweg positiven Rückmeldung. Ich hätte nicht gedacht, dass sich jemand so berührt fühlt. Das finde ich schön und es macht mich glücklich.

Du schaffst eine atmosphärische Dichte, die mich vom ersten bis zum letzten Satz gefangen hält, du drängst mir nichts auf, ich bin frei und lausche dieser Geschichte, muss nichts denken.
Der tragische Held berührt mich mit seinem festen Charakter, mit seiner Intelligenz, seiner Ruhe und seiner romantischen Melancholie.
Und du bist die Erste (Einzige?), die sich nicht an der Sprache reibt, die nicht gegen Widerstände ankämpfen muss, um der Geschichte bis zum Ende zu folgen, die nicht über Adjektivballungen und Sprachlastigkeit stolpert. Besonders freut mich dein Eindruck, du seist frei und lauschst, denn genau das hat der Song in mir zum Schwingen gebracht.

Was musste und muss dieser arme Mann durchstehen. Ich habe nichts, rein gar nichts an deinem Text auszusetzen. Ich will nicht mehr aber auch nicht weniger wissen.
Ich brauche gar nichts. Eben auch wegen des Endes. Mit seinem Tod ist alles andere unwichtig geworden. Mich interessiert nicht, wer sie war, die das berühmte Fass zum Überlaufen brachte, will nicht wissen, wer er war, will nicht wissen, wann und wo sich dieses Moor auftut.
Ich habe viel Zeit in diese KG gesteckt und es scheint sich dahingehend auszuzahlen, dass die Geschichte tatsächlich funktioniert. Ich hätte jedoch nie damit gerechnet, dass jemand so ganz und gar nichts zu meckern hat. Das ist mir beinahe unheimlich.

Wäre sie nicht so tragisch, wäre sie wundervoll.
Vielen lieben Dank von Herzen.



Hallo ernst offshore,

danke für deine "last minute"-Intervention. :D
Wir hatten glaube ich noch keinen Kontakt außer im Befindlichkeitsthread?

Umso schöner finde ich die Gelegenheit, die sich jetzt - mehr zufällig (gibt es Zufälle?) - ergibt.

Ich könnte den Text natürlich auch abfällig einen adjektivischen Amoklauf nennen
bin ich froh, dass du es nicht tust …

aber ich muss zugeben, dass mich der Stil, also wie da sprachlich aus dem Vollen geschöpft wird, beim Lesen mehr und mehr vereinnahmt hat. Der wuchtige Stil passt einfach zur Atmosphäre des Settings, bzw. erschafft überhaupt erst diese Atmosphäre.
Das ist wohl absolut Geschmacksache und könnte unterschiedlicher nicht sein. Die Rezeptionen der Sprache reichen von "schöne, klare unaufgeregte Sprache" (Kanji), "pompöse Sprache"(zigga), "bildhaftes Gedöns"(TeddyMaria) bis zu (teils) abstoßende Bilder(Maria.meerhaba). Mir tut es gut, dass Sprache, Stil und Setting für dich als Einheit daherkommen und einander bedingen.

Allein nur diese auffällig häufige Verwendung von sch-Lauten, stellenweise sogar alliterativ, scheint mir nicht zufällig zu sein, zieht sie sich für mein Gefühl doch durch den gesamten Text. Und dass sich durch diesen phonetischen Kunstgriff automatisch Assoziationen zu Schmerz (und Schlimmerem) einstellen wollen, lag wohl in deiner Absicht.
Aber egal, ob Absicht oder nicht, mir hat das Lesen echt getaugt. Du schaffst da stellenweise wirklich tolle Formulierungen und Sprachbilder, also man spürt da schon, dass du genau gewusst hast, wie die Sprache klingen soll.
:thumbsup: schön seziert, die sch-Anfänge taugen anscheinend gut für die Beschreibung intensiver Wahrnehmungen: scheiße, schön, schmachten, schrecklich, schlau, usw.. Ist mir vorher auch nicht klar gewesen.

Na ja, und die Handlung? Ist halt so ein Sumpf-und-Moor-Exploitationding, der radikale Gegenentwurf quasi zur idyllischen Naturbeschreibung.
Kann man mögen. Muss man aber nicht. In diesem Fall mag ich es.
Jo, ist nicht für jeden, das sehe ich auch so, deshalb freut es mich um so mehr, dass du dabei bist.

