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Was vom Himmel fällt

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Anmerkungen zum Text

Teil der Agafja-Saga

Was vom Himmel fällt

Als sie sich umdreht und auf den Stuhl setzen will, auf dem die Mutter immer saß, bemerkt sie die Spinne, ein großes Tier mit kräftigem Körper, das ihre Hand ausfüllen würde, so groß. Sie gehört nicht hierher, das weiß Agafja sofort, hat acht Beine, das schon, bewegt sich aber ungelenker, nicht so wie eine sibirische Spinne, nicht so, als schwebte sie und glitte schwerelos über den Boden, nein, die Spinne, die neben der Tür sitzt, rennt wie ein Soldat in exakt gerader Bahn auf und ab, ohne sich ihr zu nähern. Agafja beobachtet das Wesen eine Weile, registriert die merkwürdigen Augen. Sie ähneln Leuchtpunkten, von denen grüne, kaum wahrnehmbare Blitze ausgehen, die Agafja fixieren. Ein Lebewesen mit solch einem tiefen Schwarz hat sie niemals gesehen.

Dann bückst sie sich und greift zu. Die Beine der Spinne bewegen sich ins Leere. Sie betrachtet, was sie in den Händen hält. Die Oberfläche fühlt sich weich an, kalt, gummiartig, gibt nach, wenn man leichten Druck ausübt. Der Körper pulsiert, vibriert, die Beine scheinen mit Metall überzogen zu sein, und die Augen glühen. Sie dreht die Spinne um, will den Bauch begutachten und entdeckt eine winzige Stelle, einen Punkt, kaum wahrzunehmen, der genau so aussieht, wie die Zeichen, die in den Städten an allen Produkten angebracht sind, die irgendwo verkauft werden, Yoghurtbecher, Musikabspielgeräte, Schälchen, Flaschen, Kleidungsstücke, einfach an allem, was man ihr auf ihrer Reise als die Errungenschaften der modernen Zeit präsentiert hatte. Sie zittert, denn sie weiß, was die Ziffernfolge bedeutet.

Agafja fasst einen Entschluss. Sie greift eine Holzdose aus dem Regal, riecht Wald und Berge, als sie den Deckel hebt, schüttet Kräuter-und Nussreste aus. Dann bückt sie sich. Das Spinnenwesen zieht seine Bahnen, kerzengerade, bis es von der Wand aufgehalten wird, zur Seite schwenkt, etwas versetzt in die Gegenrichtung zurückläuft. In einer fließenden Bewegung stülpt Agafja die Dose über die Spinne und nimmt sie gefangen.

Danach geht sie auf dem von Mensch und Tier benutzten Pfad zum Wald. Er führt am Yerinat entlang ein Stück empor den Bergen entgegen. Eine Hummel hat sich hierher verirrt, setzt sich auf Agafjas Arm und krabbelt auf und ab. Geologen, Wanderer, Studenten, die sich seit einigen Jahren in der Wildnis blicken lassen, klagen über die Insektenstiche: „Wenn ihr lange genug hier seid, macht euch das nichts mehr aus“, sagt sie ihnen. Die Hummel bewegt sich unbeholfen, ein Brummer, schwarzer Körper, weißbestäubter Hintern, und versucht die Flügel auszubreiten, aber es gelingt nicht. Sie rennt und rennt, kann aber nicht abheben. Vielleicht sind die Flügel verklebt, vielleicht fürchtet sie sich, in den Fluss zu fallen und in der Fremde zu ertrinken. Agafja streichelt mit einem Finger den Körper des Insekts, pustet es an, ermutigt es in seinen Bemühungen nicht nachzulassen. Jedes Lebewesen ist mit jedem anderen verbunden, die Schöpfung ein Wunder der Gemeinsamkeit. Agafja weiß, wo sich das Nest befindet, unter einem Felsen, der von Farbadern durchzogen ist. Gerade als sie beschließt, die Hummel dorthin zu bringen, fliegt sie steil zum Himmel empor, wird auf irgendeiner Lichtung landen, an einer sonnenumfluteten Stelle den Nektar aufnehmrn. Agafja geht weiter. Auf dem Weg kommt sie an dem Stahl vorbei, das vom Himmel gefallen ist. Wo die Buchen dicht wachsen, die Erde mit Steinen durchsetzt ist, nahe dem Saum der Berge, liegt die Turbine, die eines Nachts herabgestürzt ist, vor gar nicht langer Zeit.

Ein fremder Geruch hatte sich eines morgens unter die gewohnten gemischt, verdorben, eine minimale Veränderung. Sie hatte am Horizont den merkwürdigen Rauch bemerkt, anders als der Nebel, der sonst zwischen Wald und Bergen hing. Also war sie den Spuren entgegengelaufen, bewaffnet mit dem Langmesser und dem Gewehr, durch hohes Gras, wucherndes Gestrüpp. Aus der Erde ragen hier Steine. Sie musste aufpassen, nicht zu stolpern. Die Berge werfen ihre Wurzeln, bevor die Höhenlinien beginnen, nach oben zu den mächtigen Felsen führen. In den Höhlen, wo das Lapislazuli im Gestein eingeschlossen ist, hausen Bären. Eingänge zu Wolfsbauten verstecken sich unter Gestrüpp. Als sie nähergekommen war, sah sie erst Feuernester, endlich das verbogene Stahlgebilde, spürte die Hitze, die von ihm ausging. Trotzdem suchte sie nach gefährlichen Zeichen, nach Chiffren, die seine Herkunft offenbarten. Sie entdeckte nichts, außer ein paar kyrillischen Buchstaben, die sich weder zu Sätzen noch zu Worten zusammenfügen ließen, Bruchstücke, deren fehlender Rest verbrannt war. Was vom Himmel fällt, muss etwas bedeuten. Aber sie hatte nichts außer leblosem Metall gefunden, seltsam verbogen, als wüsste es nicht, welche Form es annehmen sollte, nicht geschaffen für die Welt, auf die es stürzte, ein Engel, ein verstoßener Stern, der hier im Wald verglühte, in einer verlassenen Gegend, die kaum einer kannte, sich selbst überlassen wurde, dem gehörte, der sie zu nutzen wusste. Sie hatte den Boden abgesucht, die Äste der jungen Bäume aufgerichtet, das Moos festgedrückt und war seither immer wieder an dieser Stelle vorbeigekommen, wenn sie die Höhle aufsuchte.

