Was ist neu

Pip, der Einfüßer

(Vor)lese-Alter
4-8
Mitglied
Beitritt
07.01.2019
Beiträge
341
Guten Morgen @HerrLehrer, dann will ich mal schnell einen Blick riskieren, was du so geändert hast und siehe da, es ließt sich sehr, sehr gut. Das mit dem Namen finde ich gut und auch das du das Einhorn und das Nashorn eingefügt hast, allerdings müsstest du mir vielleicht erklären, was ein OHrhorn ist und wieso man das werden will :-) Die gummibärchen finde ich auch süß, die Idee der kindlichen Bestechung klappt ja fast immer :-)
Ratzepüh
ohhh en Ratzepüh :-) ich mag das Wort und ich finde man sollte es viel häugier verwenden :-)
durch den Sturz aufgeschreckt, aufwachte.
Das Komma muss glaub ich weg. Wobei ich auf das 'aufwachte' streichen würde, denn wenn jemand aufschreckt, dann ist er meistens wach.
Ich bin immer noch ein Fan von deiner Geschichte, auch wenn die das fiese und neckische der Hexe ganz gerne hatte, so ist deine Neue Version genauso schön.
Viel mehr habe ich auch gar nicht zu sagen :-) Gefiel mir vorher und gefällt mir jetzt immernoch.

Liebe Grüße
Shey :-)
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
21.04.2015
Beiträge
1.283
Hallo @HerrLehrer,

gefällt mir besser! Liest sich nun gradliniger, die Konzentration liegt bei Pip, auch die Begegnungen im Wald mit Ein- und Nashorn sind gut, um zu zeigen, wie die Hexe so drauf ist, anstatt (wie vorher) die Perspektive zu wechseln.

Kurzum: Ja, funktioniert für mich so besser als vorher.

Viele Grüße
RinaWu
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
31.01.2016
Beiträge
1.876
So, @HerrLehrer ,

deine Überarbeitung hat ganz groß gewonnen. Für mich jetzt schon mal.

Hexe Rumpelpumpel
Und beim Lesen all der feinen und lustigen Gedanken und Wortspiele will und will mir der Hexenname nicht so gut über die Lippen kommen. Rumpelpumpel fährt nicht Mercedes und hat auch keine Fernbedienung und keinen Ersatzzauberstab im Handschuhfach. Ursula und Skrollan, Asta und Tuuli haben das. :D

Doch auf dem Weg begegnete Pip einem weinenden Einhorn.
„Was ist los?“, fragte Pip.
„Schluchz, ich war bei der Hexe, weil ich mir ein zweites Horn gewünscht habe, aber die Hexe hat Nein gesagt!“
Ja! Begegnungen mit Gleichbetroffenen, Trost und Empathie :bounce:

„Schluchz, ich habe die Hexe gebeten, mich in ein Ohrhorn zu verzaubern, aber die Hexe hat Nein gesagt!“
Wiederholungen sind ganz hervorragend für kleine Kinder!

„Uppala“, sagte die Hexe, als der Einfüßer, durch den Sturz aufgeschreckt, aufwachte.
Uppala ist richtig drollig.

„Eeene, meene, Müße, ähh, von mir ganz liebe Grüße, du hast jetzt tausend Füße. Nicht zu groß, aber auch nicht zu klein, und umsonst dazu jeweils ein Bein. Hex, hex!“
Der beste Zauberspruch seit hundert Jahren!

„Du bist ja immer noch hier. Und ich dachte, mit tausend Beinen und Füßen würde ich dich ganz schnell loswerden.“
Sehr gut gemacht.

Wenn ich jetzt auf den Spielplatz will, dann bin ich vielleicht mit meinem Vorderteil schon da und mit meinem Hinterteil noch zuhause in der Küche. Und irgendwo auf der Straße, zwischen Spielplatz und Küche, stehe ich den Leuten im Weg herum.
Gefiele mir besser. :shy:


„Eeene, meeene traahar, das ist ja jetzt wohl klar, am besten bleibt alles wie’s vorher war. Hex, hex!“
Naja, das ist ja nicht immer optimal, aber Pip und seine Leidensbrüder sind wer sie sind! Also man bleibt wer man ist. Aber das ist wohl haarspaltende Ansichtssache.

Vielen Dank für diese wunderschöne und lustige Geschichte.

