Was ist neu
  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

gesellschaft

  1. Irrfahrt

    Wir fahren durch den Wald, es ist Winter, es ist kalt; und ich beobachte durch die Fensterscheibe die Birken – die an meiner dunklen Sonnenbrille vorbeiziehenden Birken; und ich öffne meine Handtasche und nehme eine Valium und zünde mir eine Zigarette an. Im Radio läuft Be My Baby von den...
  2. Eine Nacht im Freien

    Der Regen prasselte erbarmungslos auf das Blechdach. Florian und Katja lagen darunter, dick eingepackt in ihre Schlafsäcke. Die nasse Kälte umgab sie wie eine zweite Haut und der dichte Nebel machte es unmöglich in die Ferne zu sehen. Katja schlief schon, aber Florian konnte, wie so oft, nicht...
  3. Die Witwe

    - 1 - Die Witwe wischte das lange Messer gründlich an ihrer Schürze sauber. Die letzten Spuren von Blut und Gewebe polierte sie fort und betrachtete die Klinge im ersterbenden Licht des Abendrots, wie sie die Strahlen der untergehenden Sonne reflektierte und Lichtblitze in den Raum verschoss...
  4. Vielleicht hinter Aachen

    Es wird jetzt wieder kühler draußen, und ich mach ja immer schon mittags die Fenster in der Küche zu, weil man nie genau weiß, Platzregen, Gewitter, kann alles passieren, und die Küche liegt eben im Wind, da regnet es voll rein. Regnet ziemlich oft in der letzten Zeit, also mehr als früher, denk...
  5. Die Schönheit

    Ich sitze in meinem grünen Rollstuhl und fahre auf dem Gehweg, die Eckernförder entlang. Die Bäume, die die Straße säumen, tragen schon unzählige Blätter, in den verschiedensten Grüntönen. Es ist ein warmer Sonntag im März und eine leichte Brise weht durch mein lichtes Haar. Der Himmel ist...
  6. Eintrag Tagebuch 2.345 - Besuch von Ben

    Und da sitze ich wieder hier. Tränen kullern meinen Wagen herunter. Alleine fühle ich mich, obwohl ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Meine Gefühle sind rein egoistisch veranlagt, dennoch fühle ich mich verloren, ungeliebt und als kleine Versagerin. Abgelehnt zu werden ist nicht schön und...
  7. Der Mann, der nicht weinen konnte

    Natürlich waren als Kind auch bei ihm die Tränen geflossen. Nach dem Hinfallen auf der Strasse, bei erbitterter Enttäuschung über das nicht gekaufte Spielzeug oder in ohnmächtiger Wut über typisch kindische Bagatellen. Nur schien es, als hätte er ein von der Natur zur Verfügung gestelltes, und...
  8. Wenn Liebe gemacht wird

    Kathi föhnte sich die Haare, Anne balancierte einen Plüschhund auf der nassen Badewanne und Anton ließ seine Lego-Figur das Regal hochklettern. Im Spiegel sah Kathi, wie seine Hand das auf dem Regal hängende Handtuch griff. Durch einen kräftigen Zug rutschte das Handtuch herunter und riss dabei...
  9. Macht

    Das holografische Dossier schwebt über dem gläsernen Schreibtisch. Auf seinem Deckblatt das Logo der Welthandelsorganisation mit der Überschrift „Globale Ressourcenverteilung“. In die Glasplatte sind kleine Diamanten eingefasst und reflektieren in vielfältigen Farben das Sonnenlicht. Mit der...
  10. Jahrmarkt

    Lainer hasste Volksfeste. Eifrige Ramschverkäufer, pöbelnde Freizeitalkoholiker und immer diese Ansammlungen von Halbstarken. Er verabscheute das ganze Schauspiel. Blöd nur, dass er als Bürgermeister der örtlichen Gemeinde kaum umhinkam, sich auf derlei Veranstaltungen zumindest blicken zu...
  11. Clubrausch

