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Novelle Silberfünkchen

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Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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Anmerkungen zum Text
Nach umfangreicher Überarbeitung ist es jetzt eine wirkliche Geschichte

Silberfünkchen

Tief hinein in die Lichtungen zwischen den Birken des Auhölzchens erstreckten sich die Farnfelder. Knapp über das Grün sirrte ein feengleiches Wesen – wenig größer als ein Sperling – mit durchsichtigen Flügeln. Silberfünkchens Flügelschlag war kaum lauter als der einer Libelle. Elegant umkurvte sie die Stämme der Birken, flog abwechselnd links und rechts daran vorbei, umkreiste welche einmal und manche sogar zweimal. So lange war sie nicht geflogen, dass sie sich die Spielerei nicht verkneifen konnte. Wenn sie nah an den Stämmen vorbeisauste, roch sie die verkohlte Borke. Nicht dass der Geruch sie störte, wenn sie ihre Flügel zum Leuchten brachte, roch es ähnlich, doch er brachte mahnende Erinnerungen mit sich.
Denn letztes Jahr im späten Sommer hatte das Auhölzchen in Flammen gestanden. Sonnenlicht, das sich in einer weggeworfenen Weinflasche bündelte, hatte den trockenen Farn in Brand gesetzt. Schnell liefen die Flammen nach überall und nirgends, schneller als ein Maikäfer fliegen kann.
Sie leckten an den weißen Stämmen, bis diese am Fuß schwarz wurden, doch höher in die Kronen durften sie nicht, 'da das Feuer nicht um Erlaubnis gefragt hat'. So sagte jedenfalls Kupferpfennig, der es wissen musste, weil er immer alles wusste – wenigstens sagte er das. Und so blieb es ein Lauffeuer, das nicht wusste, wohin mit sich und dem vom Laufen nach überall und nirgends bald die Puste ausging. Auf seinem Weg nach nirgends hatte es jedoch die empfindlichen Nachtglöckchen nicht verschont. Der gesamte Bestand im Auhölzchen wurde vernichtet. Und das war für die Elflinge schlimm, denn ohne Nachtglöckchen konnten sie nicht fliegen. Schlimmer noch, nach einiger Zeit ohne Nachtglöckchen verlernten manche das Fliegen und wenn es zum Schlimmsten kam, so sagten die Alten, würden sogar die Flügel ausfallen. Und Elflinge ohne Flügel waren keine Elflinge mehr. So weit war es noch nicht gekommen. Die letzten getrockneten Blätter der Nachtglöckchen wurden im Elflingkobel sorgsam gehütet. Bis heute.

Heute nach dem Frühstück hatte Vater Prius Silberfünkchen beiseite genommen, er zog sie in die Kräuterkammer und schloss die Tür. Mit einem Ohr horchte er an der Türe, sie waren alleine. Er nahm einen Hocker, stellte ihn vor den flackernden Kamin und deutete auf den Sitz. Als Silberfünkchen sich setzte, räusperte er sich.
»Du weißt, so vernünftig Elflinge auch sein mögen, sind sie nicht davor gefeit, etwas richtig Verrücktes zu tun, wenn sie in Not geraten. Und da die Not unter uns besonders groß ist, wäre das richtig Verrückte in diesem Fall, nach woanders zu gehen, um die Nachtglöckchen zu suchen, die wir alle so dringend brauchen. Und ich befürchte, genau das hat Kupferpfennig getan.« Bei dem Wort 'woanders' wurden seine Lippen schmal. 'Woanders' war Rabenland und das fing mit der Krähenheide hinter dem Auhölzchen an.
»Hm, stimmt, Vater Prius, jetzt wo du es sagst … Den Kupfe hab ich gestern gar nicht gesehen«, sagte Silberfünkchen.
»Kup-fer-pfen-nig, bitte, so viel Zeit muss sein.«
Vater Prius nahm die Brille ab und wischte sich über die Augen. Als er Silberfünkchen anschaute, sah sie die Ränder unter seinen Augen.
»Es gibt nur wenige, die gerne die Nähe des Elflingkobels verlassen und unter denen gibt es nur eine, die schon mal in die Krähenheide geflogen ist – zumindest hast du das erzählt.« Silberfünkchen wurde rot, Vater Prius tat so, als würde er es nicht bemerken.
»Und vor allem kannst du die Magie der Nachtglöckchen ausschöpfen, wie dein häufiges Glimmseln beim Fliegen beweist. Auch wenn ich das nicht gutheiße, weil es Verschwendung ist, aber dadurch bist du nicht ganz wehrlos«, sagte er und zündete mit einem Span aus dem Kamin seine Kräuterpfeife an. Aus geröteten Augen schaute er sie an. Eine Wolke scharfen Kräuterdufts füllte die Luft. Silberfünkchen hielt den Atem an, der Rauch brannte in den Augen.
»Wer weiß, wozu sie gut ist, die ganze Glimmselei, aber vielleicht steckt da noch mehr dahinter und das kommt dir im Woanders zugute.« Vater Prius schlurfte zum Kräuterschrank, zog eine Schublade auf und nahm ein kleines Säckchen heraus. Bevor er sie zurückschob, schaute er hinein, schüttelte den Kopf und seufzte. Er hielt das Säckchen in die Luft vor Silberfünkchens Nase und wartete, bis sie die Hand öffnete. Dann legte er es vorsichtig hinein und schloss ihre Finger darum.
»Pass gut darauf auf«, sagte er, » und benutze die Nachtglöckchen nur, wenn du musst. Versprichst du das?« – »Jaaha, Vater Prius.« Silberfünkchen zog eine Schnute. Vater Prius ignorierte das. »Du musst Kupferpfennig zurückbringen. – Wenn ihn jemand finden kann, dann du, Silbchen«, sprach er.
»Sil-ber-fünk-chen, Vater Prius«, murmelte die Elfling, bevor sie zur Tür der Kammer ging. »Mit 'erfünk' in der Mitte, so viel Zeit muss sein.«
Bevor sie den Elflingkobel verließ, nahm sie ihren Stichel, steckte ihn seitlich in den Stiefel und zog das letzte Vorratssäckchen getrockneter Nachtglöckchen durch die Schlaufe in ihrem Gürtel. Ein Blättchen hatte sie schon unter die Zunge gelegt. Mit der Tür in der Hand drehte sie sich noch einmal um. Vater Prius schaute sie nur an, ohne etwas zu sagen, weil er wusste, wann es besser war, nichts zu sagen, doch sein grauer Bart wippte von den Lippen, die er zusammenkniff. Die Pfeife in seiner Hand war ausgegangen.

Dieses Jahr war der Farn wieder grün. Dort wo er Lücken ließ, spiegelten sich Birken und reichlich blauer Himmel in den sumpfigen Pfützen. Durch den Torf auf dem Grund glänzte das Wasser wie schwarzes Glas.
Silberfünkchen flog gezielt die Pfützen ab und genoss den Schimmer unter sich, der über das glatte Wasser sauste. Dabei brachte sie ihre Flügel zum Glimmseln, strahlend weiß glühten sie auf. Wie lange hatte sie das nicht mehr tun dürfen.
Wenn man Vater Prius reden hörte, war Glimmseln eine sinnlose Vergeudung von ach so wertvollen Nachtglöckchen. Vater Prius mochte von vielem Ahnung haben, zum Beispiel vom Kräutermischen und vom Bekritzeln der Tafel mit knirschender Kreide. Vom Fliegen hatte er keinen blassen Schimmer und auch nicht davon, was für viele Elflinge das Schönste am Fliegen war. Doch Silberfünkchen war sich sicher, wer glimmseln konnte, würde ihr recht geben: Fliegen war so viel schöner mit Beleuchtung.
Obwohl, eine Ausnahme gab es: Kupferpfennig, den sie Kupfe nannte, weil es ihn so herrlich ärgerte. Er war so furchtbar vernünftig, dass er dem Glimmseln und dem strahlenden Violett der Nachtglöckchen nichts abgewinnen konnte. Umso seltsamer war sein Verschwinden, bei dem es laut Vater Prius um Nachtglöckchen ging, doch bei genauem Hinsehen war es das auch nicht. Eigentlich war es sogar ganz einfach: Elflinge brauchten Nachtglöckchen. Im Auhölzchen gab es keine mehr, woanders aber schon. Und das Woanders fing mit der Krähenheide direkt hinter dem Auhölzchen an. Das Glimmseln der Flügel erlosch und beinahe streifte sie einen Stamm.

Tatsächlich war Silberfünkchen vorletztes Jahr beim Spiegelflug gegen einen Birkenstamm gekracht – zum Glück hatte es niemand gesehen. Für die Riesenbeule an ihrem Schädel und den abgeknickten Fühler dachte sie sich eine Geschichte aus. Eine richtige Flunkerei über einen Riesen, einen echten Großling, der durch die Heide stapfte und sie – ohne es zu merken – beim Gehen mit seinem dicken Stiefel wegkatapultierte. Vor langer Zeit war ein Großling auf den Elflingkobel getreten und hatte ihn beinahe zum Einsturz gebracht. Seitdem war allein die Erwähnung eines Großlings furchtbar genug, damit die Elflinge und vor allem Vater Prius den Finger vor den Mund legten und im Chor 'pssst' sagten.
Und so hatten ihr alle die Geschichte abgekauft, bis auf Kupferpfennig, was unschwer zu erkennen war, weil er bei 'wegkatapultierte' die Nase rümpfte. Natürlich lag er richtig, denn sie war noch nie in der Krähenheide gewesen und im übrigen Woanders erst recht nicht.
Manchmal schaute er noch auf ihren rechten Fühler, der einen leichten Knick davongetragen hatte, und schüttelte den Kopf.
»Blari nocheens, Kupfe, schüttle nicht zu doll«, sagte Silberfünkchen dann, »sonst klingt es bald nach hohlem Kupferkessel, in dem eine Erbse hin und her kullert.« Dazu klopfte sie mit dem Fingerknöchel an ihren Schädel, verdrehte die Augen und sagte 'Kling klong', bis Kupferpfennig kupferrot anlief.
Meistens sagte er dann sowas wie: »Wenn du nicht aufhörst mit deinem frechen Mundwerk und der Flucherei, wird es noch bös mit dir enden.«
Ihre Antwort lautete dann in etwa: »Kupfe, alter Kobel, wenn du nicht aufhörst, so furchtbar vernünftig zu sein, wirst du eines Tages ein Grausling sein und dich fragen, wie du das geworden bist.«
Grausling war ein Schimpfwort für jene Elflinge, die alles Elflinghafte verloren oder verlernt oder abgelegt hatten. Oder denen im schlimmsten Fall die Flügel abgefallen waren. Und jetzt wurde Kupferpfennig vermisst, bevor er ausreichend Gelegenheit gehabt hatte, zu einem Grausling zu werden.

Das Auhölzchen mit seinen Birken endete und ging über in die sandige Hügellandschaft der Krähenheide, das Land namens 'Woanders' begann. Silberfünkchen war schon oft bis an die Grenze geflogen, hatte sich unter den riesigen Farnwedeln versteckt und beobachtet, was in der Heide geschah. Erika- und Ginsterbüsche wurden beschattet von riesigen Kiefern. Mit einem Mal roch es nicht mehr nach Moor, es duftete nach den vielen Zapfen, die überall verstreut lagen. Und nach den Kötteln der Heidschnucken, die das wenige Gras und die Schösslinge fraßen. Und wo Heidschnucken waren, gab es auch immer wenigstens einen Großling, der schrecklich laut pfeifen konnte. Das hatte ihr schon heftig in den Ohren gebimmelt. Noch lauter und noch schrecklicher waren nur die Hütehunde, die laut kläfften, wenn sie auf die Heidschnucken aufpassten. Die Hunde waren sogar noch schrecklicher als die Rabenvögel, die oben in den Kiefern saßen, nur dass sie nicht fliegen konnten.
Zaghaft und zögerlich flog die kleine Elfling los. Zwischen den Kiefernzapfen, Erikabüschen und Heidemoos suchte sie nach irgendetwas, das Kupferpfennig verloren haben könnte. Und sie schaute nach kleinen Elflingspuren im Sand, denn ohne die Blätter der Nachtglöckchen konnte Kupfe nicht fliegen. Und ohne zu fragen hatte er die niemals genommen. Er war also zu Fuß unterwegs.
Es gab so elend viele Möglichkeiten, was Kupferpfennig im 'Woanders' widerfahren sein könnte, dass Silberfünkchen ganz schlecht wurde. Sie war schon schätzungsweise eine dreiviertel Ewigkeit unterwegs. Jedenfalls fühlte es sich deutlich länger an als die halbe Ewigkeit, von der Vater Prius immer redete.
»Silberfünkchen, das dauert ja wieder eine halbe Ewigkeit«, sagte er oft.
»Silbchen tu dies, Silbchen tu das, Silbchen, die Nachtglöckchensuppe, es wird Zaaa…heit.« Sie konnte es nicht mehr hören, vor allem den Tonfall von Vater Prius' Stimme nicht.
Früher feixte Kupferpfennig hinter seinem Rücken und flüsterte das typische 'Zaaa…heit', worauf sie alle losprusteten. Das war bevor seine Glieder schossen wie junge Triebe, seine Stimme dunkelte und er so schrecklich vernünftig wurde.

Ein Schatten vor ihr flackerte über die Büsche und der war schwärzer als der Schatten der Bäume ringsum. Silberfünkchen schlug das Herz bis zum Hals. Sie drehte sich auf den Rücken und sah einen Raben, der schon die Krallen nach ihr ausgestreckt hatte. Schnell tauchte sie ab und flog in die Lücke zwischen zwei hohen Erikabüschen, wo sie sich unter Zweige duckte. Der große Rabe streifte mit seinen Flügeln die obersten Blättchen – absichtlich vielleicht – und sauste wieder in die Luft. Nach einer langgezogenen Kurve landete er auf hoppelnden Beinen vor den Büschen und krächzte: »Na, wen haben wir denn da?«
Als er die Flügel ausbreitete, um sich kurz zu schütteln, wurde es düster unter den Büschen, was wohl der Zweck des Ganzen war.
»Raus mit dir, kleiner Elfling, Kaskatabra hat Hunger, zack«, krächzte der Rabe. Dabei pickte er mit dem Schnabel ein wenig zwischen die Zweige, als wäre ein Wurm darin versteckt.
»Blari nocheens, komm nur her, du fliegendes Kopfkissen«, knurrte Silberfünkchen zurück. »Wenn du scharf drauf bist, dass ich dir deine Federn anflämme …«
Es folgte ein Rabenlachen, das sich anhörte wie ein gestottertes Keck-Keck-Keck.
»Du weißt es, ich weiß es, alle wissen es: Das kannst du nicht.« Dazu scharrte der Rabe mit seinen Krallen im Boden und warf eine Wolke aus Staub und Sand hinter sich in die Luft.
»Lass es drauf ankommen, du grässlicher Staubfeudel …, wirst schon sehen.« Silberfünkchen bemühte sich, nicht zu husten. Elflinge sind zarte Wesen und so war die Staubwolke für die kleine Elfling ein Sandsturm und in einem Sandsturm konnte sie weder richtig atmen, noch fliegen, was der Rabe natürlich wusste.
»Herrje, Kaskatabra mag es, wenn sie frech sind, zack«, schnäbelte der Rabe. Er schien das Spiel zu genießen. »Du bist ein Junges, noch nicht ausgewachsen. Du weißt es, ich weiß es, alle wissen es: Du hast die Gabe noch nicht.«
»Na, da laust mich doch der Baldrian. Was du alles weißt, 'hast die Gabe noch nicht', verdammich, du bist ja beinahe so schlau wie Kupfe. Der glaubt auch immer, alles zu wissen.« Silberfünkchen zog den Stichel aus dem Stiefel. Der Rabe scharrte weiter, als würde er Anlauf nehmen. Sein Kopf zuckte um die Zweige herum, als versuche er, sie zu sehen.
»Es gibt einen großen Unterschied im Wissen zwischen mir und ihm«, sagte er.
»So, woher willst du das wissen, kennst du ihn?« Silberfünkchen schaute sich um und wich langsam hinter den Strunk der einen Erika zurück.
»Abgesehen davon kann ich mir das gar nicht vorstellen, du schaust nämlich genauso dämlich aus der Wäsche wie er«, sagte sie. Hinter dem Strunk der anderen Erika war ein Mauseloch.
»Raah, ich bezweifle zum Beispiel, dass dein Kupfe weiß, wie lecker Elflinge schmecken, zack«, sagte der Rabe. Dazu klapperte er mit dem Schnabel, als würde er einen Wurm zerteilen. Auf und ab ruckte der Kopf, durch die Zweige linste ein dunkles Auge, kalt wie eine Murmel. Um das Auge waren weiße Narben verteilt.
Silberfünkchen glimmselte mit aller Kraft, so hell, dass der Rabe zurückzuckte. Dann rannte sie los und ließ sich in das Mauseloch fallen. Im gleichen Moment schoss der Schnabel des Raben dahin, wo sie nur einen Augenblick zuvor gestanden hatte.

