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Kakophonie

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Kakophonie

Kakophonie oder wie heißt die Kunst der Klingeltöner? –
Fassung letzter Hand


"Die Love Parade war keine Naturkatastrophe,
sondern Menschen haben Fehler gemacht."
Rainer Sch.​

Nach Informationen durch gemeinhin wohlinformierte Kreise verweigert ein schuldbeladener Gully jede Aussage zum Unglück vom 24. Juli gegenüber den ermittelnden Beamten.

„When you're alone and life is making
you lonely you can always go
Downtown
…”, dröhnt’s mittags aus dem Radio,
dass Alice gackert’: „Frau Mama,
ich geh weg und du bleibst da!“,
um begeistert hinterm Rattenfänger her zu tänzeln. Freilich pfiff der nicht auf einer Flöte, sondern bediente sich modernen Instrumentariums. Folglich klang seine music auch gänzlich anders als die Musi der Ältern. Gebar diese manch’ liebes Mal feuchte Augen, so ergriff die Musi doch immer die Herzen, während der Rhythmus des Elektrophons in Blut und Bein überging – wie eben bei Missy Alice. Die hatte ihr Gehirn abgeschaltet und folgte innerem Drang. Trippelte hin, tapperte her als irgend ein niedlich tanzender Bär. In Trance, in kleinen Schritten und im Eiermarsch.

Bis s’e gerade jetz’ – has’de nich’ gesehn!? – weg is’.
Einfach weg!
Einfach so.
So einfach?
Und wat is’ dat da?
Ich werd nich’ mehr!
Hat doch wahrhaftig die Kanalisation geöffnet!

Wer zum Teufel mag den Kanaldeckel entfernt haben?
War et der da oder war’n’t die da?
War et die da oder war et dat da? –
Als könnte das Blag allein den Deckel tragen!

„Upwards!“, gaukelts Elektrophon und Petula Clark: „Just listen to the rhythm of the gentle bossa nova / you'll be dancing with 'em too before the night is over happy again / the lights are much brighter there / you can forget all your troubles forget all your cares …”, als Alice bereits abwärts flieht. Saust durch im Hully Gully. Je finstrer es wird, desto greller ihr Schrei. Was Alice als Sendung einer Rohrpost sieht, wirkt bedrohlich. Was sie erfährt, kann ihr nicht gefallen. Sollte niemand gefallen!

Ungleichzeitig krümmen Rücken sich vor Koprolithen. Zahnlose Mäuler betteln, Wärme zu spenden und gerecht zu verteilen. Ein wenig tröstlicher Gedanke des Wärmetodes, der alle gleich träfe, ließe sich nicht dieser und jener lebendige Kadaver einfrieren. Wenn auch niemand davon so recht satt wird, so wird er doch dem Mineralstoffwechsel letztlich wieder zugeführt, spätestens jetzt ein nützlich’ Glied der Gesellschaft, es sei denn, er wäre Koprolith.

„Behaupten Sie immer noch, der Tod wär ein Meister aus Tiutschiulant?!“, bellt das Alphatier, Koprolith eines planetarischen Reviers mit Hierarchien, die den Underdogs umso höher erscheinen müssen, je flacher die Hierarchen sich gäben.
„Historisch gesehn, ja“, antwortet gesenkten Blicks der Gefragte mit eingezogner Rute. „Prinzipiell aber …“
„Wissen Sie überhaupt, welche Schande Sie über unsern Planeten bringen mit Ihrer Todesunfuge?!“, schlägt das Alphatier theatralisch mit einem Donnerwetter in die andre Rede ein.
„Lassen Sie mich bitte ausreden, Euer Hoheit!“, bittet der Gefragte vorsichtig.
„Bitte“, knurrt es drohend zurück und übertrieben freundlich und umso gefährlicher: „Ich bitte doch recht herzlich darum, mein lieber Freund!“
„Historisch gesehn, ja“, hebt der Gebetene an, um anzufügen, „prinzipiell aber birgt jede Gesellschaft dieses Talent, was Sie schon mit dem Konjunktiv irrealis korrekt ausdrücken, Euer Hohlheit. - Man bräucht’s nur zu fordern und zu fördern.“

Also läutet das Gesetz: Ein Ziel habe jeder vor Augen, wenn er gleich blind wäre.
Doch schränkt das gleiche Gesetz ein: Wenngleich jeder sein Ziel vor Augen sehe, erreiche es doch nicht jedermann, wisse doch nicht jeder seinen Ellenbogen zu eignem Nutz’ und Frommen effizient und vor allem effektiv einzusetzen, um den im Wege Stehenden wegzuräumen, was vom Gesetz nicht weiter geläutet oder gar erläutert werden müsse, sollte doch der blödeste Hund einsehen, dass nur immer einer ganz oben ankommen kann, die große Masse aber das Fundament der Pyramide abgibt und in seiner Tragfähigkeit den Sinn ihres Daseins findet.

Da ruft erfreut das Alphatier und wedelt zugleich begeistert die Rute: „Fördern und fordern!“, dass keckfrech ein Welpe spottet: „Dem Schönen und Reichen ein Schonen und Schmeicheln. Dem Harten reichlich, kein Erbarmen dem, der zu weichlich!“, dass sich Nackenhaare sträuben und die Rute zum Sturme wedelt. Zum Dank wird der Welpe mit den knorrigen Worten „wer hat dich Würmchen denn gefragt?“ vom Alphatier fest im Nacken gepackt und geschüttelt, dass einem das Lachen vergeht. Geht mir weg mit’m Welpenschutz!

Der eine träumt.
Traumlos der andre.
Der Welpe hat ausgeträumt.
Ein unnützer Fresser weniger in Rudel, Meute und Revier.
„Musste das sein, Euer Hohnheit?!“, hört Alice sich selbst.

Ziellos streben die Geschwister Angsthaas und Mutwilli auf den Gemeinplatz, ins Vergnügen oder in die Leichenhalle. Ficken, bis die Leibeshülle weich wird. Zungen verstummen vor der Zeit. Gebettet unter weinenden Kerzen, fremden Blumen, Kränzen und Düften, doch vor allem liebevoll gestreichelt, erfährt mancher im Zerfall Zuneigung, die ihm im Leben versagt geblieben ist. Der Tod ist der Meister des Lebens.

Selten stinkt ein Fisch allein. Die Gemeinschaft der Alpha- und Betatiere klingelt bis dato unerhörte Töne: Die Wiedergeburt des Requiems aus der Unfähigkeit zu trauern.
Horror wohl bekannter Orte.
Wie viel Kunst steckt eigentlich in Klingeltönen?
Dass Schmerz sie bereiten, verspürt besonders das hündische Ohr.

„Musste das sein, Euer Hohnheit?!“, vernimmt Alice nicht allein - dem widerspräche die Meute der Höllenhunde, welche hinter ihr her stürzt als lärmend-fröhliche Korona. Alle getrieben von innerer Kraft, aus Wut und vor Angst, dass Opfer und Meute eins werden. –
Oder wär es doch ein Vakuum, das diese kleine unfriedliche Gesellschaft in die Rohrpost hineinzöge, dass es nie zu einem Ende käme? Da weitete sich die Röhre schier unendlich, nur um sich gleich wieder zu verengen und dieses Mal bis hin zum Punkt. Weitete sich wieder und wieder, um sich jedes Mal zu verengen, als stürzte die Meute in ein atmendes Wesen.

Die schönste aller Welten in wabernden Wolken schwülwarmen Dampfes täte sich auf, darinnen auf meckernden Schäfchenwolken frohlockend zerstreute Engelein nicht nur Hosianna sängen, sondern

„Singt ein fröhlich Liedchen
für’n Appel und’n Ei!
Läg der Apfel offen,
kämen die Larven frei.
Wär’ das Ei zerbrochen,
würd’s Spiegel oder Rühr -
sängen gleich der Amsel
zwanzig stumm – wofür?“

Wissen S’e überhaupt, dat alle Engel niedlich sind, ausgenommen natürlich die Wache vorm Paradies oder –das?

Die spielten die Harfe im Hafenkonzert mit Bläsern, Pauken & Trompeten, dazu Ma’janne & Michel + die stampfenden Stinkstiefel volkstümelnder Shitparadierender, die zudem den Rhythmus durch Händeklatschen verstärkten.

„Fünfhundert nackte Seelen
käm’n gerade noch davon.
Doch niemand knippste’n
Strom ab dem Elektrothron.
Aberwitzig viele
stürben tausendmal den Tod,
der auf aengstem Raume
mit Berührung droht.“

Hinwiederum ritten andere Engelchen blöde grinsend oder verlegen lächelnd, je nach Standpunkt des Betrachters - wer mag das entscheiden? - auf rosig quiekenden Schweinchen und hielten, da sie verkehrt herum rittlings auf dem prallen Leben säßen, verkrampft an den aufrechtstehenden, quasi entringelreihten Schwänzen sich fest
(oder - jetzt stockt der Traum, stolpert übern Einwand - steuerten die Putten mittels der Schwänze die Schweine?, oder wären es Joysticks von schweineähnlichen Maschinen? Aber nein, nein, drei Mal nein!, es gibt kein Grübeln während des Albtraums).
In den rosafarbenen Bäuchen der Schweine steckte jeweils ein Dreizack, gehalten von je zwei Teufeln - den geklonten Söhnen Luzifers, wäre das die Hölle im Zeitalter der Reproduktion?,
der darum doch auch Herr der Unterwelt wäre, mit allen Wassern & Feuern der Himmel & Höllen und allem was dazwischen läge,
darum dass Menschen immer Furcht vor der unbekannten Weite, Tiefe und Wildnis der Gewässer haben - deren Mäuler Feuer speien in dieser dunstig düstern Welt –
und die Reittiere allmählich in Spanferkel verwandelten und kraftvoll in Richtung Fegefeuer und Hölle drängten, einen feuchtfröhlichen Grillabend zu gestalten.
Das Fegefeuer erkenne ich als eine Imbissstube, die Hölle hingegen als ein bekanntes Fastfoodrestaurant mit Pampe aus der Pampa und panierten Meeresfrüchten. Dazu betörte uns der Klassiker „… So go downtown things will be great when you're / downtown no finer place for sure / downtown everything's waiting for you …”

Endlich! käme Alice auf einem stinkenden Haufen Mistes zu liegen.

