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Mucksmäuschenstill

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Mucksmäuschenstill

„Und DU bist nicht eingeladen!“ Emma hat es zu Charlie gesagt. Die Mädchen haben gegickelt und dann sind sie abgehauen.
Mir eh egal, denkt Charlie und knibbelt sich den pinken Nagellack vom Daumen. Sie hockt auf dem Pausenhof und wartet, bis die anderen gegessen haben.
„Da hat wohl jemand vergessen, den Antrag rechtzeitig zu stellen“, hat die Frau an der Essensausgabe gesagt.
Mir eh egal, denkt Charlie. Dann spuckt sie vor sich. Wie Onkel Bapo. Es landet nur ein bisschen was auf ihren Sandalen. Charlie wickelt sich eine Haarsträhne um den Zeigefinger. Die schönsten Haare von der ganzen Welt hat sie, hat Mama gesagt. Und sie sind schon fast so lang wie die von Mama. Wenn sie die den Kopf ein Stück nach vorne beugt, kann sie die Haare sogar im Sand schleifen lassen. Es ist fast ein bisschen wie Tanzen.
„Läusekind!“, hat Emma letzte Woche gesagt.

In Charlies Hausaufgabenheft steht eine Nachricht für Mama. Frau Meierfels möchte mit ihr sprechen, wegen der Fehltage. Und Allgemein.
Charlie mag Frau Meierfels. Sie lächelt Charlie manchmal an und sieht sehr hübsch aus. Bestimmt heiratet sie mal jemand Berühmten. In ihrer großen, braunen Ledertasche hat sie immer tolle Sachen. Aber nur einmal hat Charlie etwas daraus mit nach Hause genommen. Eine blaue Schachtel mit bunten Kärtchen. Lobkärtchen heißen die. Charlie hat sie in der kaputten Waschmaschine in ihrem Zimmer versteckt. Sie traut sich nicht oft, die Kärtchen anzugucken. Aber sie stellt sich manchmal vor, wie Frau Meierfels auf ihrem Stuhl an dem weißen Schreibtisch sitzt und neue Kärtchen malt.
Eigentlich ist sie gar nicht oft krank. Aber Charlies Mama muss die Schulzeiten noch üben, sagt sie. Deshalb gibt sie Charlie manchmal besondere Ferien. Solche Ferien, die nur ganz besondere Kinder bekommen.
„Heute sind Kartoffelsuppenferien!“, ruft Charlies Mama dann lachend und zieht sich die Decke wieder über den Kopf. Dann kommen auch die beiden Kleinen angerannt und sie machen den Fernseher an und essen Chips im Bett. Matthis und Mia sind noch klein und dumm. Die begreifen noch gar nix vom Leben. Charlie hat schon so oft probiert, es ihnen zu erklären, aber sie kapieren es einfach nicht. Sie sind zu laut.

„Und ich bin nicht eingeladen“, flüstert Charlie und beißt sich auf die Unterlippe. Sie tritt gegen den Beutel, in dem ihre Schulsachen sind. Den Ranzen mit Eiskönigin Elsa besorgt Mama noch. Charlie macht eine Blase aus Spucke. Eine richtig große. Dann lässt sie einen Spuckefaden aus dem Mund laufen und in den Sand plumpsen. Wie eine Welle, die am Strand ankommt.
Charlie liebt das Meer. Sie war noch nie da, aber bei RTL II hat sie es gesehen. Ganz weiß war der Sand. Und die Wellen haben spluuuuuscccccch gemacht, wenn sie am Sand angekommen sind. Ganz leise: spluuuuscccch.
Emma war in den Ferien am echten Meer, das hat sie im Morgenkreis erzählt. Mit Mama und Papa. Emmas Haut schimmert seitdem wie der braune Zucker, der auf den süßen Brötchen drauf ist, die Charlies Mama immer im Lidl holt.
„Hach!“ hat Charlies Oma gerufen und gelacht. „Ans Meer fahren wir nächste Woche auch!“
Charlies Mama hat nix gesagt. Sie ist in das andere Zimmer gegangen und hat Musik angemacht. Ganz laut, damit die Kleinen sie nicht heulen hören.
Die Oma musste dann schnell weg. Leider, hatte sie gesagt. Charlie hat Matthis auf den stillen Stuhl geschickt, weil er sich wieder vollgepinkelt hat. Für Mia hatte sie Mamas Handy oben vom Kühlschrank geholt. Mia spielt so gerne Candy Bubbles. Und beißt sich dann nicht den Arm blutig. Das ist die Trotzphase, hat der Kinderarzt gesagt.

