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Theaterstück Wallensteins Schlafzimmer

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Wallensteins Schlafzimmer

Wallensteins Schlafzimmer

für Eric Idle * 29.03.1943

Ein Dramolett in sechs Akten,
mit Vor- und Nachspiel und Musik​


von Sibylla Schwarz, Friederike Kemper, Fritz Schiller, Matthias Claudius, Golo Mann und Het Dante Friedchen

Fassung vorletzter Hand​

"Ich ging durch die Welten, ich stieg in die Sonnen und flog mit den Milchstraßen durch die Wüsten des Himmels; aber es ist kein Gott. Ich stieg herab, so weit das Sein seine Schatten wirft, und schauete in den Abgrund und rief: ›Vater, wo bist du?‹ Aber ich hörte nur den ewigen Sturm, den niemand regiert, und der schimmernde Regenbogen aus Wesen stand ohne eine Sonne, die ihn schuf, über dem Abgrunde und tropfte hinunter. Und als ich aufblickte zur unermesslichen Welt nach dem göttlichen Auge, starrte sie mich mit einer leeren bodenlosen Augenhöhle an; und die Ewigkeit lag auf dem Chaos und zernagte es und wiederkäuete sich. – Schreiet fort, Misstöne, zerschreiet die Schatten; denn Er ist nicht!"
aus Jean Paul: Rede des toten Christus vom Weltengebäude herab, dass kein Gott sei

Personen:
Friederike Kemper, Gartenlaube

Sibylla Schwarz, Tochter des Bürgermeisters von Greifswald

Vojtěch Václav Eusebius z Valdštejna, kurz: Wallenstein - Herzog von Friedland und Mecklenburg, Fürst zu Sagan und Boss des größten Kriegsunternehmens aller Zeiten zuvor und bis vor einem Monat gewesener Generalissimus des Hauses Österreich

Wallensteins Schatten, Dragoner, ein Publikum, Beichtvater und Gevatter Hain, Egerländer Blasmusik

Musik von Frau Kemper und der Egerländer Blasmusik
Ort und Zeit: historisch Eger,CC Greifswald 24./25. Februar 1634, aktuell jetzt und hier - ein kleiner virtueller Zuschauerraum mit dem Leser als Publikum

Vorspiel
Vorm Vorhang​

Friederike Kemper (bläst auf dem Kamm eine beliebige, aber bekannte Melodie an und singt dann):

O Wallenstein, du eigner Held,
Bewundert viel, begeifert von der Welt,
Im Tode doch blüht dir ein Glück:
Von Schillers Hand das hübsche Stück!

(die Melodie erneut blasend, ab zur rechten Seite)


1. Akt

Nacht. Wallensteins Schlafzimmer. Kerzenlicht.

Wallenstein (im Nachthemd, erhebt sich stöhnend vom Bett und geht Schlappen schleppend ans Fenster und öffnet es. Blasmusik lärmt herüber.
Spricht in die Nacht hinein):

Die Egerländer blasen Sturm unds närrisch Volk hat Freigang, holt freudig rote Nasen sich.

Auch das muss mal sein, denn düster ist unser Leben geworden und Ares regiert die Welt. Wenn jetzt nicht Eirenen gelingt zu obsiegen, wird die ganze Welt weiter im Finstern verharren; auf eben die gleich’ elend lange Zeit als die Herrschaft des Ares schon auf allem lastet!

Ist aber das geschichtlich’ Erdreich erst einmal aufgewühlt, muss mit erstaunlichen Gewächsen gerechnet werden: mit kolossalen Helden und eben solchen Zwergen, die feig’ ihr Gift verspritzen.

(Lacht bitter auf und fährt fort):

Erinnere mich des Spiels unter Kindern: so wird gesagt, ich hätte nur Kriegsspiel geduldet. – Welch ein Scherz!
Als ich später den Mitschülern erzählte, dass sich die Weiden vor mir verneigt hätten, glaubten sie’s.
’s waren wohl Trauerweiden und Trauerklöße zugleich. –

Heut’ kehrt es als Gerücht zurück zu mir! –

(Niest. Von draußen ist Tumult zu hören.)

Erinnere mich dessen, was der Astrolog' aus den Sternen erkannte: hätt’ ein wachendes, aufgemuntert, emsig und unruhig Gemüt, sei begierig auf Neuerung. Wie nebenbei lasse sich erkennen ein großer Durst nach Ehren und Streben nach Dignität und Macht. –

(Kichert kurz)

Nun ja, mein’ Durst löscht ein Pilsner nicht allein. –

Hierdurch entstünden mir viel’ öffentliche und geheime Feinde, die mir großen Schaden zufügen könnten. Obsiegte zweifellos meistenteils über sie, sofern ich nur den Lauf der Welt beachtete. So gelangt’ ich zu hohen Dignitäten, Reichtum und, - nachdem ich mich endlich in Höflichkeit schicken tät’, - zu einer stattlichen Heirat.

Und der Astrolog’ hat recht, recht hat der Sterngucker: Die Sterne logen nicht! –

Was weiter erzählt’ der Astrologe?

Mir gefiele nicht das gemeine menschliche Wesen und seine Händel, sondern ich trachtete nach neuen, bisher unversuchten Mitteln. Doch hätt’ ich viel mehr in Gedanken, als ich äußerlich spüren und sehen ließ’.

Was mir nicht gefällt am Horoskop, dass ich unbarmherzig wär', ohn’ brüderlich’ und eheliche Liebe, niemand achtend, denn nur mich und der Wollust ergeben. Wär' hart zu den Untertanen und zöge sie an mich. Wäre geizig, betrüglich und behandelte sie alle ungleich.

Sicherlich bin ich meist stillschweigend, doch dann wieder ungestüm und streitbar. Doch ähnelt’ ich also der englischen Elisabeth und dem gewesenen Kanzler der Polen.

Alles wahr und eingetreten, was der Astrologe vorausgesehen.

Doch fürcht ich allein die Rede, dass ich nicht allen Feinden überlegen sein werde. –
Das ängstigt mich!

2. Akt
1. Szene

(Nacht. Am Fuße des Schlossberges. Hufgeklapper.
Aufreiten vier Dragoner, steigen ab und stecken die Pferde in den Boden.

Torkeln.

Ihre Fahnen riechen bis ins Publikum und hoch an den Schlossturm.)

2. Szene

(Greifswald, zur gleichen Zeit.
In den Trümmern herrscht Gevatter. Es stinkt wie die Pest, Moder und Aas. Auf den Trümmern feiert ein Mädchen seinen 13. Geburtstag.
Sybilla Schwarz ruhig: )

Willstu noch nicht Augen kriegen, oh, du ganz verböste Welt
da du doch siehst niederliegen manchen ausgeübten Held',
da du doch siehst oft begraben, die es nicht gemeinet haben!
Wie lang willstu Wollust treiben? Wie lang, meinstu, hastu Zeit?
In der kranken Welt zu bleiben? Wie lang liebstu Üppigkeit?
Da doch einer nach dem andern muss aus diesem Leben wandern.

Ei, was hastu für Gedanken, wenn da so viel Leichen stehn?
Wenn da liegen so viel Kranke, die den Tod vor Augen sehn?
Wenn die Götter dieser Erden selber auch begraben werden?
Wirstu dich nicht eh bedenken, eh der warme Geist entweicht -
so wirstu dich ewig kränken, darum, weil der Tod uns schleicht
stündlich nach auf allen Seiten, soll man sich dazu bereiten.

Gib mir Gott ein selig Ende, führ mich durch des Todes Tal,
nimm mich fest in deine Hände, kürze mir des Todes Qual,
Lass mein Herze nicht verzagen für des Todes grimmen Plagen!
Lass mir nach die schwere Sünde, gib mir deinen Freudengeist,
dass ich Ruh der Seelen finde! Darum bitt ich allermeist!
Lass mich auch ja nicht berauben, sondern mehr mir meinen Glauben!

Hier mein Gott, hie schlag und plage! Hier, HERR JEsu, reck undt streck!
Hier, hier trenne, brenn und jage! Hier reiß, schmeiß, kränk, senk und schreck!

Lass mich hier die Strafe spüren, die mir sollte dort gebühren!

3. Akt

(Nacht. Wallensteins Schlafzimmer.
Wallenstein am offenen Fenster):

Fürchte nicht den offenen Kampf der Kolosse.
Ich fürcht' den Zwerg und unsichtbaren Feind, der Gift verspritzt.
Allein durch feige Furcht ist er fürchterlich. Das ganz Gemeine, ewig Gestrige. –

Das ganz Gemeine ist’s, was immer war und immer wiederkehrt und morgen noch gilt, weil’s heut schon gegolten. Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, Gewohnheit nennt er seine Amme.

Weh aber dem, der würd’gen alten Hausrat zertöpfert!

Diesem Feind muss zuvor ich kommen. Dess’ Kriechen, dess’ knechtischen Verbeugens könnts Blut gemeiner Menschen in Wallung versetzen und vorbestimmte Wahl, gefassten Beschluss zu Kinderwillen machen. Süße Worte, gekrümmter Rücken, gebeugtes Knie nebst hündischer Schmeichelei suchen den Entschluss zu ändern.

(Schreit hinaus in die Nacht so laut er kann):

Euer Kaiserlicher Majestät untertänigst gehorsamster Fürst und Diener!
Dem ich nicht lach!

4. Akt

(Nacht. Vorm Schloss.
Die Dragoner hören jemand schrei’n):
Wallenstein:

Euer Kaiserlicher Majestät untertänigst gehorsamster Fürst und Diener!
Dem ich nicht lach!

Erster Dragoner (nickt den andern zu):

C’est l’homme Val’stejn!

Zweiter Dragoner:

Le grand homme, il est chez lui.