Damals hatte sie die Wärme des Stahls gespürt, jeden Zentimeter untersucht. Als sie jetzt über die Oberfläche streicht, die scharfen Kanten, die Rundungen berührt, spürt sie nichts, keine Hitze, leblose Kälte, mehr nicht. An einigen Stellen klebt Moos. Am Firmament hängen ein paar zerfledderte Wolken, dazwischen endloses Blau. Was, wenn das erst der Anfang war, die Apokalypse nahte, die Sterne auf die Erde fielen, Millionen, Abermillionen Lichtgebilde herabstürzten? Und schließlich der Himmel selbst, mitsamt dem Paradies versank, die Sonne verschwand, vollständige Dunkelheit herrschte, die Apokalypse begann?

Agafja reißt sich los, weg von dem Fremdkörper, geht auf dem Pfad weiter. Ein friedlicher Wind streicht über sie hinweg, Musik in ihren Ohren, Rauschen, Rascheln. Als sie am Hummelbau ankommt, beobachtet sie die Insekten, aus- und einfliegen, einem gemeinsamen Willen verpflichtet, eine Familie, die füreinander sorgt, in der jeder seine Aufgabe hat, sammelt, was die Natur schenkt, zu nähren und zu schützen das Volk, die Königin und ihre Nachkommen.

Im Sommer werden weiße Blüten zu sehen sein, ihren Honigduft verströmen. Sie schiebt den Vorhang aus Ataman-Gras beiseite, der den Eingang zur Höhle bedeckt, bückt sich etwas. Glattnasen hängen an den Wänden, beachten Agafja nicht, ruhen sich aus, bevor sie sich in der Nacht fallen lassen, die Schwingen ausbreiten und zum Jagen bereit machen. Eine Fackel braucht sie nicht, muss nicht durch die Gänge kriechen. In der ersten Halle ist es hell genug. Vor den blaugeäderten Wänden steht der Holzbottich. Sie hat ihn vor langer Zeit hierhergeschafft, über Gras und Stein, mühsam Fuß um Fuß. In diesem Zuber hat die Mutter ihre Kinder zur Welt gebracht. Eine alte Esche mit mächtigem Stamm habe der Papa geschlagen, ausgehöhlt, die Astlöcher geschliffen, geschmirgelt, poliert, damit eine Wanne entsteht, in der man baden, ein Tier ausweiden und eben gebären konnte. Bis zuletzt hatte der Vater darin gebadet.
Agafja steigt in den Zuber, schließt die Augen und zieht die Beine an. Es vergeht nur ein Moment, dann hört sie die Stimme ihrer Mama.

Ihr müsst wissen, dass der Teufel ein Engel ist, eine Lichtgestalt, die von Gott, abgefallen ist, die Finsternis aus freien Stücken gewählt hat. Auch ein Engel hat einen eigenen Willen, kann sich entscheiden. So wie wir Menschen uns für das Gute oder das Böse entscheiden, in jedem einzelnen Augenblick ja oder nein sagen können.
Damit ihr eure Sinne schärft, erzähle ich euch vom Teufel. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, kam er als Maus zu mir. Ich war ein kleines Mädchen, wälzte mich im Stroh, fand keinen Schlaf, kratzte mich am Kopf, weil die Läuse zwischen den Haaren ihre Nester einrichteten, als etwas an meinem rechten Zeh knabberte. Ich zuckte zusammen, fuhr hoch und streifte die Decke ab, um zu sehen, was es war. Da bemerkte ich, dass eine Maus mich fixierte. Bewegungslos lief sie langsam, ohne den merkwürdig intensiven Augenkontakt aufzugeben, über die Beine, den Bauch entlang bis zu meiner Brust, wo sie verharrte. Warum ich ruhig blieb, wusste ich nicht. Die Maus war nicht besonders groß, eigentlich eine ganz normale Maus, nur die Augen erschienen mir im Verhältnis zum Körper überdimensioniert. Sie sprach nicht und dennoch verstand ich, was sie mir mitteilte, ja ich verstand das Flüstern klar und deutlich.
„Ich wollte dir einmal einen Besuch abstatten, ganz freundschaftlich. Dich quälen die Läuse, die Flöhe und die Wanzen. Und das Stroh sticht dir die Haut auf. Habe ich recht? An sich nicht weiter schlimm. Aber du schläfst schlecht und es kitzelt dich, stimmt’s? Ich kann dir helfen.“
„Du, eine kleine Maus?“
„Heute siehst du mich als Maus, später bin ich vielleicht ein Bär. Und wenn ich kein Bär mehr bin, dann bin ich selbst eine Laus. Und wenn ich keine Laus mehr bin, ein Adler.“
„Und ein Mensch, kannst du auch ein Mensch sein?“
„Nicht einer, viele, Frauen, Männer, Kinder, Bauern, Beamte, Zaren, Priester und Bettler.“
Ich nahm allen meinen Mut zusammen, ließ mir aber nichts anmerken, deshalb schwieg ich, als die Maus weiterredete.
„Du weißt längst, wer ich bin. Aber ich versichere dir, es sind Lügen, die sie über mich verbreiten. Ich bin weitaus wohltätiger, als der, den ihr Herr nennt, zu dem ihr betet. Wenn ihr Gott um einen Gefallen bittet - und wenn es nur ist, dass er euch von den Flöhen und Läusen befreit - dann grinst er und erzählt von den Plagen, die der Mensch ertragen muss, damit seine Seele umso reiner und unschuldiger zum Himmel aufsteigt, dass das Leid die Bedingung für das Paradies sei. Und ihr, wenn ihr ihn hört, versteht nicht, was er meint. Er will euch knechten. Er macht euch sein Paradies schmackhaft, einen Ort, wo Honig und Wein fließen, wo ihr euch in ewiger Muße die Bäuche vollschlagen dürft. Aber er erzählt euch nicht, dass alles, was Freude bereitet, an dem verheißenen Ort verboten ist. Beten und betteln müsst ihr, erstarren vor der Majestät. Lachen könnt ihr vergessen. Im Paradies wird nicht gelacht, das stört die Andacht. Und die Engel, was glaubst du, wie die sich benehmen? Sie sind seine Generale, kommandieren. Die kleineren, unbedeutenderen unter ihnen passen genau auf, was ihr tut, sagt, sogar was ihr denkt. O nein, der Himmel ist kein Vergnügen. Ich kann dafür sorgen, dass du ein gutes Leben führst, ein richtig gutes, eines, von dem du nie zu träumen gewagt hast, ein Paradies auf Erden. Ach, was sind die niedlich, die Läuse, so hübsche Tierchen. Ich werde mich um sie kümmern, damit sie von alleine verschwinden, nicht wahr, das willst du?