Zu deinem Spoiler:
Wäre er noch im Forum, hätte ich wohl auf Bas getippt.
Natürlich könnte es auch von @Katla sein. Die scheißt sich bei der Wahl ihrer Sujets in aller Regel ja auch so ziemlich nix. Und auch stilistisch wäre ihr das durchaus zuzutrauen.
Da hältst du es mit zigga, der auch Katla im Verdacht hatte. Erneut ehrt und bestärkt mich deine (unrichtige :lol:) Annahme.


Danke euch allen für eure kostbaren Kommentare. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, ob das Ding nach hinten losgeht und bin beruhigt, dass es das nicht bei allen tat.

Schönes Restwochenende in Peace, linktofink
 
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Hallo, linktofink,

dass Du schreiben kannst, steht außer Zweifel, und dass ich immer wieder in die "Historik" reinschau, könnte sich schon "rumgesprochen" haben - aber die Geschichte ist nur sehr begrenzt "historisch", denn das "Recht der ersten Nacht" ist ein Phantom - ich sag nicht, eine alternative Wahrheit oder gar ein fake oldie, obwohl selbst das die Qualität des Textes nicht schmälern kann. Denn nicht erst seit heute weiß man, das Gerücht des Rechtes der ersten Nacht war wohl ein Mittel wider zügellosen Adel (wobei ein Einzelner ja eine ganze Gruppe in Verruf bringen kann. Nahm sich ein Edler ein solches Recht heraus, war es schlicht eine Vergewaltigung, wie sie ja schon im Nibelungenlied beschrieben wird, wenn der junge Siegfried die Braut seines künftigen Schwagers entjungfert und somit nicht nur symbolisch der Brunichildis die ihr zugesprochenen Kräfte raubt.

Ich zitier mal aus der Zeit vom 4. März 1988
"Irgendwo zwischen dem merkwürdigen Humor der Juristen und dem Schimmel alter Urkunden ist das ins primae noctis angesiedelt, jener wüste Herrenanspruch, der die Töchter der Leibeigenen in deren Hochzeitsnacht in das Bett des jeweiligen Gebietstyrannen ziehen wollte. ...
... , mehrfach taucht das „Recht“ sogar als Körperhälfte auf: „Droit de cuissage“ soll bedeuten, daß der Grundherr ein nacktes Bein in das Bett der Neuvermählten legen dürfe. Ein gewisser Labessade meinte 1878 dazu, es sei seltsam, wie die Herren der Auvergne hätten schlafen können, da das eine Bein nackt und das andere gestiefelt und gespornt gewesen sei. Seltsam viele Geistliche und Prälaten tauchen als Nutznießer des ins primae noctis auf, so wie überhaupt die Umstände immer wieder auf reichhaltige Männerphantasien deuten.
Heute taucht das ins primae noctis in seriösen Wörterbüchern schon gar nicht mehr auf. Doch nun macht ihm eine umfängliche Untersuchung vollends den Garaus. Der Studiendirektor und Historiker Wilhelm Schmidt-Bleibtreu hat das schwierige Werk unternommen, von einem Nichts nachzuweisen, daß es wirklich ein Phantom war, ein phantastisches Gebilde jener, die zwischen ihren verstaubten Akten ein Quentchen Lüsternheit suchten.
Da es ungemein schwierig ist zu belegen, daß es etwas nicht gab, hat der fleißige Studiendirektor alles an Literatur abgeklappert, was je über das ius primae noctis geschrieben wurde, und das ist nicht wenig. 28 eng bedruckte Seiten füllt die Bibliographie zu diesem Thema in Schmidt-Bleibtreus Buch („Jus Primae Noctis, Herrenrecht der ersten Nacht“, Ludwig Röhrscheid Verlag, Bonn 1988, 28 Mark). Es sind berühmte Namen unter den Hunderten von Autoren, aber, wir ahnten es schon: keine einzige Frau.
Schmidt-Bleibtreu drehte also die gesamte jahrhundertealte internationale Literatur durch den Wolf seiner Skepsis. Dabei hatte er viele zweifelnde Bundesgenossen, zum Beispiel den Rechtshistoriker Karl Schmidt, der das „Recht“ bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Abrede stellte. Schmidt-Bleibtreu wühlte sich durch weit mehr Akten, Berichte, Mythen. Der „Hauptbeweis“ sollte ein gewisses Urteil des Groß-Seneschalls der Guyenne aus dem Jahr 1302 sein, in Aquitanisch abgefaßt und 1812 von einem M. de Saint-Amans veröffentlicht. Er verdanke die Auffindung einem glücklichen Zufall. Das Urteil spricht einem klagenden Grundherrn das Recht „de premici et de deflorement“ gegen eine Braut zu, die sich mit ihrem Bräutigam gegen „Vorkost und Defloration“ gewehrt habe. Der Kläger habe beide erstmal eingesperrt und dann geklagt, und das Gericht habe ihm recht gegeben. Der Bräutigam habe dabei sogar noch „in näher bezeichneter Weise“ helfen müssen.
Doch das Datum der „Urkunde“ stimmte nicht mit dem angegebenen Wochentag überein, die Namen der Herrscher waren inkorrekt, die vorhandenen echten Regierungsakten aus dieser Zeit erwähnten die (gewiß wichtige) Entscheidung nicht, es gab keine Abschriften, statt ihrer aber sprachliche Ungereimtheiten in dem „Dokument“, kurz, Schmidt-Bleibtreu tat es wie kritische Geister zuvor als Fälschung ab. Auf diese Weise bricht im Buch das ganze Phantomgebäude nach und nach zusammen. Der letzte Satz des Buches zitiert den Briten Howarth: „,We can be tolerably sure that the droit du seigneur never did exist‘. Diese Feststellung ist richtig.“ Hanno Kühner"
Phantom der Juristen, https://www.zeit.de/1988/10/phantom-der-juristen

