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Mohnblume

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21.09.2007
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Mohnblume

Ich sah sie am Straßenrand. Ein roter Fleck im grünen Gestrüpp. Das Bild war falsch. Mohnblumen gehören nicht an eine viel befahrende Straße. Sie gehören an überhaupt gar keine Straße. An Feldwege, höchstens.
Mich überkam ein Gedanke. Ein Bild von einem Weizenfeld. Gelb und golden in der warmen Abendsonne. Vielleicht auch später Nachmittag. Die Halme wiegen sich in der leichten Brise, die den Duft der schweren Körner trägt. Stroh, mit viel Phantasie sogar die Einbildung von frisch gebackenem Brot. Dazu ein Hauch von Holz und Gras, der von den Bäumen und dem Wiesenstreifen herrührt, die den sich windenden Bach, ein Stückchen entfernt, säumen. Das seichte Wasser plätschert angenehm über Steine und durch Wurzeln, webt mit den raschelnden Blättern, Gräsern, Ähren eine Melodie. Teppich für das Solo eines Vogels, der hoch in einer Baumkrone thront. Über den von der Sonne gewärmten Kiesweg huscht eine Eidechse, so flink, dass sie kaum zu erkennen ist. Und dort in dem goldenen Meer schwimmen rote Flecken, tanzen im gleichen Takt wie die rauschenden Wellen, die sie umgeben.
Ich werde aus meiner Trance gerissen. Beißender Gestank von heißem Teer sticht mir in die Nase. Erst jetzt bemerke ich wieder den Höllenlärm, der von der Autobahnbaustelle herüber dröhnt. Wie konnte ich den bloß überhören? Dazu die kreischenden Autos und LKWs. Ich steige wieder in mein eigenes Auto, habe keine Zeit mir die Beine noch länger zu vertreten. Ich lasse den Motor an und fahre vom Rastplatz, um mit den anderen mitzukreischen. Im Rückspiegel sehe ich noch kurz den roten Fleck am Straßenrand.
Es ist ein falsches Bild. Und dennoch wächst die Blume dort.

 

hallo,

ja, da fragt man sich doch, welches jetzt eigentlich das falsche Bild ist. Genau genommen jenes romantische, von dir beschriebene, das einem Werbespot entsprungen zu sein scheint. Diese idyllische Beschreibung erinnert mich an die Kitschmalerei von Bob Ross, die auch nicht realistisch ist, sondern eine Lüge darstellt. Das reale Bild mit der Autobahn, dem Lärm, dem Schmutz und so weiter, scheint mir viel echter und ist genau genommen doch nur örtlich begrenzt - zum Glück. Insgesamt funktioniert deshalb auch die Holzhauermethode nicht, die du, so scheint es mir, anwenden wolltest. Dies ist schön und dies ist hässlich. Malen nach Zahlen.

»Und dennoch wächst die Blume dort.« Dieser kleine Satz reißt es dann nochmal herum. Gerade noch so, aber sei getröstet, das ist nur meine Meinung.
Georg

 

Hallo und Danke fuer deine Meinung.

Allerdings verstehe ich nicht so ganz, was du mir damit sagen willst...
Ich habe versucht durch die extreme Polarisierung zu verdeutlichen, was der Prot empfindet. Naemlich, dass zwei Sachen scheinbar nicht zusammen passen. Was sie aber doch tun (siehe letzter Satz).
Zu deiner Kritik mit dem "realen" Bild: Natuerlich ist die Autobahn das Reale und das andere ein idealisiertes Bild, aber ich dachte, dass ich das auch so in der Geschichte geschrieben haette ("Mich ueberkam ein Gedanke", ein Gedanke und nicht mehr).

Ich bin natuerlich offen fuer weitere Kritiken (schliesslich ist das erst meine dritte Geschichte und ich will noch viel lernen :-))

 

ich habe jetzt nocheinmal über deine Geschichte nachgedacht. Mit Holzhammer Methode meinte ich dieses rabiat daher kommende Bild von Schönheit und Idylle, das du über die Realität, die hier schmutzig und laut ist, stülpst. Wäre das alles ein bisschen weniger im Stile eines Fernsehspots für Malzkaffee oder Margarine gehalten, wäre das ganze einfach etwas dezenter ausgefallen, hätte es mir mehr geben können.
ich weiß nicht, ob ich mich jetzt verständlicher ausgedrückt habe.:)
Georg

 

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