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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Valcambi Suisse

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02.01.2011
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Valcambi Suisse

Der Alte lief den Feldweg durch hüfthohe Gräser. Oben, am Kamm des Waldhügels, blieb er stehen. Er sah hinunter auf die Siedlung; die Metallwarenfabrik, der hohe Handymast. Spitze Dächer, ein Dutzend Fenster, aus denen Licht in die Dämmerung brach.
Er öffnete seine Weste. Er öffnete das Papier eines Eukalyptus-Bonbons, schob es sich in den Mund. Anschließend zündete er sich eine Jin Ling an.
»Mountain!«, rief er. Sein rechtes Knie schmerzte wieder, auch die unteren Wirbel.
Der Hund kam aus dem dunkelnden Wald geschossen; mit heraushängender Zunge.
Der Alte bückte sich, strich dem Hund mit beiden Händen über das Gesicht. Die glühende Zigarette zwischen Mittel- und Ringfinger. Der Alte hatte langes, weißes Haar, zum Pferdeschwanz gebunden. Auf dem Kopf trug er eine Trucker-Cap. Er trug graue, zerschlissene Turnschuhe. Der Hund war nachtschwarz.

Er sah den Wagen schon von weitem. Scheinwerfer und Rücklichter leuchteten noch. Im Wald war es stockdunkel. Er stakste vorsichtig durch das Dickicht. Der Mond schien hell am Himmel.
Der Alte kam auf die Forststraße. Er schnaufte stark. Mountain wartete schon bellend am Wagen.
»Ist ja gut«, sagte der Alte. Er hob seine Cap und lüftete seinen Kopf. Der Motor des VW Tiguan stand still. Der Alte ging um den Wagen, fuhr mit der Hand über die Karosserie.
Die linke Fahrertür stand einen Spaltbreit offen. In ihrem Blech wölbten sich Einschusslöcher wie fingerdicke Hornissenstiche.
»Scheiße«, murmelte der Alte.
Er öffnete die Fahrertür. Der Hund jaulte und zuckte einen Schritt zurück. Die Innenbeleuchtung erhellte das Wageninnere. Er bückte seinen Kopf und sah hinein. Seine Hand an der Karosserie.
Er verzog den Mund. »Kanaken«, zischte er.
Zwei Südländer saßen auf Fahrer- und Beifahrersitz. Ihre Gesichter grau und wächsern. Sie saßen noch in ihre Sicherheitsgurten geschnallt. Der Kopf des Beifahrers in den Nacken gedreht, der des Fahrers nach vorne gekippt. Dunkle Einschusslöcher auf ihren Oberkörpern. Ihre Münder standen offen. Ihre Zungen hingen heraus. Ihre Jeans und Oberteile blutgetränkt. Der eiserne Gestank nach Blut und Urin stieß aus dem Wagen. Der Alte hob seinen Schuh; Blut tropfte aus dem Fußraum. Der Hund jaulte und bellte.
Der Alte pfiff. »Schluss!«, zischte er. Der Hund winselte und setzte sich, einige Schritte vom Wagen entfernt.
Der Alte hustete. Er sah noch mal in den Innenraum. Er hob den Kopf und ließ seinen Blick über die Umgebung gleiten, lauschte; dunkle, hohe Baumstämme umgaben ihn, das Rascheln von Blättern. Er öffnete die Messertasche seitlich an seinem Gürtel, zog die Klinge heraus und hielt sie in der Hand. Er blickte wieder um sich und lauschte dem nächtlichen Wald.
Und dann, als er sich an der Karosserie abstützend und leicht humpelnd – die chronische Entzündung seines Knies war durch den langen Waldmarsch dieses Abends wieder schmerzlich angeschwollen – beinahe von der Limousine entfernt hatte, blieb er am Fahrzeugheck stehen und dachte kurz nach; schließlich machte er kehrt, humpelte zwei Schritte und öffnete die Hintertür.
Die Rückbank war leer, nur die Stoffbezüge waren übersät von dunklen Blutspritzern und Einschusslöchern.
Der Alte sah im Fußraum, unterhalb des Fahrersitzes, den Kunststoffkoffer liegen. Er bückte sich, beäugte ihn einen Moment; schließlich griff er nach dem Koffer und hob ihn aus dem Wagen. Er blickte wieder um sich, in den dunklen Wald, und horchte. Das Messer in der Hand. Er legte den Koffer auf die Rückbank. Er öffnete die Spannverschlüsse.
Und dann sah er zum ersten Mal das Gold.
Er zählte zehn Goldbarren. Er hob einen Barren an und zählte zehn weitere darunter. Im kühlen Licht des Wagens las er:

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999,9


Er schloss die Klappe und Spannverschlüsse. Er hob den Koffer aus dem Wagen. Er schloss die hintere und vordere Wagentür. Er steckte die Klinge zurück ins Lederholster. Er nahm den Koffer und ging ächzend, mit großen Schritten, den Forstweg entlang; anschließend stieg er zurück in das Dickicht. Der Hund aufgeregt, bellend und winselnd neben ihm.

Er saß am Küchentisch und rauchte Jin Ling. Neben ihm ein Glas Wasser, eine dampfende Tasse Instant-Kaffee und eine angerissene Packung Ibuprofen. Er saß auf der Eckbank. In der Spüle stapelten sich Tassen, Teller, Geschirr und leere Baked Beans- und Suppen-Dosen. Auf dem Boden und dem Küchentisch stapelten sich Zeitschriften und Magazine, die mit Schnüren zu kleinen Päckchen zusammengebunden waren. An der Decke spannte sich ein brunnengroßer, schwarzer Schimmelfleck. Auch in seinem Schlafzimmer und der Abstellkammer unter dem Dach war Feuchtigkeit und Schimmel in das Gemäuer gezogen. Die Dachgauben, Teile der Bedeckung und die Dämmung mussten erneuert werden. Die Ölheizung war seit ein paar Jahren ausgefallen. Unter dem Giebel hörte der Alte nachts, wenn alles still war, das Tapsen und Kratzen von Mardern oder Waschbären.
Mountain lag unter dem Tisch. Mountain lag mit seinem Bauch über den Füßen des Alten; mit dem Kopf an seinem Bein.
Der Alte pfiff und murmelte vor sich hin, weil er wusste, dass es Mountain beruhigte. Er spürte den gleichmäßigen Atem des Tieres; spürte sein weiches Fell und die Wärme seines Körpers.
Er öffnete die Spannverschlüsse und die Klappe.
»Sakrament«, murmelte der Alte.
Das Gold strahlte. Er hätte nie gedacht, dass Gold so strahlen konnte. Er nahm einen Barren in die Hand, wog ihn. Der Koffer war so schwer, dass nun seine Schulter stach. Auch sein Rücken stach. Das Knie geschwollen. Er hatte nasse Tücher mit Beinwell-Wurzeln, die er hinter seinem Garten, am Wald grenzenden Bachlauf, zu pflücken pflegte, um sein Knie gebunden.
Er saß da und rauchte. Er drückte den Filter in eine leere Baked Beans-Dose. Er zündete sich eine weitere Jin Ling an, inhalierte. Die ganze Zeit war er in Gedanken.
»Verdammt!«, fluchte er.
Er stand auf, nahm den Wadenwickel ab und stieg in seine Jeans. Er zog sich Weste und Regenjacke über. Es war drei Uhr nachts. Er schloss den Koffer, ging in den Keller, wühlte in Kisten und kam schließlich mit einem Klappspaten in der Hand zurück.

Im hinteren Drittel seines Gartens – zehn Meter vom Bachlauf und dem angrenzenden Wald, und zwanzig Meter von seinem Haus entfernt – hob er das Loch aus. Er stach zuerst Rechtecke der Wiese aus dem Boden, die er feinsäuberlich neben sich legte. Anschließend schaufelte er Erde aus dem Loch, die er in den Bach kippte. Er legte den Kunststoffkoffer in das Loch. Darauf setzte er die Rechtecke des verwilderten Rasens, der seinen Garten durchzog. Er trat mit den Turnschuhen auf das wiedereingesetzte Gras, bis er glaubte, es bis zur Unkenntlichkeit festgetrampelt zu haben.

Am Küchentisch schluckte er zwei weitere Ibuprofen und steckte drei Kapseln in seine Westentasche. Er suchte Plastikhandschuhe, Müllsäcke und ein Mikrofasertuch. Er lief hoch ins Schlafzimmer – das von Stapeln an Zeitschriften, Magazinen und Kartons überfüllt war –, öffnete an seinem Nachttisch das Schubfach und nahm einen Colt Cobra Revolver, Kaliber .38, heraus, den er in die Seitentasche seiner Regenjacke steckte.

Er brauchte zwei Stunden, bis er am Wagen ankam. Der Wagen stand noch auf der Forststraße inmitten des Waldes. Die Scheinwerfer und Rücklichter brannten noch. Bevor er das Dickicht verließ, band er mehrere Schichten Müllsäcke um seine Schuhe. Er zog sich lila Plastikhandschuhe über die Hände. Er lief zum Wagen. Er merkte schnell, dass man den groben Abdruck seines Schuhprofils trotzdem auf dem erdigen Boden erkannte. Der Mond schien hell. Mit dem Tuch fuhr er über die Karosserie. Er öffnete die Hintertür. Er schrubbte über Rücksitz, Innenseite der Tür sowie das Dach. Das Wageninnere stank mittlerweile so bestialisch, dass er großflächig und schnell wischte. Er sah die Leichen vorne auf den Sitzen. Einen Moment dachte er daran, ihnen ein letztes Mal in die Gesichter blicken zu wollen.
Die Spuren seiner Schuhprofile verwischte er mit einem langen Ast. Er warf den Ast in den Wald. Anschließend ging er – vom Dickicht aus – noch einmal zum Wagen. Er umkreiste den Wagen, öffnete die Vordertür, schloss sie wieder und lief zurück zu der Stelle, von der aus er auf den Forstweg getreten war. Er blickte auf den Wagen. Er öffnete seine Feldflasche und trank große Schlucke von süßem Rotwein.
Dann verschwand er im Wald.

Er saß auf der Eckbank und rauchte Jin Ling. Draußen stand dunkel die Nacht. Mountain zu seinen Füßen. Warm, fröhlich und verängstigt wie ein Kleinkind. Der Alte fuhr ihm durch das Fell. Es ist, weil sie immer wie Kinder bleiben, dachte er. Weil nur diese Unwissenheit, dieses blinde, kindliche Vertrauen in die Dinge imstande ist, all das Schlechte, das er hatte sehen müssen, aufzuwiegen.
Dann, als erste Sonnenstrahlen durch das verschmierte Küchenfenster brachen, stand der Alte auf, ging in den Flur, hob den Telefonhörer ab und wählte 1-1-0.

Die Kriminalbeamten verließen das Haus und gingen die Treppenstufen vor dem Eingang hinunter. Der Jüngere der beiden Polizisten – keine vierzig– drehte sich im Gehen um, lächelte und sagte: »Wir melden uns bei Ihnen.«
Er trug einen blonden Dutt auf dem Hinterkopf.
Der ältere – hochgewachsen, hager, mit eulenhaften Augen – trug eine schwarze Jack Wolfskin-Jacke und die schattenartigen Reste eines weggelaserten Tattoos auf dem Handrücken.
Der Alte stand im Fliegengitter, murrte und kaute auf einem Kaugummi.
Ein weiterer Polizist stand in der Auffahrt am Polizeiwagen; die Hände an der Polizei-Weste, den Blick beobachtend auf das Grundstück des Alten (die Häuserfassade, die hohe Pappel im Garten). Er trug schwarze, nach hinten gegelte Haare; Marokkaner oder Araber.
Die drei Männer stiegen in den Wagen. Als sie im Streifenwagen anfuhren, blickten sie hoch zum Alten, als blickten sie in das Gesicht ihres Vaters oder in das eines Luchses oder Fuchses, der sein Antlitz für einen Moment aus den Untiefen der Wälder zu ihnen heraus streckte, und der ihnen später, in ihren warmen Wohnungen, nicht aus dem Kopf gehen würde.

Der Alte steuerte seinen Wagen auf die Bordsteinkante; anschließend drehte er den Motor ab. Er fuhr einen roten VW Polo II. Baujahr 1991. Das hintere Fenster mit Gaffer-Tape verklebt. Er saß noch einen Moment im Wagen; rauchte seine Jin Ling fertig und blickte durch die Scheibe auf das imposante Haus. Mountain lag eingerollt im Fußraum des Beifahrersitzes. Mountain wedelte mit dem Schwanz.
»Jetzt wird’s kompliziert«, murmelte der Alte.
Er fuhr dem Hund über den Kopf. Mountain schleckte nach seiner Hand.
Der Alte stand an der Haustür und drückte die Klingel. Alle Lichter im Erdgeschoss brannten. Durch das Küchenfenster sah er den Kopf seines Sohnes und den seiner Schwiegertochter; und die Köpfe eines anderen Ehepaares, das er nicht kannte.
Er klingelte noch mal.
Er kaute auf einem Kaugummi. Er hob seine Cap und lüftete seinen Kopf.
Anschließend öffnete die Tür. Sein Sohn war fünfunddreißig. Er trug eine Kochschürze, auf der stand: Bester Koch der Welt
Sein Sohn sah ihn einen langen Moment ungeduldig an, mit der Türklinke in der Hand.
»Guten Abend«, sagte der Alte. »Können wir reden?«
Sein Sohn atmete tief ein. Im Hintergrund schrie seine Frau nach ihm. Menschenlachen aus dem Wohnzimmer.
»Worüber?«, fragte sein Sohn. Dann drehte er sich um und rief: »Ja, ich komme gleich!«
Der Alte blickte ihm einen Augenblick betreten ins Gesicht. Durch das Fenster sah er die Menschen am Esstisch lachen. »Wir müssen etwas besprechen«, sagte er. »Es geht um das Beste, was mir je passiert ist.«
Sein Sohn atmete tief ein und schloss die Tür einen Spaltbreit. »Du weißt, was ich dir über solche Sachen gesagt hab«, sagte er.
Seine Enkeltochter kam den Gang entlang gelaufen. Sie trug einen viel zu langen Schlafanzug. »Wer ist da, Papa?«, sagte sie.
»Wir müssen uns unterhalten«, sagte der Alte. »Du wirst es nicht glauben.«
Jason schüttelte den Kopf. In seiner Ausfahrt stand ein nagelneuer, diamantschwarzer BMW.
»Egal, was es ist«, sagte Jason, »ich will es nicht wissen. Geh nach Hause«, sagte er. Er blickte wieder nach hinten, in Richtung Wohnzimmer. Seine Tochter stand an sein Bein geklammert und blickte hoch in das Gesicht des Alten. »Ich kann dir nicht mehr helfen«, sagte Jason.
»Nein«, sagte der Alte, »es geht um das Geschäft deines Lebens.« Er sagte: »Lass uns reden.«
Jason schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte er. Sein Gesicht lief rot an. Die Augen und grazilen Hände hatte er von der Mutter. Er sagte: »Ich hab dir gesagt wie’s läuft. Ich hab dir gesagt, dass du hier nicht einfach auftauchst. Egal, was es ist«, sagte er, »es interessiert mich nicht.« Er schloss die Tür langsam.
»Sei nicht so stur«, sagte der Alte.
»Und wenn schon«, sagte Jason.
Im Wagen startete der Alte den Motor und zündete sich eine Jin Ling an. Er strich Mountain über den Kopf. Am Küchenfenster stand sein Sohn – in Kochschürze –, mit verschränkten Armen; neben ihm seine Ehefrau, mit der Tochter auf dem Arm.
Der Alte bog mit dem Polo auf die Bundesstraße. Im Rückspiegel sah er die Lichter der Stadt. Er rauchte, summte und zog ein Eukalyptus-Bonbon aus der Brusttasche. Mountain eingerollt im Fußraum des Beifahrersitzes. Der Auspuff röhrte und das Getriebe quietschte beim Lenken, wenn er im ersten oder zweiten Gang anfuhr.
Er fuhr bis nach Kreuzthal; anschließend verließ er die Dorfstraße und folgte einem steilen Seitenweg. Die Straße endete und er steuerte den Wagen einige Minuten über die Forststraße durch dunklen Wald. An seinem Grundstück angekommen, manövrierte er den Polo über den Vorhof in den Garten. Er öffnete die Garage und parkte den Wagen ein. Sein Rücken war so steif und voller Schmerz, dass er es nur unter lautem Ächzen und verzogenem Gesicht aus dem Wagen schaffte. Aus dem Kühlschrank in der Garage nahm er ein paar Sträucher Beinwell-Kraut, das er dort in Klarsichtbeuteln lagerte.
Er lief – leicht humpelnd und mit der Hand am Rücken – über den Rasen zur Haustür. Kurz sah er in der Dämmerung zu dem Stück Wiese am angrenzenden Waldstück, an dem er das Gold vergraben hatte. Mountain lief neben ihm, hielt die Nase in die Luft und murrte.
»Still«, machte der Alte. »Du Gauzer.«
Er stieg stöhnend, ans Geländer gelehnt, den Treppenaufgang zur Haustür hinauf. Er steckte den Schlüssel in das Schloss. Als er die Tür öffnete, stand er einen Moment regungslos auf der Schwelle. Mountain bellte. Der Alte sah, dass einige der Kisten und gebündelten Zeitungsstapel, die links und rechts im Gang lagerten, umgefallen oder schief wiederaufgestellt waren. Der Hund bellte und winselte, ging einen Schritt zurück.
Der Alte bewegte seine Hand zur rechten Jackentasche, in der sich der Revolver befand.
Etwas schlug auf seinen Hinterkopf; der Alte fiel zu Boden.
Als er wieder zu sich kam, hörte er die Schüsse einer Vorderschaft-Repetierflinte. Er hörte Mountain (draußen, vor dem Treppenaufgang) winseln. Er hörte wieder einen Schuss. Er hörte einen Mann auf Arabisch fluchen, den Treppenaufgang hochkommen. Der Kerl trug eine schwarze Montur und eine schwarze Sturmmaske. In der Hand hielt er die Vorderschaft-Repetierflinte.
Ein zweiter Mann in schwarzer Montur mit Sturmmaske stand im Gang neben dem Alten; er fauchte dem ersten etwas zu. Er zielte mit einer Schalldämpfer-Uzi auf das Gesicht des Alten. Der Vorderschaft-Repetierflinte-Mann ging humpelnd; sein Hosenbein war zerrissen.
»Scharmuta!«, sagte er. Er ging zum Alten und trat ihm ins Gesicht. Der Alte stöhnte und japste, dort auf dem Fußboden.
»Cüs!«, sagte der Uzi-Mann und schob seinen Kollegen mit dem Arm weg vom Alten.
Der Alte keuchte. Sein Schädel pochte. Er spuckte Blut.
Gemeinsam packten sie den Alten und zogen ihn in die Küche.
Sie lehnten den Alten gegen den Kühlschrank. Sie schalteten das Licht ein.
Der Alte hustete und biss die Zähne zusammen.
Der mit der Vorderschaft-Repetierflinte stand einen Meter neben dem Alten und blickte nervös aus dem Fenster. Er sprach etwas auf Arabisch, schnell und zischend, und der andere, der dem Alten die Uzi ins Gesicht hielt, antwortete etwas und streckte den Kopf in Richtung des Fensters.
Der Alte spuckte aus. Der Alte biss die Zähne zusammen. »Kanaken«, zischte er.
Er öffnete den Reißverschluss der Seitentasche seiner Jacke. Er griff in sie hinein und feuerte den Revolver durch den Stoff seiner Jacke in das Schienbein des Uzi-Trägers. Er spürte den heftigen Rückstoß; spürte, wie der Lauf nach oben wegzog. Der Knall hallte schockartig durch den Raum. Der Alte sah, wie das Schienbein des Mannes nach hinten weggeschleudert wurde; wie Blut, Muskelgewebe und Knochen durch den Raum spritzten. Der Mann sackte sofort seitlich auf die Küchenfliesen. Keine halbe Sekunde verging, da bewegte der Alte seinen Arm zur Seite und feuerte Blei in den Unterbauch des anderen (der schon – zusammengezuckt – die Vorderschaft-Repetierflinte auf ihn gerichtet hatte).
Der Uzi-Träger schrie fürchterlich. Der Alte hörte kaum seine Schreie, da feuerte der Uzi-Träger eine Salve in das Gesicht des Alten. Er fluchte auf Arabisch. Der Alte spürte ein fürchterliches Brennen seitlich seines Halses; er schwenkte die Knarre wieder zum Uzi-Mann, der vor ihm auf dem Boden lag, und knallte ihm erst in die Brust, dann verfehlte er zwei Mal sein Gesicht.
Der Alte trat nach der Hand des Uzi-Mannes, in der er die Maschinenpistole hielt; schließlich kickte er die Maschinenpistole aus seinen Fingern.
Der Alte hievte sich keuchend und fluchend, mit zusammengebissenen Zähnen, am Kühlschrank auf.
Der Uzi-Mann keuchte, hielt sein Bein und schrie.
Der andere Mann lag gekrümmt, wimmernd und schreiend auf dem Boden und hielt seinen Bauch. Der Alte trat dem Mann die Vorderschaft-Repetierflinte aus der Hand. Dann hielt er sich am Waschbecken fest und feuerte dem Kerl eine weitere Ladung Blei in den Bauch. Der Alte drückte noch ein paar Mal den Abzug, aber die Trommel drehte leer. Der Uzi-Mann wimmerte auf Arabisch, spuckte in Schüben Blut, keuchte und hielt sein Bein. Der Vorderschaft-Repetierflinten-Mann lag gekrümmt auf dem Boden und schrie fürchterlich. Eine dicke Blutlache breitete sich auf den Fliesen um seinen Körper aus.
Der Alte stürmte humpelnd aus der Küche. Draußen, im Gang, fasste er sich an den Hals; auch er blutete.
Er hastete die Treppenstufen hoch, ins Schlafzimmer. Er warf den Colt auf das Bett. Er öffnete den Kleiderschrank, schob Hemden am Kleiderbügel zur Seite und Griff nach seinem Repetiergewehr. Er lud es durch. Er schnaufte. Er hörte die Männer unten schreien. Er hastete die Treppen hinab, mit dem Gewehr im Anschlag. Die Männer lagen so in der Küche, wie er sie eine Minute zuvor verlassen hatte. Der Boden war voller Blut. Die Wände waren voller Blut, Fleisch und Knochensplitter. Er zielte auf den Hinterkopf des Uzi-Mannes und drückte ab. Er sah, wie der Schädel des Mannes platzte, wie sämtliche Bewegung plötzlich aus dem Mann fiel. Der andere Kerl hatte sich die Sturmhaube aus dem Gesicht gezogen. Seine Haut war bereits wächsern; dicke Schweißperlen standen ihm im Gesicht. Er lag gekrümmt da, mit den Händen am Bauch. Der Araber sah den Alten an, hob die Hand. »Bitte«, sagte er. »Nicht.«
Der Alte lud das Gewehr durch. Er lief zu dem Araber. Er hielt ihm den Lauf ins Gesicht. Er sah den Araber einen Moment an, als blickte er in seine eigene Vergangenheit. Als läge er, Jasons Vater, dort auf den Küchenfliesen.
Dann drückte er ab.