Wenn Charlies Oma zu Besuch kommt, bleibt sie meistens ein paar Tage. Manchmal bleibt sie auch ein paar Wochen. Oft ist sie auch geheim da. Wie eine richtige Agentin. Das erzählen sie den Kleinen. Dann schlafen alle zusammen auf Matratzen auf dem Boden. Am lustigsten ist es, wenn Shacko mit dabei ist. Shacko ist der neue Freund von Charlies Oma. Seit ihr Opa vom Haus gesprungen ist.
Der Opa ist tot. Die von der Polizei standen wieder an der Tür und haben es Charlies Mama gesagt.
„Er ist auf dem Dach balanciert wie ein richtiger Zirkusakrobat“, hat sie dann den Kleinen gesagt.
„Uuuund daaaaan?“ wollte Matthis wissen.
„Dann ist er gesprungen. Kopfüber. Und alle haben geklatscht.“
„Uuuund daaaan?“
„Platsch!“, sagte Mama.
„Platsch! Platsch! Platsch!“, hatte Matthis gerufen und dabei in die Luft geboxt. Dann hat er auf den Küchenboden gerotzt vor Stolz. Dann hat Mama ihm eine geknallt und Charlie hat schnell den Rotz weggewischt. Charlie hatte den Opa gern. Meistens. Nur einmal hat er ihnen die Miete für den ganzen Monat geklaut.

„Schlampe!“ hat Matthis zur Mama gesagt und ihr mit der Faust in den Bauch geboxt. Matthis war wütend, weil Mama ihm das Gewehr weggenommen hat, mit dem er Plastikkugeln auf den Kanarienvogel geschossen hat.
Schlampe sagt sonst nur Oma zu Mama. Und Moppo. Der hat aber auch ein Problem im Kopf. Bapo, Fritz und Moppo sind die Brüder von Mama. "Die sind zwar alle ein bisschen plemplem", sagt Mama und wischt mit ihrer Hand vor den Augen rum. "Aber Blut ist dicker, als Wasser."
Manchmal feiern sie alle zusammen Party, bis es fast schon wieder hell wird. Oder bis alle umkippen und schlafen. Vorher sind sie immer richtig laut und lustig.

Nur einmal, da war plötzlich alles voller Blut im Zimmer, weil Mama in eine kaputte Bierflasche gefallen war. Moppo hatte ihr vorher gegen den Kopf geschlagen, weil er wütend war. Matthis hat plötzlich aus der Hose getropft und Mia hat einfach nur gebrüllt und sich dabei in den Arm gebissen. Das macht sie jetzt immer, wenn was ist. Der Arm ist ganz verkrustet.
Charlie hatte sie schnell in das andere Zimmer gebracht. Die kapieren die Erwachsenensachen ja noch nicht.

Wie viele Fleißkärtchen braucht man, bis man eine Verkäuferin ist? Charlie überlegt und nimmt ihre Finger zum Zählen. So eine, die so schöne Sachen verkauft, wie die Frauen im AWG Mode-Center. AWG. Alle werden glücklich. Alle werden glücklich, wenn sie Verkäuferin sind. Charlies Finger reichen nicht aus zum Zusammenzählen.

„Mein Mädchen ist nicht eingeladen auf die Party?“, hat Charlies Mama vor kurzem gerufen, als Charlie auch nicht auf Paulas Geburtstag eingeladen war. „Pah! Uns doch egal. Wir machen selber eine Party! Die coolste Party von allen Partys auf der ganzen Welt!“
Dann sind sie ins Kaufland gegangen und haben Luftballons und Kindersekt und bunte gefrorene Torte geholt.

