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Wegen Karl

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20.02.2021
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Wegen Karl

Heute begegnete ich Karl nach zwanzig Jahren auf einem Parkplatz. Zuletzt trafen wir uns auf der Hochzeit eines ehemaligen Schulkameraden. Er wohnte nun mit seiner Familie in dieser Stadt, unweit von meinem Ort. Das Gespräch mit Karl weckte Erinnerungen an die Oberschule. Wir redeten ohne Punkt und Komma als wäre nie ein einziger Tag vergangen. Ich stellte Fragen zu seinem Leben und was er über die ehemaligen Mitschüler gehört hatte. Freilich lächelte ich deutlich mehr als sonst. Irgendwann schaute ich auf die Uhr. Er zückte einen Stift und ein Stückchen Papier.
„Wie ist deine Nummer?“, fragte er.
Ich teilte sie ihm mit und er gab mir seine, bevor er sicherstellte, dass ich alle Ziffern korrekt erkenne.
„Verliere das kleine Teil nicht!“, sagte er mir und lachte.
Wir verabredeten uns für das Wochenende. Ich stieg ins Auto, versteckte meine Gedanken hinter einem aufgesetzten Lächeln und sobald ich außerhalb seiner Sichtweite war, verschwand es. Zu Hause erzählte ich meiner Frau bereits beim Eintreten von der Verabredung. Ich erklärte ihr, dass es ein höflicher Ausrutscher war. Wir waren uns darüber einig, dass es aussichtslos wäre, den Termin zu ignorieren. Sie fand, dass ich es aufklären sollte. Schließlich glaubte er, ich würde mich auf ihn freuen.
„Wie sage ich es ihm?“, fragte ich sie.
„Indem du es ihm ohne Ausflüchte mitteilst.“
Ich hatte ehrlich gesagt mit mehr Weisheit gerechnet und wandte mich kurz von ihr ab. Da stand ich im Wohnzimmer plötzlich auf. Sie fragte, wohin ich ginge.
„Nirgendwohin, ich denke nach“, antwortete ich mürrisch.
„Dann setz dich doch!“
Ich saß also wieder neben ihr auf dem Sofa.
„Du kennst ihn doch so lange Zeit. Was macht ein Treffen für einen Unterschied?“
Ich verstand nicht, warum sie nicht verstand. Zuvor hatte ich ihr doch erzählt, was er für einer war. Es nützte nichts, ich musste meine Erklärung wiederholen.
„Er ist ein netter Mensch, aber er redet so viel und ist mir zu hektisch.“
„Ja, und? Du redest mir manchmal auch zu viel.“
Ich dachte, ich hätte mich verhört, bis sie weiter sprach.
„Du redest immerzu von uninteressanten Dingen. Das muss ich dir mal ehrlich sagen.“
„Sowas hast du mir noch nie gesagt!“, erwiderte ich empört.
„Doch, immer wieder! Dass du aufhören sollst, über Autos und Fußball zu reden.“
Mir war nicht klar, was in diesem Moment über sie kam. Erst neulich bat sie mich darum, ihr von der WM zu erzählen. Wir überlegten sogar, hinzufliegen, wenn es sich mit den Tickets ergeben sollte. Deutschland zählte zu den Favoriten und jeder wollte bei den Vorrundenspielen dabei sein. Trotzdem sollte ich nachschauen, meinte sie. Wie zu erwarten waren alle Spiele ausverkauft, doch sie wirkte auf mich nicht als hätte sie getrauert. Ich beschloss, zum Thema zurückzukehren. Schließlich wollte Karl mich sehen.
„Was mache ich jetzt, wenn er sogar hierher kommen möchte?“
„Na ja, von mir aus geht es schon. Besser wäre es, wenn du ihm einfach absagst. Es sollte natürlich freundlich sein.“
„Das geht nicht!“, sagte ich nachdrücklich, „Er wird nach einem Grund fragen und das kann ich ihm nicht antun. Am Ende wird er sogar um ein Treffen bitten, wo ich es ihm ausführlich erklären soll.“
Meine Frau seufzte.
„Du sagst ihm einfach, dass es im Moment nicht passt.“
„Dann könnte er es verschieben.“