    Ich sitze hier unter Leuten und fühl mich leicht. Die Musik ist gut! Ich bewege meinen Rollstuhl durch den Club und drehe mich, als würde ich schweben. Ich nehme aufmerksame Blicke auf mich. Sie beobachten mich. Die Leute wundern sich, dass ich hier aufkreuze und unbeschwert meine Runden drehe...
  12. Die Kuh im Apfelbaum

    Tobi ist vom Regen aufgewacht. Die Tropfen prasseln an die Fensterscheibe, als würde jemand Erbsen dagegen werfen. Auch die Möwen machen so viel Lärm, dass Tobi sich im Bett aufsetzt und die Augen weit öffnet. Aber richtig gut sehen kann er trotzdem nicht. Alles ist grau und langweilig. Genau...
  13. 1988 - Eine Woche im Kreislauf - die Wirklichkeit eines unzerstörbaren 17jährigen

    1988 – ein beliebiger Montag Berufsschule. Ich habe verschlafen, der Sonntag war wohl zu lang. Ich hänge mir meinen dunkelbraunen Wildlederbeutel mit den Fransen und dem gummierten Motörheadpatch um den Hals. Das Ding habe ich von Ingolf, hat er aus Ungarn mitgebracht, und ist bei den Metallern...
  14. Im Rausch der Gedanken

    Für einen Samstagabend war die U-Bahn gut besetzt, platzte aber, anders als an Wochentagen, keineswegs aus allen Nähten, wodurch man nicht nur in den Genuss einer Sitzgelegenheit kam, sondern obendrein – solange man nicht ins Visier eines Schaffners geriet – seine Beine bequem am freien Platz...
  15. Zurückgelassen

    Ich traf an der Adresse ein und hupte. Nach wenigen Augenblicken hupte ich erneut, diesmal länger. Kurz überlegte ich, wegzufahren – schließlich hatte ich mich schon für heute bei der Zentrale abgemeldet, – stieg dann aus und klopfte an die Tür. „Einen Moment noch, bitte“, flüsterte eine Stimme...
  16. Ein seltsamer Morgen

    Er wachte auf. Die Sonne stand nur knapp über dem Horizont. Er blickte auf. In wenigen Minuten würde sein Wecker klingeln. Er richtete sich langsam auf. Sein Blick fiel auf eine große, braune, fast schon antike Kommode, die er bereits vor einiger Zeit reparieren wollte. Lange dünne Nägel ragte...
  17. Schneefresse

    Seit Stunden über den lehmigen Boden, Humpelschritte, klein, oh, viel zu klein. Amani, Amani. Ist Atem in dir? Noch Atem? Schrei ihn heraus, solange du Atem hast. Wenn er sich mit Husten vermischt, rotz ihn auch heraus. Rotz den gelben, dickflüssigen Schleim heraus. Wenn er blutig ist, würg auch...
  18. Drei Jahre

    Ich schlage einmal hart mit der Faust gegen die Wand des düsteren Flures, öffne langsam, fast wie in Trance, die Wohnungstür und gehe hinunter, um Marc an der Ecke zu treffen. Ich werde nie wieder in diese Wohnung zurückkehren und lasse Sina bewusstlos zurück. Bei meinem letzten Blick schien sie...
  19. Die Spinne

    Rot! Zwei rote Streifen. An einem grauen, nebligen Novembertag. Marie hielt den Teststreifen noch einmal vor das Fenster. Kein Zweifel möglich. Sie knipste das Licht an, obwohl es noch nicht einmal drei Uhr war. Vielleicht was falsch gemacht. Bestimmt. Marie las sich die Gebrauchsanweisung ein...
  20. Prüfung

    Als die ersten Sonnenstrahlen des Tages über den Horizont krochen und die Ausläufer der Insel erreichten, da war dies ein seltsamer Anblick für Kiku. Normalerweise schlief er zu diesem Zeitpunkt noch, aber das war ihm heute egal. Etwas an der Szenerie vor ihm verwirrte ihn. Etwas, dass ihm zuvor...
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