Es sei wichtig, dass Charlie immer pünktlich zur Schule komme, hat Frau Meierfels zu Charlies Mama gesagt. Auch, damit Charlie besser in die Klassengemeinschaft finden würde. Das sei sehr wichtig. Man könne sich auch Hilfe vom Amt nehmen. Die helfen da gerne.
„Ja, klar. Super. Mach ich“, hat Charlies Mama gesagt und gelacht. Frau Meierfels hat auch gelacht.

Der Mann, der die Post bringt, will oft eine Unterschrift von Charlies Mama. Sie sagt dann immer „Autogramm? Aber gerne!“ Den Brief legt sie dann in die Briefeschublade zu den anderen. Charlie hätte manchmal gerne gewusst, was in den Briefen steht. Aber Mama sagt: „Die heben wir auf, für die Bach. Dann hat die was zu tun.“
Die Bach kommt jetzt immer donnerstags.
Die Bach hat viele Sachen gesagt, die anders werden sollen. Charlies Mama hat ein bisschen geweint und dann gesagt, dass sie jetzt alles anders macht. Weil sie die Kinder mehr als ihr eigenes Leben liebt.
Das sagt Charlies Oma auch immer. Dann nimmt sie sich meistens noch Waschpulver, Shampoo und Zahnpasta aus dem Bad und packt es in ihre Plastiktüte. Und weil sie manchmal knapp dran ist, auch noch ein paar Packungen Essen aus dem Regal im Flur. „Ich liiiieeeebe dich so mein Mädchen, mehr als mein eigenes Leben!“, sagt die Oma dann und drückt Charlie ganz fest an sich. Und zu Matthis und Mia sagt sie das auch. Dann muss sie zur Gaststätte Scherer. Shako suchen.

Die Bach meint, dass ein Plan für´s Leben her muss. Und für den Tag. Mama meint das auch. Sonst- und das wäre wirklich traurig, müsste eine andere Lösung für die Kinder gefunden werden, meinte die Bach noch. Für Charlies Mama und ihre Brüder wurde auch schon mal eine andere Lösung gefunden. Aber lange haben sie sie nie behalten in den Wohngruppen. Charlies Mama lacht sich heute noch halb tot, wenn sie erzählt, wie sie die Betreuer verarscht haben. Charlie finde das auch sehr lustig. „Und dann“, hat Charlies Mama lachend erzählt, „dann haben sie uns wieder heim gebracht."

Charlie zieht ein Heft aus dem Schulbeutel. Und das Mäppchen. Und ein Kinder-Pingui. Sie reist vorsichtig eine Seite aus dem Heft raus und knickt sie ungefähr in der Mitte. Das Pingui ist zwar ein bißchen zerquetscht, aber es schmeckt trotzdem noch gut.
Charlie weiß ganz genau, wie die Karte aussieht. Sie malt so gut sie kann das Einhorn an den einen Rand. Auf die andere Seite malt sie die Sieben in gelb. Gold hat sie nicht. Sie kommt fast nicht über den Rand, so konzentriert sie sich. Es sieht so schön aus, dass Charlie es immer wieder wegdrehen und dann nochmal neu angucken muss. Ihr Gesicht fühlt sich ganz warm an und kribbelt ein bisschen.
Du bist eingeladen schreibt sie in die Mitte der Karte.
 
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Liebes @Lotterlieschen,

diese Ambivalenz von der liebenden Mutter, die aber doch nicht so richtig ihr Leben auf die Reihe bekommt und darunter natürlich die Kinder leiden, hat mir gut gefallen. Das finde ich schon sehr gut gemacht. Und um so mehr bedrückend wirkt das natürlich.
Verstanden habe ich allerdings nicht das System der Leerzeilen, warum das mal mehr und mal weniger sind. Schätze mal, da gibt es auch nichts dran zu verstehen. Überhaupt wirkt der Text auf mich bisschen husch-husch, was echt schade ist.

„Und DU bist nicht eigeladen!“
ei+ngeladen

... dem Pausenhof und wartetKOMMA bis die anderen gegessen haben.

„Da hat wohl jemand vergessen, den Antrag rechtzeitig zu stellen!“, hat die Frau an der Essensausgabe gesagt.
Vorsicht mit den ! - da hebt man immer die Stimme, als würde man rufen, schreien ... eben ein AUSRUF. Passt für mich hier nicht her.