Dritter Dragoner: (hält eine Flasche hochprozentiger Dragonade [Drachenblut] hoch und brüllt den Kameraden zu):

Haut la bouteille!

(Die andern drei halten auch Dragonade hoch.
Sie rufen gleichzeitig)

Erster Dragoner:

Haut le verre!

Zweiter Dragoner:

À votre santé!

Vierter Dragoner:

En avant, bons camarades!

(Alle vier ab.)

5. Akt

(Wallensteins Schlafzimmer.
Wallenstein am offenen Fenster):

Ferdinand -
Zwerg nach Giganten wie Rudolf, Max und Karl, mit dem sich schon mein Großvater gestritten.

Ich pfeif auf die Anred' „Euer Liebden“ oder „Euer fürstlich’ Gnaden“ und erst recht „Von Gottes Gnaden“! Ha! Ausgekotzt aus irgendei’m göttlich sich wähnenden Verdauungstrakt: Gnade kann nur der Himmel gewähren. Und da werden des Kaisers Händ' tausendmal sich falten, um Vergebung zu erflehn.

Tausendmal wird er sterben, bevor einmal er stirbt.

Was planlos geschehn, soll in einen Plan nun gegossen werden: ein neues Reich mit modern’rer Verwaltung, der Frondienst gehört abgeschafft. Und ohn’ dies abergläubische und totalitäre Gehabe und Getue der Inquisition, mit stehendem Heer und nicht marodierenden Banden, dass der Krieg sich selbst ernähre. Holzeinschlag in den Wäldern werde erlaubt, Fischereiverbote zählen nicht mehr.

Denn werden die Lebensbedingungen der Untertanen verbessert, werden sich auch meine Einnahmen steigern.
Leben und leben lassen!

Manufakturen sind zu errichten, Kollegs und Universitäten sind zu gründen, das Recht ist zu vereinheitlichen.

Und schafft das nicht die Liga, so schaff’ es die Union!

(Vom nahen Kirchturm schlägt’s Mitternacht.)

Die Uhr schlägt keinem Glücklichen!

(Vom Treppenhaus her kommt viel Lärm.)

Ich spüre, des Märzen Idus ist mir nah!

(Die Tür wird aufgestoßen. Vier angetrunkene Dragoner betreten polternd den Raum.
Wallenstein wendet sich ab vom offenen Fenster in den Raum.
Das Kerzenlicht kündet an den stillen Schatten des Todes.)

Wallenstein (ruhig):

Spät kommt Ihr, - doch Ihr kommt!
Sucht Ihr Vojtěch Václav Eusebius z Valdštejna,
so habt Ihr ihn gefunden.
Bin müd’ und krank, kann kaum den Schoppen Bieres selbst mehr führen, geschweige denn den Degen oder gar das Schwert.

Ich denk, einen langen Schlaf zu tun!

(Wallenstein breitet die Arme aus und der von den Leuten sich bisher zurückgehalten, der nimmt nun Schwung und stößt wie nach dem Lehrbuch zu, wie’s die objektive Berichterstattung später beschreiben wird und nun berichtet mit der Stimme von

Friederike Kemper):

Man müsse auf die Mitte zielen, wenig unterhalb des Brustbeins, den Stoß aufwärts führen, einen Fuß nach vorne gestemmt –
Zwerchfell und Magen durchstoßen, die Hauptschlagader treffen, die Lunge zerfetzen, mit des Todes riesigem Zackenmesser vier, fünf Organe durchwühlen, da eines bereits genügt hätte.

Feuer, stickender Schmerz, kreisender Weltuntergang. Fragment einer Sekunde: Ein Licht und der Körper sinkt in die ewige Nacht, als die Partisane herausgezogen wird aus dem Leib.

Was wird uns gezeigt und hernach berichtet?

(beschreibt, was auf der Bühne geschieht)

Ein langer, hagerer Mann nimmt den kleinen Körper zunächst auf die Arme und will ihn zum Fenster hinauswerfen, -

Ein Publikum (wirft ein, hämisch lachend oder stotternd, je nach Gefühlslage):

¿Ha, haben da nicht Böhmen und Mähren reichlich Erfahrung!

Friederike Kemper:

Aber, aber, gemach, verehrtes Publikum -
unter den Mördern ist gar kein Böhme, kein Mähre und Tscheche, nicht einmal ein Deutscher.

Lassen Sie mich also bitte fortfahren im Text!

Aber die anderen wollen anderes: plappernd wickeln sie den Körper in einen roten Teppich und schleifen ihn die Treppe hinab und an jeder Stufe schlägt der Schädel auf. Dann auf einen Wagen geladen, auf dem später weitere gebliebene Anhänger des gewesenen mächtigsten Mannes im Reiche - nebst dem Kaiser, so müssen wir einschränkend sagen - an diesem Faschingssonntag auf lange Zeit zu liegen kommen.

Und keine Kapelle spielt dazu, denn wer hätt’ den Anstiftern das hohe Lied des Mord und Totschlags singen und spielen sollen, gilt es doch immer wieder durch höheren Willen, eine Mörderbande aus dem Vermögen Ermordeter zu entlohnen und somit still zu stellen und die Tat zu legalisieren und zu legitimieren -

da niemand im nahen Alsheim Mnemosyne vermisst. Derweil rechtfertigt vor seinem Ordensgeneral.

(Auftritt
Beichtvater):

Solang Friedland dem Reiche und uns glücklich war,
freuten wir uns mit ihm.

Da er tapfer war,
ehrten wir ihn.

So wir ihn liebten,
weinen wir um ihn.

Als er aber uns verderben
unds Haus Österreich ausrotten wollte,
gaben wir am 24. Jänner Befehl,
die Herrschsucht zu zügeln und
der Göttlichen Majestät gefiel es,
den Plan des Erwählten Kaisers gedeihen zu lassen.

Nachspiel

(An den Ufern des Nihil' - jenseits des Tores zur Hölle
Gevatter Hain und
Wallensteins Schatten):

Hab' die Ehr'!,

(und reicht Gevatter Hain die Hand, die der entgegennimmt.
und fährt - die Hand fest haltend - flüsternd fort, ):

Ihre verehrten Brüder Mord und Totschlag zu kennen und fast täglich mit ihnen verkehrt, gut' Freund' und Gönner, kurz: gänzlich anders als Ihr, mein Herr, der so wenig als möglich vorbeischaut, was man ja oft findet, dass Brüder sich nicht gleich sind. Sie sind gerade heraus und für jede Adresse zu haben, ohne allzu viel zu komplimentieren.

Es soll Leute geben, die über Ihre dünnen Beine spotten, aber auch nur hinter Ihrem Rücken. So einer bin ich nicht, stolzier ich doch selber auf solch’ Kackstelzen trotz des mächtigen Rumpfes. Ich weiß auch, dass Sie ein guter Mann sind, jeden gleichbehandeln, ob hohen oder niedern Standes, den Klugen wie den Dummen, denn – sind wir nicht alle dumm, die einen geboren, die andern gemacht und hernach beschränkt und in Blödigkeit gehalten, dass einem schon Heinweh ankommen kann nach Ihrer Gerechtigkeit - wenn da nicht die Hoffnung wäre auf bessre Zeit, dass man sich ruhig könnt' niederlegen.

Hab ein Notizbuch, das bring ich Ihnen mit, voll von Gedichten und Geschichten.

Weiß nicht, mögen Sie überhaupt Gedichte?

Gehn wir noch zusammen ein’ trinken?

Nee?

Schade!

Ich versteh schon: nicht während der Arbeitszeit, und schon gar nicht im Dienst rund um die Uhr. Der große Bruder schaut zu …

So ist unsre Welt heute und Ihre wohl auch.

Ja, das ist fein und auch, dass wir uns duzen.

War mir nicht sicher, wie viel Humor und Witz Du verträgst, weil es heißt, Du würdest keinen Spaß verstehn, auch, dass Du keine Zeit für Poesie fändest. Der Beruf, die Stelle, man kennt’s auch hier am Markt. Und wer keine Zeit hat, ist so gut wie tot. Das Büchlein, hoff ich doch, wird Dir nicht gänzlich missfallen und Du wirst schon das richtige mit tun.

Die Hand, lieber Freund, nehm ich gern, so ist in meinem Alter gut wieder aufstehn.

(Gevatter Hain hällt Wallensteins Schatten bei der Hand, wendet sich dem Publikum am andern Ufer zu und zeigt gelegentlich mit dem Finger aufs Publikum)

Bin, der ich war und immer sein werde
eingangs des Raums bis zum Ablauf der Zeit,
wenn's Euch mal zu eng, dann wieder zu weit.
Nichts und Niemand in Himmeln und Erde.

Beherrsch die Zeit, da's ächzet und ichtet
aus dem Verstand des Heuschreckens Schwarm
und der selbstlosen Zecke findigen Charme,
dass das Anthropozän selbst sich richtet.

Schein manchmal ein Freund - doch immer Euch feind,
bin's Chaos, das trennt und gar nimmer eint
in all den Himmeln wie auf der Erde.

Nix da! Kein Trost, den Himmel füllt Leere,
dem Schlachtfest Erde gebühret die Ehre!
Stumm bleibt die Stimme, dass etwas werde.

(Vorhang.
Auftritt Friederike Kämper, kammblasend, gefolgt von vier Dragonern, die singen.)

Dragoner (singend):

Der Mond ist aufgegangen
Und eitrig er vom Himmel trotzt.
Ein Dichter schreibt, der Pöbel kotzt,
Die Bühne wird verhangen.