Nur langsam gewöhnten sich die Augen ans spärliche Licht, das durch eine kleine Öffnung hoch oben in den Schacht hineinfände – der fehlende Kanaldeckel? Auf dem Boden vermeinte sie zwischen Pfützen aus Urin und Haufen aus Kot, - und also schmeckte die Luft auf der Zunge, neben der Bitternis der Gebrüder Schimmel und Pilz, - (erb-)ärmliche Gestalten zu erkennen, die stumpfsinnig in ihren abgetragenen und zerfetzten Stoffen hockten oder lägen, lallten oder stöhnten, seufzten oder heulten. An die hundert Leute oder auch mehr, soeben noch stolz erhobenen Hauptes und doch schon kopflos, Wohlhochgeborene und doch in den niederen Stand gestürzt und verwesend, Reiche und Edle vereint mit lichtscheuem Gesindel, Bürger, Bauer, Bettelmann, dass Lichtenbergs Physik der Gesellschaft verifiziert würde: Nicht jeder, der Hochwohlgeboren, sei Hochwohlgestorben,
die Armen liefen barfuß, die Reichen und Schönen barbusig.
Alle fänden Einlass und doch nicht den Ausgang, würden auf bekannte Weise hinein- & hinabbefördert, Gesunde wie Kranke, Starke, Schwache und Gebrechliche, Männer, Frauen und auch Kinder, Schwuchteln und Tunten, Hünen und Zwerge, Dicke und Dünne, Breite und Schmale. Alle würden sie zu Hungerleidern und auf diese Weise gleich skelettiert. Skelettiert fänden sie die Solidarität der Sumpfblüten und Pissnelken. Auf den Haufen und zwischen den Pfützen krabbelte so mancherlei Getier, welches für gewöhnlich das Licht meidet und die Sicherheit der Düsternis sucht. Kakerlaken, La cucaracha klappernd, krabbelten über Händ‘ und Gesichter. Ratten fräßen nicht nur die spärliche und zerfetzte Kleidung, sondern offensichtlich auch die Gliedmaßen einiger Gestürzter an. Es handelte sich in all der Kakophonie um einen Kerker, in den Alice während des Albtraums blickte. Da stänk' es durchs Fensterlein zum Himmel, dass Gottvater sich Nase und Ohren verschlösse – nicht aber den Schacht. Dessen ist Alice nun sicher.

„Ums arme Licht der Seelen
schwirr’n die Motten schon,
zerfräßen die dürft’gen
Stoffe der Klarheit.
Versprächen nur die reine
und volle Wahrheit
und sich im Stillen
größtes Lob und höchsten Lohn.“

Aus dem Elend aber ragte die Gestalt eines ellenlangen Kerls mit breiter Brust, der trüg’ einen verreckenden Freund auf den Armen. Eben der hätte das letzte Geheimnis entdeckt. Mit den Worten „Ich kann es Dir nicht sagen, Freund. Künde ich Dir das Gesetz der Erde, so setztestu Dich nieder, um zu weinen“ würd’ er zu Erde.

„Doch schon die Videoten
klärten das Problem –
Vielhundertmal liefs und
keiner hätt’s je gesehn?
Der Lemming schritt’ inmitten
allzu großer Zahl!
Bildet sich die Masse,
wirds Denken reine Qual.“

Fröhlich pfiff der Pied Piper als die Meute der Schnauzer und Pinscher ihrer Bestimmung folgte und über die Ratten herfiele - wobei sie anderes Fleisch, selbst Aas nicht verachteten. Da reckte sich der Riese zu einer Höhe von elf Ellen, dass die Breite der Brust an die neun Spannen gäbe. Zugleich ergösse sich ein Sturzbach aus Tränen hinab, um Not und Elend dieser Welt zu ersäufen. Nach einem gewaltigen Schrei aber wäre seine Rede: “Us two bin get hard time killin’ dog but now feelin’ like nothin’ on earth”, bevor er Alice seinen Namen gäbe “who go down first is loser. So ya wanna be high up on da wall take ma piggyback service ’n’ call me Gil” – dass Alice antwortete “eye’m miss Liddell, but call me pleasance”, bevor sie Huckepack genommen würde.

„Wofür säng wer ein Liedchen
für’n Appel und’n Ei?
Den Apfel fräßen Motten
und wir ständ’n blöd dabei.
Vor gespielter Rührung zum
bezahlten Trost gibts
Nur die starke Lösung,
die alles Leben achtet
und alles Leben liebt.“

Auf ginge es, dem Licht entgegen.

Ein jeder träumt.
Keiner ist traumlos.
Einige vergessen ihren Traum.
Andere verraten oder verkaufen ihn.
Mancher geht daran zugrunde.

„… abwärts“ hört Alice wen rufen, „upwards!“ antwortet Gil und erklimmt mit seiner Last den Lichtschacht, dass sie mit der Oma träumt „.And you may find somebody kind to help and understand you / someone who is just like you and needs a gentle hand to guide them along / so maybe I'll see you there / we can forget all our troubles forget all our cares …”

Am Rand stehn Leute. Sind tief bewegt, doch dann erschrocken und entsetzt als der Riesenkerl mit der Frau im Gepäck heraussteigt aus dem Schacht. Kopfschütteln ist und einer zeigt auf den andern, dass es plappert:
„War es der da oder war’n es die da? – Ich war’s nicht!“ –
„War es die da oder war es das da?“ – als könnt’ ein Kind den Kanaldeckel entfernt haben!

Gil aber interessiert die Schuldfrage nicht. Ihn zieht’s in die ferne Heimöde Uruk – wie auch Alice sich nach der Mutter sehnt. Brav dankt sie Gil und erhofft ein Wiedersehen, als ein schwarzer Vogel herniedersteigt und ihr in die Nase pickt, dass Alice zusammenschrickt. Gil aber weiß es besser, sagt ihr aber nicht, dass dieser Wunsch unerfüllt bleiben muss. Aufgebracht flattert die Amsel davon.

Zuhaus sitzt derweil die Frau Mama:
„’s Kind ist weg und ich bin da …“,
als das Radio gestört wird „So go downtown / things'll be great when you're / downtown don't wait a minute more / downtown everything's waiting for you // Downtown…town’s down … downwards”

dass sie vom Schlag getroffen wird, als eine unbekannte Missus den Raum betritt und gagat: „Mummy more better than canalis over here get plenty kaukau“, um schließlich zu gackern:
„Freue dich, oh Frau Mama,
bin immer fort, doch immerdar.“

Derweil erzählen Forschung und Lehre vom upward trend nicht nur der city und eine Motte schwingt sich auf zur Anwältin der Gebrechlichen, denn wer könnte sich leisten, einen Deal sausen zu lassen?

«Cry baby cry
Make your mother sigh
She's old enough to know better.»

The Beatles, Cry Baby Cry

Nachtrag

Der Geist der Weihnacht weht übern Burgplatz und der Schultheiß hält ein Grußwort, worinnen es heißt: „Ich möchte die Möglichkeit wahrnehmen, mich persönlich bei den Betroffenen zu entschuldigen und zeigen, dass ich mich meiner moralischen Verantwortung stelle. … Es tut mir unendlich leid, ich kann es nicht rückgängig machen ...“ Er werde sich „einer eventuellen Verantwortung stellen“, schließt das Grußwort des ehrenwerten Mannes - und was sagt dieser Mensch damit? Hat er sich mit dieser Sammlung von Allgemeinplätzen überhaupt entschuldigen können oder nur seine Hände in Unschuld reinigen wollen? Und kann eine Tat nicht nur vom Betroffenen entschuldigt werden? Kann nicht der Schuldige allein um Entschuldigung bitten?

„Ich möchte die Möglichkeit wahrnehmen, …“ eine gedoppelte Möglichkeit, er möchte etwas tun – warum tut er’s nicht endlich? Wird da nicht wieder gekränkt und beleidigt durch „möchte“ und „Möglichkeit“, beide vom Verb „mögen“ abgeleitet, das eine sein Konjunktiv II, wir können hier getrost Konjunktiv irrealis sagen, das andere seine Substantivierung. Der Konjunktiv verrät, wenn ich könnte, würde ich mich entschuldigen …, die Substantivierung, dass etwas sein kann (aber nicht muss) im Gegensatz zu Wirklichkeit und Notwendigkeit. Da schließt sich nahtlos die größte Lüge an, wenn er „WAHR“nehmen möchte: „… wahrnehmen, mich persönlich bei den Betroffenen zu entschuldigen“. Persönlich! Hätt' er's mal besser „unpersönlich“ durch einen Sprecher verlautbaren lassen, dann hätten wir wenigstens die Vorstellung, dass er außer seiner Geschäftsphilosophie noch eine andere Moral und Verantwortung kennt. Die Scham.

Wie immer geht die Lüge mit der Übertreibung hausieren: „Es tut mir unendlich leid, …“ Nicht für fünf Minuten tut’s ihm leid. Leid tut ihm, dass vielleicht der Umsatz nicht mehr stimmt. Oder gerade deshalb stimmt, weil die Leute so blöde und neugierig sind, auch eine geschallert zu bekommen.
Leid tut ihm, dass sein guter Ruf, sein Name beschädigt wird.

Schön, dass er nix rückgängig machen kann - ist er doch nicht der liebe Gott … Aber es muss ja eh noch alles geklärt werden: Schuld und Sühne, quatsch: Schuld und Schande!

 
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Das ist traditioneller Friedrichardcore!
Die Sätze haben Spaß gemacht, so dass ich auch dranblieb, obwohl ich den Inhalt nicht verstehe. Du scheinst dich oft von Alliterationen und ähnlichen Klängen zu den Worten inspirieren zu lassen. Was Koprolithen sind, habe ich mir anhand des Wortes tatsächlich korrekt erklärt, ihre Rolle in der Geschichte bleibt mir jedoch schleierhaft wie vieles.

Ich kann nur so viel interpretieren: Alice dancet zu der funky music eines DJs und gerät, vermutlich zusätzlich durch Drogen, in einen Rausch. Das Hinabsteigen in die Kanalisation ist ein Bild für den Abstieg ins Unterbewusste. Am Ende steigt sie zum gleichen Lied (erkennbar am "upwards") wieder hinauf.

Mehr kapier ich nicht. Und "Allice" mit zwei L steht einmal im Text.
Ein Vergnügen war es dennoch.

 
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Ach Friedel,
was kann ich dazu nun wieder schreiben? Gar nichts wär nich nett und wäre auch kein Zeichen für die Mühe, die ich mir beim Lesen und Ergründen gemacht habe. Was ich natürlich leicht herauslese ist die Freude, mit der Du alles Mögliche mischt und knetest und wiegelst und weigelst und radebrechst und kauderwelschst. :D Wieviel Lokalkoloriet verbirgt sich in den - übrigens superflüssig lesbaren - Sätzen? Wieviel verpackte Lebenserfahrung? Wieviel literarische, philosophische, politische, zeitgeschichtliche und historische Kenntnisse purzeln da vergnügt durcheinander, zeigen die lange Nase und klabautern kakophonisch durch die Zeilen?
Ich schenk Dir meine Ratlosigkeit und hier die Liste Textkorrektur. Wobei da ja noch viel mehr wäre, wenn ich nicht wüsste, dass die Anleihen aus alt-, mittelhoch- und dialektdeutsch zu Deinem Stil gehören und daher resistent sind wie Koprolithen … :lol:

Was Allice als Sendung einer Rohrpost
> Alice
Mit den Worten „Ich kann es Dir nicht sagen, Freund. Künde ich Dir das Gesetz der Erde, so setztestu Dich nieder, um zu weinen“ würd’ er zu Erde.
Mit den Worten >: und um zu weinen“ >, würd’ er
und gagat „Mummy more better
Da fehlt ein > :

Ein kunterbuntes Wochenende nebst liebem Gruss,
Gisanne

 
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Hallo Friedel

Da sitze ich nun, ich armer Tor und rätsle über des Orakels Worte. :confused: Als ob zu Delphi eine Weissagung hörend, erging es mir bei dieser Lesung. Die Gedanken verhaspelnd meinte ich die Kunst der Fuge zu vernehmen, doch tatsächlich waren es elektronische Klingeltöne. In der Erinnerung suchte ich Hameln im Wunderland, sinnierte, ob die Schelmerei einen Schalmeiklang verbirgt, den zu hören nur jener befähigt wird, dem eine „Transkription“ gelingt und Beiwerk entsorgt. Eine Reise ins Unterbewusste könnte es sein, weist Gisanne darauf hin. Ja doch, da ist etwas dran, zuzutrauen wäre es ihm, denke ich mir.