Vor der Haustür – unterhalb der Treppenstufen – fand er Mountain. Körper und Gesicht des Hundes waren von fingerdicken Einschusslöchern übersät. Seine Zunge hing aus dem Maul. Seine Ohren hingen schlaff. Um ihn herum, auf dem vertrockneten, erdigen Rasen, eine schwarze Blutlache.
Der Alte setzte sich auf die oberste Treppenstufe und schnaufte. Er griff in seine Westentasche und schob sich ein Eukalyptus-Bonbon in den Mund. Er blickte zu Mountain, dann blickte er wieder in die Ferne.
Er saß zwölf Minuten dort vor der Haustür. Als er sicher war, dass die Polizei nicht kommen würde, zog er sich ächzend und keuchend am Geländer auf, stieg die Treppenstufen hoch ins Schlafzimmer und entledigte sich all seiner blutverschmierten Klamotten. Er hatte einen Streifschuss am Hals und eine tiefe Fleischwunde am Oberarm und Bauch. Sein Knie war dick und rot geschwollen. Alles tat ihm weh.
Im Bad nahm er drei Ibuprofen und trank aus der Leitung. Der komplette Rücken und Oberkörper des Alten war mit bläulich-verlaufenen Tattoos überzogen. Auf der Brust fletschte ein Puma die Zähne.
Er klebte hastig Klammerpflaster auf seine Wunden.
Er stieg in frische Jeans, Unterhemd, T-Shirt und Flanellhemd. Er lud den Colt und das Repetiergewehr. Er steckte sich Patronen in Hosen- und Hemdtaschen. Er humpelte in den Keller, holte Klappspaten und Plastikmüllsäcke. Er hängte sich das Repetiergewehr um die Schulter, schnallte sich das Revolver-Holster um den Bauch.
Noch mal geh ich nicht in den Knast, dachte der Alte.
»Dreckigen Kanaken«, murmelte der Alte.
Im Garten schaufelte er den Koffer frei. Schweiß stand ihm im Gesicht. Kühle, klamme Luft; Nieselregen. Die Dämmerung stark. Die Schmerzen und Steifheit seines Rückens strahlten bis in seine Brust und seine Beine.
Er nahm den Koffer aus dem Loch. Er lief mit Klappspaten, Repetiergewehr, Plastikmüllsäcken und dem Kunststoffkoffer zur Grenze seines Gartens; anschließend überstieg er den Bach und trat in den Wald ein.
Er zählte eintausend Schritte. Er hielt an einer großen Eiche. Mit dem Klappspaten hob er das Loch aus. Er öffnete den Koffer. Er packte drei Goldbarren in einen Plastiksack. Er verknotete den Sack, legte das Päckchen in das Loch und schaufelte Erde darüber. Er trat die Erde fest. Er streute Laub und Gräser über die festgetretene Erde.
Er versuchte, die markanten Stellen, an denen er alle eintausend Schritte die Goldbarren vergrub, im Gedächtnis zu behalten.
Das Beste, was mir je passiert ist, dachte er.
Ich geh nicht wieder in den Knast, dachte er.
Er wünschte, Mountain wäre bei ihm. Er wünschte, er hätte für den Hund pfeifen oder murmeln können.
Er wünschte, sein Sohn wäre bei ihm gewesen. Mit seiner Ehefrau und seiner Enkelin.
Er wünschte, er hätte etwas fühlen können; er wünschte, er hätte all die Dinge nicht sehen müssen, die er gesehen hatte.
Er wünschte, er hätte die Dinge nicht getan, die er in seinem Leben getan hatte. Aber es war zu spät, um zu bereuen.
Er hatte seine Strafe abgesessen.
Das Schicksal hatte ihm das Beste vor die Füße gelegt, was ihm je passiert war.
Zuletzt hob er ein Ein-mal-ein-Meter-Loch aus dem Waldboden, in dem er den Kunststoffkoffer begrub.
Er griff in seine Hemdtasche und knackte eine Ibuprofen aus der Zehnerreihe. Er nahm große Schlucke von süßem Wein aus seiner Feldflasche. Er war durchgeschwitzt. Der Mond schien hell am Himmel.
Jetzt ist es vorbei, dachte er.
Er lief eine halbe Stunde zurück zu seinem Grundstück. Er hielt einige Male an Bäumen und zog die Beinwell-Binde an seinem Knie gerade. Er zündete sich eine Jin Ling an. Er trug das Repetiergewehr noch um die Schulter.
Er überquerte den Bachlauf und trat in die verwilderte Wiese seines Gartens. Er kniete sich, mit dem Gewehr im Anschlag. Er beobachtete das Haus für einige Minuten; lauschte. Er sah Mountain regungslos vor dem Hauseingang liegen.
Dann stand er auf, streifte zur Garage, öffnete die Wagentür, legte das Repetiergewehr auf den Beifahrersitz und steckte den Schlüssel ins Schloss.
Aber er dachte auch an Mountain.
»Verdammt«, sagte der Alte.
Er wurde mit einem Mal hundemüde.
Die Schuldgefühle stiegen wieder in ihm auf.
Aber er hatte seine gerechte Strafe dafür abgesessen.
Er wünschte, Mountain wäre bei ihm gewesen. Er wünschte, er könnte jetzt in das Gesicht des Hundes blicken, sein warmes und weiches Fell spüren. Es ist, weil sie so ein gutes Herz haben, dachte der Alte. Weil sie dich besser behandeln als deine eigenen Kinder. Weil sie dir immer verzeihen. Weil sie nicht wissen, wer du früher warst.
Weil sie unerschütterlich an das Gute in dir glauben.
»Verdammt«, sagte der Alte.
Dann stieg er ächzend und stöhnend aus dem Wagen.
Er lief vor zu Mountain. Er kniete sich zu ihm. Er strich dem Hund mit beiden Händen über das Gesicht. Er küsste seine Stirn. Er legte seine Stirn gegen die Stirn des Hundes.
»Ich liebe dich«, murmelte der Alte.
»Diese Kanaken«, murmelte der Alte.
Er wischte sich mit dem Ärmel über die Augen.
Noch ein Kind, das auf mein Konto geht, dachte der Alte.
Er spürte seine Hände zittern.
»Verdammt«, sagte der Alte.
Er hievte den Hund auf seine Arme; ächzend und schnaufend, mit schmerzverzerrtem, zerfurchtem und unrasiertem Gesicht. Der Alte trug den Hund dreißig Meter zu dem Erdloch. Er bückte sich, schrie vor Schmerzen auf und legte Mountain in das Loch. Er lag einen Moment neben dem toten Hund. Mit stocksteifem Rücken. Er sah hoch, in die leuchtende Lichterkette aus Sternen. Er sah den Mond blutrot und orangenförmig auf ihn – dort auf der Wiese, neben seinem toten Hund – herab schauen.
Dann sah der Alte die grellen Scheinwerfer eines Jeeps in seine Auffahrt biegen.
Der Alte drehte sich auf den Bauch.
Türen öffneten sich.
Drei Südländer mit Kurz- und Langwaffen stiegen aus dem Wagen. Einer deutete zum Alten.
Der Alte drehte sich auf die Seite, zog sich hoch und begann humpelnd zu rennen.
Und dann fielen Schüsse.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
Beitritt
04.03.2018
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Hallo @zigga,

beeindruckender Text, ich fang mal an:
Auf dem Kopf trug er eine Trucker-Cap. Er trug graue, zerschlissene Turnschuhe.
Würde das erstere umschreiben. Seine Haare wurden gebändigt von einer Trucker-Cap oder so was.

Vorder- und Rücklichter leuchteten noch
Scheinwerfer und Rücklichter leuchteten noch?

Er ging mit vorsichtigen, storchhaften Schritten durch das Dickicht.
Könntest statt ging stakste schreiben und das storchenhafte weglassen.

Mountain schon bellend am Wagen.
Finde die Elipse zu reduziert, würde wartete einfügen.

Die linke Fahrertür stand einen spaltbreit geöffnet.
offen?

In ihrem Blech wölbten sich Einschusslöcher wie fingerdicke Hornissenstiche.
Finde den Vergleich nicht gelungen. Vielleicht lässt du auch die Einschusslöcher weg, schreibst nur Löcher? Oder Wurmlöcher?

Sie saßen noch in ihren Sicherheitsgurten geschnallt dort im Auto.
ein n zu viel.

Der Alte hob seinen Schuh; Blut floss aus dem Fußraum.
Versteh ich nicht, steht er im Auto?

Er hob seinen Kopf und ließ seinen Blick über die Umgebung gleiten
Könntest Possessivartikel sparen: Er hob den Kopf und ließ den Blick über die Umgebung gleiten. Er ist alleine, es ist eindeutig, wer agiert. Auch hier: Er öffnete die Messertasche seitlich an seinem Gürtel. … am Gürtel.

Und dann, als er sich an der Karosserie abstützend und leicht humpelnd – die chronische Entzündung seines Knies war durch den langen Waldmarsch dieses Abends wieder schmerzlich angeschwollen – beinahe von der Limousine entfernt hatte, blieb er am Fahrzeugheck stehen und dachte kurz nach
Bis dahin schreibst du kurze, sehr reduzierte Sätze und dann der Killer-Knie-Einschub. Könntest du einfach auflösen.
Er stütze sich an der Karosserie ab und atmete durch. Das Knie war durch den langen Marsch angeschwollen. Er müsste operiert werden. Eigentlich. Er löste sich, ging los, blieb doch am Heck stehen und dachte nach. So was.
Ich mag deine Sprache, dieses Raue, Knappe, das lese ich gerne. Bleib dabei.

Er blickte wieder um sich
Hattest du weiter oben schon. Könntest auch "Er blickte sich um" schreiben.

Und dann sah er zum ersten Mal das Gold.
Das er nervt auch langsam, das würde ich in der Häufung versuchen zu umgehen.

Er steckte die Klinge zurück ins Lederholster
Heißt das bei Klingen nicht Scheide? Bei Holster bin ich bei Schusswaffen.

An der Decke spannte sich ein brunnengroßer, schwarzer Schimmelfleck. Auch in seinem Schlafzimmer und der Abstellkammer unter dem Dach war Feuchtigkeit und Schimmel in das Gemäuer gezogen. Die Dachgauben, Teile der Bedeckung und die Dämmung mussten erneuert werden. Die Ölheizung war seit ein paar Jahren ausgefallen. Unter dem Giebel hörte der Alte nachts, wenn alles still war, das Tapsen und Kratzen von Mardern oder Waschbären.
starke Beschreibung.

spürte sein weiches Fell und die Wärme seines Körpers.
auch hier: ... spürte das weiche Fell und die Wärme des Körpers.

Er drückte den Filter in eine leere Baked Beans-Dose, die ihm als Aschenbecher diente.
Das Durchgestrichene ist redundant.

stieg in seine Jeans. Er zog sich seine Weste und seine Regenjacke über
du weißt schon ...

Einen Moment dachte er daran, ihnen ein letztes Mal in die Gesichter blicken zu wollen.
klasse

Es ist, weil sie immer wie Kinder bleiben, dachte er. Weil nur diese Unwissenheit, dieses blinde, kindliche Vertrauen in die Dinge imstande ist, all das Schlechte, das er hatte sehen müssen, aufzuwiegen.
auch super.

Der ältere – hochgewachsen, hager, mit eulenhaften Augen – trug eine schwarze Jack Wolfskin-Jacke und die schattenartigen Reste eines weggelaserten Tattoos auf dem Handrücken.
Hab ihn sofort vor Augen, das machst du gut.

Ein weiterer Polizist stand in der Auffahrt am Polizeiwagen – die Straße von erdigen Reifenspuren verdreckt, klamme Nässe und der Geruch von Dung in der Luft –; die Hände an der Polizei-Weste, den Blick beobachtend auf das Grundstück des Alten (die Häuserfassade, die hohe Pappel im Garten).
Da ist was doppelt oder so.
Würde das entzerren und mehrere Sätze bilden. Und bitte keine Klammer.

Als sie im Streifenwagen anfuhren, blickten sie hoch zum Alten, als blickten sie in das Gesicht ihres Vaters oder in das eines Luches oder Fuches, der sein Antlitz für einen Moment aus den Untiefen der Wälder zu ihnen heraus streckte, und der ihnen später, in ihren warmen Wohnungen, nicht aus dem Kopf gehen würde.
nächster starker Satz. Auch den könntest du auftrennen.

Er fuhr einen roten VW Polo II. Baujahr 1991.
alter Polo würde mir als Info reichen.

sah er den Kopf seines Sohnes und den seiner Schwiegertochter; und die (Köpfe) eines anderen Ehepaares, das er nicht kannte.
Der Wechsel vom Singular zum Plural funktioniert ohne Köpfe so nicht.

Er trug eine Kochschürze, auf der stand: Bester Koch der Welt
Punkt am Ende. Hehe, schön bescheuert.

Seine Tochter stand an seinem Bein geklammert
Aus dem Kühlschrank in der Garage nahm er ein paar Sträucher Beinwell-Kraut, das er dort in Klarsichtbeuteln lagerte.
überflüssig.

Er stieg stöhnend, am Geländer gelehnt, die Stufen des Treppenaufgangs (zur Tür, Stufen und Treppe doppelt sich inhaltlich) hinauf.
ans

Vorderschaft-Repetierflinte
muss ich das wissen?

und feuerte Blei in den Unterbauch des anderen (der schon – zusammengezuckt – die Vorderschaft-Repetierflinte auf ihn gerichtet hatte).
Ich wird nicht warm mit den Klammern.

Die Dämmerung stark.
? Da fehlt doch was.

Er wünschte, sein Sohn wäre bei ihm gewesen. Mit seiner Ehefrau und seiner Enkelin.
Er wünschte, er hätte etwas fühlen können; er wünschte, er hätte all die Dinge nicht sehen müssen, die er gesehen hatte.
starke Stelle

Aber er dachte auch an Mountain.
»Verdammt«, sagte der Alte.
Er wurde mit einem Mal hundemüde.
gewollt? :D

Es ist, weil sie so ein gutes Herz haben, dachte der Alte. Weil sie dich besser behandeln als deine eigenen Kinder. Weil sie dir immer verzeihen. Weil sie nicht wissen, wer du früher warst.
Auch stark.

Er streichte dem Hund mit beiden Händen über das Gesicht
strich oder streichelte

Er sah den Mond blutrot und orangenförmig auf ihn – dort auf der Wiese, neben seinem toten Hund – herab schauen.
Auch die Appositionen würde ich auflösen. herabschauen.

