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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Zurückgelassen

Wortkrieger-Team
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Anmerkungen zum Text
Inspiration war ein Text über die Geschichte eines New Yorker Taxifahrers, der auf unterschiedlichen Internetseiten verbreitet ist.
Bei dem Text scheint es sich um die Übersetzung aus dem Englischen zu handeln. Leider konnte ich nicht den Originaltitel oder den Autoren ermitteln, so dass keine präzise Quellenangabe möglich wäre.
Der ursprüngliche Text handelt von der Taxifahrt einer alten Dame zum Hospiz.
In meinem Text ist der Fahrer ein aus einem Kriegsland Geflohener und die Dame hat tags zuvor die Beute aus dem Überfall ihres Mannes gefunden, die sie dem Taxifahrer überlassen möchte, damit er seine Familie in seine neue Heimat holen kann.

Zurückgelassen

Ich traf an der Adresse ein und hupte. Nach wenigen Augenblicken hupte ich erneut, diesmal länger. Kurz überlegte ich, wegzufahren – schließlich hatte ich mich schon für heute bei der Zentrale abgemeldet, – stieg dann aus und klopfte an die Tür.
„Einen Moment noch, bitte“, flüsterte eine Stimme durch die Sprechanlage.

In den letzten Wochen hatte ich schon allerhand Überraschungen erlebt. Halbbekleidete Frauen, die hinter der Tür lugten; junge Menschen, die feierten und mir Schnaps reichen wollten. Oder Liebespaare, die sich minutenlang voneinander verabschiedeten.
Jetzt stand mir eine bucklige Frau in feinster Garderobe gegenüber, etwa Mitte Achtzig. Gemustertes Seidenkleid, goldene Kette mit Kreuzanhänger; ein großer Hut, mit Schleier über dem weißen Haar. Rouge, Lidschatten, rote Lippen. Eine Aufmachung, in der die Dame gut und gerne vor Jahrzehnten ausgegangen sein mochte.
„Guten Abend“, sagte sie mit brüchiger Stimme und deutete auf einen Koffer.
Ich erwiderte den Gruß und hob den Koffer auf.
„Ich brauche noch einen Moment.“ Sie wich zur Seite und betrachtete sich im Wandspiegel, zupfte am Kleid und richtete den Hut.
„Lassen Sie sich Zeit“, sagte ich und schaute mich beim Hinausgehen um.
Die Möbel waren mit großen, weißen Tüchern bedeckt. An den Wänden bemerkte ich helle Stellen, an denen früher wohl Bilder oder Uhren hingen. Sämtliche Türschränke standen offen – die Fächer und Regale leer. Auf dem Boden warteten gepackte Umzugskartons. Klebeetiketten oder ähnliches konnte ich nicht sehen.

Ich verstaute das Gepäck im Kofferraum. Im Vorgarten kam mir die Dame ein paar Schritte entgegen und nahm meinen Arm. Ihr fruchtiges Parfüm stieg mir in die Nase. Gemächlich schritten wir zum Taxi.
„Vielen lieben Dank, junger Mann“, sagte sie, als ich ihr beim Hinsetzen auf die Rückbank behilflich war.
Sie legte den Hut neben sich und gab mir eine Visitenkarte. „Bitte fahren Sie durch die Innenstadt.“
„Das ist aber nicht der kürzeste Weg“, sagte ich.
„Ich habe es nicht eilig. Wenn es Ihnen nichts ausmacht …“
Im Innenspiegel sah ich ihre glänzenden Augen. „Welche Route soll ich nehmen?“, fragte ich, schaute nochmal auf die Visitenkarte und schaltete das Taxameter ab.

Wir fuhren durch die leeren Straßen der abendlichen Stadt. An der Hauptverkehrsstraße, dort, wo sich ein Handyshop befand, meinte sie: „Da hatte ich eine kleine Wäscherei.“ Später zeigte sie auf ein leer stehendes Gebäude. „Da war früher das Tanzlokal, wo ich als junges Mädchen poussiert habe.“
Als wir am Marktplatz vorbeikamen, sagte sie: „In diesem Viertel habe ich mit meinem Mann gelebt.“
Ich bekam einen Kloß im Hals, überlegte, auch etwas von mir zu erzählen. Von meiner Frau, meiner Tochter und mir.

Bald darauf stießen wir auf eine verschmutzte, durch Fahrbahnmarkierungen verengte Straße. Das Baugelände rechts war umzäunt, ein großes Schild pries die Errichtung eines neues Einkaufszentrum an, am Ort des alten Schlachthofes. Ich warf einen Blick auf die zusammengefallenen Gebäude, das eingestürzte Mauerwerk. Alles in Schutt und Asche – wie nach einem Bombenhagel. Ich hielt mir die Nase zu und stellte die Klimaanlage auf Umluft. Als das Tempolimit aufgehoben war, gab ich Vollgas und überfuhr eine Ampel, die gerade auf Rot umgesprungen war.
„Alles in Ordnung?“, fragte die Dame.
„Entschuldigung.“

Die Stunden vergingen. Oft starrte die Dame bloß in die Dunkelheit. Manchmal bat sie mich, langsamer zu fahren; das Viertel mit den Geldinstituten sollte ich weiträumig umkurven.
Die Treibstoffanzeige blinkte auf und ich fuhr die nächste Tankstelle an. „Wenn Sie möchten, können Sie sich die Beine vertreten“, schlug ich vor und stoppte an einer Säule.
„Gerne.“
Ich hielt ihr die Tür auf und sie stieg aus. Nachdem ich einen voreingestellten Betrag gewählt hatte, sah ich der Dame hinterher, wie sie mit kleinen Schritten das Tankstellenhäuschen ansteuerte.
Ich verzog die Nase, als mir Benzingeruch entgegenströmte. Er vermischte sich mit dem Geruch nach Blut und Schweiß, Feuer und Asche, Granatdampf und verbranntem Fleisch, der mir seit langem in der Nase hing.
Ich steckte den Tankrüssel zurück und putzte mir auf dem Weg zum Häuschen die Nase.
Die Dame kam mir entgegen und ich blieb stehen. „Keine Umstände“, sagte sie. „Ich steige allein ein.“

Als ich mich ins Auto setzte, reichte sie mir schmunzelnd eine Dose Cola. „Hier bitte! Sie sehen müde aus.“
„Danke“, sagte ich. „Und danke für das Übernehmen der Rechnung. Das wäre nicht nötig gewesen.“
Die … Oma hat schon bezahlt, hatte der Tankwart gemeint. Wohin sind Sie so spät noch unterwegs?, wollte er wissen.
Ich trank die Cola in einem Zug, schnallte mich an und startete den Motor.
„Erzählen Sie mir doch bitte von sich, wenn Sie möchten“, forderte sie mich auf, während sie sich mit zitternden Händen die Haare glättete. „Wie sind Sie Taxifahrer geworden?“
„Es … es ist nur vorübergehend.“
„Lassen Sie sich Zeit.“
„Meine Tochter … meine Frau …“, sagte ich.
„Was ist mit ihnen?“
„Ich musste beide zurücklassen. Vorerst.“
Für einen Moment herrschte Stille.
„Aisha ist jetzt vier Jahre alt. Sie kennt nichts anderes als den Krieg.“

Später stoppten wir an einem Park, der auf einen Hügel am Rande der Stadt lag. Sie stieg aus und setzte sich auf eine Bank, den Hut auf dem Schoß gelegt. Da saß sie, blickte in die Ferne, blickte auf die Stadt, die Straßen, die Gebäude, während ich vor dem Auto stand und gedankenversunken rauchte.
„Es ist Zeit“, sagte sie unvermittelt und winkte mir zu.

