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Marionette

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23.11.2016
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472
Hallo @Silvita,

jetzt wollte ich mich doch auch noch zu Deinem Text äußern, auch wenn mir womöglich gerade die Zeit davonläuft. Daher wird der Kommentar eher kürzer ausfallen, auch wenn es sehr viel zu Deinem Text zu sagen gibt.

Ich habe den Text leider mehr überflogen und hatte Schwierigkeiten, wirklich einzutauchen.

Das liegt aus meiner Sicht an zwei Problemfeldern:

1) Perspektive

Du benutzt den personalen Erzähler, ziehst die personale Perspektive aber nicht konsequent durch, sondern hast aus meiner Sicht auktoriale Komponenten im Text.

Als Beispiel nehme ich mal einen Abschnitt aus dem Anfang:

Viele waren abstrakt, in unterschiedlichen Grau- und Schwarztönen gehalten, hier und da ein rotes Highlight. Sie waren düster, aufwühlend, geheimnisvoll. Alejandro hatte ihr nie erzählt, was er mit seinen Arbeiten ausdrücken wollte. Sie hielt inne, wie immer auf Seite 27, ihrem Lieblingsbild.

Der markierte Satz ist aus meiner Sicht eine Information, die von einem auktorialen Erzähler (oder vom Autor) stammt und mehr den Charkter von "Infodump" hat. Deine Protagonistin würde in dem Moment wohl was anderes denken, fühlen, etc. Sprachlich klingt das auch nicht nach Deiner Protagonistin.

Dies stört mich als Leser beim Eintauchen in den Text.

2) Roter Faden

Mir fehlt ein wenig der rote Faden in Deiner Geschichte. Mir kommt das mehr wie ein Mosaik vor.

Da ist der Aspekt mit Alejandro, dessen Verschwinden nicht aufgeklärt wird.
Dann der brutale Vater, die kühle Mutter und schließlich José.

Das gemeinsame Bindeglied ist Deine Protagonistin, aber irgendwie ergeben die Mosaiksteine kein gemeinsames, klares Bild. Das ist schwammig. Man fragt sich ständig, was soll das alles? Warum handeln alle diese Personen, wie sie handeln? Und warum ist das wichtig?

Und dann schließlich die Vergewaltigung, bei der die Protagonistin plötzlich wie eine Marionette handelt. Das ist überraschend, denn anfangs handelt sie auch nicht wie eine Marionette. Außerdem ist das Bild schief, denn die Puppe braucht einen Puppenspieler und wer ist das? Warum passiert das plötzlich, dass sie wie eine Marionette ist?

Mein Eindruck ist, dass Du das Handeln Deiner Protagonistin durch das Umfeld (Bruder, Vater, Mutter, José) erklären wolltest. Dieser Ansatz verhindet aber aus meiner Sicht, dass man als Leser richtig mit Deiner Protagonistin mitfühlt, sich richtig in sie hineinversetzen kann. Als Leser möchte man ja die Welt durch die Protagonistin sehen und sich nicht durch das Verhältnis zu anderen Personen zusammenreimen, wie die Protagonistin ist.

Die Gefühlswelt sollte sich also dem Leser durch das Handeln der Protagonistin selbst erschließen. Das leistet der Text aber aus meiner Sicht nicht.

Wenn Du das in Angriff nehmen möchtest, wäre mein Rat, das Innenleben Deiner Protagonistin stärker herauszuarbeiten und den inneren Konflikt, in dem sie sich befindet, zum zentralen Punkt des Textes zu machen, der ja letztlich dazu führt, dass sich wie eine Marionette fühlt und vergewaltigen lässt und das womöglich für sich behalten möchte.

Eventuell hilft es auch, eine Prämisse zu formulieren. Mir fällt es hier schwer, eine zu finden. Vielleicht etwas wie: Einsamkeit führt zu Fremdbestimmtheit oder zu mangelnder Widerstandskraft.

Dann würde ich den Text anhand der Prämisse durchgehen und mir bei allem überlegen, ob es zu dieser Prämisse passt und ob es wirklich durch die Brille (Augen, Gefühlswelt, etc.) Deiner Protagonistin geschrieben ist.

Ich denke, dann ergibt sich der Rest automatisch. Eventuell wäre es sogar hilfreich, den Text in der Ich-Perspektive zu schreiben, denn dann fällt es einem leichter, die Brille der Protagonistin aufzusetzen.

Ich hoffe, Du kannst mit meinen Ausführungen etwas anfangen.

Gruß
Geschichtenwerker
 
Wortkrieger-Team
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19.05.2015
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Hallo @Silvita

Ich lese zum ersten Mal einen Text von dir und habe die anderen Kommentare nur überflogen. Was ich herausstellen möchte, ist der Mut über ein relevantes Thema zu schreiben, Literatizität anzustreben, eben nicht nur unterhalten zu wollen.

Die Geschichte liest sich flüssig und die Mischung aus Dialog und Erzählpassagen erzeugen eine gute Unmittelbarkeit, auch sprachlich finde ich den Text ansprechend.

Ein paar kritische Anmerkungen Art habe ich dennoch, bzw. möchte dir ein paar Anregungen geben: nimm, was du brauchst.

Zur Perspektive: ein personaler Erzähler passt mMn schon, aber wenn du näher an die Figur herankommen willst und keine Ich-Perspektive benutzen willst, könntest du ins Präsens wechseln.

