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Am Aquädukt

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03.10.2020
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Am Aquädukt

In der Nacht als Sari starb, ist das Wasser zurückgekommen.

Das erste Mal am Aquädukt waren wir mit der Schulklasse. Herr Lenning fuhr uns mit einem Kleinbus hin und gab uns die Aufgabe, das Bauwerk mit Bleistift auf das Papier unserer Klemmbretter zu zeichnen. Der Tag war mild und die Sonne schien durch die Aquäduktbögen, ließ die alten Steine in diesem Licht glimmen, das mich bis heute nicht mehr loslässt. Unsere Blätter raschelten, während wir mit der Klasse oben in der Böschung saßen und Herr Lenning darauf achtete, dass niemand zu nah heranging.
Unten auf dem Fluss lag die Spiegelung der Bögen so klar, als hätten die Architekten eine exakte Kopie des Aquädukts ins Wasser gebaut. In mir wuchs der Eindruck, dass an diesem Ort eine zweite Brücke existierte, die durch das Sonnenlicht dieses Frühlingsnachmittags geradewegs in meine Sinne führte, Wärme und den Geruch von Hasel und Weidenblüten in mich hinein transportierte. Wobei das mit der exakten Kopie nicht ganz der Wahrheit entsprach. Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als ich direkt zählte.
Ich sprach Herrn Lenning darauf an und in der Klasse wurde darüber diskutiert, wer recht hatte. Auf jeder Zeichnung war die Anzahl der Bögen verschieden. Schließlich sagte Herr Lenning, keiner von uns habe einen Fehler gemacht. Es sei lediglich eine Frage der Perspektive, und als Schüler seien wir Individuen, daher auch unsere Ansichten auf den Zeichnungen unterschiedlich.
Aber ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte. Ich hockte neben Benjamin und zeichnete weiter an meinem Aquädukt, das sich am Horizont in Wolken verlor. Schon da war uns beiden klar, ohne dass wir es aussprechen mussten, dass es die neue Muse für unsere Geschichten sein würde.

Benjamin und mich verband die Leidenschaft für Geschichten. Während die anderen Jungs sich über Mädchen und ihre ersten Zigaretten unterhielten, vielleicht geklautes Bier von ihren Vätern tranken, hockten wir bei mir im Keller und schrieben uns die Fantasie von der Seele. Das war auch der Grund, warum wir das Aquädukt als etwas ganz Besonderes betrachteten.
In unserer Vorstellung führte es noch Wasser, auch wenn Teile seines Mauerwerks bereits abgebröckelt waren. Aber nicht nur das: Für uns war es ein Fluss, der in ein unbekanntes Land führte, das am Grund eines tiefen Stausees lag, wo unter dem schwarzen Wasser die Ruinen einer alten Stadt ruhten, in deren Mauern die Erinnerungen des Aquädukts gespeichert waren.
Von dort wurde die Vergangenheit unserer Stadt zu uns getragen, Geschichten von einer vergessenen Zivilisation vor Hunderten von Jahren, und wir erfanden die Charaktere, die sie bevölkerten. Zwei davon waren Brüder, tragische Helden, die vom Kampf gegen Barbaren so vernarbt und gezeichnet waren, dass niemand außer ihnen selbst sie noch lieben konnte. Diese Beschäftigung nahm den Großteil meiner frühen Jugend ein und entfernte mich weiter von meinen Klassenkameraden.

Ich war schon in der Sechsten, als Sari zu uns kam. Sie war mit ihren Eltern aus Sri Lanka geflüchtet. Beim Klang dieses Namens musste ich sofort an das Land am Grund des Stausees denken. Alter und Fremdheit schwangen darin, und ich verlor mich in Tagträumen, bis mich Herr Lenning tadelte und die anderen Jungs lachten und untereinander flüsterten, ich sei ein Weirdo und ein Spasti.
In Sari aber fand ich eine weitere Person, die bereit war, meinen Geschichten zu lauschen. Sie musste nur ihre Hand auf meine legen, damit ich meine Ängste vergaß und mit ruhiger Stimme weitersprechen konnte. Ich war mir nicht sicher, ob sie alle Details verstand, die ich mir ausgedacht hatte, aber ihr Lächeln überzeugte mich vom Gegenteil.
Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich mich in ihre Andersartigkeit verliebte. Sie strahlte eine Ruhe aus – in ihrem Blick, in ihren Bewegungen –, die zugleich erstaunlich und erschütternd wirkte, gemessen an dem, was sie mit ihrer Familie zweifelsohne erlebt haben musste. Wenn sie sprach, lag diese Ruhe ebenso in ihrer Stimme und ich konnte nie genug von ihren Worten bekommen, auch wenn sie nicht gut Deutsch sprach und es teilweise schief klang.
Wenn sie vom Flur ins Schulzimmer zurückkam, hörten die anderen Mädchen auf zu kichern und in den Pausen fragten mich die Jungs, wie sie ihre Schwärme rumkriegen konnten. Ich ließ alle abblitzen und genoss es, mit Sari auf dem Pingpongtisch zu sitzen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen. Mit jedem Wort, das sie besser Deutsch sprechen konnte, wurde meine Liebe stärker. Fasziniert beobachtete ich den sanften Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.

Meine Lehre zum Bäcker zwang mich, in den frühen Morgenstunden aufzustehen. Doch oft verschlief ich und der Tag endete mit der Wut meines Lehrmeisters, weil mir wieder die Brote angebrannt waren. Außerdem gab er affige Geräusche von sich, wenn mich Sari nach der Arbeit abholte. Benjamin zog in eine andere Stadt und wir verloren den Kontakt. All das floss über das Aquädukt in den Erinnerungsspeicher des Stausees, und ich spürte, mein ganzes Leben rinne bald dorthin.
Von Benjamin habe ich nie wieder gehört. Ich durchsuchte das Internet nach seinem Roman, den er hatte schreiben wollen. Am Aquädukt. So sollte der Titel lauten. Er gefiel mir von Anfang an. Aber er war zusammen mit Benjamin in den Schatten des Bauwerks verschwunden, aus meinem Leben verdrängt, von einer Kraft, die erst als leichtes Rinnsal, aber zunehmend als rauschender Strom über die Bögen floss.
Von da an verbrachte ich jede freie Minute mit Sari und sobald das Wetter nach dem Winter aufklarte, fuhren wir mit dem Bus aus der Stadt, um die Bögen des Aquädukts zu zählen. Oder um unter ihnen auf unserem Bett aus Schilf zu liegen und einfach nur nach oben zu sehen, während ich ihr von dem Land erzählte, zu dem das Wasser des Aquädukts einst führte.

Eines Morgens fanden Wanderer Saris Körper am Fuße des Aquädukts. Weder äußerlich noch innerlich wies sie Verletzungen auf und die Ärzte schoben ihren Tod auf einen plötzlichen Herzstillstand. Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
In den Jahren ohne sie tröstete es mich, weiterhin die Bögen zu zählen. Mit jedem Jahr, das ich unter dem Aquädukt verbrachte, wurden sie zahlreicher. Mein altes Leben als Bäcker hatte ich längst verloren. Manchmal grillte ich Heringe, wenn mich Fischer dazu einluden, und als sie wegblieben, jagte ich mit einem zugespitzten Stock von Hand. Ich filterte Wasser durch meine Kleidung und legte mir einen Vorrat essbarer Wurzeln und Kräuter an, schlief in meiner Hütte aus Holz und Schilf, wenn die Winterkälte mir drohte, die Zehen zu erfrieren. Und so überlebte ich bis heute.