Frau Meierfels möchte mit ihr sprechenKOMMA wegen der Fehltage. Und Allgemein.

Charlie mag Frau Meierfels. Sie lächelt Charlie manchmal an und sieht sehr hübsch aus. Bestimmt heiratet sie mal jemand Berühmten.
Nice!

Charlie hat sie in der kaputten Waschmaschine in ihrem Zimmer versteckt.
Ein schönes Detail, um die Situation zu Hause dazustellen. Kaputte Waschmaschine wird nicht entsorgt, sondern erst mal im Kinderzimmer geparkt.

Eigentlich ist sie gar nicht oft krank. Aber Mama muss die Schulzeiten noch üben, sagt sie. Deshalb gibt sie Charlie manchmal besondere Ferien. Solche Ferien, die nur ganz besondere Kinder bekommen.
„Heute sind Kartoffelsuppenferien!“KOMMA ruft Charlies Mama dann lachend ...
So hübsch und doch so tragisch. Stellen wie diese, die mochte ich sehr an dem Text.

Matthis und Mia sind noch klein und dumm. Die begreifen noch gar nix vom Leben. Charlie hat schon so oft probiert, es ihnen zu erklären, aber sie kapieren es einfach nicht. Sie sind zu laut.
Und auch der Blick von Charlie auf ihre Geschwister - ich mag den gern. Obwohl sie da gar nichts Nettes sagt, steckt doch Liebe drin.

„Und ich bin nicht eingeladen!“, flüstert Charlie und beißt sich auf die Unterlippe.
! - geflüsterter Ausruf - nee, nee, das will nicht funktionieren

Emmas Haut schimmert seitdem wie der braune Zucker, der auf den süßen Brötchen drauf ist, die Charlies Mama immer im Lidl holt.
Schöner Vergleich.

„Hach!“KOMMA hat Oma gerufen und gelacht. „Ans Meer fahren wir nächste Woche auch!
Charlies Mama hat nix gesagt. Sie ist in das andere Zimmer gegangen und hat Musik angemacht. Ganz laut, damit die Kleinen sie nicht heulen hören.
Auch schön gemacht, um die schwierige Beziehung zwischen den beiden abzubilden.

Charlie hat Matthis auf den stillen Stuhl geschickt, weil er sich wieder vollgepinkelt hat. Für Mia hatte sie Mamas Handy oben vom Kühlschrank geholt. Mia spielt so gerne Candy Bubbles. Und beißt sich dann nicht den Arm blutig. Das ist die Trotzphase, hat der Kinderarzt gesagt.
Ja, das geht nicht unbeschadet an den Kindern vorbei. und hier zeigt sich auch shcön, wie sehr sich Charlie für ihre Geschwister verantwortlich fühlt, und wie sie damit überfordert ist.

Emma hat ganz weiche Bettwäsche und eine Zahnbürste mit einem Kabel. Charlie fährt vorsichtig mit der Zunge über ihre Zähne. Fühlt sich wirklich schmuddelig an. Aber erst, seit der Junge das gesagt hat. „Iiiiihhh!“, hat er gesagt. „Die sind ja ganz braun.“
Woher weiß sie das mit der Bettwäsche und der Zahnbürste? Sie wird ja kaum mal dort zum Spielen gewesen sein. Außerdem finde ich das fast bisschen zu dick aufgetragen, denn Zähneputzen kann sie ja schon. Klar, zweigt auch, wie wenig sich Mama kümmert, aber das hast Du ja nun schon oft genug an den Leser gebracht. für mein Empfinden bräuchte es das nicht, es bringt nix Neues und wirkt auf mich irgendwie so Holzhammer - Überdrama.

Wenn Oma zu Besuch kommt, bleibt sie meistens ein paar Tage. Bis sie was Neues hat. Manchmal bleibt sie auch ein paar Wochen.
Was da bei Oma läuft, habe ich übrigens nicht kapiert. Also, den Satz ja vielleicht noch, da dachte ich, Oma hat Probleme mit ihrem Kerl, aber das stimmt ja zwei Sätze später schon nicht mehr.