Kanji
 
Mitglied
Beitritt
25.05.2014
Beiträge
468
Hallo Herr Lehrer,

ich habe deine überarbeitete Fassung gelesen und ich habe mich dabei in der Kita gesehen und die Geschichte vorgelesen. Ich habe strahlende Augen und lachende Kinder gesehen. Wie du siehst, gefällt mir diese Fassung sehr gut. Glückwunsch zu deiner Arbeit.

Die Hexe Rumpelpumpel lächelte zufrieden.
„Jeden Tag eine gute Tat“, dachte sie und ging zufrieden ins Haus.
Ich weiß nicht, ob ein Kind das so kritisch bewerten würde, aber das ist noch ein Überbleibsel aus der Perspektive der Hexe. Pib kann ja nicht wissen, was sie denkt.

Schöne Grüße aus dem Urlaub
khnebel
 
Senior
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
5.712
Als Pip weiterging, kam ihm auch noch ein weinendes Nashorn entgegen.
Moin, Pip, weißtu eigentlich, dass ein „F. Müller“ (wer immer das ist – oder besser, war, spielt keine Rolle, denn wichtiger ist, dass die Brüder Grimm – kennstu doch, ne? - dich verewigt haben, lange bevor der liebe @HerrLehrer hier von dir erzählt hat - schau mal hier * rein, denn da heißt es »einfüszler, m. nachdem ich einen handlungstractat mit den streitbaren kranichen, riesen, zweiköpflern, einfüszlern geschlossen. Fr. Müller 1, 311.«

Ha gut, der Einfüßler hat vom Wohlfahrtsamt (andere meinen das „Wohlstandsamt“, weil es sich am besten im Wohlstand fährt, aber dass muss uns hier nicht jucken) ein „l“ als Krücke bekommen (wie auch der Kollege Tausendfuß, wenn er pluralisiert wird zu einem Tausendfüßler – aber was soll da eine „l“-Krücke helfen, wo 999 fehlen?
Es kann also nicht das Wohlstandsamt sein, dass Gehbehinderungen ausgleicht …

So – hetzt muss ich mal den Herr(n)Lehrer sprechen?

Danke, Pip!

Aber hallo, HerrLehrer,

weißtu eigentlich, wie das Einhorn in die Welt kam?

Das war nämlich so:

Ein kurzsichtiger Ologe von der Arche hat im Vorbeischwimmern an den gefliesten Mauern Babylons das Abbild nicht so recht als Nashorn erkannt (nicht überall gab und gibt es Nashörner, und damals noch nicht einmal Zoos) und was er zu erkennen geglaubt, in der Klötzkenelitehochschule nachgebaut.

Aber Spaß beiseite!

Schöne Geschichte, findet der Friedel, und das bisschen Werbung für Nutella ist immer noch gesünder als für Marlboro oder einen Diesel… Nun aber noch‘n klein bissken Flusenlese:

Aber um nochmal auf mein Problem zu sprechen zu kommen …“
„noch mal“ auseinander (weil eigentlich ein verkürztes „noch einmal“ [na so was – wirstu wahrscheinlich fragen, aber die Duden Redaktion ist zumindet jetzt (19.07.2020, 14:55 Uhr MESZ) noch inkonsequent, ist doch „sowas“ eigentlich ein verkürztes „so etwas“]

Pip wußte nicht, was er tun sollte.
Alte Schreibung, nach neurer Lautung [‘vu:ztə] statt [‘vuztə], also besser: wusste

Wenn ich jetzt noch Socken dazu will, also, ne. So häufig bin ich mit einem Fuß auch gar nicht hingefallen. Ne, ich war schon ganz gerne Einfüßer.
Besser „nee“, der Betonung/Lautung halber, „wenne“ mich fragst ...

Gern geleser vom

Friedel,
der noch einen angenehmen Restsonntag wünscht!
 
Mitglied
Beitritt
08.01.2018
Beiträge
179
Hallöchen, @HerrLehrer
deine Geschichte hatte ich schon mal vor mir. Die scheinst du mittlerweile stark überarbeitet zu haben. Für mich wirkte in der Urfassung einiges etwas lockerer und spritziger, aber das ist vielleicht auch unfair, wo ich die vielen Kommentare nicht wirklich gelesen habe.

Die Geschichte hat sogar eine Moral. Sei so, wie du bist, und stehe dazu. Das hat schon was, unter gewöhnlichen Umständen. Dafür gibts schon mal einen Daumen nach oben.