 
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Ha, jetzt taucht sie wieder auf, die Vergangenheit, vor mehr als zehn Jahren mal mit Theaterleuten gearbeitet zu haben, was man eigentlich immer noch spüren kann, in der Anfangszeit hierort aber richtig auf die Nase, pardon, vors Auge bekam. Nun, mit dem Alterswerk beginn ich, meine Anfänge zu zerfleddern und neu zusammenzusetzen, wie hier
Faschingssonntag oder "Ich, Caesar"vom 8. März 2008
Kommanditgesellschaft vom 9.09.2009

Mitarbeiter werden im Autorenteam genannt

 
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Lieber Friedrichard,

ich greife mir ans Herz und wage es, Dein Bühnenstück zu kommentieren. Dass es mir nicht leicht fällt, kannst Du Dir denken. Zunächst fehlt mir die Kompetenz dazu, ich bin ja immer noch ein Neuling hier. Dann natürlich ist da noch die Überlegung, dass jede Negativität, die ich aussprechen würde, Deinem Dienst an der Sache Unrecht tun würde.

Wenn ich schon darüber spreche, dass ich neu auf der Site bin, dann muss ich auch dazu sagen, dass ich Deine Art sofort ins Herz geschlossen habe. Ich lerne unheimlich viel aus Deinen Kommentaren und wenn ich das Archiv durchstöbere, dann treffe ich auf Deine klugen Bemerkungen immer wieder, wie auf eine feine Goldader, die dieses Forum bereichert. Ich freue mich also, wenn ich auf Dich treffe und immer wieder muss ich erkennen, wie tief Du denkst, wie feinfühlig Du Deine Kritik hervorbringst.

Mir geht leider diese Feinfühligkeit ab. Deine Art ist unnachahmlich, Tadel und Lob verstecken zwischen zwei, drei Worte, hinter höchsten einem Satz. Dass die sog. „Autoren“ wie blind daran vorbeirauschen, gehört zu Deinem verspielten Wesen. Du erzählst gerne Persönliches, was Du gemacht hast, wann und wo, und darin packst Du meistens das, was der Autor eigentlich hören sollte. Es ist verblüffend, wie oft das übersehen wird. Und gewiss kein Lob für das gute Auge eines Autors.

Ich kann es Dir also nicht gleich machen, beschränke mich darauf Dir zu erzählen, was ich aus Deinem Stück mitnehme. Sobald ich gesehen habe, dass Du etwas gepostet hast, klicke ich darauf. Ich lese langsam, Wort für Wort, Satz für Satz. Und das Einzige, was ich dazu zu sagen habe, wäre, dass mir die Kürze missfällt.

Du hast Dir ein Medium ausgesucht, was eigentlich von der Atmosphäre lebt. Um Atmosphäre zu schaffen, braucht man Zeit. Da Du Dir ein Thema ausgesucht hast, das der Masse nicht besonders gefallen würde, ist kein Zufall. Und kein Zufall ist es auch, dass das Theater beim Pöbel nicht sonderlich populär ist.

Mir gefällt dein Wallenstein Motiv. Obwohl es lange her ist, dass ich mich damit beschäftigt habe, gibst Du mir genügend Informationen über diesen Charakter in Deinem Stück. Und ich wage die Aussage Deines Textes derart zusammenzufassen, dass derjenige, der den Anspruch erhebt, die Masse zu kontrollieren, unweigerlich daran glauben muss, am Ende von der Masse kontrolliert zu werden.

Das ist etwas, was mit einem Aphorismus wesentlich besser funktionieren würde. Ich habe zufällig ein Buch neben mir liegen, 356 Aphorismen eines chinesischen Eremiten des 16 Jh. Das Buch selbst ist in China untergegangen, die Chinesen haben einfach zu viel davon. Es wurde aber nach Japan mitgenommen, übersetzt und dort genießt es nach wie vor große Beliebtheit. Hung Ying-Ming heißt der Autor, das Buch selbst „Vom weisen Umgang mit der Welt.“ Ich zitiere daraus den zweiten Spruch:

„Wer leichten Schrittes die Welt durchmißt,
Der wird von ihr auch nur leise berührt.
Wer sich einläßt auf die Ränke der Welt,
Der wird tief in ihr Getriebe verstrickt.
Darum weiß und beherzigt der Edle:
Besser einfach sein als sich hervortun mit Schläue.
Rauhe Geradlinigkeit frommt mehr als gespreizte Artigkeit.“

Schade, dass Wallenstein seinerzeit Derartiges nicht vernommen hat. Trotz Sternenkunde und Schicksal, ich bin mir sicher, es hätte geholfen. Dass diese Sprüche ungefähr zu seiner Lebenszeit, am anderen Ende des eurasischen Kontinents, erschienen, ist reiner Zufall. Sie sind aber zeitlos, nach wie vor.

Dies wäre auch schon alles, lieber Friedel. Es ist nicht viel und ich denke, es ist auch gut so. Ich habe mich bemüht meine neuerworbene Schülergrammatik zur Rate zu ziehen hinsichtlich meines Kommentars. Dass mir nicht alles gelungen ist, ist schon ok: auch dafür braucht man Zeit.

Ich danke Dir für den Text, ‚gern gelesen‘ wäre da nur eine Untertreibung.

Tanghai

 
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Aber, aber, Tanghai,

heißt es nicht schon in den Geboten elf und zwölf einerseits, Du sollst nicht übertreiben und anderseits Dein Licht nicht untern Scheffel stellen?

Denn Du hast einen anderen Horizont als ich und außer dem, was Brecht über China (Mao, Laotse zB) geschrieben hat, sind mir nur ein paar Schriften Maos bekannt u. a. das Rote Buch und Theorie der Guerilla (der Originaltitel auf deutsch "Theorie des Gueriallakrieges" zeigt wieder, dass der Übersetzer falsch übersetzt hat) und dann noch die Räuber vom Liang-Shan-Moor (dazu auch eine eher schräge Verfilmung) und letztes Jahr - dank Isegrims - Lu Xun, der stellenweise mir kafkaesk - um es mit einem europäischen Adjektiv zu belegen - erscheint.

Natürlich bade ich durch den Beitrag wie in Milch und Honig ... aber es darf auch nicht verschwiegen werden, dass auch schon mal Feinfühligkeit bei mir vermisst wird. So sind die Empfindungen verschieden und das ist auch gut so.

Ich kann es Dir also nicht gleich machen, beschränke mich darauf Dir zu erzählen, was ich aus Deinem Stück mitnehme. Sobald ich gesehen habe, dass Du etwas gepostet hast, klicke ich darauf. Ich lese langsam, Wort für Wort, Satz für Satz. Und das Einzige, was ich dazu zu sagen habe, wäre, dass mir die Kürze missfällt.

Mir ist klar, was Du sagen willst. Aber - wie so oft bei mir - wird hier und andernots ein historisches Thema genommen und eine - mehr oder weniger - Satire auf unsere heutige Zeit daraus, und das ist zB an "Habit, Habitat und Habitäter" sehr spät aufgefallen, obwohl neben der Historik offensichtlich für jederman "Satire" angegeben war, und ähnlich - ich weiß, dass ich kein Genre angegeben hab zum Wallenstein - wird's hier kommen, denn tatsächlich sind ja umfagreiche historische Werke Schillers und Golo Manns zusammengedampft worden (eine Kunst, die jeder Chemielaborant am Anfang seiner Karriere lernt) und die Selbstcharakterisierung Friedlands der Weissagung seines Astrologen Seni entspricht.

Der Bezug zur Jetztzeit sollte eigentlich im neoliberalen Credo des, wenn es denen oben gut gehe, müsse es denen unten auch gut gehen, zumindest aufscheinen. Selbstverständlich kommt's da schillernd daher.

Ich danke Dir für den Text, ‚gern gelesen‘ wäre da nur eine Untertreibung.

Ich habe zu danken, lieber Tanghai!

Möge der Lenz sich endlich aufraffen und nicht auf dem Kopf gehen wollen!

Dir noch einen schönen Abend

wünscht der

Friedel

 
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Lieber Friedrichard

Wie fange ich diesen Kommentar am besten an?

Ich habe unglaublichen Respekt vor dir und deinem Geschriebenen, schon seit ich das erste Mal einen Kommentar von dir gelesen habe (das war noch lange, bevor ich mich hier registriert habe).
Ich muss gar nicht den Namen lesen, um zu wissen, dass ein Kommentar oder eine Geschichte von dir verfasst wurde. Dein Stil ist einfach ziemlich einzigartig. Da bewundere ich dich echt für. Großes Lob.

Allerdings muss ich auch sagen, dass du es mir so manchmal etwas schwer machst, nachzuvollziehen, was genau du gerade meinst. Vermutlich liegt das an mir, aber oft muss ich einen Satz oder einen ganzen Beitrag von die mehrmals lesen, bevor ich ihn verstehe.

So viel mal vorab.

Also. Zuerst einmal möcht ich sagen: Ich finde es echt großartig, dass du diese, leider absolut vernachlässigte Sparte (Warum das so ist, kann ich echt nicht verstehen, ich finde alles, was mit Theater zu tun hat einfach super, und ich finde es voll cool, dass es hier diesen Bereich gibt!) wieder ein wenig bevölkert hast. Hier gibt es viel zu wenig Geschichten!

Ich bin leider nicht sehr vertraut mit dieser alten Sprache, die du hier verwendet hast, deswegen fällt es mir sehr schwer, hier konstruktiv nach Fehlern zu suchen, oder ähnliches. Ein paar Punkte habe ich allerdings doch gefunden (glaube ich zumindest:hmm:)


Was mir nicht gefällt am Horoskop
Komma nach "gefällt"?

denn nur mich und der Wollust ergeben
Müsste meiner Meinung nach "mir" statt "mich" heißen. Denn: Wem bin ich ergeben? – Mir.

der würd'Gen alten Hausrat zerdeppert
Das Wort "zerdeppert" passt mir hier irgendwie nicht zum Rest der Sprache.

des' Kriechen, dess' knechtischen Verbeugens könnts
Ich bin mir wirklich nicht sicher. Aber ist das nicht ein Kasuswechsel zwischen "Kriechen" und "Verbeugens", und müssten die beiden Wörter nicht eigentlich den selben Kasus haben? Och Mann, im Bezug auf Grammatikgemäcker machst du's mir mit diesem Text echt schwer.
Und müsste es nicht "könnt's" heißen, mit Apostroph?