Gerne gelesen, zigga. Mir gefällt das Karge, Kauzige des Prota und der Sprache. ich mag das, auch das Schmucklose, Harte. Passt zum Plot, der sich wiederholt und Kreise dreht, wie der Prota, der am Ende ist und nicht wegkommt. Der Hund macht den Unterschied und seine Beerdigung ist final wichtiger als die Flucht und somit die eigene Sicherheit. Das zeigt die Bedeutung für den Prota, der von Liebe spricht. Besonders sind hier die Darstellungen des Hund-Innenlebens. Das habe ich wirklich gerne gelesen.
Die Chance, die das Gold verspricht, kann hingegen nicht eingelöst werden, im Gegenteil, es scheint verflucht und der Glanz, den es vortäuscht verführt ins Verderben. Einziger kleiner Kritikpunkt: Dem Plot fehlt ein wenig das Unvorhersehbare, Ungewöhnliche, das Ende ist erwartbar.

Bei mir lief beim Lesen parallel ein Film ab, Eastwood in der Hauptrolle, ähnlich wie in Gran Torino.

Was ich nicht verstanden habe: Warum ruft er ohne Not die Polizei und bringt sich damit ins Spiel?

Peace, linktofink

ps. Mountain als Titel verstehe ich, aber: Koffer, Mountain? Willst du es gegeneinander abwiegen? Oder zeigen, dass der eine das Ende vom anderen und letztlich von beiden bedingt?
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
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21.04.2015
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Hey @zigga,

schön, mal wieder einen Text von dir zu lesen :) Ich bin abartig im Vorweihnachtsstress, aber ich wollte dir trotzdem ein paar Gedanken da lassen.

Auf dem Kopf trug er eine Trucker-Cap. Er trug graue, zerschlissene Turnschuhe.
Anfangs dachte ich, diese Dopplungen (trug/trug) seien aus Versehen passiert, aber dann wurde mir relativ schnell klar, dass das ganz bewusst so gemacht ist von dir.
Auch die immer gleichen Satzanfänge.
Er schloss die Klappe und Spannverschlüsse. Er hob den Koffer aus dem Wagen. Er schloss die hintere und vordere Wagentür. Er steckte die Klinge zurück ins Lederholster. Er nahm den Koffer und ging ächzend, mit großen Schritten, den Forstweg entlang; anschließend stieg er zurück in das Dickicht.
Ich habe kurz gebraucht, hab tatsächlich noch mal von vorne angefangen und mich darauf eingelassen und dann entstand da so ein Rhythmus im Kopf. Das fand ich dann auch gut, das passt zu deinem Protagonisten, das Trockene, Nüchterne, sich Wiederholende.

Eine Kleinigkeit:
als blickten sie in das Gesicht ihres Vaters oder in das eines Luches oder Fuches, der sein Antlitz für einen Moment aus den Untiefen der Wälder zu ihnen heraus streckte
Du meinst Luchses oder Fuchses, oder?

Atmosphärisch ist das sehr dicht, düster und hoffnungslos. Selbst als er das Gold findet - irgendwie spürt man, dass daraus nichts Gutes entstehen wird. Für mich war da von Anfang an diese Dunkelheit um deinen Prot gehüllt, so ein Gefühl, dass, egal was passiert, es wird nicht gut enden. Als ob er seine Chance auf einen Neuanfang, auf irgendeine Form von Glück, schlichtweg verloren hat.

Der einzige Lichtblick ist Mountain (weshalb ich auch fast überlegen würde, den Titel deiner Story schlicht auf "Mountain" zu reduzieren, aber das ist natürlich deine Entscheidung). Er gibt dem Mann halt, ist wohl das einzige Lebewesen, das ihm noch Zuneigung entgegen bringt. Deshalb ist es nur konsequent, dass der Alte mit Mountain, bzw. eben kurz nach ihm, zugrunde geht.

Da steckt sehr viel drin in deiner Geschichte, verzeih, wenn ich gerade nicht auf alles eingehen kann. Ich habe das sehr gerne gelesen.

Lieblingssatz: Draußen stand dunkel die Nacht.

Liebe Grüße
RinaWu
 
Senior
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02.01.2011
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Hallo @linktofink,

merci für das Lesen meiner Geschichte und den ausführlichen Kommentar! Hat mich sehr gefreut.

Auf dem Kopf trug er eine Trucker-Cap. Er trug graue, zerschlissene Turnschuhe.
Würde das erstere umschreiben. Seine Haare wurden gebändigt von einer Trucker-Cap oder so was.

Ja, die Dopplung hatte ich schon gesehen. Aber irgendwie fand ich sie ganz gut :D Aber danke für dein Feedback. Ist ja immer interessant zu sehen, wenn es Leser eigentlich nicht so gerne mögen.

Vorder- und Rücklichter leuchteten noch
Scheinwerfer und Rücklichter leuchteten noch?
Perfekt, übernehme ich

Er ging mit vorsichtigen, storchhaften Schritten durch das Dickicht.
Könntest statt ging stakste schreiben und das storchenhafte weglassen.
Das ist auch ein sehr guter Vorschlag. Storchhaft ist schon ein wenig experimentell


Mountain schon bellend am Wagen.
Finde die Elipse zu reduziert, würde wartete einfügen.
Ja, du hast wahrscheinlich recht. Ist notiert und ich muss mal ein wenig drüber schlafen, aber eigentlich stimme ich dir schon mal zu

Die linke Fahrertür stand einen spaltbreit geöffnet.
offen?
Jaa ... stimmt

In ihrem Blech wölbten sich Einschusslöcher wie fingerdicke Hornissenstiche.
Finde den Vergleich nicht gelungen. Vielleicht lässt du auch die Einschusslöcher weg, schreibst nur Löcher? Oder Wurmlöcher?
Ich muss mal sehen. Irgendwie mag ich die Hornissenstiche. Es ist ja auch etwas, das aus der Welt des Prots kommt, die Natur oder der Wald. Wurmlöcher wäre ein wenig doppeldeutig u.U. Ich denke mal drüber nach


Sie saßen noch in ihren Sicherheitsgurten geschnallt dort im Auto.
ein n zu viel.
Ah, ja. Verdammt


Der Alte hob seinen Schuh; Blut floss aus dem Fußraum.
Versteh ich nicht, steht er im Auto?
Ja, ist geändert, Blut tropfte aus dem Fußraum


Er hob seinen Kopf und ließ seinen Blick über die Umgebung gleiten
Könntest Possessivartikel sparen: Er hob den Kopf und ließ den Blick über die Umgebung gleiten.
Gefällt mir besser. Ein wenig peinlich sind mir die sprachlichen "Mätzchen" und dass du mir sie noch mal aufzeigen musst. Ich hatte das Teil erst am letzten Tag fertig bekommen. Keine Ausrede natürlich. Aber ein paar Tage Gärung und ... na ja :D Danke jedenfalls.

Auch hier: Er öffnete die Messertasche seitlich an seinem Gürtel. … am Gürtel.
Hmm hier finde ich "seinem Gürtel" eigentlich ganz gut


Und dann, als er sich an der Karosserie abstützend und leicht humpelnd – die chronische Entzündung seines Knies war durch den langen Waldmarsch dieses Abends wieder schmerzlich angeschwollen – beinahe von der Limousine entfernt hatte, blieb er am Fahrzeugheck stehen und dachte kurz nach
Bis dahin schreibst du kurze, sehr reduzierte Sätze und dann der Killer-Knie-Einschub. Könntest du einfach auflösen.
Er stütze sich an der Karosserie ab und atmete durch. Das Knie war durch den langen Marsch angeschwollen. Er müsste operiert werden. Eigentlich. Er löste sich, ging los, blieb doch am Heck stehen und dachte nach. So was.
Ist mir beim Schreiben tatsächlich auch aufgefallen, dass das hier irgendwo auch ein Bruch in der Sprache ist. Auch, weil es sehr szenisch nach vorne ging bis dahin, und dann kommt so eine Art kurzer "Rückblick" bzw. ein Passiv; ich schaue mal, wie und ob ich das hindeichsle


Ich mag deine Sprache, dieses Raue, Knappe, das lese ich gerne. Bleib dabei.
Hey danke. Ich bin mir noch nicht sicher, was mir gefällt bzw. welchen Sound ich zu 100% annehmen möchte. Ich hab das Gefühl, dass ich noch ein wenig damit herumspiele und immer schaue, wie wirkt etwas. Ich persönlich als Leser mag auch so ganz klassisch Erzähltes. Jedenfalls gefällt mir szenisch nach vorne Erzähltes, so viel weiß ich schon. Mit Ellipsen und ein wenig Pathos kann man halt gut Stimmung erzeugen, finde ich. Das ist bei einer "klassischen" Sprache - damit meine ich wenig Experimentelles oder Ellipsenhaftes - dann noch mal ein ganz anderes Geschäft. Aber vielleicht erreicht man so mehr Leser. Na ja, sind so Gedanken, die mir durch den Kopf gehen zur Zeit.


Und dann sah er zum ersten Mal das Gold.
Das er nervt auch langsam, das würde ich in der Häufung versuchen zu umgehen.
Haha, es wird noch ein paar Mal kommen.

Er steckte die Klinge zurück ins Lederholster
Heißt das bei Klingen nicht Scheide? Bei Holster bin ich bei Schusswaffen.
Ja, die Assoziation könnte da schnell entstehen. Meine Google-Recherche hat ergeben: (...) ist eine Tasche (...) Gegenstände zum Zweck des schnellen Zugriffs.

An der Decke spannte sich ein brunnengroßer, schwarzer Schimmelfleck. Auch in seinem Schlafzimmer und der Abstellkammer unter dem Dach war Feuchtigkeit und Schimmel in das Gemäuer gezogen. Die Dachgauben, Teile der Bedeckung und die Dämmung mussten erneuert werden. Die Ölheizung war seit ein paar Jahren ausgefallen. Unter dem Giebel hörte der Alte nachts, wenn alles still war, das Tapsen und Kratzen von Mardern oder Waschbären.
starke Beschreibung.
Danke dir


spürte sein weiches Fell und die Wärme seines Körpers.
auch hier: ... spürte das weiche Fell und die Wärme des Körpers.
Klingt besser als meine Version.


Er drückte den Filter in eine leere Baked Beans-Dose, die ihm als Aschenbecher diente.
Das Durchgestrichene ist redundant.
Witzig. Du hast dir einige wenige Stellen herausgepickt, die ich auch schon im Auge hatte, ob ich sie nicht streiche. Da bin ich gerade am Schwanken

stieg in seine Jeans. Er zog sich seine Weste und seine Regenjacke über
du weißt schon ...
Yes

Es ist, weil sie immer wie Kinder bleiben, dachte er. Weil nur diese Unwissenheit, dieses blinde, kindliche Vertrauen in die Dinge imstande ist, all das Schlechte, das er hatte sehen müssen, aufzuwiegen.
auch super.
Danke


Der ältere – hochgewachsen, hager, mit eulenhaften Augen – trug eine schwarze Jack Wolfskin-Jacke und die schattenartigen Reste eines weggelaserten Tattoos auf dem Handrücken.
Hab ihn sofort vor Augen, das machst du gut.
Danke danke danke


Ein weiterer Polizist stand in der Auffahrt am Polizeiwagen – die Straße von erdigen Reifenspuren verdreckt, klamme Nässe und der Geruch von Dung in der Luft –; die Hände an der Polizei-Weste, den Blick beobachtend auf das Grundstück des Alten (die Häuserfassade, die hohe Pappel im Garten).
Da ist was doppelt oder so.
Würde das entzerren und mehrere Sätze bilden. Und bitte keine Klammer.
Ja, ist ein wenig irreführend und auch sehr lang und verschachtelt evtl. Ich meinte: (Ellipse) Die Hände an der Polizei-Weste, den Blick ...
Mit Klammern überlege ich mir noch :D Aber danke für deine Einschätzung.

Als sie im Streifenwagen anfuhren, blickten sie hoch zum Alten, als blickten sie in das Gesicht ihres Vaters oder in das eines Luches oder Fuches, der sein Antlitz für einen Moment aus den Untiefen der Wälder zu ihnen heraus streckte, und der ihnen später, in ihren warmen Wohnungen, nicht aus dem Kopf gehen würde.
nächster starker Satz. Auch den könntest du auftrennen.
Ich denke mal drüber nach


Er fuhr einen roten VW Polo II. Baujahr 1991.
alter Polo würde mir als Info reichen.
Ok. Baujahr finde ich irgendwie geil. "alt" ist schon beliebig und "direkt"; gut, Baujahr vielleicht auch. Aber es ist ein wenig frischer, dachte ich


sah er den Kopf seines Sohnes und den seiner Schwiegertochter; und die (Köpfe) eines anderen Ehepaares, das er nicht kannte.
Der Wechsel vom Singular zum Plural funktioniert ohne Köpfe so nicht.
Ah, scheiße. Stimmt


Er trug eine Kochschürze, auf der stand: Bester Koch der Welt
Punkt am Ende. Hehe, schön bescheuert.
Der Aufdruck ist halt ohne Punkt am Ende (ist ja oft so bei solchen Prints), deswegen hatte ich es ohne ...

Aus dem Kühlschrank in der Garage nahm er ein paar Sträucher Beinwell-Kraut, das er dort in Klarsichtbeuteln lagerte.
überflüssig.
Ich fand das Detail irgendwie schön, dass er es in Klarsichtbeuteln lagert. I will think about it, linktofink


Er stieg stöhnend, am Geländer gelehnt, die Stufen des Treppenaufgangs (zur Tür, Stufen und Treppe doppelt sich inhaltlich) hinauf.
ans
Stimmt auch


Vorderschaft-Repetierflinte
muss ich das wissen?
Wollte nicht Pumpgun/Shotgun schreiben. Auf Deutsch heißen sie so. Fand das irgendwie chic.


und feuerte Blei in den Unterbauch des anderen (der schon – zusammengezuckt – die Vorderschaft-Repetierflinte auf ihn gerichtet hatte).
Ich wird nicht warm mit den Klammern.
Ok, danke fürs Feedback. Ist natürlich etwas, über das man sich als Autor Gedanken macht, so ein Griff, und da ist Feedback zu gut.


Die Dämmerung stark.
? Da fehlt doch was.
Ok, vllt etwas überdreht mit Ellipsen


Aber er dachte auch an Mountain.
»Verdammt«, sagte der Alte.
Er wurde mit einem Mal hundemüde.
gewollt? :D
Ist mir beim Schreiben tatsächlich auch aufgefallen. War eigentlich eher zufällig zuerst. Aber dann fand ich's gar nicht so übel. Also, dass er sich plötzlich wie fühlt, wo "Hund" vorkommt. Aber eigentlich sollte es keine Rolle spielen. Solche Wortspiele sind doch beschissen irgendwie, wenn man sie absichtlich einbauen würde :D


Er streichte dem Hund mit beiden Händen über das Gesicht
strich oder streichelte
Argh, ok

Er sah den Mond blutrot und orangenförmig auf ihn – dort auf der Wiese, neben seinem toten Hund – herab schauen.
Auch die Appositionen würde ich auflösen. herabschauen.
Ich denk mal drüber nach


Gerne gelesen, zigga. Mir gefällt das Karge, Kauzige des Prota und der Sprache. ich mag das, auch das Schmucklose, Harte. Passt zum Plot, der sich wiederholt und Kreise dreht, wie der Prota, der am Ende ist und nicht wegkommt.
Freut mich

Der Hund macht den Unterschied und seine Beerdigung ist final wichtiger als die Flucht und somit die eigene Sicherheit. Das zeigt die Bedeutung für den Prota, der von Liebe spricht. Besonders sind hier die Darstellungen des Hund-Innenlebens. Das habe ich wirklich gerne gelesen.
Auch das

Die Chance, die das Gold verspricht, kann hingegen nicht eingelöst werden, im Gegenteil, es scheint verflucht und der Glanz, den es vortäuscht verführt ins Verderben.
Ist schon irgendwo klassisch Noir, wenn du's jetzt so ausführst :D

Einziger kleiner Kritikpunkt: Dem Plot fehlt ein wenig das Unvorhersehbare, Ungewöhnliche, das Ende ist erwartbar.
Das ist ein interessanter Kritikpunkt, danke dafür. Ich muss den Text tatsächlich noch mal sacken lassen, um da eine wirkliche Meinung zu haben zu können (ich hab das Gefühl, das schreib ich einfach unter jeden Text den ich ich poste). Aber gut zu hören, dass es dir so gegangen ist, da weiß ich schon mal mehr Bescheid.

Bei mir lief beim Lesen parallel ein Film ab, Eastwood in der Hauptrolle, ähnlich wie in Gran Torino.
Ja, ist ein wenig eine ähnliche Figur, wobei Eastwoods Figur eine ein wenig andere Arc durchläuft im Film, würde ich sagen. Also, da geht es in eine andere Richtung und finden Entwicklungen statt, die hier vielleicht nur übergeordnet stattfinden.

Was ich nicht verstanden habe: Warum ruft er ohne Not die Polizei und bringt sich damit ins Spiel?
Ja, ich hab mir schon gedacht, dass das kommen könnte, die Kritik oder Nachfrage. Aber ich wollte mal versuchen, ob die Leser das trotzdem verstehen, ohne dass es hier klar vorgeführt oder ausgeführt wird.
In meinen Augen fällt dem Prot, als er wieder mit dem gefundenen Koffer nach Hause kommt, auf, dass er das Auto angefasst hat und die Polizei bald vor seiner Haustür stehen wird (er war ja im Knast, wie nachher rauskommt). Dann läuft er noch mal zum Wagen und versucht, Spuren zu verwischen. Zumindest die Spuren, dass er die Hintertür geöffnet hat.
Aber letztendlich ist das Risiko zu groß, dass sie trotzdem auf ihn kommen. Dann würden sie sein Haus mit Sicherheit durchkämmen und evtl. das Gold finden. Also ruft er sie und sagt, er hat den Wagen zufällig gefunden.
Aber keine Plan ob das zu verzwickt ist.


ps. Mountain als Titel verstehe ich, aber: Koffer, Mountain? Willst du es gegeneinander abwiegen? Oder zeigen, dass der eine das Ende vom anderen und letztlich von beiden bedingt?
Ich dachte, es geht um einen Koffer und um Mountain! :D


Hallo @RinaWu,

schön, mal wieder einen Text von dir zu lesen :)
Schön, wieder einen Kommentar von dir zu lesen!
Ich bin abartig im Vorweihnachtsstress, aber ich wollte dir trotzdem ein paar Gedanken da lassen.
Das ist sehr nett.