Das wird jetzt wirr, weil Flusen und Anmerkungen sich vermischen, ich hoffe, du bekommst das halbwegs auseinander. ;)

aber ich muss mit einem Fuß klar kommen
klarkommen
Ich bringe ihr einfach eine Tüte Gummibärchen mit, für Gummibärchen macht doch jeder alles.
Das ist natürlich ein Garant für eine (Vor-)Leseunterbrechung. Wohl den Vorlesenden, die sich einen Vorrat bereitgelegt haben. :lol:
Doch auf dem Weg begegnete Pip einem weinenden Einhorn.
Wäre für mich ein Streichkandidat.
Hexe Rumpelpumpel, hallo, huhu, Hexe!“, rief Pip nochmal.
nochmals oder noch (ein)mal kommt mehrfach vor
ich hab mich gefragt, na, weil du doch zaubern kannst, ob du mir nicht ein zweites Bein zaubern kannst?
"ich hab mich gefragt" ist eine Feststellung. Da gehört kein Fragezeichen ans Ende.
Sie schloss das Fenster und machte den Vorhang zu, so dass sie Pip weder sehen noch hören musste.
Darfste, ich überbringe mit "sodass" auch nur eine Empfehlung der Dudens.
Pip wußte nicht
wusste
„Uppala“, sagte die Hexe, als der Einfüßer, durch den Sturz aufgeschreckt, aufwachte.
Ist "durch den Sturz aufgeschreckt" nicht so ein Umstandsdingsbums, das kein Komma braucht? Aber erlaubt ist das vermutlich trotzdem, im Sinne von freigestellt.
Auf einem Besen, phhhh.
Wie spricht sich phhhh? Ist das so ein "Pöh" oder ein "Pffff"? Da hätte ich beim Vorlesen meine Zweifel, ist aber nebensächlich.
Die Hexe Rumpelpumpel holte ihren Ersatzzauberstab aus dem Handschuhfach und richtete diesen auf Pip.
Geschmackssache, sicher, aber warum nicht "ihn" statt "diesen"?
Stolz besah er sich jeden einzelnen seiner neunhundertneunundneunzig dazugewonnenen Beine und Füße ganz genau.
Da stolpere ich. Um dem zu entgehen, hätte ich "besah er sich alle einzelnen ... Beine und Füße" gewählt. Aber da gibt es vielleicht fachkundigeren Rat. Müsste ich jetzt echt mal recherchieren.
Wenn ich jetzt noch Socken dazu will, also, ne.
Dem "nee" würde ich noch ein E gönnen. Der gestreckten Aussprache wegen.

Wie eingangs erwähnt, ist das ne nette Geschichte, deren Moral du gerne noch etwas auskosten könntest, aber das ist vielleicht auch was für das Gespräch danach, das hiermit der belesenen Kinderschar gegönnt sei. Die Idee gefällt mir und von der Stänkerei da oben nimmste dir, was dir geeignet und zuträglich vorkommt.

Liebe Grüße
Joyce
 
Wortkrieger-Globals
Beitritt
24.01.2009
Beiträge
3.702
Hey @HerrLehrer,

ich habe Pips Geschichte erst jetzt gelesen, nachdem Du scheinbar schon ordentlich dran geschraubt hast und ich muss sagen, mir hat sie sehr gut gefallen. Ich hatte richtig Spaß und kann Dir auch gar nicht viel an Kritik mitbringen. Vielleicht nur diese, dass ich so manchen Schachtelsatz für 4jährige sehr herausfordernd finde. Inhaltlich sehe ich da kein Problem, sprachlich wäre ich einfacher geblieben. Wobei man natürlich mit Kindern so reden soll, wie mit Erwachsenen, damit sie die Komplexität der Grammatik und so ... ach, ich weiß es nicht, es ist nur ein - hätte ich anders, weil es auch alles gut sein kann, so wie es ist. Sprich, nicht mal der Punkt ist Kritik :D. Und der Vorleser kann das ja schön durch Pausen strukturieren und in Häppchen schneiden.

Auch das Gleichgewicht konnte er nicht gut halten, denn wenn man auf nur einem Fuß steht, kippt man schon mal um.
Nice.

Aber als wäre das nicht schon genug, kam auch noch eine Spinne um die Ecke gekrabbelt.
Ich fände es ohne schöner.

„Acht Beine!“, rief er laut. „Acht Beine hat die Spinne. Vier an jeder Seite. Nee, ist klar. Ich krieg nur eins, aber die Spinne kriegt acht. Was will die Spinne mit acht Beinen? Was will die damit? Jetzt mal ehrlich!“(.)

