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Am Aquädukt

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03.10.2020
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Am Aquädukt

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.

Das erste Mal am Aquädukt waren wir mit der Schulklasse. Herr Lenning hatte uns mit einem Kleinbus hingefahren und gab uns die Aufgabe, das Bauwerk mit Bleistift auf das Papier unserer Klemmbretter zu zeichnen. Der Tag war mild und die Sonne schien durch die Aquäduktbögen, ließ die alten Steine in diesem Licht glimmen, das mich bis heute nicht mehr loslässt. Unsere Blätter raschelten, während wir mit der Klasse oben in der Böschung saßen und Herr Lenning darauf achtete, dass niemand zu nah heranging.
Unten zog der Fluss träge dahin. Die Spiegelung der Bögen lag so klar darauf, als hätten die Architekten eine exakte Kopie des Aquädukts ins Wasser gebaut. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass an diesem Ort eine zweite Brücke existierte, die durch das Sonnenlicht dieses Frühlingsnachmittags geradewegs in meine Sinne führte, Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte. Wobei das mit der exakten Kopie nicht ganz der Wahrheit entsprach. Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als wenn ich sie direkt zählte.
Ich sprach Herrn Lenning darauf an und in der Klasse entbrannte ein Streit darüber, wer recht hatte. Auf keiner Zeichnung stimmte die Anzahl der Bögen überein. Schließlich sagte Herr Lenning, keiner von uns habe einen Fehler gemacht, es sei lediglich eine Frage der Perspektive, und da wir als Schüler alle Individuen seien, wären unsere unterschiedlichen Ansichten ganz natürlich.
Aber ich dachte sofort daran, dass es nur eine Ausrede war, denn ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte. Ich hockte neben Benjamin, damals wohnte er noch in der Stadt, und schon da war uns beiden klar, ohne dass wir es aussprechen mussten, dass das Aquädukt die neue Muse für unsere Geschichten sein würde.

Benjamin und ich hörten weder Rap noch Metal, wir waren keine Skater und auch mit den Bauernkindern und ihrem Wissen über Landmaschinen und Tiere hatten wir nur wenig gemeinsam. Unsere Geschichten verbanden uns. Während die anderen Jungs sich über Mädchen und ihre ersten Zigaretten unterhielten, vielleicht geklautes Bier von ihren Vätern tranken, hockten wir bei mir im Keller und schrieben uns die Fantasie von der Seele. Das war auch der Grund, warum wir das Aquädukt anders betrachteten als die anderen.
In unserer Vorstellung führte es noch Wasser, auch wenn Teile seines Mauerwerks bereits abgebröckelt waren. Aber nicht nur das: Für uns war es ein Fluss, der in ein unbekanntes Land führte, das am Grund eines tiefen Stausees lag, wo die Erinnerungen des Aquädukts gespeichert waren. Von dort wurde die Vergangenheit unserer Stadt zu uns getragen, Geschichten von einer vergessenen Zivilisation vor Hunderten von Jahren, und wir erfanden die Charaktere, die sie bevölkerten. Diese Beschäftigung nahm den Großteil meiner frühen Jugend ein und entfernte mich weiter von meinen Klassenkameraden.

Ich war schon in der Sechsten, als Sari zu uns kam. Sie war mit ihren Eltern aus Sri Lanka geflüchtet. Beim Klang dieses Namens musste ich sofort an das Land am Grund des Stausees denken. Alter und Fremdheit schwangen darin, und ich verlor mich in Tagträumen, bis mich Herr Lenning tadelte und die anderen Jungs lachten, und untereinander flüsterten, ich sei ein Weirdo und ein Spasti. In Sari aber fand ich eine weitere Person, die bereit war, meinen Geschichten zu lauschen, und dank ihrer Hilfe gelang es mir, mich soweit zu erden, dass ich keine so große Angst vor der Zukunft mehr hatte, weil ich lieber den Moment lebte.
Ich erinnere mich noch genau an den ersten Tag, an dem ich mich sofort in ihre Andersartigkeit verliebte. Nicht weil ihre Haut dunkler war als meine oder ihr Haar schöner und glänzender als das der Mädchen in der Klasse. Sie strahlte eine Ruhe aus – in ihrem Blick, in ihren Bewegungen –, die zugleich erstaunlich und erschütternd wirkte, gemessen an dem, was sie mit ihrer Familie zweifelsohne erlebt haben musste. Wenn sie sprach, lag diese Ruhe ebenso in ihrer Stimme und ich konnte nie genug von ihren Worten bekommen, auch wenn sie nicht gut Deutsch sprach und es teilweise etwas schief klang. Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.