Stillschweigend fuhren wir über bergige Landstraßen zu der Adresse, die sie mir gegeben hatte. Es war ein alleinstehendes Anwesen mit angrenzender Grünanlage. In der Mitte ein Weiher, ringsherum einige Parkbänke. Am Rand eine kleine Konzertmuschel mit Bestuhlung. Wenn man es nicht anders wusste, hätte man „Haus Erholung“ für ein Seniorenheim oder Kurhotel halten können.
Ich hielt in der Einfahrt. Zwei Pflegerinnen kamen heraus und auf uns zu. Ihre Besorgtheit stand ihnen ins Gesicht geschrieben.
Ich öffnete den Kofferraum und nahm das Gepäck heraus.
Die Dame saß bereits in einem Rollstuhl. Sie bat eine der Frauen, ihr die Brieftasche zu reichen. „Wie viel schulde ich Ihnen?“
„Ist schon gut.“
„Sie brauchen doch das Geld.“
„Ist in Ordnung. Wirklich.“
Ohne nachzudenken, beugte ich mich zu ihr und schloss sie in die Arme.
Ich spürte, wie sie zitterte. „Sie haben mir ein paar schöne Stunden geschenkt. Danke dafür.“ Sie verzog die Lippen zu einem dünnen Lächeln.
Nachdem ich ihr über die Hand gestreichelt hatte, drehte ich mich um.
„Warten Sie bitte noch!“, hauchte sie. An die Pflegerinnen gerichtet sagte sie: „Lassen Sie uns bitte einen Moment allein, ja?“
Die beiden Frauen entfernten sich wenige Meter. Die alte Dame öffnete ihre Brieftasche und holte aus einem Seitenfach ein kleingefaltetes Stück Papier heraus.
„Den Zeitungsartikel habe ich gestern gefunden. In einem alten Lederkoffer, der im Keller versteckt war.“
Sie deutete auf den Ausschnitt. „Ein paar Wochen danach ist mein Mann verstorben. Er lag einfach tot im Bett. Herzinfarkt. Das ist fünfzehn Jahre her.“
Ich verstaute das gefaltete Papier in der Hosentasche. Die alte Dame streckte sich im Rollstuhl ein wenig hoch und sprach mit leiser Stimme weiter. „Die Kellertür, hinten raus zum Garten, klemmt fürchterlich, ich konnte sie nie abschließen.“ Sie nahm den Kreuzanhänger und schob ihn hinter den Stoff des Kleids. „Beeilen Sie sich! Morgen Mittag kommt die Caritas, um die ganzen Sachen abzuholen, die in der Stube stehen.“

Ich kehrte zurück zum Taxi, fuhr nicht sofort los, sondern betrachtete noch eine Zeit lang die blaugraue Morgendämmerung. Gedanken an die alte Heimat schossen mir durch den Kopf.
Ich höre die schrillen, klagenden Rufe der Steppenkiebitze, das Knacken von Ästen im Unterhalt, spüre Fatimas warme Hand, die ich festhalte, die ich mit nach vorne ziehe, zur Seite, an einem Busch vorbei, wieder geradeaus. Fort. In Fatimas Bauchtrage unser Baby, Aisha. Es schläft. Vor uns die Hügelkette. Etwas durchbricht die Wolken, fällt vom Himmel, es wird laut, gleißend hell. Ich stolpere, schreie auf, lasse Fatimas Hand los.
Ich presste die Lippen zusammen, nahm den Zeitungsartikel und faltete ihn auf. Mit großen Lettern stand dort geschrieben: Banküberfall – Maskierter Räuber entkommt mit Beute.

Eine Stunde später stellte ich das Taxi in der Nähe des Hauses ab. Ich spürte mein Herz klopfen, trommelte mit den Fingern aufs Lenkrad, während ich durch die Scheibe schaute. Es war niemand zu sehen; ich stieg aus.
Von hinten schlich ich mich ans Haus heran, sah mich dabei immer wieder um. Ich stieg über den Jägerzaun; die Kellertür war leicht aufzubekommen. Eine Treppe führte hinauf in die Wohnung.
Den Lederkoffer fand ich hinter den Umzugskartons. Oben drauf klebte ein gelbes Post-it, auf dem Spende für die Caritas gekrakelt war. Ich legte den Koffer auf einen Umzugskarton und fuhr mir mit der Hand durchs Haar. Dann betätigte ich die Verschlüsse, die sofort aufsprangen. Als ich den Inhalt sah, verschluckte ich mich und trat einen Schritt zurück.
Ich dachte an meine Tochter. Ich dachte an meine Frau. Ich dache an alle anderen, die ihre Familie zurücklassen mussten.
 
Quellenangaben
leider nicht ermittelbar, siehe auch Infobox
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Hallo Go Music,

was soll ich sagen… zu meckern gibt es an deinem Text für mich nichts, man merkt, dass du viel Ahnung vom Schreiben hast. Daher nur ein allgemeiner Eindruck von mir.
Deine Geschichte liest sich sauber und flüssig, sie hat mich sofort gefesselt, dabei finde ich Gesellschaftsgeschichten oft langweilig. Du hast eine schöne, aber auch melancholische Stimmung erschaffen.
Ich konnte mir die allgemeine Stimmung im Auto gut vorstellen. Sie hat mich zunächst echt traurig gemacht.

Das Ende fand ich richtig gut. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat der Mann der alten Dame eine Bank überfallen, konnte das Gestohlene jedoch nicht mehr ausgeben. Die Dame wollte es anscheint ebenfalls nicht ausgeben, umso schöner ist es, dass der junge Mann das Geld nun bekommt. Da hat eine anfänglich schlimme Tat, am Ende doch noch was Gutes bewirkt. Toller Ansatz. Ich musste dabei an Robin Hood denken.

VG
Schwinge
 
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Hallo @GoMusic,

im groben kann ich schwinge zustimmen. Im Detail habe ich ein paar Anmerkungen.

Ich traf an der Adresse ein, blieb halb auf dem Bürgersteig stehen und hupte einmal.
der erste Satz. Jo. Ok.
Nach wenigen Augenblicken hupte ich erneut, diesmal lauter.
meine Hupe hupt immer in gleicher Lautstärke, egal wie doll ich den Knopf drücken.
...
als die Sonne die Wolken durchbrach und das Haus mit ihrem ganzen Licht überflutete.
das ist ansich ok. Mich hat es allerdings mehr in die Morgenstunden versetzt. Daher war ich dann etwas verwirrt, dass sie die Nacht durchfahren.
„Welche Route soll ich nehmen?“, fragte ich und schaltete das Taxameter ab.
das ging mir etwas zu schnell, bzw fehlte mir etwas seine Motivation. Als Taxifahrer ist man doch eher "abgebrühter". Er sagt ja selber, das er schon allerlei erlebt hat, wieso fasziniert ihn diese Dame soooo sehr, dass er das taxameter abschaltet.

das wars soweit von meiner Seite
viele Grüße
pantoholli
 
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Hallo @GoMusic,

es finden sich ein paar schöne Formulierungen im Text (die Stellen, die mir gefallen habe, liste ich später noch auf) und das Ende fand ich von der Idee her auch gut, weil es überraschend kam, aber es kam auch so unerwartet, dass ich es nicht ganz gekauft bzw. geglaubt habe. Das kann natürlich an mir liegen und andere haben damit kein Problem.

Das größte Manko ist m.E., dass die Beziehung der beiden für mich nicht die nötige "Tiefe" widerspiegelt. Ich spüre die Nähe zwischen den beiden nicht, die Vertrautheit, die nicht daraus resultieren muss, dass sie sich lange kennen, sondern wie in deinem Beispiel eine längere Taxifahrt ausreicht, um einem Menschen, seine Schwächen, seine Ängste, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Häufig ist es ja so, dass in Zügen, in Hotelbars, in Taxen manchmal mehr Geheimnisse geteilt werden, als man seinem besten Freund oder seinem Psychotherapeuten erzählt. Aber du beschreibst viel Landschaft und Äußerlichkeiten (sicherlich ganz schön zu lesen), aber nicht charakterisierend.

Ich versuch mal konkreter am Text zu erläutern, was ich genau meine.

„Welche Route soll ich nehmen?“, fragte ich und schaltete das Taxameter ab.
Ich versteh seine Motivation nicht. Wenn es jetzt eine arme Frau gewesen wäre, vllt. hätte ich das gekauft, aber nicht bei jemanden, der wohlhabend ist und ihre Kleidung und der Vorgarten suggeriert dies ja. Und die beiden haben sich gerade erst kennengelernt ...

Ich kenn das mit dem Ausschalten des Taximeters aus früheren Zeiten vom Hörensagen eher so, dass der Taxifahrer ein bisschen Schwarzgeld bekommt und der Gast weniger zahlt, als er zahlen müsste, wenn die Uhr läuft. Aber es findet eine verbale oder nonverbale Kommunikation statt.