Schwarz überspannen die Bögen den Fluss. Ich sitze in der Böschung, am Aquädukt, wie damals die ganze Klasse mit Herrn Lenning, und verfolge die Schwünge nicht mit dem Bleistift, sondern mit einem Finger. Wie viele es sind, ist unmöglich zu zählen. Ich stelle mir vor, dass ich von weit oben Saris Gesicht erkennen könnte und wie ich sie am Ende des Aquädukts wiedersehen würde.
Dann stehe ich auf, gehe auf das Aquädukt hinaus, Steine knirschen unter meinen Schuhen und ich muss aufpassen, nicht zu straucheln, weil ich mich so leicht fühle. Je weiter ich gehe, desto länger erscheint mir der Weg, und das Rauschen des Wassers beruhigt meine Angst vor der Höhe. Bis ich an einen Punkt komme, von dem ich in beide Richtungen blicke, die Arme ausgebreitet, und die Quader des Bauwerks sich in der Dunkelheit verlieren.

 

Hey @deserted-monkey,

der Text gefällt mir ausgesprochen gut, er lebt von dem starken Bild der Aquädukts, das für manche Betrachter Wasser führt, für andere nicht und niemand kann sagen, wieviele Bögen es überspannt. Ein surreales once-in-a-lifetime-Erlebnis, das tief prägt, was auch hierdurch bestätigt wird:

Der Tag war mild und die Sonne schien durch die Aquäduktbögen, ließ die alten Steine in diesem Licht glimmen, das mich bis heute nicht mehr loslässt.
Er wird von diesem Ort an die Hand genommen und nicht mehr losgelassen. Mit dem Spüren dieser Magie ist er nicht alleine, auch Benjamin und Sari empfinden eine ähnliche Anziehung und das trägt die Verbindung zu ihnen.
Das erste Mal am Aquädukt waren wir mit der Schulklasse.
Das ist der erste Satz nach deinem vorangestellten Prologsatz, den ich nebenbei gesagt nicht bräuchte, weil er das Ende vorwegnimmt. Für mich ist das Zitierte der eigentliche Anfang. Deshalb finde ich das schwache und unspezifische Verb "waren" störend. Ich habe direkt die nächsten Sätze mit Fokus auf den Duktus gelesen und festgestellt, dass du danach ganz anders schreibst, präzise und gehoben.
Die Spiegelung der Bögen lag so klar darauf, als hätten die Architekten eine exakte Kopie des Aquädukts in die Erde gebaut.
Beim Versuch, das nachzuempfinden, brachte ich das spiegelglatte Wasser nicht mit der in die Erde gebauten Kopie überein. Vllt. wäre es einfacher und anschaulicher, wenn die Kopie auf das Wasser gelegt worden wäre?
Ich wurde das Gefühl nicht los, dass an diesem Ort eine zweite Brücke existierte, die durch das Sonnenlicht dieses Frühlingsnachmittags geradewegs in meine Sinne führte, Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte.
Sehr schön! "Ich wurde das Gefühl nicht los" trifft es nicht ganz, denn er beschreibt kein Gefühl, sondern eine Imagination. Vllt. besser: In mir wuchs der Eindruck, dass ...
Wobei das mit der exakten Kopie nicht ganz der Wahrheit entsprach. Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als wenn ich sie direkt zählte.
Auch sehr schönes Detail, das bringt ein Element des magischen Realismus in den Text, auch später, wenn du darauf zurückgreifst und das variierst.
Schließlich sagte Herr Lenning, keiner von uns habe einen Fehler gemacht, es sei lediglich eine Frage der Perspektive, und da wir als Schüler alle Individuen seien, wären unsere unterschiedlichen Ansichten ganz natürlich.
Haha, jeder Jeck ist anders, guter Herr Lenning, aber heimlich versucht er doch selbst mehrfach nachzuzählen, vergeblich!
und schon da war uns beiden klar, ohne dass wir es aussprechen mussten, dass das Aquädukt die neue Muse für unsere Geschichten sein würde.
Weiß nicht, eine Muse ist für mich eine greifbare Figur, von der Herkunft des Wortes her eine griechische Göttin und kein Erlebnis, kein Ort. Da würde ich eher neutral von Inspiration sprechen.
Benjamin und ich waren Außenseiter. Wir hörten weder Rap noch Metal, wir waren keine Skater und auch mit den Bauernkindern und ihrem Wissen über Landmaschinen und Tiere hatten wir nur wenig gemeinsam.
Das Durchgestrichene ist mir zu sehr Zaunpfahl. Das geht doch aus den Beschreibungen hervor.
Das war auch der Grund, warum wir das Aquädukt anders betrachteten als die anderen.
In unserer Vorstellung führte es noch Wasser, auch wenn Teile seines Mauerwerks bereits abgebröckelt waren.
Schön, eine spezielle Verbindung zweier verwandter Seelen zu einem besonderen Ort.
Für uns war es ein Fluss, der in ein unbekanntes Land führte, das am Grund eines tiefen Stausees lag, wo die Erinnerungen des Aquädukts gespeichert waren. Von dort wurde die Vergangenheit unserer Stadt zu uns getragen,
Das bringt mich etwas raus, weil ich "gespeicherte Erinnerungen eines Aquädukts" mit keiner Vorstellung verbinden kann. Auch klingelt für mich bei "Wassererinnerung" direkt der Esoterikalarm und triggert Abwehrreaktionen. Woraus konkret kann die Erinnerung bestehen? Der Geschmack des Wassers nach Eis und Bergen? An Ereignisse, die sich dort zutrugen? An bestimmte Menschen und ihre Taten?
Von dort wurde die Vergangenheit unserer Stadt zu uns getragen, Geschichten von einer vergessenen Zivilisation vor Hunderten von Jahren, und wir erfanden die Charaktere, die sie bevölkerten. Diese Beschäftigung nahm den Großteil meiner frühen Jugend ein und entfernte mich weiter von meinen Klassenkameraden.
Du gibst direkt die Antworten, deshalb würde ich darauf achten, bei dem Überleitungssatz dahin nicht zu sehr zu behaupten.
In Sari aber fand ich eine weitere Person, die bereit war, meinen Geschichten zu lauschen, und dank ihrer Hilfe gelang es mir, mich soweit zu erden, dass ich keine so große Angst vor der Zukunft mehr hatte, weil ich lieber den Moment lebte.
Das Fette kommt mir zu schnell, entwertet den guten Satzanfang, weil es etwas tellt, wozu du besser etwas anschaulicher und ausführlicher schreiben würdest.
Nicht weil ihre Haut dunkler war als meine oder ihr Haar schöner und glänzender als das der Mädchen in der Klasse.
Das würde ich vorsichtiger behandeln, es sind doch Äußerlichkeiten, die eben nicht die Andersartigkeit beschreiben, in die er sich verliebt hat. Es ist vielmehr ihre Art, ihre Ruhe, die ihn fasziniert. Und dennoch beschreibst du grenzwertig am Klischee kratzend genau diese Unterschiede, die keine Rolle spielen? Das hier:
Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.
finde ich ein sehr schönes und sehr passendes Detail, das mir persönlich zu ihrem Äußeren genügen würde.
Meine Lehre zum Bäcker
Ein handwerklicher Beruf, den ich mit deinem Prota nicht übereinbringe. Für mich ist er ein Tagträumer, da würde ev Buchhändler passen oä? Auf jeden Fall ein Beruf, der ihm die Möglichkeit gibt, seinen Gedanken und Träumereien nachzugehen.
alles floss über das Aquädukt in den Erinnerungsspeicher des Stausees.
okay, der Nebensatz ist weniger ein Fremdkörper, das passt schon iwie, diese Erinnerungfunktion des Stausees bedarf aber mMn einer spezifischeren Einbettung im Vorfeld.
Auch die Wut meines Lehrmeisters über verbrannte Brote, mein ständiges Verschlafen und die Nähe zu Sari, weil er ein kleiner Rassist war, folgten meinem dahinrinnenden Leben dorthin.
Ein Satz, der sich an seiner Struktur bis zum Unverständlichen hin verknödelt. Der bedarf der Begradigung. Was ist ein kleiner Rassist? Abgesehen von der verharmlosenden Relativierung passt das nicht zur Denke und zum Duktus deines Protas.
Von Benjamin habe ich nie wieder gehört. Ich durchsuchte das Internet nach seinem Roman, den er hatte schreiben wollen. Am Aquädukt. So sollte der Titel lauten. Er gefiel mir von Anfang an. Aber er war zusammen mit Benjamin in den Schatten des Bauwerks verschwunden, aus meinem Leben verdrängt, von einer Kraft, die erst als leichtes Rinnsal, aber zunehmend als rauschender Strom über die Bögen floss.
sehr schön!
Von da an verbrachte ich die meiste Freizeit mit Sari und sobald das Wetter nach dem Winter aufklarte, fuhren wir mit dem Bus aus der Stadt, um die Bögen des Aquädukts zu zählen. Oder um unter ihnen auf unserem Bett aus Schilf zu liegen und einfach nur nach oben zu sehen.
Auch sehr schön. Allerdings würde ich "die meiste Freizeit" anders rüberbringen. "Jede frei Minute" oder "die Nachmittage"?
Eines Morgens fanden Wanderer Saris Körper am Fuße des Aquädukts.
Der Satz besitzt Impact, daer verdient einen Absatz davor.
Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
Auch das gefällt mir, wenngleich ich mit diesem Schlusspunkt Saris den Eindruck mitnehme, recht wenig über sie erfahren zu haben. Das ging mir persönlich zu flott und etwas drübergehuscht vom Kennenlernen bis zum Tod. Vor allem, weil die Figur im Text ein erhebliches Gewicht für den Prota hat. Das wird hierdurch bestätigt:
Manchmal grillte ich einen Hering, weil mich die Fischer dazu einluden, und wenn sie wegblieben, jagte ich mit einem zugespitzten Stock von Hand. Ich filterte Wasser durch meine Kleidung und legte mir einen Vorrat essbarer Wurzeln und Kräuter an, schlief in meiner Hütte aus Holz und Schilf, wenn die Winterkälte mir drohte, die Zehen zu erfrieren. Und so überlebte ich bis heute.
Er verliert seinen Job als Bäcker, wird durch Saris Tod aus der Bahn geworfen, reduziert sein Leben aufs Nötigste, bis es letztlich nur noch ums Überleben geht.
Schwarz überspannen die Bögen den Fluss. Ich sitze in der Böschung, am Aquädukt, wie damals die ganze Klasse mit Herrn Lenning, und verfolge die Schwünge nicht mit dem Bleistift, sondern mit einem Finger. Wie viele es sind, ist unmöglich zu zählen. Ich stelle mir vor, dass ich von weit oben Saris Gesicht erkennen könnte und wie ich sie am Ende des Aquädukts wiedersehen würde.
Dann stehe ich auf, gehe auf das Aquädukt hinaus, Steine knirschen unter meinen Schuhen und ich muss aufpassen, nicht zu straucheln, weil ich mich so leicht fühle. Je weiter ich gehe, desto länger erscheint mir der Weg, und das Rauschen des Wassers beruhigt meine Angst vor der Höhe. Bis ich an einen Punkt komme, von dem ich in beide Richtungen blicke, die Arme ausgebreitet, und die Quader des Bauwerks sich in der Dunkelheit verlieren.
Schöner logischer Schluss, fast eine Traumsequenz, rauschendes Wasser, ein immer länger werdender Weg, die Unmöglichkeit die Bögen zu zählen, die Realität schwebt zwischen Himmel und Erde.

