"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da"
Hallo Leute,
für alle, die's nicht kapieren, ein kurzer Abriss beider Personen:
Antigone ist die Tochter des Vatermörders Oedipus und der Iokaste, die zugleich Mutter und Gattin des Oedipus ist. A bleibt als einzige ihrem Vater treu und begleitet ihn in die Verbannung, nachdem Mord und Inzest aufgeklärt sind. Als die Söhne Oedipus' ("Sieben gegen Theben" - kennt Ihr den Film "Sieben gegen Chicago?") im Kampf ums Erbe sich gegenseitig umgebracht haben, besteigt ihr Onkel Kreon den Thron von Theben und verbietet, seinen gefallenen Neffen Polynerikers zu bestatten, da er ihn für einen Landesverräter erklärt. A widersetzt sich als einzige diesem Verbot und bedeckt den Bruder mit Erde, was Kreon nicht dulden kann. A wird lebendig eingemauert und erhängt sich. Ihr Tod löst nun wiederum Katastrophen in Kreons Familie aus ...
Das ist im Wesentlichen die ursprüngliche Fassung Sophoklos', der in den folgenden Jahrtausenden Verniedlichungen und damit Verwässerungen (oh, was können die Tränen fließen!) erfuhr. Hervorzuheben sind m. E. Aktualisierungen Anouilhs, Brechts und zuletzt Hochhuths.
Jeann d'Arc (1412 - 1431) war die vielleicht letzte Amazone. Die Welt war einfach nicht auf ein solches junges Mädchen vorbereitet, das quasi auf der Überholsdpur lebte und wahrscheinlich wusste, welches Ende es erwartete. Für Christine de Pisan hatte diese junge Frau Fähigkeiten und die Größe des weiblichen Geschlechts zu beweisen mit Vergleichen zu Judith und der Debora - und dieser früheste europäische Hinweis auf Emanzipation findet sich in einem Preisgedicht auf den neuen König 1429! Christine konnte da nichts vom Ende der Ketzerin wissen. Für Villion galt Jeanne 1461 als die "ungekrönte Königin", was weniger kitschig ist als das Flittchen von unserer "Königin der Herzen" ... Nicht verschwiegen werden darf der Spott Voltaires 300 Jahre später, der aber nicht auf Jeanne, sondern auf den religösen Firlefanz und vor allem den Aberglauben zielte.
Absurd find ich die These Palmer-Whites und Guerins in "Operation Shepherdness" (1961), Jeanne wäre Tochter Königin Isabelles und deren Liebhabers, des Herzogs Karl von Orleans. Sie wäre dann durch die Schwiegermutter Karls VII., eben die zuvor von Are genannte Jolande von Aragon gezielt für "ihre" Mission erzogen worden. Als Indizien gelten den Autoren, dass Jeanne das Wappen Orleans getragen hätte und dass sie der englischen Gefangenschaft in Wirklichkeit entkommen konnte. Statt ihrer wäre ein anderes Mädchen zu Rouen Mai 31 hingerichtet worden, was mich sehr an eine Punch and Judy Show erinnert. Dem entspricht auch der Titel der deutschen Übersetzung dieses Machwerks: "Johanna sagt Euch ewig Lebewohl". Wie wahr! Aber könnten wir das nicht alle mit der entsprechenden Variante des Namens sagen?
Erwähnenswerte Aktualisierungen erfährt der Stoff durch Anouilh (selbst wo er m. E. übertreibt) und Brecht.
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"Und dann ist da diese Hoffnung auf morgen."
Nach dieser kleinen Abhandlung aus dem Internetcafe,
hallo Are,
"Allgemeingültigkeit - und das über das ganze Jahr hindurch, wird ersichtlich, wenn man im ersten Satz nicht schreibt: »lebendig eingemauert«, sondern: »Vous-êtes, vive, entourée de murs clos.« Das heisst, lebendig von geschlossenen Mauern umgeben. Wer denkt da nicht gleich an die Geschlossene Anstalt!", ist m. E. genial und lässt mich gespannt sein auf das, was noch erfolgt durch eine Übersetzung in eine romanische Sprache. Das kann nur Gewinn bringen.
Zu Deinen etymologischen Versuchen:
"Ahd. wan bedeutet leer, mangelhaft (engl. vaning). Wahnwitz (wanwizzi) und Wahnsinn ist etwas ohne Sinn und Verstand.
Wahn (ahd. wân = die Hoffnung, die Erwartung) und wan sind zusammengefallen und haben sich gegenseitig beeinflusst. Wahn wurde zur falschen, eingebildeten Hoffnung. Der alte Wortbestandteil wan wird heute als das etymologisch nicht verwandte "Wahn" wahrgenommen. (aus Wikipedia)"
Bleibt zu ergänzen, dass ahd. "wan" (ich kann hier an der Tastatur die Akzente nicht setzen) auch Meinung und Verdacht bedeuten kann. Schon im Gotischen bedeutet "vans" "mangelnd" und/oder "leer" und es verweist auf die idg. Wurzel (erinnert sei ans lat. "vanus") auch den Stamm der "Wüste" liefert.
Großartig der Hinweis darauf, dass der Begriff des "Morgens" von der täglichen Wirklichkeit abgeleitet ist!
Die Goten - wie überhaupt diese scheinbar primitiven Stämme allesamt, der Ausdruck "Barbaren" zeigte ja, dass sie unrasiert und - sofern sie frei waren - insgesamt "ungeschoren" durch die Gegend tappsten - kannten eigentlich nur die Gegenwart und interessierten sich auch nur aus religiösen Belangen mit der Vergangenheit. I. d. R. kannte man nicht einmal Namen der Großelterngeneration. Die Goten hatten eine sehr vage Vorstellung von dem, wo sie herkamen, und eine noch unbestimmtere, wo's hinging. Angezogen wurden sie nach 375 vom wärmenden Süden, da zogen sie schon mit gelegentlichen "Staats"gründungen seit über 500 Jahren durchs östliche Europa. Da sind die meisten Mitteleuropäer gar nicht so weit weg von.
Wie dem auch sei -
ich dank Dir und allen andern!
Gruß
Friedel