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Wir sind die Kunst

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Wir sind die Kunst

Tu mal lieber die Möhrchen
(Helge Schneider)

"Stellen Sie hier auch aus?"
"Ja. Gleich da vorne, Der Brunnen mit dem gebrochenen Henkel, das ist von mir."
"Hübsch. Wirklich. Der exzessive Farbschwung im unteren Drittel gefällt mir. Geht es um die Vereinheitlichung zwischen der Stabilität des Seins auf der einen und dem scheinbar willkürlichen Konstrukt aus Chaos und Anarchie in unserer Gesellschaft auf der anderen Seite?"
"Nein. Nein, es geht um einen Brunnen."
"Ja, interessant. Ein Brunnen also. Die Aussage des Werkes besteht also in seiner Existenz... Ich finde es toll, dass man hier endlich mal die Gelegenheit bekommt, die Werke anderer unbekannter Maler zu bestaunen. Wissen Sie, die Kunst in unserer Welt ist so schrecklich langweilig geworden."
"Ach, wem sagen Sie das. Die Konvention des Mainstream zwingt den hauptberuflichen Künstler heutzutage dazu, seinen eigenen Anspruch in seine Werke zurückzuschrauben und zugunsten kaufargumentativer Allgemeingültigkeit aufzugeben. Die Individualität hat keinen Raum mehr in der kapitalisierten Kunst. Alles verschwimmt zu einer faden Masse aus Konformität."
"Genau so ist es. Es geht doch nur noch darum, seine Werke möglichst gewinnbringend an den Mann zu bringen. Wo bleibt da der künstlerische Anspruch, frage ich mich."
"Und darum bin ich so gerne hier. Die Unbeschwertheit von uns jungen Malern ist ein Zeichen dafür, dass es ihn noch gibt, diesen unbändigen Willen, Aussagen zu tätigen. Dieses ungestüme Heranwagen an unkonventionelle Themen, dieser gewagt rebellische Bruch mit dem Status Quo. Man muss auch mal neue Wege beschreiten können."
"Deshalb sind wir ja hier. Ich bin ja so froh, hier endlich einen Ort gefunden zu haben, an dem ich mit Gleichgesinnten über eine gemeinsame Leidenschaft referieren kann. Der Meinungsaustausch in der Kunst ist ja so wichtig. Nur hier, wo noch nicht alles durchsetzt ist von der Vereinheitlichung des stupiden Massengeschmacks, kann man noch wahre Inspiration finden."
"Kunst darf einfach nicht eingegrenzt werden. Sie muss alles können dürfen. Meine Meinung."
"So ist es, mein Freund. Es ist schön, endlich einen kultivierten Gesprächspartner gefunden zu haben, der diesen Idealismus ebenso wie ich verspürt."
"Sagen Sie, ich würde jetzt gerne einen Blick auf eines Ihrer Werke werfen."
"Mit Vergnügen. Gleich dort drüben. Engel mit flammendem Gewissen. In Öl."
"Gewagte Farbkombination, aber von einer nicht unerheblichen Originalität durchdrungen. Gratuliere. Vielleicht ist Ihnen die Sonne aber eine Spur zu grün geraten."
"Das Gefühl hatte ich zunächst auch. Aber ich denke, vor dem Kontext des Interpretationsraumes stellt die grünliche Färbung eine Synergie in Zusammenhang mit dem Titel dar."
"Interessant. Und demnach versinnbildlicht der unausgewogene Farbwechsel im Hintergrund eine gewollte Anspielung auf den Inneren Konflikt."
"So ist es. Es ist ein Wunder, was man mit ein wenig Inspiration alles schaffen kann."
"Hier, werfen Sie doch mal einen Blick auf dieses Werk."
"Igitt, was ist das denn?"
"Sie sagen es. Das beleidigt meine Augen."
"Das so etwas sich Kunst nennen darf. Er hat nicht einmal die Formen richtig getroffen."
"Genau. Außerdem hat er übergemalt. Hier und hier und... und da auch noch mal."
"Keinen Sinn für Formalien. Offensichtlich hat der... naja, ich möchte ihn nur schwerlich Künstler nennen... er hat also ganz offensichtlich sehr wenig Mühe in dieses Werk gesteckt. Das sieht beinahe so aus, als hätte irgendjemand unsere schöne Ausstellung als Plattform für einen perfiden Scherz missbraucht, um unser Anspruchsdenken bewusst zu hintergehen."
"Offensichtlich ein Spaßvogel, der es mit der Kultur nicht so genau nimmt und vermutlich nur deshalb ausstellt, um uns zu veralbern. Hier, sehen Sie sich nur mal das schlampige Gelb an. Furchtbar, ganz ganz furchtbar. So etwas sollte verboten werden."
"Aber umgehend. Da steckt ganz sicher keinerlei Intention hinter. Ich meine, etwas derart schlampig Produziertes kann gar keine Aussage haben. Von künstlerischem Anspruch ganz zu schweigen."
"Und so etwas hängt hier inmitten unserer Ausstellung. Ein Schandfleck sondergleichen."
"Wie kann es angehen, dass solch ein Stück Müll sich hier hat hineinschummeln können? Da muss man doch aufpassen."
"So etwas untergräbt den positiven Gesamteindruck dieses Oevres in seinen Grundfesten. Das darf einfach nicht geduldet werden. Irgendjemand sollte hart durchgreifen und solche Sachen auf der Stelle..."
"Sie sprechen von einer Art Kontrolle?"
"Ja, natürlich. Wissen Sie, Kunst ist ja schön und gut, aber sie sollte sich in einem gewissen Rahmen befinden."
"Sie sagen es. Und das hier ist ganz offensichtlich keine Kunst. Irgendwo gibt es Grenzen."
"Pfui Teufel! Ich kann meine Abscheu gar nicht in Worte fassen. Offensichtlich ist dieser Maler unfähig, wahres Kulturgut zu schaffen. Aus diesem Grund wäre ich dafür, dass ihm der Zugang zu unseren Hallen fortan verwehrt bleibt."
"Wir sollten eine Eingabe machen. Am besten schriftlich. So etwas kann und darf es einfach nicht geben."
"Ich denke da auch an die Außendarstellung unserer Gruppierung. Ich meine, wie stehen wir denn da, wenn ein Besucher kommt und das erste, was er sieht, ist dieser hingerotzte Schrott?"
"Er wird ganz sicher von vornherein Zweifel an unserem Anspruchsdenken haben und uns für einen unseriösen Haufen pseudo... ach, mir fehlen die Worte! Da kommt einfach so ein dahergelaufener Trottel daher und denkt, nur weil er den Pinsel schwingen kann, ist das gleich Kunst."
"Ja, da könnte ja jeder kommen. So etwas erfordert eine Menge Übung und auch ein gewisses Verständnis."
"Eben. Es ist unsere Pflicht, solchen grottenschlechten Müll aus unserer Mitte zu entfernen. Glauben Sie mir, ich male seit Jahren. Wenn jemand den Unterschied zwischen Kunst und Mist erkennt, dann ganz sicher ich."
"Ich weiß, was Sie meinen. Mir geht es ganz genauso."
"Wir sind eben noch wahre Künstler."
"Wir sind die Kunst."

