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Landgang

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08.01.2018
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Landgang

Der Tisch, an dem ich saß, mochte einmal laminiert gewesen sein. Jetzt bestand sein Muster aus Ringen, die von Gläsern stammen mussten, aus denen billiger Gin getrunken wurde wie mein dritter oder vierter heute. Ich sah auf den Fluss hinaus, tauschte den Geruch nach Fisch und Abwasser gegen den des Wacholders und fühlte mich so fremd wie an jedem Ort der Welt.

Die Brünette, die in meinem Blickfeld saß, drehte mit dem Zeigefinger Kreise auf dem gläsernen Rand, als wollte sie ein Lied begleiten, das von ihr handelte und von jemandem, auf den sie wartete. Ich zog den Kugelschreiber aus der Hemdtasche. Vor mir lagen die Ansichtskarten, die ich aus dem einzigen Laden auf dem Weg hierher hatte. Die Karten zeigten Sehenswürdigkeiten, von denen ich keine kannte und nicht eine zu Gesicht bekommen wollte. Ich wählte die erstbeste Rückseite und schrieb ein paar Zeilen.

„Hey Süße“, begann ich, „ich bin ziemlich weit weg von Zuhause, du wirst nicht erraten, wo ich gerade sitze. Tut auch nichts zur Sache.“
Die Dame gegenüber ließ ihren Blick über die Terrasse schweifen. Ihre Fingernägel wirkten etwas zu dunkel und ihre Lippen zu stark geschminkt, zumindest für meinen Geschmack. Ihr Kinn stand kantig hervor und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür. Sie trank einen Schluck und betrachtete ihr Glas, als stünde ihre Geschichte darin. Einen jungen Kerl in weißer Uniform, der sich vor ihrem Tisch in Position brachte, winkte sie vorbei, ohne den Blick zu heben.

„Du fehlst mir!“, fuhr ich fort, weil mir nichts Sinnvolleres einfallen wollte. Ich strich über das Tattoo auf meinem Arm, fuhr ihre Initialen entlang und hatte sie glasklar vor Augen. Mir fehlte das Gefühl ihrer Locken, die durch meine Finger glitten, wenn ich sie morgens weckte und ihr über die Wange strich. Mir fehlte ihr Lächeln, das sie verriet, wenn sie so tat, als schliefe sie noch.

Moskitos führten hektische Tänze um die wenigen Laternen auf, die an Kunststoffleinen hingen, und ich stellte mir vor, wie derselbe Mond, der hier auf diesen Fluss und auf mich schien, die einzige Frau finden konnte, die mir etwas bedeutete. Ich fragte mich, ob sie gerade an mich dachte. Ich war nicht gern an Land, niemand von uns war das. Wenn ich an Land war, war es immer, als müsste ich nur weit genug gehen, um dorthin zu gelangen, wo ich jetzt besser sein sollte. Auf See war ich allein, ohne einsam zu sein, weil ich nur auf dem Weg zu einem Hafen war, in dessen Umgebung ich mir einen Tisch, einen Stuhl und ein Glas suchte, mit denen ich auf das erneute Auslaufen warten konnte.

„Ich liebe dich!“, schrieb ich. „Ich werde dich immer lieben!“ Der letzte Schluck war nicht kräftig genug, um mir meine Stimme zurückzugeben, also legte ich einen Schein auf den Tisch, nickte dem Kellner zu und stand auf. Die Karte legte ich der Brünetten hin, als sie sich umdrehte und eine erneute Bestellung winkte. Meine Süße würde sie nicht lesen, ich kannte ihre neue Adresse nicht, nicht einmal ihren neuen Namen. Beim Hinausgehen warf ich einen Blick über die Schulter. Die Brünette sah sich um und tupfte mit der schmutzigen Serviette an ihren Augen herum. Ich hoffte für sie, einer ihrer Blicke möge nicht enttäuscht werden, glaubte aber nicht wirklich daran. Landgang. Keine Sehnsucht starb dabei, aber ständig wurden neue geboren.

 

Hallo @joycec
schön, dass du deinen Text in die Challenge hast verschieben lassen. Viel besser kann man die Redewendung "Ein Leben aus dem Koffer" ja nicht vertexten.
Ich mag Stimmungsbilder, daher gefällt mir dein Text prinzipiell. Er enthält schöne Wendungen, das Ende rundet die melancholische Parallelhandlung ab. Mag ich.
Trotzdem sind mir Dinge aufgefallen. Du schreibst irgendwo, das sei halt deine Art des Schreibens. Da bin ich prinzipiell bei dir, denn jeder Autor entwickelt seine persönliche Sprache, und da sollte man nicht krampfhaft versuchen, krampfhaft einen anderen Stil zu entwickeln. Trotzdem, auch wenn man sich als Leser auf die persönliche Sprache einlässt, können einen Häufungen und Ungerichtetheiten auffallen.
Du verwendest auffällig oft Relativsätze. Ich kann das einerseits verstehen, denn das erzeugt oft einen ganz schönen Sog. Und wenn man sie nicht unaufhörlich verwendet, sondern sie mit anderen Satzstrukturen abwechselt, passt das schon. Schwierig wird das aber, wenn die Schleifen bilden, also ein Relativsatz dem nächsten folgt, und zwar nicht auf einer Aufzaählungs- sondern auf einer Abhängigkeitsebene. Dann muss man mit seiner Beschreibung sehr genau sein und sehr fokussiert in seinen Beobachtungen, damit man den Leser nicht ermüdet oder aus der Blickrichtung haut. Ich mach mal ein paar Beispiele.

Ich machs mal im Einzelnen:

Der Tisch, an dem ich saß, mochte einmal laminiert gewesen sein.
Der Beginn gefällt. Ich weiß da gleich, das kann eine Kneipe sein , und zwar keine besonders gute.