Tschüss

Friedel
 
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Friedrichard,

hallo Friedel,
ich hatte das im Vorfeld so ähnlich bei Wikipedia gelesen. Es gibt keine belastbaren Beweise für das Jus Primae Noctis. Allerdings kann auch nicht final ausgeschlossen werden, dass es Fälle dieser Art gab. Und da ich es als starkes Motiv für meine KG brauchte, habe ich mich - dreist wie ich bin - darüber hinweggesetzt und es als zumindest möglich angenommen. Also Asche auf mein Haupt, wissenschaftlich gesehen ist es nicht sauber, da gebe ich dir recht, aber als Trigger-Motiv war es sehr reizvoll. Dennoch habe ich es jetzt umgeschrieben:

Will nicht mehr bleiben auf dieser Welt, die für mich ausgehöhlt ist und kalt, seit sie mir die Liebste genommen haben.

Danke für deinen Komm, ist besser so in der geänderten Fassung.

Peace, linktofink
 
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Hola demaskierter@linktofink,

Du bist ja sagenhaft produktiv, schlüpfst in verschiedene Gewänder, schlägst Dich aber jedes Mal tapfer. Viele – auch ich – haben sich ziemlich schnell an Deinen Stil gewöhnt, da ist es einfach, bei Deinem Nick zu nicken oder den Kopf zu schütteln.
Ich nicke, und was ich toll finde, ist Deine Vielseitigkeit. Ich werde Donna Leon davon erzählen, die aus Venedig nicht herauskommt.
Die Kommentare vor mir habe ich nicht gelesen, ich lege einfach mal los:
Geboren mit rosiger Unschuld und hinaufgestiegen in den Himmel, nur, um mit versengten Flügeln abzustürzen.
Die Sonne stürzt mit versengten Flügeln ab, hm. Wie ist das möglich?
Die hat sie sich wohl selbst versengt, aber das wäre ja Selbstverstümmelung. Oder gibt’s noch anderes Feuer am Himmelsgewölbe?
Ich höre Getrappel und Dreckklumpen, die auf fauliges Wasser prasseln.
Es hakelt, Dreckklumpen kann ich nicht hören. Wäre es nicht besser, zu schreiben:
Ich höre Getrappel, Dreckklumpen prasseln auf fauliges Wasser?
... holen sie einen Moment aus der trüben Schwärze, bevor sie sie zurücksinken lassen in den schlammigen Orkus.
Das doppelte ‚sie’ muss nicht sein: ... bevor sie zurücksinken in den schlammigen Orkus.
Ihn, den Rächer aus dem Marschland, in dem sich die Erinnerung so taufrisch windet.
Das Fette empfinde ich als zu gedrechselt.
mich hinein zu betten
mich hineinzubetten
... der dort liegt, sondern einer der Ihren.
Sinnlos, der Rauch verdeckt mehr, als das Feuer zeigt.
Fabelhaft.
Geschändet von der ansehnlichen Hülle des Landvogts, ...
Das würde ich überdenken. Selbstverständlich weiß man, dass der Unhold ein ziemlicher Brocken sein muss, aber dass eine Hülle schändet? Doch wohl eher der Vogt in höchsteigener Person.
Von hier an höre ich auf mit der Erbsenzählerei, denn jetzt geht die Post ab. Du erhöhst das Tempo, das Bild wird klar, und nach anfänglichen Unklarheiten ist das Objektiv scharf eingestellt. Du knallst die richtigen Wörter hinein, der Leser verspürt diese herrliche Genugtuung, wenn’s dem Strolch heimgezahlt wird. Ja, Lesen mit Emotionen – es gibt nur wenige Autoren, die das bieten (können).