Meine Lehre zum Bäcker, die viel zu kurze Zeit mit Sari und der Wegzug von Benjamin in eine andere Stadt – alles floss über das Aquädukt in den Erinnerungsspeicher des Stausees. Auch die Wut meines Lehrmeisters über verbrannte Brote, mein ständiges Verschlafen und die Nähe zu Sari, weil er ein Rassist war, folgten meinem dahinrinnenden Leben dorthin.
Von Benjamin habe ich nie wieder gehört. Ich durchsuchte das Internet nach seinem Roman, den er hatte schreiben wollen. Am Aquädukt. So sollte der Titel lauten. Er gefiel mir von Anfang an. Aber er war zusammen mit Benjamin in den Schatten des Bauwerks verschwunden, aus meinem Leben verdrängt, von einer Kraft, die erst als leichtes Rinnsal, aber zunehmend als rauschender Strom über die Bögen floss.
Von da an verbrachte ich jede freie Minute mit Sari und sobald das Wetter nach dem Winter aufklarte, fuhren wir mit dem Bus aus der Stadt, um die Bögen des Aquädukts zu zählen. Oder um unter ihnen auf unserem Bett aus Schilf zu liegen und einfach nur nach oben zu sehen.

Eines Morgens fanden Wanderer Saris Körper am Fuße des Aquädukts. Weder äußerlich noch innerlich wies sie Verletzungen auf und die Ärzte schoben ihren Tod auf einen plötzlichen Herzstillstand. Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
In den Jahren ohne sie tröstete es mich, weiterhin die Bögen zu zählen. Mit jedem Jahr, das ich unter dem Aquädukt verbrachte, wurden sie zahlreicher. Mein altes Leben als Bäcker hatte ich längst verloren. Manchmal grillte ich einen Hering, weil mich die Fischer dazu einluden, und wenn sie wegblieben, jagte ich mit einem zugespitzten Stock von Hand. Ich filterte Wasser durch meine Kleidung und legte mir einen Vorrat essbarer Wurzeln und Kräuter an, schlief in meiner Hütte aus Holz und Schilf, wenn die Winterkälte mir drohte, die Zehen zu erfrieren. Und so überlebte ich bis heute.

Schwarz überspannen die Bögen den Fluss. Ich sitze in der Böschung, am Aquädukt, wie damals die ganze Klasse mit Herrn Lenning, und verfolge die Schwünge nicht mit dem Bleistift, sondern mit einem Finger. Wie viele es sind, ist unmöglich zu zählen. Ich stelle mir vor, dass ich von weit oben Saris Gesicht erkennen könnte und wie ich sie am Ende des Aquädukts wiedersehen würde.
Dann stehe ich auf, gehe auf das Aquädukt hinaus, Steine knirschen unter meinen Schuhen und ich muss aufpassen, nicht zu straucheln, weil ich mich so leicht fühle. Je weiter ich gehe, desto länger erscheint mir der Weg, und das Rauschen des Wassers beruhigt meine Angst vor der Höhe. Bis ich an einen Punkt komme, von dem ich in beide Richtungen blicke, die Arme ausgebreitet, und die Quader des Bauwerks sich in der Dunkelheit verlieren.

 

Hey @deserted-monkey,

der Text gefällt mir ausgesprochen gut, er lebt von dem starken Bild der Aquädukts, das für manche Betrachter Wasser führt, für andere nicht und niemand kann sagen, wieviele Bögen es überspannt. Ein surreales once-in-a-lifetime-Erlebnis, das tief prägt, was auch hierdurch bestätigt wird:

Der Tag war mild und die Sonne schien durch die Aquäduktbögen, ließ die alten Steine in diesem Licht glimmen, das mich bis heute nicht mehr loslässt.
Er wird von diesem Ort an die Hand genommen und nicht mehr losgelassen. Mit dem Spüren dieser Magie ist er nicht alleine, auch Benjamin und Sari empfinden eine ähnliche Anziehung und das trägt die Verbindung zu ihnen.
Das erste Mal am Aquädukt waren wir mit der Schulklasse.
Das ist der erste Satz nach deinem vorangestellten Prologsatz, den ich nebenbei gesagt nicht bräuchte, weil er das Ende vorwegnimmt. Für mich ist das Zitierte der eigentliche Anfang. Deshalb finde ich das schwache und unspezifische Verb "waren" störend. Ich habe direkt die nächsten Sätze mit Fokus auf den Duktus gelesen und festgestellt, dass du danach ganz anders schreibst, präzise und gehoben.
Die Spiegelung der Bögen lag so klar darauf, als hätten die Architekten eine exakte Kopie des Aquädukts in die Erde gebaut.
Beim Versuch, das nachzuempfinden, brachte ich das spiegelglatte Wasser nicht mit der in die Erde gebauten Kopie überein. Vllt. wäre es einfacher und anschaulicher, wenn die Kopie auf das Wasser gelegt worden wäre?
Ich wurde das Gefühl nicht los, dass an diesem Ort eine zweite Brücke existierte, die durch das Sonnenlicht dieses Frühlingsnachmittags geradewegs in meine Sinne führte, Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte.
Sehr schön! "Ich wurde das Gefühl nicht los" trifft es nicht ganz, denn er beschreibt kein Gefühl, sondern eine Imagination. Vllt. besser: In mir wuchs der Eindruck, dass ...
Wobei das mit der exakten Kopie nicht ganz der Wahrheit entsprach. Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als wenn ich sie direkt zählte.
Auch sehr schönes Detail, das bringt ein Element des magischen Realismus in den Text, auch später, wenn du darauf zurückgreifst und das variierst.
Schließlich sagte Herr Lenning, keiner von uns habe einen Fehler gemacht, es sei lediglich eine Frage der Perspektive, und da wir als Schüler alle Individuen seien, wären unsere unterschiedlichen Ansichten ganz natürlich.
Haha, jeder Jeck ist anders, guter Herr Lenning, aber heimlich versucht er doch selbst mehrfach nachzuzählen, vergeblich!
und schon da war uns beiden klar, ohne dass wir es aussprechen mussten, dass das Aquädukt die neue Muse für unsere Geschichten sein würde.
Weiß nicht, eine Muse ist für mich eine greifbare Figur, von der Herkunft des Wortes her eine griechische Göttin und kein Erlebnis, kein Ort. Da würde ich eher neutral von Inspiration sprechen.
Benjamin und ich waren Außenseiter. Wir hörten weder Rap noch Metal, wir waren keine Skater und auch mit den Bauernkindern und ihrem Wissen über Landmaschinen und Tiere hatten wir nur wenig gemeinsam.
Das Durchgestrichene ist mir zu sehr Zaunpfahl. Das geht doch aus den Beschreibungen hervor.
Das war auch der Grund, warum wir das Aquädukt anders betrachteten als die anderen.
In unserer Vorstellung führte es noch Wasser, auch wenn Teile seines Mauerwerks bereits abgebröckelt waren.
Schön, eine spezielle Verbindung zweier verwandter Seelen zu einem besonderen Ort.
Für uns war es ein Fluss, der in ein unbekanntes Land führte, das am Grund eines tiefen Stausees lag, wo die Erinnerungen des Aquädukts gespeichert waren. Von dort wurde die Vergangenheit unserer Stadt zu uns getragen,
Das bringt mich etwas raus, weil ich "gespeicherte Erinnerungen eines Aquädukts" mit keiner Vorstellung verbinden kann. Auch klingelt für mich bei "Wassererinnerung" direkt der Esoterikalarm und triggert Abwehrreaktionen. Woraus konkret kann die Erinnerung bestehen? Der Geschmack des Wassers nach Eis und Bergen? An Ereignisse, die sich dort zutrugen? An bestimmte Menschen und ihre Taten?
Von dort wurde die Vergangenheit unserer Stadt zu uns getragen, Geschichten von einer vergessenen Zivilisation vor Hunderten von Jahren, und wir erfanden die Charaktere, die sie bevölkerten. Diese Beschäftigung nahm den Großteil meiner frühen Jugend ein und entfernte mich weiter von meinen Klassenkameraden.
Du gibst direkt die Antworten, deshalb würde ich darauf achten, bei dem Überleitungssatz dahin nicht zu sehr zu behaupten.
In Sari aber fand ich eine weitere Person, die bereit war, meinen Geschichten zu lauschen, und dank ihrer Hilfe gelang es mir, mich soweit zu erden, dass ich keine so große Angst vor der Zukunft mehr hatte, weil ich lieber den Moment lebte.
Das Fette kommt mir zu schnell, entwertet den guten Satzanfang, weil es etwas tellt, wozu du besser etwas anschaulicher und ausführlicher schreiben würdest.
Nicht weil ihre Haut dunkler war als meine oder ihr Haar schöner und glänzender als das der Mädchen in der Klasse.
Das würde ich vorsichtiger behandeln, es sind doch Äußerlichkeiten, die eben nicht die Andersartigkeit beschreiben, in die er sich verliebt hat. Es ist vielmehr ihre Art, ihre Ruhe, die ihn fasziniert. Und dennoch beschreibst du grenzwertig am Klischee kratzend genau diese Unterschiede, die keine Rolle spielen? Das hier:
Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.
finde ich ein sehr schönes und sehr passendes Detail, das mir persönlich zu ihrem Äußeren genügen würde.
Meine Lehre zum Bäcker
Ein handwerklicher Beruf, den ich mit deinem Prota nicht übereinbringe. Für mich ist er ein Tagträumer, da würde ev Buchhändler passen oä? Auf jeden Fall ein Beruf, der ihm die Möglichkeit gibt, seinen Gedanken und Träumereien nachzugehen.
alles floss über das Aquädukt in den Erinnerungsspeicher des Stausees.
okay, der Nebensatz ist weniger ein Fremdkörper, das passt schon iwie, diese Erinnerungfunktion des Stausees bedarf aber mMn einer spezifischeren Einbettung im Vorfeld.
Auch die Wut meines Lehrmeisters über verbrannte Brote, mein ständiges Verschlafen und die Nähe zu Sari, weil er ein kleiner Rassist war, folgten meinem dahinrinnenden Leben dorthin.
Ein Satz, der sich an seiner Struktur bis zum Unverständlichen hin verknödelt. Der bedarf der Begradigung. Was ist ein kleiner Rassist? Abgesehen von der verharmlosenden Relativierung passt das nicht zur Denke und zum Duktus deines Protas.
Von Benjamin habe ich nie wieder gehört. Ich durchsuchte das Internet nach seinem Roman, den er hatte schreiben wollen. Am Aquädukt. So sollte der Titel lauten. Er gefiel mir von Anfang an. Aber er war zusammen mit Benjamin in den Schatten des Bauwerks verschwunden, aus meinem Leben verdrängt, von einer Kraft, die erst als leichtes Rinnsal, aber zunehmend als rauschender Strom über die Bögen floss.
sehr schön!
Von da an verbrachte ich die meiste Freizeit mit Sari und sobald das Wetter nach dem Winter aufklarte, fuhren wir mit dem Bus aus der Stadt, um die Bögen des Aquädukts zu zählen. Oder um unter ihnen auf unserem Bett aus Schilf zu liegen und einfach nur nach oben zu sehen.
Auch sehr schön. Allerdings würde ich "die meiste Freizeit" anders rüberbringen. "Jede frei Minute" oder "die Nachmittage"?
Eines Morgens fanden Wanderer Saris Körper am Fuße des Aquädukts.
Der Satz besitzt Impact, daer verdient einen Absatz davor.
Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
Auch das gefällt mir, wenngleich ich mit diesem Schlusspunkt Saris den Eindruck mitnehme, recht wenig über sie erfahren zu haben. Das ging mir persönlich zu flott und etwas drübergehuscht vom Kennenlernen bis zum Tod. Vor allem, weil die Figur im Text ein erhebliches Gewicht für den Prota hat. Das wird hierdurch bestätigt:
Manchmal grillte ich einen Hering, weil mich die Fischer dazu einluden, und wenn sie wegblieben, jagte ich mit einem zugespitzten Stock von Hand. Ich filterte Wasser durch meine Kleidung und legte mir einen Vorrat essbarer Wurzeln und Kräuter an, schlief in meiner Hütte aus Holz und Schilf, wenn die Winterkälte mir drohte, die Zehen zu erfrieren. Und so überlebte ich bis heute.
Er verliert seinen Job als Bäcker, wird durch Saris Tod aus der Bahn geworfen, reduziert sein Leben aufs Nötigste, bis es letztlich nur noch ums Überleben geht.
Schwarz überspannen die Bögen den Fluss. Ich sitze in der Böschung, am Aquädukt, wie damals die ganze Klasse mit Herrn Lenning, und verfolge die Schwünge nicht mit dem Bleistift, sondern mit einem Finger. Wie viele es sind, ist unmöglich zu zählen. Ich stelle mir vor, dass ich von weit oben Saris Gesicht erkennen könnte und wie ich sie am Ende des Aquädukts wiedersehen würde.
Dann stehe ich auf, gehe auf das Aquädukt hinaus, Steine knirschen unter meinen Schuhen und ich muss aufpassen, nicht zu straucheln, weil ich mich so leicht fühle. Je weiter ich gehe, desto länger erscheint mir der Weg, und das Rauschen des Wassers beruhigt meine Angst vor der Höhe. Bis ich an einen Punkt komme, von dem ich in beide Richtungen blicke, die Arme ausgebreitet, und die Quader des Bauwerks sich in der Dunkelheit verlieren.
Schöner logischer Schluss, fast eine Traumsequenz, rauschendes Wasser, ein immer länger werdender Weg, die Unmöglichkeit die Bögen zu zählen, die Realität schwebt zwischen Himmel und Erde.