wie gesagt sehr gerne gelesen! Peace, l2f

 

Hey @linktofink

Vielen herzlichen Dank für deine schnelle Reaktion! Und danke auch fürs Lesen und deine Zeit natürlich. Freut mich, dass Dir die Geschichte gut gefallen hat und Dich die Atmosphäre und die Symbolik soweit erreichen und abholen konnten, auch bedanken will ich mich für die Stellen, die Dir gut gefallen haben. Ich habe dein Lob gerne gelesen, aber auch die kritischen Anmerkungen, für die wir ja schlussendlich alle hier sind. Gerne gehe ich auf deinen Kommentar ein.

Das ist der erste Satz nach deinem vorangestellten Prologsatz, den ich nebenbei gesagt nicht bräuchte, weil er das Ende vorwegnimmt. Für mich ist das Zitierte der eigentliche Anfang. Deshalb finde ich das schwache und unspezifische Verb "waren" störend. Ich habe direkt die nächsten Sätze mit Fokus auf den Duktus gelesen und festgestellt, dass du danach ganz anders schreibst, präzise und gehoben.
Den Prologsatz lasse ich mal noch stehen, aber Du hast das gut bemerkt, den Einleitungssatz habe ich erst nach dem Schreiben des ersten Absatzes noch hinzugefügt. Er ist mir so zugeflogen und klang einfach gut. Aber dass er das Ende vorwegnimmt, ist vielleicht nicht ein so guter Kniff, ich sehe es schon. Zum Satz danach: Ich überlege, den umzuschreiben, bzw. mit dem nachfolgenden Satz zu kombinieren:
Herr Lenning hatte uns mit einem Kleinbus zum Aquädukt gefahren und gab uns die Aufgabe, das Bauwerk mit Bleistift auf das Papier unserer Klemmbretter zu zeichnen.
Ich bin mir gerade noch nicht sicher, ob das besser ist, bedanke mich aber fürs genaue Lesen und darauf hinweisen!

Beim Versuch, das nachzuempfinden, brachte ich das spiegelglatte Wasser nicht mit der in die Erde gebauten Kopie überein. Vllt. wäre es einfacher und anschaulicher, wenn die Kopie auf das Wasser gelegt worden wäre?
Ich finde auch, dass das etwas holperig klang und war nicht vollständig damit zufrieden. Verstehe es, dass Du da ein wenig gestrauchelt bist und das Bild nicht ganz zusammensetzen konntest. Ich habe es nun leicht angepasst und hoffe, es ist jetzt besser.

Weiß nicht, eine Muse ist für mich eine greifbare Figur, von der Herkunft des Wortes her eine griechische Göttin und kein Erlebnis, kein Ort. Da würde ich eher neutral von Inspiration sprechen.
Auch hier überlege ich noch. 'Muse' gefällt mir im Kontext irgendwie besser, Inspiration klingt so neutral. Ich denke, es ist eher eine Geschmacksfrage, behalte den Punkt aber im Hinterkopf.

Das Durchgestrichene ist mir zu sehr Zaunpfahl. Das geht doch aus den Beschreibungen hervor.
Ja. Habe ich angepasst.