Und nun berichtet mit der Stimme
Kempers):
Hat der Zeilenumbruch irgendeinen Sinn, und wenn ja, warum machst du das an ähnlichen Stellen anders?
Das s): müsste, wenn man es so fortführt, wie du es an anderen, ähnlichen Stellen machst, wieder in normaler, dünner Schrift geschrieben werden.

reichlich Erfahrung !¿
Wozu das umgedrehte Fragezeichen?
! und ? kombiniert hat immer so etwas comichaftes an sich. Bitte, bitte entscheide dich für eins.

wollen anders: plappernd
Also uns hat man seit der ersten Klasse im Deutschunterricht verklickert, dass ein neuer Satz nach dem Doppelpunkt immer mit einem Großbuchstaben anfängt.

des Mord und Totschlags
Hier ist mMn wieder ein unkorrekter Kasuswechsel.

unds Haus Österreich
"und's" ?

des Erwählten Kaisers
erwählten klein.

Wallenstein):
Hier wieder ) und : dünn.

flüsternd fort,):
Hier müsste mMn das Komma weg.

Blödigkeit
:lol: tolles Wort

Tut mir leid, zum Ende hin werden die Zitate immer kürzer. Das liegt daran, dass ich nur die Stellen rausgeschrieben habe, aber jetzt nicht mehr im Text gefunden habe, weil ich schon total müde bin, und meine Konzentrationsfähigkeit gerade beinahe sichtbar immer weiter abfällt.
Deshalb neigt sich dieser Kommentar jetzt auch schon dem Ende zu. Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen und habe nicht, aus schon genannanten Gründen, nur furchtbaren Schrott erzählt.


Viele Grüße,
Anna

Ach so, eins noch ...

Denn werden die Lebensbedingungen der Untertanen verbessert, werden sich auch meine Einnahmen steigern.
Das war mein Lieblingssatz. Herrlich gemein. Und doch eigentlich total realistisch, denn leider denken sehr viele Menschen so. Das hat in meinem Kopf ein super Bild von dem Typen erzeugt.

Und noch was. Zum Ende hin wurde die Sprache etwas einfacher, war das Absicht? Da fand ich das Ganze nicht mehr so furchtbar kompliziert formuliert.

 
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Friedrichard

Lieber Friedel,

verzeih, doch zur späten Stunde gibts von mir nur einen kurzen Kommentar unter deinem Kunstwerk ...

... in dem du augenzwinkernd wieder das ganze Elend vor uns aufblitzen lässt - von Ares, über den Eirenen nicht gelingt zu obsiegen, bis zum Big Brother, der uns 24/7 zuguckt - und da nützt uns das ganze Rumgeduze auch nix. ¿Und wer weiß, vielleicht ist Alsheim dann allemal ein Geschenk und besser als Mnemosyne?

Wortlos aufgespießt:

Ihre Fahnen riechen bis ins Pubkikum und hoch an den Schlossturm.

Ein Licht und der Körper sinkt in die ewige Nacht [,] als die Partisane herausgezogen wird aus dem Leib.

sind wir nicht alle dumm, die einen geboren, die andern gemacht und hernach beschränkt und in Blödigkeit gehalten, dass einem schon Heinweh ankommen kann nach Ihrer Gerechtigkeit - wenn da nicht die Hoffnung wäre auf bessre Zeit, dass man sich ruhig könnt niederlegen.

Ich bedanke mich und geh erst ma ins Bettchen. Bestimmt schau ich demnäx noch mal rein. :)

Beste Grüße
Anne

 
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Hallo Friedrichard,
Dein Dramolett gefällt mir ziemlich gut, wenn ich auch, wie immer, nicht alles kapiere. Eine Mischung aus wunderbarer Schlitzohrigkeit, profunder Kenntnis und einer saftigen Prise Absurdität, so kommt mir das Stück vor, wobei mich die beliebige, aber bekannte Kammblasmusik als Ouvertüre besonders überzeugt. Am Anfang hat es mich an eine Szene von Karl Valentin erinnert, der gerade in dem Genre, zu dem Dein Stück gehört, ja auch ein Meister war, des Absurden und der Sprache und der Doppelbödigkeiten. Du schlägst aber dann den Weg der barocken Sprache ein, was, soweit ich weiß, bei Valentin nicht vorkommt, außer in Verulkungen in Ritterszenen. Diese barocken Verschraubungen machen den Text ganz schön kompliziert, auch der Allegorienreichtum, der dazugehört, da muss man schon gut an der Stange bleiben, um mitzukommen. Wie gesagt, alles verstehe ich nicht, aber eins spüre ich: Dass die gedrechselte Winkelssprache eine tolle Folie ist, aus der man Irrwitziges herausarbeiten kann in schrägen Bezügen und grotesken Szenen, wobei die Schlachtung sicher den Höhepunkt darstellt. Die Höllenszene finde ich in der frischen Perspektive auf den Gevatter wunderbar geistreich und tröstlich.

Fazit. Ich würde gerne bei diesem Stück im Publikum sitzen und zwar nicht nur virtuell, sondern richtig mit allem Pipapo. Ein ausdrucksstarker Wallensteindarsteller, und die Sache wäre geritzt.
Meine Lieblingsstabreime. Wagner hätts nicht besser gekonnt:

Allein durch feige Furcht ist er fürchterlich. Das ganz Gemeine, ewig Gestrige.
Oder nach Heinz Erhardt: Gurken gegessen. Geht ganz gut!
Beste Grüße
rieger

 
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Mein J, zwo Annen, da wähnte ich mich glatt im Harz*.

Hallo und -

wir begegnen uns das erste Mal, wenn mein Kopf noch nicht auf dem Weg nach Alsheim ist - herzlich willkommen hierorts,

liebe annami!,

schön, dass Du bei uns bist und noch schöner, dass Du mich besuchen kommst und nicht mehr nur heimlich liest und vor allem, mich auch noch lobst. So gehört sich das auch genüber einem alten, gebrechlichen Mann. Ob ich rot werd oder lächel, gar grins - wer weiß das schon durch meine Gesichtsmatratze hindurch zu erkennen und beurteilen. Manche(r) kanns an den Augen erkennen, wo nun leider, leider die Distanz und das Medium vor sind ... aber ich bin mir sicher, in allem Ernst der Lage werden wir Spaß finden.

Allerdings muss ich auch sagen, dass du es mir so manchmal etwas schwer machst, nachzuvollziehen, was genau du gerade meinst. Vermutlich liegt das an mir, aber oft muss ich einen Satz oder einen ganzen Beitrag von die mehrmals lesen, bevor ich ihn verstehe.
Da bistu nicht allein, aber viele trauen sich dann gar nix, was ich dann überhaupt nicht richtig find, denn auch ich versteh nicht alles und vieles will ich gar nicht verstehen. Nicht auszudenken, ich fände keinen Schlaf mehr oder noch schlimmer, ich müsste mal wieder ein Rathaus oder sonstiges öffentliches Gebäude besetzen (was ich dann aber nicht alleine täte). Mit Folgen eines Berufsverbotes wie in den 70-er Jahren hätte ich schwerlich zu rechnen. Aber zurück zumThema - auch im richtigen Leben wirk ich sperrig und doch kommen die meisten mit mir zurecht und umgekehrt ich mit ihnen. Ich denke, Humor, Witz und Selbstironie und auch Lachen können sind da ein gutes Bindemittel.

So viel (oder wenig) mal vorab.

Also. Zuerst einmal möcht ich sagen: Ich finde es echt großartig, dass du diese, leider absolut vernachlässigte Sparte ... wieder ein wenig bevölkert hast. ...
Ja, das ist ein Problem hier. Mir fällt die Sprache leicht und ich hab Erfahrung mit Theaterleuten (vor allem Schauspielschülern, aber auch Theaterpädagogen), da fällt es leichter, die durchaus sperrige Form - die ja nicht nur die Sprache betrifft - in den Griff zu kriegen. Dass da in der Umsetzung Schnitzer auftauchen ist nie auszuschließen.

Ich bin leider nicht sehr vertraut mit dieser alten Sprache, ...
Umso schöner, dass Du nicht nur gelesen, sondern nun auch den umso beschwerlicheren Kommentar eingestellt hast.

Was mir nicht gefällt am Horoskop
Komma nach "gefällt"?
Nee - wird vllt. deutlicher - ich lass mal die Fachterminologie (ich komm aus einer ganz anderen Grammatik, die das BMF und letztens noch vor allem mit Schäubles und schon mit Scholz' Namen verbunden ist - wenn der Hauptsatz nicht als Frage daherkommt: "Mir gefällt nicht am Horoskop, dass ..." und es geht gleich weiter, wenn zwar die Wollust im Dativ korrekt ist, das "mich" sich aber weniger auf das "(der Wollust) ergeben" als dem "... niemand achtend, denn nur mich ..." bezieht.
Aber interessant, dass es Dir als Problem aufgefallen ist - im Pott wird nämlich langsam, aber sicher der Mörder des Genitivs dahingerafft, heißt es doch schon offiziell "Mir und mich verwechsel ich nich, dat kommt bei mich nich vor, ich habn kleinen Mann im Ohr, der sacht mich allet vor". So kann ich tatsächlich fließend sprechen, vor allem aber kalauern ...

der würd'Gen alten Hausrat zerdeppert
Das Wort "zerdeppert" passt mir hier irgendwie nicht zum Rest der Sprache.
Stimmt, ist heute Umgangssprache. Aber ich überlege, denn vormals war es ein "zerdöppern", in dem der Ursprung "dopp" vielleicht nur noch durch den Plural "döppe" = Töpfe erkannt wird. Es ist also ein Zerstören von Töpfen (ich lass W. "Hausrat" sagen. Muss ich mir überlegen, vielleicht die richtig alte Sprache einzusetzen, aber das wird neue Fragen erzeugen, liest doch nicht jeder - wie auch ich manches Mal - die vorhergehenden Kommentare.

des' Kriechen, dess' knechtischen Verbeugens könnts
Ich bin mir wirklich nicht sicher. Aber ist das nicht ein Kasuswechsel zwischen "Kriechen" und "Verbeugens", und müssten die beiden Wörter nicht eigentlich den selben Kasus haben? Och Mann, im Bezug auf Grammatikgemäcker machst du's mir mit diesem Text echt schwer.