Paar konkrete Anmerkungen:

Andächtig betrachtete sie die verschiedenen Skizzen. Viele waren abstrakt, in unterschiedlichen Grau- und Schwarztönen gehalten, hier und da ein rotes Highlight. Sie waren düster, aufwühlend, geheimnisvoll. Alejandro hatte ihr nie erzählt, was er mit seinen Arbeiten ausdrücken wollte.
ist aus meiner Sicht redundant, zu allgemein, zumal du eines der Bilder danach genauer beschreibst.

Der strahlend blaue Himmel, die Vögel, die über den Horizont schwebten. Sie schloss die Augen, war mitten in der Natur. Sie hörte das Zirpen der Grillen, schmeckte die Gischt auf der Zunge, atmete den Fischgeruch ein.
gefällt mir gut, dass du Sinneseindrücke beschreibst

Sie hörte das herzhafte Lachen, das tief aus dem Bauch kam. Sie spürte seine Hände, die sie kitzelten, sie hielten, sie trösteten, wenn Vater sie wieder einmal niedergemacht hatte. Sie roch den Duft seines Lieblingsparfums Jean Gaultiers „Le Male“.
was das mit dem Vater auf sich hat, bleibt weitgehend verborgen, du könntest beispielsweise eine sitiuative Erinnerung einfügen

Die Einsamkeit hielt sie fest in ihren Klauen. Da war nur Leere, Hoffnungslosigkeit, Schmerz.
o je, aber warum? Und eine Reihung abstrakter Begriffe schafft eher Distanz

„Dad hat dich angesteckt. Nur weil er sagt, er habe keinen Sohn mehr, brauchst du ihn nicht unterstützen. Hast du dir schon mal überlegt, dass sein Verschwinden etwas mit Vater zu tun haben könnte?
da versteckst du Tell im Dialog

Er nickte. „Oja. Wenn du nicht erst fünfzehn wärst, würde ich dich zu meiner Freundin machen.“ Er baute sich vor ihr auf, schob ihr eine Locke aus dem Gesicht. „Blaue Kulleraugen, schwarzes Haar. Du bist mein Schneewittchen.“ Er berührte ihre Wangen, verweilte an ihrer Unterlippe.
Sie befürchtete, dass er sie küssen wollte, war zutiefst verunsichert. José war ein attraktiver Mann, aber er war Anfang dreißig. Was sollte das?
gute Passage, weil sie die Widersprüchlichkeit der Situation aufnimmt.

„Ich kann nachvollziehen, dass er nicht bleiben wollte. Zuhause ist es unerträglich. Die Stimmung ist im Keller. Mutter und Vater ignorieren oder zanken sich. In dieser Familie gibt es keine Liebe. „Ich halt das nicht aus“, schniefte sie.
hier müsste das Zuhause auch genauer beschrieben werden und warum nicht als innerer Monolog?

Kommst zu mir nach Hause in diesem Minirock, einem Shirt, unter dem sich deine Nippel abzeichnen. Du willst es. Gib es zu.“
okay, ist die übliche Schutzbehauptung von Vergewaltigern

„Wenn du jetzt verduftest, wirst du nie erfahren, wo dein Bruder ist.“
passt nicht in den Sprachduktur finde ich

„Stell dich nicht so an. Benimm dich nicht wie ein Baby. Komm schon. Sei ein wenig lieb zu mir. Du willst doch, dass ich ein Treffen mit Alejandro arrangiere. Also … Streng dich an.“
so sagt der das nicht, müsste kürzer, schärfer formuliert werden

Sie sank auf die Knie, verharrte in dieser Stellung, grübelte. Alejandro hat dich im Stich gelassen. Es interessiert ihn einen Scheiß, was mit dir ist. Mutter hatte Recht! Alejandro ist ein Egoist. Er schert sich einen Dreck um dich. Nimm keine Rücksicht auf ihn! José muss bezahlen, sonst wird er es wieder tun. Und das kannst du nicht zulassen!
Unsichtbare Fäden zogen an der Marionette, richteten sie auf, führten sie in die Küche. Das Steakmesser glitzerte im Licht des Sonnenscheins. Ein Griff, und es lag sicher in ihrer Hand. Ferngesteuert wankte sie ins Schlafzimmer. Ihr Blick verharrte auf José. Er schnarchte immer noch. Sie empfand nichts. In ihr war nur Leere. Die unsichtbaren Fäden rissen ihren Arm in die Höhe, dann stach sie zu. Immer und immer wieder.
mm, wenn ich mir den Charakter vergegenwärtige, der mir zuvor gezeigt wird, glaube ich nicht an den plötzlichen Mordvorsatz. Das Mädchen kommt mir duldsamer vor.

