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Jörn

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Jörn

Jörns Zuhause war eine Parkbank. Sie stand auf einer kleinen Anhöhe vor dem Elbstrand. Es war der Strand, an dem er als kleiner Junge im Sand buddelte, Burgen baute und Drachen steigen ließ und später, als er ein Jugendlicher war, mit Freunden grillte, Bier trank und das erste Mal ein Mädchen küsste, und es war auch der Strand, an dem er, als er ein Mann war, entlang joggte, um den Druck, den Stress abzubauen, der auf ihm lastete, seit er Arzt im Krankenhaus wurde. Einen Hund hatte er nicht. Er wollte keine Verantwortung mehr für andere Lebewesen tragen, weder für Mensch noch für Tier. Ein Entenpaar besuchte ihn ab und an und leistete ihm Gesellschaft. Aber das empfand er nicht als Last. Es waren Wildtiere, die ohne ihn überleben würden. Er nannte sie Ernie und Bert. Das mit den Namen hätte er sich auch sparen können, sie gehorchten nicht.

Wenn er morgens noch schlief und das Entenpaar hungrig und zu faul war, um Libellen oder Kaulquappen zu jagen oder nach Algen zu tauchen, weckten sie ihn mit lautem Geschnatter. Er fluchte, drohte Schläge an und sagte, dass Entenbrust gegrillt sehr lecker schmecke, die Haut außen schön knusprig und kross und das Fleisch innen schön zart und rosafarben und er drehte sich auf die andere Seite und fluchte weiter. Manchmal quakte er auch wie die Enten, nur lauter und wütender. Aber Ernie und Bert blieben immer vor der Bank stehen und Jörn stand immer auf und schmiss ihnen Brotkrümel zu. Nach dem Frühstück legten sie sich neben seine durchlöcherten Schuhe, vergruben den Schnabel tief im Gefieder und machten ein Nickerchen, bevor sie wieder in die Elbe watschelten und auf den Wellen dahintrieben.

Die Sommer waren leichter zu ertragen als die Winter. Er konnte sich in der Elbe waschen und die Pfandflaschen, die neben den Mülleimern lagen, brachten ein paar Euros ein. An sehr kalten Tagen, wenn seine Finger schon blau angelaufen waren und er vor Kälte und vor Angst zitterte, verfluchte er den Tag an dem es geschah. Der Chefarzt sagte damals, es sei nicht Jörns Schuld gewesen, der Patient sei gestorben, weil eine Krankenschwester die Spritzen vertauscht habe, er solle sich erholen, Urlaub nehmen, einen Therapeuten aufsuchen, aber das tat er nicht. Vielleicht hätte ihn eine Familie retten können, eine Frau und Kinder, die ihn liebten, meist nur in den Wahnsinn trieben, die Hunger hatten und versorgt werden mussten. Aber er war Single. Nichts und niemand hielt ihn.

Überall sah er die Frau des Patienten, sie kassierte bei REWE, saß beim Verlassen des Supermarktes bereits auf dem Bürgersteig, ein Pappbecher stand vor ihr, sie schrie ihn an, er habe ihren Mann getötet, den Vater ihrer Kinder. Nachts konnte er nicht schlafen und wenn träumte er von ihr. Es waren immer Alpträume. Sie verfolgen ihn bis heute.
 