Lieber linktofink, bei diesem Text treffen die zwei Grundzutaten einer guten Geschichte aufeinander: Ein Autor, der schreiben kann und ein Plot, der wirklich gut ist.
Für mich ist das ein Leseerlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.
Ich hoffe, Du bist mit meinem ‚Befund’ zufrieden.

José
 

AWM

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linktofink eines vorweg: Dein Text hat mir sehr gut gefallen! Bisschen Rambo.
Hier ein paar Anmerkungen, die ich habe. Einige davon ziemlich pedantisch:
Mir gefällt der Stil sehr gut und es spricht für dich als Autor, dass du der anspruchsvollen Sprache jederzeit gerecht wirst. Manchmal übertreibst du es aber trotzdem mit den Adjektiven. Beispiel:
Fackeln tunken sandige Grasinseln in flackerndes Licht, holen sie einen Moment aus der trüben Schwärze, bevor sie sie zurücksinken lassen in den schlammigen Orkus.
Hier könnte trübe weg. Ich finde also, du könntest eine sehr behutsame Kürzung einiger Adjektive vornehmen, ohne dass das deinem poetischen Stil Abbruch tun würde.
Ich stelle mir vor, ihre Nachkommen wären ebenso verdorben wie ich. Durch mein bitteres Lächeln spannt der angetrocknete Schlamm auf meinen Wangen
Die Stelle finde ich nicht gut. Stechmücken haben keinen Charakter und können daher nicht verdorben sein. Das ist dir und auch deinem Protagonisten klar. Das Problem ist aber, dass ich deinem Protagonisten so einen "Quatschgedanken" in dieser Situation, die vollen Fokus erfordert, nicht abnehme.
Du überstrapazierst das Wort scharf ein wenig: Scharfes Gerassel, scharfe Rufe, kalte Schärfe etc.
Auf dem Rücken der Pferde explodieren rote Funken,
Die roten Funken sind die Folge der Explosionen, explodieren aber nicht selbst.
Die Luft ist geschwängert mit Schwarzpulver, Fäule und Angst.
Mit Angst geschwängerte Luft ist bisschen ausgelutscht.
Erneute Feuerküsse strecken mich nieder, lassen den groben Stoff aufplatzen und Dreck herausrinnen.
Hier fällst du ein wenig aus der Perspektive. Würde er in der Situation, kniend, die Arme ausgestreckt, beobachten wie der Stoff seiner Kleidung aufplatzt und wie Dreck herausrinnt. Ich denke nicht. Da steht mir der Erzähler zu "außen".
Insegsamt aber ein absolut gelungener Text.
Gruß!
 
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Hey linktofink,

ich versuche hier zwischendurch immer mal Geschichten zu lesen, die ich normalerweise eher nicht lesen würde, weil das Genre mir nicht so zusagt. Dich trifft das jetzt leider schon das zweite Mal ... sorry :(
Aber daher ist es ja auch relativ was ich dir jetzt schreibe ... :)

Die Beschreibungen sind mir viel zu viel ... ich mag das lieber schlicht mit wenigen treffenden Adjektiven. Ich las den ersten Absatz und zwinge mich weiterzulesen ... versuch einen Bezug zu finden, klappt leider nicht. Wenn da wenigstens ein klein bisschen Glitzer im Moor wäre oder so ... naja, ich habe es bis zum Ende geschafft, die Liebste gab mir Hoffnung.

Mir ist auch die Handlung zu wenig und das ist so trostlos, da glaub selbst ich nicht an die glückliche Wendung ... ;'(

Naja, aber ich glaub das liegt an mir, nicht an dir ...