 
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grins - die Nicht-Künstler sind immer die anderen - die schlechten vor allem.

 
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Mahlzeit!

Also, ich weiß nicht. Das ist mir irgendwie zu platt, zu schwammig, zu ... gewollt und dennoch richtungslos. Von "schneidender Schärfe" finde ich da eher wenig. Es ist schwer zu erkennen, welchen Standpunkt der Text eigentlich beziehen will bzw. gegen welchen er sich richten möchte. Avantgarde-Kunst? Bürgerliche Kunst? Nix davon? Alles auf einmal? Das ist einfach viel geschraubtes Blabla im ersten (das Klischee eines Vernisage-Dialogs - nicht wirklich originell irgendwie) und eine höchst verwaschene und aufgesetze "Anklage" im zweiten Teil - da passt nix zusammen, thematisch und erzählerisch schwingt sich der Text auf ein vorbeikommendes Pferd und hoppelt einfach so im wenig fesselnden Rein-Dialog (was auf Dauer auch nicht immer so das Gelbe vom Ei sein muss...) dahin und lässt sich irgendwie auf nix festlegen. Zudem: Sollte er sich thematisch auf das ausrichten, was man vermuten könnte, geht er mE am Thema vorbei - dort ging es nicht um Kunst, sondern um Handwerk.