wie gesagt sehr gerne gelesen! Peace, l2f

 

Hey @linktofink

Vielen herzlichen Dank für deine schnelle Reaktion! Und danke auch fürs Lesen und deine Zeit natürlich. Freut mich, dass Dir die Geschichte gut gefallen hat und Dich die Atmosphäre und die Symbolik soweit erreichen und abholen konnten, auch bedanken will ich mich für die Stellen, die Dir gut gefallen haben. Ich habe dein Lob gerne gelesen, aber auch die kritischen Anmerkungen, für die wir ja schlussendlich alle hier sind. Gerne gehe ich auf deinen Kommentar ein.

Das ist der erste Satz nach deinem vorangestellten Prologsatz, den ich nebenbei gesagt nicht bräuchte, weil er das Ende vorwegnimmt. Für mich ist das Zitierte der eigentliche Anfang. Deshalb finde ich das schwache und unspezifische Verb "waren" störend. Ich habe direkt die nächsten Sätze mit Fokus auf den Duktus gelesen und festgestellt, dass du danach ganz anders schreibst, präzise und gehoben.
Den Prologsatz lasse ich mal noch stehen, aber Du hast das gut bemerkt, den Einleitungssatz habe ich erst nach dem Schreiben des ersten Absatzes noch hinzugefügt. Er ist mir so zugeflogen und klang einfach gut. Aber dass er das Ende vorwegnimmt, ist vielleicht nicht ein so guter Kniff, ich sehe es schon. Zum Satz danach: Ich überlege, den umzuschreiben, bzw. mit dem nachfolgenden Satz zu kombinieren:
Herr Lenning hatte uns mit einem Kleinbus zum Aquädukt gefahren und gab uns die Aufgabe, das Bauwerk mit Bleistift auf das Papier unserer Klemmbretter zu zeichnen.
Ich bin mir gerade noch nicht sicher, ob das besser ist, bedanke mich aber fürs genaue Lesen und darauf hinweisen!