Oft ist sie auch geheim da. Wie eine richtige Agentin. Das erzählen sie den Kleinen. Dann schlafen alle zusammen auf Matratzen auf dem Boden.
Ja, eigentlich könnte es so schön sein für die Kinder, wenn da nicht ...

Der Opa ist tot. Die von der Polizei standen wieder an der Tür und haben es Charlies Mama gesagt.
„Er ist auf dem Dach balanciert wie ein richtiger Zirkusakrobat“, hat sie dann den Kleinen gesagt.
„Uuuund daaaaan?“ wollte Matthis wissen.
„Dann ist er gesprungen. Kopfüber. Und alle haben geklatscht.“
„Uuuund daaaan?“
„Platsch!“, sagte Charlies Mama.
„Platsch! Platsch! Platsch!“, hatte Matthis gerufen und dabei in die Luft geboxt. Dann hat er auf den Küchenboden gerotzt vor Stolz. Dann hat Charlies Mama ihm eine geknallt und Charlie hat schnell den Rotz weggewischt. Charlie hatte den Opa gern. Meistens. Nur einmal hat er ihnen die Miete für den ganzen Monat geklaut.
Auch so eine Stelle, die wirklich gern mochte, mit all der Tragik, die sich da auftut.

„Auch nicht vor Gewitter?“KOMMA hatte Charlie gefragt.
...
„Und vor Piraten?“KOMMA hatte Matthis gefragt.
...
„Un vor Regewumm?“KOMMA hatte Mia gefragt.

Wenn die Polizei kommt, packen Oma und Shako ihre Sachen zusammen und hauen durch‘s Wohnzimmerfenster ab. Da, wo sie auch reingekommen sind. Da, wo sie überall reinkommen, sagt Shako.
Also die beiden brechen gern mal irgendwo ein, okay. Und verstecken sich bei bei der Tochter?

„Schlampe!“KOMMA sagt Matthis zur Mama und boxt mit der Faust in ihren Bauch.
...
Schlampe sagt sonst nur Oma zu Charlies Mama. Und Moppo. Der hat aber auch ein Problem im Kopf. Bapo, Fritz und Moppo sind die Brüder von Mama. Die sind zwar alle ein bisschen plemplem, sagt Charlies Mama und macht mit ihrer Hand wie ein Scheibenwischer. Aber Blut ist dicker, als Wasser.
Oh ha.
"Die sind zwar alle ein bisschen plemplem", sagt Charlies MamaKOMMA und macht mit ihrer Hand wie ein ScheibenwischerKOMMA "aber Blut ist dicker, als Wasser."

Charlie hatte sie schnell in das andere Zimmer gebracht. Die kapieren die Erwachsenensachen ja noch nicht. Charlie wäre auch gern erwachsen.
Ausgerechnet da? Um auch eine Flasche an den Kopp zu bekommen? Finde, es gibt bessere Zeiten, sich das zu wünschen.

Wieviele Fleißkärtchen braucht man, bis man eine Verkäuferin ist? Leonie überlegt und nimmt ihre Finger zum Zählen. So eine, die so schöne Sachen verkauft, wie die Frauen im AWG Mode-Center. AWG. Alle werden glücklicher. Alle werden glücklicher, wenn sie Verkäuferin sind. Leonies Finger reichen nicht aus zum Zusammenzählen.
Wie viele
Und wer ist Leonie? ;)
Aber die Verkäuderinsache ist hübsch.

„Mein Mädchen ist nicht eingeladen auf die Party?“, ruft die Mama. „Pah! Uns doch egal. Wir machen selber eine Party! Die coolste Party von allen Partys auf der ganzen Welt!“
Dann gehen sie ins Kaufland und holen Luftballons und Kindersekt und bunte gefrorene Torte.
Sag ja, es könnte so schön dort für Kinder sein ... Ach, Mensch!

„Ja, klar. Super. Mach ich(.)“KOMMA Hat Charlies Mama gesagt und gelacht. Frau Meierfels hat auch gelacht.

Der Mann, der die Post bringt, will wieder eine Unterschrift von Charlies Mama. Sie sagt dann immerDOPPELPUNKT „Autogramm? Aber gerne!“ Den Brief legt sie dann in die Briefeschublade zu den anderen.