Jetzt bestand sein Muster aus Ringen, die von Gläsern stammen mussten, aus denen der gleiche billige Gin getrunken worden war wie der, den ich vor mir hatte.
Das ist so ein Beispiel: Hauptsatz, Relativsatz, Relativsatz, Relativsatz.
Das finde ich übertrieben und weil es permanent die Blickrichtung ändert, aber immer innerhalb ein und derselben Satzstruktur bleibt, wirkt es auf mich unfokussiert und verwaschen.
Inhaltlich frage ich mich, wie sie wissen kann, dass es der gleiche billige Fusel war, wie der, den sie da grade trinkt. Und wieso das überhaupt wichtig ist. Das ist so ein Satz, der unbedingt eine gewisse Stimmung erzeugen will. Er benutzt dabei altbekannte Elemente wie den Fusel, die Abdrücke der Gläser, was ich prinzipiell gar nicht schlimm finde. Das ist auch nicht meine Kritik, dass es häufig verwendete Elemente sind, Klischees. Sondern meine Kritik ist, dass du unbedingt und so sehr auf die Stimmung setzen willst mit deinen mäandernden Relativsätzen, dass du darüber manchmal die Genauigkeit verlierst. Ich mach mal zwei Beispiele:

Ich sah auf den Fluss hinaus, tauschte den Geruch nach Fisch und Abwasser gegen den des zur Unkenntlichkeit destillierten Wacholders und fühlte mich so fremd wie an jedem Ort der Welt.
Keine Relativsätze, aber dafür was anderes, was mir aufgefallen ist. Ich weiß nicht, ich finde die Idee, die dahinter steckt, natürlich schön, hier mit den Gerüchen zu arbeiten. Aber du gehst gleich weg aus der Szene, wo dieser Mann riecht und die Gerüche etwas mit ihm tun, sondern verwendest ein in diesem Bedeutungszusammenhang eher zusammenfassendes Verb wie "tauschte". Dann fügst du darin noch eine neue Aussage über den Wacholder ein. Ich bin mir grad nicht sicher, ob "tauschte" und Gerüche so gut zusammenpasst, auch die Ergänzung mit dem Wacholder ist streng genommen ungenau. Spielst du auf das Aussehen des Schnapses an, wenn du schreibst "bis zur Unkenntlichkeit destilliert", oder willst du sagen, er schmeckt scheiße? Das weiß ich doch aber schon längst als Leser. Also wichtig: Warum bleibst du nicht bei seinen Wahrnehmungen und bei dem, was er tut? Das dauert natürlich länger, wenn du ihn wahrnehmen und tun lässt und du kommst dann über die geforderte Maximalwortmenge. Aber ich denke, dass so manche eher erzählte Schlussfolgerung dann besser eingebettet ist.
Das ist einfach eine Anregung, mal anders in die Szene und in das Tun und Wahrnehmen eines Protagonisten reinzugehen. Die Streichung habe ich gemacht, weil mir die Aussage über den Wacholder wieder unfokussiert und künstlich stimmungserzeugend vorkommt.

Moskitos führten hektische Tänze um die wenigen Laternen auf, die an Kunststoffleinen hingen, und ich stellte mir vor, wie derselbe Mond, der hier auf diesen Fluss und auf mich schien, die einzige Frau finden konnte, die mir etwas bedeutete.
Auch schön, aber wieder so ein ungerichtetes Verb. Warum nicht Moskitos tanzten anstatt "führten hektische Tänze ...auf".
Dann wäre vielleicht auch die danach folgende Aneinanderreihung von Relativsätzen, nicht mehr ganz so geballt. Auch bei deinen Beobachtungen denke ich manchmal, du könntest dich beschränken. Du willst unbedingt noch mitteilen, dass es wenige Lampen sind, dass sie an Kunststoffleinen hängen. Brauchst und willst du das unbedingt alles? Wozu brauchst du diese Beobachtungen, was sollen sie bewirken? Nicht falsch verstehen, ich finde das prinzipiell gut, was du machst, nur wenn man schon auf eine Maximalwortzahl raus will, dann klappt das glaube ich nur mit hoher Genauigkeit und mit sehr treffendenden Beschreibungen, die sich dann auch nicht mehr wiederholen brauchen.

Naja und den Satz mit der Bettdecke zitiere ich jetzt nicht mehr, aber der ist wirklich sehr ungeschickt.

Du hast viel Schönes drin, ich wollte es eigentlich noch zitieren, aber jetzt fehlt mir die Zeit.
Sorry dafür, denn das Lob der Stellen und Sätze, die gut und stimmungsvoll gelungen sind, das braucht man eigentlich auch.
Stellvertretend nehme ich deinen Schlussatz: Keine Sehnsucht starb dabei, aber ständig wurden neue geboren.
Wunderschön.

Viele Grüße von Novak

 

Hallo @joycec
schön, dass du deinen Text in die Challenge hast verschieben lassen. Viel besser kann man die Redewendung "Ein Leben aus dem Koffer" ja nicht vertexten.
Ich mag Stimmungsbilder, daher gefällt mir dein Text prinzipiell. Er enthält schöne Wendungen, das Ende rundet die melancholische Parallelhandlung ab. Mag ich.
Trotzdem sind mir Dinge aufgefallen. Du schreibst irgendwo, das sei halt deine Art des Schreibens. Da bin ich prinzipiell bei dir, denn jeder Autor entwickelt seine persönliche Sprache, und da sollte man nicht krampfhaft versuchen, krampfhaft einen anderen Stil zu entwickeln. Trotzdem, auch wenn man sich als Leser auf die persönliche Sprache einlässt, können einen Häufungen und Ungerichtetheiten auffallen.
Du verwendest auffällig oft Relativsätze.
Schwierig wird das aber, wenn die Schleifen bilden, also ein Relativsatz dem nächsten folgt, und zwar nicht auf einer Aufzaählungs- sondern auf einer Abhängigkeitsebene. Dann muss man mit seiner Beschreibung sehr genau sein und sehr fokussiert in seinen Beobachtungen, damit man den Leser nicht ermüdet oder aus der Blickrichtung haut.

Hallo Novak,
da kann ich doch mal was mit anfangen. Nicht mehr heute, nicht mehr nach zwei Tagen Meeting und einer Bahnfahrt, aber da kommen mir einige Anmerkungen bekannt vor und du hast so manche Wunde gezielt getroffen.
Jo, ist mein Stil, manchmal. Gefällt mir, so zu schreiben. Und ich kritisiere gerne selbst, dass nichts zwischen die Zeilen gehört, dass sich im Kopf der Schreibenden befindet und manchmal neige ich zum Plappern oder Kritzeln, wo ich - wie du zurecht und an trefflicher Stelle angemerkt hast - scharf zeichnen sollte. Vergessen wir mal die Decke. ;-)

Das Unnötige raus, das Treffliche vermehrt. Das ist die Zauberformel. Gefällt auch nicht allen. Wäre für den 600er aber sicher das goldene Maß. Das sind, nein, das waren bei mir zwei bis vier Stunden "Arbeit". Ich hoffe mal, dass da zukünftig mehr Zeit sein wird. Und vor allem mehr Geduld. ;-)

Der Bauchpinselei hatte ich (auch andernorts) genug, das tut nicht Not. Ich danke dir für die ausführliche und sehr treffliche Kritik! Genau dafür bin ich hier!