Wiederholungen sind ein feines Stilmittel bei Kindergeschichten, hier empfinde ich sie jedoch als störend.

„So geht es nicht weiter!“, sagte er. „Mir reicht’s! Ich geh jetzt zur Hexe Rumpelpumpel, die soll mir ein zweites Bein zaubern. Mit Fuß natürlich.“
Du hast auch ne Schwäche für die ! Ich glaube nicht, dass der erste Satz nach einem ! verlangt.

„Ich hüpfe trotzdem mal hin“, dachte Pip. „Wenn ich sie lieb frage, dann kann sie mir diesen kleinen Wunsch bestimmt nicht abschlagen. Ich bringe ihr einfach eine Tüte Gummibärchen mit, für Gummibärchen macht doch jeder alles.“
Hübsch. Aber Gedanken gehören nicht in die Gänsefüßchen der wörtlichen Rede, weil ja nix geredet wird. Entweder nutzt die Gedankenstrichlein oder ganz weglassen.

„Ach, du Armer“, sagte Pip. „Aber du heißt ja auch Einhorn und nicht Zweihorn. Ist ja auch egal. Möchtest du vielleicht ein Gummibärchen?“
Ach, du Armes - das Einhorn, nicht der Einhorn. Streichung ist natürlich nur Vorschlag, weil Geschmack.

„Ja, gerne“, sagte das Nashorn, nahm sich fünfzig Gummibärchen, stopfte sie alle ins Maul und trampelte weinend davon.
trampeln hat für mich was wütendes im Sound. Wütend und weinend schließt sich aber aus. Vielleicht stapfte davon?

„Hexe Rumpelpumpel, hallo, huhu, Hexe!“, rief Pip ungeduldig.
schön

... ob du mir nicht ein zweites Bein zaubern kannst? Mit Fuß, wenn’s geht.“
Clever.

„Tja, wir haben alle unser Päckchen zu tragen“, meinte die Hexe knapp und biss in ihr Marmeladenbrötchen. „Ich habe zum Beispiel kein Nutella mehr!“, fügte sie hinzu.
Hehe

„So’n Mist“, dachte er und ärgerte sich über das Ein- und das Nashorn.
Wieder Gedanken, keine Rede

Am nächsten Morgen, die Sonne ging gerade auf, öffnete sich plötzlich die Tür und Pip fiel mit ihr ins Haus. Rumms!
Ich mag das Wort plötzlich in 1 von 100 Fällen. Weil es oft eben viel zu oft gar nicht plötzlich ist. Da liegen Stunden dazwischen ;).

„Geht jetzt nicht“, sagte die Hexe Rumpelpumpel und lief über ihren Hof. „Ich muss in die Stadt, zum Krankenhaus. Irgend so ein Jäger hat meinem Freund, dem Wolf, Steine in den Bauch gelegt und dann den Bauch wieder zugenäht. Wie kann man nur so gemein sein?“
Sehr hübsch.

„Eeene, meene, Müße, ähh, von mir ganz liebe Grüße, du hast jetzt tausend Füße. Nicht zu groß, aber auch nicht zu klein, und umsonst dazu jeweils ein Bein. Hex, hex!“
Sehr schöner Zauberspruch. Mag ich.

Und ich bin jetzt auch so lang. Wenn ich jetzt auf den Spielplatz will, dann bin ich vielleicht mit meinem Vorderteil schon da und mit meinem Hinterteil noch zuhause in der Küche.
Sehr hübsch, aber Zuhause = groß

Und irgendwo auf der Straße, zwischen Spielplatz und Küche, stehe ich den Leuten im Weg herum. Ich müsste mir auch ständig neue Schuhe kaufen, und das geht ganz schön ins Geld. Wenn ich jetzt noch Socken dazu will, also, ne. So häufig bin ich mit einem Fuß auch gar nicht hingefallen. Ne, ich war schon ganz gerne Einfüßer. Also, wenn du nichts dagegen hast ...“
„Hab schon verstanden“, sagte die Hexe Rumpelpumpel. Jetzt wusste sie auch, dass sie beim Ein- und beim Nashorn richtig entschieden hatte.
„Eeene, meeene traahar, das ist ja jetzt wohl klar, am besten bleibt alles wie’s vorher war. Hex, hex!“

„Danke“, rief Pip laut, „danke, liebe Hexe! Du bist echt die Beste! Juchhu! Ich bin wieder ich!“
Dann hüpfte er glücklich davon.
Ich mag total, dass Du die Hexe hier nicht ganz so böse auftreten lässt. Haben doch viele der Superminis ein Hexentrauma. Ich kenne mindestens drei. Und die Moral von der Geschicht geht für mich auch komplett in Ordnung.