Elflinge mögen es nicht, unter der Erde zu sein, genauer gesagt, gibt es für sie nichts Fürchterlicheres. Kein Wasser und kein Lauffeuer waren so furchtbar und deshalb erlitt sie dort, wo sie hingeplumpst war, eine Erschreckung. Eine Erschreckung war wie die Versteinerung beim Fangenspielen, wenn man erwischt wurde. Obwohl sie wusste, dass sie in großer Gefahr war, saß sie dort stocksteif und konnte sich nicht rühren. Auch dass von oben Erdkrümel herabregneten, half ihr nicht. Es war, als würden die Glieder ihr nicht gehorchen, als wäre sie auf der Stelle festgefroren. Erst als der Rabenschnabel unsanft gegen ihren Kopf schlug, schrie sie ein lautes »Auatsch«, wodurch die Starre sich löste und sie loskrabbeln konnte. Gerade rechtzeitig, denn hinter sich hörte sie noch, wie der Rabe nach ihr schnappte und mit dem Schnabel anfing, in dem Mauseloch zu wühlen.
»Niemals wirst du mich kriegen, du verkappte Bettdecke, hörst du, niemals«, schrie Silberfünkchen in den Gang. Sie schrie lauter als es nötig gewesen wäre, weil sie so froh war, die Erschreckung los zu sein. Nach einem lauten Keck-keck-keck höhnte der Rabe: »Wart's ab, kleine freche Elfling, wart's ab, wir sehen uns wieder.«

Auf und ab führte der Weg, vorbei an durchgeknabberten Wurzeln, vermodernden Knochen, einem alten Goldstück und der prall gefüllten Vorratskammer eines Maulwurfs. Das alles konnte sie nur sehen, weil sie so verschwenderisch glimmselte, was jedoch notwendig war, weil sie es anders gar nicht aushielt. Mittlerweile war sie bei Blättchen Nummer drei.
Aus der dreiviertel Ewigkeit war sicherlich schon eine ganze Ewigkeit geworden, bevor endlich wieder Tageslicht in den Gang hineindämmerte. Und tatsächlich führte der Schacht senkrecht nach oben.
Die kleine Elfling stieg aus dem Boden in einen Hohlraum, in dem es nach Kiefernharz duftete. Als sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, sah sie, dass es das Innere eines ausgehöhlten Baumes war. Durch ein ehemaliges Astloch fiel Licht hinein, rundes Licht, das einen Kreis purer Sonne auf den Boden malte. An den Wänden wuchs Moos, eine Spinne hatte ein Netz gewoben und auf halber Höhe hing ein winziges Vogelnest. Vom Wind hereingewehte Blätter sammelten sich auf dem rauen Holz und in den Ritzen.
Durch das viele Glimmseln hatte sie wieder Nachtglöckchen-Hunger. Doch gerade als sie das Säckchen vom Gürtel nahm und ein Blatt in den Mund stecken wollte, hörte sie ein Knarzen. Nirgends war eine Türe, das konnte es also nicht sein, dennoch spürte sie, sie war nicht alleine. So sehr sie auch den Blick schärfte, niemand war zu sehen. Vielleicht gab es hier Tiere, die nur auf Beute lauerten. Tiere, die viel schrecklicher waren als ein Rabe. 'Wie weit Kupfe wohl gekommen sein mag?', fragte sie sich und verdrängte den Gedanken sogleich aus ihrem Kopf.

»Da tut sich was.« – »Tut es da was?« – »Was tut es da?«
Silberfünkchen fuhr zusammen. Stimmen wie raschelndes Laub schienen aus den Wänden zu kommen, als würde der Baum mit drei Stimmen reden.
»Wer ist da? Wer seid ihr?«, rief sie und schaute auf die hohle Wand. Obwohl kein Windhauch hineinkam, bewegten sich die Blätter.
»Oje, gleich zwei Fragen.« – »Hat es nicht nötig, sich vorzustellen.« – »Was es alles wissen will ...«
Es folgte ein ausgiebiges Knarzen und Knurzeln, wie bei einer alten ausgetretenen Treppe, wenn man klatschdich vorne auf die Stufen latscht. Silberfünkchen meinte, Bewegungen in den Wänden auszumachen, Teile der Wand lösten sich ab und wurden wieder eins mit dem Baum. Sie nahm allen Mut zusammen.
»Eine geborene Elfling bin ich, die auf der Suche ist nach einem Freund und jetzt tretet hervor, wenn ihr die Traute habt oder gehabt euch wohl.« Elflinge redeten oft so altertümlich, wenn es ernst wurde. Das lag daran, dass es sie und die alten Worte einfach schon so verflucht lange gab und beides zusammen schwer Eindruck machte. Zumindest hofften sie das und oft genug war das auch so – hier nicht.
»Elflinge, kleine unnütze Elflinge mit Knick im Fühler.« – »Fliegen schnell, reden schnell, leben schnell.« – »Alles schnell, immer schnell, und alles zu nichts nütze.«

Aus den Wänden schälten sich drei kleine Gestalten mit Blätterhäuptern. Vielleicht waren sie ein Teil des Baumes oder eines anderen, lange vergangenen. Ihre Körper schienen ganz aus faserigem Holz zu bestehen. Deswegen hatte die Elfling an ihnen vorbeigeschaut, ohne sie zu sehen. Bei genauerer Betrachtung waren sie sich ähnlich, aber nicht so sehr, dass man sie nicht hätte unterscheiden können. Einer hatte Moos auf der Nase, der zweite ein kleines Vogelnest auf dem Kopf und der dritte eine Spinnenwebe auf dem Bein.
'Da laust mich doch der Baldrian', wisperte Silberfünkchen. Lauter sagte sie: »Silberfünkchen, mein Name, mit 'erfünk' in der Mitte, ähh, Tochter der werten Funkelchen und des Silberlings. Und wie heißt ihr, wenn ich mal fragen darf?« Aus Gründen der Höflichkeit deutete sie eine Verbeugung mitsamt Kreuzen der Flügel an, wie unter Elflingen üblich.
Nichts regte sich. Silberfünkchen wartete. Nach einigem Geknabbere, das sich anhörte, als würden Holzwürmer und Käfer an dem Baum nagen, kamen die nächsten verständlichen Antworten.
»Silberfünkchen, solch ein schöner Name.« – »Wer ist Baldrian?« – »Ja, wenn noch wüssten, wie unsere Namen einst lauteten.«
Silberfünkchen sagte sowas wie »Öhhämm«, weil sie richtig überrascht war und die Überraschung irgendwie an die Luft musste.
»Das gibt's doch nicht, soll das heißen, ihr habt eure Namen vergessen?«, schob sie hinterher und noch etwas lag ihr auf der Zunge: 'Wie verholzt muss man sein, um zu vergessen, wie man heißt?', doch sie konnte es gerade noch zurückhalten.
Die Gestalten schauten einander an und schüttelten die Köpfe, dass die Blätter nur so raschelten. Dazu schnauften sie im Chor etwas, das wie 'vorlaut' klang und schnalzten mit den hölzernen Zungen, was sich wie das Brechen kleiner Zweige anhörte.
»Sagt mal, ihr drei Holzlinge, fehlt euch nicht was? Ich meine, so ganz ohne Namen?«, fragte Silberfünkchen und schüttelte den Kopf. Es dauerte auch diesmal, bevor sie eine Antwort bekam. »Holzlinge, knack, nicht schlecht. Holzlinge, he he«, meinte Silberfünkchen zu verstehen. Aus dem beißenden Knabbern wurde ein Süßholzraspeln.
»So ein Name, das wäre was Feines.« – »Müsste aber ein richtig schöner Name sein.« – »Wenn ich mir den nur merken könnte.«
»Hmm, eigentlich nichts leichter als das, lasst uns mal schauen«, sprach die Elfling.
Unter Elflingen ist Namenerfinden ein beliebtes Spiel und Silberfünkchen war eine der Besten. Dass dabei heimlich Nachtglöckchen-Blätter gekaut wurden, war ein offenes Geheimnis, wie auch, dass das alle so machten. Auch jetzt tat sie so, als müsse sie gähnen und schmuggelte ein Blättchen in ihren Mund. Nach kurzem Kauen schaute sie nach links zu dem Kleinen mit dem Moos auf der Nase.
»Äh, ja, du, du bist ein …«, sagte sie und rülpste ein violettes Wölkchen, sie war etwas aus der Übung. Die Holzlinge fingen an zu glucksen, machten merkwürdige Geräusche und hielten sich die Bäuche. Es musste ein Lachen sein und das Lachen klang, als würde Vater Prius ohne Pause auf sein Lehrerpult klopfen, was selten genug vorkam. Vater Prius. Verdammich!
Silberfünkchen glimmselte auf. Kupferpfennig! Siedend heiß fiel ihr wieder ein, weshalb sie unterwegs war. Da dämmerte ihr eine Idee. Sie brauchte jede Hilfe, die sie kriegen konnte. Vielleicht war das jetzt die Gelegenheit.
»Leute, äh, Holzlinge, ich hab einen Vorschlag«, sagte sie. Augenblicklich verebbte das Geklopfe. »Ich bin auf der Suche nach einem Freund, einem Elfling namens Kupferpfennig. Er ist seit vorgestern Abend verschwunden. Könnt ihr mir helfen, ihn zu finden?«
Die drei Holzlinge sahen sich an und blinzelten einmal mit den Holzaugen.
»Dann gebe ich euch die holzigsten Namen, die mir einfallen, versprochen«, sagte Silberfünkchen.
Die Holzlinge machten mit den Holzfingern Zeitlupen-Schnick-schnack-schnuck, zumindest sah es so aus. Zwischendurch sagte immer mal einer »knack« und als sie fertig waren, sagten sie im Chor: »Ja, wir machen das.«
Langsam stelzten sie zu den hölzernen Wänden und faserten sich ein. So sehr sich Silberfünkchen auch anstrengte, sie sah nur einen Moosfleck, eine Spinnwebe und ein winziges Vogelnest. Der Boden unter ihren Füßen vibrierte ganz sachte. Dann erfüllte ein tiefes Brummen die Luft, das eine ganze Weile anhielt.
Als es erstarb, lösten sich die Holzgestalten erneut aus den Fasern des Baumes. Das Knurzeln und Knarzeln begann.
»Dein Kupferpfennig, der ist ein ganz Mutiger«, kam es von links. »Der hockt unter einem Stein auf dem Rabenhügel«, sprach die Mitte. »Dort, wo die Nachtglöckchen wachsen und wartet auf die Nacht«, sagte der Dritte.

Silberfünkchens Herz machte einen Satz. Ausgerechnet der Rabenhügel. Der Rabenhügel war die größte Erhebung am Ende der Krähenheide. Sie hatte ihn bisher nur aus der Ferne gesehen. Auf ihm standen mehrere Eichen, die hoch in den Himmel aufragten. Und die Äste der Eichen waren übersäht von Nestern. So viel hatte sie gesehen. Dort war also Kupferpfennig und dort wuchsen Nachtglöckchen. Das waren schlechte Neuigkeiten.
Es war wohl so gut wie unmöglich, sich dem Hügel zu nähern, ohne von Aberdutzenden Rabenvögeln, die in den Bäumen nisteten, gesehen zu werden.
Logisch, dass Kupferpfennig es vernünftig fand, dort Nachtglöckchen zu ernten, wenn er dort welche gefunden hatte. Ebenso logisch, dass das wegen der Rabenvögel keinem Elfling in den letzten Millionen Ewigkeiten gelungen war. Sonst wüssten die Elflinge das. Silberfünkchen begann zu zittern.

»Und jetzt, kleine Elfling, knack, unsere Namen bitte.« Die Holzlinge waren nicht unfreundlich, nur deutlich, denn versprochen ist versprochen.
»Was hab ich vorhin gesagt? Noch gar nichts, ähem, dann mal los. Holzige Namen, okay, die holzigsten überhaupt, verdammich.« Silberfünkchen wusste, Namen müssen gut überlegt sein, bevor man sie sagt. Einmal rausgerutscht, ließen sie sich nicht mehr einfangen. Auch mit einem Blättchen unter der Zunge nicht.
Sie schaute hinüber zu dem linken Holzling mit dem Moosfleck: »Du bist ein …, ein Pirlebom.« Danach war der Bann gebrochen, sie spürte, wie die Namen kamen.
Als nächstem wandte sie sich zu dem mit dem kleinen Vogelnest in den Blättern. »Dich nenne ich Papleditch.« Papleditch verbeugte sich und dabei fielen ihm staubige Eierschalen aus dem Kopfschmuck, die auf den Boden patschten. Er hatte sich wohl einige Ewigkeiten nicht mehr verbeugt.
»Und dich taufe ich Pomledill«, sagte sie zu dem mit dem Spinnennetz auf dem Holzbein. In dem Moment sah sie die Spinne über sein Bein krabbeln. Sie konnte gerade noch ein 'Oh, wie süß' unterdrücken, es war ja nicht ihre Spinne, denn Elflinge halten Spinnen als Haustiere, mit denen sie hauchzart kuscheln.

Wenn Holz freudig glucksen könnte, würde sich das so anhören, wie die Laute, die Silberfünkchen vernahm. Laute, die sie nie zuvor gehört hatte. Möglicherweise, so dachte sie, hört sich so das erste Frühlingswasser an, dass durch die Rinde Richtung Himmel drückt und die Blüten zum Aufgehen verleitet. Einzeln traten die Holzgestalten vor und neigten ihre Blätter.
»Pirlebom, gestatten, knack …, Pirlebom. Wirklich, sehr blätterig, der Name, vielen Dank.« Dann kam der nächste.
»Küss die Hand, gnädiges Fünkchen …, Papleditch. Gut gewählt, sehr tiefwurzelig und zugleich zerbrechlich fein wie, knack …, wie Eierschalen.« Mit den Holzbeinen scharrte er die Überreste zusammen.
»Hochachtungsvoll …, Pomledill. Ein Name mit so vielen Ls, ich liebe es ellig und das ist ausgesprochen ellig, knack, elliger geht kaum, sozusagen.«
'Na, das klappt doch ganz hervorragend', dachte Silberfünkchen und machte einen Knicks. Doch sie hatte sich zu früh gefreut.
»Pomlebom …, Pirleditch …, Papledill ...«, schwurbelten die Holzgestalten wild durcheinander, »Knack, Ditchlepom …, Dillpirle …, Bomlepap …« Sie hielten sich wieder die Holzbäuche und klopften dazu.
»Eine Bitte habe ich noch«, sagte die Elfling. »Ihr wisst doch so viel. Wenn ich zu Kupferpfennig will, um ihn nach Hause zu bringen, wie soll ich an den Rabenvögeln vorbeikommen?«, fragte Silberfünkchen. Allein beim Gedanken an den Raben, der sie vorhin fressen wollte, dieser Kastabraka oder so, wurde ihr speiübel.
»Du weißt nicht viel über deinesgleichen, nicht wahr?« – »He he, ihr seid genauso vergesslich wie wir.« – »Ganz einfach: Nutze die Gabe der Elflinge
Jetzt wurde Silberfünkchen richtig ungeduldig.
»Blari nocheens, das ist doch alles nur hölzernes Geschwätz. 'Nutze die Gabe'. Verdammich, mit Glimmseln komme ich noch nicht mal in die Nähe des Rabenhügels. Warum sagt ihr mir nichts, was mir wirklich hilft?« Zu ihrem Talent zur Ungeduld kam noch das Talent, in kürzester Zeit so richtig aufzubrausen und Leuten, die eigentlich helfen wollten, mit harschen Worten vor den Kopf zu stoßen.

»Ungeduldige kleine Elfling mit Knack, äh Knick im Fühler.« Das Vogelnest auf dem Kopf wackelte und wurde rot von einem Sonnenstrahl beschienen, der sich durch das Astloch mogelte. Es dauerte, bevor die Spinnwebe sich bewegte und Pomledill sprach: »Sagen würden wir schon was, wenn ...« – »… ja, knack, wenn uns das silberne Elflein 'mit erfünk in der Mitte' auch Nachnamen schenkt«, kam es von rechts, wo das Moos in die Höhe gereckt wurde.
»Nachnamen? Euer Ernst? Wie wollt ihr euch denn die noch merken?«, sagte Silberfünkchen. Als Antwort kam nur ein leises Blätterrascheln und Schweigen.
Nachnamen waren keinen Deut schwieriger als Vornamen, besonders mit einem Nachtglöckchenblatt im Mund, aber das mussten die Holzlinge ja nicht wissen.
»Vorschlag Nummer zwei: Ihr sagt mir alles, was ich wissen muss, um Kupferpfennig zu retten und wenn das glückt, komme ich wieder und gebe euch die superknackigsten Nachnamen, die man sich nur denken kann. Großes Elflinger Ehrenwort.«
Wortlos faserten die Gestalten sich wieder ein. Silberfünkchen wartete, der Boden brummte. Sie wartete so lange, dass sie schon dachte, die Holzgestalten wären eingeschlafen, vertrocknet oder endlich ganz zu Baum geworden. Mit einem knorrigem Knarzeln lösten sich die Gestalten aus dem Baum und es kamen Antworten.
»Knack, mussten die Uralten fragen und die sind nicht mehr die Schnellsten.« – »In früheren Zeiten, kleiner Silberfunken, sind Elflinge auf Raben geritten.« – »Kann natürlich sein, dass du mit dem Knick in deinem Fühler … ähem.« – »Mit der Gabe kannst du mit den Flügeln Glimmseln.« – »… ist zwar schön anzusehen, knack, aber bis auf Licht im Dunklen eher nutzlos.« – »Aber du kannst die Gabe auch in deine Fühler lenken und mit ihnen glimmseln.« – »Und damit einen Rabenvogel beglimmseln, bis er dir gehorcht.« – » Wenn du erst in seinem Nacken sitzt …« – »Aber du musst sie loswerden, die Furcht, hinfort jagen und nicht mehr hereinlassen.« – »Du musst dich beeilen, es dunkelt schon.« – » Jetzt haben wir dir alles gesagt, kleine Elfling. Knack, knack und nochmals knack.«

Silberfünkchen flog hoch zu dem Astloch-Fenster, ließ sich auf der Kante nieder und schaute hinaus. Sie war verwirrt, Die Gabe in die Fühler lenken. Klang mehr nach spinnertem Quatsch als nach etwas, das funktioniert. Sie nahm das Säckchen mit den getrockneten Blättern der Nachtglöckchen und kaute gleich eine Handvoll davon, was vermutlich eine maßlose Vergeudung war, aber was zählte das jetzt noch?
Dabei zog sie den Lederriemen aus dem Säckchen, nahm den Stichel aus dem Stiefel und schiente mit beidem den abgeknickten Fühler, so dass sie ihn halbwegs begradigte. Vielleicht würde das helfen, hoffte sie.
Es waren vermutlich einige der Blättchen zu viel, denn sie fühlte sich mit einem Mal ein bisschen dusselig. Bei dem, was sie vorhatte, war jedoch eine leichte Dusseligkeit eher hilfreich, zum Beispiel, um sich nicht in die Hosen zu machen.