„Mein Gott, siehst du denn nicht, dass du es immer schlimmer machst? Rede offen mit ihm!“
Ich nickte zunächst. Dann fragte ich sie nach Ideen, wie ich dies umsetzen könnte. Denn Karl war schließlich nicht irgendwer, sondern einer meiner alten Wegbegleiter. Wir hatten stets ein besonders enges Verhältnis. Mit der Zeit lebten wir uns auseinander, aber böses Blut gab es nicht zwischen uns.
„Wenn du mit ihm keinen Streit hattest, wird er auch keinen beginnen.“
„Was macht dich so sicher?“, fragte ich erstaunt.
„Er hat es mit dir ausgehalten, sehr offensichtlich.“
Ihre Tonlage veränderte sich, was mich glauben ließ, dass sie mit zwei Zungen sprach.
„Sag mal, seit wann muss man es mit mir aushalten? Bisher sagten mir alle, dass ich ein lustiger Typ sei. Wenn war es Karl, der immer nervte.“
Sie seufzte wieder.
„Sprich es aus, vor ihm: 'Karl, du bist ein Netter, aber du nervst mich'. Siehst du, ganz einfach!“
Ich schwieg und kniff die Augen ein wenig zusammen. Allmählich glaubte ich, dass sie mir wirklich eine versteckte Botschaft sendete.
„Meinst du, er steckt es einfach so weg? So etwas erzählt man doch niemanden ins Gesicht.“
„Ich schon“, antwortete sie.
Wieder kniff ich die Augen zusammen und rätselte. Sie stand auf und schaltete in der Küche den Wasserkocher ein.
„Machst du mir einen Kaffee?“, fragte ich sie.
„Ich mache mir Tee“, antwortete sie.
Das hatte sie noch nie gesagt, wenn ich sie um eine Tasse Kaffee bat. Mich so kühl abzuweisen, brachte mich auf. Ich wippte mit dem Fuß. Ungeduldig schaute ich hinüber, ob sie wieder ins Wohnzimmer kommt. Tatsächlich kehrte sie mit einer Tasse zurück.
„Was ist das für einer?“, fragte ich.
„Roiboos.“
„Aha.“
Sie setzte sich auf die gleiche Stelle des Sofas und begann, das heiße Zeug in kleinen Schlucken zu schlürfen. Ich starrte zu Boden. Die Lust auf Kaffee war mir vergangen.
„Wollen wir den Fernseher einschalten?“, fragte ich.
„Mach doch!“, antwortete sie und nippte an der Tasse.
Ich wippte erneut mit dem Fuß. Während der ganzen Zeit schaute sie nur nach vorne in den Raum als wäre ich nicht da. Ich fummelte mit den Fingern an meinem Hosenbein herum. Noch immer herrschte Stille.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich.
Sie summte und schlurfte weiter. Ich begann, unruhiger zu atmen. Schließlich stand ich auf und machte ihr einen Vorschlag.
„Weißt du, ich glaube, uns beiden täte etwas Abstand zueinander gut. Den Sonntag verbringe ich mit Karl und du könntest etwas schönes mit deiner Mutter machen, zum Beispiel.“
Ich stellte sicher, dass sie mich sehen konnte. Sie schaute mir in die Augen und setzte die Tasse auf ihren Schoß.
„Scheint ja ein toller Freund zu sein, dieser Karl!“, sagte sie wieder mit einem merkwürdigen Unterton.
„Nun ja, er war immer nett. Ich denke, ich halte es mit ihm aus. Vielleicht mache ich mit ihm eine Spritztour im Golf.“
„Klingt aufregend! Du solltest ihn anrufen und das vorschlagen, damit er sich passend kleidet. Es könnte zügig werden, so wie du die Fenster immer herunterkurbelst.“
Ich atmete tief ein.
„Ja, ich rufe ihn an. Das mache ich heute noch.“
„Es ist bereits 18 Uhr“, stellte sie fest.
„Stimmt.“
Ich dachte mir, vielleicht isst er zu Abend oder steht unter der Dusche. Er könnte den Anruf verpassen oder glauben, es sei jemand anderes, der viel zu spät anruft.
„Dann mache ich es morgen. Es eilt nicht“, sagte ich.
„Ich wünsche dir viel Glück.“
Mit einem Gefühl der Überfahrenheit setzte ich mich neben meine Frau und schaltete den Fernseher ein. Bis zu den 20 Uhr-Nachrichten wechselten wir miteinander kein Wort mehr.