Sehr unterhaltsam, sehr schön. Gern gelesen.
Beste Grüße, Fliege
 
Mitglied
Beitritt
17.08.2019
Beiträge
89
Guten Tag @HerrLehrer

(Wow. Ich komme mir vor, wie am Tag meiner Einschulung.)
Schön dem HerrLehrer mal zu sagen, was man von seiner Arbeit hält. Ich kenn das von früher her nur anders rum ... :-)

Cool, so ein herumhüpfender Einfüsser. Und "Pip" finde ich ganz passend als Name. Ich hör darin das Geräusch, wenn er rumhüpft.

Die vorliegende Version ist neu, ich weiß nicht, ob du die alte kennst, die war 'anarchischer', dafür auch 'orientierungsloser'
Ich weiss, was du meinst. Ich hatte die Geschichte damals gelesen, als du sie eingestellt hast. Sie hat sich schon recht krass verändert.

Mein zweiter Impuls war: aber dann ist es ja wieder eine klassische Kindergeschichte mit der typischen Moral: Liebe/ Akzeptiere dich so, wie du bist - oder - Konzentriere dich auf deine Stärken, nicht auf deine Schwächen. Natürlich ist eine solche Geschichte pädagogisch wertvoller. Ich persönlich mag aber auch bösen Humor, aber die Frage ist natürlich berechtigt, ob man Kindern so etwas zumuten kann/ darf? Letzten Endes ist es wohl Geschmackssache.
Ich finde, du bringst das hier auf den Punkt. Meiner Meinung nach ist das hier ein klassisches Beispiel dafür, dass eine Geschichte an Gehalt verliert, wenn den Kommentaren zu viel Raum gewährt wird. Verstehe mich nicht falsch, jeder Kommentar ist wertvoll. Jedes Feedback hilft. Aber du hast den bösen Humor, das Anarchische, das den Kindern etwas zumuten mMn geopfert. Daraus ist ein braver, 'pädogigisch wertvoller' (was auch immer das ist) Geschichten-Mikrowellenfrass geworden, die man heute in jeder Kinderbuchabteilung in sich hineinstopfen kann. Mir scheint, das bist nicht mehr du. Und das liest sich so.

Kennst du die neuen Ausgaben von Asterix? Mit wem ich auch immer spreche, jeder bestätigt mir, dass diese im Vergleich zu den alten Ausgaben nur noch Müll sind. Dieses ganze Anpassen an die Moderne zerfleischt den alten Charme. Ich kann mich nicht mehr ganz an deine ursprüngliche Geschichte zurückerinnern, aber ich hatte damals ein ähnliches Gefühl. Ich mochte zwar das Querdenkerische, das Anarchische, wie du schreibst, aber hatte auch das Gefühl, dass du die Geschichte zu modern machen wolltest. Warum fährt die Hexe Mercedes - ist sie so dekadent geworden? Wenn schon modern, soll sie einen Staubsauger fliegen, dessen Kabel sich zwischendurch in den Tannwipfeln verheddert. Mir gefiel auch ihre Tonart nicht, das zu Umgangssprachliche. Hexen sind alte Damen, die dürfen - nein müssen - schrullig sein. Deine ursprüngliche Geschichte hätte mNn noch mehr von deinem bösen Humor vertragen. Hier ein Beispiel:

Wann immer er irgendwo hingehen wollte, sei es zum Urlaub an den See, zum Hellwald oder auch nur zum Nachbarn, dem Maulwurf, immer musste er auf seinem einen Fuß herum hüpfen und viele Pausen machen. Auch das Gleichgewicht konnte er nicht gut halten, denn wenn man auf nur einem Fuß steht, kippt man schon mal um. Ihr habt es bestimmt selbst schon ausprobiert, oder? Eben. Auf einem Fuß durch die Gegend hüpfen, das ist auf die Dauer doof. Das dachte sich auch Pip, der Einfüßer.
„Mann, ey“, sagte Pip morgens nach dem Aufstehen und Hinfallen. „Jetzt bin ich gerade erst aus dem Bett gestiegen und schon hingefallen. Voll blöd!“
Klar ist das lustig, wie so ein Einfüsser herumhüpft. Aber du belässt es beim Herumhüpfen. Stell dir vor was einem Einfüsser sonst noch passiert. Wie er im Schuhladen steht und nur rechte und linke Schuhe findet. Wie ein Einfüsser Fussball spielt. Was ein einfüssiger Seiltänzer macht ... - was auch immer.

