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gesellschaft

Genre: gesellschaft

  1. Beim Besuch der Toten

    Der Aufzug rauscht schleifend in die Tiefe. Kurz schließen sich meine Augen. Als ich sie erneut öffne, hat sich nichts geändert. Meine Hoffnung, in eine andere Realität gerutscht zu sein, hat sich nicht erfüllt. Der rundliche Mann mit Dreitagebart steht immer noch in seiner blauen Montur neben...
  2. Stille Verbundenheit

    Bereits im Februar hat sich mit konstanten zwanzig Grad ein Gefühl von Frühling ausgebreitet. Vor drei Tagen öffnete das Eiscafé, nur ein paar Straßen entfernt, geführt von der freundlichen, italienischen Familie. Jeden Tag sind sie im Einsatz, von zehn bis zwanzig Uhr, bis sie Ende Oktober...
  3. Das Armenviertel

    Viktor fühlte sich gebackpfeift als er seine Haustür öffnete. Er blieb unwillkürlich stehen. Kalter Regen peitschte die nackte Haut seiner Wangen. Er stand zwar noch in der Türschwelle, wusste aber jetzt schon, dass sein Gesicht rissigrau und seine Nase knallrot werden würde. Er schnappte sich...
  4. Knödel

    Es ist Freitagabend und Horst ist eben aus dem Büro nach Hause gekommen; er betritt das Esszimmer und entdeckt, dass Helga schon wieder Grützenschleimknödel gekocht hat. Sie ist soeben mit Tischdecken fertig. Er begrüßt sie kurz und fügt hinzu, er wisse nicht, wo überhaupt noch ihre Achtung sei...
  5. Serie "Seelenruhig" aus "Lehrgefäß"

    Seelenruhig 1982 - Herbst - Grafenstein Ost Martha Proph, geborene Schvartz, geboren am 12.01.1961 in Bad Berken, wohnhaft in Grafenstein Ost Promoviert an der Universität zu Freiborg, Fachrichtung Sonderpädagogik, Schwerpunkt Geografie und Mathematik (6 Semester) Er ist ganz ruhig. Er...
  6. Das Exit

    Das Exit ist ein wundersamer Ort, an dem die Sorgen der Vergangenheit angehören. Man lebt, liebt und tanzt dort zu magischer Musik. Doch das Exit ist nicht für jedermann. Der Preis für den Einlass ist hoch, sagt man. Reihum werden die Hunde und Schweine von den Wächtern abgewiesen. Die...
  7. (Nicht) Nichts

    Ich drehe mich. Immer schneller. Über mir: Schwarz. Die Sterne verschwimmen. Der kalte Nachtwind streift mein Gesicht. Meine Füße setzen kleine Schritte, immer um die eigene Achse. Und doch fühlt es sich an, als würde sich die Welt um mich drehen – nicht ich mich in ihr. Michael steht an der...
  8. Thunfischpaste to go

    „Komm“, sagte Lea. „Gleich da vorn ist der türkische Markt. "Da gibt's die beste Thunfischpaste der Stadt.“ Kreuzberg zog ihn aus der Krise. Er war überwältigt von der Atmosphäre. Dem Guten wie dem Schlechten. Er musste an Amsterdam denken, als er die steinerne Brücke sah, unter deren grünem...
  9. Kaffeekränzchen

    Irgendwo am Rande eines Dörfchens, in einem Restaurant, das dem Ruf einer Kneipe knapp davonkam, wird nach einem wundervollen Abendessen ein heisser Kaffee serviert. Kurz darauf bringt die Bedienung ein kleines Geschirr aus Metall, auf dem in kleinen Becherchen und Tellerchen fein säuberlich...
  10. Ein Mann mit Format

    . Als der ehemalige Sozi und Greenpeace-Aktivist Andreas Böglmeier unabsichtlich den Schreibtisch seiner 18-jährigen Tochter Flavia durchsuchte, fand er eine aus der FAZ ausgeschnittene und mit Herzchen bemalte Heiratsanzeige und konstatierte schon nach wenigen Zeilen, dass die...
  11. Der Heimweg