 

Hallo @XVIII,

ich habe die Szene zwei Mal gelesen, habe aber leider immer noch Probleme, ein knackiges Fazit zu finden. Deswegen hier meine etwas unstrukturierten Gedanken:

Zunächst: Die Formatierung des Textes hat mir nicht zugesagt. Ich weiß, es ist üblich, bei wörtlicher Rede einen neuen Absatz zu starten, aber ich denke, es ist hier besser, das nur zu machen, wenn der Redner wechselt. Ist Geschmackssache. Bestimmt finden sich hier viele geübte Autoren, die mir widersprechen. Das z. B. hätte ich in einem Absatz geschrieben:

„Ja, und? Du redest mir manchmal auch zu viel.“
Ich dachte, ich hätte mich verhört, bis sie weiter sprach.
„Du redest immerzu von uninteressanten Dingen. Das muss ich dir mal ehrlich sagen.“

Zur Handlung: Ein Mann wurde überrumpelt und hat sich auf ein Treffen mit einem alten Freund eingelassen, den er eigentlich gar nicht sehen will. Die Suche nach einer Ausrede, um nicht zu kommen, wird zum Anlass für einen Wortwechsel (kein Streit) mit der Ehefrau. Der Text ist voll mit passiv-aggressiven Sticheleien, Schweigen, Kritik und all den anderen Ekelhaftigkeiten, die sich Menschen an den Kopf werfen, die sich eigentlich streiten möchten, es aber nicht tun. Am Ende gibt es eine Umkehr und der Mann lässt sich doch auf ein Treffen mit dem alten Kumpel ein. Auch, um seiner Frau aus dem Weg zu gehen.

Ich habe mich anfangs gewundert, ob es die Absicht der Frau war, den Ehemann zum Treffen zu überzeugen; vielleicht um etwas Abstand von ihm zu haben? Vor allem wegen dieser Stelle:

Mir war nicht klar, was in diesem Moment über sie gekommen ist. Erst neulich bat sie mich darum, ihr von der WM zu erzählen. Wir überlegten sogar, hinzufliegen, wenn es sich mit den Tickets ergeben sollte. Deutschland zählte zu den Favoriten und jeder wollte bei den Vorrundenspielen dabei sein. Trotzdem sollte ich nachschauen, meinte sie. Wie zu erwarten waren alle Spiele ausverkauft, doch sie wirkte auf mich nicht als hätte sie getrauert.
Die Frau hat in dem Wissen, es gäbe keine Tickets, zugesagt. Quasi eine höfliche Geste. Zeigen, dass man sich für die dummen Hobbys des Partners interessiert ohne dem Risiko ein gesamtes Fußballmatch erdulden zu müssen. Wäre für mich persönlich zu hoch gepokert. Man stelle sich nur vor, es geht schief und er treibt Tickets auf. Abgesehen von dieser Stelle habe ich aber keine Anzeichen für Manipulation gefunden. Bin aber auch mit dem Makel der Männlichkeit zur Welt gekommen. Inklusive neue Haarschnitte, Brillen und Gefühle übersehen.

Ich stieg ins Auto, versteckte meine Gedanken hinter einem aufgesetzten Lächeln und sobald ich außerhalb seiner Sichtweite war, verschwand es.
Fand ich schön formuliert. Anscheinend muss seine Frau das bei ihm auch ständig machen.

Während der ganzen Zeit schaute sie nur nach vorne als wäre ich nicht dort.
Ich fände "als wäre ich nicht da" besser. Klingt, als würde sich "dort" auf "vorne" beziehen, aber er sitzt ja gerade neben ihr und nicht vor ihr?

„Er ist ein netter Mensch, aber er redet so viel und ist mir zu hektisch.“
„Ja, und? Du redest mir manchmal auch zu viel.“
Ich dachte, ich hätte mich verhört, bis sie weiter sprach.
„Du redest immerzu von uninteressanten Dingen. Das muss ich dir mal ehrlich sagen.“
„Er hat es mit dir ausgehalten, sehr offensichtlich.“
Das war für mich das Hauptthema des Textes: Wie viel Nerven und guten Willen sind wir bereit, in eine Beziehung zu investieren? Alle sind sie dumm und nerven, meistens. Man selber auch, aber der Ich-Erzähler sieht es nur bei den anderen. Die Frau ist gewillt, der Beziehung einiges an Nerven zu opfern, und ist (vermute ich) besonders getriggert davon, zu sehen, dass der Mann es bei einer anderen Beziehung (seiner Freundschaft) nicht machen will. Das fand ich schön gemacht.