In der zweiten Lesung lasse ich meinen Gedanken transzendental freien Lauf, riskiere einen gewagten Schritt und lasse die Bilder frei flottieren. Was mir begegnet ist wunderlich. Alice durch den Techno der Street Parade in ein Wunderland gelockt, nippt an einem Nachkommen von Hofmanns Elixier an Mutterkorn, was ihren Körper in Trance zucken lässt. Doch weiter geht es auf dem Trip die Röhre hinab in den Untergrund. Quiekende Gestalten umgeben sie, unter den Putten, meinte ich Timothy Leary und Jack Kerouac liebevoll nicken zu sehen. Urzeitlich versteinerter Kot erzeugt schwülwarmen Dampf, der ganze Sumpf, den die Welt bis anhin deponierte kocht, ein schwülstiger Sud. Doch Schwingungen von elektronischer Musik hebt sie wie auf dem Buckel eines Kerls getragen wieder in höhere Sphären, die Welt gewinnt wieder Gestalt, aber Alice ist geläutert und von neuem Bewusstsein. – Nein, nein, so weit gehst Du nicht. Sag dass dem nicht so ist. Es muss naheliegender sein, die Redlichkeit ist Dir zu Ernst, es war ein Irrweg, auf den ich mich da leiten liess.

Auch Ringelnatz kam mir in den Sinn. Aber wäre er nicht einfacher zu deuten? Oder doch, oder nicht? Irgendwann durchschaue ich mal dieses gemeine Spiel und sollte ich mir dabei die Haare raufen.

Die dritte Lesung, im frühen Morgennebel scheint mir der Blick nun klar. Ich neige nun dazu zu deuten, dass es schlicht eine Parodie auf unsere Gesellschaft ist, immer wiederkehrend in neuen Gestalten und zeitgemäss die Musik elektronischer Fugen – welche Fügung in wortreicher Fülle.

Gruss

Anakreon

 
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Friedel,

weiser Mann.

Carroll goes Ehrhardt und schlägt auf die Verelendung der deutschen Sprache ein. Im Drogenrausch, wohlgemerkt. So etwas bringst nur du fertig. Und dann auch noch gut lesbar. Chapeau.

Man ist geneigt, als Schlusssatz dazu zu denken:

Und hinter eines Baumes Rinde ruft die Madre nach dem Kinde ...


lg
Dave

 
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Hallo Leute,

ich dank Euch fürs Lesen dieses kleinen Experiments, das eigentlich an den Schill angehängt werden sollte, dann aber am Folgetag überholt wurde von der Wirklichkeit und somit umgeschrieben wurde (um auch mal aus der eigenen Werkstatt zu plaudern). Gefreut hat mich, dass der Text zumindest Spaß gemacht hat. selbst wenn man selbst nicht alles verstanden hat (hat man schon, denk ich, aber man wagt's nicht unbedingt zu deuten). Aber die Gschichte lässt halt einige Interpretationen zu, von denen ich mir selbst nicht unbedingt ein Bild gemacht hab im Voraus.

Ich dank Euch allen und komme ausführlicher drauf zurück.

Hallo Leif,

Du beginnst mit einer wunderbaren Wortschöpfung des >traditionellen Friedrichardcores<. Auf die Rolle der Koprolithen will ich mehr oder weniger ausführlich eingehn und später noch einmal drauf zurückkommen.

Hallo Gisanne

>was kann ich dazu nun wieder schreiben?<, ganz einfach: was Dir in den Sinn kommt und da hastu ja schon angefa1ngen. Ja, das Kneten und zusa1mmenfügen, was eigentlich nicht zusammengehört, macht Spaß. Auch die Entwicklung des Pidgin-Denglish. Jetzt, da Vorlesungen hierzulande auf Englisch gehalten werden sollen, werden wir 1wahre Freude dran gewinnen. Vielleicht ist das Außerruhrgebietskauderwelsch auch schon kreolisch (Grammatik wäre vorhanden). Übrigens bestreite ich, überhaupt einen Stil zu haben. Aber kein Stil wär auch einer, wie Uneitelkeit vielleicht auch nur Eitelkeit verbergen soll.

Reparaturen werden, soweit das Keybord - an dem ich mir eins abbrech - es ohne Schädigung des Textes heute zulässt. Die 1 klemmt und nimmt gleich ihre Nachbarn mit in die Verklemmtheit.

Ha1llo Anakreon,

drei Lesungen schmeicheln mir ein wenig, aber Haare raufen sollte man sich nicht. Aber ja, wie'ne Fuge ist die Geschichte schon aufgebaut, weils als Spiegelbild nicht so recht gelingen wollte (Alice hinter den Spiegeln). An ETA Hofmann hatt' ich allerdings gar nicht gedacht (obwohl der Heinrich Anfang & Ende beherrscht), passt aber. Mit dem "Techno" ist die Quelle der Inspiration voll getroffen.

Hallo Dave,

lang nix mehr von einander gehört. >Carroll goes Ehrhardt< gefällt mir vor allem der Schlusssatz (vier Zischlaute bei zwo Vokalen) >Und hinter eines Baumes Rinde ruft die Madre nach dem Kinde ...<

Ich dank Euch allen herzlich und komm mit einer andern Tastatur (will ich hoffen, dass am Nachbartisch morgen nicht die nächste Tücke lauert) drauf zurück.

Gruß

Friedel

>Carroll goes Erhardt<
Dave N.

Da bin ich wieder, Leute!,

was zu reparieren war, ist – so hoffe ich – vollbracht.

Grüß Dich, Gisanne,

das Geschenk kann ich gar nicht annehmen und – wir können’s getrost zugeben -, ratlos wirkstu gar nicht, was Deine Fragen zeigen und der Hinweis auf die Anleihen (die um Pidgin/Kreolisch erweitert werden dürfen/müssen/können, wie man will).
Den Hinweis seh ich sogar als Lob.

Ich dank Dir –

und Euch allen für die Mühe, denn zur reinen Unterhaltung taugt >Friedrichardcore<, zudem noch der >traditionelle< sicherlich wenig. Aber da offensichtlich der Text gerne gelesen wird/wurde, wäre auch die unterhaltsame Seite gefunden.

Vielleicht wirkt es unhöflich, pardon! - die Höfe sind ja mitsamt des hüveschen abgeschafft - aber schon beim ersten Blick dämmerte es, dass vielleicht eine globale Antwort zu den gestern vorliegenden Kommentaren sinnvoller sei, als eine rein schematische Antwort auf den je einzelnen Beitrag.

Anakreons zwote Lesung kommt Anlass und Anregung, die eher Aufregung bedeutete, sehr nahe. Selbstverständlich hätt’ ich den Text mit konkretem/konkreter Datum/Ortsbeschreibung unter Historik einstellen können, was mir aber zu einfach erscheint und zudem den Himmel über kg.de mit einer solch kleinen fiktiven Pietätlosigkeit mit konkretem Anlass verfinstert hätte und dem Dowdy sel’gen Angedenkens eine hübsche (s. o.) Gesellschaft beschert hätte – so kann kg.de also auch beeinflussen, besonders wenn ein Q-Wort gesprochen wird. Zudem liegt mir nicht, eindeutige Texte zu schreiben oder nur zu berichten, also überlass ich das Profis, Polizeiberichten und einer fleißig’ und angepassten Presse, die bei einem/einer solchen Event/ualität zahlreich vertreten ist.

Im einzelnen:

Mehrdeutige Texte erzeugen zwangsläufig verschiedene und unterschiedliche Deutungen, die in unserm Falle von Leifs bis Anakreons Variationen über ein Thema reichen. Sie zeigen an, dass Phantasie immer noch reichlich vorhanden ist. Alle Deutungen sind berechtigt, bei keiner kann ich sagen: So sei/wäre es nicht gemeint – wobei ich auch immer ein Ohr für Deutungen habe, auf die ich im Leben nie gekommen wäre.
Aber muss man denn auch alles verstehen? Ich will noch nicht einmal alles wissen, weil ich dann aus dem Heulen nicht mehr herauskäme (siehe Gil). Dass die Altvordern mich in angenehmer Gefangenschaft halten und ich sie gegenüber einer Rowling & einem King höher schätze, ist kein Geheimnis. Zudem ist ja die Halbwertszeit von modischem Firlefanz bekannt. Vulpius – Goethes Schwager – war allemal erfolgreicher als der Olympier, wer aber kennte ihn noch, wäre da nicht seine Schwester Christiane und Rinaldo Rinaldini gewesen? Die Einflüsse reichen bis an Ursprung und Ende der Dinge (Gil) zurück, auch Alliteration lässt sich nicht leugnen, wie ja auch schon mal stab- und nicht nur endgereimt wird.

Von den Hoffmännern ist der Irrenarzt offensichtlich, der Jurist & Musiker (!) eher unsichtbar, wobei seine Elixiere mir eher auf den Zwirn gingen bei einem frühen Leseversuch. Müsst ich heute noch mal versuchen.
Dodgson/Carroll ist durch Mrs. Liddell würdig vertreten und damit auch die Mathematik, was den Versuch einer Spiegelung zur Halbzeit ergab, was leider schon allein wegen der gelegentlichen Verse nicht recht gelingen wollte (aber wohl ginge, aber das ganze eher komplizierte). Dafür kam dann so etwas wie die Kunst der Fuge heraus, die ja schon durchs Celan-Zitat angedeutet ist. Dass Alice sicherlich weniger geläutert ist als der Unterschied zwischen Missy und Missis vorgaukelt, scheint klar zu sein. Das eher unfreiwillige extremsportliche Ereignis führt zu keinem Reifungsprozess. Das Leben gehe weiter, sagt nicht nur ein Bundesligatrainer slawischen Ursprungs, wir fügen hinzu: nahezu unverändert.

Was mich nun zur Schlüsselfrage bringt

>Was Koprolithen sind, habe ich mir anhand des Wortes tatsächlich korrekt erklärt, ihre Rolle in der Geschichte bleibt mir jedoch schleierhaft wie vieles.<

Zum einen ist der Endreim Koprolith/Metropolit (Kirchenfürst einer Provinz) in meiner Birne aufgekommen, zum andern sind versteinerte Exkremente Denkmäler ausgestorbener Fossilien auf Machtmenschen/Dinos übertragen, welche als eigenes Denkmal sich überleben und am Sessel kleben oder sich ein dann überdimensioniertes Denkmal setzen. Auf die zu beobachtende Refeudalisierung und Selbstdemontage der bürgerl. Gesellschaft durch Geld– und Dienstadel braucht man dabei gar nicht erst einzugehen. Wie früher ein feste Burg, so wird heute der Atommeiler oder der schicke Bahnhof gebraucht – angeblich, aus Sachzwängen, die man liebevoll selbst produziert.
Dass auch Irrwege zum Ziel führen, ist seit der Odyssee bekannt. Auch sie könnte als Gesellschaftsparodie aufgefasst werden.

Heinz Erhardt bin ich keineswegs abgeneigt, hatte aber beim Schreiben eigentlich keinen Einfluss, was auch für Ringelnatz gilt. Um auch da die Frage >aber wäre er nicht einfacher zu deuten?<, wie ein Bötticher oder ringelnätzisch zu beantworten will ich mit wenigen Zeilen zum Tierschutz von ihm antworten, bevor ich allzu sehr langweile:

>…
Gehen sie bei der Wanze

Aufs Ganze.
Doch lassen sie krabbeln, bohren und graben
Getier, dass ihnen gar nichts entstellt.
Alle Tiere haben
Augen aus einer uns unbekannten Welt.