Die Sonne stand hinter den Wipfeln der Kiefern. Erika- und Ginsterbüsche lagen bereits im Halbschatten. Der helle Sand war schon dunkelgrau. In der Ferne ragte der Rabenhügel als dunkle Silhouette in den dämmernden Himmel. Über den Kronen der Eichen kreisten Schwärme von Rabenvögeln. Von hier aus waren sie nicht größer als winzige Mücken. 'Die Gabe in die Fühler lenken', eine dusselige Idee.
Noch einmal schaute sie zurück. Die Gestalten hielten sich wieder die Bäuche und schüttelten das Kopflaub. Ab und zu hörte sie ein » Papledilleditch« oder ein »Bompompirlepap« oder auch ein » Dillepirlepomlebom«, gefolgt von herzlichem Knacken und Geklopfe.
Ein Lächeln stahl sich in ihr Gesicht, sie musste wieder laut und violett aufstoßen, was ein heftiges Knarzelecho fand. Mit einem Mal fühlte sie sich leichter, als hätte sie außer violetter Luft mit dem Rülpser ein Sorgen-Wölkchen verlassen.
Der mit der Spinnenwebe schaute hoch zu ihr und sagte: »Auf Wiedersehen, Königin der Namen.« – »Gute Reise und gutes Gelingen«, kam es von links. – »Nicht vergessen: Die Furcht verlieren und nicht mehr wiederfinden«, sprach es aus der Mitte.
Silberfünkchen hob zum Abschied die Hand, legte die Flügel über Kreuz und verbeugte sich mit einem Nicken, wie unter Elflingen üblich. 'Die Furcht verlieren', als wenn das so einfach wäre. Sie drehte sich um und schaute über die Heide.
Das Konzert der Krächzer war selbst über die Entfernung zu hören. Sich dem Hügel ohne Einladung zu nähern, gehörte wohl zu den blödesten Ideen, die einem einfallen konnten.
»Du weißt es, ich weiß es, alle wissen es: Elflinge reiten Rabenvögel … auf dem Rabenhügel, na klar. So eine herrlich beknackte Holzkopf-Idee, hicks«, säuselte Silberfünkchen und zog die Spitzen der Fühler vorsichtig durch die Hände, um sie zu säubern. »Also, nix wie hin.«

Zwei Taschen voller Nachtglöckchen hingen kreuzweise über Kupferpfennigs Schultern. Am Gürtel baumelte die kleine Erntesichel. Er hatte die hereinbrechende Dunkelheit genutzt, um schnell mit sicherer Hand Nachtglöckchen zu schneiden. In dem seidigen violetten Schimmer, den sie abstrahlten, sah er genug, um behutsam zu ernten. Er schnitt immer nur einen Blütenstängel von jeder Pflanze und ließ die übrigen weiter wachsen. Der Rabenhügel war bedeckt von Farnwedeln, unter denen die prächtigsten Nachtglöckchen gediehen. Mehr, als Kupferpfennig jemals im gesamten Auhölzchen gesehen hatte. Vielleicht wuchsen sie deshalb so gut, weil der Rabenkot, der von den Bäumen tropfte, sie ständig düngte, dachte Kupferpfennig. Und der Boden war durch die kleine Quelle, die viele Rinnsale speiste, immer leicht feucht. Bestmögliche Bedingungen für die Nachtglöckchen und ein tolles Feld zur Ernte – wären da nicht die Rabenvögel.
Es war so leicht gewesen, in kürzester Zeit hatte er so viele Glöckchen geerntet, wie er tragen konnte. Und als er fertig war, sah man kaum den Unterschied. Immer noch überzog ein zartes Violett den ganzen Hügel. Und genau dieser verräterische Schein hatte ihn aus der Heide hierhergelockt. Allein die kostbaren Nacktglöckchen, die er hier sah, würden für alle Elflinge auf Jahre ausreichen. Jetzt musste er es nur noch zum Elflingkobel schaffen und das würde alles andere als einfach.
Kurz vor der Morgendämmerung hatte er das Feld entdeckt. Den ganzen Tag hatte er sich dann unter einem Felsbrocken versteckt gehalten. Nur wenige Raben hatte er hier zu Gesicht bekommen und sich jedes Mal sofort in den Schatten geduckt. Doch er sah, wie sie abwechselnd Patrouille flogen und auch nachts würden wohl einige von ihnen in Bodennähe wachen.
Der Weg auf den Hügel war ohne Fliegen schon sehr schwer gewesen. Langsam war er auf dem Boden gekrochen und hatte sich mit Glück an den Wachen vorbeigeschmuggelt. Mit den zwei vollen Erntetaschen konnte er nicht mehr kriechen und er war doppelt so schwer. Er wusste, ein knackender Zweig reichte aus, um die Aufmerksamkeit der Wachen zu wecken. Aber er hatte Unmengen Nachtglöckchen dabei und er würde fliegen können, wenn er erst mal von dem Hügel herunter war. Vorsorglich steckte er sich ein Blättchen der Nachtglöckchen in den Mund und kaute. Der bittere Saft zog ihm den Hals zusammen und ließ ihn die Augen zusammendrücken.

Als Silberfünkchen losflog, ergoss die Sonne ihr dunkelrotes Feuer auf die Baumspitzen in der Ferne. Dazu leuchtete der Abendhimmel dunkelblau. Die Kronen der Kiefern standen davor wie schwarze Wolken mit einem goldenen Kranz, wo letzte Sonnenstrahlen sie erreichten.
Im Dämmerlicht oder gar im Dunkeln war sie nur selten geflogen. Ohne Glimmseln sah sie zu wenig und mit Glimmseln war sie selbst so deutlich zu sehen wie eine Laterne. In der Nähe des Elflingkobels war das nicht weiter schlimm, doch hier in der Krähenheide war das der pure Leichtsinn.
Sie flog also ohne Glimmseln langsam und knapp über den Büschen durch die zunehmende Dunkelheit, ohne wirklich etwas zu sehen. Es war Neumond, was aus Kupferpfennigs Sicht schlau war, mit dem wenigen Mondlicht konnte er sich besser verstecken. Und auch sie würde nicht so leicht gesehen, was von Vorteil war, solange sie nicht vor einen Baum flog.
Eigentlich hoffte sie darauf, Kupferpfennig schnell zu finden und sich an den schlafenden Raben vorbei aus dem Staub zu machen. Doch Silberfünkchen ahnte auch, dass es so leicht nicht werden würde.
Bald gab nur der Mond noch einen schwachen Schein von sich. Die Vögel wurden leiser, der Rabenhügel kam zur Ruhe. Dennoch blieb ein rätselhaftes Geschwirre und Geflatter in der Luft. Silberfünkchen konnte es mit ihren Fühlern deutlich wahrnehmen, erklären konnte sie es nicht.
Sie hatte den Rabenhügel fast erreicht, als das Geflatter zunahm. Etwas kam direkt auf sie zu. Sie tauchte ab und spürte einen Luftzug an ihrem Gesicht vorbeiziehen. Das war kein Rabe, die Flugmanöver waren viel zu flink für einen Raben. Wieder fitschte ein ledriger Flügel an ihr vorbei. Fledermäuse. Um den Elflingtobel gab es auch Fledermäuse, doch die waren friedlich. Sie waren Elflinge gewohnt und flogen ihnen aus dem Weg.
»Blari nocheens, was wollt ihr von mir?«, zischte Silberfünkchen.
»Fressen wollen wir dich, ecko, ecko«, chirpte es zur Antwort.
»Blöde Idee, ihr könnt mich nicht fressen, ich bin größer als ihr«, flüsterte Silberfünkchen.
»Wir können dich nicht fressen, ecko, soso. Aber anzapfen vielleicht, ecko.«
»Anzapfen, blari nocheens, ich bin kein Kräutersaftfass. Selten so einen Quatsch gehört.« Es war so dunkel, dass Silberfünkchen nichts mehr sah.
»Wirst schon sehen, ecko, wirst schon sehen.«
»Ihr werden sehen, wenn ihr nicht Leine zieht. Wisst ihr nicht, was Glimmseln ist?«
»Nie gehört, ecko, nie gehört.« Wieder streiften kalte Häute ihre Fühler.
Silberfünkchen ließ sich zu Boden sinken. Die Fledermäuse folgten und hängen sich kopfüber an Ginsterbüsche und Heidekraut. Sie kamen immer näher. Neben ihren Ohren hörte Silberfünkchen das Klappern kleiner Mäuler. Den Stichel hatte sie fest mit ihrem Fühler verknotet, so schnell bekam sie ihn nicht frei, sie musste hier weg. Die Fledermäuse rückten dichter auf und schlossen alle Lücken. Es gab keinen Ausweg.
»Zum letzten Mal: Verzieht euch, oder ich werde euch wegglimmseln.« Das konnte die Elfling natürlich nicht, aber sie sah keine andere Möglichkeit, die Plagegeister loszuwerden, als sie durch glimmseln mit den Flügeln zu blenden.
Das Schnappen kleiner Zähne kam immer näher. Die Fledermäuse chirpten im Chor. »Probieren wollen wir dich, ecko, schmeckst bestimmt süß, ecko, nur ein Tröpfchen für jeden, ecko.«
'Die Furcht verlieren und nicht mehr wiederfinden', leichter gesagt als getan. So sehr Silberfünkchen es auch versuchte, sie zuckte bei jeder Berührung zusammen. Bald hielt sie es nicht mehr aus. Sie sammelte sich, schloss die Augen und glimmselte, so fest sie konnte.
Ihre Flügel flackerten weiß, der Erikabusch neben ihr flammte knisternd auf, die Fledermäuse schossen in die Luft und waren weg.
Leben kam in den Rabenhügel. Ein wütendes »Raah, raah, raah« schallte durch die Nacht. Leuchtende Striche kamen angeflogen, senkten sich zu Boden und eine Handvoll Raben landete zwischen den Büschen. Sie trugen Stöcke in ihren Schnäbeln, auf denen dicht an dicht Glühwürmchen saßen. Das fahle Glühen reichte aus, einen grünen Schimmer auf die Büsche zu werfen.
»Raah, Halt still. Wir bringen dich zu Kaskatabra.« Ein Rabe packte sie mit einer Kralle und stieß sich mit der anderen vom Boden ab.

Kupferpfennig sah einen grünen Lichtschein am Fuß des Rabenhügels. Bald darauf erhoben sich eine Handvoll leuchtender Striche und stiegen auf Richtung Baumkronen. Begleitet wurden sie von einzelnen Krächzern und lautem Flügelschlag. Die Raben hatten also eine Möglichkeit, die Dunkelheit zu erhellen. Das machte es nicht einfacher.
Unter dem Farn, setzte er einen Fuß vor den anderen, immer bemüht, keine Farnwedel zum Wackeln zu bringen und keine Nachtglöckchen zu zertrampeln. Er folgte einem Rinnsal, das aus der Quelle zum Fuß des Hügels floss. Noch konnte er nicht fliegen, das üppige Grün war zu dicht. Vorsichtig nutzte er die Steine als Trittstufen, um von dem steilen Hügel herunterzukommen. Da leider niemand, absolut niemand auf diesem Hügel zu Fuß ging, war schließlich einer der Steine so locker, dass Kupferpfennig ihn lostrat und mit ihm eine Lawine aus kleinen Kieseln, einem unglücklichen Elfling und zweier Taschen voller Nachtglöckchen.
Aus den Baumkronen hörte er einen ziemlichen Rabatz, der Lautstärke nach waren alle Raben hellwach. Kupferpfennig sortierte sich, streckte aller Glieder, gebrochen war nichts. Er hängte die Taschen wieder richtig, sammelte die herausgefallenen Nachtglöckchen ein und wollte losfliegen. Die Flügel surrten dumpf, wenigstens einer hatte etwas abbekommen. Als er hochschaute, sah er einen glimmenden Strich aus den Bäumen auf ihn zu sinken. Er hatte gerade noch Zeit, die Erntesichel vom Gürtel zu nehmen, bevor der Rabe landete.

Sie ließen Silberfünkchen in ein großes Nest plumpsen, auf dessen Rand ein zauseliger Rabe saß. Niemand machte sich die Mühe, sie festzuhalten oder zu fesseln. Sollte sie versuchen zu fliehen, wäre das ein willkommener Spaß für alle schwarzbefrackten Gesellen. Sie saßen in den umliegenden Nestern und hielten Glühwürmchen-Stöcke in den Schnäbeln.
»Raah, sieh an, sieh an, die freche, kleine Elfling. Kannst wohl nicht ohne den alten Kaskatabra, keck-keck, … oder warum bist du hier?«, fragte der Rabe. Sein Nest war das größte und auch er selbst war ein wenig größer als die anderen Raben. Dabei gab es in seinem Federkleid einige graue Federn und kahle Stellen, wo die Federn ausgefallen waren. Rund um Schnabel und Augen erkannte Silberfünkchen die weißen Narbenstriche.
»Blari nocheens, um dich zu beglimmseln, Kaskatabra«, sagte Silberfünkchen und stand auf. Ihre weichen Knie drohten unter ihr nachzugeben.
Empörtes Geschnatter brandete in den umliegenden Nestern auf. Doch obwohl die Furcht, die sie nicht zeigen wollte, Silberfünkchen frösteln ließ, war sie zum Letzten entschlossen.
»Hört, hört, um mich zu beglimmseln … keck keck keck. Das ist gut, das ist wirklich einmalig.« Der alte Rabe wackelte amüsiert mit dem Kopf. »Raah, und wie willst du das anstellen?«
»Also, wenn du dich dann herunterbeugst, damit ich besser auf deinen Nacken steigen kann …« Silberfünkchen wusste, wie anmaßend und unverschämt das war. 'Aber wenn, dann kann ich ihn nur überrumpeln', dachte sie.
Das Gekecker erstarb. Nie zuvor hatte jemand etwas so Dreistes zum Rabenkönig gesagt. 'Wie kann sie es wagen, raah!', zischte einer, 'Solch ein freches Ding' ein anderer, 'Raah, töte sie', zischte ein dritter. Kaskatabras Augen wurden schmal.
»Und was, wenn ich dich mit einem Schnabelschnapp zerteile, zack, oder meine Krallen in dich bohre wie in einen Wurm?« Er hob das Bein und spreizte die Krallen. Jede einzelne war so groß wie ein Unterarm der Elfling. »Raah, nenn mir einen guten Grund, weshalb ich das lassen sollte.«
»Weil du nie erfahren würdest, wie es ist, beglimmselt zu werden«, sagte Silberfünkchen.
Sie stand auf und versuchte es mit aller Kraft. 'Du kannst sie in die Fühler lenken', hörte sie Papleditch sagen. Ihre Flügel leuchteten violett auf, in ihren Fühlern kribbelte es, aber sie leuchteten nicht. Ein großer Klumpen Angst fiel in ihren Bauch und zog sie nach unten. Auch wenn sie die Furcht abschüttelte, sie fand sie immer wieder.
»Raah, wenn du jetzt fertig bist mit deinen Kunststückchen …«, schnarrte Kaskatabra, hob eine Kralle und pikste Silberfünkchen in den Bauch, dass sie auf dem Hosenboden landete. Er genoss es, mit der Elfling zu spielen. Aus den Nestern ringsum ertönte lautes Rabengelächter und Schnabelklappern. Keck … keck … keck. Klapp … klapp … klapp.
Silberfünkchen stand langsam auf und schaute Kaskatabra in die kalten Augen. Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, nahm all ihre Kraft zusammen und glimmselte erneut, doch nur ein violetter Flügelblitz wollte ihr gelingen. Diesmal fiel sie von selbst auf die Knie, weil ihre Beine sie nicht mehr trugen. Nicht die Furcht hatte sie verlassen, sondern der Mut und es war fraglich, ob sie den noch einmal wiederfinden konnte.
»Wirklich beeindruckend, das Feuerwerk, raah«, höhnte Kaskatabra. »Endlich haben wir etwas Unterhaltung für die Nacht, schaut her, schaut her.« Diesmal war das Rabenlachen noch lauter, einige warfen den Kopf in den Nacken und krähten voller Übermut. Andere Raben sprangen kurz aus ihren Nestern hoch und flogen einen Salto. Die Glühwürmchen auf den Stöcken in ihren Schnäbeln zeichneten hellgrüne Kringel in die Nacht.
Silberfünkchen versuchte aufzustehen und wurde mit einem Schnabelschlag zu Boden geworfen. Die Raben klapperten wie verrückt mit den Schnäbeln, ebenso bei jedem weiteren ihrer Versuche. Die Elfling kam nicht mehr auf die Füße. Dafür sorgte Kaskatabra, indem er sie mal mit dem Flügel, mal mit einer Kralle oder mit der Schnabelspitze umwarf. Jede neue Runde sorgte für große Heiterkeit unter den Raben, die darauf zu warten schienen, dass die Kräfte sie endgültig verließen. Der König der Raben beugte sich zu Silberfünkchen hinab und schnappte einmal kurz vor ihrer Nase mit dem Schnabel. »Raah, du weißt es, ich weiß es, alle wissen es: Du hast von der Gabe nicht genug.« Bevor die Elfling etwas sagen konnte, richtete er sich auf, stellte eine Kralle auf ihren Kopf und reckte die Flügel in die Höhe. Ein ohrenbetäubendes Getöse setzte ein. Kaskatabra ließ von Silberfünkchen ab, stakste auf dem Nestrand im Kreis und ließ sich feiern.