Leider war der Text für mich alles in allem schwer zugänglich. Ich hatte das Gefühl, eine Aussage zu übersehen, während ich mich in Details verliere. Die passiv-aggressiven Gesprächstaktiken hast du sehr gut beschrieben. Die von mir identifizierte (vielleicht herbeifantasierte?) "Hauptaussage" finde ich relevant, hätte mir aber gewünscht, dass sie etwas mehr ausgearbeitet wäre. Wie viel ist er bereit, in die Beziehung zu seiner Frau zu investieren? Wie genau ist das Ungleichgewicht an emotionaler Arbeit gestaltet? etc. Auch scheint ihre direkte Art der von mir gefundenen Aussage zu widersprechen; anscheinend ist das eine neue Veränderung in ihrem Verhalten?

LG
NeuroticPic

 

Hallo @XVIII

Die Geschichte beginnt mit einer ganz alltäglichen Situation. Der Ich-Erzähler trifft einen alten Freund, den er mittlerweile nur noch nervig findet. Er weiß nicht, wie er aus der Verabredungsnummer wieder herauskommen soll, ohne unhöflich zu werden. Später, als er seiner Frau davon erzählt, kommt dadurch ein Stein ins Rollen, fast schon eine Lawine. Plötzlich gibt seine Frau ihm das Gefühl, dass er derjenige ist, der nervt und zwischen den beiden hat sich etwas grundlegend gewandelt. In einer Art Trotzreaktion will er sich dann doch mit dem Freund verabreden. So jedenfalls meine Lesart. Das ist gut in Szene gesetzt und ich kann mir die beiden vorstellen, wie sie sich zum Schluss vor dem Fernseher anschweigen. Viele Stellen in dem Dialog gefallen mir. Allerdings finde ich, dass deine Formulierungen oft noch hölzern wirken.
Ein Beispiel

Ich teilte sie ihm mit und er gab mir seine, bevor er sicherstellte, dass ich alle Ziffern korrekt erkenne.
Das ist fast schon amtsdeutsch.

Hier noch ein paar Kleinigkeiten:

Wir waren uns darüber einig, dass es aussichtslos wäre, den Termin zu ignorieren.
Aussichtslos ist vielleicht nicht das richtige Wort. Unhöflich?
Mir war nicht klar, was in diesem Moment über sie gekommen ist.
Hier stimmen die Zeiten nicht.
„Ich mache mir Tee“, antwortete sie zurück.
Antwortete heißt doch schon „zurück“
Ich wippte aufgeregt mit dem Fuß. Ungeduldig schaute ich hinüber, ob sie wieder ins Wohnzimmer kommt.
Das ist ein typisches Beispiel, wo show, dont tell angebracht ist. Das Wippen zeigt doch schon das Aufgeregtsein. Dann: „Immer wieder schaute ich …“

Grüße
Sturek

 

Hallo @NeuroticPic und @Sturek , danke für eure Rückmeldungen!

Zunächst: Die Formatierung des Textes hat mir nicht zugesagt. Ich weiß, es ist üblich, bei wörtlicher Rede einen neuen Absatz zu starten, aber ich denke, es ist hier besser, das nur zu machen, wenn der Redner wechselt. Ist Geschmackssache. Bestimmt finden sich hier viele geübte Autoren, die mir widersprechen. Das z. B. hätte ich in einem Absatz geschrieben:
XVIII schrieb:
„Ja, und? Du redest mir manchmal auch zu viel.“
Ich dachte, ich hätte mich verhört, bis sie weiter sprach.
„Du redest immerzu von uninteressanten Dingen. Das muss ich dir mal ehrlich sagen.“
Ich habe meinen alten PC behalten und zu einem anderen Beriebssystem (kein Windows) gewechselt. Deswegen war ich etwas überfragt, wie der Text bei dir angezeigt wird. Anzeigenfehler habe ich bei mir nämlich bereits entdeckt und ich kann scheinbar nicht mehr Zitate aus einem Antwortbeitrag zitieren. Dieses Mal hatte ich extra den Text unformatiert eingefügt. Das einzige, was ich wahrnehme, ist, dass keine Leerzeilen erscheinen.