Danke! Und schönen Gruß
Joyce

 

Hallo @joycec ,

feine kleine Geschichte, sehr stimmig und vielsagend. Ich habe sie gerne gelesen, aber am Ende bin ich enttäuscht, dass sie nicht weiterläuft. Ich gerade so schön im Flow mit deinen Aussagen, freue mich auf die nächsten gut und treffend formulierten Aussagen und da schickst du mich vor die Tür.
Natürlich doppeldeutig, denn Landurlaube sind immer zu kurz, da muss immer etwas abgebrochen oder unterbrochen werden. Insoweit passiert es auch hier. Aber trotzdem du eine abgeschlossene Geschichte präsentierst, hätte ich jetzt gern gemütlich weiter gelesen.
Einfach auch, weil ich mir sicher bin, dass es sehr viel über den Mann, seine Süsse und die Gintrinkerin zu erzählen gibt.
Schade.
Mir hat die Beobachtungsgabe deines Protas sehr gefallen.
Er bewertet von so einer milden menschlichen Grundstimmung aus, verurteilt nicht diese Frau und setzt sich nicht über sie. Das gefällt mir gut.
Naja, vielleicht gibt es bei deinen anderen Geschichten mehr zu lesen. Ich würde mich darüber sehr freuen.

ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür. Sie trank einen Schluck und betrachtete ihr Glas, als stünde ihre Geschichte darin.
Klasse formuliert. Ich mag diesen Stil.

Lieben Gruß
lakita

 

Hallo @joycec ,

feine kleine Geschichte

Lieben Gruß
lakita

Hallo @lakita

vielen Dank! Ist doch auch mal schön, auf kompatible Geschmacksneuronen zu treffen. ;-)
Zu kurz, klar, vielleicht hilft die arbeitsfreie Zeit beim Erschaffen von etwas Großem ...
Wer's glaubt ... :D

Lieben Gruß
Joyce

 

Hallo @Shey und vielen Dank für deinen Kommentar!

verzeih mir die dumme Frage, ist Gin ein Wacholder?
Zumindest ist Wacholder ein Bestandteil und gibt dem Getränk seinen Namen, ja.
, das von ihr handelte und von dem, auf den sie wartete.
wie sieht denn eine Handbewegung aus aus der man das Thema, eines imaginären Liedes, einer anderen Person sehen kann?
Abgetaucht, in sich gekehrt, um sich kreisend ... liegt aber im Auge des Betrachters. ;-)
Ihr Kinn stand kantig hervor und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür.
was man alles so sehen kann, wenn man die Menschen beobachtete. Aber vielleicht wäre ein vielleicht oder ein möglicherweise an dieser Stelle angebracht, denn seine Begründungen sind nur Spekulationen.
Das hast du doch schon trefflich ergänzt. ;-) Wer zieht schon seine eigenen Mutmaßungen in Zweifel?
Ich muss zugeben, meins ist es nicht. Irgendwie fehlt mir der Zugang zum geschrieben auch wenn deine Wortwahl, dein Stil und die Erzählstimme sehr angenehm und ansprechen sind.

Souverän geschrieben aber inhaltlich irgendwie nichts für mich, tut mir leid.

Wo kämen wir da hin, wenn alles allen gefiele oder gefallen müsste? Passt schon und ich nehme auch ein kleines Lob. ;-)
Liebe Grüße
Joyce

Hallo @Geschichtenwerker und auch dir Dank für deinen Kommentar!

Das ist so ein Stimmungstext und das ist interessiert mich oftmals nicht so sehr. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich nicht im Ledersessel vorm offenen Kamin sitzend lese, sondern inmitten des Alltags, quasi im Auge des Sturms, und da hat man nicht so die Muße, sich in einen Seemann hineinzuversetzen, der in irgendeiner Kneipe seiner Liebsten hinterhertrauert.
Nachvollziehbar. Geht mir auch oft so. Man ist ja nicht auf Knopfdruck in Stimmung.
Aufgefallen ist mir, wie anderen vor mir auch schon, dass Deine Sprache manchmal etwas unscharf und auch ungelenk daherkommt. Da würde ich eventuelle noch einmal dran arbeiten.
[...]
Ich habe nichts gegen schwierigere Sätze, aber dadurch stockt der Lesefluss und das hemmt natürlich dann auch das Eintauchen in den Stimmungstext.
Da musste bei mir durch. ;-) Ich übertreibe das manchmal, zugegeben. Da arbeite ich auch gelegentlich dran. Aber so ganz austreiben wird man mir das Geschwafel wohl nie. ;-)

Liebe Grüße
Joyce

 

Hallo @Isegrims
und danke für deinen Kommentar, der mit beinahe durchgerutscht wäre! :shy:

als wollte sie ein Lied begleiten, das von ihr handelte und von dem, auf den sie wartete.
die Stelle zum Beispiel: hier müsste mMn ein stärkerer Vergleich kommen, ein Bild, Substantive, die sie zeigen, anstatt Handlungsverben.
Da könntest du recht haben. Da habe ich es mir etwas einfach gemacht. Vielleicht geht da noch was.
Ihre Fingernägel wirkten etwas zu dunkel und ihre Lippen waren zu stark geschminkt, zumindest für meinen Geschmack.
Wortspielerei, die sich in der Folge fortsetzt: hat sie denn Dreck unter den Fingernägeln? Beschreib doch, was er sieht.
Das finde ich an der Stelle hinreichend. Mehr wäre für mich weniger. Ist vielleicht Geschmackssache.
Ihr Duft, wenn ich die Bettdecke anhob, kam nicht gegen den Gestank des Flusses an, aber der unaufdringliche Gin erlaubte mir wenigstens, meine Erinnerung für einen weiteren Schluck zu bewahren.
hab gerade gelesen, dass die Stelle bereits kritisiert wurde: ich schlie0e mich der Kritik an.
Ist final gestrichen.