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Hi @Aurelia,

ich mache den Kommentar mal lang und schmerzhaft. Das wird sich alles furchtbar hart anhören, aber bitte denk daran, dass es nicht persönlich gemeint ist.
Die Geschichte ist plump, stereotyp, einfallslos. Thema (Schuld, Flucht, Verfolgung (im Sinne des "hauntings")) und Prämisse (Arzt macht Operationsfehler, sieht sich als Schuldigen, fällt aus dem Leben heraus) sind altbekannt. Wenn du damit arbeiten willst, musst du an anderen Stellen (Stil, Narration, Form) Innovation bieten. Das machst du hier nicht. Und auch das Thema an sich ist mMn. nicht sauber herausgearbeitet.
Überall sah er die Frau des Patienten, sie kassierte bei REWE, saß beim Verlassen des Supermarktes bereits auf dem Bürgersteig, ein Pappbecher stand vor ihr, sie schrie ihn an, er habe ihren Mann getötet, den Vater ihrer Kinder. Nachts konnte er nicht schlafen und wenn träumte er von ihr. Es waren immer Alpträume. Sie verfolgen ihn bis Heute.
Hier erzählst du die ganze Geschichte. Den eigentlich interessanten Teil jedenfalls. Aber dann lass ihn die Frau doch wirklich sehen. Lass sie ihm die Bank versperren, im Wasser schwimmen, die Enten füttern, den Sand umgraben, das Reinigungsfahrzeug steuern, lass sie ihre Kinder an ihm vorbeiziehen, lass sie auf ihn zeigen und lachen, lass sie weinen, lass sie mit einem Mann unter den Bäumen knutschen, vorbeijoggen, sich vor ihm eine durchgefeierte Nacht aus den Eingeweiden kotzen, lass sie wüten, weinen, brüllen, lass sie bitten, betteln, knien und stehen, Beichte verweigern, Sühne abschlagen. ER SIEHT SIE DOCH ÜBERALL! Warum schreibst du dann von Enten??? Wenn dann sollten die Viecher eher ein Vehikel sein, um seine vorherige Tätigkeit SUBTIL einzubringen. Er ist ein Arzt, Chirurg scheinbar. Dann lass ihn einen Flügel schienen, oder ihnen nicht nur damit drohen, sie zu braten, sondern sie nach allen Regeln der Kunst (die er doch kennen sollte) zu zerlegen, zu sezieren, ihnen ihre verdammten Eingeweide um die Schnäbel zu binden, wenn sie nicht augenblicklich die gottverdammte Schnauze halten.
Kurz: Dein Thema ist psychologisch, dein Text oberflächlich. Das kannst du 100% besser, da bin ich mir sicher.

Ich freue mich auf die überarbeitete Version.

LG
Sisorus

P.S.: Die Zeiten stimmen auch hinten und vorne nicht, glaube ich. Das ist aber kein Problem, wenn du meinen Rat befolgst und das ganze Ding neu schreibst.
P.P.S.: Ich wünsche mir eine Welt voller Kittelweiß, Sterilgrün, Blutrot, gestärktem Stoff. Ich will das Metronom eines Beatmungsgeräts hören, eilige Schritte auf Kunststoffböden, die Hilflosigkeit Angehöriger. Jörn will davor fliehen, aber kann es nicht. Warum bleibt es uns dann erspart?
 
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Hi @Aurelia ,

ich habe mal deine vorherige Geschichte gelesen, dort lässt du den Leser durch Dialoge und Handlung am Geschehen teilhaben, auch wenn es nur eine Szene ist.

Also warum nun dieser Rückschritt zu einem nacherzählenden und telligen Text? Alleine durch diese Erzählart wirst du m.E. niemanden begeistern, und der eher langweilige Inhalt macht es leider nicht besser. Du erzeugst keine Spannung und kein Interesse am Protagonisten.

Da musst du auch mMn nochmal grundsätzlich ran, die Geschichte rettest du nicht durch kleinere Anpassungen.

Viele Grüße,
Rob
 
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Hi @Aurelia

Ja, Mensch: Ich finde es erstaunlich, wie viele Informationen über Deinen Prot Du in sehr wenig Text verpacken kannst. Ich bin mir sicher, Du hast Dir viele Gedanken gemacht, um diese lange, tragische Geschichte auch wirklich knackig zu verpacken.

Der Punkt ist natürlich, dass diese Knackigkeit gerade dadurch erreicht wird, dass viele Szenen nur anskizziert oder sogar vertellt werden. Und ich möchte mich da @Sisorus anschließen: Im Prinzip verfehlst Du auch in meinen Augen den zentralen Punkt. Das zentrale Setting (von "Szene" möchte ich eigentlich nicht schreiben), der Ort, an dem wir in dieser Geschichte die meiste Zeit verbringen, ist die Parkbank am Strand mit den Enten. Das ist ja aber eigentlich nicht der zentrale Punkt, den Du machen möchtest (denke ich).

Ich denke, es gibt ja hier zwei Möglichkeiten, was Du wolltest: 1) Den Alltag eines Obdachlosen zeigen. Dann ist das schon fast i.O., ich frage mich bloß, wozu noch das Fass mit der Frau aufmachen? In diesem Falle solltest Du vielleicht eher wirklich mehr auf Alltag eingehen: Wie schützt er sich vor Kälte? Mit wem verbringt er Zeit, wenn nicht mit Ernie und Bert? 2) Erzählen, wie der Prot auf diese Parkbank gekommen ist. In diesem Falle ist die Frau natürlich zentral. Und nicht Ernie und Bert. Dann würde ich an Deiner Stelle den Fokus eher ganz anders setzen. Dann sollten wir den größten Teil der Geschichte in einer anderen Szenerie verbringen.