Und müsste es nicht "könnt's" heißen, mit Apostroph?

(da pack ich gleich das Problem
unds Haus Österreich
"und's" ?
zu!

Hoppla, jetzt komm ich Dir noch mit der weiß Gott wie vielten Lautverschiebung, denn die Griechen, wie wir sie heute kennen, haben so viel mit griechischer Küche und dem alten Namen der Griechen zu tun wie Oberfranken mit dem der Rhein- und Niederfranken.
Baiern war seit der Eroberung durch Karl den Großen von Franken besetzt wie jahrhundertelang Griechenland zunächst von Mazedoniern, die verknüpft mit den Namen Philipp und Alexander d. Gr. eigentlich die Hellenisierung der Welt vorantrieben, dann lange, lange Zeit durch Römer, deren Ostreich ja bis zur Eroberung Konstantinopels/Byzanz 1453 die "griechischen" Geschicke bestimmte (wobei auch slawisch-sprechende Völker sich dazu gesellten, dass selbst Mazedonien nicht mehr von den Nachkommen der Generation Philipp und Alexander beherrscht wurde, kurz: Europa ist immer in Bewegung geblieben), und wenn man erst über mehr als drei Generationen besetztes Land ist, mag man noch so heldenhaft sein, man passt sich allmählich an, wird selber Ostfranke mit bairischen Wurzeln oder eben ... Denen gelang erst mit dem Zerfall des osmanischen Reiches wieder die Selbständigkeit zu erlangen (sinnigerweise mit einem bairischen! Königshaus ...) Bis Anfang des 19. Jh. war das Wortspiel Griechen = Kriechen nicht ungebräuchlich ... Zum einen ist also die Bezeichnung "Kriechen" historisch bedingt, zum andern kann man scheinbar Diskriminierendem aus dem Weg gehen. Die Frage ist eben immer, was darf Satire, was Ironie. In der prosaischen Fassung (Fastnachtsonntag oder Ich Caesar) lass ich - auch das ist keine Diskriminierung - Eva M. die Rolle des Wallenstein' übernehmen ... Bzgl. des Aposstophs hastu recht, aber - da bin ich eigen - was dem zu und an gestatt mit dem "dem" an Zusammenfügung gestattet ist ("zum" und "am"), sollte allen eindeutig zu identifzierenden Zusammenfügbaren gestattet sein. Furcht, zu viel Apostrophe zu setzen, hab ich übrigens nicht.

Da sei Karl Kraus vor!

Und nun berichtet mit der Stimme
Kempers):
Hat der Zeilenumbruch irgendeinen Sinn, und wenn ja, warum machst du das an ähnlichen Stellen anders?
Das s): müsste, wenn man es so fortführt, wie du es an anderen, ähnlichen Stellen machst, wieder in normaler, dünner Schrift geschrieben werden.
Ja, die Formatierung muss ich auf jeden Fall noch mal durchgehen. Ob das heute noch geschieht, weiß ich nicht, aber getan wird es.

reichlich Erfahrung !¿
Wozu das umgedrehte Fragezeichen?
! und ? kombiniert hat immer so etwas comichaftes an sich. Bitte, bitte entscheide dich für eins.
Wie wär's, mit dem "¿" am Afang des Satzes, wie es der Spanier macht ... Aber Du erkennst den Sinn? Wenn nicht: Es muss dem Publikum "spanisch" vorkommen, wenn die Fensterstürze (zu Prag) - es gab mehrere, die alle zu Ärger führten (was die tschechische Geschichte von der griechischen unterscheidet), aber keiner zu einem 30 Jahre währenden Gemetzel ... Schau'n wir mal, wie der Kaiser so sagt.

wollen anders: plappernd
Also uns hat man seit der ersten Klasse im Deutschunterricht verklickert, dass ein neuer Satz nach dem Doppelpunkt immer mit einem Großbuchstaben anfängt.
Das weiß der alte Mann doch und erst recht, wenn ein vollständiger Satz folgt. Hier ist der Doppelpunkt nur als Verstärkung eines Kommas eingesetzt (klar, ist das als Begründung an den Haaren herbeigezogen und die gemäßigte Kleinschreibung - wenn denn die Recht(s)schreibreform nicht von der Ministerialbürokratie entschieden worden wäre, hätten Wissenschaftler sie auch durchgesetzt - hätte für einen Satzanfang keinerlei Bedeutung.)

Aber sei doch mal auch ein Rebell!

des Mord und Totschlags
Hier ist mMn wieder ein unkorrekter Kasuswechsel.
Im Prinzip hastu Recht, aber feste Redewendungen wie Mord und Totschlag dürfen aus dem engen Korsett des Regelwerks fallen ...

des Erwählten Kaisers
erwählten klein.
heute vielleicht, aber lass das nicht den Kaiser wissen, dessen Nachkommen sind da bis 1918 sehr pingelig und das schon seit der Einführung der Majuskel zur Karolingischen Rennaissance ...

Zum Formatierungsproblem s. o.

flüsternd fort,):
Hier müsste mMn das Komma weg.
Stimmt, wie gesagt, die Formatierung muss auf jeden Fall ... und so das Komma

Ach so, eins noch ...
Denn werden die Lebensbedingungen der Untertanen verbessert, werden sich auch meine Einnahmen steigern.
Das war mein Lieblingssatz. Herrlich gemein. Und doch eigentlich total realistisch, denn leider denken sehr viele Menschen so. Das hat in meinem Kopf ein super Bild von dem Typen erzeugt.
Das nennt man heute "Neoliberalismus", eine Schule der Volkswirtschafslehre, die in ihren Ursprüngen in Wien und Chicago - weil sie in den USA unter Reagan sich bereits durchsetzte, wird die Lehre, nix anderes als ein Ideologie, "Chicago School" genannt, deren deutschsprachiger Mitbegründer, Fritz Hayek, bereits Hitler beriet - betriebwirtschaftliche Grundsätze (zB Gewinnmaximierung) auf Volkswirtschaften - daher die extremen Pole seit Schröder Deutschland AG und Ich-AG - anzuwenden riet. Das Programm führen FDP und AfD im Maule, da weiß man, aus welchem Casting Herr Lindner kommt ...

Und noch was. Zum Ende hin wurde die Sprache etwas einfacher, war das Absicht? Da fand ich das Ganze nicht mehr so furchtbar kompliziert formuliert.
Ich bin halt schlicht und einfach, liebe Anna, aber zuletzt hab ich mich an zwo Texten versucht, wo nur ein Sprecher aufgeführt wird und der Leser den Gesprächspartner angibt. Den realen Gegenpart muss man sich denken - wie bei Gevatter Hein/Rod hier zum Schluss.
Und es hat wirklich in den zwo Texten eingeschlagen ...

Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen und habe nicht, aus schon genannanten Gründen, nur furchtbaren Schrott erzählt.

Nein, alles in Ordnung!, da ist kein "Schrott" und Du hast mir sehr geholfen und einiges muss und anderes wird sich ändern.

Dank Dear fürs Lesen und Kommentieren!

Schöne Einleitung, liebe Anne49 +

... in dem du augenzwinkernd wieder das ganze Elend vor uns aufblitzen lässt - von Ares, über den Eirenen nicht gelingt zu obsiegen, bis zum Big Brother, der uns 24/7 zuguckt - und da nützt uns das ganze Rumgeduze auch nix. ¿Und wer weiß, vielleicht ist Alsheim dann allemal ein Geschenk und besser als Mnemosyne?

Wortlos aufgespießt
wörtlos, aber beglückz z. K. genommen. Komma wird nachgetragen, Heinweh als Gevatter Heinz enttarnt ...

Allerbestengruß&dank zurück

Hallo rieger,

schön, dass Dir's Dramolett gefällt. Ja, und bis die Zöliakie festgestellt wurde hatte ich tatsächlich auch äußerlich Ähnlichkeiten mit Valentin (von den Kackstelzen und Leiblichkeit her, Haar nicht so sehr und auchs Bairische klappt nicht so, obwohl ich darin Gotische Elemente finde, und die Ostgoten werden ja nicht ausgerottet worden sein) Und was kapiert man schon ganz, Einstein hat nicht mal die spezielle Relativitästheorie formulieren können, dabei ist die doch ppseinfach (womit wir wieder bei den Haaren sind, an denen das Beispiel herangezogen und benannt werde) ein Haar auf dem Kopf ist relativ wenig, in der Suppe ... Naja, Du weißt schon ...

Diese barocken Verschraubungen machen den Text ganz schön kompliziert, auch der Allegorienreichtum, der dazugehört, da muss man schon gut an der Stange bleiben, um mitzukommen. Wie gesagt, alles verstehe ich nicht, aber eins spüre ich: Dass die gedrechselte Winkelssprache eine tolle Folie ist, aus der man Irrwitziges herausarbeiten kann in schrägen Bezügen und grotesken Szenen, wobei die Schlachtung sicher den Höhepunkt darstellt. Die Höllenszene finde ich in der frischen Perspektive auf den Gevatter wunderbar geistreich und tröstlich.
Eine feine Analyse, die der gelernte Chemielaborant von Autor nicht besser hätte geben können (mein J, wird Zeit, dass ich was kau ...)