Danke für deinen Kommentar und die Hinweise!
Liebe Grüße
Joyce

 

Auf See war ich allein, ohne einsam zu sein, weil ich nur auf dem Weg zu einem Hafen war, in dessen Umgebung ich mir einen Tisch, einen Stuhl und ein Glas suchte, mit denen ich auf das erneute Auslaufen warten konnte.
Das ist wirklich ein starker Satz, @joycec, und destiliiert für mich die gesamte Stimmung dieser kurzen, aber eindrucksvoll beschriebenen Szene.

Nachdem das gesagt/geschrieben ist, dir ein herzliches Hallo und sogleich die Frage, ob du den Titel nicht in "Landgang" ändern möchtest. Landurlaub, das assoziiere ich eher mit Urlaub auf dem Bauernhof.

Zurück zu deinem Beitrag. Du beschreibst in starken Bilden die Tristesse in einer Hafenschenke, die von Einsamkeit und Hoffnung geprägt ist. Nicht jedes Bild trifft voll ins Ziel und du läufst evtl Gefahr, einen Text zu überfrachten, aber ich finde, du hast da einen besonderen Stil, der bei mir gut ankommt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Romanlänge davon haben wollte, aber bei einem Text dieser Länge wirklich sehr gut.

und fühlte mich so fremd wie an jedem Ort der Welt.
Das kommt so unerwartet und zugleich so lakonisch, dass es seine Wirkung voll entfalten kann. Super.

Die Karten zeigten Sehenswürdigkeiten, von denen ich keine kannte und nicht eine zu Gesicht bekommen würde.
Klasse.

und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür.
Hier wolltest du mMn zu viel. Ich mag das mit den enttäuschten Blicken in Richtung der Tür, passt aber für mich nicht mit den dunklen Ringen zusammen. Vielleicht lieber eine andere Verbindung herstellen?

Mir fehlte ihr Lächeln, das sie verriet, wenn sie so tat, als schliefe sie noch.
Das ist so klasse! Ja genau, dieses besondere Lächeln.

ich stellte mir vor, wie derselbe Mond, der hier auf diesen Fluss und auf mich schien, die einzige Frau finden konnte, die mir etwas bedeutete.
Nah am Kitsch, aber immer noch gut.

Wirklich gern gelesen.

Beste Grüße,
Fraser

 

Hallo @Fraser und vielen Dank für dein Hallo und deinen Kommentar!

und sogleich die Frage, ob du den Titel nicht in "Landgang" ändern möchtest. Landurlaub, das assoziiere ich eher mit Urlaub auf dem Bauernhof.
Da habe ich bisher keine Sekunde drüber nachgedacht, aber jetzt, wo du es sagst ... :lol:
Für mich wäre das eher "Urlaub auf dem Land", aber der Titel entbehrt nicht einer gewissen (unbeabsichtigten) Doppeldeutigkeit, stimmt wohl. Die Titeländerung werde ich nach der Challenge mal beantragen. Landgang trifft es besser. :thumbsup:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Romanlänge davon haben wollte
Oha, die würde mich wohl schon beim Schreiben überfordern und ich würde sie niemandem zumuten wollen. Nee, die Form taugt nur in mäßiger Dosis, sehe ich auch so.
und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür.
Hier wolltest du mMn zu viel. Ich mag das mit den enttäuschten Blicken in Richtung der Tür, passt aber für mich nicht mit den dunklen Ringen zusammen. Vielleicht lieber eine andere Verbindung herstellen?
Hm, ja, schon, also ... weiß auch nicht, wie ich das jetzt ad hoc verpacken soll. Denke ich drüber nach.
ich stellte mir vor, wie derselbe Mond, der hier auf diesen Fluss und auf mich schien, die einzige Frau finden konnte, die mir etwas bedeutete.
Nah am Kitsch
Stümmt :D
Wirklich gern gelesen.

Beste Grüße,
Fraser

Das freut mich! Danke!
Liebe Grüße
Joyce

 

Moin, moin @joycec ,

was für ein kommentierfreundlicher Challengebeitrag - kurz, fehlerfrei und für meinen Geschmack ist das Thema auf alle Fälle getroffen. Aber alleine für so eine kreative Erklärung wie in Beitrag 17 würde ich ja glatt nochmal Zweifel anmelden :Pfeif:

Landurlaub
Bei eventueller Titeländerung stimme ich auch eindeutig für die Version "Landgang"

Der Tisch, an dem ich saß, mochte einmal laminiert gewesen sein. Jetzt bestand sein Muster aus Ringen, die von Gläsern stammen mussten, aus denen der gleiche billige Gin getrunken wurde wie der, den ich vor mir hatte. Ich sah auf den Fluss hinaus, tauschte den Geruch nach Fisch und Abwasser gegen den des Wacholders und fühlte mich so fremd wie an jedem Ort der Welt.
Generell gefällt mir Dein Stil, aber andererseit stoße ich mich wirklich an der Unmenge von Artikeln. Ich will gar nicht um Änderung ersuchen, es einfach nur als Leseeindruck da lassen. Vielelicht war ich aber auch einfach nicht in der richtigen Stimmung ... mir machte es die ansonsten toll rüber kommende Melancholie leider kaputt

Die Brünette, die in meinem Blickfeld saß, führte mit dem Zeigefinger kreisende Bewegungen auf dem gläsernen Rand aus, als wollte sie ein Lied begleiten, das von ihr handelte und von jemandem, auf den sie wartete.
es sind wirklich schöne Bilder drin

Die Dame gegenüber ließ ihren Blick über die Terrasse schweifen. Ihre Fingernägel wirkten etwas zu dunkel und ihre Lippen waren zu stark geschminkt, zumindest für meinen Geschmack. Ihr Kinn stand kantig hervor und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür.
ist auch okay, macht den Stil der Geschichte aus, aber mir steht eindeutig meine "Wortkriegererziehung" im Weg, ich fühle mich als Leserin in einen Ecke gestupst wenn nicht sogar gestoßen - es ist für mich hart an der Grenze von Konstrukt, zu durchschaubar und damit einfach schade.

Auf See war ich allein, ohne einsam zu sein, weil ich nur auf dem Weg zu einem Hafen war, in dessen Umgebung ich mir einen Tisch, einen Stuhl und ein Glas suchte, mit denen ich auf das erneute Auslaufen warten konnte.
hier hake ich auch nach dem dritten Lesen. Der erste Teil ist klar, auf See ist in Ordnung. Aber ich "störe" mich wohl am letzten. Wenn die Kneipe und das Warten aufs Auslaufen negativ gesetzt ist, dann passt für mich "Warten konnte" nicht so recht - klingt eher positiv, oder?