Der Wortschwall hörte nicht auf, ein Monolog wie das endlose Sprudeln aus der Quelle eines großen Flusses, eine Woge heißer Luft, die dich versengt, wenn du dich nicht irgendwo verkriechst. Ich riss mich los, zwang mich zu handeln. Jetzt oder nie, jetzt, oder ich erläge dem Wesen, das zu mir sprach, all den Worten, dem Strom aus Lügen, Halbwahrheiten, Verlockungen. Ich umfasste die Maus mit der Hand, sie zu würgen, ersticken, zum Schweigen zu bringen, aber gerade, als ich zudrücken wollte, bemerkte ich, dass da nichts mehr war, mein Krafteinsatz nutzlos. Ab diesem Moment war ich mir sicher, dass mir der Teufel höchstpersönlich einen Besuch abgestattet hatte. Ich bekreuzigte mich, betete. Seltsamerweise fühlte ich mich glücklich, besonders aber als ich das leise Flüstern des Windes hörte, aus dem Gott sprach, ohne dass ich die Bedeutung verstanden hätte. Diese Prüfung war vorerst bestanden. Aber weitere würden folgen.

Die Worte der Mama verklingen. Agafja öffnet die Augen, streckt sich, steigt aus dem Zuber, verlässt die Höhle und tanzt zurück zur Hütte. Dort nimmt sie die Dose, schüttet den Inhalt aus und zertritt die Spinne, stampft sie in den Lehmboden, bis die Überreste sich in eine Form verwandeln, die der des Metallstücks ähnelt, das vom Himmel fiel.

 
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Als sie am Hummelbau ankommt, beobachtet sie die Insekten, aus- und einfliegen, einem gemeinsamen Willen verpflichtet, eine Familie, die füreinander sorgt, in der jeder seine Aufgabe hat, sammelt, was die Natur schenkt, zu nähren und zu schützen das Volk, die Königin und ihre Nachkommen.

Na, wenn das mal nicht eine Anspielung auf den modernen Ameisenstaat ist … aber im Ernst, besonders die Auseinandersetzung mit dem Teufel gefällt mir, denn nicht von ohngefähr ist Luzifer eine Lichtgestalt und wo Licht ist, fallen bekanntlich Schatten. Mir ist die Vorstellung Gott & Teufel als Antipoden alles andere als fremd.

Aber kurz zum Text,

lieber Ise,

warum immer zum einen reflexive Formulierungen, sei es hier ein „sich greifen“ und des „sich befindens“

Sie greift sich im Regal eine Holzdose, schüttelt sie, um herauszufinden, ob sich darin noch Reste von Nüssen oder Kräutern befinden.
wobei „sie (er)greift eine Holzdose im Regal“ und ein schlichtes „ob darin noch Reste … sind“, denn da wird eine Gebildetheit vorgegaukelt, die A. so fremd ist wie das vornehme Gehabe aller Hochwohlgeborenen und sich hochwohlgeboren Wähnenden, die zudem Natur der Eigentumsordnung unterordnen wollen und in der "Freiheit" des Eigentums wie auch der bekannte Hamster im Tretrad nun eine Hummel kollegial begrüßen können - aber das Tier kann wohl nicht anders

Die Hummel bewegt sich unbeholfen, ein Brummer, schwarzer Körper, weißbestäubter Hintern, und versucht die Flügel auszubreiten, aber es gelingt nicht. Sie rennt und rennt, kann aber nicht abheben. Vielleicht sind die Flügel verklebt, vielleicht fürchtet sie sich in den Fluss zu fallen und in der Fremde zu ertrinken.
Da wird jede Kultur ihre eigenen Symbole haben.