Eine Sache habe ich nicht verstanden. Und, so wie ich sie dann verstanden habe, Dir nicht abgekauft:

Überall sah er die Frau des Patienten, sie kassierte bei REWE, saß beim Verlassen des Supermarktes bereits auf dem Bürgersteig, ein Pappbecher stand vor ihr, sie schrie ihn an, er habe ihren Mann getötet, den Vater ihrer Kinder.
Aber Moment ... Während ich meine verwirrten Gedankengänge hier reintippe, klären sich meine Fragen: Okay, er sieht die Frau, überall, in allen möglichen Rollen. Ja, das MUSST Du deutlicher machen. Ich dachte zuerst: Hä, warum muss die Kassiererin zusätzlich betteln? Ist das echt so? Und ist die auch obdachlos? Wie unwahrscheinlich ist es, dass zwei völlig unterschiedliche Personen auf ein- und dasselbe kritische Lebensereignis genau gleich reagieren?

Aber nein, das sind nicht die richtigen Fragen. Die richtige Frage ist: Warum webst Du es nicht in die ganze Geschichte ein, dass er die Frau des Verstorbenen überall sieht? Das kommt ja nur in diesem einen Satz vor.

Kleinigkeiten:

Es war der Strand, an dem er als kleiner Junge im Sand buddelte, Burgen baute und Drachen steigen ließ und später, als er ein Jugendlicher war, mit Freunden grillte, Bier trank, und das erste Mal ein Mädchen küsste und es war auch der Strand, an dem er, als er ein Mann war, entlang joggte, um den Druck, den Stress abzubauen, der auf ihm lastete, seit er Arzt im Krankenhaus geworden ist.
Ich hatte hier sofort den Elbstrand vor Augen, kann mir aber vorstellen, dass es den meisten LeserInnen anders gehen wird. Vielleicht solltest Du das klarmachen, schließlich ist der Elbstrand schon anders als andere Strände. Außerdem: Komma weg vor "und das erste Mädchen küsste", dafür Komma vor "und es war auch der Strand". Und vielleicht besser: "seit er Arzt im Krankenhaus wurde."

Einen Hund hielt er nicht.
Das klingt so, als müsste ich dies eigentlich erwarten. Warum sollte ich? Gestern meinte jemand zu mir: "Wusstest Du, dass nicht alle Flechten eine Symbiose mit Algen eingehen?" Und ich war so: "Warum sollte ich erwarten, dass alle Flechten das tun?" So fühlt sich das mit dem Hund auch an. Ich bin nicht verblüfft, dass er keinen Hund hält (was übrigens auch mega technisch klingt), sondern verblüfft, dass Du mir das mitteilen möchtest. Das geht vielleicht eleganter. Wenn Jörn früher einen Hund gehabt hätte, könntest Du das hier wieder aufgreifen, oder so.

Aber Ernie und Bert blieben immer vor der Bank stehen und Jörn stand immer auf, und schmiss ihnen Brotkrümel zu.
Komma weg vor "und schmiss".

An sehr kalten Tagen, wenn seine Finger schon blau angelaufen waren und er vor Kälte und vor Angst zitterte, verfluchte er den Tag an dem es geschah.
Komma vor "an dem".

Sie verfolgen ihn bis Heute.
"heute" klein.

Das war's erst einmal von mir. Eigentlich steht alles, was ich sagen möchte, im ersten Kommentar, den Du gekriegt hast. Hoffe, ich konnte Dir trotzdem weiterhelfen. Make it work!

Cheers,
Teddy
 
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Hallo @Sisorus,

hab tausend Dank für deinen Kommentar. Jetzt versteh ich besser, woran die Geschichte krankt.

ich mache den Kommentar mal lang und schmerzhaft.
bin Kummer gewöhnt und lang ist immer gut, denn so kann ich nachvollziehen, warum es hier nicht läuft, wie das auf meinem Wunschzettel stand.