Mein Fazit: Zum Spannungsfeld "Was ist Kunst?" habe ich schon sehr viel bissigere und intelligentere Texte gelesen. Sollte es um ein anderes Thema gehen, hätte er es dezent verfehlt. Das hier ist irgendwie eher wortreich verpackter Meinungsdump - Diskussionsbeitrag außerhalb der Diskussion und mE inhaltlich zu vage und am Thema vorbei und zudem erzählerisch leider vollkommen unspannend. Aber sowas von ...

 
Monsieur le Directeur
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Ich bin da mal mit Horni einer Meinung. Diese Satire wäre nur dann erfolgreich, wenn sie die Gesprächsführenden ernst nehmen würde und nicht im Fadenkreuz hätte. Denn die haben tatsächlich Recht, es geht in der Kunst darum, Definitionen einzuhalten und nicht irgendwas zu produzieren, aufs Geradewohl. Aber das ist eine Diskussion, die hier schon oft geführt wurde, sowas ermüdet auf Dauer. Du kannst dich nicht dagegen sperren, gnoebel, auch wenn du es wer weiß wie oft betonst: du beherrschst dein Handwerk, so wenig dir dieser Gedanke auch gefallen mag. Du bist nur zu fixiert auf deine Meinung zu diesem Thema, daher kann deine Satire dazu nicht funktionieren.

 
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Ich habe dem Text einen Widerspruch entnommen, den gnoebel aufzeigen wollte.
Einmal der Standpunkt, Kunst kann nicht eingegrenzt werden. Großspurig vertreten und am Ende wieder aufgehoben, weil sie Kunst eingrenzen wollen. "Das ist keine Kunst!"

man hätte diesen Dialog ebenso über Musik schreiben können und wie einige sie plötzlich ablehnen, wenn es kommerzialisiert wird, mainstreamhaft.

Die erste Hälfte des Dialogs finde ich unterhaltsam, ab dem Wendepunkt schwächelt es etwas. Hornis so schlechte Kritik kann ich aber nicht ganz nachvollziehen, denn so hat der Text nicht auf mich gewirkt.

 
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Zitat vom Webmaster:

es geht in der Kunst darum, Definitionen einzuhalten und nicht irgendwas zu produzieren, aufs Geradewohl.

Das kann ich nicht so richtig nachvollziehen.
Natürlich geht es nicht darum, irgendetwas aufs Geradewohl zu produzieren, aber das man sich stets an Definitionen halten muss? Wie langweilig wäre dann die Kunst.

Hallo gnoebel!

Ansonsten finde auch ich den Text nicht gelunge, wobei ich nicht schlecht sagen will, aber er wirkt auf mich zu aufgesetzt, der Dialog zu künstlich und klischeehaft.
Die Anklage gegen den unbekannten Künstler kommt mir zu plump rüber.
Ich bin eher der Freund unterschwelliger Satire, die auf den ersten Blick gar nicht auffällt.
Schön hätte ich es gefunden, wenn man sich erst im Nachhinein hätte fragen müssen: Sind das jetzt Banausen, oder haben die beiden Recht mit dem, was sie sagen?