Hexe Rumpelpumpel
weinenden Einhorn.
Aber du heißt ja auch Einhorn und nicht Zweihorn. Ist ja auch egal.
ber du heißt ja nicht ohne Grund Nashorn. Egal.
Warum Hexe und Einhorn? Langweilig. Zu abgelutscht. Zu klassisch. Und warum sollte sich ein Einfüsser all diese Argumente beim Einhorn und Nashorn einfallen lassen und wendet sie bei sich selbst nicht an?

Da saß die Hexe Rumpelpumpel am Tisch, mit einem Marmeladenbrötchen in der Hand. Sie bewegte sich nicht.
Ich dachte erst, sie habe sich selber verzaubert. Warum ist sie erstarrt? Wenn du damit beschreiben willst, wie sie sich über den ständigen Besuch nervt, ist das meiner Meinung nach zu umständlich beschrieben.

„Ich habe zum Beispiel kein Nutella mehr!“, fügte sie hinzu.
Das finde ich cool. Gute Idee.

Pip wußte nicht, was er tun sollte. Er war zu müde, um den ganzen Weg nach Hause zu hüpfen. Er ging nochmal zur Eingangstür vom Hexenhaus. Er wollte klopfen, als er plötzlich tierisch gähnen musste und sofort einschlief.
Das mit dem Einschlafen finde ich auch zu umständlich. Warum verhext sie ihn nicht direkt? Direkt aus der Wut heraus über diese ständigen Besucher, die verhindern, dass sie in ihr Brot beissen kann, das nicht mal mit Nutella beschmiert ist. "Was Beine willst du? Klar. Hier. Ich mach dir Beine. Hier hast du tausend!" *pling

Irgend so ein Jäger hat meinem Freund, dem Wolf, Steine in den Bauch gelegt und dann den Bauch wieder zugenäht.
Das mag ich auch sehr. *grins

Und Plopp! hatte Pip wieder seinen einen Fuß zurück. Er strahlte über das ganze Gesicht und hüpfte vor Freude auf seinem einen Bein auf und ab.
„Danke“, rief Pip laut, „danke, liebe Hexe! Du bist echt die Beste! Juchhu! Ich bin wieder ich!“
Dann hüpfte er glücklich davon.
Wie gesagt, der Schluss fasst das nochmals zusammen: So etwas liest man zuhauf. Der Einfüsser hüpft glücklich davon, ... ich bei dieser Version eher, um das Weite zu suchen. Ich hätte gerne viel mehr anarchischen, bösen HerrLehrer in der Geschichte. Und du beweist ja, dass du das draufhast.

lg snif

und PS:
1. Du willst Kinder und Erwachsene ansprechen.
Das Ansprechen beider Zielgruppen ist mMn kein Hindernis in der Geschichte, sondern ein absolutes Muss. Stell dir nur vor, wie ein gelangweilter Erwachsener vorliest. Da springt kein Funke. Wenn der Erwachsene dagegen ein Buch in der Hand hält und seine Augen dabei funkeln - hey, wart nur Kleine(r), ... jetzt geht's gleich ab - dann beginnt das Abenteuer Vorlesen. Und wenn das passiert - wenn Vorleser und Kind in den Bann gezogen werden - das schafft eine unglaublich schöne Bindung. Ich llliiieeebbbeee das.
 
Mitglied
Beitritt
24.03.2019
Beiträge
83
Hallo @snif

und vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.

Ich sehe das so: Beide Versionen existieren für mich gleichberechtigt nebeineinander. Und ich habe meinen Kindern beide Versionen vorglesen und ich glaube, sie fühlten sich durch beide recht gut unterhalten. Ich hätte fragen können, welche ihnen besser gefallen hat und warum, aber es fällt ihnen noch sehr schwer, das so genau zu kommentieren.

Ich persönlich mag meine erste Version auch lieber, aber da die Zielgruppe nun mal Kinder sind, fand ich die Einwände berechtigt. Die jetzt aktualisierte Version ist für mich stimmiger, runder und mit einer klareren Aussage behaftet. Sie ist stärker an der Zielgruppe ausgerichtet als an den Vorlesenden.