Das bringt mich etwas raus, weil ich "gespeicherte Erinnerungen eines Aquädukts" mit keiner Vorstellung verbinden kann. Auch klingelt für mich bei "Wassererinnerung" direkt der Esoterikalarm und triggert Abwehrreaktionen. Woraus konkret kann die Erinnerung bestehen? Der Geschmack des Wassers nach Eis und Bergen? An Ereignisse, die sich dort zutrugen? An bestimmte Menschen und ihre Taten?
Ich denke, hier wird die Metapher für die ganze Geschichte so etwas erklärt und ausgebreitet. Das ist vielleicht zu direkt, zu viel. Ich verstehe auch deine Abwehrreaktion, selbst habe ich auch überhaupt nichts mit Esoterik am Hut. Danke für die Fragen, die leiten mich hoffentlich in die richtige Richtung, also ich will die Stelle noch anpassen/glätten. Das ist ein sehr guter Hinweis!

Das würde ich vorsichtiger behandeln, es sind doch Äußerlichkeiten, die eben nicht die Andersartigkeit beschreiben, in die er sich verliebt hat. Es ist vielmehr ihre Art, ihre Ruhe, die ihn fasziniert. Und dennoch beschreibst du grenzwertig am Klischee kratzend genau diese Unterschiede, die keine Rolle spielen?
Auch hier gebe ich Dir recht. Es ist schon ein wenig grenzwertig, ich sehe es. Und genau, es ist nicht ihr Äusseres, in das er sich verliebt, sondern in diese unglaubliche Ruhe, die von Sari ausgeht. Ich habe schon eine Idee und schaue, wie ich da bisschen wegkomme von ihrem Äusseren und den Fokus mehr auf sie als Mensch legen kann. Du schreibst später auch, dass man als Leser Sari nicht so richtig kennenlernt, obwohl sie eine immens wichtige Figur für den Erzähler ist. Auch da gehe ich mit. Allzu viel kann ich wohl nicht hinzufügen, die Geschichte ist jetzt schon relativ lang für eine Flash Fiction, und ich hab da wohl den einfachen Weg genommen, einfach über ihre Äusserlichkeiten, habe mir wohl zu wenig zugetraut, diese Liebe für Sari in ein paar wenigen Sätzen oder Zeilen abzuhandeln. Ich arbeite aber dran :-)

Ein handwerklicher Beruf, den ich mit deinem Prota nicht übereinbringe. Für mich ist er ein Tagträumer, da würde ev Buchhändler passen oä? Auf jeden Fall ein Beruf, der ihm die Möglichkeit gibt, seinen Gedanken und Träumereien nachzugehen.
Den Bäcker möchte ich, zumindest im Moment, unbedingt behalten. Das hat schon einen Grund, weshalb der Erzähler diesen Beruf gewählt hat: Ich wollte damit einen Kontrast schaffen zu der eher poetischen Erzählweise und dann macht er eben was handfestes, etwas körperliches. Dann habe ich mir auch gedacht, der Beruf des Bäckers könnte etwas Symbolisches für ihn bedeuten. Brot, Wasser, Teig, Zeit. Vielleicht ist vor hunderten von Jahren mit dem Wasser des Aquädukts auch ein Mühlrad betrieben worden, dass dann das Korn zu Mehl gemahlen hat für die damaligen Brote. Nun ja, so zumindest die Überlegung, warum er diesen Beruf gewählt hat.

Ein Satz, der sich an seiner Struktur bis zum Unverständlichen hin verknödelt. Der bedarf der Begradigung. Was ist ein kleiner Rassist? Abgesehen von der verharmlosenden Relativierung passt das nicht zur Denke und zum Duktus deines Protas.
Ja, den Satz schaue ich mir noch einmal an, auch wenn ich persönlich jetzt nicht unbedingt Mühe damit habe. Beim 'kleinen Rassist' gebe ich Dir vollkommen recht, das war eine doofe Formulierung, die bei meinem Erzähler nichts zu suchen hat. Der Lehrmeister ist nun einfach ein Rassist, vielleicht ist das schon besser, aber ich schaue mal, wie ich es vielleicht noch weiter anpassen kann.

Der Satz besitzt Impact, daer verdient einen Absatz davor.
Absolut. Habe davor einen Absatz gegönnt. (und auch weiter oben noch einen, damit das optisch ein wenig 'gestaffelter' ist)

Schöner logischer Schluss, fast eine Traumsequenz, rauschendes Wasser, ein immer länger werdender Weg, die Unmöglichkeit die Bögen zu zählen, die Realität schwebt zwischen Himmel und Erde.
Super! Genau so sollte der Schluss wirken! Am besten gefällt mir 'die Realität schwebt zwischen Himmel und Erde'. Perfekt.

Vielen Dank, linktofink, da waren einige sehr gute Hinweise dabei! An einigen Stellen überlege ich noch und warte mal weiteres Feedback ab. Dir meinen besten Dank und einen schönen Sonntag.

Beste Grüsse,
d-m

p.s.: Ich habe deine Geschichte 'Fremde Federn' schon gelesen, bin aber noch nicht dazu gekommen, einen Kommentar zu verfassen. Hoffentlich wird das die Tage noch was.

 

Hi @deserted-monkey,

ich mag deine Geschichten gerne, aber der Text hier begeistert mich nicht so. Der wirkt auf mich so gewollt surreal. Aquädukt hier, Aquädukt da und dann sieht er das Aquädukt sogar in den Augenbrauen seiner Jugendliebe. Ich denke du brauchst einen stärkeren Konflikt, der durch den Text zieht. So wie er jetzt ist, zieht einen nur dein erster Satz in den Text, weil man sich fragt, wer Sari ist und was es mit dem Wasser auf dich hat. Aber ein richtiger Konflikt entsteht durch den Tod von Sari nicht wirklich. Sie wird tot aufgefunden, fertig. Auch die anderen Ereignisse sind nur kurz angerissen und fließen an einem vorbei, wie das Wasser auf dem Aquädukt. Jetzt fang ich auch schon an darüber zu schreiben ;).

Ein paar Details:

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.
Der erste Satz ist so abgekapselt vom Rest. Da würde ich noch etwas drumherumschreiben, denke ich.

die durch das Sonnenlicht dieses Frühlingsnachmittags geradewegs in meine Sinne führte, Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte
Das liest sich wie eine Erklärung des Textes, finde ich.

Aber ich dachte sofort daran, dass es nur eine Ausrede war, denn ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte.
Die Stelle finde ich cool. Dass alle Schüler eine unterschiedliche Zahl von Bögen zählen, ist eine gute Idee.

Lenning tadelte und die anderen Jungs lachten, und untereinander flüsterten, ich sei ein Weirdo und ein Spasti
Die Wörter Wierdo und Spasti passen nicht ganz zum Ton der Geschichte, finde ich. Das sticht so vulgär heraus. Man könnte den hinteren Nebensatz weglassen oder vielleicht eine andere Beleidigung nehmen.

Aquädukt
Ich hatte beim Lesen das Gefühl in jedem zweiten Satz das Wort Aquädukt zu lesen. Ist wahrscheinlich Absicht, damit man sich als Leser auch so darum dreht wie dein Prota, aber ich würde es an ein paar Stellen rausnehmen.

Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.
Das ist mir persönlich ein bisschen too much.

Der Kommentar liest sich wahrscheinlich sehr negativ, aber das Angemerkte ist auf jeden Fall Jammern auf hohem Niveau. Der Text ist gut geschrieben und dieses "Dahinfließen" des Lebens deines Protagonisten, das du vermutlich angestrebt hast, funktioniert für mich.