Ich denke, dass ein richtig guter Text entstehen kann, wenn du an der einen oder anderen Stellschraube drehst.

viele Spätsommergrüße
Isegrims
 
Senior
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12.04.2007
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Na, ob Adjektive einen Text poetischer machen, darf man getrost bezweifeln – im Erlkönig (um nur ein Beispiel zu nennen und auch nur, weil in der Ballade eben auch der Minderjährige einer Bedrohung ausgesetzt ist) lässt der olle Goethe vor allem den Verführer mit einer („verführerischen“) Flut von Adjektiven agieren, zu denen selbst (vor allem Possessiv-)Pronomen (passiert Dir übrigens auch, komm ich gleich drauf zurück) und Zahlwörter werden können, vor allem aber auch Partizipien (das „gefallene“ Mädchen, nur so als Beispiel) - überall lauert das Adjektiv ... was aber gar nicht der einzige Grund ist, warum ich nochmals vorbeischaue,

liebe (oder doch wegen des Endes: böse) @Silvita,

wobei mich auch nicht die ausführliche Beschreibung der Gewalttat stört – jede üble Tat hat auch einen sadistischen, bei manchem Lust auslösende Seite, wie jeder historisch und politisch interessierter Mensch weiß - wiewohl sie in ihrer Ausführlichkeit arg am guten Geschmack vorbeischreddert – aber die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft (incl. der Dialektik der Variante, dass das Mündel Vormund sein will, weil die Mutter ja auch ihren Auftritt hat) ist alles andere als appetittlich ob von der kleinsten Gruppe bis hinauf zur größten, Völkern und Nationen.

Aber es ist auch eine logische Konsequenz, dass jede Änderung ihre Fehlerquellen neu definiert und gestaltet – und da tut es gelegentlich not, wie hierorts bei den zu Attributen/Adjektiven mutierenden Possessivpronomen „ihr“

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, während ihre Finger den Rio Azul entlang glitten, der in Türkistönen schillerte.
...
Schritte rissen sie aus
ihren Gedanken. Die Türklinke wurde heruntergedrückt, ihre Mutter betrat den Raum, setzte sich zu ihr an die Bettkante. Ihr Rock raschelte leise, sie legte die Hände in den Schoß, blickte ihre Tochter an.
(Vorweg: "entlanggleiten" auch im Prät. zusammen!
In solchen Fällen eignet sich die Flexibiltät bzw. Stellungsfreiheit der deutschen Sprache vorzüglich, potentielle Rechtschreibunsicherheiten zu verbergen - wie hier, statt Deiner Formulierung, wenn die "Finger entlang des Rio A. glitten") Aber nun zum eigentlichen Problem:
Wer fürchtet sich da, seine Besitzstände zu verlieren, wenn die Rollenverteilung doch bei zwo Personen durchaus übersichtlich ist, dass es gelegentlich auch gefahrlos vor Verwechselungen ein schlichter Artikel sein darf und wäre er unbestimmt (den bestimmten nutztu immerhin einmal für die Hände der Mutter)?

Aber der Reihe nach, mit der Frage hierzu

Der strahlend blaue Himmel, die Vögel, die …
ist ein blauer Himmel nicht immer strahlend?

Trotz der Sterilität in diesem Zimmer, konnte sie Alejandro spüren.
Warum das Komma?
An sich gilt das 13. Gebot: Unbegründete Kommas sollten nicht gesetzt werden, gibt eh schon zu viele ...

Flüchtigkeiten (die übrigens jeden übermannen können)
Sie sah ihn vor sich, die Sport[t]asche mit dem Nötigsten in der Hand.
„Musst du nicht arbeiten?“[,] fragte sie mit vollem Mund.
Ich bin für dich da, [...] wie ich für deinen Bruder da war.

Und – ein bisschen unfreiwilliger Komik in der Vertippung von h-ingen und g-ingen
Sein Atem ging keuchend an ihrem Ohr.

Wie dem auch wird,

zunächst einmal ein schönes Wochenende aus'm Pott!

Friedel
 
Zuletzt bearbeitet:
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20.08.2019
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Lieber @Geschichtenwerker ,

vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meinen Text zu lesen und zu kommentieren.

Zitat Geschichtenwerker: … und hatte Schwierigkeiten, wirklich einzutauchen.
Das ist schade.

Zitat Geschichtenwerker: 1) Perspektive: Du benutzt den personalen Erzähler, ziehst die personale Perspektive aber nicht konsequent durch, sondern hast aus meiner Sicht auktoriale Komponenten im Text
Ich habe aus Penelopes Perspektive geschrieben. Sollten auktoriale Komponenten vorkommen, so war das keine Absicht. Danke für die Hinweise. Ich habe nun das Experiment gewagt und die Story in der Ich-Perspektive geschrieben.

Zitat Geschichtenwerker: Mir fehlt ein wenig der rote Faden in Deiner Geschichte. Mir kommt das mehr wie ein Mosaik vor. Da ist der Aspekt mit Alejandro, dessen Verschwinden nicht aufgeklärt wird. Dann der brutale Vater, die kühle Mutter und schließlich José. Das gemeinsame Bindeglied ist Deine Protagonistin, aber irgendwie ergeben die Mosaiksteine kein gemeinsames, klares Bild. Das ist schwammig. Man fragt sich ständig, was soll das alles? Warum handeln alle diese Personen, wie sie handeln? Und warum ist das wichtig?
Mmmh. Den roten Faden würd ich so beschreiben ... Penelope lebt in einem lieblosen Elternhaus, hat dort keinen Halt ... Sie vermisst ihren Bruder, der es da nicht mehr ausgehalten hat und verschwunden ist … Weil sie erfahren möchte, was mit ihrem Bruder ist, lässt sie sich auf des Bruders besten Freund José ein … So kommt es zum Missbrauch … Ich habe versucht, noch mehr Infos einzufügen, um den roten Faden deutlicher zu machen.

