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Katzengesang

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01.04.2009
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Katzengesang

Diese verdammte Katze! Jetzt heult sie schon wieder so laut im Garten. Es ist jede Nacht dasselbe, nie hat man seine Ruhe! Wem zum Teufel gehört dieses Mistvieh überhaupt? Der wird ein Donnerwetter zu hören bekommen! Er soll gefälligst seine Katze zu Hause einsperren in der Nacht! Bestimmt scheisst sie auch noch hier in den Garten. Dann stinkt es wieder unerträglich, so dass er keine Minute im Garten geniessen kann, ohne zuerst die Scheisse wegzuräumen. Na endlich: Stille.

Herr Müller versucht sich zu beruhigen. Weil ihm das nicht sofort gelingt, schlurft er ins Bad, schnappt sich eine Schlaftablette und schluckt sie mit wenig Wasser vom Hahn. Jetzt sollte es dann klappen mit Einschlafen; in einer halben Stunde wirkt die Tablette.

Herr Müller lässt sich in die Kissen zurückfallen und schaltet die Lampe auf dem Fenstersims neben seinem Bett aus. Doch kaum hat er die Augen zugemacht, hört er ein durchdringendes Fiepen. Widerwillig schaltet er das Licht wieder ein. Was zum Teufel ist denn jetzt schon wieder los? In dieser Nachbarschaft kann man keine Sommernacht mit geöffnetem Fenster schlafen; das ist eine Zumutung!

Vor Wut fast platzend packt Herr Müller die Nachttischlampe und leuchtet damit in den Garten. Genau unter dem Fenster sitzt das verdammte Vieh, mitten in seinen Tulpen, und spielt mit einer in Todesangst kreischenden Maus.
„Hau ab! Verschwinde!“, schreit er die Katze an und fuchtelt wild mit der Lampe herum. Doch die Katze zeigt sich wenig beeindruckt. Sie wirft Herrn Müller einen fragenden Blick zu und widmet ihre Aufmerksamkeit wieder der sterbenden Maus. Sie nimmt die Maus in die Schnauze und wirft sie in die Luft. Die Maus piepst nochmals und die Katze schaut kurz schräg hinauf zu Herrn Müller. Sie lacht ihn aus! Bestimmt kommt sie absichtlich immer in seinen Garten, weil sie weiss, dass er sich gottlos aufregt über sie. Es macht ihr sogar Spass, wenn er fluchend mit rotem Kopf am Fenster erscheint!

Ein letztes klägliches Piepsen der Maus – dann ist es ruhig. Er starrt die Katze an, die nun die Maus mit einem knackenden Geräusch verschlingt. Jetzt ist die Katze satt; da wird sie sich wohl zurückziehen. Schon will er sich umdrehen und zu Bett gehen, als die Katze wieder zu singen anfängt. Er kann es nicht fassen. Sie glotzt mit grossen unschuldigen Augen zu ihm herauf und miaut herzzerreissend. Ja hat denn dieses Vieh kein Herrchen, das es nerven könnte?
„Fertig jetzt!“ schreit Herr Müller.
„Miaaaaaauu!“, antwortet die Katze.
Sie verhöhnt ihn, definitiv. Aber das lässt er sich nicht bieten, nicht von einem strohdummen und nichtsnutzigen Wollknäuel! Wütend holt er mit dem Arm aus und schmeisst die Lampe, welche ein langes Kabel hat, auf die Katze hinunter. Mit einem eleganten Sprung rettet sich diese vor dem Geschoss und wirft Herrn Müller aus sicherer Distanz einen vielsagenden Blick zu. Doch es scheint gewirkt zu haben, die Katze verzieht sich in Nachbars Garten.

Endlich Ruhe! Erschöpft von der Aufregung und unter der einsetzenden Wirkung der Schlaftablette denkt Herr Müller nicht einmal mehr daran, die Lampe am Kabel raufzuziehen. Er lässt sich einfach in sein Bett plumpsen und fällt sofort in einen tiefen Schlaf.