Charlie hätte manchmal gerne gewusst, was in den Briefen steht. Aber Mama sagt: „Die heben wir aufKOMMA für die Bach. Dann hat die was zu tun.“

Nach der Sache mit der Bierflasche hatte es eine große Erwachsenenrunde auf dem Amt gegeben. Die Bach kommt jetzt immer donnerstags.
Die Bach hat viele Sachen gesagt, die anders werden sollen. Charlies Mama hat ein bisschen geweint und dann gesagt, dass sie jetzt alles anders macht. Weil sie die Kinder mehr als ihr eigenes Leben liebt. Das sagt Charlies Oma auch immer.
Wieso auf einmal Charlies Mama/Oma? Hat der Erzähler gewechselt? Charlie selbst würde doch nur Mama/Oma sagen.

Sonst- und das wäre wirklich traurig, müsste eine andere Lösung für die Kinder gefunden werden, meint+e die Bach noch.
Komma satt - gefiele mir besser.

Moppo war schon zu alt damals(.)KOMMA h/Hatten sie gesagt.
Das sind niemals nie zwei Sätze.

Da wird sicher noch mehr gefunden, was gefegt und gewischt werden muss, ich bin da jetzt auch nicht der Flusenheld.

Der Text hat was. Ich würde vielleicht gar nicht so sehr auf Gas gehen, dass Charlie zum Beispiel einbricht, das hat mich nicht überzeugen können, und auch was die Oma da für ein Leben führt, führt für mich zu nix, ich verstehe es ja nicht mal. Ebenso die Zahnsache.
Also Amt, die kaputte Beziehung zwischen Mama und Oma, Schulschwänzerei, dass sie für die Kleinen die Verantwortung versucht zu übernehmen und scheitert, Mobbing, da ist doch schon so viel drin. Ich finde es gegen Ende hin echt zu überladen, ich wäre da sparsamer, damit sich die Wirkung von Liebe vs. Überforderung nicht überschattet wird von - und hier! und nimm dies! und jetzt das! Aber mal abwarten, wie das auf die anderen wirkt. Wenn Du noch bisschen aufräumst, ist das ein sehr, sehr feiner Text für mich. Gerade so Kindererzähler sind ja nicht einfach und ich finde, die Charlie-Stimme ist dir echt gut gelungen, ich habe sie dir zu jedem Zeitpunkt abgekauft.

Liebe Grüße, Fliege
 
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14.04.2018
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Liebe @Fliege!
ganz herzlichen Dank, dass du dir soviel Mühe mit meinem Text gemacht hast.
Obwohl:
Überhaupt wirkt der Text auf mich bisschen husch-husch, was echt schade ist.
...du mich hier erwischt hast. Zumindest teilweise. Ich hatte Charlies Geschichte vor einiger Zeit mal aufgeschrieben, weil ich sie loswerden musste. Hab sie dann aber in die Schublade gepackt, weil ich sie auch zu voll gepackt fand. Das funktioniert so im echten Leben. Aber für eine Geschichte ist es dann doch zu viel. ;)
Ich hab sie dann gestern nur nochmal überarbeitet. Aber nicht sorgfältig. Das stimmt also.
Verstanden habe ich allerdings nicht das System der Leerzeilen, warum das mal mehr und mal weniger sind.
Ich hab grundsätzlich nen Absatz-Tick. Und obwohl ich immer wieder Ärger deshalb bekomme, lasse ich es nicht. Hier wollte ich dem Leser glaub ich ne Chance geben, mal Luft zu holen zwischendurch. Offensichtlich auch unterschiedlich viel. Schwachsinn ich weiß ...
Vorsicht mit den ! - da hebt man immer die Stimme, als würde man rufen, schreien ... eben ein AUSRUF. Passt für mich hier nicht her.
Hast recht.
! - geflüsterter Ausruf - nee, nee, das will nicht funktionieren
Hier eh.
Woher weiß sie das mit der Bettwäsche und der Zahnbürste? Sie wird ja kaum mal dort zum Spielen gewesen sein. Außerdem finde ich das fast bisschen zu dick aufgetragen, denn Zähneputzen kann sie ja schon. Klar, zweigt auch, wie wenig sich Mama kümmert, aber das hast Du ja nun schon oft genug an den Leser gebracht. für mein Empfinden bräuchte es das nicht, es bringt nix Neues und wirkt auf mich irgendwie so Holzhammer - Überdrama.
Doch. Die gehen einfach überall rein, wo sie reinwollen. Macht denen nix, dass sie nicht eingeladen werden. Sie kommen trotzdem.
Das mit dem Zähneputzen hab ich rausgenommen. Weil ich verstehe was du mit dem Holzhammer meinst. Aber Charlies Zähne sind echt braun. Aber vielleicht muss ich es nicht erzählen. Allerdings: Nur weil Kinder theoretisch Zähne putzen können, heißt das nicht, dass sie es auch machen, wenn keiner am Thema bleibt. Ist leider so wahr, wie Klischee.