 
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@Thorn: Ich denke, das ist eine Frage, mit welchem Hintergrund bzw. aus welcher Perspektive man den Text liest. Den Vergleich mit der "Kommerzialisierung" z.B. kann ich wiederum gar nicht nachvollziehen. Eines der Hauptprobleme, das ich bei diesem Text sehe: Er bezieht sich teils recht eindeutig, aber dann doch zu fragmentarisch und leider recht "plump" auf eine konkrete Diskussion (deren Thema nun wirklich gar nix mit Kommerz zu tun hatte), ohne diese allerdings wirklich zu Ende zu denken oder auch nur die Thematik und die Argumente richtig wiederzugeben. Er versucht mE, etwas trotzig zwei konträre Standpunkte gleichzeitig zu kritisieren, ohne eine Alternative aufzuzeigen. Deshalb bleibt er für mich im Schwammigen hängen, im positionslosen "Hauptsache, dafür...oder doch dagegen?". Denn die Standpunkte, die der Text präsentiert, stehen so in der realen Diskussion im Grunde nicht gegen- sondern nebeneinander. Die eigentliche Frage lautete nämlich nicht "Was bzw. wer ist die Kunst?" sondern "Sind Subjektivität bzw. ein eindeutiger Standpunkt bei der Beurteilung des Handwerks legitim?" So gesehen redet der Text mE wie gesagt am eigentlichen Kernpunkt vorbei, und das leider sehr unspannend ... aber das ist bei solchen "Diskussionsanhängseln" ja leider häufiger der Fall. Weil man eben dem Text anmerkt, dass es nicht darum ging, eine Geschichte zu erzählen, sondern vor allem einen Standpunkt so dringlich wie möglich reinzupressen. Das verdirbt leider vieles und macht nicht unbedingt Spaß zu lesen.

 
Monsieur le Directeur
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Cerb: es bedeutet ja nicht, das Kunst deshalb auf der Stelle tritt. Steht ja nirgends geschrieben, dass sich eine Definition nicht erweitern oder ändern lässt - oder sogar absichtlich dagegen gearbeitet werden kann. Dann muss man diese Definitionen aber trotzdem kennen. Aber wie schon angemerkt, diese Diskussionen sind ja alle schon bis zum Erbrechen durchgelaufen.

 
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Hi gnoebel,

dieses pseudo-intellektuelle Geschwätz der Prot geht mir so auf den Senkel, dass ich beim Lesen gar keine große Lust hatte, dem Inhalt dessen zu folgen, letztendlich weiß man ja vorher schon im Ungefähren, wo das Ganze endet.

Ich habe auf die Frage der Vermarktung - sprich die unsäglichen Summen, die für Kunst ausgegeben wird - gewartet. Da sehe ich noch viel mehr Stoff für eine gute Satire als in der Frage, was als Kunst definiert wird (und von wem!) und was nicht.

Lieber Gruß
bernadette

 
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Mahlzeit allerseits,

Danke fürs Lesen erstmal.
Leider ist mir der Anfang wohl etwas zu ausschweifend geraten, so daß er vom eigentlichen Kern der Sache ablenkt. Wobei die Mainstream-Sache natürlich untrennbar dazugehört, nur halt nicht in diesem Umfang. Da sind mir beim Schreiben die sprichwörtlichen Pferde durchgegangen - hat einfach zu viel Spaß gemacht (ich liebe es, sinnlos Adjektive zu verbraten). Der zweite Teil ist natürlich ein verbalisierter Holzhammer der brutalsten Art - aber ich glaube, das war in diesem Fall angebracht.
Zu Intention und Inhalt will ich nichts sagen (abgesehen davon, daß der Text natürlich aus der von horni angesprochenen Diskussion entstand, jedoch über sie hinausgeht) - nur drei Zitate herausgreifen:


Horni:

dort ging es nicht um Kunst, sondern um Handwerk.
Zitat Text: Ich meine, etwas derart schlampig Produziertes kann gar keine Aussage haben. Von künstlerischem Anspruch ganz zu schweigen.

Webmaster:

Du kannst dich nicht dagegen sperren, gnoebel, auch wenn du es wer weiß wie oft betonst: du beherrschst dein Handwerk, so wenig dir dieser Gedanke auch gefallen mag.
Ich habe mir im weiten Spektrum der Literatur eine Nische (Unterhaltung) herausgesucht und mich auf diese spezialisiert. Mittlerweile bewege ich mich recht sicher darin, ja. Ich habe schon lange nicht mehr behauptet, das nicht zu tun - und zwar genau seit dem Moment, seit dem ich mich nach eigener Einschätzung sicher bewege.
Bezogen auf diesen Text bin ich der Kerl mit dem Brunnenbild.