Anfangs dachte ich, diese Dopplungen (trug/trug) seien aus Versehen passiert, aber dann wurde mir relativ schnell klar, dass das ganz bewusst so gemacht ist von dir.
Auch die immer gleichen Satzanfänge.
Ja, ich finde es irgendwie gar nicht so schlimm. Aber es kann gut sein, dass ich auf dem Schlauch stehe. Ich feier einen gewissen Autor, der jetzt nicht dafür bekannt ist, relativ experimentell zu sein. Aber er schreibt sehr gute Storys. Irgendwann ist mir mal aufgefallen, dass er immer sehr lakonisch in dem Stil schreibt und mit "Er" beginnt. Zumindest 80%. Aber mir ist's lange Zeit nicht aufgefallen, weil es einfach sehr gut gemacht war und andere Dinge im Vordergrund standen. Daher kommt's vielleicht ein wenig. Keine Ahnung, ob mein Text auch so gemacht ist, dass das läuft, oder ob's zu experimentell ist.

Ich habe kurz gebraucht, hab tatsächlich noch mal von vorne angefangen und mich darauf eingelassen und dann entstand da so ein Rhythmus im Kopf. Das fand ich dann auch gut, das passt zu deinem Protagonisten, das Trockene, Nüchterne, sich Wiederholende.
Ok!

Du meinst Luchses oder Fuchses, oder?
Scheiße und ihc hab mich gewundert warum die Rechtschreibprüfung das nie durchgehen lassen wollte

Atmosphärisch ist das sehr dicht, düster und hoffnungslos.
Klingt doch ganz nett.
:D

Selbst als er das Gold findet - irgendwie spürt man, dass daraus nichts Gutes entstehen wird. Für mich war da von Anfang an diese Dunkelheit um deinen Prot gehüllt, so ein Gefühl, dass, egal was passiert, es wird nicht gut enden.
Cool. Das freut mich

Der einzige Lichtblick ist Mountain (weshalb ich auch fast überlegen würde, den Titel deiner Story schlicht auf "Mountain" zu reduzieren, aber das ist natürlich deine Entscheidung).
Hatte auch schon linktofink vorgeschlagen, ich muss mal drüber nachdenken. Ich behalte es jedenfalls mal im Hinterkopf und lass die Sache sacken

Da steckt sehr viel drin in deiner Geschichte, verzeih, wenn ich gerade nicht auf alles eingehen kann.
Kein Thema und freut mich, dass du das Teil gelesen hast und mir dein Feedback geschrieben hast.

Ich habe das sehr gerne gelesen.
Schön!

Hat mich gefreut, Rina, irgendwann geb ich dir ne Halbe aus! :D
 
Wortkrieger-Team
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Lieber @zigga,

puh, was mal wieder für eine düstere Stimmung in deiner Geschichte. Nein, das meine ich nicht negativ, sie hat mir gefallen. Ich schreib dir auch gleich, was, aber zuvor möchte ich mit dem Titel anfangen, den ich unglücklich gewählt finde.
Zum einen sind das so gegensätzliche Begriffe, aber nicht in dem Sinne von kreativ gegensätzlich, sondern einfach störend gegensätzlich, so wie Senf auf Schlagsahne oder Bier mit Milch gemischt. Mountain würde mir reichen als Titel. Oder der Fund seines Lebens.

Was ich an vielen deiner Geschichten so faszinierend finde, ist diese düstere Stimmung, die du zu erzeugen vermagst.
Das zieht sich beeindruckend konsequent auch durch diese gesamte Geschichte durch.

Und ich finde bewundernswert, wie du den Alten angelegt hast, so brüchig, zerbrechlich, gebraucht, kaputt und doch stecken in ihm, wenn er es benötigt, die erforderlichen Kräfte.
Diese Einsamkeit, die ihn umgibt und die nicht erst deutlich wird, als er von seinem Sohn vor dir Tür gesetzt wird.
Ein einsamer Krieger.
Eigentlich ein unsympathischer Typ. Mir behagte er nicht. Aber wenn er mit dem Hund agiert, hat er Herz und meine Abneigung weicht auf. Das hast du perfekt hinbekommen, diese Ambivalenz, in ihm und im Leser erzeugt.

Er ist hart zu seinem Körper, und so beklemmend weich, wenn es um seinen Hund geht und seine Familie. Dass er seinen Sohn liebt, zeigst du ja immerhin dadurch, dass er bereit ist, ihm von seiner Beute etwas abzugeben.
Das müsste er ja nicht.
Die Szene ist übrigens auch sehr gelungen, als er seinen Sohn aufsucht. Dass die Ehefrau des Sohnes gleich zu Beginn nervt, fand ich ein wenig sehr klischeehaft, eventuell streichen? Es reicht, dass der Sohn sich mit seinem Vater diesen Schlagabtausch gibt. Der ist nämlich sprachlich gut geworden. Und dass die Familie gemeinsam am Ende am Fenster steht, ok, das könnte so sein. Aber das Rufen der Ehefrau wirkt auf mich so als habe sie ihren Mann unter Kontrolle, dabei ist ja das Verletzende an der Szene, dass sich der Sohn nicht erweichen lässt. Seine hartherzige Konsequenz ist das Bedrückende dabei. Und wieder hast du es so klasse geschafft, dass ich als Leserin weiß, ja, der Vater wird etwas getan haben, dass den Sohn auch dazu berechtigt.

Eine ziemlich starke Geschichte. Die mir als Tierfreundin natürlich irre nah geht, weil am Ende der Alte seinen Hund so sehr liebt, dass er seinetwegen sein Leben verliert. Denn hätte er das Tier liegen gelassen, wäre er schon fort gewesen, bevor die nächsten Gegner kommen. Und er ahnt ja auch, dass er alsbald "Besuch" bekommen würde.

Emotional betrachtet, gefällt mir daher dein Schluss sehr gut.
Und dir gelingt dadurch, dass mir diese Geschichte im Gedächtnis bleibt, weil du zwischen deinem Protagonisten und mir etwas Verbindendes erschaffen hast.
Wie viele Geschichten habe ich schon gelesen, die ich später, selbst unter Folter nicht mehr inhaltlich wiedergeben könnte.

Dies hier ist mir sprachlich noch aufgefallen:

Seine Hand an der Karosserie.
Das klingt mir ein wenig zu technisch. Wo genau legt er seine Hand hin, es gibt da ja viele Möglichkeiten. Weshalb so vage? Seine Hand am Kotflügel, am Türrahmen, auf der Motorhaube, auf dem Kofferraumdeckel etc.
Sie saßen noch in ihren Sicherheitsgurten geschnallt dort im Auto.
dort würde ich streichen

Der Alte hob seinen Schuh;
Ich habe versucht, mir die Szene vorzustellen, aber ich verstehe nicht, wozu er den heben sollte?

Warm, fröhlich und verängstigt wie ein Kleinkind.
Fröhlich und verängstigt geht nicht gleichzeitig, wirkt aber hier so als würdest du es gleichzeitig entstehen lassen. Ich finde den Satz auch etwas zu verkürzt, er setzt eigentlich zuviel Wissen über Hunde voraus.
Sie bleiben ja deswegen wie die Kleinkinder, weil wir ihnen alles abnehmen, sie also nicht mehr selbst ihre Nahrung durch das Jagen und Erlegen von Tieren besorgen müssen.
Von Natur aus, ist kein erwachsener Hund ein Kleinkind.

Was mir in deiner ansonsten gut geschriebenen Geschichte etwas missfiel, war dein Schreibstil.
Erst war ich drauf und dran, dir anzukreiden, dass du jede Menge Sätze mit "Er"beginnst, dich ständig wiederholst und anfänglich hat mich dies im Lesefluss ziemlich gestört.
Aber dann habe ich mir gesagt, dass du garantiert nicht betriebsblind bist und dies nicht erkannt hast, sondern dass du gezielt diese Wiederholungen eingesetzt hast und habe mich erstmal darauf eingelassen, einfach weiter zu lesen.

Ich habe bis zum Schluss es nicht mehr gemerkt, dass du ständige Wiederholungen geschrieben hast. Ich könnte mir sogar einbilden, dass du dadurch eine gewisse Monotonie erschaffen hast, die die Tristesse des Lebens des Alten sehr deutlich zeichnet.
Auf jeden Fall ist dir gelungen, eine gesamte Geschichte mit den kürzesten Sätzen durchgängig zu schreiben.
Aber ich bin mir gar nicht sicher, wie ich diesen Schreibstil finde. Ich kann mich nicht entscheiden, ob es so wie du es gemacht hast, gut ist und die Stimmung unterstreicht oder ob es doch anders, also geschmeidiger, vokalbelreicher nicht doch besser klingt.
Übrigens habe ich die anderen Kritiken nicht gelesen.

Die 1. Szene, in der er von den Männern überfallen wird, war mir zu lang(atmig), aber du schreibst natürlich auch für Männer, nicht nur für Leserinnen und da glaube ich, dass es für diese Leser nicht störend sein dürfte.
Bin mal gespannt, was du zu deinem Schreibstil erwidern wirst, denn ich gehe fest davon aus, dass du dir dabei was gedacht hast. Dazu bist du viel zu sehr Profi als das dir sowas versehentlich durchrutschen würde.

Auf jeden Fall, dies ist mein Fazit, eine spannende Geschichte mit einem wunderbar gezeichnetem Charakter ist hier dem König der kurzen Sätze gelungen.

Lieben Gruß
lakita
 
Senior
Beitritt
02.01.2011
Beiträge
803
Hallo @lakita,

vielen Dank fürs Lesen und ausführliche Kommentieren!

Das hat mich sehr gefreut.

puh, was mal wieder für eine düstere Stimmung in deiner Geschichte.
:D
Nein, das meine ich nicht negativ, sie hat mir gefallen.
freut mich
Mountain würde mir reichen als Titel.
krass, dass sich bis jetzt jeder an dem Titel reibt! :D Aber danke für das Feedback, ich hab eigentlich gar nicht lange über den Titel nachgedacht. Aber ja, irgendwo habt ihr schon recht. Aber Mountain nur mag ich irgendwie nicht. Ich denke mal drüber nach

Was ich an vielen deiner Geschichten so faszinierend finde, ist diese düstere Stimmung, die du zu erzeugen vermagst.
Das zieht sich beeindruckend konsequent auch durch diese gesamte Geschichte durch.
Ok, cool

Und ich finde bewundernswert, wie du den Alten angelegt hast, so brüchig, zerbrechlich, gebraucht, kaputt und doch stecken in ihm, wenn er es benötigt, die erforderlichen Kräfte.
Diese Einsamkeit, die ihn umgibt und die nicht erst deutlich wird, als er von seinem Sohn vor dir Tür gesetzt wird.
Ein einsamer Krieger.
Eigentlich ein unsympathischer Typ. Mir behagte er nicht. Aber wenn er mit dem Hund agiert, hat er Herz und meine Abneigung weicht auf. Das hast du perfekt hinbekommen, diese Ambivalenz, in ihm und im Leser erzeugt.
Er ist hart zu seinem Körper, und so beklemmend weich, wenn es um seinen Hund geht und seine Familie. Dass er seinen Sohn liebt, zeigst du ja immerhin dadurch, dass er bereit ist, ihm von seiner Beute etwas abzugeben.
Das müsste er ja nicht.
Das freut mich, dass du das so siehst. So hatte ich ihn mir auch vorgestellt.

Die Szene ist übrigens auch sehr gelungen, als er seinen Sohn aufsucht. Dass die Ehefrau des Sohnes gleich zu Beginn nervt, fand ich ein wenig sehr klischeehaft, eventuell streichen?
Das stimmt. Ich liebe die Schürze. Ich hab die mal bei jemandem gesehen und fand sie herrlich bescheuert. Aber gleichzeitig gefällt mir die Szene jetzt nach einem Tag nicht mehr ganz. Ich überlege, sie in einen Baumarkt zu verlegen, wo der Vater auf den Sohn alleine trifft. Das wäre weniger Klischee, das hast du schon recht. Der Text ist noch relativ (sehr) frisch und ich hab gar keine Meinung zu ihm. Also, ich kann Null einschätzen, ob er gut ist und man ihn gern liest oder nicht. Das ist auch das schöne an Challenges für mich, dass ich einfach bis zu einer Deadline einfach rausfeuere. Ansonsten bin ich schon zögerlich, was das Schreiben angeht genauso wie das veröffentlichen irgendwo oder jemandem zeigen. Ich schwanke immer, ob mir ein Text gut gefällt oder gar nicht. Das wechselt sehr schnell und oft bekomme ich selbst erst eine wirkliche Meinung zu Storys, wenn sie hier einmal durch den Fleischwolf gedreht wurden.

Eine ziemlich starke Geschichte. Die mir als Tierfreundin natürlich irre nah geht, weil am Ende der Alte seinen Hund so sehr liebt, dass er seinetwegen sein Leben verliert. Denn hätte er das Tier liegen gelassen, wäre er schon fort gewesen, bevor die nächsten Gegner kommen. Und er ahnt ja auch, dass er alsbald "Besuch" bekommen würde.
Freut mich!

Emotional betrachtet, gefällt mir daher dein Schluss sehr gut.
Und dir gelingt dadurch, dass mir diese Geschichte im Gedächtnis bleibt, weil du zwischen deinem Protagonisten und mir etwas Verbindendes erschaffen hast.
Wie viele Geschichten habe ich schon gelesen, die ich später, selbst unter Folter nicht mehr inhaltlich wiedergeben könnte.
das freut mich

Seine Hand an der Karosserie.
Das klingt mir ein wenig zu technisch. Wo genau legt er seine Hand hin, es gibt da ja viele Möglichkeiten. Weshalb so vage? Seine Hand am Kotflügel, am Türrahmen, auf der Motorhaube, auf dem Kofferraumdeckel etc.
Das stimmt. Ich werde mal schauen, wie ich das ändere

Sie saßen noch in ihren Sicherheitsgurten geschnallt dort im Auto.
dort würde ich streichen
Ist ein guter Punkt!

Der Alte hob seinen Schuh;
Ich habe versucht, mir die Szene vorzustellen, aber ich verstehe nicht, wozu er den heben sollte?
Ja, hab die Szene gerade geändert, weil Blut aus dem Wageninneren tropft und er sich die Schuhe nicht schmutzig machen will. Aber ja, klingt ein wenig seltsam :D

Warm, fröhlich und verängstigt wie ein Kleinkind.
Fröhlich und verängstigt geht nicht gleichzeitig, wirkt aber hier so als würdest du es gleichzeitig entstehen lassen. Ich finde den Satz auch etwas zu verkürzt, er setzt eigentlich zuviel Wissen über Hunde voraus.
Sie bleiben ja deswegen wie die Kleinkinder, weil wir ihnen alles abnehmen, sie also nicht mehr selbst ihre Nahrung durch das Jagen und Erlegen von Tieren besorgen müssen.
Von Natur aus, ist kein erwachsener Hund ein Kleinkind.
Das ist ein guter Punkt. Ich dachte, soviel weiß jeder eigentlich über Hunde. Aber ja, ich denke mal drüber nach

Was mir in deiner ansonsten gut geschriebenen Geschichte etwas missfiel, war dein Schreibstil.
Ja, danke für das ehrliche Feedback. Das brauche ich! :D

Erst war ich drauf und dran, dir anzukreiden, dass du jede Menge Sätze mit "Er"beginnst, dich ständig wiederholst und anfänglich hat mich dies im Lesefluss ziemlich gestört.
Aber dann habe ich mir gesagt, dass du garantiert nicht betriebsblind bist und dies nicht erkannt hast, sondern dass du gezielt diese Wiederholungen eingesetzt hast und habe mich erstmal darauf eingelassen, einfach weiter zu lesen.
Ja, ich finde das irgendwie gar nicht schlimm. Aber ich weiß auch nicht, ob ich nicht auf dem Schlauch stehe. Ich lese auch gerne Autoren, die etwas lakonisch schreiben und mir fällt das gar nicht auf und ich mag eher das Einfache. Aber sagt mir ruhig, wie ihr das ehrlich findet. Ich schwanke und hab keine ehrliche Meinung. Ich schreib ja auch durchaus "normal" bzw. nicht so stoisch, und das finde ich auch gut. ich denke, gerade wenn es um gewisse Stimmungen geht, neige ich sofort dazu, so zu schreiben wie hier. Weil das für mich alles sofort schön düster werden lässt. Ich hab Es sind die Fische mal versucht, in "normal" umzuschreiben, also keine Ellipsen und normaler, abwechslungsreicher Satzbau, aber mir ist es nicht gelungen, die Stimmung herzustellen, die in der Form, wie ich sie hier hochgeladen, gekommen ist. Es war eine ganz andere, irgendwie langweilige Geschichte. Aber ja, ich denke da viel drüber nach, auch dann, wenn ich es wohl nicht tun sollte, zum Beispiel morgen früh, wenn ich mich ärgere hier wieder die halbe Nacht abgehangen zu sein :D
Aber ja, ich hab schon ein wenig das Ziel, "publikumsfreundlich" zu sein, zumindest für die Leser, die ich mir vorstelle. Ich möchte da nicht zu abgespaced sein. Ich experimentiere da gerade ein wenig herum, und mein Gefühl ist, dass dieser Schreibstil wie hier eher ein wenig abschreckend auf Leser wirkt. Aber mal sehen.

Ich habe bis zum Schluss es nicht mehr gemerkt, dass du ständige Wiederholungen geschrieben hast. Ich könnte mir sogar einbilden, dass du dadurch eine gewisse Monotonie erschaffen hast, die die Tristesse des Lebens des Alten sehr deutlich zeichnet.
Schön! Ich sehe das auch nicht

Aber ich bin mir gar nicht sicher, wie ich diesen Schreibstil finde. Ich kann mich nicht entscheiden, ob es so wie du es gemacht hast, gut ist und die Stimmung unterstreicht oder ob es doch anders, also geschmeidiger, vokalbelreicher nicht doch besser klingt.
Ja, da schwanke ich auch. Danke für das ehrliche Feedback, sehr interessant für mich!

Übrigens habe ich die anderen Kritiken nicht gelesen.
Das ist nicht wichtig.

Die 1. Szene, in der er von den Männern überfallen wird, war mir zu lang(atmig), aber du schreibst natürlich auch für Männer, nicht nur für Leserinnen und da glaube ich, dass es für diese Leser nicht störend sein dürfte.
Ok ... ich behalte es mal im Hinterkopf, danke für das Feedback

Bin mal gespannt, was du zu deinem Schreibstil erwidern wirst, denn ich gehe fest davon aus, dass du dir dabei was gedacht hast. Dazu bist du viel zu sehr Profi als das dir sowas versehentlich durchrutschen würde.
Na ja, hab ich ja jetzt schon größtenteils. Ich finde die Stimmung einerseits toll, die man damit erzeugen kann - das bilde ich mir zumindest ein -, aber andererseits befürchte ich, Leser abzuschrecken, denen eigentlich die Geschichte gefallen würde, weil es schon ein wenig "experimentell" aussieht vielleicht. Oder vielleicht auch nicht. Ich bin mir nicht sicher.