Ähnliche Probleme hatte ich damit, dass die alte Dame plötzlich dem Taxifahrer das Geld aus dem Banküberfall schenken möchte und nicht der Caritas. Das alles passiert so schnell. Ich will nicht sagen, dass dies nicht passieren kann, aber es sollte etwas nachvollziehbarer sein und nicht so holterdipolter. Abgesehen davon, fand ich die Sache mit ihrem Mann, dem Banküberfall, der Beute auch etwas zu schnell erzählt. Und auch hier steckt noch eine ganz eigene Geschichte drin, die interessant wäre. Mich hat es zumindest interessiert und neugierig gemacht.

Ich finde, dass du mir so Teaser hingeworfen hast, mich neugierig auf die Figuren gemacht hast (damit meine ich alle Figuren) und dann eine Abkürzung genommen hast und dich mehr auf den Plot konzentriert hast.

Schönes Wochenende wünsche ich dir und ich würde mich schon freuen, wenn die Story etwas länger wird :-)


 
Wortkrieger-Team
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Hallo @Silberschwinge , @pantoholli , @Aurelia

sorry erstmal für die späte Antwort. Die letzten Tage waren einfach zu kurz ...
Danke für eure Zeit und die tollen Kommentare.

was soll ich sagen… zu meckern gibt es an deinem Text für mich nichts, man merkt, dass du viel Ahnung vom Schreiben hast.
Das ist natürlich klasse, so etwas zu lesen, gerade noch im ersten Kommentar zur Geschichte, wo man als Schreiberling noch nicht so weiß, wie der Text ankommen mag.

Deine Geschichte liest sich sauber und flüssig, sie hat mich sofort gefesselt, dabei finde ich Gesellschaftsgeschichten oft langweilig. Du hast eine schöne, aber auch melancholische Stimmung erschaffen.
Ich konnte mir die allgemeine Stimmung im Auto gut vorstellen. Sie hat mich zunächst echt traurig gemacht.
Gut, dass das Melancholische bei dir ankam. Stimmungsvoll zu schreiben und es dann noch hinbekommen, diese Stimmung zu "übertragen", ist das, was ich am schwierigsten empfinde.

Das Ende fand ich richtig gut.
Danke auch dafür.

Wenn ich das richtig verstanden habe, hat der Mann der alten Dame eine Bank überfallen, konnte das Gestohlene jedoch nicht mehr ausgeben. Die Dame wollte es anscheint ebenfalls nicht ausgeben, umso schöner ist es, dass der junge Mann das Geld nun bekommt. Da hat eine anfänglich schlimme Tat, am Ende doch noch was Gutes bewirkt. Toller Ansatz. Ich musste dabei an Robin Hood denken.
Ja, die Dame wollte, oder besser gesagt, konnte es auch nicht mehr ausgeben. Der "Geldsegen" kam für sie einfach zu spät. "Das letzte Hemd hat keine Taschen", sagt man.

Habe mich sehr über deine Gedanken gefreut, Silberschwinge.




im groben kann ich schwinge zustimmen.
Schon mal gut, pantoholli :-)

Nach wenigen Augenblicken hupte ich erneut, diesmal lauter.
meine Hupe hupt immer in gleicher Lautstärke, egal wie doll ich den Knopf drücken.
Guter Hinweis. Ich denke, ich werde es auf "diesmal heftiger" o.ä. abändern.

...
als die Sonne die Wolken durchbrach und das Haus mit ihrem ganzen Licht überflutete.
das ist ansich ok. Mich hat es allerdings mehr in die Morgenstunden versetzt. Daher war ich dann etwas verwirrt, dass sie die Nacht durchfahren.
Nachdem ich das geschrieben habe, musste ich auch erst überlegen, ob das tatsächlich passt.
Aber nachdem sich dann abends gegen 19 h dieses Schauspiel "bei mir am Himmel" genau so abgespielt hat, habe ich dann so gelassen. :-)

„Welche Route soll ich nehmen?“, fragte ich und schaltete das Taxameter ab.
das ging mir etwas zu schnell, bzw fehlte mir etwas seine Motivation. Als Taxifahrer ist man doch eher "abgebrühter". Er sagt ja selber, das er schon allerlei erlebt hat, wieso fasziniert ihn diese Dame soooo sehr, dass er das taxameter abschaltet.
Also ich kann das Verhalten des Mannes nachvollziehen, der eine einsame, alte Dame mit dem notwenigsten Gepäck abholt, die sich für diesen besonderen Tag (für die - wie sich herausstellt - wohl letzte Rundfahrt durch ihre alte Heimat) "in Schale" geworfen hat und die ihm die Adresse eines Hospizes gibt.

Hab auch du Dank für Zeit und Kommentar, pantoholli.

es finden sich ein paar schöne Formulierungen im Text (die Stellen, die mir gefallen habe, liste ich später noch auf)
Das höre ich gerne, Aurelia.
Mich würde brennend interessieren, welche Textstellen das sind.

und das Ende fand ich von der Idee her auch gut, weil es überraschend kam, aber es kam auch so unerwartet, dass ich es nicht ganz gekauft bzw. geglaubt habe. Das kann natürlich an mir liegen und andere haben damit kein Problem.
Na ja, einen klitzekleinen Hinweis habe ich in die Mitte des Textes gestreut (oder versteckt?), dass da etwas nicht stimmen mag, weil er das Bankenviertel umfahren sollte.

Das größte Manko ist m.E., dass die Beziehung der beiden für mich nicht die nötige "Tiefe" widerspiegelt. Ich spüre die Nähe zwischen den beiden nicht, die Vertrautheit, die nicht daraus resultieren muss, dass sie sich lange kennen, sondern wie in deinem Beispiel eine längere Taxifahrt ausreicht, um einem Menschen, seine Schwächen, seine Ängste, seine Lebensgeschichte zu erzählen.
Ich finde, manchmal braucht es gar nicht eine solche Tiefe, um eine bestimmte Nähe aufzubauen und entsprechend zu reagieren.
Immerhin sind die beiden mehrere Stunden zusammen, und ich meine, dass trotz des vielen Schweigens von den beiden Protas alles Nötige gesagt wurde, um entsprechend zu handeln, wie sie eben handeln.

„Welche Route soll ich nehmen?“, fragte ich und schaltete das Taxameter ab.
Ich versteh seine Motivation nicht. Wenn es jetzt eine arme Frau gewesen wäre, vllt. hätte ich das gekauft, aber nicht bei jemanden, der wohlhabend ist und ihre Kleidung und der Vorgarten suggeriert dies ja. Und die beiden haben sich gerade erst kennengelernt ...
Er handelt aus Mitleid, will der Frau kein Geld abnehmen für die Fahrt zu dem Ort, den sie nie mehr (lebendig) verlassen wird.
Die Beschreibung der Kleidung sagt m.E. nicht aus, dass sie reich ist. Eher umgekehrt. Der Prota meint ja, dass sie Jahrzehnte alt sei.
Zum Haus wurde nichts Näheres gesagt. Es könnte gut und gerne heruntergekommen sein. Der Prota macht sich da keine Gedanken zu. Und einen Vorgarten zu besitzen bedeutet auch nicht unbedingt wohlhabend.
Ich denke aber noch mal über den Zustand des Hauses und der Kleidung nach. Vielleicht kommen dazu ja noch andere Kommentare.

Ähnliche Probleme hatte ich damit, dass die alte Dame plötzlich dem Taxifahrer das Geld aus dem Banküberfall schenken möchte und nicht der Caritas. Das alles passiert so schnell. Ich will nicht sagen, dass dies nicht passieren kann, aber es sollte etwas nachvollziehbarer sein und nicht so holterdipolter.
Das ist das andere Mitleid, das, was sie für ihn empfindet.
Ich persönlich kann ihre Meinungsänderung gut verstehen. In ihren Augen hat er das Geld viel nötiger als die Kirche. Er schafft es dadurch sicherlich, seine Familie wieder zurückzubekommen.

Abgesehen davon, fand ich die Sache mit ihrem Mann, dem Banküberfall, der Beute auch etwas zu schnell erzählt. Und auch hier steckt noch eine ganz eigene Geschichte drin, die interessant wäre. Mich hat es zumindest interessiert und neugierig gemacht.
Hm, da muss ich drüber nachdenken. Aber klasse, dass du dazu gerne mehr lesen/hören würdest.
Muss mal sehen, ob das noch in die Geschichte reinpasst. Zumal es ja so ist, dass die alte Dame es ja selbst erst seit sehr kurzer Zeit weiß. Sie selbst mag sehr überrascht davon gewesen sein und weiß von der ganzen Sache genauso wenig wie der Leser.