Weil es so laut und heiter war, bemerkten sie den Raben, der eilig geflattert kam, erst sehr spät. Und das Bündel, das er neben Silberfünkchen in Kaskatabras Nest fallenließ, sahen nur die wenigsten. Es war ein Elfling. Zerrrupft und geschunden lag er dort und rührte sich nicht. Silberfünkchen bekam kaum noch die Augen auf, nur ein kupferfarbenen Schimmer drang durch ihre Wimpern.
»Raah, der hier, der ist unter unseren Schwarm-Bäumen rumgekrabbelt«, meldete der Rabe.
»Raah, seit wann sind Elflinge so todesmutig?«, sagte Kaskatabra. »Hunderte Jahre trauen sie sich nicht in die Nähe des Rabenhügels, raah, und dann gleich zwei an einem Tag?«
»Raah, beiß ihnen die Köpfe ab, bevor noch mehr kommen«, krähte es von links. »Ja, lass sie für den Frevel bezahlen, raah«, schnatterte ein anderer.
Silberfünkchen öffnete die Augen. An seinen roten Haaren erkannte sie ihn, neben ihr lag Kupferpfennig. Mit letzten Kräften kniete sie sich neben Kupferpfennig. Über seinen Schultern hingen zwei prall gefüllte Taschen, aus denen geerntete Nachtglöckchen herausragten. Das Hemd war blutgetränkt, das Gesicht leuchtete fahl, die Augen waren geschlossen. Über dem rechten Ohr fehlte ein großes Büschel Haare. Sie hielt ihm die Hand vor den Mund, er atmete noch. Als sie ihm über die Wange strich, schlug er die Augen auf. Es dauerte einen Moment, bevor er sie erkannte. »Fünkchen, oh nein.« Kupferpfennig schüttelte den Kopf, eine Träne kullerte über seine Wange und hinterließ eine helle Spur. »Du solltest nicht hier sein.«
Als Silberfünkchen die Träne sah, spürte sie, dass die Furcht sie verlassen hatte, sie hatte Platz gemacht für etwas anderes. Sie kniff die Augen zusammen und beugte sich über Kupferpfennig. »Du auch nicht«, sagte sie.
Kaskatabra höhnte weiter: »Nun denn, genug der Turtelei, wenn euch beiden nichts mehr einfällt, würde ich jetzt gerne zum Nachtmahl übergehen.« Langsam breitete er die Flügel aus und winkte zu den anderen Nestern. Kreischen und Krächzen erfüllte die Luft, so laut, dass die Elfling es im Bauch spürte. Doch der Klumpen Angst in ihrem Bauch war fort und auch das Zittern. Beides hatte Platz gemacht für etwas Neues.

Silberfünkchen nahm eine ganze Hand voll der frischen Nachtglöckchen, steckte sie in den Mund und kaute schnell. Der bittere Geschmack betäubte ihre Zunge. Eines war sicher: Hier und jetzt würde es nicht enden. Nicht für sie und erst recht nicht für Kupferpfennig. Wieder wurde ihr einen Moment schwindelig, dann war auch das vorbei. Es war ihr, als würde nun das klare Licht der Sterne durch ihre Adern strömen wie kaltes Feuer. Mit einem Mal wusste sie, was zu tun war. Die Zeit war gekommen. Ihre Zeit.
Silberfünkchen sammelte sich, schloss die Augen und glimmselte. Ihre Flügel leuchteten violett auf. Mit einem Mal schlugen Funken über auf ihre Fühler, die sich streckten und aufbritzelten wie zwei Wunderkerzen. Mit einem Satz war sie auf Kaskatabras Schnabel, sah ihm in die Augen und schlug blitzschnell die Fühler zusammen.
Ein gleißender Lichtring schoss aus ihnen hervor, silbern wie die Sterne am Nachthimmel, und ließ blaurote Funken über dem gesamten Rabenhügel niederregnen. Noch ehe alle Funken verglüht waren, saß sie im Nacken des Rabenkönigs und krallte sich an seinen Halsfedern fest. Kaskatabras Augen glühten violett.
»Un jetz, Ka…sa…tara, wirstu tun, wassich sage.« Ihre Zunge war noch ein wenig betäubt. Sie zog dolle an Kaskatabras Nackenfedern, dass es fürchterlich ziepen musste, doch der Rabe tat nichts. »Tu wirst uns nahause fliegen, unwehe 's geschiiieht Kuperpenning irjendwas.«
Kaskatabra sträubte sich innerlich und wollte die Elfling abschütteln und zerhacken, doch er spürte, wie er Kupferpfennig vorsichtig in seine rechte Kralle nahm und mit einem Hüpfer aus dem Nest flog. Er wollte die Kralle zudrücken, es ging nicht. Innerlich schrie er 'Nein, zack, nein', doch sein Schnabel sagte: »Raah, sehr wohl, werte Elfling, wie ihr befehlt.« Er wollte auf einem Ast landen, doch seine Flügel segelten hinaus in die Nacht. Die anderen Raben wichen entsetzt zurück und senkten die Köpfe, als Kaskatabra mit den beiden Elflingen an ihnen vorbeiflog. Bei vielen von ihnen rauchten die angesengten Federn noch.

Im Bruchteil einer Ewigkeit waren sie am Elflingkobel. Vorsichtig setzte der Rabenkönig Kupferpfennig auf dem Boden ab und neigte den Schnabel. Beim Hinabrutschen sagte Silberfünkchen zu Kaskatabra: »Tu wardst hier.« Seine violetten Augen leuchteten kalt wie Glasmurmeln, doch er konnte nicht anders als zu nicken.
Sie schlug die Glocke, die draußen neben dem Eingang hing, und bollerte mit dem Fuß gegen die Tür, bis von innen geöffnet wurde.
Ein verschlafener Vater Prius mit Schlafmütze und Brille stand in der Tür. Er schaute sie verständnislos an und erschrak bis ins Mark, als er den großen Raben mit den violetten Augen sah.
»Keene Angst, der gehört zu mir«, sagte Silberfünkchen. Sie spürte, das Gefühl kehrte in die Zunge zurück, die Worte fanden wieder den richtigen Weg durch die Zähne.
Silberfünkchen packte Vater Prius am Schlafittchen, zog ihn aus der Tür zu Kupferpfennig, damit er verstand. »Kupfe braucht alles, was ihr an Kräuterkunde aufbieten könnt und die Spinnen, sofort!« Sie schrie beinahe, dabei war Vater Prius mal ausnahmsweise nicht begriffsstutzig. Er lief durch die Tür in die Diele und bellte Kommandos. Wenige Augenblicke später glich der Elflingkobel einem Ameisenhaufen.
Viele sanfte Hände hoben Kupferpfennig hoch und trugen ihn zu Vater Prius großem Bett. Alles an weichen Wickeln, Kirschkernkissen und warmen Bettpfannen, was der Elflingkobel aufzubieten hatte, wurde herbeigebracht. In der Küche pfiff schon bald ein Kessel mit heißem Wasser, doch niemand traute sich, Kupferpfennig zu berühren und ihm die Kleider auszuziehen. Vater Prius stand vor den Regalen in seiner Kräuterkammer, holte Töpfe von den Borden und löffelte kleine Häufchen auf eine Waage.

»Darf ich mal!« Silberfünkchen drückte sich durch eine Traube gaffender Elflinge. Kupferpfennigs Hemd hing in Fetzen auf ihm. Streifenweise schnitt und riss sie den Stoff von seinem Leib, bis der Oberkörper frei lag. Die Rabenkralle hatte seinen Bauch bis hoch zur Schulter aufgeschlitzt.
Da die Furcht Silberfünkchen verlassen hatte und nicht mehr wiederkam, wusste sie, was zu tun war. Dennoch kullerte eine Träne aus ihrem Augenwinkel, weil die Wunde so verflucht tief war.
»Bringt das heiße Wasser und Spinnen, verdammich, holt endlich die Spinnen, ihr nutzlosen Lemminge.« Bewegung kam in die Elflinge, als wären sie froh darüber, dass ihnen jemand sagte, was zu tun sei. Mit aller Vorsicht reinigte Silberfünkchen die Wunde, sie war so groß, dass zwei Finger nebeneinander hineinpassten. Endlich kam auch Vater Prius mit einem Tiegel der angemischten Kräutertinktur. Als er die Bauchwunde sah, hielt er sich am Türstock fest.
»Erst die Radnetzspinnen«, sagte Silberfünkchen. Sie nahm fünf Spinnen in Empfang und verteilte sie gleichmäßig auf dem Oberkörper. Sie nahmen umgehend ihr Arbeit auf und spannen mit vorsichtig tippelnden Beinchen ihre Netze über der klaffenden Wunde. Nach einer kleinen Weile war schon nicht mehr viel von dem offenen Fleisch zu sehen.
»Jetzt die Baldachinspinnen«, sagte die Elfling, setzte die kleineren Spinnen geschickt auf die groben Netze und bat sie flüsternd, die Lücken zu schließen. Bald füllte emsiges Gewusel Kupferpfennigs Bauch. Er atmete flach und stöhnte. Von der Behandlung selbst schien er nicht viel zu spüren.
Als die Spinnen ihre Arbeit beendet hatten, trat Vater Prius vor, nahm einen Quast und tupfte die Kräuertinktur auf die Spinnenseide. Es dauerte einen kurzen Moment, dann wurden die Spinnenfäden weich und legten sich in die Wunde. Kupferpfennig bäumte sich auf und jammerte im Schlaf. Eine ältere Elfling aus der Kräuterkammer trat an das Bett und gab ihm einen Fingerhut voller Kräutersaft. Weitere Momente später begannen die Fäden, sich zu straffen und auszuhärten, doch diesmal blieb der Elfling still.
Vater Prius deckte die Wunde mit Wickeln ab, zog die Decke über Kupferpfennig und bat alle, die Kammer zu verlassen, bis auf Silberfünkchen, die er anwies zu bleiben.
Er schloss die Tür und schaute sie über die Brille hinweg an.
»Auf dem Rabenhügel?« Silberfünkchen nickte nur.
»Hm, und der Rabe?« – »Heißt Kaskatabra und ist der Rabenkönig.«
»So, gleich der Rabenkönig«, sagte Vater Prius. »Was tut er hier?«
»Er hat uns hierhin geflogen und jetzt wartet er hier, weil ich ihm das gesagt habe.« – »… weil du ihm das gesagt hast.«
»Blari nocheens, ich hab ihn beglimmselt!«
»Du hast was …?«
»Vater Prius, ich habe vor allem einen verdammich harten Tag und eine verdammich harte Nacht hinter mir. Kupferpfennig ist im Elflingkobel und nach allen Regeln der Elfling-Heilkünste versorgt. Morgen muss ich ein Versprechen einlösen und ich möchte jetzt wirklich schlafen«, sagte Silberfünkchen. »Also sei mir nicht böse, wenn wir morgen Abend reden, ja?«
»Und der Rabe vor dem Haus?«, fragte Vater Prius.
»Ist geparkt bis morgen früh und frisst kein Brot«, sagte Silberfünkchen.
Mit einem riesigen Gähnen rollte sie sich vor dem Bett zusammen, in dem Kupferpfennig schlief und war nach dem zweiten Blinzeln eingeschlafen.
Vater Prius holte eine gewebte Moosdecke, rollte sie zusammen und legte sie unter Silberfünkchens Kopf. Mit einer weiteren deckte er die Elfling zu, strich über ihre Haare und verließ die Kammer. Vorsichtig öffnete er die Kobeltüre und linste hinaus.
Draußen vor dem Elflingkobel stand der Rabe noch genauso, wie beim ersten Anblick. Nur die violetten Augen waren geschlossen. Vater Prius machte drei vorsichtige Schritte nach draußen und wedelte mit den Armen. Die Augen des Raben blieben geschlossen. Er tippelte auf Zehenspitzen dorthin, wo die Elflinge gelandet waren. Als er die beiden Taschen aufhob, zuckte das Lid des Rabenauges. Eine große violette Pupille starrte ihn an. Vater Prius spurtete zurück in den Kobel und verriegelte die Tür von innen. Als sein Herz wieder ruhiger schlug, schaute er aus dem winzigen Fensterchen. Der Rabe hatte sich nicht bewegt. Er ruhte dort wie ein Felsbrocken, der aus dem Himmel gefallen war. Nur die Augen waren immer noch geöffnet und zwei violette Kreise glommen durch die Nacht.
Vater Prius trug die frischen Nachtglöckchen in die Küche. Er rief nach der Köchin, deutete auf die Taschen und sagte: »Bitte koch zum Frühstück eine Nachtglöckchen-Suppe für alle, es wird Za…heit.«

Als die Sonne aufging, sprang Silberfünkchen wie mit der Schleuder geflitscht in die Höhe und stand senkrecht vor dem Bett. Kupferpfennig schnarchte tief und fest, die Wickel hoben und senkten sich gleichmäßig. Seine Nase war kupferrot und das war bei ihm ein sehr gutes Zeichen. Erleichtert schlurfte sie zur Küche und stibitzte einige Nachtglöckchen-Blätter. Durch die Kobeltüre trat sie nach draußen in die frische Morgenluft und schnippte laut mit den Fingern.
»Guten Morgen, Herr Rabenkönig, einmal Krähenheide, zack!« Kaskatabra neigte widerwillig den Schnabel und ließ die Elfling mit einem Würgen im Hals in seinen Nacken steigen. Dann hob er ab. Immerzu wollte er den Schnabel nach hinten drehen, doch eine starke Kraft hinderte ihn daran. Mit leichtem Druck der Unterschenkel lenkte die Elfling den Raben zu der Stelle, wo sie ihn zuerst getroffen hatte. Was er auch versuchte, er konnte sich nicht widersetzen. Silberfünkchen ließ ihn über der Stelle kreisen und schaute sich um, welche der größeren Kiefern in Frage kam, um einen Hohlraum entsprechender Größe zu beherbergen.
Eigentlich kam nur eine in Frage, die sich mit mächtigen Ästen in den Himmel zu schwingen schien und zu ihrem Glück auf der Rückseite genau das Astloch besaß, das sie suchte.
»Einmal Talfahrt bitte«, sagte sie zu Kaskatabra, der daraufhin am Fuß der Kiefer landete, den Schnabel neigte und sie absteigen ließ. Silberfünkchen nahm ein Nachtglöckchenblatt, steckte es in den Mund, kaute einmal und steckte den Rest unter die Zunge, damit sie nicht wieder dusselig wurde. Dann sirrte sie zum Eingang und setzte sich auf die Kante des Astlochs.
»Guten Morgen, liebe Holzlinge, aufwachen, die unnütze Elfling mit 'erfünk in der Mitte' ist wieder da, tara.« Langsam begann das knorrige Geknurzel und Geknarre. »… und sie hat was Nettes und echt Holziges im Gepäck für euch, eure frisch gebackenen Nachnamen …« Silberfünkchen war kaum zu bremsen. Wegen ihrer Ungeduld fiel es ihr extrem schwer zu warten, bis die drei Holzlinge einigermaßen ansprechbar waren. Aber als die hörten, dass Silberfünkchen erfolgreich gewesen war und nun ihr Versprechen einhalten wollte, wurden sie munter. Sie schälten sich aus der Baumwand, der Moosfleck wackelte, das Vogelnest kippelte, die Spinnenwebe zitterte, dass die Spinne sich schnell versteckte.
»Pirlebom, du heißt Sparklebatch«, sagte sie zu dem Männchen mit dem Moos auf der Nase. Sie wandte sich zur Mitte. Das Vogelnest wankte aufgeregt. »Lass mal überlegen, was passt denn zu Papleditch …, vielleicht Borklesnatch?« Entspanntes Blätterrascheln. »Und du Pomledill, mit der Spinnenwebe, du könntest ein Laskelbrom sein.«

»Pirlebom Sparklebatch«, sagte der Linke ehrfürchtig, als würde bei einer besonderen Gelegenheit etwas Edles ausgesprochen, etwas, das einem Ritterschlag ähnelte.
»Papleditch Borklesnatch«, sprach die Mitte, in der Stimme schwang ein Ton mit, der Stolz bedeuten könnte, aber auch die Erinnerung an das gute Gefühl, einen vollständigen Namen zu tragen.
»Pomledill Laskelbrom«, kam es vollmundig von rechts, »ich liebe das L und du hast mir so viele davon geschenkt, kleine Elfling. Du bist wirklich die Königin der Namen.«
Silberfünkchen lief rot an, weil sie so ergriffen war. Und dass eine Elfling rot anläuft, ist wirklich selten, außer man heißt Kupferpfennig und macht das alle naslang, aber wer heißt schon so?
»Ich habe noch eine Bitte an euch Holzlinge. Ich brauche Zeugen für einen mündlichen Vertrag zwischen Elflingen und Raben, einen Vertrag, der für alle Zeiten festgeschrieben wird. Wollt ihr die Zeugen sein?« Die Antworten kamen überraschend schnell.
»Aber sicher, bei solch holzigen Namen ...« – »… sind wir dir zu großem Dank verpflichtet.« – »Und bitte ganz viele Ls aufsagen.«
Silberfünkchen saß in dem Astloch, winkte den Rabenkönig zu sich und gebot ihm, auf dem nächsten Ast platz zu nehmen.
»Kaskatabra, wir werden einen Vertrag schließen zwischen Raben und Elflingen. Drei Holzlinge werden das bezeugen und somit alle Bäume im Woanders. Ihr Rabenvögel lasst uns auf dem Rabenhügel so viele Nachtglöckchen ernten, wie wir wollen, ohne uns zu behelligen. Weiter werdet ihr nichts tun, was den Nachtglöckchen schaden könnte und alles unterlassen, was die Elflinge auf ihrem Weg zum Rabenhügel behindern könnte. Kein Elfling wird von euch gejagt. Ebenso werdet ihr Sorge dafür tragen, dass die Fledermäuse einen großen Bogen um uns flattern. Soweit klar?« Kaskatabra sagte nichts, die drei Holzlinge brummten vernehmbar.
»Wir Elflinge werden euch nicht weiter beglimmseln. Auch dir werde ich deinen Willen zurückgeben, solange ihr Raben euch an die Vereinbarungen haltet. Leben und leben lassen, verstehst du?« Silberfünkchen schaute den Raben an und da sie die Furcht verloren hatte und nicht wiederfand, war in ihrem Blick nur die Kälte einer Murmel. Die Elfling nickte ihm zu. »Und?«