Das wird sich alles furchtbar hart anhören, aber bitte denk daran, dass es nicht persönlich gemeint ist.
Pharrell Williams hat mal sinngemäß in einem Interview gesagt, wenn er ins Studio geht, lässt er sein Ego draußen und es ginge nur darum, das Beste aus einem Song herauszuholen. Ich fand, dass sich das nach einem guten Rat angehört hat, nur ist mein Ego blöderweise ganz schön anhänglich :-( Ich flachs nur rum ...

Die Geschichte ist plump, stereotyp, einfallslos. Thema (Schuld, Flucht, Verfolgung (im Sinne des "hauntings")) und Prämisse (Arzt macht Operationsfehler, sieht sich als Schuldigen, fällt aus dem Leben heraus) sind altbekannt. Wenn du damit arbeiten willst, musst du an anderen Stellen (Stil, Narration, Form) Innovation bieten. Das machst du hier nicht.
Ganz ehrlich war mir das nicht so bewusst. Intuitiv hatte ich eher das Gefühl, dass Kunstfehler und ein Prof. Dr. med. eher nicht auf der Straße landet, sondern wenn, dann eher in der Psychiatrie, sofern solche Vorfälle überhaupt bekannt werden. Denn die wenigsten Fälle landen vor Gericht oder in der Presse. Bei meiner Recherche hab ich das zumindest so wahrgenommen, dass Kunstfehler noch immer tabuisiert werden und das macht es für Ärzte, glaube ich, nicht leicht, damit umzugehen. Ich versteh jetzt jedoch, dass ich diesen Aspekt null in der Geschichte thematisiert habe.
Wäre es interessanter über einen Menschen zu schreiben, der alles erreicht hat und dann feststellt, dass er noch immer unglücklich ist und dann selbst wählt auf der Straße, in Höhlen, einem Kloster oä zu leben? Ich habe ein paar Dokus über Menschen gesehen die sich so entschieden haben und fand das super spannend. Aber durch Corona hab ich auch das Gefühl, dass mehr Menschen darüber nachdenken und dass das Thema auch ausgelutscht ist.

Hier erzählst du die ganze Geschichte. Den eigentlich interessanten Teil jedenfalls. Aber dann lass ihn die Frau doch wirklich sehen. Lass sie ihm die Bank versperren, im Wasser schwimmen, die Enten füttern, den Sand umgraben, das Reinigungsfahrzeug steuern, lass sie ihre Kinder an ihm vorbeiziehen, lass sie auf ihn zeigen und lachen, lass sie weinen, lass sie mit einem Mann unter den Bäumen knutschen ....
Danke für die Erklärung. Das ist der springende Punkt. Chronologisch und vom Aufbau macht das keinen Sinn, wie ich das geschrieben hab. Ich finde die Vorschläge von dir super, ganz besonders den hier:

Dann lass ihn einen Flügel schienen, oder ihnen nicht nur damit drohen, sie zu braten, sondern sie nach allen Regeln der Kunst (die er doch kennen sollte) zu zerlegen, zu sezieren, ihnen ihre verdammten Eingeweide um die Schnäbel zu binden, wenn sie nicht augenblicklich die gottverdammte Schnauze halten.
Aber es ist nicht leicht, sich in einen Kopf reinzudenken, der paranoid ist. Ich habe in meinem Umfeld jemanden, der glaubt, abgehört, überwacht, gestalkt uvm zu werden und es ist schwer, sehr schwer zu ertragen.

P.S.: Die Zeiten stimmen auch hinten und vorne nicht, glaube ich. Das ist aber kein Problem, wenn du meinen Rat befolgst und das ganze Ding neu schreibst.
Deinen Rat werde ich befolgen und neu schreiben.

P.P.S.: Ich wünsche mir eine Welt voller Kittelweiß, Sterilgrün, Blutrot, gestärktem Stoff. Ich will das Metronom eines Beatmungsgeräts hören, eilige Schritte auf Kunststoffböden, die Hilflosigkeit Angehöriger. Jörn will davor fliehen, aber kann es nicht. Warum bleibt es uns dann erspart?
Ich befürchte, dass ich dir den Wunsch nicht erfüllen kann, weil ich den Alltag nicht realistisch abbilden könnte und dann werde ich hier (zu recht) mit faulen Tomaten beworfen.

