@alpha:
ich hab deinen langen Aufsatz über die 7 kosmischen Gesetze gelesen und fand ihn recht interessant und inspirirend! (hat ihn eigentlich sonst noch einer gelesen?)
Dann habe ich das Bedürfnis einmal zusammenzufassen, wie weit wir in unserer Diskussion bisher gekommen sind:
masterplans Theorie:
Das Ziel der Evolution unseres Universums ist die Menschheit bzw. eine aus ihm noch entstehende, weiterentwickelte Daseinsform.
Wendigo:
Das Ziel der menschlichen Evolution ist die Unsterblichkeit.
Alpha:
Nichts existiert ohne den Menschen. (aus fremder Quelle - aktueller wissenschaftlicher Stand).
So.
Ich habe bisher zwar noch keinen Magister in Philosophie (in ein paar Jahren aber), beschäftige mich allerdings privat mit diesem Gebiet schon seit einigen Jahren recht intensiv, besonders mit der sog. Erkenntnistheorie. All diese Dinge, die wir hier diskutieren sind zum Teil bereits seit der Aufklärung von genialen Menschen wie vor allem Kant und Schopenhauer ausgiebig durchdacht und diskutiert worden. Später, mit Planck, Heisenberg, Schrödinger und ihrer gemeinsamen Entdeckung der Quantenmechanik konnten auch erstmals experimentell genau die Theorien für jedermann nachgewiesen werden, welche gerade Schopenhauer bereits vor rund 150 Jahren in seinem "Welt als Wille und Vorstellung" beschrieb. Sicher würde er sich verzweifelt an den Kopf greifen, wenn er heute (noch) leben würde und mitansehen müsste, wie all die Dinge immer und immer wieder von neuem durchgekaut werden, zu deren Lösung er damals Jahre seines Lebens investierte! (soviel von meiner Seite in Sachen Empathie zu einem Unsterblichen (kommt bei mir nicht nur bei ihm vor...))
Okay, weiter. So verrückt (aber nicht absurd!) es klingen mag: Sowohl masterplan als auch Alpha (mit seinem Zitat des aktuellen wissenschaftlichen Standes) haben recht, wenn sie sagen, dass ohne die Wahrnehmung des Menschen in der Tat nichts existiert! (tut mir leid, raven!)
Das ist sowohl eine Konsequenz philosophischer wie (später, s. o.) physikalischer Erkenntnis.
Auch masterplans These, dass der Mensch die Wahrnehmung definiere ist einfach völlig richtig und hat nichts mit Arroganz zu tun (und überhaupt: in welchem Verhältnis?). Es ist tatsächlich so, dass es weit über semantische Definitionen hinausgeht, was ohne den Menschen existieren würde.
Nachfolgend der Versuch einer Beweisführung (Kritik erwünscht!):
*1.* "Die Welt als Wille und Vorstellung": Die Welt existiert ausschließlich als (subjektive) Vorstellung des Menschen.
*2.* Es ist ganz und gar unmöglich, die subjektive Wahrnehmung vom Menschen zu lösen um 100%ige Objektivität zu erreichen. Ergo: Alle Wahrheit ist subjektiv! (Kierkegaard)
*3.* Schopenhauer definierte das Universum in zwei zugleich sowohl identische als auch voneinander unterschiedliche Sphären: Das /Noumenon/ und das /Phänomenon/. Das /Noumenon/ ist das Absolute, Ewige, das hinduistische Nirvana (Schopenhauer ließ sich sehr von östlicher Philosophie inspirieren). Das /Phänomenon/ dagegen ist IDENTISCH mit /unserem/ Kosmos, aber WIR nehmen es als subjektive STRUKTUR wahr. Diese ist AUSSCHLIEßLICH hausgemacht, d.h. eine nicht-menschliche, intelligente Lebensform hätte bzw. hat sehr wahrscheinlich eine dermaßen andere Wahrnehmung des Universums, dass man diese einfach nicht mehr mit unserer vergleichen könnte. (unter anderem sehr anschaulich literarisch verarbeitet von Clarkes 2001 und Nachfolger)
*4.* Nichts ist nicht Nichts. Das ist keine Wortspielerei oder Spitzfindigkeit. Selbst da wo nichts ist, meinen wir gemeinhin lediglich, dass sich an diesem Ort keinerlei Materie befindet. Dennoch existiert dort etwas: Raum und Zeit. Wir kennen keinen Ort, an dem weder Raum noch Zeit existiert. Wir könnten diesen ja auch gar nicht wahrnehmen, denn um überhaupt wahrnehmen zu können, sind wir den /PHÄNOMENEN/ RAUM UND ZEIT auf Gedeih und Verderb ausgeliefert! Raum wie Zeit sind allerdings lediglich (zwangsläufig subjektive) ILLUSTIONEN. Das Absolute, das /Noumenon/, existiert UNABHÄNGIG von diesen STRUKTURINSTRUMENTEN.