Liebe Grüße
Charly
 
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josefelipe,

Ich zäume das Pferd von hinten auf:
Lieber linktofink, bei diesem Text treffen die zwei Grundzutaten einer guten Geschichte aufeinander: Ein Autor, der schreiben kann und ein Plot, der wirklich gut ist.
Für mich ist das ein Leseerlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.
Ich hoffe, Du bist mit meinem ‚Befund’ zufrieden.
Dr. Jose, mit deinem Befund bin ich höchst einverstanden, auch wenn manch anderer Facharzt/-in Adjektivdurchfall oder ausufernde Assoziationsschwemme diagnostiziert. Aber neben den Kopfschüttlern gibt es halt auch die, denen es gefällt, die gerne nicken, weil es sie anspricht. Dass du offensichtlich einer von diesen bist, freut mich sehr.

Zu deinen Anmerkungen:
Die Sonne stürzt mit versengten Flügeln ab, hm. Wie ist das möglich?
Die hat sie sich wohl selbst versengt, aber das wäre ja Selbstverstümmelung. Oder gibt’s noch anderes Feuer am Himmelsgewölbe?
Mir ging es darum einen Zyklus zu beschreiben, Aufstieg und Niedergang. Und kurz bevor die Sonne unten ist, dehnt sich ihr Rot oft in die Breite und mit viel Wohlwollen (:lol:) kann man an rote Flügel denken, die sich auf die Erde legen. Aber wenn du sagst: Alles Quatsch, bin ich auch nicht böse. ;)

Ich höre Getrappel und Dreckklumpen, die auf fauliges Wasser prasseln.
Es hakelt, Dreckklumpen kann ich nicht hören. Wäre es nicht besser, zu schreiben:
Ich höre Getrappel, Dreckklumpen prasseln auf fauliges Wasser?
Yes, geändert.

... holen sie einen Moment aus der trüben Schwärze, bevor sie sie zurücksinken lassen in den schlammigen Orkus.
Das doppelte ‚sie’ muss nicht sein: ... bevor sie zurücksinken in den schlammigen Orkus.
dito

Ihn, den Rächer aus dem Marschland, in dem sich die Erinnerung so taufrisch windet.
Dieses Darling zu killen, fällt mir schwer, weil es als Essenz nach einer Streichorgie übrig blieb ...

Geschändet von der ansehnlichen Hülle des Landvogts, ...
Das würde ich überdenken. Selbstverständlich weiß man, dass der Unhold ein ziemlicher Brocken sein muss, aber dass eine Hülle schändet? Doch wohl eher der Vogt in höchsteigener Person.
Für mich ist der Typ Fassade (wie ein Prunkschloss), hinter der sich nur Geld, Macht und Verdorbenheit finden lassen. Das wollte ich so kundtun.
Da das jedoch schon von jemand anders bemerkt wurde, muss ich mal schauen, ob mir was besseres einfällt.

Danke für deinen Besuch, beim nächsten Mal gibt's Kuchen.

Peace, linktofink
 
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Krawehl, krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain
trübtauber Hain am Musenginst
Krawehl, krawehl!

Sorry, leicht off topic, aber Loriots Dichterlesung fällt mir immer als erstes zum Wort „Dunst“ ein … :D

Seid gegrüßt, linktofink, oh sprachgewaltiger Meister!
- so etwas Profanes wie Hallo oder Hi brächte ich jetzt beim besten Willen nicht heraus … -

ich stelle mir vor, wie du vor der Tastatur gesessen hast, mit wirr flackerndem Blick, und dann wie wild losgelegt! Mit beiden Händen, dass die Farbe spratzt, die Wörter nur so durch die Luft wirbeln! Huiii!
Im Großen und Ganzen ist dir dein Opus gut gelungen. Nur an einigen wenigen Stellen isses mir zu viel oder zu schräg, zu überkandidelt.

Vereinzelt schlagen Vorderhufe in finsteren Morast

Hier tätens vielleicht auch einfach nur Hufe. Andernfalls fange ich an zu grübeln, was mit den hinteren Hufen los ist. Schweben die überm Moor, oder wat?

Habe jetzt einen blauen, stählernen Zahn mehr.

Das verstehe ich, glaube ich, nicht.