Kaskatabra spürte, wie er die Kontrolle über seine Zunge zurückerlangte. Er ließ sogleich eine Schimpfkanonade auf Silberfünkchen los. »Du junges Miststück, du dreiste, freche, unverschämte Elfling. Was erlaubst du dir! Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich dich halbieren, in kleine Stücke schnetzeln und in der Sonne trocknen lassen.«
»Hej, klar, frech, dreist, unverschämt, stimmt alles. Das ist echt schön, Königlein, dass du deinen freien Willen zum Ausdruck bringst, alles andere wäre auch unfair den Raben gegenüber. Aber jetzt will ich von dir eine Entscheidung aus freien Stücken. Akzeptierst du den Vertrag und seine Bedingungen? Ja oder nein!«
Kaskatabra wollte schnell ein 'Nein' krächzen, sich in die Lüfte erheben und zum Rabenhügel fliegen. Er würde die Elflinge vergessen, die Nachtglöckchen unter den Farnblättern ebenso und würde seinen Schwarm unbehelligt regieren. Und irgendwann hatten auch die anderen vergessen, dass eine kleine, dreiste Elfling in seinem Nacken gesessen hatte, die ihm vorschrieb, was er zu tun und zu sagen hatte. Doch als er in Silberfünkchens Augen schaute, schluckte er das 'Nein' hinunter, denn er wusste, das würde sie niemals zulassen. Zu lebhaft war die Erinnerung an die vergangene Nacht.
»Ja« klapperte Kaskatabra aus einer schmalen Lücke in seinem Schnabel.
»Geht das auch lauter und in ganzen Sätzen? Die Zeugen haben das nicht verstanden«, sagte Silberfünkchen und schaute ernst.
»Raah, Ja, ich akzeptiere den Vertrag und all seine Bedingungen«, krächzte Kaskatabra.
»Holzlinge, meine Zeugen, ihr habt es gehört: Die Elflinge dürfen die Nachtglöckchen auf dem Rabenhügel ernten. Zwischen Raben und Elflingen herrscht ab jetzt Frieden.«
Als er wegflog, krähte Kaskatabra hasserfüllt: »Raah, hoffentlich sehen wir uns nie wieder, Elfling.«
»Na, dann musst du aber an mir vorbeischauen, wenn ich demnächst Nachtglöckchen pflücke«, rief ihm Silberfünkchen hinterher. Sie wartete, bis Kaskatabras Silhouette vor dem Rabenhügel nicht mehr größer war als eine winzige Mücke. Dann nahm sie das nächste Nachtglöckchenblatt und steckte es in den Mund.
Glücklich wandte sie sich an die Holzlinge: »Danke meine Freunde, ihr habt an einem Tag mehr für die Elflinge getan, als wir euch jemals vergelten könnten.«
»Danke auch dir, kleines Silberfünkchen, klopf.« – »Du hast uns die schönsten Namen geschenkt, die wir jemals hatten.« – »Und so ellig, dass es eine helle Fllleude ist.« Bei 'Fllleude' klopfte er kurz.
Silberfünkchen rülpste ein violettes Wölkchen und lachte glockenhell und auch ein wenig dusselig auf, wie nur Elflinge es können.
»Lebt wohl und bleibt recht holzig, meine Freunde und fllleut euch des Lebens«, rief sie und machte sich auf den Rückflug zum Elflingkobel. Bei 'fllleut' hatte sie Pomledill zugezwinkert.
Von den Holzlingen hörte sie ein »Paplebrom Sparkleditch« oder ein »Pomlebatch Pirlesnatch« oder auch ein »Borklebom Laskedill«, gefolgt von reichlich Geknurzel und Geklopfe. Bestimmt würden sie sich dabei die holzigen Bäuche halten.
Silberfünkchen schaute nicht zurück und auch nicht nach oben. Sie hatte die Furcht verloren und würde sie nie wiederfinden.
Als sie beim Elflingkobel eintraf, saßen die Elflinge gerade bei der Nachtglöckchensuppe, die es auf Vater Prius Anweisung hin zum Frühstück gab.
Die Elflinge wurden still, als sie eintrat und in der folgenden Ruhe fing jemand an, mit dem Löffel auf den Tisch zu klopfen. Alle stimmten ein und klopften im Takt, dass es sich beinahe anhörte, wie ein sehr lautes Lachen sehr vieler Holzlinge, bis Vater Prius schließlich unterbrach: »Pssst, hört bitte auf, das ist nett gemeint, aber Kupferpfennig braucht noch Bettruhe.«
Silberfünkchen hielt einen Finger vor den Mund und lächelte. »Ich muss zu Kupferpfennig, es wird Za…heit.« Die Elflinge konnten das Lachen kaum unterdrücken und selbst Vater Prius musste grinsen. Sie klopfte leise an die Tür zur Kammer und trat ein. Kupferpfennig öffnete die Augen.
»Hallo, Silberfünkchen«, stöhnte er, »wie kann man nur so verflucht unvernünftig sein?«
'Wenn du wüsstest …', dachte Silberfünkchen, nahm Kupferpfennigs Hand und sagte: »Tja, Kupfe, alter Kobel, das werde ich dir beibringen, wenn du wieder auf den Beinen stehst.« Dazu rülpste sie ein violettes Wölkchen, das ein ganz klein wenig bitter roch.
Kupferpfennig grinste und sagte: »Verdammich, da laust mich doch der Baldrian.«
 
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MRG

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Hallo @linktofink,

ich kam am Anfang nicht so gut in den Text rein und war etwas ungeduldig. Habe mich dann darauf eingelassen und bin mit jedem Satz weiter in deine Geschichte eingetaucht. Musste einige Male schmunzeln und mir hat gefallen, mit wie viel Selbstsicherheit du deine Welt vorstellst. Ich war am Ende ehrlich gesagt enttäuscht, dass es so abrupt endet. Ich wollte unbedingt lesen, wie sie ihre Kraft anwendet und die Rabenvögel reitet. Hast du vor eine Serie zu schreiben? Falls ja, bin ich an dem zweiten Teil interessiert.

So hier meine Anmerkungen:
Knapp über das Grün sirrte eine Elfling, ein feengleiches Wesen – kaum größer als ein Sperling – mit durchsichtigen Flügeln. Silberfünkchens Flügelschlag war kaum lauter als der einer Mücke.
Ich finde es gut, dass du mir als Leser beschreibst, wie ein Elfling aussieht. Die Vergleiche lassen in meinem Kopf ein gutes Bild entstehen.

Nicht, dass der Geruch sie störte, wenn sie glimmselte roch es so ähnlich, doch er brachte mahnende Erinnerungen mit sich.
Eine schöne und fließende Überleitung für den nächsten Absatz. Stilistisch gefällt mir das, muss ich mir merken.

Und ohne Glaumelinen verloren die Elflinge ihre Kraft.
Das ist für mich der Kern deiner Geschichte.

tagsüber jedoch als sinnlose Vergeudung von Kraft galt, wenn man Vater Prius reden hörte.
Und das hing wieder damit zusammen, dass es im Auhölzchen keine Glaumelinen mehr gab, woanders aber schon.
Elflinge mögen es nicht, unter der Erde zu sein, genauer gesagt, gibt es für sie nichts Fürchterlicheres.
Das meinte ich weiter oben mit der angesprochenen Selbstverständlichkeit. Du versteckst dich nicht und rechtfertigst dich auch nicht dem Leser gegenüber. Das finde ich gut gelungen und das möchte ich als positiv hervorheben.


Für die Riesenbeule an ihrem Schädel und den abgeknickten Fühler dachte sie sich eine Geschichte aus. Eine richtige Flunkereielei über einen Riesen, einen echten Großling, der durchs Moor stapfte und sie – ohne es zu merken – beim Gehen mit seinem dicken Stiefel wegkatapultierte.
Sehr schön geschrieben, gerne gelesen. Es macht Silberfünkchen sympathisch (ich wollte tatsächlich erst menschlich schreiben...). Jedenfalls baut es für mich Nähe auf zwischen ihr und mir als Leser.

»KaPe, wenn du nicht aufhörst, so furchtbar vernünftig zu sein, wirst du eines Tages ein Grausling sein und dich fragen, wie du das geworden bist.«
Der Dialog liest sich echt, das mag ich.

»Such bitte nach Kupferpfennig, langsam mache ich mir Sorgen. Er ist zwar vernünftig, aber auch verzweifelt, weil uns die Vorräte an Glaumelinen ausgehen.
Hier kommt die Mission, die sich auf dem Kern der Geschichte aufbaut. Sie leitet das Abenteuer von Silberfünkchen ein. Für meinen Geschmack hätte das vielleicht sogar etwas früher kommen können, bin in den ersten Abschnitten etwas ungeduldig geworden. Mich hatte interessiert, worum es geht.

»'Erfünk', Vater Prius«, hatte sie gegrummelt, bevor sie zur Tür ging. »Es fehlt das 'erfünk' in der Mitte.«
Darüber bin ich irgendwie gestolpert. Sagt man dann nicht eher seinen eigenen Namen, um ihn zu korrigieren?

»Na, wen haben wir denn da?«
Die Frage löst Spannung aus, toller Dialog. Ich finde, das zieht sich auch durch deine gesamte Geschichte. Deine Dialoge sind eine absolute Stärke und machen mir Spaß, zu lesen.

»Oje, gleich zwei Fragen.« – »Hat es nicht nötig, sich vorzustellen.« – »Was es alles wissen will ...«
Wie sie es sagen, unterscheidet sie von anderen Charakteren. Jeder spricht auf seine ganz eigenen Weise. Das macht es mir als Leser leicht, die Orientierung nicht zu verlieren.

»Du bist ein Pirlebom«, sagte sie und wandte sich zu dem mit dem kleinen Vogelnest in den Blättern. »Dich nenne ich Papleditch.« »Und dich Pomledill«, sagte sie zu dem mit dem Spinnennetz auf dem Holzbein.
Wirklich, sehr blätterig, der Name, vielen Dank.«
Herrlich! Musste richtig schmunzeln bei den beiden Stellen.


»Und wie soll ich an den Rabenvögeln vorbeikommen?«, jammerte Silberfünkchen. Allein beim Gedanken an die Krähe, die sie fressen wollte, wurde ihr speiübel.
»Du weißt nicht viel über deinesgleichen, nicht wahr?« – »Ihr seid genauso vergesslich wie wir.« – »Nutze die Kraft der Elflinge
Du bereitest hier die nächste Episode vor: Silberfünkchen, die sich den Rabenvögeln stellt. Das sorgt bei mir als Leser, dass ich anfange zu antizipieren. Ich frage mich, wie sie das schaffen kann. Deshalb war ich enttäuscht, als es so abrupt endete. Ich bin in deinem Bann, will mehr lesen und dann kommt nichts mehr. Schade! Falls es eine Serie ist, bin ich auf den nächsten Teil gespannt.

Schöne Geschichte, gerne gelesen.


Viele Grüße
MRG
 
Wortkrieger-Team
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Hey @MRG,

Ich wollte unbedingt lesen, wie sie ihre Kraft anwendet und die Rabenvögel reitet. Hast du vor eine Serie zu schreiben?
Als ich mit dem Namensfindungs-Dialog fertig war, dachte ich, der Text ist schon stramme zehn Normseiten lang, zu lang für die Aufmerksamkeit der meisten Leser, eigentlich ist auch alles gesagt, also kann ich gezielt wegblenden. Siehste, war nix, Fehleinschätzung, Mist. Also muss ich noch nachlegen, ob in Form einer Serie oder eines auserzählten Finales, weiß ich noch nicht, ergibt sich vllt. beim Schreiben.
Das mit der Ungeduld ist eine Frage der Lesegewohnheiten. Bei den letzten Texten habe ich mir erlaubt, den Einstieg behutsam auseinanderzufalten (auch bei Flämmchen und Branko schon) und ja, da muss man sich drauf einlassen wollen, auf das reduzierte Tempo. Danke dafür, dass Du es getan hast.
Den Kern der Geschichte hast du benannt, auch, dass die Welt und ihre Dinge mit einer gewissen Selbstverständlichkeit vorgestellt werden. Gerade bei ersonnenen Welten, bei Fantasy, SciFi, finde ich wichtig, dass der Autor diese Merkmale zuverlässig vermittelt, quasi als gegeben, ohne überzuerklären. Freut mich, dass du es nicht als übergestülpt empfindest, sondern als Pluspunkt.

Dein Lob der Dialoge freut mich sehr, weil ich die bisher nach Möglichkeit umgehe, denn viele Dialoge, fremde und eigene, empfinde ich als hölzern und wenig authentisch. Wenn Du schreibst, das liest sich für dich echt und du siehst das sogar als große Stärke, ist das für mich eine richtig wohltuende Rückmeldung. Auch, dass du die Dreier-Antworten der Holzgestalten genügend unterscheidbar findest, ist toll, denn nichts ist schlimmer, als nicht zu wissen, wer was redet. Und wenn Du dann noch ins Schmunzeln kommst, habe ich ja manches richtig gemacht. ;)

Deinen Hinweis mit dem 'Erfünk' habe ich geändert (beim ersten). Stolpern sollte nicht sein. Danke dafür. Und wenn ich dann noch Folgendes über meine Prota lese:
Sehr schön geschrieben, gerne gelesen. Es macht Silberfünkchen sympathisch (ich wollte tatsächlich erst menschlich schreiben...). Jedenfalls baut es für mich Nähe auf zwischen ihr und mir als Leser.
geht trotz elf Uhr abends die Sonne auf.

Danke für Deinen netten Kommentar. Peace, linktofink
 

AWM

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Hallo @linktofink ich finde die Geschichte leider überhaupt nicht gut gewichtet. Die endet da, wo sie eigentlich losgehen sollte. Du schreibst: "Als ich mit dem Namensfindungs-Dialog fertig war, dachte ich, der Text ist schon stramme zehn Normseiten lang, zu lang für die Aufmerksamkeit der meisten Leser, eigentlich ist auch alles gesagt, also kann ich gezielt wegblenden." Ich finde nicht, dass du das kannst. Du verwendest sehr viel Seiten für Beschreibungen der Umgebungen, der Figuren etc. Die spielen dann im Endeffekt aber gar keine wirkliche Rolle mehr. Der Plot wird überhaupt nicht auserzählt und du hast da eine ganz seltsame Dramaturgie drin, in einer Geschichte, die eigentlich ein klassischer Suche-Plot wäre. Streiche dir mal an, welche Absätze für die Handlung wichtig sind und welche nicht, welche den Text in Fahrt bringen und welche nicht.
-Was ist eigentlich das Ziel von Silberfünkchen und was steht ihm entgegen? Das wird glaube ich erst im sechsten Absatz beantwortet. So kommt einfach keine Spannung auf.
- Warum ist das wichtig, dass Silberfünkchen das Ziel erreicht? Du sagst, durch die fehlenden Pflanzen fehlt ihnen die Kraft. Du zeigst aber überhaupt nicht, was das für Auswirkungen hat. Sie fliegt fidel herum etc. Mir wird nicht gezeigt, was passiert, wenn sich niemand auf die Suche nach neuen Pflanzen macht.
-Warum ist gerade sie die richtige für den Job? Sie ist unvernünftig, jung und unerfahren, aber der Prius wählt ausgerechnet sie aus, Kupferpfennig zu suchen. Warum? Solche Geschichten funktionieren doch meist so: Sie ist jung, bisschen Außenseiter, niemand würde ihr das zutrauen. Die Gemeinschaft wählt einen Helden, der die Pflanzen holen muss. Der scheitert oder sie folgt ihm eben, weil sie sich beweisen will. Im Laufe der Geschichte reift sie und wächst über sich hinaus. Was ist neben dem Grund (dass die Elflinge ihre Kraft verlieren) ihre Motivation, dass ausgerechnet sie sich auf die Suche macht? Will sie sich beweisen? Hat sie eine besondere Beziehung zu Kupferpfennig? All das wird nicht deutlich.