Beim Versuch, das nachzuempfinden, brachte ich das spiegelglatte Wasser nicht mit der in die Erde gebauten Kopie überein. Vllt. wäre es einfacher und anschaulicher, wenn die Kopie auf das Wasser gelegt worden wäre?
Ich finde auch, dass das etwas holperig klang und war nicht vollständig damit zufrieden. Verstehe es, dass Du da ein wenig gestrauchelt bist und das Bild nicht ganz zusammensetzen konntest. Ich habe es nun leicht angepasst und hoffe, es ist jetzt besser.

Weiß nicht, eine Muse ist für mich eine greifbare Figur, von der Herkunft des Wortes her eine griechische Göttin und kein Erlebnis, kein Ort. Da würde ich eher neutral von Inspiration sprechen.
Auch hier überlege ich noch. 'Muse' gefällt mir im Kontext irgendwie besser, Inspiration klingt so neutral. Ich denke, es ist eher eine Geschmacksfrage, behalte den Punkt aber im Hinterkopf.

Das Durchgestrichene ist mir zu sehr Zaunpfahl. Das geht doch aus den Beschreibungen hervor.
Ja. Habe ich angepasst.

Das bringt mich etwas raus, weil ich "gespeicherte Erinnerungen eines Aquädukts" mit keiner Vorstellung verbinden kann. Auch klingelt für mich bei "Wassererinnerung" direkt der Esoterikalarm und triggert Abwehrreaktionen. Woraus konkret kann die Erinnerung bestehen? Der Geschmack des Wassers nach Eis und Bergen? An Ereignisse, die sich dort zutrugen? An bestimmte Menschen und ihre Taten?
Ich denke, hier wird die Metapher für die ganze Geschichte so etwas erklärt und ausgebreitet. Das ist vielleicht zu direkt, zu viel. Ich verstehe auch deine Abwehrreaktion, selbst habe ich auch überhaupt nichts mit Esoterik am Hut. Danke für die Fragen, die leiten mich hoffentlich in die richtige Richtung, also ich will die Stelle noch anpassen/glätten. Das ist ein sehr guter Hinweis!

Das würde ich vorsichtiger behandeln, es sind doch Äußerlichkeiten, die eben nicht die Andersartigkeit beschreiben, in die er sich verliebt hat. Es ist vielmehr ihre Art, ihre Ruhe, die ihn fasziniert. Und dennoch beschreibst du grenzwertig am Klischee kratzend genau diese Unterschiede, die keine Rolle spielen?
Auch hier gebe ich Dir recht. Es ist schon ein wenig grenzwertig, ich sehe es. Und genau, es ist nicht ihr Äusseres, in das er sich verliebt, sondern in diese unglaubliche Ruhe, die von Sari ausgeht. Ich habe schon eine Idee und schaue, wie ich da bisschen wegkomme von ihrem Äusseren und den Fokus mehr auf sie als Mensch legen kann. Du schreibst später auch, dass man als Leser Sari nicht so richtig kennenlernt, obwohl sie eine immens wichtige Figur für den Erzähler ist. Auch da gehe ich mit. Allzu viel kann ich wohl nicht hinzufügen, die Geschichte ist jetzt schon relativ lang für eine Flash Fiction, und ich hab da wohl den einfachen Weg genommen, einfach über ihre Äusserlichkeiten, habe mir wohl zu wenig zugetraut, diese Liebe für Sari in ein paar wenigen Sätzen oder Zeilen abzuhandeln. Ich arbeite aber dran :-)

Ein handwerklicher Beruf, den ich mit deinem Prota nicht übereinbringe. Für mich ist er ein Tagträumer, da würde ev Buchhändler passen oä? Auf jeden Fall ein Beruf, der ihm die Möglichkeit gibt, seinen Gedanken und Träumereien nachzugehen.
Den Bäcker möchte ich, zumindest im Moment, unbedingt behalten. Das hat schon einen Grund, weshalb der Erzähler diesen Beruf gewählt hat: Ich wollte damit einen Kontrast schaffen zu der eher poetischen Erzählweise und dann macht er eben was handfestes, etwas körperliches. Dann habe ich mir auch gedacht, der Beruf des Bäckers könnte etwas Symbolisches für ihn bedeuten. Brot, Wasser, Teig, Zeit. Vielleicht ist vor hunderten von Jahren mit dem Wasser des Aquädukts auch ein Mühlrad betrieben worden, dass dann das Korn zu Mehl gemahlen hat für die damaligen Brote. Nun ja, so zumindest die Überlegung, warum er diesen Beruf gewählt hat.

Ein Satz, der sich an seiner Struktur bis zum Unverständlichen hin verknödelt. Der bedarf der Begradigung. Was ist ein kleiner Rassist? Abgesehen von der verharmlosenden Relativierung passt das nicht zur Denke und zum Duktus deines Protas.
Ja, den Satz schaue ich mir noch einmal an, auch wenn ich persönlich jetzt nicht unbedingt Mühe damit habe. Beim 'kleinen Rassist' gebe ich Dir vollkommen recht, das war eine doofe Formulierung, die bei meinem Erzähler nichts zu suchen hat. Der Lehrmeister ist nun einfach ein Rassist, vielleicht ist das schon besser, aber ich schaue mal, wie ich es vielleicht noch weiter anpassen kann.