Die 1. Szene, in der er von den Männern überfallen wird, war mir zu lang(atmig), aber du schreibst natürlich auch für Männer, nicht nur für Leserinnen und da glaube ich, dass es für diese Leser nicht störend sein dürfte.
Ich hab im Allgemeinen gerade noch mal ein wenig am Text gekürzt, nicht unbedingt in der Szene, aber allgemein

Auf jeden Fall, dies ist mein Fazit, eine spannende Geschichte mit einem wunderbar gezeichnetem Charakter ist hier dem König der kurzen Sätze gelungen.
Ach, danke! :D

Alles Beste,
zigga
 
Wortkrieger-Team
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@zigga,

ich habe noch eine Idee für einen Titel.

"Der Wert des Goldes"

Wegen dieser Goldbarren kommen ja letztendlich alle um, nur dein Held, der stirbt, weil ihm das Andenken an seinen geliebten Hund wertvoller ist als eine gesicherte finanzielle Zukunft.

Er ist etwas altbacken, das räume ich ein, aber vielleicht ist er ja als Arbeitsgrundlage, um noch was Feineres draus zu machen, geeignet. So ist das ja mit vielen Ideen, die man in die Runde wirft. Sie sind meist keine Treffer, aber in der Auseinandersetzung mit ihnen, kommen einem die eigenen richtigen Ideen, weil sie quasi Türöffner zu verschütteten Phantasiebereichen sind. Nur deswegen wage ich es, dir meine Ideen mitzuteilen.

Lieben Gruß
lakita
 
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Hey @zigga,

ich weiß gar nicht, wie ich dir das sagen soll, ohne dass du es mir krumm nimmst. Dieser Text hier ist jetzt nicht schlecht oder so, aber ich finde, du kannst einfach mehr. Du hast doch auch Fingerspitzengefühl, kannst dich empathisch in Charaktere reinversetzen, sie kluge Dinge sagen und tun lassen, und dann empfinde ich diesen Text hier als brachial, nicht weil er schlecht ist, sondern weil ich so etwas schon drölfzig mal gelesen und gesehen habe. Vielleicht bin das aber auch ich, ich befinde mich thematisch bei ganz anderen Themen, und würde zum Beispiel "Dunkels Gesetz" auch nie wieder so schreiben. Der Text hier liest sich für mich wie eine Mischung aus "No country for old men" und Ketchum's "Red", das mal zuerst.

Im Wald war es stockdunkel.
Eben dunkelte der Wald noch. Dann, im nächsten Satz, steht der Mond hell am Himmel. Wenn ich auf Schwarzwild ansitze, dann ist es so, dass zwischen, sagen wir 20-22 Uhr es richtig stockdunkel wird, und dann der Mond so hell werden kann, dass ich problemlos Zeitung lesen könnte. Meint: Du müsstest dich hier entscheiden.

Der Alte ging um den Wagen, fuhr mit der Hand über die Karosserie.
Die linke Fahrertür stand einen spaltbreit offen. In ihrem Blech wölbten sich Einschusslöcher wie fingerdicke Hornissenstiche.
Er sieht doch schon die Leichen durch die Frontscheibe. Er muss nicht alles genau erkennen, aber wenigstens das dort jemand sitzt. Es ist auch eine Frage des Charakters - so wie du ihn hier jetzt einführst, kommt er mir wenig vorsichtig vor, wenig achtsam. Der geht einfach um den Wagen herum. Und erkennt er sofort, dass es Einschusslöcher sind? Wie sehen die denn überhaupt aus? Es sind kleine Dellen im Blech, und bei manchen Kalibern siehst du sogar nur einen Kratzer. Was man oft im Film sieht, ist erstens fiktiv und zweitens sind es oft Militärgeschosse, die eine eine ganz andere Wirkung haben sollen. Ich frage mich dann immer sofort: Wo haben die solche Waffen her? Komme ich nachher nochmal im Detail zu.

Und dann, als er sich an der Karosserie abstützend und leicht humpelnd – die chronische Entzündung seines Knies war durch den langen Waldmarsch dieses Abends wieder schmerzlich angeschwollen – beinahe von der Limousine entfernt hatte, blieb er am Fahrzeugheck stehen und dachte kurz nach; schließlich machte er kehrt, humpelte zwei Schritte und öffnete die Hintertür.
Ein Satz. Ein langer Satz. Das Kursive - ich verstehe das nicht. Das könntest du doch zeigen. Er stützt sich an der B-Säule ab, bleibt stehen, fasst sich ans Knie, massiert es, der Hund kommt an, leckt ihm die Hand. So habe ich direkt wieder das Gefühl, der Autor schiebt mir die Empfindungen, die ich für diesen Mann, für diesen Charakter haben soll, in den Text. Sein Knie ist entzündet. Er hat Schmerzen. Empfinde Mitleid. Weißt du, was ich meine? Es wirkt arg manipulativ. Und der Satz klingt auch sehr technisch, der reißt mich total aus dieser Szenerie, weil er wie was aus Dr. Google klingt.

Der Hund aufgeregt, bellend und winselnd neben ihm.
Was macht er denn jetzt? Bellt er oder winselt er? Sind das nicht zwei verschiedene Dinge, zwei verschiedene Ausdrucksweisen?

. Er nahm den Koffer und ging ächzend, mit großen Schritten, den Forstweg entlang;
Eben hatte er noch ein schmerzendes Knie, jetzt geht er mit großen Schritten den Forstweg entlang. Da passt was nicht. Im Film würde man sagen: continuity.


Er saß auf der Eckbank. In der Spüle stapelten sich Tassen, Teller, Geschirr und leere Baked Beans- und Suppen-Dosen. Auf dem Boden und dem Küchentisch stapelten sich Zeitschriften und Magazine, die mit Schnüren zu kleinen Päckchen zusammengebunden waren.
Zweimal stapeln sich Sachen. Doppler immer unschön.

Die Dachgauben, Teile der Bedeckung und die Dämmung mussten erneuert werden. Die Ölheizung war seit ein paar Jahren ausgefallen. Unter dem Giebel hörte der Alte nachts, wenn alles still war, das Tapsen und Kratzen von Mardern oder Waschbären.
Woher weiß der Autor das alles? Zeig es doch. Die Gaube ist eingestürzt, oder die Balken nass, oder sonst was. Zeig es uns durch den Charakter. Der Alte geht an die Ölheizung, tippt mit dem Zeigefinger gegen das Thermostat, dreht an den Stellern. Der Tank bliebt kalt. Der ganze Text ist im Präsens verortet, also gegenwärtig, auch wenn er natürlich in der Vergangenheit geschrieben wurde, was ich meine, ist die Einheit von Raum und Zeit. Alles bleib in diesem einen Strang, da sist die Dynamik, es geht nach vorne, und ich als Leser bin dabei. Der Marder und Waschbär ist jetzt da, er sieht, nachdem er die Tür aufgeschlossen hat, noch kurz die blitzenden Augen, dann hört er das Rascheln und das Raubzeug ist weg. DANN glaube ich das. SO macht es etwas mit der Atmosphäre der Geschichte. Wie es jetzt ist, liest es sich vorbereitet vom Autoren, es ist nichts, was die Figur sieht oder hört oder tut.

Er hatte nasse Tücher mit Beinwell-Wurzeln, die er hinter seinem Garten, am Wald grenzenden Bachlauf, zu pflücken pflegte, um sein Knie gebunden.
Er saß da und rauchte. Er drückte den Filter in eine leere Baked Beans-Dose, die ihm als Aschenbecher diente.
Ich empfinde es so, als ob du dich nicht entscheiden kannst. Jin Ling aus Russland, das teutonische Beinwell (super!) und dann Baked Beans ... dass die Dose ihm als Aschenbecher dient, wird auch so klar, das könntest du reduzieren. Insgesamt sind das natürlich alles amerikanische Narrativen, aber dazu später mehr.

Er trat mit den Turnschuhen auf das wiedereingesetzte Gras, bis er glaubte, es bis zur Unkenntlichkeit festgetrampelt zu haben.
Moment. Er macht mit einem kaputten Knie einen langen Waldmarsch mit Turnschuhen? Das ist so eine Charakterfrage. Man kann das machen, aber ich sehe einen Typen, der quasi im Wald lebt, in einer abgefuckten Hütte oder einem Trailer, der sich mit Kräutern und den Heilkräften auskennt, der wird sicherlich keine Turnschuhe anziehen, sondern vernünftiges Schuhwerk, weil er weiß, wenn er alleine unterwegs ist und ausrutscht, sich den Knöchel bricht oder das Knie schlimmer wird, kriegt er Probleme.


Er lief hoch ins Schlafzimmer – das von Stapeln an Zeitschriften, Magazinen und Kartons überfüllt war –, öffnete an seinem Nachttisch das Schubfach und nahm einen Colt Cobra Revolver, Kaliber .38, heraus, den er in die Seitentasche seiner Regenjacke steckte.
Die Unordnung könntest du auch zeigen. Er schmeißt die Magazine vom Tisch, tritt Karton aus dem Weg. Warum einen Colt Cobra in .38? Woher hat er die? Würde diese Story in Arkansas spielen, hätte ich damit keine Probleme. Aber wenn die im Frankenland spielt, dann schon. Würdest du schreiben, er holt da jetzt eine Walther PPK raus in 9mm kurz, oder eine CZ oder eine alte Mauser, dann würde ich sagen, kann man machen. Bleibt immer noch die Frage, wo er die her hat. Hat er sich die legal besorgt? Ist er auch ein Krimineller, der sich so was auf dem Schwarzmarkt besorgt, und wenn ja, warum? So wirkt er nicht auf mich. Vielleicht ist er ein alter, abgefuckter Jäger. Dann hättest du ein Problem weniger. Dann müsste er die Waffen aber in einem Tresor aufbewahren. Walther PPK klingt natürlich nicht so sexy wie Colt Cobra, aber realistischer, finde ich.

Der Mond schien hell. Mit dem Tuch fuhr er über die Karosserie. Er öffnete die Hintertür. Er schrubbte über Rücksitz, Innenseite der Tür sowie das Dach. Das Wageninnere stank mittlerweile so bestialisch, dass er großflächig und schnell wischte.
Die Batterie müsste mittlerweile platt sein. 2-3 Stunden maximal. Also muss er sich auf das Mondlicht verlassen, dass jetzt taghell ist. Er sieht, dass er trotz seines Tricks mit den Schuhen Spuren hinterlässt. Aber er hat doch auch vorher Spuren hinterlassen, als er den Koffer mitgenommen hat? Und auch der Hund hinterlässt Spuren, wahrscheinlich sogar die im Zweifelsfall verräterischen. Warum macht er sich die Mühe, alles abzuwischen? Warum verbrennt er nicht den Wagen einfach? Dann noch so was: Wie riechen bzw stinken denn Leichen? Dieser süßliche Aasgeruch. Nicht einfach sagen: bestialisch. Da erwarte ich etwas vom Autoren. Wo ist überhaupt der Hund bei dieser Aktion? Zuhause? Oder dabei?

Er öffnete seine Feldflasche und trank große Schlucke von süßem Rotwein.
Er plant das alles, macht sich den großen Plan, um seine Spuren zu verwischen etc, und dann trinkt er quasi noch am Tatort Rotwein? Ist das nicht ein wenig leichtsinnig? Danach, wenn er auf der Veranda sitzt oder so, da würde ich das kaufen. Aber hier, nein. Wie oft hat der Mann den schon Leichen gesehen, wie oft hat der so was gemacht? Ist der nicht total aufgeregt, nervös, total unter Adrenalin? Wäre er dann so eiskalt und kontrolliert, und trinkt nach getaner Arbeit erstmal ein paar Schlucke Rotwein? Vielleicht auch zur Beruhigung, aber dann doch eher vorher, und mit zittrigen Händen, weil das Adrenalin reinkickt. Das ist eine Entscheidung des Autoren, wie der Mann wirken, was er für einen Charakter haben soll.

Warm, fröhlich und verängstigt wie ein Kleinkind.
Geht das, fröhlich und verängstigt gleichzeitig?

Der Alte fuhr ihm durch das Fell. Es ist, weil sie immer wie Kinder bleiben, dachte er. Weil nur diese Unwissenheit, dieses blinde, kindliche Vertrauen in die Dinge imstande ist, all das Schlechte, das er hatte sehen müssen, aufzuwiegen.
100% Autor. Niemals denkt er das so, nicht in diesen Worten. Du könntest es so machen, dass er zu ihm spricht, und sagt: Ja, Mountain, du bist nur ein Hund, du kriegst dein Fressen und gut is, du weißt nicht, wie 'n Toter aussieht. Oder irgendwie so was. Aber so empfinde ich das als plakativ.

Die Kriminalbeamten verließen das Haus und gingen die Treppenstufen vor dem Eingang hinunter.
Warum ruft er die Polizei an? Ich verstehe das nicht. Wenn er fast zwei Stunden Fußmarsch vom Tatort weg ist, dann sind das mit kaputtem Knie und langsamem Gang mindestens 5-7 Kilometer. Die Schüsse könnte er gehört haben, die müsste er sowieso gehört haben. Aber es könnten Jäger gewesen sein. Falls die Polizei irgendwann tatsächlich zu ihm ankommt und Fragen stellt. Haben Sie da was gehört? Nee, war besoffen. Oder nicht da. Dann, je nach Witterung, verändern sich die Leichen so sehr, dass man da gar nichts mehr dran erkennen kann, auch erkennungsdienstlich nicht. Wenn er ganz schlau sein will, zieht er die Leichen aus dem Wagen, denn dann gehen die Sauen dran und fressen die restlos auf. Also, es gibt keinen Grund, die Polizei anzurufen. Die ersten Fragen der Beamten wären doch: Was haben SIE da eigentlich gemacht? Wie sind Sie dahin gekommen? Haben Sie was angefasst? Er bringt sich unnötig in die Schusslinie. Das ist auch wieder eine Frage, wie der Charakter handeln soll. Für mich passt das vorne und hinten nicht. Wäre er berechnend und eiskalt, ruft er auf keinen Fall die Polizei. Dann lässt er die kommen, und wenn sie Fragen stellen, zuckt er mit der Schulter. Ist er der Mega-Nervöse, der das noch nie gemacht hat, ruft er dann die Polizei? Aus welchem Grund? Ich verstehe das nicht.

Ach so: Ich denke, du brauchst die Szene, um das Ende vorzubreiten, nach dem Motto, entweder es sind gar keine echten Polizisten, oder der eine Cop, der Araber, ist der Tipgeber. Das ist aber eine sehr, sehr fragile Konstruktion, die in sich zusammenfällt, weil es sich, für mich jedenfalls, nicht organisch ergibt. Das sind mir einfach zu viele Zufälle, denn der Tipgeber müsste ja auch erstmal für GENAU diesen Fall eingeteilt werden. Und womit hat sich der Alte verdächtig gemacht? Das lässt du einfach aus, diese Interaktion. Scheint mir etwas zu einfach zu sein.


Als sie im Streifenwagen anfuhren
Die Mordkommission fährt nicht in Streifenwagen, glaube ich.

»Still«, machte der Alte. »Du Kauzer.«
Der Hund schlägt sofort an, wenn er merkt, da ist ein Fremder auf dem Grundstück gewesen oder ist noch aktuell da. Außer es ist einer dieser fettgefressenen, verzüchteten Labradore. Also müsste unser Dude schon vor der Tür wissen, dass da was im Argen liegt. Und warum trägt er den Revolver jetzt permanent bei sich? Stell dir mal vor, die Polizei, die Beamte, bei denen er sich vielleicht verdächtig gemacht hat, halten ihn an, kontrollieren ihn und finden die Wumme?
Als er wieder zu sich kam, hörte er die Schüsse einer Vorderschaft-Repetierflinte.
Eine Pump-Action, die er in der Hand hält. Warum? Wofür braucht er Schrot? Schießt er mit Schrot auf den Hund, gefährdet er sich doch selbst - Abpraller vom Boden etc, das ist ein rough shot aus nächster Nähe, Gefahrenkreis bei Schrot mal mindestens 300 Meter. Und es ist saulaut. Typen, die so einen Auftrag ausführen, also Profis, die haben sicher kleine .22er mit Schalldämpfer, die überhaupt keinen Lärm machen. Die .22er ist sowieso die beliebteste Waffe bei Geheimdiensten, klein, handlich, und getötet wird sowieso aus nächster Nähe.

Er öffnete den Reißverschluss der Seitentasche seiner Jacke. Er griff in sie hinein und feuerte den Revolver durch den Stoff seiner Jacke in das Schienbein des Uzi-Trägers. Er spürte den heftigen Rückstoß; spürte, wie der Lauf nach oben wegzog
Der andere Typ hält ihm eine Uzi (!) ins Gesicht, aber der Alte hat die Zeit, seinen Reißverschluss aufzuziehen, den Revolver zu umgreifen, zu zielen und abzudrücken. Physikalisch und ballistisch auch sehr schwer - ohne die Laufachse übersehen zu können mit einer Kurzwaffe überhaupt irgendetwas zu treffen. Da musst du schon ein guter Schütze sein. Außerdem könnte das Projektil vom Stoff schon abgelenkt werden, es könnte auf einen Knopf treffen, es könnte zu trudeln beginnen. Das ist also relativ unrealistisch, weil bevor der Alte seinen Finger am Abzug hat, hat er schon dreißig Löcher im Kopf. Der Rückstoss der Cobra (das ist ein snubbie) ist moderat. Der Läuft schlägt hoch. Der Schuss wäre durch die Jacke schon recht gedämpft.

Der Alte sah, wie das Schienbein des Mannes nach hinten weggeschleudert wurde; wie Blut, Muskelgewebe und Knochen durch den Raum spritzten.
Nein, das spritzt nicht durch die Gegend. Da gibt es ein Loch, das blutet. Um so einen Effekt zu produzieren, müsstest du ein richtig großes Kaliber nehmen, so ab 9,3 mm, oder eben Schrot. Dann schießt er aus nächster Nähe mit einer Uzi auf das Gesicht des Alten, trifft aber nur den Hals. Die Uzi ist ja bekannt für ihre extreme Streuung. Ich denke eher, von dem Gesicht wäre nichts mehr übrig.

Der Alte stürmte humpelnd aus der Küche. Draußen, im Gang, fasste er sich an den Hals; auch er blutete. Er hastete die Treppenstufen hoch, ins Schlafzimmer. Er warf den Colt auf das Bett. Er öffnete den Kleiderschrank, schob Hemden am Kleiderbügel zur Seite und Griff nach seinem Repetiergewehr.
Er hat einen Treffer am Hals, der durch jede Bewegung und das Adrenalin mehr blutet. Warum greift er sich nicht die Uzi, warum nicht die Flinte? Warum geht er aus dem Zimmer, und gibt damit den beiden Killern die Möglichkeit, sich zu erholen, auf ihn zu zielen, ihm in den Rücken zu schießen, mit ihren Handys Verstärkung zu rufen? Warum erledigt er sie nicht gleich an Ort und Stelle? Warum kann er jemandem sofort in den Kopf schießen, ohne jegliche Skrupel, Zweifel, warum kostet ihn das nicht Überwindung? Das Töten funktioniert hier so einfach wie ein Fingerschnippen.