Was da bei Oma läuft, habe ich übrigens nicht kapiert. Also, den Satz ja vielleicht noch, da dachte ich, Oma hat Probleme mit ihrem Kerl, aber das stimmt ja zwei Sätze später schon nicht mehr.
Ja, ich glaub, das ist noch nicht gut erzählt. Niemand hat ne Wohnung außer Charlies Mama. Die anderen wohnen mal hier mal da. Aber oft auch bei Charlies Mama. Sie schafft es nicht, sich abzugrenzen.
Also die beiden brechen gern mal irgendwo ein, okay. Und verstecken sich bei bei der Tochter?
Ja

Ausgerechnet da? Um auch eine Flasche an den Kopp zu bekommen? Finde, es gibt bessere Zeiten, sich das zu wünschen.
Stimmt. Das ist so ziemlich die blödeste Stelle sich das zu wünschen:lol:. Ist erstmal ganz raus.
Wieso auf einmal Charlies Mama/Oma? Hat der Erzähler gewechselt? Charlie selbst würde doch nur Mama/Oma sagen.
Das hab ich nicht richtig verstanden, glaub ich.
Der Text hat was. Ich würde vielleicht gar nicht so sehr auf Gas gehen, dass Charlie zum Beispiel einbricht, das hat mich nicht überzeugen können, und auch was die Oma da für ein Leben führt, führt für mich zu nix, ich verstehe es ja nicht mal. Ebenso die Zahnsache.
Also Amt, die kaputte Beziehung zwischen Mama und Oma, Schulschwänzerei, dass sie für die Kleinen die Verantwortung versucht zu übernehmen und scheitert, Mobbing, da ist doch schon so viel drin. Ich finde es gegen Ende hin echt zu überladen, ich wäre da sparsamer, damit sich die Wirkung von Liebe vs. Überforderung nicht überschattet wird von - und hier! und nimm dies! und jetzt das!
Ich hab`s ja oben schon eingestanden, es ist zuviel drin. Ich guck mal, wovon ich mich noch trennen kann.

Gefreut hat es mich aber sehr, dass dir einige Stellen gut gefallen haben. Und dass ich für dich den Ton des Mädchens getroffen habe.

Deine ganzen Rechtschreib-und Zeichensetzungsanmerkungen hab ich (hoffentlich) alle korrigiert. Da bin ich ne Katastrophe und komm noch mal ins Kittchen für...
Danke nochmal, Fliege:)

Liebe Grüße vom Lotterlieschen
 
Wortkrieger-Globals
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24.01.2009
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Hab sie dann aber in die Schublade gepackt, weil ich sie auch zu voll gepackt fand. Das funktioniert so im echten Leben. Aber für eine Geschichte ist es dann doch zu viel.
Na ja, das echte Leben erzählt sich ja auch 24/7 und über Jahre. Du hast hier 15 Minuten oder so um das alles zu erzählen - und da kann man halt auch nicht so viel. Aber bist ja eh dran am Thema ;)

Das hab ich nicht richtig verstanden, glaub ich.
Weil, ich sag ja auch nicht, ich fahr heute zu Flieges Oma, sondern ich sag, ich fahre heute zur Oma. Und du sagst nicht, ich schreib heute mit Lotterlieschens Mann ein Buch, sondern mit deinem Mann. Und deine Charlie sagt halt auch nicht - Charlies Mama, sondern schlicht Mama. Du hast eine Ich-Erzählerin. Hättest Du einen personalen Erzähler, dann ginge das. Deshalb haste mit dem Vorsatz - Charlies Mama - auch einen Wechsel der Erzählperspektive, der mit Sicherheit nicht gewollt ist.