Auf dem Rücken der Pferde explodieren rote Funken

Auch das nicht so ganz. :shy:

Will nicht mehr bleiben auf dieser Welt, die für mich ausgehöhlt ist und kalt, seit sie mir die Liebste genommen haben. Geschändet von der ansehnlichen Hülle des Landvogts

Das hätte ich vielleicht gerne schon ganz zu Anfang gewusst, als Aufhänger und Motivation. So etwas in der Art fände ich einen gelungenen ersten Satz und als Einstieg viel besser als das holprige und spröde „zahnige Schilf“, bei dem ich mich doch ein wenig überwinden musste, weiterzulesen.

Hab Friedrichards Einwand zum ius primae noctis gelesen. Als feministische Pessimistin kann ich mich nicht so ganz drüber freuen. Diese Form der Gewalt war schon immer sehr verbreitet, auch wenn sie nicht rechtskonform war, so zumindest oft sozial geduldet.

Krieg und Gemetzel. Beides habe ich im Gepäck. Beides werde ich zu ihm tragen.

Yeah! :thumbsup:

Statt Lobenfels hätte es ja auch ein garstigerer Name sein können, irgendwas mit Hart oder so. Ach na ja, so ist es halt schön ironisch, warum nicht? Find ich gut.

Ich kann sie spüren, meine Liebste, sie liegt unter mir. Ich rede tröstend auf sie ein, es dauert nicht mehr lange.

Seufz, schmacht! Davon hätts (vielleicht, nur vielleicht) sogar noch mehr sein dürfen … :herz:

Erneute Feuerküsse strecken mich nieder

Küsse? Really? Das kauf ich nicht.

Schlamm zu Schlamm. Über mir ziehen die Krähen Achten. Das Moor atmet ein, heißt mich willkommen. Ich sinke hinein, werde eins, alles ist an seinem Platz. Die letzte Nacht ist angebrochen.

Schönes Ende. Ich hoffe, du entführst mich zukünftig noch in weitere wilde Landschaften und erhabene Gefühle. Lass es krachen! ;)

Beste Grüße
Anne
 
Wortkrieger-Team
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Hallo AWM,

Mir gefällt der Stil sehr gut und es spricht für dich als Autor, dass du der anspruchsvollen Sprache jederzeit gerecht wirst. Manchmal übertreibst du es aber trotzdem mit den Adjektiven. (…) Ich finde also, du könntest eine sehr behutsame Kürzung einiger Adjektive vornehmen, ohne dass das deinem poetischen Stil Abbruch tun würde.
#Ich setz mich am WE an den Final Cut. Vielleicht kann ich einige Adjektive opfern. Danke für deinen Hinweis. Danke für dein Lob. Alles wird gehört.

Ich stelle mir vor, ihre Nachkommen wären ebenso verdorben wie ich. Durch mein bitteres Lächeln spannt der angetrocknete Schlamm auf meinen Wangen.
Die Stelle finde ich nicht gut. Stechmücken haben keinen Charakter und können daher nicht verdorben sein. Das ist dir und auch deinem Protagonisten klar. Das Problem ist aber, dass ich deinem Protagonisten so einen "Quatschgedanken" in dieser Situation, die vollen Fokus erfordert, nicht abnehme.
#Ich stelle mir das so vor: Er wird durch das Summen der Mücke abgelenkt, merkt, wie sie auf seiner Stirn landet, für einen Moment driften die Gedanken ab, er verzieht das Gesicht zu einem bitteren Lächeln und wird beinahe von dem Vasallen und seiner Sense überrascht. Ich brauche diesen kleinen Spannungsabfall für die anschließende Attacke aus dem Nichts.

Auf dem Rücken der Pferde explodieren rote Funken,
Die roten Funken sind die Folge der Explosionen, explodieren aber nicht selbst.
#Mündungsfeuer.

Die Luft ist geschwängert mit Schwarzpulver, Fäule und Angst.
Mit Angst geschwängerte Luft ist bisschen ausgelutscht.
#Ist geändert zu gesättigt, was etwas neutraler klingt, gell?

Erneute Feuerküsse strecken mich nieder, lassen den groben Stoff aufplatzen und Dreck herausrinnen.
Hier fällst du ein wenig aus der Perspektive. Würde er in der Situation, kniend, die Arme ausgestreckt, beobachten wie der Stoff seiner Kleidung aufplatzt und wie Dreck herausrinnt. Ich denke nicht. Da steht mir der Erzähler zu "außen".
#Dafür müsste er nur den Blick auf seine Brust senken. Abgesehen davon spürt er die Einschläge und weiß, was passiert, der Rest ist Imagination.