Tief hinein in die Lichtungen zwischen den Birken des Auhölzchens erstreckten sich die Farnfelder. Knapp über das Grün sirrte eine Elfling, ein feengleiches Wesen – wenig größer als ein Sperling – mit durchsichtigen Flügeln.
Finde, das könntest du streichen und gleich mit Silberfünkchens Flügelschlag beginnen. Kinder sind - wie alle Leser- neugierig. Sie wollen wissen, wer Silberfünkchen ist und warum die einen Flügelschlag hat und würden dranbleiben. So sagst du halt gleich am Anfang, dass es um Elfen geht und verschenkst diesen Moment der Irritation den "mein" erster Satz enthalten würde.
Nicht, dass der Geruch sie störte, wenn sie glimmselte roch es so ähnlich, doch er brachte mahnende Erinnerungen mit sich.
Finde auch komisch, wie du in der Geschichte tell nutzt. Ich weiß ja, wie du sonst schreibst. Und ich finde nicht, dass du in der Geschichte großartige Zugeständnisse an kindliche Leser machst. Da gibt es komplizierte Satzkonstruktionen. Du machst diese "Zugeständnisse" in Form von tell, obwohl du vieles auch leicht durch show lösen könntest. Und: Du wählst meiner Meinung nach die falschen Stellen für tell aus. Es wird gleich erzählt, was ein Elfling ist etc. aber bei einem Wort wie glimmseln, wo ein tell-Zusatz angebracht wäre, weil niemand das kennt, machst du es nicht.
Sonnenlicht, das sich in einer weggeworfenen Weinflasche brach, hatte den trockenen Farn in Brand gesetzt.
Ist es nicht eher "bündelte"?
Und ohne Glaumelinen verloren die Elflinge ihre Kraft.
Wo in der Geschichte wird das deutlich?
Dort wo er Lücken ließ, spiegelten sich Birken und reichlich blauer Himmel in den sumpfigen Pfützen, was deshalb besonders gut ging, weil das Wasser durch den Torf auf dem Pfützengrund glänzte wie schwarzes Glas.
Sowas finde ich einfach zu kompliziert für eine Kindergeschichte.
brackige Wasser sauste.
Auch Wörter wie brackig. Das sind alles Sachen, die man dem Kind erklären müsste, glaube ich. Anstrengend.
Im Normalfall war schon die Erwähnung eines Großlings furchtbar genug, damit die Elflinge und vor allem Vater Prius abwinkten.
finde hier "abwinken" komisch. Das macht man doch, wenn einem etwas gleichgültig ist. Die Erwähnung eines Großlings erzeugt aber Schrecken.
»Blari nocheens, KaPe, schüttle nicht zu doll«, sagte Silberfünkchen dann
Hat mich verwirrt. Auch KaPe. Warum KaPe und nicht KuPe? Und selbst dann, kommt das so unerwartet, dass es verwirrend ist.
Meistens sagte er dann so etwas wie: »Wenn du nicht aufhörst mit deinem frechen Mundwerk und der Flucherei, wird es noch bös mit dir enden.«
Ihre Antwort lautete dann in etwa: »KaPe, wenn du nicht aufhörst, so furchtbar vernünftig zu sein, wirst du eines Tages ein Grausling sein und dich fragen, wie du das geworden bist.«
Grausling war ein Schimpfwort für jene Elflinge, die alles Elflinghafte verloren oder verlernt oder abgelegt hatten. Und jetzt wurde Kupferpfennig vermisst, bevor er ausreichend Gelegenheit hatte, zu einem Grausling zu werden.
Du hast davor lang erzählt, dass Kupferpfennig so vernünftig ist. Dann wird es hier in einem Dialog gebracht und danach noch ein tell-Zusatz gemacht. Der Prius sagt dann auch noch dasselbe.
Nach dem Frühstück hatte Vater Prius sie beiseite genommen: »Ich mache mir Sorgen um Kupferpfennig. Er ist zwar grundsätzlich vernünftig, aber gerade auch verzweifelt, du weißt warum. Ich traue ihm zu, dass er in seiner Verzweiflung richtig verrückte Dinge anstellt und was gibt es Verrückteres, als Glaumelinen in der Krähenheide zu suchen? Du musst ihn zurückbringen. – Wenn ihn jemand finden kann, dann du, Silbchen.«
Steht überhaupt etwas auf dem Spiel durch das Feuer? Wieso gibt sich jemand in eine solche Gefahr? Die Elfling-Gesellschaft scheint auch ohne Glaumelinen klarzukommen. Es ist also verrückter, welche zu suchen, als gar nichts zu machen?
Wenn ihn jemand finden kann, dann du, Silbchen.«
Warum? Was zeichnet gerade sie aus?
Weder Feuer noch Wasser waren so furchtbar und deshalb erlitt sie, dort wo sie hingeplumpst war, eine Erschreckung.
Finde das ungeschickt mit dem Feuer. Du erzählst, dass das Feuer ihre gesamte Kraft bedroht, weil es die Pflanzen ausgelöscht hat. Es ist der Grund für deine gesamte Geschichte und dann wird sein Schrecken hier relativiert.
Erst als von oben Erdkrümel auf sie regneten und der Krähenschnabel sie in den Rücken stieß, löste sich die Starre und sie krabbelte los. Gerade rechtzeitig, denn hinter sich hörte sie noch, wie der Schnabel anfing, in dem Mauseloch zu wühlen.
Hier könntest du noch viel mehr in die Szene gehen mit der Erschreckung. Da liegt Spannung und es wäe eine Gelegenheit, zu zeigen, wie sie über sich hinauswächst. Wie kann man diese Erschreckung überwinden? Hier passiert das halt einfach so.
Bei diesen Männlein ist auch nicht klar, warum die mehr über die Elfen wissen, als sie selbst. Du schreibst auch, dass beide sehr vergesslich sind. Warum erinnern ausgerechnet die sich dann an eine Fähigkeit der Elfen, wenn sie nicht mal mehr ihre Namen wissen?
Na klar. So eine herrlich beschissene Idee.
Würde jetzt nicht beschissen in einer Kindergeschichte schreiben.

Gruß
AWM
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @AWM,
vielen Dank für deinen Kommentar, da ist vieles dabei, was mir klar macht, dass ich den Text zu schnell eingestellt habe. Ab übermorgen hab ich Urlaub und werde wohl zwischendurch Zeit finden, dem Text zu einem richtigen Ende zu verhelfen und die Logiklücken zu füllen. Bitte also um etwas Geduld, bevor ich auf die einzelnen Punkte antworte. Noch ist da zu viel Baustelle, als dass es für mich Sinn macht.
Liebe Grüße, peace, ltf
 
Wortkrieger-Globals
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Hey @linktofink,

ich hatte deine Geschichte auf meiner Leseliste, schon weil ich es so schade fand, dass sie kaum Kommentare abbekommen hat. Aber ich für meinen Teil hatte noch Challengeschulden einzulösen. Heute dachte ich, ach lieste mal, und ich muss Dir sagen, dass ich nur bis zur Hälfte ungefähr gekommen bin und auch vorher schon anfing zu springen. Vielleicht habe ich heute einfach nicht die nötige Ruhe, aber ich habe dann beschlossen, ich schreib beim Lesen mit, damit ich nicht zwei mal und so. Also, nun noch mal von vorn :).

Nicht, dass der Geruch sie störte, wenn sie glimmselte roch es so ähnlich, doch er brachte mahnende Erinnerungen mit sich.
Was für ein schönes Wort!

... doch höher in die Kronen durften sie nicht, 'da das Feuer nicht um Erlaubnis gefragt hat'.
Hä? Okay, wir sind in einer Fantasiewelt, aber hier kann ich Dir kaum folgen. Wen denn? Wer sagt den dem Feuer, was es darf und was nicht? Soll ich das hier einfach so schlucken, ja?

So sagte jedenfalls Kupferpfennig, der es wissen musste, weil er immer alles wusste – wenigstens sagte er das.
Ach so. Na gut.

Und so blieb es ein Lauffeuer, das keine Richtung hatte und dem vom Laufen nach überall und nirgends bald die Puste ausging.
:)

Auf seinem Weg nach nirgendwo hatte es jedoch die empfindlichen Nachtglöckchen, die Glaumelinen, nicht verschont und fast den gesamten Bestand im Auhölzchen vernichtet. Und ohne Glaumelinen verloren die Elflinge ihre Kraft.

Dort wo er Lücken ließ, spiegelten sich Birken und reichlich blauer Himmel in den sumpfigen Pfützen, was deshalb besonders gut ging, weil das Wasser durch den Torf auf dem Pfützengrund glänzte wie schwarzes Glas.
Ich habe mich mit dem Satz schon schwer, ...

Da Silberfünkchen wie alle Elflinge heimlich ein wenig eitel war, flog sie gezielt die Pfützen ab und betrachtete den Schimmer unter sich, der über das brackige Wasser sauste.
Scheint ja dein Stil hier zu sein. Aber das nun wirklich jedes und alles irgendwie poetisch verpackt erklärt werden muss, ich weiß nicht, mich nervt das. Gefühlt in jedem zweiten, dritten Satz ein Nachtreter. Aber wie gesagt, vielleicht bin ich heute echt nicht in der Stimmung dafür. Dennoch muss ich mich beim Lesen sehr konzentrieren und ich bin ein geübter Leser, im Gegensatz zu deiner Zielgruppe.

Obwohl, eine Ausnahme gab es: Kupferpfennig. Er war so furchtbar vernünftig und selbst dem strahlenden Violett der Nachtglöckchen konnte er nichts abgewinnen.
Ist das unvernünftig die Nachtglöckchen schön zu finden?

Und nach den Kötteln der Heidschnucken, die das wenige Gras und die Schösslinge fraßen. Und wo Heidschnucken waren, gab es auch immer wenigstens einen Großling, der schrecklich laut pfeifen konnte. Noch lauter und noch schrecklicher waren nur seine Hütehunde, die auf die Heidschnucken aufpassten. Die Hunde waren sogar noch schrecklicher als die Rabenvögel, die oben in den Kiefern saßen, nur dass sie nicht fliegen konnten.
Auch so eine Stelle, die vom Weg abführt. Bis jetzt ist eigentlich noch nicht richtig was passiert. Kupferpfennig wird vermisst ist alles, was ich bisher aus der Geschichte ziehe. Und ein paar Details zum leben der Elflinge. Ich schätze, deine Zielgruppe ist echt etwas besonderes, wenn die sich an den schönen Beschreibungen so erfreuen können, dass sie ruhig sitzen bleiben. Aber auch das entnehme ich meinem Gefühl und das ist nicht erprobt.

Nach dem Frühstück hatte Vater Prius sie beiseite genommen: »Ich mache mir Sorgen um Kupferpfennig. ... – Wenn ihn jemand finden kann, dann du, Silbchen.«
Warum? Was befähigt sie mehr als die anderen? Ich wieß was über glimmsen und den Waldbrand und über Vater Prius Aussprache und Heideschnucken samt Hütehunde und über einen Kamikazeflug von Fünkchen, aber die Antwort auf diese Frage weiß ich nicht.

»Da tut sich was.« – »Tut es da was?« – »Was tut es da?«
Nice, und ich bin ebenfalls froh, dass endlich mal was passiert, nur frage ich mich, was hat das mit Kupe zu tun? Ja, sie ist auf der Suche, aber von ihm selbst bisher kein Wort und so hätte ihr das auch alles beim täglichen Spielen auf der Wiese zustoßen können.

»Elflinge, kleine unnütze Elflinge mit Knick im Fühler.« – »Fliegen schnell, reden schnell, leben schnell.« – »Alles schnell, immer schnell und alles zu nichts nütze.«
Nice!

»So ein Name, das wäre was Feines.« – »Müsste aber ein richtig schöner Name sein.« – »Wenn ich mir den nur merken könnte.«
Das ist ein total schöner Twist, aber eigentlich suchen wir doch den Kumpel ... und von ihm ist seit Beginn der Suche nicht einmal die Rede :confused:

Siedendheiß fiel ihr wieder ein, weshalb sie unterwegs war. Sie musste ihn finden.
Na, Zeit wird aber auch :D Aber klar, man lässt sich schon mal ablenken, vor allem, wenn es denn so viel Spaß bringt. Ich verstehe Fünkchen, keine Frage, aber ich bin als Leser auch in Sorge um ihren Kumpel und es fühlt sich bisschen so an, als wäre der ihr piepegal. Kann sie die nicht am Anfang schon fragen und auch die Krähe, und dann muss sie flüchten bzw. Namen erfinden?

... und Pomledill sprach: »Sagen würden wir schon was, wenn ...« – »… ja, wenn uns das silberne Fünkchen 'mit erfünk in der Mitte' auch Nachnamen schenkt«, kam es von rechts, wo das Moos in die Höhe gereckt wurde.
Geht doch :)

Ja, das Ende. Wurde schon gesagt und Du willst noch was tun. Da Du das Verschwinden von Kupe zum Thema machst, wäre das Ende natürlich - dass er wieder auftaucht. Und für Fünkchen beginnt genau jetzt das Abenteuer. Alles davor ist ja so - Spielerei irgendwie. Namen ausdenken macht ihr Freude und sie ist zu keinem Zeitpunkt bei den drei Mooswichteln in Gefahr. Ja, lieber linkto - hier geht mehr. Viel mehr. Und nach deinen letzten beiden Geschichten bin ich sicher, das wird noch was geben, wenn Du erst mal die Zeit findest, dem frechen Fünkchen ide Hölle heiß zu machen.
Sprachlich finde ich das echt hart. Sehr schön oft, keine Frage, aber in der Menge der Nebensätze und Schleifchen und Drehungen und haste nicht gesehen einfach ein wenig too much.

Beste Grüße,
Fliege
 
Wortkrieger-Team
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@Fliege, das ist supernett, dass Du dich meiner Geschichte angenommen hast. Ich verwende gerade alle überschüssige Energie dazu, aus dem Fragment eine richtige Geschichte zu machen und bin auf einem guten Weg. Alles, was Du und AMW mir dazu gesagt haben, wird in die neue Geschichte einfließen. Für mich macht eine ausführliche Antwort auch erst dann Sinn, wenn der Text überarbeitet eingestellt ist, weil dann erst feststeht, welche Textbausteine überlebt haben. Bis dahin muss ich euch leider um etwas Geduld bitten. Liebe Grüße, linktofink
 
Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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Hey @AWM,
voila, die Überarbeitung ist fertig. Auf deine grundlegenden Punkte gibt der Text jetzt eine Antwort, mMn ist der Plot nun auserzählt, allerdings ist er jetzt auch dreimal so lang. Die Frage nach der Gewichtung hat sich insofern erledigt, weil der Konflikt nicht länger ein angedeuteter, sondern ein ausgelebter ist. Und ja, die Geschichte geht jetzt erst an dem Punkt richtig los, wo sie vorher aufhörte. Die Frage nach dem Ziel sehe ich hinreichend beantwortet, die Aufgabe ist vorgezogen, die wird ihr jetzt in Absatz zwei gestellt. Den Mangel, der durch das Fehlen der Nachtglöckchen entsteht, habe ich ausführlich dargestellt, ebenso, warum sie die Richtige für den Job ist.

Nach welchem Strickmuster Quest-Stories üblicherweise funktionieren, ist mir relativ wurscht, ich hab einen wilden Mix aus Quest/ Rescue/ Maturation/ Revenge gebastelt und der hat aus jedem Töpfchen etwas.

Zum Show statt Tell, bzw. Tell an den falschen Stellen. Ich hab viel umgestellt, gestrichen, ergänzt, verdichtet, sodass mMn ein einheitlicher Sound entstanden ist. Ob nun Tell oder Show ist mir nicht so wichtig. Wichtig ist bei Geschichten für Kinder, dass ein starker Flow beim Vorlesen entsteht und das funktioniert meiner Einschätzung nach. Hab zwar gerade keine Kinder hier, aber vielleicht kann svg mit seinen Lütten ja aushelfen. :D

Einzelne Hinweise wie die Weinflasche und den Pfützensatz, aber auch brackig, abwinken und beschissen habe ich überarbeitet, das kommt in der neuen Version entweder anders daher, oder es ist gestrichen. Danke für die Hinweise.

Zu KaPe/ KuPe: Kupferpfennig würde ich nicht KuPe abkürzen, wofür stünde das Pe? Da wäre dann KuPf richtig, was leider gar nicht funktioniert. Ka-Pe ist die Niederschrift der Anfangsbuchstaben. Ich könnte auch K.P. schreiben, die Befürchtung wäre dabei halt nur, dass dann die Punkte mit vorgelesen würden, was ich deppert fände. Deshalb die jetzige Lösung mit Bindestrich.
EDIT: habe das alles jetzt umgangen mit der Abkürzung Kupfe. Hoffe, das funzt besser.

Mal ein paar Anmerkungen rausgegriffen, die kommentiert werden wollten, bzw. zu konkreten Änderungen geführt haben, die in der neuen Version ablesbar sind.
Steht überhaupt etwas auf dem Spiel durch das Feuer? Wieso gibt sich jemand in eine solche Gefahr? Die Elfling-Gesellschaft scheint auch ohne Glaumelinen klarzukommen. Es ist also verrückter, welche zu suchen, als gar nichts zu machen?
Jetzt steht was auf dem Spiel, der Verlust durch den Mangel an Nachtglöckchen ist definiert.

Finde das ungeschickt mit dem Feuer. Du erzählst, dass das Feuer ihre gesamte Kraft bedroht, weil es die Pflanzen ausgelöscht hat. Es ist der Grund für deine gesamte Geschichte und dann wird sein Schrecken hier relativiert.
Das Feuer ist die Ursache der Suche, so weit gehe ich mit, doch es ist nicht der Horror par excellence, das sind die Raben.

Wie kann man diese Erschreckung überwinden? Hier passiert das halt einfach so.
Der Action-Peak ist woanders gesetzt, dennoch ist auch diese Stelle angepasst.

Bei diesen Männlein ist auch nicht klar, warum die mehr über die Elfen wissen, als sie selbst. Du schreibst auch, dass beide sehr vergesslich sind. Warum erinnern ausgerechnet die sich dann an eine Fähigkeit der Elfen, wenn sie nicht mal mehr ihre Namen wissen?
die Männlein, die jetzt Holzlinge heißen, holen sich ihr Wissen aus einem Kollektiv, mit dem sie gedanklich verschmelzen. Namen sind da nur Anlass zum Schönfinden und zur Belustigung. Deshalb spielen sie damit und lachen darüber.