Meine Süße würde sie nicht lesen, ich kannte ihre neue Adresse nicht, nicht einmal ihren neuen Namen.
sehr schöne Wende, unerwartet und topt die Stimmung nochmal so richtig

Ich hoffte für sie, einer ihrer Blicke möge nicht enttäuscht werden, glaubte aber nicht wirklich daran. Landurlaub. Keine Sehnsucht starb dabei, aber ständig wurden neue geboren.
Da dann vielleicht auch Landgang? Ja, gefühlt hart an der Grenze, aber sehr geschmeidig in der Stimmung.
Also nochmal deutlich, ich mag die Stimmung und den "Plot" wirklich sehr, aber der Stil ist leider für mich zu führend, zu vordergründig.
Beste Wünsche
witch

 

Hey @greenwitch
Vielen Dank fürs Lesen und deinen Kommentar!

alleine für so eine kreative Erklärung wie in Beitrag 17 würde ich ja glatt nochmal Zweifel anmelden :Pfeif:
Musste ich nachschlagen. ;-) Ist ja nicht so, als hätte ich den Beitrag in die Challenge drängen wollen, und die Zweifel wurden mir ja quasi prophezeit. Von der Fliege auf dem Koffer. ;-)
Landurlaub
Bei eventueller Titeländerung stimme ich auch eindeutig für die Version "Landgang"
Damit steht es bisher 3:0, wird geändert. :thumbsup:

Der Tisch, an dem ich saß, mochte einmal laminiert gewesen sein. Jetzt bestand sein Muster aus Ringen, die von Gläsern stammen mussten, aus denen der gleiche billige Gin getrunken wurde wie der, den ich vor mir hatte. Ich sah auf den Fluss hinaus, tauschte den Geruch nach Fisch und Abwasser gegen den des Wacholders und fühlte mich so fremd wie an jedem Ort der Welt.
Generell gefällt mir Dein Stil, aber andererseit stoße ich mich wirklich an der Unmenge von Artikeln.
Joa, ganz schöner Artikel-Marathon. Wenn ich nur wüsste, wie ohne ... den einen oder anderen werde ich vielleicht noch los. Ich habe wohl einfach über die hinweg gelesen.

Die Brünette, die in meinem Blickfeld saß, führte mit dem Zeigefinger kreisende Bewegungen auf dem gläsernen Rand aus, als wollte sie ein Lied begleiten, das von ihr handelte und von jemandem, auf den sie wartete.
es sind wirklich schöne Bilder drin
Danke! Gerade dieses hat nicht durchgängig überzeugt, wenn ich mich recht entsinne. Mir gefiel das auch. ;-)

Die Dame gegenüber ließ ihren Blick über die Terrasse schweifen. Ihre Fingernägel wirkten etwas zu dunkel und ihre Lippen waren zu stark geschminkt, zumindest für meinen Geschmack. Ihr Kinn stand kantig hervor und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür.
ist auch okay, macht den Stil der Geschichte aus, aber mir steht eindeutig meine "Wortkriegererziehung" im Weg
Oha, da weiß ich ja, was mir bevorsteht. :lol:
Auf See war ich allein, ohne einsam zu sein, weil ich nur auf dem Weg zu einem Hafen war, in dessen Umgebung ich mir einen Tisch, einen Stuhl und ein Glas suchte, mit denen ich auf das erneute Auslaufen warten konnte.
hier hake ich auch nach dem dritten Lesen. Der erste Teil ist klar, auf See ist in Ordnung. Aber ich "störe" mich wohl am letzten. Wenn die Kneipe und das Warten aufs Auslaufen negativ gesetzt ist, dann passt für mich "Warten konnte" nicht so recht - klingt eher positiv, oder?
Naja, im Sinne von: jede Kneipe ist besser als keine. Die Erwartungen sinken mit der Zeit. Und immerhin kann er sich da die Wartezeit mit - wenn auch billigem - Gin versüßen.
Meine Süße würde sie nicht lesen, ich kannte ihre neue Adresse nicht, nicht einmal ihren neuen Namen.
sehr schöne Wende, unerwartet und topt die Stimmung nochmal so richtig
Quasi mein Markenzeichen. ;-) Gefällt auch nicht immer und schon gar nicht allen. Freut mich daher.
Ich hoffte für sie, einer ihrer Blicke möge nicht enttäuscht werden, glaubte aber nicht wirklich daran. Landurlaub. Keine Sehnsucht starb dabei, aber ständig wurden neue geboren.
Da dann vielleicht auch Landgang?
Definitiv! Wird umgehend geändert.
Ja, gefühlt hart an der Grenze, aber sehr geschmeidig in der Stimmung.
Also nochmal deutlich, ich mag die Stimmung und den "Plot" wirklich sehr, aber der Stil ist leider für mich zu führend, zu vordergründig. Beste Wünsche
witch
Danke! Viel mehr als eine Stimmung sollte (und konnte, angesichts der Vorgaben) der Text auch gar nicht hervorbringen. Ich bin nicht sicher, ob ich beim Stil noch hinreichend feilen kann und werde, da gibt es sicher lohnenswertere (weil längere/inhaltsreichere) Gelegenheiten.

Danke für deine Anmerkungen!
LG
Joyce

 

Hallo Joycec,

es gab schon einige Beiträge mit Verbesserungsvorschlägen, was die "Sauberkeit" beim Schreiben betrifft.
Gerade bei sehr kurzen Texten erwarte ich umso mehr prägnante Sätze. Kurz und knackig - und wenn lang, dann aber gut überlegt und geschmeidig. Das fehlt mir hier in großen Teilen. Auch inhaltlich manchmal irritierend.

Erstes Beispiel:

Der Tisch, an dem ich saß, mochte einmal laminiert gewesen sein. Jetzt bestand sein Muster aus Ringen, die von Gläsern stammen mussten, aus denen vergleichbar billiger Gin getrunken wurde wie mein dritter oder vierter heute.
Was meinst du denn mit Laminierung? Ich vermute, du meinst ein Holzfurnier. Kann das sein?
Wenn das so ist: Auch wenn nun Abdrücke von Glasrändern zu sehen sind, ist trotzdem das Furnier darunter. Es liest sich so, als hätten die Glasränder das Furnier/Laminat ersetzt.