Beste Grüße
Klamm

 

Hallo @Klamm

Besten Dank fürs Lesen und deine Beschäftigung mit dem Aquä ... ich meine mit dem Text! Auch wenn ich deinen Geschmack wohl nicht so wirklich getroffen habe, ist deine Rückmeldung spannend und zeigt mir, im Vergleich zum vorherigen Kommentar, dass der Text wohl eine gewisse Ambivalenz auslöst, bzw. vielleicht sogar ein wenig polarisiert, zumindest was Lesererwartungen anbetrifft. Interessant, was Du schreibst. Gerne gehe ich auf deine Anmerkungen ein:

Ich denke du brauchst einen stärkeren Konflikt
Aber ein richtiger Konflikt entsteht durch den Tod von Sari nicht wirklich.
Es war mir hier eher wichtig atmosphärisch, symbolisch, ortszentriert (aquäduktzentriert :D) zu schreiben. Ich denke, die Flash Fiction hier hat durchaus einen Konflikt, vielleicht einen anderen, als Du erwartet hast: Ich lese das hier nicht als dramatischen Konflikt, sondern eher als existenziellen. Es geht um Verlust, Entfremdung, Aufgehen im Ort. Zudem denke ich, ist der Text so kurz, dass ein stärkerer, tragender Konflikt allenfalls gar nicht nötig ist.

Der erste Satz ist so abgekapselt vom Rest. Da würde ich noch etwas drumherumschreiben, denke ich.
Ja, verstehe deine Sichtweise. Der Satz steht da ein wenig isoliert, bekommt aber dann später durchaus Bedeutung. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den killen soll.

Das liest sich wie eine Erklärung des Textes, finde ich.
Ich lese die Stelle eher sinnlich als erklärend, aber spannend, wie Du das siehst.

Die Wörter Wierdo und Spasti passen nicht ganz zum Ton der Geschichte, finde ich. Das sticht so vulgär heraus. Man könnte den hinteren Nebensatz weglassen oder vielleicht eine andere Beleidigung nehmen.
Okay, ja, ich überlege mir, ob ich das rausnehme oder andere Bezeichnungen für den Erzähler finde. Vor allem 'Weirdo' ist ja Neudeutsch, das passt vielleicht nicht so richtig. Andererseits finde ich, reagieren die Jungs aus der Klasse allenfalls schon so, wie das 'in echt' der Fall wäre, findest Du nicht?

Ich hatte beim Lesen das Gefühl in jedem zweiten Satz das Wort Aquädukt zu lesen.
Kann sein, dass ich damit ein wenig übertrieben habe, ja. Das ist schon eine bewusst eingesetzte Leitstruktur, muss mal schauen, wie oft das Wort im Text tatsächlich vorkommt. Ok, 17 mal. Der Text ist kurz, aber als Motiv soll sich das schon durchziehen, von daher sehe ich persönlich es jetzt (noch?) nicht so kritisch.

Das ist mir persönlich ein bisschen too much.
Auch das kann ich nachvollziehen. Im vorherigen Feedback wurde dieser Satz als stark hervorgehoben, weshalb ich es mal auf persönlichen Geschmack schiebe. Und ja, schade, konnte Dich die Story nicht vollständig abholen!

Der Text ist gut geschrieben und dieses "Dahinfließen" des Lebens deines Protagonisten, das du vermutlich angestrebt hast, funktioniert für mich.
Danke! Ja, so war es u.a. gedacht.

Vielen Dank, Klamm, für deine Zeit und dein Feedback!

Beste Grüsse,
d-m

 

Hallo @deserted-monkey !

Ein schön philosophischer, teilweise poetischer Text; exzellente Bildsprache. Gelungene Symbolebene. Das Aquädukt als reales Objekt, als Übergang und als Erinnerungsspeicher: rätselhaft, mystisch, da liegt ein Zauber drin – diese Bögen, die sich mit den Gesichtszügen (Augenbrauen) des Mädchens verschränken ... das ist gut erzählt:

»Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.«

Auch stilistisch ist im Text weitgehend alles bei sich.

Was ich schwächer finde, ist der Tod des Mädchens. Der passt sich nicht ein, erscheint mir fast wie ein Fremdkörper, unvermittelt da reingesetzt, als ob 'die des Effekts wegen sterben muss'. Sari bleibt zu schemenhaft, als dass ihr Tod als eine Antwort gelesen werden könnte, als etwas, das sich ergeben muss, eine Antwort auf das, was vorher war. Damit meine ich nicht die Todesursache, über die der Erzähler spekuliert (heißt, er spekuliert, ob er Schuld daran trägt), die unaufgeklärt bleibt, sondern ihren Tod an sich.
Die andere Figur, Nebenfigur, Benjamin, erscheint nur als Funktion im Leben des Erzählers. Dafür hat sie zu viel Raum oder müsste, umgekehrt, deutlich mehr Raum bekommen, um mehr als Funktion zu sein, mehr eigenständige Tiefe. Momentan ist es, als wären die beiden nur Kulisse für den Erzähler. Oder ist das gewollt?

Der Schluss: wundervoll philosophisch, handwerklich exzellent.

Die kleinen Fische:

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.
Starker erster Satz. So muss das sein: ein echtes Fragezeichen, was ist da los?

mit Bleistift auf das Papier unserer Klemmbretter
Leicht schief .. das Papier unserer Klemmbretter; eigentlich ja: auf unseren Klemmbrettern
und Herr Lenning darauf achtete, dass niemand zu nah heranging.
Heranging? -> Perspektive? -_> zu nah ranging (... an)

Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als wenn ich sie direkt zählte.
'als wenn ich sie direkt zählte'? klingt unbeholfen. Weiß, was du meinst, aber ...

Auf keiner Zeichnung stimmte die Anzahl der Bögen überein.
Doch, ich behaupte, auf jeder Zeichnung stimmte die Anzahl der Bögen (mit sich) überein, außer jeder hat das Aquädukt mehrfach gezeichnet. Also war vermutlich die Anzahl der Bögen auf den verschiedenen Zeichnungen unterschiedlich.

und da wir als Schüler alle Individuen seien, wären unsere unterschiedlichen Ansichten ganz natürlich.
Kein Konjunktiv irrealis, er meint ja, das stimmt: seien.
Würd den Satz anders aufbauen. Als Schüler seien wir alle Individuen, daher natürlich auch unsere Ansichten auf den Zeichnungen unterschiedlich.

Aber ich dachte sofort daran, dass es nur eine Ausrede war, denn ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte.
Schön mysteriös. Die Rationalität des Erwachsenen hat Risse!

Ich hockte neben Benjamin, damals wohnte er noch in der Stadt, und schon da war uns beiden kla
Jetzt kommt eine neue Figur. Dazu sagte ich oben schon etwas. Die Stadtwohninfo finde ich unglücklich platziert.

warum wir das Aquädukt anders betrachteten als die anderen.
'anders betrachteten als die anderen'?

Ich war schon in der Sechsten, als Sari zu uns kam.
Die nächste Figur. Fast ein wenig spät, dafür, dass sie schon im ersten Satz auftaucht.

Jungs lachten, und untereinander flüsterten
Komma weg
gelang es mir, mich soweit zu erden
Das Psycho-Sprech, das passt gar nicht zur Figur.

so große Angst vor der Zukunft mehr hatte, weil ich lieber den Moment lebte.
Nochmal. Einfach so hingestellt, klingt das nach psychologischem Tageskalenderspruch.