Danke für die Kopfwäsche, AWM, sie war der Ansporn für die Überarbeitung.

Lieber Gruß, peace, linktofink
 
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Wortkrieger-Team
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07.09.2014
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So, lieber @linktofink, hast du sie also endlich fertig geschrieben, deine Geschichte. Dann will ich sie mal ein bisschen beglimmseln.:D

Ich finde dich als Autoren sehr wandelbar, waren es in deiner letzten Geschichte mehr die Einflüsse von Mariana Leky, die ich hier und da gespürt habe, so meine ich hier immer mal die Stimme von Astrid Lindgren zu hören. An Ronja Räubertochter musste ich denken. Und jedesmal machst du etwas ganz eigenes daraus. Deine Phantasie, deine Lust am Spiel mit Sprache ist mitreißend. Ich gehe jetzt zufrieden aus der Geschichte raus, denn der Konflikt ist gelöst. Die Bösen sind allerdings nicht wirklich befriedet, eher gebannt, ein leichter Grusel bleibt. Silberfünkchen ist mir ans Herz gewachsen und die drei Holzlinge sind tolle Figuren. Es gibt tatsächlich eine Stelle, da hätte ich mir sogar noch etwas mehr "Strecke" gewünscht, ansonsten kommen jetzt lauter Kleinigkeiten.

Knapp über das Grün sirrte eine Elfling, ein feengleiches Wesen – wenig größer als ein Sperling – mit durchsichtigen Flügeln. Silberfünkchens Flügelschlag war kaum lauter als der einer Libelle.
Ich finde ja die Kombination "eine Elfling" sprachlich etwas sperrig. Eine "Elfe" wäre zu konventionell und zu weiblich, vielleicht.
Ich habe mal was probiert:
"Knapp über das Grün sirrte Silberfünkchen. Der Schlag ihrer Elflingsflügel war kaum lauter als der einer Libelle, sie selbst wenig größer als ein Sperling."
Ich weiß auch nicht, ob das besser ist. Ich finde es schön, gleich mit dem Namen zu beginnen.


Sie leckten an den weißen Stämmen, bis diese am Fuß schwarz wurden, doch höher in die Kronen durften sie nicht, 'da das Feuer nicht um Erlaubnis gefragt hat'. So sagte jedenfalls Kupferpfennig, der es wissen musste, weil er immer alles wusste – wenigstens sagte er das. Und so blieb es ein Lauffeuer, das nicht wusste, wohin mit sich und dem vom Laufen nach überall und nirgends bald die Puste ausging.
Die Beschreibung des Lauffeuers finde ich großartig. Habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht, man kennt es ja mehr im übertragenen Sinn.

Die letzten getrockneten Blätter der Nachtglöckchen wurden im Elflingkobel sorgsam gehütet. Bis heute.
Ich glaube, du hast jetzt die verzweifelte Situation noch mehr verdeutlicht. Vielleicht könnte es noch ein oder zwei Sätze geben, wie es dem Volk geht, was der Mangel bewirkt und zwar nicht nur im Tell-Modus. Was alles verboten ist, die Angst die herrscht, die Dramatik spüren. Denn am Ende will ich beim Feiern klare Bilder vor Augen haben, was sich verändert hat.

Bei dem Wort 'woanders' wurden seine Lippen schmal. 'Woanders' war Rabenland und das fing mit der Krähenheide hinter dem Auhölzchen an.
Schön

»Hm, stimmt, Vater Prius, jetzt wo du es sagst … Den Ka-Pe hab ich gestern gar nicht gesehen«, sagte Silberfünkchen.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch K.P. schreiben würde. Irgendwie finde ich die Abkürzung ja nicht so elflingshaft, aber du bist der Schöpfer. Kann sie ihn nicht einfach "Groschen" nennen?

Als er Silberfünkchen anschaute, wirkte er müde.
Überflüssig, finde ich.

»Und vor allem kannst du die Gabe nutzen, wie dein häufiges Glimmseln beim Fliegen beweist. Du bist also nicht wehrlos«, sagte er und zündete mit einem Span aus dem Kamin seine Kräuterpfeife an.
Das verwirrt mich auch am Ende noch. Kennt der Vater Prius jetzt doch schon die Macht des Glimmselns? Was hält er denn für die Gabe? Das bleibt für mich sehr unscharf.

»Wer weiß, wozu sie gut ist, die ganze Glimmselei, aber vielleicht kommt dir das im Woanders zugute.«
Ja, bleibt unscharf.

»Sil-ber-fünk-chen, Vater Prius«, murmelte die Elfling, bevor sie zur Tür der Kammer ging. »Mit 'erfünk' in der Mitte, so viel Zeit muss sein.«
Schön!

Vater Prius schaute sie nur an, ohne etwas zu sagen, weil er wusste, wann es besser war, nichts zu sagen, doch sein grauer Bart wippte als untrügliches Zeichen dafür, dass ihm das schwerfiel.
das Fette finde ich zuviel der Erklärung.

Dieses Jahr war der Farn wieder grün. Dort wo er Lücken ließ, spiegelten sich Birken und reichlich blauer Himmel in den sumpfigen Pfützen. Durch den Torf auf dem Grund glänzte das Wasser wie schwarzes Glas.
Schön!

Silberfünkchen flog gezielt die Pfützen ab und genoss den Schimmer unter sich, der über das glatte Wasser sauste. Dabei brachte sie ihre Flügel zum Glimmseln, strahlend weiß glühten sie auf. Wie lange hatte sie das nicht mehr tun dürfen.
Also, es ist normalerweise verboten?

Und so hatten ihr alle die Geschichte abgekauft, bis auf Kupferpfennig, was unschwer zu erkennen war, weil er bei 'wegkatapultierte' die Nase rümpfte, was nicht daran lag, dass er das Wort nicht verstand. Es lag zum einen daran, dass Kupferpfennig sie sehr gut kannte und zum anderen daran, dass er alles andere als dumm war.
Das Fette finde ich wieder zuviel.

»Blari nocheens, Ka-Pe, schüttle nicht zu doll«, sagte Silberfünkchen dann, »sonst klingt es bald nach hohlem Kupferkessel, in dem eine Erbse hin und her kullert.« Dazu klopfte sie mit dem Fingerknöchel an ihren Schädel, verdrehte die Augen und sagte 'Kling klong', bis Kupferpfennig kupferrot anlief.
Schön, diese Wortschöpfung. Macht es fremder dieses Elflingsvolk.

Und ohne Vater Prius' Erlaubnis hätte er die nie genommen.
Also Vater Prius hat ihr gegenüber so getan, als sei KaPe einfach so weggeflogen und in Wirklichkeit hatte er ihm das erlaubt? Hat er gelogen? Warum?

Früher feixte Kupferpfennig hinter seinem Rücken und flüsterte das typische 'Zaaa…heit', worauf sie alle losprusteten. Das war bevor er vernünftig wurde.
Noch ein Faden, der für mich lose bleibt. Wann wurde er vernünftig? Warum?

Ein Schatten vor ihr flackerte über die Büsche und der war schwärzer als der Schatten der Bäume ringsum.
Toll!
:herz:

»Du weißt es, ich weiß es, alle wissen es: Das kannst du nicht.« Dazu scharrte der Rabe mit seinen Krallen im Boden und warf eine Wolke aus Staub und Sand hinter sich in die Luft.
»Lass es drauf ankommen, du grässlicher Staubfeudel …, wirst schon sehen.« Silberfünkchen bemühte sich, nicht zu husten. Elflinge sind zarte Wesen und so war die Staubwolke für die kleine Elfling ein Sandsturm und in einem Sandsturm konnte sie weder richtig atmen, noch fliegen, was der Rabe natürlich wusste.
Auch sehr schön. Das Fettgedruckte ist super.

Du weißt es, ich weiß es, alle wissen es: Du hast die Gabe noch nicht.«
Und auch die Wiederholung ist toll. Aber was versteht er denn nun unter der Gabe? Ich dachte, das weiß keiner mehr.

Es gibt einen großen Unterschied im Wissen zwischen mir und ihm«, sagte er.
»So, woher willst du das wissen, kennst du ihn?« Silberfünkchen schaute sich um und wich langsam hinter den Strunk der einen Erika zurück.
Hier habe ich gedacht, da könnte man noch mehr herausholen. Dass sie die Info aus ihm herauslockt, dass KaPe am Krähenberg gesichtet worden ist, oder so.

Auf und ab ruckte der Kopf, durch die Zweige linste ein dunkles Auge, kalt wie eine Murmel. Um das Auge waren weiße Narben verteilt.
Die Schrammen von sich verzweifelt wehrenden Elflingen.:(

Elflinge mögen es nicht, unter der Erde zu sein, genauer gesagt, gibt es für sie nichts Fürchterlicheres. Kein Wasser und kein Lauffeuer waren so furchtbar und deshalb erlitt sie dort, wo sie hingeplumpst war, eine Erschreckung.
Hammersüß, die Erschreckung. Werde ich in meinen Wortschatz aufnehmen. "eine Erschreckung erleiden":herz:


Das alles konnte sie nur sehen, weil sie so verschwenderisch glimmselte, was jedoch notwendig war, weil sie es anders gar nicht aushielt.
Verständlich.

n den Wänden wuchs Moos, eine Spinne hatte ein Netz gewoben und auf halber Höhe hing ein winziges Vogelnest. Vom Wind hereingewehte Blätter sammelten sich auf dem rauen Holz und in den Ritzen.
Schön, wie du das vorbereitest.

»Da tut sich was.« – »Tut es da was?« – »Was tut es da?«
Schön.

Elflinge redeten oft so altertümlich, wenn es ernst wurde.
Auch sehr schön.

»Elflinge, kleine unnütze Elflinge mit Knick im Fühler.«
Niedlich.

Vielleicht waren sie ein Teil des Baumes oder eines anderen, lange vergangenen.
Auch großartig.

'Da laust mich doch der Baldrian', dachte Silberfünkchen.
»Silberfünkchen, solch ein schöner Name.« – »Wer ist Baldrian?« – »Ja, wenn noch wüssten, wie unsere Namen einst lauteten.«
Also, sie können Gedanken lesen?

Aus dem beißenden Knabbern wurde ein Süßholzraspeln.
Diese ganzen Holzvokabeln sind klasse.

Unter Elflingen ist Namenerfinden ein beliebtes Spiel und Silberfünkchen war eine der Besten. Dass dabei heimlich Nachtglöckchen-Blätter gekaut wurden, war ein offenes Geheimnis, wie auch, dass das alle so machten. Auch jetzt tat sie so, als müsse sie gähnen und schmuggelte ein Blättchen in ihren Mund.
Nahrungs- , Flug-, und Rauschmittel also.

Die Holzlinge machten mit den Holzfingern Zeitlupen-Schnick-schnack-schnuck, zumindest sah es so aus. Zwischendurch sagte immer mal einer »knack« und als sie fertig waren, sagten sie im Chor: »Ja, wir machen das.«
Toll.

Langsam stelzten sie zu den hölzernen Wänden und faserten sich ein.
Das ist mein Lieblingssatz.:lol:

»Dein Kupferpfennig, der ist ein ganz Mutiger«, kam es von links. »Der hockt unter einem Stein auf dem Rabenhügel«, sprach die Mitte. »Dort, wo die Nachtglöckchen wachsen und wartet auf die Nacht«, sagte der Dritte.
Ich glaube, ich fände es noch besser, wenn sie nur eine Fähigkeit hätten, entweder hellsehen, oder uraltes Wissen zu speichern. Sie können ja alles, was man gerade so braucht. Insofern würde es mir gefallen, wenn sie das obengenannte schon von dem Raben wüsste. Und von den Holzlingen erfährt, welche Macht sie hat, vielleicht in zwei Schritten.

Silberfünkchen wusste, Namen müssen gut überlegt sein, bevor man sie sagt. Einmal rausgerutscht, ließen sie sich nicht mehr einfangen. Auch mit einem Blättchen unter der Zunge nicht.
Sehr weise.

Möglicherweise, so dachte sie, hört sich so das erste Frühlingswasser an, dass durch die Rinde Richtung Himmel drückt und die Blüten zum Aufgehen verleitet.
:herz:

»Pirlebom, gestatten, knack …, Pirlebom. Wirklich, sehr blätterig, der Name, vielen Dank.« Dann kam der nächste.
»Küss die Hand, gnädiges Fünkchen …, Papleditch. Gut gewählt, sehr tiefwurzelig und zugleich zerbrechlich fein wie, knack …, wie Eierschalen.« Mit den Holzbeinen scharrte er die Überreste zusammen.
»Hochachtungsvoll …, Pomledill. Ein Name mit so vielen Ls, ich liebe es ellig und das ist ausgesprochen ellig, knack, elliger geht kaum, sozusagen.«
Sehr schwedisch irgendwie. Ich sage doch, ein bisschen Lindgren ist dabei. Die Namen sind großartig.

Sie trugen Stöcke in ihren Schnäbeln, auf dicht an dicht Glühwürmchen saßen. Das fahle Glühen reichte aus, einen grünen Schimmer auf die Büsche zu werfen.
Schön!

»Weil du nie erfahren würdest, wie es ist, beglimmselt zu werden«, sagte Silberfünkchen. Sie stand auf und versuchte zu es mit aller Kraft.
ein zu zuviel.

»Wirklich beeindruckend, das Feuerwerk, raah«, höhnte Kaskatabra. »Endlich haben wir etwas Unterhaltung für die Nacht.«
Und hier ist die Stelle, wo ich mir etwas mehr Länge gewünscht hätte. Etwas Retardierendes. Dass sie sie noch nicht töten, sondern ihren Unterhaltungswert sehen. Dass sie um ihr leben glimmselt. Dass sie den Kape erst später entdeckt. Das Entscheidende ist ja, dass sie an den Punkt kommt, wo sie keine Furcht mehr hat und dafür braucht es mehr Verzweiflung, das geht zu schnell, finde ich.

Da die Furcht Silberfünkchen verlassen hatte und nicht mehr wiederkam, wusste sie, was zu tun ist.
... was zu tun war.?

»Erst die Radnetzspinnen«, sagte Silberfünkchen. Sie nahm fünf Spinnen in Empfang und verteilte sie gleichmäßig auf dem Oberkörper. Sie nahmen umgehend ihr Arbeit auf und spannen mit vorsichtig tippelnden Beinchen ihre Netze über der klaffenden Wunde. Nach einer kleinen Weile war schon nicht mehr viel von dem offenen Fleisch zu sehen.
»Jetzt die Baldachinspinnen«, sagte die Elfling,
Das ist super mit den Spinnen.

Als die Spinnen ihre Arbeit beendet hatten, trat Vater Prius vor, nahm einen Quast und tupfte die Kräuertinktur auf die Spinnenseide.
Habe ich auch mit viel Interesse gelesen.

»So, gleich der Rabenkönig«, sagte Vater Prius. »Was tut er hier?«
Hier finde ich die Reaktion der Elflinge auf den Raben auch etwas zu entspannt. Da würde ich mir mehr Drama wünschen. Das Bild des hypnotisierten Raben finde ich übrigens faszinierend und gruselig. Der Zwang und seine Wut. Das ist sehr stark und ein ungeheurer Kontrast zu ihrer Unbekümmertheit.

Als die Sonne aufging, sprang Silberfünkchen wie mit der Schleuder geflitscht in die Höhe und stand senkrecht vor dem Bett.
Klasse. Passiert mir selten. Leider. Vielleicht morgen.

Silberfünkchen schaute den Raben an und da sie die Furcht verloren hatte und nicht wiederfand, war in ihrem Blick nur die Kälte einer Murmel.
Vorher hattest du diese Beschreibung mehrfach bei dem Raben. Soll das so? Soll sie ihm ähnlich werden?

»Lebt wohl und bleibt recht holzig, meine Freunde und fleut euch des Lebens
Fleut?

Lieber linktofink, ich bin tief beeindruckt über die Bandbreite deines Schaffens. Insgesamt kommt mir diese Geschichte etwas konventioneller, dafür aber kindgerechter vor als
Petulia. Ich habe sie sehr genossen.

Herzliche Grüße von Chutney
 
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Hey @Fliege,
jetzt ist es soweit, ich schau mal, was von deinem Komm. noch zutrifft. ich hätte den Text anders parken sollen, damit sich niemand Mühe umsonst macht. Sorry, mein Fehler.

und ich muss Dir sagen, dass ich nur bis zur Hälfte ungefähr gekommen bin und auch vorher schon anfing zu springen. Vielleicht habe ich heute einfach nicht die nötige Ruhe, aber ich habe dann beschlossen, ich schreib beim Lesen mit, damit ich nicht zwei mal und so. Also, nun noch mal von vorn :)
Da kann ich dich nur bitten, den Text aufs Neue zu lesen, obwohl Du schon kommentiert hast. Aber ich denke, gerade Dir als Krümelexpertin müsste er jetzt gefallen und ich würde mich über ein Feedback sehr freuen.

Nicht, dass der Geruch sie störte, wenn sie glimmselte roch es so ähnlich, doch er brachte mahnende Erinnerungen mit sich.
Was für ein schönes Wort!
Dankeee, finde ich auch.

Dort wo er Lücken ließ, spiegelten sich Birken und reichlich blauer Himmel in den sumpfigen Pfützen, was deshalb besonders gut ging, weil das Wasser durch den Torf auf dem Pfützengrund glänzte wie schwarzes Glas.
Ich habe mich mit dem Satz schon schwer, ...
Den habe ich auseinandergezogen und geglättet.