Wenig später stolziert die Katze mit einer Maus in der Schnauze zurück in seinen Garten. Herr Müller wird sich sicher über das mitgebrachte Geschenk freuen! Doch was ist hier los? Herr Müller steht ja gar nicht mehr am Fenster! Diese Menschen sind einfach zu ungeduldig. So lange hat sie ja gar nicht gebraucht, um die Maus zu fangen!
Vorhin, als sie mit ihrer Maus spielte, hatte sie deutlich gemerkt, dass er eifersüchtig war. Er wollte bestimmt am liebsten selber eine haben. Darum hatte sie ihm miauend versprochen, auch eine Maus für ihn zu fangen. Und er schien sie verstanden zu haben, denn er warf ihr ja zum Dank dieses Spielzeug in den Garten. Und jetzt ist er einfach schlafen gegangen? Schade, mit ihm ist es immer kurzweilig; ausserdem ist er fast der einzige Mensch, der sich regelmässig mit ihr abgibt.
Die Katze deponiert die Maus unter Herrn Müllers Fenster. Am nächsten Morgen wird er sich bestimmt über die Überraschung freuen.

Jetzt will sie das leuchtende Spielzeug aber nicht länger warten lassen. Neugierig nähert sie sich der brennenden Lampe auf dem Rasen. Da tanzen ja Falter im Licht! Das Flattern der Flügel hört sich wie eine Einladung an: „Komm spiel mit uns!“, scheinen sie zu rufen. Der Tiger nimmt diese Aufforderung gerne an: Er duckt sich und sucht sich mit grossen Pupillen ein Opfer aus. Er wackelt mit dem Hinterteil und springt plötzlich mit den Krallen voran auf einen Falter und den Lampenschirm, der dadurch einen beträchtlichen Schranz erhält. „Was für ein tolles Spielzeug!“, denkt die Katze und schon nimmt das nächtliche Vergnügen seinen Lauf.

Am nächsten Morgen trifft Herrn Müller fast der Schlag, als er aus dem Fenster schaut. Seine wunderbaren Tulpen liegen geknickt und zertrampelt auf der Erde. Und seine Lampe, die er nachts nicht mehr reingeholt hat - herrje! Der Lampenschirm ist völlig zerfetzt.

Schon flammt die Wut auf die Katze wieder im geplagten Mann auf. Dieses verdammte Mistvieh schafft es tatsächlich, auch am Morgen sein erster, unliebsamer Gedanke zu sein! Und igitt! Was liegt denn da direkt unter seinem Fenster? Eine tote Maus! Jetzt reicht es endgültig, so kann das nicht weitergehen. Da muss er etwas dagegen unternehmen! Und er hat auch schon einen konkreten Plan. Er packt seine Jacke, verlässt das Haus und setzt sich in seinen Wagen. Sein Ziel ist ein Elektrofachgeschäft. Dort kauft er einen sogenannten Katzenschreck: Durch Ultraschallwellen, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind, schlägt dieses Gerät Katzen in die Flucht. Zufrieden installiert Herr Müller das Gerät in seinem Garten und freut sich auf störungsfreie Nächte. Was er nicht weiss; Sein nächtlicher Besucher hat ein Geburtsgebrechen; er kann Ultraschallwellen gar nicht hören...

 

Hallo evenstarlet,

ich muss leider sagen, dass ich in der Geschichte keinen Humor gefunden hab. Mag auch an mir liegen, aber die würde meiner Meinung nach besser in die Kategorie Alltag gehören.
Ich konnte auch leider keine Aussage oder Pointe in der KG entdecken. Die Figuren bleiben auch ziemlich blass. In erster Linie haben wir da den geplagten Mann, aber der bleibt auf Zorn und Gejammer beschränkt.

Wenig später schleicht sich die Katze zurück in seinen Garten. In der Wiese neben den Tulpen liegt noch immer die brennende Lampe. Interessiert schnuppert der Tiger am Lampenschirm. Er sieht Falter im Licht tanzen. Das Flattern der Flügel hört sich für ihn wie eine Einladung an: „Komm spiel mit uns!“, scheinen sie ihm zu zurufen. Der Tiger nimmt diese Aufforderung gerne an:
Die Passage fand ich ganz nett, denn ich dachte, dass jetzt die zweite Perspektive in den Vordergrund tritt. Hätte hier jetzt eine Pointe erwartet die aus Katzensicht das Verhalten des Mannes als lockend zeichnet. Leider bleibt es bei dem Lampenspiel.
Vielleicht kannst du mir ja dabei helfen, die KG etwas transparenter zu machen. :)

Liebe Grüße,
Seelenschmied

 

Hallo Seelenschmied,
Das mit der Katzensicht, die das Verhalten des Mannes als lockend zeichnet, finde ich eine gute Idee, danke! Das Problem bei meinen Kurzgeschichten ist, dass sie auf ein Foto passen müssen, da bin ich oft eingeschränkt beim Schreiben. Hier zum Beispiel kann ich die Katzensicht sicher nicht weglassen, weil auf dem Foto eine Katze in eine brennende Nachttischlampe schaut, welche auf einem Rasen liegt. Vielleicht ist deine Idee diejenige, die ich gesucht habe :-) Vielen Dank!