Fazit. Ich würde gerne bei diesem Stück im Publikum sitzen und zwar nicht nur virtuell, sondern richtig mit allem Pipapo. Ein ausdrucksstarker Wallensteindarsteller, und die Sache wäre geritzt.
Wie wär's mit Eva Mattes als Wallenstein? Bärtchen angeklebt, Haare etwas diszipliniert gebunden, Nachthemd, und dass es nicht beim Fensteröffnen zu kalt wird, auf keinen Fall ein Heizofen (wäre ja wie die Armbanduhr an der Päpstin) aber aus Wallensteins Lager ein Feuerchen ... Aber da hätt' der Denkmalschutz was gegen ... im Original ... Aber warm wär's.

Schon schaukelts schön ...

Dank Dear,

rieger (bei der Buchstabenfolge: führ doch Regie und regier... Publikum kann jeder ...)


* Ich weiß, man nennt mich auch Scherziboldi, aber wer den Harz nicht kennt, kann den blöden Gag nicht verstehen. Dort gibt es einen Ort, besser eine Bahnstation namens "Drei Annen" zwischen Schierke (berühmt durch seinen Likör), Elend und Not. Kein Scherz - die Namen.

Ich schon wieder mit Vollzugsmeldung,

liebe annami und Anne49, aber auch rieger als eines ersten Publikums, selbst wenn die Formatierung noch nicht 100%ig sitzt, Komma nachgetragen und,

liebe annami,

"zerdeppern" wird verkleidet in diesem tragischen Narrenspiel, denn wer weiß schon, wie das Heilige Römische Reich (teutscher Nation) 1806, ein Vielvölkerreich wie schon das karolingische, als das Haus Österreich unterm bonapartistischen Eindruck die Brocken warf, aussähe. (Die Klammer, um auch auf Ästhetik einzugehen, ist bewusst so was von schwach und -sinnig zugleich gesetzt).

Der betreffende Satz lautet nun:

Weh aber dem, der würd’gen alten Hausrat zertöpfert!
Quasi eine "annami(erte) Wortschöpfung ...

Dank Euch drei Musketieren von

d'Artagnan
und - vorsichtshalber ein schönes Wochenende!

 
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wir begegnen uns das erste Mal, wenn mein Kopf noch nicht auf dem Weg nach Alsheim ist -herzlich willkommen hierorts

Lieber Friedl.
Du glaubst gar nicht, wie sehr mich das freut. Du bist der allererste, und bisher auch der einzige, der mich hier öffentlich willkommen heisst.
:bounce:
Ich dachte schon, diese Chance habe ich mir verspielt, weil ich hier nicht wie der breite Rest der Gesellschaft mit einer Geschichte angefangen habe, sonder mit einem kleinen Kommentar.

Danke.

Viele Grüße,
Anna.

 
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Lieber Friedrichard,

was für ein erfrischend, schaurig-schönes, komisches Dramolett. Was so alles noch in einem Schlafzimmer passieren kann.

Nun ja, mein’ Durst löscht ein Pilsner nicht allein. –

Pilsener Bier war zu dieser Zeit schon ein Begriff :hmm: - nun denn. Zum Wohl. :shy:

Weh aber dem, der würd’gen alten Hausrat zertöpfert!

Passt vorzüglich in den Dritten Akt.

Stehen denn im Vierten Akt auch so was wie Pferde auf der Bühne? :hmm: Mir tät's gefallen.

Besonders der einseitige Dialog im Limbus, oder wo war das noch, hat's mir angetan. Love it.

Niemand versteht es auf diese leichte und humorvolle Art und Weise, mich an Geschichtliches, kombiniert mit dem Menschelndem, heranzuführen, dass ich's gerne lese und sogar meinen Spaß habe.

Ein interaktives Theaterstück ist ja nicht jedermanns Sache. Ich erinnere mich selbst an ein Stück in den Hamburger Kammerspielen, bei dem die werte Maria Schrader stundenlang Jelineks Kontrakte des Kaufmanns vom Blatt las ... und es gab nicht mal Kammmusik. :( Aufzustehen und rauszugehen war durchaus erwünscht, aber nicht in meiner Sitzreihe und so blieb ich, Kanji die ich nun mal bin, sitzen und weinte ein bißchen.

Hab herzlichen Dank, dass du mich teilhaben lässt an deinem Vergnügen, denn Spaß hattest du sicher auch beim Verfassen.

Lieber Gruß, Kanji

 
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Liebe Kanji,

ja, morgen wäre ich nicht eine vermeintliche Stunde früher aufgestanden, wenn diese Erfindung aus den Weltkriegen zieht, die Sommerzeit, wieder eingeführt durch Birne mit der Begründung, Energie würde gespart. Da gibt es genauso wenig Zinsen wie auf der Bank (im Stadtpark, den Geldinstituten und auf der Schlachtbank). Aber heute gilt noch die einzig wahre MEZ (die manche schon Winterzeit nennen, weil Teanager und jüngere es nicht anders kennen).

Ich bin aber auch ein Nörg, gelle?

Schön, dass Du vorbeischaust direkt mit einem

was für ein erfrischend, schaurig-schönes, komisches Dramolett. Was so alles noch in einem Schlafzimmer passieren kann.

Nun ja, mein’ Durst löscht ein Pilsner nicht allein. –
Pilsener Bier war zu dieser Zeit schon ein Begriff - nun denn. Zum Wohl.
Pilsen, Namensspender des Pils', liegt gleich umme Ecke ...

Stehen denn im Vierten Akt auch so was wie Pferde auf der Bühne? Mir tät's gefallen.
Die Ritter der Kokosnus - wäre bedenkenswert und ich hab auch ne Idee ... so absurd sie nur sein kann. Werd ich im stillen Kämmerlein nach getanem Tagewerk (das Töchterlein aus dem sauren Land schaut vorbei) ausprobieren ...

Besonders der einseitige Dialog im Limbus, oder wo war das noch, hat's mir angetan. Love it.
Schon richtig, führt im kleinen fort, was mit Gretchen und Channukka begann ...

Niemand versteht es auf diese leichte und humorvolle Art und Weise, mich an Geschichtliches, kombiniert mit dem Menschelndem, heranzuführen, dass ich's gerne lese und sogar meinen Spaß habe.
So soll es auch sein!

Ein interaktives Theaterstück ist ja nicht jedermanns Sache. Ich erinnere mich selbst an ein Stück in den Hamburger Kammerspielen, bei dem die werte Maria Schrader stundenlang Jelineks Kontrakte des Kaufmanns vom Blatt las ... und es gab nicht mal Kammmusik. Aufzustehen und rauszugehen war durchaus erwünscht, aber nicht in meiner Sitzreihe und so blieb ich, Kanji die ich nun mal bin, sitzen und weinte ein bißchen.
Ja, das ist immer eine schwierige Sache. Ich nehm mal - wenns auch kein Theaterstück ist, so doch Theater - Kerkelings "Hurz" als Beispiel, wo man Verwirrung unterm Publikum feststellta, das aber wegen des kulturellen Ereignisses bei der Stange blieb, und als Gegenstück Handkes Publikumsbeschimpfung, die in den zeitgleichen Aufführungen in Frankfurt und Oberhausen für Entrüstung sorgte, trotz der Harmlosigkeit.

Hab herzlichen Dank, dass du mich teilhaben lässt an deinem Vergnügen, denn Spaß hattest du sicher auch beim Verfassen.
Hab ich immer noch, und das seit zehn Jahren. Und warten wir ab, wie's als Pferdeoper wird ...

Ich habe zu danken!

Tschüss,
schönes Wochenende (die Sonne lacht hier jenseits der großen Hundeiwesen über eine bewaldete Endzeitmoräne ... pardon, eiszeitliche ... von stattlichen 40 m Höhe

Friedel

 
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Stehen denn im Vierten Akt auch so was wie Pferde auf der Bühne? Mir tät's gefallen.
schrieb Kanji.

Dem Wunsche kann entsprochen werden und soll es auch. Denn Dragoner sind ja das Paradox der neuzeitlichen Kriegsmaschinerie -

Fußsoldaten zu Pferd -

(selbst wenn anfangs weniger "zu" als "mit" Pferd, denn es waren Lastpferde).

Ich bitte, zu beurteilen (in alphabetischer Reihenfolge) liebe annami und Anne49, Kanji und rieger und nicht zu vergessen Tanghai und erst recht nicht den anonymen Leser nebst dem verehrten Publikum!


4. Akt (neu)​

(Nacht. Vorm Schloss. Hufgeklapper.
Aufreiten vier Dragoner, steigen ab und stecken die Pferde in den Boden.

Die Dragoner hören jemand schrei’n):
Wallenstein:

Euer Kaiserlicher Majestät untertänigst gehorsamster Fürst und Diener!
Dem ich nicht lach!

Erster Dragoner (nickt den andern zu):

C’est l’homme Val’stejn!

Zweiter Dragoner:

Le grand homme, il est chez lui.

Dritter Dragoner (hält eine Flasche hochprozentiger Dragonade [Drachenblut] hoch und brüllt den Kameraden zu):

Haut la bouteille!

(Die andern drei halten auch Dragonade hoch. Sie rufen gleichzeitig)

Erster Dragoner:

Haut le verre!

Zweiter Dragoner:

À votre santé!

Vierter Dragoner:

En avant, bon camarades!

(Alle vier ab.)

Meine Frage an Euch: Ist das zu viel Monty P.? Muss man die Steckenpferde - Mord ist ihr Hobby - deutlicher aufzeigen?

Ich freute mich über Eindrücke, Meinungen. Zu viel Lacher sind tödlich - und das muss ncht sein!

