@Katla
Das finde ich gut, die Texte von dir, wo das stark eine Rolle spielt, funzen imA gar nicht. Weil das Prozesse sind, die extrem schwer darzustellen sind und die dazu noch extrem individuell / idiosynkratisch sind. Was die Vermittelbarkeit von Symboliken gen Null gehen lässt, außer, jemand kann zufällig dort andocken.
Also das würde ich so wohl nicht unterschreiben oder wir reden aneinander vorbei. Psychische Prozesse sind eigentlich gar nicht so furchtbar individuell. Klar irgendwie schon, aber irgendwie auch nicht, sonst würde ja auch die Psychologie keinen Sinn ergeben. Und man sieht am Komm von
@deserted-monkey, dass Leser offenbar auch Symbolik explizit suchen und das ich das mit einbeziehen muss, wenn ich genau das vermeiden will.
Nur als Bsp: Nimm den Seestern als Form für den Text und gehe vom Ausgangsbild damit in fünf Richtungen - und jede Armspitze hat einen eigenen Abschluss. Eigentlich hast du das bereits schon in der Anlage: Der in der Körpermitte liegende Mund ist der Start, von dem es sich aussternt. Nur die Abschlüsse = Konsequenzen fehlen.
Das finde ich eine tolle Idee. Ich habe erst ein bisschen gegrübelt, weil der Seestern ja radialsymmetrisch sind und Texte eben linear und ich habe schon mal ein bisschen am Ende auf jeden Fall herumgefeilt (und habe jetzt fünf Arme, wo der erste Arm und der letzte Arm thematisch nebeneinander liegen - wenn das Sinn macht) und versucht so zumindest eine Art Kreis herzustellen. Ich überlege aber derweil weiter, wie ich das Narrative im Text ohne klassischen Plot, aber mit Konsequenz irgendwie verstärken kann.
Kann da nur noch mal Jeff VanderMeers Wonderbook empfehlen, das behandelt nämlich ganz genau dieses Problem sehr vielfältig und mega kreativ. Es zeigt auch nur verschiedene - potentiell unendliche - Optionen und dann die Konsequenzen daraus, keine Vorgaben.
Also, Katla, das Buch ist ja der Hammer! Du empfiehlst das ja häufiger mal, oder? Jednefalls hab ich es mir jetzt echt mal bestellt (weil mein Buchladen des Vertrauens um die Ecke mit englischen Büchern irgendwie Probleme hat und es dadurch recht teuer für mich wird) und wow! Inhaltlich bin ich jetzt noch nicht so sehr tief eingestiegen, aber allein sich das anzuschauen mit den vielen tollen Illustrationen. Also danke für den Hinweis.
Vllt. schaust du dir das Genre 'Slipstream' mal an, ich glaube nämlich, das ist eigentlich, was du anpeilst.
Werd ich, auch danke für diesen Hinweis.
Aber dem Text vielleicht mehr Zeit geben? Das ist eine Szene bzw. eine plus Nebenszenen, und wenn du dem mal nachgehst, was daraus werden könnte
Ja, bin ich gerade bei, die Gedanken laufen so mit ...
den Weg würd ich raten zu gehen. (Klar, meine Vorlieben, aber wirklich Schräges ist schwer zu finden, weil nicht viele Leute es schreiben können - daher ist es toll, wenn die nicht auch noch den klassischen Weg gingen
Ich bin immer ganz froh, wenn ich ein bisschen Abwechslung hab, von daher werden meine Wege vielleicht auch eher radialsymmetrisch sein :-)
Lieben Dank dir.
Hallo @deserted-monkey,
freut mich, dass du da bist.
dass dein kurzer Text eine Stimmung verbreitet, die greifbar wird, dass das schön geschrieben ist, auch wenn die Schilderungen eigentlich 'nur' -- so zumindest mein Leseeindruck -- eine abstrakte Form der Gefühlszustände der Erzählerin sind. Dennoch hat mir das an und für sich ganz gut gefallen. Interessant finde ich, dass der Text stark um Körpererfahrung kreist, das ist wohl der Kern. Die Seesterne könnten als Erinnerungen, invasive Nähe oder Fremdheit im eigenen Körper gelesen werden. Der Text entscheidet sich hier nicht -- muss er vielleicht auch gar nicht -- aber insgesamt bleibt das Motiv deshalb auch etwas diffus.
Erst mal schön, dass das mit der Stimmung funktioniert hat. Finde deinen Komm interessant und glaube auch, dass das der eigentliche Weg ist, wie Menschen an Texte gehen, nämlich mit der Frage: Was bedeutet das alles? Und es ist egal, ob es dabei nun um realistische Texte geht oder nicht. Ist wahrscheinlich eine Binsenweisheit, aber mir ist diesbezüglich erst bei diesem Text wirklich ein Licht aufgegangen, auch dass ich selbst im Autopiloten oder default mode oder wie auch immer, eben auch so an meine eigenen Texte gehe und da dann schnell Schräges mit Bedeutung versehen wird und dann wirds schnell ein sehr symbolischer Text. Genau das will ich aber eigentlich gar nicht, sondern ich will diesen sense of wonder auslösen (wie
@Katla auch geschrieben hat). Und wenn du dann schreibst, abstrakte Form von Gefühlszuständen, dann will ich mit dem Kopf schütteln und sagen: nein, nein, nein! Aber darum ist das total hilfreich, dass du das schreibst, weil nicht deine Lesart falsch ist, sondern ich dann sehe, okay, ich bin noch symbolisch unterwegs irgendwie, zu wenig konkret vielleicht.