Auch die Wut meines Lehrmeisters über verbrannte Brote, mein ständiges Verschlafen und die Nähe zu Sari, weil er ein Rassist war, folgten meinem dahinrinnenden Leben dorthin.
Wuuuuu! Jetzt geht’s aber schnell. Ein Overkill an Infos, die wenig miteinander kommunizieren: der Rassist, die Nähe zu Sari, das dahinrennende Leben: Zeit lassen! Ebenso hier:
Meine Lehre zum Bäcker, die viel zu kurze Zeit mit Sari und der Wegzug von Benjamin in eine andere Stadt — alles floss über das Aquädukt in den Erinnerungsspeicher des Stausees.
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Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
Das steht einfach unangebunden mitten drin. Nichts vorher führt darauf hin, es wird im Anschluss nicht untermauert. Entweder du legst das im Text an – oder führst das weiter aus – oder streichst es.

Schwarz überspannen die Bögen den Fluss. Ich sitze in der Böschung, am Aquädukt, wie damals die ganze Klasse mit Herrn Lenning, und verfolge die Schwünge nicht mit dem Bleistift, sondern mit einem Finger. Wie viele es sind, ist unmöglich zu zählen. Ich stelle mir vor, dass ich von weit oben Saris Gesicht erkennen könnte und wie ich sie am Ende des Aquädukts wiedersehen würde.
Dann stehe ich auf, gehe auf das Aquädukt hinaus, Steine knirschen unter meinen Schuhen und ich muss aufpassen, nicht zu straucheln, weil ich mich so leicht fühle. Je weiter ich gehe, desto länger erscheint mir der Weg, und das Rauschen des Wassers beruhigt meine Angst vor der Höhe. Bis ich an einen Punkt komme, von dem ich in beide Richtungen blicke, die Arme ausgebreitet, und die Quader des Bauwerks sich in der Dunkelheit verlieren.
Ein starker Schlussabsatz.

Gruß
Flic

 

Hallo @deserted-monkey,

schöner Text, gute Bildsprache, gefällt mir also in der Funktion ganz gut. Trotzdem wirkt das auf mich eher wie ein ausformulierter Tagebucheintrag, wie eine Reflexion, nicht so sehr wie eine Geschichte.

Mir fehlt auch ein wenig die zweite Ebene, die über die Bildsprache und Metaphorik hinausgeht.

Zwischendurch ein wenig Kleinkram:

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.

Irgendwie ist das für mich zeitlich etwas schief. Entweder würde ich den zweiten Teil im PQP schreiben oder "war" durch "ist" ersetzen.

Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte.

Hasel und Flieder blühen eher nicht gleichzeitig, aber wer merkt das schon.

hockten wir bei mir im Keller und schrieben uns die Fantasie von der Seele.

"Fantasie von der Seele" - Fantasie verschwindet ja nicht, das ist eine dauerhafte Eigenschaft, oder? Es ist auch keine Stimmung. Von daher passt das Bild hier nicht so gut.


Nicht weil ihre Haut dunkler war als meine oder ihr Haar schöner und glänzender als das der Mädchen in der Klasse.

Das war etwas oberflächlich (nicht wegen etwaiger Wokeness), aber die Andersartigkeit, die man sofort liebt, dürft bei so einem poetisch, reflektierenden Menschen nicht in der Äußerlichkeit begründet sein (wobei ich auch hier ein Fragezeichen beim Beruf Bäcker habe).

Auf keiner Zeichnung stimmte die Anzahl der Bögen überein.
Das bedeutet strenggenommen, dass auf einer Zeichnung mehrere Abbildungen des Aquädukts sind, mit unterschiedlicher Anzahl von Bögen.

Ich frage mich bei dem Text, wo Du damit hinwillst, deswegen fällt es mir schwer, ihn tiefergehend zu kommentieren. Vielleicht hilft Dir das kurze Feedback trotzdem.

Gruß
Geschichtenwerker

 

Hey @deserted-monkey

insgesamt mag ich deinen Text inhaltlich. Die Mystik funktioniert bei mir. Der Tod des Mädchens ging mir persönlich zu schnell bzw. da fehlt mir ein wenig der Aufbau - ich denk da an die Geschichte von @Rainbow Runner von der Challenge, Störfrequenzen. Da verschwindet der Freund des Protagonisten in einer Musikplatte, der Ausgang ist natürlich insofern steifer, dass er weniger Interpretationsspielraum überlässt, weil bei dir kann es ja auch sein, dass der Ich-Erzähler den Verstand verliert und es gar keine andere Welt gibt. Trotzdem würd ich persönlich mir da an dem Punkt ein wenig mehr "Vorbereitung" wünschen, und wenn es nur eine Reaktion von Sari auf eine der Geschichten ist, die der Protagonist ihr erzählt, die seinen Gedanken später für mich als Leser nachvollziehbarer macht. So wie es jetzt da steht, lese ich es als Behauptung, die ein wenig aus der Luft gegriffen ist. Den Weggang des Freundes wiederum finde ich gut - auch die Suche nach dem Roman, den er Schreiben wollte überhaupt:

Von Benjamin habe ich nie wieder gehört. Ich durchsuchte das Internet nach seinem Roman, den er hatte schreiben wollen. Am Aquädukt. So sollte der Titel lauten. Er gefiel mir von Anfang an. Aber er war zusammen mit Benjamin in den Schatten des Bauwerks verschwunden, aus meinem Leben verdrängt, von einer Kraft, die erst als leichtes Rinnsal, aber zunehmend als rauschender Strom über die Bögen floss.
Die ganze Stelle hier finde ich sehr schön geschrieben.

Auch die Erzähstruktur im gesamten, das tagebuchartige, gefällt mir. Grade am Anfang hab ich echt noch geglaubt, dass ich da in etwas Autobiographisches rein gestolpert bin. Da find ich den Ton ganz gut getroffen. :)

Zu den Anmerkungen:

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.
An drei Stellen hab ich im Text mit der Zeitform gehadert, das ist die erste.
Zuerst dachte ich, dass es heißen muss: "In der Nacht als Sari starb, kam das Wasser zurück/ist das Wasser zurückgekommen." Weil ich natürlich dachte: SIe ertrinkt im zurückkommenden Wasser, insofern hängen beide Handlungen zusammen, muss die gleiche Zeitform sein. Aber weil sie (angeblich) aufgrund der Geschichten über das Aquädukt stirbt, die der Protagonist erzählt, könnte man ebenso gut sagen, dass das Wasser schon da war, d. h. das Zurückkommen des Wassers abgeschlossen war, in der Nacht, als Sari starb und dann passt auch die Zeitform. Es klang nur etwas schräg, auf den ersten "Leser". Darum zitiere ich es auch - der Satz hat mich auf jeden Fall rein gezogen, animiert zum weiterlesen, aber ich hab mich auch sicher mal ne Minute dran aufgehängt und überlegt, warum mich die Zeitform so stört. xD

Herr Lenning hatte uns mit einem Kleinbus hingefahren und gab uns die Aufgabe, das Bauwerk mit Bleistift auf das Papier unserer Klemmbretter zu zeichnen.
Das ist die zweite Stelle. Hier wechselst du im Satz die Zeitform: Entweder muss es heißen - wenn du ins Plusquamperfekt wechseln willst: "Herr Lenning hatte uns mit einem Kleinbus hingefahren und die Aufgabe gegeben, das Bauwerk (...) oder du bleibst einfach - so machen es ja die meisten Autoren, weil sie ne Allergie gegen "hatte" haben - du bleibst einfach im Perfekt/Präteritum "Herr Lenning hat uns mit dem Kleinbus hingefahren und gab uns die Aufgabe (bzw. und uns die Aufgabe gegeben)/Herr Lenning fuhr uns mit dem Kleinbus hin und gab uns die Aufgabe"
Nur mitten im Satz würd ich nicht wechseln. Wenn du zeitlich hervorheben willst, dass er sie vorher hingefahren hat, würd ich nen Punkt machen. "Herr Lenning hatte uns im Kleinbus hingefahren. Er gab uns die Aufgabe, das (...)." Wobei ich der Meinung bin, dass man das hier eig. nicht braucht, sondern gleich durchgehend im Perfekt/Präteritum bleiben könnte. Die Handlung mit dem Kleinbus liegt ja jetzt nicht Jahre zurück, sondern passiert unmittelbar bevor er ihnen die Aufgabe gibt.