Im Bad nahm er drei Ibuprofen und trank aus der Leitung.
Ibuprofen ist blutverdünnend. Es würde die Blutung nur verschlimmern.

Drei Südländer mit Kurz- und Langwaffen stiegen aus dem Wagen. Einer deutete zum Alten.
Der Alte drehte sich auf die Seite, zog sich hoch und begann humpelnd zu rennen.
Und dann fielen Schüsse.
Aber natürlich lassen sie ihm noch so lange Zeit, bis er seinen Hund begraben hat. Mir ist das zu viel Pathos. Zu dieser Situation dürfte es auch gar nicht kommen. Ich frage mich auch, was sind das für Gangster? Zuerst kommen ihnen die Goldbarren abhanden, dann kriegen es zwei junge, schwer bewaffnete Typen nicht auf die Reihe, einen alten Mann mit Hund zu liquidieren. Dafür braucht es eine halbe Armee im Grunde, ähnlich wie bei Rambo, denn so viel Glück kann er ja gar nicht haben, denn dieser Alte ist doch ein totaler Normalo. Wie kann der das so Einzelkämpfer-mässig durchziehen?

Ich finde insgesamt, du bist zu unentschlossen mit dem Setting. Das liest sich was von William Gay, was im Grunde ja gut ist, nur lese ich das unter der Folie dieser Vorbilder, und ich würde mir wünschen, dass du es dann richtig eindeutschst, auch wenn das eventuell unsexier ist. Mir sind da zu viele Tropen drin, die man in den ganzen U.S-Frontiermythen wiederfindet, das fängt mit den Waffen an und hört mit dem pathetischen Schluss auf. Für mich ist der Text und auch der Charakter in vielen Dingen widersprüchlich und unglaubwürdig, das habe ich oben ausgeführt. Ich hoffe, du kannst mit meinen 5 cent was anfangen.

Gruss, Jimmy
 
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02.01.2011
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Hi @jimmysalaryman,

vielen Dank dir fürs Lesen und das Feedback, hat mich sehr gefreut!

ich weiß gar nicht, wie ich dir das sagen soll, ohne dass du es mir krumm nimmst.
Nee. Alles gut

Dieser Text hier ist jetzt nicht schlecht oder so, aber ich finde, du kannst einfach mehr.
Ja shit, ich sehe das mittlerweile auch so. Deine Punkte, die du aufführst, sind sehr gut.
Ich möchte mich nicht herausreden, my actions, my responsibility, aber wahrscheinlich hätte ich den Text so nicht hochgeladen, ohne ihn noch mal liegen zu lassen. Es soll jetzt nicht eingeschnappt oder sowas klingen, aber VERDAMMT! :D, irgendwie waren mir viele Dinge, die du ansprichst, schon vorher "bewusst", aber meine Auffassung war schließlich, dass das doch geht/logisch ist, aber mittlerweile sehe ich es auch wieder anders.

Im Wald war es stockdunkel.
Eben dunkelte der Wald noch. Dann, im nächsten Satz, steht der Mond hell am Himmel. Wenn ich auf Schwarzwild ansitze, dann ist es so, dass zwischen, sagen wir 20-22 Uhr es richtig stockdunkel wird, und dann der Mond so hell werden kann, dass ich problemlos Zeitung lesen könnte. Meint: Du müsstest dich hier entscheiden.
Da hast du auf jeden Fall recht. Ja, ärgert mich ein wenig, weil ich beim Schreiben auch daran dachte, aber mir dann dachte, dass dichtes Blätterwerk schon Dunkelheit schafft. Aber das "dunkeln" ist ja von außen betrachtet, da wäre es wieder falsch.

Der Alte ging um den Wagen, fuhr mit der Hand über die Karosserie.
Die linke Fahrertür stand einen spaltbreit offen. In ihrem Blech wölbten sich Einschusslöcher wie fingerdicke Hornissenstiche.
Er sieht doch schon die Leichen durch die Frontscheibe. Er muss nicht alles genau erkennen, aber wenigstens das dort jemand sitzt.
Scheiße, das ist ein Punkt. Die Innenbeleuchtung ist ja durch die leicht geöffnete Fahrertür an. Ja, Scheiße

Es ist auch eine Frage des Charakters - so wie du ihn hier jetzt einführst, kommt er mir wenig vorsichtig vor, wenig achtsam. Der geht einfach um den Wagen herum. Und erkennt er sofort, dass es Einschusslöcher sind? Wie sehen die denn überhaupt aus? Es sind kleine Dellen im Blech, und bei manchen Kalibern siehst du sogar nur einen Kratzer. Was man oft im Film sieht, ist erstens fiktiv und zweitens sind es oft Militärgeschosse, die eine eine ganz andere Wirkung haben sollen.
Es stimmt, das klingt ein wenig nach Film und unlogisch. Ich hatte mich tatsächlich informiert, wie Schusslöcher aussehen und dachte mir, dass viele Schusslöcher von jemandem wie dem Prot - vielleicht habe ich ihn dahingehend bis zu dem Zeitpunkt auch nicht korrekt gezeichnet, es kommt ja erst später heraus, dass er im Knast war - erkannt werden können. Aber es klingt echt ein wenig nach Actionfilm

Und dann, als er sich an der Karosserie abstützend und leicht humpelnd – die chronische Entzündung seines Knies war durch den langen Waldmarsch dieses Abends wieder schmerzlich angeschwollen – beinahe von der Limousine entfernt hatte, blieb er am Fahrzeugheck stehen und dachte kurz nach; schließlich machte er kehrt, humpelte zwei Schritte und öffnete die Hintertür.
Ein Satz. Ein langer Satz. Das Kursive - ich verstehe das nicht. Das könntest du doch zeigen. Er stützt sich an der B-Säule ab, bleibt stehen, fasst sich ans Knie, massiert es, der Hund kommt an, leckt ihm die Hand. So habe ich direkt wieder das Gefühl, der Autor schiebt mir die Empfindungen, die ich für diesen Mann, für diesen Charakter haben soll, in den Text. Sein Knie ist entzündet. Er hat Schmerzen. Empfinde Mitleid. Weißt du, was ich meine? Es wirkt arg manipulativ. Und der Satz klingt auch sehr technisch, der reißt mich total aus dieser Szenerie, weil er wie was aus Dr. Google klingt.
Point. Danke für den Hinweis. Das Manipulative ist ein guter Punkt.

Der Hund aufgeregt, bellend und winselnd neben ihm.
Was macht er denn jetzt? Bellt er oder winselt er? Sind das nicht zwei verschiedene Dinge, zwei verschiedene Ausdrucksweisen?
Hm, jaein. Ich kannte mal einen Hund, wenn er sehr aufgeregt war, hat er immer gebellt und gewinselt, so halb-halb. Dachte, das könnte auch bei anderen Hunden so sein
Aber ja, so wie es hier steht, kann es irritierend wirken

. Er nahm den Koffer und ging ächzend, mit großen Schritten, den Forstweg entlang;
Eben hatte er noch ein schmerzendes Knie, jetzt geht er mit großen Schritten den Forstweg entlang. Da passt was nicht. Im Film würde man sagen: continuity.
Das stimmt. Ich dachte, dadurch, dass er dabei ächzt, erkennt man die große Anstrengung und das Adrenalin, das ihn, trotz Knieproblemen, zu großen Schritten nötigt; aber ja, ist schon ein wenig widersprüchlich

Die Dachgauben, Teile der Bedeckung und die Dämmung mussten erneuert werden. Die Ölheizung war seit ein paar Jahren ausgefallen. Unter dem Giebel hörte der Alte nachts, wenn alles still war, das Tapsen und Kratzen von Mardern oder Waschbären.
Woher weiß der Autor das alles? Zeig es doch. Die Gaube ist eingestürzt, oder die Balken nass, oder sonst was. Zeig es uns durch den Charakter. Der Alte geht an die Ölheizung, tippt mit dem Zeigefinger gegen das Thermostat, dreht an den Stellern. Der Tank bliebt kalt. Der ganze Text ist im Präsens verortet, also gegenwärtig, auch wenn er natürlich in der Vergangenheit geschrieben wurde, was ich meine, ist die Einheit von Raum und Zeit. Alles bleib in diesem einen Strang, da sist die Dynamik, es geht nach vorne, und ich als Leser bin dabei. Der Marder und Waschbär ist jetzt da, er sieht, nachdem er die Tür aufgeschlossen hat, noch kurz die blitzenden Augen, dann hört er das Rascheln und das Raubzeug ist weg. DANN glaube ich das. SO macht es etwas mit der Atmosphäre der Geschichte. Wie es jetzt ist, liest es sich vorbereitet vom Autoren, es ist nichts, was die Figur sieht oder hört oder tut.
Ist ein guter Punkt. Prinzipiell merke ich, dass ich großen Bock darauf habe, im Text vorwärts zu gehen. Also, alles durch Aktion zu zeigen und den Erzähler nicht hier und da quatschen und erklären zu lassen. Ich denke, an einer Stelle wie hier, wäre das intensiver.

Er hatte nasse Tücher mit Beinwell-Wurzeln, die er hinter seinem Garten, am Wald grenzenden Bachlauf, zu pflücken pflegte, um sein Knie gebunden.
Er saß da und rauchte. Er drückte den Filter in eine leere Baked Beans-Dose, die ihm als Aschenbecher diente.
Ich empfinde es so, als ob du dich nicht entscheiden kannst. Jin Ling aus Russland, das teutonische Beinwell (super!) und dann Baked Beans ... dass die Dose ihm als Aschenbecher dient, wird auch so klar, das könntest du reduzieren. Insgesamt sind das natürlich alles amerikanische Narrativen, aber dazu später mehr.
Ja, ich verstehe wie du meinst. Aber Jin Ling, Baked Beans und Beinwell schließen sich für mich nicht unbedingt aus. Also, man kann ja durchaus auf dem Schwarzmarkt seine Kippen kaufen und sich im Wald Beinwell pflücken und abends Heinz Bohnen essen. Aber ja, ich weiß wie du das meinst, es sind verschiedene "kulturelle" Bilder, die vielleicht auf eine gewisse Art auch Archetypische Produkte verschiedener Ländre sind, die hier ein wenig zusammengewürfelt auftauchen
Das mit dem Amerikanischen, ja :D Da ist es mir wohl ein wenig durchgegangen
Aschenbecher: Haste recht

Er trat mit den Turnschuhen auf das wiedereingesetzte Gras, bis er glaubte, es bis zur Unkenntlichkeit festgetrampelt zu haben.
Moment. Er macht mit einem kaputten Knie einen langen Waldmarsch mit Turnschuhen? Das ist so eine Charakterfrage. Man kann das machen, aber ich sehe einen Typen, der quasi im Wald lebt, in einer abgefuckten Hütte oder einem Trailer, der sich mit Kräutern und den Heilkräften auskennt, der wird sicherlich keine Turnschuhe anziehen, sondern vernünftiges Schuhwerk, weil er weiß, wenn er alleine unterwegs ist und ausrutscht, sich den Knöchel bricht oder das Knie schlimmer wird, kriegt er Probleme.
Das ist ein Punkt, den ich nicht auf dem Schirm hatte.

Er lief hoch ins Schlafzimmer – das von Stapeln an Zeitschriften, Magazinen und Kartons überfüllt war –, öffnete an seinem Nachttisch das Schubfach und nahm einen Colt Cobra Revolver, Kaliber .38, heraus, den er in die Seitentasche seiner Regenjacke steckte.
Die Unordnung könntest du auch zeigen. Er schmeißt die Magazine vom Tisch, tritt Karton aus dem Weg.
Ja, da ist wieder der Erzähler, der reingrätscht, du hast recht

Warum einen Colt Cobra in .38? Woher hat er die? Würde diese Story in Arkansas spielen, hätte ich damit keine Probleme. Aber wenn die im Frankenland spielt, dann schon. Würdest du schreiben, er holt da jetzt eine Walther PPK raus in 9mm kurz, oder eine CZ oder eine alte Mauser, dann würde ich sagen, kann man machen. Bleibt immer noch die Frage, wo er die her hat. Hat er sich die legal besorgt? Ist er auch ein Krimineller, der sich so was auf dem Schwarzmarkt besorgt, und wenn ja, warum? So wirkt er nicht auf mich. Vielleicht ist er ein alter, abgefuckter Jäger. Dann hättest du ein Problem weniger. Dann müsste er die Waffen aber in einem Tresor aufbewahren. Walther PPK klingt natürlich nicht so sexy wie Colt Cobra, aber realistischer, finde ich.
Ja, verdammt, soll jetzt nicht so klingen, als ob ich alles schon vorher gewüsst hätte, aber ich hab da tatsächlich drüber nachgedacht ... ob das nicht zu amerikanisch aussieht, und ob ich nicht lieber eine Mauser nehmen sollte. Ich dachte, passt schon, aber jetzt, wo du es sagst, sehe ich es auch

Der Mond schien hell. Mit dem Tuch fuhr er über die Karosserie. Er öffnete die Hintertür. Er schrubbte über Rücksitz, Innenseite der Tür sowie das Dach. Das Wageninnere stank mittlerweile so bestialisch, dass er großflächig und schnell wischte.
Die Batterie müsste mittlerweile platt sein. 2-3 Stunden maximal.
An die Autobatterie dachte ich auch nicht. Ja, ärgert mich!

Er sieht, dass er trotz seines Tricks mit den Schuhen Spuren hinterlässt. Aber er hat doch auch vorher Spuren hinterlassen, als er den Koffer mitgenommen hat? Und auch der Hund hinterlässt Spuren, wahrscheinlich sogar die im Zweifelsfall verräterischen. Warum macht er sich die Mühe, alles abzuwischen? Warum verbrennt er nicht den Wagen einfach?
Das kann sich wirklich seltsam lesen. Verbrennen ist die bessere Idee.
Ich dachte: Er versucht seine Spuren zu verwischen, deswegen kehrt er noch mal zum Wagen zurück, weil er ihn ja angelangt hat usw. Aber letztendlich merkt er, dass es nicht klappt und dass, wenn die Kripo Spuren von ihm (er war ja im Knast) am Wagen findet, er das Grundstück durchsucht bekommt. Letztendlich entschließt er sich, 110 zu wählen um zu sagen, er hätte den Wagen durch Zufall gesehen
Aber ja, mir gefällt das selbst nicht mehr

Dann noch so was: Wie riechen bzw stinken denn Leichen? Dieser süßliche Aasgeruch. Nicht einfach sagen: bestialisch.
Ja, zu uneindeutig

Wo ist überhaupt der Hund bei dieser Aktion? Zuhause? Oder dabei?
Hatte ich nicht mehr im Text drin, aber ist eine legitime Frage, die beim Leser offen bleibt

Er öffnete seine Feldflasche und trank große Schlucke von süßem Rotwein.
Er plant das alles, macht sich den großen Plan, um seine Spuren zu verwischen etc, und dann trinkt er quasi noch am Tatort Rotwein? Ist das nicht ein wenig leichtsinnig? Danach, wenn er auf der Veranda sitzt oder so, da würde ich das kaufen. Aber hier, nein. Wie oft hat der Mann den schon Leichen gesehen, wie oft hat der so was gemacht? Ist der nicht total aufgeregt, nervös, total unter Adrenalin? Wäre er dann so eiskalt und kontrolliert, und trinkt nach getaner Arbeit erstmal ein paar Schlucke Rotwein? Vielleicht auch zur Beruhigung, aber dann doch eher vorher, und mit zittrigen Händen, weil das Adrenalin reinkickt. Das ist eine Entscheidung des Autoren, wie der Mann wirken, was er für einen Charakter haben soll.
Ja, vielleicht ist das bis zu dem Zeitpunkt im Text noch ein wenig schwammig oder auch nicht gut gemacht, aber ich hatte schon einen abgebrühten Typen vor Augen. Erst später kommt ja im Text vor, dass er im Knast war usw. Also ich knall mir gerne nach aufreibenden Taten zur Beruhigen ein wenig Wein oder so rein, so war es gemeint

Warm, fröhlich und verängstigt wie ein Kleinkind.
Geht das, fröhlich und verängstigt gleichzeitig?
Ich denke mal drüber nach, wie ich das gemeint hab bzw. ob das geht oder wie man ausdrückt, was ich meine

Der Alte fuhr ihm durch das Fell. Es ist, weil sie immer wie Kinder bleiben, dachte er. Weil nur diese Unwissenheit, dieses blinde, kindliche Vertrauen in die Dinge imstande ist, all das Schlechte, das er hatte sehen müssen, aufzuwiegen.
100% Autor. Niemals denkt er das so, nicht in diesen Worten. Du könntest es so machen, dass er zu ihm spricht, und sagt: Ja, Mountain, du bist nur ein Hund, du kriegst dein Fressen und gut is, du weißt nicht, wie 'n Toter aussieht. Oder irgendwie so was. Aber so empfinde ich das als plakativ.
Ja, interessant. Das hatte ich nicht auf dem Schirm. Ah, ich muss mal drüber nachdenken

Die Kriminalbeamten verließen das Haus und gingen die Treppenstufen vor dem Eingang hinunter.
Warum ruft er die Polizei an?
Ja, das ist schlecht gemacht. Ich hab das weiter oben ausgeführt, aber ich denke einfach, dass der Text nicht das wiedergibt, was ich ursprünglich meinte :D Aber danke für das Feedback an dieser Stelle, ich denke, hier drückt auch gewaltig der Schuh

Ach so: Ich denke, du brauchst die Szene, um das Ende vorzubreiten, nach dem Motto, entweder es sind gar keine echten Polizisten, oder der eine Cop, der Araber, ist der Tipgeber. Das ist aber eine sehr, sehr fragile Konstruktion, die in sich zusammenfällt, weil es sich, für mich jedenfalls, nicht organisch ergibt. Das sind mir einfach zu viele Zufälle, denn der Tipgeber müsste ja auch erstmal für GENAU diesen Fall eingeteilt werden. Und womit hat sich der Alte verdächtig gemacht? Das lässt du einfach aus, diese Interaktion. Scheint mir etwas zu einfach zu sein.
Genau, technisch gesehen brauchte ich die Szene deswegen. Aber ist immer scheiße, wenn es zu gewollt aussieht oder sich nicht organisch ergibt aus vorigen Szenen. In meinen Gedanken weiß der Clan, dass der Koffer aus dem Wagen fehlt und dass dieser Alte am Wagen dran war. Deswegen wollen sie mal sein Haus durchkämmen. Es wird nicht klar - und das ist weit im Hinterkopf des Plots -, ob die ursprünglichen Besitzer des Goldes wissen, dass die, die den Wagen überfallen haben, das Gold nicht an sich genommen haben. Ich hab mir was in die Richtung gedacht und dem Clan die Chance offen gelassen, zu vermuten, ob der Alte nicht den Koffer eingepackt hat. Einen Versuch, ihn einzuschüchtern und mal zu sehen, bei dem Geldbetrag, hielt/halte ich für möglich. Aber es ist alles so fiktiv bzw. uneindeutig und im Hinten. Das gefällt mir eigentlich nicht.