Vielen Dank für deine positive Rückmeldung zu Stil und Sprache, es freut mich, dass du den Text im Großen und Ganzen gelungen findest.

Peace, Linktofink



Hallo Charly1406,

Wenn du schreibst:
Ich versuche hier zwischendurch immer mal Geschichten zu lesen, die ich normalerweise eher nicht lesen würde, weil das Genre mir nicht so zusagt. Dich trifft das jetzt leider schon das zweite Mal ... sorry
Aber daher ist es ja auch relativ was ich dir jetzt schreibe ...
#kann ich nur sagen: Geht mir auch so. Ich lese z.B. wenig Kindergeschichten und Märchen, weil das gerade nicht so meins ist.

Die Beschreibungen sind mir viel zu viel ... ich mag das lieber schlicht mit wenigen treffenden Adjektiven. Ich las den ersten Absatz und zwinge mich weiterzulesen ... versuch einen Bezug zu finden, klappt leider nicht. Wenn da wenigstens ein klein bisschen Glitzer im Moor wäre oder so ... naja, ich habe es bis zum Ende geschafft, die Liebste gab mir Hoffnung.
#Es gibt in der Geschichte keine Hoffnung, nur den Wunsch nach Erlösung durch Rache und den Trost der baldigen Vereinigung im Tod. Und so soll es auch sein.

Mir ist auch die Handlung zu wenig und das ist so trostlos, da glaub selbst ich nicht an die glückliche Wendung ... ;'(
#Nope, sorry, Happy Ends waren vergriffen (wie in den allermeisten meiner Stories).

Trotzdem vielen Dank für dein Statement, für mich ist das kein Problem, wenn die Story nicht deins ist.
Schön, dass du wieder an Bord bist.

Peace, linktofink
 
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Hab @Friedrichards Einwand zum ius primae noctis gelesen. Als feministische Pessimistin kann ich mich nicht so ganz drüber freuen. Diese Form der Gewalt war schon immer sehr verbreitet, auch wenn sie nicht rechtskonform war, so zumindest oft sozial geduldet.

Recht hastu,

liebe Anne49 -
Vergewaltigungen hat es immer gegeben und wenn's durch den eigenen "Gerichtsherrn" (ob niederen oder höheren Adels) geschieht, hätte die Schriftform auch nix verhindern können. Aber,

hallo, linktofink,

da bin ich nochenemal - dass auch wenigstens einer der bekanntesten Universalhistoriker teutscher Zunge mit dem (historischen) Gerücht des "Rechtes der ersten Nacht" nicht nur spielte, kann man aus der folgenden, einleitenden Szene des "Wilhelm Tell" erlesen.

Unbestritten ist dabei, dass "gräfliche"* Willkür den Zusammenschluss der Urkantone bewirkte. Der "Bundesbrief" von 1291(?) liest sich geradezu alttestamentrisch wie ein Ausschnitt aus der Zeit der Richter ... Da mussten zwölf Stämme zusammengehalten werden ... Der "Landvogt" hingegen taucht in der Schweiz erst im15. Jh. auf.

"[...]
Werni: Ihr seid mit Blut befleckt, was hat's gegeben? / Baumgarten: Des Kaisers Burgvogt, der auf dem Rossberg sass – / Kuoni: Der Wolfenschiessen! Lässt Euch der verfolgen? /
Baumgarten
: Der schadet nicht mehr, ich hab ihn erschlagen.

Alle fahren zurück: Gott sei Euch gnädig! Was habt Ihr getan?
Baumgarten:
Was jeder freie Mann an meinem Platz!
Mein gutes Hausrecht hab ich ausgeübt
Am Schänder meiner Ehr und meines Weibes.​
Kuoni: Hat Euch der Burgvogt an der Ehr geschädigt?
Baumgarten:Dass er sein bös Gelüsten nicht vollbracht,
Hat Gott und meine gute Axt verhütet.
Werni: Ihr habt ihm mit der Axt den Kopf zerspalten? / Kuoni: O lasst uns alles hören. ...." aus: Schiller, Wilhelm Tell, I. Akt, 1, Szene.
Ich breche hier ab, denn der Herr wollte doch "nur baden".

Tschüss

Friedel

*Ein "Graf", nur zur kurzen Information, verwaltete in höheradeligem Auftrage "Gaue" (von denen der Name "Gauland" abgeleitet ist - und der Herr G. hat ja was gräfliches an sich, wenn er sein [er hat schon den Pluralis Majestatis drauf und sagt] "Unser" Land zurückholen will).