Vielen Dank für deinen lehrreichen Komm.
Aurelia

P.S. Morgen oder spätestens übermorgen antworte ich @Rob F und @TeddyMaria.
 
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Hallo @Rob F,

ich habe mal deine vorherige Geschichte gelesen, dort lässt du den Leser durch Dialoge und Handlung am Geschehen teilhaben, auch wenn es nur eine Szene ist.
das ist ja aufmerksam von dir, dass du meine vorherige Geschichte auch noch gelesen hast. Hab vielen Dank!

Also warum nun dieser Rückschritt zu einem nacherzählenden und telligen Text?
Auch wenn ich zur Minderheit gehöre, ich hab nichts gegen ein wenig "Tell". Aber ich verstehe, dass eine Geschichte nicht ausschließlich darauf basieren kann, um zu gefallen. Der Mix machts wohl.

Du erzeugst keine Spannung und kein Interesse am Protagonisten.
Sisorus sieht das ja auch so wie du und es ist echt ein wenig erschreckend, dass meine Wahrnehmung bzgl. des Protagonisten anders war. Und ich denke jetzt schon länger darüber nach, ob es daran liegt, dass meine Umsetzung nicht gut war oder das zugrunde liegende Bild, das ich von ihm hatte. Im realen Leben drehen sich die Menschen, die ihn das erste Mal auf der Bank sitzen sehen, noch mal um. Das hat mE zwei Gründe: Zum einen ist es die Umgebung (Villenviertel, Elbidylle, er ist der einzige etc) am Bahnhof hätte ihn keiner angesehen und zum anderen sein Verhalten. Er bettelt nicht, ist nicht betrunken, liest Bücher, Zeitungen, ist körperlich und mental noch relativ gut beieinander und viele Menschen, die jeden Morgen an ihm vorlaufen/fahren, grüßen ihn, versorgen ihn mit Brötchen oä und schnacken mit ihm.

Da musst du auch mMn nochmal grundsätzlich ran, die Geschichte rettest du nicht durch kleinere Anpassungen.
Das mag sein, aber ich werde versuchen, sie zu retten oder sie einfach nur ein wenig besser zu machen, als sie vorher war. Kann aber sein, dass ich zuerst versuche, die ältere Geschichte zu überarbeiten, die du angesprochen hast. Die wartet auch noch ...

Vielen Dank und viele Grüße
Aurelia

Liebe @TeddyMaria,

herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. In Gedanken hab ich dich gerade geherzt und am liebsten würd ich mit dir am Elbstrand anstoßen. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag und hoffe, du lässt dich feiern.

Vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist - wie immer - eine Bereicherung und eine riesen Hilfe. Ich bewundere ja immer wieder deine analytischen Fähigkeiten.

Ich bin mir sicher, Du hast Dir viele Gedanken gemacht, um diese lange, tragische Geschichte auch wirklich knackig zu verpacken.
Na, du kennst mich auch nicht erst seit Gestern. Ja, ich hab und mach mir noch immer viele Gedanken, auch wenn die Gedanken den Weg nicht so ganz aufs Papier gefunden haben.

Der Punkt ist natürlich, dass diese Knackigkeit gerade dadurch erreicht wird, dass viele Szenen nur anskizziert oder sogar vertellt werden. Und ich möchte mich da @Sisorus anschließen: Im Prinzip verfehlst Du auch in meinen Augen den zentralen Punkt. Das zentrale Setting (von "Szene" möchte ich eigentlich nicht schreiben), der Ort, an dem wir in dieser Geschichte die meiste Zeit verbringen, ist die Parkbank am Strand mit den Enten. Das ist ja aber eigentlich nicht der zentrale Punkt, den Du machen möchtest (denke ich).
Interessante Rückmeldung, denn ich hatte mir bei dieser Geschichte mal vorgenommen, nicht so "knackig", sprachlich nicht so "einfach und sachlich" zu schreiben, mich nicht bei jedem Satz/Wort/Gedanken zu fragen, ob es kürzer geht, relevant ist etc. Und ich hab seit langem mal wieder einfach nur Spaß am Schreiben gehabt. Aber der Spaß war wohl einseitig und ging auf Kosten des Plots :-( Das ist auch eine Erfahrung und ich bin ganz dankbar dafür, denn es zeigt, dass ich kein "Drauflosschreiber" bin.