 

Hallo evenstarlet,

ich denke, nach dem Humor in der Geschichte mit dem entnervten Katzenhasser muss man nicht lange suchen, auch wenn es jetzt keine Witze-Story ist. Aber das sollte sie vermutlich auch nicht sein.

Ja, eine knallende Pointe am Schluss wäre klasse gewesen. Eine kleine Pointe wäre schon der ruinierte Garten gewesen am nächsten Morgen. Nachdem dann aber anschließend noch beschrieben wird, dass die nächste Runde des Kampfes schon wieder vorbereitet wird, ist das zumindest keine Schlusspointe mehr.

Gerne gelesen hab ich die Geschichte auf jeden Fall.

Bei einem Satz hat es bei mir beim Lesen etwas geruckelt:

Vor Wut fast platzend packt Herr Müller die Nachttischlampe und zündet damit in den Garten.

Du meinst mit "zünden" eine schnelle Fortbewegung? Ich dachte bei "zünden" in Zusammenhang mit "Nachtischlampe" erstmal an das Entzünden eines Lichtes und dann hat der Satz keinen Sinn ergeben. Lag vielleicht aber auch an meiner eigenen Denke beim Lesen und hat gar nichts mit der Formulierung zu tun.

 

Hallo evenstarlet,

die Idee mit dem Foto finde ich toll. :) Das muss ich auch mal probieren. Wollte nur nochmal ein paar Anmerkungen zu meiner Auffassung der Geschichte loswerden. Mit dem Hintergedanken einer Momentaufnahme funktioniert sie weit besser. Danke für die Info, damit liest sich die Geschichte gleich anders. :)
Der Humor trifft mich trotzdem nicht. Mag aber auch daran liegen, dass ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin und nervtötendes Katzengeheule (oder noch schlimmer: Katzenkämpfe) deshalb nicht mehr lustig finden kann. Darum empfinde ich für den armen Mann eher Mitleid. :)

Liebe Grüße,
Seelenschmied

 

So, ich hab die Geschichte nun mit Seelenschmieds Vorschlag ergänzt und allgemein ein wenig abgeändert :-)
Nochmals Danke!

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo evenstarlet!

Der Herr Müller zeigt keinerlei Humor. Kann er auch nicht, angesichts der nervigen Katze. Diese wiederum besitzt naturgemäß keinen Humor.
Das witzige an der Geschichte ist, dass dort zwei Figuren aufeinandertreffen, welche ein und dieselbe Situation vollkommen unterschiedlich deuten. Beide haben sozusagen unterschiedliche Drehbücher und sind dennoch gezwungen, auf einer Bühne miteinander (und gegeneinander) zu agieren.
In diesem Sinne halte ich den Elektrozaun als Endlösung für nicht geeignet. Er verwehrt der Katze den Zugang zur Bühne.
Herr Müller sollte sich am Ende etwas einfallen lassen, von dem er glaubt es würde helfen, aber für die Katze nur einen weiteren Anreiz darstellt, mit ihrem geliebten Herrn Müller zu spielen.
Dann könnte der Leser mit einem wissenden Lächeln die Geschichte verlassen.

Gruß

Asterix

Nachtrag:
Wäre gut, wenn du dich zu einigen Geschichten anderer Mitglieder mal äußern würdest.

 

Vielen Dank für die Kritik, Asterix.
Das Ende wurde abgeändert: Der Katze ist in naher Zukunft der Zugang zur Bühne nicht mehr verwehrt.

Ich werde mir Zeit nehmen andere Geschichten zu lesen und Kommentare dazu zu verfassen, sobald ich mit meiner Maturaarbeit fertig bin. Denn im Moment bin ich ziemlich im Stress, da bald der Abgabetermin ist.

 

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