Und dann doch ein Einwand wider den modernen Aberglauben

Ein fremder Geruch hatte sich eines morgens unter die gewohnten gemischt, verdorben, metallisch, eine minimale Veränderung.
Ich weiß nicht, aber ich bin mir sicher, dass nicht nur Eisen keinen eigenen Geruch abstößt … was ja schon die alten Römer im Satz „Geld stinkt nicht“ darstellten (wenn auch aus übertragenen Gründen).

Ich lass mich da gerne in eine Hexenküche verführen und keine bange, seit Januar 1981 bin ich in keinem Labor mehr als Laborant gewesen … (als Mitarbeitervertreter selbstverständlich immer noch ...)

Setnemides hat übrigens auch vor Jahr und Tag über Sibirien erzählt. Ich guck mal nach, ob ich sein gelungenes Werk finde ...

Tschüss & bis bald

Friedel


PS: Eine Geschichte von Set gefunden unter

https://www.wortkrieger.de/threads/sibirische-löcher.55759/
lohnt sich auf jeden Fall, selbst wenn ich die Problematik bis in die Eifel transportiert hab und in Groningen und dem benachbarten nördlichen Niedersachsen vor kurzem die Erde bebte, weil ausgebeutete Gashölen sich verändern ...

 
Monster-WG
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Hey @Isegrims

Zunächst ein paar Details:

Sie greift sich im Regal eine Holzdose, schüttelt sie, um herauszufinden, ob sich darin noch Reste von Nüssen oder Kräutern befinden.
Vielleicht: greift nach einer Holzdose, ...
Sie riecht den Waldgeruch, als sie den Deckel hebt.
Vielleicht eine Formulierung, die ohne das riechen auskommt?
Das Spinnenwesen zieht weiter seine Bahnen
Das ist offensichtlich wieder ein Auszug aus einem grösseren Projekt. Aber du musst dir schon die Mühe machen, daraus eine echte Kurzgeschichte zu formen! :peitsch: Also: Ein Spinnenwesen zieht seine Bahnen.
Das Spinnenwesen zieht weiter seine Bahnen, kerzengerade, bis es von den Wänden aufgehalten wird, in genau abgemessenem Abstand zur Seite schwenkt und in die Gegenrichtung läuft.
von mehrereren Wänden gleichzeitig? Dann ist es in eine Ecke gelaufen? Was heisst hier genau abgemessener Abstand? Wer hat ihn abgemessen? Und wenn es nur zur Seite schwenkt, kann es nicht in die Gegenrichtung laufen. Also, insgesamt kriege ich da gar kein Bild zusammen.
Danach schließt sie die Tür zur Hütte
Unnötig, da du einen neuen Abschnitt begonnen hast.
und nimmt auf dem von Mensch und Tier benutzten Pfad den Weg zum Wald.
Empfand ich als sperrig.
Geologen, Wanderer, Studenten, die sich in den letzten Jahren in der Wildnis blicken lassen,
Präsens. Also eher: seit einigen Jahren.
klagen über die Insektenstiche:
Diese Verknüpfung fand ich etwas subobtimal. Hummeln können zwar stechen, tun es aber fast nie.
und versucht die Flügel auszubreiten, aber es gelingt nicht. Sie rennt und rennt, kann aber nicht abheben.
eines lässt sich vielleicht streichen.
vielleicht fürchtet sie sich in den Fluss zu fallen
wohl ein Komma nach "sich".
Jedes Lebewesen ist mit jedem anderen verbunden, die Schöpfung ein Wunder aus Gemeinsamkeit.
"der" klänge natürlicher.
Agafja freut sich und geht weiter.
Die Beschreibung der Hummel geht ja in die zart-feinfühlige Richtung. Fand ich okay. Aber dieser abschliessende Satz war mir dann etwas zu rosa und kindlich-kitschig.
Auf dem Weg kommt sie an dem Stahl vorbei, das vom Himmel gefallen ist.
der
Die Berge werfen ihre Wurzeln, bevor die Höhenlinien beginnen, nach oben führen, dorthin, wo mächtige Felsen ihre Wurzeln schlagen.
Ich würde das Bild nicht zweimal verwenden.
Eingänge zu den Wolfsbauten verstecken sich unter Gestrüpp.
Würde ich streichen.
Trotzdem hatte sie nach gefährlichen Zeichen gesucht, nach Chiffren, die seine Herkunft offenbarten.
Rückfall ins PQP, obwohl du schon im Präteritum bist.
der hier im Wald verglühte, in einer verlassenen Gegend, die kaum einer kannte, sich selbst überlassen wurde, dem gehörte, der sie zu nutzen wusste.
Das empfand ich als herausgezoomt aus der Szene, nicht aus der Figur heraus gedacht, eher an die Leserschaft gerichtet
Was, wenn das erst der Anfang war, die Apokalypse nahte, die Sterne auf die Erde fielen, Millionen, Abermillionen Lichtgebilde herabstürzten? Und schließlich der Himmel selbst, mitsamt dem Paradies versank, die Sonne verschwand, vollständige Dunkelheit herrschte, die Apokalypse begann?
Das kam für mich etwas aus dem Nichts. Erst im Zusammenhang mit der Rede der Mutter ergibt sich ein Zusammenhang. Ich glaube, mir hätte es besser gefallen, wenn da bloss stünde: Was, wenn das erst der Anfang war?
Ihr müsst wissen, dass der Teufel ein Engel ist, eine Lichtgestalt, die von Gott, abgefallen ist, die Finsternis aus freien Stücken gewählt hat.
John Milton lässt grüssen.
Bewegungslos lief sie langsam, ohne den merkwürdig intensiven Augenkontakt aufzugeben, über die Beine, den Bauch entlang bis zu meiner Brust, wo sie verharrte. Ich blieb ruhig, ohne zu wissen, warum.
Könnte man variieren.
Die Maus war nicht besonders groß, eigentlich eine ganz normale Maus, nur die Augen erschienen mir im Verhältnis zum Körper überdimensioniert.
passt nicht so recht ins Sprachregister.
jetzt oder nie, jetzt, oder ich erlag dem Wesen
erläge (Oder frag Friedel)
Dort nimmt sie die Dose, schüttet den Inhalt aus und zertritt die Spinne, stampft sie in den Lehmboden, bis die Überreste sich in eine Form verwandeln, die der des Metallstücks ähnelt, das vom Himmel fiel.
Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie du die beiden Teile zusammen bringen willst, und war hier ein wenig enttäuscht. Das ist etwas husch-husch. Ich kann da nicht so recht andocken.