Als sie im Streifenwagen anfuhren
Die Mordkommission fährt nicht in Streifenwagen, glaube ich.
Stimmt und ist ein Punkt. Ich dachte mir, dass sie mit dem Streifenbeamten zu dem Zeugen fahren bzw. er sie hinfährt

»Still«, machte der Alte. »Du Kauzer.«
Der Hund schlägt sofort an, wenn er merkt, da ist ein Fremder auf dem Grundstück gewesen oder ist noch aktuell da. Außer es ist einer dieser fettgefressenen, verzüchteten Labradore. Also müsste unser Dude schon vor der Tür wissen, dass da was im Argen liegt. Und warum trägt er den Revolver jetzt permanent bei sich? Stell dir mal vor, die Polizei, die Beamte, bei denen er sich vielleicht verdächtig gemacht hat, halten ihn an, kontrollieren ihn und finden die Wumme?
Ja, das sind Punkte, die mir unangenehm sind. Irgendwie wusste ich es schon, dass es hier an den organischen Figurenbewegungen hapert, aber irgendwie hab ich's dann doch geglaubt, dass es so möglich ist. Aber ja, tut sehr gut, das aufgezeigt zu bekommen, weil ich es jetzt wieder sehe. Ist schon unorganisch irgendwie

Als er wieder zu sich kam, hörte er die Schüsse einer Vorderschaft-Repetierflinte.
Eine Pump-Action, die er in der Hand hält. Warum? Wofür braucht er Schrot? Schießt er mit Schrot auf den Hund, gefährdet er sich doch selbst - Abpraller vom Boden etc, das ist ein rough shot aus nächster Nähe, Gefahrenkreis bei Schrot mal mindestens 300 Meter. Und es ist saulaut. Typen, die so einen Auftrag ausführen, also Profis, die haben sicher kleine .22er mit Schalldämpfer, die überhaupt keinen Lärm machen. Die .22er ist sowieso die beliebteste Waffe bei Geheimdiensten, klein, handlich, und getötet wird sowieso aus nächster Nähe.
Die .22er ist ein guter Tipp.
Ursprünglich haben sie den Hund mit einer Schalldämpfer-Uzi erschossen. Hätte ich es besser mal so drinnen gelassen. Ja, ich dachte, er wohnt ja so weit draußen, da geht auch Schrot. Aber eigentlich schon ein Kritikpunkt. Von der Streuung wusste ich nichts, ist natürlich noch ein guter Punkt

Er öffnete den Reißverschluss der Seitentasche seiner Jacke. Er griff in sie hinein und feuerte den Revolver durch den Stoff seiner Jacke in das Schienbein des Uzi-Trägers. Er spürte den heftigen Rückstoß; spürte, wie der Lauf nach oben wegzog
Der andere Typ hält ihm eine Uzi (!) ins Gesicht, aber der Alte hat die Zeit, seinen Reißverschluss aufzuziehen, den Revolver zu umgreifen, zu zielen und abzudrücken. Physikalisch und ballistisch auch sehr schwer - ohne die Laufachse übersehen zu können mit einer Kurzwaffe überhaupt irgendetwas zu treffen. Da musst du schon ein guter Schütze sein. Außerdem könnte das Projektil vom Stoff schon abgelenkt werden, es könnte auf einen Knopf treffen, es könnte zu trudeln beginnen. Das ist also relativ unrealistisch, weil bevor der Alte seinen Finger am Abzug hat, hat er schon dreißig Löcher im Kopf. Der Rückstoss der Cobra (das ist ein snubbie) ist moderat. Der Läuft schlägt hoch. Der Schuss wäre durch die Jacke schon recht gedämpft.
Das mit der Ballistik ist ein guter Punkt. Ich dachte, die wissen gar nicht, wer der Alte ist und dass er eine Knarre in der Tasche hat und sind deswegen überrascht, dass es überhaupt knallt, weil er sie ja auch in der Jacke nicht sichtbar hat beim Schuss. Aber ja, mir gefällt das auch nicht mehr.

Der Alte sah, wie das Schienbein des Mannes nach hinten weggeschleudert wurde; wie Blut, Muskelgewebe und Knochen durch den Raum spritzten.
Nein, das spritzt nicht durch die Gegend. Da gibt es ein Loch, das blutet. Um so einen Effekt zu produzieren, müsstest du ein richtig großes Kaliber nehmen, so ab 9,3 mm, oder eben Schrot. Dann schießt er aus nächster Nähe mit einer Uzi auf das Gesicht des Alten, trifft aber nur den Hals. Die Uzi ist ja bekannt für ihre extreme Streuung. Ich denke eher, von dem Gesicht wäre nichts mehr übrig.
Ok, ja ist irgendwie nachlässig geschrieben von mir, der Uzi-Zufall ist irgendwie auch kacke :D

Der Alte stürmte humpelnd aus der Küche. Draußen, im Gang, fasste er sich an den Hals; auch er blutete. Er hastete die Treppenstufen hoch, ins Schlafzimmer. Er warf den Colt auf das Bett. Er öffnete den Kleiderschrank, schob Hemden am Kleiderbügel zur Seite und Griff nach seinem Repetiergewehr.
Er hat einen Treffer am Hals, der durch jede Bewegung und das Adrenalin mehr blutet. Warum greift er sich nicht die Uzi, warum nicht die Flinte? Warum geht er aus dem Zimmer, und gibt damit den beiden Killern die Möglichkeit, sich zu erholen, auf ihn zu zielen, ihm in den Rücken zu schießen, mit ihren Handys Verstärkung zu rufen? Warum erledigt er sie nicht gleich an Ort und Stelle? Warum kann er jemandem sofort in den Kopf schießen, ohne jegliche Skrupel, Zweifel, warum kostet ihn das nicht Überwindung? Das Töten funktioniert hier so einfach wie ein Fingerschnippen.
Ja, da scheint im Text unlogisch und wirkt doch etwas unorganisch. Ich dachte, er rennt raus, weil er einfach unter Panik ist und nicht weiß, ob die noch etwas an sich haben, einfach in Panik und weil er oben sein eigenes Gewehr will. Aber es ist irgendwie scheiße :D

Im Bad nahm er drei Ibuprofen und trank aus der Leitung.
Ibuprofen ist blutverdünnend. Es würde die Blutung nur verschlimmern.
Ah, guter Punkt. Da hast du recht.

Drei Südländer mit Kurz- und Langwaffen stiegen aus dem Wagen. Einer deutete zum Alten.
Der Alte drehte sich auf die Seite, zog sich hoch und begann humpelnd zu rennen.
Und dann fielen Schüsse.
Aber natürlich lassen sie ihm noch so lange Zeit, bis er seinen Hund begraben hat. Mir ist das zu viel Pathos. Zu dieser Situation dürfte es auch gar nicht kommen. Ich frage mich auch, was sind das für Gangster? Zuerst kommen ihnen die Goldbarren abhanden, dann kriegen es zwei junge, schwer bewaffnete Typen nicht auf die Reihe, einen alten Mann mit Hund zu liquidieren. Dafür braucht es eine halbe Armee im Grunde, ähnlich wie bei Rambo, denn so viel Glück kann er ja gar nicht haben, denn dieser Alte ist doch ein totaler Normalo. Wie kann der das so Einzelkämpfer-mässig durchziehen?
Ja, das ist irgendwie auch schlechter Figurenzeichnung geschuldet meinerseits. Ich hatte ihn schon als Ex-Knacki vor Augen, es wird im Text aber nur kurz angerissen, ich hatte ihn als jemanden vor Augen, der früher selbst im organisierten Verbrechen war. Aber ich denke, ich hab das schlecht rübergebracht und deswegen wirkt es unglaubwürdig an dieser Stelle besonders
Ja, und es ist schon viel Glück im Spiel, dass er die Gangster so überwältigen kann, ist schon ein Punkt.

Ich finde insgesamt, du bist zu unentschlossen mit dem Setting. Das liest sich was von William Gay, was im Grunde ja gut ist, nur lese ich das unter der Folie dieser Vorbilder, und ich würde mir wünschen, dass du es dann richtig eindeutschst, auch wenn das eventuell unsexier ist. Mir sind da zu viele Tropen drin, die man in den ganzen U.S-Frontiermythen wiederfindet, das fängt mit den Waffen an und hört mit dem pathetischen Schluss auf. Für mich ist der Text und auch der Charakter in vielen Dingen widersprüchlich und unglaubwürdig, das habe ich oben ausgeführt. Ich hoffe, du kannst mit meinen 5 cent was anfangen.
Ja, danke dir jedenfalls ehrlich gemeint für das Feedback. Ich hab das schon mal geschrieben, was mich selbst gerade ärgert, ist, dass ich viele deiner Punkte schon beim Schreiben irgendwo gespürt habe und den Text nicht noch mal liegen lassen hab, sondern im Zuge der Deadline dann einfach rausgefeuert hab. Soll wie gesagt keine Rechtfertigung oder was auch immer sein, nur mein persönliches Resümee. Also v.a., was die Organik der Figuren und Handlung angeht. Danke auch für die Anmerkungen zu Waffentechnik usw. Es tut gut, so einen Kommentar zu lesen, weil ich jetzt das Gefühl habe, den Text für mich richtig einordnen zu können.


Beste Grüße,
zigga

Ach ja, @lakita :

Über den Titel denke ich noch mal nach :D Aber danke für den Vorschlag!
 
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Wortkrieger-Team
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16.03.2015
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Hi zigga,

im Grunde gefällt mir der Text, inhaltlich.
Der Stil und andere Dinge gefallen mir persönlich an einigen Stellen nicht so gut. Wohl Geschmacksache. Dazu weiter unten mehr.

Er sah hinunter auf die Siedlung; die Metallwarenfabrik, der hohe Handymast.
Wozu hier ein Semikolon? Passt m.E. hier nicht.
Hast du öfter in meinen Augen fraglich gesetzt.

Die glühende Zigarette zwischen Mittel- und Ringfinger. Der Alte hatte langes, weißes Haar, zum Pferdeschwanz gebunden. Auf dem Kopf trug er eine Trucker-Cap. Er trug graue, zerschlissene Turnschuhe
Unkorrekte Kamerafahrt, würde ich sagen. Von den Finger zum Haar, zum Kopf, okay. Aber dann wieder runter zu den Schuhen?

Der Mond schien hell am Himmel.
Der Mond scheint nicht, hat mal jemand hier gesagt. ich stimme dem zu.

Die linke Fahrertür stand einen spaltbreit offen.
Spaltbreit groß oder besser ohne "einen".

Zwei Südländer saßen auf Fahrer- und Beifahrersitz. Ihre Gesichter grau und wächsern. Sie saßen noch in ihre Sicherheitsgurten geschnallt im Auto.
Wofür der Hinweis am Ende, dass sie im Auto sitzen? Ist auch so klar.

Dunkle Einschusslöcher auf ihren Oberkörpern. Ihre Münder standen offen. Ihre Zungen hingen heraus. Ihre Jeans und Oberteile blutgetränkt. Der eiserne Gestank nach Blut und Urin stieß aus dem Wagen. Der Alte hob seinen Schuh; Blut tropfte aus dem Fußraum. Der Hund jaulte und bellte.
Mir persönlich gefallen die vielen kurzen Sätze nicht. Wohl Geschmackssache.

Er schloss die Klappe und Spannverschlüsse. Er hob den Koffer aus dem Wagen. Er schloss die hintere und vordere Wagentür. Er steckte die Klinge zurück ins Lederholster. Er nahm den Koffer und ging ächzend, mit großen Schritten, den Forstweg entlang; anschließend stieg er zurück in das Dickicht.
Was bezwecken die vielen "Er"-Sätze?

In der Spüle stapelten sich Tassen, Teller, Geschirr und leere Baked Beans- und Suppen-Dosen. Auf dem Boden und dem Küchentisch stapelten sich Zeitschriften und Magazine, die mit Schnüren zu kleinen Päckchen zusammengebunden waren. An der Decke spannte sich ein brunnengroßer, schwarzer Schimmelfleck. Auch in seinem Schlafzimmer und der Abstellkammer unter dem Dach war Feuchtigkeit und Schimmel in das Gemäuer gezogen. Die Dachgauben, Teile der Bedeckung und die Dämmung mussten erneuert werden. Die Ölheizung war seit ein paar Jahren ausgefallen. Unter dem Giebel hörte der Alte nachts, wenn alles still war, das Tapsen und Kratzen von Mardern oder Waschbären.
Sechs Beschreibungen. Sind m.E viel zu viele. Die Kunst ist es, mit einer, max. zwei prägnanten alles sagen zu können. (Nicht, dass ich es könnte.)

Es ist, weil sie immer wie Kinder bleiben, dachte er. Weil nur diese Unwissenheit, dieses blinde, kindliche Vertrauen in die Dinge imstande ist, all das Schlechte, das er hatte sehen müssen, aufzuwiegen.
Passt stilistisch so gar nicht zum Rest des Textes. Ist, als spräche da ein ganz anderer.

Der ältere – hochgewachsen, hager, mit eulenhaften Augen – trug eine schwarze Jack Wolfskin-Jacke und die schattenartigen Reste eines weggelaserten Tattoos auf dem Handrücken.
Das nenn ich mal eine gute Beschreibung.

Er fuhr einen roten VW Polo II. Baujahr 1991.
Wichtig wofür? Würde nicht auch alter Polo reichen?

Das hintere Fenster mit Gaffer-Tape verklebt.
Nie gehört. Ist das ein Anti-Gaffer-Tape, damit niemand hineinschauen kann? :shy:

Durch das Küchenfenster sah er den Kopf seines Sohnes und den seiner Schwiegertochter; und die Köpfe eines anderen Ehepaares, das er nicht kannte.
Woher weiß er, das es ein Ehepaar ist, wenn er sie nicht kennt? Können ja auch Geschwister sein.

Seine Enkeltochter kam den Gang entlang gelaufen. Sie trug einen viel zu langen Schlafanzug.
Gute Beschreibung.
Allerdings dachte ich, sie trägt den Anzug ihrer großen Schwester oder so. Also ein Zeichen von Armut. Ist aber nicht so. Hat mich in die Irre geführt. :lol:

Die Augen und grazilen Hände hatte er von der Mutter.
Schön.

Er hörte Mountain (draußen, vor dem Treppenaufgang) winseln.
Wofür eigentlich die vielen Klammern im Text?
Sind dir die Semikolons oder Gedankenstriche ausgegangen? :lol:

die Schüsse einer Vorderschaft-Repetierflinte
hielt er die Vorderschaft-Repetierflinte.
Der Vorderschaft-Repetierflinte-Mann
Ja, ich weiß es mittlerweile.

Als Fragen bleiben für mich noch offen: Warum hat der Alte die Bullen geholt? Warum hat der Alte so umständlich (und ich selbst gefährdend) seine eigene Knarre geholt, anstatt die der Typen zu nehmen?

Spannung gut. Atmosphäre auch.
Du hast vieles richtig gut gemacht.

Schönen Abend und liebe Grüße,
GoMusic
 
Senior
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02.01.2011
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Schönen Abend, @GoMusic,

vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren erst mal.

im Grunde gefällt mir der Text, inhaltlich.
Schön.

Der Stil und andere Dinge gefallen mir persönlich an einigen Stellen nicht so gut.
Weniger schön.

Wozu hier ein Semikolon? Passt m.E. hier nicht.
Hast du öfter in meinen Augen fraglich gesetzt.
:D Ja, danke für das Feedback. Ich bin der Semikolon-Mann. Hier gibt es einige, die es hassen. Ich werde mal drüber nachdenken. Aber meine ich ernst, dass ich das schon schätze, dass mir mit den Teilen immer mal wieder auf die Finger gehauen wird.

Die glühende Zigarette zwischen Mittel- und Ringfinger. Der Alte hatte langes, weißes Haar, zum Pferdeschwanz gebunden. Auf dem Kopf trug er eine Trucker-Cap. Er trug graue, zerschlissene Turnschuhe
Unkorrekte Kamerafahrt, würde ich sagen. Von den Finger zum Haar, zum Kopf, okay. Aber dann wieder runter zu den Schuhen?
Das ist ein interessanter Punkt. Ook ... ich gucke mal

Der Mond schien hell am Himmel.
Der Mond scheint nicht, hat mal jemand hier gesagt. ich stimme dem zu.
Ok, ja, ist was dran ... ist notiert

Die linke Fahrertür stand einen spaltbreit offen.
Spaltbreit groß oder besser ohne "einen".
tatsächlich. Wenn man das Wort googlet, kommt "spaltbreit" als korrekt, bei Duden.de groß.

Zwei Südländer saßen auf Fahrer- und Beifahrersitz. Ihre Gesichter grau und wächsern. Sie saßen noch in ihre Sicherheitsgurten geschnallt im Auto.
Wofür der Hinweis am Ende, dass sie im Auto sitzen? Ist auch so klar.
Stimmt, geändert

Dunkle Einschusslöcher auf ihren Oberkörpern. Ihre Münder standen offen. Ihre Zungen hingen heraus. Ihre Jeans und Oberteile blutgetränkt. Der eiserne Gestank nach Blut und Urin stieß aus dem Wagen. Der Alte hob seinen Schuh; Blut tropfte aus dem Fußraum. Der Hund jaulte und bellte.
Mir persönlich gefallen die vielen kurzen Sätze nicht. Wohl Geschmackssache.
Ok

Er schloss die Klappe und Spannverschlüsse. Er hob den Koffer aus dem Wagen. Er schloss die hintere und vordere Wagentür. Er steckte die Klinge zurück ins Lederholster. Er nahm den Koffer und ging ächzend, mit großen Schritten, den Forstweg entlang; anschließend stieg er zurück in das Dickicht.
Was bezwecken die vielen "Er"-Sätze?
Eigentlich gar nichts ... ich weiß nicht, mir fiel das beim Schreiben gar nicht auf. Also schon, aber ich mochte den Sound irgendwie.