Thorn:

Einmal der Standpunkt, Kunst kann nicht eingegrenzt werden. Großspurig vertreten und am Ende wieder aufgehoben, weil sie Kunst eingrenzen wollen. "Das ist keine Kunst!"
So ist es.

 
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Hi gnoebel,

ich habe mit dem Text ein ganz anderes Problem als meine Vorkritiker: Mir war nicht klar, dass die Personen im zweiten Absatz mit denen des ersten Absatzes identisch sein sollen. Ich hatte es durchaus für möglich gehalten, dass hier zwei andere Künstler desselben Kreises über dieselben Bilder (statt umgekehrt dieselben Personen über andere Bilder) diskutieren.
Insofern ist es (für mich) eine Lücke, dass kein externer Hinweis auf die Protagonisten gegeben wird.

Abgesehen davon war die Geschichte wie immer gut lesbar, auch wenn der Unterhaltungswert sich in Grenzen hielt (pseudokunstwissenschaftliches Bla-Bla aus dem Ärmel zu schütteln finde ich auch immer ganz nett, aber der Spaß beim Lesen desselben ist dann doch eher durchschnittlich.)

Grüße,
Naut

 
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Ich mag den Text! Das Ehepaar Schneider wird wohl noch einiges zu tun kriegen und die Maler werden wahnsinnige Verluste erleiden, obwohl Frau schneider ja angeblich was für Gemälde übrig hat. ;-)

Kunst ist Kommunikation mit anderen Mitteln. Wenn jemand was aussagt und dabei andere Mittel als den täglichen Sprachgabrauch verwendet, ist das Kunst. Egal in welcher Form Punkrocksong, Gedicht, Gemälde oder halt eine Kurzgeschichte. Dabei unterscheide ich zwischen Kunst und Akrobatik, was die zwei Prots ja wohl nicht machen. Eine akrobatische zusammenkomponierte, gut zu lesende Kurzgeschichte fällt bei mir unten durch, wenn ich die Message nicht verstehe oder der zweck, der dahinter steht nicht zu vertreten ist. Ich glaube ich habe die Message in diesem Fall verstanden...glaube ich...oder doch nich?

 
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Horni schrieb: Es ist schwer zu erkennen, welchen Standpunkt der Text eigentlich beziehen will bzw. gegen welchen er sich richten möchte.

Ist bei derartigen Gesprächen denn nicht auch so?
Mal mehr mal weniger intelligent?

Ein bisschen mehr Pfeffer - vielleicht sogar verbale entgleisungen seitens der Sprecher könnte der Text wohl vertragen, damit man sich über das langweilige nicht ebenso fühlt.

 
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Moin Naut, Nowaka, Needle,

Danke fürs Lesen auch euch dreien.

Mir war nicht klar, dass die Personen im zweiten Absatz mit denen des ersten Absatzes identisch sein sollen.
Oh... du hast Recht, die Möglichkeit eines Missverständnisses besteht. Hab ich beim Schreiben gar nicht dran gedacht, wenn ich ehrlich bin - aber jetzt wo du es sagst... Denk ich drüber nach. Vielleicht würde es schon reichen, wenn ich den Absatz rausnehme.
Ich glaube ich habe die Message in diesem Fall verstanden...glaube ich...oder doch nich?
Doch, hast du. Ganz bestimmt sogar.