Ich dank Euch und verbleibe als Euer

Vroidenreich Steinweg am Weinsteg

 
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Tja, nach deiner alphabetischen Reihenfolge bin ich ja die erste, also antworte ich jetzt auch mal als erstes.

Also ich kann's leider nicht wirklich beurteilen, kann nämlich außer Bonjour kein Wort Französich. Da irgendwelche blöden Politiker irgendwann mal beschlossen haben, bei uns in der Rheinebene Französisch in der Grundschule zu lehren, unsere Lehrer aber kein Französisch konnten und auch keinerlei Motivation hatten, dass zu unterrichten, und deshalb meine Grundschulzeit die reinste Hölle war, kann ich die Sprache absolut nicht ausstehen. Und alles andere, was mit Frankreich zusammenhängt auch nicht.
Ich weiß, damit tue ich vielen netten Franzosen unrecht, aber bisher habe ich es noch nicht vollständig geschafft, dieses Kindheitstrauma aufzuarbeiten. :lol: Aber ich arbeite dran.
Wie auch immer, ich schweife ab.

Die anderen können dir da bestimmt hilfreiches Feedback geben.

Bis dann.

Viele Grüße,
Anna

 
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Friedrichard,

Hallo Friedel,

ach du kannst einem aber auch den trist verregneten Kardienstagabend versüßen ... :lol:

Als ich dein Opus das erste Mal gelesen habe, habe ich übrigens Dramolett gegugelt und bin beim Wikipedia-Eintrag für Minidrama hängengeblieben, wo es heißt:
“Wolfgang Bauer zeigte mit seinen Mikrodramen (1962/63) die Grenzen des Theaters auf, indem er innerhalb von nicht einmal fünf Minuten dauernden Stücken mittels Regieanweisung beispielsweise eine DC-6 auf der Bühne landen lässt (im Mikrodrama Die drei Musketiere), 10000 Apachen über die Bühne reiten und das gesamte Opernwerk Richard Wagners ohne Unterbrechung aufführen lässt (im Mikrodrama Richard Wagner). Rein theoretisch sprengt letzteres, und zwar von der Länge her, auch die Genregrenzen des Minidramas, doch Bauers Mikrodramen gelten als unaufführbar und sind demgemäß reine Lesedramen und der Text besagten Stückes umfasst nicht mehr als drei Seiten.”

Du siehst, da ist noch Luft nach oben. Mit gefällt dieses Konzept jedenfalls und nur ungern lasse ich mich durch Fragen wie “Ist das zu viel Monty P.?” verwirren.

Aufreiten vier Dragoner, steigen ab und stecken die Pferde in den Boden.

Das ma praktisch. Also, ich finde, der 4. Akt hat deutlich gewonnen. War eine hervorragende Idee von Kanji und ebenso genial von dir, sie aufzugreifen.

Dem ich nicht lach!

Stand zwar schon in der Urfassung, aber nu wieder mit der Political Correctness den/dem/des Dativ/s schützen! Was sagt die Genitivbeauftragte dazu? Bedenke, dass Genitive in neuzeitlichen Grammatiken durch die NADG-Darstellung ständig diskriminiert werden.

En avant, bon camarades!

Bei dem Pseudofranzösisch davor zwar eigentlich egal, aber da fehlt ein S am bon, is ja Plural.

Bei Dragonade muss ich an Bionade denken, dann - ich trau es mich kaum zu sagen, wieder gegugelt (jetzt sagst du, dass ich digitale Demenz hab - aber ich glaub, meine ist noch analog), na ja, jedenfalls ist mir das Lachen im Halse steckengeblieben bzw. dann verwirrte mich das Drachenblut - ein Cocktail?, aber vielleicht müsste ich einfach mal Maibock abpumpen, um das zu würdigen?

Also, Fazit, danke danke danke, auch wenn ich mal wieder nicht alle Anspielungen kapiere, trotzdem sehr schön, weiter so!

Viele Grüße
Anne

P.S. Bei der Gelegenheit auch ein lieber Gruß an meine französisch-traumatisierte Fastnamenskollegin annami aus dem Harz! Mit Müh und Not kann ich französiche E-Books lesen, mündliche Verständigung geht bei mir auch nicht. Aber deshalb hab ich Novak diesen Thriller im Glückwunschthread empfohlen, den hab ich damals auf Französisch gelesen und der war so so so spannend, dass ich ihn verschlungen habe, trotz aller sprachlichen Hindernisse. /off topic Ende - pardon, Friedel, das musst ich noch loswerden :sealed:

 
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Hej Friedrichard,

bin aufm Sprung auf eine Insel (nee, nicht die Osterinsel) und muss aber noch mal reinschauen, weils so wunderbar bei dir ist und weil ich an der Reihe bin und weil's jetzt sogar Pferde gibt, die du praktischerweise einstecken lässt.

Einzig wundere ich mich über die Herren Dragoner, weil die nun so viel halten müssen.

Bewaffnet waren sie mit einer Muskete oder einer kurzen Pike und für den Nahkampf mit einem Degen.

und Gläser und Flaschen voll mit Dragonerblut. Schon tolle Kerle, diese Dragoner. Obwohl, haben ja Lastpferde, die sie im Boden parken. Ein so schönes Bild.

Und nö, is nich zu lustig. Aber komisch genug, dass ich immer wieder darüber zumindest schmunzeln muss. Dank schön dafür. :kuss: (Wie stehts um deinen Weihnachtsbart wegen des Kusses auf die Wange?)

Fröhliche kunterbunte Tage, Kanji

 
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Hallo lieber Friedel,

mir scheint Deine Änderung sehr gelungen. Da Du nach Monty Python fragst, ich glaube, M.P. hätte der Sache noch etwas beigegeben.

Es gibt einen Philosophen, Zizek, der heute bei junge Menschen sehr gut ankommt. Sein Steckenpferd heißt Neoliberalismus, das dürfte Dir auch gut gefallen. Ich könnte mir gut vorstellen, wie Zizek bei Monty Python beherzt mitmischt, seine Beobachtungen sind grundsätzlich humoristisch, wenn auch bitter.

Zizek sagt: nie gab es ein Genozid, das nicht von einer Hymne begleitet wurde. Es gibt eine artistische Repräsentation dieser Schandtaten, sei es in Form eines Gedichts, eines Gassenhauers. Meist sind das Zeilen, die die eigene Überlegenheit bestätigen, die das Zusammenhalten der Gruppe dirigieren.

Das ist eine treffende Beobachtung und ich kann dabei nicht nur eine nationalistische Meute sehen, die eine Hymne von sich gibt: Ich sehe auch Fußballfans und höre identitätsstiftende Gesänge, selbst Mönche, die ein „Te Deum“ einstimmen. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass Deine Dragoner sich nicht nur mit Alkohol gegenseitig Mut zusprechen. Ich höre sie auch singen, ein Gassenhauer ihrer Zeit, der heute für uns dämlich klingt, der damals aber sinngerecht war. Bestimmt war’s eine zärtliche Ballade, die dann mit schön viel Blut verwirklicht wurde. Oder eine Lobpreisung auf das Kaiserhaus.

Das wäre natürlich eine Aufgabe für den Historiker. Oder du zwinkerst noch mehr, und lässt sie sogar die Marseillaise singen?

Was Assoziationen und Gedanken zu Textänderungen angeht, das ist ein Fass ohne Boden. Autoren und Kritiker werden gleichermaßen geboren, nicht gemacht. Und es geziemt sich selten, die Schicksale miteinander zu tauschen.

Aus Autorensicht bin ich mit jeder Deiner Entscheidungen zufrieden. Der Kritiker aber drängt mich dazu, Dir zu sagen, Du kannst getrost noch mehr drauflegen. Und der Kritiker ist hartnäckig, er zeigt Esprit, besitzt weltliche Eigenschaften, wovon der Autor nur träumen kann.

Liebe Grüße

Tanghai

 
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Hallo, ihr zwo Annen, Kanji und Tanghai,

schön, dass ihr noch mal hineingeschaut habt!

Ach, da braucht's doch kein frz., liebe annemi,
so wie ich da radebrech (spätestens nach einer Flasche Drachenblut, da reicht die Fahne dann bis zur Schlossspitze und in die letzte Reihe des Publikums ... Der erste Satz, den ich in Frankreich zu sprechen pflege ist "je ne parle pas francaise" und weil ich ein höflicher Mensch bin - furchtbar, mit mir, füg ich an "parlez vous allemagne?", was natürlich einfacher in Strassbourg geht als auf einer Ilse de Paris.)

ach du kannst einem aber auch den trist verregneten Kardienstagabend versüßen ...
Hallo Anne49,

Wolfgang Bauer, irgendwo, aber vor allem wann, hab ich den Namen mal gehört - aber es gibt sicherlich mehr Bauern als vroidenreiche Weinstege an Steinwegen. Muss ich mal schauen ... 1634 könnte man ja noch einen Engelchor landen lassen, der mehr als "luja" singt und frohlocket.

Aber schön, dass Dear die Idee gefällt. Auch dank für die fremdsprachlichen Korrekturen. Mein frz.ist Abgrundschlecht, wird aber durch meine Spanischkenntnisse noch überboten. Immerhin käme ich durch Frankreich ganz gut durch, in Spanien bestenfalls zu Nahrung und zum Bahnhof ... In Böhmen und Mähren immerhin zum pivo und kneddely und wenn mir eine Zeichnung gemacht würde, wer weiß wohin noch ...