…<

Aus: Tierschutz-Worte


Gruß

Friedel

 
Seniors
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Hallo Friedel

Mit Neugierde las ich Deinen ausführlicheren Beitrag, gespannt, was Koprolithen aus archäologischem Fundus noch so hergeben. Diese literarische Konstruktion hat mich erheiternd verblüfft, wahrlich diese Deutung auszugraben, ist schon ein rühriges Stück.

Langeweile kam mir beim Lesen dieses Nachtrags nicht auf, die Konzentration war mir höchst gefordert, wobei mir klar war, dass wir selbst nicht am geschlossenen Tor der Pietät rütteln wollten, doch arger wäre es gewesen, dies zu unterstellen. Wobei, Literatur ist doch immer die Verarbeitung fiktiver oder realer Gegebenheiten, einerlei seien sie herrlich, dämlich oder genial.

Ebenso gern gelesen wie die zugrunde liegende Geschichte.

Gruss

Anakreon

 
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>Langeweile kam mir beim Lesen dieses Nachtrags nicht auf< und so soll es auch sein,

lieber Anakreon.

Zunächst mal vielen Dank für Deinen zwoten Beitrag.

Zur Orientierung sei gesagt, dass ich es dem Kommentatoren (und auch "Nur-"Leser allgemein) gegenüber als Pflicht ansehe, Beiträge grundsätzlich auf einem Niveau zu schreiben, das ein wenig über „toll“ oder „scheiße“ (ob mit oder ohne vollständigen Satz) hinausgeht, selbst wenn ein Text irgendwo dazwischen gerät („scheiß toll“ oder „tolle Scheiße“). Das ist manchmal die Ebene, auf der ich mich verständlicher ausdrücke als im Text selbst. Dabei ist es schon vorgekommen, dass Beiträge zu einem Text von mir zu Bestandteilen des Textes selbst werden, sei es, in Varianten eingebaut zu werden, oder aber als Prolog oder Epilog einige Zeit später einfach unter den andern Beiträgen auftauchen.

Und da Du gerade MRR liest – keine Bange, ’s gibt kein’ Versuch einer Rezension - kann ich Dir „Ich bin der letzte Mohikaner“ von Henriette und Joachim Kaiser empfehlen (Berlin 2008, als Taschenbuch inzwischen auch vorhanden). Da hat man dann noch einen gleichwertigen Giganten, der zudem durch die Adorno-Schule ging - um in einem andern Bild zu bleiben: ein nicht mehr nur "natürliches" Wissen anzuwenden.

Gruß

Friedel

 
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Moi Friedl,

(und Leif): "Friedrichardcore" ist eine wirklich geniale Wortschöpfung!

Ich dachte, die verrücktesten Alice-Referenzen hätten sich in Resident Evil gefunden, aber das ist schon ganz schön wild hier, hehe.
(Wobei ich nur Wonderland, aber nicht Looking Glass kenne, vllt geht mir also was durch die Lappen.)

Du bist der erste, von dem ich die Rohrpost-Assoziation lese, das dachte ich auch immer. :lol: Dabei ist es so offensichtlich.

Den Mittelteil verstehe ich zwar inhaltlich, aber - falls es welche gab - kann ich die Referenzen nicht zuordenen. Macht aber nix, war klasse mit den schwanzwedelnden Hunden und Welpenschutz hin oder her, mit Kirchenfürsten (die Queen in Red vllt sogar? ;)) und ihrer Gier.

Ein paar Vorschläge hätte ich, und sori, daß ich mich immer auf Dein Englisch stürze, das ist nicht bös gemeint. :shy:

„Upwards!“, gaukelts Elektophon noch, da flieht Alice bereits abwärts.
(...)
„… abwärts“ hört Alice wen rufen, „upwards!“ antwortet Gil und erklimmt mit seiner Last den Lichtschacht.
Wenn Du für zwei gegengesetzte Bewegungen das gleiche Wort nimmst, finde ich den Gag versemmelt - das ist schade, weil es einfach eine tolle Idee war, genau wie das Hully Gully. Dann löse es doch gegengleich: upwards ist halt abwärts und downwards ist ... hmmm ... hochwärts. Mit drei Augen zugedrückt und nach sechs Starkbier klingen beide mehr oder weniger genuschelt ähnlich. (Stretching the definition of ähnlich ...).

Alfatier
Spielst Du auf den Romeo an, oder ist das neue RS? Puha, das klingt übel schlimm. Also, bei soviel Sprachverdrehung und -witz könnte es nicht schaden, das als Lehnwort griechisch zu nehmen als Alphatier.
So ye wanna be high up on da wall take ma piggyback service’n’ call me Gil”
Da Du oben Missy Alice (hihihi, wo bleibt übrigens dabei der Bezug zu T.S. El(l)iot?), den Restsatz wie auch unten ihre wörtliche Rede so hast, nimm hier doch nicht das Mittelenglisch Chaucers, ye, sondern bleib beim Black English, ya. Leerzeichen hinter service. Ma gibt es mAn gar nicht, sondern me. (Wie bei missus ist Deine Variante als quasi-Lautschrift ok, aber nicht als geschriebene Form der Sprachvariante - daher empfehle ich Vereinheitlichung, denn Deine deutschen Dialekte sind ja auch in ihrer korrekten "Verschriftlichung".)
unbekannte Missis
Missus - nimmt man allerdings bei älteren Hausfrauen, nicht jungen Mädels. War das wie die Zeit im Feenhügel? Dann gut gemacht, bis auf den Tipper.
Die Gemeinschaft der Alfa- und Betatiere klingelt bis dato unerhörte Töne: Die Wiedergeburt des Requiems aus der Unfähigkeit zu trauern.
Hmmm, ich lese das besser als der Gemeinschaft klingelt, so wie im Ohr. Du meinst wohl aktiv, für mich scheint da aber ein Wort zu fehlen; da lese ich klingeln wie das schweizer tönen ... Der zweite Satz ist wunderschön! Und witzig natürlich.
Die schönste aller Welten in wabernden Wolken schwülwarmen Dampfes täte sich auf, darinnen auf meckernden Schäfchenwolken frohlockend zerstreute Engelein Hosianna sängen.
:lol: Überhaupt eine wunderbare Interpretation der Wilden Jagd danach.
Fröhlich pfiff der pied piper als die Meute der Schnauzer und Pinscher ihrer
Den Pied Piper könnte man groß schreiben, das funktioniert wie ein Eigenname. Wie wär's mit Schnäuzer hier? Würd ich lustiger finden, als zwei Hunderassen. Vllt ist es aber zu albern hirnlos, wees nich.

Der Mittelteil hat mich skurrilerweise an einen uralten SciFi-Film "Die Zeitmaschine" (ist das so nach Wells Buch? Äh *hust*) erinnert, in dem sog. 'Morlocks' Menschen versklaven, auch unter der Erde. Damit wären hier die hündischen Pfaffen die Monster, auch nett. :)

Hat Spaß gemacht.
An manchen Stellen ist das doch Berliner, nicht Ruhrpott-Slang, oder?

With the smile of a Cheshire Cat,
Scully

 
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Moin Katla,

freut mich, Dich unter diesem bescheidenen Text begrüßen zu können! Quatsch, schön von Dir zu lesen und dann gleich so viel, wo die zwo € zu Ende gehn, und das Lob für Life & me. A. hinter'n Spiegeln musste auch mal lesen, lange her bei mir, aber nirgendwo wird klarer dargestellt, wie spannend ein Schachspiel sein kann.

>Du bist der erste, von dem ich die Rohrpost-Assoziation lese, das dachte ich auch immer. Dabei ist es so offensichtlich.< Jetzt haben wir mal was gemeinsam ...

Spar ich (s. o.) zunächst den Mittelteil aus, okay!?

Die Vorschläge (>das ist nicht bös gemeint<, weiß ich doch) lass ich mir durch'n Kopf gehn (jetzt nehm ich Dich auch noch mit nach Haus), wird ja wohl keiner bis morgen, spätestens übermorgen an der Geschichte abändern. Hoff ich doch!

Aber da ich Konservendosen, die zugleich Dreckschleudern sind, abgeneigt bin, hab ich an die Kombination Alfa + Romeo (ohne Julius) gar nicht gedacht. Aber hätte was und auch noch zur Missus: ich weiß, dass an diesem schwarzen Samstag der rein kommerziellen Seite der Kulturhauptstadt2010 viele junge Leute gealtert sind, nicht nur Miss Alice - wobei die Maschine itzo "noch 5 Minuten" anzeigt.

Ich komm drauf zurück!

Bis moin! & dank Dear!

Friedel

 
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Hallo Friedel,
eine sehr mitreißende Reise in die Wunderwelt der Unterwelt - ein Fall in der Röhre wie ein Todeserlebnis, um zu landen in den Koprolithen, leider nicht mehr weich, aber eklig wie von Hieronymus Bosch, gemalt, nicht geschissen. Wenn nun all diese Ausscheidungen versteinern würden statt zu vergehen, wieviel bliebe da übrig? Pro Menschenleben vielleicht 50 Tonnen? Und wo blieben die?
Da ist es doch gut, daß wir und unsere Produktivität das hehre Ziel des Stoffkreislaufes bedienen, als letzter Lebenssinn.
Gil aber interessiert die Schuldfrage nicht. Ihn zieht’s in die ferne Heimöde Uruk – wie auch Alice sich nach der Mutter sehnt.
Wer rettet die arme Jungfrau? Wird Gil plötzlich zu Enkidu? Ein bißchen von ihm steckt doch in jedem Mann, rettet die Braut vor dem Herrscher, ein wahrer Gentleman.
wobei die Maschine itzo "noch 5 Minuten" anzeigt
... and the operator says: "40 cents more for the next three minutes..."

da bin ich endlich drauf gekommen: Du schreibst ein bißchen wie Dr. Hook singt...

Gruß Set

 
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Da behauptet doch Juli Zeh in der WAZ „Die Übersetzer finden alle Fehler!“*, dass ich schon fast geneigt bin, Dich für eine Übersetzerin zu halten,

liebe Katla.

Das ist schon absurd, was ich da zubereitet hab, und verschlossen/schlüsselt, denn zur Lebensberatung & Gebrauchsanweisung taug ich nicht. Darum lass mich mit dem Einfachen beginnen und nicht – wie’s gestern geschehen wäre - Deinen Beitrag von oben nach unten durchzuackern. Am einfachsten zu beantworten ist die Schlussfrage
>An manchen Stellen ist das doch Berliner, nicht Ruhrpott-Slang, oder?<

Aber nee, Katla, dat is’ pöttisch, will ich ma’ sag’n. Aber ich glaub zu wissen, was Dich nach Berlin führt: das j statt des g: ich komm jelaufen, was aber nicht konsequent hierorts durchgehalten wird. So wird hierselbst ein August kein Aujust. Gelegentlich sprechen wirs g auch wie’n ch, aber auch nicht immer. Muss ja auch nicht, oder? Vielleicht kennstu das Gedicht über die hiesige Sprache
„Mir und mich verwechsel ich nich’, / Dat kommt bei mich nich’ vor! / Ich hab’n kleinen Mann im Ohr, / der sa:cht mich allet vor.“ (Doppelpunkt von der Lautschrift übernommen, um nicht ein Dehnungs-h einfügen zu müssen.)