Ich denke, es gibt ja hier zwei Möglichkeiten, was Du wolltest: 1) Den Alltag eines Obdachlosen zeigen. Dann ist das schon fast i.O., ich frage mich bloß, wozu noch das Fass mit der Frau aufmachen? In diesem Falle solltest Du vielleicht eher wirklich mehr auf Alltag eingehen: Wie schützt er sich vor Kälte? Mit wem verbringt er Zeit, wenn nicht mit Ernie und Bert? 2) Erzählen, wie der Prot auf diese Parkbank gekommen ist. In diesem Falle ist die Frau natürlich zentral. Und nicht Ernie und Bert. Dann würde ich an Deiner Stelle den Fokus eher ganz anders setzen. Dann sollten wir den größten Teil der Geschichte in einer anderen Szenerie verbringen.
Tolle Zusammenfassung der Möglichkeiten. Stimmt natürlich, was du anführst. Ich zerbrech mir den Kopf.

Aber Moment ... Während ich meine verwirrten Gedankengänge hier reintippe, klären sich meine Fragen: Okay, er sieht die Frau, überall, in allen möglichen Rollen. Ja, das MUSST Du deutlicher machen. Ich dachte zuerst: Hä, warum muss die Kassiererin zusätzlich betteln? Ist das echt so? Und ist die auch obdachlos? Wie unwahrscheinlich ist es, dass zwei völlig unterschiedliche Personen auf ein- und dasselbe kritische Lebensereignis genau gleich reagieren?

Aber nein, das sind nicht die richtigen Fragen. Die richtige Frage ist: Warum webst Du es nicht in die ganze Geschichte ein, dass er die Frau des Verstorbenen überall sieht? Das kommt ja nur in diesem einen Satz vor.
Ich versteh, dass ich das verkehrt aufgebaut habe und die Gewichtung nicht korrekt ist. Hatte erst noch gedacht, dass es sein kann, dass die Schuldgefühle und die daraus resultierende Paranoia nicht zwangsläufig permanent da ist, aber das hätt ich auch anders darstellen müssen.

Ich hatte hier sofort den Elbstrand vor Augen, kann mir aber vorstellen, dass es den meisten LeserInnen anders gehen wird. Vielleicht solltest Du das klarmachen, schließlich ist der Elbstrand schon anders als andere Strände.
Das ist ein guter Punkt. Ja, das hab ich völlig vernachlässigt. Ich hab jetzt Elbstrand ergänzt und mir ist auch bewusst geworden, dass ich viel vor meinem geistigen Auge sah und vorausgesetzt hab, dass alle anderen das auch so sehen. Bei meiner Überarbeitung werde ich genauer beschreiben, warum es ungewöhlich ist, dass sich an diesem Ort ein Obdachloser befindet (ich hab das eben Rob F versucht zu erklären, warum der Anblick auf den ersten Blick verstörend ist) und nicht in das Bild passt.

Das klingt so, als müsste ich dies eigentlich erwarten. Warum sollte ich? Gestern meinte jemand zu mir: "Wusstest Du, dass nicht alle Flechten eine Symbiose mit Algen eingehen?" Und ich war so: "Warum sollte ich erwarten, dass alle Flechten das tun?" So fühlt sich das mit dem Hund auch an. Ich bin nicht verblüfft, dass er keinen Hund hält (was übrigens auch mega technisch klingt), sondern verblüfft, dass Du mir das mitteilen möchtest. Das geht vielleicht eleganter. Wenn Jörn früher einen Hund gehabt hätte, könntest Du das hier wieder aufgreifen, oder so.
Das war Klischee und es stimmt natürlich, dass nicht alle Obdachlose einen Hund besitzen. Ich hab jetzt auf die Schnelle erst mal "hält" durch "hatte" ersetzt und nehm den Punkt auf die Ü-Liste.

Danke für die Flusenlese. Hab die Fehler korrigiert.

Hoffe, ich konnte Dir trotzdem weiterhelfen.
Natürlich! Du bist immer eine große Hilfe für mich!

Ich werde die tollen Ratschläge und Verbesserungsvorschläge von euch gedanklich hin und her bewegen und mich dann entscheiden, wo die Reise hingehen soll und wie ich hier vllt. doch noch eine rundere Geschichte bastel.

Hab noch mal vielen Dank und genieß deinen Geburtstag.

Lieben Gruß
Aurelia
 

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