*5.* Die scheinbare Existenz von MATERIE ist eine ILLUSION. (E*=*mc²!) Sie ist lediglich ein bestimmter Strukturzustand der Energie (Superstringtheorie)
*6.* Es gibt keine Ursache für die Entstehung des Urknalls. Sie resultierte aus einer ZUFÄLLIG entstandenen Struktur der reinen, ewigen Energie. (Atkins: "Schöpfung ohne Schöpfer).
*7.* Das Problem ist immer wieder, dass wir uns etwas vorzustellen versuchen, wofür weder unser menschlicher Wahrnehmungsapparat noch unser Verstand je ausgelegt wurde. Die Natur hat es nie gekümmert, ob wir das alles je begreifen werden. Die Evolution aber ist zu einem großen Teil ein Zufallsprodukt (dazu auch: Theorie des freien Willens). Deshalb kann es sein, dass wir irgendwann einmal mehr begreifen werden.
*8.* Gesetzt den Fall der Existenz einer außerirdischen, über Bewusstsein verfügende Spezies: Es käme der EXISTENZ (Definition: es gibt KEINE OBJEKTIVE Existenz, nur SUBJEKTIVE!) eines komplett anderen Universums gleich! Zu jeder Spezies gehört ein anderes Universum! (Beispiel: Eine Lebensform, welche keine Materie wahrnehmen kann, und deshalb zwangsläufig eine völlig andere Struktur des Universums wahrnimmt. Absurd? Keinesfalls! - ich verweise auf diverse Ausführungen der Erkenntnistheorie, Kant oder später auch Russel)
Schlussendlich (ich hoffe, ich habe nichts vergessen) folgt aus all diesen Punkten ganz einfach, dass der Mensch in einem gewissen Sinne (und darauf basiert z. B. die ganze Astrologie - das äquivalente Gegenstück zur Astronomie bzw. Physik auf rein psychologischer und damit subjektiver Basis) tatsächlich der Mittelpunkt des Universums ist, denn alles um ihn herum (in Nuancen gilt das auch jeweils für jeden einzelnen Menschen) ist wie ein Bild, welches nur er sehen kann wie er es eben sieht. Wenn ein Nicht-Mensch dasselbe Bild sieht, aber etwas völlig anderes darin sieht (vergleiche: die dualistischen Zeichnungen von Escher), wie soll man dann vergleichen? Wie nimmt eine Lebensform, welche keinen Raum kennt, einen Stuhl oder einen Tisch wahr? Wenn ich behaupte, der Stuhl oder der Tisch existiert, habe ich dann recht? Nur, weil ich diese Erkenntnis mit Milliarden anderer Menschen, aber eben nur Menschen und nicht Nicht-Menschen teile?
Andersherum: Ich behaupte etwa, Einhörner existieren. Und ich habe recht! Denn sie existieren in meiner persönlichen Vorstellung, in meiner Phantasie. Muss ich diese erst mit einer Zahl anderer Menschen teilen, damit diese wirklich existiert? Wenn ja, mit wie vielen?
Und noch einmal: Da es keine objektive Existenz gibt (wieder: Welle-Teilchen-Dualismus der Quantenmechanik) gibt es nur subjektive. Das heißt praktisch nichts anderes als: Alles existiert und existiert gleichzeitig nicht, je nach Standpunkt! (Das ist ja gerade der Witz an der Quantenmechanik, wie auch bei Schrödingers Kätzchen)
Und zum Schluss noch eins obendrauf: Da wir uns ja noch nicht einmal selbst kennen (wer KENNT schon sein Unterbewusstsein und seine Kontrolle über einen (nicht nur die Triebe)), werden wir auch noch (lange) Zeit brauchen, das uns "umgebende" Universum kennenzulernen. Denn erst, wenn wir uns selbst vollständig kennengelernt haben, begreifen wir auch das Äußere. Denn das Innere und das Äußere ist doch letztendlich dasselbe, nur in einer alternativen Erscheinungsform.
@masterplan:
Konnte ich dir weiterhelfen?
[Beitrag editiert von: Die philosophische Ratte am 03.02.2002 um 02:17]