Die >Rohrpost-Assoziation< ist zwar schon angerissen, aber mir ists eher ein Albtraum, der mich immer an den freien Willen erinnert, wenn der mal wieder widerlegt wird. (Ich werd demnächst für Bayreuth neue Libretti schreiben, Schüttelreimen sag ich dann: „Adieu!“)

Dann zwo Sätze, die wieder was (zumindest näherungsweise) Gemeinsames zeigen:

>Den Mittelteil verstehe ich zwar inhaltlich, aber - falls es welche gab - kann ich die Referenzen nicht zuordenen. Macht aber nix, …<

So ähnlich könnt’s in einem solchen Falle auch bei mir zugehn (bis in die Wortwahl rein, wobei die Variante, ich müsse nicht alles verstehn und schon gar nicht wissen, auch vorkommt).

Lassen wir noch mal den Mittelteil offen, um nix zuzuschütten. Vielleicht findet ja jemand Deutungen/Referenzen, an die ich noch gar nicht denk, also auch gar nicht dran gedacht hab, wie etwa beim „Alfatier“, womit wir jetzt aber mitten drin stehn!

Zum >Alfatier< ist schon ein bisschen gesagt, aber dass es >übel schlimm< klänge? Alfa = ¬ Alpha? Klingt Alfa bei Dir nicht gleich Alpha?
Ich find, die Rechtschreibreform ist eh inkonsequent durchgeführt, da allzu viel Kompromisse geschlossen wurden. Einiges ist vereinfacht, anderes beibehalten und wieder anderes nur erschwert und darum verschlimmert worden. Weiß derjenige, der bisher „das“ von „daß“ nicht unterscheiden konnte, wann ein „dass“ zu setzen wäre? Da hätte man lieber das Geld in die Bildung für „bildungsferne“ Schichten stecken sollen, statt in eine halbherzige Reform. Obwohl das Beispiel politisch nicht korrekt ist, denn das ß gilt ja nur noch für gedehnte Laute (Fuß vs. Fluss). Ich hab mir angewöhnt, Wörter mit Mimmi Grationshintergrund i. d. R. in der alten Schreibweise bzw. Ursprungsversion beizubehalten (z. B. amusement, und das, obwohl mein Französisch Pidgin ist, dagegen mein Englisch durchaus kreolisch!).
Im Prinzip hastu natürlich recht, die dudengemäße Fassung ist die alte Schreibweise. Wäre da unter Umständen die Variante, da bin ich um Ausreden nicht verlegen, dass das Leittier/der Rudelführer Alf hieße? Den Romeo hammer ja schon abgehandelt. Der Julius (da in Klammern) lässt Shakespeares unter Schwulen spielen, ein Gedanke, der übrigens bei Heinz Erhardt anno tobac aufgekommen ist.

>„Upwards!“, gaukelts Elektophon [huch, da hab ich’n r vergessen!, jut, dat wir ma’ drüber jesprochen ha’n!] noch, da flieht Alice bereits abwärts.
(...)
„… abwärts“ hört Alice wen rufen, „upwards!“ antwortet Gil und erklimmt mit seiner Last den Lichtschacht.<

Deine Bedenken sind nicht unberechtigt.
Die Intention hinter der Wortwahl erschwert aber den Austausch der Wörter: sie sind zunächst aus dem (relativen) Gleichklang und doch von (absolut) gegensätzlicher Bedeutung geboren. Upwards (aufwärts) vs. abwärts, und „Aufwärts“ tönt das Elektrophon in einer geltenden und populären Lingua franca bei Alices Absturz als auch bei der „Auferstehung“ im Huckepackverfahren.
Richtigerweise ist schon an anderer Stelle erkannt worden (eben am „upwards“) dass nicht viel Zeit zwischen Absturz (denk mal an’n Finanzmarkt) und Aufstieg vergangen ist. Zudem wissen wir nicht erst seit Freud oder Keller, dass selbst ein Albtraum - der ja nun nicht, wie Freud in der Traumdeutung für den Traum grundsätzlich behauptet, Wunscherfüllung ist - Sekunden dauert.

Nee, Eliott ist nicht in meinen Gedanken aufgetaucht, obwohl ich vor wenigen Monaten CF Meyers Interpretation zum Thomas Becket durchgezogen hab („Der Heilige“) und „Murder in the Cathedral“ schon gesehen hab. Aber die Geschichte ist so wüst wie die sozialen Verhältnisse nicht nur hier zumehmend werden. Dickens kann bald eine Variante seines Twists aufs Parkett legen!

Am Rande: Missy Misdemeanor ist’s aber auch nicht.

Dein Hinweis zur Missis ist berechtigt. Da hat mir Huck Finn am & auf’m Mississippi im Hirn einen Streich gespielt. Als wenn McKinley Morganfield (= Muddy Waters = Mississippi) je den Delta Blues gespielt hätte!, wie auch beim ye/ya

„Pity me then, dear friend, and I assure ye, even that your pity is enough to cure me.”

>>Die Gemeinschaft der Alfa- und Betatiere klingelt bis dato unerhörte Töne: … < … ich lese das besser als der Gemeinschaft klingelt, so wie im Ohr.<<

Ist auch korrekt: Indem einer was von sich gibt, kommts auch wieder an sein Ohr, obwohl man selbst es anders wahrnehmen kann. (Wer zum ersten Mal seine Stimme in der Wiedergabe eines andern Mediums hört, erkennt sie kaum wieder.) Hinzu kommt oft bei denen, denen die Glocken geläutet werden, dass das Geläute/Gesetzte nicht für ihre Schöpfer gälte (All animals are equal. But some are more equal, mal aus’m Kopp zitiert).

>>Fröhlich pfiff der pied piper als die Meute der Schnauzer und Pinscher …<
Den Pied Piper könnte man groß schreiben, das funktioniert wie ein Eigenname. Wie wär's mit Schnäuzer hier? Würd ich lustiger finden, als zwei Hunderassen. Vllt ist es aber zu albern hirnlos, wees nich.<

Nee, isset nich’.
Aber die Idee dahinter ist die Linie
Schnauzer
(die Bezeichnung ist vom Schnäuzer der Tiere abgeleitet, aber die Rotzbremse schnauzt einen weniger an, als ’ne Schnauze und die trägt der Schnauzende) –
Pinscher
(mit Ausnahme des Dobermanns alles kleine Hunde bis hin zum Zwerg unter seinesgleichen, also sowohl der Giftzwerg als auch die Null)
rat-catcher/ratter = Rattenfänger
rattler = Schwätzer

Schau nur, zur Erholung kommt was, an das ich beim neuen Text (Stichwort "so kratzt es"), nicht aber hier gedacht hätte mit der Zeitmaschine. Aber wo Du’s sagst: Schöner Anzug, der auch noch passt & sitzt, geht’s doch zurück bis in die Anfänge schriftlicher Aufzeichnungen (Gil…)

Und zum Abschluss das Absurde schlechthin und zugleich verrückte, da beSCHALLERt uns der Herr des McDoof der Körperkults von seinen Flößen aus, pardon: Motivwagen, die er Floats nennt, bis alle beSCHEUERt von den Bässen, elektronischem Gepiepe und Gekreische zudem im Eiermarsch ins Unglück schleichen mit freundlicher Unterstützung informations- und schließlich sensationsgeiler Massenmedien bzgl. der kommerziellen Seite von Ruhr 2010, dass man schon mal Dysenterie kriegen kann.
Aber noch bekloppter bin dann ich: wähl zum Namen der Protagonistin den der kleinen „Alice Pleasance Liddell“, welcher der Mathe-Prof Dodgson am Krankenlager verrückte Geschichten einer andern Alice erzählt und Jahre später unterm Pseudonym Carroll veröffentlicht, wohlwissend, dass jeder Bestandteil des Namens für sich absurd ist:
der Hausname kommt der Aussprache von „little“ nahe,
pleasance ist ein Lustgarten und der Gipfel:
Alice ist nix anderes als die sympathische frz. Adelaide und die urdeutsche Adelheid (die hoffentlich niemand für bäuerlich hält) aus dem ahd. adal (edel, vornehm) und der Gestalt/Person (dem ahd. -heit).

Da purzelt also ein kleiner Lustgarten mit vornehmer Person den Bach, pardon: die Kanalisation hinunter. Hätte da einer drauf kommen können, wär’s das kürzest-mögliche Experiment als kurze Erzählung quer durch alle Rubriken hierorts geworden:
„Alice“
und Schluss, wäre schnell gelesen, wundervoll präzise und hätt’ doch keinen Blumentopf gewonnen. –
Soweit schon mal ungefragt zur Intention, um auch zu zeigen, was einen so alles reiten kann und bevor ich noch weiter langweil

freudet mich heftich, dat Dich der Tekst gefallen hat un’ auch noch Spass macht!

* Britta Heidemann: „Ich hasse Bildungshuberei“, WAZ vom 1. 9.2010

Hallo Set,

eine gute Frage, wo denn der natürliche und vor allem künstliche Müll , den wir produzieren, hinkommt. Und es wird mehr, haben doch die Völker ein kindliches Vergnügen daran, die abendländische Bruttosozialprodukt einholen zu wollen. Marcuse hatte im eindimensionalen Menschen in Anlehnung an Stefan George schon drauf hingewiesen, dass die große Zahl, also das Wachstum das eigentliche Verbrechen sei. Und wie wir sehn, wird's - nachdem die Finanzmärkte als Säulen der Gesellschaft gerettetäterä sind und es wieder upwards geht - wie vordem weitergehn.

Und all die Fragen ohne Antwort - da lob ich mir das Schill'sche Quiz.

>Du schreibst ein bißchen wie Dr. Hook singt...< Was ja schon was wäre. Doch eine Gegenfrage: Mehr Captain oder doch Dr., aber in jedem Fall "& the Medicine Show"?

Wie dem auch sei:

Ich dank Euch beiden und grüß Euch aus'm Frühherbst

Friedel

 
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Moi Friedl,

Muddy waters, kreisch kicher!

rat-catcher/ratter = Rattenfänger
rattler = Schwätzer
:sconf: Da legst di nieder! Und ich naives Hascherl denke, es reicht, um ein oder zwei Ecken zu denken. Dann ist der simple Schnäuzer selbstredend sofort unter den Tisch gekehrt *wedel wedel*. Ich strecke die Waffen.
Klingt Alfa bei Dir nicht gleich Alpha?
Nööhö! Kein bißchen. (Ehrlich nicht, furchtbar.) Ich meine, man könnte auch nach der neuen RS Lehnworte in der fremdsprachlichen Variante nehmen (aber was weiß ich schon davon? ;))
und darum verschlimmert worden. Weiß derjenige, der bisher „das“ von „daß“ nicht unterscheiden konnte, wann ein „dass“ zu setzen wäre?
Noch schlimmer: ich fange an, das falsch zu machen, obwohl ich zumindest diesen Fehler bisher gar niemals nie gemacht hatte! :mad:
der Hausname kommt der Aussprache von „little“ nahe,
pleasance ist ein Lustgarten und der Gipfel:
Puha, da rennst Du einmal bei mir offene Türen ein. Aber - um ein wirklich plattes Wortspiel anzubringen - dann kann ich gleich mit den misuses der missuses kommen. Was Du sicher weißt. Nachdem ich ein Semester lang mit Carrolls Aufzeichnungen und Erinnerungen zu Wonderland/Looking Glass sowie seinen einmalig tollen *hust* Photos zugebracht habe, kann ich das alles nicht mehr lesen, ohne daß mir die Galle hochkommt. Egal, wie man das sehen will, was da der gute Herr in seinen Lustgärten angestellt hat, seine Freundschaften *doppel hust* zu prä-pubertären Mädchen sind mehr als widerlich. Daher mag ich inzwischen solche Rate-mal-Referenzen lieber als das Original.