 

sim

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Hi gnoebel,

du hast dir viel Frust von der Seele geschrieben.
Streiche ich die aktuellen Diskussionen aus meinem Kopf, so fällt als erstes auf, Kunst ist schwer. Toleranz stößt schnell an ihre Grenzen und auch jene, denen die Freiheit der Kunst über alles geht, wird schnell offenbar, dass sie im Rahmen dieser nicht alles akzeptieren können.
Die Diskussion wir niemals enden. Dem Kunstberieb, egal ob in schriftlicher oder bildlicher Form wird immer etwas Elitäres anhaften, so sehr die Künstler selber das vielleicht auch selber wollen.
So stehen wir immer vor dem Problem, dass ein Urteil genau so anmaßend wie wichtig ist. Und in diesem Spannungsfeld die Geschichte anzusiedeln, ist sicherlich nicht innovativ, es schien mir aber für dich wichtig zu sein.

Erstaunlich, dass die Arroganz der Künstler ausschließend ist. Man könnte ja auch denken, das eigene Werk strahlt um so mehr, je größer der Schund der anderen ist.

In der bildenden Kunst gibt es übrigens den Begriff der Arbeitsspuren, die ein Werk enthalten darf. In der Wortkunst oder auch in der Grafik würden diese sicherlich als mangelndes Handwerk und schlampige Ausführung bezeichnet werden.

Als Leser hatte ich das Gefühl, der Autor war zu nah dran, dadurch schien mit Kraft zu fehlen.

Lieben Gruß, sim

 
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26.08.2002
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"Hübsch. Wirklich. Der exzessive Farbschwung im unteren Drittel gefällt mir. Geht es um die Vereinheitlichung zwischen der Stabilität des Seins auf der einen und dem scheinbar willkürlichen Konstrukt aus Chaos und Anarchie in unserer Gesellschaft auf der anderen Seite?"
lol

Ich finde den Text gesamt gelungen. das sachverständige, aber inhaltslose Gebrabbel ist gut getroffen. Seit ich mit 18 auf einer modernen Kunstausstellung war und das Kaugummipapiererlebnis hatte, weiß ich, was oft dahinter steckt. Das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Ich hatte mein Kaugummipapier auf einen Schubkarren mit Unrat geworfen, wonach ein Ordner mich aufforderte, es wieder zu entfernen. Und richtig, unten sah ich dann, die Schubkarre hatte einen Namen: Schubkarre mit Unrat, Installation, 15.000 DM

Den Standpunkt des Textes habe ich schon erfasst: Egal, welches Objekt vor einem hängt oder steht, der Wille zur Interpretation ist das Entscheidende. Die Satire hängt am letzten Satz und Titel: Wir sind die Kunst. Was Kunst ist, ist also eine Frage von Macht. Kunst ist, was diejenigen, die was zu sagen haben, entscheiden.

Ein Bekannter von mir bewunderte ein Bild. Es hing bei ihm als Druck und stellte einen Messerschnitt durch eine Leinwand dar. Mein Bekannter bewunderte, wie echt es aussah. Als er in Paris war, wo das Original hing, schaute er es sich an. Der Schnitt war nicht gemalt, die Leinwand war einfach aufgeschnitten.

Schön war auch der Bericht über Kunstkritiker in Berlin, denen Bilder vorgelegt wurden, die sie interpretieren sollten. Zum Teil interpretierten sie 'existenzialistisch-nihilistische Stilmittel ganz neuen Formats' in die Bilder, die alle von einem Organ Utan gemalt worden waren, der dafür Bananen bekam.


Was mir an dem Text nicht gefällt, er hat keine wirkliche Überraschung. Das Geifern der Beiden über das missratene moderne Kunststück indes gerät mir zu lange und ausführlich.

Für mich ist Kunst, egal welcher Richtung, dann gut, wenn sie ein Gefühl oder einen Gedanken auslöst - wenn sie eine Wirkung hat.