Zitat Geschichtenwerker: Und dann schließlich die Vergewaltigung, bei der die Protagonistin plötzlich wie eine Marionette handelt. Das ist überraschend, denn anfangs handelt sie auch nicht wie eine Marionette.
Natürlich handelt sie anfangs noch nicht wie eine Marionette. Das passiert erst im Verlauf des Missbrauchs. Davor hatte sie ja keinen Grund dazu.

Zitat Geschichtenwerker: Außerdem ist das Bild schief, denn die Puppe braucht einen Puppenspieler und wer ist das? Warum passiert das plötzlich, dass sie wie eine Marionette ist?
Es braucht nicht zwangsläufig einen Puppenspieler. Wir alle kennen doch den Ausdruck „die benimmt sich wie seine Marionette“ etc. Das ist doch gängig in der deutschen Sprache. Wenn jemand als Marionette betitelt wird, soll es bedeuten, dass die Person fremdbestimmt handelt, bzw. Dinge tut/ über sich ergehen lässt, ohne bei vollem Bewusstsein zu sein, bzw. ohne die Entscheidung für das Tun zu treffen.

Zitat Geschichtenwerker: Ich hoffe, Du kannst mit meinen Ausführungen etwas anfangen.
Leider nicht so wirklich. Ich verstehe nicht so ganz, was ich falsch mache, habe aber dennoch vieles verändert und die Ich-Perspektive angewandt. Vielleicht bringt es ja was.

Ganz liebe Grüße und vielen Dank,

Silvita


Lieber @Isegrims,

auch an Dich ein herzliches Dankeschön, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Geschichte zu lesen und zu kommentieren.

Zitat Isegrims: Was ich herausstellen möchte, ist der Mut über ein relevantes Thema zu schreiben, Literarizität anzustreben, eben nicht nur unterhalten zu wollen. Die Geschichte liest sich flüssig und die Mischung aus Dialog und Erzählpassagen erzeugen eine gute Unmittelbarkeit, auch sprachlich finde ich den Text ansprechend.
Vielen Dank! Darüber freu ich mich.

Zitat Isegrims: Zur Perspektive: ein personaler Erzähler passt mMn schon, aber wenn du näher an die Figur herankommen willst und keine Ich-Perspektive benutzen willst, könntest du ins Präsens wechseln.
Als Experiment hab ich beides mal für mich umgeschrieben und gelesen. Bin jetzt bei der Ich-Perspektive geblieben.

Zitat Isegrims: ist aus meiner Sicht redundant, zu allgemein, zumal du eines der Bilder danach genauer beschreibst.
Ich habe die Passage gekürzt.

Zitat Isegrims: gefällt mir gut, dass du Sinneseindrücke beschreibst
Dankeschön!

Zitat Isegrims: was das mit dem Vater auf sich hat, bleibt weitgehend verborgen, du könntest beispielsweise eine situative Erinnerung einfügen
Ich habe den Text überarbeitet.

Zitat Isegrims: Die Einsamkeit hielt sie fest in ihren Klauen. Da war nur Leere, Hoffnungslosigkeit, Schmerz. o je, aber warum? Und eine Reihung abstrakter Begriffe schafft eher Distanz
Habe den Teil gestrichen.

Zitat Isegrims: „Dad hat dich angesteckt. Nur weil er sagt, er habe keinen Sohn mehr, brauchst du ihn nicht unterstützen. Hast du dir schon mal überlegt, dass sein Verschwinden etwas mit Vater zu tun haben könnte? da versteckst du Tell im Dialog
Auch das habe ich überarbeitet.

Zitat Isegrims: gute Passage, weil sie die Widersprüchlichkeit der Situation aufnimmt.
Vielen Dank!

Zitat Isegrims: hier müsste das Zuhause auch genauer beschrieben werden und warum nicht als innerer Monolog?
Der Text ist zwischenzeitlich sehr verändert.

Zitat Isegrims: „Wenn du jetzt verduftest, wirst du nie erfahren, wo dein Bruder ist.“
passt nicht in den Sprachduktur finde ich
Ist geändert.

Zitat Isegrims: „Stell dich nicht so an. Benimm dich nicht wie ein Baby. Komm schon. Sei ein wenig lieb zu mir. Du willst doch, dass ich ein Treffen mit Alejandro arrangiere. Also … Streng dich an.“
so sagt der das nicht, müsste kürzer, schärfer formuliert werden
Ist geändert.

Zitat Isegrims: mm, wenn ich mir den Charakter vergegenwärtige, der mir zuvor gezeigt wird, glaube ich nicht an den plötzlichen Mordvorsatz. Das Mädchen kommt mir duldsamer vor.
Nach Überarbeitung des Textes soll klar werden, warum sie das tut. Es ist einfach der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt.

Auch an Dich nochmal vielen Dank und ganz liebe Grüße,

Silvita


Lieber @Friedrichard

schön, dass Du nochmal vorbeigeschaut hast. Herzlichen Dank fürs Feedback.

Zitat Friedrichhart: Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, während ihre Finger den Rio Azul entlang glitten, der in Türkistönen schillerte.
Schritte rissen sie aus

ihren Gedanken. Die Türklinke wurde heruntergedrückt, ihre Mutter betrat den Raum, setzte sich zu ihr an die Bettkante. Ihr Rock raschelte leise, sie legte die Hände in den Schoß, blickte ihre Tochter an.
Danke für die Anmerkungen. Habs geändert.