Nachtrag: Jetzt lassen schon Zufall und Formatierung mein Geschreibsel zur Satire werden ...
Ich trage halt ein schweres Los!, denn aus derBiografie des Olympiers weiß ich ja, dass die jungen Leute zu Weimar zumindest über die Glocke lachten.
 
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Liebe Anne49,

ich stelle mir vor, wie du vor der Tastatur gesessen hast, mit wirr flackerndem Blick, und dann wie wild losgelegt! Mit beiden Händen, dass die Farbe spratzt, die Wörter nur so durch die Luft wirbeln! Huiii!
#Ja, meine Liebe, ich gebe es zu, der Qualm von tausend Kerzen verrußte mein Schreibgemach, im Hintergrund jubilierte eine Orgel im orgiastischen Stakkato Melodeien aus Tausend und einer Nacht, während mein buckliger Hausdiener die Blasebälge trat, um meine Tastenschöpfung mit dem nötigen Spirit zu versehen und den taubtrüben Ginst am Musenhain hinfort zu blasen ...

Zu den profanen Dingen des Lebens:

Vereinzelt schlagen Vorderhufe in finsteren Morast
Hier tätens vielleicht auch einfach nur Hufe. Andernfalls fange ich an zu grübeln, was mit den hinteren Hufen los ist. Schweben die überm Moor, oder wat?
#Ne du, auf den Hinterläufen steht ja das Tier und trippelt nervös mit den Vorderhufen, wenn es mit allen Vieren tippeln würde, fällt es irgendwann um - es sei denn, Isabell Werth sitzt im Sattel. :lol:

Habe jetzt einen blauen, stählernen Zahn mehr.
Das verstehe ich, glaube ich, nicht.
#Er klaut ihm die Sense, deshalb auch im nächsten Satz: "Einen gierigen Hauer aus kalter Schärfe mit zwei Griffen." ;)

Will nicht mehr bleiben auf dieser Welt, die für mich ausgehöhlt ist und kalt, seit sie mir die Liebste genommen haben. Geschändet von der ansehnlichen Hülle des Landvogts
Das hätte ich vielleicht gerne schon ganz zu Anfang gewusst, als Aufhänger und Motivation. So etwas in der Art fände ich einen gelungenen ersten Satz und als Einstieg viel besser als das holprige und spröde „zahnige Schilf“, bei dem ich mich doch ein wenig überwinden musste, weiterzulesen.
#Hmm, ich hab die Infos lieber als Brosamen, die ich einsammeln muss, statt vom Silbertablett, vielleicht ist das ein Fehler, denn zanken möchte ich niemanden ...

Hab @Friedrichards Einwand zum ius primae noctis gelesen. Als feministische Pessimistin kann ich mich nicht so ganz drüber freuen. Diese Form der Gewalt war schon immer sehr verbreitet, auch wenn sie nicht rechtskonform war, so zumindest oft sozial geduldet.
#Jo, wie gesagt, fand ich das Motiv der "ersten Nacht" auch sehr stark und habe es wider besseren Wissens genommen. Nur, wenn es dazu führt, dass die Story unglaubwürdig wird, lass ich es doch besser draußen, oder?

Statt Lobenfels hätte es ja auch ein garstigerer Name sein können, irgendwas mit Hart oder so. Ach na ja, so ist es halt schön ironisch, warum nicht? Find ich gut.
#Jo, was so wohl klingt, weckt mein Misstrauen.

Erneute Feuerküsse strecken mich nieder Küsse? Really? Das kauf ich nicht.
#Das resultiert aus der ersten Erwähnung: Auf dem Rücken der Pferde explodieren rote Funken, schicken ihre bleiernen Grüße wie zynische Handküsse herüber. Quasi als Kurzform - oder ist das blöd?

Schönes Ende. Ich hoffe, du entführst mich zukünftig noch in weitere wilde Landschaften und erhabene Gefühle. Lass es krachen!
#Garantiert, für brav bin ich nicht zu haben. Ich kann es hören: Durch die Pfeifen zieht der Wind. Die nächsten Kerzen brennen schon, Viktor schlurft wieder zu den Blasebälgen. Sein gebückter Blick verrät mir: Er hasst mich und das ist gut so.

Peace, linktofink
 

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