Wobei das mit der exakten Kopie nicht ganz der Wahrheit entsprach. Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als wenn ich sie direkt zählte.
Und hier ist die dritte Stelle, an der mich die Zeitform stört und zwar weil du

In der Nacht als Sari starb, war das Wasser zurückgekommen.
Schwarz überspannen die Bögen den Fluss. Ich sitze in der Böschung, am Aquädukt, wie damals die ganze Klasse mit Herrn Lenning, und verfolge die Schwünge nicht mit dem Bleistift, sondern mit einem Finger.

mit dem Einstiegssatz schon klar machst, das hier ist ein Rückblick und das noch mal bestätigst, indem du am Ende der Geschichte in die Gegenwart wechelst.
Dementsprechend muss auch diese Stelle hier "Wobei das mit der exakten Kopie nicht ganz der Wahrheit entsprach." auch in der Gegenwart stehen, weil das eine Reflexion des Geschehenen ist. Insofern das mit der exakten Kopie ja auch aus seiner heutigen Sicht noch nicht der Wahrheit entspricht. :)


Kleinkram:

In Sari aber fand ich eine weitere Person, die bereit war, meinen Geschichten zu lauschen, und dank ihrer Hilfe gelang es mir, mich soweit zu erden, dass ich keine so große Angst vor der Zukunft mehr hatte, weil ich lieber den Moment lebte.
Nach lauschen könnte man evt. einen Punkt setzen, weil der Satz recht lang ist und auch gedanklich einen Sprung macht.

Stellenweise sind mir zu viele Füllworte im Text gewesen. Ich will sie jetzt nicht alle ankreiden, weil ich einerseits denke, dass das doch recht gut zu einem Text passt, der im autobiographischen Stil gehalten ist. Daher nur die Stellen, an denen ich mich daran störte:

Ich erinnere mich noch genau an den ersten Tag, an dem ich mich sofort in ihre Andersartigkeit verliebte.
auch wenn sie nicht gut Deutsch sprach und es teilweise etwas schief klang.

Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.
Das hier war mir ein wenig zu Dick aufgetragen oder vielleicht auch ein wenig zu oberflächlich, nachdem er so viele andere Sachen gesagt hat, die ihn an ihr faszinieren, die sich eben nicht auf das Aussehen konzentrieren - dass sie so ruhig ist, er ihn ihr eine weitere Zuhörerin für seine Geschichten, eine Verbündete gefunden hat - und dann sind es die Augenbrauen, die ihn am meisten an ihr faszinierten, weil sie ihn mit dem Schwung an die Bögen des Aquädukts erinnern? Das kauf ich nicht. Also, vor allem, weil er selbst so viele andere Sachen gesagt hat. Das wäre mAn eher die Kirsche auf dem Eis bzw. der Gutschein, den man noch dazu kommt. Aber doch nicht das, was ihn am meisten an ihr fasziniert.


Das war jetzt Kleinkram, im ganzen mochte ich die Geschichte wie eingangs bereits erwähnt. Ich hoffe du kannst mit dem Kommentar war anfangen.

Liebe Grüße
Salatze

 

Hallo @deserted-monkey,

um dich gleich vorzubereiten - ich rätsel ob ich gar kein Textverständnis mehr habe ...

Auf meiner Spiegelzeichnung hatte das Aquädukt zwei Bögen mehr, als wenn ich sie direkt zählte.
Malt er nur die Spiegelung?

Benjamin und ich hörten weder Rap noch Metal, wir waren keine Skater und auch mit den Bauernkindern und ihrem Wissen über Landmaschinen und Tiere hatten wir nur wenig gemeinsam.
Braucht man diesen Absatz? Eigentlich geht aus dem Text schon hervor, dass er anders 'tickt' als die anderen. Diese Aufzählung der Unterschiede kam mir etwas Aufdringlich vor, damit ich als Leser den Sachverhalt wirklich kaufe (mehr Show als Tell ist da angebracht).

Für uns war es ein Fluss, der in ein unbekanntes Land führte
Da viel von dieser Assoziation abhängt, müsste sie zwingender und intensiver beschrieben werden. Ich dachte: Na, noch eine jugendliche Fantasterei.

Am meisten faszinierte mich jedoch der sanfte Schwung ihrer schwarzen Brauen, der mich an die Bögen des Aquädukts erinnerte.
Dieses "Am meisten" steht etwas im Widerspruch zu den anderen, charakterlichen Vorzügen, die er an ihr schätzt. Da konkurriert ein visueller Eindruck mit komplexen Wesensfacetten, wird unverständlich stark bewertet.

Auch die Wut meines Lehrmeisters über verbrannte Brote, mein ständiges Verschlafen und die Nähe zu Sari, weil er ein Rassist war, folgten meinem dahinrinnenden Leben dorthin.
Die Rassismus-Erwähnung wirkt auf mich überflüssig, weil fast schon gezwungen (so, wie wenn irgendwo ein Gewalttäter vorkommt, das Kindheitstraume nicht weit weg ist).
Einfach ein Bäckerlehrling, der mit dem profanen Alltag nicht zurecht kommt. (Gut, der 'Bäcker', nicht ein Maler oder Schriftsteller).

Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
Das ist zu nebulös - warum sollten seine Geschichten eine solche Wirkung haben?

Manchmal grillte ich einen Hering, weil mich die Fischer dazu einluden
Sie luden ihn ein, einen Hering zu grillen? Sie luden ihn zum Grillen ein, brachten ihm einen Fisch (einer ist für eine Gruppe zu wenig).
Weiß nicht - ist das jetzt zu pingelpieselig? Andererseits ...

Ich filterte Wasser durch meine Kleidung und legte mir einen Vorrat essbarer Wurzeln und Kräuter an, schlief in meiner Hütte aus Holz und Schilf, wenn die Winterkälte mir drohte, die Zehen zu erfrieren. Und so überlebte ich bis heute.
Da bekomme ich Bauchschmerzen - einen kalten Winter mit essbaren Wurzeln und Kräutern zu überleben ...

Je weiter ich gehe, desto länger erscheint mir der Weg, und das Rauschen des Wassers beruhigt meine Angst vor der Höhe. Bis ich an einen Punkt komme, von dem ich in beide Richtungen blicke, die Arme ausgebreitet, und die Quader des Bauwerks sich in der Dunkelheit verlieren.
Warum kommt mir das so vor, als hätte ich es schon einmal gelesen? Der "Weg". die "Angst", der Blick ins Dunkle?