Mir gefällt das Setting, mir gefällt der Stahl im Wald (hat mich an die Cola-Flasche in Die Götter müssen verrückt sein erinnert, aber bei dir ist das erdiger). Auch der Teufel als Maus gefällt mir. Also, das ist schon ein schönes Universum und ich vermute, dass sich das im grösseren Kontext denn auch gut zusammenfügt. Aber hier empfand ich die Motive als zu lose verbunden. Konkret: Dass die Spinne irgendetwas mit Teufel o.ä. zu tun haben könnte, hat sich für mich nicht abgezeichnet. Ich hatte die am Ende ehrlich gesagt auch schon wieder vergessen, die Hummel nimmt viel mehr Platz ein. Danach habe ich den Stahl im Kontext einer Kultur - Natur - Gegenüberstellung gelesen und da hat mich das Apokalyptische etwas überrascht. Ich habe da zuerst eher an Sci-Fi-Apokalypse gedacht und nicht an einen religiösen Kontext - der bis auf den Ausdruck "Engel" zu diesem Zeitpunkt ja auch nicht etabliert ist. Vielleicht bin ich aber auch nur müde und wenig fix im Kopf. Aber ich denke, das könnte noch stärker aufeinander bezogen werden. Der Sturz Satans, der Sturz des Stahls auf die Erde, da müsste die religiöse Thematik stärker in den ganzen Text eingewoben werden, vielleicht auch das Bedrohliche der Spinne angedeutet, die Naturbeschreibungen entsprechend eingefärbt werden. Ja, vielleicht sehe ich da auch nicht so richtig eine Verbindung, weil der Sturz Satans am Anfang aller Zeiten steht und die Apokalypse am Ende, ich habe da die beiden Bilder nicht zusammengebracht, erst nachträglich, in der Reflexion. Auf alle Fälle müsste der Schlusssatz, der die Spinne mit dem Stahl und beides zusammen mit dem Teufel in Verbindung bringt, sich stärker ankündigen, meiner Meinung nach. Vielleicht so sehr, dass der Satz selbst überflüssig wird. Mit der Thematik hast du mich aber natürlich und ich habe das gerne gelesen.

Lieber Gruss
Peeperkorn

 
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Hallo @Isegrims,

die Geschichte ist interessant aufgeteilt: zu Beginn ruhig und entspannend, am Ende werden unerwartete Themen behandelt.
Was mir noch fehlt, ist Klarheit bezüglich der Spinne. Sie wird ganz am Anfang und am Schluss erwähnt, der Kreis schließt sich also. Das ist gut, aber man erfährt kaum etwas über das Wesen. Oder ist es sogar eine Art Roboter? Hier fehlt mir noch der Kontext, es fühlt sich so an, als hätte ich etwas verpasst.

Zur Geschichte selbst sind mir noch diese zwei Kleinigkeiten aufgefallen:

Sie hatte am Horizont den merkwürdigen Rauch bemerkt, nicht vergleichbar mit dem Nebel, der sonst zwischen Wald und Bergen hing.
Statt nicht vergleichbar mit dem Nebel würde der anders als der Nebel war vielleicht besser passen. So wird der Gegensatz deutlicher. Wenn etwas erwähnt wird, was gar nicht da ist, kann man schnell abgelenkt werden, so kann das eventuell verhindert werden.

In der ersten Halle ist es hell genug. Vor den blaugeäderten Wänden steht der Holzbottich.
Unter Halle kann ich mir hier nicht viel vorstellen. Wie ist zum Beispiel die Beschaffenheit der Wand? Glatt, rau, gekrümmt, eckig oder ganz anders?
Die Holzhütte am Anfang wird zwar auch kaum beschrieben, aber davon kann man sich viel leichter ein Bild machen. Hier ist es noch schwierig.