Aber dann hastu noch ne berechtigte Frage

Dem ich nicht lach!
Stand zwar schon in der Urfassung, aber nu wieder mit der Political Correctness den/dem/des Dativ/s schützen! Was sagt die Genitivbeauftragte dazu? Bedenke, dass Genitive in neuzeitlichen Grammatiken durch die NADG-Darstellung ständig diskriminiert werden.
Das Zitat hat was ... Wallenstein war schon ein schwieriger Kotzbrocken - aber wüsste einer, ob Schiller lachen konnte? Je gelacht hat? Immerhin wurde über ihn gelacht. Z. B. hat Damm in ihrer Schillerbiografie davon erzählt, dass vor allem die Weimaraner Jugend über die Glocke sich herzlich lustig machte ... Und irgendwo - ob bei Schiller (Trilogie oder der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges)oder Golo Mann fand ich mal die Dativwendung und wenn wir sie als Botschaft nehmen, gilt sie "dem" Kaiser (war durch die Majestät ein "der" erwarten ließe und somit auf Fürst und/oder Diener hinweist.
Euer Kaiserlicher Majestät untertänigst gehorsamster Fürst und Diener!
Dem ich nicht lach!

Dem Fürsten wie niedrigste Diener gibt's nix zu lachen unter seiner allerkatholischsten Majestaten.
Ich werd nachher mal MetaGer anschmeißen, schließlich ist Gugel nicht die Welt ...

Hallo, Muse auf dem Absprung, liebe Kanji -

und noch schnell Dragoner gegugelt. Das ist das praktische an dieser Pferderasse, weder kalt- noch warmblütig, nicht allzu viel Verbrauch, einfach nur alle mit dem Namen Hobby versehen: Steckenpferde.

Ach ja, im Dragoner steckt ja das Wort "Drache" schon ...

Hallo Tanghai

mir scheint Deine Änderung sehr gelungen. Da Du nach Monty Python fragst, ich glaube, M.P. hätte der Sache noch etwas beigegeben.
Ja, und jetzt, da Du es sagst wird Herr Vroidenreich noch ein paar Verse zimmern.

"Zizek" sagt mir jetzt nix, klimgt aber interessant und vor allem auf gleicher Wellenlänge, umso interessanter.

Ich könnte mir also gut vorstellen, dass Deine Dragoner sich nicht nur mit Alkohol gegenseitig Mut zusprechen. Ich höre sie auch singen, ein Gassenhauer ihrer Zeit, der heute für uns dämlich klingt, der damals aber sinngerecht war. Bestimmt war’s eine zärtliche Ballade, die dann mit schön viel Blut verwirklicht wurde. Oder eine Lobpreisung auf das Kaiserhaus.
Hm, neben der Blasmusik (schließlich ist Karneval) und dem Kammgebläse nun noch ein innstiftendes Lied ... mal schauen, ob's was wird. Vielleicht weiß Grimmelshausen ne Anregung ... Die Marseillaise wäre wie die Armbanduhr an der Päpstin ...

Kurz:

Ich hab Euch zu danken und der Akt wird neu gekleidet ...

Fröhliche kunterbunte Tage,

Euch allen!

 
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Die Steckenpferde sind eingebaut, der lieben Logik halber in den zwoten und vierten Akt, eine Widmung wird beigefügt, die eigentlich dem Publikum gilt. Daraus gebührt dem ein moderner Wäschetrockner, der den Bezug zu der Widmung als erster herstellt! (Adresse wäre anzugeben, die Wäscheleine muss ja irgend... wohin auch immer ... ankommen können)

Schöne Tage diese Tage und lasst es Euch beim Abendmahl gut schmecken und nicht die Laune verderben wegen Verrat oder so!

Friedel

 
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2.278

Lieber Friedrichard,

der Text, ein Kurzstück, erzählt von Wallenstein, einem Emporkömmling, der am Ende fallen gelassen wird. Schiller hat über ihn geschrieben, großes Drama, historisch eingeordnet. Du schaffst den Bezug zur Moderne, wirkst erkenntnisverbreitend, zeigst den Weg des egozentrischen Wesens, das Modell des modernen Menschen, benennst auch das Elend. Sprachlich bewegst du dich in deinen Lieblingssphären, altertümliche Diktion, witzig, charmant, nicht auf Anhieb verständlich, warum auch. Dadurch geht natürlich ein Teil der Leichtigkeit verloren, des Träumerischen, die an manchen Stellen sichtbar, spürbar werden. Ich erinnere mich an deinen Kindertext, in dem du den Leser mit ganz ähnlichen Mitteln, aber unter Verzicht auf Bildungsverweise, besser mitnimmst, berührst. Manchmal ist weniger mehr, ein alter Spruch, zugegeben, und wenn du auf die eine oder andere intellektuelle Eitelkeit verzichtest, gewinnt der Text deutlich. Lässt man sich nämlich auf den Stil ein, genießt man einen eigenartigen, eigenständigen Tonfall, für den man etwas mehr Zeit braucht, auch Geduld, der aber deutlich aus dem Allerlei-Main-Stream heraussticht.

Textstellen:

Wallenstein (im Nachthemd, erhebt sich stöhnend vom Bett und geht Schlappen schleppend ans Fenster und öffnet es. Blasmusik lärmt herüber.
Spricht in die Nacht hinein):
Schlappen schleppend, mehr davon :Pfeif:

Wie nebenbei lasse sich erkennen ein großer Durst nach Ehren und Streben nach Dignität und Macht. –
du brichst die gewohnte Satzstellung und es klingt artifiziell, auch wenn es sein mag, dass du damit den historischen Sprachgebrauch triffst.

. Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, Gewohnheit nennt er seine Amme.
sehr schön:thumbsup:

Dritter Dragoner: (hält eine Flasche hochprozentiger Dragonade [Drachenblut] hoch und brüllt den Kameraden zu):
Dragonade:D

Tausendmal wird er sterben, bevor einmal er stirbt.
geheimnisvolles Rauschen, starker Satz

Ich weiß auch, dass Sie ein guter Mann sind, jeden gleichbehandeln, ob hohen oder niedern Standes, den Klugen wie den Dummen, denn – sind wir nicht alle dumm, die einen geboren, die andern gemacht und hernach beschränkt und in Blödigkeit gehalten, dass einem schon Heinweh ankommen kann nach Ihrer Gerechtigkeit - wenn da nicht die Hoffnung wäre auf bessre Zeit, dass man sich ruhig könnt niederlegen.
reife Weisheiten:Pfeif:

Der Mond ist aufgegangen
Und eitrig er vom Himmel trotzt.
Ein Dichter schreibt, der Pöbel kotzt,
Die Bühne wird verhangen.
von dir? Gefällt mir!:lol:

Viele Frühmorgenfrühfrühlingsgrüße
Isegrims

 
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...
der Text ... erzählt von Wallenstein, einem Emporkömmling, der am Ende fallen gelassen wird. Schiller hat über ihn geschrieben, großes Drama, historisch eingeordnet. Du schaffst den Bezug zur Moderne, wirkst erkenntnisverbreitend, zeigst den Weg des egozentrischen Wesens, das Modell des modernen Menschen, benennst auch das Elend. Sprachlich bewegst du dich in deinen Lieblingssphären, altertümliche Diktion, witzig, charmant, nicht auf Anhieb verständlich, warum auch.

Zu Recht stellstu,

liebe Isa,

kein Fragezeichen ans Satzende und erst recht kein Ausrufezeichen, wie es mich in den eigenen Fingern kribbeln täte, wohlwissend, dass eine düstere und für die meisten schwere Zeit bestenfalls durch Betroffene wie Grimmelshausen durch eine federleichte Sprache aufgezeichnet werden sollte. Ein Drittel der Bevölkerung kam zu Tode - das haben trotz industrialisierten Krieges nicht einmal die lausigen dreißig Jahre zwischen 1914 und 1945 geschafft. Aber wer könnte noch Grimmelshausen im Original lesen?, selbst wenn er mehr als hundert Jahre neuhochdeutscher Erfahrung nach Luther hinter sich hat (und der Wandel vom späten MIttelhochdeutsch zum frühen Neuhochdeutsch vollzog sich schon drei Generationen VOR Luther) . Es werden auch nur noch "Übersetzungen" gehandelt, die wahrscheinlich auch schon auf Übersetzungen des 19. Jh. fußen und den Höhepunkt find ich dann in den Lutherübersetzungen in "einfacher" Sprache ...
Hunde werden im Gegensatz zu ihrem Vetter, dem Wolf, nicht 21 Wochen bei ihrer Mutter gelassen, sondern bestenfalls acht - dass sie nicht näherungsweise die Intelligenz eine Wolfes erreichen können und auf dem Niveau von unter Fünfjährigen bleiben. Mit der Ökonomisierung und somit Durchrationalisierung der Gesellschaft vom Kindergarten bis zum Krematorium und der digitalisierten Kommunikation ist man auf dem besten Wege dahin ...

Selbstveständlich geht Leichtigkeit verloren, niemand soll vom Schicksal des Helden angerührt werden, heiße er nun Echnaton (eigentlicher Vater aller Monoteismen, die sich besonders dadurch auszeichnen, dass sie allein wüssten um den einen, wahren Gott) oder Mammon, W. oder Cromwell usw.

Lässt man sich nämlich auf den Stil ein, genießt man einen eigenartigen, eigenständigen Tonfall, für den man etwas mehr Zeit braucht, auch Geduld, der aber deutlich aus dem Allerlei-Main-Stream heraussticht.

Der Mond ist aufgegangen
Und eitrig er vom Himmel trotzt.
Ein Dichter schreibt, der Pöbel kotzt,
Die Bühne wird verhangen.
von dir? Gefällt mir!
Erste Zeile M. C. (Dieter Hildebrands Vortrag des Claudius- Gedichtes in der Sprache eine Helmuth Kohls stellvertretend für Politikersprech sollte jeder einmal gehört haben ...), alles andere jo. Könnte aber absehbar durch ein Sonett ersetzt werden oder ergänzt - muss ma' schau'n.

Dank Dear fürs Lesen und Kommentieren

Friedel

Viele Frühmorgenfrühfrühlingsgrüße
Isegrims

 

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