Ich zog den Kugelschreiber aus der Hemdtasche.
Hatten wir schon einmal über den Kugelschreiber gelesen? Falls nicht, besser: einen

Vor mir lagen die Ansichtskarten, die ich aus dem einzigen Laden auf dem Weg hierher hatte.
Man weiß, was du sagen willst, aber ich finde es etwas ungelenk.
Auf dem Weg zu diesem Ort entdeckte ich nur einen Laden, in dem ich Ansichtskarten erstand.
Vor mir lagen sie nun und zeigten Sehenswürdigkeiten, von denen ich keine kannte und nicht eine zu Gesicht bekommen würde.

Die Dame gegenüber ließ ihren Blick über die Terrasse schweifen.
Ah, die Person sitzt draußen?
Ich dachte, in einem Raum, weil ich ja vorher las:

Ich sah auf den Fluss hinaus,
was für mich implizierte, man sitzt irgendwo drinnen, um hinaus zu sehen.

Ihre Fingernägel wirkten etwas zu dunkel
Zu sehr durchblutet? Zu dunkler Lack? ich kann damit nicht soviel anfangen.

und ihre Lippen waren zu stark geschminkt, zumindest für meinen Geschmack. Ihr Kinn stand kantig hervor und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür.
Das geht auch einfacher.


Mir fehlte das Gefühl ihrer Locken, die durch meine Finger glitten, wenn ich sie morgens weckte und ihr über die Wange strich.
Eine Hand durch die Locken, die andere streichelt über die Wange. Ist es so gemeint?
Für mich hört sich das schräg an:
Mir fehlte das Gefühl ihrer Locken - haben ihre Locken ein Gefühl? Du meinst doch:
Mir fehlte das gutes Gefühl, mit meiner Hand durch ihre Locken fahren zu können, wenn ich sie morgens weckte.

Moskitos führten hektische Tänze um die wenigen Laternen auf, die an Kunststoffleinen hingen, und ich stellte mir vor, wie derselbe Mond, der hier auf diesen Fluss und auf mich schien, die einzige Frau finden konnte, die mir etwas bedeutete.
Ich würde dir gerne raten, kürzere Sätze zu machen. Der Anfang ist so toll und dann verwässerst du das mit den Relativsätzen. Das hat keine Wirkung auf mich. Viel kraftvoller fände ich:
Moskitos führten hektische Tänze um die wenigen Laternen auf.
Ich stellte mir vor, wie derselbe Mond, der hier auf diesen Fluss schien, die einzige Frau finden konnte, die mir etwas bedeutete.

Wieso sollten die Kunststoffleinen wichtig sein? (Darunter kann ich mir nichts vorstellen, oder meinst du Wäscheleinen? Dann schreib das auch so.)

Ich war nicht gern an Land, niemand von uns war das. Wenn ich an Land war, war es immer, als müsste ich nur weit genug gehen, um dorthin zu gelangen, wo ich jetzt besser sein sollte. Auf See war ich allein, ohne einsam zu sein, weil ich nur auf dem Weg zu einem Hafen war, in dessen Umgebung ich mir einen Tisch, einen Stuhl und ein Glas suchte, mit denen ich auf das erneute Auslaufen warten konnte.
Das gefällt mir sehr gut.


Der letzte Schluck war nicht kräftig genug, um mir meine Stimme zurückzugeben, also legte ich einen Schein auf den Tisch, nickte dem Kellner zu und stand auf.
Auch klasse.

Die Karte legte ich der Brünetten hin, als sie sich umdrehte und eine erneute Bestellung winkte.
Eleganter fände ich: Die Karte legte ich der Brünetten unbemerkt hin, als sie sich für eine Bestellung dem Barkeeper zuwandte.

Die Brünette sah sich um und tupfte mit der schmutzigen Serviette an ihren Augen herum. Ich hoffte für sie, einer ihrer Blicke möge nicht enttäuscht werden, glaubte aber nicht wirklich daran.
Das ist für mich auch schwierig.
Situation ist: Sie sieht die Karte und schaut sich im Raum umher, wer sie hingelegt haben könnte, stimmt das? Der Protagonist hofft, dass irgendjemand ihren Blick erwidert. Meintest du das so?

Wenn ja, dann würde ich eher schreiben:
Ich hoffte für sie, einer ihrer Blicke möge bei jemandem ankommen, glaubte aber nicht wirklich daran.

Landgang. Keine Sehnsucht starb dabei, aber ständig wurden neue geboren.
Ein sehr kluges Ende.

Ja, liebe Joycec, ich habe einiges zu monieren. Aber sehe es einfach als Chance, dich zu verbessern.

Btw: Auch wenn @Fliege sagt: ... das ist soooviel Koffer dabei ...
bin ich da sehr engstirnig und erwarte in dem Text irgendwo das Wort Koffer, und wenn es auch nur im passiven Sinne ist ... besonders bei den Seemännern bin ich sehr im Zweifel, ob die aus dem Koffer leben, weil die im Allgemeinen einen Seesack dabei haben :D

Ich bin auch unbedingt für Landgang als Titel.

Nichts für ungut,
liebe Grüße
bernadette

 

Hey @bernadette
vielen Dank auch dir für deine Zeit und den Kommentar!

Der Tisch, an dem ich saß, mochte einmal laminiert gewesen sein. Jetzt bestand sein Muster aus Ringen, die von Gläsern stammen mussten, aus denen vergleichbar billiger Gin getrunken wurde wie mein dritter oder vierter heute.
Was meinst du denn mit Laminierung? Ich vermute, du meinst ein Holzfurnier. Kann das sein?
Bei uns hier ist eine Laminierung ein künslicher Belag über dem Holz. Der ist einfach abgewetzt.