 
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Moin sim und flicflac,

Auch euch beiden vielen Dank fürs Lesen.
Was ich an diesem Text interessant finde, ist die Vielschichtigkeit der bisherigen Rückmeldungen, die weit über die sonst übliche Textarbeit hinausgehen. Finde ich großartig und das ist für mich ein Zeichen dafür, daß dieser Text auf irgendeine Art tatsächlich funktioniert.

sim:

Toleranz stößt schnell an ihre Grenzen und auch jene, denen die Freiheit der Kunst über alles geht, wird schnell offenbar, dass sie im Rahmen dieser nicht alles akzeptieren können.
Fast. Dicht dran, aber nicht ganz. Es ging mir weniger ums "nicht können", sondern mehr ums "nicht wollen".
Erstaunlich, dass die Arroganz der Künstler ausschließend ist. Man könnte ja auch denken, das eigene Werk strahlt um so mehr, je größer der Schund der anderen ist.
Interessanter Punkt. Wirklich. Sollte ich vielleicht mal drüber nachdenken, auch über diesen Text hinausgehend.
Als Leser hatte ich das Gefühl, der Autor war zu nah dran, dadurch schien mit Kraft zu fehlen.
Das stimmt vermutlich. Vielleicht sollte ich den Text in einem Jahr oder so nochmal aus der Schublade holen und dann mit zeitlichem Abstand überarbeiten. Man möge mich bitte dran erinnern ;)

flicflac:

Schubkarre mit Unrat, Installation, 15.000 DM
hihi... gegenständliches Arrangement zur gleichzeitigen Visualisierung und Anprangerung des fortlaufenden Verfalls der Wegwerfgesellschaft.
Der Schnitt war nicht gemalt, die Leinwand war einfach aufgeschnitten.
Zeitgeschichtliches Destruktional in Linnen, unbehandelt. Der Künstler weist auf die Wichtigkeit einer Funktionalität des Objektes ins seiner unversehrten Gänze hin, indem er seiner Aussage quasi karikativ ein solch gegensätzlich gestaltetes Werk gegenüberstellt.
(Das erinnert mich an die hoffnungsvollen Anfänge meiner Schreib"karriere" - da habe ich ständig solche Kunstkritiken geschrieben - als Übung fürs eigene Sprachverständnis :D)
Kunst ist, was diejenigen, die was zu sagen haben, entscheiden.
Ja, das trifft es wohl ziemlich gut.

 
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Ich konnte auch nicht über den Text lachen - es mag zwar viele Schwätzer unter den Kunstexperten geben, aber es ist nichts leichter ins Lächerliche zu ziehen als wissenschaftliche Gespräche sinnlos zu gestalten und mit Fremdwörtern zu spicken.

"Hübsch. Wirklich. Der exzessive Farbschwung im unteren Drittel gefällt mir. Geht es um die Vereinheitlichung zwischen der Stabilität des Seins auf der einen und dem scheinbar willkürlichen Konstrukt aus Chaos und Anarchie in unserer Gesellschaft auf der anderen Seite?"
"Nein. Nein, es geht um einen Brunnen."

Dieses Modell einer satirischen Geschichte ödet mich so unglaublich an, es ist nicht mehr auszuhalten. Bei guten Satirikern, wie Lem, ist Geist in der Albernheit (man lese einmal das Kapitel der Sterntagebücher in denen sich die Philosophen über den Angriff der Kartoffeln streiten), aber hier ist leider nur, wie Horni, bereits sagte, vage durchdachtes Gedankengut auszumachen, keine feste Richtung. Das könnte womöglich daraus resultieren, dass Du Dich wenig mit dem Sujet Deiner Geschichte auseinandergesetzt hast, aber wer weiß das schon?

Leider eine der schlechteren Geschichten, die ich von Dir gelesen habe.

 
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Moin DrWinter,

Auch dir danke fürs Lesen.
Schade, daß es dir nicht gefallen hat. Der Text hat allerdings sehr wohl eine feste Richtung. Daß diese anscheinend nicht ankommt beim Leser (nicht nur bei dir), muss ich mir wohl ankreiden.

Dieses Modell einer satirischen Geschichte ödet mich so unglaublich an, es ist nicht mehr auszuhalten.
Oh, das tut mir leid. Ich wollte dich nicht langweilen.
Du Dich wenig mit dem Sujet Deiner Geschichte auseinandergesetzt hast
Nein, da liegst du ganz sicher falsch.

 
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24.04.2003
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Hi gnoebel.

Eines hast du mit diesem Text jedenfalls erreicht: Es ist eine Diskussion entstanden.

 

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