Meine Tochter (bald 5) mag unterschiedliche Geschichten. Sie guckt gerne die Eiskönigin, aber sie mag auch Shaun das Schaf oder Peppa Wutz, auch den Struwelpeter, Karlsson vom Dach und Pippi Langstrumpf findet sie toll. Ich erwische mich in der Hoffnung, dass sie langfristig eher anarchischen Humor mag als dieses süße, klebrige Disneyzeug, aber ich werde den Teufel tun, ihr dieses süße, klebrige Disneyzeug vorzuenthalten, nur weil es mir nicht gefällt.

Liebe Grüße,

HL
 
Wortkrieger-Globals
Beitritt
24.01.2009
Beiträge
3.702
Hey,

ich versuche jetzt schon seit drei Tagen zu ergründen, welche Kommentare Dir einer Antwort würdig sind und welche nicht. Ich raff es nicht. Ich glaub, die positiven Rückmeldungen scheinen Dir recht egal zu sein. Jedenfalls macht es den Eindruck auf mich. Das ist mal wirklich ungewöhnlich.
 
Mitglied
Beitritt
24.03.2019
Beiträge
83
Hallo @Fliege

da steckt kein großes Geheimnis dahinter. Ich war seit dem 15. Juli im Urlaub und mit dem Handy schreib ich nur ungern ins Forum. Seit drei Tagen bin ich wieder zurück und hab spontan auf den letzten Kommentar geantwortet. Es tut mir leid, wenn du dich übergangen fühltest. Ich bin sehr dankbar für positive Rückmeldungen und will und werde mich auch noch bei den anderen Kommentatoren melden. In Zukunft werde ich darauf achten, Kommentare stärker in chronologischer Reihenfolge zu bearbeiten.

LG,

HL
 
Wortkrieger-Globals
Beitritt
24.01.2009
Beiträge
3.702
Ach so, na dann :) Ist halt nur komisch, wenn von 8 Kommentaren zwei beantwortet werden und dabei die anderen sechs halt nicht mal im Halbsatz erwähnt. Urlaub sei jedem gegönnt und niemand muss hier was. Dafür haben alle Verständnis. Muss auch gar nicht chronologisch sein, wenn einem was unter den Nägeln brennt. Da hilft ein - danke auch, aber später - ungemein.
 
Mitglied
Beitritt
24.03.2019
Beiträge
83
Hallo @Shey @RinaWu @Kanji @khnebel @joycec @Fliege

euch allen zunächst nochmal vielen, wenn auch verspäteten Dank für das Lesen und Kommentieren der erneuerten Fassung.

Ich bin immer noch ein Fan von deiner Geschichte, auch wenn die das fiese und neckische der Hexe ganz gerne hatte, so ist deine Neue Version genauso schön.
Du bringst das Dilemma (auch durch den @snif Kommentar hervorgerufen) auf den Punkt. Ist die redigierte Version jetzt zu brav, zu beliebig? Ich bin mir unschlüssig.

Kurzum: Ja, funktioniert für mich so besser als vorher.
Schön. Danke.

Rumpelpumpel fährt nicht Mercedes und hat auch keine Fernbedienung und keinen Ersatzzauberstab im Handschuhfach. Ursula und Skrollan, Asta und Tuuli haben das. :D
Ich mag Rumpelpumpel. Aber du hast recht: modern klingt das nicht.

Vielen Dank für diese wunderschöne und lustige Geschichte.
Danke. Gerne geschehen.

Glückwunsch zu deiner Arbeit.
Danke.

Für mich wirkte in der Urfassung einiges etwas lockerer und spritziger, aber das ist vielleicht auch unfair, wo ich die vielen Kommentare nicht wirklich gelesen habe.
Ich merke, dass ich selbst nicht sagen kann, welche Version mir persönlich jetzt besser gefällt. Aber ich kann mit dieser Ambivalenz leben.

Die sprachlichen Dinge ändere ich beizeiten.

Hübsch. Aber Gedanken gehören nicht in die Gänsefüßchen der wörtlichen Rede, weil ja nix geredet wird. Entweder nutzt die Gedankenstrichlein oder ganz weglassen.
In meiner Vorstellung denkt Pip immer laut, sprciht seine Gedanken also aus. Aber evtl. ändere ich das noch.