Der Satz besitzt Impact, daer verdient einen Absatz davor.
Absolut. Habe davor einen Absatz gegönnt. (und auch weiter oben noch einen, damit das optisch ein wenig 'gestaffelter' ist)

Schöner logischer Schluss, fast eine Traumsequenz, rauschendes Wasser, ein immer länger werdender Weg, die Unmöglichkeit die Bögen zu zählen, die Realität schwebt zwischen Himmel und Erde.
Super! Genau so sollte der Schluss wirken! Am besten gefällt mir 'die Realität schwebt zwischen Himmel und Erde'. Perfekt.

Vielen Dank, linktofink, da waren einige sehr gute Hinweise dabei! An einigen Stellen überlege ich noch und warte mal weiteres Feedback ab. Dir meinen besten Dank und einen schönen Sonntag.

Beste Grüsse,
d-m

p.s.: Ich habe deine Geschichte 'Fremde Federn' schon gelesen, bin aber noch nicht dazu gekommen, einen Kommentar zu verfassen. Hoffentlich wird das die Tage noch was.

 

Hi @deserted-monkey,

ich mag deine Geschichten gerne, aber der Text hier begeistert mich nicht so. Der wirkt auf mich so gewollt surreal. Aquädukt hier, Aquädukt da und dann sieht er das Aquädukt sogar in den Augenbrauen seiner Jugendliebe. Ich denke du brauchst einen stärkeren Konflikt, der durch den Text zieht. So wie er jetzt ist, zieht einen nur dein erster Satz in den Text, weil man sich fragt, wer Sari ist und was es mit dem Wasser auf dich hat. Aber ein richtiger Konflikt entsteht durch den Tod von Sari nicht wirklich. Sie wird tot aufgefunden, fertig. Auch die anderen Ereignisse sind nur kurz angerissen und fließen an einem vorbei, wie das Wasser auf dem Aquädukt. Jetzt fang ich auch schon an darüber zu schreiben ;).

Ein paar Details:

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.
Der erste Satz ist so abgekapselt vom Rest. Da würde ich noch etwas drumherumschreiben, denke ich.

die durch das Sonnenlicht dieses Frühlingsnachmittags geradewegs in meine Sinne führte, Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte
Das liest sich wie eine Erklärung des Textes, finde ich.

Aber ich dachte sofort daran, dass es nur eine Ausrede war, denn ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte.
Die Stelle finde ich cool. Dass alle Schüler eine unterschiedliche Zahl von Bögen zählen, ist eine gute Idee.

Lenning tadelte und die anderen Jungs lachten, und untereinander flüsterten, ich sei ein Weirdo und ein Spasti
Die Wörter Wierdo und Spasti passen nicht ganz zum Ton der Geschichte, finde ich. Das sticht so vulgär heraus. Man könnte den hinteren Nebensatz weglassen oder vielleicht eine andere Beleidigung nehmen.

Aquädukt
Ich hatte beim Lesen das Gefühl in jedem zweiten Satz das Wort Aquädukt zu lesen. Ist wahrscheinlich Absicht, damit man sich als Leser auch so darum dreht wie dein Prota, aber ich würde es an ein paar Stellen rausnehmen.

Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.
Das ist mir persönlich ein bisschen too much.

Der Kommentar liest sich wahrscheinlich sehr negativ, aber das Angemerkte ist auf jeden Fall Jammern auf hohem Niveau. Der Text ist gut geschrieben und dieses "Dahinfließen" des Lebens deines Protagonisten, das du vermutlich angestrebt hast, funktioniert für mich.

Beste Grüße
Klamm

 

Hallo @Klamm

Besten Dank fürs Lesen und deine Beschäftigung mit dem Aquä ... ich meine mit dem Text! Auch wenn ich deinen Geschmack wohl nicht so wirklich getroffen habe, ist deine Rückmeldung spannend und zeigt mir, im Vergleich zum vorherigen Kommentar, dass der Text wohl eine gewisse Ambivalenz auslöst, bzw. vielleicht sogar ein wenig polarisiert, zumindest was Lesererwartungen anbetrifft. Interessant, was Du schreibst. Gerne gehe ich auf deine Anmerkungen ein:

Ich denke du brauchst einen stärkeren Konflikt
Aber ein richtiger Konflikt entsteht durch den Tod von Sari nicht wirklich.
Es war mir hier eher wichtig atmosphärisch, symbolisch, ortszentriert (aquäduktzentriert :D) zu schreiben. Ich denke, die Flash Fiction hier hat durchaus einen Konflikt, vielleicht einen anderen, als Du erwartet hast: Ich lese das hier nicht als dramatischen Konflikt, sondern eher als existenziellen. Es geht um Verlust, Entfremdung, Aufgehen im Ort. Zudem denke ich, ist der Text so kurz, dass ein stärkerer, tragender Konflikt allenfalls gar nicht nötig ist.