Viele Grüße
Michael

 
Wortkrieger-Team
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Lieber Friedel,

Na, wenn das mal nicht eine Anspielung auf den modernen Ameisenstaat ist … aber im Ernst, besonders die Auseinandersetzung mit dem Teufel gefällt mir, denn nicht von ohngefähr ist Luzifer eine Lichtgestalt und wo Licht ist, fallen bekanntlich Schatten.
Ohne das Ameisenhafte der Ansammlung von Menschen in Städten und Organisationen, gäbe es auch keine wie auch immer geartete Moderne, die doch ohne den Teufel nicht auskommt.
wobei „sie (er)greift eine Holzdose im Regal“ und ein schlichtes „ob darin noch Reste … sind“, denn da wird eine Gebildetheit vorgegaukelt, die A. so fremd ist wie das vornehme Gehabe aller Hochwohlgeborenen und sich hochwohlgeboren Wähnenden, die zudem Natur der Eigentumsordnung unterordnen wollen und in der "Freiheit" des Eigentums wie auch der bekannte Hamster im Tretrad nun eine Hummel kollegial begrüßen können - aber das Tier kann wohl nicht anders
Die Stelle habe ich etwas verändert, haben die anderen auch angemerkt.
Ich weiß nicht, aber ich bin mir sicher, dass nicht nur Eisen keinen eigenen Geruch abstößt … was ja schon die alten Römer im Satz „Geld stinkt nicht“ darstellten (wenn auch aus übertragenen Gründen).
ok, braucht es nicht, das metallisch, das ohnehin keinen Geruch verströmt. Andererseits symbolisiert das Metall eben auch ein ganzes Zeitalter, die Abkehr vom Archaistischen, in dem Agafja lebt.

Setnemides hat übrigens auch vor Jahr und Tag über Sibirien erzählt. Ich guck mal nach, ob ich sein gelungenes Werk finde ...
Sehr interessant, werde ich lesen.

Vielen Dank, das war wieder aufschlußreich!

Lieber @Peeperkorn

die meisten deiner präzisen Anmerkungen habe ich genutzt. Ich ärgere mich oft genug, dass ich im Schreibfluss, selbst beim Überarbeiten, selbst mithilfe von Software, manches stilistische Detail übersehe: ein ewiger Prozess, den du vielleicht kennst.

Vielleicht eine Formulierung, die ohne das riechen auskommt?
geändert
Das ist offensichtlich wieder ein Auszug aus einem grösseren Projekt. Aber du musst dir schon die Mühe machen, daraus eine echte Kurzgeschichte zu formen!
Stimmt natürlich, ist ein Anzug aus einem größeren Projekt, den ich veröffentlicht habe, weil ich wissen wollte/will, wie das eine oder andere funktioniert. Der Sinnzusammenhang, die Bedeutung der Spinne, wird in dem hier veröffentlichten Teil bisher nicht deutlich. Ich habe deshalb jetzt einiges aus dem vorhergehenden Agafja-Kapitel eingefügt.
von mehrereren Wänden gleichzeitig? Dann ist es in eine Ecke gelaufen? Was heisst hier genau abgemessener Abstand?
auch die Stelle habe ich geändert
Diese Verknüpfung fand ich etwas subobtimal. Hummeln können zwar stechen, tun es aber fast nie.
Ich verstehe die Anmerkung. Was ich zeigen will: wie assoziativ Agafja denkt, da spielt es dann mMn keine so große Rolle, wie wahrscheinlich es ist, dass Hummeln stechen, aber ich merke mir den Gedanken
Die Beschreibung der Hummel geht ja in die zart-feinfühlige Richtung. Fand ich okay. Aber dieser abschliessende Satz war mir dann etwas zu rosa und kindlich-kitschig.
auch geändert, hast recht: ist immer eine Gefahr beim Blumigen zu Überpacen
Das kam für mich etwas aus dem Nichts. Erst im Zusammenhang mit der Rede der Mutter ergibt sich ein Zusammenhang. Ich glaube, mir hätte es besser gefallen, wenn da bloss stünde: Was, wenn das erst der Anfang war?
bisschen wie oben: da schießen die Gedanken aus ihr heraus, eins kommt zum anderen, das charakterisiert auch ihre Denkweise, meine ich.
Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie du die beiden Teile zusammen bringen willst, und war hier ein wenig enttäuscht. Das ist etwas husch-husch. Ich kann da nicht so recht andocken.
Am Anfang habe ich einiges eingefügt, sodass ihr Handeln am Ende besser motiviert ist, auch, glaube ich, nicht unbedingt mehr Erklärung braucht. Zerstören müssen ist eine Enttäuschung, wenngleich eine Notwendigkeit.
Mir gefällt das Setting, mir gefällt der Stahl im Wald (hat mich an die Cola-Flasche in Die Götter müssen verrückt sein erinnert, aber bei dir ist das erdiger). Auch der Teufel als Maus gefällt mir. Also, das ist schon ein schönes Universum und ich vermute, dass sich das im grösseren Kontext denn auch gut zusammenfügt. Aber hier empfand ich die Motive als zu lose verbunden. Konkret: Dass die Spinne irgendetwas mit Teufel o.ä. zu tun haben könnte, hat sich für mich nicht abgezeichnet.
Nach den Ergänzungen am Anfang hoffe ich, den Bezug Spinne, Teufel, Metall besser herausgearbeitet zu haben. Die echte Agafja fürchtet sich zum Beispiel auch vor Strichcodes, die gefährliche Zahlenfolgen enthalten, nein eigentlich vor allen Zeichen.
Danach habe ich den Stahl im Kontext einer Kultur - Natur - Gegenüberstellung gelesen und da hat mich das Apokalyptische etwas überrascht. Ich habe da zuerst eher an Sci-Fi-Apokalypse gedacht und nicht an einen religiösen Kontext - der bis auf den Ausdruck "Engel" zu diesem Zeitpunkt ja auch nicht etabliert ist. Vielleicht bin ich aber auch nur müde und wenig fix im Kopf. Aber ich denke, das könnte noch stärker aufeinander bezogen werden. Der Sturz Satans, der Sturz des Stahls auf die Erde, da müsste die religiöse Thematik stärker in den ganzen Text eingewoben werden, vielleicht auch das Bedrohliche der Spinne angedeutet, die Naturbeschreibungen entsprechend eingefärbt werden. Ja, vielleicht sehe ich da auch nicht so richtig eine Verbindung, weil der Sturz Satans am Anfang aller Zeiten steht und die Apokalypse am Ende, ich habe da die beiden Bilder nicht zusammengebracht, erst nachträglich, in der Reflexion.
Wenn du den religiösen Kontext ansprichst, klar, der schein augenscheinlich. Und Agafja ist auch eine religiöse Figur, aber ich glaube, das ist nicht der einzige Kern. es stellt sich auch die Frage nach dem Paradies und wo es zu finden ist, was das Paradies gefährdet.
Stan stützt vom Himmel, ein Verstossener, wenn der Teufel aber die Paradiese auf Erden angreift, dann naht Endzeit.
Mit der Thematik hast du mich aber natürlich und ich habe das gerne gelesen.
das ist gut, freut mich sehr