LG,

HL
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
07.09.2014
Beiträge
760
Hallo @Herr Lehrer,
ich mochte deine Geschichte von Anfang an, auch die pissige Hexe mit Burnout, die ja immer noch schön schnippisch ist. Und ich kann mich nicht entscheiden, welche Variante ich besser finde. Amüsant ist es jetzt zum Teil auch, die alte Form zu kennen, aber die neue Perspektive zu lesen:
Da saß die Hexe Rumpelpumpel am Tisch, mit einem Marmeladenbrötchen in der Hand. Sie bewegte sich nicht.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Kinder das so checken, dass die Hexe sich sozusagen totstellt, aber es ist lustig.

„Acht Beine!“, rief er laut. „Acht Beine hat die Spinne. Vier an jeder Seite. Nee, ist klar. Ich krieg nur eins, aber die Spinne kriegt acht. Was will die Spinne mit acht Beinen? Was will die damit? Jetzt mal ehrlich!“.
Einer meiner Lieblingssätze. Vom Sprachlichen her ist das richtig peppig.

Ich gestehe es ja, ich hätte mir tatsächlich ganz banal gewünscht, dass der Pip am Ende die Hexe austrickst und ein zweites Bein kriegt. Aber, wie deine Geschichte schon zeigt: Das Leben ist kein Wunschkonzert, besonders, wenn man so spät damit angewackelt kommt, wie ich jetzt. Und für ein Kind mit einer Behinderung ist die jetzige Variante vielleicht sogar interessanter. Wobei ich da mit @linktofink übereinstimme, dass es schon schön wäre, wenn da noch irgendein Mehrwert für den Einfüßer rausspringt. Sich nur abfinden, weil es ja noch schlimmer sein könnte, dass ist irgendwie sehr erwachsen. Und weder das Einhorn, noch das Nashorn haben ja die Nachteile, die der Einfüßer hat.
Ich finde, du kannst Humor, besonders in Dialogen und Situationskomik. Es wäre tatsächlich interessant, mal was noch krasseres, anarchisches von dir zu lesen. Schön, dass die Challenge diese Geschichte rausgelockt hat.

Liebe Grüße von Chutney
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
07.09.2014
Beiträge
760
Kleiner Nachtrag: Was den "Mehrwert" betrifft, so müsste es ja etwas sein, was sich aus der Tausendfüßlererfahrung speist und da fiel mir der Turnschuh ein, den er der Hexe abschwatzen könnte, weil man damit super springen kann und nicht mehr umkippt. Oder so. Nur als Idee.
(Eigentlich wollte ich ja gar nicht mitmachen bei der Challenge, aber jetzt schwirren mir die ganzen Geschichten durch den Kopf und arbeiten weiter.)
 
Mitglied
Beitritt
24.03.2019
Beiträge
83
Hallo @Chutney

vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.

Ich gestehe es ja, ich hätte mir tatsächlich ganz banal gewünscht, dass der Pip am Ende die Hexe austrickst und ein zweites Bein kriegt. Aber, wie deine Geschichte schon zeigt: Das Leben ist kein Wunschkonzert, besonders, wenn man so spät damit angewackelt kommt, wie ich jetzt.
Tja, jedem kann ich es mit der neuen Version wohl nicht recht machen. Aber wie heißt es so schön: everybody's darling is everybody's fool.

Schönen Abend, liebe Grüße,

HL
 
Mitglied
Beitritt
19.07.2020
Beiträge
30
Guten Morgen @HerrLehrer ,
Mir gefällt die Geschichte ganz gut. Ich habe sie meiner 4 Jährigen vorgelesen. Aber wir mussten zwei Pausen zwischendurch machen und das Gelesene wiederholen, weil es wohl noch ein bisschen zu schwierig vom Satzbau und Ablauf für sie war. Trotzdem wollten wir beide wissen, wie es ausgeht und das spricht ja immerhin für die Geschichte.
Ansonsten war für uns beide etwas dabei, worüber wir lachen konnten. Bei der Hexe Rumpelpumpel habe ich gestutzt, weil ich die auch von Otfried Preußler kenne. Aber das kann nicht die selbe sein, denn die war ja ziemlich garstig.
Am Ende finde ich, hättest du Pip nochmal umkippen lassen können.

Gerne gelesen und liebe Grüße von
Sijo
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
04.03.2018
Beiträge
982
Bei der Hexe Rumpelpumpel habe ich gestutzt, weil ich die auch von Otfried Preußler kenne. Aber das kann nicht die selbe sein, denn die war ja ziemlich garstig.
Die heißt Rumpumpel.
 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Beiträge

Anfang Bottom