Danke für die anderen sprachlichen Hinweise. Ist alles ausgebessert.

Vielen Dank an alle für die Unterstützung und liebe Grüße,

Silvita
 
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23.11.2016
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472
Hallo @Silvita,

das

Ich habe nun das Experiment gewagt und die Story in der Ich-Perspektive geschrieben.

hat mich dazu veranlasst, Deinen Text nochmals zu lesen.

Ich bin bei dem Ergebnis aber ehrlich gesagt zwiegespalten. Ich bekomme zwar ein deutlich besseres Bild Deiner Protagonistin, aber dafür stolpere ich mehr über Perspektiv-/Präsensprobleme.

Wir hatten hier die Diskussion schon öfters, ob Ich-Perspektive und Präsens überhaupt kombinierbar sind, aber ich möchte jetzt gar nicht diese Diskussion aufwerfen, sondern Dir versuchen zu zeigen, warum das überhaupt problematisch sein kann und was das mit Deinem Text zu tun hat.

Zunächst einmal deutet Präsens die Gegenwart an, womit ich verbinde, dass der Erzähler praktisch keine Zeit zum Reflektieren hat. Wenn man das Präsens mit dem Ich-Erzähler verbindet, kommt noch hinzu, dass man als Erzähler (sprich Autor) keine Außenperspektive einnehmen kann. Strenggenommen müsste das Ergebnis dieser Kombination eigentlich ein Gedankenstrom sein. Muss es natürlich sein, weil man in der Literatur eben auch mit diesen Elementen spielen kann und bspw. gegen Naturgesetze verstoßen kann. Aber die Idee, weswegen ich die Ich-Perspektive und @Isegrims noch zusätzlich das Präsens vorgeschlagen haben, ist, dass man noch näher an Deiner Protagonistin bzw. am Geschehen sein möchte (bei Isegrims vermute ich das hinter dem Vorschlag). Man erwartet also, dass man sehr unmittelbar die Gedanken-, Gefühls- und Sinneswelt Deiner Protagonistin mitbekommt.

Das ist teilweise auch gelungen, teilweise aber auch nicht so gut.

Ich gehe zur Verdeutlichung mal durch den Anfang:

Ich schleiche über den Flur, verharre vor Alejandros Zimmertür, drücke die Klinke herunter und husche in den Raum. Die Tür schließe ich leise hinter mir. Vater mag es nicht, wenn ich hier herumlungere. Manchmal habe ich es satt, Dinge hinter seinem Rücken zu tun aber hey … Ich muss schauen, wo ich bleibe. In Alejandros Zimmer habe ich das Gefühl ihm nahe zu sein.

Der erste Satz passt aus meiner Sicht noch zur gewählten Perspektive, aber bei den nächsten stolpere ich schon, denn diese klingen "reflektiert" oder sogar erklärend.

Versetze Dich in Deine Protagonistin, die sich gerade in das Zimmer schleicht und lese ihre Gedanken mit. Würdest Du denken: "Die Tür schließe ich leise hinter mir. Vater mag es nicht, wenn ich hier herumlungere."?

Ich würde versuchen, das alles viel indirekter auszudrücken und näher dran zu bleiben, um diese Aussagen ("Vater mag es nicht, wenn ich hier herumlungere"; "habe das Gefühl ihm nahe zu sein") zu zeigen:

"Endlich hält Vater Mittagsschlaf. Ich schleiche über den Flur, verharre vor Alejandros Zimmertür, halte die Luft an, drücke die Klinke herunter, Millimeter für Millimeter, und ziehe sie gleichzeitig zu mir, weil sonst die Tür aufspringt. Kaum ist sie offen, husche ich in den Raum und schließe hinter mir zu. Es riecht immer nach einer Mischung aus Alejandros After Shave und den Ölfarben. Das Skizzenbuch liegt noch so in der obersten Schublade des Schreibtischs, wie er es zurückgelassen hat. Die Seiten kleben an meinen feuchten, zittrigen Fingern. Mein Lieblingsbild, der Rio Azul in herrlichen Türkistönen. Der strahlend blaue Himmel, die Vögel, die mit weit gespreizten Schwingen über den Horizont schweben."

Das ist natürlich nur schnell hingeworfen und nicht ausgegoren, aber es geht nicht darum, den perfekten Text zu liefern, sondern Dir aufzeigen, dass aus meiner Sicht die Stärke der Ich-Perspektive+Präsens darin liegt, dass man sehr nah und direkt an der Protagonistin und am Geschehen sein kann, was sich automatisch ergibt, wenn Du die genannten, wörtlich wiedergegeben Aussagen vermeidest und Dir stattdessen überlegst, wie Deine Protagonistin in dem Augenblick fühlt, welche Sinne angesprochen werden, etc. Wenn Du den Text mal durch diese Brille liest, werden Dir sehr viele Stellen dieser Art auffallen, die reflektierte Aussagen und Gefühlsäußerungen enthalten, die eigentlich nicht zur gewählten Perspektive passen.

Wenn jemand als Marionette betitelt wird, soll es bedeuten, dass die Person fremdbestimmt handelt, bzw. Dinge tut/ über sich ergehen lässt, ohne bei vollem Bewusstsein zu sein, bzw. ohne die Entscheidung für das Tun zu treffen.