Da Silberfünkchen wie alle Elflinge heimlich ein wenig eitel war, flog sie gezielt die Pfützen ab und betrachtete den Schimmer unter sich, der über das brackige Wasser sauste.
Scheint ja dein Stil hier zu sein. Aber das nun wirklich jedes und alles irgendwie poetisch verpackt erklärt werden muss, ich weiß nicht, mich nervt das. Gefühlt in jedem zweiten, dritten Satz ein Nachtreter. Aber wie gesagt, vielleicht bin ich heute echt nicht in der Stimmung dafür. Dennoch muss ich mich beim Lesen sehr konzentrieren und ich bin ein geübter Leser, im Gegensatz zu deiner Zielgruppe.
Bei der Erweiterung des Textes habe ich mich bemüht, weniger Schnörkel zu schreiben. Denke, die paar schnörkeligen Stellen gehen jetzt in der Masse auf.

Obwohl, eine Ausnahme gab es: Kupferpfennig. Er war so furchtbar vernünftig und selbst dem strahlenden Violett der Nachtglöckchen konnte er nichts abgewinnen.
Ist das unvernünftig die Nachtglöckchen schön zu finden?
Auch das habe ich jetzt erweitert, damit es nicht als direkter Bezug stehen bleibt.

Und nach den Kötteln der Heidschnucken, die das wenige Gras und die Schösslinge fraßen. Und wo Heidschnucken waren, gab es auch immer wenigstens einen Großling, der schrecklich laut pfeifen konnte. Noch lauter und noch schrecklicher waren nur seine Hütehunde, die auf die Heidschnucken aufpassten. Die Hunde waren sogar noch schrecklicher als die Rabenvögel, die oben in den Kiefern saßen, nur dass sie nicht fliegen konnten.
Auch so eine Stelle, die vom Weg abführt. Bis jetzt ist eigentlich noch nicht richtig was passiert. Kupferpfennig wird vermisst ist alles, was ich bisher aus der Geschichte ziehe. Und ein paar Details zum leben der Elflinge. Ich schätze, deine Zielgruppe ist echt etwas besonderes, wenn die sich an den schönen Beschreibungen so erfreuen können, dass sie ruhig sitzen bleiben. Aber auch das entnehme ich meinem Gefühl und das ist nicht erprobt.
Ja, da habe ich viel verschenkt und große Lücken gelassen, die ich zwischenzeitlich gefüllt habe. Die Krähenheide ist jetzt einer von drei Hauptspielorten.

Nach dem Frühstück hatte Vater Prius sie beiseite genommen: »Ich mache mir Sorgen um Kupferpfennig. ... – Wenn ihn jemand finden kann, dann du, Silbchen.«
Warum? Was befähigt sie mehr als die anderen? Ich wieß was über glimmsen und den Waldbrand und über Vater Prius Aussprache und Heideschnucken samt Hütehunde und über einen Kamikazeflug von Fünkchen, aber die Antwort auf diese Frage weiß ich nicht.
Diese Frage hat auch AWM formuliert. ich habe mich (hoffentlich erfolgreich) bemüht, da nachzulegen.

»Da tut sich was.« – »Tut es da was?« – »Was tut es da?«
Nice, und ich bin ebenfalls froh, dass endlich mal was passiert, nur frage ich mich, was hat das mit Kupe zu tun? Ja, sie ist auf der Suche, aber von ihm selbst bisher kein Wort und so hätte ihr das auch alles beim täglichen Spielen auf der Wiese zustoßen können.
Sorry nochmals, :hmm: sie bekommt jetzt im zweiten Absatz ihre Quest und auch das Nachfragen nach Kupferpfennig ist deutlich nach vorne gerückt.

»Elflinge, kleine unnütze Elflinge mit Knick im Fühler.« – »Fliegen schnell, reden schnell, leben schnell.« – »Alles schnell, immer schnell und alles zu nichts nütze.«
Nice!
Ja danke, das ist auch geblieben!

»So ein Name, das wäre was Feines.« – »Müsste aber ein richtig schöner Name sein.« – »Wenn ich mir den nur merken könnte.«
Das ist ein total schöner Twist, aber eigentlich suchen wir doch den Kumpel ... und von ihm ist seit Beginn der Suche nicht einmal die Rede :confused:
Der Ka-Pe hat jetzt einen eigenen Mini-Nebenstrang und auch die Suche spielt eine viel größere Rolle.

Siedendheiß fiel ihr wieder ein, weshalb sie unterwegs war. Sie musste ihn finden.
Na, Zeit wird aber auch :D Aber klar, man lässt sich schon mal ablenken, vor allem, wenn es denn so viel Spaß bringt. Ich verstehe Fünkchen, keine Frage, aber ich bin als Leser auch in Sorge um ihren Kumpel und es fühlt sich bisschen so an, als wäre der ihr piepegal. Kann sie die nicht am Anfang schon fragen und auch die Krähe, und dann muss sie flüchten bzw. Namen erfinden?
Ja, das ist nach deinem Hinweis schon zu den Vornamen gerückt.

... und Pomledill sprach: »Sagen würden wir schon was, wenn ...« – »… ja, wenn uns das silberne Fünkchen 'mit erfünk in der Mitte' auch Nachnamen schenkt«, kam es von rechts, wo das Moos in die Höhe gereckt wurde.
Geht doch :)
Jaaaha.

Ja, das Ende. Wurde schon gesagt und Du willst noch was tun. Da Du das Verschwinden von Kupe zum Thema machst, wäre das Ende natürlich - dass er wieder auftaucht. Und für Fünkchen beginnt genau jetzt das Abenteuer. Alles davor ist ja so - Spielerei irgendwie. Namen ausdenken macht ihr Freude und sie ist zu keinem Zeitpunkt bei den drei Mooswichteln in Gefahr. Ja, lieber linkto - hier geht mehr. Viel mehr. Und nach deinen letzten beiden Geschichten bin ich sicher, das wird noch was geben, wenn Du erst mal die Zeit findest, dem frechen Fünkchen ide Hölle heiß zu machen.
Kann nur den Apell wiederholen, Dich noch einmal der Geschichte zu widmen. Falls, haste was gut, vielleicht schreib ich aus Buße mal ne Krümelgeschichte über ne Fliege. :Pfeif:

Sprachlich finde ich das echt hart. Sehr schön oft, keine Frage, aber in der Menge der Nebensätze und Schleifchen und Drehungen und haste nicht gesehen einfach ein wenig too much.
Gerade an dem Punkt wäre es für mich besonders spannend, zu erfahren, wie es sich jetzt für Dich liest, wo es auseinandergezogen und spannungsreicher ist.

Peace, liebe Fliege, bis bald, linktofink
 
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Hallo liebe @Chutney,

du warst ja so fix mit deiner Antwort
hast du sie also endlich fertig geschrieben, deine Geschichte. Dann will ich sie mal ein bisschen beglimmseln.:D
ich hocke hier immer noch mit lila Augen und kann gar nicht weggucken.

Mariana Leky und Astrid Lindgren, puh, das ist schon viel Butter auf dem Brot, danke dafür, hab ich nicht verdient. Und auch dein allgemeines Lob
Deine Phantasie, deine Lust am Spiel mit Sprache ist mitreißend. Ich gehe jetzt zufrieden aus der Geschichte raus, denn der Konflikt ist gelöst. Die Bösen sind allerdings nicht wirklich befriedet, eher gebannt, ein leichter Grusel bleibt. Silberfünkchen ist mir ans Herz gewachsen und die drei Holzlinge sind tolle Figuren.
macht mich echt happy und ein wenig sprachlos. Jetzt nicht so schlimm wie eine Erschreckung (positiver Art), aber kurz davor. Deswegen lass uns mal schnell einen Blick auf die Baustellen werfen.

Der Anfang. AWM riet mir, die ersten beiden Sätze ganz zu streichen, ich bin noch unschlüssig, was zu tun ist, hab da aber schon mal Flatterband drumgewickelt. Deinen Vorschlag werde ich mit einbeziehen, doch da ich morgen aus dem Piemont nach Hause fahre, kann das alles auch ein wenig dauern.

Die Beschreibung des Mangels. Das hier finde ich einen berechtigten Einwand:
Vielleicht könnte es noch ein oder zwei Sätze geben, wie es dem Volk geht, was der Mangel bewirkt und zwar nicht nur im Tell-Modus. Was alles verboten ist, die Angst die herrscht, die Dramatik spüren. Denn am Ende will ich beim Feiern klare Bilder vor Augen haben, was sich verändert hat.
Ich hab nochmal drübergelesen und stimme zu, die Not könnte, nein müsste plastischer gezeigt werden.

Die Abkürzung Ka-Pe findest du wenig elflinghaft und schlägst Groschen vor, um dem Problem zu entgehen. das ist mir jedoch zu weit weg vom Ursprung. Schwierig da eine Verbindung zu ziehen, abgesehen davon, dass der Groschen auch ne Münze ist. Hab jetzt probeweise "Kupfe" als Abkürzung, ich lass das mal wirken.

Das Glimmseln. Du schreibst:
Das verwirrt mich auch am Ende noch. Kennt der Vater Prius jetzt doch schon die Macht des Glimmselns? Was hält er denn für die Gabe? Das bleibt für mich sehr unscharf.
Ich denke, er hat eine Vorahnung, dass das Glimmseln zu mehr dient als zur Flügelbeleuchtung, weiß aber auch nicht mehr als die anderen. Das sollte ich klarer herausstellen. Auch hier:
»Wer weiß, wozu sie gut ist, die ganze Glimmselei, aber vielleicht kommt dir das im Woanders zugute.«
Ja, bleibt unscharf.
muss ich mal genau hinschauen und nachschärfen. Danke für die Rückmeldung.

Die Gabe. Da scheint nicht ganz klar zu werden, wer genau was über die Gabe weiß. Eigentlich weiß ja keiner was, außer den Holzlingen, die es von anverwandten uralten Bäumen erfahren. Die anderen vermuten und ahnen was, weil sie etwas sehen, was sie nicht verstehen. Mal schauen, wie ich das deutlicher hinbekomme.

Die Platzierung der Infos. Du schlägst ja vor, dass der Rabe ihr sagt, der Kupferpfennig sei am Rabenhügel gesichtet worden. Das finde ich schwierig, weil das bedeuten würde, er würde ab da gejagt oder wenigstens gesucht und es entsteht dadurch eine ganz andere Dynamik.
Schwierig auch, das Treffen mit den Holzlingen unter der Dringlichkeit, dass sie schnell etwas erfahren und tun muss, mit der nötigen kreativen Lockerheit und fröhlichen Offenheit zu gestalten.
Zu den Holzlingen schreibst du:
Ich glaube, ich fände es noch besser, wenn sie nur eine Fähigkeit hätten, entweder hellsehen, oder uraltes Wissen zu speichern. Sie können ja alles, was man gerade so braucht. Insofern würde es mir gefallen, wenn sie das obengenannte schon von dem Raben wüsste. Und von den Holzlingen erfährt, welche Macht sie hat, vielleicht in zwei Schritten.
Da würde ich das Hellsehen streichen und den Tausch Wissen gegen Namen so lassen wollen, weil es den Plot sonst sehr stark umkrempeln würde und ich nicht sicher bin, ob die Geschichte dadurch gewinnt. Ich denke drüber nach.

Der Spannungspeak. Du schreibst:
»Wirklich beeindruckend, das Feuerwerk, raah«, höhnte Kaskatabra. »Endlich haben wir etwas Unterhaltung für die Nacht.«
Und hier ist die Stelle, wo ich mir etwas mehr Länge gewünscht hätte. Etwas Retardierendes. Dass sie sie noch nicht töten, sondern ihren Unterhaltungswert sehen. Dass sie um ihr leben glimmselt. Dass sie den Kape erst später entdeckt. Das Entscheidende ist ja, dass sie an den Punkt kommt, wo sie keine Furcht mehr hat und dafür braucht es mehr Verzweiflung, das geht zu schnell, finde ich.
d'accord, stimme ich zu, da kann der Pegel erst mal tiefer ins minus ausschlagen, bevor sie die Aufgabe bewältigt. Wieder Flatterband drum.

Als er Silberfünkchen anschaute, wirkte er müde.
Überflüssig, finde ich.
hab das geändert in "sah sie die Ränder unter seinen Augen."

Und so hatten ihr alle die Geschichte abgekauft, bis auf Kupferpfennig, was unschwer zu erkennen war, weil er bei 'wegkatapultierte' die Nase rümpfte, was nicht daran lag, dass er das Wort nicht verstand. Es lag zum einen daran, dass Kupferpfennig sie sehr gut kannte und zum anderen daran, dass er alles andere als dumm war.
Das Fette finde ich wieder zuviel.
Yep, ist weg. Auch dein Streichvorschlag zur Erklärung des Bartwippens.

Und ohne Vater Prius' Erlaubnis hätte er die nie genommen.
Also Vater Prius hat ihr gegenüber so getan, als sei KaPe einfach so weggeflogen und in Wirklichkeit hatte er ihm das erlaubt? Hat er gelogen? Warum?
Nein, an der Stelle geht es nur darum, dass Kupferpfennig zu Fuß laufen muss, weil er nicht fliegen kann, da er die nötigen Nachtblättchen niemals gestohlen hätte und nicht um Erlaubnis fragen konnte. Da das missverständlich ist, muss ich das anders formulieren oder den Kontext entschlacken. Danke für den Hinweis.

Auf und ab ruckte der Kopf, durch die Zweige linste ein dunkles Auge, kalt wie eine Murmel. Um das Auge waren weiße Narben verteilt.
Die Schrammen von sich verzweifelt wehrenden Elflingen.:(
möglich, oder von Rangkämpfen mit anderen Raben, er ist halt ein alter Recke.

Hammersüß, die Erschreckung. Werde ich in meinen Wortschatz aufnehmen. "eine Erschreckung erleiden":herz:
Vielen Dank, gefällt mir auch sehr.

'Da laust mich doch der Baldrian', dachte Silberfünkchen.
»Silberfünkchen, solch ein schöner Name.« – »Wer ist Baldrian?« – »Ja, wenn noch wüssten, wie unsere Namen einst lauteten.«
Also, sie können Gedanken lesen?
ist mir auch aufgefallen und bin dann drüber weg, aber siehste, aufmerksamen Leserinnen entgeht sowas nicht. Zuerst sagte sie das leise und ich glaube, das wäre besser, denn Hellsehen sollen sie nicht auch noch können, die werten Holzlinge, siehe oben.

Unter Elflingen ist Namenerfinden ein beliebtes Spiel und Silberfünkchen war eine der Besten. Dass dabei heimlich Nachtglöckchen-Blätter gekaut wurden, war ein offenes Geheimnis, wie auch, dass das alle so machten. Auch jetzt tat sie so, als müsse sie gähnen und schmuggelte ein Blättchen in ihren Mund.
Nahrungs- , Flug-, und Rauschmittel also.
Dope für alle Lebenslagen, ohne geht nix. Wie oben gesagt, muss ich das noch besser zeigen, wie elend das Elflingleben ohne ist, was alles nicht geht, bzw. fehlt.

Langsam stelzten sie zu den hölzernen Wänden und faserten sich ein.
Das ist mein Lieblingssatz.:lol:
Das einfasern kam spät dazu, aber ich bin froh, dass das Verb sich in den Text gefasert hat. :D

»So, gleich der Rabenkönig«, sagte Vater Prius. »Was tut er hier?«
Hier finde ich die Reaktion der Elflinge auf den Raben auch etwas zu entspannt. Da würde ich mir mehr Drama wünschen. Das Bild des hypnotisierten Raben finde ich übrigens faszinierend und gruselig. Der Zwang und seine Wut. Das ist sehr stark und ein ungeheurer Kontrast zu ihrer Unbekümmertheit.
Die müssten sich vor Angst in die Hosen machen, ich leg da noch was drauf und schmeiß ne Runde Pampers.

Als die Sonne aufging, sprang Silberfünkchen wie mit der Schleuder geflitscht in die Höhe und stand senkrecht vor dem Bett.
Klasse. Passiert mir selten. Leider. Vielleicht morgen.
Ich knall dabei meistens vor die Wand, desdiewegen lass ich das auch sein. :Pfeif:

Silberfünkchen schaute den Raben an und da sie die Furcht verloren hatte und nicht wiederfand, war in ihrem Blick nur die Kälte einer Murmel.
Vorher hattest du diese Beschreibung mehrfach bei dem Raben. Soll das so? Soll sie ihm ähnlich werden?
Das ist Absicht, ich wollte eine Entwicklung zeigen, dass sie es mit ihm aufnehmen kann und dass sie wehrhaft und furchtlos ist.

»Lebt wohl und bleibt recht holzig, meine Freunde und fleut euch des Lebens
Fleut?
Der Pomledill spricht ja auch extra von Fleude und Fünkchen antwortet entsprechend mit fleut (extra ellig halt). Hab den Humor jetzt durch ein Zuzwinkern gekennzeichnet.

Lieber linktofink, ich bin tief beeindruckt über die Bandbreite deines Schaffens. Insgesamt kommt mir diese Geschichte etwas konventioneller, dafür aber kindgerechter vor als
Petulia. Ich habe sie sehr genossen.
Vielen Dank, liebe Chutney, natürlich freut mich das enorm, ebenso die vielen Stellen im Text, die du herausgestellt hast, weil du sie schön fandst und denen ich sehr gerne gefolgt bin, ohne das nochmal zu erwähnen. Ich bin als Autor sehr froh über die Verbindung, die da durch den Text entsteht, dass es gelungen ist, dich als Leserin zu erreichen. Und schön, dass du den Text trotz seiner Länge und vielleicht auch Komplexität als kindgerecht einschätzt. Das ist immer eine schwierige Frage. Lieben Dank auch für die Finger, die du auf viele Stellen gelegt hast und so dabei hilfst, den Text besser zu machen.

In diesem Sinne, peace, linktofink
 

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