Ich dachte eigentlich auch an Eliots The Waste Land, für Deine Zustände hier unter der Erde - das paßt doch sogar ein bißchen.

Mit "aufwärts" statt meinen dusseligen "hochwärts" hast Du recht - das war mir erst im Kopf, dann kam es mir partout nicht mehr in den Sinn, und irgendwas mußte ich ja beispielen. Jedenfalls: ich finde ja, selbst mit diesem doppelten Gegendreh bliebe doch Deine Intention erhalten.

freudet mich heftich, dat Dich der Tekst gefallen hat un’ auch noch Spass macht!
Aber ja doch! Und Du kannst Finnisch! (Hast aber das i bei teksti vergessen - das ist wie in seksi und taksi :lol:)

Auch wenn man es dem 'hochwärts' nicht ansehen mag: Ja, tatsächlich "Übersetzerin" - ungelernt, erst recht unvereidigt, und wie alle fünf anderen Minijobs nebenberuflich. Aber Zeh ist eh ne kluge Frau.

Herzlichst,
Katla

P.S.
Ja, ich kenne Pottslang und den Spruch sogar, und auch ja, es mag das j gewesen sein, das mich auf die falsche Fährte führte.

 
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Alfa = nicht Alpha, das überrascht ... Kannstu evtl. in Lautschrift den Unterschied anzeigen (oder sonstwie)? Da wär's an mir, baff zu sein,

liebe Katla.

Das mit dem das(s) find ich aber bedenklich! Du bereitest mir Sorge!

>misuses der missuses< Don't misuse the miss!? (selfmade by freatle), sonst wüsst' ichs nämlich mit Nichten (Heinz Erhardt).

Nunja. mit dem Drang zu gelegentlichen Albernheiten zum endlosen Vergnügen zweier winzigen Nichten neig ich auch zu nonsense. Jedem zu empfehlen, C.s Briefe an kleine Mädchen mit der Tendenz, Begriffe zu zeichnen: ich (korrekt: I) wird zum Auge (eye), was in dem Beispiel natürlich nur im Englischen klappt. Hoffe doch, dass da nicht die Galle hochkommt.

>Ich dachte eigentlich auch an Eliots The Waste Land<, ha'n isch jewusst oda doch j'ahnt.

Wer kann schon von sich behaupten, niemals zu duseln? Immer Spitze zu sein? (ließe sich fortsetzen ...)
Ich denk drüber nach!

Mannomann, wat ich'n Talent hab! Kann man Finnisch durch Zufall lernen? O nee, das geriete mir zum Pidgin ...

>Aber Zeh ist eh ne kluge Frau.< Find ich auch, selbst wenn man mir's nicht anmerkt!

Gruß aus dem voraussichtlich letzten getarnten Sommertag hierselbst

Friedel

 
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Moi Friedl,

Alfa = nicht Alpha, das überrascht ... Kannstu evtl. in Lautschrift den Unterschied anzeigen (oder sonstwie)? Da wär's an mir, baff zu sein,
Das zweite A klingt für mich in neuer RS verkürzt und unbetonter - auch laut gesprochen. So circa:
Alpha --> [ʌ]
Alfa --> [ə]

Und dieses schluffig nach hinten Runterkippende paßt überhaupt nicht zu dem Leitwolf äh -hund äh Leitpfaffen, Du weißt. ;) Für mich ein völlig anderes Wort.
Wenn ich es noch auf die Spitze treiben wollte, könnte ich sagen, das F ist nun das [f] = voiceless labiodental spirant; während das PH so bei dem Übergang zw diesen liegt: [p] = voiceless bilabial stop > [h] = voiceless glottal spirant. Das weiter hinten liegende macht den ph-Laut für mich weicher und quasi betonter, auch wenn er natürlich nicht wirklich betont ist. Du kannst nämlich das Wort Diphtong auch auf zwei Arten transkribieren: [ˈdɪf.θɒŋ] oder [ˈdɪp.θɒŋ]. Da hascht!
:silly:

Ich habe das Problem aber auch bei Worten, bei denen ich beim Aussprechen keinen Unterschied hinbekomme, ihn aber im Kopf höre (was man da so alles hört ... :shy:). Kriegsgreuel ist für mich nicht Kriegsgräuel - das nölt & nörgelt verzogen vor sich hin, und löst bei mir keineswegs die Bedeutung des Wortes im Bild aus.
Ist das nicht auch neu: Kängeruh und Kängeru? Das ist für mich fast dieser Unterschied: [uː] > [ʊ] .
Und sicher schiere Einbildung.

Das mag auch nur mir so gehen, weil ich ein Wort mit einem Bild/Aussehen verbinde, das für mich in engem Zusammenhang mit dem Sinn steht. Reine Gewohnheit, keine Logik. Hab meine Muttersprache nur über Lesen, nie über Regeln gelernt. (Die kann ich bis heute nicht ganz.) Und daher hänge ich an dem, was ich kennengelernt habe, und finde das nicht willkürlich austauschbar. Für mich drückt sich in neuer RS nicht das gleiche aus, wie in alter. Ich lese neue auch wirklich ungern.

Hm, hilft Dir das irgendwie?

Liebe Grüße,
Katla

 
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Moin Katla,

wenngleich's mir eher mäßig hilft, hat's aber eine inspirierende Wirkung -

durchs Beuteltier (-ruh/ru/roo). Plötzlich ist der Funke da, über die Hoffmannsche Lyrik hinauszugehen. Nicht heut oder morgen, aber bis nächste Woche - bei der Sintflut hier - könnt was rüberwachsen incl. möglicher Lösung Alf/ph, Up/abwa(e)rd/ts, Downwards/downtown - schau'n mer ma'. Carroll wird sich wohl im Grabe rumdrehen. Du bekämst den Lorbären.

Bis bald

Friedel

& schon gibt's einen Zwischenbericht:

Dear me!

Das zweite A klingt für Dich in neuer RS verkürzt und unbetonter - auch laut gesprochen – So circa: Alpha --> [ʌ]; Alfa --> [ə].

Such thoughts are alien to me,

dear Katla,

womit wir schon inmitten der Forschungsergebnisse stecken, was immerhin mein Arabisch (wenn schon mal von einem eher zufälligen Finnisch die Rede war) enorm verbesserte, weil verdoppelte:

„Alf“, Alien Life Form (vom Planeten Melmac) namens Gordon Shumway mit Heißhunger auf Katzen 1986 -1990 auf NBC mit div. Derivaten (Trick- und Spielfilm) und
„Alfred“ ist nicht der rote Alf, sondern altenglisch Ælfræd, aus ælf, „Alp, Elfe“ und ræd, „Rat“, was selbst eingefleischten Fantasy-Verehrern einen zwiegespaltenen Typen aus bösem und gutem Geist ergeben muss, ganz wie im ollen Joethe.
Alfagras –urspr. griechische Bezeichnung des spanischen Esparto. Die Blätter des Espartograses (Stipa tenacissima), das in großen Mengen auf trockenen, steinigen Hochflächen Spaniens und Nordafrikas wächst, werden zu Flechtarbeiten, als Rohstoff für die Papierherstellung und als Polstermaterial verwendet. Dagegen ist die arabische
Alfalfa identisch mit der französischen Luzerne, einer Futterpflanze, die wegen ihrer Hartnäckigkeit (Ausdauer genannt) auch als „Ewiger Klee“ bezeichnet wird. Der arabische Ausdruck wanderte übrigens durchs maurische Spanien nach Amerika.
Tatsächlich hat es die Rechtschreibreform der Reform der usw. nicht geschafft, den a-Rüden zu reformieren und – logisch – genauso wenig das a- wie das c-Tier, dass ich es schon aus eigenen Prinzipien alpha schreiben muss. So ist es gut, dass wir uns aneinander gerieben haben, denn auch einige Verse werden dem entspringen unterm

(Arbeits)Titel

The Decline and fall of Regia Villa
DubDeeDuboisDoodle*

Das Gedudel ist heut gelöscht - 29. 9.

* ÄNDERUNGEN HEUTE: Der Doodle wird zum Sonett, Namen werden verschlüsselt

 
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Hallo Friedel,

"Ach Friedel, was kann ich dazu nun wieder schreiben?"

Da spricht mir Gisanne aus dem Herzen. Ich will es trotzdem mal versuchen:

:confused: :) :huldig: :susp: :D, , etc. etc. waren so in etwa meine Gefühle während ich die Story las.

Braucht mehrere Lektüren. Beim ersten Mal ist es ziemlich anstrengend. Da steckt so viel drin, dass ich es entweder sehr langsam lesen muss. So geht ein Bisschen der Pfeffer verloren. Oder aber, ich lese es nach dem Rhythmus, den der Still irgendwie diktiert. Da muss ich aber Dinge überfliegen, kann einfach nicht alles aufnehmen. So plätschert man über die Geschichte drüber und ab und zu bleibt man an einem Detail hängen und weitet die Augen: wow, was ist das denn schon wieder? Z. B.

"Je finstrer es wird, desto greller ihr Schrei."

"Ein wenig tröstlicher Gedanke des Wärmetodes, der alle gleich träfe, ließe sich nicht dieser und jener lebendige Kadaver einfrieren."

"Da weitete sich die Röhre schier unendlich, nur um sich gleich wieder zu verengen und dieses Mal bis hin zum Punkt. Weitete sich wieder und wieder, um sich jedes Mal zu verengen, als stürzte die Meute in ein atmendes Wesen."

Mal „HÄ?“, mal „AHA!“ und mal „OH!“ Wobei es reiner Zufall zu sein scheint, an welchen man eigentlich hängen bleibt. Könnte hier viele zitieren. Die dazwischen sind auch nicht zu überlesen. Es stecken so viele geniale Sätze und Ideen drin, dass man sie einfach mehrmals lesen muss.
Wie einem sowas einfällt?!

Die Sprache ist spritzig und provokativ, gespickt mit Paradoxen und sonstigen Spielereien, die ich weder beim Namen nennen kann, noch immer durchblicke. Manchmal denk ich mir, es würde Deinen Texten gut tun, wenn Du´s uns etwas leichter machen würdest und man nicht bei jedem Satz nachdenken müsste.

Alles verstanden hab´ich definitiv immer noch nicht – ist mir egal. Hat Spaß gemacht.

Hast Recht – zu deuten wag ich´s nicht. Hier bleib ich auf der intuitiven Ebene, und lass die Bilder und Ideen einfach klingen, ohne sie zu interpretieren. Schöner Ausflug ins Wunderland.

Grüß Dich recht herzlich!

Elisabeth

 
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Braucht mehrere Lektüren. Beim ersten Mal ist es ziemlich anstrengend
,

was mir ein bisschen leid tut,

liebe Elisabeth,

aber gibt das nicht Anlass, in einer schelllebigen (jetzt muss ich erst mal die l nachzählen, stimmt nach der gramm. Reformation, wenn's auch blöde aussieht) Zeit bewusst langsamer zu sein, Sand im Getriebe? Oder hat jemand Angst, die Gelbe Gefahr lauerte im Rahmen der Globalisierung? Wie vordem Japan und Korea? Und Pfeffer bleibt erhalten, geht doch gar nicht verloren. Genieß einfach die Würze. Und den Zufall, was ja nix anderes ist als das, was Dir gerade zu- & auffällt.