Der erste Satz ist so abgekapselt vom Rest. Da würde ich noch etwas drumherumschreiben, denke ich.
Ja, verstehe deine Sichtweise. Der Satz steht da ein wenig isoliert, bekommt aber dann später durchaus Bedeutung. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den killen soll.

Das liest sich wie eine Erklärung des Textes, finde ich.
Ich lese die Stelle eher sinnlich als erklärend, aber spannend, wie Du das siehst.

Die Wörter Wierdo und Spasti passen nicht ganz zum Ton der Geschichte, finde ich. Das sticht so vulgär heraus. Man könnte den hinteren Nebensatz weglassen oder vielleicht eine andere Beleidigung nehmen.
Okay, ja, ich überlege mir, ob ich das rausnehme oder andere Bezeichnungen für den Erzähler finde. Vor allem 'Weirdo' ist ja Neudeutsch, das passt vielleicht nicht so richtig. Andererseits finde ich, reagieren die Jungs aus der Klasse allenfalls schon so, wie das 'in echt' der Fall wäre, findest Du nicht?

Ich hatte beim Lesen das Gefühl in jedem zweiten Satz das Wort Aquädukt zu lesen.
Kann sein, dass ich damit ein wenig übertrieben habe, ja. Das ist schon eine bewusst eingesetzte Leitstruktur, muss mal schauen, wie oft das Wort im Text tatsächlich vorkommt. Ok, 17 mal. Der Text ist kurz, aber als Motiv soll sich das schon durchziehen, von daher sehe ich persönlich es jetzt (noch?) nicht so kritisch.

Das ist mir persönlich ein bisschen too much.
Auch das kann ich nachvollziehen. Im vorherigen Feedback wurde dieser Satz als stark hervorgehoben, weshalb ich es mal auf persönlichen Geschmack schiebe. Und ja, schade, konnte Dich die Story nicht vollständig abholen!

Der Text ist gut geschrieben und dieses "Dahinfließen" des Lebens deines Protagonisten, das du vermutlich angestrebt hast, funktioniert für mich.
Danke! Ja, so war es u.a. gedacht.

Vielen Dank, Klamm, für deine Zeit und dein Feedback!

Beste Grüsse,
d-m

 

Hallo @deserted-monkey !

Ein schön philosophischer, teilweise poetischer Text; exzellente Bildsprache. Gelungene Symbolebene. Das Aquädukt als reales Objekt, als Übergang und als Erinnerungsspeicher: rätselhaft, mystisch, da liegt ein Zauber drin – diese Bögen, die sich mit den Gesichtszügen (Augenbrauen) des Mädchens verschränken ... das ist gut erzählt:

»Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.«

Auch stilistisch ist im Text weitgehend alles bei sich.

Was ich schwächer finde, ist der Tod des Mädchens. Der passt sich nicht ein, erscheint mir fast wie ein Fremdkörper, unvermittelt da reingesetzt, als ob 'die des Effekts wegen sterben muss'. Sari bleibt zu schemenhaft, als dass ihr Tod als eine Antwort gelesen werden könnte, als etwas, das sich ergeben muss, eine Antwort auf das, was vorher war. Damit meine ich nicht die Todesursache, über die der Erzähler spekuliert (heißt, er spekuliert, ob er Schuld daran trägt), die unaufgeklärt bleibt, sondern ihren Tod an sich.
Die andere Figur, Nebenfigur, Benjamin, erscheint nur als Funktion im Leben des Erzählers. Dafür hat sie zu viel Raum oder müsste, umgekehrt, deutlich mehr Raum bekommen, um mehr als Funktion zu sein, mehr eigenständige Tiefe. Momentan ist es, als wären die beiden nur Kulisse für den Erzähler. Oder ist das gewollt?

Der Schluss: wundervoll philosophisch, handwerklich exzellent.

Die kleinen Fische:

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.
Starker erster Satz. So muss das sein: ein echtes Fragezeichen, was ist da los?

mit Bleistift auf das Papier unserer Klemmbretter
Leicht schief .. das Papier unserer Klemmbretter; eigentlich ja: auf unseren Klemmbrettern
und Herr Lenning darauf achtete, dass niemand zu nah heranging.
Heranging? -> Perspektive? -_> zu nah ranging (... an)

Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als wenn ich sie direkt zählte.
'als wenn ich sie direkt zählte'? klingt unbeholfen. Weiß, was du meinst, aber ...

Auf keiner Zeichnung stimmte die Anzahl der Bögen überein.
Doch, ich behaupte, auf jeder Zeichnung stimmte die Anzahl der Bögen (mit sich) überein, außer jeder hat das Aquädukt mehrfach gezeichnet. Also war vermutlich die Anzahl der Bögen auf den verschiedenen Zeichnungen unterschiedlich.

und da wir als Schüler alle Individuen seien, wären unsere unterschiedlichen Ansichten ganz natürlich.
Kein Konjunktiv irrealis, er meint ja, das stimmt: seien.
Würd den Satz anders aufbauen. Als Schüler seien wir alle Individuen, daher natürlich auch unsere Ansichten auf den Zeichnungen unterschiedlich.