Ich finde, dass du mir so Teaser hingeworfen hast, mich neugierig auf die Figuren gemacht hast (damit meine ich alle Figuren) und dann eine Abkürzung genommen hast und dich mehr auf den Plot konzentriert hast.
ich würde mich schon freuen, wenn die Story etwas länger wird :-)
Neugierde erzeugt zu haben, ist immer gut. ;-)
Wie gesagt, denke ich noch mal über eine Verlängerung nach.

Danke auch für deine Anstösse.

Wünsche euch allen einen tollen Tag.

Liebe Grüße, GoMusic
 
Mitglied
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15.09.2008
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Hallo @GoMusic ,
vordergründig: Ein glücklicher Zufall, dieses Zusammentreffen des Taxifahrers mit der alten Dame!

Ich habe deine Geschichte gern gelesen, da sich hinter der so märchenhaft positiven Oberflächen-Jetzt-Handlung, Tod, Trauer, der lange Prozess des Loslassens und Gesetzeswidriges verbirgt.

Beim Lesen deiner Geschichte fragte ich mich aber, ob ein so zweifelhaft glücklicher Zufall sich wohl in Wirklichkeit ereignen könnte.
Die Handlung in die Realität transferiert, ergeben sich doch ein paar kritische Gedanken dazu.

Zusammengefasst: Ein als Taxifahrer arbeitender Flüchtling aus einem Kriegsgebiet, in dem seine Frau und Tochter umgekommen sind, erhält unverhofft ein riesiges Geldgeschenk einer Kundin, das sich als Beutegeld ihres verstorbenen Mannes entpuppt.

Es soll ja auch reumütige Räuber gegeben haben, die ihre Beute der Kirche spendeten.
Ist der Raub dann geheiligt? Dürfte die Caritas den Geldkoffer behalten?
Gefühlsmäßig betrachtet, gönnt jeder dem Prota – auch als Wiedergutmachung für Erlittenes – den Geldsegen. Ich auch, aus vollem Herzen!

Die Frage ist aber: Kehrt sich Unmoralisches in Moralisches um, wenn es um Hilfsbedürftige geht?
Wird Böses gut, wenn man damit Gutes bewirkt?
Oder hast du hier ein gültiges Gesetz zugunsten einer positiven Handlungsstimmigkeit ausgehebelt? (Das wäre natürlich nur der Fall, wenn der Prota den Geldkoffer am Ende annähme.)

Ich bin zwar juristisch nicht vorgebildet, aber ich weiß, dass es nicht gestattet ist, Wertfunde ab einer bestimmten Summe (ich glaube sogar schon ab 20,00€ ?) zu behalten.
Frage ist, ob das Gesetz der Ab-oder Rückgabe auch anzuwenden ist, wenn ein Dritter Geld aus einer Straftat geschenkt bekommt.

Wie dem auch sei, du lässt ja offen, wie der Prota sich entscheidet. Nimmt er den Koffer an oder nicht? Vielleicht lässt er ihn zurück, da auch das viele Geld ihm jedenfalls nicht mehr zu einem Familiennachzug verhilft.

Die Wahl der Überschrift „Zurückgelassen“ finde ich in der Zweideutigkeit (Flüchtling lässt Familie zurück /Bankräuber lässt beute zurück) sehr gelungen.
Ich habe mich gerne mit deinem Text auseinandergesetzt. Danke fürs Hochladen.

Lieben Gruß
kathso60 / Solweig

Ergänzung/ inhaltl. Korrektur meines Kommentars von eben:
Ei, ja so kann es gehen:
Zuerst hatte ich die Handlung wohl richtig verstanden. Frau und Tochter des Taxifahrers leben, wurden nur zurückgelassen.
Später verwirrte mich die Textstelle, aus der ich schloss, dass Frau und Kind umgekommen sind.
. In Fatimas Bauchtrage unser Baby, Aisha. Es schläft. Vor uns die Hügelkette. Etwas durchbricht die Wolken, fällt vom Himmel, es wird laut, gleißend hell. Ich stolpere, schreie auf, lasse Fatimas Hand los.
Ich hätte genauer lesen sollen, da später erwähnt wird, dass die Tochter jetzt vier Jahre alt ist.
Also muss ich zu meinen ersten Gedanken zurückkehren und vermuten, dass der Prota doch den Geldsegen als Hilfe für den Familiennachzug annimmt.
Dann nochmals einen lieben Gruß und die Bestätigung, dass mir auch diese inhaltliche Wendung gefällt, obwohl sie gesetzlich nicht ganz sauber zu sein scheint.

(kathso60) Solweig
 
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Wortkrieger-Team
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16.03.2015
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Hallo @kathso60

welch toller Kommentar.
Schön, dass dich der Text zum Nachdenken und Nachhaken gebracht hat.

Ich habe deine Geschichte gern gelesen, da sich hinter der so märchenhaft positiven Oberflächen-Jetzt-Handlung, Tod, Trauer, der lange Prozess des Loslassens und Gesetzeswidriges verbirgt.
Jetzt, wo du das so sagst, stelle ich fest, das es eine ganz schön themenumfassende Geschichte geworden ist. :D
Nein, wusste ich natürlich vorher schon, aber gut, dass du das wohl nicht für "zu viel auf einmal" hältst.

Ist der Raub dann geheiligt? Dürfte die Caritas den Geldkoffer behalten?
Die Caritas weiß hier nichts vom Raub, würde es für eine Spende halten.
Keine Ahnung, wie oft in der Realität schon undurchsichtige Gelder geflossen sind. :hmm:

Kehrt sich Unmoralisches in Moralisches um, wenn es um Hilfsbedürftige geht?
Wird Böses gut, wenn man damit Gutes bewirkt?
Fast schon philosophische Fragen.
Meine persönliche Off-Topic-Meinung dazu: zwei Mal "nein".

Die Wahl der Überschrift „Zurückgelassen“ finde ich in der Zweideutigkeit (Flüchtling lässt Familie zurück /Bankräuber lässt beute zurück) sehr gelungen.
Freut mich, dass du das so deutest.
War auch so gedacht. Hat sich in letzter Zeit bei mir zum Hobby entwickelt. Die meisten meiner letzten Geschichten haben zweideutige Titel ...

Ich habe mich gerne mit deinem Text auseinandergesetzt. Danke fürs Hochladen.
Und danke für deine Zeit, deine Gedanken.

Zu deinem Edit auch dem zweiten Lesen:

Also muss ich zu meinen ersten Gedanken zurückkehren und vermuten, dass der Prota doch den Geldsegen als Hilfe für den Familiennachzug annimmt.
Davon ist stark auszugehen. Ein kleiner Trigger dafür sollen die letzten drei Sätze sein.

die Bestätigung, dass mir auch diese inhaltliche Wendung gefällt, obwohl sie gesetzlich nicht ganz sauber zu sein scheint.
Sehr schön :bounce:

Schönen Abend und liebe Grüße,
GoMusic
 
Mitglied
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26.01.2019
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76
Hallo @GoMusic,

ich bin auch eine Mogelpackung ... erst posaune ich rum, dass ich die Stellen aufliste, die mir gefallen habe und dann hab ich das einfach verpennt. Sorry. Hol ich jetzt nach.

„Da war früher das Tanzlokal, wo ich als junges Mädchen poussiert habe.“
[/QUOTE]

"Poussiert" musste ich erst mal nachschlagen, aber ich mag so veraltete Ausdrücke, weil sie charakteristisch sind für eine bestimmte Zeit. Oder das Wort "Tanzlokal", heute sagt mal wohl "Klub" dazu, in meiner Zeit sagte man "Disko" und früher halt "Tanzlokal". Ich finde, dass du mit diesem einen Satz, diesem kurzen Dialog so viel über die alte Dame sagst.

„Wie sind Sie Taxifahrer geworden?“
„Es … es ist nur vorübergehend.“
Dieser Dialog ist herrlich "zwischen den Zeilen" geschrieben. Wenn er direkt antworten würde, müsste er nur antworten: Taxischein gemacht. Und auch die Frage der Dame zielt nicht darauf ab, dass sie wissen will, wie er Taxifahrer geworden ist, sondern Warum. In meiner Interpretation will sie seine Lebensgeschichte hören. Der Dialog ist schön subtil gestaltet. Grds. finde ich deine Dialoge lebensecht.