Das war jetzt viel, ein Kommentar, der mir was bedeutet, wichtig war, danke dir!

Hallo @Michael Weikerstorfer

freut mich, dass du kommntierst, Dankeschön.

Was mir noch fehlt, ist Klarheit bezüglich der Spinne. Sie wird ganz am Anfang und am Schluss erwähnt, der Kreis schließt sich also. Das ist gut, aber man erfährt kaum etwas über das Wesen. Oder ist es sogar eine Art Roboter? Hier fehlt mir noch der Kontext, es fühlt sich so an, als hätte ich etwas verpasst.
Die Spinne hat ja jeder erwähnt: ich habe den Text deshalb erweitert, wie ich oben schon angezeigt habe.
Statt nicht vergleichbar mit dem Nebel würde der anders als der Nebel war vielleicht besser passen. So wird der Gegensatz deutlicher.
stimmt, habe ich übernommen.
Unter Halle kann ich mir hier nicht viel vorstellen. Wie ist zum Beispiel die Beschaffenheit der Wand? Glatt, rau, gekrümmt, eckig oder ganz anders?
mm, eigentlich hast du recht, vielleicht mache ich an der Stelle noch was, aber vorerst denke ich, dass es nicht zu viele Reize sein sollten, die Höhle könnte eine eigene Geschichte schreiben.

Viele Grüße aus dem grauen Taunusabend an euch alle, das hat mir sehr geholfen
Isegrims

 
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Hey @Isegrims,

cool, dass du Auszüge hier im Forum hochlädst.

Ich mag das Thema des Textes, also diesen Konflikt von Moderne und Natur aus Sicht von Jemandem, der offensichtlich sehr naturnah lebt. Die Erzählstimme klingt für mich naiv und abergläubisch, aber man manchen Stellen dann doch sehr wissend. Beispielsweise habe ich mich bei dem Teil über den Hummelbau gewundert, dass dann ja doch einiges theoretisches Wissen über die Struktur eines Hummelvolks da zu sein scheint. Findet man das einfach so heraus, wenn man viel in der Natur unterwegs ist?

Ich mag auch die Feindlichkeit gegenüber Technik bzw. moderner Gesellschaft, die du mit der Parallele zwischen Flugzeugturbine und Satan darstellst. Ich habe es jetzt so verstanden, dass Satan versucht sie zu überzeugen, der modernen Gesellschaft beizutreten, indem er ihr ein bequemeres, läusefreies Leben anbietet. Sie lehnt ab, allerdings nicht aus persönlicher Präferenz ihrem Lebensentwurf gegenüber, sondern aus religiösem Dogmatismus, wobei ... vielleicht ist auch eher die Verbundenheit zu ihren Vorfahren der Grund?

Sehr wichtig finde ich, dass du schreibst auf der Turbine wachse Moos und dass der Teufel in der Gestalt von Tieren, also in der Natur, auftritt. Sonst fände ich es zu ... offensichtlich?

Noch ein paar kleinere Dinge:

n einer fließenden Bewegung stülpt Agafja die Dose über die Spinne und nimmt sie gefangen.
Hier fehlt ein I

Gerade als sie beschließt, die Hummel dorthin zu bringen, fliegt sie steil zum Himmel empor, wird auf irgendeiner Lichtung landen, an einer sonnenumfluteten Stelle, wo sie den Nektar aufnimmt.
Zweimal sie, allerdings meint es einmal Agafja und einmal die Hummel. Den Bezug könnte man hier klarer machen, denke ich.

kommt sie an dem Stahl vorbei
liegt die Turbine
Dadurch, dass du die Turbine zuerst als Stahl bezeichnest, bin ich davon ausgegangen, dass sie nicht weiß, welche Funktion das Artefakt hat. Aber dann nennt sie es Turbine, also weiß sie es. Weiß nicht, ob man das unbedingt ändern muss, aber mich hat es beim Lesen etwas verwundert.

Gerne gelesen.

Beste Grüße
Klamm

 
Monster-WG
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18.06.2015
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Hey @Isegrims

nahe dem Saum der Berge, liegt die Turbine, die eines Nachts herabgestürzt ist, vor gar nicht langer Zeit.
Mir ist nach meinem Kommentar noch was durch den Kopf und daher melde ich mich nochmal. Im Nachhinein denke ich mir, dass es - zumindest im Rahmen des grösseren Projekts - nachhaltiger wäre, die erste Begegnung mit der Turbine direkt zu schildern und nicht nachzuerzählen. Die Geschichte hier ist ja eher plotarm. Frau fängt Spinne, geht spazieren und nimmt ein Bad. :D Das ist völlig okay, weil der innere Plot zählt, Agafjas Gedanken und Gefühle, ihre Auseinandersetzung mit der Welt. Aber auch innere Plots können dramaturgisch mehr oder weniger packend erzählt werden. Der Punkt hier ist, dass Agafjas Puls nicht höher geht, während wir Leser von der Turbine erfahren. Da ist keine Gleichzeitigkeit, das relevante Ereignis wird erzählt, nachdem es kognitiv und emotional bereits verarbeitet wurde. Im Kontext eines Romans würde ich diese Szene direkt schildern, ich denke, da würde ich locker 20 Seiten oder mehr lesen wollen und zwar gerne. Geräusche in der Nacht, Agafja schreckt auf. Dann am Morgen der Rauch und der Nebel zwischen den Bäumen. Langsame Annäherung. Was ihr da alles durch den Kopf geht!