Aber ich dachte sofort daran, dass es nur eine Ausrede war, denn ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte.
Schön mysteriös. Die Rationalität des Erwachsenen hat Risse!

Ich hockte neben Benjamin, damals wohnte er noch in der Stadt, und schon da war uns beiden kla
Jetzt kommt eine neue Figur. Dazu sagte ich oben schon etwas. Die Stadtwohninfo finde ich unglücklich platziert.

warum wir das Aquädukt anders betrachteten als die anderen.
'anders betrachteten als die anderen'?

Ich war schon in der Sechsten, als Sari zu uns kam.
Die nächste Figur. Fast ein wenig spät, dafür, dass sie schon im ersten Satz auftaucht.

Jungs lachten, und untereinander flüsterten
Komma weg
gelang es mir, mich soweit zu erden
Das Psycho-Sprech, das passt gar nicht zur Figur.

so große Angst vor der Zukunft mehr hatte, weil ich lieber den Moment lebte.
Nochmal. Einfach so hingestellt, klingt das nach psychologischem Tageskalenderspruch.

Auch die Wut meines Lehrmeisters über verbrannte Brote, mein ständiges Verschlafen und die Nähe zu Sari, weil er ein Rassist war, folgten meinem dahinrinnenden Leben dorthin.
Wuuuuu! Jetzt geht’s aber schnell. Ein Overkill an Infos, die wenig miteinander kommunizieren: der Rassist, die Nähe zu Sari, das dahinrennende Leben: Zeit lassen! Ebenso hier:
Meine Lehre zum Bäcker, die viel zu kurze Zeit mit Sari und der Wegzug von Benjamin in eine andere Stadt — alles floss über das Aquädukt in den Erinnerungsspeicher des Stausees.
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Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
Das steht einfach unangebunden mitten drin. Nichts vorher führt darauf hin, es wird im Anschluss nicht untermauert. Entweder du legst das im Text an – oder führst das weiter aus – oder streichst es.

Schwarz überspannen die Bögen den Fluss. Ich sitze in der Böschung, am Aquädukt, wie damals die ganze Klasse mit Herrn Lenning, und verfolge die Schwünge nicht mit dem Bleistift, sondern mit einem Finger. Wie viele es sind, ist unmöglich zu zählen. Ich stelle mir vor, dass ich von weit oben Saris Gesicht erkennen könnte und wie ich sie am Ende des Aquädukts wiedersehen würde.
Dann stehe ich auf, gehe auf das Aquädukt hinaus, Steine knirschen unter meinen Schuhen und ich muss aufpassen, nicht zu straucheln, weil ich mich so leicht fühle. Je weiter ich gehe, desto länger erscheint mir der Weg, und das Rauschen des Wassers beruhigt meine Angst vor der Höhe. Bis ich an einen Punkt komme, von dem ich in beide Richtungen blicke, die Arme ausgebreitet, und die Quader des Bauwerks sich in der Dunkelheit verlieren.
Ein starker Schlussabsatz.

Gruß
Flic

 

Hallo @deserted-monkey,

schöner Text, gute Bildsprache, gefällt mir also in der Funktion ganz gut. Trotzdem wirkt das auf mich eher wie ein ausformulierter Tagebucheintrag, wie eine Reflexion, nicht so sehr wie eine Geschichte.

Mir fehlt auch ein wenig die zweite Ebene, die über die Bildsprache und Metaphorik hinausgeht.

Zwischendurch ein wenig Kleinkram:

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.

Irgendwie ist das für mich zeitlich etwas schief. Entweder würde ich den zweiten Teil im PQP schreiben oder "war" durch "ist" ersetzen.

Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte.

Hasel und Flieder blühen eher nicht gleichzeitig, aber wer merkt das schon.

hockten wir bei mir im Keller und schrieben uns die Fantasie von der Seele.

"Fantasie von der Seele" - Fantasie verschwindet ja nicht, das ist eine dauerhafte Eigenschaft, oder? Es ist auch keine Stimmung. Von daher passt das Bild hier nicht so gut.


Nicht weil ihre Haut dunkler war als meine oder ihr Haar schöner und glänzender als das der Mädchen in der Klasse.

Das war etwas oberflächlich (nicht wegen etwaiger Wokeness), aber die Andersartigkeit, die man sofort liebt, dürft bei so einem poetisch, reflektierenden Menschen nicht in der Äußerlichkeit begründet sein (wobei ich auch hier ein Fragezeichen beim Beruf Bäcker habe).

Auf keiner Zeichnung stimmte die Anzahl der Bögen überein.
Das bedeutet strenggenommen, dass auf einer Zeichnung mehrere Abbildungen des Aquädukts sind, mit unterschiedlicher Anzahl von Bögen.

Ich frage mich bei dem Text, wo Du damit hinwillst, deswegen fällt es mir schwer, ihn tiefergehend zu kommentieren. Vielleicht hilft Dir das kurze Feedback trotzdem.

Gruß
Geschichtenwerker

 

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