Ich höre die schrillen, klagenden Rufe der Steppenkiebitze, das Knacken von Ästen im Unterhalt, spüre Fatimas warme Hand, die ich festhalte, die ich mit nach vorne ziehe, zur Seite, an einem Busch vorbei, wieder geradeaus. Fort. In Fatimas Bauchtrage unser Baby, Aisha. Es schläft. Vor uns die Hügelkette
Hat mir sprachlich auch gefallen.

Schönen Sonntag wünsch ich noch
Aurelia
 
Mitglied
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20.05.2017
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Hallo @GoMusic ! Habe ich schonmal eine deiner Geschichten kommentiert? Anyway, wenn nicht, dann eben jetzt und wenn doch, dann nun ein weiteres Mal.
Ganz kurz inhaltlich: irgendwie ein bekannter Plot. Also der des "sterbenden" Mütterchens, das die Bekanntschaft eines vom Schicksal gezeichneten macht und dessen Leben verändert. Dass dein Gezeichneter ein Kriegsflüchtling ist, gibt dem Ganzen einen zeitgenössischen Touch, schön und gut. Mir scheint jedoch, dass dieser Text sich etwas zu sehr in einer Gegenwart verortet, die er nicht selbst eröffnet. Was ich damit meine ist, dass er sich, so scheint mir, darauf verlässt, dass die Leserin schon wissen wird, wie sie z.B. den Geflüchteten einzubetten hat; schließlich hat sie ein breites Fundament ähnlicher Geschichten und Schicksale, die im Rahmen des aktuellen Diskurses an sie herangeführt wurde.
Ja, du gibst ihr zwar ein klein wenig "alte Heimat" an die Hand, aber ich glaube, das reicht nicht, um den Text außerhalb einer eher eng gesteckten Gegenwart wirken zu lassen. Da fehlt mMn. Charakterisierung. Wir haben alte Frau Nr. 28 und Geflüchteter Nr. 17. Das funktioniert zwar, aber es reicht mMn. nicht, weißt du? Es kann natürlich sein, dass ich schlichtweg zu viel von dieser Ausprägung der Kurzgeschichte als Form erwarte. Das Urteil überlasse ich dir. Nun ein wenig Textarbeit!
als die Sonne die Wolken durchbrach und das Haus mit ihrem ganzen Licht überflutete.
Dolles Klischee, nicht? Ist mir auch als Symbol etwas zu "auf die Fresse".
An den Wänden bemerkte ich hellere Stellen, an denen früher Bilder oder Uhren hingen.
Hier gibt der Erzähler vor mehr zu wissen, als er rein logisch kann und ich denke nicht, dass das beabsichtigt ist. Vllt. bemerkt er eher, dass die Stellen verschiedene Formen haben. Große eckige, kleine Runde, manche erstrecken sich von den Fußleisten bis zu Decke, andere hängen kreisrund an den Wänden, wie winzige blinde Augen. Vielleicht waren sie einst Bilder, Kommoden, Uhren, Bilder, Spiegel.
das Viertel mit den Geldinstituten sollte ich weiträumig umkurven.
Finde ich komisch. Also erst dachte ich, hier willst du sehr direkt drauf hinweisen, dass die Alte enteignet wurde oder sowas, aber im Nachhinein wird die Verbindung zum Raub klar. Diese ergibt mMn aber gar nicht so viel Sinn. Schließlich haben ihr Mann und sie doch über die Bank gesiegt. Wäre es nicht natürlicher, verschwiegen zu schmunzeln, wenn man dann an einem Bankgebäude vorbeikäme? Der Nachfrage des Fahrers dann keine oder höchstens eine kryptischen Antwort zu geben?
Als der erste Sonnenstrahl über der Stadt erschien, winkte sie mir zu. „Es ist Zeit.“
Grrrr wieder diese doofe Sonne. Not a fan.
So fest sie konnte, drückte sie mich an sich
Auch das kann der Erzähler so nicht wissen. Er kennt ihre physischen Fähigkeiten nicht, kann sie höchstens schätzen. Lass ihn doch stattdessen spüren, wie sie zittert oder die Luft anhält.

Söchen. Hoffe, da ist was für dich dabei!

LG
Sisorus
 
Wortkrieger-Team
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16.03.2015
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Hallo Aurelia,

schön, dass du dich nochmal gemeldet hast.

"Poussiert" musste ich erst mal nachschlagen, aber ich mag so veraltete Ausdrücke, weil sie charakteristisch sind für eine bestimmte Zeit. Oder das Wort "Tanzlokal", heute sagt mal wohl "Klub" dazu, in meiner Zeit sagte man "Disko" und früher halt "Tanzlokal". Ich finde, dass du mit diesem einen Satz, diesem kurzen Dialog so viel über die alte Dame sagst.
Danke dafür.
Ich denke auch, dass "poussieren" und "Tanzlokal" ganz viel über die alte Dame aussagen. Prima, dass es bei dir auch so rüberkam.

Der Dialog ist schön subtil gestaltet. Grds. finde ich deine Dialoge lebensecht.
:bounce:

Hab einen schönen Tag.

Hallo Sisorus,

Habe ich schonmal eine deiner Geschichten kommentiert?
Ich glaube nicht. Ich aber eine von dir.

Mir scheint jedoch, dass dieser Text sich etwas zu sehr in einer Gegenwart verortet, die er nicht selbst eröffnet. Was ich damit meine ist, dass er sich, so scheint mir, darauf verlässt, dass die Leserin schon wissen wird, wie sie z.B. den Geflüchteten einzubetten hat; schließlich hat sie ein breites Fundament ähnlicher Geschichten und Schicksale, die im Rahmen des aktuellen Diskurses an sie herangeführt wurde.
Ja, du gibst ihr zwar ein klein wenig "alte Heimat" an die Hand, aber ich glaube, das reicht nicht, um den Text außerhalb einer eher eng gesteckten Gegenwart wirken zu lassen. Da fehlt mMn. Charakterisierung. Wir haben alte Frau Nr. 28 und Geflüchteter Nr. 17. Das funktioniert zwar, aber es reicht mMn. nicht, weißt du? Es kann natürlich sein, dass ich schlichtweg zu viel von dieser Ausprägung der Kurzgeschichte als Form erwarte.
Das ist eine Aussage, zu der ich Fragen habe.
"Text in einer Gegenwart verortet, die er nicht selbst eröffnet."
Hm, du meinst dass durch die klischeehafte Person des Flüchtlings (bzw. Geflohenen) zu viel vorausgesetzt wird, was der Text an sich nicht leistet?

Ich finde nicht, dass da zu wenig Charakterisierung ist. Es sind "nicht nur" eine x-beliebige Alte und ein x-beliebiger Geflohener. Beide haben ihren Hintergrund, ihre Geschichte, Ängste und Erwartungen.

als die Sonne die Wolken durchbrach und das Haus mit ihrem ganzen Licht überflutete.
Dolles Klischee, nicht? Ist mir auch als Symbol etwas zu "auf die Fresse".
Mir gefällt hier der Bezug zu der Kriegsszene (Gedanken/Rückblick), in der auch etwas die Wolken durchbricht. Ein Ereignis/Auslöser, dass den Prota in der Gegenwart zum Handeln bringt, wo er doch kurz davor war, wieder wegzufahren.

An den Wänden bemerkte ich hellere Stellen, an denen früher Bilder oder Uhren hingen.
Hier gibt der Erzähler vor mehr zu wissen, als er rein logisch kann und ich denke nicht, dass das beabsichtigt ist. Vllt. bemerkt er eher, dass die Stellen verschiedene Formen haben. Große eckige, kleine Runde, manche erstrecken sich von den Fußleisten bis zu Decke, andere hängen kreisrund an den Wänden, wie winzige blinde Augen. Vielleicht waren sie einst Bilder, Kommoden, Uhren, Bilder, Spiegel.
Verstehe, was du meinst, finde die Beispiele auch sehr schön und würde sie gerne übernehmen. Ich sehe aber die Notwendigkeit hier im Text nicht.
Im Text steht nicht, dass die Schränke entfernt, von den Wänden gerückt wurden. Es gibt keine großen Formen, die darauf hinweisen. Nur die kleineren Stellen, die einen sofort an Uhren und Bilder denken lassen.