Deine Geschichte ist auf alle Fälle seltsam. Aber nicht seltsam in einer erfrischenden, anregenden Art - eher seltsam in dem Sinne, dass einiges nicht verständlich oder nachvollziehbar ist. Ich suche mmer noch, was ich wohl übersehen habe, da ich dieses Erfassungsproblem von anderen Texten aus deiner Feder nicht kenne.

Zum Glück kann man hier im Forum nach Aufklärung fragen ... also :confused:

Beste Grüße,

Woltochinon

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @deserted-monkey bist ja fleißig zur Zeit, cool! Ich habe den Text gelesen und muss sagen, dass er mir dieses Mal nicht ganz so zugesagt hat. Ich habe dazu weiter unten etwas geschrieben. Außerdem habe ich ein paar Stellen angemerkt, die für mich noch nicht so funktionieren. Vielleicht kannst du mit meinen Anmerkungen ja etwas anfangen?

Cool auf jeden Fall, dass du zurzeit wieder mehr zu schreiben scheinst!


Anmerkungen:

Schulklasse. Herr Lenning hatte uns mit einem Kleinbus hingefahren
Für mich schließen sich Schulklasse (doch mind. 20 Schüler, vermutlich mehr) und Kleinbus (9 Sitze, oder?) aus. Vielleicht mehrere Kleinbusse? Oder nur ein Teil der Klasse? Ich gebe aber zu, dass ich hier auch sehr pingelig bin, vlt ist das auch Quatsch.

in diesem Licht glimmen, das mich bis heute nicht mehr loslässt.
Das klingt mir ein bisschen zu bemüht und schwer. Ist aber vielleicht auch Geschmackssache.

Unten zog der Fluss träge dahin
Das finde ich ein sehr oft bemühtes Bild. Ein träger Fluss. Mir gefällt bei deinen Texten ja oft, dass du schon auch schöne und eigene Formulierungen hast. Das hier fällt da deshalb echt ein wenig raus (für mich zumindest).

Wärme und den Geruch von blühendem Hasel und Flieder in mich hinein transportierte.
Ich weiß nicht, aber das klingt für mich einfach irgendwie falsch. In mich hinein transportierte.

der Klasse entbrannte ein Streit darüber,
Vielleicht eher eine Diskussion? Streit ist ja schon eine Nummer härter, oder?

Aber ich dachte sofort daran, dass es nur eine Ausrede war, denn ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte.
Ich fände besser: Aber ich erwischte Herrn Lenning dabei, wie er immer wieder mit den Augen die Bögen durchzählte. Der gestrichene Teil steckt da ja drin.

und dank ihrer Hilfe gelang es mir, mich soweit zu erden, dass ich keine so große Angst vor der Zukunft mehr hatte,
Das kommt sehr plötzlich. Wo wird denn vorher seine Zukunftsangst thematisiert? Kam für mich aus dem Nichts. Im Gegenteil, wirkte er für mich eher wie ein Träumer, der gar nicht so sehr an die Zukunft denkt.

Auch die Wut meines Lehrmeisters über verbrannte Brote, mein ständiges Verschlafen und die Nähe zu Sari, weil er ein Rassist war, folgten meinem dahinrinnenden Leben dorthin.
Der Satz ist unnötig kompliziert und verdreht. Vielleicht entzerren?

Doch ich wusste, dass das nicht stimmte, und warf mir vor, dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende des Aquädukts zu finden.
Tja, spätestens hier konnte ich inhaltlich nicht mehr folgen. Du machst das ja schon manchmal in deinen Texten, dass im letzten Drittel alles so ein wenig wirr und surreal wird. Finde ich grundsätzlich auch in Ordnung (auch wenn es nicht meinen Vorlieben entspricht). Trotzdem müsste sich das für mich aus dem Text ergeben. Das ist hier für mich aber nicht der Fall. Denn du schreibst: dass meine Geschichten sie dazu verleitet hatten, in dieser letzten Nacht das Ende (...)
Vielleicht bin ich blöde und habe es einfach überlesen, aber das hat doch vorher gar keine Rolle gespielt im Text, oder? Zum Beispiel, dass er ihr Geschichten erzählt, könntest du vorher ja wunderbar zeigen und auch die Wirkung, die das auf sie hat. So ist das hier aber plötzlich einfach da. Denn alles, was du sagst, ist, dass die beiden oft zum Aquädukt fahren und einfach nach oben schauen. Nichts von Geschichten usw. Die finden vorher ja mit seinem Kumpel im Keller statt. Dann ist das aber auch plötzlich vorbei und der Kumpel verschwunden.
Klar, kann natürlich sein, dass er ihr dann jedes Mal auch Geschichten erzählt und das dann insgesamt VT in so erwas Traumartiges abdriftet, aber mir fehlt das dann hier. Daher bekomme ich da keinen Zugriff auf diese Entwicklung. Für mich an dieser Stelle unbefriedigend, aber kann sein, dass ich auch etwas Grundlegendes übersehe.

weil mich die Fischer dazu einluden, und wenn sie wegblieben, jagte ich mit einem zugespitzten Stock von Hand.
Welche Fischer? So klingt es, als hättest du sie vorher schon mal erwähnt.

Trotz der Kritik gerne gelesen.
Beste Grüße
Habentus

 

Hallo @deserted-monkey ,
was ist eigentlich ein Aquädukt? Eine Wasserleitung aus der Zeit der Römer? Sie sollen ja heute noch funktionsfähig sein. Ein Wunderwerk der Technik für die damalige Zeit. Was ist eigentlich mit Sari? Da bin ich nicht ganz schlau draus geworden.
Was versteht man unter essbaren Wurzeln? Kenne nur Möhren. Was wächst da eigentlich in der freien Natur, wenn man mal in Verlegenheit kommt? Fische mit einem angespitzten Stock erlegen ist eine Fertigkeit, die unsere Vorfahren beherrschten. Sieht man jedenfalls auf Felsmalereien. Geht wohl nur bei wirklich großem Fischreichtum. Und durchsichtigem Wasser. Viele Grüße an den Eremiten mit seinem durch die Kleidung gefilterten Wasser und seinen selbst gesammelten Früchten Frieda

 
Zuletzt bearbeitet:

Ihr lieben Kommentatoren und Kommentatorinnen, @linktofink, @Klamm, @FlicFlac, @Geschichtenwerker, @Salatze, @Woltochinon, @Habentus, @Frieda Kreuz!

Meinen besten Dank für eure intensive Beschäftigung mit dem Text. Ich wollte euch nur kurz wissen lassen, dass ich die Geschichte weitestgehend überarbeitet und praktisch alle eure Anmerkungen in der ein oder anderen Form in den Text übernommen habe. Leerstellen sind, denke ich, soweit ausgefüllt. Gewisse Stellen sollten jetzt nicht mehr 'aus dem Nichts' kommen. Andere Stellen habe ich komplett gekillt. Sari ist hoffentlich als Figur greifbarer geworden und die Geschichte im besten Fall nun vollständig in sich geschlossen. Eure Hilfe war/ist Gold wert und ich denke, die Story ist nun einiges besser geworden! Ich überlege noch, ob ich ausführen soll, wieso der Erzähler die Lehre zum Bäcker gewählt hat ... Insgesamt ist die Geschichte ungefähr um 100 Worte angewachsen, also sollte sie immer noch als Flash Fiction durchgehen :shy:

Ich melde mich noch ausführlich bei denjenigen, wo ich bis anhin die Kommentare noch nicht beantwortet habe. Bis bald!

Beste Grüsse,
d-m

 

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