In der Spüle stapelten sich Tassen, Teller, Geschirr und leere Baked Beans- und Suppen-Dosen. Auf dem Boden und dem Küchentisch stapelten sich Zeitschriften und Magazine, die mit Schnüren zu kleinen Päckchen zusammengebunden waren. An der Decke spannte sich ein brunnengroßer, schwarzer Schimmelfleck. Auch in seinem Schlafzimmer und der Abstellkammer unter dem Dach war Feuchtigkeit und Schimmel in das Gemäuer gezogen. Die Dachgauben, Teile der Bedeckung und die Dämmung mussten erneuert werden. Die Ölheizung war seit ein paar Jahren ausgefallen. Unter dem Giebel hörte der Alte nachts, wenn alles still war, das Tapsen und Kratzen von Mardern oder Waschbären.
Erweitern ...
Sechs Beschreibungen. Sind m.E viel zu viele. Die Kunst ist es, mit einer, max. zwei prägnanten alles sagen zu können. (Nicht, dass ich es könnte.)
Ok, ja, stimme ich dir zu, wenige Beschreibungen sind immer gut. Ich weiß nicht, ob es mich hier wirklich stört

Es ist, weil sie immer wie Kinder bleiben, dachte er. Weil nur diese Unwissenheit, dieses blinde, kindliche Vertrauen in die Dinge imstande ist, all das Schlechte, das er hatte sehen müssen, aufzuwiegen.
Passt stilistisch so gar nicht zum Rest des Textes. Ist, als spräche da ein ganz anderer.
Grr, ja. Ok danke fürs Feedback. Natürlich ärgerlich. Ich denke mal drüber nach, was ich hier mache.

Der ältere – hochgewachsen, hager, mit eulenhaften Augen – trug eine schwarze Jack Wolfskin-Jacke und die schattenartigen Reste eines weggelaserten Tattoos auf dem Handrücken.
Das nenn ich mal eine gute Beschreibung.
Danke

Er fuhr einen roten VW Polo II. Baujahr 1991.
Wichtig wofür? Würde nicht auch alter Polo reichen?
Ich dachte, ein bisschen szenisch gezeigt irgendwo, was ich mit "alt" meinen würde. "Alt" ist ja sehr allgemein

Das hintere Fenster mit Gaffer-Tape verklebt.
Nie gehört. Ist das ein Anti-Gaffer-Tape, damit niemand hineinschauen kann? :shy:
Hast du doch bestimmt schon mal gesehen!

Durch das Küchenfenster sah er den Kopf seines Sohnes und den seiner Schwiegertochter; und die Köpfe eines anderen Ehepaares, das er nicht kannte.
Woher weiß er, das es ein Ehepaar ist, wenn er sie nicht kennt? Können ja auch Geschwister sein.
Hm, ja. Ich finde, manchmal erkennt man es relativ schnell. Bspw. wenn sich zweimal Mann und Frau gegenüber sitzen, in einem gewissen Alter, bspw. beim Essen. Ich weiß nicht, aber manchmal ist das einfach klar, zumindest in meinem Verständnis. Aber ja, hast auch schon recht

Seine Enkeltochter kam den Gang entlang gelaufen. Sie trug einen viel zu langen Schlafanzug.
Gute Beschreibung.
Allerdings dachte ich, sie trägt den Anzug ihrer großen Schwester oder so. Also ein Zeichen von Armut. Ist aber nicht so. Hat mich in die Irre geführt. :lol:
Ja, so könnte man es auch sehen!

Er hörte Mountain (draußen, vor dem Treppenaufgang) winseln.
Wofür eigentlich die vielen Klammern im Text?
Sind dir die Semikolons oder Gedankenstriche ausgegangen? :lol:
:D Ja, irgendwie. Hab neulich einen ganz guten Roman gelesen, da wurde das immer so gemacht, hat irgendwie auf mich abgefärbt. Aber ja, irgendwie ist das auch nur ein wenig andere Semikolons

Als Fragen bleiben für mich noch offen: Warum hat der Alte die Bullen geholt? Warum hat der Alte so umständlich (und ich selbst gefährdend) seine eigene Knarre geholt, anstatt die der Typen zu nehmen?
Ja, Scheiße, das sind die wunden Punkt des Textes. Ich hatte irgendwie schon gewusst, dass es zu wenig Info im Text ist, aber du kennst das vielleicht, irgendwie will man es trotzdem so schreiben, obwohl man es eigentlich besser weiß.
Ich dachte: Er versucht seine Spuren zu verwischen, deswegen kehrt er noch mal zum Wagen zurück, weil er ihn ja angelangt hat usw. Aber letztendlich merkt er, dass es nicht klappt und dass, wenn die Kripo Spuren von ihm (er war ja im Knast) am Wagen findet, er das Grundstück durchsucht bekommt. Letztendlich entschließt er sich, 110 zu wählen um zu sagen, er hätte den Wagen durch Zufall gesehen, weil er so einer Durchsuchung entgehen will. Aber es ist zu wenig Info, du hast recht.

Ich dachte, er rennt raus, weil er einfach unter Panik ist und nicht weiß, ob die noch etwas an sich haben, einfach in Panik und weil er oben sein eigenes Gewehr will. Aber es ist irgendwie scheiße :D

Spannung gut. Atmosphäre auch.
Du hast vieles richtig gut gemacht.
Danke, GoMusic.

Viele Grüße!
zigga
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
22.10.2011
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2.986
Lieber zigga, ich schreib dir ein Feedback, aber ich fürchte, das wird dich nicht freuen. Und ich kann es verstehen. Ich musste deinen Text abbrechen, obwohl mir der Alte selbst, der Schauplatz, der Hund, das gesamte Szenarium richtig gut gefielen. Abbrechen musste ich, weil ich irgendwann die ständig gleichen Satzanfänge so schlimm fand, dass es einfach nicht mehr ging. Irgendwann habe ich runtergescrollt und gesehen, dass die "Er" wie eine Parade untereinander aufmarschierten, da hab ich es dann endgültig gelassen.
Ich sehe ja, dass ich mit diesem Hinweis sehr alleine stehe, ist vielleicht also eine extreme Geschmacksgeschichte, die was mit meinem ganz persönlichen Stil- und Sprachempfinden zu tun. Andere genießen ja die Sprödigkeit dieses Stils. Und natürlich habe ich mir auch überlegt, denn du schreibst ja wie eine Eins, dass diese immer gleiche Satzkondtruktion absichtlich und mit Bedacht gewählt ist, aber für mich geht das halt trotzdem zu Lasten der Geschichte
Irgendwie hoffe ich gerade, dass das bei dir nur eine Phase ist. :D
Nimms mir nicht übel, dass ich so eine destruktive Kacke schreibe, irgendwie hoffe ich halt, dass du auch an den unterschiedlichsten Eindrücken interessiert bist.
Bis die Tage und lass es dir gut gehen.
Novak
 
Senior
Beitritt
02.01.2011
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803
Moin @Novak!

Bitte her mit den Meinungen, auch wenn sie nicht gefällig klingen. Dafür bin ich hier :p

Es ist in allem Ernst sehr interessant für mich. Ja, ich kann es irgendwo nachvollziehen, auch wenn ich persönlich das irgendwie nicht empfinde beim Lesen. Ich muss das Teil mal liegen lassen ein wenig, damit ich mit klaren Augen auf den Text blicken kann. Aber vielen herzlich Dank für das ehrliche Feedback (ernst gemeint).
Ja, klar ist da Experimentieren dabei, was geht sprachlich, was mögen Leute nicht? Du kennst das sicherlich, keinen Text liest man so verfälscht und durch eine Brille wie den eigenen.
Den Stil haben schon einige deiner Vorredner ins Visier genommen, das kommt auf jeden Fall an bei mir und ich ziehe meine Schlüsse draus. Merci!

Viele Grüße,
zigga
 
Beitritt
23.11.2016
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Hallo @zigga,

was soll ich Dir schreiben, frage ich mich die ganze Zeit, aber ich glaube, Du kannst auch mit einem Kommentator wie mir etwas anfangen, und ich belästige Dich auch nur, weil ich bei der Challenge versuche, alle Text zu kommentieren.

Bei Deinem Text sind mir zwei große Punkte aufgefallen, die ich kurz nennen möchte:

1. Gleiche Satzanfänge

Es gibt sicher Leser, die das ausblenden können, die das rhythmisch finden, irgendwie gelungen.

Mich macht das irre. Ich sehe da nur den Autoren, der etwas ausprobiert, der mir mit Gewalt etwas ins Hirn hämmern möchte: Monotonie! Rhythmus! Gewohnheit! etc.!

Das macht es für mich zu einem Lesekampf, baut innere Hürden auf, erzeugt fast schon eine Art Aggression.

2. Nachvollziehbarkeit

Beim Schreiben finde ich es schwierig, eine Figur zu erschaffen, die im Rahmen ihres Charakters, der Umwelt, der Zwänge und anderer Parameter 100% nachvollziehbar handelt. Ich habe das hier im Forum schon öfter mal geschrieben, aber meistens nur als Antwort bekommen, dass Menschen eben nicht immer logisch handeln.

Ja, das stimmt. Menschen handeln nicht immer logisch oder vernünftig, aber aus meiner Sicht handeln Menschen immer innerhalb der oben genannten Parameter nachvollziehbar.

Bei Deinem Protagonisten habe ich ein großes Nachvollziehbarkeitsproblem.

Der findet einen Wagen im Wald, in dem erschossenen Menschen liegen. Alles deutet darauf hin, dass das nicht lange her ist. Also, wenn mir das passieren würde, wäre ich aber sowas von schnell weg.

Dein Prota aber untersucht erst einmal routiniert das Auto.

Warum tut er das? Der ist doch womöglich in Lebensgefahr und verhält sich völlig draufgängerisch. Das wird mir in der ganzen Geschichte nicht klar, warum der so draufgängerisch ist. Ich dachte irgendwann mal, ob der suizidgefährdet ist oder eine schwere Krankheit hat und sowieso zwei Tage später tot ist (stimmt natürlich nicht).

Selbst wenn er Verbrecher ist (was Du mal irgendwo andeutest), dann hat er doch auch Angst um sein Leben. Nur weil er kriminell ist, ist er doch nicht automatisch ein Draufgänger. Nun, ich bin nicht der Spezialist für Kriminelle, beileibe nicht, aber mir leuchtet das einfach nicht ein, dass er sich offensichtlich keine Gedanken über die Gefahr macht, in die er sich begibt.

Außerdem hat der Plot für mich gleich am Anfang schon ein Logikproblem. Warum sind die erschossen worden? Warum ist das Gold noch im Wagen? Warum haben die Mörder den Wagen einfach stehen lassen?

Das ist jetzt nur ein Beispiel von vielen. Die anderen Kommentatoren haben da auch viele Details genannt, die ich jetzt nicht wiederholen möchte. Ich denke, Du verstehst das auch so.

Aufgrund dieser fehlenden Nachvollziehbarkeit kann ich mir kein Bild von dem Prot machen. Ich kann den einfach nicht greifen. Was ist das für ein Typ? Was hat der für einen Charakter? Warum handelt er so wie er handelt?

Zusammengefasst fehlt mir Klarheit: in der Sprache, im Plot und im Charakter.

Ich hoffe, Du kannst damit etwas anfangen.

Gruß
Geschichtenwerker
 
Senior
Beitritt
02.01.2011
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Servus @Geschichtenwerker,

danke fürs Lesen und Kommentieren.

Jaa ja. Ich möchte mich nicht rausreden, aber ich hätte es nicht so hochgeladen, hätte es nicht die Deadline gegeben. :D Ich brauche immer ein wenig Zeit nach einem Text, bevor ich ihn einschätzen kann.

Ja, das Sprachliche hatten auch ein paar andere so gesehen. Ich hab im Moment kein Problem damit, aber es ist jedenfalls notiert und natürlich auch hilfreich für mich.

Was den Prot angeht, ok. Ich hatte eine andere Figur vor Augen als du, ich denke aber auch, dass da ein paar Fehler im Text sind, sonst hätte diese Diskrepanz nicht passieren dürfen.

Außerdem hat der Plot für mich gleich am Anfang schon ein Logikproblem. Warum sind die erschossen worden? Warum ist das Gold noch im Wagen? Warum haben die Mörder den Wagen einfach stehen lassen?
Das sehe ich nicht so. Also das ist doch kein Logik-Problem. Es wird nicht gesagt im Text, was dort passiert ist; Logikfehler wäre es, wenn aus dem resultierenden Vortext oder der Realität etwas passiert, das eigentlich gar nicht passieren dürfte.

Ja, ok, ist angekommen alles. :aua:

Beste Grüße
zigga
 
Beitritt
23.11.2016
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458
Das sehe ich nicht so. Also das ist doch kein Logik-Problem. Es wird nicht gesagt im Text, was dort passiert ist; Logikfehler wäre es, wenn aus dem resultierenden Vortext oder der Realität etwas passiert, das eigentlich gar nicht passieren dürfte.
Das war unscharf ausgedrückt: Wenn ich so eine Situation vor Augen habe, stelle ich mir diese Fragen und so eine Situation ist erst einmal extrem ungewöhnlich. Stell Dir vor auf dem Marktplatz einer deutschen Stadt steht am 1. August ein Rentier mit Nikolauskostüm. Da fragte man sich auch: Wo kommt das denn her? Und was soll das?

So sehe ich das mit dem Auto auf dem Waldweg, in dem zwei erschossene Personen sind. Schweinwerfer und Rücklichter brennen noch. Da denke ich mir als Leser, dass das gerade erst passiert ist und dann frage ich mich wo das Auto herkommt und die Mörder sind. Das Auto steht auf einer Forststraße. In der Seite sind Einschusslöcher. Steht das Auto quer? Warum sind die Einschusslöcher an der Seite? Und mehrere? Gab es eine Verfolgungsjagd? Das müssen ja mächtige Wummen gewesen sein. Und dann lassen die das Gold drin, warum? Etc.

Das sind Details, die scheinbar nicht zusammenpassen. Dafür mag es eine Erklärung geben, die sich mir als Leser aber nicht erschließt. Das sehe ich dann als "Logikproblem", weil ich daran hängenbleibe und es nicht plausibel nachvollziehen kann.

Vielleicht verstehst Du es jetzt besser.

Ja, ok, ist angekommen alles. Wird mir nicht nochmal passieren.
Klingt fast so, als ob Dir das peinlich wäre. Das wollte ich nicht auslösen.

Gruß
Geschichtenwerker
 
Senior
Beitritt
02.01.2011
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803
@Geschichtenwerker,
danke für die erneute Rückmeldung.
Yes, ich hab das schon so verstanden gehabt wie du es jetzt beschreibst. Mich stört das aber eigentlich nicht, diese Szenerie zu Beginn zu stellen. Ja, hätte ich es aufgeklärt, wäre das befriedigender, aber auch länger und ein anderer Text geworden. Aber ich verstehe deinen Einwand, dass da im Text Fragen nicht beantwortet wurden, von denen du eine Antwort als Leser gewünscht hättest. Ein Rentier mit Kostüm fände ich persönlich aber nicht spannend, Gold und ein paar Leichen schon. :p

Also für mich bräuchte eine Kurzgeschichte diesen Vorfall nicht erklären, aber das ist natürlich auch Geschmack und deine Einschätzung ist angekommen.

Gruß, zigga
 
Beitritt
28.12.2009
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Das sind Details, die scheinbar nicht zusammenpassen. Dafür mag es eine Erklärung geben, die sich mir als Leser aber nicht erschließt. Das sehe ich dann als "Logikproblem", weil ich daran hängenbleibe und es nicht plausibel nachvollziehen kann.
Dann hast du aber ein Logikproblem mit rund 90% der Fiktion. Ich frage mich bei "No country for old men" ja auch nicht - Hmmm, also wie sind denn jetzt die Gangster da mitten in die Wüste gekommen, warum haben die sich alle gegenseitig ermordet, gab es da Unstimmigkeiten, wollte jemand den anderen bescheißen? Das ist einfach eine andere Geschichte. Ich denke da in Sequenzen, eins nach dem anderen, und wenn sich mir die Situation so erschließt, dann benötige ich nicht den genauen Ablauf, sondern nur: da ist ein Deal schiefgelaufen.

Der Charakter in Ziggas Geschichte ist außerdem ein Krimineller, bzw hat der eine kriminelle Vergangenheit. Da ist es viel wahrscheinlicher, dass er sofort rafft, was passiert ist und handelt. Man könnte jetzt darüber spekulieren, ob Zigga diese Seite stärker betonen möchte, dafür würde ich plädieren, denn dann erscheint mir sein organisiertes, berechnendes Handeln plausibler. Spannender fände ich persönlich einen Aussteiger, der damit, mit dem Milieu, überhaupt nichts zu tun hat und nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war, aber es ist eben nicht meine Geschichte.

Gruss, Jimmy
 
Beitritt
23.11.2016
Beiträge
458
Das ist einfach eine andere Geschichte. Ich denke da in Sequenzen, eins nach dem anderen, und wenn sich mir die Situation so erschließt, dann benötige ich nicht den genauen Ablauf, sondern nur: da ist ein Deal schiefgelaufen.
Ja, das ist bei mir prinzipiell auch so, aber ich glaube auch, dass da jeder seine eigene Schwelle hat, ab wann man etwas als weniger logisch oder schwer nachvollziehbar empfindet (hier finde ich es einfach merkwürdig, dass das Gold noch da ist, wenn der Deal geplatzt ist und offensichtlich die Gegenseite unversehrt davongekommen ist und es keinen naheliegenden Grund gab, zu fliehen). Außerdem hängt das sicher auch daran, wie sehr einen die Geschichte in den Bann zieht. Wenn man gleich gefesselt ist, fallen einem diese Unstimmigkeiten weniger stark auf, da ist dann wohl stärker die rechte Gehirnhälfte aktiv und weniger die linke (hängt vielleicht auch damit zusammen, ob man eher die Logik oder die Emotionen/Sinneseindrücke anspricht). Damit hängen aus meiner Sicht auch oftmals die starken Unterschiede bei den Leseeindrücken zusammen (und auch der Tipp, dass man möglichst alle Sinne ansprechen sollte als Autor, damit der Leser tiefer in den Texte eintauchen kann, womit einfach die rechte Hirnhälfte aktiviert wird). Ich bin da sicher eher "logiklastig" und so fallen oftmals meine Kommentare auch aus.

Der Charakter in Ziggas Geschichte ist außerdem ein Krimineller, bzw hat der eine kriminelle Vergangenheit. Da ist es viel wahrscheinlicher, dass er sofort rafft, was passiert ist und handelt. Man könnte jetzt darüber spekulieren, ob Zigga diese Seite stärker betonen möchte, dafür würde ich plädieren, denn dann erscheint mir sein organisiertes, berechnendes Handeln plausibler. Spannender fände ich persönlich einen Aussteiger, der damit, mit dem Milieu, überhaupt nichts zu tun hat und nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war, aber es ist eben nicht meine Geschichte.
Das sehe ich ganz genauso!

Gruß
Geschichtenwerker
 

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