Schließlich haben ihr Mann und sie doch über die Bank gesiegt. Wäre es nicht natürlicher, verschwiegen zu schmunzeln, wenn man dann an einem Bankgebäude vorbeikäme?
Die Alte denkt nicht, dass sie über die Bank gesiegt hat. Sie wusste vor ein paar Stunden nichts von dem Banküberfall.
Sie würde nicht schmunzeln. Vielmehr schämt sie sich, will aus Scham dort keinesfalls vorbeikommen.

Grrrr wieder diese doofe Sonne. Not a fan.
Als ich nachgeschaut habe, ob ich schon einen Text von dir kommentiert habe (dein Eingangssatz), fielen mir mehrere Stellen aus "Wurzeln im Sand" ins Auge (ohne, dass ich speziell danach gesucht hätte), in denen du mehrmals die Sonne für unterschiedliche Dinge nutzt. Mir gefällt dies dort sehr gut.
Kann mir nicht vorstellen, dass du tatsächlich allgemein "not a fan" davon bist :heul:

So fest sie konnte, drückte sie mich an sich
Auch das kann der Erzähler so nicht wissen. Er kennt ihre physischen Fähigkeiten nicht, kann sie höchstens schätzen. Lass ihn doch stattdessen spüren, wie sie zittert oder die Luft anhält.
Danke dafür, stimmt. Da hatte ich auch schon drüber nachgedacht, es aber nicht mehr weiter überarbeitet, weil ich es nicht so schlimm fand. Gut, dass du mit dem Finger drauf gezeugt hast. Ich ändere es.

Hoffe, da ist was für dich dabei!
Ja, jede Menge.

ich danke dir, Sisorus.

Schönen Tag und liebe Grüße,
GoMusic
 
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Hey Go Music,

ich steige gleich mal ein.

Ich traf an der Adresse ein, blieb halb auf dem Bürgersteig stehen und hupte einmal.
Nach wenigen Augenblicken hupte ich erneut, diesmal lauter.
Wie kann man denn lauter hupen? Geht das? Der Streichkandidat für mich ist ersichtlich, denke ich.

Kurz überlegte ich, wegzufahren – meine Sonntagsschicht endete danach –, als die Sonne die Wolken durchbrach und das Haus mit ihrem ganzen Licht überflutete.
Er scheint also ein Angestellter zu sein, käme dann nicht irgendwann mal eine Durchsage per Funk - immerhin sind sie die ganze Nacht unterwegs. Irgendsowas wie: Wo steckst du denn? Ich erwähne das v. a. deswegen, weil mir die Taxifahrt echter vorkommen würde, Irgendwas mit Taxameter oder eben Funk würde die Fahrt glaubhafter ausschmücken, finde ich.
[EDIT: Da steht ja was mit Taxameter weiter unten. Ich verstehe dort aber aus dem Kontext heraus nicht, wieso er es abgeschaltet hat.]
Dann das mit der Sonne, jo, ich meine, das steht halt so im Raum. Es bleibt mir letztendlich schleierhaft, was ihn jetzt dazu bewegt, am Straßenrand zu parken.

Beim Abholen meiner Fahrgäste hatte ich schon allerhand Überraschungen erlebt. Halbbekleidete Frauen, die hinter der Tür lugten; junge Menschen, die sich beim Feiern unterbrochen fühlten und mir Schnaps reichen wollten.
...
Heute stand mir eine bucklige, über achtzigjährige Frau in feinster Garderobe gegenüber. Gemustertes Seidenkleid, goldene Kette mit Kreuzanhänger; ein großer Hut mit Schleier über das weiße Haar.
Sind noch ein paar Doppler mehr im Text, hier mal exemplarisch.

... wird gleich fortgesetzt ...

An den Wänden bemerkte ich hellere Stellen, an denen früher Bilder oder Uhren hingen.
Abgesehen davon, dass das grammatikalisch unsauber ist, würde ich "wohl" oder so einsetzen - es bleibt ja eine Mutmaßung von ihm.

Auf dem Boden warteten gepackte Umzugskartons. Adressaufkleber konnte ich keine sehen.
Adressaufkleber würde ich bei Umzugskartons auch nicht erwarten.

„Das ist aber nicht der kürzeste Weg“, sagte ich.
Ich weiß nicht, du schilderst das alles so ausführlich, dann verschweigst du aber ihr Ziel, dass sie ihm ja genannt haben muss. Hm. Das ist mir zu sehr, wie soll ich das schreiben, plumpes Foreshadowing?, das wirkt mir zu sehr nach Autorentrick.

Im Innenspiegel sah ich ihre glänzenden Augen.
Rückspiegel?

Die Stunden vergingen.
...
Als der erste Sonnenstrahl über der Stadt erschien ...
Da gehe ich zeitlich nicht mit, er holt sie ab, als die Sonne noch scheint, und sie fahren echt die ganze Nacht durch die Innenstadt? Really? Das gibt der Text nicht her, dass erfahre ich über diese (indirekten) Zeitangaben, was mich dann überrascht und mir unglaubwürdig vorkommt.

„Meine Tochter … meine Frau …“, sagte ich zögernd.
Du setzt hier ja Pünktchen, willst aber dennoch sichergehen, dass der Leser das kapiert. Entbehrlich, finde ich.

„Was ist mit ihnen?“
Ich blinzelte eine Träne fort. „Ich musste beide zurücklassen. Vorerst.“
Ist mir 'ne Spur drüber.

Später stoppten wir an einem Park. Sie stieg aus und setzte sich auf eine Bank, den Hut auf dem Schoß gelegt. Da saß sie, blickte in die Ferne ...
Ist hier vielleicht 'ne Kleinigkeit - aber exemplarisch -, ich bekomme keine Bilder, der Text liefert davon insgesamt recht wenig: leere Straßen, abendliche Stadt, Hauptverkehrsstraße, Handyshop, kleine Wäscherei, leer stehendes Gebäude ...
Hier der Park: Ist halt so ein Allgemeinplatz, dann blickt sie in die Ferne. Also um in einem Park in die Ferne blicken zu können, muss es ein besonderer sein, nicht?

Wenn man es nicht anders wusste, hätte man „Haus Erholung“ für ein Seniorenheim oder Kurhotel halten können.
Also ein Hospiz. Warum so viel Geheimnis darum?

„Sie brauchen doch das Geld
Streichkandidaten, alle drei.

Ich spürte, wie sie zitterte. „Sie haben mir einen kleinen Moment der Freude geschenkt. Danke dafür.“ Sie verzog die Lippen zu einem dünnen Lächeln.
Wer hat jetzt wem ein wenig Freude spendiert? Von Freude lese ich auch nichts im Text. Oder hab' ich das überlesen?

„Den Zeitungsartikel habe ich gestern gefunden. In einem alten Lederkoffer, der im Keller versteckt war.“
Also noch vor dem Herzinfarkt hat der Mann den Zeitungsartikel ausgeschnitten, auf die Beute gelegt und allesamt im Keller versteckt, der nicht mal richtig abschließbar ist. Echt jetzt?

Ich kehrte zurück zum Taxi, fuhr nicht sofort los, sondern betrachtete noch eine Zeit lang die blaugraue Morgendämmerung. Gedanken an die alte Heimat schossen mir durch den Kopf.
Ich höre die schrillen, klagenden Rufe der Steppenkiebitze, das Knacken von Ästen im Unterhalt, spüre Fatimas warme Hand, die ich festhalte, die ich mit nach vorne ziehe, zur Seite, an einem Busch vorbei, wieder geradeaus. Fort. In Fatimas Bauchtrage unser Baby, Aisha. Es schläft. Vor uns die Hügelkette. Etwas durchbricht die Wolken, fällt vom Himmel, es wird laut, gleißend hell. Ich stolpere, schreie auf, lasse Fatimas Hand los.
Der ganze Absatz wirkt auf mich so angepappt. Ich verstehe nicht ganz, was den Taxifahrer jetzt in Erinnerungen treibt. Irgendwie fehlt mir hier der Übergang.

Ich stieg über den Jägerzaun; die Kellertür war leicht aufzubekommen. Eine Treppe führte hinauf in die Wohnung.
Das klingt so, als wüsste er, dass er in die Wohnung hoch muss. Er muss aber doch davon ausgehen, dass der Koffer im Keller zu finden ist.