Hier sagst Du es selbst: "fremdbestimmt"

Die Eigenschaft der Marionette ist ja gerade, dass jemand die Fäden zieht. Was Du vielleicht eher meinst, ist dass Deine Protagonistin quasi ihr "es"-Programm (frei nach Freud) laufen lässt und ihr über-ich ausgeschaltet hat. Insofern passt für mich das Bild der Marionette immer noch nicht, aber Du musst mich aber nicht überzeugen (andere sind da allerdings auch drüber gestolpert, glaube ich).

Übrigens finde ich das jetzt noch widersprüchlicher: Deine Protagonistin möchte Kriegerin sein, sinnt auf Rache:

José muss bezahlen. Ich kann ihn nicht damit davonkommen lassen. Wenn ich nichts unternehme, wird er es wieder tun. Und das halte ich nicht aus.

Und dann ist sie plötzlich Marionette?

Ich würde ihr abnehmen, dass es plötzlich "klick" macht und sie zum Racheengel wird, weil sie sich löst von den "starken Männern" und merkt, dass sie sich selbst beschützen muss und diese Kraft in sich spürt. Ich würde ihr abnehmen, dass sie zerbricht an der Erfahrung, schwer traumatisiert ist, nur noch ein Häufchen Elend, leer, das sich zukünftig von José weiter benutzen lässt. Aber dieses Zwischending "Ich möchte eine Kriegerin sein, bin aber leer und fühle mich wie eine Marionette, die mal eben einen Mord begeht", damit werde ich einfach nicht warm.


Zitat Geschichtenwerker: Ich hoffe, Du kannst mit meinen Ausführungen etwas anfangen.
Leider nicht so wirklich. Ich verstehe nicht so ganz, was ich falsch mache, habe aber dennoch vieles verändert und die Ich-Perspektive angewandt. Vielleicht bringt es ja was.

Ich hoffe, dass Du diesmal mehr mit meinen Ausführungen anfangen konntest.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Du etwas "falsch" machst. Selbst bei Erfolgsautoren wie Stephen King findet man Sachen im Text, die einem "falsch" erscheinen (auch in Bezug auf Perspektive) oder von denen man meint, man könne sie selbst besser machen.

Ich kann Dir nur sagen, dass ich über etwas "gestolpert" bin (nicht gut fand, ich rausgeflogen bin, etc.) und kann versuchen, herauszufinden und aufzuzeigen, woran das liegen könnte. Bei letzterem sind Schreibregeln hilfreich, aber sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss.

In Deiner überarbeiteten Varianten verhindern bei mir solche Aussagen, wie diskutiert, dass ich wirklich tief in den Text eintauchen kann und das ist schade, ich glaube nämlich, dass das ein sehr guter Text werden kann.

Gruß
Geschichtenwerker
 
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19.05.2006
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Mmmh. Den roten Faden würd ich so beschreiben ... Penelope lebt in einem lieblosen Elternhaus, hat dort keinen Halt ... Sie vermisst ihren Bruder, der es da nicht mehr ausgehalten hat und verschwunden ist … Weil sie erfahren möchte, was mit ihrem Bruder ist, lässt sie sich auf des Bruders besten Freund José ein … So kommt es zum Missbrauch …

Verzeih, Silvita, dass ich mich hier einmische, aber ein Text muss selbsterklärend sein. Kein Autor sollte seinen Text interpretieren. Das muss der Leser machen. Entweder erklärt sich ein Text von selbst oder er ist mangelhaft oder der Leser versteht ihn nicht. Ich interpretiere meine Texte grundsätzlich nicht.

Netten Gruß
 
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20.08.2019
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Hallo @Geschichtenwerker

vielen Dank für das ausführliche Feedback und die hilfreichen Beispiele. Ich brauch erstmal ein wenig Abstand von der Geschichte. Wenn etwas Zeit ins Land zieht, mach ich mich nochmal dran und werde Dein Feedback dann auch ausführlich kommentieren.

Huhu @Manuela K.

danke für den Hinweis. Ja, das ist mir klar, dass ein Autor sich nicht erklären sollte. Ich steh einfach auf dem Schlauch, was den Text angeht. Werde jetzt mal etwas Abstand nehmen und mir die Geschichte später noch einmal vorknöpfen.

LG Silvita
 
Wortkrieger-Team
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16.03.2015
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Liebe Silvita,

starke Geschichte, sehr gut geschriebene Vergewaltigungsszene.
Bin beeindruckt.

Details:

Manchmal habe ich es satt, Dinge hinter seinem Rücken zu tun (KOMMA) aber hey … Ich muss schauen, wo ich bleibe.

Mit Tränen in den Augen klappte (klappe) ich den Block zu, verstaue ihn in der Schublade, gehe hinüber zu Alejandros Bett und lege mich auf die Matratze.

Er ist mein Vorbild.“ Mit Tränen in den Augen
Da wäre ein neuer Absatz sinnvoll

Die Enttäuschung zerreißt mir das Herz.
Schritte reißen mich aus den Gedanken.


„Dad hat dich angesteckt.“
Sagt man in Spanien Dad?
Vielleicht padre?

„Was ist nur aus dir geworden, Juan? Wir hatten es einmal schön miteinander.“ „Was zur Hölle hast du für Probleme, Weib?“, schreit er ungehalten.
Würde einen Zeilenwechsel machen.