Es stecken so viele geniale Sätze und Ideen drin, dass man sie einfach mehrmals lesen muss.
Na, mit dem genialen wolln mer ma' nich' übertreiben. Lass ma' erst et Sonettchen fettich sein!
Wie einem sowas einfällt?!
Manchmal überkommt's mich halt, was sicherlich für die Leute, mit denen ich zu tun hab, sicherlich nicht immer ganz einfach ist. Da sind Hunde praktisch: Du erzählst denen was und die wedeln mit'r Rute - was aber nicht unbedingt Freude ausdrückt, sondern ganz einfach Spannung.
Manchmal denk ich mir, es würde Deinen Texten gut tun, wenn Du´s uns etwas leichter machen würdest und man nicht bei jedem Satz nachdenken müsste.
Wäre ich dann noch ich?, obwohl ich auch ganz gut parodieren kann ...
Alles verstanden hab´ich definitiv immer noch nicht – ist mir egal.
Recht getan! Ich z. B. will gar nicht alles verstehen (dann wird man schnell zum gutmütigen Trottel bei andern), schon gar nicht will ich alles wissen (warum z. B. eine rein kommerzielle Veranstaltung incl. Eis-Dealer Love-Parade genannt wurde. Nun sind sie alle McFit!

Hat Spaß gemacht.
Soll's auch, und wer will denn beim Spaß das Denken abstellen? Wer hätte denn was davon?

Schöner Ausflug ins Wunderland
und hinter Spiegeln ...

Dank Dir und auch hier Mundart statt Soziolekt:
Do laachet Hätz, do jrinsd’e Fott!

Gruß & schönes Wochenend vom

Friedel

 
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Zum vergangenen Wochenende hin hat dieses Experiment das Labor verlassen und ist der Realität derart nahegerückt, dass ich mich im Sonderland wähne und auf dem Weg zu Historik oder Satire!

Nach Recherchen durch den Westdeutschen Rundfunk (WDR) wurde am Freitag in der „Aktuellen Stunde“ - der Nachrichtensendung des WDR 3 Fernsehens - ein zu dem Zeitpunkt noch defekter Gullydeckel als mögliche Ursache für über 500 Opfer der Loveparade am 24. Juli 2010 ausgemacht.

Der Videotext des WDR 3 auf die Berichterstattung hin wurde schon etwas reißerischer: „Schlamperei bei der Sicherung der Wege könnte nach Recherchen des WDR Fernsehens möglicherweise das Unglück auf der Loveparade in Duisburg mit verursacht haben“, wobei sich die verkehrstechnische Schlamperei mit dem verdoppelten Konjunktiv verbal fortsetzt. Nun war der immerhin noch defekte „Gullideckel nur provisorisch gesichert. Fotos und Videoaufnahmen zeigten, dass der Gully vor dem Unglück mit einem Bauzaun nur notdürftig abgedeckt war“, um dann doch in Heuchelei zu enden, indem die Zahl der Opfer auf die Zahl der Toten heruntergespielt wird: „Dort kamen zahlreiche der 21 Opfer zu Tode.“

Am Samstag setzte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) – die das Ruhrgebiet beherrschende Tageszeitung, die ein Monopol insofern hat, als die scheinbar konkurrierende NRZ zur WAZ Mediengruppe gehört – eins drauf: Zwar ist der doppelte Konjunktiv nun behoben („Ein schlampig abgesicherter Gullydeckel könnte das Unglück auf der Loveparade verschärft haben“), aber nun ist es sicher: „Genau an der Stelle, an der 21 Menschen zu Tode kamen, …“ war besagter Gully, wobei „bisher bekannt war, dass die Zaunelemente später umgerissen und zu Stolperfallen wurden.“ Wundersam, nun gibt’s auch wenigstens einen Zeugen, dass der Deckel mehr als nur defekt war: „Eine Zeugin gab gegenüber dem WDR nun an, dass offenbar gar kein Deckel auf dem Gullyschacht lag. Nur wenige Minuten vor dem tödlichen Unglück sei sie bis zum Oberschenkel tief in das Loch abgerutscht.“ Was braucht es acht Wochen, um solches herauszufinden, vor allem, dass man Zeuge sei!

Nach Informationen durch wohlinformierte Kreise verweigere allerdings der Gully bisher jede Aussage gegenüber den ermittelnden Beamten.

Bis auf ein wenig Feinschliff ist das Sonett fertig.

Musi denn (Arbeitstitel), zu singen auf die Melodie eines Kinderliedes aus dem 30-jährigen Krieg

Friedel

 
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Hallo Seytania,

es freut mich, dass sich das Lesen gelohnt hat trotz aller Widrigkeiten. Aber ich bin mir sicher, dass Deine Seele keinen Schaden genommen hat und keinen nehmen wird, wenn ich Dir verrate, dass ich justament eine geänderte Fassung ("vorletzter Hand", da bei mir nix außer vielleicht mal ne Steuererklärung fertig wird).

In jedem Fall dank ich Dir fürs Lesen & die Rückmeldung!

Grüß Gott (in alphabetischer Reihenfolge)
Anakreon, Dave, Elisabeth W., Gisanne, Katla, Leif, Set und Seytania
ich dank Euch für die Auseinandersetzung mit dem kleinen Text!

Hi, folks,
Euch allen dank ich für das Interesse.

Was hat sich mit der neuen Fassung geändert?

Zu Anfang und Ende werden Verse aus dem Lennon-McCartney Titel
«Cry Baby Cry» vom Weißen Album (1968) zitiert, das m. E. carrollesk (oder sollte man besser sagen: dodgesong?) und zugleich eins der beklopptesten Lieder überhaupt ist und damit des kleinen Frl. würdig - umso mehr, als Lennon in seinem Mordsjahr das Lied selbst als „a piece of rubbish” bezeichnete. Eben das macht den verachteten Lennon Song für diesen Text kompatibel, wie auch ein erster, wenn auch verworfener Refrain der Art „Cry baby cry, make your mother buy“.
Wer Gänsehaut bekommen möchte, höre sich eine akustische und frühere Fassung auf der Anthology 3 an, die für eine halbtaube Nuss wie mich besser zu verstehen ist als die komplexere Erstveröffentlichung dreißig Jahre zuvor.
Anfangs wird die vierte Strophe
«At twelve o'clock a meeting round the table / ...»,
zum Schluss der Refrain
«Cry baby cry / ...»
zitiert.

Die zwote Erweiterung ergibt sich nun aus Katlas Anregungen bzgl. der Varianten über upwards, abwärts, downwards, kommt mir da doch die Großmutter der Popmusik in Form von Petula Clark entgegen mit dem Klassiker „Downtown“, von dem einzelne Verse uns knappe drei Minuten lang aus dem Radio begleiten werden, bis hin zur Katastrophe, in der die heile Welt nur noch vorgegaukelt wird.

Es folgt erst einmal Kleinkram wie …

beim Satzanfang

Bis’s’e gerade jetz’
, wo der erste Apostroph weggefallen ist, da bei der Präposition „bis“ gar nix fehlt …

Das

- mutiert zum Alphatier, da mich Duden (Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden; aber nur der kann Regeln brechen, der sie auch kennt, denn wie sagt der Volksmund mit Recht „Nichtwissen schützt vor Strafe nicht“), vor allem aber Katlas Sprachkünste überzeugt haben. Eine taube Nuss wie ich kann die Feinheiten in der durch Katla dargestellten Form sich nicht vorstellen, geschweige denn hören. Ich hoff, dass ich nicht versehentlich ein Alfatier übersehen hab!,

… bis die Engelein sängen.

Nun sängen die Engelein nicht nur ein Hosianna, sondern zudem ein fröhlich Liedchen, das nun freilich die Grenzen des Sonetts sprengt (oder, positiv ausgedrückt: erweitert, insofern ich mir erlaubt habe, die klassische Struktur [2 x abba + 2 x cde] mit der englischen [abab cdcd efef gg] zu vermengen). Ich hätte mir vorstellen können, dass Johnny B. Goode als Knochenmann auf dem „rubbish“ in der Unterwelt sitzen könnte und zum Senseschrammeln ein Liedchen zwitscherte, wobei ich fürchten müsste, dass Yoko Ono mir eine knallte.

Dem Satz

Brav dankt sie Gil und erhofft ein Wiedersehen
,
wird angefügt
dass eine Amsel niedersteige, um Alice in die Nase zu picken.
Im Folgesatz
Der aber weiß es besser,
wird der männl. Artikel gegen den Namen Gil ausgewechselt.

Zum Vergleich pack ich die alte Fassung hier hinter.


Kakophonie oder wie heißt die Kunst der Klingeltöner?

Alice gackert’: „Frau Mama,
ich geh weg und du bleibst da!“,
um begeistert hinterm Rattenfänger her zu tänzeln. Freilich pfiff der nicht auf einer Flöte, sondern bediente sich modernen Instrumentariums. Folglich klang seine music auch gänzlich anders als die Musi der Ältern. Gebar diese manch’ liebes Mal feuchte Augen, so ergriff die Musi doch immer die Herzen, während der Rhythmus des Elektrophons in Blut und Bein überging – wie eben bei Missy Alice. Die hatte ihr Gehirn abgeschaltet und folgte innerem Drang. Trippelte hin, tapperte her als irgend ein niedlich tanzender Bär. In Trance, in kleinen Schritten und im Eiermarsch.

Bis’s’e gerade jetz’ – has’de nich’ gesehn!? – weg is’.
Einfach weg!
Einfach so.
So einfach?
Und wat is’ dat da?
Ich werd nich’ mehr!
Hat doch wahrhaftig die Kanalisation geöffnet!

Wer zum Teufel mag den Kanaldeckel entfernt haben?
War et der da oder war’n’t die da?
War et die da oder war et dat da? –
Als könnte das Blag allein den Deckel tragen!

„Upwards!“, gaukelts Elektrophon noch, da flieht Alice bereits abwärts. Saust durch im Hully Gully. Je finstrer es wird, desto greller ihr Schrei. Was Alice als Sendung einer Rohrpost sieht, wirkt bedrohlich. Was sie erfährt, kann ihr nicht gefallen. Sollte niemand gefallen!

Ungleichzeitig krümmen Rücken sich vor Koprolithen. Zahnlose Mäuler betteln, Wärme zu spenden und gerecht zu verteilen. Ein wenig tröstlicher Gedanke des Wärmetodes, der alle gleich träfe, ließe sich nicht dieser und jener lebendige Kadaver einfrieren.

Wenn auch niemand davon so recht satt wird, so wird er doch dem Mineralstoffwechsel letztlich wieder zugeführt, spätestens jetzt ein nützlich’ Glied der Gesellschaft, es sei denn, er wäre Koprolith.