Ich werde mit deiner Geschichte einfach nicht warm, GoMusic, ich weiß auch nicht so recht, auf was der Text hinauswill. Flüchtling, Hospiz, Bankraub ... Auf mich wirkt das alles ein wenig willkürlich zusammengewürfelt, bis es halt irgendwie zusammenpasst.

Danke Fürs Hochladen

hell
 
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3.036
Hallo hell,

danke für deine Zeit und den hilfreichen, intensiven Kommentar. Habe viel davon mit- und übernommen, versucht, den Text anzupassen, so dass an den angesprochenen Stellen weniger Fragen aufkommen.

Ich traf an der Adresse ein, blieb halb auf dem Bürgersteig stehen und hupte einmal.
Nach wenigen Augenblicken hupte ich erneut, diesmal lauter.
Wie kann man denn lauter hupen? Geht das? Der Streichkandidat für mich ist ersichtlich, denke ich.
"Einmal" ist gestrichen.
Bist der Zweite, der das sagt mit dem "lauter". Ist nun ein "länger" geworden.

Er scheint also ein Angestellter zu sein, käme dann nicht irgendwann mal eine Durchsage per Funk - immerhin sind sie die ganze Nacht unterwegs. Irgendsowas wie: Wo steckst du denn? Ich erwähne das v. a. deswegen, weil mir die Taxifahrt echter vorkommen würde, Irgendwas mit Taxameter oder eben Funk würde die Fahrt glaubhafter ausschmücken, finde ich.
Ich habe das vorher mit einem Taxifahrer besprochen. Er sagt, wenn ein Fahrer seine letzte Tour macht, am letzen Abholort angekommen ist, muss danach nicht unbedingt noch Funkkontakt aufgenommen werden. Da fragt i.d.R. keiner nach, wo man steckt, sondern wünscht bei der Angabe des Abholortes noch (gegenseitig) einen schönen Feierabend. Der Taxifahrer fährt mit dem Taxi anschließend nach Hause. Wann er ankommt, bekommt die Zentrale/der Chef dann nicht mit.
Kann natürlich bei den verschiedenen Unternehmen oder je nach Angestelltenverhältnis anders sein.

Habe aber dennoch den Text angepasst, damit da künftig keine Fragen mehr aufkommen sollten (fett):
Kurz überlegte ich, wegzufahren – meine Sonntagsschicht endete danach, und ich hatte mich schon bei der Zentrale abgemeldet –, als die Sonne

Es bleibt mir letztendlich schleierhaft, was ihn jetzt dazu bewegt, am Straßenrand zu parken.
Lustlosigkeit, Müdigkeit, Faulheit ...?
Einfach nicht in die Parkbox/auf dem Parkplatz einparken, sondern nur schnell hupen und hoffen, dass der Fahrgast es hört und kommt.

Sind noch ein paar Doppler mehr im Text, hier mal exemplarisch.
Danke, danke für dein aufmerksames Lesen. Habe auch noch einen dritten gefunden und beseitigt.

An den Wänden bemerkte ich hellere Stellen, an denen früher Bilder oder Uhren hingen.
Abgesehen davon, dass das grammatikalisch unsauber ist, würde ich "wohl" oder so einsetzen - es bleibt ja eine Mutmaßung von ihm.
"wohl" ist gekauft. Prima!

Auf dem Boden warteten gepackte Umzugskartons. Adressaufkleber konnte ich keine sehen.
Adressaufkleber würde ich bei Umzugskartons auch nicht erwarten.
Du hast mich auf eine gute Idee gebracht. Habe sehr oft über das richtige Wort nachgedacht.
Es sind nun "Klebeetiketten". So bin ich aus der Nummer mit der Adresse raus (das ist wahrscheinlich zu selten, dass Kartons von mehreren Leuten mit unterschiedlichen Zielen/Adressen zusammen auf einem LKW verladen werden).
Die Etiketten sind ja eher für solche Hinweise, in welche Zimmer der entspr. Karton gebracht werden soll ("Schlafzimmer", "Küche", etc.).


„Das ist aber nicht der kürzeste Weg“, sagte ich.
Ich weiß nicht, du schilderst das alles so ausführlich, dann verschweigst du aber ihr Ziel, dass sie ihm ja genannt haben muss. Hm. Das ist mir zu sehr, wie soll ich das schreiben, plumpes Foreshadowing?, das wirkt mir zu sehr nach Autorentrick.
Wenn der Taxifahrer das Ziel der Zentrale durchgeben würde ("Sonnenallee 15 in Kleintal"), wüsste der Leser auch nicht mehr :-)
Ich habe das Ziel tatsächlich bewusst zurückgehalten. Fand es die beste Lösung.

Im Innenspiegel sah ich ihre glänzenden Augen.
Rückspiegel?
Innenspiegel ist m.E. schon richtig. Kann sein, dass es regional abweichend sein kann.
(Habe nachgeschaut: Innenspiegel = Rückspiegel, der im Inneren eines Kraftfahrzeugs in der Mitte über der Windschutzscheibe angebracht ist.")

Da gehe ich zeitlich nicht mit, er holt sie ab, als die Sonne noch scheint, und sie fahren echt die ganze Nacht durch die Innenstadt? Really? Das gibt der Text nicht her, dass erfahre ich über diese (indirekten) Zeitangaben, was mich dann überrascht und mir unglaubwürdig vorkommt.
Die Sonne kann auch noch um 20 Uhr scheinen (gerade zur jetzigen Jahreszeit, abhängig auch vom Ort).
Ja, ist schon wenig lang die Fahrt, gebe ich zu.
Ich denke nochmal drüber nach. Danke für die Anregung.

„Meine Tochter … meine Frau …“, sagte ich zögernd.
Du setzt hier ja Pünktchen, willst aber dennoch sichergehen, dass der Leser das kapiert. Entbehrlich, finde ich.
Gekauft!

„Was ist mit ihnen?“
Ich blinzelte eine Träne fort. „Ich musste beide zurücklassen. Vorerst.“
Ist mir 'ne Spur drüber.
Auch gekauft!

Später stoppten wir an einem Park. Sie stieg aus und setzte sich auf eine Bank, den Hut auf dem Schoß gelegt. Da saß sie, blickte in die Ferne ...
Ist hier vielleicht 'ne Kleinigkeit - aber exemplarisch -, ich bekomme keine Bilder, der Text liefert davon insgesamt recht wenig: leere Straßen, abendliche Stadt, Hauptverkehrsstraße, Handyshop, kleine Wäscherei, leer stehendes Gebäude ...
Hier der Park: Ist halt so ein Allgemeinplatz, dann blickt sie in die Ferne. Also um in einem Park in die Ferne blicken zu können, muss es ein besonderer sein, nicht?
Der Park scheint tatsächlich ein besonderer Ort für die alte Dame zu sein, wo sie sich doch so lange dort aufhält.
Taxifahrer und Leser erfahren es (aber) nicht. Muss ja auch nicht unbedingt durch die Dame gesagt werden, was es damit auf sich hat, finde ich.

Wenn man es nicht anders wusste, hätte man „Haus Erholung“ für ein Seniorenheim oder Kurhotel halten können.
Also ein Hospiz. Warum so viel Geheimnis darum?
Die Dame und der Taxifahrer wussten es von Anfang an.
Der Leser erfährt es am Schluß, das stimmt. Ich finde das nicht so schlimm.
Vielleicht gibt es aber noch weitere Leser, die sich deswegen melden. Mal sehen.

Ich spürte, wie sie zitterte. „Sie haben mir einen kleinen Moment der Freude geschenkt. Danke dafür.“ Sie verzog die Lippen zu einem dünnen Lächeln.
Wer hat jetzt wem ein wenig Freude spendiert? Von Freude lese ich auch nichts im Text. Oder hab' ich das überlesen?
Es ist schon auf eine Art eine Freude für die Dame. Sie hat in Erinnerungen geschwelgt, zum letzten Mal ihre Heimat und die besonderen Orte gesehen, zu denen sie und ihr Mann starken Bezug hatten.
Ich habe mal "Freude" in "schöne Stunden" geändert. Das ist wahrscheinlich ein besserer Ausdruck.