Schönen Sonntag für Dich!
Grüße!
 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Lotterlieschen

ich habe deine Geschichte gestern schon gelesen und nachdem du jetzt einiges ausgebessert hast, finde ich sie noch besser.
Frage mich allerdings auch wer erzählt denn die Geschichte. Am Anfang hatte ich den Eindruck es ist Charlie.
Mir eh egal, denkt Charlie. Dann spuckt sie vor sich. Wie Onkel Bapo. Es landet nur ein bisschen was auf ihren Sandalen. Charlie wickelt sich eine Haarsträhne um den Zeigefinger. Die schönsten Haare von der ganzen Welt hat sie, hat Mama gesagt. Und sie sind schon fast so lang wie die von Mama.
Hier z.B
hacko ist der Freund von Charlies Oma.
Hier denke ich wieder, da gibt es einen Erzähler.
, sagt Charlies Mama und macht mit ihrer Hand wie ein Scheibenwischer"
Wie hier auch . Ebenso denke ich nicht, das ein Kind,dass als Scheibenwischer bezeichnet.
Nach der Sache mit der Bierflasche hatte es eine große Erwachsenenrunde auf dem Amt gegeben.
Auch das würde ein Kind m.M. nicht so beschreiben.

Ich habe deine Geschichte gerne gelesen und sie hat auch ein gutes Bild abgegeben, wie es leider in unserer Gesellschaft auch ist.

Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntagnachmittag
Liebe Grüße
CoK
 
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14.04.2018
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Hey @Fliege!
Na ja, das echte Leben erzählt sich ja auch 24/7 und über Jahre. Du hast hier 15 Minuten oder so um das alles zu erzählen
jaja ...stimmt schon :)
Du hast eine Ich-Erzählerin. Hättest Du einen personalen Erzähler, dann ginge das. Deshalb haste mit dem Vorsatz - Charlies Mama - auch einen Wechsel der Erzählperspektive, der mit Sicherheit nicht gewollt ist.
Ohje...ich steh grad dermaßen auf dem Schlauch. Grade hatte ich gedacht: "Achso, ja klar!"
Dann hab ich es überall geändert. Und jetzt find ich es ganz merkwürdig.
Ich geh jetzt mal was Essen und dann nochmal mit Sinn und Verstand an die Sache ...
Schönen Sonntag dir auch!
 
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Beitritt
14.04.2018
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Liebe @CoK!
Vielen Dank fürs Lesen und deinen Kommentar.

Frage mich allerdings auch wer erzählt denn die Geschichte. Am Anfang hatte ich den Eindruck es ist Charlie.
Das hab ich mich jetzt auch gefragt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Charlie nicht die Erzählerin ist, sondern es einen personalen Ezähler gibt. Ich hab es jetzt dahingehend alles nochmal geändert und hoffe, dass es jetzt klar ist.
Ebenso denke ich nicht, das ein Kind,dass als Scheibenwischer bezeichnet.
Hab ich geändert.
Auch das würde ein Kind m.M. nicht so beschreiben.
Auch die Erwachsenenrunde ist raus. Hast recht. Danke.
Ich habe deine Geschichte gerne gelesen und sie hat auch ein gutes Bild abgegeben, wie es leider in unserer Gesellschaft auch ist.
Freut mich sehr, dass du die Geschichte gerne gelesen hast!

Dir auch einen schönen Sonntag :)!
Liebe Grüße vom Lotterlieschen
 
Mitglied
Beitritt
14.04.2018
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93
Liebe @Schwerhörig!
Danke dir für dein nettes Feedback.
Ich hab jetzt allerdings nochmal ne ganze Menge rausgeschmissen und umgestellt. Möglicherweise aber auch komplett vermurkst ... Ich lass jetzt jedenfalls mal ein paar Tage die Finger von weg;)
Schöne Grüße zurück!
 

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