Wenn ich es richtig verstehe, meinst du, dass der Gedanke vom Protagonisten zwischen der Aussagen der Frau stehen soll. Allerdings sind das Informationen zweier verschiedener Personen und ich glaube, das wäre zu verwirrend.

XVIII schrieb:
Mir war nicht klar, was in diesem Moment über sie gekommen ist. Erst neulich bat sie mich darum, ihr von der WM zu erzählen. Wir überlegten sogar, hinzufliegen, wenn es sich mit den Tickets ergeben sollte. Deutschland zählte zu den Favoriten und jeder wollte bei den Vorrundenspielen dabei sein. Trotzdem sollte ich nachschauen, meinte sie. Wie zu erwarten waren alle Spiele ausverkauft, doch sie wirkte auf mich nicht als hätte sie getrauert.
Abgesehen von dieser Stelle habe ich aber keine Anzeichen für Manipulation gefunden.
Dazu bin ich am Überlegen, weil meine anderen Ideen zu offensichtlich waren. Ich denke darüber nach. Es gab auch eine Stelle, die etwas auf die Schwiegermutter einging, aber dann hätte ich riskiert, den Fokus von der Unterhaltung zu nehmen.

Ich fände "als wäre ich nicht da" besser. Klingt, als würde sich "dort" auf "vorne" beziehen, aber er sitzt ja gerade neben ihr und nicht vor ihr?
Ich ändere das.

Auch scheint ihre direkte Art der von mir gefundenen Aussage zu widersprechen; anscheinend ist das eine neue Veränderung in ihrem Verhalten?
Wie gesagt, ich überlege diesbezüglich noch, ob es sinnvoll ist, mehr zur Beziehung zwischen den beiden hineinzupacken, ohne damit den Dialog in den Hintergrund zu schieben und alles zu offensichtlich zu machen.

XVIII schrieb:
Wir waren uns darüber einig, dass es aussichtslos wäre, den Termin zu ignorieren.
Aussichtslos ist vielleicht nicht das richtige Wort. Unhöflich?
Nein, "unhöflich" war nicht der Begriff, der passte. Sie ist in diesem Moment seine Komplizin und geht mit ihm dieses Szenario durch.

Hier stimmen die Zeiten nicht.

Antwortete heißt doch schon „zurück“
Ich ändere beides.

Das ist ein typisches Beispiel, wo show, dont tell angebracht ist. Das Wippen zeigt doch schon das Aufgeregtsein. Dann: „Immer wieder schaute ich …“
Ich gucke mal, was ich daraus machen kann. An das "immer wieder" hatte ich zunächst auch gedacht, aber irgendwie wirkte es auf mich zu cartoonhaft.

 

Hallo @XVIII ,
immer dieser Zwang zur Höflichkeit. Das kenne ich auch. Darüber könnte man endlos schreiben. Macht aber fast keiner, da es peinlich ist. Vielleicht hat ja der alte Bekannte deinen Erzähler auch nur aus diesem Grund angesprochen.

Ist aber interessant, mal zu erfahren, warum sich die Beiden so auseinandergelebt haben. Vielleicht war die Hauptperson ja früher mal ein ganz aufregender, unangepasster Typ, Eigenschaften, die ihm mit der Zeit verlorengegangen sind. Er ist einfach nicht mehr derselbe wie der, der mal mit ihm um die Häuser gezogen ist. Die Gründe dafür könntest du noch mehr aus dem Dunkel holen.
Ich denke auch viel an die Vergangenheit und daran, was aus meinen Freundschaften geworden ist. Ist es richtig sich damit abzufinden, und das Frühere als eine Jugendphase abzutun, die einfach mal notwendig war, nicht mehr und nicht weniger, frage ich mich oft.

Es geht bestimmt manchen, die mich erblicken so, wie dem Herrn bei dir. Sie denken dann auch bei sich: "Wie werde ich die Frau los?". Es gibt nicht Schlimmeres - natürlich doch - als dazustehen, und sich gegenseitig einen abzuhaspeln vor lauter Verlegenheit.

Als Kind habe ich das registriert, wenn ich mit meiner Mutter unterwegs war, und jetzt geht es mir schon genauso. Und ich wollte auf keinen Fall so werden wie sie, wollte alles anders machen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sollten auf Ehrlichkeit und Offenheit beruhen. Leider ist mir das nicht gelungen.
Gruß und Frohe Ostern FK

 

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