„Den Zeitungsartikel habe ich gestern gefunden. In einem alten Lederkoffer, der im Keller versteckt war.“
Also noch vor dem Herzinfarkt hat der Mann den Zeitungsartikel ausgeschnitten, auf die Beute gelegt und allesamt im Keller versteckt, der nicht mal richtig abschließbar ist. Echt jetzt?
Genau. Er wollte damit seiner Frau sagen/zeigen, woher das Geld ist, wohl auch sein Gewissen erleichtern. Sie hatte es womöglich nicht gutgeheißen, wenn er es direkt gesagt hätte. So weiß sie, dass es Beute ist und kann entsprechend handeln, mag sein Gedanke gewesen sein.
Warum den Koffer abschließen? Wer hätte denn den Koffer außer seiner Frau finden können? Das Geld sollte sie ja verwenden, da wäre ein abgeschlossener Koffer eher hinderlich.

Ich verstehe nicht ganz, was den Taxifahrer jetzt in Erinnerungen treibt. Irgendwie fehlt mir hier der Übergang.
Wahrscheinlich denkt er schon seit langer Zeit an nichts anderes. Gerade an einsamen Nächten. Womöglich ist das, an das er denkt, auch in der Morgendämmerung passiert. Muss aber nicht unbedingt.

Ich stieg über den Jägerzaun; die Kellertür war leicht aufzubekommen. Eine Treppe führte hinauf in die Wohnung.
Das klingt so, als wüsste er, dass er in die Wohnung hoch muss. Er muss aber doch davon ausgehen, dass der Koffer im Keller zu finden ist.
Sehr guter Hinweis. Da habe ich den entspr. Hinweis vergessen.
ist nachgeholt:
„Beeilen Sie sich! Morgen Mittag kommt die Caritas, um die ganzen Sachen abzuholen, die in der Stube stehen.“

Ich werde mit deiner Geschichte einfach nicht warm, GoMusic, ich weiß auch nicht so recht, auf was der Text hinauswill. Flüchtling, Hospiz, Bankraub ... Auf mich wirkt das alles ein wenig willkürlich zusammengewürfelt, bis es halt irgendwie zusammenpasst.
Schade, dass du nicht warm wirst mit der Geschichte.
@kathso60 hat so schön zusammengefasst, was der Text ihrer Meinung nach aussagen/ansprechen mag, das könnte ich nur wiederholen, aber nicht in bessere Worte fassen.

Lieben Dank, hell.
Schönes Wochenende.
LG, GoMusic
 
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19.04.2020
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Also noch einmal : Meines Wissens nach heisst es "in grossen Lettern" und nicht "in grossen Letten".
Ich hoffe, ich habe mich verständlich machen können und werde diesmla nicht gelöcht.
Schönen Sonntag
DF
 
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24.07.2020
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Ganz kurz inhaltlich: irgendwie ein bekannter Plot.
Nicht nur ein bekannter Plot, die ganze Geschichte kommt mir bekannt vor. Ich meine, sie vor langer Zeit gelesen zu haben. Alte Frau bricht aus Pflegeheim aus, lässt sich im Taxi durch die Stadt chauffieren, etc. Hast du die Geschichte evtl. sonstwo und vor mehreren Jahren schon veröffentlicht?

Edit: Inzwischen habe ich den anderen Text gefunden. War das eine Übung von dir, bist du der originale Autor, oder hast du ein Plagiat veröffentlicht?
https://www.triangel-zug.ch/wp/wp-content/uploads/2018/12/Geschichte_Taxifahrer.pdf

PS: Das Original wurde anscheinend auf Englisch geschrieben. Es findet sich keine Quellenangabe in den zusätzlichen Informationen. Ich tippe deshalb auf Plagiat.
 
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17.07.2020
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Hallo @GoMusic,

Dein Text liest sich leicht und flüssig. Ich hatte überhaupt keine Probleme mich in die Geschichte rein zu fühlen. Die Atmosphäre hast du sehr gut erzeugt. Ich hatte zwischendurch einen Kloß im Hals, weil mich deine Geschichte so gepackt hat. Sehr gut gemacht!

Viele Grüße
MichiTerra
 
Wortkrieger-Team
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22.10.2011
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PS: Das Original wurde anscheinend auf Englisch geschrieben. Es findet sich keine Quellenangabe in den zusätzlichen Informationen. Ich tippe deshalb auf Plagiat.
Hallo lana91, ich antworte dir nicht als Moderatorin, sondern als ganz normale Userin. Ich finde diese Art, jemandem ein Plagiat zu unterstellen, ohne den Versuch, etwas zu klären, ausgesprochen unangenehm. Es wirkt rufschädigend auf mich und eher wie eine Art persönlicher Rachefeldzug. Warum schreibst du ihm nicht eine PM? Oder schreibst an das Mod-Team, dass man sich darum kümmern möge?
 
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23.03.2019
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@lana91: Nun, das Thema "Taxifahrer chauffiert alte Dame zum Hospiz und sie macht mit ihm daraus eine Stadttour durch ihre Lebensgeschichte" hat zweifellos auch die vorliegende Geschichte. Allerdings ist dies hier nicht der eigentliche Inhalt, sondern Rahmenhandlung, die Essenz ist eine ganz andere.

Verfilmt von nem Disneykonzern wäre für die Moderation evtl. Anlass die Geschichte rauszunehmen. Weil Fanfiction hier laut den Regeln nicht geht. Einfach weil bei einem privat betriebenen Forum etwaige Rechtsstreits, gar schon Abmahnungen, womöglich gleich an die Substanz gingen.

Plagiatsverwürfe auf so unsicherer Basis werfen ein in der Tat ungünstiges Licht auf dich als selbsterklärter ehrenamtlicher Plagiatsdetektiv. Ganz mieser Job. Nix dagegen, gibt ja die absonderlichsten Hobbys. Aber wie wäre es, wenn du solche Hinweise unter kaltem Wasser abschreckst, bevor du sie hier vom Stapel lässt? "Dieser Text erinnert mich stark hieran (Link). War das ne frühe Version von dir, oder deine Inspirationsquelle?" - nur so als Beispiel. Ob die Ähnlichkeiten frappierend sind or nicht, da du weder den einen noch den anderen Text geschrieben hast, kannst du dich zurücklehnen.

Ich habe schon dreißig Texte geschrieben und unter Garantie gibt es Ähnlichkeiten zu anderen Texten, die ich nicht kenne. Wurde ja alles schon geschrieben, was ich denke. Na gut, vieles.
 
Monsieur le Directeur
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07.02.2000
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Beide Fälle geprüft, beide Fälle sind nicht als Plagiat anzusehen. Solltest du in Zukunft ähnliche Vorwürfe hervorbringen wollen, @lana91, dann verwende bitte die Melden-Funktion. Solltest du nur hier sein, um sinnlos Stunk zu machen, dann darfst du dich direkt wieder verabschieden.
 
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23.03.2019
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@GoMusic: Lass die Dame doch wenigstens die Tankfüllung bezahlen, da er bestimmt tanken muss bei Fahrt durch die Nacht, oder? Ich stell mir vor, wie sie sich heinzelmännchenhaft nützlich macht, während er müde an der Zapfe steht ... Und der Tankwart dann nur so, "hat ihre Mutter schon bezahlt" oder so, und sie, die bereits auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat, lacht sich ins Fäustchen.
Wenn ich der Geschichte etwas vorwerfen kann, ist es die grobe, wenig individualisierte Figurenzeichnung.
Oder, wenn du schon dich weigerst, meine genialen Ideen umzusetzen, dann sorg doch bitte wenigstens für etwas Weltfrieden. Göttlich genug schreibst du ja schon. Der Text hat mir gefallen!
 
Mitglied
Beitritt
24.07.2020
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23
@wörtherr In diesem Fall hatte ich ursprünglich vorsichtig gefragt (Übung? Spiel?). Da die Ähnlichkeiten so frappant waren, las ich weitere Texte und stiess wieder auf übernommene Handlung und Sätze ohne Quellenangabe. Danach verschärfte ich den Ton nochmals. Den Rest habe ich nun wie angeregt per privater Nachricht geschrieben.

Solchen Reaktionen (wie die meine) können übrigens ganz einfach proaktiv durch Angabe der Quelle vorgebeugt werden. Obs nun eine leichte Inspiration ist, oder zuweilen nur Sätze neu geschrieben werden. Es ist dafür im Formular sogar ein Feld vorgesehen.
 

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