Ich zog den Kugelschreiber aus der Hemdtasche.
Hatten wir schon einmal über den Kugelschreiber gelesen? Falls nicht, besser: einen
Auch wenn er nur einen hat?
Vor mir lagen die Ansichtskarten, die ich aus dem einzigen Laden auf dem Weg hierher hatte.
Man weiß, was du sagen willst, aber ich finde es etwas ungelenk.
Meine Artikel-Obsession. Gut entdeckt und gut gelöst. Kaufe ich, wie man hier wohl so sagt. ;-)
Die Dame gegenüber ließ ihren Blick über die Terrasse schweifen.
Ah, die Person sitzt draußen?
Ich dachte, in einem Raum, weil ich ja vorher las:
Ein nach außen geöffnetes Restauarant, also mit offener Terrasse. Ist offenbar nicht gut rüber gekommen.
Ihre Fingernägel wirkten etwas zu dunkel
Zu sehr durchblutet? Zu dunkler Lack? ich kann damit nicht soviel anfangen.
Spontanes Veto. Das ist für mich klar, was zu dunkle Fingernägel sind. Zu dunkel lackiert.
und ihre Lippen waren zu stark geschminkt, zumindest für meinen Geschmack. Ihr Kinn stand kantig hervor und ihre Augen hatten dunkle Ringe, von zu viel Gin oder zu vielen enttäuschten Blicken in Richtung der Tür.
Das geht auch einfacher.
Da haste recht. Kommt andererseits auch mitunter gut an und mir gefällt das Bild. Und das wird später noch von Bedeutung sein. ;-)
Mir fehlte das Gefühl ihrer Locken, die durch meine Finger glitten, wenn ich sie morgens weckte und ihr über die Wange strich.
Eine Hand durch die Locken, die andere streichelt über die Wange. Ist es so gemeint?
Na, komm, eine Hand streicht über eine Wange, auf der Locken liegen?
Ich würde dir gerne raten, kürzere Sätze zu machen.
Da bist du in guter Gesellschaft und ich schon in Entwicklung. Gekauft. ;-)

Die Karte legte ich der Brünetten hin, als sie sich umdrehte und eine erneute Bestellung winkte.
Eleganter fände ich: Die Karte legte ich der Brünetten unbemerkt hin, als sie sich für eine Bestellung dem Barkeeper zuwandte.
Geschmackssache, denke ich. Aber ich denke mal darüber nach.
Die Brünette sah sich um und tupfte mit der schmutzigen Serviette an ihren Augen herum. Ich hoffte für sie, einer ihrer Blicke möge nicht enttäuscht werden, glaubte aber nicht wirklich daran.
Der Protagonist hofft, dass irgendjemand ihren Blick erwidert. Meintest du das so?
Da kommt >siehe oben< wieder zum Tragen. Die Blicke zur Tür. Etwas viel verlangt. gebe ich zu.
Ja, liebe Joycec, ich habe einiges zu monieren. Aber sehe es einfach als Chance, dich zu verbessern.
Deshalb bin ich hier und deshalb danke ich dir für deine Zeit und die kritischen Anmerkungen!

Ich bin auch unbedingt für Landgang als Titel.
4:0 ;-) Regle ich nach dem Wettbewerb.

liebe Grüße
bernadette
Dir auch und vielen Dank für die Zeit!

 

Ich nochmal, joycec,

Na, komm, eine Hand streicht über eine Wange, auf der Locken liegen?
Wenn das die Erklärung für den Satz:

Mir fehlte das Gefühl ihrer Locken, die durch meine Finger glitten, wenn ich sie morgens weckte und ihr über die Wange strich.

ist, dann schreibst du sehr verworren.

Entweder ich fahre mit den Fingern durch die Locken (in der Luft) oder ich streichle die Wangen.
Aber die Haare zu spüren (nicht das Gefühl zu haben) und gleichzeitig die Wangen zu streicheln - nein, da komme ich nicht mit.

 

Na, komm, eine Hand streicht über eine Wange, auf der Locken liegen?
Wenn das die Erklärung für den Satz:

Mir fehlte das Gefühl ihrer Locken, die durch meine Finger glitten, wenn ich sie morgens weckte und ihr über die Wange strich.

ist, dann schreibst du sehr verworren.

Womit du mein zweites "Markenzeichen" ausgemacht hättest, liebe @bernadette :D
Ja, das geht klarer und eindeutiger, auf jeden Fall. Sagen wir einfach, das ist der Stimmung beim Schreiben geschuldet und die passt nicht immer zur Stimmung beim Lesen.
Ist halt ein langsamer Text, der bisweilen sacken muss. Würde ich mal ergänzend behaupten. Mir gefällt die Stelle.

Danke fürs Nachhaken!
LG
Joyce

 

Ich nochmal, wenn ich darf,

lieber joycec/Joyce,

weil mir zu diesem bemerkenswerten Erstling über Sehnsucht und Fernweh noch zwo Dinge aufgefallen sind, zum ersten Deine Neigung zum Konjunktiv „würde“, wo Indikativ angesagt ist, und dem Tattoo, das in die Fälle-Falle tappt (was nicht jedem sofort auffallen muss).

Die Karten zeigten Sehenswürdigkeiten, von denen ich keine kannte und nicht eine zu Gesicht bekommen würde
...
...„ich bin ziemlich weit weg von Zuhause, du würdest nicht erraten, wo ich gerade sitze.
Warum nicht schlicht „nicht eine zu Gesicht bekommen werde“und „du wirst nicht erraten, ...“
wo doch klar ist, dass die reale Empfängerin – die „Brünette“ von gegenüber es durchaus weiß, nachdem unser Held aufgestanden "ist" und "geht".
Liegt Seefahrt so nahe bei Seemannsgarn, das Wunschdenken und Erwartungshaltung einen Englizismus erwarten, der im „would“ ja auch noch ein „wollen“ mitschwingen lässt und vielleicht sogar ehrlicher ist als das „würde“ „und nicht eine zu Gesicht bekommen will“ oder „du willst nicht erraten, wo ich gerade sitze“, wobei die Brünette es ja gar nicht zu erraten braucht ...

Ich strich über das Tattoo auf meinem Arm, fuhr ihre[n] Initialen entlang und hatte sie glasklar vor Augen.
Der Genitiv wird nicht nur durch die Frage „wessen Inititalen“, sondern auch das schlichte „entlang“ verlangt nach dem Genitiv.

Gleichwohl von einem, der auch schon Land- und Freigang gleichgesetzt hat,

ein gutes neues Jahr!