„Behaupten Sie immer noch, der Tod wär ein Meister aus Tiutschiulant?!“, bellt das Alfatier, Koprolith eines planetarischen Reviers mit Hierarchien, die den Underdogs umso höher erscheinen müssen, je flacher die Hierarchen sich gäben.
„Historisch gesehn, ja“, antwortet gesenkten Blicks der Gefragte mit eingezogner Rute. „Prinzipiell aber …“
„Wissen Sie überhaupt, welche Schande Sie über unsern Planeten bringen mit Ihrer Todesunfuge?!“, schlägt das Alfatier theatralisch mit einem Donnerwetter in die andre Rede ein.
„Lassen Sie mich bitte ausreden, Euer Hoheit!“, bittet der Gefragte vorsichtig.
„Bitte“, knurrt es drohend zurück und übertrieben freundlich und umso gefährlicher: „Ich bitte doch recht herzlich darum, mein lieber Freund!“
„Historisch gesehn, ja“, hebt der Gebetene an, um anzufügen, „prinzipiell aber birgt jede Gesellschaft dieses Talent, was Sie schon mit dem Konjunktiv irrealis korrekt ausdrücken, Euer Hohlheit. - Man bräucht’s nur zu fordern und zu fördern.“

Also läutet das Gesetz: Ein Ziel habe jeder vor Augen, wenn er gleich blind wäre.
Doch schränkt das gleiche Gesetz ein: Wenngleich jeder sein Ziel vor Augen sehe, erreiche es doch nicht jedermann, wisse doch nicht jeder seinen Ellenbogen zu eignem Nutz’ und Frommen effizient und vor allem effektiv einzusetzen, um den im Wege Stehenden wegzuräumen, was vom Gesetz nicht weiter geläutet oder gar erläutert werden müsse, sollte doch der blödeste Hund einsehen, dass nur immer einer ganz oben ankommen kann, die große Masse aber das Fundament der Pyramide abgibt und in seiner Tragfähigkeit den Sinn ihres Daseins findet.
Da ruft erfreut das Alfatier und wedelt zugleich begeistert die Rute: „Fördern und fordern!“, dass keckfrech ein Welpe spottet: „Dem Schönen und Reichen ein schonen und schmeicheln. Dem Harten reichlich, kein Erbarmen dem, der zu weichlich!“, dass sich Nackenhaare sträuben und die Rute zum Sturme wedelt. Zum Dank wird der Welpe mit den knorrigen Worten „wer hat dich Würmchen denn gefragt?“ vom Alfatier fest im Nacken gepackt und geschüttelt, dass einem das Lachen vergeht. Geht mir weg mit’m Welpenschutz!

Der eine träumt.
Traumlos der andre.
Der Welpe hat ausgeträumt.
Ein unnützer Fresser weniger in Rudel, Meute und Revier.
„Musste das sein, Euer Hohnheit?!“, hört Alice sich selbst.

Ziellos streben die Geschwister Angsthaas und Mutwilli auf den Gemeinplatz, ins Vergnügen oder in die Leichenhalle. Ficken, bis die Leibeshülle weich wird. Zungen verstummen vor der Zeit. Gebettet unter weinenden Kerzen, fremden Blumen, Kränzen und Düften, doch vor allem liebevoll gestreichelt, erfährt mancher im Zerfall Zuneigung, die ihm im Leben versagt geblieben ist. Der Tod ist der Meister des Lebens.
Selten stinkt ein Fisch allein. Die Gemeinschaft der Alfa- und Betatiere klingelt bis dato unerhörte Töne: Die Wiedergeburt des Requiems aus der Unfähigkeit zu trauern.
Horror wohl bekannter Orte.
Wie viel Kunst steckt eigentlich in Klingeltönen?
Dass Schmerz sie bereiten, verspürt besonders das hündische Ohr.

„Musste das sein, Euer Hohnheit?!“, vernimmt Alice nicht allein - dem widerspräche die Meute der Höllenhunde, welche hinter ihr her stürzt als lärmend-fröhliche Korona. Alle getrieben von innerer Kraft, aus Wut und vor Angst, dass Opfer und Meute eins werden. –
Oder wär es doch ein Vakuum, das diese kleine unfriedliche Gesellschaft in die Rohrpost hineinzöge, dass es nie zu einem Ende käme? Da weitete sich die Röhre schier unendlich, nur um sich gleich wieder zu verengen und dieses Mal bis hin zum Punkt. Weitete sich wieder und wieder, um sich jedes Mal zu verengen, als stürzte die Meute in ein atmendes Wesen.
Die schönste aller Welten in wabernden Wolken schwülwarmen Dampfes täte sich auf, darinnen auf meckernden Schäfchenwolken frohlockend zerstreute Engelein Hosianna sängen.
Wissen S’e überhaupt, dat alle Engel niedlich sind, ausgenommen natürlich die Wache vorm Paradies oder –das?
Die spielten die Harfe im Hafenkonzert mit Bläsern, Pauken & Trompeten, dazu Ma’janne & Michel + die stampfenden Stinkstiefel volkstümelnder Shitparadierender, die zudem den Rhythmus durch Händeklatschen verstärkten.
Hinwiederum ritten andere Engelchen blöde grinsend oder verlegen lächelnd, je nach Standpunkt des Betrachters - wer mag das entscheiden? - auf rosig quiekenden Schweinchen und hielten, da sie verkehrt herum rittlings auf dem prallen Leben säßen, verkrampft an den aufrechtstehenden, quasi entringelreihten Schwänzen sich fest
(oder - jetzt stockt der Traum, stolpert übern Einwand - steuerten die Putten mittels der Schwänze die Schweine?, oder wären es Joysticks von schweineähnlichen Maschinen? Aber nein, nein, drei Mal nein!, es gibt kein Grübeln während des Albtraums).
In den rosafarbenen Bäuchen der Schweine steckte jeweils ein Dreizack, gehalten von je zwei Teufeln - den geklonten Söhnen Luzifers,
wäre das die Hölle im Zeitalter der Reproduktion?,
der darum doch auch Herr der Unterwelt wäre, mit allen Wassern & Feuern der Himmel & Höllen und allem was dazwischen läge,
darum dass Menschen immer Furcht vor der unbekannten Weite, Tiefe und Wildnis der Gewässer haben - deren Mäuler Feuer speien in dieser dunstig düstern Welt –
und die Reittiere allmählich in Spanferkel verwandelten und kraftvoll in Richtung Fegefeuer und Hölle drängten, einen feuchtfröhlichen Grillabend zu gestalten.
Das Fegefeuer erkenne ich als eine Imbissstube, die Hölle hingegen als ein bekanntes Fastfoodrestaurant mit Pampe aus der Pampa und panierten Meeresfrüchten.

Endlich! käme Alice auf einem stinkenden Haufen Mistes zu liegen.

Nur langsam gewöhnten sich die Augen ans spärliche Licht, das durch eine kleine Öffnung hoch oben in den Schacht hineinfände – der fehlende Kanaldeckel? Auf dem Boden vermeinte sie zwischen Pfützen aus Urin und Haufen aus Kot, - und also schmeckte die Luft auf der Zunge, neben der Bitternis der Gebrüder Schimmel und Pilz, - (erb-)ärmliche Gestalten zu erkennen, die stumpfsinnig in ihren abgetragenen und zerfetzten Stoffen hockten oder lägen, lallten oder stöhnten, seufzten oder heulten. An die hundert Leute oder auch mehr, soeben noch stolz erhobenen Hauptes und doch schon kopflos, Wohlhochgeborene und doch in den niederen Stand gestürzt und verwesend, Reiche und Edle vereint mit lichtscheuem Gesindel, Bürger, Bauer, Bettelmann, dass Lichtenbergs Physik der Gesellschaft verifiziert würde: Nicht jeder, der Hochwohlgeboren, sei Hochwohlgestorben,
die Armen liefen barfuß, die Reichen und Schönen barbusig. Alle fänden Einlass und doch nicht den Ausgang, würden auf bekannte Weise hinein- & hinabbefördert, Gesunde wie Kranke, Starke, Schwache und Gebrechliche, Männer, Frauen und auch Kinder, Schwuchteln und Tunten, Hünen und Zwerge, Dicke und Dünne, Breite und Schmale. Alle würden sie zu Hungerleidern und auf diese Weise gleich skelettiert. Skelettiert fänden sie die Solidarität der Sumpfblüten und Pissnelken. Auf den Haufen und zwischen den Pfützen krabbelte so mancherlei Getier, welches für gewöhnlich das Licht meidet und die Sicherheit der Düsternis sucht. Kakerlaken, La cucaracha klappernd, krabbelten über Händ‘ und Gesichter. Ratten fräßen nicht nur die spärliche und zerfetzte Kleidung, sondern offensichtlich auch die Gliedmaßen einiger Gestürzter an. Es handelte sich in all der Kakophonie um einen Kerker, in den Alice während des Albtraums blickte. Da stänk' es durchs Fensterlein zum Himmel, dass Gottvater sich Nase und Ohren verschlösse – nicht aber den Schacht. Dessen ist Alice nun sicher.

Aus dem Elend aber ragte die Gestalt eines ellenlangen Kerls mit breiter Brust, der trüg’ einen verreckenden Freund auf den Armen. Eben der hätte das letzte Geheimnis entdeckt. Mit den Worten „Ich kann es Dir nicht sagen, Freund. Künde ich Dir das Gesetz der Erde, so setztestu Dich nieder, um zu weinen“ würd’ er zu Erde.

Fröhlich pfiff der Pied Piper als die Meute der Schnauzer und Pinscher ihrer Bestimmung folgte und über die Ratten herfiele - wobei sie anderes Fleisch, selbst Aas nicht verachteten. Da reckte sich der Riese zu einer Höhe von elf Ellen, dass die Breite der Brust an die neun Spannen gäbe. Zugleich ergösse sich ein Sturzbach aus Tränen hinab, um Not und Elend dieser Welt zu ersäufen. Nach einem gewaltigen Schrei aber wäre seine Rede: “Us two bin get hard time killin’ dog but now feelin’ like nothin’ on earth”, bevor er Alice seinen Namen gäbe “who go down first is loser. So ya wanna be high up on da wall take ma piggyback service ’n’ call me Gil” – dass Alice antwortete “eye’m miss Liddell, but call me pleasance”, bevor sie Huckepack genommen würde.

Auf ginge es, dem Licht entgegen.

Ein jeder träumt.
Keiner ist traumlos.
Einige vergessen ihren Traum.
Andere verraten oder verkaufen ihn.
Mancher geht daran zugrunde.

„… abwärts“ hört Alice wen rufen, „upwards!“ antwortet Gil und erklimmt mit seiner Last den Lichtschacht.
Am Rand stehn Leute. Sind tief bewegt, doch dann erschrocken und entsetzt als der Riesenkerl mit der Frau im Gepäck heraussteigt aus dem Schacht. Kopfschütteln ist und einer zeigt auf den andern, dass es plappert
„War es der da oder war’n es die da? – Ich war’s nicht!“ –
„War es die da oder war es das da?“ – als könnt’ ein Kind den Kanaldeckel entfernt haben!

Gil aber interessiert die Schuldfrage nicht. Ihn zieht’s in die ferne Heimöde Uruk – wie auch Alice sich nach der Mutter sehnt. Brav dankt sie Gil und erhofft ein Wiedersehen. Der aber weiß es besser, sagt ihr aber nicht, dass dieser Wunsch unerfüllt bleiben muss.

Zuhaus sitzt derweil die Frau Mama:
„’s Kind ist weg und ich bin da …“,
dass sie vom Schlag getroffen wird, als eine unbekannte Missus den Raum betritt und gagat: „Mummy more better than canalis over here get plenty kaukau“, um schließlich zu gackern:
„Freue dich, oh Frau Mama,
bin immer fort, doch immerdar.“

Geändert von Friedrichard (01.09.2010 um 15:31 Uhr). Grund: Gisanne & Katla sei's gedankt, selbst Shakespeare ist itzo korrigiert & renoviert!

 

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