Er rauft sich die Haare. „Wir sind seit der Teenagerzeit zusammen, haben früh geheiratet, weil du schwanger warst.
Die Grenze zum Infodump für den Leser ist gefährlich nahe :)

Und mal ehrlich…
ehrlich ...

„Du gibst deinem Sohn die Schuld? Ernsthaft?“, wispert sie.
„Genau“, erwidert er kalt. „Ich sehe keine Perspektive. Tag ein, Tag aus derselbe Ablauf. Ich arbeite, trinke mein Feierabendbier, sonntags geht es in die Kirche. Das ist kein erfülltes Leben für einen Mann.“
Das habe ich nicht so richtig verstanden.
Woran ist ihr Sohn Schuld? Das was er sagt, kann viele Ursachen haben.

„Penelope … Penelope …“(KOMMA) ruft es

Der Kakao ist fertig. Ich habe Churros gekauft. Lass sie dir schmecken.“ Er rückt mir den Stuhl zurecht, gießt Kakao in eine Tasse. Sich selbst serviert er einen Espresso.
„Musst du nicht arbeiten?“, frage ich mit vollem Mund. Die Churros
Ggf. mal Heißgetränk bzw. Krapfen oder Fettgebäck

Mit seinen Blicken zieht er mich aus. Ich zupfe an dem Rock, um die Knie zu bedecken. Er legt mir die Hand zwischen die Oberschenkel und streichelt sie.
Das Schwein!

„Wenn du jetzt gehst, wirst du nie erfahren, wo dein Bruder ist.“
Ekelhafter Typ.
Gut beschrieben.

Die unsichtbaren Fäden reißen meinen Arm in die Höhe, dann steche ich zu. Immer und immer wieder.
Gutes Ende.

Alcala de Henares, Spanien, 1982
Braucht es die Verortung unbedingt? Wird auch so klar.
Und das Jahr könnte man auch in den Text einbauen.
1982 fand doch in Spanien die Fussball-WM statt. Das hätte ich so mit eingebaut, wenn es meine Geschichte wäre.

Hat mir sehr gut gefallen. Habe mich im Text eingetaucht gefühlt.

Liebe Grüße,
GoMusic
 
Mitglied
Beitritt
20.08.2019
Beiträge
219
Lieber @GoMusic

vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast meine Geschichte zu lesen und zu kommentieren.

starke Geschichte, sehr gut geschriebene Vergewaltigungsszene.
Bin beeindruckt.

Vielen Dank. Darüber freu ich mich sehr :)

Die Grenze zum Infodump für den Leser ist gefährlich nahe

Habe das etwas gekürzt.

Das habe ich nicht so richtig verstanden.
Woran ist ihr Sohn Schuld? Das was er sagt, kann viele Ursachen haben.

Hab versucht, dass im Text deutlicher rüberzubringen.

Ggf. mal Heißgetränk bzw. Krapfen oder Fettgebäck

Hab ich angepasst.

Ekelhafter Typ.
Gut beschrieben.

Vielen Dank!

Gutes Ende.

Und auch hierfür Dankeschön :)

Braucht es die Verortung unbedingt? Wird auch so klar.
Und das Jahr könnte man auch in den Text einbauen.
1982 fand doch in Spanien die Fussball-WM statt. Das hätte ich so mit eingebaut, wenn es meine Geschichte wäre.

Du hast Recht. Ist unnötig. Hab ich gestrichen.

Hat mir sehr gut gefallen. Habe mich im Text eingetaucht gefühlt.

Das freut mich total :thumbsup:

Lieber @Geschichtenwerker

auch an Dich nochmal ein fettes Dankeschön für das ausführliche Kommentar.

Ich würde versuchen, das alles viel indirekter auszudrücken und näher dran zu bleiben, um diese Aussagen ("Vater mag es nicht, wenn ich hier herumlungere"; "habe das Gefühl ihm nahe zu sein") zu zeigen:

Ich bin den Text nochmal durchgegangen und hab einige Stellen verändert.

Ich kann Dir nur sagen, dass ich über etwas "gestolpert" bin (nicht gut fand, ich rausgeflogen bin, etc.) und kann versuchen, herauszufinden und aufzuzeigen, woran das liegen könnte. Bei letzterem sind Schreibregeln hilfreich, aber sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss.

Vielen Dank dafür.

Insgesamt ist das echt eine heftige Aufgabe. An dem Text hab ich zu knabbern. Wahrscheinlich war das noch nicht die letzte Überarbeitung.

Ganz liebe Grüße an euch beide und einen schöne Woche,

Silvita
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
16.03.2015
Beiträge
3.147
Liebe Silvita,

vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast meine Geschichte zu lesen und zu kommentieren.
Gerne. Ich habe mir den Text nochmal durchgelesen – alles m.E. okay – und hake bei einer Sache nochmal nach.