Ich bin nicht sicher, was du mit "das Motiv bleibt diffus" meinst und habe mich hier gefragt, ob du vielleicht eher Symbol meinst, dass also die Symbolik nicht klar ist? Weil das Motiv des Seesterns doch eigentlich durchgängig im Text wieder auftaucht, oder? Also, wenn ich jetzt als Motiv eine Art wiederkehrendes Element verstehe, aber ich bin bei diesen Begriffen auch wirklich nicht sattelfest und kriege da schnell einen Knoten im Kopf.
Was die Textstellen angeht, so habe ich die Stelle mit dem Bremsen überarbeitet, die anderen beiden und auch die Bilder (Licht, das nach Harz riecht und Bauchmund) so gelassen. Das Ende habe ich überarbeitet und wie du geschrieben hast, den Anfang und das Motiv der Seesterne im Bett wieder aufgenommen.
Danke dir, dm, fürs lesen und kommentieren.
Hallo @Chutney,
auf mich hat dein Text eine Wirkung wie ein Gedicht. Am Anfang versuche ich noch in den Bildern eine zweite Ebene zu finden, aber das ist schnell vorbei, der Geist rutscht dann irgendwie ab.
Das hat mich gefreut, dass du dann aufgehört hast nach einer zweiten Ebene zu suche, danach, was das alles bedeuten könnte. Und ja, es stimmt, das man das Ganze wohl auch als Gedicht lesen könnte, daran versuche ich mich gerade, um das abzuschwächen und das Narrative zu stärken. Aber ist irgendwie nicht so leicht. Ich glaube, dass ist auch Geschmackssache, ob man dem so etwas abgewinnen kann.
Hier habe ich gegoogelt, okay fünf Arme und hunderte Füße. Plötzlich wirkt es so, als ob sie selbst ein Seestern ist, der sich da hochzieht.
hehe, lustig, dass du gegoogelt hast ... freut mich übrigens, dass die synästhetischen Bilder für dich funktionieren.
Doch ein Mensch. Ihr Körper scheint veränderlich. Und ich verstehe es so, dass sie zum Wind spricht?
Die zwei Füße habe ich übrigens rausgenommen, wahrscheinlich muss ich mir da noch selbst drüber klar werden, was genau das Ich da eigentlich ist, und ja, das Ich spricht zum Wind.
Da hatte ich kurz den Gedanken, dass das Ganze in einem Körper spielt.
Interessant ...
Ja, ich finde, du bist weit genug entfernt von einer platten Zuordnung "Das bedeutet das, usw." Dennoch überträgt sich eine Stimmung.
Das ist gut, denn das war schon ein Ziel ...
Ich weiß nicht, am Ende wirkt das, als ob man aufwacht und wieder in der Normalwelt mit Wikipedia und Blasen an den Füßen angekommen ist.
Stimmt. Das Ende war irgendwie keines, hab ich geändert, aber, wie gesagt, ich arbeite gedanklich eh noch dran.
Für mich ist die Frage, ob es für dich um den Ausdruck von psychischen Zuständen geht, oder ob du eine Art neuer Welt erschaffst, (worldbuilding ?, weiß nicht ob das hier passt), also eine ganz fremde Welt mit eigenen Gesetzen.
Ja, es soll eigentlich kein surreales Gedicht sein, was es im Moment möglicherweise ist. Es soll auch keine plotgetriebene Geschichte werden (haha, ist aber klar, oder?), mir gehts vor allem um den sense of wonder. Es soll nicht um den Ausdruck psychischer ZUstände gehen, aber ich will hier auch keine Art ganz neuer Welt erschaffen, sondern eher, dass etwas Unklares oder Seltsames in dieser Welt existiert, keine Ahnung, ob das Sinn macht.
Lieben Dank auch dir, @Chutney, für deine Zeit und Gedanken.
Und last but not least, hallo @Jaylow,
ich habe deine Miniatur (du erwähnst das als Bezeichnung) sehr gern gelesen. Ich verstehe die Kritik von Katla, die Geschichte (?) führt nicht wirklich irgendwohin, sondern schwebt in diffusen Bildern vor sich hin.
Ja, ich verstehe die Kritik auch und versuche gedanklich gerade, sie vielleicht doch irgendwohin führen zu lassen, ist aber gar nicht so leicht für mich.
dieser fällt aus dem Raster. Die Bilder, die du kreierst, sind aber teilweise so stark
ja, das macht es nicht leichter, aber schön, dass du das so liest und so annehmen kannst.
Ja, die Miniatur hängt vielleicht etwas in der Luft, aber die Bilder sind toll, kreieren eine ganz eigene Atmosphäre, mir hat es gefallen.
Das freut mich sehr und mal sehen, ob meine Gedanken noch irgendwohin führen.
Auch dir vielen lieben Dank fürs Lesen und deinen Kommentar.
Euch allen ein schönes Wochenende,
Katta