    Michael und ich sitzen am Tisch. Michael ist ein enger Freund. Ich war gerade bei ihm und seiner Frau zum Abendessen eingeladen. Es gab griechische Kost. Wir sitzen am Tisch und es beginnt eine leichte philosophische Runde über das Gleichgewicht der Welt, finanzielle Gerechtigkeit, Politik und...
  12. Twizzle

    Die Stimme des Moderators sagt: „Schon wieder haben sie beim Twizzle gepatzt. Das gibt Abzüge." Im Laufe des Wettkampfes stellte sich heraus, dass jedes zweite Paar Probleme dabei hatte. Das Schöne daran war bloß, dass sie nicht aus großer Höhe herabfielen, sondern bloß irgendwelche falschen...
  13. Ein Kopf erzählt

    Als um Punkt sechs Uhr die Nationalhymne ertönte, wachte Oparin in dem Bewusstsein auf, dass irgendetwas anders war als sonst. Hatte er schlecht geträumt? Mit geschlossenen Augen blieb er noch eine Weile liegen und lauschte den eigens für ihn komponierten Klängen, während er versuchte sich zu...
  14. Wann immer was ist

    Das Telefon summte Niklas wach. Er griff zum Tisch neben dem Bett. Das Display blendete seine verschlafenen Augen und er musste ein paar Mal blinzeln, ehe er etwas sehen konnte. Niklas schob den Regler nach rechts und sagte nichts. Wer um die Uhrzeit anrief, musste sich erst mal erklären...
  15. Vom Brennen und Gefrieren

    Ein Knabe jungen Alters erreicht den Giebel seines Hauses. Blickt er umher, bemerkt er eine Kiste. Sie steht so alleine, fast zu unsinnlich. Voller Interesse läuft er mit leichter Eile hin zur Kiste. Ein Schritt, ein Gedanke an die Kiste. Ein Schritt, ein Moment neuer Ängste. Ein Schritt und...
  16. Die Amnesie des Paul H.

    Vom Urlaubstag bemerkt Paul Heffner nichts. Sein Geländewagen folgt dem Verlauf einer kargen Landstraße. An seinem Ohr hält er ein altmodisches Klapphandy. Missmutig kommentiert er: „Wir reden von nem kaputten Kühlschrank und nicht von nem Wasserrohrbruch.“ Kenny Jones, sein Angestellter, hält...
  17. Novelle Kälte

    Auch, wenn man ihn in Decken hüllte, wurde ihm nicht mehr warm. “Er bekommt dreimal am Tag die Bettpfanne, in der Nacht bei Bedarf. Seine Mahlzeiten sind um 7 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr. Auf die Minute genau. Sie müssen sicherstellen, dass die Speisen fein püriert sind. Sonst könnte er sich...
  18. Bügelfalten

    Ich öffnete die Haustür und starrte auf eine ausgestreckte Hand, die eine Visitenkarte hielt. „Guten Morgen, Herr Gaupp, Phillip Fischer von der Morgenpost. Wir waren für 10 Uhr verabredet." „Gewiss, kommen Sie herein.“ Wir setzten uns an den Kamin. „Was ist das für eine sonderbare Serie, die...
  19. Tics & Tricks & Pflichtbewusstsein

    Am frühen Vormittag wollte ihre Praxishelferin wissen, ob sie den Anruf einer ziemlich aufgewühlten Person durchstellen solle, einer Tia. „Sahra? Ich bin eben angekommen. Ich warte nur noch auf das verschissene Gepäck. Das was ich noch hab. Ist mir eminent wichtig. Wenn die das verbummelt haben...
  20. Rotverschiebung

    Es ist überall rot. Früher als erwartet, kommt halt darauf an, was man erwartet. Gestern noch dieses zarte Rosa, wie in den letzten Monaten – dann so was. Die sanften Farbtöne hatten die meisten bald ignoriert, sich damit abgefunden. Es bestand die Hoffnung, dass diese etwas lästige Anomalität...
  21. Die Suche nach den Farben

    Panama Zwischen den aufragenden Glastürmen Panamas kreisen Geier, die in der Stadt zwischen den Meeren eine ideale ökologische Nische gefunden haben. Containerschiffe am Horizont, die den Kanal in die eine oder andere Richtung durchqueren. Sie gleiten wie schlafende Tiere durch die Schleusen...

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