„Ich habe mir dieses Leben nicht ausgesucht. Wärst du nicht schwanger geworden, dann wäre ich jetzt als Pilot unterwegs, würde die Welt erkunden.“ Sein Gesicht wird rot wie eine Tomate, während er die Worte förmlich ausspeit. „Dann …“ Er hält kurz inne, erhebt sich, baut sich vor ihr auf, packt sie an den Schultern, schüttelt sie. „Willst du wirklich die Wahrheit wissen? Kannst du sie ertragen?“
Sie senkt den Kopf, ihre Finger krampfen sich ineinander.
„Ich hasse Alejandro“, zischt er. „Kann den Jungen nicht um mich haben. Wäre er nicht auf die Welt gekommen, wäre ich ein freier Mann.“
„Du gibst deinem Sohn die Schuld? Ernsthaft?“, wispert sie.
„Genau“, erwidert er kalt. „Ich sehe keine Perspektive. Tag ein, Tag aus derselbe Ablauf. Ich arbeite, trinke mein Feierabendbier, sonntags geht es in die Kirche. Das ist kein erfülltes Leben für einen Mann. Hättest du ihn nur nie zur Welt gebracht.“
Er hasst Alex also allein deshalb, weil er auf die Welt gekommen ist, er sich deswegen nicht frei entfalten konnte (Pilot, Welt erkunden, freier Mann).
Okay, kann diese Aussage aus seiner Sicht noch verstehen.

Aber es gibt doch auch Familienväter, die Piloten sind ...
Was hat ihn daran gehindert, trotzdem Pilot zu werden? Liebt er seinen Sohn also doch, wenn er wegen ihm nicht in die weite Welt gezogen ist, sondern stattdessen zuhause bei seiner Familie geblieben ist (?).

Was ist mit der Zweitgeborenen? Auf Penelope hat er keinen Hass? Weil schon das erste Kind "zu viel" für ihn ist/war? Das zweite Kind also "egal" ist?

Und weil er nicht Pilot werden konnte, trinkt er, geht in die Kirche, hat er kein erfülltes Leben?
Eigentlich hätte er ja nie heiraten dürfen, wenn er das alles hätte erreichen wollen, was er sich vorgenommen hat.
Sind es in Wahrheit gar ganz andere Gründe, warum er Alex hasst? Vielleicht weil sein Sohn das tut / tun kann, was er möchte? Das Malen, die Kunst?

Interessant, das alles. Regt zum Denken an. Danke dafür.

Das war es auch schon, was ich rückmelden wollte.

Liebe Grüße, GoMusic
 
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20.08.2019
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Hallo @GoMusic

Gerne. Ich habe mir den Text nochmal durchgelesen – alles m.E. okay – und hake bei einer Sache nochmal nach.

Super. Das ist schön und da freue ich mich.
Vielen Dank für Deine Zeit und Deine Gedanken.

Aber es gibt doch auch Familienväter, die Piloten sind ...
Was hat ihn daran gehindert, trotzdem Pilot zu werden? Liebt er seinen Sohn also doch, wenn er wegen ihm nicht in die weite Welt gezogen ist, sondern stattdessen zuhause bei seiner Familie geblieben ist

Das sind sehr interessante Gedanken. Ich denke, das werde ich in die Story noch mit einbauen.

Was ist mit der Zweitgeborenen? Auf Penelope hat er keinen Hass? Weil schon das erste Kind "zu viel" für ihn ist/war? Das zweite Kind also "egal" ist?

Ganz genau. Das hast Du durchschaut :)

Und weil er nicht Pilot werden konnte, trinkt er, geht in die Kirche, hat er kein erfülltes Leben?
Eigentlich hätte er ja nie heiraten dürfen, wenn er das alles hätte erreichen wollen, was er sich vorgenommen hat. Sind es in Wahrheit gar ganz andere Gründe, warum er Alex hasst? Vielleicht weil sein Sohn das tut / tun kann, was er möchte? Das Malen, die Kunst?

Und auch hier tausend Dank für Deine Gedanken.

Interessant, das alles. Regt zum Denken an. Danke dafür.

Gern geschehen.
Und ich danke Dir :)

Ganz liebe Grüße,
Silvita
 
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Lieber @GoMusic

so, jetzt habe ich noch den Gedanken um das "warum wurde er kein Pilot" in den Text einfließen lassen. Nochmal danke für Deine Gedanken.

Was macht eigentlich Van Houten?

LG und einen schönen Sonntag,
Silvita
 
Wortkrieger-Team
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16.03.2015
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Liebe Silvita,

Ich habe gerne nochmal reingeschaut.

so, jetzt habe ich noch den Gedanken um das "warum wurde er kein Pilot" in den Text einfließen lassen.
Sehr gut geworden.

Das ich nicht lache.
Dass ich ...

Was macht eigentlich Van Houten?
Der läuft noch frei rum ☺️
Ich fange ihn bald ein.
(War kürzlich mit den Gedanken ganz woanders. Musste ja zwischendurch noch unbedingt eine KG einstellen ... Na, ja.)

Liebe Grüße und einen tollen Wochenendausklang.
GoMusic
 
Mitglied
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20.08.2019
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219
Lieber @GoMusic

Ich habe gerne nochmal reingeschaut.

Das freut mich sehr :)

Sehr gut geworden.

Vielen Dank!

Dass ich ...

Danke. Hab ich geändert

Der läuft noch frei rum ☺
Ich fange ihn bald ein.
(War kürzlich mit den Gedanken ganz woanders. Musste ja zwischendurch noch unbedingt eine KG einstellen ... Na, ja.)

Grins. Spann Deine Fans nicht so lang auf die Folter :bounce:
Die Kurzgeschichte hab ich gelesen, aber da ich von Flash Fiction 0 Ahnung hab, hab ich nichts dazu geschrieben.

Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche!

LG Silvita
 

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