Bis denne

Friedel

 

Ich nochmal, wenn ich darf,
Jederzeit, lieber Friedel!
Deine Neigung zum Konjunktiv „würde“, wo Indikativ angesagt ist,
Das ist so naheliegend, dass ich geneigt bin, mir vor die Stirn zu patschen, und beide Stellen ändere. :thumbsup:
und dem Tattoo, das in die Fälle-Falle tappt (was nicht jedem sofort auffallen muss).
Ich strich über das Tattoo auf meinem Arm, fuhr ihre[n] Initialen entlang und hatte sie glasklar vor Augen.
Der Genitiv wird nicht nur durch die Frage „wessen Inititalen“, sondern auch das schlichte „entlang“ verlangt nach dem Genitiv.
Hier kann ich dir nicht folgen. Klar, entlang wessen Initialen? Ihren. Aber: Wen entlang? Ihre Initialen.
Bei der Präposition "entlang", wenn sie nachgestellt ist, wie hier, verlangt der Duden nach einem Akkusativ. Oder bin ich da auf dem Holzweg? :confused:

ein gutes neues Jahr!

Bis denne

Friedel

Wünsche ich dir auch und danke dir für das Nachhaken!
Liebe Grüße von der Joyce

 

Ich (behauptete)

Ich strich über das Tattoo auf meinem Arm, fuhr ihre[n] Initialen entlang und hatte sie glasklar vor Augen.
,

lieber yoycec,

hoppela,

liebe Joyce,

mit der Begründung

Der Genitiv wird nicht nur durch die Frage „wessen Inititalen“, sondern auch das schlichte „entlang“ verlangt nach dem Genitiv.
, worauf Deine Antwort lautete
Hier kann ich dir nicht folgen. Klar, entlang wessen Initialen? Ihren. Aber: Wen entlang? Ihre Initialen.

Und begründest es sicherheitshalber mit dem Duden
Bei der Präposition "entlang", wenn sie nachgestellt ist, wie hier, verlangt der Duden nach einem Akkusativ. Oder bin ich da auf dem Holzweg?
, wobei die besorgte Nach-Frage an sich Deine Unsicherheit belegt, aber von mir zunächst mal nicht bestritten wird (dass der Duden dergleichen behauptet).

Aber nun stellen wir uns mal ganz dumm (hab vorige Tage mal wieder die „Feuerzangenbowle“ gesehn, die ich übrigens als kleine Satire auf autoritäre Verhältnisse und insbesondere des Verschissmuss gelesen und gesehen hab), dass ich nicht damit anfang, „wat isse ne Dampfmaschin‘“, sondern mit dem Zitat aus gleichem Munde der rheinischen Frohnatur Paul Henckels „da stelle mer uns ma janz dumm“:

Entlang ist ne Präposition. Kein Zweifel.

„Führen“ (Du merkst, warum nicht „Zeus“ oder gar der „Pfeiffer“ mit drei f, sondern Paul Henckels – die rheinische Frohnatur – zitiert wird – oder?) ist zweifellos ein (Voll)Verb.

Was meinstu passiert, wenn Präposition und Verb zusammengeführt werden zu einem „entlangführen“.

Ich seh da ein Verb –
was der Duden bestätigt (Duden | entlangführen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft), das immer noch ein Verb bleibt, selbst wenn es durch den Satzbau in seine Teile"zerschlagen“ wird.

Wie dem auch sei, es ist ein gutes Gefühl, dass da jemand sich auch die Mühe macht, selber nachzuschauen.

Bis bald,

Friedel

 

Moin Friedel.
Frohes Neues!
Vielleicht sind das die Böller der Nachbarschaft, die da einen leichten Nebel auf die Synapsen legen, aber ich kapiers nicht.

Was meinstu passiert, wenn Präposition und Verb zusammengeführt werden zu einem „entlangführen“.
Wat weiß ich? Der rheinische Humor verlangt nach "Wat weiß Duden?"
Egal, ob führen oder fahren, entscheidend scheint mir, ob voran- oder nachgestellt. Selbst mit muskulösem Verb meint der Duden beispielhaft:
Duden schrieb:
auf der Landkarte den Rhein entlangfahren
Während ich dir recht gäbe bei
Entlang des Rheins über die Landkarte fahren
Vielleicht hilft mehr Kaffee ... versuche ich mal.

Beste Grüße
Joyce

 

»Wenn er gewusst hätte, was es mich gekostet hat, meine Kunst zu erwerben, so hätte er auch gewusst, dass es jeden Sammler ruinieren würde, sie zu kaufen. Harris und ich arbeiteten zu dieser Zeit bereits seit mehreren Wochen hart an unserem Deutsch, und wir hatten zwar gute Fortschritte gemacht, aber doch nur unter großen Schwierigkeiten und allerhand Verdruss, denn drei unserer Lehrer waren in der Zwischenzeit gestorben. Wer nie Deutsch gelernt hat, macht sich keinen Begriff, wie verwirrend diese Sprache ist. « aus: Marc Twain: „Die schreckliche deutsche Sprache“

„Schüler haben vor allem Probleme mit dem Genitiv und mit Präpositionen.“ [lt. Bild vom 14.03.2006 zitiert am 2.01.2020, 11:11 MEZ „DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache]

Asche auf mein Haupt!,
liebe Joyce,

und‘s härene Gewand angezogen, die Hörner abgestoßen und Abbitte leistend, denn was vor der „Position“ steht („Prä“-position) im Genitiv wird durch Stellung nach der Position (eigentlich dann weniger eine „prä“, denn eine „Post“-position), dass selbst des deutschen liebstes Kind, Besitz und Besitzstand (ausgedrückt in Possessivpronomen und Genitiv) zum Akkusativ und – wie ich dem Institut für deutsche Sprache entnehme – auch Dativ (zumindest mundartlich vor allem im von mir geliebten moselfränkischen Raum und dem Benelux … und natürlich in den Alpen …) weden kann.

Entschuldige bitte meinen jugendlichen Eifer ... und die Dampfmaschin'!

Tschüss und ein gutes 2020 ff. vom

Friedel

 

Entschuldige bitte meinen jugendlichen Eifer ... und die Dampfmaschin'!

Wo kämen wir denn hin, lieber Friedel, wenn wir uns für Aufmerksamkeiten dieser Art auch noch entschuldigen müssten? Immerhin ist jetzt und dadurch aus einer Ahnung Gewissheit geworden. Und jeder Trritt in den Hintern, der mich auf dem Boden nachlesbarer Wortkunst landen lässt, ist ein willkommener.

Ich entschuldige nicht, weil es da nichts zu entschuldigen gibt. Ich danke - nach wie vor - für das Nachhaken.

Liebe Grüße und hab ein kreatives Jahrzent
wünscht die Joyce

 

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