Lieber Gruss
Peeperkorn

 
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Hi @Klamm

freue mich über deine Anmerkungen, hilft weiter, weil sie zeigen, dass einiges bereits gut funktioniert innerhalb des Agafja-Erzählstrangs.

cool, dass du Auszüge hier im Forum hochlädst.
wenn's passt
Die Erzählstimme klingt für mich naiv und abergläubisch, aber man manchen Stellen dann doch sehr wissend. Beispielsweise habe ich mich bei dem Teil über den Hummelbau gewundert, dass dann ja doch einiges theoretisches Wissen über die Struktur eines Hummelvolks da zu sein scheint. Findet man das einfach so heraus, wenn man viel in der Natur unterwegs ist?
Ich selbst stamme aus einem kleinen Dorf und habe als Kind viel Zeit im Wald verbracht, nicht auf die Weise wie Agafja, nicht isoliert, auf mich alleine gestellt. Wer neugierig auf die Natur ist, der hebt schon mal Steine hoch, schaut sich an, wie Ameisen- oder Hummelbauten aufgebaut sind, so finde ich nicht verwunderlich, dass Agafja über das Zusammenleben der Hummeln Bescheid weiß.
Ich habe es jetzt so verstanden, dass Satan versucht sie zu überzeugen, der modernen Gesellschaft beizutreten, indem er ihr ein bequemeres, läusefreies Leben anbietet. Sie lehnt ab, allerdings nicht aus persönlicher Präferenz ihrem Lebensentwurf gegenüber, sondern aus religiösem Dogmatismus, wobei ... vielleicht ist auch eher die Verbundenheit zu ihren Vorfahren der Grund?
wahrscheinlich ist das die Ursache, ich schätze ja, wenngleich diese tiefe Verwurzeltheit eine große Rolle spielt, denke ich.
Sehr wichtig finde ich, dass du schreibst auf der Turbine wachse Moos und dass der Teufel in der Gestalt von Tieren, also in der Natur, auftritt.
auch der Teufel ist in dieser Vorstellung Teil der Natur
Dadurch, dass du die Turbine zuerst als Stahl bezeichnest, bin ich davon ausgegangen, dass sie nicht weiß, welche Funktion das Artefakt hat. Aber dann nennt sie es Turbine, also weiß sie es.
ja, erwischt und doch auch nicht. Aghafja hat Kontakt zur Außenwelt und da ich das Herabfallen des Stahls aus der Vergangenheit heraus schildere, hat sie sich mittlerweile erzählen lassen, dass die Turbine Teil einer Rakete war, die in Baikanur gestartet war.

Vielen Dank, bringt das Projekt weiter, der Kommentar


Hi @Peeperkorn

Im Nachhinein denke ich mir, dass es - zumindest im Rahmen des grösseren Projekts - nachhaltiger wäre, die erste Begegnung mit der Turbine direkt zu schildern und nicht nachzuerzählen.
Da sagst du was, triffst genau den Punkt, an dem ich dramaturgisch den richtigen Weg suche. In diesem Kapitel wollte ich neben ein paar Andeutungen und der Bedrohung durch die Zivilisation in Form des Stahls auch die verschiedenen Zeitebenen etablieren, die das Denken Agafjas ausmachen. Die Gegenwart ist Teil der Vergangenheit und einer möglichen Zukunft, sie begegnet ihren Erinnerungen auf Schritt und Tritt.

Die Geschichte hier ist ja eher plotarm. Frau fängt Spinne, geht spazieren und nimmt ein Bad. :D Das ist völlig okay, weil der innere Plot zählt, Agafjas Gedanken und Gefühle, ihre Auseinandersetzung mit der Welt.
Im Roman gibt es einen zweiten Erzählsprung: Leo, der aus der Zivilisation aus aufbricht und von Zufällen getrieben in Sibirien ankommt. Er durchmisst den Raum, lebt im Jetzt. Agafja lebt auf wenig Raum und durchlebt verschiedene Zeiten.
Den Turbinenfund szenisch zu zeigen ist verführerisch, ja, verstärkt das Blitzlichtartige, das Agafjas Leben beleuchtet.

Der Punkt hier ist, dass Agafjas Puls nicht höher geht, während wir Leser von der Turbine erfahren. Da ist keine Gleichzeitigkeit, das relevante Ereignis wird erzählt, nachdem es kognitiv und emotional bereits verarbeitet wurde. Im Kontext eines Romans würde ich diese Szene direkt schildern, ich denke, da würde ich locker 20 Seiten oder mehr lesen wollen und zwar gerne.

Wenn ich umsetze, die Szene so zu gestalten wie du es vorschlägst, müssen sich LeserInnen darauf einlassen, aber warum nicht, ich schlaf drüber, sehr guter Gedanke

War jetzt sehr wichtig, danke für das Nachhaken!


Liebe Grüße aus den Rest der Sonne hier
Isegrims

 

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